Corporate Social Responsibility und Führen & Lernen

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1 Fakultät für Betriebswirtschaft Munich School of Management Corporate Social Responsibility und Führen & Lernen 8. Fakultätstag der Fakultät für Betriebswirtschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München, Kompetenzfeld Führen & Lernen Leadership & Learning

2 Agenda Aktuelle Struktur der Fakultät und des Kompetenzfeldes Corporate Social Responsibility CSR und Führen & Lernen Zwei Anknüpfungspunkte CSR und Unternehmen als Global Citizens Eberhard von Kuenheim Stiftung, Herr Graf von Kospoth, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Pilotprojekte bringen Bewegung in reformbedürftige Bereiche der Gesellschaft. Zeit für Diskussionen und Fragen 1

3 Fakultät und Kompetenzfeld Führen & Lernen Fakultät für BWL / Munich School of Management 19 Professuren, ca. 120 wissenschaftliche MA, 8 Honorarprofessoren Rechnungswesen (Accounting) Finanzierung (Finance) Marketing & Strategie Innovation Finanzorientierte BWL Marktorientierte BWL Führen & Lernen Institut für Wirtschaftspädagogik (HRE&M) - Prof. Dr. Susanne Weber - Prof. Dr. Thomas Zwick Institut für Personalwirtschaft (HCM) - Prof. Dr. Ingo Weller Institut für Verhalten und Führen in Organisationen - N.N. 2

4 Fakultät und Kompetenzfeld Führen & Lernen Die Fakultät bietet unter Beteiligung des Kompetenzfeldes ein umfangreiches Lehrangebot an: auslaufende Diplomstudiengänge (BWL/WIPÄD) Bachelor of Science (BWL/WIPÄD) Master of Science (BWL/WIPÄD) Master of Business Research (MBR; postgradualer Doktorandenstudiengang) European Master of Management (Kooperation mit der EM Lyon Business School und der Aston Business School Birmingham, kostenpflichtig) Executive Master of Insurance (nicht konsekutiver Weiterbildungsstudiengang für Führungskräfte aus der Versicherungsindustrie, Institut Richter) Executive Master of Human Resource Management (nicht konsekutiver Weiterbildungsstudiengang für Führungskräfte aus dem HRM, Institut Weller) 3

5 Executive Master of Human Resource Management 4

6 Wirtschaftsorganisationen heute Vor 20 Jahren existierten laut UN ca MNCs Heute: Mehr als (Ortmann, 2010) These: Organisationen und insb. Wirtschaftsorganisationen sind die mächtigen Akteure der Welt Nationalstaatliche Regelungen werden durch die fortschreitende Globalsierung fortwährend geschwächt: Global Law without a State? (Teubner, 1997) Frage: Organisationen steuern Individuen, wer aber steuert Organisationen? Mit CSR wird die Hoffnung auf eine gesunde Selbst-Steuerung von Organisationen verbunden 5

7 Compliance Sich an geltendes Recht halten (Gleichbehandlungsgrundsätze, Versammlungsfreiheit, Tarifrecht, Arbeitsschutz etc.) 6

8 Corporate Citizenship Compliance Ein guter Nachbar sein: Befolgen liberalistischer, demokratischer und sozialstaatlicher Tugenden! Beispiele: Rechtsgehorsam, Solidarität, Kooperation, Fairness, Toleranz, Partizipation (sich an öffentlichen Diskussionen beteiligen), Verantwortlichkeit (politische Entscheidungen hinterfragen), Argumentation (sich für die eigene Meinung öffentlich einsetzen). 7

9 CSR Compliance Corporate Citizenship Sich verantwortlich und nachhaltig für ALLE Stakeholder der Organisation einsetzen! 8

10 Beispiel 1: CSR und Unternehmen als Global Citizens MNC mit Tätigkeiten auf End- und Vorproduktmärkten, Finanz- und Arbeitsmärkten MNC oftmals mit führender Marktstellung, ohne Konkurrenz im Gastland oder in Räumen mit beschränkter Rechtsstaatlichkeit: Lohnniveaus und Arbeitskonditionen werden leicht zu faktischen Standards Grund u.a. liability of foreigness mit Druck einheimische Unternehmen zu überbieten Keine oder nur geringe marktliche und rechtliche Disziplinierung Möglichkeiten des Missbrauchs: - Umweltschäden (z.b. Müllentsorgung) - Gesundheitsschäden (z.b. durch Emissionen, schlechte Arbeitsbedingungen) - Korruption politischer Entscheidungsträger 9

11 Rechtsbedarf internationalen Wirtschaftens Hybridrecht Gibt es eine Möglichkeit, dass der Rechtsbedarf internationalen Wirtschaftens, der nicht territorial gebunden ist und deswegen nicht nationalstaatlich geregelt werden kann sowie faktisch nicht durch internationale Organisationen bereitgestellt worden ist, im Wege der Selbstkonstitutionalisierung der Weltzivilgesellschaft erreicht wird? (Sadowski/Kühne, 2010: 2) Vorschlag: Codes of Coduct und International Framework Agreements COC und IFA als (mehr oder weniger freiwillige) Regeln, die von - NGOs (Nichtregierungsorganisationen) - (Internationalen) Gewerkschaften - Unternehmen und ihren Verbänden geschaffen, beobachtet und beachtet (also verrechtlicht?) werden 10

12 Global Compact nicht zertifizierter COC UN Global Compact: Unternehmen sollen innerhalb ihres Einflussbereichs zehn Prinzipien unterzeichnen: - Menschenrechte - Arbeitsbedingungen - Umweltschutz - Korruptionsbekämpfung Selektive Verpflichtung auf einzelne Normen möglich Keine Rechenschaft über Einhaltung notwendig Bis 2005: Unternehmen - Europäische Unternehmen > 50% - Nordamerikanische Unternehmen 8% (können verklagt werden, wenn sie falsely color [their] social image ; Banerjee, 2007: 98-99) 11

13 Global Compact (1) Businesses should support and respect the protection of internationally proclaimed human rights within their sphere of influence; and (2) make sure that they are not complicit in human rights abuses. (3) Businesses should uphold the freedom of association and the effective recognition of the right to collective bargaining; (4) the elimination of all forms of forced and compulsory labor; (5) the effective abolition of child labor; and (6) elimination of discrimination in respect of employment and occupation. (7) Businesses should support a precautionary approach to environmental challenges; (8) undertake initiatives to promote greater environmental responsibility, and (9) encourage the development and diffusion of environmentally friendly technologies. (10) Business should work against corruption in all its forms, including extortion and bribery 12

14 Global Compact in Deutschland Studie von Schneider/Liebscher (2007): 100 umsatzstärkste Unternehmen aus Deutschland; 40 konnten als GC-Unterzeichner identifiziert werden; keine Bereitschaft zur Prüfung durch Dritte 13

15 Global Compact in Deutschland: Wer setzt ihn um? 14

16 Global Compact in Deutschland: Wer setzt ihn um? 15

17 Warum sollten Unternehmen den GC umsetzen? Theoretische Annahme: Klare Aufgabentrennung auf der Akteursebene Ökonomische Akteure Arbeiten nach dem Gewinn(maximierungs)prinzip Gewinn- und Wohlfahrtsmaximierung der Eigner Politische Akteure Bereitstellung von Institutionen (Recht, Bildung, letztlich auch funktionsfähige Märkte) Bereitstellung öffentlicher Güter Das gesamtgesellschaftliche Optimum ergibt sich aus der individuellen Nutzenverfolgung unter gegebenen Rahmenbedingungen 16

18 Motivationen der Selbst-Steuerung durch CSR CSR dient mittelbar der Gewinnmaximierung Engagement außerhalb der Unternehmensgrenzen ist letztlich Mittel zum Zweck Aber: Ökonomische Handlungen sind immer auch in gesellschaftliche Kontexte eingebunden ( embeddedness ; Mark Granovetter, 1985) Ziel von CSR Maßnahmen ist daher auch Sicherung von Legitimität Ausweichen von Druck (NGOs, Medien, Aktivisten) Zuvorkommen von Regulierung Ablenkung von Fehlverhalten etc. Alternative Interpretation: Uneigennütziges Handeln, altruistisch moralisch intrinsisch motiviert 17

19 Sind CSR Maßnahmen wirtschaftlich erfolgreich? CSR (im Sinne von COC) ist korreliert mit (Internem) Unternehmensimage Mitarbeiterzufriedenheit Fluktuationsneigung Experimente mit fair trade Kaffee Geringere Preissensitivität der Kunden Höhere Zahlungsbereitschaft bis zu einem Grenzwert der Einkommenssteigerung bei den Produzenten (Kaffeebauern) Mehr CSR bei zunehmendem Wettbewerb deutet auf die Schaffung von Wettbewerbsvorteilen hin Aber (Sadowski/Kühne, 2010): Sin stocks (Alkohol, Tabak, Casinos) erzielen größere Erträge als CSR Unternehmen Positive Korrelationen zwischen CSR und Erträgen verschwinden, wenn F&E-Investitionen kontrolliert werden Keine Unterschiede in den Preisen von Unternehmensanleihen von CSR und nicht-csr Unternehmen Risikoneutralität von CSR (keine Verringerung der Volatilität) 18

20 Gesellschaftliche Konsequenzen Beispiel Ölkonzerne in Äquatorial-Guinea: Senkung der Infektionsraten mit Malaria und Anämie bei Kleinkindern um 57% bzw. 86% in einem Zeitraum von vier Jahren ( ) (vgl. Sadowski/Kühne, 2010) Lehrerbildungsprogramm: 950 von insgesamt Lehrer wurden ausgebildet Beispiel Indonesien: Kritik an Nike, Adidas, Reebok etc. wegen Sweatshops CSR führte zu - Reallohnzuwächsen - Fallenden Gewinnen - Größerer Schließungswahrscheinlichkeit kleinerer Fabriken - Strikter Einhaltung von Mindestlohnsätzen ohne Abbau von Beschäftigung Bereitstellung öffentlicher Güter aufgrund von Stakeholder-Druck in den Heimatländern! 19

21 Verhaltenskodizes und Selbst-Bindung? Es braucht Druck ( advocacy NGOs, Medien, Aktivisten etc.) echte Freiwilligkeit ist selten Pollution Haven Hypothesis: - Unternehmen, die auf den Heimatmärkten vorbildlich sind, verletzen Standards in anderen (Entwicklungs)ländern - Länder mit geringen Umweltstandards werden von MNC deutlich bevorzugt Belege für strategisches, gleichzeitig unverantwortliches und verantwortliches Handeln (Jackson/Ni/Gao, 2009): Einhaltung von Arbeitskonditionen bei gleichzeitiger Verletzung von Umweltstandards etc. Green washing: CSR als Ablenkung von schädigendem Verhalten 20

22 Lösungsvorschläge Upstreaming: Verantwortung für what others have done (Scherer/Palazzo, 2011) Kinderarbeit in Nike sweatshops Morde durch die Nigerianische Junta nach Protesten gegen Shell Informationstransfer über Dissidenten an die chinesische Regierung durch Yahoo Downstreaming: Verantwortung an den political customer weitergeben Nur wenige shop for a better world (Scherer/Palazzo, 2011) More bark than bite (Banerjee, 2007) 21

23 Herr Graf von Kospoth, wirfreuen uns auf Ihren Vortrag! 22

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