Hintergrundinformationen 2. Quartal Inform Rohstoffe: Kein Preisrally in Sicht

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1 Hintergrundinformationen 2. Quartal 2015 Inform Rohstoffe: Kein Preisrally in Sicht

2 Über Swisscanto In der Schweiz ist Swisscanto einer der führenden Anlagefondsanbieter und Anbieter von Lösungen der beruflichen und privaten Vorsorge. Swisscanto verwaltet Kundenvermögen von CHF 52,5 Milliarden und beschäftigt 400 Mitarbeitende in Zürich, Bern, Basel, Pully, London, Frankfurt am Main und Luxemburg (Stand 31. März 2015). Als ausgewiesener Spezialist entwickelt Swisscanto qualitativ hochstehende Anlage- und Vorsorgelösungen für private Anleger, Firmen und lnstitutionen. Als Fondsanbieter wird Swisscanto national und international regelmässig ausgezeichnet. Weiter ist Swisscanto für seine Vorreiterrolle bei nachhaltigen Anlagen sowie für die jährlich publizierte Studie "Schweizer Pensionskassen" bekannt.

3 Rohstoffe: Kein Preisrally in Sicht Die Rohstoffmärkte haben sich vom Preiseinbruch im letzten Jahr zwar etwas erholt. Es gibt aber gute Gründe, sich weiterhin vorsichtig zu positionieren. Die Weltwirtschaft scheint sich langsam zu erholen, dennoch ist der globale konjunkturelle Aufschwung geprägt von regionalen Divergenzen. Die Eurozone wird von den Sorgen über das Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion überschattet. Trotzdem profitiert sie vom tiefen Erdölpreis, dem schwachen Euro und der Liquiditätsschwemme durch das im März begonnene Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB). Dagegen wird in den USA ein erster Zinsschritt möglicherweise erst gegen Ende Jahr stattfinden. Aufgrund der eher enttäuschenden letzten Wirtschaftsdaten, des moderaten Lohnwachstums und der Inflationserwartungen, die deutlich unter der angestrebten Zielmarke von 2 Prozent liegen, besteht keine Dringlichkeit, die Zinsen anzuheben. Weiter wird auch das Wirtschaftswachstum in China mit Argus augen beobachtet. Für die Entwicklung der Rohstoffpreise sind neben dem globalen Konjunkturverlauf aber noch diverse andere Faktoren ausschlaggebend, auf die wir im Folgenden eingehen. Netto-Long-Positionen beim Erdöl auf Höchststand Erdöl ist der mit Abstand wichtigste Rohstoff in der Weltwirtschaft, und ein Grossteil der Rohstoffrenditen ist denn auch vom schwarzen Gold getrieben. Im April kam es am Erdölmarkt zu einem regelrechten Minirally. Rein fundamental ist der jüngste Preisanstieg nur schwierig zu begründen. Vielmehr ist die Erklärung bei anderen Faktoren zu suchen. Einerseits ist die USD-Schwäche zu erwähnen, andererseits der A nlagenotstand der Finanzinvestoren infolge der niedrigen Zinsen. Dies belegen auch die aktuellsten Zahlen der ICE (Intercontinental Exchange): Die spekulativen Netto-Long Positionen beim Erdöl der Sorte Brent sind im April auf den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Januar 2011 gestiegen (Grafik 1). Auch die entsprechenden Positionen bei der Ölsorte WTI sind innerhalb von ein paar Wochen gemäss CFTC (US Commodity Futures Trading Commission) um rund 70 Prozent gestiegen und haben das höchste Niveau seit dem letzten Sommer erreicht. Damit hat sich allerdings auch beträchtliches Korrekturpotenzial aufgebaut, sollte sich ein Teil dieser Anleger wieder aus dem Markt verabschieden. Grafik 1: Entwicklung beim Erdöl (Sorte Brent) Spekulative Netto-Long-Pos. in tausend Kontrakten (linke Skala) Preis pro Fass in USD (rechte Skala) Quelle: ICE; Bloomberg, Commerzbank Research 3

4 Überangebot bleibt bestehen Fundamental betrachtet, besteht auf dem Erdölmarkt nach wie vor ein Überangebot. Der Markt zeigt sich zudem momentan immun gegen negative Nachrichten. Die Rohöllagerbestände in den USA befinden sich auf absoluten Höchstständen (Grafik 2). In den kommenden Wochen dürfte die US-Ölproduktion etwas zurückgehen, und die Halbierung der Anzahl aktiver Ölbohrungen in den USA (Grafik 3) wird sich mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung in einer niedrigeren Produktion widerspiegeln. Viele Finanzinvestoren scheinen sehr stark auf die Abschwächung des Schieferölbooms in den USA fokussiert zu sein. Dieser leichte Rückgang wird jedoch keinesfalls aus reichen, um das beträchtliche Überangebot am Markt spürbar zu reduzieren. Dazu wäre aus heutiger Sicht eine aktive Beteiligung der OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) und somit eine freiwillige Produktionskürzung durch das Kartell notwendig. Die Nachrichtenagenturen rechnen weiterhin mit einer hohen OPEC-Produktion, wobei speziell der Irak und Saudi-Arabien, der mit Abstand grösste Produzent des Kartells, fast auf Rekord niveaus produzieren. Die gesamte OPEC-Produktion liegt damit weiterhin deutlich über dem Bedarf. Da vor allem Saudi-Arabien primär an der Verteidigung seiner Marktanteile interessiert ist, dürfte es bis auf Weiteres nicht zu Produktionskürzungen kommen. Grafik 2: Rohöllagerbestände in Mio. Fass Grafik 3: Anzahl Ölbohrungen Entwicklung Januar März Juni September Dezember 700 Januar März Juni September Dezember Quelle: DOE; Bloomberg, Commerzbank Research Quelle: Baker Hughes, Citi Research 4

5 Atomstreit mit Iran Die Weltmächte haben ausserdem Anfang April eine Grundsatzeinigung im Atomstreit mit dem Iran erzielt. Der Ölpreis ist daraufhin aber nicht nachhaltig gefallen. Die Unsicherheit, ob im Juni ein endgültiges Abkommen zustande kommt, ist zu gross. Sollte der Iran aber mit seiner Ölproduktion tatsächlich bald auf den Markt zurückkehren, würde der Preis mit grosser Sicherheit stark unter Druck kommen. Das iranische Angebot könnte durchaus im Bereich des weltweiten jährlichen Nachfrageanstiegs liegen, wobei kurzfristig mehrheitlich Lagerbestände auf den Markt gebracht würden. Ein noch grösseres Überangebot wäre dann die Folge. Eine Drosselung der Produktion anderer OPEC- Länder scheint unwahrscheinlich. Speziell Saudi-Arabien wäre kaum dazu bereit, Marktanteile an seinen Erzrivalen Iran abzugeben. Dies scheint auch mit Blick auf den kriegerischen Konflikt in Jemen nicht sehr realistisch. Extremer Contango mit hohen Rollverlusten Es darf aber bei der Analyse der Preisbildung auf den Ölmärkten nicht vergessen werden, dass die kurzfristige Angebotskurve äusserst unelastisch, mit anderen Worten steil ist. Dies bedeutet, dass selbst kleine Nachfrageschwankungen kurzfristig dramatische Auswirkungen haben, ohne dass es zu grossen Schwankungen in der produzierten oder nachgefragten Menge kommt (Grafik 4). So kann zum Beispiel eine Nachfrageverringerung zu einem markanten Preiseinbruch führen, selbst wenn sich die effektiv nachgefragten oder produzierten Mengen nicht deutlich verändert haben. Auch bleibt offen, wie die Ölexporte Libyens ausfallen würden, falls sich die Lage in den kommenden Monaten stabilisieren sollte. Kurzfristig hat sich insgesamt ein beträchtliches Korrekturpotenzial aufgebaut. Bei der US-Ölproduktion zeigen sich jedoch erste Bremsspuren, und auch im Irak wird erwartet, dass sich der dortige Produktionsboom im kommenden Jahr nicht im gleichen Ausmass fortsetzen wird. Mittelfristig sind daher leicht höhere Preise durchaus möglich. Grafik 4: Unelastische Angebotskurve beim Erdöl Preis Dramatischer Preiszerfall B A Kleiner Mengeneffekt Menge 5

6 Die derzeitige Überproduktion führt dazu, dass die Öllager übervoll sind und immer mehr Öl auf Schiffe gepumpt wird. Da die zur Verfügung stehende Lagerkapazität immer knapper wird, sind die Lagerkosten deutlich gestiegen. Somit sind Erdöl-Futures, die kurz vor dem Verfall und der physischen Lieferung stehen, weniger wert als Futures mit einer längeren Laufzeit, da physische Lieferung und teure Lagerung drohen (Grafik 5). Die Tankerlagerung ist gewinnbringend, solange der Terminpreis über dem Spotpreis (aktueller Preis) plus den Lager- und Versicherungskosten liegt, da risi kolose Gewinne durch Käufe am Spotmarkt, Lagerung und Terminverkäufe möglich sind. Die Terminkurve befindet sich aktuell in einer relativ extremen Contango-Situation, was wie geschildert zu erheblichen Anreizen der Lagerhortung bei gleichzeitigem Terminverkauf führt. Bei Long-Positionen in Erdöl-Futures am kurzen Ende der Kurve fallen dadurch er hebliche Roll verluste an. Gleichzeitig ist nicht genau absehbar, wann der Angebotsüberhang zurückgehen wird. Dies ist ein zusätz licher Grund, bei Engagements in den Energiesektor eher zurückhaltend zu sein. Aufgrund der nach wie vor gegebenen Versicherungsfunktion von Erdöl-Futures gegenüber Unruhen im Nahen Osten ist es dennoch sinnvoll, die Investi tionen in den Energiesektor nicht zu stark zu reduzieren. Kein Grund für nachhaltigen Anstieg bei Industriemetallen Die Preise für Industriemetalle konnten nach einem kräftigen Rückgang seit letztem Sommer im April deutlich an Wert zulegen. Daran änderten auch eher schwache Konjunkturdaten aus dem Hauptabsatzmarkt China nichts. Mit ein Grund für den Anstieg war die Annahme, dass die chinesische Re gierung und die Zentralbank weitere Stützungsmassnahmen beschliessen werden. Kurzfristig könnte dies zusammen mit dem Anstieg der Kreditvergabe in China die Preise noch stützen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass ein Grossteil dieser Faktoren bereits in den aktuellen Preisen drin ist. Zudem sind die letzten Konjunkturzahlen in den Industrieländern und insbesondere in den USA eher enttäuschend ausgefallen. Ende April fanden die Frühjahrestagungen der sogenannten International Study Groups statt. Diese erwarten für das gesamte Jahr 2015 Angebotsüberschüsse bei Kupfer, Nickel und Zink. Beim Blei wird von einem ausgeglichenen Markt aus gegangen. Deshalb ist mittelfristig nicht mit einem anhaltenden Rally in den Industriemetallen zu rechnen. Grafik 5: Preise für Öl-Futures (Sorte Brent) in USD pro barrel Jun 2015 Aug 2016 Okt 2017 Dez 2018 Feb 2020 Apr 2021 Jun 2022 Quelle: ICE, Bloomberg, Swisscanto 6

7 Seitwärtstendenz beim Gold Nachdem Gold im zweiten Halbjahr 2014 deutlich an Wert verloren hatte, fand zu Beginn dieses Jahres im Zuge der Aufhebung der CHF-Untergrenze gegenüber dem EUR sowie dem angekündigten Quantitative Easing der EZB ein rasanter Preisanstieg auf über USD 1300 statt. Fast ebenso schnell schmolzen die Gewinne aber anschliessend wieder dahin, und seither bewegt sich Gold in einem Seitwärtsband um die USD 1200 (Grafik 6). Unter der Annahme, dass sich die globale Wirtschaft weiterhin positiv entwickelt, sich der US-Arbeits markt erholt und sich die realen Renditen in den USA erhöhen, ist für die Entwicklung des Goldpreises mittelbis langfristig das Potenzial nach oben begrenzt. Gute Versorgungslage bei Weizen, Mais und Sojabohnen Die Preise für Weizen, Mais und Sojabohnen stehen aufgrund des reichlichen Angebots seit geraumer Zeit unter Druck. Momentan sind die Unsicherheiten im Hinblick auf die kommende Saison aber noch hoch. Viel wird bei Mais und Sojabohnen davon abhängen, ob bei der angelaufenen US-Aussaat eine weitere Verschiebung zugunsten der Sojabohnen statt gefunden hat. Die Preise für Mais waren 2014 aufgrund der Aussicht auf eine rekordhohe Ernte zwischenzeitlich regelrecht abgesackt. Inzwischen haben sie sich wieder etwas erholt und seit Mitte Januar in einer Spanne zwischen 360 und 400 US-Cents je Scheffel eingependelt. Man geht davon aus, dass die US-Landwirte die mit Sojabohnen bebaute Fläche noch einmal erhöhen werden. Für den globalen Markt wird beim Mais daher ein Produktionsrückgang um etwa 5 Prozent erwartet. Somit dürfte sich der Markt für die Saison 2015/2016 nach zwei Jahren mit Überschüssen und hohem Lageraufbau erstmals wieder in einem Defizit befinden. Es ist daher durchaus möglich, dass die Preise für Mais im zweiten Halbjahr etwas zulegen könnten. Bei den Sojabohnen sind die Preise infolge der guten Versorgung des globalen Marktes seit Monaten unter Druck. Noch sind Prognosen für die kommende Saison schwierig und mit hoher Unsicherheit behaftet. Es wird allerdings von einer Produktion in ähnlicher Höhe wie im Vorjahr ausgegangen, sodass keine grossen Preisanstiege zu erwarten sind. Grafik 6: Entwicklung des Goldpreises (in USD pro Unze) März 2014 Juni 2014 September 2014 Dezember 2014 März 2015 Quelle: Bloomberg, Swisscanto 7

8 Preise für Weizen auf mehrjährigen Tiefstständen Die Preise für Weizen sind nach der Rekordernte 2014 zurzeit so tief wie seit Jahren nicht mehr. Insgesamt wird weltweit mit einem leichten Rückgang der Weizenproduktion und einem kleinen Defizit gerechnet. Einem erwarteten Anstieg in den USA steht ein Rückgang der Produktion in Russland und der Ukraine gegenüber. Über alles gesehen dürfte dies jedoch nur zu einem kleinen Abbau der Lagerbestände führen, und die Preise dürften unter Druck bleiben. Aber bereits kleine Änderungen können die Marktbilanz stark beeinflussen. Der Markt für Baumwolle wird voraussichtlich erstmals seit einigen Jahren wieder mit einem Angebotsdefizit schliessen. Die Lagerbestände befinden sich aktuell auf rekordhohen Niveaus und dürften nur geringfügig sinken. Daher ist nicht von einer nachhaltigen Preiserholung auszugehen. Rohstoffe weiterhin untergewichten Insgesamt sind die Rohstoffmärkte als Ganzes gut versorgt. Wir rechnen weiterhin mit einer volatilen Entwicklung, gehen jedoch davon aus, dass das Preisrally nicht weitergehen wird. Insbesondere die Erholung der Ölpreise erachten wir als übertrieben. Wir halten daher an unserer vorsichtigen Positionierung fest. 8

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11 Impressum Herausgeber Redaktionsteam Autor dieser Ausgabe Grafiken / Tabellen Erscheinung Internet Abonnemente und Bestellungen Swisscanto Asset Management AG, Europaallee 39, 8021 Zürich Andreas Fuchs (Redaktion) Peter Bänziger (Chief Investment Officer) Reto Niggli, Senior Portfolio Manager Informationen und Grafiken ohne Quellenhinweis stammen von Datastream und Bloomberg oder sind eigene Berechnungen / Darstellungen der Swisscanto Asset Management AG Quartalsweise Die Publikation ist im pdf-format verfügbar unter / assetmanagement Swisscanto Asset Management AG, Zürich Die Publikation ist für die Verbreitung in der Schweiz bestimmt und richtet sich nicht an Anleger in anderen Ländern. Sie dient ausschliesslich zu Ihrer Information und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten. Obwohl die Informationen und Meinungen aus zuverlässigen Quellen stammen, kann die Swisscanto Asset Management AG die Richtigkeit, Vollständigkeit sowie Aktualität der gemachten Angaben nicht garantieren. Die Informationen in dieser Publikation dienen lediglich zu Informationszwecken. Im Weiteren können die Informationen und Ansichten sowie die Preis- und Kursangaben laufend ändern. Diese Werbemitteilung wurde nicht unter Einhaltung der Vorschriften zur Sicherstellung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt und unterliegt auch nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen.

12 SC2 5001d 06.15

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