Weinfelder. Predigt. Gott schaut in das Herz. Februar 2014 Nr Samuel 16,7

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1 Weinfelder Februar 2014 Nr. 751 Predigt Gott schaut in das Herz 1. Samuel 16,7 von Pfr. Johannes Bodmer gehalten am

2 1. Samuel 16,7: Der Herr sagte zu Samuel: Lass dich nicht davon beeindrucken, dass er gross und stattlich ist. Er ist nicht der Erwählte. Ich urteile anders als die Menschen. Ein Mensch sieht, was in die Augen fällt; ich aber sehe ins Herz. Seite 2

3 Liebe Gemeinde Ein Mensch sieht, was in die Augen fällt. Apfelkönigin, Miss Ostschweiz, Miss Schweiz, Miss Welt, Miss Universum. Eine schöner als die andere! Eine mehr bewundert als die andere! Oder denken wir an Filmschauspielerinnen und Filmschauspieler. Die Klatschhefte leben davon, von ihnen zu berichten. Ja, es stimmt schon: Ein Mensch sieht, was in die Augen fällt. Schönheit was ist Schönheit? Gewiss sind die Geschmäcker verschieden. Und doch gibt es unbestrittenermassen Stars, die die anderen überragen an Berühmtheit, an Verehrerinnen und Verehrern, an Einkommen. Doch wissen wir: es ist nicht allein das Gesicht und der Körper, die einen Menschen schön machen. Schönheit bezieht sich auf die ganze Person, ihr Wesen, ihr Blick, ihr Lächeln, ihre Bewegungen, ihr Lebenswandel, ihr Umgang mit den Menschen. Hören wir aus 1. Sam 9,2 über Saul, dem zukünftigen ersten König Israels: Kisch hatte einen Sohn namens Saul. Der war jung und stattlich, schöner und einen Kopf grösser als alle andern jungen Männer. Da hören wir das, was zum altisraelischen Schönheitsideal für Männer gehört hat: jung, stattlich, schön, gross. So soll der ideale König sein, mindestens was das Äussere betrifft. Denn es stimmt, was die Bibel sagt: Ein Mensch sieht, was in die Augen fällt. Wenn das Äussere eines Königs ansprechend ist, hat er im Volk bereits einen Bonus, bevor er seine erste Amtshandlung gemacht hat. Wie lange der Bonus anhält, wenn die Amtsgeschäfte später am Laufen sind, ist eine andere Frage. Seite 3

4 Ein Mensch sieht, was in die Augen fällt. Das wird auch im Mittelalter deutlich bei einigen Fürsten, Königen, Kaisern. Ihnen sind Attribute gegeben worden zu ihrem Aussehen: Karl der Dicke, Anulf der Böse, Friedrich Barbarossa, Karl der Kahle, Friedrich der Schöne. Wie wird es einmal mit Ihren Kindern sein, liebe Eltern? Sie wünschen ihnen sicher nicht nur ein gutes Aussehen, sondern auch einen guten Charakter. Gehen wir zurück in die Geschichte Israels, wie sie im AT beschrieben ist. Samuel, der speziell Berufene und Beauftragte Gottes, hatte eine leitende Rolle im Land. Das war darum so, weil Israel noch keinen König hatte nach dem Auszug aus Ägypten und der Wanderung ins gelobte Land Kanaan. Samuel wird von Gott beauftragt, den Nachfolger des ersten Königs Saul zum König zu salben. Er kennt allerdings nur den Namen der Familie, den Namen des Sohnes nicht. Als Samuel bei der Familie des Isai ankommt, lässt Isai einen Sohn nach dem andern kommen. Dementsprechend heisst es in 1. Sam 16,6: Samuels Bick fiel auf Eliab, und er dachte: Das ist gewiss der, den der Herr ausgewählt hat. Doch der Herr sagte zu Samuel: Lass dich nicht davon beeindrucken, dass er gross und stattlich ist. Er ist nicht der Erwählte. Ich urteile anders als die Menschen. Ein Mensch sieht, was in die Augen fällt; ich aber sehe ins Herz. Es ist dann der jüngste Sohn, den Samuel zum König salben muss, David. Über ihn heisst es: Der Junge war schön und kräftig und hatte blaue Augen. (1. Sam 16,12). Interessant, dass das so beschrieben ist, nachdem es kurz zuvor geheissen hat: Ein Mensch sieht, was in die Augen fällt; ich aber sehe ins Herz. Seite 4

5 Das tönt nach einem Kompromiss! Der israelitische König soll gut aussehen, obwohl Gott nicht auf das Äussere Wert legt! Schönheit ist darum etwas Wichtiges, weil die Menschen automatisch darauf reagieren. So kann man sagen: Gott ist einen Kompromiss eingegangen, als er David auserwählte. Der König Israels soll nicht nur ein gutes Herz haben, sondern auch gut aussehen. Nur so kann er mit dem Schönheitsbonus in seine Regierungszeit einsteigen. Was heisst die Auserwählung Davids für den amtierenden König Saul? Dieser ist ja genauso von Gott zum König auserwählt und von Samuel gesalbt worden. Da kann man fragen: Hat Gott falsch gewählt? Oder grundsätzlich gefragt: Kann Gott falsch wählen? Macht Gott Fehler? Über König Saul wird berichtet: Er hat im Krieg gegen Nachbarvölker Entscheide getroffen, von denen er wusste: sie sind gegen Gottes Willen. Darum hat ihm Gott das Königtum entzogen. Der Grund dafür war nicht eine falsche Wahl, die Gott getroffen hat. Der Grund dafür war Saul, der sich in seiner Freiheit entschieden hat, gegen Anweisungen Gottes zu handeln. Wie Saul und David sind auch wir frei in unseren Entscheiden und in unserem Handeln. Gott hat uns den freien Willen gegeben. Darum wäre es nicht richtig zu sagen: Gott hat eine falsche Wahl getroffen mit Saul. Richtig ist: Saul hat sich freiwillig von Gott abgewendet. Das Gleiche hat ja auch der Jünger Judas Ischariot gemacht. Er hat sich von Jesus abgewendet, hat ihn verraten, obwohl er von ihm zum Jünger bestimmt worden und seinem Ruf gefolgt ist. Auch hier gilt: Jesus hat nicht falsch gewählt. Er hat sich in Judas nicht getäuscht. Das ist nicht der Fall. Wie wir Seite 5

6 ist auch Judas keine Marionette Gottes. Judas war in seinem Denken und Verhalten Jesus gegenüber frei. Wenn wir das nicht so sehen können, kommen wir logischerweise zum Schluss: Jesus hat mit Judas eine falsche Wahl getroffen. Und: Gott hat mit Saul den falschen gewählt. Ein Mensch sieht, was in die Augen fällt; ich aber sehe ins Herz. Auch wenn Gott in das Herz schaut, bedeutet das nicht, dass er alles, was wir denken, reden und tun, im Voraus weiss. Wenn das so wäre, hätten wir keine Freiheit. Doch was wir genauso haben, ist Verantwortung. Verantwortung für unser Denken, Reden und Handeln. Freiheit und Verantwortung sind ein untrennbares Paar. Unser Problem bei der Bildung unserer Eindrücke eines Menschen ist: Wir sind nicht Gott. Wir schauen auf das Äussere und können nicht in das Herz schauen. Wir kennen von niemandem die tiefsten Wünsche, Gedanken und Pläne. Es gehört einfach zum Menschsein, dass wir auf das Äussere schauen. Geht es jetzt darum, dass wir das möglichst schnell ändern? Sollten wir möglichst wie Gott werden, und nicht mehr auf das Äussere schauen? Man könnte tatsächlich meinen, das sei so. Doch Achtung! In unserem Bibelwort heisst es nicht: "Schaut nicht auf das Äussere der Menschen, sondern schaut in ihr Herz!" Es heisst: Ein Mensch sieht, was in die Augen fällt; ich aber sehe ins Herz. Das ist eine Feststellung. Das ist eine Tatsache. So ist es! So sind wir! Es wäre für uns eine masslose Überforderung, das Äussere eines Menschen völlig bagatellisieren zu wollen. Das können wir nicht und das müssen wir nicht! Und doch: Wir sollen uns bewusst sein: Gott kann es. Seite 6

7 Er kennt unsere innersten Regungen, er kennt unsere tiefste Gesinnung, er kennt unsere Motivation zu handeln. Das bedeutet: Weil er uns kennt, versteht er uns auch. Weil er uns kennt, kennt er die Wahrheit unseres Lebens. Er beurteilt uns aus seiner göttlichen Sicht, mit seiner göttlichen Wahrheit. Das zu wissen, soll uns eine Hilfe sein. Wie können uns Menschen missverstehen! Wie schnell bilden sich Vorurteile! Wie schnell werden wir in menschliche Raster eingefügt, die uns verfehlen. Darum: Beurteilen und schubladisieren wir einen Menschen nicht zu schnell! Geben wir ihm mehrere Chancen! Versuchen wir ihn besser kennenzulernen! Solche Absichten entsprechen ganz sicher Gottes Willen. Denn sie dienen dem förderlichen Zusammenleben. Ein Mensch sieht, was in die Augen fällt; ich aber sehe ins Herz. Amen Seite 7

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