Zusammenarbeit der Kantone Zürich und Bern

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1 Staatskanzlei des Kantons Zürich Staatskanzlei des Kantons Bern Chancellerie d Etat du canton de Berne Zusammenarbeit der Kantone Zürich und Bern Bericht der Staatskanzleien der Kantone Zürich und Bern vom 26. Juni 2009 an ihre Regierungen

2 2 1. Ausgangslage und Aufbau des Berichts Die Kantone Zürich und Bern sind gemessen an der Bevölkerung und der Wirtschaftskraft die zwei wichtigsten Schweizer Kantone. Beide sind Universitätskantone und nehmen vielfältige Zentrumsaufgaben wahr. Dieser gesamtschweizerischen Bedeutung und finanziellen Belastung steht zu wenig entsprechendes politisches Gewicht gegenüber. Am 29. Februar 2008 trafen sich die Regierungen der Kantone Zürich und Bern zu einer Aussprache, unter anderem über die Zusammenarbeit zwischen den beiden Kantonen. Die Regierungen beauftragten die Staatskanzleien, die Möglichkeiten einer verstärkten Koordination der Interessenvertretung gegenüber den Bundesbehörden und im interkantonalen Rahmen abzuklären. Der vorliegende Bericht stellt die Situation der beiden grössten Schweizer Kantone Zürich und Bern im Kontext der aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen des schweizerischen Föderalismus dar (Abschnitte Hintergrund; Kantone Zürich und Bern in Zahlen). Im Weiteren geht er auf die Zusammenarbeit der Kantone Zürich und Bern ein. Die Zielsetzungen, Grundsätze und Beispiele konkreter Zusammenarbeit, mögliche Zusammenarbeitsfelder und Zuständigkeiten werden dargestellt, Schlussfolgerungen gezogen sowie Empfehlungen abgegeben. Der Bericht ist ein gemeinsames Papier der Staatsschreiber der Kantone Zürich und Bern an ihre Regierungen. Er soll als Entscheidgrundlage für die Verstärkung der Zusammenarbeit beider Kantone dienen. 2. Hintergrund Die verstärkte Zusammenarbeit der Regierungen der Kantone Zürich und Bern ist im Kontext der aktuellen Diskussionen über die Ausrichtung, die Form und den Inhalt des schweizerischen Föderalismus zu verstehen. Stärken, Schwächen und Chancen des schweizerischen Föderalismus Ein föderalistischer Staatsaufbau wirkt als Machtverteilungs- und Machtkontrollelement. Die Kompetenzzuteilung im Mehrebenensystem und der Einbezug der Gliedstaatenkammer im Parlament stabilisieren die Verhältnisse im föderativen Staat. Andererseits werden kritische Stimmen laut, die vom Bremsfaktor des Föderalismus sprechen und dabei Bezug nehmen auf das dichte Netz von checks and balances. Aus staatsrechtlicher Sicht stellt der Föderalismus eine starke Ausprägung der Machtund Gewaltenteilung sowie des Minderheitenschutzes dar. Die Gleichbehandlung der Kantone ist gewährleistet, was bei den grossen Disparitäten alles andere als selbstverständlich erscheint. Dies drückt sich auch im Ständerat aus, wo jeder Kanton mit einer Zweiervertretung Einsitz nimmt. In der Konferenz der Kantonsregierungen (KdK) verfügt jeder Kanton über je eine Stimme in der Plenarversammlung.

3 3 Im Sinne der politischen Ökonomie und der Theorien des Finanzföderalismus führt eine dezentrale Struktur aus finanzwissenschaftlicher Sicht zu effizienteren und kostengünstigeren Lösungen als eine zentralistische. Angebot und Nachfrage können im kleineren Raum besser aufeinander abgestimmt werden. Die ausgeprägte Kleinräumigkeit im schweizerischen Föderalismus verhindert auf der anderen Seite, dass von Skaleneffekten profitiert werden kann. Auch führt das Auseinanderdriften zwischen politischen Grenzen und den Lebens- und Wirtschaftsräumen zur Abnahme der fiskalischen Äquivalenz, da sich Nutzniesser öffentlicher Leistungen, Entscheidungsträger und Lastenträger nicht mehr decken. Die Kantone Zürich und Bern sind nicht nur, bedingt durch ihre Bevölkerungsgrösse, in absoluten Zahlen stark belastet. Es kann davon ausgegangen werden, dass sie auch relativ stärker belastet werden als andere, vorab an sie angrenzende Kantone. Das ausgebaute, professionell erbrachte und qualitativ hochstehende Angebot an (Dienst-) Leistungen der beiden Kantone wird auch von ausserkantonalen Konsumentinnen und Konsumenten in Anspruch genommen ( Spill-overs ). Dies kann es umliegenden Kantonen ermöglichen, auf eigene Angebote zu verzichten, was zu einer Verlagerung der Nachfrage zum Angebot hin führt, wodurch sich die höhere Belastung erklärt. Ähnliche Effekte sind auch zwischen den Zentren und der Peripherie zu beobachten und schlagen sich in der sogenannten A-Stadt-Problematik nieder (Alte, Arme, Ausgesteuerte, Alleinerziehende, Abhängige, Asylsuchende, Ausländer, Auszubildende etc.), die beide Kantone ebenfalls in einem hohen Ausmass betrifft. Entwicklungen im Föderalismus Der sogenannte kooperative Föderalismus hat sich nicht nur, aber vor allem auch in der Schweiz seit den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts als Antwort auf Tendenzen der Zentralisierung und des Verlusts an gliedstaatlicher Autonomie in Bundesstaaten entwickelt. Sichtbarer und wirksamer Ausdruck dafür ist in der Schweiz die neue Rolle der interkantonalen Konferenzen, insbesondere der 1993 gegründeten Konferenz der Kantonsregierungen (KdK). Diese ist nicht nur auf Bundesebene eine wichtige Kraft, sondern auch ein wesentliches Gefäss für die horizontale Zusammenarbeit der Kantone. Beispiele sind die Zusammenarbeit mit dem Bund bei der Nachführung der Bundesverfassung (BV) und der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) oder das Kantonsreferendum gegen das Steuerpaket Ein Bundesstaat lebt zwangsläufig in einem Spannungsfeld von Kooperation und Autonomie der Gliedstaaten. Dies ist solange unproblematisch, als einerseits die Gliedstaaten sich weiterhin als lebensfähig erweisen und bereit sind Verantwortung zu übernehmen, und anderseits Spillovereffekte im Grossen und Ganzen ausgeglichen werden und die grossen Kantone für ihre Zentrumslasten angemessen entschädigt werden. Mit der NFA und dem in diesem Zusammenhang entstandenen Art. 48a BV wird z.t. versucht, den genannten Dysfunktionalitäten zu begegnen.

4 4 Zunehmendes Spannungsverhältnis zwischen Föderalismus und Demokratie Die traditionellen Mitwirkungsinstrumente der Kantone im Föderalismusgefüge (Standesinitiative, Ständerat, kantonale Ausgewogenheit bei der Zusammensetzung des Bundesrates) sichern den kantonalen Organen nicht mehr die ihnen zustehenden Einflussmöglichkeiten zu. Vor allem bei der föderativen Institution des Ständemehrs tritt das Spannungsverhältnis zwischen dem Demokratie- und dem Föderalismusprinzip offen zutage: Die starke Veränderung in der demografischen Entwicklung der Kantone bewirkte im Laufe der Zeit eine massive Verschiebung zuungunsten des Demokratieprinzips one person, one vote. Die Mitwirkung der Kantone an der Bundespolitik ist von diesem Ungleichgewicht betroffen, indem die bevölkerungsstarken Kantone ein unterproportionales Stimmgewicht aufweisen. Eine Bevölkerungsminderheit von 20% verfügt im Rahmen von Doppelmehrabstimmungen über ein Vetopotenzial. Auf der anderen Seite sind die 70% der Wohnbevölkerung in urbanen Räumen unterrepräsentiert. Da Reformen am institutionellen Gefüge schwierig sind und sehr kontrovers diskutiert werden, müssen die Kantone andere Wege für eine bessere Mitwirkung an der Bundespolitik finden. Die Beteiligung im vorparlamentarischen Vernehmlassungsverfahren erlaubt eine direkte Willensäusserung der Kantone. Der Einfluss der Kantone muss allerdings auch hier relativiert werden. Einerseits steht es dem Bund frei, wie er die eingegangenen Stellungnahmen berücksichtigt, andererseits stossen insbesondere kleine Kantone durch die steigende Zahl an Vernehmlassungen an ihre Grenzen. Europafähigkeit der Schweiz Die von der KdK durch die Arbeitsgruppe Europa-Reformen der Kantone (EuRefKa) erarbeiteten Reformvorschläge haben gezeigt, dass die Schweiz ihre Europafähigkeit steigern muss. Die Vorschläge gilt es zügig umzusetzen, und zwar unabhängig von der Frage eines allfälligen EU-Beitritts der Schweiz. Die Erfahrungen in Österreich haben gezeigt, dass ein Ausbleiben von Reformen zulasten der Gliedstaaten geht. Die Länder haben im Rahmen des EU-Beitritts Österreichs wesentlich an Kompetenzen und Einfluss verloren. Für die Kantone Zürich und Bern ist der Zugang zum europäischen Binnenmarkt zentral für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Um die Mitwirkung der Kantone an aussenpolitischen Entscheiden zu gewährleisten, sind Art. 54f. BV und das Mitwirkungsgesetz konsequent umzusetzen. Für eine Verbesserung des Informationsflusses zwischen Bund und Kantonen und der Mitspracherechte der Kantone sind Anpassungen der Rechtsgrundlagen, der Strukturen und der Prozesse bei Bund und Kantonen an die Hand zu nehmen.

5 5 3. Die Kantone Zürich und Bern in Zahlen Die Kantone Zürich und Bern sind in Bezug auf ihre Bevölkerung und ihr wirtschaftliches Gewicht die bedeutendsten Kantone der Schweiz. Zusammen leben in den beiden Kantonen beinahe 2.3 Mio. Menschen, was einem Anteil von 30% der schweizerischen Gesamtbevölkerung entspricht. Im Anhang sind die Eckdaten dargestellt. Die beiden Städte Zürich ( Ew.) und Bern ( Ew.) sind die jeweiligen Zentren und Wirtschaftsmotoren in ihren Kantonen, in den Agglomerationen der beiden Hauptorte leben rund 1.1 Mio., bzw. 350'000 Menschen. Bereits im Nationalrat sind beide Kantone leicht unterrepräsentiert (Zürich 34, Bern 26 Vertreter/innen). Im Ständerat verfügen sie wie alle Vollkantone über je zwei Sitze. Bei den interkantonalen Institutionen wie der KdK, wo jeder Kanton über eine Stimme verfügt, werden die Beiträge pro Kopf der Bevölkerung berechnet. Zusammen erwirtschaften die Kantone Zürich und Bern 33% des schweizerischen BIP. Beide sind Universitätskantone und Standorte weiterer wichtiger Bildungsinstitutionen und verfügen über Kulturinstitutionen mit internationaler Ausstrahlung. 4. Zielsetzungen der Zusammenarbeit Die Kantone Zürich und Bern verfolgen mit ihrer intensivierten Zusammenarbeit folgende Hauptzielsetzungen: Sie wollen die gemeinsamen Interessen beider Kantone, etwa in der Gesetzgebung, der Wirtschafts- sowie der Finanz- und Fiskalpolitik gegenüber dem Bundesparlament, dem Bundesrat, der Bundesverwaltung und den Betrieben optimal einbringen. Dies kann durch Informationsaustausch bis zu Koordination bei der Vorbereitung von Stellungnahmen zu Bundesvernehmlassungen, bei der Betreuung der (eigenen) kantonalen Deputation im Bundesparlament oder bei der Einsitznahme in Arbeitsgruppen des Bundes erfolgen. Sie wollen als politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich gewichtige Akteure in wichtigen gesamtschweizerischen und die Kantone betreffenden Bereichen eine Führungsrolle übernehmen. Sie setzen entsprechende Themen auf die politische Agenda ( Agenda-Setting ), gestalten die laufenden Prozesse massgeblich mit und bringen sich aktiv in die Diskussion ein. Dies kann durch Zusammenarbeit, gemeinsame Interessenvertretung oder Absprachen in gesamtschweizerischen Konferenzen, insbesondere der KdK, aber auch mittels Allianzen in variabler Geometrie erfolgen. Sie leisten einen Beitrag zur Stärkung und Erneuerung des föderalistischen Gesamtsystems Schweiz.

6 6 Die beiden Stände ergänzen sich gegenseitig: Während dem Kanton Zürich wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell eine Metropolfunktion und -stellung für die Schweiz zukommt, erfüllt der Kanton Bern eine zentrale staatspolitische Aufgabe, einerseits für den Zusammenhalt über die Sprachgrenze hinweg als Brücke zwischen der deutsch- und der französischsprachigen Schweiz, anderseits als Mittler zwischen Wirtschaft und Politik (Hauptstadtfunktion). Durch dieses Zusammengehen sind positive Effekte und eine positive Dynamik der Zusammenarbeit auf die gesamte Schweiz zu erwarten. Im Rahmen des föderalistischen Labors wollen die Kantone Zürich und Bern Vorreiter in der Weiterentwicklung der staatlichen Institutionen, der Planungsprozesse, der Behördenorganisation oder der Aufgabenerfüllung mit der Entwicklung von Best-practice und Governance sein. Die gemeinsame Initiative ist nicht gegen andere gerichtet, sondern will bestehende Strukturen respektieren und im bestehenden System nach besseren Lösungen suchen. Sie soll aber nicht ausschliessen, dass Korrekturen am bestehenden System angedacht und umgesetzt werden. Im Weiteren will sie wichtige Impulse zur Festigung und Weiterentwicklung eines modernen, die aktuellen und kommenden Herausforderungen meisternden Föderalismus geben. Dies schliesst insbesondere einen Ausgleich zwischen Stimmkraft und Finanzierung der interkantonalen Institutionen, bei Ungleichzeitigkeiten (z.b. HarmoS) einen Föderalismus à deux vitesses und mittelfristig wohl auch ein Aufbrechen der kleinräumigen politischen Gliederung der Schweiz ein. Den Handlungsspielräumen und den Interessen der sprachlichen Minderheiten in der Schweiz ist besondere Beachtung zu schenken. 5. Grundsätze der Zusammenarbeit und Beispiele Eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Kantonen Zürich und Bern kann sich einstellen, wenn beide Kantone eine engere Zusammenarbeit als gewinnbringend erachten; die Voraussetzungen für eine engere Zusammenarbeit geschaffen und Bereiche möglicher Zusammenarbeit aktiv gesucht und gefunden werden; die Zusammenarbeit pragmatisch und einzelfallweise angegangen wird; beide Kantone mittel- bis längerfristig einen sichtbaren und symmetrischen Nutzen aus der Zusammenarbeit ziehen. Dabei gilt es als Einschränkung zu beachten, dass die Zusammenarbeit nur punktuell und nicht flächendeckend erfolgen kann; beide Kantone in vielen Bereichen nach wie vor in Konkurrenz zueinander stehen; sie ihre Interessen nicht immer gemeinsam verteidigen können; es immer Bereiche geben wird, wo eine Zusammenarbeit weder möglich noch erwünscht ist.

7 7 Folgende Beispiele bereits erfolgreicher Zusammenarbeit lassen sich nennen: VetSuisse (Konkordat): Fusion der Veterinärmedizinischen Fakultäten der Universitäten Bern und Zürich per 1. September 2006 mit den Zielen Sicherung der Qualität in Forschung, Lehre und Dienstleistungen sowie Ausbau der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz in der Veterinärmedizin. Unitectra (nicht gewinnorientierte Aktiengesellschaft): Organisation für den Technologietransfer der Universitäten Bern und Zürich mit den Hauptzielen Unterstützung bei der kommerziellen Umsetzung von Forschungsergebnissen, Aushandeln von Forschungsverträgen und Gründen von Spin-off Firmen. Zusammenarbeit im Bereich der Spitalplanung (Zusammenarbeitsvereinbarung): Verbesserung der Planungsprojekte, Vermeidung von Doppelspurigkeiten, Kosteneinsparungen durch gemeinsame Vergabe von Aufträgen. Zusammenarbeit auf Verwaltungsebene zur Koordination der Informationstätigkeit gegenüber der Zürcher und der Berner Deputation in den Eidgenössischen Räten. Soll die erfolgreiche Zusammenarbeit auf weitere Bereiche ausgedehnt und gefestigt werden, bedarf es einer koordinierten Vorgehensweise, die möglichst systematisch Bereiche der Zusammenarbeit prüft und gegebenenfalls eine Zusammenarbeit initiiert. So könnte etwa im Bereich der Finanzen eine Zusammenarbeit im Rahmen der Stabilisierungsprogramme des Bundes, bei den verschiedenen Steuerreformen oder auf technischer Ebene bei der Einführung des Harmonisierten Rechnungsmodells II (HRM II) von Interesse sein. Der Prozess (siehe grafische Darstellung im Anhang) kann Top-down, also von den Gesamtregierungen oder einzelnen Regierungsmitgliedern, sowie Bottom-up von den Verwaltungen angestossen werden. Die Umsetzung kann je nach Bedeutung eines Geschäfts oder Projekts durch die Regierungen (zentral) oder durch die jeweiligen Direktionsvorsteherinnen und -vorsteher (dezentral) erfolgen. Die Zusammenarbeit wird proaktiv gesucht oder reaktiv im Bedarfsfall angegangen. Im Sinne der variablen Geometrie kann es sich in bestimmten Bereichen aufdrängen, die Zusammenarbeit mit anderen Kantonen oder weiteren Partnern zu suchen. Im Vordergrund steht dabei die Zusammenarbeit mit anderen grossen Kantonen. Im konkreten Fall ist eine engere Zusammenarbeit unter folgenden Bedingungen möglich: Besteht Übereinstimmung in den Interessen beider Kantone, wird in diesem Bereich eine engere Zusammenarbeit geprüft. Erscheint diese für beide vorteilhaft, erfolgt die Umsetzung. Bestehen Differenzen in den Interessen beider Kantone in einem Bereich möglicher Zusammenarbeit, gilt es diese so weit als möglich auszuräumen und genügend Gemeinsamkeiten zu finden. Gelingt dies, erfolgt eine eingeschränkte Zusammenarbeit. Gelingt dies nicht, wird vorläufig auf eine Zusammenarbeit verzichtet.

8 8 Sind die Differenzen unüberwindbar, wird auf eine Zusammenarbeit verzichtet. Bereiche mit Differenzen gilt es zu beobachten, da durch die Veränderung der Ausgangslage eine Zusammenarbeit zu einem späteren Zeitpunkt möglich und sinnvoll werden kann. 6. Mögliche Bereiche vertiefter Zusammenarbeit Als Bereiche einer vertieften Zusammenarbeit zwischen den Kantonen Zürich und Bern kommen in Frage: Bereiche kantonaler Kompetenz; kantonale Vollzugsaufgaben; Bereiche, die den beiden Kantonen hohe Kosten verursachen; Bereiche, die in beiden Kantonen hohe Fallzahlen aufweisen; neue Aufgaben und Herausforderungen, die auf die Kantone zukommen. Zu den klassischen Bereichen kantonaler Kompetenz gehören die Regierungs- und Verwaltungsorganisation, das Gesundheitswesen, die Justiz oder die Infrastruktur. In den Bereichen Sozialwesen, Bildung und Verkehr fallen zusätzlich hohe Kosten an, während das Asylwesen, Arbeitsmarktmassnahmen oder der Straf- und Massnahmenvollzug sowohl durch hohe Fallzahlen als auch durch hohe Kosten gekennzeichnet sind. Neue Herausforderungen werden sich etwa in den Bereichen Familie, Jugend, Altersvorsorge oder Integration ergeben. 7. Zuständigkeiten in der Zusammenarbeit Die strategischen Entscheide in der Zusammenarbeit erfolgen auf der Ebene des Gesamtregierungsrates. Die beiden Regierungen treffen sich regelmässig zur Festlegung der mittelfristigen Planung und zur kritischen Evaluation der laufenden Zusammenarbeit. Gleichzeitig können neue Bereiche der Zusammenarbeit erörtert und konkrete Aufträge erteilt werden. Die Aussenbeziehungen werden grundsätzlich von den Direktionen im Rahmen ihrer Ressortverantwortung wahrgenommen. Beanspruchen die Kantone Zürich und Bern die Führungsrolle in einem Politikbereich, wird der Anstoss zur Zusammenarbeit von den Regierungen oder den jeweils zuständigen Direktionen ausgehen. Hier handelt es sich um neue Herausforderungen, denen sich die Kantone stellen müssen, oder um Geschäfte mit hoher kantonaler Relevanz. Für den Bereich der Interessenvertretung ( Lobbying ) gegenüber den Bundesbehörden (Eidgenössische Räte und Bundesrat) sind die Regierungen verantwortlich. Gegenüber anderen Organen (Bundesverwaltung, interkantonale Organe etc.) erfolgt die Kooperation auf Stufe der jeweils zuständigen Direktionen bzw. der Staatskanzleien. Diese sind

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10 10 Literaturverzeichnis Blöchliger, Hansjörg, Avenir Suisse (2005). Baustelle Föderalismus, Zürich: Verlag NZZ Bochsler, Daniel et al. (2004). Die Schweizer Kantone unter der Lupe, Bern: Haupt Frey, René L. (Hrsg.) (2005). Föderalismus zukunftstauglich?!, Zürich: Verlag NZZ Konferenz der Kantonsregierungen (Hrsg.) (2001). Die Kantone vor der Herausforderung eines EU-Beitritts. Bericht der Arbeitsgruppe Europa-Reformen der Kantone, Zürich: Schulthess Konferenz der Kantonsregierungen (Hrsg.) (2006). Zwischen EU-Beitritt und bilateralem Weg: Überlegungen und Reformbedarf aus kantonaler Sicht. Expertenberichte im Auftrag der Arbeitsgruppe Europa-Reformen der Kantone, Zürich: Schulthess Schneider, Markus (2004). Idée suisse. Was das Land zusammenhält und wer dafür bezahlt, Zürich: Jean Frey Verlag Vatter, Adrian (2006). Föderalismusreform Wirkungsweise und Reformansätze föderativer Institutionen in der Schweiz, Zürich: NZZ Libro Wagschal, Uwe, Rentsch, Hans, Avenir Suisse (2002). Der Preis des Föderalismus, Zürich: Orell Füssli Die Volkswirtschaft. Aktuelle Wirtschaftsdaten. Gefunden am 8. April 2009 unter

11 11 Anhang Kennzahlen zu den Kantonen Zürich und Bern: Zürich % Bern % Schweiz/alle Kantone Bevölkerungsgrösse (Stand 2007) 1' ' Fläche (in km2) 1'729 km '959 km '285 km2 Regionale Gliederung 12 Bezirke 5 Verwaltungsregionen / 10 V.-kreise Anzahl Gemeinden Wirtschaftseckdaten Netto Volkseinkommen zu Faktorkosten (absolut, in Mio. CHF, Stand 2005) Index Netto Volkseinkommen (CH = 100, Stand 2005) Beschäftigte ' Arbeitslosenquote Exporte 2006 (in Mia CHF) Importe 2006 (in Mia CHF) Politik Regierungsmitglieder 7 7 Anzahl Sitze Parlament Anzahl Ständeräte Anzahl Nationalräte Verwaltungspersonal (ohne angegliederte öffentl.-rechtl. Anstalten) Interkantonale Zusammenarbeit Anzahl Konkordate (2003) Mitgliedschaft regionale Regierungskonferenzen KdK (NRK, ORK, ZRK assoziiertes KdK, CGSO/WRK, NRK KdK, CGSO/WRK, NRK, ORK, ZRK Mitglied ohne Stimme) KdK Jahresbeitrag (2009) ' KdK Betriebskosten HdK ch Stiftung Jahresbeitrag (2008) Quellen: Bundesamt für Statistik (www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen.html) / Konferenz der Kantonsregierungen

12 12 Prozess der Zusammenarbeit Geschäft, Projekt, Problem, neue Herausforderung etc. proaktiv reaktiv Kantonsregierungen (Top-down / zentral) Direktionsvorsteherinnen und -vorsteher (Top-down / dezentral) Verwaltungen (Bottom-up) Bereiche möglicher Zusammenarbeit Prüfung der Zweckmässigkeit der Zusammenarbeit Zusammenarbeit evtl. später ja teilweise / indifferent nein Andere Kantone Zusammenarbeit / Unterstützung Andere Kantone

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