Die große Krise ??? Lehrveranstaltung im Rahmen der Didaktik der Volkswirtschaftslehre

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1 Die große Krise ??? Lehrveranstaltung im Rahmen der Didaktik der Volkswirtschaftslehre Wirtschaftsuniversität i ität Wien

2 Überblick These: Krise = Frucht der Blüte von Neoliberalismus und Finanzkapitalismus Standortbestimmung nach Zwiebelart Von der US-Immobilienkrise über den globalen Wirtschaftseinbruch zur Euro-Krise Der Finanzkapitalismus seit den 1970er Jahren Die 1950er und 1960er Jahre: Soziale Marktwirtschaft und Realkapitalismus Der polit-ökonomische Entwicklungszyklus Herausforderungen an die globale, europäische und deutsche Politik Grundzüge eines europäischen New Deal

3 Gängige Erklärung der Krise Made in USA Fahrlässige Kreditvergabe an Mittellose Gefördert durch Immobilienpreise und Niedrigstzinsen Fäulnis Fäulnis beginnt durch Rückgang der Immobilienpreise und Zinsanstieg Globale Ausbreitung durch Ramschpapiere Therapie: Tumoren entfernen Rasche Bluttransfusionen = Liquidität Nachhaltige Rehabilitation = Zufuhr von Eigenkapital

4 Systemische Erklärung der Krise 3-facher Entwertungsprozess nach Dreifachboom > Durch business as usual nach dem Motto: Lassen Sie ihr Geld arbeiten Politik bekämpft die Hauptsymptome Bankenrettung: Problemverschiebung > Staatsschulden t > CDS-Spekulation S > Euro-Krise Ki Krisenpotential langfristig aufgestaut Krise = Anfang vom Ende des Finanzkapitalismus Talsohle im langen Zyklus

5 Die Phasen der Krise Krisenphase 1: Panik, Furcht und Reue > "Lasst uns unser Geld retten" > Bankenpakete Krisenphase 2: Aufwärts geht's (an Börsen) > Verleugnung und Verdrängung > Weitermachen wie vorher Krisenphase 3: Heulen und Zähneknirschen durch: Steigende Staatsschuld & hohe Arbeitslosigkeit & labile Finanzmärkte & synchrone Sparpolitik Krisenphase 4: More of the same Krisenphase 5: Lernen der systemischen Ursachen Erst danach: Entwicklung einer neuen Form einer kapitalistischen Marktwirtschaft Analogie zu 1929 bis

6 Aktienkurse in Deutschland, Großbritannien und den USA DAX FTSE 250 S&P = /89 01/94 01/99 01/04 01/09 01/

7 Spekulationssysteme: Dollar/Euro-Kurs Tagesdaten (29.10.) 5-Minutendaten, Juni, Tagespreis 35-Tage-Durchschnitt 2004/12/ minute price 6/9:10 35-period moving average (MAL) 13/21: /14/ ar per euro /13:10 11/13: US doll /12: /14: /6:55 11/1: /10/ /01/ Quelle: Wifo-Datenbank

8 Spekulationssystem: Erdölfutures 150 WTI Futures Preis (NYMEX) 50-Tage-Durchschnitt Dollar per Ba arrel /5/2004 1/5/2005 1/5/2006 1/5/2007 1/5/2008 1/5/2009 1/5/

9 Vermögen der privaten Haushalte in den USA 350 Finanzvermögen Immobilien 300 In % des verfügbaren Einkommens Quelle: Q: Federal Reserve Board, OEF. 1) Aktien, Investmentfonds, 8 Pensionsfonds

10 Drei Bären und die große Krise 300 Aktienkurse S&P 500 (linke Skala) Immobilien-Preise USA (rechte Skala) Rohstoffpreise (S&P GSCI - rechte Skala) = = q1990 3q1994 1q1999 3q2003 1q2008 3q

11 Asset prices in den USA 1921 bis 1938 Weltwirt Rohstoffe 1) (linke Skala) US-Aktien (S&P 500; linke Skala) US-Hauspreise (rechte Skala) = q1921 1q1923 1q1925 1q1927 1q1929 1q1931 1q1933 1q1935 1q

12 Spekulation mit (Staats)Schuldtitel Zwei Instrumente: Anleihen (spot) und Credit Default Swaps (CDS = Derivat) Etappe I: Finanzinvestor kauft CDS, einem Euro- Staat kann ja nix passieren (ev. nachhelfen ) Etappe II: Land kommt ins Gerede Gerede > Zinsen und CDS steigen, Bankrott-Szenarien Etappe III: CDS verkaufen und Anleihen kaufen (mit EZB-Geld zu 1%) & Rettungsappelle (wie in Etappe I) Nächstes Land mit wechselnder Begründung Verteilungseffekte

13 CDS-Prämien und Zinsen für griechische Staatsanleihen 1,000 CDS premia (left scale) Bond rates (right scale) Basic po oints In % /1/09 7/1/09 1/1/10 7/1/10 1/1/

14 CDS-Prämien und Zinsen für portugiesische Staatsanleihen 1,200 1,000 CDS Prämien (linke Skala) Anleihenzins (rechte Skala) Basispunk kte In % / /2009 3/2010 7/ /2010 3/2011 7/ /

15 CDS-Prämien und Zinsen für spanische Staatsanleihen CDS Prämien (linke Skala) Anleihenzins i (rechte Skala) Ba asispunkte In % / /2009 3/2010 7/ /2010 3/2011 7/ /

16 CDS-Prämien und Zinsen für italienische Staatsanleihen 550 CDS Prämien (linke Skala) 500 Anleihenzins (rechte Skala) kte 350 Basispun In % / /2009 3/2010 7/ /2010 3/2011 7/ /

17 Zinsen für Staatsanleihen der großen Euro-Länder 8.0 Deutschland Spanien 7.0 Italien Frankreich 6.0 kte Basispun /20104/20107/201010/20101/20114/20117/201 10/201 1/20124/20127/201210/

18 Etappen auf dem Weg zur Krise I 1970er: Aufgabe fester Wechselkurse > Spekulation > Dollarkurs und Rohstoff(Öl)preise 1980er: Hochzinspolitik & Finanzinnovationen & Pensionssystem > Kapitaldeckung (USA) > Aktienboom & Finanzinvestitionen der Unternehmen > Wachstumsdämpfung > Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung >

19 Etappen auf dem Weg zur Krise II Seit 1990er: Sparpolitik & EK-Verteilung & Renditeansprüchlichkeit & Pensionen plus Abfertigungen etc. > Aktienboom plus fair-value -Bilanzierung & Transformation der Banken > Eigenkapital steigt Bei konstantem Leverage > Veranlagungspotential ti l steigt t > Kreditkartenkredite & Subprime Mortgages g

20 Etappen auf dem Weg zur Krise III Technische Spekulation > Trendverstärkung durch > Banken, Hedge Funds und Amateure > Aktienboom 2003/2007, Euroaufwertung 2002/2007 Verstärkt durch asymmetrische Geldpolitik Hypothekarkreditkrise Sommer 2007 > Finanzinvestoren steigen in Rohstoffe ein > Konjunkturverschlechterung > Dreifache Vermögensschmelze Massiver als nach

21 Komponenten des Krisenaufbaus I 1) Immobilienboom in USA als Absturzpotential & niedrige Zinsen & Leverage der Banken > Subprime-Hypotheken 2) Globaler Vertrieb > US als world banker 3) Aktienboom als Absturzpotential plus 4) US-Zinsanstieg seit 2004 & Rückgang der Immobilienpreise seit 2007 > Subprime crisis > globale Ausbreitung 5) Banken & Hedge Funds setzte auf Rohstoffderivate > Rohstoffpreisboom > drohende Stagflation

22 Komponenten des Krisenaufbaus II 6) Asymmetrische Geldpolitik in USA und Euroraum & Spekulation > Euroboom > Rohstoffboom verstärkt 7) Konjunkturverschlechterung, u ec e u bes. im Euro-Raum > Euro-Abwertung & Preisverfall bei Rohstoffen, Immobilien, Aktien > 8) Bankenkrise und Kreditderivate: Fannie & Freddie, Lehman, AIG > Interbankmarkt > Rettungspakete 9) LIBOR steigt & Dollaraufwertung > Schuldenaufwertung > emerging g markets (plus Rohstoffpreise ) 10) Beschleunigung des Verfalls von Aktienkursen und Rohstoffpreisen durch Derivatspekulation > radikale Vermögensentwertung

23 Wahrnehmung der Krise Wahr genommen: Komponenten 1, 4 und 8 = Immobilien US-Zinspolitik Subprimes Bankenkrise k Politik als Sündenbock : Greenspan, Staat hätte regulieren müssen Dem entspricht die Therapie: Liquidität für Interbankmarkt Eigenkapitalzufuhr

24 Ausblendungen Handelsdynamik und Preisbildung auf den freiesten Märkten Akkumulationsverhalten der Unternehmen Zinspolitik: Erhöhung steigert Kosten Alchemie der Finanzen bzw. ANWN-Gesetz > Grundproblematik der kapitalgedeckten Altersvorsorge es osoge Finanzsektor als Spekulationskünstler (vorbildhaft: Deutsche Bank)

25 Aktienkurse in Deutschland, Großbritannien und den USA DAX FTSE 250 S&P = /89 01/94 01/99 01/04 01/09 01/

26 Aktienkurse in Österreich und Deutschland ATX DAX = /90 1/93 1/96 1/99 1/02 1/05 1/08 1/

27 July and August minutes-data Technische Spekulationsmodelle: S&P 500 Futures minutes price 15-period moving average (MAL) 1520 L (7/10) 1500 S(7/5) L(7/6) O scillators Momentum (time span = 12) 2 M i

28 Spekulationssysteme: Dollar/Euro-Kurs Tagesdaten (29.10.) 5-Minutendaten, Juni, Tagespreis 35-Tage-Durchschnitt 2004/12/ minute price 6/9:10 35-period moving average (MAL) 13/21: /14/ ar per euro /13:10 11/13: US doll /12: /14: /6:55 11/1: /10/ /01/ Quelle: Wifo-Datenbank

29 Rohstoffpreise Crude oil (left scale) All commodities (S&P GSCI - right scale) = = /90 1/93 1/96 1/99 1/02 1/05 1/08 1/

30 Spekulationssystem: Erdölfutures 150 WTI Futures Preis (NYMEX) 50-Tage-Durchschnitt Dollar per Ba arrel /5/2004 1/5/2005 1/5/2006 1/5/2007 1/5/2008 1/5/2009 1/5/

31 Trading signals and oil price dynamics 145 WTI crude oil futures contract $ per barrel /21/ /7/ Net position index of 1092 technical trading systems R ih

32 Weltmarktpreise von Rohöl und Gold Rohöl (linke Skala) Gold (rechte Skala) $ pro Barrel pro Unze $ /2000 1/2002 1/2004 1/2006 1/2008 1/

33 Dollarkurs und Ölpreis Effektiver Dollarkurs (linke Skala) 1) 130 Erdölpreis in $ (rechte Skala) = In $ Q: Wifo-Datenbank. 1) Gegenüber DM, Franc, Pfund, Yen

34 Wechselkurs und Kaufkraftparität Kaufkraftparität Tradables Wechselkurs Dolla ar je Euro bzw w. ECU

35 Aktien und Realvermögen Deutschland = = 100 Aktienkurse (CDAX) Marktkapitalisierung 600 Realkapitalstock nominell Nettogesamtwert

36 Börsenwert zu Netto-Gesamtwert der nicht-finanziellen Aktiengesellschaften USA Deutschland 160 n % des rtes Marktkapit talisierung i Nettog gesamtwer

37 Handelsvolumen auf den globalen Finanzmärkten Insgesamt Kassamärkte Derivatmärkte Aktien und Anleihen (Spot) Devisen (Spot) Börsenderivate (Futures und Optionen) OTC-Derivate World-G GDP = World-GD DP = Quelle: Wifo-Datenbank

38 Akkumulation der nicht-finanziellen Kapitalgesellschaften USA DEUTSCHLAND Realkapital Finanzkapital 300 Aktien, Investmentzertifikate, t tifik t sonstige Beteiligungen 300 Realkapital Finanzkapital Aktien, Investmentzertifikate, sonstige Beteiligungen In % des NPW In % des NPW Quelle: Wifo-Datenbank

39 Akkumulation der nicht-finanziellen Kapitalgesellschaften in Deutschland Realkapital 300 Finanzkapital Aktien, Investmentzertifikate, sonstige Beteiligungen 250 In % des NPW

40 Vermögen der privaten Haushalte in den USA 350 Finanzvermögen Immobilien 300 In % des verfügbaren Einkommens Quelle: Q: Federal Reserve Board, OEF. 1) Aktien, Investmentfonds, 39 Pensionsfonds

41 Drei Bären und die große Krise 300 Aktienkurse S&P 500 (linke Skala) Immobilien-Preise USA (rechte Skala) Rohstoffpreise (S&P GSCI - rechte Skala) = = q1990 3q1994 1q1999 3q2003 1q2008 3q

42 Asset prices in den USA 1921 bis 1938 Weltwirt Rohstoffe 1) (linke Skala) US-Aktien (S&P 500; linke Skala) US-Hauspreise (rechte Skala) = q1921 1q1923 1q1925 1q1927 1q1929 1q1931 1q1933 1q1935 1q

43 Vergleich mit den 1930er Jahren Ähnlichkeiten: Aktienboom, 3-facher Entwertungsprozess, Kontraktionsmuster: Wohnbau Investitionen dauerhafter Konsum (PKW am stärksten) Unterschiede: Soziale Sicherheit, Wirtschaftspolitik, Bankenrettung, WTO und Freihandel Kontraktionspotential höher: Tempo der Entwertungen, Link Aktienwert Realwirtschaft viel stärker, Ausgangsniveau (Bestand an Dauerhaften und Wohnungen), Bedeutung der Rohstoffexporteure, Rette sich wer kann nicht ausgeschlossen

44 Reaktion der Wirtschaftspolitik Fokussiert auf Finanzsektor ( Lasst uns unser Geld retten ) Fiskalpolitik: Keynesianische Hydraulik Hätte 1930 viel gebracht, heute unzureichend: Weltwirtschaft viel stärker ausdifferenziert Stock-Flow-Relationen ausgeblendet Finanzkapitalistische Finanzkapitalistische Rahmenbedingungen schwächen die Wirkung einer bastardkeynesianischen Politik Hauptmanko: Kein Eingriff in Regelkreise

45 Regelkreis/Rückkoppelungen I Regelkreis/Rückkoppelungen I Wert der Hypothekarkredite Rettungspakete Bankbilanzen Hauspreise Delogierungen Kreditkosten

46 Regelkreis/Rückkoppelungen II Regelkreis/Rückkoppelungen II Hauspreise Trend-Followers HH-Vermögen Konsum Aktienkurse Pensionsfonds Konjunkturpakete College Funds Tilgungsträger Tilgungsträger Investitionen Gewinne BIP Arbeitslosigkeit Löhne

47 Regelkreis/Rückkoppelungen III Weltwirt- Regelkreis/Rückkoppelungen III Wechselkurs des Dollar Rohstoffpreise Welthandelspreise in $ Dollar als safe haven BIP IL Importe EL Realzins $-Schulden Leistungsbilanz EL Investitionen Gewinne Aktienkurse Arbeitslosigkeit Hauspreise Regelkreis II Löhne Konsum

48 Regelkreis/Rückkoppelungen IV Regelkreis/Rückkoppelungen IV Rettungspakete Kreditfäulnis Bankbilanzen Vertrauen der Banken BIP in Schuldnerländern Wechselkurs der Schuldnerwährungen Kreditzins Geldmarktzins

49 Krisenzentren und Ansatzpunkte der Wirtschaftspolitik Krisenzentren und Ansatzpunkte der Wirtschaftspolitik Nicht-dauerhafte Güter und Dienstleistungen Sachgüterproduktion (bes. Autoindustrie) Bauwirtschaft Exporte Anlage- Investitionen Dauerhafte Konsumgüter (bes. PKW) Bau- Investitionen (Unternehmen) Staatsausgaben Staats- Einnahmen Zentralbank Arme Haushalte Reiche Reiche Haushalte Wohnbau R R R R Finanzsektor R Regulation als Krisenpolitik kombiniert mit finanzieller Förderung

50 Weltwirt Der lange Entwicklungszyklus Talfahrt 1929/33 durch Börsen- und Bankenkrach, Abwertungswettläufe und Sparpolitik Finanzkapitalismus & Neoliberalismus Depression der 1930er und ihre Folgen: Die große Katastrophe bb: Schwierigkeiten Denken - Handeln Keynes/BrettonWoods/ERP/Regulierungen/Sozialstaat/Sozial partnerschaft..: Neue Rahmenbedingungen g nach WK II Realkapitalismus & Keynesianismus & Soziale Marktwirtschaft Wirtschaftswunder > Machtverschiebung in den 1960er Übergang1968/1980:Friedman/Dollarverfall/Ölpreisschocks g I und II/Inflation/Zinspolitik/...> Finanzkapitalismus & Neoliberalismus ~1980 bis???

51 Ausblick am Anfang der Talsohle Lernschwäche der Eliten > Beharren auf alten Rezepten Budget: Sparen statt solidarische Beteiligung Finanzsektor: Keine e gründliche Erneuerung u Die freiesten Märkte irren nicht > Neoliberales l Weltbild müsste entsorgt t werden Entscheidend: Künftige Budgetpolitik Verzweigung: USA/Europa Analogie zu

52 Die nächste Phase der Krise Zweifel e an Staatsanleihen Saasa e pus plus Arbeitslosigkeit sosg e Synchrone Sparpolitik plus labile Finanzmärkte Vertiefung der Krise in EU > Neoliberaler Smog in den Köpfen der Eliten USA pragmatischer: Massive Staatsintervention Weg zu neuem Bündnis Arbeit/Realkapital ist lang Neoliberalismus hat seine Schuldigkeit getan > Sozialstaat und Gewerkschaften erkschaften geschwächt Langer Übergang wegen Zauberlehrling Wie verkürzen wir die Transformationskrise?

53 Herausforderungen der Politik Die großen Probleme im Ganzen bekämpfen > Gesamtstrategie gegen Arbeitslosigkeit, Staatsverschuldung, Umweltverschlechterung Gemeinschaftliche Aufgaben in Krisenphase vorziehen > Verbesserung der Entfaltungschancen der Jungen: Bildung Wohnen Integration der zugewanderten Menschen Erfordert (temporäre) Erhöhung der Staatsquote Wie in jeder schweren Krise

54 Weltwirt Konzept des Fiskalpakts Zwei Regeln Strukturelles Defizit < 0,5% des BIP Staatsschuld abbauen um 1/20el der Differenz zwischen aktueller Schuldenquote und 60% Ziel richtig Weg abgeleitet aus neoliberaler Navigationskarte Märkte schaffen Vollbeschäftigung, wenn Löhne flexibel, (Rest)Arbeitslosigkeit ist natürlich, Staat stört Keine Rückkoppelung Sparen > Nachfrage > BIP Interaktion der Salden vernachlässigt > Symptomatisch EU-Berechnung des strukturellen Defizits unter diesen Annahmen > Fiskalpakt regelt Weg in Depression

55 Spanien: BIP und Potentialoutput 6 BIP Potential output 5. in % Veränderu ung gg. VJ

56 Spanien: Arbeitslosigkeit, NAWRU und Outputlücke 30 Arbeitslosenquote NAWRU 25 Outputlücke (rechte Sakala) In % 15-1 In %

57 4 Spanien: Budgetsaldo und Staatsverschuldung In % des BIP Budgetsaldo Budgetsaldo konjunkturbereinigt Staatsschuldenquote (rechte Skala) In % des BIP

58 Spanien: Fiskalpolitik 15 gg. das VJ J. in % Ver ränderung Öffentlicher Konsum Transferzahlungen Staatseinnahmen

59 Euroraum Fiskalpakt Eurobonds 5 BIP, real Bruttoinvestitionen, real 5 BIP, real Bruttoinvestitionen, real Veränderung gege en das Vorjahr in % Veränderung gege en das Vorjahr in %

60 Euroraum Fiskalpakt Eurobonds 3 Verbraucherpreise Arbeitslosenquote (rechte Skala) 12 3 Verbraucherpreise Arbeitslosenquote (rechte Skala) 12 Veränd derung gegen das Vo orjahr in % In % rung gegen das Vorjahr in % Verände In %

61 Euroraum Fiskalpakt Eurobonds In % des BIP IP In % des B In % des BIP In % des BIP Budgetsaldo Staatsschuld (rechte Skala) Budgetsaldo Staatsschuld (rechte Skala)

62 Voraussetzungen für eine Erneuerung des Europäischen Sozialmodells Unternehmer(verbände) erkennen: Neoliberalismus ist die Theorie im Interesse des Finanzkapitals Die gemeinsamen Interessen von Realkapital und Ab Arbeit (wieder) begreifen Neues Interessebündnis durch Einzelprojekte stärken (Beispiel: Kurzarbeit). Politik geht auf Distanz zu Mainstream-Ökonomen (wie Roosevelt 1932). Der (Sozial)Staat als unser Verein : Umfassende Renovierung, alle tragen nach ihren Möglichkeiten bei Sozialmodell als positiver Drive der Politik Leitlinie i in einer Demokratie: Wie wollen wir leben?

63 Leitlinien eines "New Deal für Europa Bessere Balance zwischen Konkurrenz/Kooperation Ökonomie/Politik Markt/Staat Gewinnstreben > Realwirtschaft Globalisierung der Politik Balance technische/soziale Innovationen Ökologisierung der Wirtschaft Budgetkonsolidierung durch Expansion Sozialstaatlichkeit und europäische Identität EU-weite Solidarität statt Rette sich, wer kann

64 Langfristige globale Strategien Koordinierte Geldpolitik: Zins < Wachstumsrate Stabilitätsbänder für die wichtigsten Wechselkurse > Ziel: Globo als Welt-ECU Rückführung der Finanzderivate Finanztransaktionssteuer Stabilisierung der Rohstoffpreise, insbesondere für fossile Brennstoffe Notierung der Rohstoffe in Währungsbündel Koordinierter Klimaschutz Global Marshall-Plan

65 Der Europäische Währungsfonds (EWF) Finanzierungsagentur der Eurostaaten Begibt Eurobonds zu festen Zinssätzen Unter der mittelfristigen Wachstumsrate Unbeschränkte Garantie aller Euro-Länder Rückendeckung durch EZB (kauft ev. Eurobonds) Eurobonds = Euroschatzbriefe = jederzeit flüssig, aber nicht handelbar (kein Spekulationsmittel) Mittelvergabe nach klaren Kriterien (auch Wachstums-, Beschäftigungs- und Umweltziele)

66 Richtiger Preispfad erschöpfbarer und umweltbelastender Ressourcen Erschöpfbarkeit und umweltbelastender Verbrauch = soziale Kosten wie Klimawandel Gleichgewichtspfad: Fossile Energieträger verteuern sich stetig und überdurchschnittlich (Derivat)Märkte versagen komplett > CO2-Steuern und Emissionshandel unzureichend Produzenten und Konsumenten reagieren auf starke und verläßliche Preissignale Lange Amortisationsperioden von Investitionen in die Energeieffizienz > Investitionsboom

67 EU-Initiative: Geregelter Preispfad samt Abschöpfungssteuer für fossile Energie Ziel: Temperaturanstieg auf 2 C begrenzen No-regret-option: Preis je Tonne CO2 steigt um 370 = 0.74 (0.93 $ at 1 = 1.25 $) pro Liter Rohöl > Ölpreis insgesamt in $ je Liter: 0.63 (bei 100$/Barrel) plus 0.93 = 1.56 $ Ölpreis je Barrel: 1.56*159 = 248 $ > Ziel bis 2020 erreichen: Preisanstieg um 12% pro Jahr > Diesel verteuert sich auf fast 4 (wenn auch die indirekten Steuern proportional steigen) Eine EU-weite Steuer schöpft die Differenz zwischen Weltmarktpreis und EU-Preis ab > Rentiereinkommen der Ölproduzenten und Ölgesellschaften werden zu Regierungen umverteilt

68 Sonstige Europäische Strategien I Geldpolitik plus EWF: Zins < Wachstumsrate Stabilisierung des Euro zu den wichtigsten anderen Währungen Langfristige Rohstoffpreisabkommen mit Entwicklungsländern lä Regulierung, g Aufsicht und Transparenz über Derivatspekulation Beschränkungen für Amateurtrading Finanztransaktionssteuer Rückbau der kapital gedeckten Altersvorsorge

69 Sonstige Europäische Strategien II Umweltinvestitionen als die Chance für eine offensiv-optimistische i Politik: Thermische Gebäudesanierung, Öko-Autos, öff. Verkehr, etc. Transeuropäische Netze Innovative Arbeitszeitmodelle: Milderung der Folgen von Konjunkturschwankungen k Langfristige Arbeitszeitverkürzung Abbau atypischer Beschäftigungsformen Sicherung sozialer Minimalstandards durch die EU Ent-Ökonomisierung des Bildungswesens

70 Maßnahmen nationaler Wirtschaftspolitik I Kurzarbeitsmodelle und sonstige innovative Arbeitszeitverkürzungen Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung t tüt Bedarfsorientierte Grundsicherung Investitionen in die Infrastruktur vorziehen, bes. auf Ebene der Länder und Gemeinden Umweltinvestitionen als die Chance für eine offensiv-optimistische i Politik: Thermische h Gebäudesanierung, Öko-Autos, öff. Verkehr, etc

71 Maßnahmen nationaler Wirtschaftspolitik II Direkte Eingriffe in Finanzsektor: Zinsanpassungen, Kreditbereitschaft, Durchleuchten spekulativer Aktivitäten > Rückbau der kapital gedeckten Altersvorsorge Investitionen in alle Bildungseinrichtungen Ausweitung der Vorschulerziehung Gemeinnütziger Wohnbau Gemeinsamer Wohnungsmarkt durch Internet Detto für den Einzelhandel

72 Finanzierung der Maßnahmen Grundsatz: Nicht der Konsum, sondern das Sparen der Haushalte soll sinken. Kurzfristig: Solidarabgabe b auf die Höhe der Wertpapierdepots und/oder Erhöhung der KESt auf 35% und/oder Erhöhung des Spitzensteuersatzes ab Generelle Vermögens- und Erbschaftssteuer ab Netto-Vermögen von EU-weite Finanztransaktionssteuer (1% bis 2% vom BIP)

73 Eine neue realkapitalistischen Prosperitätsphase Werte: Sozialer Zusammenhalt, Umwelt, Nachhaltigkeit, gut Leben gewinnen an Bedeutung Steuerung gesellschaftlicher h Prozesse: Kooperation Politik vor Ökonomie, auch auf globaler Ebene Europa: Wiederentdeckung der Sozialen Marktwirtschaft und der Stärken des Sozialstaats Neue Durchmischung von Arbeits- und Freizeit > leichte Entschleunigung Gewinnstreben von Finanz- zur Realwirtschaft Leitlinie in einer Demokratie: Wie wollen wir leben?

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