Artikel aus der jungen Welt vom Kein Kredit mehr

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1 Artikel aus der jungen Welt vom Kein Kredit mehr Der Kapitalismus naehert sich dem Zeitpunkt, an dem der US-Dollar seine Funktion als Weltleitwaehrung verliert. Wachsende Defizite der USA drohen die Weltwirtschaft ins Wanken zu bringen Winfried Wolf Mitte Februar meldeten die Wirtschaftsgazetten, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im letzten Quartal 2004 erneut ruecklaeufig war. Insgesamt gab es in der Euro-Zone im vierten Quartal 2004 nur noch ein Miniwachstum von 0,2 Prozent. Damit nicht genug, wurde zum gleichen Zeitpunkt bekannt, dass Japan im vergangenen Jahr eine neue Rezession durchlief. Da auch in den USA das Wirtschaftswachstum seit dem zweiten Halbjahr 2004 abflachte, werden derzeit die Statistiken zur Weltwirtschaft im abgelaufenen Jahr nach unten korrigiert. Vor allem aber verduestern sich die Vorhersagen fuer Und es stellt sich die Frage, ob auf die Rezession , in der es bereits zwei Einbrueche der Wirtschaft gab ("double dip"), nur ein einjaehriger Aufschwung folgte, ob ein "triple dip" bevorsteht oder ob die gesamte Weltwirtschaft derart labil ist, dass es nicht mehr zu einer umfassenden Erholung und einem normalen Konjunkturzyklus kommt. Diese Debatten betreffen ausschliesslich die Realwirtschaft; es geht um die "fundamentalen Daten". Tatsaechlich stellt heute die fragile weltweite Finanzarchitektur die Achillesferse der kapitalistischen Weltwirtschaft dar. In den hochindustrialisierten kapitalistischen Laendern dominiert bekanntlich der Neoliberalismus: Die Loehne stagnieren oder sinken real, die Massenarbeitslosigkeit verharrt auch im Aufschwung auf historischen Rekordhoehen, womit letzten Endes die Massennachfrage, insoweit sie auf Arbeitseinkommen und Sozialtransfers beruht, reduziert wird. Die hohen Profite der Unternehmen Resultat optimaler Ausbeutungsbedingungen kontrastieren mit einer unzureichenden Nachfrage. "Zwillings-Defizit" in den USA Dies fuehrt dazu, dass erneut gewaltige Summen von Geldkapital in die Spekulation gesteckt werden in den Immobiliensektor, in das Fusions-Geschaeft ("M&A"), in die Boersen (u.a. in Form von "buybacks": Unternehmen kaufen zur "Kurspflege" die eigenen Aktien auf). Wenn durch diese spekulative Nachfrage Haeuser hoeher bewertet werden (und dadurch u.a. die Kreditfaehigkeit von Immobilienbesitzern waechst) und wenn Firmenwerte hochgetrieben werden, dann handelt es sich zunaechst um eine reale Nachfrage, die aber insofern kuenstlich ist, als hinter ihr keine real geschaffenen Werte stehen. Die Preisblase droht irgendwann zu platzen. Stephan Roach, Chefoekonom fuer Weltwirtschaft bei der Investmentbank Morgan Stanley, brachte den Mechanismus mit den Worten auf den Punkt: "Nach dem Platzen der Aktienblase haben Amerikas Konsumenten ihr Geld in den Immobilienmarkt gesteckt, auf dem sich mittlerweile eine Preisblase gebildet hat. Die Amerikaner verkaufen ihre immer hoeher bewerteten Haeuser oder nehmen immer hoehere Kredite auf die Immobilien auf, um mit dem Geld DVD-Player und anderes aus Asien zu kaufen." Ein erheblicher Teil des weltweiten Wirtschaftswachstums, das es 2004 gab, wurde noch auf andere kuenstliche Weise herbeigefuehrt: durch die gewaltigen "Zwillings-Defizite" in den USA, 1

2 die Fehlbetraege von Haushalt und Leistungsbilanz, und durch eine daraus resultierende US- Verschuldung und deren Finanzierung auf internationaler Ebene. In den Jahren 1998 bis 2001 erwirtschafteten die USA noch Haushaltsueberschuesse. Mit Beginn der ersten Amtsperiode von George W. Bush, zugleich mit Beginn der neuen Rezession war der US-Haushalt wieder defizitaer. Die Steuern fuer Unternehmen wurden weiter gesenkt und die Ausgaben fuer Militaer und "Sicherheit" massiv erhoeht. Es gab einen spezifischen "militaerischen Keynesianismus". Die Budgetdefizite stiegen von 158 Milliarden US-Dollar 2002 auf 513 Milliarden wird das Defizit auf aehnlichem Niveau liegen. Das heisst, allein im abgelaufenen Jahr wurde eine Summe von gut 500 Milliarden US-Dollar in die US-Wirtschaft gepumpt, die ausschliesslich kreditfinanziert war. Der Betrag liegt ueber der Summe der gesamten Ausgaben des deutschen Bundeshaushalts. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt macht das 2004er US-Defizit (Bund und Bundesstaaten und Sozialversicherungen) rund sieben Prozent aus das Doppelte des Maastricht-Kriteriums der EU (das allerdings inzwischen auch von einem Drittel der EU-Staaten, darunter der BRD, ueberschritten wird). In den Jahren 2002 bis 2005 steigen allein in Folge der Haushaltsdefizite die oeffentlichen Schulden der USA um rund Milliarden Dollar. Finanziert wird diese Schuld bisher ueberwiegend durch Staatsanleihen, die von in- und auslaendischen Personen, Unternehmen oder Institutionen letzteres vor allem Zentralbanken gekauft werden. Parallel gibt es in den USA den Zwilling zum Haushaltsdefizit, das Leistungsbilanzdefizit. Seit 15 Jahren importieren die USA mehr, als sie an Waren und Dienstleistungen exportieren. Das Leistungsbilanzdefizit steigt ebenfalls kontinuierlich an erreichte es das Rekordniveau von 600 Milliarden US-Dollar. Das entsprach 5,7 Prozent des US-BIP. Der IWF interveniert in der Regel gegenueber Schwellenlaendern, wenn ihr Leistungsbilanzdefizit fuenf Prozent ueberschreitet. "Entwicklungshilfe" aus Asien Der Chefoekonom der Londoner Financial Times, Martin Wolf, liess das Jahr 2004 mit der Warnung ausklingen: "Die wachsenden Defizite der einzigen Supermacht werden zur Gefahr fuer die Weltwirtschaft." Tatsaechlich resultieren aus diesen US-Defiziten im Wortsinne "offene Rechnungen". Allein das 2004er Defizit in der Leistungsbilanz verteilt sich in Form bilateraler Leistungsbilanzdefizite auf neue Dollar-Guthaben in Hoehe von 160 Milliarden in Tokio, 150 Milliarden in Peking, 140 Milliarden in Europa und weiteren 100 Milliarden Dollar in den Golfstaaten. Bisher haben die Zentralbanken der jeweiligen Laender mit diesen Dollar-Guthaben US-Anleihen gekauft. Allein die asiatischen Zentralbanken sammelten seit 2000 und bis Ende 2004 auf diese Weise einen Devisenschatz von 1800 Milliarden Dollar an (darunter Tokio: 800 und Peking 600 Milliarden) wurden die US-Defizite erstmals ausschliesslich von asiatischen Laenden finanziert, darunter mit 207 Milliarden Dollar durch China und mit 171 Milliarden durch Japan; die Laender Suedkorea, Taiwan, Indien, Malaysia, Singapur, Thailand und Hongkong finanzierten die USA mit weiteren 160 Milliarden Dollar. Sieht man von Japan ab, so fungierten damit Drittweltstaaten bzw. Schwellenlaender als "Bank for America". Verkehrte Welt? Ja und nein. Die "Entwicklungshilfe", die derzeit vor allem die asiatischen Staaten, allen voran die Volksrepublik China, den USA gewaehren, erfuellt zwei Funktionen. Erstens wird der Dollar gestuetzt; gleichzeitig werden die eigenen Waehrungen (Yen, Renminbi, Won usw.) niedrig 2

3 gehalten. Dies foerdert die eigenen Exporte. Zweitens wird durch Megakredite an die USA der US-Konsum befluegelt und das dortige Wirtschaftswachstum auf Pump verlaengert, was wiederum in den USA und weltweit die Konjunktur stuetzt und die Sucht nach Importen aus Asien foerdert. Dieser Prozess kuenstlicher Weltnachfrage ist nicht beliebig fortsetzbar. Ende 2004 hat die Auslandsverschuldung der USA Milliarden US-Dollar erreicht. Das entspricht dem Dreifachen des Werts der US-Exporte. Bei Drittweltlaendern gilt: Wenn die Auslandsverschuldung den doppelten Wert der jaehrlichen Exporte ausmacht, ist dies ein Warnzeichen vor einem Absturz. Gewoehnlich wird der IWF aktiv. Im Fall Argentinien machte die Auslandsschuld 2001 das Dreifache des Werts der jaehrlichen Exporte aus. Doch hier handelte es sich bereits um einen de-facto-staatsbankrott. Lok aus der Spur Bisher reagierte die US-Regierung, indem sie eine Abwertung des Dollars und damit eine Abwertung der US-Auslandsschulden akzeptierte und herbeiredete. Damit sollten die US- Exporte erhoeht, das Handelsbilanzdefizit reduziert und die US-Schulden im Ausland entwertet werden. So fiel der Wert der US-Waehrung gegenueber dem Euro von Mitte 2001 bis Anfang 2005 um 38 Prozent. Bereits diese eher vorsichtige Reaktion hatte vor allem negative Auswirkungen auf die Weltkonjunktur: Die US-Importe verteuerten sich, und der US-Konsum ging zurueck. Die US-Zentralbank hob erstmals seit mehreren Jahren wieder die Zinsen an, um Anlagen in US-Dollar und US-Anleihen attraktiv zu halten und das dringend benoetigte Auslandskapital anzuziehen. Damit steigen jedoch die Immobilienzinsen wieder an; die Blase in diesem Sektor droht zu platzen. Vor allem aber verteuerten sich die Exporte aus Japan und Europa, was den wichtigsten Motor der Weltkonjunktur ins Stottern bringt. Doch fuer die US-Oekonomie selbst brachte diese Medizin bisher keinen erkennbaren Erfolg. Die Wettbewerbsfaehigkeit der US-Wirtschaft auf dem Weltmarkt hat sich nicht erkennbar verbessert. Das US-Defizit in der Leistungsbilanz droht 2005 sogar auf sieben Prozent anzusteigen. Seit Ende 2004 lahmt nun auch in den USA die Konjunktur: Im vierten Quartal wuchs das US-BIP nur noch um 3,2 Prozent eine Halbierung im Vergleich zum Herbst Die industrielle Produktion konnte im selben Zeitraum nur noch um ein Prozent gesteigert werden. Damit sind nicht nur, wie eingangs belegt, die wichtigen Triaden-Regionen Japan und EU von neuen Rezessionstendenzen betroffen. Auch das Zugpferd der Weltwirtschaft, das 2003 fuer den vermeintlich neuen Aufschwung sorgte, lahmt. Das ist kaum ein Wunder. Die Wirtschaftspolitik unter George W. Bush war von vornherein von Kurzatmigkeit gepraegt. Sie zielte auf den schnellen Profit fuer grosse Konzerne und den Wahlsieg fuer eine zweite Amtsperiode der Abzocker-Clique um den US-Praesidenten. Natuerlich gibt es immanente Krisentendenzen des Kapitalismus, die in jedem Fall wirken. Doch im Fall des "Bushism" kam es auch aus buergerlicher Sicht zu einer speziellen, unverantwortlichen Form der Wirtschaftspolitik. Der Nobelpreistraeger und fruehere Berater von US-Praesident William Clinton, Joseph Stiglitz, bilanzierte dies folgendermassen: "Die Zwillingsdefizite sind nicht nur ein Problem der USA, sondern der ganzen Welt. Die Bush- Regierung betreibt eine neue Form des beggar your neighbour (beleih Deinen Nachbarn; W.W.), 3

4 also eine Politik auf Kosten anderer Staaten. Das grosse Defizit im Aussenhandel fuehrt zu einem schwachen Dollar und zu einem starken Euro, der wiederum die Exportfaehigkeit Europas beeintraechtigt. Irgendwann koennte das Vertrauen in die USA derart erschuettert sein, dass auslaendische Anleger zu der Ueberzeugung kommen, das Defizit nicht mehr finanzieren zu wollen." Sonderfall China All das beschreibt die kritische Lage des Weltkapitalismus noch unzureichend. Die materielle Produktion und die labile Weltkonjunktur werden noch weit mehr von der fragilen Weltfinanzarchitektur beeinflusst und gefaehrdet vor allem durch den Sonderfall China. Das ungebremste Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts im vergangenen Jahr mit 9,5 Prozent hat die Weltkonjunktur deutlich positiv beeinflusst machten steigende Ausfuhren nach China 25 Prozent des deutschen Exportwachstums aus; bei Suedkorea lag diese Marge bei 45 Prozent, bei Japan bei 70 und bei Taiwan gar bei 90 Prozent. Peking hat seine Waehrung, Renminbi, auch Yuan genannt, seit 1995 fest an den Dollar gekoppelt. Die Verteidigung des Kurses von 8,28 Yuan fuer einen US-Dollar ist teuer erkauft finanzierte China bereits ein Drittel des gesamten US-Defizits in der Leistungsbilanz. Mit den gewaltigen, schnell steigenden Dollar-Devisenreserven von inzwischen 600 Milliarden US- Dollar doppelt so viel wie 2002 verteidigt die chinesische Zentralbank diese Waehrungsrelation. Der Yuan gilt als um rund 25 Prozent unterbewertet, was die enormen chinesischen Exporte nach den USA und in den Dollar-Raum foerdert. Dies fuehrt dazu, dass die Regierungen in Washington, Tokio und Europa auf eine Aufwertung der chinesischen Waehrung draengen. Internationale Kapitalanleger, vulgo Spekulanten, fluechten in die chinesische Waehrung in Erwartung einer Yuan-Aufwertung. Je groesser der politische und vor allem der spekulative Druck auf die chinesische Waehrung wird, desto schwieriger wird es, eine nur gemaessigte Anpassung der Waehrungsrelationen durchzufuehren. Kommt es jedoch zu einer deutlichen Aufwertung des Renminbi, so wird die Architektur der Weltoekonomie und der Weltfinanzen auf mehrfache Weise bedroht. Zunaechst wird die Wirtschaft in China abschmieren, weil die alles entscheidende Exportwirtschaft, deren Wachstum 2004 mit 35 Prozent beim fast Vierfachen des BIP-Wachstums lag, einbrechen wuerde. Die fieberhaft und unkoordiniert aufgebauten neuen Kapazitaeten im Land wuerden sich als Ueberkapazitaeten erweisen und auch eine Binnenmarktkrise ausloesen. Die Folgen, die dies in China selbst und fuer den asiatischen Raum haben wuerde, duerften aehnlich gravierend wie im Fall der asiatischen Finanzkrise 1997/98 sein, in deren Verlauf die bis dahin unschlagbar erscheinenden "Tigerstaaten" abstuerzten und Weltkonzerne wie Daewoo und Kia als selbstaendige Unternehmen weggefegt wurden. Die Rating-Agentur Standard&Poor s schaetzt, dass rund die Haelfte aller Kredite bei den chinesischen Grossbanken faul sind ein Volumen von 500 Milliarden Dollar. Der Immobiliensektor ist von einer gewaltigen Preisblase und flaechendeckender Korruption gepraegt. Grosse chinesische Konzerne erwiesen sich bereits 2004 als Pleitefaelle so das Konglomerat D Long mit Beschaeftigten. Als zweites wuerde die ohnehin labile Weltkonjunktur eine letzte Stuetze verlieren. Vor allem jedoch wuerden im Fall einer Renminbi-Aufwertung drittens die Devisenreserven in China drastisch abgewertet. Die Symbiose zwischen Suechtigem und Dealer, zwischen US-Konjunktur 4

5 auf Pump und dessen Finanzierung durch die chinesische Zentralbank, wuerde zerschlagen. Allein eine Yuan-Aufwertung um 20 Prozent bedeutete fuer Peking angesichts des erwaehnten 600-Milliarden-Dollar-Devisenschatzes einen Verlust von 120 Milliarden US-Dollar. Peking koennte zum Ausstieg aus dem Dollar veranlasst werden. Ein solcher Verlust ist jedoch nicht hinnehmbar zumal die Gefahr weiterer Dollar-Abwertungen drohen wuerde. Damit aber wuerde endgueltig die "Finanzarchitektur des Schreckens", wie dies der ehemalige US- Finanzminister Larry Summer nannte, ins Wanken gebracht. Dollar, Gold, Euro So naehert sich der Kapitalismus dem Zeitpunkt, an dem der Dollar seine Funktion als Weltleitwaehrung verliert. Der Finanzhistoriker Niall Ferguson aeusserte: "Kein Geldsystem haelt ewig. Der Euro hat das Zeug, dem Dollar als internationale Reservewaehrung Konkurrenz zu machen." Der Mann ist Brite; er weiss, wovon er spricht. Dem Pfund Sterling, Vorgaenger des US-Dollars in dieser Funktion, erging es aehnlich. Grossbritannien war vor dem Ersten Weltkrieg der groesste Glaeubiger der Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Land wie heute die USA einer der groessten Schuldner der Welt. Dies fuehrte nach 1945 zum Aufstieg des US- Kapitalismus auf dem Weltmarkt und zum Dollar als neuer Leitwaehrung. So gesehen wuerde sich Wirtschaftsgeschichte lediglich wiederholen. Allerdings sind drei Besonderheiten zu beruecksichtigen: Erstens dauerte der reale Abloesungsprozess des britischen Pfund durch den US-Dollar mehr als eineinhalb Jahrzehnte und war mit schmerzhaften Krisen und Erschuetterungen der Weltwirtschaft verbunden. So gab es 1923 in Deutschland die Inflationskrise und 1929 bis 1932 die Weltwirtschaftskrise. Zweitens gab es mit dem US-Dollar eine glaubwuerdige Alternative zum britischen Pfund, hinter der die groesste Wirtschaftskraft der Welt mit ihrer ungeheuren Dynamik stand. Vor allem waren die USA damals auch bereits die groesste Militaermacht der Welt. Heute gibt es zwar den Euro als Alternative, in der schon rund 20 Prozent der weltweiten Devisenvorraete angelegt sind. Doch der Euro ist noch keine fuenf Jahre jung. Hinter ihm steht mit der EU "nur" eine res publica in status nascendi ein Staatsgebilde im Geburtszustand. Vor allem sind die USA weiterhin und derzeit mehr denn je Militaermacht Nummer eins. Dass die EU versucht, auch auf diesem Gebiet u.a. mit der verfassungsmaessigen Verpflichtung zu Militarisierung und Aufruestung aufzuschliessen, zeigt zwar, dass die Entwicklung auf eine Abloesung der Weltwaehrung Dollar hinauslaeuft. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, um welch einen langen Weg es sich noch handeln wuerde, wie viele Abgruende noch lauern und etliche Fragen zu beantworten sind: Wird der Euro eine erste Weltwaehrungskrise ueberstehen? Wird er zur EU-Waehrung werden? Wird die EU sich gegenueber den nationalstaatlichen Interessen durchsetzen? Wie vieler Kriege mit welcher Vernichtungskraft wird es beduerfen, bis eine EU in Blut getaucht ihre Waehrung zur Weltleitwaehrung erheben kann? Drittens hatten fruehere Leitwaehrungen Goldstandard das britische Pfund und der US-Dollar, letzterer bis 1971: Sie konnten jederzeit in das allgemeine Aequivalent fuer gesellschaftliche Arbeit, in Gold, umgetauscht werden zu einem fixen Kurs. In Zeiten frueherer Waehrungskrisen stellte dies fuer das internationale Finanzsystem einen sicheren Hafen dar. Wenn Goldbarren gerade in Krisenzeiten als "rechteckig, praktisch, gut" erscheinen, dann hat das nichts mit Mystik zu tun. Vielmehr bestaetigt sich auf diese Weise die Marxsche Wirtschaftstheorie, wonach alle Werte auf Arbeitszeit beruhen, geronnene Arbeitszeit sind. Karl Marx: "Die spezifische Schwere des Goldes und des Silbers, viel Gewicht in einem relativ 5

6 schmalen Volumen zu enthalten as compared with other metals (verglichen mit anderen Metallen; W.W.) wiederholt sich in der Welt der Werte so, dass es grossen Wert (Arbeitszeit) in verhaeltnismaessig schmalem Volumen enthaelt" (Grundrisse, MEW 42, S. 163). Auch der US-Dollar als Leitwaehrung basierte nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Goldstandard. Festgelegt war, dass die US-Notenbank sich verpflichtete, jederzeit fuer 35 US- Dollar eine Unze Gold zu verkaufen und einen ausreichend grossen Goldbestand vorzuhalten. Diese Gold-Preis-Bindung des Dollars wurde jedoch 1971 aufgegeben. Der damalige US- Finanzminister John Connally aeusserte: "Es ist unsere Waehrung, aber euer Problem." Das mag 1971 zutreffend gewesen sein. Drei Jahrzehnte lang funktionierte es auch, sich durch ein Weltwaehrungssystem durchzuwursteln, das grundsaetzlich instabil war und nur den "ideellen Anker", das Vertrauen in die US-Oekonomie, hatte. Inzwischen schwindet jedoch dieses Vertrauen. Die Lokomotive US-Wirtschaft ist aus der Spur geraten. Die Krise der Leitwaehrung Dollar wird zum Problem fuer die gesamte kapitalistische Oekonomie. Den Artikel finden Sie unter: (c) Junge Welt

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