Wer hilft bei Trennung und Scheidung im Landkreis Berchtesgadener Land

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1 Wer hilft bei Trennung und Scheidung im Landkreis Berchtesgadener Land Arbeitskreis Trennung und Scheidung im Landkreis Berchtesgadener Land (Hrsg.) 1

2 Inhalt I. Vorwort... 3 II. Beratungsangebote Amt für Kinder, Jugend und Familien Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Erzdiözese München und Freising Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Familien-Mediation Anwaltschaft Familiengericht Verfahrensbeistand Sachverständige Niedergelassene Psychotherapeuten III. Adressen und Kontakte a) im Landkreis Berchtesgadener Land b) überregionale Angebote und benachbarte Landkreise:

3 I. Vorwort Wenn in Familien die Frage nach Trennung oder Scheidung auftaucht, sind damit erhebliche Ängste, Zweifel, Fragen und Sorgen verbunden. Für Betroffene ist es häufig unangenehm, mit Fremden über diese Probleme zu sprechen, oder sie wissen nicht, an wen sie sich damit wenden können. Mit dieser Broschüre wollen wir den von Trennung und Scheidung Betroffenen eine Orientierungshilfe an die Hand geben und sie zu einer möglichst ausgewogenen Regelung der ausstehenden Probleme, insbesondere der Themen und Fragen um die Kinder ermuntern. Bei Trennung und Scheidung handelt es sich um eine komplexe Problematik, die es schwierig macht, eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung zu finden. Ein allgemein gültiges Rezept gibt es nicht. Die verschiedenen Institutionen und Anlaufstellen im Berchtesgadener Land beschreiben in dieser Broschüre Zuständigkeiten, Schwerpunkte und Vorgehensweisen ihrer Tätigkeit. Hervorheben möchten wir in diesem Zusammenhang den Unterschied zwischen den emotionalen Beziehungs- und den durch das Recht regelbaren Trennungsaspekten: In psychologischen oder sozialpädagogischen Beratungen sind neben dem Finden von Vereinbarungen auch Möglichkeiten zur emotionalen Bewältigung des Auseinandergehens, der Verletzungen und Kränkungen gegeben. Im Rahmen einer gerichtlichen, von Rechtsanwälten unterstützten Auseinandersetzung stehen Scheidung, Fragen zum Sorge- und Umgangsrecht sowie Fragen zu den Finanzen im Mittelpunkt der Betrachtung. Das Ziel aller am Trennungs- und Scheidungsprozess beteiligten Fachpersonen ist es, zu einer fairen Konfliktlösung beizutragen und Unterstützung zur Überwindung der Krise und zum Wohl der Familien und der betroffenen Kinder zu geben. Der Arbeitskreis Trennung und Scheidung möchte die unterschiedlichen Angebote im Landkreis ins Bewusstsein bringen, Informationen geben und durch Lösungsmöglichkeiten zur Überwindung der Lebenskrise beitragen. 3

4 Wir gehen dabei davon aus, dass Kinder die Mutter und den Vater brauchen; die Trennung von einem Elternteil das Kind in einen Loyalitätskonflikt führt, da es beide liebt und von beiden geliebt wird; nach der Trennung der Eltern erfahrungsgemäß die Kinder am besten zurechtkommen, die aus den Auseinandersetzungen ihrer Eltern herausgehalten werden und darüber hinaus enge Beziehungen zu Vater und Mutter pflegen können; Kinder am Modell der Eltern lernen, wie mit Konflikten umgegangen wird. Wichtige Adressen und Telefonnummern finden Sie am Ende dieser Broschüre. Bad Reichenhall, September 2012 Ihr Arbeitskreis Trennung und Scheidung im Landkreis Berchtesgadener Land 4

5 II. Beratungsangebote 1. Amt für Kinder, Jugend und Familien Mütter, Väter, Kinder und Jugendliche können sich an das Amt für Kinder, Jugend und Familie wenden, um Beratung oder Hilfe zu bekommen. Außerdem teilt das Familiengericht dem Amt für Kinder, Jugend und Familien mit, wenn ein familiengerichtliches Verfahren anhängig ist. Mit der Beratung in Fragen der Partnerschaft, Trennung und Scheidung legt der Gesetzgeber ein Angebot zur Förderung der Erziehung in der Familie als Regelaufgabe der Jugendhilfe fest. Das Beratungsangebot ist eine Leistung der Jugendhilfe, die von den betroffenen Müttern und Vätern kostenfrei und auf freiwilliger Basis in Anspruch genommen werden kann. Sie dient der Sicherung familiärer Beziehungen, der Stärkung elterlicher Erziehungskompetenz und hilft bei familiären Konfliktsituationen. Beratung und Unterstützung setzen die Vertraulichkeit des Beratungsprozesses voraus und unterliegen der Verschwiegenheit. Die Ziele dieses Beratungsanspruches sind: Prävention um ein partnerschaftliches Zusammenleben in der Familie aufzubauen bzw. zu erhalten; Hilfe bei Konflikten und Krisen; Begleitung um im Fall von Trennung und Scheidung eine verantwortungsvolle, dem Wohl der Kinder oder Jugendlichen förderliche Wahrnehmung der Elternverantwortung zu gestalten und zu sichern. Zentrales Anliegen in der Beratung ist, die Handlungskompetenz von Eltern, ihre zufriedenstellende Kommunikation und Kooperation miteinander und mit ihren Kindern sowie ihre Fähigkeit zur einvernehmlichen und selbständigen Konfliktregelung zu fördern. Richtschnur ist eine unterstützende Rolle des Amtes für Kinder, Jugend und Familien. Wenn das Amt für Kinder, Jugend und Familie vom Amtsgericht über ein anhängiges Scheidungsverfahren, bei dem minderjährige Kinder betroffen sind, unterrichtet wurde, wendet sich die zuständige Fachkraft in einem persönlich gehaltenen Brief an die Eltern und bietet Beratung und Unterstützung für die Eltern oder ihr Kind sowie Informationen über Möglichkeiten der Hilfe an. 5

6 Wenn dem Familiengericht Anträge zur elterlichen Sorge vorliegen, wird das Amt für Kinder, Jugend und Familien aufgefordert, hierzu Stellung zu nehmen. In diesem Fall führt die Fachkraft Gespräche mit beiden Elternteilen und mit den betroffenen Kindern und legt dann dem Familiengericht eine Empfehlung zur elterlichen Sorge oder zur Regelung des Umgangs vor. Kinder und Jugendliche sind gemäß ihrem Entwicklungsstand aktiv zu beteiligen. Im Falle von Trennung und Scheidung unterstützt das Amt für Kinder, Jugend und Familien beide Eltern bei der Entwicklung von Lösungen. Eine möglichst einvernehmliche Gestaltung der elterlichen Verantwortung nach Trennung und Scheidung hilft den betroffenen Kindern am besten, diese Krise zu verarbeiten. Anzustreben ist die gemeinsame elterliche Sorge. Jedoch können bei besonders tiefgreifenden Konflikten und Kommunikationsstörungen zwischen den Eltern Teile der elterlichen Sorge oder die gesamte elterliche Sorge auf ein Elternteil alleine übertragen werden. 6

7 2. Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Erzdiözese München und Freising Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung ist ein psychologischer Fachdienst der Seelsorge der Erzdiözese München und Freising. Wir verstehen uns als Ansprechpartner bei: Schwierigkeiten in Ihrer Ehe oder Partnerschaft Problemen in oder mit Ihrer Familie Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation Wir sehen unsere Aufgabe in der Beratung und Begleitung von Menschen mit persönlichen, partnerschaftlichen und familiären Problemen, Krisen und Konflikten. Unsere Arbeit ist in der pastoralen Tradition der katholischen Kirche verwurzelt. Die Beratung ist offen für alle, unabhängig von weltanschaulicher Orientierung, Herkunft und Konfession. Die katholischen Ehe, - Familien- und Lebensberatungsstellen bieten Ihnen Möglichkeiten, sich auszusprechen, sich selber und Ihre Partnerschaft besser verstehen zu lernen, in Konfliktsituationen Lösungswege zu finden, sich in der Lebens- und Beziehungsgestaltung neu zu orientieren, Krisen als Wachstums- und Entwicklungschancen zu nutzen. 7

8 3. Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Das Angebot der Caritas-Beratungsstelle für Familien in Trennungs- und Scheidungssituationen kann von allen Familien im Landkreis Berchtesgadener Land in Anspruch genommen werden. Aufgrund der staatlichen und kommunalen Förderung ist es kostenfrei. Die Beratungsinhalte unterliegen der Schweigepflicht. Information / Beratung Trennungs- und Scheidungsberatung verfolgt das Ziel, Eltern und Kindern Sicherheit zu geben und Wege aufzuzeigen, bei und nach der Trennung Elternschaft weiter aufrecht zu erhalten und auszuüben, hinsichtlich der Belange der Kinder ausreichend kommunizieren und kooperieren zu können, gegenseitigen Respekt hinsichtlich der jeweiligen elterlichen Kompetenz zu zeigen, um so die Belastungen für die Beteiligten möglichst gering zu halten. Familien-Mediation Mediation ist ein freiwilliges Verfahren, in dem die Konfliktpartner im direkten Gespräch miteinander eine Lösung für die anstehenden Themen entwickeln: Betreuungsregelungen für die Kinder, Sorgerechtsfragen, Fragen zum Lebensschwerpunkt, Erziehungs- oder Schulprobleme, Konflikte zwischen Kind und einem Elternteil, neuem Partner, Stiefgeschwistern usw.. Mit Hilfe einer neutralen Person, der Mediatorin bzw. des Mediators, suchen die Konfliktpartner eigenverantwortlich solche Lösungen, die für alle Beteiligten fair sind. Psychologische Diagnostik Diagnostische Einzelkontakte mit Kindern / Jugendlichen am Anfang und im Verlauf einer Trennungs- und Scheidungsberatung ermöglichen eine Einschätzung ihrer emotionalen Reaktionen und ihrer psychischen Befindlichkeit. Diagnostische Einzelkontakte ermöglichen den Kindern, ihre Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen und je nach Vereinbarung mit ihnen in den Beratungsprozess mit den Eltern einzubringen. Psychotherapeutische Einzelbetreuung von Kindern Wenn Eltern sich trennen, erleben Kinder häufig starke Veränderungen. Die subjektive Bedeutung einer Trennung ist für Kinder sicher sehr hoch und sie ist mit Stressbelastung verbunden. Für diese Kinder gehen die diagnostischen Einzelkontakte in eine länger dauernde psychotherapeutische Unterstützung über. 8

9 Therapeutische Gruppe für Kinder Eine weitere Unterstützung für Kinder ist die Teilnahme an einer therapeutischen Gruppe. Die Gruppe bietet den Kindern einen sicheren und geschützten Rahmen, in dem sie mit anderen Kindern und den GruppenleiterInnen über ihre Erfahrungen, Gedanken und Gefühle sprechen können. Die Kinder und Jugendlichen werden durch die Gruppe und in der Gruppe bei der Bewältigung ihrer Verunsicherung, ihrer Trauer und ihrer Wut unterstützt und es wird ihnen geholfen, mit ihrer neuen Familiensituation besser zurecht zu kommen. Sie erfahren in der Kleingruppe, wie andere Kinder damit umgehen und lernen voneinander. Gruppenangebot für Eltern Auch für Eltern verändert sich vieles. Es treten häufig pädagogische und psychologische Probleme auf, über die sich Eltern im Rahmen dieser Gruppe informieren können. Ziel des Gruppenprogramms ist es, Eltern zu stärken. Folgende Themenbereiche werden in der Gruppe angesprochen: Gespräch über die Trennung mit dem Kind, Reaktion des Kindes auf die Trennung, die Beziehung zum anderen Elternteil, die Trennung von Partnerschaft und Elternschaft, die Bewältigung der Veränderung, nützliche Elternvereinbarungen und deren Umsetzung, Konfliktbewältigung, Freude erleben, Energie tanken. Im Vordergrund steht die Möglichkeit, schwierige Situationen zu besprechen, zu hören, wie andere mit dieser Situation umgehen und Anregungen zu erhalten, was für Kinder und Eltern in dieser Situation besonders hilfreich und unterstützend ist. Die Gruppe umfasst sechs Treffen. Begleiteter Umgang/ Samstagstreff Ziel des begleiteten Umgangs, der werktags einschließlich samstags stattfindet, ist die Anbahnung, Wiederherstellung, Praktizierung, Unterstützung und Förderung der Beziehung des Kindes zu dem Elternteil, mit dem es nicht ständig zusammen lebt. Begleiteter Umgang findet statt, wenn der Kontakt zwischen Kind und Elternteil abgebrochen ist oder vom Abbruch bedroht ist, Kinder und Jugendliche einen Kontakt ablehnen, getrennt lebende Eltern bei der Ausübung des Umgangsrecht Schwierigkeiten haben und nicht in der Lage sind, eigenverantwortlich einvernehmliche Lösungen herbeizuführen, wenn Großeltern, Geschwister, Pflegeeltern nicht in der Lage sind, mit den leiblichen Eltern eine Umgangsregelung auszuarbeiten und zu praktizieren, Kinder durch den umgangsberechtigten Elternteil vermutet oder tatsächlich gefährdet sind, wie z. B. bei psychischer Beeinträchtigung, Verdacht auf sexuellen Missbrauch oder Entführungsgefahr. 9

10 Gerichtlich vereinbarte oder angeordnete Maßnahmen Überweisungen (Anordnungen) durch das Familiengericht nehmen immer mehr zu. Angeordnete Beratungen sind ohne Zweifel eine Herausforderung für alle Beteiligten. Am Beginn der Beratung steht die gemeinsame Erarbeitung des Arbeitsauftrages. Danach ist die anfängliche Unfreiwilligkeit kein Hindernis mehr für eine gute Kooperation. 10

11 4. Familien-Mediation Mediation ist eine außergerichtliche Form einer Konfliktregelung. Es ist ein freiwilliges Verfahren, in dem die Konfliktpartner im direkten Gespräch miteinander eine Lösung für die anstehenden Themen finden. Mit Hilfe einer neutralen Person, die keine Entscheidungsmacht hat (der Mediatorin bzw. des Mediators), suchen die Eltern eigenverantwortlich solche Lösungen, die für alle Beteiligten fair sind. Mediation ist ein vertraulicher Prozess, der auf eine Einigung abzielt, mit der Eltern und Kinder in der Zukunft gut leben können. Welche Konflikte können in einer Mediation behandelt werden? Grundsätzlich alle Themen, die vor, während oder nach einer Trennung oder Scheidung aufkommen können: Die Trennung vom Partner, Betreuungsregelungen für die Kinder, Sorgerechtsfragen, Fragen zum Lebensschwerpunkt, Erziehungsthemen, Erziehungs- oder Schulprobleme, Konflikte zwischen Kind und einem Elternteil, zwischen Kind und neuem Partner, zwischen Stiefgeschwistern usw.. Wie lange dauert eine Mediation? Die einzelne Sitzung dauert in der Regel 90 bis 120 Minuten. Die Anzahl der Sitzungen hängt von verschiedenen Faktoren ab (Umfang der Themen, Schwierigkeit der Probleme), in der Regel werden zwischen 3 und 8 Sitzungen benötigt. Für welche Paare ist Mediation zu empfehlen? In eine Mediation können all die Personen kommen, die mit Hilfe einer neutralen Person der Mediatorin gemeinsam mit den Konfliktbeteiligten eine Lösung des Konflikts suchen wollen. Mediation ist für all die Menschen geeignet, die ihre Interessen selbst vertreten wollen und können. Mediation setzt die Bereitschaft voraus, sich an einen Tisch zu setzen. Kinder und Jugendliche haben wenn dies von den Eltern gewünscht wird die Möglichkeit, ihre Themen, Wünsche, Lösungsideen in die Mediation einzubringen. Wann ist Mediation nicht geeignet? Manchmal ist die Enttäuschung oder die Trauer über die gescheiterte Beziehung, die Wut auf den anderen noch so groß, dass eine Mediation zu früh ist. Auch körperliche oder seelische Beeinträchtigungen können manchmal gegen eine Mediation sprechen. 11

12 Wie läuft eine Mediation ab? Die Gespräche haben eine klare Struktur und folgen Regeln. Die klassische Form einer Mediation hat folgenden Ablauf: 1. Information über das Verfahren und Erstellung einer Eingangsvereinbarung 2. Themensammlung 3. Bearbeitung der einzelnen Themen 4. Mögliche Regelungen und Abwägen der Lösungen 5. Die endgültige Regelung finden und festhalten. Die Bezahlung eines Mediators/ einer Mediatorin in freier Praxis oder in einer Kanzlei erfolgt nach Stundenhonorar (100.- bis ). Hinzukommen zusätzliche Gebühren für schriftliche Vereinbarungen. Arbeitet der Mediator / die Mediatorin in einer Institution (beispielsweise in einer Ehe- und Familienberatung oder in einer Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche) wird die Kostenfrage je nach Institution geregelt. MediatorInnen haben unterschiedliche Grundberufe: PsychologIn, SozialpädagogIn oder RechtsanwältIn. Sie alle haben eine Zusatzausbildung absolviert. MediatorInnen sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Kommt es im Laufe einer Mediation zu keiner einvernehmlichen Regelung, darf der juristische Mediator keinen der Ehepartner als Rechtsanwalt vor Gericht im Scheidungsverfahren vertreten. 12

13 5. Anwaltschaft Rechtsanwälte, hier vor allem Fachanwälte für Familienrecht oder Rechtsanwälte mit Tätigkeitsschwerpunkt Familienrecht, beraten und vertreten einen der beiden Ehegatten (das ist dann der Mandant) in seinen familienrechtlichen Fragen, sowohl vor Gericht als auch bei der Erarbeitung außergerichtlicher Vereinbarungen. Zum Beispiel werden folgende Themen besprochen: Scheidung (z. B. Voraussetzungen für die Scheidung, Ablauf des Scheidungsverfahrens, Einreichung des Scheidungsantrages), Kinder (z. B. Sorgerecht, Umgangsrecht), Unterhalt (z. B. Klärung der Unterhaltsansprüche der Ehegatten, Kinder, Eltern), Vermögensrechte (z.b. Auseinandersetzung gemeinschaftlichen Vermögens, Zugewinnausgleichsberechnung), Wohnung-/Hausratsaufteilung usw., Versorgungsausgleich. Der Rechtsanwalt/die Rechtsanwältin darf den anderen Ehegatten nicht auch beraten oder vertreten. Er ist zur Parteilichkeit und Verschwiegenheit verpflichtet. D. h. aber nicht, dass nicht mit dem Ziel einer einverständlichen Scheidung ein Gespräch auch mit dem anderen Ehegatten zum Zwecke des Einvernehmens möglich ist. Eine Beratung kostet bis 250,00 Euro, ein erstes Beratungsgespräch bis 190,00 Euro. Sonst richtet sich das Entgelt für den Rechtsanwalt entsprechend dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz nach dem Wert der Tätigkeit. Diesen Wert nennt man Verfahrenswert. Daraus bestimmen sich dann, ähnlich wie beim Notar, die einzelnen Gebühren des Rechtsanwalts. Etwas anderes gilt, wenn der Anwalt mit seinem Mandanten eine Honorarvereinbarung getroffen hat. Für finanziell Bedürftige gibt es für außergerichtliche Beratungen Beratungshilfe (Eigenanteil an den Kosten nur 10 ), für Anträge zu Gericht Verfahrenskostenhilfe mit oder ohne Ratenzahlungsanordnung. Anträge hierzu können im Internet unter Formulare, herunter geladen werden, aber auch direkt bei Gericht an der Rechtsantragsstelle angefordert werden. 13

14 Der Rechtsanwalt beziehungsweise die Rechtsanwältin versuchen zusammen mit dem Mandanten in erster Linie, gütliche Lösungen zu erarbeiten, damit möglichst Streit vermieden wird. Falls der andere Ehegatte dann einverstanden ist, können Vereinbarung abgeschlossen werden, entweder durch Vertrag beim Rechtsanwalt oder einem Notar. Falls keine Einigung erreicht werden kann, wird der Mandant den Rechtsanwalt/die Rechtsanwältin mit der Einreichung von Anträgen an das Familiengericht beauftragen. Dieses entscheidet dann durch einen gerichtlichen Beschluss, der dann nach Rechtskraft bindend ist, wenn man sich auch vor dem Familiengericht nicht einigen konnte. 14

15 6. Familiengericht Bei den Amtsgerichten sind die Familiengerichte unter anderem zuständig für Scheidungen. Ein Scheidungsantrag muss über einen Rechtsanwalt eingereicht werden. Soweit die Eheleute sich über sämtliche sonstigen Regelungen, die mit der Scheidung zusammenhängen, insbesondere über das gemeinsame Sorgerecht für die Kinder, den Umgang mit den Kindern sowie die Unterhaltsregelung und die Vermögensauseinandersetzung einig sind, reicht es aus, dass die Partei, die den Scheidungsantrag stellt, einen Anwalt beauftragt. Der Antragsgegner benötigt im Scheidungsverfahren dann keinen Anwalt. In diesen Fällen der einverständlichen Scheidung entscheidet das Familiengericht nur über Scheidungsausspruch und über den von Amts wegen, ohne Antrag der Parteien, durchzuführenden Versorgungsausgleich. Auch in den Fällen, in denen sich die Eheleute über die mit der Trennung und Scheidung zusammenhängenden Folgeproblemen nicht einigen können, ist oberstes Ziel des familiengerichtlichen Verfahrens, eine einvernehmliche Regelung zwischen den Parteien herbeizuführen. In jeder familiengerichtlichen Verhandlung wird daher zunächst versucht, im Wege einer Vereinbarung eine Befriedung zwischen den Parteien herbeizuführen. Das Familiengericht ist auch außerhalb von anhängigen Scheidungsverfahren, insbesondere für folgende selbständige Verfahren zuständig: Verfahren, betreffend die elterliche Sorge für ein Kind, Verfahren über die Regelung des Umgangs mit einem Kind, Streitigkeiten, die durch Verwandtschaft, begründete gesetzliche Unterhaltspflicht betreffen (Anwaltspflicht), Streitigkeiten, die die durch Ehe begründete gesetzliche Unterhaltspflicht betreffen (Anwaltspflicht), Verfahren, die den Versorgungsausgleich betreffen, Verfahren über die Regelung nach der Verordnung über die Behandlung der Ehewohnung und des Hausrats, Verfahren nach dem Gewaltschutzgesetz, Streitigkeiten über Ansprüche aus dem ehelichen Güterrecht (Anwaltspflicht). Das Familiengericht wird, mit Ausnahme des in jedem Scheidungsverfahren von Amts wegen durchzuführenden Versorgungsausgleichs, grundsätzlich nur auf Antrag der Partei tätig. Dies bedeutet, dass eine allgemeine Rechtsberatung durch das Familiengericht nicht erfolgt. 15

16 Soweit zulässige Anträge beim Familiengericht gestellt werden, weist das Gericht im Rahmen seiner Verfahrensförderungspflicht die Beteiligten in schriftlicher Form oder in mündlicher Verhandlung auf die Rechtslage hin. Dies bedeutet, dass die Parteien die Vorprüfung, ob und inwieweit sie Anträge beim Familiengericht einreichen wollen, selbst vornehmen müssen, bzw. sich der außergerichtlichen Beratungsangebote bedienen müssen. In allen Fällen, in denen Sorgerechtsregelungen und Umgangsregelungen beantragt werden, wird das Amt für Kinder, Jugend und Familie vom Familiengericht mit der Erarbeitung von Stellungnahmen und Regelungsvorschlägen beauftragt. Es empfiehlt sich bei diesen Streitigkeiten, sich vor Einreichung eines Antrags beim Familiengericht bereits mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie in Verbindung zu setzten, da das Amt für Kinder, Jugend und Familie bereits im Vorfeld auf eine einvernehmliche Regelung hinwirkt. 16

17 7. Verfahrensbeistand Bei gerichtlichen Verfahren in Kindschaftssachen, die die Person des Kindes betreffen, hat das Gericht gemäß 158 Abs. 1 FamFG dem minderjährigen Kind einen geeigneten Verfahrensbeistand zu bestellen, soweit dies zur Wahrnehmung seiner Interessen erforderlich ist. Der Verfahrensbeistand ist damit Interessenvertreter, nicht der gesetzliche Vertreter des Kindes, quasi der Anwalt der Kinder. Bei Kindschaftssachen im Zusammenhang mit Trennung/Scheidung handelt es sich z.b. um Streitigkeiten wegen des Sorgerechts, des zukünftigen Aufenthalts des Kindes oder auch wegen des Umgangs. Die Auswahl des geeigneten Verfahrensbeistands obliegt dem pflichtgemäßen Ermessen des Gerichts. Verfahrensbeistände verfügen in der Regel über ein Studium in Sozialpädagogik, Psychologie oder Jura, die durch geeignete Zusatzqualifikationen ergänzt wird. Der Verfahrensbeistand ist allein den Interessen des verfahrensbetroffenen Kindes, ggf. auch weiterer verfahrensbetroffener Kinder wie Geschwistern verpflichtet, nicht aber dessen Weisungen unterworfen. Er hat gegenüber den Sorgeberechtigten, dem Jugendamt und auch dem Gericht eine unabhängige Stellung im Verfahren, die er für das betroffene Kind voll zur Geltung bringen kann und soll. Da der Verfahrensbeistand Beteiligter am gerichtlichen Verfahren ist, nimmt er auch an den Gerichtsterminen teil. Er kann Anträge stellen und Rechtsmittel einlegen. Der Verfahrensbeistand soll den Willen des Kindes (subjektiv) in das gerichtliche Verfahren einbringen und diesen Willen hinsichtlich des Kindeswohls (objektiv) abwägen. Hierzu ist es regelmäßig erforderlich, dass er nicht nur Gespräche mit dem Kind alleine, sondern auch mit Bezugspersonen, z.b. Eltern, Großeltern, Lehrern, Betreuern im Kindergarten führt, wobei die zusätzliche Aufgabe, Gespräche mit den Eltern und weiteren Bezugspersonen des Kindes zu führen vom Gericht gemäß 158 Abs. 4 FamFG übertragen werden muss. Zum Informationsaustausch kann sich der Verfahrensbeistand auch mit dem Jugendamt in Verbindung setzen. Der Verfahrensbeistand informiert das Kind angemessen und altersgerecht über die gegenwärtige Situation, den Fortgang des gerichtlichen Verfahrens, über die Ergebnisse von Verhandlungen, sowie über ergangene Beschlüsse. Der Verfahrensbeistand wird auch versuchen, orientiert am Kindeswohl und im Interesse des Kindes eine einvernehmliche Regelung über den Verfahrensgegenstand herbeizuführen, bzw. daran mitzuwirken. 17

18 Die Mitwirkung an einer einvernehmlichen Lösung ist häufig Teil der Beauftragung durch das Gericht. Im Rahmen der Gespräche wird er auch versuchen, den Kindseltern die Bedürfnisse des Kindes zu erklären, so dass diese adäquat darauf reagieren können. Der Verfahrensbeistand soll außerdem an der richterlichen Kindesanhörung teilnehmen, die bei Vollendung des 14. Lebensjahres des Kindes gesetzlich vorgeschrieben ist, oder bei jüngeren Kindern dann, wenn ihr Neigungen, Bindungen und sein Wille für die Entscheidung von Bedeutung sind oder wenn eine persönliche Anhörung aus sonstigen Gründen angezeigt ist. Die Bestellung endet in der Regel mit der Rechtskraft der das Verfahren abschließenden Entscheidung oder mit dem sonstigen Abschluss des Verfahrens, zum Beispiel einem Vergleich/einer Vereinbarung. 18

19 8. Sachverständige In familienrechtlichen Verfahren kann das Familiengericht einen Gutachter, meist einen Diplom-Psychologen, als Sachverständigen beauftragen. Bei manchen Fragestellungen werden weitere Gutachter, z. B. Psychiater, hinzugezogen. Der Auftrag für ein Gutachten erfolgt durch das Familiengericht. Der Gutachter soll z. B. zu Fragen der elterlichen Sorge oder der Umgangsregelung Stellung nehmen. Außerdem wird von den Gerichten auch nach der Erziehungsfähigkeit von Eltern oder nach für die Kinder notwendigen Hilfsmaßnahmen gefragt. Der Gutachter hat den Auftrag, sich neutral und objektiv ein umfassendes Bild über die Verhältnisse der betroffenen Eltern und Kinder zu machen. Er soll aus psychologischer Sicht beurteilen, welche Regelung dem Kindeswohl am besten dient. Dazu werden in der Regel mehrere Termine durchgeführt, sowohl in den Wohnungen der Eltern als auch z. B. in Praxisräumen der Gutachter. Dabei werden die Eltern und die Kinder einzeln befragt, bearbeiten Fragebogen und werden in ihrem Verhalten beobachtet. Außerdem können weitere familiäre Bezugspersonen wie Stiefelternteile, Geschwister und Großeltern mit einbezogen werden. Wenn die Eltern damit einverstanden sind, können die Sachverständigen außerdem von beteiligten Fachpersonen und Einrichtungen wie der Schule, Kinderärzten, Beratungsstellen usw. ergänzende Informationen erfragen. Die meisten Sachverständigen bemühen sich außerdem, die Eltern dabei zu unterstützen, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Die Ergebnisse der Begutachtung werden schriftlich beim Familiengericht vorgelegt und von dort den betroffenen Elternteilen zugeschickt oder auch mündlich in einer Anhörung, an der beide Elternteile anwesend sind, erstattet. Die Ergebnisse der Gutachten können zu einer einvernehmlichen Vereinbarung führen oder dienen den Familienrichtern als Grundlage, um eine Entscheidung bezüglich der gerichtsanhängigen Anträge zu stellen. 19

20 9. Niedergelassene Psychotherapeuten Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, sich in Krisensituationen oder bei besonderen Belastungen an einen Psychotherapeuten zu wenden. Je nach Qualifikation wird unterschieden zwischen Kinder-/Jugendlichen, Erwachsenentherapie und Familientherapie. Es gibt psychologische und ärztliche Psychotherapeuten, Familientherapeuten sind häufig auch Sozialpädagogen im Grundberuf. Drei therapeutische Schulen sind hervorzuheben: Verhaltenstherapeuten arbeiten auf der Grundlage, dass Störungen erlernt sind und ein Neulernen und Umlernen notwendig ist. Tiefenpsychologisch orientierte Therapeuten helfen bewusste, aber auch unbewusste Konflikte (d. h. z. B. sich widerstrebende Bedürfnisse) zu finden und zu lösen, um die persönlichen Bewältigungsmöglichkeiten zu verbessern. Familientherapien können helfen, verschiedene Rollen, die das einzelne Familienmitglied übernommen hat, zu entdecken und positiver und konstruktiver, d.h. durchsetzungsfähiger miteinander umzugehen. Sinnvoll ist das Gespräch mit einem Psychotherapeuten, wenn nach einer Trennung oder Scheidung Symptome auftreten, die nicht von selbst nach längerer Zeit wieder verschwinden und persönlichen Leidensdruck auslösen. Das können z. B. Schlafstörungen, Essstörungen, bedrückte Stimmung und Ängste, Arbeits- und Lernprobleme, Gefühle von Wut und Ausweglosigkeit sein, sowie körperliche Symptome, die neu auftreten oder sich verschlimmern, wie z.b. Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Asthma, Tics, bei Kindern Stottern, Einnässen oder Einkoten. Dies gilt auch, wenn die Kinder jedes Mal weinen und schreien, wenn sie zum anderen Elternteil müssen. Bei kleineren Kindern können manchmal auch Fähigkeiten verloren gehen, die schon erworben waren, z.b. in der Sprache. Bei gesetzlich Versicherten bezahlen Kassen bis zu fünf Probesitzungen, dies gilt auch für die meisten Privatkassen. Manchmal genügen diese wenigen Stunden schon, um das Wichtigste zu klären. Ansonsten kann im Rahmen dieser Probesitzungen herausgefunden werden, ob eine Psychotherapie sinnvoll und notwendig ist und ein entsprechender Antrag für die Übernahme der Behandlungskosten an die Krankenkasse gestellt werden soll. Die Kassen übernehmen dann in der Regel die Kosten für die Psychotherapie. Bei Privatkassen muss in den meisten Fällen ein Teil der Psychotherapiekosten selber übernommen werden. Familientherapien müssen leider selbst bezahlt werden. Eine Kinder- oder Jugendlichentherapie beinhaltet die Möglichkeit, auch die Eltern miteinzubeziehen. 20

21 III. Adressen und Kontakte a) im Landkreis Berchtesgadener Land Amt für Kinder, Jugend und Familie Landratsamt Berchtesgadener Land, Salzburger Str Bad Reichenhall, Tel.: ; Fax.: Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung- Lindenstr.6, Freilassing Tel , Fax oder Salzburger Str. 29 b, Bad Reichenhall Tel oder Rathausplatz 19, Berchtesgaden Tel oder Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Erzdiözese München und Freising Lindenstr. 6, rechter Eingang, 2. Stock, Freilassing Tel , Fax oder: Salzburger Straße 29b, Bad Reichenhall Tel Familiengericht Laufen Tittmoninger Str. 32, Laufen Tel Mediatoren Adressen s. oder 21

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