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1 im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 März 2002 Inhalt: Burnout Seite 02 Mobbing Seite 05 Frauen und Männer im Berufsleben Seite 09 Aus den Arbeitsgerichten Seite 10 Aktuelles aus dem Krankenhausbereich Seite 14 Aus den Pfarrgemeinden Seite 16 Pressesplitter Seite 20 Diakonie und evangelische Kirche Seite 28 Zum Weiterlesen Seite 34 Schlussgedanke Seite 36 Anlagen: KSI/Info Kurs speziell für Ein-Personen-MAVen Interview mit Herrn Generalvikar Dr. Feldhoff in der Kirchenzeitung 49/01 Profil-Stellenbörse Diözesane Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeiter- und Mitarbeiterinnenvertretungen im Erzbistum Köln Gilbachstrasse 17-21, Köln, Tel.: 0221/ , Fax: 0221/

2 DiAG MAV Kurier im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 Seite 2 Burnout Burnout - eine moderne Krankheit? Gedanken zum Seminar der DiAG MAV am im KSI Unter der Federführung von Susanne Guski-Leinwand, Personaltrainerin aus Bad Honnef, versuchten die anwesenden Delegierten zunächst den Begriff Burnout zu definieren. Diesen Begriff ins Deutsche zu übersetzen, scheint auf Anhieb nicht leicht. Dahinter steckt jedoch eine sehr ernste Erscheinung unserer schnelllebigen, rücksichtlosen und gefühllosen Zeit am Arbeitsplatz: Betroffene schalten einfach ab, im Zustand des Ausgebranntseins verfallen sie in eine Art Lethargie. Hervorgerufen durch permanenten Stress und Überforderung kommt es zu - permanenter Abneigung zur Arbeit zu gehen, - Mutlosigkeit dem eigenen Erfolg gegenüber u.s.w. Daraus resultiert: - große Müdigkeit vor und nach der Arbeit - Krankheitserscheinungen wie Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen, häufige, kurzfristige Erkrankungen, Drogengebrauch und Eheprobleme. Frau Guski-Leinwand versuchte zunächst, mit den Delegierten den Stress zu definieren. Dabei wurden drei Vorstellungen erarbeitet: 1. der schöne Stress ist wie die Verliebtheit: Verliebtheit ist die wunderschöne Zeit vorübergehenden Schwachsinns und der Einengung der Aufmerksamkeit auf ein einzelnes Objekt, sagt Ortega y Gasset. 2. der Stress ist jedoch auch wie: - ein ständig abstürzender Computer - ein Berg, den es zu erklimmen gilt - eine Dampflok, die immer schneller werden soll - ein Netz, das sich zuzieht - ein Vulkan vor dem Ausbruch - ein gespanntes Seil, das ausfranst - ein Nervenzittern (Seismograph) - das HB - Männchen - das Bild von Dali: Die Zeit (schiefe, zerlaufende Uhren) - zwischen zwei Mühlsteinen zermahlen werden. 3. Der Stress ist ebenso: - das Auftauchen aus dem Sumpf - ein Vulkan, der Energie freisetzt - ein kreativer Dampfmacher - Schmetterlinge im Bauch. Es wurde den Teilnehmer/innen nach der leider viel zu kurzen Zeit mit Frau Guski-Leinwand klar, dass ein solch komplexes Thema nicht ad hoc zu lösen ist. Jeder muss im Klaren sein,

3 DiAG MAV Kurier im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 Seite 3 wie die Symptome personenbezogen zu analysieren, zu bewerten und gegebenenfalls ärztlich zu behandeln sind. Gefordert ist die MAV vor Ort, die im Rahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes Möglichkeiten auf unterschiedlichen Ebenen hat: - Sensibilisierung auf Burnout-Phänomene - bei der Erstellung von Gefährdungsermittlungen darauf achten, dass die psychische Belastung einbezogen wird. - Infos zu Burnout an die Mitarbeiter/innen weitergeben - Betroffene auf individuelle Hilfe hinweisen und Beratung (z.b. Krankenkassen) vermitteln - Qualifizierung der Führungskräfte in Burnout und sozialer Kompetenz einfordern. Die MAV steht bei Burnout in den Einrichtungen nicht alleine. Zur Seite stehen: - die Mitglieder im Arbeitsschutzausschuss - die Sicherheitsfachkraft - die Betriebsärztin, der Betriebsarzt - die Vertrauensperson der Schwerbehinderten - die Sicherheitsbeauftragten - die außerbetriebliche Beratung durch Krankenkassen, staatlicher Arbeitsschutzaufsicht, Unfallversicherungsträger und Beratungsstellen. Burnout als Erscheinungsbild unserer heutigen Arbeitssituation wird (noch) nicht als Berufskrankheit anerkannt, ist jedoch wie Mobbing sehr schwierig zu erkennen, weil es sich im persönlichen Bereich abspielt und in den meisten Fällen schwächere Kolleginnen/Kollegen betrifft. Franz Billen Burnout ist erstmalig definiert worden als Burnout eine Definition Erschöpfung der Energiereserven, die von Vertretern der helfenden Berufe empfunden werden, wenn sie sich von anderen Problemen überfordert fühlen (nach Freudenberg, 1974 (Psychoanalytiker). In unserer Zeit beschreibt man Burnout als ein Syndrom, das von emotionaler Erschöpfung, der Depersonalisierung anderer und subjektiv empfundener Erfolglosigkeit gekennzeichnet ist und aus der seelischen Beteiligung am Schicksal der Betreuten in einem pflegerischen Umfeld resultiert (nach Garden, 1989 / Maslach & Jackson, 1986). In beiden Definitionen wird das Burnout-Syndrom besonders den Mitgliedern der helfenden und sozialen Berufen zugeschrieben. Burnout äußert sich in Lustlosigkeit, mangelndem Interesse am Beruf oder Aufgabenbereich, permanenter Müdigkeit und den unterschiedlichten körperlichen Beschwerden. Burnout ist ein geistiger, körperlicher und seelischer Erschöpfungszustand, der sich über ein paar Wochen, bisweilen auch über Jahre hinziehen kann. Susanne Guski-Leinwand

4 DiAG MAV Kurier im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 Seite 4 Burnout-Literatur Zum Thema Burnout erreichen uns zahlreiche Anfragen. Darum veröffentlichen wir einen Literaturüberblick zum Thema, die Auflistung ist nicht abschließend. Burisch, Matthias: Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung, Springer Verlag 1994, 2. Auflage Cherniss, Cary: Jenseits von Burnout und Praxisschock. Hilfen für Menschen in lehrenden, helfenden und beratenden Berufen, Beltz 1999 Datene, U. u. G.: Burnout als Chance. Falken-Verlag, Niedernhausen 1997 Domnowski, Manfred: Burnout und Stress in Pflegeberufen. B. Kunz Verlag 1999 Fengler, Jörg: Helfen macht müde. Zur Analyse und Bewältigung von Burnout und beruflicher Deformation. München 1993 Freudenberger, Herbert und North, Gail: Burnout bei Frauen. Wolfgang Krüger Verlag 1992, sowie im Fischer Taschenbuchverlag 1999, 2. Auflage Kernen, Hans: Burnout-Prophylaxe im Management. Paul Haupt Verlag 1999, 3. Auflage Koch, Axel und Kühn, Stefan: Ausgepowert? Hilfen bei Burnout, Stress, innerer Kündigung, GABAL 2000 Kretschmann, Rudolf: Stressmanagement für Lehrerinnen und Lehrer. Ein Trainingsbuch mit Kopiervorlage, Beltz 2000 Müller, Eckhart H.: Ausgebrannt. Wege aus der Burnout-Krise. Herder, Freiburg 1994 Pines, Ayala M. u. a.: Ausgebrannt. Vom Überdruss zur Selbstentfaltung, Klett-Cotta 2000, 9. Auflage Rush, Myron: Brennen ohne auszubrennen. Das Burnout-Syndrom Behandlung und Vorbeugung, Schulte und Gerth 2000 Vollmer, Helga: Ich fühle mich fix und fertig. Das Burnout-Syndrom. Ueberreuter, Wien 1996 Wagner, Peter: Ausgebrannt. Zum Burnout-Syndrom in helfenden Berufen Diskurs, KT-Verlag, Bielefeld 1993

5 DiAG MAV Kurier im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 Seite 5 Aufsätze und Broschüren: Zinke, Eva und Höfle, Margit: Burnout. in: Zeitschrift Arbeitsrecht im Betrieb 7/2001, Seite 412 ff BG Norddeutsche Metall-Berufsgenossenschaft: Psychische Belastungen in der Arbeitswelt als Herausforderung für den Arbeits- und Gesundheitsschutz. Hannover 1999 Deutsche Angestelltengewerkschaft in Ver.di: Arbeitsbedingungen menschengerecht gestalten. Hamburg 1998a; Abgehetzt und ausgebrannt? Psychische Gefährdungen erfassen und vermeiden. Basisinformationen und Handlungsempfehlungen. Hamburg 2000, 1998a Beide Broschüren sind erhältlich bei der DAG, Holstenwall 5, Hamburg, Schutzgebühr jeweils 5,00 DM. Färber, Christiane: Feuer und Flamme Psychosoziale Belastungen im Arbeitsleben am Beispiel burnout Bestellungen gegen eine Schutzgebühr von DM 10,-- an Kooperationsstelle Hamburg, Besenbinderhof 60, Hamburg Eine virtuelle Beratung sowie eine offene Sprechstunde im Chat bietet das Sozialnetz Hessen an. Experten stehen unter zur Verfügung. Mobbing Interessante Internetseite Unter können kostenlose und aktuelle Informationen für die tägliche ehrenamtliche Arbeit abgerufen werden. Dabei handelt es sich um ein riesiges aktuelles Informationsangebot zu Mobbing. Auf diesen Seiten finden sie Entscheidungen der Arbeitsgerichte zum Thema Mobbing, Tipps zur Führung eines Mobbingprotokolls und viele andere Hinweise zu diesem Thema im Internet. Außerdem kann man dort Betriebs- und Dienstvereibarungen u.a. auch zum Thema Mobbing nachlesen. Auf den Seiten von Juracity wurde neu eingebunden Eine Seite, auf der die aktuellen Adressen aller Arbeitsgerichte zu finden sind, verbunden mit Hinweisen zum Arbeitsgerichtsverfahren. Juracity Recht für Alle! Kurfürstenstr Brühl (Rhld.) Telefon (02232) Telefax (02232) Internet: Partner:

6 DiAG MAV Kurier im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 Seite 6 Mobbing-Opfer besser schützen Der Hamburger Mobbing-Experte Udo Möckel hat ein Beschäftigtenschutzgesetz für Mobbing-Opfer im Arbeitsrecht der Kirchen gefordert. Ein solches Gesetz könne Betroffenen größere Rechtssicherheit geben. Die psychische Belästigung am Arbeitsplatz, die bis zum Psycho- Terror mit seelischen und körperlichen Leiden gehen könne, müsse rechtlich als Dienstvergehen bewertet werden. Der ehemalige Sozialsekretär im KDA appellierte an die Kirchen, neutrale Berater als Streitschlichter auszubilden und einzustellen. Sie können zu einer Schlichtung ohne Gesichtsverlust beitragen. Der Weg Nr. 12 vom Mobbing den Kampf angesagt Frankfurt/M (ddp). Um die systematische Ausgrenzung von Arbeitnehmern zu bekämpfen, haben sich am Wochenende rund 30 Vertreter/-innen verschiedener Anti-Mobbing-Initiativen getroffen. Zwar wurde die geplante Anti-Mobbing- Initiative nicht ins Leben gerufen, doch wollen die Verbände bis Anfang 2002 eine Satzung für einen Dachverband Deutsche-Mobbing-Initiative (Dami) ausarbeiten, erklärte die Koordinatorin Brigitte Kerst-Würkner. Mehr Informationen für Mobbing-Opfer im Internet: WZ Mobbingopfer erhält Euro Schmerzensgeld Mainz, 18. Februar (dpa). Arbeitgeber müssen mit Schmerzensgeldforderungen rechnen, wenn sie Mobbing gegen einzelne Mitarbeiter nicht unterbinden. Das geht aus dem Urteil des Landesarbeitsgerichtes Rheinland-Pfalz in Mainz hervor. Das Gericht hatte einem ehemaligen Bankvorstandsmitglied Schmerzensgeld in Höhe von rund Euro zugesprochen, weil der Arbeitgeber nicht verhindert habe, dass der neue Vorgesetzte den Kläger schikaniert habe (Aktenzeichen 6 Sa 415/01). Die Richter begründeten die Entschädigung mit der Verletzung des Persönlichkeitsrechts. Der Anspruch entfalle jedoch, wenn der Arbeitgeber das Mobbing rechtzeitig unterbinde. Auch wenn sich der Arbeitgeber für die Verletzung der Persönlichkeitsrechte entschuldige, könne ein Anspruch auf Zahlung eines Schmerzensgeldes unter Umständen entfallen. FAZ Nr. 42/S. 9 v

7 DiAG MAV Kurier im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 Seite 7 In Schule, Arbeit und Beruf: Mobbing ist gut für s Betriebsklima Da sich die Opfer ohnehin nur schwer wehren können, lohnt es sich, den Volkssport in einem besseren Licht zu betrachten. Was ist Mobbing? Die heute vorherrschende Antwort auf diese Frage stammt von Psychologen, die Ratgeberbücher für Betroffene schreiben und dabei ihrerseits einen ziemlich ratlosen Eindruck machen. Das zeigt schon der Sprachgebrauch dieser Autoren. Das Wort Mobbing stammt nämlich nicht aus der Psychologie selbst, sondern aus der Biologie. Es hängt mit der Hackordnung der Tiere zusammen und wird von dorther auf soziale Verhältnisse unter Menschen übertragen. Konrad Lorenz prägte den Begriff nach der Lektüre des Kinderbuches Nils Holgersson um Gruppenangriffe von unterlegenen Tieren auf einen überlegenen Gegner dort: von Gänsen auf einen Fuchs zu bezeichnen. Dieser Umweg über die Biologie ist erstaunlich. Denn gerade nach dem Sprachgebrauch der Psychologen kommt Mobbing nur in Organisationen vor. Es handelt sich um besonders unerfreuliche Aspekte im Verhalten von Kollegen und Vorgesetzten. Man würde daher erwarten, dass man vor der Biologie erst einmal die Organisationssoziologie konsultiert. Davon aber kann keine Rede sein: Man spricht über Mobbing, aber man schweigt über Organisation. Man benutzt die Sprache der Biologie, um ein soziales Phänomen aus dem sozialen Kontext zu lösen, in dem es aufzutreten pflegt. Das macht es leicht, die Analyse durch eine bloße Bewertung zu ersetzen. Soziologisch kann man von Mobbing immer dann sprechen, wenn einem Organisationsmitglied die informale, über die Organisationsvorschriften hinausgehende Unterstützung entzogen oder verweigert wird. Mobbing ist ein anderes Wort für Exklusion aus der informalen Kommunikation. Gemobbt wird ein Schüler, der bei den anderen nicht abschreiben darf. Gemobbt wird ein Untergebener, wenn der Vorgesetzte nur bei ihm darauf verzichtet, einmal fünfe gerade sein zu lassen. Gemobbt werden Neulinge, die alle Regeln zugleich befolgen sollen und nicht etwa nur eine Auswahl daraus. Mobbing reicht darum nur so weit, wie das Netzwerk der guten Beziehungen reicht. Mobbing ist nicht einfach das Gegenteil von dieser guten Beziehung, sondern ihrer Sanktionsform. Gute Beziehungen können nicht nur erkalten, sie können auch in ausgesprochen schlechte Beziehungen umschlagen, wenn einer der Beteiligten den Erwartungen nicht länger entspricht. Wen das Netzwerk ausschließt, der bekommt Probleme, und wen es als Gegner definiert, der ist so gut wie verloren. Es wird ihm auf Schritt und Tritt an denjenigen Ressourcen fehlen, die er braucht, um in der Organisation bestehen zu können. Der Entzug der formalen Unterstützung kann dieselben Effekte haben, etwa wenn man einem Vorgesetzten die Sekretärin entzieht. Aber dies setzt eine offizielle Entscheidung voraus, die dann auch die Folgenverantwortung tragen muss. Das Mobbing dagegen vollzieht sich im Unverantwortlichen. Organisationsmitglieder sind durch ihre formalen Rechte und Pflichten nur unzureichend auf das tägliche Zusammenleben mit ihren Kollegen und Vorgesetzten vorbereitet. Man kommt immer wieder in Situationen, in denen man von anderen etwas erwartet, worauf man kein Recht hat, und im Austausch dafür pflegen die anderen zu erwarten, dass man selbst hin und wieder über die eigenen Pflichten hinausgehet oder gegen sie verstößt. Dabei geht es nicht nur um die privaten Bedürfnisse von Mitgliedern. Das Problem

8 DiAG MAV Kurier im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 Seite 8 besteht vielmehr darin, dass das formale System der Rechte und Pflichten auch in sozialer Hinsicht notwendigerweise unvollständig ist. Es lässt nicht nur viele persönliche Wünsche der Mitglieder unbefriedigt, es gibt auch keineswegs alle Probleme wieder, die die Organisation selbst lösen muss, um sich in einer komplexen und veränderlichen Umwelt zu reproduzieren. Nicht alle für die Organisation wertvollen Handlungen können formal erwartbar gemacht werden. Häufig ist daher das Entgegenkommen der anderen nötig, damit ich meine formalen Anforderungen im großen und ganzen erfüllen kann. Darauf beruht die destruktive Kraft des Mobbing. Sie bringt den davon Betroffenen in eine Situation, die seine Mitgliedschaft in der Organisation gefährden kann. Er macht einen Fehler nach dem anderen, und wenn man ihn dafür zur Rede stellt, dann kann er sich nicht einmal darauf berufen, dass die anderen ihm die Unterstützung entzogen haben, denn nach Meinung der Organisation soll er seine Pflichten ja auch ohne informales oder gar formal illegales Entgegenkommen erfüllen könne. Beruft er sich auf das eigene Unvermögen dazu, dann gilt dies als Zeugnis persönlicher Schwäche. Das System dieser informalen Hilfsbereitschaft beruht auf Gegenseitigkeit. So wie es tauschförmig arbeitet, so werden Störungen im Wege der Rache entgolten. Es ist daher keineswegs ungewöhnlich, dass man über den bloßen Entzug von Unterstützung hinausgeht. Auch die Bereitschaft zur aktiven Schädigung des Betroffenen kann informal erwartet werden. Die Literatur über Mobbing ist normalerweise auf diese letzte Stufe in der Eskalation des Konfliktes beschränkt. So entgeht ihr die Normalität des Geschehens auf allen davorliegenden Stufen. In der Ratgeberliteratur wird stets unterstellt, dass die Organisationsleitung oder der Vorgesetzte vor Ort in der Lage sei, etwas gegen Mobbing zu unternehmen. Aber trifft das zu? Man denke nochmals an Schulen: Wenn nicht jeder Schüler von den anderen informal als Klassenkamerad akzeptiert wird, dann können daran gerade der Lehrer nichts ändern. Denn dass auch der Außenseiter soll abschreiben dürfen, dass lässt sich offiziell nicht gut anordnen. Man sieht daran die Paradoxie, in der sich das Opfer von Mobbing befindet. Auf das, was ihm vorenthalten wird, hat er formal gar keinen Anspruch, und darum ist ihm der Weg der formalen Beschwerde verbaut. Die Symbolik der guten Beziehungen steht nach wie vor hoch im Kurs. Niemand wird sich gegen Gruppenbildung, gegen Teamwork oder gegen unbürokratische Hilfe aussprechen. Aber auf der anderen Seite der guten Beziehungen lauert die Diabolik des Mobbing, und schon dies sollte ein Grund sein, beim Lob des Gutes etwas vorsichtiger zu verfahren. Literatur: Martin Wolmerath: Mobbing im Betrieb. Rechtsansprüche und deren Durchsetzbarkeit. Nomos Verlag, Baden- Baden 2001 André Kieserling FAZ: Weitere Literatur zum Thema Mobbing Mobbing oder gnadenlose Erfolge? Such Dir was aus Konstanze Halt 239 Seiten Fachkunde- und Management-Verlag, Frankfurt/Main ISBN:

9 DiAG MAV Kurier im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 Seite 9 Mobbing Konflikteskalation am Arbeitsplatz Möglichkeiten der Prävention Ihno Schild, Andreas Heeren 185 Seiten Rainer Hamp Verlag, München und Mering 2001 ISBN: Männer und Frauen im Berufsleben Neue Studie: Männer ignorieren Doppelbelastung ihrer Frauen Frauen müssen Familie und Beruf unter einen Hut kriegen - ihre Männer denken dagegen vor allem an die eigene Karriere. So lässt sich - zugespitzt - eine neue weltweite Studie zusammenfassen, die jetzt der Bielefelder Soziologie-Professor Hans- Peter Blossfeld gemeinsam mit seiner Bremer Kollegin Sonja Drobnic im Auftrag der Universität Bremen vorgelegt hat. Die Wissenschaftler untersuchten drei Jahre lang knapp 2000 Paare in zehn verschiedenen Ländern unterschiedlicher Gesellschaftsformen. «Der Emanzipationsgedanke hat sich nur auf das Verhalten der Frau ausgewirkt. Der Mann lebt weiterhin nach dem traditionellen Grundsatz: Ein erfolgreicher Ernährer ist auch ein guter Ehemann und Vater», beschreibt Blossfeld das recht eindeutige Ergebnis seiner Studie. Trotz deutlich verbesserter Ausbildung von Frauen und ihrer wachsenden Karrierechancen habe sich in allen untersuchten Ländern innerhalb der Paare nichts Grundsätzliches geändert. Hausarbeit und Kinderbetreuung bleibe die zentrale Aufgabe der Frau, der Mann unterstützt sie dabei nur wenig. Will die Frau beruflich vorwärts kommen, kommt ihr der Mann kaum entgegen. In zehn Ländern haben Blossfeld und Drobnic - unterstützt von ortsansässigen Wissenschaftlern - drei Jahre lang Paare verschiedenster sozialer Herkunft im Alter zwischen 25 und 60 Jahren befragt. Wie haben sie ihre beruflichen Karrieren aufeinander abgestimmt? Wie hat sich der Beruf der Frau auf die Arbeitsteilung in der Familie ausgewirkt? Wie hat sich das Leben durch gemeinsame Kinder verändert? Ausgesucht wurden Länder mit unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Vorgaben: Deutschland, die Niederlande, der flämische Teil von Belgien, Italien, Spanien, Großbritannien, die Vereinigten Staaten, Schweden, Dänemark, Polen, Ungarn und China. Blossfeld nennt Beispiele: Angela aus Köln, verheiratet, zwei schulpflichtige Kinder, hat vor kurzem wieder einen Teilzeitjob als Sekretärin angenommen. Ihr Mann, leitender Angestellter, sieht dies mit gemischten Gefühlen. Dörte und Jan aus Stockholm: Beide sind vollzeitbeschäftigt, und Jan ist sehr stolz auf den beruflichen Erfolg seiner Partnerin. Aber die Hausarbeit erledigt sie allein. Wenn das Kind krank ist, bleibt sie zu Hause. Oder Elisabetta aus Florenz: Sie arbeitet als Apothekerin, ist schwanger und erledigt die Hausarbeit. Ihr Mann, der Zahnarzt Fabrizio, möchte nicht, dass sie nach der Geburt des Kindes wieder arbeitet. Alle diese Fälle zeigen nach Überzeugung der Familienforscher: Der Mann sieht sich weiterhin in der Rolle des Haupternährers

10 DiAG MAV Kurier im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 Seite 10 der Familie - auch dann noch, wenn die Frau mehr Geld zur Haushaltskasse beisteuert als ihr Partner. Und dies, so Blossfeld, sei weitgehend unabhängig davon, ob das Land seit Jahrhunderten kapitalistisch ist, eine sozialistische Vergangenheit hat oder ob es konservativ, liberal oder sozialdemokratisch regiert wird. Wer der Frau politisch helfen wolle, dürfe eben nicht nur darauf schauen, wie Ausbildung, Berufssituation und Arbeitsmarktstrukturen zu verbessern sind, sondern müsse auch die Haltung des Mannes im Blick haben. Und die ist - laut Studie - nun einmal reichlich wenig flexibel. Gestützt wird dies offenbar durch verkrustete Vorgaben der Gesellschaft. In vielen Staaten wie Deutschland, die Niederlande, Italien oder Spanien steige mit der beruflichen Position des Mannes der Druck auf die Partnerin systematisch an, ihre Karriere zu Gunsten der Familie zu opfern. Derartige Tendenzen würden noch gestützt, wenn der Staat die Familie mit einem männlichen Alleinernährer als Idealbild ansehe. Veröffentlicht wurde die Studie in dem Buch «Careers of Couples in Contemporary Society: From Male Breadwinner to Dual Earner Families» (Oxford, Oxford University Press, 2001). bild der wissenschaft online Newsticker Gesellschaft vom Erste virtuelle Frauenuniversität im Web Unter kann die Internationale Frauenuniversität (ifu), die im Rahmen der EXPO 2000 stattgefunden hat, online besucht werden. Die virtuelle Frauenuniversität will die Forschung von Frauen international vernetzen. vom Aus den Arbeitsgerichten Geheimcodes verboten ARBEITSZEUGNISSE: Doppelbödige Formulierungen muss der Arbeitgeber streichen Arglose Kollegen verstanden die Aufregung nicht. Im Arbeitszeugnis war einer Mitarbeiterin im Rechnungswesen neben anderen schmeichelhaften Eigenschaften attestiert worden: Sie war sehr tüchtig und in der Lage, ihre eigene Meinung zu vertreten. Die Arbeitnehmerin indes war über den Satz empört. Sie bestand darauf, ihn zu streichen. Denn er lasse nach ihrer Meinung den Eindruck entstehen, sie sei eine unbequeme und aufsässige Mitarbeiterin. Als der Arbeitgeber mauerte, klagte die so Beurteilte, die am Anfang des Zeugnisses als sehr engagierte und einsatzfreudige Mitarbeiterin mit profundem Sachwissen beschrieben wird. Beim Landesarbeitsgericht Hamm hatte die Überdurchschnittliches Leistende Erfolg. Der Arbeitgeber musste den inkriminierten Satz streichen (Az: 4 Sa 630/98). Die Verquickung der zentralen Elemente tüchtig und selbstbewusst sollte durch die Blume zu verstehen geben, Die Frau habe von sich eine hohe Meinung und vertrage deshalb keine sachliche Kritik. Kundigen Personalchefs werde so signali-

11 DiAG MAV Kurier im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 Seite 11 siert, die Frau sei eine Querulantin, erklärten die Richter. Damit sei das Zeugnis für eine Bewerbung auf dem Arbeitsmarkt praktisch unbrauchbar. Jedenfalls sei der zweifellos herabsetzende und letztendlich das ganze Zeugnis prägende Satz geeignet, die Klägerin in ihrem beruflichen Fortkommen zu behindern. Die Kammer nutzte die Urteilsbegründung um andere einschlägige Geheimcodes in Arbeitszeugnissen unter Berufung auf die Sprachwissenschaft zu knacken. Wie schwer beschönigende Formulierungen in Klartext übersetzbar sind, hängt von der Art der Verschlüsselung und von den Vorkenntnissen des Beurteilten oder Deutenden ab, fassten die Richter zusammen. Je geringer deren Vorwissen sei, desto eher würden sie den in ihrer alltagssprachlichen Bedeutung harmlos oder positiv klingenden Wendungen aufsitzen. Zusammengefasst: Vielfach bedeute Lob in Wahrheit Kritik. Dafür lieferte die Kammer ein paar klassische Beispiele. Er verfügt über Fachwissen und hat ein gesundes Selbstvertrauen heiße nichts anderes als: Er klopft große Sprüche, um mangelndes Fachwissen zu überspielen. Anderes Beispiel: Er war sehrtüchtig und wusste sich gut zu verkaufen bedeute, er ist ein unangenehmer Zeitgenosse und Wichtigtuer, dem es Kooperationsbereitschaft fehlt. Auch der Satz sie ist eine anspruchsvolle und kritische Mitarbeiterin könne übersetzt werden mit: Sie war eigensüchtig, pocht anderen gegenüber auf ihre Rechte und nörgelt gerne. Im Kollegenkreis als tolerante Mitarbeiter geltende Beschäftigte seien für Vorgesetzte stets ein schwerer Brocken. Nach dem Gerichtsurteil dürfen Zeugnisse nicht mit Geheimzeichen und verschlüsselten Formulierungen versehen werden, die den Arbeitnehmer in einer aus dem Wortlaut des Zeugnisses nicht ersichtlichen Weise charakterisierten. Doppelbödige Formulierungen seien grundsätzlich zu streichen. Westdeutsche Zeitung Der Bund haftet Für Schäden, die ein Zivildienstleistender in Ausübung seines Ersatzdienstes Dritten zufügt, hat die Bundesrepublik Deutschland unter dem Gesichtspunkt der Amtshaftung einzustehen. Oberlandesgericht Frankfurt/M., Urteil vom 26. Oktober U 81/99 einblick 19/01 Kein Kindergeld Es ist verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden, wenn während der Ableistung des Grundwehrdienstes den Eltern des Wehrdienstleistenden kein Kindergeld gezahlt wird. Das gilt auch, wenn durch die Aufnahme des Dienstes die Berufsausbildung des Kindes unterbrochen worden ist. Stattdessen gilt der Verlängerungstatbestand : Für ein Kind, das den gesetzlichen Wehrdienst geleistet hat, verlängert sich bei Arbeitslosigkeit der Bezug des Kindergeldes über das 21. Lebensjahr hinaus und im Falle der Berufsausbildung über das 27. Lebensjahr hinaus längstens um die Dauer des Grundwehrdienstes. Denn während des Grundwehrdienstes übernimmt der Bund den existenznotwendigen Unterhaltsaufwand für das Kind. Bundesfinanzhof, Beschluss vom 4. Juli 2001 VI B 176/00 einblick 19/01

12 DiAG MAV Kurier im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 Seite 12 Privat ist Privat Der Arbeitgeber ist nicht befugt, die private elektronische Post des Arbeitnehmers ohne dessen Zustimmung zu öffnen. Das gilt auch, wenn die elektronische Post sich im Arbeitscomputer befindet und der Arbeitgeber ausdrücklich dessen private Nutzung untersagt hat. Auch am Arbeitsplatz und während der Arbeitzeit hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Achtung seiner privaten Sphäre. Das schließt insbesondere das Briefgeheimnis ein. Französischer Kassationsgerichtshof, Urteil Nr v einblick 20/00 Surfen allein kein Kündigungsgrund Privates Surfen im Internet während der Arbeitszeit rechtfertigt keine fristlose Kündigung. Der Arbeitgeber müsste ein ausdrückliches Verbot ausgesprochen haben und einen Verstoß dagegen zunächst mit einer Abmahnung rügen. Anderenfalls dürfen ArbeitnehmerInnen von einer Duldung der privaten Internet- Nutzung ausgehen. Arbeitsgericht Wesel, Urteil vom 21. März Ca 402/00 einblick 16/01 Reinigung zahlt Arbeitgeber Der Arbeitgeber ist verpflichtet, Schutzmaßnahmen gegen Gefahren für Leben und Gesundheit der Arbeitnehmer zu treffen. Dazu gehören auch Arbeitsschutzmaßnahmen. Demnach muss der Arbeitgeber die Kosten der Reinigung von Arbeitskleidung übernehmen, deren tragen aus hygienischen Gründen vorgeschrieben ist. Eine anderslautende Vereinbarung wäre rechtsunwirksam. Der Anspruch auf Aufwendungsersatz für die Reinigungskosten besteht auch dann, wenn die Arbeitskleidung dem Arbeitnehmer übereignet worden ist. Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 26. April Sa 180/00 einblick 15/01 Nicht in die Besenkammer Hat der Betriebsrat Anspruch auf Überlassung eines Raumes für seine laufende Geschäftsführung, so muss dieser Raum verschließbar sein. Er muss auch optisch und akustisch zumindest so weit abgeschirmt sein, dass ihn Fremde von außen nicht leicht einsehen oder abhören können. Ein fensterloser kleiner Raum der nicht den Anforderungen an eine Arbeitsstätte entspricht, kommt grundsätzlich als Betriebsratsbüro nicht in Betracht. Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 19. Januar TaBV 75/00 einblick 15/01

13 DiAG MAV Kurier im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 Seite 13 Kein Entzug wesentlicher Tätigkeiten Direktionsrecht Der Arbeitgeber darf ArbeitnehmerInnen nicht einseitig wesentliche Tätigkeiten entziehen. Er muss eine Änderungskündigung aussprechen. Im Urteilsfall sollte eine Stationshelferin im Krankenhaus nur noch mit Reinigungsaufgaben beschäftigt werden. Zuvor hatte sie auch Essen an Patienten ausgegeben und Bettwäsche gewechselt. Ihr Arbeitgeber vertrat die Auffassung, er dürfe der Arbeitnehmerin kraft seines Direktionsrechts eine andere Tätigkeit zuzuweisen. Der Entzug wesentlicher Tätigkeiten fällt jedoch nicht unter das Direktionsrecht. Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 26. Oktober Sa 515/00 einblick 18/01 Kritik an verheerendem Jugendkult Die Kosten zur Finanzierung der Altersteilzeit haben sich im vergangenen Jahr im Vergleich zum Jahr 2000 von 526 Millionen auf 1,1 Milliarden Mark fast verdoppelt. In über der Hälfte der deutschen Betriebe gibt es keine Beschäftigten mehr, die älter als 50 Jahre sind. Wie passen die Klagen über einen Mangel an Fachkräften und eine Überforderung der Rentenkassen zusammen, wenn zugleich ältere Menschen mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung aus dem Arbeitsleben gedrängt werden? Einen verheerenden Jugendkult kritisiert in diesem Zusammenhang der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda. Er verweist darauf, dass durch Personalabbau verschlankte Unternehmen bei den ersten Anzeichen eines Konjunkturaufschwungs große Probleme haben, auf dem Arbeitsmarkt kurzfristig notwendiges Fachpersonal zu bekommen. Zudem werde es schwerer, Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt einzubauen. Schon melden sich Experten zu Wort, die deshalb, aber auch wegen der demographischen Entwicklung nach längerer Lebensarbeitszeit rufen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund ist dagegen: Eine längere Lebensarbeitszeit könne die Probleme des Arbeitsmarktes nicht lösen. Sozialexperte Bert Rürup, einer der fünf Wirtschaftsweisen, spricht sich dagegen für eine stufenweise Anhebung der Lebensarbeitszeit auf 67 Jahre aus. Zusätzlich sollte das tatsächliche Renteneintrittsalter an das gesetzliche angenähert werden. Ab dem Jahre 2010 sollte das gesetzliche Renteneintrittsalter um einen Monat pro Jahr erhöht werden, fordert Rürup. 25 Jahre später wäre man dann bei dem neuen Renten-Eintrittsalter von 67 Jahren angelangt. Der Wirtschaftsexperte begründet seinen Vorschlag, behutsam vorzugehen, mit der Gefahr einer Schieflage für die Rentenkassen. Auch der Vorsitzende der CDU- Sozialausschüsse, Hermann-Josef Arentz, plädiert für eine längere Lebensarbeitszeit. Es sei entschieden zu früh, die Menschen im Durchschnitt mit 58 oder 59 Jahren in Rente gehen zu lassen. Bereits mit Anfang 50 nicht mehr vermittelbar. Bereits mit Anfang 50 würden viele Arbeitnehmer als nicht mehr vermittelbar oder verwendungsunfähig abqualifiziert, was dazu führe, dass der Sockel der Lang-

14 DiAG MAV Kurier im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 Seite 14 zeitarbeitslosen immer weiter ansteige. Arentz setzte sich außerdem für eine Verkürzung der Studienzeiten ein, damit mehr Menschen ins Arbeitsleben gelangen. Gewerkschaftsvertreter beharren dagegen auf ihrer Forderung nach weiterer Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit. Nur so könnten neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Der Tarifexperte beim DGB, Reinhard Dombre, verweist darauf, dass immer mehr Menschen aus gesundheitlichen Gründen oder weil sie dem psychischen Druck nicht mehr gewachsen seien, früher in Rente gehen und auf erhebliche Teile ihrer Altersbezüge verzichten müssten. Eine Verlängerung der Arbeitszeit könne daher für die Gewerkschaften nicht in Frage kommen. Eine Studie der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit) unterstreicht die Bedeutung älterer Menschen für den Arbeitsmarkt. Danach ist die Arbeitslosigkeit in den Mitgliedsländern der OECD um so geringer, je mehr Ältere erwerbstätig sind. In der Schweiz beispielsweise, wo die Arbeitslosigkeit nur knapp über drei Prozent liegt, haben sieben von zehn Menschen im Alter von 55 bis 64 Jahren einen Arbeitsplatz. Ein völlig anderes Bild zeigen Belgien und in Italien. Dort ist die Arbeitslosenquote bei rund zehn Prozent, noch nicht einmal jeder dritte ältere Mensch hat einen Job. Robert Luchs Evangelische Welt Diese Woche Nr. 6 v Aktuelles aus dem Krankenhausbereich Wer zahlt für den Komfort im Krankenhaus Die Krankenversicherer weigern sich zunehmend, die hohen Zuschläge für Ein- oder Zweibettzimmer zu zahlen selbst dann, wenn die Ausstattung stimmt. Wuppertal. Internetanschluss auf dem Zimmer, in der Ecke auf dem Parkettboden steht eine Minibar für den Gast. Und eine Servicedame kümmert sich um dessen Wohl neben Krankenschwestern und Ärzten, denn der Gast ist Patient. Etwa 50 solch komfortabler Zimmer haben die Kliniken St. Antonius Wuppertal für Privatversicherte und gesetzlich Krankenversicherte mit Zusatzversicherung für Einoder Zweibettzimmer eingerichtet. Die Anspruchshaltung der Patienten ist stark gestiegen, sagt Geschäftsführer Michael Kaufmann. Diesem Trend haben wir uns geöffnet massiv investiert. Finanziert werden die Zimmer nicht aus Fördermitteln, sondern aus Eigenkapital der Klinik. Nur weigern sich mittlerweile zunehmend die Versicherer, für die entsprechend hohen Zuschläge der Komfortzimmer voll aufzukommen. Und als die Klinik sich im Fall eines Patienten an diesen wandte, um die Differenzkosten einzuziehen, zog dieser vor Gericht. Das plant jetzt auch der Verband der privaten Krankenversicherer (PKV) mit einer Verbandsklage. Die Versicherer beziehen sich mit ihrer Zuzahlungs-Zurückhaltung auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes, das die Zuschläge für Ein- und Zweibetzimmer im Regelfall beschränkte. Ein Selbstbedienungsladen seinen die sogenannten Privatzimmer in den Kliniken bisher immer gewesen, sagt PKV- Direktor Christoph Uleer. Hohe Zuschläge, ohne dass den Patienten in vielen Fällen entsprechender Komfort geboten worden wäre. Eine Nasszelle im Zimmer sei da schon erforderlich, und ein Fernseher.

15 DiAG MAV Kurier im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 Seite 15 Der Service muss stimmen, sagt Uleer. Wer gute Leistung bietet, kann auch gutes Geld verdienen. Mit knapp 170 Mark am Tag höchstens für das Einzel- und 100 Mark für ein Bett im Doppelzimmer geht die PKV in die Verhandlungen mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft, geplant sind gestaffelte Zuschläge für jedes Krankenhaus je nach Standard. Die Versicherungspolicen sind wachsweich, klagt Klinik-Chef Kaufmann. Nirgendwo werde genau festgelegt, was der Versicherte für sein Geld im Krankenhaus erwarten darf. Nasszelle und TV sind in der Wuppertaler Klinik selbstverständlich, und noch mehr. Nur wollen die Krankenversicherer gerade für diesen Zusatzkomfort offenbar nicht länger finanziell aufkommen mehr als 200 Mark war hier der Zuschlag. Das müssen wir nehmen, sagt Kaufmann. Und wenn sich die Versicherer nicht bewegten, so meint der Klinik-Chef, dann können wir nur die Kosten runterfahren und Minimalstandards bieten oder aber gar keine Ein- oder Zweibett-Zimmer mehr bieten. Birgit Czernotzky WZ vom 10. Nov Enormer Druck Flächendeckend Bettenabbau in NRW Krankenhäusern geplant Die Zahl der Betten wird in nordrheinwestfälischen Krankenhäusern um knapp auf rund abgebaut werden. Auf diese maßvolle Anpassung der Bettenzahl haben sich die Beteiligten des NRW-Krankenhauswesens verständigt. Gezerre gibt es noch um die Frage, in welchen Regionen wie viel Betten abgebaut werden müssen. Dabei stehen zwei unterschiedliche Berechnungsformeln, das Hill-Burton-Modell und das Pflegetagevolumen-Modell, zur Verfügung, nach denen einzelne Regionen mehr oder weniger Betten abbauen müssten. Nach jüngsten Informationen sollten diese Entscheidungen Ende Januar auf einer Sitzung des Landesausschusses für Krankenhausplanung fallen. Danach könnte der Landeskrankenhausplan konkretisiert werden. Der verstellvertretende CDU- Franktionsvorsitzende Hermann-Josef Arentz erwartet allerdings die Verabschiedung des neuen Krankenhausplanes erst im Jahr Wohnortnahe Grundversorgung: Der geplante Bettenabbau entspricht einer Verringerung der derzeitigen Bettenzahl um acht Prozent. In den vergangenen zehn Jahren sei die Auslastung der Betten von 85,36 Prozent auf 79,34 Prozent zurückgegangen, obwohl gleichzeitig mehr Menschen ein Krankenhaus aufgesucht hätten und die Zahl der Betten zurückgegangen sei, teilte NRW-Gesundheitsministerin Birgit Fischer mit. Ab 2003 sollen pro Einwohner durchschnittlich sechs Betten zur Verfügung stehen. Kein Krankenhaus soll nach den Vorgaben der Landesregierung für die Patienten weiter als 20 Kilometer entfernt sein. Patienten in den ländlichen Regionen können allerdings in den wohnortnahen Hospitälern nur noch mit einer Grundversorgung rechnen, meint der Präsident der Krankenhausgesellschaft NRW, Rudolf Kösters. Bei fachspezifischen Behandlungen wie beispielsweise Schmerztherapie oder Frührehabilitation müssen sie in Zukunft einige Entfernungen in Kauf nehmen. Die Diskussionen um den neuen Krankenhausplan gehen einher mit der Einführung des geplanten Fallpauschalsystems bei der Finanzierung der Hospitäler, die zu einer weiteren Bettenreduzierung führen könnte. Nach Auffassung von Kösters müssen sich die Krankenhäuser künftig als integrierte Dienstleistungszentren auch für ambulante Angebote sehen. Denn der Wettbewerbsdruck wird enorm. Markus Lahrmann caritas in NRW 1/02

16 DiAG MAV Kurier im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 Seite 16 Krankenhäuser gut gewappnet 140 Vertreter katholischer Krankenhäuser tagten in Bergisch Gladbach Mit dem Krankenhausrahmenplan der Landesregierung, der für Nordrhein- Westfalen einen Abbau von nahezu Betten vorsieht, beschäftigte sich die Mitgliederversammlung der Diözesan- Arbeitsgemeinschaft der katholischen Krankenhäuser im Erzbistum Köln. Dabei sei der Umfang des Abbaus in den einzelnen Regionen strittig, da die Krankenkassen noch einen erheblichen Klärungsbedarf sähen, erklärte der Präsident der Krankenhausgesellschaft Nordrhein- Westfalen, Rudolf Kösters. Nach den Plänen der Landesregierung soll sich allein im Regierungsbezirk Köln die Zahl der Betten um verringern. Die Regionalisierung ist ein Problem, kritisiert Benedikt Merten, Abteilungsleiter Krankenhäuser beim Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln. Es sei fraglich, ob zukünftig eine qualitativ ausreichende wohnortnahe Grundversorgung geleistet werden könne. Präsident Kösters forderte die Krankenhäuser auf, der Bettenstreichung mit neuen Kooperationsformen zu begegnen. So sei der ständige Abbau der vollstationären Behandlung eine Konsequenz des wachsenden Angebots an teilstationären und ambulanten Versorgungsformen, die beispielsweise im allgemeinchirurgischen Bereich stärker griffen. Laut Kösters ist die Schließung von Abteilungen und Kliniken unvermeidlich. Gut gewappnet im harten Konkurrenzkampf sieht Alfons Donat, Vorsitzender der Diözesan-Arbeitsgemeinschaft, die katholischen Krankenhäuser. Die Bildung von Verbünden und Kooperationen habe in den vergangenen Jahren zu wirtschaftlich erfolgreichen und qualitativ hoch stehenden Einrichtungen geführt. Allerdings seien auch die katholischen Krankenhäuser vom Bettenabbau bedroht, da durch die Schließung einzelner Abteilungen oftmals gleich die Schließung einer Klinik drohe, wenn es sich um ihr Spezialgebiet handele. Es sei das Ziel, das jeweilige Krankenhaus mit einem Spezifikum zu erhalten und in einem Verbund abzusichern. cariats in NRW 1/02 Aus den Pfarrgemeinden Priestermangel verschärft sich Personalplan für das Erzbistum fertig Immer mehr Pfarreien fusionieren Im Jahre 2010 werden im Erzbistum Köln voraussichtlich rund 40 Prozent weniger Priester im aktiven Dienst sein als heute. Das Zahlengerüst steht: Der Personalplan 2010 für die Diözese ist fertig, ist bereits im Priesterrat diskutiert worden, und Joachim Kardinal Meisner will ihn, nach Rückmeldungen aus den Dekanaten, im nächsten Frühjahr in Kraft setzen. Damit haben die Gemeinden und Seelsorgebereiche Klarheit über die Personal- Strukturen, sagt Prälat Johannes Bastgen, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge- Personal im Generalvikariat. Und sie

17 DiAG MAV Kurier im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 Seite 17 können ihre Kraft auf die eigentliche Arbeit konzentrieren. Das umfangreiche Papier macht deutlich, dass die Personaldecke in der Erzdiözese zunehmend dünner wird: 2010 werden voraussichtlich 542 Priester unter 70 Jahren in Pfarreien, in Krankenhäusern, in der Behinderten-, Gefängnis- oder Hochschulseelsorge arbeiten, im Vergleichsjahr 2000 waren es noch 914 (laut Bastgen waren damals lediglich 716 Priester prognostiziert). Die Zahl der Gemeindereferenten wird sich deutlich von 240 auf 162 reduzieren, die der hauptberuflichen Diakone (bis 65 Jahre) geringfügig von 144 auf 148 erhöhen. Lediglich bei den Pastoralreferenten geht das Erzbistum von einem deutlichen Zuwachs von 190 auf 275 Mitarbeitern aus. Insgesamt verringert sich die Zahl der hauptamtlichen Kräfte um etwa 27 Prozent gegenüber dem Ist-Zustand. Das alles sind Mindestzahlen, damit wir wissen, womit wir Ende des Jahrzehnts auf jeden Fall rechnen Können, so Bastgen. Der Hauptabteilungsleiter ist keineswegs glücklich über den Schrumpfungsprozess beim Seelsorge-Personal, aber er sieht es auch als große Herausforderung, mit den Fakten, die nicht einfach sind, klarzukommen. Eine Herausforderung, der sich allerdings nicht nur das hauptamtliche Personal stellen müsse, sondern die alle Gemeindemitglieder angehe. Dabei haben die Pfarreien seiner Meinung nach die schwerste Hürde bereits genommen, nämlich die schon vor Jahren vorgenommene Zusammenfassung mehrerer Gemeinden zu Seelsorgebereichen. Der Zwang also, über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen. Künftig müssen die Pfarreien noch enger zusammenrücken, als sie dies bislang mehr oder weniger gerne und erfolgreich getan haben. Der Priesterrat hatte Wert darauf gelegt, dass künftig in jedem der rund 230 Seelsorgebereiche mindestens zwei Priester tätig sind. Das aber, so Bastgen, lässt sich nur durch die vermehrte Einrichtung so genannter Kombi-Stellen bewerkstelligen: Priester, die beispielsweise zur Hälfte in einer Pfarrei, zur anderen Hälfte in der Ausländer-, Krankenhaus- oder einem anderen Bereich der Sonderseelsorge beschäftigt sind. Solche Stellen, aus der Not geboren, hätten nach Ansicht des Hauptabteilungsleiters sogar noch einen positiven Effekt: Die Arbeit der Seelsorger könnte nicht nur auf die Gemeinde, sondern stärker auf den Lebensraum der Menschen, sprich das gesamte Veedel, ausgerichtet sein. Matthias Pesch Kölner Stadtanzeiger vom Der Weg zu einer Pfarrgemeinde I Oder: Jeder Abschied bringt die Chance für einen Neubeginn Seit dem gibt es die drei Kirchengemeinden St. Bartholomäus, St. Dreikönigen und St. Rochus als Körperschaften des öffentlichen Rechtes nicht mehr. Seit dem gibt es in den Stadtteilen Köln-Bickendorf und Köln- Ossendorf eine neue Kirchengemeinde mit dem Namen Zu den Heiligen Rochus, Dreikönigen und Bartholomäus. Der rechtliche Weg hat also zu einer Fusion und damit zu einer Neugründung geführt. Für die Menschen vor Ort liegt der Start auf diesem Weg schon 10 Jahre zurück, 10 Jahre mit vielen kleinen Schritten nach vorne, Rückschritten, manchem Siebenmeilenschritt... bis sich die Wege der 3 Gemeinden trafen um in einen gemeinsamen Weg zu münden.

18 DiAG MAV Kurier im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 Seite 18 Anlass oder Anstoß zu diesem Aufbruch waren sicher die Signale und die Pläne des Erzbistums (Stellenplan 2000 und 2010). Diese Pläne sind Versuche, den tatsächlichen und absehbar sich steigernden Mangel an Priestern und Laienseelsorgern in einem Konzept zu gestalten. So wurde im März 1992 der Seelsorgebereich Bickendorf/Ossendorf gegründet. Seit diesem Zeitpunkt gab es für diesen Bereich ein gemeinsam verantwortliches Seelsorgeteam. In dieser Zeit entstanden zwischen den drei Gemeinden erste nähere Kontakte, regelmäßiger Informationsaustausch, Abstimmung der Gottesdienstzeiten etc entstand die Bickendorfer Synode aus Vertretern der Kirchenvorstände, der Pfarrgemeinderäte und des Seelsorgeteams. Dies bedeutete noch einmal ein intensiveres Miteinander sowie Öffnung für pfarrübergreifende Pastoral. Beispielhaft seien erwähnt: Arbeitskreis Erstkommunion, Firmkatechese, gemeinsame Treffen der Liturgieausschüsse, gemeinsame Angebote zu Familienfreizeiten, Einkehrtagen, Öffnung der Bibel- und Gesprächskreise in die Nachbarpfarreien. Für die Kirchenvorstände war wichtig die gelungene Arbeit bzw. Zusammenarbeit zur Regelung der Stundenkontingente für die Folgedienste und die Planung des Kindergartenbedarfs in Verhandlungen mit dem Stadtdekanat Köln und der Kommune wurde aufgrund dieser Vorarbeiten der Pfarrverband gegründet. Entsprechend den Anfangsbuchstaben der beiden Stadtteile nannte er sich Pfarrverband BiOs. Hier wurde das entscheidende Gremium die Pfarrverbandskonferenz unter der Leitung des Pfarrers und mit Vertretern aus allen drei Gemeinden. Dieses Gremium war für die Planung der gemeindeübergreifenden Seelsorge zuständig. Ein weiterer wichtiger Schritt waren 1999/2000 gemeinsame Feste z.b. mit Sternprozessionen hin zum Pfarrfest in einer Gemeinde. Langsam zeichnete sich die Notwendigkeit ab die Entscheidung zu treffen, welcher Weg nun zukünftig auch im administrativen Bereich gegangen werden sollte: als Kirchengemeindeverband oder in Form einer Fusion? 2001 gab es in allen drei Gemeinden intensive Überlegungen, Besprechungen in den Gremien und Pfarrversammlungen, in denen die Pläne vorgestellt, Fragen formuliert und diskutiert wurden, Meinungen und Anregungen geäußert werden konnten. Nach diesen offenen und sehr konstruktiven Versammlungen konnten die Gremien am 22.Oktober 2001 die AUFLÖSUNG der bestehenden drei kanonischen Pfarreien und die NEUGRÜNDUNG der Pfarrei Zu den Heiligen Rochus, Dreikönigen und Bartholomäus ab 01. Januar 2002 beschließen. In dieser Kirchengemeinde gibt es nun 3 Kirchen, 1 Kapelle, mehrere Pfarrbüros, 4 Pfarrzentren, 4 Kindertagesstätten in pfarrlicher Trägerschaft, 2 Kindertagesstätten in kirchlicher Trägerschaft, 1 Offene Tür, 1 Internetcafé, 1 Kirchencafé in gemeinsamer Verantwortung mit der e- vangelischen Kirche, ca. 100 haupt- und nebenamtliche MitarbeiterInnen,.... Für alle daraus entstehenden Angelegenheiten gibt es einen Kirchenvorstand und eine zentrale Rendantur und damit konsequenterweise eine MAV. Weiter gibt es einen PGR und zusätzlich in jeder Gemeinde einen runden Tisch um den PGR mit Fragen, Anregungen, Wünschen zu versorgen. Was bedeutet das nun für die Menschen vor Ort? Für die Seelsorger sicher ein hohes Maß an Organisation, Offenheit und Flexibilität, insbesondere in der Anfangsphase. Langfristig vielleicht (hoffentlich) auch die Chance auf Entlastung und mehr Zeit für die Seelsorge. Bei vielen Pfarrangehörigen sind gerade auch in den letzten Monaten Fragen/Befürchtungen aufgetreten. Z.B. wie soll das gehen ab dem 01.Januar 2002? Kenne ich die Menschen noch die im KV und PGR sind? Verliere ich ein Stück Heimat? Was ist mit unserem Pfarrfest? Gibt es noch den Kirchenchor? Wird die KJG aufgelöst? Fragen bei haupt- und nebenamtlichen MitarbeiterInnen waren:

19 DiAG MAV Kurier im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 Seite 19 Bleiben unsere bisherigen Arbeitsverträge gültig? Werden wir als MA austauschbar (z.b. in den KiTas)? Ändern sich unsere Arbeitsbedingungen- und -inhalte, usw. Aus meinem Erleben kann ich sagen, dass mit allen Anliegen, Fragen, Sorgen von Seiten unseres Seelsorgeteams und allen Verantwortlichen sehr offen, verständnisvoll und geduldig umgegangen wurde. Es gab insbesondere 2001 intensive und regelmäßige Information für alle Gemeindemitglieder und MitarbeiterInnen. Manche Zweifel konnten dadurch sicher schon genommen werden, manche sind geblieben oder neue kommen hinzu. Ich spüre aber auch bei Vielen gespannte Erwartung, Offenheit und die Bereitschaft, diesen Weg mitzugehen und auf diesem Weg mitzunehmen oder mitgenommen zu werden. Ein ganz bedeutsamer Moment war für mich persönlich das feierlich gestaltete Schließen der Kirchenbücher in der Jahresschlussmesse am Für Viele glaube ich ein sehr bewegender und eindrucksvoller Augenblick. Dies gilt allerdings auch für das entsprechende Eröffnen der neuen gemeinsamen Kirchenbücher in der Jahresanfangsmesse. Jeder Abschied bringt die Chance für einen Neubeginn! Mögen wir diesen Weg ins Jahr 2002 mit der Kath. Kirchengemeinde zu den Heiligen Rochus, Dreikönigen und Bartholomäus guten Mutes und voll Zuversicht gehen. Monika Krings Der Weg zu einer Pfarrgemeinde II Auswirkung auf die Arbeitsverhältnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter In dem vorgenannten Artikel ist die Auflösung der drei bestehenden canonischen Pfarreien und die Neugründung der Pfarrei Zu den Heiligen Rochus, Dreikönigen und Bartholomäus zum ersten Januar 2002 chronologisch dargestellt worden. Durch die Auflösung der drei selbstständigen Pfarren und der Gründung einer einigenständigen neuen Pfarre sind die bestehenden Arbeitsverträge von den jeweils alten Pfarren auf die neue Pfarre übergegangen. Neue Arbeitsverträge sind deshalb nicht notwendig. Alle Rechte und Pflichten aus den bisher bestehenden Arbeitsverträgen gehen auf die neugegründete Pfarre über. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet es, dass sie einen neuen Arbeitgeber haben, der nunmehr eine viel größere Anzahl von Arbeitsplätzen anbietet. Durch diese Konstruktion ist die rechtliche Grundlage geschaffen worden, den Organisten in drei verschiedenen Kirchen dienstplanmäßig einzusetzen. Auch der Austausch von Mitarbeiterinnen in Kindertagesstätten ist nunmehr möglich. Bei der Schließung von Kindertagesgruppen wird die Sozialauswahl der betroffenen Mitarbeiterinnen nicht mehr alleine bezogen auf die ursprüngliche Pfarre, sondern alle Mitarbeiterinnen in den diversen Kindertagesstätten müssen bei der Sozialauswahl berücksichtigt werden. Für die bestehende Mitarbeitervertretung bedeutete die Aufhebung der Pfarren zum , dass ihre Einrichtung nicht mehr besteht und somit auch das Amt der Mitarbeitervertreterinnen zum endete. Bis zum jetzigen Zeitpunkt sieht die MAVO ein Restmandat nicht vor. Deshalb muss zügig eine neue Mitarbeitervertretung für die jetzt neugegründete Pfarrgemeinde gewählt werden. Dies hat natürlich auch Chance, dass aufgrund einer größeren Anzahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Pfarrgemeinde nicht mehr Einzelmitarbeitervertretungen entstehen, sondern Mitarbeitervertretungen mit 3 bis 5 Mitgliedern. Rudolf Wimmers

20 DiAG MAV Kurier im Erzbistum Köln Nr. 1/2002 Seite 20 Pressesplitter Deutscher Orden erhält Gemeinnützigkeit zurück Das Finanzamt Rosenheim hat dem Deutschen Orden (DO) die Gemeinnützigkeit vorläufig wieder zuerkannt. Der Bescheid gilt rückwirkend zum 01. Januar 2001, wie die Geschäftsführung des DO in Weyarn bekannt gab. Die Finanzbehörde hatte den hoch verschuldeten Deutsch- Ordens-Werken im Frühjahr die Gemeinnützigkeit für 1999 und 2000 entzogen. Gegen diese Entscheidung hat der DO Rechtsmittel eingelegt. Kirchenzeitung v Bischöfe fordern Ethik der Geldmärkte ein Armutsbekämpfung soll vorrangiges Ziel internationaler Finanzsysteme werden Frankfurt. Der Münchener Weihbischof Bernhard Haßlberger nimmt das erwartete Stirnrunzeln vorweg: Die Bischofskonferenz ist immer wieder angefragt, zu gesellschaftlichen Fragen Stellung zu nehmen auch zu den weltweiten Finanzströmen. Etwas überzeugender folgt dann die Feststellung, globale Geldflüsse und weltweite Börsengeschäfte seien auch von ethischer Bedeutung. Dazu hat ein Kirchenvertreter in der Tat etwas zu sagen. Haßlberger leitet die wissenschaftliche Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgabe der katholischen Bischofskonferenz, die sich auf eine hochkarätig besetzte Sachverständigenkommission stützt, um kompetent zu ethischen Fragen der Weltwirtschaft Stellung nehmen zu können. Die hat jetzt das Papier Globale Finanzen und menschliche Entwicklung herausgegeben. Ihr Vorsitzender Joachim Wiemeyer, Professor für Sozialethik in Bochum, erklärt den Sinn der Studie: Gerade in der Entwicklungsarbeit engagierten Christen erscheint das System der Geldwirtschaft als völlig undurchschaubar. Sie hätten den Eindruck, dass weltweite Armut dadurch nicht beseitigt werde, im Gegenteil besonders die Armen die ersten Opfer von wirtschaftlichen Problemen, von Finanz- und Währungskrisen seien. Auf bestmögliche Gewinne ausgerichtet Börsenspekulationen und der Devisenhandel würden dem vorrangigen Ziel der Armutsbekämpfung jedoch nicht gerecht, belegt die Studie. Der Glaube, auch der internationale Finanzmarkt regele sich durch den Wettbewerb von selbst, wird zurückgewiesen. Die Autoren fordern daher, dass die globalen Strukturen wie der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank gestärkt werden, um Durchsichtigkeit und Kontrolle der Geldströme sicherzustellen, auch Geldwäsche und die Finanzierung organisierter Kriminalität oder terroristischer Netzwerke zu verhindern. Hier werden vor allem die EU-Staaten, da sie die größten Anteilseigner des IWF sind, aufgefordert, gemeinsame Konzepte zu entwickeln und durchzusetzen. In jedem Fall seinen Reformvorschläge darauf zu prüfen, wie sie sich auf die Lebensverhältnisse der Armen auswirken, verlangen die Sachverständigen. Das gilt auch für nationale Geldmärkte der Ent-

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