Wirtschaftsstandort. Aachen. Ausgabe 41, 09/2014. Handel im Wandel. RWTH für alle Berlin will von Aachen lernen Wissenschaftsallianz Aachen

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1 Schwerpunkt Handel im Wandel Wirtschaftsstandort Aachen Ausgabe 41, 09/2014 RWTH für alle Berlin will von Aachen lernen Wissenschaftsallianz Aachen

2 Inhalt MiniMax Aachener Unternehmen im Portrait von XS bis XXL... 4 Kurz notiert Tipps, Termine, Neuigkeiten kurz und bündig... 8 S. 04 S. 12 S. 31 S. 36 Natalia Merzlyakova - Fotolia.com Schwerpunkt Handel im Wandel Auswirkungen auf die Innenstadt Zahlen, Daten, Fakten zum Einzelhandel Fragen an Beigeordneter Prof. Dr. Sicking zum Einzelhandel in Aachen Mehr als nur eine Übersetzung Die e-commerce-regeln Eigentum verpflichtet oder doch nicht? Trinationales Einzelhandelsforum Der aufgeklärte Kunde Die neuen Verbraucherrechte Offline vs. Online Oder geht s auch gemeinsam? Mixed Zone Route der Industrie Smart talk - Industrie-Dialog schreitet voran RWTH für alle Blended learning Perspektive 50plus: Lernen im Alter Interview mit Prof. Dr. Stamov-Roßnagel Aachener Ingenieurpreis für Prof. Leibinger Neue Ziel-2-Förderphase Wirtschaftsförderung berät Campus Road Show - Crossborder Newcomer-Service Kooperation mit der Region / 2. Newcomer-Day Berlin will von Aachen lernen: SWITCH zum 3. Mal ausgezeichnet Gewerbeimmobilien-Angebote in AC Gewerbe-Immobilien Monitoring Proteca, die nächste Voranzeige Wissenschaftsallianz Aachen Politik hat Gründung beschlossen Neues von AVANTIS CHECK IN Aachen HAUGG kühlt den StreetScooter Mit der Kraft der Sonne: SolarKreativCup Impressum Probieren weckt die Lust zum Kaufen! Euripides (griechischer Dichter, 406 v. Chr) Foto: Wikimedia/Marcus Cyron 2 Wirtschaftsstandort Aachen September 2014

3 Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser, Handel ist Wandel das vielleicht abgedroschen wirkende Sprichwort ist aktueller denn je, nie waren die Herausforderungen für den Handel und seine Akteure so massiv. Und weil der Handel auch seit jeher der Nukleus einer jeden Stadt ist, hat der Wandel auch hier direkte Auswirkungen. Wie man dem grundlegenen Umbruch im Handel begegnen kann, wie wir in Aachen die City in ihrer Gesamtheit als attraktiven Einkaufsstandort erhalten oder gar verbessern wollen, wie der viel diskutierte Online-Handel auch eine Chance darstellen kann, aber auch, dass Immobilieneigentümer eine Mitverantwortung tragen, all das wollen wir im Leitthema dieser Ausgabe unseres Wirtschaftsstandort Aachen behandeln. (S ) Tipps, Termine und Neuigkeiten in kompakter Form finden Sie wieder in unserer Rubrik kurz notiert (S. 8/9). Die Mixed Zone beinhaltet eine Vielzahl interessanter Berichte über Auszeichnungen, Allianzen und Kooperationen, tolle Entwicklungen und Perspektiven sowie Angebote und Hinweise. Dass Autofahrer künftig schon bei der Einfahrt in unsere schöne Stadt auf die Technologieregion aufmerksam gemacht werden und der Industrie-Dialog gute Fortschritte macht, lesen Sie auf S. 22. Einen aufschlussreichen Bericht, wie man demnächst auch virtuell im RWTH-Hörsaal lernen kann, finden Sie auf S. 23. Ob die These stimmt, dass Hans nicht (mehr) lernen kann, was er als Hänschen versäumt hat, erläutert Prof. Dr. Stamov-Roßnagel in einem Interview zum Thema Lernen im Alter (S. 24). Gratulieren können wir Herrn Prof. Dr. Leibinger zum Aachener Ingenieurpreis (S. 25) und den Teilnehmern des Solar-Kreativ-Cups für viele ideenreiche Entwicklungen (S. 36). Wie Ihnen die städtische Wirtschaftsförderung zu einer eventuellen Förderung im Rahmen der nächsten Ziel- 2-Förderphase verhelfen kann und wie die engagierten Verantwortlichen auch grenzüberschreitend für den RWTH Campus werben lesen Sie auf S. 26. Wir berichten über die regionale Kooperation beim Newcomer-Service (S. 27) und freuen uns über eine weitere Auszeichnung des Programms SWITCH (S. 28). Diverse Gewerbeimmobilien-Angebote (S. 29) präsentieren wir Ihnen im direkten Zusammenhang mit frischen Ergebnissen des Gewerbeimmobilien-Monitorings (S. 30). Nach dem erfolgreichen Auftakttreffen weisen wir schon jetzt auf die kommende PROTECA-Veranstaltung am 24. Oktober diesen Jahres dieses Jahres hin und berichten über den Beschluss zur Gründung der Wissenschaftsallianz Aachen (S. 31). Das grenzüberschreitende Gewerbegebiet AVANTIS sorgt mit neuen Ansiedlungen für weitere positive Schlagzeilen (S. 32). Um engagierten Nachwuchs anzuwerben, haben wir das Projekt CHECK IN gemeinsam mit verschiedenen Partnern adaptiert (S. 34). Schließlich berichten wir noch über eine besondere Anerkennung des Aachener Kühler-Spezialisten AVA Kühler HAUGG (S. 35). Handel ist Wandel habe ich eingangs geschrieben. Wenn wir uns bewusst werden, dass wir durch unser Kaufverhalten diesen Wandel intensiv mitgestalten und folglich auch für den Erhalt unserer Kaiserstadt als attraktives Einzelhandels-Oberzentrum unseren Beitrag leisten können, mache ich mir um unsere City, ihr Flair und ihre Aufenthaltsqualität keine Sorgen. In diesem Sinne: Genießen Sie den späten Summer in the City vielleicht bei der Lektüre unseres Wirtschaftsstandort Aachen. Ihr Dieter M. Begaß Leiter des Fachbereichs Wirtschaftsförderung/ Europäische Angelegenheiten Wirtschaftsstandort Aachen September

4 MiniMax Aachener Unternehmen im Portrait von XS bis XXL Bei Minimax stellen wir Ihnen kleinere und größere Aachener Unternehmen vor, die durch innovative Ideen, besondere Konzepte, pragmatische Strukturen oder auch durch große Tradition in der Kaiserstadt von besonderer Bedeutung sind oder aber auf dem Weg dorthin. Die Annastraße An der Schnittstelle von Geschichte und Zukunft oder: Erfreulich anders Diesmal stellen wir Ihnen unter Mini sogar einen ganzen Mini -Standort vor mit kleinen, meist inhabergeführten Geschäften: die Annastraße. Mitten im Herzen der Altstadt von Aachen gelegen, bildete sie bereits im 14. Jahrhundert eine wichtige Achse zwischen Dom und Grabenring. Heute bekommen Handwerk, Kunst, Mode und Design an diesem Innenstadt-Standort neue Schnittmengen und führen zu interessanten Synergieeffekten. Die oft langjährig ansässigen Einzelhändler haben es geschafft eine Angebotspalette vom Geigenbau über Antiquitäten, Handwerkskunst, modernem Design, Kunst und Mode zu schaffen, die zu einem schlüssigen Konzept, einem Ort der Begegnung und der Identifikation für Kunden, Hausbesitzer, Anwohner, Geschäftsinhaber und Mitarbeiter geführt hat. Ein Drittel der inhabergeführten Geschäfte in der Annastraße befinden sich in der zweiten oder fast schon dritten Generation in Familienbesitz, viele Geschäfte sind langjährig ansässig und ebenso viele Mitarbeiter sind langjährig in der Annastraße tätig. Die vielfältigen gemeinsamen Aktivitäten der Einzelhändler haben auch auf die Bereitschaft der Hausbesitzer gewirkt, an einem tragfähigen und lebenswerten Konzept der Straße als Ort des Wohnens und Arbeitens, der Kunst und Kultur mitzuwirken. Die Annastraße ist ein Stück Heimat mit hohem Identifikationswert. Die Nachhaltigkeit und die Sicherung des Standards in der Entwicklung des Straßenkonzepts hat ihren Ausgangspunkt im Jahr 2008 mit der Ankündigung der Kanalarbeiten in der engen Annastraße. Initiator einer progressiven und aktiven Auseinandersetzung mit der drohenden Lähmung des Geschäftsbetriebs war Martin Görg Inhaber des gleichnamigen Wollfachgeschäfts in der zweiten Generation. Die Gespräche mit der Stadt, der STAWAG und den Ladenbesitzern, Hauseigentümern und Anwohnern führten zu einem kreativen und positiven Umgang mit der Situation. Das Projekt Kannale Grande wurde ein Erfolgskonzept, welches heute in andere Stadtteile transportiert wird. Wege wurden immer wieder frei gebaggert, für die Lagerung von Baumaterialien wurden alternative Orte gefunden, so dass 4 Wirtschaftsstandort Aachen September 2014

5 MiniMax Aachener Unternehmen im Portrait die Straße begehbar und ansprechend blieb trotz zweijähriger Bautätigkeiten. Es wurden Baustellentänze organisiert, immer freitags wurde mit Pastis auf der Baustelle in gemütlicher Runde Boule gespielt und die ersten Maibaumaktionen und Wollfeste wurden gefeiert, bei denen im Einvernehmen Bauzäune genutzt wurden und auch die Bauarbeiter kamen gerne in diese Straße zur Arbeit. Das Ergebnis dieser Maßnahmen war eine Steigerung der Umsätze, die es ohne die Baustelle nicht gegeben hätte und eine gefühlte Vitalisierung dieses Zubringerweges ins Zentrum von Aachen. Aufbauend auf dieses Konzept der Belebung, der Einbindung aktuellen Geschehens ins Tagesgeschäft und der Förderung von Kommunikation mit verschiedensten Partnern hat der Ausbau der Aktivitäten in den folgenden Jahren zu einer Vorreiterrolle des Viertels geführt und die Gemeinschaft enger verbunden. Aus Arbeitsplätzen ist ein Lebensort geworden, dessen Atmosphäre ein Mehrwert für die zahlreichen Neu- und Stammkunden geworden ist. Der Mehrwert der Vernetzung ist nach wie vor an der Unabhängigkeit der Umsätze von Wirtschaftskrisen und den Bewegungsveränderungen der Kunden abzulesen. Die Akteure der Straße haben ihren Auftrag als Vorreiter für attraktive Initiativen und als Bewahrer von Geschichte und Tradition angenommen. Menschen entfalten ihre Potentiale und überführen historisches Erbe in die neue Zeit. Das Primelfest im Frühling, die Suppentage in der Zeit des Weihnachtsmarkts mit Gratis-Verköstigung, Sonnenblumenaktionen, das Engagement zum Tag des Ehrenamtes, neuerdings Steckbrief Initiator: Martin Görg Zahl der inhabergeführten Geschäfte: 15 Beginn der Initiative: 2009 Kerngeschäft/Angebot der Straße: Handwerk, Design, Kunst, Kunsthandwerk, Wohnen, Mode... Meilensteine: 2008 Kannale Grande Baustelle einmal anders 2009 Aktionen rund um die Baustelle mit und für Kunden 2010 Wiedereröffnung der Straße, vierteleigene Bestuhlung und Bepflanzung 2011 Umbau von drei Geschäftslokalen und aktive Suche nach hochwertigen Einzelhändlern statt hohen Mieten, Schulterschluss mit Hauseigentümern 2012 Die Annastraße wird zur Filmkulisse für Rubinrot und Der Mann auf dem Baum 2013 Tag des Ehrenamtes der Stadt Aachen wird auf die Annastraße ausgeweitet 2014 Einladung an andere Viertelgemeinschaften, Aktionen weiter zu verbreiten erster Erfolg Blumenampeln durch die gesamte Altstadt die Teilnahme an der Aachener Kunstroute, das Einkehren von Split auf den Straßenbelag, Kunstaktionen rund um Wasser und die historische Geschichte des einstigen Textilstandortes Aachen all dies berührt Handlungsfelder von Stadtentwicklung und somit übernehmen die aktiven Geschäftsinhaber Wirtschaftsstandort Aachen September

6 nicht nur für ihre Mitarbeiter und die Anwohner Verantwortung, sondern tragen ihren Beitrag zu Entwicklungsperspektiven ihrer Stadt Aachen bei. Vergnügen, Information und Leben mit Kopf, Herz und Hand. In der Annastraße schlägt ein Puls der Zeit, der sich emanzipiert hat von den gängigen, teilweise überholten eingleisigen Mustern von Wirtschaftsdenken hin zu einem authentischen, vielschichtigen und lebensbejahenden Konzept von Miteinander und Füreinander die eigene Existenz und die Möglichkeiten moderner Kommunikationsmittel und -wege dabei klar im Blick behaltend. 8 Fragen an: Martin Görg Initiative Annastraße 1. Was sind die wichtigsten Faktoren für den Erfolg Ihrer Initiative? Die Aktionen, die die Straßengemeinschaft organisiert und der persönliche Kontakt zu den Kunden, Hausbesitzern und Anwohnern. Geschäftsinhaber, Hausbesitzer und Anwohner ziehen an einem Strang und setzen Zeichen auch über die Annastraße hinaus. 2. Wie gut sind Ihre Hochschulkontakte? Wir als Einzelhändler haben zwar keine direkten Hochschulkontakte, gleichwohl besuchen Eltern und Verwandte der Studierenden gerne Aachen, genießen das Flair, die Atmosphäre und das Angebot in den Geschäften der Annastraße, welches ihnen aus den Herkunftsorten oft nicht bekannt ist. 3. Was bedeutet die Campus-Entwicklung für Sie? Die Campus-Entwicklung bringt hochqualifizierte Menschen nach Aachen. Dies trägt zu einer hohen Lebensqualität in Aachen bei, die wir spiegeln, mit entwickeln und von der wir profitieren. 4. Gab es in der letzten Zeit Schwierigkeiten bei der Besetzung von Stellen? Es gibt eine enge Bindung der Mitarbeiter an das Viertel und eine starke Identifikation mit der jeweiligen Geschäftsidee oder philosophie. So sind selten Stellen neu zu besetzen und wenn, dann ist schnell klar, wer von den vielen Bewerbern gut passt. 5. Warum ist Aachen für Sie ein optimaler Standort? Die Annastraße ist ein Stück Heimat in Aachen. Hier sind viele von uns groß und flügge geworden, haben sich vielleicht in der Welt die Hörner abgestoßen... und sind dann wieder gekommen, um das elterliche Geschäft zu übernehmen. Andere hat es immer in die Stadt gezogen mit ihrem (Kunst-)Handwerk oder Beruf oder Handel und sie haben in der Annastraße den passenden Rahmen und die passende Gemeinschaft gefunden. 6. Was war bisher Ihre größte Herausforderung? Die Baustelle im Jahr 2009 /2010, die gleichzeitig der Beginn unserer großen Erfolgsgeschichte war. 7. Was ist Ihr Lieblingsort in Aachen? A Tavola da Gorgio in der Annastraße unser italienischer Feinkostladen, der den besten Cappuccino, köstliche Kleinigkeiten und den Treffpunkt für alle im Viertel morgens, mittags und abends kurz vor Feierabend bietet und Keimzelle unserer Aktionen ist. 8. Was ist Ihr persönliches Lebensmotto? Wir machen alles anders. 6 Wirtschaftsstandort Aachen September 2014

7 Mayersche Buchhandlung Engagement vor Ort im Projekt Meine Stadt soll leben! MiniMax Aachener Unternehmen im Portrait Mit Amazon fing alles an das Bücherangebot im Internet war der Startschuss des heutigen Onlinehandels. Aktuell steht der Internetriese wegen der zu beklagenden Praxis, Lieferungen bestimmter Bücher gezielt zu verzögern, um den Druck bei Konditionsverhandlungen zu erhöhen, im Kreuzfeuer der Kritik. Aktuell wehren sich über deutschsprachige Autoren wie Nele Neuhaus, Ingrid Noll, Ferdinand von Schirach, Ulrich Wickert, Günter Wallraff, Doris Dörrie, Klaus Staeck, Dr. Inge Jens, Chibo Onyeji und Juli Zeh gegen die Mittel dieses Konditionsstreits. Wir begrüßen diese Diskussion ausdrücklich, erklärt Simone Thelen, Sprecherin der Mayerschen Buchhandlung. Wir finden das Thema sehr wichtig, denn dadurch werden immer mehr Kunden auf die Geschäftspraktiken des globalisierten Internethandels aufmerksam. Es zeigt sich einmal mehr der Unterschied zum stationären Einzelhandel und dessen Wert für den Markt und die Gesellschaft. Die offene und branchenübergreifende Initiative Meine Stadt soll leben! Shoppen und Surfen vor Ort, von der Mayerschen ins Leben gerufen, hat bereits viele Mitstreiter aus allen Einzelhandelszweigen gefunden. Gemeinsam klären die Teilnehmer der Kampagne über die Vorteile des Einkaufs vor Ort auf und auch darüber, welche Konsequenzen der Einkauf beim Internet-Giganten für die Vielfalt der Städte hat: Das Lieblingsgeschäft um die Ecke verschwindet, die Stadt verliert an Profil und die Lebendigkeit der Innenstadt nimmt ab. Arbeitsplätze gehen verloren und die Stadt verliert Steuereinnahmen. Das soziale Engagement leidet. Kaum jemand hat einen stärkeren Einfluss auf die Innenstädte als jeder Einzelne von uns in seinem Kaufverhalten. Unsere Initiative soll auf diese Thematik hinweisen. Dabei müsse niemand komplett auf den Einkauf im Internet verzichten, denn auch die Händler vor Ort bieten oft einen Online-Shop an, bei dem man bequem einkaufen und dabei die eigene Region unterstützen kann. Insgesamt möchte die Initiative ein Zeichen setzen für den lokalen Einzelhandel: Für eine lebendige Innenstadt denn von einem vielfältigen und attraktiven Branchenmix in attraktivem Umfeld profitieren Städte und ihre Bürgerinnen und Bürger. Für Ausbildungs- und Arbeitsplätze vor Ort denn Einzelhändler investieren in die Zukunft von Nachwuchskräften, bieten faire Bedingungen und gute Berufsperspektiven. Für Steuereinnahmen zugunsten der Stadt denn anders als Amazon zahlt der lokale Einzelhandel seine Steuern Wirtschaftsstandort Aachen September

8 auch vor Ort. Sie fließen nicht ins Ausland und kommen direkt der Entwicklung der Städte zu Gute. Für soziales Engagement denn man hilft sich gegenseitig. Man unterstützt Menschen, Vereine und Institutionen vor Ort, finanziert Vereinsschriften, spendet für Kindergärten und engagiert sich für die Belange der Stadt, eben weil man ein Teil davon ist. Für kulturelle Vielfalt denn das ist es, was Städte erst lebenswert macht. Hierfür setzt man sich aktiv ein. Die Mayersche ist natürlich keine kleine Buchhandlung mehr, mit 42 Standorten in Nordrhein-Westfalen und Trier ist sie der größte Buchhandelsbetrieb in NRW. Dennoch haben Tradition und Fairness für das Familienunternehmen noch eine große Bedeutung. Simone Thelen: Dies bedeutet auch, dass die Mayersche kein seelenloser Filialist ist, sondern sich ganz bewusst an all ihren Standorten engagiert als Mitglied in Werbe- und Einzelhandelsgemeinschaften, als fairer Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb, als Partner von verschiedenen sozialen Aktivitäten der Vereine, Schulen und Institutionen vor Ort. Trotz allen Engagements kommen immer wieder Unkenrufe auf, die den stationären Einzelhandel für tot erklären. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner in München zeigt die am meisten durch das Internet bedrohten 50 Handelsunternehmen auf; hiernach befindet sich auch die Mayersche Buchhandlung auf Platz 6. Dem gegenüber steht aber die Botschaft, dass der Einzelhandel fitter geworden ist für die Herausforderungen des globalisierten Internethandels. Im Ranking der fittesten Branchen steht der Buchhandel hier auf Platz 2, und die Mayersche auch hier auf Platz 6! Damit ist sie der am besten platzierte stationäre Buchhändler. Fazit: Man hat sich auf den Online- Wettbewerb eingestellt und auch die Kunden haben erkannt, welchen besonderen Mehrwert der Einkauf vor Ort bietet. Leidenschaftliche Buchhändler/-innen zeigen Gesicht und können Ihre Kunden kompetent und mit Herzblut beraten und begeistern. Und Emotionen sind entscheidend, um Kunden verführen zu können, so Simone Thelen. Selbst die Studie bilanziert: Geiz ist eben nicht mehr geil. Regionalität, Nachhaltigkeit, Transparenz und Fairness gewinnen an Bedeutung. Vieles davon kann der Händler vor Ort besser und glaubwürdiger vermitteln als die Internethändler. Nun ist es wichtig, dass die Einzelhändler auch weiterhin an einem Strang ziehen und nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht. Die Mayersche Initiative Meine Stadt soll leben! Shoppen uns Surfen vor Ort. bietet hier eine Möglichkeit. Thelen: Die Aktionsplakate halten wir nach wie vor für jeden Interessierten bereit. Und natürlich sind wir offen für gemeinsame Aktionen. Je mehr Aufmerksamkeit wir gemeinsam gewinnen, desto besser sind unsere Chancen, uns langfristig zu etablieren und eine blühende Innenstadt mit einem umfassenden Angebot zu erhalten. Simone Thelen, Sprecherin der Mayerschen Buchhandlung Steckbrief Geschäftsführung: Dr. Hartmut Falter (Vorsitz), Helmut Falter, Ulrich Falter Zahl der Mitarbeiter: ca Gründungsdatum: 1817 Kerngeschäft: Buchhandel Jahresumsatz: 165 Mio. Euro (gesch. Jahreswert 2013) Meilensteine der Unternehmensgeschichte: 1817 Jacob Anton Mayer gründet in Aachen die Mayersche Buchhandlung Fanny und J.A. Mayer kaufen für preußische Silbertaler das Haus Büchel 43 in Aachen Molières sämtliche Werke erscheinen bei Mayer als deutsche Erstausgabe Die Einführung der Buchpreisbindung ermöglicht es 8 Wirtschaftsstandort Aachen September 2014

9 MiniMax Aachener Unternehmen im Portrait 8 Fragen an: Dr. Hartmut Falter, Geschäftsführer Mayersche Buchhandlung 1. Was sind die wichtigsten Faktoren für den Erfolg Ihres Unternehmens? Die wichtigsten Erfolgsfaktoren der Mayerschen sind unsere Flexibilität, Unabhängigkeit als Familienunternehmen sowie ein sehr hohes Maß an Kundennähe. Seit der Gründung der Mayerschen vor fast 200 Jahren begleiten uns noch heute die Liebe zu den Büchern und die Leidenschaft für den Buchhandel. Begegnung zwischen Autoren und Lesern gehört ebenso zu unserer Philosophie wie die kompetente Beratung. 2. Wie gut sind Ihre Hochschulkontakte Die Kontakte zur FH und zur RWTH sind sehr gut sowohl persönlich als auch geschäftlich. 3. Was bedeutet die Campus-Entwicklung für Sie? Der Campus ist natürlich DAS Schlüsselobjekt für Aachen. Hiervon profitiert die gesamte Stadt in ihren unterschiedlichen Bereichen und natürlich auch der Einzelhandel. 4. Gab es in der letzten Zeit Schwierigkeiten bei der Besetzung von Stellen/Ausbildungsstellen? Die Mayersche beschäftigt derzeit rund Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter davon durchschnittlich 100 bis 120 Auszubildende. Schwierigkeiten bei der Besetzung von Stellen haben wir nicht. Wir investieren stark in die Qualifizierung und die Ausbildung unserer Beschäftigten und setzen darauf, qualifizierten Branchennachwuchs im eigenen Haus aufzubauen. Die Übernahmequote der Mayerschen liegt seit Jahren zwischen 80 und 90 Prozent. 5. Warum ist Aachen für Sie ein optimaler Standort? Aachen ist eine Stadt mit Geschichte, Aachen ist schön und lebendig. Und natürlich ist Aachen die Stadt, in der die Mayersche gegründet wurde und noch heute zu Hause ist mit ihrem Stammhaus an der Buchkremerstraße und der Buchhandlung an der Pontstraße, mit der Verwaltung in der Matthiashofstraße und dem Zentrallager am Prager Ring. 6. Was war Ihre bisher größte Herausforderung? Es ist eine große Herausforderung, den Charakter eines familiengeführten Unternehmens zu bewahren und gleichzeitig gegen die starke nationale Konkurrenz zu bestehen. 7. Was ist Ihr Lieblingsort in Aachen? Der Münsterplatz. 8. Was ist Ihr persönliches Lebensmotto? Alles wird gut. den Verlagen, anspruchsvolle Titel und Fachliteratur in kleiner Auflage zu produzieren. Die Zukunft des Buches als Kulturgut ist gesichert Die Mayersche erwirbt das Haus Buchkremerstr. 5 7 in Aachen, das heutige Stammhaus Als erster prominenter Autor ist Loriot bei der Mayerschen zu Gast und begründet damit eine lange Tradition kultureller Veranstaltungen. Bis heute begeistern unzählige Autoren und Künstler das Publikum im Forum M sowie in den übrigen Mayerschen Buchhandlungen Die Mayersche eröffnet ihre erste Buchhandlung in Köln, Hohe Straße. Dieser folgen noch weitere: im Rheinland, im Ruhrgebiet, in Westfalen sowie in Rheinland-Pfalz Die Mayersche gibt es jetzt auch im Internet unter Der erste Mayersche Katalog erscheint und ist damit auch insgesamt der erste Katalog seiner Art im deutschen Buchhandel Der Flagship-Store auf der Kö 18 in Düsseldorf wird eröffnet Die Mayersche KultKarte als große Aktion zur Kundenbindung wird eingeführt. Sie vereint Rabatte und Sonderaktionen für den Kunden mit einer sozialen Spenden-Komponente. Für jeden Einkauf mit der Kundenkarte spendet die Mayersche 10 Cent für soziale Zwecke Mitte des Jahres gibt es 42 Mayersche Buchhandlungen und Partner, der Onlineshop ist nun mobilfähig. Wirtschaftsstandort Aachen September

10 Kurz notiert Tipps, Termine, Neuigkeiten Nacht der Unternehmen am Auch in diesem Jahr wollen wieder rund 100 Unternehmen aus der Region beweisen, dass Sie attraktive Arbeitgeber für Studienabsolventen von RWTH und FH sind. Denn nur ca. 20 % der jährlichen ihr Studium abschließenden jungen Menschen bleibt danach in der Region. Um möglichst viele Fachkräfte für die Region zu gewinnen, startet am die 7. Nacht der Unternehmen. Erwartet werden mehr als 2000 Teilnehmer, die ab 17 Uhr im Technologiezentrum am Europaplatz auf zahlreiche Unternehmen treffen. Ab 18 Uhr können dann alle Interessierten dann auf verschiedenen Bustouren die Betriebe besichtigen. Interessierte Betriebe können sich im Internet zur Nacht der Unternehmen anmelden. Bisher hat mindestens jeder zweite teilnehmende Betrieb über das Format neue Mitarbeiter gefunden. EUROPE DIRECT bringt Europa näher Das EUROPE DIRECT Informationsbüro Aachen ist Teil eines europaweiten Informationsnetzwerks der Europäischen Union. Bürgerinnen und Bürger, Schulen sowie andere Einrichtungen und Institutionen können sich im Informationsbüro im Haus Löwenstein am Aachener Marktplatz über Europäische Fragen kostenlos informieren und beraten lassen. Im Januar 2015 zieht das Informationsbüro in das Grashaus am Fischmarkt, der neuen Station Europa der Route Charlemagne. Europa-Interessierte können sich zu den nächsten Veranstaltungen von EUROPE DIRECT Aachen anmelden: : Vortrag Großbritannien und die EU wie geht es weiter? bei der VHS Aachen : Studienfahrt zum Europäischen Gerichtshof nach Luxemburg : Studienfahrt zur Europäischen Agentur für Flugsicherheit nach Köln : Vortrag Laufbahn Europa : EU-Fördermittelseminar für Vereine und Einrichtungen mit dem Institut für europäische Partnerschaften und internationale Zusammenarbeit (IPZ) : Seminar Europa verstehen Europa erleben! mit Studienfahrt nach Brüssel Nähere Informationen und Anmeldung unter Den 25. Jahrestag des Mauerfalls nehmen das Ludwig Forum Aachen und die Europäischen Horizonte zum Anlass, um den Blick ostwärts zu richten. Im Ludwig Forum werden ab dem Bilder aus der Zeit des realen Sozialismus und osteuropäische Kunst der Gegenwart gezeigt. Die Ausstellung wird begleitet von Lesungen, Vorträgen, Gesprächen und Filmvorführungen. In ihnen soll der osteuropäische Raum vor und nach 1989 in einer großen Vielfalt von kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Facetten ins Licht gerückt werden. Die Vorträge und Lesungen finden von November 2014 bis Februar 2015 donnerstags um 18:30 Uhr statt. Unter anderem werden Kerstin Holm (Feuilleton-Redakteurin bei der FAZ) und Katja Petrowskaja (ukrainisch-deutsche Schriftstellerin und Journalistin) nach Aachen kommen. Als Filme werden sonntags um 15:00 Uhr z. B. Die Spur der Steine und Das Leben der Anderen gezeigt. Informationen und Programm unter Stadt Aachen erhält StreetScooter Elektromobilität hat viele Seiten. Sie ist umweltbewusst, emissionsfrei, lautlos und intelligent. Sie ermöglicht eine nachhaltige Energie- und Verkehrspolitik. Und in Aachen ist Elektromobilität zudem noch Schubkraft für einen innovativen Industriestandort. Europäische Horizonte mit Blick auf den Osten Europas Europäische Horizonte ist eine Initiative von fünf Kooperationspartnern in Aachen, Bonn und Essen, die durch gemeinsame Veranstaltungen und Veröffentlichungen in regelmäßiger Folge zentrale Zukunftsfragen Europas erörtert. Prof. Dr.-Ing. Achim Kampker überreicht Oberbürgermeister Marcel Philipp den StreetScooter-Schlüssel Foto: Charlemagne Grenzregion 10 Wirtschaftsstandort Aachen September 2014

11 Kurz notiert Tipps, Termine, Neuigkeiten Elektromobilität made in Aachen ist jetzt auch in der Stadtverwaltung angekommen. Am wurde der erste StreetScooter an den Aachener Stadtbetrieb übergeben. Er soll aber nicht der einzige bleiben. Verschiedene Bereiche der Verwaltung haben schon Bedarfe an neuen Fahrzeugen angemeldet und warten nun darauf, den StreetScooter Probe fahren zu können. Nach diesen Testwochen entscheidet sich dann, welche weiteren Bereiche der Verwaltung bald einen StreetScooter ihr Eigen nennen können. Neu in Aachen Unter diesem Motto steht die Informationsveranstaltung am 27. November zum neuen Regionalen Wirtschaftsförderungsprogramm NRW (RWP) im Neubau der Trianel GmbH. Neben dem neuen Standort von Trianel an der Aachener Krefelder Straße, in dem die Veranstaltung stattfinden wird, ist auch die Ausweitung des Fördergebietes der gewerblichen Landes-Investitionsförderung RWP auf Stadt und StädteRegion Aachen neu. Die gemeinsame Veranstaltung der beiden Wirtschaftsförderungen von Stadt und StädteRegion Aachen richtet sich insbesondere an kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) sowie Gründungsinteressierte. Ansprechpartner der NRW.Bank stehen für Fragen zu Antragstellung und Fördervoraussetzungen zur Verfügung. Grundlage der Förderung sind Investitionsvorhaben, durch die Dauerarbeitsplätze neu geschaffen oder gesichert werden, sowie Maßnahmen von KMU zur Schulung, Humankapitalbildung und zur Markteinführung innovativer Produkte. Ausgeschlossene Branchen sind z. B. das Baugewerbe und der Einzelhandel. Bei Rückfragen und zur Anmeldung steht Ihnen der Fachbereich Wirtschaftsförderung/Europäische Angelegenheiten der Stadt Aachen, Linda Plesch, Tel , aachen.de gerne zur Verfügung. Passantenfrequenz Ist es die Neugier auf das, was da in der Nähe des Kugelbrunnens passiert, oder ist es die Trendwende? Nach rückläufigen Zahlen der letzten Jahre gehört die Aachener Adalbertstraße wieder zu den TOP 20 der meistbesuchten deutschen Einkaufsmeilen (Platz 18). Gemäß der Passantenfrequenzzählung der Frankfurter Immobilienberatung Jones Lang LaSalle (JLL) landet sie mit 7840 Passanten pro Stunde gezählt am Stichtag Samstag, 29. März 2014, von 13 bis 14 Uhr direkt hinter der Düsseldorfer Shadowstraße (8180), aber vor dem Kurfürstendamm in Berlin (7345). Die Immobilienspezialisten von JLL analysieren seit 1999 Passantenströme in 170 Top-Einkaufsstraßen Deutschlands. In der Gruppe der mittelgroßen Städte folgt Aachen direkt nach Wiesbaden und Freiburg auf Platz 3. Technologie für den Nachwuchs Continium in Aachen Am Technologiestandort Aachen gilt es, den Fachkräftenachwuchs frühzeitig für den technologisch-naturwissenschaftlichen Bereich zu begeistern und das Thema attraktiv und begreifbar zu machen. Bei der Förderung des naturwissenschaftlichtechnischen Nachwuchses stehen die Praxisorientierung und das Ausprobieren im Vordergrund. Über die verschiedenen Aktivitäten der Wirtschaftsförderung wird nun das zusammen gebracht, was bislang nicht zusammen gehörte: Technik und Kirche. Ab Oktober wird in Aachen- Nord ein Technik-Museum mit Ausstellungs- und Forschungsfläche für Kinder und Jugendliche in St. Elisabeth, einer für Technik ungewöhnlichen Umgebung, zum selbstständigen Erfinden und Ausprobieren einladen. Durch die einjährige Einrichtung einer Zweigstelle des Kerkrader Discovery Center Continium in St. Elisabeth wird nicht nur das Interesse an naturwissenschaftlichen Themen, sondern zugleich die lokale Ökonomie vor Ort in Aachen-Nord gefördert. DANKE! Auch das muss mal sein: In ihrem Rückblick auf die letzte Legislaturperiode gab es seitens der Aachener Zeitung für die städtische Wirtschaftsförderung ein großes Lob. Hier ein Ausschnitt: Wirtschaft: [ ] Auch in diesem Bereich wurde die Politik von einem Thema überfahren: Avantis. Die Stadt und die anderen Partner [ ] übernahmen die Führung und pulverisierten die einst so strengen Ansiedlungskriterien. Was immerhin schon Erfolge unter anderem mit der Ansiedlung eines großen Logistikers nach sich gezogen hat [ ] Fazit: In diesem Bereich gibt es nicht viel zu meckern [ ] Bei den Ansiedlungen macht vor allem die städtische Wirtschaftsförderung gute Arbeit, während die Politik für die Rahmenbedingungen zuständig ist. DANKE AZ! Stadt Einkaufsstraße Rang bundesweit Passantenfrequenz Sa, , Uhr 1 Köln Schildergasse Köln Hohe Straße Stuttgart Königstraße Dortmund Westenhellweg Düsseldorf Flinger Straße Hamburg Spitalerstraße München Kaufingerstraße Wiesbaden Kirchgasse Hannover Georgstraße Frankfurt Zeil München Weinstraße München Neuhauser Str Hamburg Mönckebergstr Berlin Tauentzienstraße München Tal Freiburg Kaiser-Joseph-Str Düsseldorf Schadowstr Aachen Adalbertstraße Nürnberg Karolinenstraße Berlin SSC Schloß-Straßen-Center (vor Primark) Trier Simeonstraße Berlin Kurfürstendamm Hannover Bahnhofstraße Essen Limbecker Straße Leipzig Petersstraße Rang bundesweit: Platzierung von insgesamt 170 untersuchten Einkaufsstraßen Quelle: Jones Lang LaSalle Wirtschaftsstandort Aachen September

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