BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND FEDERAL REPUBLIC OF GERMANY

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1 BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND FEDERAL REPUBLIC OF GERMANY BERICHT ÜBER DIE ENTWICKLUNG DES BILDUNGSWESENS REPORT ON THE DEVELOPMENT OF EDUCATION BESTANDSAUFNAHME UND PERSPEKTIVEN INTERNATIONALER ERZIEHUNG APPRAISAL AND PERSPECTIVES OF EDUCATION FOR INTERNATIONAL UNDERSTANDING Berichte zur Vorbereitung der 44. Internationalen Bildungskonferenz Genf - Oktober 1994 Reports for the 44th Session of the International Conference on Education Geneva - October 1994

2 Sekretariat der Stándigen Konferenz der Kultusminister der Lander in der Bundesrepublik Deutschiand BERICHT ÜBER DIE ENTWICKLUNG DES BILDUNGSWESENS IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND BESTANDSAUFNAHME UND PERSPEKTIVEN INTERNATIONALER ERZIEHUNG Berichte der Bundesrepublik Deutschiand für die 44. Internationale Bildungskonferenz, Genf - Oktober 1994 Stand: Juni 1994

3 Der Bericht über die Entwicklung des Bildungswesens wurde vom Sekretariat der Kultusministerkonferenz in Abstimmung mit den Lândem und dem Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft erstellt. Herausgegeben vom Sekretariat der Stándigen Konferenz der Kultusminister der Lander in der Bundesrepublik Deutschland, Dokumentationsdienst, Nassestr Bonn, Telefon: 0228/501-0, Juni 1994 Allé Rechte vorbehalten.

4 INHALTSVERZEICHNIS 1. Bericht ûber die Entwicklung des Bildungswesens in der Bundesrepublilc Deutsctiland Gnindstniktur des Bildungssystems und wesentllche quantitative Verñnderungen Im Bildungswesen 5 2. Neue Ausrichtungen der Bildungspolltik Struktur, Inhalt und Methoden der Bildung Zustândlgkelten und Verwaltung Im Bildungswesen 26 Konqjetenzverteilung und Kooperation 26 Aufsicht, Verwaltung und Trâgerschaft Struktur und Organisation des Bildungswesens Elementarbereich Primarbereich Sekundarbereich I 35 Allgemeinbildende Schulen im Sekundarbereich I 35 Abschlüsse und Berechtigungen am Ende des Sekundarbereichs I Sekundarbereich II 41 Die gymnasiale Oberstufe 42 Berufsausbildung an beruflichen Vollzeitschulen Berufsausbildung im dualen System 47 Lemort Berufsschule 49 Lemort Betrieb Sonderschulen Zur allgemeinen Organisation des Schulwesens 52 Schulpflicht 52 Lehrplâne, Unterrichtsorganisation und Leistungsbeurteilung 53 Schulgeldfreiheit, Lemmittelhilfe und Ausbildungsfôrderung Tertiârer Bereich 55 Hochschulzugang 55 Hochschularten 57 Studienorganisation und Abschlüsse 60 Studienfinanzierung 62

5 4. Erwachsenenbildung / Weiterbîldung Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung Bildungsforschung Internationale, régionale und bilatérale Zusammenarbeit im Bildungsbereich Problème und Zukunftsausslchten 84 Anhang Verzeichnis der für Bildung, Wissenschaft und Kultur zustsndigen Ministerien des Bundes und der LSnder 90 n. Bestandsaufnahme und Perspektiven internationaler Erziehung Erziehung zu Menschenrechten und Demokratie Ethlsche und religiose Erziehung Andere Aspekte der Erziehung zur intemationalen Verstândigung und zum Frieden AuBerschulische Bildung Forschung Vorbereitung von Pâdagogen im Hinblick auf die Forderung der Erziehung zum intemationalen Verstândnis Erfahrungen aus der Umsetzung der Empfehlungen von Anhang Menschenrechtserziehung (Lehrplan für die Realschulen in Bayem von Auszug) 102 Bayerisches Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen vom (Auszug) 104 Landesverfassung der Freien Hansestadt Bremen i.d.f. v (Auszug) 107

6 1. Grundstruktur des Bildungssystems und wesentliche quantitative Veranderungen im Bildungswesen Das Bildungswesen in der Bundesrepublik Deutschland gliedert sich in den Elementarbereich den Primarbereich den Sekundarbereich den Tertiâren Bereich den Bereich der Weiterbildung. Die Grundstruktur des Bildungswesens, die auch aus dem beigefligten Diagramm zu ersehen ist, wird im folgenden zunschst kurz charakterisiert, um vor diesem Hintergrund die quantitativen Veranderungen im Bildungswesen verstândlicher zu machen. Eine ausführlichere Darstellung der Einrichtungen und der Organisation des Bildungswesens erfolgt in Kapitel 3. Elementarbereich Der Bereich der vorschulischen Erziehung umfabt Einrichtungen für Kinder im Alter von 3 bis zu 6 Jahren (überwiegend Kindergarten) und Einrichtungen für schulpflichtige, aber nicht schulfâhige Kinder (SchulkindergMrten). Der Besuch dieser Einrichtungen ist in der Regel freiwillig, er kann jedoch in der Mehrzahl der Lander bei schulpflichtigen, aber nicht schulfshigen Kindem angeordnet werden. Primarbereich Nach VoUendung des 6. Lebensjahres sind die Kinder schulpflichtig und treten in die für alie Schüler gemeinsame Grundschule ein, die von der ersten bis zur vierten Jahrgangsstufe reicht. In Berlin und Brandenburg umfast die Grundschule sechs Jahrgangsstufen. Die Schulpflicht im Rahmen des Primar- und Sekundarbereichs betrâgt in der Regel 12 Jahre, davon 9 VoUzeitschuljahre (in Berlin, Brandenburg, Bremen und Nordrhein- Westfalen 10 VoUzeitschuljahre) und 3 Teilzeitschuljahre, sofem nicht nach 9 oder 10 Jahren eine VoUzeitschule besucht wird. 5

7 Grundstruktur des Bildungswesens in der Bundesrepublik Deutschland Weiterbildung (allgemeine und berufsbezogene Weiterbildung in vielfáltigen Formen) Berufsqualiflzierender StudienabschluB (Diplom, Magister, Staatsexamen) AbschluB zur beruflichen Weiterbildung FACHSCHULE 1 ) Allgemeine Hochschulreife ABENDGYMNASIUM / KOLLEG UNIVERSUÂT TECHNISCHE UNIVERSITÀT / TECHNISCHE HOCHSCHULE GESAMTHOCHSCHULE PÂDAGOGISCHE HOCHSCHULE KUNSTHOCHSCHULE / MUSnCHOCHSCHULE FACHHOCHSCHULE VERWALTUNGSFACHHOCHSCHULE Allgemeine Hochschulreife Berufsqualiflzierender AbschluB Fachhochschulreife GYMNASIALE OBERSTUFE 2) 6) Berufsausbildung in BERUFSSCHULE und BETRffiB (Duales System) 2) BERUFS- FACH- SCHULE 8) FACH- OBER- SCHULE in den verschiedenen Schularten: Gymnasium, Berufliches Gymnasium / Fachgymnasium, Gesamtschule Berufsgrundbildungsjahr schulisch oder kcwperativ ^> Mittlerer SchulabschluB (RealschulabschluB) nach 10 Jahren, Erster allgemeinbildender SchulabschluB (HauptschulabschluB) nach 9 Jahren ^) _W._Sdiuljahr_ SONDER- SCHULE 2) HAUPTSCHULE REALSCHULE GYMNASnJM GESAMT SCHULE '*) schulartibhânglge oder scbulaitunabhângige Orientienmgsstufe^) I I SONDER- SCHULE 2) GRUNDSCHULE 1) SONDER- KINDER- GARTEN KINDERGARTEN (freiwillig)

8 Anmerkungen Schematisierte Darstellung des Bildungswesens. Die Abbildung des Sekundarberekhs I orientiert sfch an der Verteilung der SchülerzaWen 1992: Hauptschule 25,9%, Realschule 25,7%, Gymnasium 31,1%, integrierte Gesamtschule 8,9%. Im Unterschied zu der dargestellten Grundstruktur umfobt das Angebot an Schulen - aufier den Sonderschulen - im Sekundarbereich I nach Lândem unterschiedikh: - Schularten mit einem Bildungsgang, die in der Regel ais Hauptschule, Realschule und Gymnasium organisiert sind und in der Mehrzahl der Lander angeboten werden, - Schularten mit drei Bildungsgângen (Háuptschul-, Realschul- und gymnasialer Bildungsgang), in denen die drei Bildungsgânge des Sekundarbereichs I padagogisch und organisatorisch zusamtnengefefit sind, wie in der kooperativen Gesamtschule und im Schulzentrum (Bremen), oder eine pâdagogische und organisatorische Einheit bilden, wie in der integrierten Gesamtschule, - Schularten mit zwei Bildungsgângen (Haupt- und Realschulbildungsgang) mit nach Lândem unterschledlichen Bezeichnungen, wie die Mittelschule (Sachsen), die Regelschule (Thüringen), die Sekundarschule (Sachsen-Anhalt, Saarland), die Integrierte Haupt- und Realschule (Hamburg), die Verbundene Haupt- und Realschule (Hessen) und die Régionale Schule (Rheinland-Pfelz). Die Durchlassigkeit zwischen den Schularten und die Anerkennung der SchulabschlOsse ist bei ErfÜUung der zwischen den Lândem vereinbarten Voraussetzungen grundsâtzlich gewâhrleistet Die Dauer der Vollzeitschulpflicht (allgemeine Schulpflicht) betrâgt 9 Jahre, in 4 Landern 10 Jahre, und die anschliebende Teilzeitschulpflicht (Berufsschulpflicht) 3 Jahre. 1 In einigen Landern bestehen besondere Formen des Übergangs vom Kindergarten in die Grundschule (Vorklassen, Schulkindergarten). In Berlin und Brandenburg umfabt die Grundschule 6 Jahrgangsstufen. 2 Beschulung von Behinderten entsprechend den Behinderungsarten in Sonderformen der allgemeinbildenden und beruflichen Schulen, teilweise auch integrativ zusammen mit Nichtbehinderten. Schulbezeichnung nach Landesrecht unterschiedlich (Sonderschule / Schule fur Behinderte / Fôrderschule). 3 Die Jahrgangsstufen 5 und 6 bilden unabhângig von ihrer organisatorischen Zuordnung eine Phase besonderer Forderung, Beobachtung und Orientierung über den weiteren Bildungsgang mit seinen fachlichen Schwerpunkten. In einigen Landern ist die Orientierungsstufe als eigenstândige Schulart eingerichtet 4 Die Einrichtung von Gesamtschulen ist nach dem Schuhecht der Lander unterschiedlich geregelt 5 Der erste allgemeinbildende SchulabschluB nach JgsL 9 wird in Brandenburg als Berufebildungsreife und in Rheinland-Pfalz als Berufsreife bezeichnet; der Mittlere Schulabschlufi/RealschulabschluB nach Jgst 10 wird in Bremen und Nordrhein-Westfalen als Fachoberschulreife, in Rheinland-Pfalz als Qualifizierter SekundarabschluB I, im Saarland als Mittlerer BildungsabschluB bezeichnet Nachtrâglicher Erwerb dieser Abschlüsse an Abendschulen moglich. 6 Zugangsvoraussetzung ist die formelle Berechtigung zum Besuch der gynmasialen Oberstufe, die in der Regel nach Jgst 10 erworben wird. Sachsen-Anhalt und Thüringen haben eine Regelung getroffen, wonach am Gymnasium die Berechtigung nach Jgst 9 vergeben wird. Der Erwerb der augemeinen Hochschuheife erfolgt in der Regel nach 13 aufsteigenden Schuljahren. In vier Lândem (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommem) wird die allgemeine Hochschulreife, zunâchst befristet für eine Übergangszeit, nach 12 Jahren erworben. 7 Die Fachoberschule ist eine 2jâhrige Schulart, die aufl)auend auf dem RealschulabschluB mit Jgst 11 und 12 zur Fachhochschulreife führt AbsoWenten der Bemfeaufl)auschule, die wâhrend oder im AnschluB an eine berufliche Erstausbildung die Fachschulreife erworben haben, kônnen uiunittelbar in Jgst 12 eintreten. Für Absoh^enten mit RealschulabschluB und einer beraflichen Erstausbildung ist der unmittelbare Eintritt in Jgst 12 der Fachoberschule moglich. Die Fachhochschuheife kann z.b. auch an Bemfsfachschulen und Fachschulen erworben werden. 8 Bemfliche Vollzeitschulen verschiedener Auspragung im Hinblick auf Zugangsvoraussetzungen, Dauer und Abschlüsse. Besondere Form der 2jàhrigen Berufsfachschule mit Zugangsvoraussetzung RealschulabschluB, die zum AbschluB "staatlich geprüfter Assistent" führt, sowie einjâhrige Bemfefachschule zur Vermittlung einer beruflichen Grundbildung. 9 Zusâtziich zum berufsqualifízierenden AbschluB ggf. Erwerb des Hauptschulabschlusses oder des Mittleren Schulabschlusses, der dem RealschulabschluB gleichgestellt ist In Berlin kann auch der erweiterte HauptschulabschluB und in Brandenburg die erweiterte Berufsbildungsreife erworben werden. 10 Fachschulen sind Schulen des Sekundarbereichs II, Dauer 1-3 Jahre. 11 EinschlieBlich Hochschulen mit einzehien universitâren Studiengángen (z.b. Théologie, Philosophie, Medizin, Verwaltungswissenschaften, Sport). Stand: Juni 1994

9 Sekundarbereich Die Organisation des Schulwesens in den Lândem un Sekundarbereich {Jgst. 5/7 bis 12/13) ist dadurch gekennzeichnet, dab nach der gemeinsamen 4jahrigen Grundschule (in zwei Lândem nach der 6jâhrigen Grundschule) die weiteren Bildungsgânge mit ihren Abschlüssen und Berechtigungen bestimmten Schularten zugeordnet sind. In der Mehrzahl der Lânder sind dies: - die Hauptschule - die Realschule - das Gymnasium - die Gesamtschule und in einzelnen Lândem - die Mittelschule - die Regelschule - die Sekundarschule sowie weitere Schularten, die im Kapitel genauer beschrieben werden. Die Jahrgangsstufen 5 und 6 aller allgemeinbildenden Schulen kônnen als Orientierungsstufe - mit unterschiedlicher Bezeichnung in den Lândem - geführt werden. Die Orientierungsstufe kann jedoch auch als eine von den Schularten unabhângige Schulstufe eingerichtet werden. Die nachfolgenden Schulen beginnen dann erst mit der Jahrgangsstufe 7. Für Schüler, die aufgrund einer geistigen oder korperlichen Behinderung nicht am Unterricht in allgemeinen Schulen teilnehmen kônnen, gibt es im Bereich der allgemeinbildenden und beruflichen Schulen unterschiedliche Typen von Sonderschulen, die sich an dem spezifischen sonderpâdagogischen Fôrderbedarf orientieren. Neben die allgemembildenden Schulen des Sekundarbereichs treten von der 10. Jahrgangsstufe an (in Berlin, Brandenburg, Bremen und Nordrhein-Westfalen von der 11. Jahrgangsstufe an) die verschiedenen beruflichen Schulen des Sekundarbereiches. Wenn die Ausbildung nach Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht nicht an einer allgemeinbildenden Schule (z.b. Gymnasiale Oberstufe) oder einer bemflichen VoUzeitschule (z.b. Berufsfachschule) fortgesetzt wird, mu8 die Berufsschule in der Teilzeitform im Rahmen der beruflichen Ausbildung oder beruflichen Tâtigkeit mindestens für die Dauer von 3 Jahren besucht werden (Berufsschulpflicht). Die Berufsschulpflicht gilt auberdem für arbeitslose Jugendliche. Zum bemflichen Schulwesen zâhlen - zum Tell mit Sonder- 8

10 formen in einzelnen Lëndern - folgende Schularten: - die Berufsschule - die Berufsfachschule - die Berufsaufbauschule - die Fachoberschule - das berufliche Gymnasium/Fachgymnasium - die Fachschule. Tertiârer Bereich In der Bundesrepublik Deutschland gibt es nach dem Stand von 1992 im gesamten Bundesgeblet 318 staatliche und staatlich anerkannte Hochschulen, die folgende Hochschularten umfassen: - Unîversitâten und gleichgestellte Hochschulen (Technische Hochschulen/Technische Universitaten, Universitâten-Gesamthochschulen, Pâdagogische Hochschulen); - Kunst- und Musikhochschulen; - Fachhochschulen und Verwaltungsfachhochschulen. Neben den oben genannten ôffentlichen Hochschulen sind einige Sonderformen des Hochschulwesens ohne freien Zugang (z.b. Hochschulen der Bundeswehr und der Bundespost) entstanden, die im folgenden nicht berücksichtigt werden. Als eine Sonderform im Tertiâren Bereich sind auberdem die Berufsakademien zu nennen, die an staatlichen Studienakademien (Badén-Württemberg, Berlin, Sachsen) und an privaten Akademien (Niedersachen) sowie betrieblichen Ausbildungsstátten eine wissenschaftsbezogene und zugleich praxisorientierte berufliche Bildung vermitteln. Weiterbildung Weiterbildung als ein unverzichtbarer Beitrag zur Bewâltigung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandlungsprozesse entwickelt sich zunehmend zu einem eigenstândigen Bereich im Bildungswesen. Als "Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens nach AbschluB emer unterschiedlich ausgedehnten ersten Ausbildungsphase", wie síe vom Deutschen Bildungsrat im "Strukturplan für das Bildungswesen" von 1970 def iniert wird, baut die Weiterbildung auf bereits erworbenen Kenntnissen und Fâhigkeiten sowie gesammelten Erfahrungen auf. Sie umfabt die Bereiche der allgemeinen. 9

11 beruflichen und gesellschaftspolitischen Weiterbildung, die auf der Grundlage ihrer spezifischen Aufgabenstellungen mehr und mehr zusammenwirken. Den vielfëltigen Anforderungen an Weiterbildung wird mit einer Weiterbildungsstruktur entsprochen, die sich an den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaf t orientiert. Weiterbildungsangebote machen kommimale Einrichtungen, insbesondere Volkshochschulen, private TrSger, Einrichtimgen der Kirchen, der Gewerkschaften, der Kammem, der Parteien und Verbënde, der Betriebe und der ôffentlichen Verwaltungen, Eltemschulen und Familienbildungsstâtten, Akademien, Fachschulen und Hochschulen sowie Femlehrinstitute. Im Rahmen der beruflichen Weiterbildung kommt den Fachschulen eine ganz wesentliche Bedeutung zu, die in Kap nâher beschrieben werden. Auch Funk und Femsehen bieten Weiterbildimgsprogramme an. Die Verantwortung und die Aufgaben des Staates für die Weiterbildungsangebote der kommunalen und freien Trâger beschrânken sich auf die Setzung von Rahmenbedingungen, durch die insbesondere teilnehmer- und bedarfsorientierte Weiterbildungsangebote, die Emhaltung von Qualitâtsstandards und der gleichberechtigte Zugang aller Erwachsenen zur Weiterbildung gewâhrleistet werden soil. Durch den ErlaS von Erwachsenenbildungs-/Weiterbildungsgesetzen haben die meisten Lânder die dafür notwendigen Regelungen getroffen; im Bereich der beruflichen Weiterbildung sind durch den Bund, die Kammem sowie für deren intemen Bereich durch Bemfsverbânde Regelungen durch Weiterbildungsordnungen erfolgt. Für die bemfliche Weiterbildung an Fachschulen und die wissenschaf tliche Weiterbildung an Hochschulen gelten die Regelungen der Schulgesetze und Hochschulgesetze der Lânder. Quantitative Entwicklungen Die Entwicklung der Schülerzahlen im Zeitraum 1981 bis 1992 ist dadurch gekennzeichnet, dab der seit 1981 anhaltende Rückgang der Schülergesamtzahlen 1989 beendet war und die Zahlen 1990 wieder leicht angestiegen sind. Insgesamt sanken die Schülerzahlen von 11,5 Millionen im Jahr 1981 auf knapp 9,0 Millionen im Jahr Danach überschritten sie wieder die 9,0 Millionen-Grenze xmd stiegen auf insgesamt Schüler un Jahr Nach der Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands stieg die Zahl der Schüler 1991 auf Der Zuwachs von 1990 auf 1991, dem ersten Jahr mit Angaben auch für die neuen Lânder, betmg 2,6 Mio Schüler, das waren gegenüber dem Bestand des alten Bundesgebietes 28,6% mehr. Von 1991 auf 1992 stiegen die Schüler- 10

12 zahlen um 1,5% auf Im Primar- und Sekundarbereich I verânderten sich die Schülerzahlen von 1991 bis 1992 in den einzelnen Schularten in folgender Weise: Grundschulen auf Hauptschulen auf Realschulen auf Gymnasien (Jgst. 5-10) auf Integrierte Gesamtschulen (Jgst. 5-10) auf In den Vollzeitschulen des Sekundarbereichs II waren die Schülergesamtzahlen ebenfalls ansteigend. Sie stiegen von 1991 auf 1992 insgesamt um auf an - in den allgemeinbildenden Schulen um auf und in den beruflichen Schulen um auf In den Teilzeitschulen des Sekundarbereichs II sank die Schülerzahl der Berufsschulen um auf Die Klassenfrequenzen (Schüler je Klasse) stiegen von 1991 bis 1992 bei der Mehrzahl der Schularten des allgemeinbildenden und beruflichen Schulwesens leicht an. Eine leichte Verbesserung ergab sich bei den Klassenfrequenzen der Berufsaufbauschule und der Fachoberschule. ALLGEMEINBILDENDE SCHULEN Schüler je Klasse mi 1222 Grundschulen 21,8 22,1 Schulartunabhëngige Orientierungsstufe (7 Lânder) 22,5 22,8 Hauptschulen 21,5 21,6 Realschulen 23,7 24,3 Gymnasien, Jgst. 5 bis 10 25,3 25,7 Integrierte Gesamtschulen Jgst. 5 bis 10 25,1 25,0 Sonderschulen 9,6 9,8 BERUFLICHE SCHULEN (Vollzeitform) Schüler je Klasse Berufsgrundbildungsjahr 18,1 18,5 Berufsaufbauschulen 21,0 20,1 11

13 Fachoberschulen Bemfsfachschulen Fachschulen 21,0 20,1 21,2 20,4 20,3 21,2 In den (Teilzeit-) Bemfsschulen stiegen die Klassenfrequenzen von 19,8 auf 19,9. Die Schüler-Lehrer-Relation betmg 1992 im Durchschnitt in den folgenden ausgewëhlten Schularten: 1S22 Gmndschulen 20,0 Hauptschulen 14,5 Realschulen 16,3 Gymnasien 14,1 Bemfliche Schulen zusammen (Teil- und Vollzeit) 23,7 Die Verteilung der Schüler auf die Schularten (Sonderschulen nicht mitgerechnet) stellt sich besonders deutlich in Jahrgangsstufe 8 dar, in der die Übergánge in die verschiedenen Schularten des Sekundarbereichs in alien Lândem abgeschlossen sind. Im Bundesdurchschnitt ist die Verteilung auf die Schularten 1992 wie folgt: Hauptschulen Schüler (25,9%) Integrierte Klassen für Haupt-und Realschüler Schüler (7,9%) Realschulen Schüler (25,7%) Gymnasien Schüler (31,1%) Integrierte Gesamtschulen Schüler (8,9%) Freie Waldorfschulen Schüler (0,5%) Das Bildungsverhalten hat sich in den vergangenen Jahren insofern gewandelt, als der Anteil der Schüler an den Gymnasien und an Gesamtschulen dort, wo sie angeboten werden, stieg, wâhrend er an den Realschulen gleichblieb und an den Hauptschulen zurückging. Generen lâbt sich feststellen, dab eine wachsende Zahl von Schülem hôher bewertete Schulabschlüsse anstrebt und auch die Zahl der erfolgreichen Absolventen steigt. Der prozentuale Anteil der verschiedenen Abschlüsse an allgemeinbildenden Schulen betmg 1992: 12

14 Schulentlassungen nach Beendigung der VoUzeitschulpflicht - ohne HauptschulabschluB 8,2 % - mit HauptschulabschluB 27,1 % RealschulabschluB und entsprechende mittlere Abschlüsse 40,2 % Fachhochschulreife 0,7 % Allgememe Hochschulreife 23,8 % Besonders deutlich wird das veranderte Bildungsverhalten an der Quote der Studienberechtigten (d.h. dem Anteil der Absolventen mit Hochschulreife und Fachhochschulreife an dem Durchschnittsjahrgang der Gesamtbevolkerung von 18 bis 20 Jahren), die sich wie folgt entwickelte: ,3% ,4% ,3% ,8% ,6% ,4% ,3% ,4% ,9% ,5% (nur alte Lânder) ,8% ,7% (alte und neue Lânder) Aus allgemeinbildenden und beruflichen Schulen zusammen wurden 1981 rd Absolventen mit Hochschulreife und Fachhochschulreife entlassen. Bis 1983 war die Zahl der Absolventen auf (+ 18%) angestiegen, fiel dann aber bis 1986 auf zurück und blieb bis 1988 bei etwa diesem Wert. In den folgenden Jahren verringerte sich die Zahl um auf im Jahr Im vereinten Deutschland lag die Zahl 1992 bei Der Rückgang der Quote der Studienberechtigten von 1991 auf 1992 ist auf die Einbeziehung der neuen Lânder zurückzuführen, in denen die Studienberechtigtenquote niedriger war als in den alten Lândem. Die Entwicklung der Zahl der Studienberechtigten setzt sich in den Studienanfângerzahlen fort, wenn auch nicht alie Studienberechtigten ein Hochschulstudium aufnehmen bzw. nicht unmittelbar nach dem Erwerb der Hochschulreife ein Studium beginnen. Die Studienanfângerzahlen entwickelten sich wie folgt: (alte imd neue Lânder) 13

15 Bei der Gesamtzahl der Studenten ist seit Beginn der Bildungsexpansion in den 60er Jahren ein ununterbrochener Anstieg f estzustellen. Bezogen jeweils auf das Wintersemester erreichte sie in den Jahren 1981 bis 1992 folgenden Stand: (alte und neue Lânder) Auch in der erheblich gestiegenen Teilnahme an Weiterbildung lâbt sich ein verândertes Bildungsverhalten erkennen. Das "Berichtssystem Weiterbildungsverhalten" (BSW), das allé 3 Jahre im Auftrag des Bundesmmisteriums für Bildung und Wissenschaft erstellt wird und in das 1991 erstmals die neuen Lânder einbezogen wurden, zeigt, dab % der Bundesbürger im Alter von 19 bis 64 Jahren an Weiterbildung teilgenommen haben. Dies ist der hochste Stand seit Mit einer Teilnahmequote von 38 % zeigten sich die Deutschen in den neuen Landern etwas weiterbildungsaktiver als die in den alten Lândem (36 %); vor allem in der bemflichen Weiterbildung liegen sie mit 25% deutlich vor den Bürgem in den alten Lândem. Im Unterschied zur bemflichen Weiterbildiuig - sie erhôhte sich auf 21 % gegenüber 18 % im Jahre hat sich die bundesweite Teilnahmequote an allgemeiner Weiterbildimg gegenüber 1988 nicht verândert. Sie lag auch 1991 bei 22 %. Die Weiterbildungsbeteiligung liegt um so hôher, je hôher die Vorbildung ist. So haben 1991 bundesweit 59 % der Personen mit (Fach-)HochschulabschluB an Weiterbildung teilgenommen (1988: 53 %), wâhrend es bei denen ohne Bemfsausbildung nur 18 % (1988: 18 %) waren. Der Abstand zwischen den Qualifikationsgmppen ist bei der bemflichen Weiterbildung grôber als bei der allgemeinen. Die Beteiligung von Frauen an Weiterbildung hat weiterhin starker zugenommen als die von Mânnem. Allerdings liegt die Teilnahmequote von Mânnem mit 39 % noch immer hôher als die der Frauen mit 35 %. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dab deutlich weniger Frauen an bemflicher Weiterbildung teilnehmen als Manner (17 % der Frauen, 25 % der Manner), was wiederum zum groben Teil auf die unterschiedliche Erwerbsbeteiligung von Mânnem und Frauen zurückzuführen ist. 14

16 2. Neue Ausrichtungen der Bildungspolitilc Deutsche Einheit hn Bildungswesen Nach der Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands im Oktober 1990 gehôrt die Herstellung ehier gemeinsamen und vergleichbaren Grundstruktur des Schulwesens und einer gemeinsamen, wenn auch differenzierten Hochschul- und Wissenschaftslandschaft zu den Zielsetzungen der Bildungspolltik m Deutschland. Im Hinblick auf die gemeinsame Grundstruktur des Schulwesens und die Gleichwertigkeit der Bildungsgânge zur gegenseitigen Anerkennung der Schulabschlüsse über die Lándergrenzen hinweg ist auf folgenden BeschluB der Kultusministerkonferenz vom Februar 1994 hinzuweisen: Die Zeugnisse der allgemeinen Hochschulreife, die ab dem Schuljahr 1990/91 in vier Lândem bereits nach 12jahriger Schulzeit bis zum Jahr 2000 erworben werden, berechtigen zum Studium aller Fachrichtungen an den deutschen Hochschulen. Bis zum AbschluB der Beratungen der Lânder über die generelle Dauer der Schulzeit bis zum Erwerb der allgemeinen Hochschulreife gilt aber weiterhin, dab in Deutschland das Abiturzeugnis in der Regel nach 13 Schuljahren erworben wird. Die notwendige Gmndsatzentscheidung zur Schulzeitdauer kaim aus der Sicht der Kultusminister nur auf der Basis einer inhaltlichen Klâmng der Kriterien der allgemeinen Hochschulreife getroffen werden (s. dazu Kapitel 8). Zur Situation der Hochschulen in den neuen Lândem ist f estzustellen, dab an den inzwischen 58 Hochschulen in den neuen Lândem ein breites Studienangebot besteht. In den Lândem Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie im Ostteil von Berlin sind die Hochschulen inzwischen auf der Gmndlage der Landeshochschulgesetze neu organisiert worden. Spezialhochschulen mit engem fachlichen Profil, die z.t. das Hochschulwesen Osteuropas prâgten, sind aufgelôst oder integriert, die Fachrichtungsstmkturen so verândert worden, dab diese Hochschulen heute ein breites imd bedarfsgerechtes Studienangebot für alie Studieninteressierten bereithalten. Das Angebot ist durch die Gründung neuer Hochschulen und Fakultâten/ Fachbereiche erweitert worden, die inzwischen aus der Gründungsphase herausgetreten sind. Das steigende Studieninteresse in den neuen Lândem trâgt dieser Entwicklung Rechnung. Die Studienanfângerzahlen sind dort von im Jahre 1992 auf im Jahre 15

17 1993 deutlich angestiegen (wâhrend sie in den alten Lândem von auf zurilckgegangen sind). Dies ist nicht allein auf das wachsende Interesse von Studienberechtigten aus den neuen Lândem zurückzuführen, sondem auch auf zunehmende Nachfrage aus den alten Lândem. Mehr als 10% der Studienanfânger an den ostdeutschen Hochschulen - mit deutlichen fachlichen Schwerpunkten, wie z.b. in Architektur - haben ihre Hochschulzugangsberechtigung in den alten Lândem erworben. Bedingt durch die Um- und Aufbausituation sind die Kapazitâten an den Hochschulen der neuen Lânder noch nicht überall voll ausgelastet. Dies gilt vor allem für Mathematik und Naturwissenschaften, aber auch für eine Reihe ingenieurwissenschaftlicher Disziplinen. Im Bauingenieurwesen allerdings sind auch die Hochschulen der neuen Lânder weitestgehend ausgelastet. Besonders nachgefragt von Studienanfângem aus den neuen Lândem sind die dort vôllig neu aufgebauten Studienrichtungen, z. B. Jura und Wirtschaftswissenschaften sowie Sozialwissenschaften. Entsprechend den Empfehlungen des Wissenschaftsrates vom Juli 1991 sind nach dem Stand vom Sommersemester 1993 in den Lândem Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommem, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bisher 26 Fachhochschulen und 5 Verwaltungsfachhochschulen errichtet worden. Die Schwerpunkte des Studienangebots liegen im Bereich des Ingenieurwesens, wo insbesondere die Studiengânge Maschinenbau und Elektrotechnik eingerichtet wurden, sowie in den Bereichen Wirtschaft und Informatik. Die Zahl der Studenten an diesen neuen Fachhochschulen belief sich im Wintersemester 1993/94 auf ca Studenten, wobei nach den vorliegenden Prognosen entsprechend dem weiteren Ausbau der Fachhochschulen mit einem raschen Anwachsen der Studentenzahlen zu rechnen ist. Das von Bund und Lândem gemeinsam finanzierte Emeuenmgsprogramm für Hochschule und Forschung in den neuen Lândem (Hochschuleraeuemngsprogramm) hat mabgeblich dazu beigetragen, das Studienangebot in den neuen Lândem auch in den besonders defizitâren Fâchem zu sichem und neu zu orientieren, den wissenschaftlichen Nachwuchs in den intemationalen Wissenschaftsaustausch einzubeziehen imd die infrastmkturellen Voraussetzungen für die Entfaltung von Lehre und Forschung auf breiter Gmndlage zu schaf f en. Im Rahmen des Hochschulemeuemngsprogramms wird durch das Wissenschaftler-Integrationsprogramm auch die Integration von Wissenschaftlem der ehemaligen Akademien der DDR in neue Stmkturen gefôrdert und 1992 auch die Zielsetzung der Frauenfôrdemng verstârkt. Im Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR über die Herstellung der Einheit Deutschlands (Emigungsvertrag vom ) wird das Ziel verfolgt, für aile Deutschen im deutschen Staatsgebiet die uneingeschrânkte Freizügigkeit her- 16

18 zustellen. Der Einigungsvertrag bestimmt, das die Im Gebiet der ehemaligen DDR oder in den anderen Lândem abgelegten Prtifungen oder erworbenen Bildungsnachweise einander gleichstehen und die gleichen Berechtigungen verleihen, wenn sie gleichwertlg sind. Auf dieser Grundlage hat die Kultusmmisterkonferenz bereits 1991, 1992, 1993 und zuletzt im i ^ r i l 1994 eine Bewertung der in der ehemaligen DDR erworbenen Blldungsabschlüsse Im Hoch- und Fachschulberelch vorgenommen, z.b. Diplomabschliisse an staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen, Abschlüsse an Kunsthochschulen und Musikhochschulen, Abschlüsse kirchlicher Ausbildungseinrichtungen, Abschlüsse von Fachschulen und Ingenieurschulen, Abschlüsse militârischer Hoch- und Fachschulen und Abschlüsse der Bildungseinrichtungen für technische Assistenten. Für die Bewertung der Abschlüsse wurden verschiedene Fallgmppen gebildet, imi entweder eine Gleichwertigkeit Oder lediglich eine Niveaugleichhelt bzw. keine Entsprechung mit einem HochschulabschluB (Universitaten und Fachhochschulen) oder einem AbschluB der bemflichen Bildimg in den westdeutschen Lândem festzustellen. Die Bewertung eines Abschlusses als niveaugleich, aber nicht gleichwertlg mit einem AbschluB an einer Universitât oder Fachhochschule bezieht sich auf Ausbildungsgânge, die in besonderer Weise auf das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem der DDR ausgerichtet waren (z.b. Wirtschaftswissenschaften. Philosophie, Soziologie, Geschichte, Kulturwissenschaft). Für die Feststellung der Gleichwertigkeit von Abschlüssen, die dem Bereich der Fachschulen und Bemfsfachschulen oder dem Hochschulbereich zuzuordnen sind sowie für die Nachdiplomiemng ist das Kultusministerium bzw. das Wissenschaftsministerium des Landes zustândig, in dem die Bildungseinrichtung liegt oder lag, an der der jeweilige AbschluB erworben wurde. Insbesondere zur Sichemng der Freizügigkeit sowie zur Verbesserung der Mobllltât von Lehrem zwischen den alten und neuen Landern hat die Kultusministerkonferenz eine "Vereinbanmg über die Anerkennung und Zuordnung der Lehrerausbildungsgânge der ehemaligen DDR zu herkommlichen Laufbahnen" (BeschluB der KMK vom ) geschlossen. Die Minister haben damit den Auftrag des Einigungsvertrages von 1990 (Art, 37 Abs. 2) zur Anerkennung der Lehrerausbildung in der ehemaligen DDR nach den Kriterien der Kultusministerkonferenz erfüllt. Für die Umsetzung der Vereinbamng müssen die entsprechenden Àndemngen des Beamtenrechts und des Tarifrechts vorgenommen werden. Die beschlossene Vereinbanmg schafft die Voraussetzimg für Lehrer, die üire Ausbildung m der ehemaligen DDR erhalten haben und in den neuen Lândem Oder in Berlin als Lehrer tâtig sind, in das Beamtenverhâltnis übemommen und dauerhaft in das System der Lehrerbesoldung eingeordnet werden zu kônnen. Für Lehrer, die im Angestelltenverhâltnis verbleiben, werden zugleich entsprechende tarifliche Eingmppiemngen ermôglicht. 17

19 Im Bereich der Weiterbildung bestand mit der Wiederherstellimg der staatlichen Einheit Deutschlands die Aufgabe, marktwirtschaf tlich orientierte Trâger- und Angebotsstrukturen aufzubauen. Mit einem umfangreichen Angebot zur Fortbildung imd Umschulung hat insbesondere die berufliche Weiterbildung dazu beigetragen, vorhandene Qualifikationen von Erwerbstâtigen in den neuen Lândem an marktwirtschaftliche Wirtschafts- und Gesellschaf tsbedingungen anzupassen. Auch die Konzertierte Aktion Weiterbildung, die 1987 vom Bundesministerium fiir Bildung und Wissenschaft ins Leben gemfen wurde und in der Spitzenverbânde der Weiterbildung, Sozialpartner sowie Vertreter von Bund, Lândem und Kommunen zur Erortenmg übergreifender Weiterbildungsfragen zusammenkommen, hat sich seit Anfang 1990 mit den Anforderungen befabt, die die deutsche Einheit an die Weiterbildung stellt. Besondere Schwerpunkte waren Methoden und Ansâtze der politischen Bildung, die Weiterbildung von Frauen sowie die wissenschaf tliche Weiterbildung. Die neuen Lânder sind in ihrem Bemiihen, durch die Weiterbildungsgesetzgebung den notwendigen Rahmen für eine den neuen Herausfordemngen entsprechende Entwicklung der Weiterbildung zu schaf fen, welter vorangekommen. Bis Mitte 1994 gab es in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommem, Sachsen-Anhalt und Thüringen entsprechende Gesetze. Als bisher einziges der neuen Lânder hat Brandenburg auch gesetzliche Regelungen zur Bildungsfreistellung geschaffen, nach denen Arbeitnehmer für mehrere Tage im Jahr bel Fortzahlung des Arbeitsentgelts an WeiterbildungsmaBnahmen teilnehmen kônnen. AUgemeine budungspolltische Entwicklungen Entwicklungen Im Schulbereich und in der bemflichen Bildung Im Mai 1994 haben die Kultusminister eine Neufassung der "Empfehlungen zur Arbeit in der Gmndschule" (BeschluB der KMK vom i.d.f. v ) beschlossen mit dem Ziel, den ProzeB der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Grundschule zu fôrdem und ihm eine in die Zukunft weisende Perspektive zu geben. Mit der vorgelegten Neufassung der Empfehlungen wird den verânderten gesellschaftlichen und pâdagogischen Rahmenbedingungen von Schule und Unterricht Rechnung getragen, wobei auch die Situation in den neuen Lândem zu berücksichtigen war. Die Verândemng der Familienstmkturen, ein vielfâltiges Spektrum von Lebensformen und Erziehungsvorstellungen verbunden mit einer erweiterten Mitwirkung der Eltem, das Zusammenleben mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, ein wachsendes BewuBtsein für ôkologische Fragen, der EinfluB der Medien, die zunehmende Gewaltbereitschaft - all 18

20 dies stellt die Grundschule vor neue Aufgaben, ebenso wie die wachsende Bereitschaft, im Rahmen des Môglichen auch Schülerinnen und Schüler mit sonderpëdagogischem Fôrderbedarf in der Grundschule zu unterrichten. Mit einem weiteren BeschluB der Kultusministerkonferenz, der "Vereinbanmg über die Schularten und Bildungsgânge im Sekundarbereich I" (BeschluB der KMK vom ) wird erstmals ein gemeinsamer Orientierungsrahmen für aile Schularten und Bildungsgânge abgesteckt, in den auch die neuen Schularten in den neuen Lândem (Mittelschule, Regelschule und Sekimdarschule) sowie vergleichbare Schularten in den alten Lândem einbezogen sind. Die neue Vereinbamng legt für den Sekundarbereich I die gemeinsamen und besonderen Merkmale der Schularten und Bildungsgânge sowie einen gemeinsamen Stundenrahmen fest und regelt die Bedingungen für die gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse und Berechtigungen. In einem besonderen BeschluB kamen die Kultusminister auberdem überein, die Anfordemngen an den Mittleren SchulabschluB in den Lândem mit dem Ziel zu vergleichen. Standards in den Fâchem Deutsch, Mathematik und erste Fremdsprache verbindlich abzustimmen. Bereits 1982 und 1986 hat die Kultusmmisterkonferenz umfassende Berichte verôffentlicht, in denen die Situation und die Perspektiven der Umwelterziehung in den Schulen dargelegt worden sind. Ein im Oktober 1992 verabschiedeter neuer Bericht umfabt erstmals auch die Bemühungen der neuen Lânder, Umwelterziehung als wichtiges Element bei der Neugestaltung des Bildungswesens zu verankem. Der Bericht macht deutlich, dab Umwelterziehung in vielen Fâchem und Lembereichen der Schule eine bedeutende Rolle spielt. Dabei greift der Unterricht zunehmend konkrete Lebensbezüge der Schüler auf und spricht zugleich immer hâufiger Umweltaspekte direkt an. Mit der ôffnung der Schule für Umweltprobleme des eigenen Lebensraumes soil gleichzeitig in der Jugend das BewuBtsein der Mitverantwortung für diesen Lebensraum wachsen. Nach Auffassung der Kultusminister ist die Sichenmg unserer natürlichen Lebensgrundlagen zunehmend wichtiger und damit die Aufgabe des Umweltschutzes noch dringiicher geworden. Zur Situation der Gesundheitserziehung in der Schule hat die Kultusministerkonferenz im November 1992 einen Bericht verabschiedet. Zum Bildungsauftrag der Schule gehôrt es insbesondere, bei den Heranwachsenden ein BewuBtsein für Gesundheitsfragen zu erzeugen, die Bereitschaft für eme verantwortliche Einstellung zur eigenen Gesimdheit zu fôrdem und zu einem gesundheitsdienlichen Verhalten zu erziehen, das auch mit Blick auf die Lebens- und Umweltbedingungen des Menschen über die Schulzeit hinaus wirksam bleibt. Wie in dem Bericht erlâutert wird, ist für die schulische Gesundheitserziehimg ein Unterrichtskonzept erforderlich, das die Aufgaben der Gesundheitserziehung ganzheitlich sieht, auf eine der Gesundheit dienlichen Lebensweise ausgerich- 19

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