Arbeit. Jetzt haben wir die Chance, das zu ändern. Wir fordern Entwicklungsminister. zu sorgen, dass:

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1 Setz ein Zeichen! Für Menschen mit Behinderungen. Für gleiche Rechte und Chancen. Für eine inklusive Entwicklungsagenda ist das Jahr der Entscheidung: Im September beschließen die Vereinten Nationen die neue globale Entwicklungsagenda. Eine Milliarde Menschen mit Behinderungen wurden bisher nicht berücksichtigt. Rund 80 Prozent von ihnen leben in Entwicklungsländern, meist ohne Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und Arbeit. Jetzt haben wir die Chance, das zu ändern. Wir fordern Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller auf, dafür zu sorgen, dass: Menschen mit Behinderungen in allen für sie relevanten Zielen der Entwicklungsagenda beachtet werden diese Ziele mit konkreten Indikatoren für Menschen mit Behinderungen hinterlegt werden die Datenerfassung Menschen mit Behinderungen berücksichtigt, Gleichheit und Nichtdiskriminierung durchgehend in der Agenda verankert werden die Agenda im Einklag mit der UN-Behindertenrechtskonvention steht Setzen Sie jetzt ein Zeichen mit Ihrer Unterschrift und sammeln Sie weitere Unterschriften! Bitte senden Sie diese Unterschriftenliste bis zum 31. Juli 2015 an: Setz ein Zeichen!, CBM Deutschland e.v., Nibelungenstraße 124, Bensheim. Oder per Fax an (06251) DEINE UNTERSCHRIFT ZÄHLT! Name, Vorname PLZ, Ort -Adresse (freiwillig) Unterschrift Ihre Angaben werden zur Durchführung dieser Unterschriftenaktion durch die Christoffel-Blindenmission Deutschland e.v. (CBM) erhoben und gemäß dem Datenschutzgesetz der Evangelischen Kirche verwendet. Sofern Sie Ihre -Adresse (freiwillige Angabe) eingetragen haben, informieren wir Sie per über weitere Aktionen der Kampagne und zu den Aktivitäten der CBM. Ihre Daten werden nicht an Dritte zu Werbezwecken weitergegeben. Foto: CBM 8 Global Vision 2/2015

2 2/2015 GLOBAL VISION I N T E R N A T I O N A L E O P H T H A L M O L O G I E Foto: Pohle Augenklinik in Ruanda Erfolge und Herausforderungen

3 Liebe Leserin, lieber Leser, Foto: privat Dr. Hannsjürgen Trojan Augenarzt und Tropenmediziner in Marburg bis 1974 Leiter der Univ.-Augenklinik Lomé/ Togo. Danach jährlich ein- bis dreimonatige Auslandseinsätze in Asien und Afrika. Inhalt Bericht: Jahrestagung 2015 des DKVB Nachrichten und Termine Report: Augenklinik in Ruanda Kampagne: Setz ein Zeichen! Mille regrets aux absents das stand in Togo über jedem Hinweis auf eine öffentliche Veranstaltung: Abwesende werden es bedauern. Das war auch der Tenor des Berichts von Heribert Tigges über die Jahrestagung des Deutschen Komitees zur Verhütung von Blindheit. Die Tagung in Heringsdorf war von Prof. Frank Wilhelm organisiert worden. Die rund 80 Teilnehmer waren begeistert von dem guten Ablauf und den interessanten Themen. In diesem Jahr standen grundsätzliche ophthalmologische Fragen in Entwicklungsländern im Vordergrund. Wenn man Berichte von Einsätzen deutscher Augenärzte in Entwicklungsländern liest, hat man oft den Eindruck als seien alle Aktivitäten gut und effektiv. Da kann man aber geteilter Meinung sein. Dr. Ulrich Spandau, der seit vielen Jahren regelmäßig nach Ruanda fährt und sich dort um die unter seiner Leitung erbaute Augenklinik kümmert, berichtete über seine Erfahrungen. Und die sind ernüchternd. Ich musste früher auch mehrfach negative Erfahrungen sammeln: So erschien auf den Kap Verden die Gesundheitsministerin und wollte auf der Stelle meine Approbations- und Facharztanerkennungsurkunde einsehen. Nun, die Ministerin war Augenärztin und sah in mir einen bösen Konkurrenten. Mein dringender Rat also: Bei welchem Einsatz auch immer, ob konservativ oder operativ, immer eine Kopie aller Dokumente dabeihaben. Und in Sierra Leone meinte der Gesundheitsminister, ein ehemaliger Kondoktorand von mir, wir sollten doch bitte das Geld für den Kongress abliefern und nach Hause fahren. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass auch von unserer Seite aus schwerwiegende Fehler gemacht worden sind. Wir dürfen nicht alles, was sich bei uns bewährt hat, kritiklos auf Entwicklungsländer übertragen. Wir müssen uns hüten, ihnen unsere Kenntnisse überzustülpen. Glücklicherweise hat sich das in den vergangenen Jahren entscheidend verändert. Dass das so bleibt, wünscht uns und sich Ihr Hannsjürgen Trojan Herausgeber: Christoffel-Blinden mission Deutschland e.v. Nibelungenstraße Bensheim Tel.: (06251) Spendenkonto 2020 IBAN: DE BIC: BFSWDE33XXX Deutsches Komitee zur Verhütung von Blindheit Am Buchenhang Wermelskirchen Tel.: (02196) Spendenkonto: IBAN: DE BIC: COBADEFFXXX Sektion Interna tionale Ophthalmologie der DOG Huntumerskamp Ahlen/Westf. Tel.: (02382) Redaktion: CBM, Dr. R. Balmes, Prof. Dr. V. Klauß, Dr. M. Schulze Schwering, Dr. H. Trojan, Layout/Grafik: F. Zimmermann Bildnachweis: CBM, Tigges, Pohle Redaktionsleitung: Dr. Hannsjürgen Trojan (HT) An der Schülerhecke Marburg Tel.: ( ) Global Vision 2/2015 Die Herausgeber von Global Vision be danken sich für die freundliche Unterstützung von Dr. Reinhard Kaden und dem Kaden Verlag.

4 Bericht Jahrestagung 2015 des DKVB in Heringsdorf Die Jahrestagung des Deutschen Komitees zur Verhütung von Blindheit fand am 6. und 7. März in Heringsdorf gemeinsam mit der Sektion Internationale Ophthalmologie der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft statt. Bei der Versammlung wurde deutlich, dass trotz des großen Engagements namhafter Organisationen die Zahl der Menschen, die weltweit erblinden, stetig zunimmt. Positiv ist jedoch, dass die Erblindungsrate nicht mehr so stark steigt wie vor zehn Jahren, sondern nur noch moderat. Hierzu tragen die Kampagne VISION 2020, aber auch die effizienten und nachhaltigen Aktivitäten verschiedener Nichtregierungsorganisationen bei. Kinderophthalmologie Im Vergleich zu den Vorjahren nahm die Zahl der Vorträge, die sich mit der wichtigen Frage der Verhütung von Blindheit im Kindesalter beschäftigten, zu. So sprachen die Orthoptistinnen Christiane Paschke und Petra Verweyen (beide in Afrika tätig), Andrea Meisinger (Deutschland) sowie die Eheleute Elfriede Joos-Kratsch und Dr. Dietrich Kratsch. Prof. Dr. Guido Kluxen stellte den wechselseitigen Zusammenhang von kindlichem Nodding-Syndrom und Onchozerkose vor. Dr. Philipp Schwarz schilderte u. a. Operationen der kindlichen Katarakt. Expansion der Aktivitäten Diese Tätigkeiten beschreiben eine Modifizierung: Mitglieder des Komitees sind in Ländern tätig, die bislang noch nicht im Fokus des Komitees standen: Dr. Schwarz in Namibia, einem Land, in dem die Erste und Dritte Welt oft hart aneinanderliegen. Das Ehepaar Joos- Kratsch in Albanien, einem Entwicklungsland in Europa mit einem Bruttosozialprodukt geringer als in den meisten südamerikanischen Ländern und weitaus geringer als das derzeit in den Medien als sehr arm bezeichnete Bulgarien. Aktivität der Rostocker Klinik Auch das Spektrum der Tätigkeiten von Prof. Guthoff und seinem Team in der Demokratischen Republik Kongo erweitert sich stetig. Hier nur zwei Beispiele: Dr. Steffi Knappe berichtete von einer zunehmenden Zahl von Diabetikern mit der Folge von Augenerkrankungen. Des Weiteren schilderte sie die laufende Kooperation zwischen dem Team von Dr. Bambi aus Kinshasa und dem von Prof. Guthoff, bezogen auf einen IT-gestützten Austausch von Patientenbefunden (mithilfe einer Indication form ) und der darauf folgenden Begleitung aus Rostock. Outreaches nehmen zu Weitere Aktivitäten unterstreichen die zunehmende Bedeutung einer Tätigkeit über die Klinikarbeit hinaus. Outreaches hat es zwar schon immer gegeben, doch nehmen Anzahl und Intensität offenkundig zu. Dies zeigte zum einen der Vortrag von Dr. Achim Miertsch über die von ihm und seiner Prof. Dr. Frank Wilhelm und sein Team hatten die Tagung organisiert. Dr. Jonas Njikam aus Kamerun berichtete über seine Arbeit. Frau Ingrid gestartete Initiative in Tansania, zum anderen die Schilderung der kreativen Idee der sogenannten Ein-Dollar-Brillen von Dr. Wolfgang Krell. Produktion und Vertrieb der Brillen sind hervorragend angelaufen. Gast aus Kamerun Internationaler Gast der Tagung war in diesem Jahr Dr. Jonas Njikam aus Foumban/ Kamerun. Er ist eingebunden in das Team von Prof. Dr. Frank Wilhelm, der vor vielen Jahren ein Kooperationsprojekt zwischen der Universität Halle, später Helios-Klinik Schwerin, und Kamerun in Gang setzte und es im Laufe der Zeit personell, wissenschaftlich und praktisch-therapeutisch immer weiter ausbaute. Prof. Wilhelm und Dr. Njikam schilderten neben den Fortschritten in den ophthalmologischen Hilfen auch die Herausforderungen geographischer, politischer und logistischer Art inklusive Zollbarrieren und ihrer Überwindung. Zu Letzterem taten nach einer großzügigen Spende vieler Spaltlampen durch Heidelberg-Engineering Simone Henzler und Dr. Balmes einige Erfahrungen kund: Geräte liegen häufig ohne ersichtlichen Grund lange beim Zoll. Aber Ste- Global Vision 2/ Fotos (2): Tigges

5 Bericht tigkeit, Hartnäckigkeit und Geduld zahlen sich doch irgendwann aus. Facharztausbildung in Nairobi Nachdem bereits vor einigen Jahren Dr. Sebastian Briesen seine Facharztausbildung in Nairobi absolviert hatte, zieht dieses Modell offenbar weitere Kreise: Auch Dr. Martin Nentwich nahm an einem Postgraduate Ophthalmology Training in Nairobi teil und berichtete darüber auf der Tagung. Neben diesen Erweiterungen der bisherigen Themenfelder gab es natürlich auch Fortschreibungen bewährter Tätigkeiten so wie die von Dr. Christiane Schilling über Fünf Jahre Augenarzteinsätze in Puma/ Tansania und über Zwölf Jahre Kurzeinsätze in Ecuador von Dr. Hans-Ulrich Frank. Dank an Organisatoren Die Jahresversammlung wurde wie gewohnt sehr souverän von Prof. Guthoff (Freitag) und Dr. Balmes (Samstag) moderiert. Die Teilnehmer danken ihnen sowie Prof. Wilhelm und seinem Team herzlich für die gute Vorbereitung und Ausrichtung der Tagung. In der abschließenden Mitgliederversammlung wurden alle Vorstandsmitglieder für weitere drei Jahre in ihrer Funktion bestätigt. Auch dies ist ein Indikator für großes Engagement. Die Versammlung freute sich über neu gewonnene junge Mitglieder, appellierte aber auch an die Teilnehmer, in der Gewinnung weiterer jüngerer Mitglieder nicht nachzulassen: neben Ophthalmologen auch Orthoptistinnen, Blindenpädagoginnen und andere Interessierte. Denn: Neben der Chance zu effizienter Blindheitsverhütung gibt es im Komitee auch gute Kollegialität und viel Freude. Nachrichten und Termine Foto: Woche des Sehens Auf Augenhöhe Gutes Sehen, vermeidbare Blindheit und die Situation sehbehinderter und blinder Menschen in Deutschland und in Entwicklungsländern stehen im Mittelpunkt der Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober. In diesem Jahr heißt das Thema Auf Augenhöhe. Die bundesweite Kampagne ist ein perfekter Anlass, um auf die eigene Praxis oder Klinik sowie auf die Bedeutung von Blindheitsverhütung in Deutschland und in den ärmsten Ländern der Welt aufmerksam zu machen. Musterpressemitteilungen, Vorträge u. a. zum Thema Auf Augenhöhe weltweit Hilfe leisten sowie Hintergrundinformationen und weiteres, hilfreiches Material für Veranstaltungen gibt es auf der Internetseite der Woche des Sehens: Tübinger Tropenkurs Die Universitätsaugenklinik Tübingen lädt zu einem Tropenkurs vom 5. bis 7. November 2015 ein. Das dreitägige Seminar vermittelt Wissen über Epidemiologie und Prävention von Augenerkrankungen in den Tropen und soll auf Aufgaben in der Tropenophthalmologie vorbereiten. Aufgrund des interdisziplinären Ansatzes werden sowohl Augenärzte als auch in den Tropen tätige Pädiater und Internisten angesprochen. Anmeldungen nimmt Monica Zarzo-Vargas entgegen. DKVB-Jahrestagung Die Jahrestagung 2016 des Deutschen Komitees zur Verhütung von Blindheit (DKVB) findet am 26./27. Februar 2016 in Homburg an der Saar statt. Die Teilnehmer können sich wieder auf interessante Vorträge und den persönlichen Austausch mit Kollegen freuen. Spende statt Blumen Ein Augenarzt nahm seinen 80. Geburtstag zum Anlass, andere zu beschenken. Er bat seine Gäste, die ihm gern einen Blumenstrauß oder ein anderes Präsent überreichen wollten, stattdessen für das Komitee zur Verhütung von Blindheit zu spenden. Insgesamt kamen 800 Euro zusammen! Vivant sequentes. 4 Global Vision 2/2015

6 Report Augenklinik in Ruanda Dr. Ulrich Spandau berichtet über Erfolge und Herausforderungen Im April 1989 gründete der Kaufmann Helmut Schmitt aus Kaiserslautern den Verein Krankenhaus Ruanda. Das primäre Ziel der Initiative war die Unterstützung beim Aufbau eines Kinderkrankenhauses in Ruli, einem kleinen Ort im Nordosten Ruandas. Diese Kinderklinik hat sich im Laufe der Jahre zu einem der besten Krankenhäuser in der Region entwickelt und verfügt momentan über 200 Betten und sechs ruandische Ärzte. Neben dem Neubau befasste sich der Verein zunächst mit der Verbesserung der Wasserversorgung und Ausbildung von medizinischem Personal. Augenabteilung kam hinzu Seit 2005 gibt es auch eine Augenabteilung in der Klinik. Mehrmals im Jahr besucht ein deutsches Team, dem auch Dr. Ulrich Spandau angehört, das Krankenhaus. Er berichtet GLOBAL VISION eindrucksvoll von der Arbeit in Ruanda, führt aber gleichzeitig berechtigte Klage über die zeitweilig schwierige Zusammenarbeit mit den ruandischen Behörden. Nicht ohne Grund nennt Spandau seinen Bericht: Über einen, der nach Afrika auszog, um Gutes zu tun, um dann aber in einem Sumpf von Krankenhausdissonanzen und unverständlicher Entwicklungshilfe zu landen. Keine Plastiktüten erlaubt Vor acht Jahren, so Spandau, haben wir angefangen, in einem kleinen Dorf in Ruanda Katarakte zu operieren. Wir das ist eine Gruppe von Augenärzten, OP-Schwestern, Optikern und Mitgliedern des Krankenhaus-Ruanda- Vereins. Zweimal im Jahr fliegt das Team von Frankfurt aus über Addis Abeba nach Ruanda, um in dem Krankenhaus zu helfen. Spandau: Wenn man einen Ausländer fragt, was ihm in Deutschland am meisten auffällt, so bekommt man häufig zur Antwort: die Mülltrennung. Was mir in Ruanda am meisten auffällt: Plastiktüten sind dort verboten und werden Einreisenden schon am Flughafen in Kigali abgenommen. Dr. Ulrich Spandau, geboren in Südafrika. Schulausbildung in Johannesburg. Abitur in Reutlingen, Medizinstudium in Würzburg. Ausbildung zum Augenarzt an den Universitäten Heidelberg, Mannheim und Koblenz, Promotion und Habilitation. Vier Jahre leitender Oberarzt in Mannheim und seit sechs Jahren Oberarzt in Uppsala/ Schweden. Seit 2006 ehrenamtliche Tätigkeit in Ruanda. Das Team (hintere Reihe von links): Krankenhauschef Avite, Augenärztin Barbara Doschko, Augenärztin Ulrike von Brabant, Augenarzt Ulrich Spandau, OP-Springerin Hanna Schmidt. Vordere Reihe v.l.: Optikermeisterin Stefanie Laup, OP-Schwester Claudia Muessenich und Krankenhausmanagerin Schwester Carmen. Fotos (2): Pohle Global Vision2/2015 5

7 Report Von Kigali aus fährt man mit dem Auto einige Stunden über Schotterpisten in nördlicher Richtung zum Krankenhaus in Ruli, das auf einem etwa Meter hohen Berg liegt. Ordensschwestern leiten das Haus Das Krankenhaus ist zugleich Waisenhaus und Kirche und wird von zwei spanischen Ordensschwestern Benediktinerinnen geleitet. Es gehört zu gleichen Teilen der katholischen Kirche und dem ruandischen Staat. Die Krankenhausführung arbeitet außerordentlich effektiv. Schwester Rosa, ehemals Pilotin, ist für die Verwaltung zuständig. Die zweite Nonne, Schwester Carmen, ist für das Praktische verantwortlich. Spandau: Sie könnten problemlos ein deutsches Krankenhaus leiten. Ohne diese beiden wäre unser Einsatz in Ruanda schwierig, wenn nicht gar gefährdet. Die Augenklinik habe man nach eigenen Plänen bauen lassen und komplett selbst aus einem Sammelsurium von gespendeten und eigenen Möbeln und Geräten eingerichtet, so Spandau. Im Untersuchungsraum stehen zwei Spaltlampen und im Visusraum zwei Phoropter. In der Optikerwerkstatt können Brillen hergestellt werden. Spandau: Der OP ist in einem separaten Gebäude untergebracht. Mit einem alten Zeiss-OP-Mikroskop und einem Phakogerät haben wir die erste Phakoemulsifikation in Ruanda durchgeführt. Als einheimisches Personal haben wir einen Optiker, einen OP-Pfleger und einen Ambulanzarzt. Hier liegt bereits das erste Problem: Der Ambulanzarzt ist kein Arzt, sondern nur ein Medical Officer. Er ist auf der konservativen Ebene hervorragend, aber er darf nicht operieren. Zu wenig Augenärzte in Ruanda Im ganzen Land gibt es nur fünf einheimische Augenärzte. Die aber arbeiten alle aus finanziellen Gründen in der Hauptstadt Kigali. Wie in Deutschland will auch in Ruanda niemand auf dem Land arbeiten. Spandau berichtete: Während unserer Abwesenheit behandelt der Medical Officer die Patienten konservativ, hält nach Kataraktpatienten Ausschau und der Optiker fertigt Brillen an. Wenn wir dann nach Ruanda kommen, operieren wir die Katarakte und helfen in der Ambulanz. Da wir zu unserem Leidwesen den Medical Officer nicht zum Chirurgen ausbilden durften, hatten wir die Idee, einen ausländischen Augenarzt in einem benachbarten Krankenhaus (zweieinhalb Autostunden Entfernung) zu bitten, unsere Patienten zu operieren. Gesagt, getan. Eine komplizierte Sache Das wurde allerdings eine recht komplizierte Angelegenheit. Als wir in Ruanda anfingen, Katarakte zu operieren, zahlte der Patient eine geringe Summe an das Krankenhaus. Ein armer Patient wurde an die Sozialstation verwiesen und dort bestimmte man einen geringen Beitrag. Kostenlos jedoch war die Operation nie, damit der Patient die Operation wertschätzte. Nach einigen Jahren wurde eine allgemeine Krankenkasse nach französischem Vorbild eingeführt. Sie zahlte einen willkürlichen Preis an das Krankenhaus für die Operation, der allerdings um ein Vielfaches höher lag als unser Preis. Davon zahlte der Patient 25 Prozent und die Krankenkasse übernahm 75 Prozent. Diese ist aber inzwischen dermaßen verschuldet, dass sie allen Krankenhäusern viel Geld schuldet. Der Kollege, der unsere Katarakte operierte, wollte keine eigene Entlohnung, sondern lediglich die Kassenleistungen 6 Global Vision 2/2015 Die Augenklinik in Ruli bräuchte dauerhaft einen Augenarzt, der Katarakte operieren kann.

8 Report Fotos (2): Pohle Der Andrang im Krankenhaus ist groß. Die Klinik genießt einen guten Ruf. als Aufwandsentschädigung. Die Krankenhausleitung wollte aber auch diese Zahlungen einbehalten. Und so kam es zum Streit. Jetzt will der Kollege unsere Katarakte nicht mehr operieren. Die Folge ist nun, dass wir ehrenamtlich nach Ruanda fliegen müssen, um dort Katarakte zu operieren. Noch keine Lösung in Sicht Wir haben schon überlegt, die Patienten mit dem Autotaxi in ein anderes Krankenhaus zu schicken. Das aber lehnen die meisten Patienten ab. Eine weitere Überlegung war, einen Augenchirurgen auszubilden. Dazu hätten wir unserem Medical Officer ein Studium in Kenia oder Tansania finanzieren müssen mit dem Risiko, dass er nach dem Studium in der lukrativeren Hauptstadt arbeitet. Leider gibt es in Ruanda viele Beispiele von solchen,technischen Pannen. So erschien vor einiger Zeit ein Team für Plastische Chirurgie aus Kanada, um im Krankenhaus in Kigali zu arbeiten. Das Team bestand aus Chirurgen und Anästhesisten. Dieser Einsatz war vom zuständigen Ministerium gefördert worden. Das Ganze hatte aber einen kleinen Haken. Das Krankenhaus war nicht informiert worden. Das kanadische Team nahm am Morgen gleich alle fünf OP-Säle in Beschlag, aber es waren keine Patienten für sie eingeplant. Also operierten die kanadischen Spezialisten die Patienten, die zu diesem Zeitpunkt vorhanden waren. Die einheimischen Chirurgen und Anästhesisten hatten nichts zu tun und nahmen sämtlich eine Woche frei. Die schwierigen Fälle, für die die Kanadier vorgesehen waren, wurden nicht operiert. Denn keiner der einheimischen Ärzte war informiert worden. Pannen kein Einzelfall Jedes Mal, wenn wir nach Ruanda kommen, stehen neue Gebäude auf dem Krankenhausgelände. Wer hat diese Gebäude finanziert? Antwort: Alle möglichen NGOs. Viele dieser Gebäude sind jedoch nicht nach den Bedürfnissen des Krankenhauses, sondern nach den Richtlinien der NGOs gebaut worden. Die Gebäude sind entweder zu groß oder zu klein. Oder es gibt zu wenig Fenster. Oder WCs wurden vergessen. Man muss schließlich den Spendern ein schönes Foto von der Fassade vorlegen können. Wir hatten ein Schulgebäude errichten lassen. An der Außenwand war aber das Schild einer australischen Organisation angebracht. Der Schulleiter wurde zur Rede gestellt. Er druckste herum und gab schließlich zu, dass er mehrere Anträge zur Finanzierung gestellt und zwei Zusagen erhalten hatte. Sind Kurzeinsätze sinnvoll? Auf die Frage, ob Kurzeinsätze sinnvoll sind, sagte Spandau: Die Frage ist berechtigt, aber jeder muss sie für sich selbst beantworten. Das System mag noch so chaotisch sein, aber jeder Patient, der von Blindheit befreit wird, ist für mich der Mühe wert. Im Unterschied zu Deutschland gibt es in Ruanda nicht Tausende von Augenärzten, sondern wenn du nicht da bist, dann gibt es keinen. Seine Lehre aus den Afrika-Erlebnissen ist: Einmal-Einsätze sind sinnlos. Man muss ein Projekt langfristig betreuen. Dann lohnt es sich, trotz aller Widrigkeiten in Afrika zu arbeiten. Global Vision 2/2015 7

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