Expertengespräch Besteuerung von Kapitalvermögen in Österreich

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1 Besteuerung von Kapitalvermögen in Österreich

2 Thomas Steinbauer Johannes Edlbacher Die Steuerexperten von PwC, Thomas Steinbauer und Johannes Edlbacher, geben Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Thema Kapitalbesteuerung in Österreich, die Besonderheiten der Besteuerung von Investmentfonds und darüber was bei der Übertragung von ausländischen Investment-Depots nach Österreich zu beachten ist.

3 Allgemeines zur Besteuerung von Kapitalvermögen Wie werden Einkünfte aus Kapitalvermögen auf Ebene natürlicher Personen in Österreich besteuert? Einkünfte aus Kapitalvermögen also Zinsen, Dividenden, Gewinne aus der Veräußerung von Kapitalvermögen sowie Erträge aus Derivaten unterliegen in Österreich grundsätzlich einer 25 %igen Besteuerung, egal ob das Kapitalvermögen auf einem inländischen oder ausländischen Depot gehalten wird. Bei der Ermittlung der Einkünfte ist zu beachten, dass Werbungskosten (wie z.b. Depotgebühren) nicht von den Erträgen abgezogen werden dürfen. Bei Anschaffungsnebenkosten (wie z.b. dem Ausgabeaufschlag bei Investmentfonds) gilt, dass diese im Privatvermögen steuerlich nicht geltend gemacht werden können. Im Betriebsvermögen hingegen ist ein Abzug der Anschaffungsnebenkosten vom Veräußerungsgewinn möglich. Sofern Kapitalvermögen von einer natürlichen Person auf einem österreichischen Depot gehalten wird, behält die österreichische depotführende Bank die 25 %ige Steuer auf die Kapitalerträge, genannt Kapitalertragsteuer (KESt), ein und führt diese für den Anleger an das Finanzamt ab. Mit Einbehalt der KESt sind diese Kapitalerträge endbesteuert, d.h. der Anleger muss die Kapitalerträge nicht mehr veranlagen, also in seine Einkommensteuererklärung aufnehmen. Wird Kapitalvermögen von einer natürlichen Person im Betriebsvermögen gehalten, so kommt die Endbesteuerungswirkung nur für Zinserträge und Dividendenerträge zum Tragen. Gewinne aus der Veräußerung von Kapitalvermögen und Erträge aus Derivaten müssen trotz KESt-Einbehalts veranlagt werden, wobei die einbehaltene KESt auf die Einkommensteuer des Anlegers angerechnet wird. Der Hintergrund für diese Regelung ist, dass im Betriebsvermögen besondere Regelungen gelten, was die Verwertung von Veräußerungsverlusten und die Geltendmachung von Anschaffungsnebenkosten betrifft. Befindet sich das Kapitalvermögen auf einem ausländischen Depot, so ist der österreichische Anleger jedenfalls verpflichtet, die Einkünfte zu veranlagen. Im Rahmen der Veranlagung werden diese Einkünfte nicht dem progressiven Einkommensteuertarif unterworfen, sondern ebenfalls mit einem der Höhe der KESt entsprechenden 25 %igen Steuersatz versteuert. Der Steuerpflichtige hat die Möglichkeit, die Besteuerung der gesamten Einkünfte aus Kapitalvermögen zum individuellen Einkommensteuertarif im Rahmen der Veranlagung zu beantragen. Die Ausübung dieser sogenannten Regelbesteuerungsoption ist dann sinnvoll, wenn der individuelle Tarifsteuersatz unter 25 % liegt. Eine einbehaltene KESt wird bei Ausübung der Regelbesteuerungsoption auf die Einkommensteuer des Anlegers angerechnet bzw. gutgeschrieben. Was hat sich mit Einführung der Vermögenszuwachsbesteuerung bei der Besteuerung von Einkünften aus Kapitalvermögen geändert? Mit dem Budgetbegleitgesetz 2011 (BBG 2011) wurde die Besteuerung von Einkünften aus Kapitalvermögen auf Ebene natürlicher Personen umfangreich reformiert und die Systematik einer Vermögenszuwachsbesteuerung eingeführt. Gewinne aus der Veräußerung von Kapitalvermögen waren vor Einführung der Vermögenszuwachsbesteuerung für natürliche Personen nur unter bestimmten Voraussetzungen steuerpflichtig. Zum Beispiel dann, wenn Kapitalvermögen von Privatanlegern innerhalb eines Jahres nach Anschaffung veräußert wurde (das sogenannte Spekulationsgeschäft gemäß 30 EStG). Selbst wenn Veräußerungsgewinne vor Einführung der Vermögenszuwachsbesteuerung steuerpflichtig waren, so hat die österreichische depotführende Bank auf diese Gewinne keine KESt einbehalten. Solche Gewinne waren gegebenenfalls immer zu veranlagen und mit dem Einkommensteuertarif (bis zu 50 %) zu versteuern. Mit der Einführung der Vermögenszuwachsbesteuerung wurden Gewinne aus der Veräußerung von Kapitalvermögen und Einkünfte aus Derivaten unter die Einkünfte aus Kapitalvermögen subsumiert und in das KESt-System mit einbezogen. Gewinne aus der Veräußerung von Kapitalvermögen unterliegen daher seit 1. April 2012 unabhängig von der Behaltedauer der Besteuerung in Höhe von 25 %. Unterliegen Gewinne aus Wertpapieren, die vor Einführung der Vermögenszuwachsbesteuerung angeschafft wurden, auch der 25 %igen Besteuerung? Von der Vermögenszuwachsbesteue- 3

4 rung sind nicht alle Gewinne aus der Veräußerung von Wertpapieren betroffen. Der Besteuerung mit 25 % unterliegen realisierte Gewinne aus Anteilen an Körperschaften, Investmentfonds und Immobilienfonds, die nach dem 31. Dezember 2010 entgeltlich erworben und nach dem 31. März 2012 veräußert werden, und aus Forderungswertpapieren und Derivaten, die nach dem 31. März 2012 entgeltlich erworben und veräußert werden. Wertpapiere, deren Gewinne der Vermögenszuwachsbesteuerung unterliegen, werden als Neubestand bezeichnet. Im Gegensatz dazu werden Wertpapiere, deren Gewinne nicht der Vermögenszuwachsbesteuerung unterliegen und daher steuerfrei sind, als Altbestand bezeichnet. Der Kunde hält auf seinem Depot von einem bestimmten Wertpapier sowohl Altbestand als auch Neubestand und veräußert nun einen Teil seines Bestandes. Gilt in solch einem Fall der Altbestand als zuerst veräußert? Der Kunde kann grundsätzlich wählen, ob Altbestand oder Neubestand veräußert werden soll. Trifft der Kunde keine Wahl, so hat die österreichische Bank zunächst Altbestand zu veräußern. Unter welchen Voraussetzungen kommt es nicht zu einem Abzug der KESt? Die Endbesteuerungswirkung durch den KESt-Einbehalt gilt nur für bestimmte Anlegergruppen: Nämlich insbesondere für in Österreich unbeschränkt steuerpflichtige natürliche Personen und für Körperschaften öffentlichen Rechts (Gemeinden etc.). Für alle anderen in Österreich unbeschränkt steuerpflichtigen Anleger, das sind insbesondere Kapitalgesellschaften (AGs, GmbHs) und eigennützige Privatstiftungen, gilt, dass diese ihre Einkünfte aus Kapitalvermögen jedenfalls veranlagen müssen. Aus diesem Grund sind eigennützige Privatstiftungen gemäß 94 Z 12 EStG vom KESt-Abzug befreit. Bei Kapitalgesellschaften hat die österreichische Bank dann keine KESt einzubehalten, wenn eine sogenannte Befreiungserklärung gemäß 94 Z 5 EStG vorgelegt wird. Ausländische Anleger, das sind natürliche oder juristische Personen, die weder ihren Wohnsitz noch gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich haben, aber dennoch ihre Wertpapiere auf einem österreichischen Depot halten, sind grundsätzlich mit ihren Einkünften aus Kapitalvermögen nicht in Österreich, sondern in ihrem Ansässigkeitsstaat steuerpflichtig. Die österreichische depotführende Bank kann daher vom KESt-Abzug abse- hen, wenn der Anleger seine Ausländereigenschaft nachweist. Bei natürlichen Personen, die in einem anderen EU-Mitgliedstaat als Österreich ansässig sind, ist jedoch zu beachten, dass die österreichische depotführende Bank zwar keine KESt, aber 35 % EU-Quellensteuer auf Zinserträge einbehält. Im Zuge der Veranlagung der Kapitalerträge im Wohnsitzstaat kann sich der Anleger die in Österreich einbehaltene EU-Quellensteuer auf seine Steuerschuld anrechnen lassen. Gibt es wie in Deutschland auch in Österreich die Möglichkeit Freistellungsaufträge oder Nichtveranlagungsbescheinigungen einzureichen? Nein, diese Möglichkeit gibt es in Österreich nicht. Sollte der individuelle Tarifsteuersatz unter 25 % liegen, so kann der Anleger durch Ausübung der Regelbesteuerungsoption die Veranlagung der Kapitalerträge zum entsprechend niedrigeren Tarifsteuersatz beantragen. Bis zu einem Jahreseinkommen von EUR beträgt die Einkommensteuer EUR 0. Übt daher ein Anleger mit solch einem geringen Jahreseinkommen die Regelbesteuerungsoption aus, so wird ihm die gesamte einbehaltene KESt im Zuge der Veranlagung gutgeschrieben. Die Ausübung der Regelbesteuerungsoption erfolgt also über die Einkommensteuererklärung. 4

5 Verwertung von Veräußerungsverlusten Können Verluste aus der Veräußerung von Kapitalvermögen mit Kapitalerträgen verrechnet werden? Ja, Verluste aus der Veräußerung von Neubestand können mit Dividenden, Zinsen und steuerpflichtigen Veräußerungsgewinnen verrechnet werden. Bei der Verlustverrechnung sind jedoch zahlreiche Einschränkungen zu beachten: Im Privatvermögen einer natürlichen Person ist eine Verrechnung mit positiven Einkünften aus Kapitalvermögen desselben Kalenderjahres, außer mit Zinserträgen aus Geldeinlagen, mit Zuwendungen von Privatstiftungen und mit Zinserträgen aus Anleihen und Zertifikaten, die vor dem 1. April 2012 erworben wurden, möglich. Eine Verrechnung mit anderen Einkünften, wie z.b. Einkünften aus Vermietung und Verpachtung, ist ebenfalls ausgeschlossen. Verluste aus der Veräußerung von Neubestand, die in einem Kalenderjahr nicht verwertet werden können, können nicht in Folgejahre vorgetragen werden. Ein Verlustüberhang geht also verloren. Im Betriebsvermögen einer natürlichen Person sind Verluste aus der Veräußerung von Kapitalvermögen und Teilwertabschreibungen auf Kapitalvermögen vorrangig mit Veräußerungsgewinnen und Zuschreibungen aus Kapitalvermögen zu verrechnen. Ein danach noch verbleibender Überhang an Verlusten kann nur mehr zur Hälfte verwertet werden. Dieser ist in weiterer Folge mit anderen betrieblichen und außerbetrieblichen Einkünften ausgleichsfähig. Insoweit ein Ausgleich im selben Jahr mit anderen Einkünften nicht möglich ist, ist dieser Teil des halbierten Verlustes vortragsfähig. Die andere Hälfte des verbliebenen Verlustüberhanges geht verloren. Muss der Anleger Veräußerungsverluste über die Veranlagung (d.h. durch Aufnahme in seine Steuererklärung) geltend machen oder nimmt die Bank die Verlustverrechnung vor? Hier ist zu unterscheiden, ob das Depot des Anlegers dem Privatvermögen oder dem Betriebsvermögen zugeordnet ist. Ist das Depot einer natürlichen Person ihrem Privatvermögen zugeordnet, so verrechnet die österreichische Bank Veräußerungsverluste laufend automatisch mit den verrechenbaren Kapitalerträgen. Erzielt der Anleger daher zunächst KESt-pflichtige Erträge und zu einem späteren Zeitpunkt einen Veräußerungsverlust, so wird dem Anleger im Zeitpunkt der Verlustrealisation die bereits einbehaltenen KESt wieder gutgeschrieben, sofern die bereits zugeflossenen KEStpflichtigen Erträge im Veräußerungsverlust Deckung finden. Wird hingegen zunächst ein Verlust realisiert und fließen zu einem späteren Zeitpunkt steuerpflichtige Kapitalerträge zu, so wird lediglich auf den positiven Saldo aus Verlust und Kapitalerträgen KESt einbehalten. Ist das Depot einer natürlichen Person dem Betriebsvermögen zugeordnet, so wird von der Bank keine automatische Verlustverrechnung durchgeführt. Dies deshalb, da im Betriebsvermögen besondere Verlustverrechnungsvorschriften gelten. Auch bei Gemeinschaftsdepots und treuhändig gehaltenen Depots wird keine automatische Verlustverrechnung vorgenommen. Werden Verluste auch depotübergreifend automatisch verrechnet? Hat ein Anleger mehrere Depots bei derselben Bank, so nimmt die Bank eine depotübergreifende Verlustverrechnung vor. Hat hingegen der Anleger Depots bei unterschiedlichen Banken, so werden Verluste nicht bankenübergreifend verrechnet. Sollte der Jahressaldo eines Depots bei der Bank A negativ und der Jahressaldo eines Depots bei der Bank B positiv sein, so kann der Anleger durch Ausübung der Verlustausgleichsoption gemäß 97 Abs. 2 EStG eine Verrechnung über die Veranlagung vornehmen. Um dem Anleger diese depotübergreifende Verlustverrechnung zu erleichtern, sind die Banken verpflichtet, jährlich eine Verlustausgleichsbescheinigung auszustellen. Die Verlustausgleichsbescheinigung gibt Auskunft über die positiven und negativen Einkünfte und über die bereits abgeführte, gegengerechnete und gegenrechenbare KESt. 5

6 Besonderheiten bei der Besteuerung von Investmentfonds Welche Besonderheiten gibt es bei der Besteuerung von Investmentfonds? Investmentfonds sind in Österreich einkommensteuerrechtlich transparent. Daraus folgt, dass der Investmentfonds selbst kein Steuersubjekt ist, sondern der Anteilsinhaber als steuerpflichtig angesehen wird. Das Transparenzprinzip beruht auf der Grundkonzeption, dass der Anleger bei Veranlagung über einen Investmentfonds gleich besteuert werden soll wie bei einer direkten Anlage in dieselben Wertpapiere des Fonds. Dies bedeutet, dass mangels Steuerpflicht des Fondsvermögens als solches die im Fonds erwirtschafteten Erträge einkommensteuerlich beim Anteilsinhaber erfasst werden müssen. Systematisch hängt die Behandlung von Investmentfonds im Steuerrecht daher von der Art der vom Fonds erzielten Erträge (Zinsen, Dividenden, realisierte Substanzgewinne) sowie dem persönlichen steuerlichen Status des Anteilsinhabers (natürliche Person, juristische Person, Privatvermögen, Betriebsvermögen) ab. Es unterliegen alle vom Fonds während eines Fondsgeschäftsjahres erwirtschafteten Erträge auf Ebene des Anlegers der jährlichen Besteuerung, unabhängig davon, ob diese ausgeschüttet oder wiederveranlagt werden. Ausschüttungen des Fonds an den Anleger sind grundsätzlich im Ausschüttungszeitpunkt steuerpflichtig. Bei thesaurierten Erträgen wird fingiert, dass diese einmal jährlich nach Ende des Fondsgeschäftsjahres den Anteilsinhabern zufließen, weshalb die thesaurierten Erträge als ausschüttungsgleiche Erträge bezeichnet werden. Die thesaurierten Erträge unterliegen daher einmal jährlich der Besteuerung. Was die Berechnung der Fondserträge betrifft, gilt Folgendes: Die gesamten Zinserträge und Dividendenerträge abzüglich Aufwendungen des Fonds sind steuerpflichtig. Vor Einführung der Vermögenszuwachsbesteuerung waren 20 % der im Fonds realisierten Substanzgewinne aus Aktien und damit in Zusammenhang stehenden Derivaten steuerpflichtig. Substanzgewinne aus Forderungswertpapieren und damit in Zusammenhang stehenden Derivaten waren zur Gänze steuerfrei. Das BBG 2011 sieht eine schrittweise Anhebung der steuerpflichtigen Substanzgewinne (abhängig vom Beginn des Fondsgeschäftsjahres) auf 60 % bei Thesaurierung bzw. 100 % bei Ausschüttung vor (siehe Tabelle). Innerhalb des Fonds können realisierte Substanzverluste mit realisierten Substanzgewinnen verrechnet werden. Bei Fondsgeschäftsjahren, die ab 2013 beginnen, ist auch eine Verrechnung der Substanzverluste mit den ordentlichen Erträgen des Fonds möglich. Übersteigen die realisierten Verluste die verrechenbaren Erträge des Fonds, so können diese mit Fondserträgen zukünftiger Fondsgeschäftsjahre verrechnet werden (Verlustvortrag im Fonds). Die steuerpflichtigen Fondserträge unterliegen der 25 %igen KESt, sofern die Fondsanteile auf einem österreichischen Depot gehalten werden. Bei Vorliegen eines Auslandsdepots sind die Fondserträge mit dem 25 %igen besonderen Steuersatz zu veranlagen. Realisierte Substanzgewinne aus Aktien und damit in Zusammenhang stehenden Derivaten Realisierte Substanzgewinne aus Anleihen und damit in Zusammenhang stehenden Derivaten vor dem Beginn des Fondsgeschäftsjahres ab dem ab dem ab dem % 30 % 40 % Thesaurierung: 50 % Ausschüttung: 100 % steuerfrei steuerfrei steuerfrei Thesaurierung: 50 % Ausschüttung: 100 % ab dem Thesaurierung: 60 % Ausschüttung: 100 % Thesaurierung: 60 % Ausschüttung: 100 % 6

7 Woher weiß die Bank, wie hoch die KESt auf die Ausschüttung und die ausschüttungsgleichen Erträge ist? Die KESt auf die steuerpflichtigen Ertragsbestandteile der Ausschüttungen und auf die ausschüttungsgleichen Erträge sind durch einen österreichischen steuerlichen Vertreter (die Funktion des steuerlichen Vertreters können inländische Wirtschaftstreuhänder und inländische Kreditinstitute übernehmen) nachzuweisen und von diesem an die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB) zu melden. Auf Basis dieser Meldungen rechnet die inländische depotführende Bank die 25 %ige KESt ab. Die vom steuerlichen Vertreter gemeldeten Werte werden auf der Website der OeKB (www.profitweb.at) veröffentlicht. Die Ausschüttungsmeldung ist spätestens am letzten Handelstag vor dem Ausschüttungstag durchzuführen. Erfolgt keine Meldung der KESt auf die Ausschüttung an die OeKB, wird von der inländischen depotführenden Bank 25 % KESt auf die tatsächliche Ausschüttung einbehalten. Die Meldung der ausschüttungsgleichen Erträge an die OeKB hat bei inländischen Fonds innerhalb von fünf Monaten, bei ausländischen Fonds innerhalb von sieben Monaten nach Ende des Fondsgeschäftsjahres zu erfolgen. Die KESt auf die ausschüttungsgleichen Erträge wird im Zeitpunkt der Meldung von der österreichischen Bank einbehalten. Damit der steuerliche Vertreter die entsprechenden Meldungen an die OeKB durchführen kann, ist der Fonds bei der OeKB als Meldefonds zu registrieren. Fonds, die nicht als Meldefonds registriert sind, werden als schwarze Fonds bezeichnet. Da bei schwarzen Fonds keine Meldung der KESt auf die ausschüttungsgleichen Erträge erfolgt, werden die steuerpflichtigen ausschüttungsgleichen Erträge pauschal berechnet. Basis dieser Pauschalbesteuerung ist jeweils der höhere der folgenden Werte: 90 % des Unterschiedsbetrages zwischen dem Anteilswert zu Beginn und zum Ende des Kalenderjahres oder 10 % des letzten Anteilswertes im Kalenderjahr. Die österreichische Bank ist verpflichtet, 25 % KESt auf die pauschal ermittelten ausschüttungsgleichen Erträge schwarzer Fonds jeweils zum 31. Dezember eines jeden Jahres einzubehalten. Der steuerpflichtige Veräußerungsgewinn ergibt sich aus der Differenz zwischen Veräußerungserlös und Anschaffungskosten. Die jährlich besteuerten ausschüttungsgleichen Erträge sind Teil des Veräußerungsgewinnes. Kommt es da bei Veräußerung von Neubestand nicht zu einer nochmaligen Besteuerung der ausschüttungsgleichen Erträge? Wird Neubestand (also nach dem 31. Dezember 2010 angeschaffte Fondsanteile) veräußert, so kommt es nicht zu einer nochmaligen Besteuerung der ausschüttungsgleichen Erträge. Dies deshalb, da die Bank die Anschaffungskosten jedes Jahr um die besteuerten ausschüttungsgleichen Erträge erhöht. Folgendes Beispiel soll die Systematik der Fortführung der Anschaffungskosten veranschaulichen: Ein Anleger kauft einen Fondsanteil um 100. Nun werden ausschüttungsgleiche Erträge in Höhe von 4 an die OeKB gemeldet. Die Bank behält daher KESt in Höhe von 1 (= 4 x 25 % KESt) ein. Gleichzeitig erhöht die Bank die Anschaffungskosten um die ausschüttungsgleichen Erträge. Die neuen Anschaffungskosten betragen daher 104. Verkauft nun der Anleger den Fondsanteil um 110, so ergibt sich aufgrund der Anschaffungskostenerhöhung ein KESt-pflichtiger Veräußerungsgewinn in Höhe von 6 (= ). Der Betrag, um den die Bank die Anschaffungskosten im Zuge einer Besteuerung der ausschüttungsgleichen Erträge zu erhöhen hat, wird ebenfalls vom steuerlichen Vertreter des Fonds berechnet und an die OeKB gemeldet. Welche Unterschiede gibt es zwischen der Besteuerung von Fondsanteilen des Altbestandes und von Fondsanteilen des Neubestandes? Einen Unterschied gibt es lediglich in Bezug auf die Besteuerung des Gewinns aus der Veräußerung der Fondsanteile, wenn die Fondsanteile im Privatvermögen einer natürlichen Person gehalten werden: Gewinne aus der Veräußerung von Fondsanteilen des Altbestandes (d.h. von vor dem 1. Jänner 2011 erworbenen Fondsanteilen) sind steuerfrei, während Gewinne aus der Veräußerung von Fondsanteilen des Neubestandes (d.h. von ab dem 1. Jänner 2011 erworbenen Fondsanteilen) mit 25 % besteuert werden. Was die Höhe der Besteuerung der Ausschüttung und der ausschüttungsgleichen Erträge betrifft, gibt es keinen Unterschied zwischen Altbestand und Neubestand. Hat die Veranlagung in einen ausländischen Fonds (z.b. Luxemburger Fonds) steuerliche Nachteile im Vergleich zur Veranlagung in einen österreichischen Fonds? Nein, wenn der ausländische Fonds bei der OeKB als Meldefonds registriert ist. Für ausländische Meldefonds und inländische Fonds gelten grundsätzlich dieselben Besteuerungsregelungen. Ist der auslän- 7

8 dische Fonds nicht bei der OeKB als Meldefonds registriert (schwarzer Fonds), so kommt die schon erwähnte ungünstige Pauschalbesteuerung zum 31. Dezember eines jeden Jahres zum Tragen. Hier ist zu erwähnen, dass bei schwarzen Fonds der Anleger die Möglichkeit hat, der Bank einen Nachweis über die tatsächlichen ausschüttungsgleichen Erträge, erstellt von einem Steuerberater, vorzulegen. Bei Vorlage eines solchen Nachweises korrigiert die Bank den pauschalen KESt-Einbehalt. Auch bei schwarzen Fonds kann daher eine steuerliche Gleichstellung mit ausländischen Meldefonds und inländischen Fonds erreicht werden, allerdings nicht ohne beträchtlichen Aufwand. Auf der Website der OeKB (www. profitweb.at) kann der Anleger abfragen, ob ein Fonds den Meldefondsstatus hat. Sollte man aus steuerlicher Sicht in einen ausschüttenden oder in einen thesaurierenden Fonds investieren? Bis auf die Besteuerung der im Fonds realisierten Substanzgewinne gibt es sonst keine steuerlichen Unterschiede zwischen einem ausschüttenden und einem thesaurierenden Fonds. Denn werden Substanzgewinne thesauriert, so sind diese maximal zu 60 % steuerpflichtig. Werden hingegen Substanzgewinne ausgeschüttet, so sind diese zur Gänze zu versteuern. Bei Neubestand handelt es sich dabei aber nur um einen Steuerstundungseffekt, denn der nicht versteuerte Teil der thesaurierten Substanzgewinne wird spätestens bei Veräußerung der Fondsanteile nachversteuert (eine Erhöhung der Anschaffungskosten im Zuge der Besteuerung der ausschüttungsgleichen Erträge erfolgt nämlich nur um die besteuerten 60 % der Substanzgewinne). 8

9 Der Übertrag der Fondsanteile auf österreichische Depots Welche steuerlichen Unterschiede gibt es zwischen einem inländischen und einem ausländischen Depot? Was die Höhe der Steuer betrifft, so macht es keinen Unterschied, ob Kapitalvermögen auf einem österreichischen Depot oder auf einem ausländischen Depot gehalten wird, denn in beiden Fällen kommt der 25 %ige Steuersatz zur Anwendung. Ein Unterschied besteht lediglich in der Form der Einhebung: Bei Erträgen aus Kapitalvermögen auf einem österreichischen Depot wird die 25 %ige Steuer in Form der KESt von der Bank einbehalten und an das Finanzamt abgeführt. Bei einem Auslandsdepot ist der Anleger hingegen verpflichtet, selbst die steuerpflichtigen Erträge zu berechnen und diese in seine Einkommensteuererklärung aufzunehmen. Um die Berechnung der steuerpflichtigen Erträge durchführen zu können, sind insbesondere bei Investmentfonds umfassende steuerliche Kenntnisse erforderlich. Hat der Anleger diese Kenntnisse nicht, so wird er sich wohl an einen Steuerberater wenden müssen, was natürlich mit Kosten verbunden ist. Der Vorteil eines österreichischen Depots ist also, dass die Bank für den Anleger die Berechnung und die Abfuhr der KESt vornimmt. Das ist natürlich ein sehr angenehmes Service, zumal die Komplexität steuerlicher Bestimmungen stetig zunimmt. Ein Übertrag der Fondsanteile von einem ausländischen Depot auf ein österreichisches Depot ist daher aus steuerlicher Sicht sinnvoll und empfehlenswert. Wie funktioniert aus steuerlicher Sicht der Übertrag vom ausländischen Depot auf ein österreichisches Depot (d.h. auf ein Depot bei der FIL Fondsbank GmbH Zweigniederlassung Wien)? Damit die österreichische depotführende Bank, also die FIL Fondsbank GmbH Zweigniederlassung Wien, die KESt-Abrechnung korrekt durchführen kann, benötigt diese bestimmte Informationen über die zu übertragenden Fondsanteile. Die österreichische Bank muss wissen, welche Fondsanteile vor und welche Fondsanteile ab dem 1. Jänner 2011 angeschafft wurden. Diese Information ist erforderlich, um eine Hinterlegung der Fondsanteile als Altbestand oder Neubestand vornehmen zu können. Zusätzlich benötigt die österreichische Bank bei 9

10 Fondsanteilen des Neubestandes die Anschaffungskosten, um den steuerpflichtigen Gewinn bei einer späteren Veräußerung berechnen zu können. Diese Informationen werden automatisch in die KESt-Abrechnungssysteme der FIL Fondsbank eingespielt. Der Anleger muss daher weder gegenüber der Bank, noch gegenüber dem Finanzamt einen Nachweis über Anschaffungszeitpunkt und Anschaffungskosten erbringen. Da die FIL Fondsbank ab dem Zeitpunkt des Depotübertrages KESt auf die zugeflossenen Erträge (d.h. Ausschüttungen, gemeldete ausschüttungsgleiche Erträge und Gewinne aus der Veräußerung von Neubestand) einbehält, müssen Privatanleger ab dem Zeitpunkt des Übertrages zugeflossene Erträge nicht mehr in die Einkommensteuererklärung aufnehmen. Fondserträge, die noch vor dem Depotübertrag zufließen, müssen hingegen schon veranlagt werden. Zusammenfassend kann also festgehalten werden: Erträge, die ab dem Zeitpunkt des Übertrages zufließen, sind aufgrund des KESt-Einbehalts endbesteuert. Der Vorteil für den Anleger: Eine Berechnung und Aufnahme in die Steuererklärung ist nicht mehr erforderlich. Die Übertragung selbst ist kein steuerpflichtiger Vorgang. Ob ein Depot bei einer inländischen oder bei einer ausländischen Bank geführt wird, hat keinen Einfluss auf die Höhe der Steuer. In beiden Fällen sind die Steuerbemessungsgrundlagen und der Steuersatz (25 %) gleich. Der einzige Unterschied besteht in der Einhebung der Steuer (KESt und Endbesteuerung bei Inlandsdepot und Veranlagungspflicht bei Auslandsdepot). Im Zuge des Übertrages werden von der Bank keine Daten an das Finanzamt weitergeitet. Auch der Anleger hat keine Verpflichtung sein Finanzamt zu informieren. Der Übertrag erfolgt also anonym. Fondsanteile, die vor dem 1. Jänner 2011 angeschafft wurden, werden im KESt-Abrechnungssystem als Altbestand hinterlegt sein. Somit ist sichergestellt, dass Gewinne aus der Veräußerung von Altbestand nicht mit KESt belastet werden. Ist es besser, die Fondsanteile sofort nach Österreich zu übertragen, oder sollte man besser noch zuwarten? Da ab dem Übertragungszeitpunkt sämtliche Erträge mit dem KESt- Abzug endbesteuert sind, ist ein Übertrag so bald wie möglich zu empfehlen. Sonstige Themen Unterliegen Erträge aus Fondsanteilen auch der KESt, wenn diese zur Tilgung eines Darlehens verwendet werden (sogenannter Tilgungsträger)? Die laufenden Erträge aus den Fondsanteilen (d.h. Ausschüttungen und ausschüttungsgleiche Erträge) sind jedenfalls steuerpflichtig und unterliegen daher der KESt. Was die Gewinne aus der Veräußerung von Tilgungsträgern betrifft, so gilt: Diese sind jedenfalls steuerfrei, wenn der Tilgungsplan vor dem 1. November 2010 abgeschlossenen wurde. Darüber hinaus muss der Tilgungsplan nachweislich im Zusammenhang mit einem Darlehen, das zum Erwerb eines Eigenheims, der Wohnraumschaffung oder der Wohnraumsanierung dient, stehen und die Darlehensvaluta darf EUR nicht übersteigen. Obwohl Veräußerungsgewinne aus solchen Tilgungsträgern steuerfrei sind, behält die Bank trotzdem bei ab dem 1. Jänner 2011 angeschafften Fondsanteilen KESt auf Veräußerungsgewinne ein. Die Steuerfreiheit kann ausschließlich auf Antrag des Anlegers beim zuständigen Finanzamt geltend gemacht werden. Eine einbehaltene KESt wird im Zuge der Veranlagung angerechnet bzw. rückerstattet. 10

11 Disclaimer Die Informationen beruhen auf den im Juni 2013 geltenden Vorschriften und geben einen allgemeinen Überblick über die Besteuerung von Kapitalvermögen für in Österreich unbeschränkt steuerpflichtige natürliche Personen. Obwohl die Informationen sorgfältig ausgearbeitet wurden, kann keine Haftung und Gewährleistung für die Vollständigkeit und Richtigkeit gegeben werden. Diese steuerlichen Informationen sind insbesondere nicht als Entscheidungsgrundlage für konkrete Sachverhalte geeignet und können daher eine individuelle Beratung im Einzelfall nicht ersetzen.

12 Ihre Ansprechpartner StB Mag. Thomas Steinbauer Tel.: StB Mag. Johannes Edlbacher Tel.: PwC Wien Erdbergstraße Wien PwC bezeichnet das PwC-Netzwerk und/oder eine oder mehrere seiner Mitgliedsfirmen. Jedes Mitglied dieses Netzwerks ist ein selbstständiges Rechtssubjekt. Weitere Informationen finden Sie unter

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