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1 Struktur des Vermögens von Versicherungsunternehmen 73 4 Finanzierung und Kapitalanlage im VU Das Anlegen von Kapital in Vermögensgegenstände verschiedener Art ist eine der wichtigsten Aufgaben der Finanzwirtschaft im Versicherungsbetrieb. Es handelt sich um eine notwendige Station zur Produktion von Versicherungsschutz - oder anders ausgedrückt: zur Erfüllung der eingegangenen Leistungsversprechen in der Zukunft. Die Versicherungsleistungen werden aus den im Voraus entrichteten Prämien der Versicherungsnehmer erbracht. Sie stellen das Fremdkapital des Versicherungsunternehmens dar, das auf der Passivseite der Bilanz unter den versicherungstechnischen Rückstellungen ausgewiesen wird. Im Gegensatz zur Industrie gibt es in der Regel keine Darlehensaufnahme zu Investitionszwecken. Der nicht sofort für Entschädigungsleistungen verwendete Prämienanteil wird angelegt. Dies generiert Kapitalanlageerträge, die für die Erfüllung der Leistungsversprechen benötigt werden und die bei bestimmten Produkten - den Versicherungsnehmern entweder in Form niedrigerer Prämien oder als Überschussbeteiligung zugute kommen. Die Kapitalanlagen aller deutschen Versicherungsunternehmen beliefen sich Ende 2007 auf rund 1141 Mrd. Euro; im Jahr 2006 wurden Kapitalanlageerträge * in Höhe von 52 Mrd. Euro verzeichnet. Wie hoch sind die Kapitalanlagen und Kapitalanlageerträge in den einzelnen Versicherungszweigen in den letzten Jahren? Wodurch wird die Entwicklung, die sich anhand des Längsschnittvergleichs beobachten lässt, beeinflusst? Sehen Sie sich zu den folgenden Ausführungen parallel die Bilanz eines Lebens- und eines Schadenversicherers an. 4.1 Struktur des Vermögens von Versicherungsunternehmen Nach der Art der durch die Kapitalanlage zu bedeckenden Verpflichtungen des Versicherungsunternehmens werden verschiedene Formen des Vermögens (Vermögensblöcke) unterschieden: 1. Sicherungsvermögen (als Teil des gebundenen Vermögens), 2. sonstiges gebundenes Vermögen, 3. freies Vermögen. Den jeweiligen Umfang dieser Blöcke kann man der Bilanz nicht entnehmen, denn die Aktivseite ist nach Art der Vermögenswerte (z.b. nach Kapitalanlagearten) gegliedert. Wie gebundenes und freies Vermögen investiert sind, wird der Aufsichtsbehörde im Rahmen der internen Rechnungslegung berichtet. * Erfasst als laufende Kapitalanlageerträge, also ohne außerordentliche Erträge aus Desinvestitionen

2 Struktur des Vermögens von Versicherungsunternehmen 74 Das Sicherungsvermögen repräsentiert auf der Passivseite die Verpflichtungen, die der Versicherer bei der Zeichnung von Versicherungsgeschäft eingegangen ist. Für die Verwendung des Sicherungsvermögens gelten Anlagevorschriften, die eine besonders sichere Kapitalanlage gewährleisten sollen. Das Sicherungsvermögen bildet deshalb ein vom übrigen Vermögen des Versicherungsunternehmens getrenntes Sondervermögen, dessen Bestand in einem Vermögensverzeichnis nachgewiesen ( 66 VAG) und von einem Treuhänder überwacht wird ( VAG). Seine Höhe richtet sich nach dem vom Verantwortlichen Aktuar ermittelten Sicherungsvermögens-Soll. Der Aktuar hat die Bestände des Sicherungsvermögens unter Mitverschluss zu verwahren und muss sicherstellen, dass über Werte des Sicherungsvermögens nur mit seiner Zustimmung verfügt werden kann. Die Höhe des Sicherungsvermögens muss nach 66 Abs. 1a VAG mindestens der Summe einiger Unterposten der versicherungstechnischen Rückstellungen entsprechen, zu denen beispielsweise die Folgenden zählen: - Deckungsrückstellung (bei der Lebensversicherung): Dies ist die gemessen am Umfang bedeutendste Rückstellung bei Lebensversicherern, auf die etwa 85% des Sicherungsvermögens bzw. etwa 80% der Kapitalanlagen entfallen. Die Deckungsrückstellung repräsentiert unter anderem das mit der Lebensversicherung verbundene Spargeschäft bzw. die von den Versicherungsnehmern eingezahlten Sparbeiträge. Unter der Bilanz bestätigt der Treuhänder die vorschriftsmäßige Anlage und Aufbewahrung der Deckungsrückstellung ( 73 VAG). - Alterungsrückstellung (bei Krankenversicherern): Bei Krankenversicherern zählt zum Sicherungsvermögen die Alterungsrückstellung, die aus den Beiträgen für den höheren Schadenbedarf im Alter gebildet wird. - Beitragsüberträge: Passive Rechnungsabgrenzungsposten für jenen Anteil der Prämien, der zwar schon bezahlt worden ist, aber rechnungsmäßig auf das Folgejahr entfällt; - Schadenrückstellungen: Rückstellungen für noch nicht regulierte Versicherungsfälle und für so genannte Spätschäden, d.h. noch nicht bekannte, aber erfahrungsgemäß später noch gemeldete und damit zu regulierende Schäden; - Teile der Rückstellungen für Beitragsrückerstattung: Rückstellungen im Umfang der Gewinnbeteiligungen der Versicherungsnehmer, die zwar schon festgelegt, aber noch nicht gutgeschrieben sind; hauptsächlich in der Lebensversicherung. Zum sonstigen gebundenen Vermögen gehören nach 54 Abs.5 VAG im wesentlichen Vermögenswerte in Höhe der Differenz zwischen versicherungstechnischen Rückstellungen, Verbindlichkeiten und Rechnungsabgrenzungsposten und dem Sicherungsvermögen. Unter dem freien Vermögen versteht man die aktivseitigen Gegenwerte der Passiva, die nicht zum gebundenen Vermögen zählen wie beispielsweise das Eigenkapital und diejenigen Rückstellungen und Verbindlichkeiten, die nicht im Zusammenhang mit dem Versicherungsgeschäft stehen. 4.2 Deckung des Kapitalbedarfs Gründungsfinanzierung

3 Kapitalanlagevorschriften 75 Die Gründungsfinanzierung der Aktiengesellschaft durch die Aktionäre ist in den Ablauf der Gründung eingeordnet (siehe hierzu Farny, Versicherungsbetriebslehre). Das gezeichnete Kapital wird von den Gründungsaktionären aufgebracht und mit dem vereinbarten Teil und einem eventuellen Aufschlag eingezahlt. Dabei bildet der Mindestgarantiefonds nach den Solvabilitätsvorschriften den Mindesteigenkapitalbetrag im Gründungsstadium. Für den VVaG ist eine besondere Art der Gründungsfinanzierung gesetzlich vorgeschrieben ( 22 und 37 VAG), die in den Ablauf der Gründung und die sich anschließende Anfangsphase des Unternehmens eingeordnet ist. Der VVaG verfügt nicht auf Dauer über ein nominell festgeschriebenes gezeichnetes Kapital. Seine Existenz beginnt mit der Einwerbung eines Gründungsstocks. Dieser wird von sog. Garanten aufgebracht. Der Gründungsstock dient dazu, alle notwendigen Auszahlungen in der Gründungs- und Anlaufphase des Vereins zu finanzieren, außerdem steht er zur Deckung von Verlusten zur Verfügung. Die Gründungsfinanzierung endet im Regelfall, wenn der Gründungsstock getilgt und durch eine Verlustrücklage in gleicher Höhe ersetzt ist. Öffentlich-rechtliche Versicherungsunternehmen werden von ihren Gewährsträgern mit Kapital (häufig Stammkapital genannt) ausgestattet. Da der Gewährsträger für die Verpflichtungen des Versicherungsunternehmens mit haftet, ist das dem ör VU zugewiesene Kapital oftmals kleiner als das Kapital vergleichbarer Versicherer mit anderen Rechtsformen. Vergleichen Sie die Eigenkapitalpositionen von Versicherungs-AG, VVaG und öffentlich-rechtlichen Versicherern in Relation zu den jeweiligen Bilanzsummen. Zusätzlich zur Gründungsfinanzierung besitzen Versicherungsunternehmen in Form gesetzlich vorgeschriebener Organisationsfonds ein weiteres Instrument der Gründungs- und Erweiterungsfinanzierung z.b. anlässlich der Einführung neuer Versicherungszweige. Nach 5 V Nr. 3 VAG hat ein Versicherungsunternehmen mit dem Antrag auf Geschäftserlaubnis eine Schätzung der für den Aufbau der Verwaltung und des Vertreternetzes erforderlichen Aufwendungen einzureichen; es muss nachweisen, dass die dafür erforderlichen Mittel (Organisationsfonds) zur Verfügung stehen. Der Organisationsfonds wird in der Regel von den Aktionären einer Aktiengesellschaft oder den Garanten eines VVaG eingezahlt und bildet einen speziellen Kapitalfonds zur Deckung der Auszahlungen für immaterielle Investitionen einschließlich des Aufbaus der Außenorganisation.

4 Kapitalanlagevorschriften Finanzierung des laufenden Geschäfts Die einzelnen Formen der Kapitalzuführung (Finanzierung) lassen sich unterscheiden nach: der Art des Vermögensrechts, das der Kapitalgeber im Verhältnis zum Versicherungsunternehmen erwirbt; der Überlassungsdauer des Kapitals; der Haftung des Kapitals für Verluste des Versicherungsunternehmens. Das Eigenkapital (EK) des Versicherungsunternehmens stammt aus Beteiligungsfinanzierung und aus Selbstfinanzierung durch Einbehaltung von Gewinnen. Da es Beteiligungsfinanzierung bei VVaG und öffentlich-rechtlichen Versicherern im Allgemeinen nur in der Gründungsphase oder bei besonderen Anlässen gibt, sind diese Rechtsformen bei der Eigenkapitalbildung im wesentlichen auf die Selbstfinanzierung aus Gewinnen angewiesen. Soweit das Eigenkapital eingezahlt ist, dient es der Finanzierung von Vermögen. Darüber hinaus übt es eine Haftungsfunktion (Garantiefunktion) im Verlustfall aus. Das Fremdkapital des VU stammt überwiegend aus versicherungstechnischer Umsatzfinanzierung, d.h. aus den vorausgezahlten Prämien und aus den mit den Spar-/Entspargeschäften zufließenden Sparbeträgen. Abgesehen von wenigen Vorgängen bei VVaG und öffentlich-rechtlichen Versicherern, kommt Beteiligungsfinanzierung vor allem bei Versicherungs-AG in Form der Aktienfinanzierung vor. Das Versicherungsunternehmen gibt bei der Gründung oder bei Kapitalerhöhung Aktien aus, die von den Aktionären gezeichnet werden und deren Nennbeträge ganz oder teilweise eingezahlt werden. Das Aktienkapital wird unbefristet überlassen und haftet uneingeschränkt für entstehende Verluste. Selbstfinanzierung aus Gewinn bedeutet die Einbehaltung von Gewinnen aus dem Versicherungsgeschäft oder dem Kapitalanlagegeschäft oder den sonstigen Geschäften von Versicherungsunternehmen. Gewinne werden dem Eigenkapital in Form von Gewinnrücklagen endgültig oder in Form von Gewinnvorträgen vorläufig zugeführt. Die Entscheidung darüber treffen grundsätzlich die Unternehmensträger (Aktionäre, Mitglieder von Versicherungsvereinen,...). Das aus Gewinnen selbstfinanzierte Eigenkapital steht dem Versicherungsunternehmen unbefristet zur Verfügung. Bei Aktiengesellschaften wächst steht es wertmäßig den Aktionären über ihre Anteilsrechte am Gesamtunternehmen zu. Es haftet uneingeschränkt für Verluste. Bei Aktiengesellschaften konkurriert die Selbstfinanzierung mit der Finanzierung über Kapitalerhöhungen, bei Versicherungsvereinen und öffentlich-rechtlichen Versicherern ist sie abgesehen von der Genussrechtsfinanzierung die einzig mögliche Form der Eigenfinanzierung.

5 Kapitalanlagevorschriften 77 Die versicherungstechnische Fremdfinanzierung aus dem Umsatz ist die wichtigste Finanzierungsquelle für das Versicherungsunternehmen. Sie wird durch die übliche Prämienvorauszahlung und die Einzahlung von Sparbeträgen im Zusammenhang mit Spar-/Entspargeschäften bewirkt. Es handelt sich um Prämieneinzahlungen, durch die Verpflichtungen des Versicherers auf spätere Auszahlungen für Versicherungsleistungen begründet werden. Das Kapital wird somit für eine nicht genau bestimmte Zeit überlassen. Es haftet nicht für Verluste, vielmehr wird es durch das vorhandene Eigenkapital vor Verlusten geschützt. Die Gläubigerfinanzierung im engeren Sinn (Einzahlungen aufgrund von Kreditverträgen oder anderweitig verbrieften Darlehen) ist für Versicherungsunternehmen meist nur von geringer Bedeutung. Das Verbot versicherungsfremder Geschäfte ( 7 VAG) untersagt grundsätzlich die Fremdfinanzierung des Geschäfts. Es entsteht ein schuldrechtlicher Anspruch auf Rückzahlung des Kapitalbetrags, meist zu festen Terminen. Gläubigerkapital haftet nicht für Verluste. Die Gläubiger haben keine Mitwirkungsrechte an Entscheidungen im Unternehmen. In den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat zudem die Finanzierung mittels Hybridkapital. Die Gläubiger von beispielsweise nachrangigen Darlehen oder Genussscheinen erhalten festgelegte Kuponzahlungen und partizipieren nicht oder nur eingeschränkt an laufenden Verlusten (wie bei der Gläubigerfinanzierung). Im Insolvenzfall werden ihre Ansprüche aber nach denen aller anderen Fremdkapitalgeber (Versicherungsnehmern) bedient. Die Finanzierung aus kapitalfreisetzenden Einzahlungen im Zusammenhang mit Desinvestitionsvorgängen ist im Wesentlichen auf das Kapitalanlagegeschäft beschränkt. Kapitalanlagen werden entweder planmäßig (z.b. Tilgung vergebener Kredite durch die Schuldner) oder fallweise (etwa beim Verkauf von Grundbesitz) in Geld zurückverwandelt.

6 Kapitalanlagevorschriften Kapitalanlagevorschriften Für die Kapitalanlage der Erstversicherungsunternehmen bestehen zum Schutze der Versicherten strenge gesetzliche Vorschriften in den 54 bis 54d VAG sowie der Anlageverordnung (AnlV, abgedruckt am Ende des Kapitels). Sie werden durch eine Reihe aufsichtsbehördlicher Anordnungen ergänzt (vgl. das Rundschreiben R 29/2002). Es gibt allgemeine Anlagegrundsätze und einen Katalog zugelassener Kapitalanlagearten. Nach 54 Abs.1 VAG ist das gebundene Vermögen des Versicherungsunternehmens so anzulegen, dass möglichst große Sicherheit und Rentabilität bei jederzeitiger Liquidität des Versicherungsunternehmens unter Wahrung angemessener Mischung und Streuung erreicht werden. Sicherheit bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Versicherer bei der Kapitalanlage nur in geringem Umfang und unter Einsatz angemessener Kontrollverfahren Risiken eingehen darf. Nach dem Prinzip der Rentabilität muss jede Kapitalanlage nachhaltig einen marktgerechten Ertrag erzielen. Die Forderung nach Liquidität bezieht sich nicht auf die einzelne Kapitalanlage, sondern auf die ständige Zahlungsbereitschaft und soll sicherstellen, dass die Versicherungsunternehmen jederzeit ihre Verpflichtungen aus den Versicherungsverträgen ohne Einschränkungen erfüllen können. Ergänzt werden diese Grundmaximen durch die Forderung nach Mischung und Streuung. Während sich die Mischung auf die Kapitalanlagearten bezieht, also verhindern soll, dass ein Versicherungsunternehmen sich einseitig auf bestimmte Anlagen, wie Aktien oder Hypotheken, beschränkt, wird der Gedanke der Streuung unter dem Aspekt der Schuldner gesehen: maximal 5 % des gebundenen Vermögens darf bei einer Adresse angelegt werden. Das VAG listet in 1 AnlV [http://www.bafin.de/cln_109/nn_722756/shareddocs/aufsichtsrecht/de/verordnungen/anlv.html] einen Katalog von Kapitalanlagearten auf, in die das Sicherungsvermögen und das sonstige gebundene Vermögen angelegt werden darf: Es bestehen strenge Anforderungen an die Qualität der Kapitalanlagen: Grundstücke müssen bebaut, in Bebauung befindlich oder zur alsbaldigen Bebauung bestimmt sein und einen durch Sachverständigengutachten festgestellten angemessenen Kaufpreis aufweisen. Die Gewährung von Darlehen, die durch Hypotheken oder Grundschulden besichert sind, setzt voraus, dass Zins und Tilgung aus dem Grundstück erbracht werden können. Dabei sind Beleihungsgrenzen zu beachten (AnlV nimmt jetzt Bezug auf das PfandBG und dort ist die Beleihungsgrenze irgendwie komplizierter geworden ) Schuldscheindarlehen sind gestattet an die öffentliche Hand; Wirtschaftsunternehmen haben im Einzelnen vorgeschriebene Sicherheiten zu bieten. Entsprechendes gilt für Namensschuldverschreibungen. Als Wertpapiere kommen festverzinsliche Wertpapiere, Namens- und Inhaberschuldverschreibungen, Aktien oder Investment-Zertifikate in Betracht.

7 Kapitalanlagevorschriften 79 Inhaberschuldverschreibungen gewähren als festverzinsliche Wertpapiere einen regelmäßigen Ertrag und sind als Anleihen der öffentlichen Hand, Kommunalobligationen und Pfandbriefe zur Anlage zugelassen. Unter bestimmten Voraussetzungen sind auch Geschäftsanteile an einer GmbH, Kommanditanteile, stille Beteiligungen und Genussrechte gestattet. Für Anlagen in Aktien, Investmentfonds und sonstigen Anteilsrechten, Beteiligungen sowie Grundstücken gibt es quantitative Anlagebeschränkungen (vgl. 2 AnlV). In jedem Falle sind der Erwerb von Beteiligungen über 10% des Grundkapitals am Beteiligungsunternehmen, Anlagen bei verbundenen Unternehmen nach 54 Abs. 4 VAG der Aufsichtsbehörde anzuzeigen. Seit der Errichtung des europäischen Binnenmarktes für Versicherungen kann versicherungstechnisches Fremdkapital, das aus Versicherungsgeschäften in der EU stammt, überall in der EU investiert werden. Inzwischen ist der regionale Investitionskreis sogar auf OECD-Länder ausgedehnt worden. Nach dem Prinzip der kongruenten Deckung ( 4 AnlV) sollen versicherungstechnische Verpflichtungen in jenen Währungen angelegt werden, aus denen die versicherungstechnischen Verpflichtungen stammen. Währungsinkongruente Anlagen sind bis zu 20 % des gebundenen Vermögens erlaubt. Nach der Öffnungsklausel des 1 (2) AnlV kann das Sicherungsvermögen und das sonstige gebundene Vermögen bis zu jeweils 5% in Werten angelegt werden, die nicht im Anlagekatalog enthalten sind oder die die quantitativen Begrenzungen übersteigen. Grundsätzlich nicht investiert werden darf in Konsumenten- und Betriebsmittelkredite, in bewegliche Sachen bzw. Ansprüche darauf oder in immaterielle Werte ( 1 (4) AnlV). In 6 AnlV wird explizit betont, dass Versicherungsunternehmen die Einhaltung der Anlagegrundsätze des 54 Abs. 1 VAG und der vorstehenden Regelungen durch ein qualifiziertes Anlagemanagement, geeignete interne Kapitalanlagegrundsätze und Kontrollverfahren, eine perspektivische Anlagepolitik sowie sonstige organisatorische Maßnahmen sicherzustellen haben. Interne Kontrollen haben damit ein stärkeres Gewicht erhalten.

8 Solvabilitätsvorschriften Kapitalanlage im Rahmen der Finanzplanung Zahlungsströme aus dem Risiko- und begleitendem Spargeschäft Versicherungsgeschäfte werden in der Mehrzahl so abgeschlossen, dass der Versicherungsnehmer die Prämie für eine Versicherungsperiode (meist ein Jahr) im Voraus zahlt. Betrachtet man nur die Risikoprämieneinzahlungen als Teil der Bruttoprämien, folgen die Auszahlungen für Versicherungsleistungen den Prämieneinzahlungen zeitlich nach und sind zusätzlich um die Schadenregulierungsdauer zeitlich versetzt. Es gilt also die Erwartung, dass die Risikoprämieneinzahlung kontinuierlich, verzögert um die Schadenregulierungsdauer, durch Auszahlungen für Versicherungsfälle abgebaut wird. Der Versicherer verfügt unter diesen Annahmen als Folge der Prämienvorauszahlung über einen Geldbestand, der im ersten Jahr im Durchschnitt die Hälfte der Risikoprämieneinzahlung beträgt. Weiter verfügt er als Folge des Zeitbedarfs für die Schadenregulierung über einen zusätzlichen Geldbestand. Dieser bleibt als Bodensatz in allen Folgeperioden erhalten.

9 Solvabilitätsvorschriften 81 Das gerade angestellte finanzwirtschaftliche Kalkül gilt im Hinblick auf das einzelne Risikogeschäft nur mit Erwartungswerten für die Auszahlungen von Versicherungsleistungen. Die tatsächliche Verlaufskurve der Auszahlungen und der Geldbestände ist zufallsbestimmt. Für einen Gesamtbestand von Risikogeschäften können die beiden Zahlungseffekte aggregiert werden, so dass die Verlaufsannahmen dann wesentlich gesicherter sind, weil Risikoausgleichseffekte wirksam werden. Wachstum und Schrumpfung sowie eine veränderte Zusammensetzung des Versicherungsbestandes führen auch zu Änderungen der Geldmittelbestände. Die Geldmittelbildung durch die übliche Vorauszahlung der Prämie ist ein erster Grund für das Kapitalanlagegeschäft. Wenn das Versicherungsgeschäft mit Spar-/Entspargeschäften verbunden ist, kommen weitere Zahlungsströme hinzu. Beispielsweise führt das Spargeschäft im Rahmen einer gemischten Lebensversicherung zu ratenweisen Einzahlungen von Sparbeträgen und einer einmaligen Auszahlung des verzinslich angesammelten Kapitals im Todesoder Erlebensfall. Bei Entsparprozessen gegen Einmalprämien, z.b. im Falle einer Leibrentenversicherung, folgen einer einmaligen Einzahlung des Sparkapitals ratenweise Auszahlungen der Rentenbeträge. Besondere Formen von Spar-/Entsparprozessen gibt es in der Krankenversicherung. Dort steigt wegen der mit dem Lebensalter des Versicherten zunehmenden Krankheitshäufigkeit der Risikoprämienbedarf, der mit der tatsächlich gezahlten, über die gesamte Vertragslaufzeit konstanten Prämie auszugleichen ist. Deshalb kommt es zunächst zu einem Sparprozess durch nicht benötigte Risikoprämien, später zu einem Entsparprozess wegen nicht ausreichender Risikoprämien, beides abgewickelt über die Bildung, Verzinsung und Auflösung der sog. Alterungsrückstellung. Spar- und Entsparprozesse führen somit ebenfalls zur Geldmittelbildung im Versicherungsunternehmen. Darin liegt der zweite Grund für das Kapitalanlagegeschäft. Die beschriebenen Zahlungsströme und die damit verbundenen Geldmittelbildungen und Geldmittelbedarfe ergeben sich als Aggregate der einzelnen Zahlungsvorgänge. Dabei werden die Auszahlungen für ein bestimmtes Versicherungsgeschäft nicht aus den Einzahlungen desselben Geschäfts finanziert, sondern die jeweiligen Gesamtauszahlungen werden aus den jeweiligen Gesamteinzahlungen gedeckt. In dieser Querschnittsbetrachtung führen die Zahlungsströme aus dem sich fortentwickelnden Versicherungsbestand zu einer permanenten Geldmittelbildung bzw. einem Geldbestand, der die Grundlage für das Kapitalanlagegeschäft darstellt. Der Verlauf von Geldmittelbildung bzw. bestand hängt vor allem von den folgenden Faktoren ab:

10 Solvabilitätsvorschriften 82 Entwicklung des Versicherungsbestands durch Neu- und Veränderungsgeschäfte sowie durch Abgänge; Zusammensetzung der Prämieneinzahlungen nach den Anteilen von Netto- Risikoprämien, Sparbeiträgen und Deckungsbeträgen für Betriebskosten, Sicherheitszuschlägen und Gewinn; Zusammensetzung der Auszahlungen nach Anteilen des Risikogeschäfts, des Spar-/ Entspargeschäfts und des Dienstleistungsgeschäfts; zeitliche Verteilung der Versicherungsfälle und Schadenregulierungsdauer. Diese Faktoren sind in den einzelnen Versicherungszweigen ganz verschieden ausgeprägt. Deshalb ist die Geldmittelbildung aus dem Versicherungsgeschäft in den einzelnen Versicherungszweigen uneinheitlich. In der Realität nimmt die Bedeutung der Geldmittelbildung aus dem Versicherungsgeschäft in folgender Reihenfolge ab: - Lebensversicherung, Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr (Sparprozesse), - Krankenversicherung (Sparprozesse), - Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherungen (lange Regulierungsdauer, hoher Rückstellungsbedarf), - sonstige Versicherungszweige der Kompositversicherung Determinanten der Finanzplanung Finanzplanung ist die systematische Analyse und Prognose der Nominalgüterströme (Ein- und Auszahlungen) sowie der Bestände an Geld, Forderungen und verpflichtungen. Da alle genannten Größen im Kapitalfonds (vgl. Farny (2006) unter dem entsprechenden Stichwort) des Versicherungsunternehmens wirksam sind, kann Finanzplanung auch als Analyse und Prognose des Kapitalfonds und seiner Änderung definiert werden. Diese Vorstellung schließt die Planung der gesamten Mittelherkunft und verwendung ein. Die Hauptgrößen im Finanzplan für eine bestimmte Periode sind folgende: - Anfangsbestände an Geld, Forderungen und Verbindlichkeiten; - Einzahlungen während der Periode; - Auszahlungen während der Periode; - Erhöhungen von Geldforderungen und Verminderungen von Geldverpflichtungen während der Periode; - Endbestände an Geld, Forderungen und Verbindlichkeiten.

11 Solvabilitätsvorschriften 83 Die Finanzplanung zielt kurzfristig darauf ab, dass zu jedem künftigen Zeitpunkt ein positiver Endbestand an Zahlungsmitteln vorhanden ist, der die Liquidität des Versicherungsunternehmens laufend gewährleistet. Mittel- und langfristig dient der Finanzplan darüber hinaus dem Gewinnziel, indem nicht benötigte Zahlungsmittel in rentable Verwendungen, besonders in Kapitalanlagen, überführt werden. Um diese Ziele zu erreichen, müssen die zu erwartenden Ein- und Auszahlungen prognostiziert werden, und zwar im Hinblick auf - Zahlungszeitpunkt, - jeweilige Höhe, - Währung. Im Rahmen der Finanzplanung von Versicherungsunternehmen bietet sich ein - nach Versicherungszweigen - nach Bestandsgeschäft / Neugeschäft - nach vertriebs- und betriebsbedingten Auszahlungen differenziertes Vorgehen an:

12 Solvabilitätsvorschriften 84 Versicherungszweigbezogene Finanzplanung: Eine versicherungszweigbezogene Finanzplanung bietet sich an, weil die Fälligkeit der Prämieneinzahlungen recht unterschiedlich ist: In der Hausratversicherung werden die Prämien in der Regel einmal jährlich gezahlt, in der Privaten Krankenversicherung ist eine monatliche Prämienzahlung üblich. Auch die Auszahlungen für Entschädigungen sind unterschiedlich genau prognostizierbar: In der Lebensversicherung wird die Mehrzahl aller Verträge (etwa 70 %) durch Ablauf fällig; Datum und die Höhe der Auszahlungsverpflichtung ist in solchen Fällen bekannt. In der Haftpflichtversicherung dagegen ist weder das die Haftpflicht begründende Ereignis im Voraus bekannt, noch die Höhe möglicher Entschädigungsleistungen. Differenzierung nach Bestandsgeschäft / Neugeschäft: Während die aus dem Bestandsgeschäft zu erwartenden Prämieneinzahlungen relativ genau aus Vergangenheitsdaten ableitbar sind (sofern sich die Stornoquoten nicht gravierend ändern), unterliegen die aus dem Neugeschäft zu erwartenden Prämieneinzahlungen vielfältigen Einflüssen, die nur zu einem kleinen Teil vom Versicherungsunternehmen gesteuert werden können. Im Hinblick auf künftige Auszahlungen für Entschädigungen liegen für das Bestandsgeschäft schon Erfahrungswerte vor. Selbst wenn diese als Grundlage für die Selektion neuer Kunden/Risiken dienen, kann der tatsächliche Vertragsverlauf aus zufälligen oder systematischen Gründen dennoch vom erwarteten Auszahlungsmuster abweichen. Differenzierung nach vertriebs- und betriebsbedingten Auszahlungen: Vertriebsbedingte Auszahlungen, insb. in Form von Abschlussprovisionen für die Vermittlung von Versicherungsverträgen, sind in ihrer Höhe und in ihrem zeitlichen Anfall weniger genau abschätzbar als Auszahlungen für den laufenden Betrieb des Versicherungsgeschäfts, also für die Gehälter der Innendienst- Mitarbeiter, für die Betriebs- und Geschäftsausstattung u.ä.. Selbst die im Vorgriff auf eine Geschäftserweiterung anfallenden Auszahlungen (für Marktforschungsaktivitäten, Gründung neuer Unternehmen im Konzern, Ausbau der Außenorganisation), haben einen überwiegend deterministischen Charakter, d.h. Zeitpunkt und Höhe hängen weitgehend von Entscheidungen der Unternehmensträger ab und sind somit steuerbar.

13 Solvabilitätsvorschriften Solvabilitätsvorschriften in der EU Im Zusammenhang mit der Niederlassungsfreiheit in der Europäischen Gemeinschaft wurde ein System von Solvabilitätsregeln, differenziert nach Lebens- und Nicht-Lebensversicherungen, entwickelt. Betriebswirtschaftlich dient das Solvabilitätssystem sicherheitspolitischen Zielen. Technisch funktioniert es wie folgt: 1. Die Risikolage des Versicherungsunternehmens wird nach bestimmten Indikatoren gemessen, und zwar überwiegend nach solchen aus dem Jahresabschluss. 2. In Abhängigkeit von Art und Umfang des betriebenen Versicherungsgeschäfts wird eine Mindestausstattung mit Eigenmitteln (=geforderte Solvabilität) errechnet. 3. Ein Unterschreiten dieser Mindestausstattung (verfügbare < geforderte Solvabilität) löst stufenweise aufsichtsbehördliche Sanktionen aus; diese sollen zur Wiederherstellung gesunder Finanzverhältnisse führen. Das Solvabilitätsystem der EG ist pragmatisch angelegt und auf einfache Handhabung ausgerichtet. Es ist ein Instrument der Finanzaufsicht über Versicherungsunternehmen. Im Zuge der Schaffung des europäischen Binnenmarktes für Versicherungen wurden die in 53 c VAG enthaltenen Solvabilitätsregeln bereits mehrfach modifiziert. Die letzte Aktualisierung zur Umsetzung der Richtlinien 2002/13/EG (Schaden) und 2002/83/EG (Leben) trat zum Geschäftsjahr 2004 in Kraft. Dieser Entwicklungsstand des europäischen Solvabilitätssystems wird auch als Solvency I bezeichnet. Ziel war und ist es, die dauernde Erfüllbarkeit der Verträge gegenüber dem Versicherungsnehmer zu sichern, und zwar dadurch, dass man die Existenz des Versicherungsunternehmens sichert. Die neuen Vorschriften sehen eine Erweiterung der Eingriffsbefugnisse der Aufsichtsbehörden vor, z.b. für den Fall, dass sich die Finanzlage von Versicherungsunternehmen schnell verschlechtert. Bei der Aufnahme des Versicherungsgeschäfts oder neuer Versicherungszweige muss eine Mindestausstattung an Eigenmitteln vorliegen, der sogenannte Mindestgarantiefonds. Dieser beträgt derzeit grundsätzlich 2,2 Mio Euro; für Unternehmen, welche Haftpflicht-, Kredit- und Kautionsversicherung bzw. Lebensversicherung betreiben, werden 3,2 Mio Euro verlangt. Entgegen den bisherigen Regelungen wird der Mindestgarantiefonds indexiert, d.h. der Betrag verändert sich mit dem Verbraucherpreisindex. Eine Anpassung (auf ein Vielfaches von Euro) erfolgt, sobald dieser Index um mind. 5 %-Punkte steigt. Die EG-Richtlinien sind als Mindeststandards zu verstehen; die nationalen Regelungen können also höhere Anforderungen stellen. Orientiert sich das Lebensversicherungsgeschäft am genossenschaftlichen Prinzip, dann können die nationalen Aufsichtsbehörden die Höhe des geforderten Mindestgarantiefonds um ¼ kürzen.

14 Solvabilitätsvorschriften 86 Die geforderte Solvabilitätsspanne definiert die Sollgröße des Sicherheitspolsters, über welches ein Versicherungsunternehmen während des laufenden Betriebs mindestens verfügen muss. Wird dieses Sicherheitspolster unterschritten, kann die Aufsichtsbehörde gem. 81b (1) VAG einen Solvabilitätsplan verlangen. In diesem muss das Versicherungsunternehmen Maßnahmen nennen, mit denen die Eigenmittelausstattung verbessert werden soll, z.b. über die Beschaffung von Eigenkapital, durch Prämienerhöhungen, mehr Rückversicherung oder über den Verzicht auf weiteres Wachstum. Ein Drittel der Solvabilitätsspanne gilt als Garantiefonds. Wird dieses Drittel unterschritten, verlangt die Aufsichtsbehörde einen Finanzierungsplan (vgl. 81b (2) VAG), der die Möglichkeiten zur kurzfristigen Beschaffung von Eigenmitteln nennt. Im Folgenden werden die seit Ende 2003 geltenden Regelungen für Versicherungsunternehmen unter deutscher Finanzaufsicht dargestellt Nicht-Lebensversicherung Nicht-Lebensversicherer im Sinne der Solvabilitätsvorschriften sind alle Erstversicherer, die Krankenversicherer sind bzw. eine oder mehrere Sparten der Schaden-/Unfallversicherung betreiben. Berechnung der geforderten Solvabilitätsspanne für Schaden-/Unfall-VU: Der Betrag der Solvabilitätsspanne ist der höhere Wert aus Beitragsindex oder Schadenindex. (1) Beitragsindex = 0,18 / 0,16 * PE x * SbQ xx x : Bruttoprämien des letzten Geschäftsjahrs aus dem direkten und indirekten Gesamtgeschäft; Berechnung von 18% der Prämieneinnahmen bis 53,1 Mio Euro + 16% der Prämieneinnahmen über 53,1 Mio Euro xx : Selbstbehaltsquote als Verhältnis der Aufwendungen für Versicherungsfälle für eigene Rechnung zu den Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle in den letzten drei Geschäftsjahren (Durchschnittswert); falls geringer als 0,5, mit 0,5 anzusetzen. (2) Schadenindex = 0,26 / 0,23 * SA x * SbQ xx x : Durchschnitt der Schadenaufwendungen in den letzten drei Geschäftsjahren (bei Versicherern, die im wesentlichen Elementarschadenversicherungszweige betreiben: der letzten sieben Jahre); Berechnung von 26% der Schadenaufwendungen bis 37,2 Mio Euro + 23% der Schadenaufwendungen über 37,2 Mio Euro. xx : Selbstbehaltsquote wie beim Beitragsindex.

15 Solvabilitätsvorschriften 87 Weshalb dienen die Bruttoprämien des letzten Geschäftsjahres und die durchschnittlichen Schadenaufwendungen als Indikatoren der Risikosituation von Versicherungsunternehmen? Berechnung der geforderten Solvabilitätsspanne für Kranken-VU: Die Solvabilitätsspanne und der Garantiefonds werden nach dem Beitragsbzw. Schadenindex berechnet. Wird die Krankenversicherung nach Art der Lebensversicherung betrieben, also nach versicherungsmathematischen Grundsätzen und mit der Bildung einer Alterungsrückstellung, ermäßigen sich die Eigenmittelanforderungen auf ein Drittel der errechneten Indikatoren Lebensversicherungsunternehmen Das Schema zur Berechnung der Solvabilitätsspanne von Lebensversicherern weicht von dem der Nicht-Lebensversicherer ab. Nach der Solvabilitätsformel wird unterstellt, dass die Risikolage eines Versicherers aus dem betriebenen Lebensversicherungsgeschäft in zwei Größen zum Ausdruck kommt, nämlich - das versicherungstechnische Risiko im riskierten Kapital ; vereinfacht kann es als Differenz der Versicherungssummen des Bestandes (= maximal mögliches Leistungsvolumen) abzüglich des dafür angesparten Kapitals berechnet werden; - das Kapitalanlagerisiko in den mathematischen Reserven ; dies sind die versicherungsmathematisch berechneten Passiva, aus denen Kapitalanlagen finanziert werden. Die beiden Maßgrößen für die Risikolage werden additiv verknüpft, was insoweit realistisch ist, als versicherungstechnisches und Kapitalanlagerisiko weitgehend voneinander unabhängig sind: 3 des riskierten Kapitals und 4 % der mathematischen Reserven dienen als Berechnungsgrundlage für die geforderte Solvabilitätsspanne, wobei der Anteil der Rückversicherer beim versicherungstechnischen Risiko bis 50%, beim Kapitalanlagerisiko dagegen nur bis 15% berücksichtigt wird. Hinzu kommen Beträge für kurzfristige Verträge, Zusatzversicherungen (z.b. Unfalltod-, Berufsunfähigkeits-, Risiko-, Zeitrentenversicherungen), Kapitalisierungsgeschäfte und fondsgebundene Versicherungen. Wenn bei Letzteren das Kapitalanlagerisiko von den Versicherungsnehmern getragen wird, brauchen nur 1 (statt 4) % der mathematischen Reserven mit Eigenmitteln gedeckt zu werden. Für Zusatzversicherungen wird der Beitragsindex wie für Nicht- Lebensversicherer berechnet. Bei kurzfristigen Lebensversicherungsverträgen sind entsprechend dem geringeren versicherungstechnischen Risiko auch geringere -Sätze des riskierten Kapitals anzusetzen (1,5 bzw. 1 statt 3) Berechnung der verfügbaren Solvabilitätsspanne

16 Solvabilitätsvorschriften 88 In den neuen Richtlinien zur Solvabilität heißt es: Die verfügbare Solvabilitätsspanne besteht aus dem freiem, unbelasteten Eigenkapital unter Nichtberücksichtigung immaterieller Vermögenswerte. Die Vorgaben der Richtlinie wurden im VAG folgendermaßen umgesetzt: Ohne Einschränkung Beschränkt bzw. auf Antrag anerkanntl nicht anerkannt (trotz bwl. Argument pro) - eingezahltes Grundkapital bzw. tatsächlicher Gründungsstock - Rücklagen (aus versteuertem Gewinn) abzüglich Organisatiobsfonds - Gewinnvorträge - Freie Teile der Rückstellung für Beitragsrückerstattung (bei Leben) - nicht eingezahlter Teil des Grundkapitals (max. ¼) - Nachschußforderungen bei VVaG - Stille Reserven aus der Bewertung von Aktiva - Ungezillmerte Abschlusskosten - Genussrechtskapital und nachrangige Verbindlichkeiten (unter best. Voraussetzungen) - Schwankungsrückstellungen - Großrisikenrückstellungen Zusätzlich zur dargestellten Solvenzaufsicht für einzelne Unternehmen gibt es noch die sogenannte a) Solo-Plus-Aufsicht b) Änderungen in der Aufsicht über Rückversicherungsunternehmen c) und das Projekt Solvency II, das die bisherigen Regeln der Finanzaufsicht ablösen wird. Lesen Sie dazu die Publikation Solvency II Anforderungen der Finanzaufsicht an die Versicherungswirtschaft der AON Rück:

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