AM WOCHENENDE. Februar Bei einem Streik fallen am 22. Februar Züge und S-Bahnen aus: Millionen Kunden sind betroffen. Aus per Maus

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1 AM WOCHENENDE HBG MÜNCHEN, SAMSTAG/SONNTAG, 18./19. OKTOBER JAHRGANG / 42. WOCHE / NR. 240 / 2,60 EURO Die Spur der Bomben TOLLE TOMATE Optisch ist sie wieder gut in Form. Jetzt arbeiten Forscher sogar am Geschmack Wissen, Seite 37 FOTOS: MARIUS BECKER/DPA, GETTY, STEFAN DIMITROV, IMAGO Eine neue Generation junger Islamisten versucht, den Terror aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zu bringen Buch Zwei, Seite 13 TEMPOLÜGE Obwohl Anbieter schnelles Internet versprechen, stecken Handy-Nutzer im Funkloch Wirtschaft, Seite 25 EHER JAZZ Xabi Alonso über den Sound des FC Bayern und die Kunst, ein Fußballspiel zu lesen Sport, Seite 42 (SZ) Viele Jüngere wissen vielleicht nicht mehr genau, was Watergate bedeutet. Wie war das noch? Hat da vielleicht ein gewisser Nixon einem seiner Feinde bei Big Brother den Kopf unter Wasser gehalten? #Watergate? In der Netzgemeinde gibt es manche, die für die Kommentierung solcher und vieler anderer Fragen die nötige Zeit aufbringen; meistens Männer, die praktischerweise ohne sportliche oder schöngeistige Interessen sind sowie ohne Freundin. Aber den echten Big Brother und Waterboarding haben unsere amerikanischen Freunde erst kürzlich erfunden. Watergate war etwas anderes: US- Präsident Richard Nixon ließ 1972 seine Knechte ins Hauptquartier der oppositionellen Demokraten im Watergate-Gebäude einbrechen, aus heutiger Sicht eine erbärmliche, so was von gestrige Methode der Ausspähung. Über Nixon lässt sich wenig Gutes sagen. Vielleicht nur eines: Immerhin gab er der Welt gute Gründe, sich über ihn aufzuregen. Heute regt sich jeder ständig über alles auf, aber weniger über die Dinge selbst als über das, was andere darüber gesagt oder gepostet haben. Die anderen kommentieren es dann, woraufhin sie von Dritten beschimpft werden und ihre Follower die Dritten beleidigen, und das ist nur der Anfang. Solchen Debatten im Netz verleihen jene, die sie führen, gern das nach Watergate benannte Gütesiegel -gate. Stuttgart kennt, nicht untypisch, nur ein Mopsgate um eine verschwundene Hundeskulptur. Dieses Gate ist, im Gegensatz zum Dirndl- Gate einer inzwischen ebenfalls verschwundenen Partei namens FDP, nicht verwandt mit den diversen Nipplegates im Internet. Von solchen spricht man, wenn übel tätowierten Aktricen auf livestream der Bikini verrutscht. Harmloser das Schweizer Schnitzli-Gate : Ein auf der Limmat verkehrendes Boot nahm ein Kind nicht mit, weil es an einem Apfelschnitz knabberte und Essen an Bord streng verboten ist. Bleibt der Trost: Es gibt noch würdige -gates. Floridas Gouverneur Rick Scott, Republikaner, weigerte sich jetzt, ein Podium zu betreten, auf dem der Demokrat Charlie Christ hockte und sich kühle Luft von einem kleinen Ventilator zuführen ließ, englisch fan. Der Gebrauch elektronischer Mittel sei in Rededuellen unzulässig, wetterte Scott. Nun hat er Hohn und Spott am Hals und ein Fangate im doppelten Sinne. Das derzeit tobende Gamergate dagegen, Spieler-Gate, sieht so aus: Gewisse Gamer (siehe oben, Männer ff.) reagieren auf die von der US-Medienkritikerin Anita Sarkeesian gestellte Frage, ob das Frauenbild in Online-Ballerspielen nicht das von ziemlich bedauernswerten Tröpfen sei, mit Morddrohungen. Viel zu befürchten hat Frau Sarkeesian aber nicht. Wer ihr etwas antun wollte, müsste die virtuelle Welt ja verlassen. Doch wer so tief darin lebt, hat längst vergessen, wo eigentlich der Ausgang war. Medien, TV-/ Radioprogramm Forum & Leserbriefe, Rätsel 16, 63 Kino Theater 104, von detlef esslinger Der Streik, der an diesem Wochenende den Bahnverkehr in Deutschland lahmlegt, ist aus vielerlei Gründen besonders. Es kommt sehr selten vor, dass eine Gewerkschaft nur einen Tag nachdem der vorherige Streik zu Ende gegangen ist, zum nächsten aufruft. Noch seltener kommt es vor, dass ein Streik auf eine Dauer von 61 Stunden angesetzt ist. Und so gut wie nie passiert es, dass eine Gewerkschaft zum Streik übers Wochenende aufruft. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) betritt in ihrer Auseinandersetzung mit der Deutschen Bahn (DB) also eine neue Stufe der Eskalation. Indem sie seit Freitag, 15 Uhr, den Güterverkehr bestreikt und in der Nacht zum Samstag, zwei Uhr, zusätzlich den Fern- und den Regionalverkehr so weit wie möglich zum Stillstand bringen wollte, zielte sie nicht bloß auf irgendein Wochenende, sondern auf eines der verkehrsstärksten des Jahres, wie der Konzern erklärte. In elf Bundesländern sind Herbstferien, in neun beginnen oder enden sie. Am Wochenende ist zudem wieder Bundesliga, viele Sonderzüge für Fans fallen aus was die Gewerkschaft immerhin bedauert: gerade auch, weil Fußball eine verbindende Sportart ist, wie ein Sprecher sagte. Wie kann es sein, dass ein Tarifkonflikt in dieser Härte ausgetragen wird? An Wochenenden lassen Gewerkschaften normalerweise deshalb nicht streiken, weil den Beschäftigten in diesem Fall ihre Zuschläge entgehen. Entweder müssen Streikende also zu einem großen finanziellen Opfer bereit sein, oder die Gewerkschaft muss besonders tief in die Streikkasse Die Scheidung ist auf dem besten Weg zum Normalfall. Gesellschaftliche Ächtung war gestern, heute ist sie kaum mehr als ein soziales Ungemach. Schön ist sie trotzdem nicht, die Trennung von Tisch und Bett, meistens schmerzhaft, manchmal dramatisch. Deshalb ist jeder froh, wenn er die Sache zügig und halbwegs kostensparend hinter sich bringt. Das ist die emotionale Ausgangslage, auf der das Geschäftsmodell Online- Scheidung beruht. Es erspart den Betroffenen zwar nicht den Gerichtstermin, verheißt aber eine unbürokratische Abwicklung via Online-Formular. Scheidung ohne Stress, so werben manche Anwälte, zu Niedrigstpreisen, schnell, bequem, unkompliziert. Oder gleich eine echte Express-Scheidung : Für Eilige werde der Scheidungsantrag innerhalb von vier Stunden gestellt, verspricht eine Kanzlei. Nun aber ist ein Urteil bekannt geworden, das der Turbotrennung einen empfindlichen Rückschlag versetzen könnte. Ein Ehepaar wollte sich scheiden lassen, Eine gegen alle Ausgerechnet zu Ferienbeginn in mehreren Bundesländern ruft die Lokführergewerkschaft GDL zum Streik auf ein Ärgernis für Millionen Reisende. Sogar die Sonderzüge zu den Spielen der Fußball-Bundesliga fallen aus greifen. GDL-Chef Claus Weselsky nennt diese Arbeitsniederlegung einen Erzwingungsstreik er will die DB zwingen, mit ihm Verhandlungen fürs gesamte Zugpersonal zu führen: also nicht nur für Lokführer (wie bisher), sondern auch für Zugbegleiter, Bordgastronomen, Disponenten, Ausbilder und Lokrangierführer. Das ist das Komplizierte an diesem Konflikt: Es geht zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber eben nicht darum, dass die einen fünf Prozent mehr Geld fordern, die anderen aber nur ein Prozent bieten. Das wäre die übliche Debatte. Es geht darum, dass der Arbeitgeber so lange nicht mit der GDL für weitere Berufsgruppen neben Stillstand bei der Bahn* Oktober Binnen weniger Wochen kommt es mehrmals zu Ausständen. Allein am 25./26. Oktober fallen Regional- und S-Bahnen aus, etwa 2,7 Millionen Pendler sind betroffen. November Derselbe Tarifkonflikt führt zum bis dahin schwersten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn. *Eine Auswahl Februar Bei einem Streik fallen am 22. Februar Züge und S-Bahnen aus: Millionen Kunden sind betroffen. weshalb die Frau, eine russische Pianistin, das Online-Formular einer Anwaltskanzlei ausgefüllt hatte. Einvernehmlich verzichteten die Eheleute auf Ehegattenunterhalt und Versorgungsausgleich; vor dem Amtsgericht Leipzig schloss man einen Vergleich. Zwar hatte die Anwältin vorher mit ihrer Mandantin telefoniert. Aus Sicht des Landgerichts Berlin hat sie aber nicht eindringlich genug vor den Nachteilen eines Unterhaltsverzichts gewarnt: Das Gericht verurteilte die eilige Advokatin zum Ersatz jeglicher Schäden aus dem unvorteilhaften Deal. Von Online-Scheidung Aus per Maus September Ein bundesweiter Warnstreik bei der DB trifft am 1. September erneut viele Pendler und Fernreisende. Oktober Nach einer Urabstimmung legt die GDL am 7. und 8. Oktober erstmals die Arbeit nieder, am 15. und 16. folgt ein zweiter Ausstand. Die Gewerk- schaft kündigt an: Wir werden durchstreiken bis zum Ende. Anwälte entdecken das Geschäft mit der Online-Scheidung. Jetzt setzen Richter dem Gewinnstreben Grenzen hält das Landgericht nichts: Es erscheint von vornherein verfehlt, auf der Homepage mit einer Ehescheidung ohne Anwaltsbesuch zu den geringstmöglichen Kosten von Fachanwälten zu werben, schimpfen die Richter. Dies entbinde die Anwälte jedenfalls nicht von der Verpflichtung, die Mandanten umfassend zu beraten, weshalb ein solcher Hinweis im Internet irreführend und falsch ist. Im konkreten Fall, so das Gericht, hätte die Anwältin schon deshalb intensiver beraten müssen, weil ihre Mandantin als Russin vermutlich keine Vorstellung vom deutschen Scheidungsrecht habe. Und SZ-Grafik; Foto: dpa den Lokführern verhandeln will, solange die mit der Konkurrenzorganisation Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) darum streitet, welche Gewerkschaft für wen zuständig ist. Die EVG gesteht der GDL nur das Mandat für die Lokführer zu. Die Bahn will auf jeden Fall vermeiden, am Ende für dieselbe Berufsgruppe zwei Tarifverträge zu haben. Deshalb galt es auch als äußerst unwahrscheinlich, dass die DB den Streik noch abwenden konnte mit dem Angebot, welches sie der GDL noch eilig unterbreitete: fünf Prozent mehr Geld, bei einer Laufzeit von 30 Monaten; außerdem die Einstellung von 200 zusätzlichen Lokführern, damit in dem Konzern künftig weniger Überstunden als bisher anfallen. Das hörte sich zwar gut an, und vor allem der zweite Punkt kam einer Forderung der GDL recht nahe. Doch das Kalkül dahinter war offensichtlich. Einerseits war es das fünfte Angebot, wie Personalvorstand Ulrich Weber sagte. Andererseits war es auf die Lokführer beschränkt; für die anderen Berufsgruppen bot Weber lediglich Sondierungsgespräche an. Damit hatte das Angebot nach Einschätzung von Gewerkschaftern vor allem einen taktischen Zweck: die Lokführer die mit Abstand größte Gruppe unter den GDL-Mitgliedern ins Grübeln zu bringen. Wollen sie wirklich auf so viele Vorteile verzichten, nur weil ihr Anführer Weselsky unbedingt noch der Schutzpatron von Zugbegleitern werden will? Durchstreiken bis zum Ende, hatte der GDL-Chef vor zwei Wochen in der Süddeutschen Zeitung angekündigt. Für diese harte Linie gibt es noch einen weiteren Grund. Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einem Gesetz, das kleinen, aber mächtigen Gewerkschaften wie der GDL das Streiken erschweren soll. Im November soll der Entwurf vorliegen, und sein Kern wird sein, dass in einem Betrieb nur noch der Tarifvertrag derjenigen Gewerkschaft gelten soll, die dort die meisten Mitglieder hat. Weselsky streut seit Längerem die These, die staatseigene Bahn wolle den Streik so lange aussitzen, bis dieses Gesetz fertig sei. Bahn-Vorstand Weber beschrieb sein fünftes Angebot als eine Art tatkräftiges Dementi: Er bringe damit zum Ausdruck, dass wir die Zuständigkeit der GDL als führender Tarifpartner für Lokomotivführer anerkennen unabhängig von einer gesetzlichen Regelung. wie viel der Mann ein chilenischer Musiker mit Jobs im Ausland wirklich verdiene, sei auch nicht so ganz klar gewesen. Zwar lassen sich tatsächlich die Anwaltskosten reduzieren, wenn das auseinanderstrebende Paar sich selbst über künftige Zahlungspflichten einigt; dann muss nur ein Partner sich einen Anwalt nehmen. Eva Becker, Familienrechtlerin beim Deutschen Anwaltverein, warnt jedoch vor Kompromissen auf dürftiger Informationsbasis. Viele ihrer Mandanten die sich eigentlich schon geeinigt hätten kämen nach einer Viertelstunde anwaltlicher Beratung heftig ins Grübeln. Denn das Scheidungsrecht ist kompliziert. Das Bauchgefühl des Laien liegt da schnell um einige Zehntausend Euro daneben. Wenn etwa die Frau glaube, das Haus gehöre ihrem Mann, weil der ja im Grundbuch stehe, dann sei das oft falsch, sagt Becker. Das gemeinsam gebaute Haus zähle meist zum Zugewinn. Wer darauf verzichte, verschenke womöglich das halbe Haus. wolfgang janisch Keinerlei Durchbruch Ukraine-Gespräche in Mailand enden ohne Ergebnis Mailand Bei einem Treffen von Russlands Präsident Wladimir Putin mit dem ukrainischen Staatschef Petro Poroschenko und westlichen Politikern sind Hoffnungen auf Frieden im Donbass erneut enttäuscht worden. Hier kann ich keinerlei Durchbruch bis jetzt erkennen, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bei mehreren Treffen am Rande eines Europa- Asien-Gipfels ging es um die Umsetzung der in Minsk ausgehandelten Vereinbarung für einen Waffenstillstand im Osten der Ukraine. Merkel stellte klar, dass es Fortschritte nur in Detailfragen gegeben habe. So habe Putin Entgegenkommen beim Plan gezeigt, die Waffenruhe durch Drohnen zu überwachen und eine russische Beteiligung angeboten. Putin sprach von guten Gesprächen. Ein Kreml-Sprecher hatte aber zuvor eine absolut voreingenommene Haltung westlicher Teilnehmer beklagt. Die russische Seite warnte überdies vor Engpässen bei der Gasversorgung im Winter. Der ukrainische Präsident Poroschenko sprach allerdings von Fortschritten im Gasstreit. dbr Seiten 4 und 7 Mit Stellen- und Motormarkt Pflege-Reform verabschiedet Berlin Der Bundestag hat die erste Stufe der Pflegereform der großen Koalition verabschiedet. Mit dem Gesetz erhalten die 2,6 Millionen Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen von 2015 an höhere finanzielle Leistungen und verbesserte Betreuungsangebote. Um die Maßnahmen zu finanzieren, steigt der Beitragssatz um 0,3 Prozentpunkte. Die Zahl der Betreuungskräfte in Heimen steigt von auf reuters Seite 6 TAGS DAS WETTER 23 /6 NACHTS Nach zähem Nebel ist es verbreitet freundlich und trocken. Im Nordwesten und Norden kann es ein wenig regnen oder nieseln. Die Temperaturen erreichen 17 bis 23 Grad. In Nebelgebieten bleibt es kühler. Seite 16 und Lokales Süddeutsche Zeitung GmbH, Hultschiner Straße 8, München; Telefon 089/2183-0, Telefax -9777; Anzeigen: Telefon 089/ (Immobilien- und Mietmarkt), 089/ (Motormarkt), 089/ (Stellenmarkt, weitere Märkte). Abo-Service: Telefon 089/ , A, B, E, F, GR, I, NL, SLO, SK: 3,40; dkr. 27; 3,40; kn 31; sfr. 5,00; czk 101; Ft 910 Die SZ gibt es als App für Tablet und Smartphone: sz.de/app

2 2 THEMA DER WOCHE HBG Samstag/Sonntag, 18./19. Oktober 2014, Nr. 240 DEFGH DEUTSCHLANDS NEUE WOCHENENDZEITUNG Nichts ruht, alles bewegt sich die Welt, der Sport, das Angebot einer Zeitung. Auch deshalb geht die Süddeutsche neue Wege. Welche das sind, lesen Sie hier Die Tageszeitung ist ein sonderbares Ding. Einerseits wird ihr Charakter unter anderem dadurch definiert, dass ihre Leser jeden Tag etwas grundlegend Neues erhalten wollen. Andererseits nehmen dieselben Leser zwar mit wechselnd intensivem Interesse zur Kenntnis, wie sich die Welt, das Land oder ihre Heimatstadt jeden Tag verändern, aber dennoch möchten sie häufig, dass ihre Zeitung so bleibt, wie sie ist. Sie haben sich an eine gewisse Ordnung gewöhnt, sie erwarten, dass die Kommentare auf der Seite 4 stehen und dass die Wissenschaft zwischen dem Feuilleton und der Wirtschaft zu finden ist. Als Zeitungsmacher weiß man, wie wichtig für viele Käufer, zumal für viele Abonnenten, die Gewohnheit ist. Sie kennen sich in ihrer Zeitung aus, sie ist, glücklicherweise, ein Teil ihrer geistigen Heimat, und im besten Fall führt das dazu, dass sie ihrer Zeitung Vertrauen entgegenbringen. Dieses Vertrauen ist eine feine Sache, menschlich, journalistisch und ökonomisch. Es bedeutet, dass die Zeitung, die Süddeutsche, Teil des Lebens vieler Menschen ist, dass sie vielleicht sogar darauf warten, was sie in der SZ über Syrien, die Buchmesse oder den Münchner Stadtrat lesen können. Ein Blatt von überregionalem Anspruch ist längst nicht mehr nur Informationsquelle Meinung Gegenüber der gewohnten Seite mit Meinungsäußerungen aus der Redaktion wird die Seite geöffnet für Gastkommentare und einen Pressespiegel, den einer unserer vielen Korrespondenten zusammenstellt. Dazu eine neue Kolumne der Autorin Carolin Emcke. Das Beste zweier Welten Die Süddeutsche Zeitung hat sich in der Vergangenheit immer wieder gewandelt. Sie tut es jetzt ein weiteres Mal. Und das nicht zufällig am Wochenende Nun hat sich auch die SZ durchaus in den vergangenen Jahren immer wieder verändert. Wir haben neue Formen eingeführt (den Kasten auf der Seite 1 etwa, das Tagesthema auf der Seite 2), haben ganze Ressorts wie zum Beispiel München, Bayern, Region umgebaut oder das Layout, das äußere Erscheinungsbild, sowie die Schrift verändert. Das alles geschah zumeist mit Augenmaß und relativ behutsam. Viele Leser fanden es gut, andere nicht und die haben uns das oft deutlich wissen lassen. Uns ist also sehr bewusst, dass bei aller Aktualität und Modernisierung eben jenes durch Tradition und Gewöhnung gewachsene Vertrauen erhalten werden muss. Von diesem Samstag an gehen wir wiederum neue Wege. Die Tageszeitung, zumal ein Blatt von überregionalem Anspruch wie die Süddeutsche, ist längst nicht mehr nur Informationsquelle. Informationen, Nachrichten gibt es zuhauf und sehr schnell im Internet, über Radio und Fernsehen. Information ist beileibe nicht mehr das Hauptgeschäft der Journalisten. Die SZ hat sich auch deswegen über die Jahre hinweg gewandelt. Was einst die Aktualität war, ist heute die Exklusivität viele Informationen stehen zuerst in der Seite Mit eindrucksvollen Bildern weisen wir auf ausgewählte Themen der Zeitung hin. Sie spiegeln die Vielfalt des Angebots am Wochenende wider. Unterhalb des Titels werden die Inhalte kompakt präsentiert. Dafür rückt Das Streiflicht nach unten. Genauso wie der Kasten, der Platz macht für eine längere Aufmachergeschichte. von kurt kister Die neuen Seiten SZ, und dann verbreiten sie auch die anderen Medien. Wir bemühen uns außerdem sehr um Einordnung, wir unterhalten ein großes Korrespondentennetz, wir recherchieren und schreiben Hintergrundgeschichten, die sich nicht immer, aber doch auch nicht selten sogar unterhaltsam lesen. Unsere Kommentatoren beziehen deutlich Stellung, manchmal so deutlich, dass Andersmeinende sich provoziert fühlen und Verschwörungstheoretiker verschiedenster politischer Couleur nach unseren vermeintlichen Auftraggebern fahnden. Wir machen immer noch eine Tageszeitung, aber die hat immer häufiger auch Merkmale eines Wochenblatts oder eines Magazins. Am Wochenende werden wir in Zukunft eine Art Liebesheirat zwischen Tageszeitung und Wochenblatt eingehen. Die konkreten Neuerungen haben wir zusammengefasst und auf dieser Seite optisch präsentiert sie reichen vom neuen, opulenten Buch Zwei über den großen Wissenschaftsteil bis hin zu den Büchern Gesellschaft und Stil. Geübte SZ-Leser werden anderswo in der Wochenendzeitung weitere Veränderungen entdecken. Da gibt es eine zusätzliche Meinungsseite mit einer Kolumne von Carolin Emcke, neue Formate in den verschiedenen Ressorts oder die wöchentliche Kinderzeitung. Und ja, die Wochenendzeitung sieht anders aus. Die Bildsprache ist großzügiger, manche Grafiken sind dies auch, die Seitengestaltung ist hier luftiger und dort gewagter. Wir drucken manchmal größere Bilder und Illustrationen, tun dies aber nicht, weil wir zu wenig Text haben oder weil, ein beliebtes Vorurteil, es so billiger wäre, die Seiten zu füllen. Nein, gute Bilder sind keineswegs billig. Aber sie erzählen manchmal eine eigene Geschichte. Gelegentlich ist dies eine Parallelgeschichte zum Text; hin und wieder erläutert sogar der Text nur eine großartige Bildergeschichte. Das ist für eine Tageszeitung nicht unbedingt üblich. In unserer Wochenendzeitung allerdings wollen wir auch immer wieder solche Bild-Text-Geschichten erzählen. Natürlich wird die SZ auch am Wochenende eine Zeitung der Autorinnen und Autoren und damit eine Zeitung der Leserinnen und Leser bleiben, auch wenn man am Wochenende häufiger mal andere grafische Elemente oder eine großzügige, nahezu künstlerische Seite wie das Großformat im Feuilleton findet. Artikel, Essays, Analysen, Kommentare, Reportagen und Hintergrundgeschichten wird es eher mehr als bisher geben. Die Wochenend-SZ soll die Leser schließlich über zwei Tage begleiten. Was man am Samstag noch nicht liest, kann man sich für den Sonntag aufheben. Und es wird jede Woche etliche Artikel geben, an denen auch der Leser merkt, wie viel Zeit sich die Autorin oder der Reporter für Recherche und Schreiben genommen hat. Wir nehmen uns mehr Zeit dafür, die wir in gewisser Weise in Form der Wochenendzeitung an die Leser weitergeben. Trotz alledem soll auch die Wochenendausgabe der SZ eine Tageszeitung bleiben. So wie unsere Leser von Montag bis Freitag das Neue und Wichtige aus der Zeitung erfahren, werden sie das auch weiter am Samstag tun können. Und wenn am Ein umfassendes Angebot: die tägliche Zeitung und der wöchentliche Hintergrund Wochenbeginn dann die Wochenblätter, die so zwischen Donnerstag und Montag erscheinen (bald häufiger am Samstag), allmählich Patina ansetzen, gibt es die neue SZ am Montag, dann die am Dienstag, am Mittwoch und so weiter. Es ist von Vorteil, eine Tageszeitung zu machen (und zu lesen), die immer wieder das Beste aus zwei Welten bietet: aus der täglichen Zeitungswelt und dem wöchentlichen Hintergrunduniversum. Das Wochenende ist nun einmal Lebens- und damit auch Lesezeit. Selbst etliche von jenen, die viel am Bildschirm, welcher Größe auch immer, lesen oder lesen müssen, nehmen an einem Samstagnachmittag oder zum Sonntagsfrühstück gerne eine Zeitung in die Hand. Deswegen gibt es Sonntagszeitungen (allerdings nicht am Sonnabend), und deswegen zielen Magazine nun auch auf den Samstag (bis die so weit sind, dauert es noch ein wenig). Nächstes Jahr gibt es dann samstags immer ein kleines Gedränge am Kiosk. Aber da die SZ ja kein Wochenmagazin ist, sondern von heute an glücklicherweise eine Samstags-Wochenend-Zeitung, die es am Montag schon wieder neu gibt, freuen wir uns mit den Lesern auf das Wochenende jetzt und die kommenden Jahre. Haben Sie Fragen oder Anregungen zu unserer neuen Wochenendzeitung? Schreiben Sie uns. Einfach per unter oder per Post an: Süddeutsche Zeitung GmbH, Stichwort: Neue Wochenendzeitung, München Buch Zwei Wenn in Redaktionen von Büchern gesprochen wird, sind damit die einzelnen Teile der Zeitung gemeint, die sogenannten Seitenbündel. Das erste Buch ist das Politik-Buch. Zwischen diesem und dem dritten Buch, dem Feuilleton, wird von jetzt an jedes Wochenende das Buch Zwei zu finden sein. Darin wird es in unterschiedlichen Erzähl- und Darstellungsformen stets um ein einzelnes Thema gehen. Wissen Unter der Woche stehen die Wissenschaftsthemen auf einer eigenen Seite am Ende des Feuilletons. Weil diese Themen beim Leser besonders beliebt sind, gibt es nun am Wochenende ein ganzes Wissensbuch. Auf den Mittelseiten ist Platz für große Info-Grafiken, eine ausführliche Reportage oder für die spannende Aufbereitung einer komplexen Materie. Die Bundesliga zum Frühstück SZ startet die digitale Zeitung Sport am Wochenende Der Sport ist atemlos geworden, er gönnt sich keine Pausen. Einst gab es für alle, die sich für Bundesligafußball interessierten, nur eine feste Verabredung: Samstag, Uhr, Anpfiff auf allen Plätzen. Früh am Abend folgte die ARD-Sportschau, spät am Abend das ZDF-Sportstudio, und am Montag, mit etwas Distanz zum Geschehen, wurde alles Vor- und Hintergründige im opulenten Montagssport der Süddeutschen Zeitung zusammengefasst. Mittlerweile rollt der Ball längst Tag für Tag, rund um die Uhr, und die Bundesliga hat die neun Duelle eines Spieltags im Salami-Verfahren auf Freitag, Samstag und Sonntag verteilt. Eines vorweg: An Qualität und Umfang des traditionellen Montagssports in der SZ wird sich nichts ändern, wenn die Sportredaktion jetzt noch einmal das Tempo erhöht. Beginnend mit diesem Wochenende eröffnet der SZ-Sport all jenen ein zusätzliches Angebot, die sich digital auf einem Tablet-Computer oder auf dem Smartphone informieren wollen. Im digitalen Sport am Wochenende werden die Leser aktuell und in SZ- Qualität über alle Ereignisse des Weltsports informiert. Im Zentrum steht natürlich die Bundesliga, die SZ-Reporter werden mit ausführlichen Stücken aus allen Stadien aktuell berichten. Sie werden aber auch beim Skirennen in Kitzbühel, beim Tennis in Wimbledon oder der Formel 1 in Melbourne an Ort und Stelle sein. Der digitale Sport erscheint samstags um 22 Uhr Die digitale Zeitung Sport am Wochenende wird in der Regel an jedem Samstag von 22 Uhr an nach dem Abendspiel der Bundesliga, aber vor dem Sportstudio im Kiosk der App SZ Digital für alle Tablets und Smartphones zu entdecken sein. Die Ausgabe ist für Digital-Abonnenten umsonst; im Einzelverkauf kostet sie 89 Cent. Alle Print-Abonnenten und Leser, die noch kein Digital- Abo abgeschlossen haben, können sich einen 14-tägigen, kostenlosen Testzugang anlegen, der automatisch endet. So können unsere Leser die digitale Tageszeitung, die neue SZ am Wochenende und das digitale Sport-Wochenende kennenlernen. Alle Informationen zu diesem erweiterten Sport-Angebot gibt es im Netz unter: Die Sportredaktion der SZ präsentiert sich ihren Lesern also künftig am Wochenende im medialen Dreiklang. Dieser ist aufeinander abgestimmt und wird sich inhaltlich ergänzen. In der Samstag- Ausgabe stehen zur Einstimmung die großen Lesestoffe, wie in dieser Ausgabe das Interview mit dem Spanier und FC-Bayern-Profi Xabi Alonso. Der digitale Sport am Wochenende transportiert dann unmittelbar die Emotionen eines Spieltags. Was geschah am Samstag? Und: Was wird am Sonntag wichtig? Gedacht ist das als die frische, die besondere Lektüre für das Sonntagsfrühstück. Abgerundet wird das Angebot mit dem traditionellen SZ-Montagssport, mit Kommentaren, Glossen, Hintergrundberichten und Porträts. Der Montagssport leitet außerdem über in die Champions- League-Woche. Wie gesagt: Der Ball ruht nicht mehr. klaus hoeltzenbein Großformat Auf der letzten Seite des Feuilletons sind Künstler eingeladen, jede Woche einen Blick in ihre Werkstatt zu gewähren. Das kann von der unveröffentlichten Kurzgeschichte eines Autors bis zu den Skizzen eines Malers auf einer Serviette reichen. Hier wird nicht über Kultur berichtet, hier wird Kunst ausgestellt. Gesellschaft In diesem Teil wird erklärt, was die politischen und gesellschaftlichen Debatten für den Einzelnen bedeuten. Hier findet sich auch das große Wochenend-Interview wieder. Die Lebenswirklichkeit von Familien wird ebenso beschrieben wie die Suche nach dem rechten Glauben. Für Sechsbis Zwölfjährige gibt es eigene, altersgerecht aufbereitete Seiten zum Herausnehmen. Stil Dieses neue Buch widmet sich dem Genuss und der schönen Lebensart. Modemacher und Designer werden genauso porträtiert wie Architekten, Winzer und Spitzenköche. Auf einer eigenen Seite testen Experten Produkte für alle Bereiche des täglichen Lebens. Und dazu jedes Wochenende eine ganze Seite mit Rätseln und Spielen, von Schach bis Sudoku. Rubrikenanzeigen In dieser Ausgabe auf folgenden Seiten: Kunst und Antiquitäten Seite 10 Verschiedenes Seite 28 Wirtschafts- und Finanzanzeigen Seite 29 Bildungsmarkt/Verkäufe Seite 40 Stellenteil Seite Reisemarkt Seite 92 Motormarkt Seite Heiraten/Bekanntschaften Im Lokalteil Veranstaltungen Im Lokalteil Der Immobilien Kauf- und Mietmarkt erscheint in der Freitag-Ausgabe, Anzeigenschluss: Mittwoch, 18 Uhr Anzeigenschluss für Samstag: Stellenanzeigen: Donnerstag, 11 Uhr Übrige Rubriken: Donnerstag, 16 Uhr B

3 DEFGH Nr. 240, Samstag/Sonntag, 18./19. Oktober 2014 HF2 DIE SEITE DREI 3 von alexander gorkow The world is my oyster HOLLY JOHNSON, 1984 Es ist ein goldener Nachmittag im Oktober, die Sonne wirft ein warmes Licht auf den Westen Berlins und so auch aufdie Terrasse des italienischen Restaurants hinter dem KaDeWe. Holly Johnson will das Hotel verlassen, in dem er seit dem Morgen Interviews gibt, er geht wie ein Tänzer, die Fußspitzen nach außen, es ist ein athletischer, exakter Gang, und beim Reden hier draußen, bis es stockfinster ist in Berlin, ist es die Klarheit seiner Erscheinung, die korrekte Körperhaltung, die mit der Klarheit seiner Sätze, seiner Gedanken, seiner leisen Trauer, seiner großen Freude korreliert. Alles an ihm ist aufeinander abgestimmt, selbst die Farbe der Krawatte auf seine Augen. Du weißt, ihm gegenübersitzend: Der quatscht nicht, sondern der spricht. Der giggelt nicht, sondern der lacht. Er nimmt sich alle Zeit, aus dem angedachten Termin werden etliche Stunden. Doch die ganze, grundsätzlich heitere Akkuratesse seiner smarten Erscheinung warnt dabei in jeder Sekunde: Lass sie uns nicht vergeuden, diese Zeit. Am Vortag ist Holly Johnson nach Berlin geflogen, sein Gepäck ist dabei verloren gegangen, was für die meisten Menschen ein Problem ist und für ihn ein großes Problem. Er ist ein Mann, noch lange nicht alt, aber auch nicht mehr jung, er sieht sehr gut und sehr gesund aus, ist es aber nicht im herkömmlichen Sinne. Wenn der Koffer mit den Medikamenten in London zurückbleibt, ist er in Not, und es musste dann am Vorabend also ein Notfallplan her, bis der Koffer wieder auftauchte. Sein Leben, das vor dreißig Jahren loderte und das vor zwanzig Jahren nahezu erlosch, es hallt wie ein etwas irremachendes Echo in diesen abklingenden Tag hinein; man denkt an das elegante, dunkle Tanzepos Welcome to the pleasuredome seiner alten Band Frankie Goes To Hollywood. Darin zerschlägt er mit seinem Ha! die Akkorde wie ein Karatekämpfer einen Stapel Wackersteine. Dann war da diese unglaubliche Ansage, ein gefährlicher Bariton, und die Dicke-Hose-Geste schlechthin: The world is my oyster. Wer schuf das wahre Opus magnum der 80er-Jahre, den Pop für die Strände von Brighton und Ibiza wie für die Schwulendiscos von New York oder München wie für die herrlichen Proletenläden des Ruhrgebiets? Genau. Relax? Ein Musikmagazin schreibt: Es ist der Song, der das Jahr 1984 verspeiste. Als Holly Johnson das tat, war er Anfang 20. Was ihn, abgesehen von der säuischen Konnotation, zu der interessanten Parole mit der Auster bewogen habe? Es fühlte sich an, als ob ich in der Welt nicht, wie soll ich sagen, irgendwie herumbrüte. Sondern: Sie gehört mir. Es ist meine Welt. Sie schmeckt mir. Und dann verspeise ich sie. Wie lange war die Welt seine Auster? Die Welt war für einen Tag meine Auster. Nein, um genau zu sein, halten wir uns an Andy: Es waren exakt 15 Minuten. Er wischt durch die Luft: Sisssssssh, and over it was. Dass es später so war, dass die Auster fast Holly Johnson verspeist hätte statt umgekehrt, das liegt nicht in der Natur der Kunst, sondern in der Natur einer höhnischen Instanz namens Schicksal. Die Haltung Holly Johnsons der Kunst wie dem Leben gegenüber ist aber dieselbe: Es ist die Haltung des Helden hinter der Maske des nonchalanten, dabei in Wahrheit todesmutigen Conférenciers seiner eigenen Existenz. Wir werden sehen. Dieses Leben beginnt 1960, es rauscht durch die 1970er in glühender Sehnsucht nach den space cadetts Bowie und Bolan, es spuckt dann selbst Feuer mit Furor in den Arenen der 1980er-Jahre, und dann rast dieses Leben mit einem Mal, schwach und krank, Anfang der 1990er aufs Ende zu wie eine liebe, bunte Mondrakete, die verglühen oder blöd durchs All schwirren wird für ewig. In Liverpool, um die Penny Lane herum, existiert ein Energiefeld, und dieses Energiefeld ist ein real existierendes Wunder. Es versorgt die mit den richtigen Antennen ausgestatteten Arbeiterkinder in einer rauen Stadt mit Licht, Zuversicht und Humor. Eines dieser Kinder, der kleine Holly, klebt in dieser Zeit ein Poster nach dem anderen über die Tapete seines Kinderzimmers. Er hat sich entschieden: Für die Beatles, gegen die Stones. Penny Lane is in my ears and in my eyes. Er sagt: Du musstest Partei ergreifen, Stones oder Beatles. Ich verehre die Schönheit der Musik der Beatles, es ist eine endlose, nicht zu erklärende Schönheit. Es waren die 1960er-Jahre, als die Welt so schlecht war wie heute, aber voll unfassbar schöner Melodien. Der Junge mit dem hübschen, zu Streichen aufgelegten Gesicht ist das, was Lehrer in ihrem Wahn aus Gönnertum und Anmaßung als ein sensibles, aufgewecktes Kerlchen bezeichnen. Menschen, die ihm so kommen, wird das sensible, aufgeweckte Kerlchen bald brüskieren, indem er eine Musik in die Welt setzt, bei der Lehrer tomatenrot werden. Zunächst aber schreibt der kleine Holly Gedichte, und er spielt lieber mit den kleinen niedlichen Mädchen als mit den kleinen bescheuerten Jungs. Wird erwachsen. Wird schwul. Wird wütend. Beginnt ein Kunststudium. Träumt vom Ruhm: Ich bin in Liverpool, wie soll ich sagen, gewissermaßen aus dem Fenster des Art College und hinein in die Karriere eines Popstars gefallen. In den 1980er- Jahren, als die Welt so schlecht war wie heute, dazu voller schlimmer Möbel, scheußlicher Kleider und grotesker Frisuren, konnte Pop noch Leben retten. Er war keine ausschließlich frivole, sondern schon auch eine bedeutende Sache. Der schwule Holly und sein schwuler Schnurrbartkumpel Paul Rutherford jedenfalls hatten sich nach einer Kurzkarriere in der angesagten, aber erfolglosen Undergroundband Big In Japan mit ein paar heterosexuellen Rockmusikern zusammengetan, und so gründeten fünf Knalltüten aus Liverpool (Die Zeit, 1985) in London Frankie Goes To Hollywood. Man kann die Freude, die dieses Zeichensystem aus pumpenden Beats, tief ein- und ausatmenden Arrangements, 60-Mann-Orchestern und dem sensationellen Sänger Holly Johnson damals auslöste, leicht wieder einfangen: Zum Beispiel ist es amüsant, die irre schlecht gelaunten Zeitungsartikel noch einmal zu lesen. Frankie sind eine Band, die in der Sekunde ihres Erscheinens wegen des versauten Textes des Monsterhits Relax ( Es ist der Song, der das Jahr 1984 verspeiste, schreibt das Magazin Word) einen Skandal auslöst. Die BBC übt Zensur aus. Die Feuilletonisten hingegen sind, wie es Holy Vor 30 Jahren revolutioniert dieser Mann mit Frankie Goes To Hollywood den Pop. Dann entwischt er dem Tod um Haaresbreite. Ein Abend mit Holly Johnson, über die Kunst, das Leben und die Kunst zu überleben Holly Johnson, 54, Sänger, Maler, Kunstkritiker. Auf der Tour wird er neben den neuen Liedern seiner CD Europa auch all die Hits seiner alten Band spielen. Im Übrigen lebt dieser Mann ein Wunder: das einer bürgerlichen Existenz. FOTO: ANTONY JONES/GETTY IMAGES ihre Art ist: misstrauisch. Will man sie etwa an der Nase herumführen? Ein Crooner, der aussieht, als ob er ein Klappmesser mit sich führt, dazu dieser unfassbare Tänzer mit dem Schnurrbart? Diese postnukleare Version der West Side Story ist too much und jedenfalls sehr verdächtig. Frivol und heroisch: Holly Johnson, der sich als Kunstliebhaber schon damals mit der Macht der Zeichen auskennt und als Liebhaber der Bücher von Genet und Burroughs auch mit der Sprache der Provokation, er sagt heute mit dieser scharfen Intonation aus Liverpool: Der tanzende Paul war die erste, vollkommen eindeutige Gay-Konnotation in der Popgeschichte. Wer hat es zugegeben? Freddie Mercury nicht wirklich bis einen Tag vor seinem Tod, Boy George nicht...die Plattenfirmen wollten es nicht. Du sagst, du bist schwul, und schon verkaufst du keine Platten mehr im Mittleren Westen der USA. Es war dieselbe deprimierende, subtile wie strukturell faschistische Schwulenfeindlichkeit, die es immer noch gibt. Du hast sie im Profi-Fußball. Du hast sie in Hollywood. Seine Heiterkeit wird ein wenig bitter, aber selbst seine Bitternis serviert er süßsauer: So spricht ein angefasster Mann, der aber trotzdem von einer Sekunde auf die andere mit Melone und Stock auf nassem Asphalt Singin in the rain vortragen könnte. Er steht damals im Vivienne-Westwood-Anzug in den Konzerthallen und ruft den Zigtausenden zu: Pleasuredome, errrect! und I m shooting in the right direction, und das nun war keine Anspielung auf eine Smith & Wesson, sondern auf etwas viel Härteres, meine Damen und Herren. Und es sprach ja nicht zuerst schwule Clubgänger an, sondern vor allem das verwirrte, hedonistische Heteropublikum einer ratlosen Epoche: Schwule wollen auf der Bühne dezidiert keinen kleinen Mann aus Liverpool, sagt er, sie wollen eine Göttin: Kylie, Madonna, Barbra Streisand, Kate Bush. Noch immer neigt er dazu, sich etwas kleiner zu machen, als er ist. Dabei war er schon damals das, was einer der interessantesten Musiker der deutschen Gegenwart, der Pianist, Komponist und Stimmperformer Jens Thomas, heute als perfekte Pop-Art bezeichnet: Schon die alten Hits von Johnson, wie The Power Of Love oder Welcome To The Pleasuredome bewegen sich phantastisch zwischen Pop-Irrsinn und echter Kunst, das ist großes Kino und richtig gutes, sehr individuelles Songwriting. Vor allem ist da seine starke Stimme, er ist ein wirklich brillanter, facettenreicher Sänger. Und diese Mischung aus handwerklichem Können, emotionaler Tiefe und Popappeal ist extrem außergewöhnlich. Ich fürchte, dass dies alles in dem Hype um seine alte Band damals etwas untergegangen ist. Allein die Qualitätspresse jammert in den 80ern das Ende der handgemachten Musik herbei, als würde das, was Frankie macht, mit den Füßen hergestellt. Die große Frage: Ist diese Band nun ein Hochamt des Kapitalismus, oder ist sie hoffentlich die ironische Apokalypse desselben? Kratzkratz. Grübelgrübel. Die Zeit klagt im Herbst 1984, da rasten Millionen junge Menschen seit Monaten zu dieser Musik aus: Diesen grellen Animierklängen fehlt die anima, die Seele. Im Visier der Feuilletons befinden sich damals neben Holly Johnson, der jede Songzeile und jeden Ton zuvor zu Papier bringt, vor allem: der Produzent Trevor Horn sowie der Manager Paul Morley, ein ehemaliger Musikjournalist, der auf die Idee gekommen war, dass es profitabler und unterhaltsamer ist, im Zirkus mitzumachen, statt nur über ihn zu schreiben und jungen Menschen den Spaß zu verderben. Beide verkaufen Frankie als mit politischer Provokation und Sex aufgeladene Disco-Oper; eine exakt zwei Langspielplatten währende Großperformance, zu deren perfekter Pop Art auch eine bis dato unvergleichliche Merchandisingmaschine gehört. Frankie funktioniert als Oberflächenkunst wie eine göttliche Halluzination Warhols, der die Band in den Jahren vor seinem Tod sehr bewundert. Alleine das T-Shirt mit der Aufschrift Frankie sagt: Bewaffnet die Arbeitslosen! geht im wirtschaftlich ruinierten England mehr als Mal über die Theke. Das Fachblatt Music Week ist fassungslos: Wären diese T-Shirts Platten, sie hätten Platz 3 in der Hitparade belegt! So geht, als es das noch nicht gibt: virales Marketing. Im Herbst 1991 sitzt er in einer Klinik an der Themse. Bald hat die Welt den ersten offiziellen Mainstream-Popstar mit HIV Das beste B-Movie der Popgeschichte endet 1987, als sich Johnson mit Trevor Horn und Paul Morley überwirft, die Band verlässt und wegen eines Knebelvertrags einen jahrelangen Rechtsstreit mit Horn und dessen Plattenfirma eingeht. Den Streit gewinnt Johnson zwar, aber man muss sagen: Seine Kunst war mal ins Leben getreten mit der Macht einer Planierraupe und kalt und stumpf schlägt das Leben nun zurück. Bei Holly Johnson tritt bald das Schicksal auf den Plan, es trägt eine schwarze Kapuze. Aus dem Nachmittag in Berlin ist, als man an diesem Punkt seines Lebensechos angekommen ist, Abend geworden, und Johnson sagt: Es steht mir nicht zu, in Selbstmitleid auszubrechen. Er war bei Frankie der, der wenig trank und keine Drogen nahm, weil ja wenigstens einer von uns nüchtern bleiben und morgens aufstehen musste. Im Herbst 1991 sitzt er dann nüchtern und morgens in einer Klinik an der Themse und erfährt, dass er HIV-positiv ist. Er hat einen deutschen Freund, Wolfgang, der ein Cateringunternehmen in der Londoner City leitet führen die beiden schon lange ein leises Leben, seit 1985 wohnen sie in ihrem Häuschen im Westen Londons. Wolfgang, 15 Jahre älter, liebt klassische Musik und Literatur. Holly feiert seine Solohits Americanos und Love Train. Wolfgang hat Jahre zuvor ebenfalls einen positiven Test erhalten. Nach Wochen der Todesangst stellte der sich dann als Fehldiagnose heraus. Holly Johnsons Diagnose in diesem Oktober 1991 ist hingegen zweifelsfrei. Wenige Wochen später stirbt Freddie Mercury. Die Ärzte raten Holly Johnson, seine Tage zu nutzen. Er unterbricht sich beim Erzählen nun selbst, macht eine ersichtliche Pause, dann sagt er: Es ist sonderbar, und es ist aber vermutlich auch wichtig: Ich lasse in meiner Erinnerung aus dieser Zeit immer nur diese eine Szene zu: dass wir allein zu Hause sind. Wolfgang und ich. Und dass er sich um mich kümmert. Rund um die Uhr. Die ganze Zeit. Er sieht schlecht aus damals. Gerüchte machen die Runde. Er ruft einen befreundeten PR-Agenten an, der ein Treffen mit einem Journalisten der Times arrangiert. Man einigt sich darauf, dass er in der Times nach Ostern 1993 seine Infektion bekanntgeben wird. Er möchte alles zuvor in Ruhe mit seinen Eltern besprechen. Johnson bereitet sich auf die planmäßige Landung seiner Geschichte vor als das Trashblatt The Sun Wind von der Sache bekommt. Drei Tage vor Ostern klingelt der Reporter der Sun an der Tür von Hollys Eltern in Liverpool. Holly Johnson ist am nächsten Tag der erste offiziell schwule Mainstream-Popstar. Er ist auch der erste offiziell HIV-positive Mainstream-Popstar. Du bist jetzt einsam, Holly. Im September 1994 erzählen die Blätter vom Kaposi-Sarkom, und davon, dass ihm diese Wucherungen auf der Haut entfernt worden sind. Ist Aids heute, 2014, eigentlich vergessen? Das große Sterben dieser jungen Menschen in unseren Städten, vor allem in der ersten Hälfte der 1990er? Vergessen wir viele dieser Toten, den teils unverhohlenen Hass auf diese Menschen, weil es damals noch kein Internet in dem Sinne gab? Schon 1987 will der bayerische Innenminister Peter Gauweiler das Bundesseuchengesetz auf Aids-Kranke anwenden. Im selben Jahr bringt der Republikaner Jesse Helms in den USA einen Gesetzesvorschlag ein, der vorsieht, Aufklärungskampagnen zu verbieten, weil sie homosexuellen Aktivitäten Vorschub leisten. William Buckley, der Gründer der rechten National Review, fordert 1986, HIV-infizierten eine Markierung auf eine Pobacke zu tätowieren. Der Reagan-Mitarbeiter Pat Buchanan bezeichnet Aids als Rache der Natur an den Schwulen. Warum er sogar Konzerte ankündigt? Es gibt die richtige Therapie. Und es gibt seine Haltung zum Leben DieZeitschriftTempo fragt Holly Johnson 1994 in einem Londoner Hotel: Müssen Sie nicht ständig daran denken, wie lange Sie noch haben? Die Zeitschrift Tango (die ironischerweise kurz darauf eingeht) schreibt unter der Überschrift Frankie Nie mehr nach Hollywood nach einem Treffen mit Holly Johnson in einem Londoner Café: Am Rücken juckt es. Er kratzt sich... Er weiß, dass der Tod nicht mehr lange wartet. Was kann man aushalten? Diese Frage spielte für mich bald keine Rolle mehr. Was man aushalten kann? Keine Ahnung. Das Leben ist hart, oder? Aber was wäre passiert, wenn ich mich auf den Hass oder auch nur die Ignoranz eingelassen hätte? Noch einmal: Ich neige nicht dazu, mich mit Selbstmitleid aufzuhalten. Pause. Und: ich hatte ja Wolfgang. Kokettes Lächeln. Er bestellt nun einen heißen Kakao. Es wird etwas frisch. Dann sagt er: Ich war auf sehr vielen Beerdigungen von sehr vielen großartigen, talentierten, sehr jungen Menschen. Man will weiterfragen, da fügt er an, ernst und leise: Da ist dieser Auftrag hier, mein Lieber: Ich, Holly, soll mein Leben mit Sinn, Schönheit und Liebe füllen. Ich bin es denen schuldig, die zu jung gestorben sind. Verschwende deine Zeit? Nein. Es ist alles ganz, ganz einfach. Was soll man sagen? Peinlicherweise sagt man nichts. Dann lacht er laut auf und wischt die herumflirrende Ergriffenheit davon: Es ist ja kein Heldentum. Es ist nur eine Frage der Einstellung, okay? Es ist, wie so vieles: eine Frage des Stils. Der junge Holly Johnson stirbt damals also haarscharf nicht. Mitte der Neunziger kommt die Kombinationstherapie auf den Markt, die ihm und Millionen weiteren HIV-Infizierten das Weiterleben ermöglicht. Träume sind wie Engel / Sie halten das Böse im Zaum, singt Holly Johnson in The Power Of Love, diesem zum Verrücktwerden perfekten Popsong. Neulich erschien ihm ein toter Freund. Er wurde nur 31 Jahre alt. In einem kristallklaren Traum begegnete Johnson ihm, während er am Fluss spazieren geht. Der Freund umarmt ihn und sagt dann nur: Alles ist gut. Die bewegende Ballade über diesen Traum heißt You re In My Dreams Tonight, sie findet sich auf Europa es ist seine erste Platte seit 15 Jahren, und das hört man ihr an: Sie ist ein farbenfrohes, dichtes, zugleich behutsames Kompendium, eine Art Autobiografie, und sie erinnert an den unschuldigen, naiven Elektropop der erwähnten Sommerstrände von Brighton, sie erinnert aber in den dramatischeren Stücken auch an Burt Bacharach. Vor allem sind einige umwerfende Balladen auf dieser CD, an der noch der jüngst verstorbene House-DJ Frankie Knuckles mitgearbeitet hat und auch Phil Manzanera von Roxy Music. HollyJohnsongeht jetztauf Tournee, zunächst in England, im Dezember kommt er dann für Konzerte nach München, Stuttgart, Köln und Berlin. Er sagt All the Hits, dann breitet er die Arme aus wie Paulchen Panther und ruft: And more! So ist das also, wenn das Leben weitergeht. Wie gesagt, es umweht die Jungs von der Penny Lane dieses Energiefeld, es handelt sich dabei um ein Wunder. Nur, überleben alleine? So aufregend ist das nicht, oder? Die Liebe. Es beginnt nun gewissermaßen der bürgerlich-komödiantische Epilog. Man muss sich das Leben von Holly, 54, und Wolfgang, 70, als hochkultivierte, etwas verschrobene Existenz vorstellen. Holly malt eine feine und ironische Pop Art, mexikanische Murals sind zu erkennen, wie auch Tom of Finland und Basquiat, seine Bilder hingen in der Tate Liverpool wie in Londons Royal Academy. Für ein Textporträt im Independant traf er sich gerade mit der 82-jährigen Pop-Art-Legende Sir Peter Blake, man versicherte sich gegenseitiger größter Wertschätzung. Wolfgang liebt klassische Musik, vor allem die Zauberflöte, die in jeder erdenklichen Aufnahme von Wert durch das Haus hallt. Wenn nun die Nachbarn rechts und zugleich die Nachbarn links ihre Keller ausbauen, um im obszön teuren London mehr Wohnraum zu schaffen, so machen Wolfgang und Holly das, was Kulturbürger mit grauen Schläfen tun: Sie fragen höflich nach, wie lange noch mit der Beeinträchtigung der Mittagsruhe zu rechnen sei. Zu Heiligabend wird Wolfgang eine Gans zubereiten, dazu einen Riesling öffnen, auch Holly trinkt dann ein Glas, das einzige in diesem Jahr, und am Morgen des 25. Dezember wird er, für den die Welt im Feuer explodierender Konzertarenen nichts war als eine zu verschlingende Auster, wegen dieses einen Glases Riesling dann mit Kopfschmerzen erwachen: Ich werde wehklagen wie ein lächerlicher, antiker Gott. So ist es jedes Jahr. Es ist unser Ritual. Ob man ein schönes Lokal wisse, das er am nächsten Abend in Berlin besuchen könne? Ottenthal, Kantstraße. Er erstarrt. Er zieht eine Augenbraue hoch. Er wird tatsächlich etwas rot: Wie war der Name der Straße? Pause. Cuntstraße? Der kleine Holly von der Penny Lane ist ein sensibles, aufgewecktes Kerlchen. Er säuselt: Du brauchst es mir nicht aufzuschreiben. Diesen Straßennamen werde ich keinesfalls vergessen. Zum Abschied sagt er: You take care. Zurück bleibt Licht.

4 4 MEINUNG HBG Samstag/Sonntag, 18./19. Oktober 2014, Nr. 240 DEFGH Binnen weniger Monate hat das Ebola-Virus einen ebenso schrecklichen wie bemerkenswerten Eroberungszug geschafft: aus den Tiefen der westafrikanischen Wälder in das Herz der westlichen Welt. Dort, in Europa und Amerika, sind zumindest die psychischen Begleitsymptome der Seuche angekommen Angst und Schrecken, befeuert durch Einzelfälle, die es nach den Regeln westlicher Schutzstandards eigentlich nicht geben dürfte: Krankenschwestern, die sich bei der Arbeit anstecken, und das nicht etwa in einem Feldlazarett in Guinea, sondern in modernen Kliniken. So haarsträubend diese Ebola-Fälle in Spanien und den USA auch sind, sie wären vermutlich vermeidbar gewesen. Und sie sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine größere Ausbreitung von Ebola in Europa nach wie vor extrem unwahrscheinlich ist. Das große, furchtbare, abertausendfache Leid spielt sich immer noch in Guinea ab, in Sierra Leone, in Liberia. Dort laden verzweifelte Menschen ihre sterbenskranken Angehörigen auf der Straße ab, weil es noch immer nicht genügend Plätze in den Behandlungszentren gibt; dort bringen gesunde Frauen Babys auf dem Asphalt zur Welt, weil verängstigtes Krankenhauspersonal ihnen nicht die Tür öffnet Gebärende bluten schließlich, und das Blut könnte mit dem Virus verseucht sein; dort macht Ebola Kinder zu Waisen, die dann obendrein stigmatisiert sind; dort schnellen die Lebensmittelpreise in die Höhe und schüren Ängste vor einer Hungersnot. Wahrlich, es ist gespenstisch. Und doch: Nüchtern betrachtet, verhält sich das Virus ziemlich genau so, wie es nach vier Jahrzehnten Forschung in den Büchern steht. Nicht anders als bei früheren, begrenzten Ausbrüchen im Kongo, Sudan oder in Uganda. Dass es jetzt heute über viele Grenzen hinweg wütet, liegt nicht etwa daran, dass es wie in einem Hollywood-Film mutiert und ansteckender geworden wäre; sondern daran, dass es diesmal schlicht besonders fruchtbaren Boden vorfand. Die drei westafrikanischen Länder, über deren offene Grenzen hinweg das Virus sich ausgebreitet hat, sind sehr schwache Staaten, von früheren Bürgerkriegen und von Korruption zerfressen. In Liberia etwa gab es vor Ausbruch der Epidemie 61 Ärzte bei vier Millionen Einwohnern. Von manchen Dörfern ist die nächste, primitive, Krankenstation mehrtägige Fußmärsche entfernt. Unter solchen Bedingungen ist das Vertrauen der Menschen in den Staat und dessen Vertreter verständlicherweise begrenzt ebenso wie die Bereitschaft, sich von irgendwelchen dahergelaufenen Fremden davon abbringen zu lassen, die Toten wie eh und je vor der Bestattung zu waschen und zu küssen. Dieser Hang zu Misstrauen und irrationalem Verhalten ist kein alleiniges Merkmal afrikanischer Gesellschaften: Am Prager Hauptbahnhof etwa wurde diese Woche ein hustender Afrikaner von der Polizei vorsorglich in schwarze Plastikfolie gewickelt. Er kam aus Ghana, wo es bislang keine Ebola-Fälle gab, und war nur erkältet. Manche spanischen Taxifahrer nehmen aus Furcht keine dunkelhäutigen EBOLA Die Seuche der Welt von tobias zick Der Glaube, die Unterentwicklung in einigen Teilen der Welt gehe die Bürger im Westen nichts an, ist naiv und gefährlich. Afrikas Probleme sind die Probleme der ganzen Menschheit. Gäste mehr mit. Und in den USA wie in Europa werden populistische Forderungen laut, überhaupt keine Menschen aus Westafrika mehr einreisen zu lassen. Die betroffenen Staaten isolieren, ihre Bewohner stigmatisieren das ist nicht nur unmenschlich, sondern auch kontraproduktiv. Die Menschen in den Epidemiegebieten einfach abzuschreiben und vor sich hinsterben zu lassen, hieße, die Seuche dort völlig ungehemmt eskalieren zu lassen. Und es wäre eine Illusion zu glauben, dass dann durch Grenzkontrollen und seien sie noch so rigoros die Verbreitung des Erregers auszuschließen ist. Länder lassen sich nicht virendicht abriegeln. Es muss jetzt darum gehen, mit gemeinsamer Kraft die Epidemie in Westafrika einzudämmen und es gibt Gründe für Zuversicht, dass das im Laufe der kommenden Monate gelingen kann. Die Erkenntnis, dass man sich von den hochansteckenden Leichen von Ebola-Opfern fernhalten muss, ist inzwischen auch in entlegene Dörfer vorgedrungen. In den Städten meiden die Menschen jeglichen Handschlag, sie waschen sich die Hände regelmäßig in Chlorlösung. Hilfsorganisationen bauen in großem Tempo neue Behandlungszentren auf, damit künftig keine Kranken mehr vor den Toren überfüllter Kliniken verenden müssen und dort neue Ansteckungsherde bilden. Vielversprechende Impfstoffe und Medikamente sind in ihren späten Testphasen; selbst Firmen, die rein renditeorientiert denken, dürften angesichts des Ausmaßes der Epidemie mittlerweile in der Forschung an Ebola-Mitteln ein gutes Geschäft sehen. Spätestens wenn der akute Ebola-Flächenbrand eingedämmt ist, wird es Zeit zu analysieren, was schiefgelaufen ist und wie man derartige Katastrophen künftig vermeiden kann. Versagt haben in erster Linie die Gesundheitssysteme der betroffenen Länder, sofern man die miserabel dürftige Krankenversorgung dort überhaupt als Gesundheitssystem bezeichnen mag. Versagt hat auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Obwohl andere Helfer, die früh zur Stelle waren, warnten, die Seuche werde außer Kontrolle geraten, spielte die WHO die Gefahr anfangs herunter. Hinzu kam, dass die Organisation in jüngster Zeit von Budgetkürzungen geschwächt war. Eine Lehre aus der Katastrophe muss sein: Die Welt kann es nicht mehr stillschweigend hinnehmen, dass es Länder ohne ein Minimum an medizinischer Grundversorgung gibt. Zwar liegt es zunächst an den Regierungen dieser souveränen Staaten selbst, Erlöse etwa aus dem Export von Rohstoffen, die es zum Beispiel in Sierra Leone und Liberia nicht zu knapp gibt, in die eigene Entwicklung zu lenken. Doch zugleich muss die internationale Gemeinschaft sich ihrer Verantwortung stellen. Etatkürzungen bei der WHO werden sich die Verantwortlichen künftig gründlicher überlegen müssen. Denn eines illustriert diese Seuche so klar wie kaum eine andere Katastrophe zuvor: Der Glaube, die Unterentwicklung in einigen Teile der Welt gehe die Menschen im Westen nichts an, ist so naiv wie gefährlich. Afrikas Probleme sind die Probleme der ganzen Menschheit. Lokführer Weselsky kennt keinen Bahnhof FLÜCHTLINGE Mobilmachung des Mitgefühls von heribert prantl Es ist ein deutsches Wunder, wackelig vielleicht, aber schon sehr wundersam: Noch nie war diese Hilfsbereitschaft so groß. In eben dem Land, in dem vor gut zwanzig Jahren die Flüchtlingsheime brannten und das alte Asylgrundrecht billig beerdigt wurde, in eben diesem Land wächst eine anrührende Solidarität mit Flüchtlingen. Deutschland hat sich offenbar gewandelt. Die Menschen sehen tagtäglich die grausigen Bilder aus Syrien und dem Nordirak, sie sehen die entsetzlichen Bilder aus Lampedusa und dem Mittelmeer. Das Elend der Flüchtlinge ist so nahe gerückt und es fasst so viele Deutsche ans Herz. Und weil das so ist, fassen sie sich an den Kopf, dass eines des reichsten Länder der Erde und eine der besten Bürokratien der Welt nicht in der Lage sein soll, sich um zwei-, dreihunderttausend Flüchtlinge gut und fürsorglich zu kümmern.genau das aber erwarten sie von ihren Innenministern, das erwarten sie von ihrer jeweiligen Landes- und der Bundesregierung. Die Innenministerkonferenz, die soeben in Berlin tagte, hat noch nicht begriffen, dass sie eine neue, gute Willkommenspolitik nicht gegen, sondern mit einem großen Teil der Bevölkerung machen könnte. Viele Bürgermeister und Landräte sehen sich bei ihrer Flüchtlingspolitik getragen von einer warmherzigen Bevölkerung und sie haben selbst Anteil daran; sie wimmeln nicht ab, sie werben für Aufnahme. Bischöfe öffnen Klöster und leer stehende Tagungshäuser. Und die Flüchtlingsinitiativen, die so viele Jahre wenig Unterstützung hatten, spüren eine Welle der Solidarität. Nur die Innenminister haben sich davon noch nicht erfassen lassen, ein Teil von ihnen jedenfalls rettet sich zu den bräsigen Formeln und Maßnahmen, die sie schon immer propagiert haben, die aber allesamt gescheitert sind: noch mehr Überwachung der Außengrenzen, noch mehr Bekämpfung von Schleppern und Schleusern, noch mehr Repression und Abschreckung, noch mehr Fingerabdrücke, noch mehr Unterstellung von Missbrauchsabsicht, noch mehr Abschiebungen. Das ist nicht Flüchtlingspolitik, das ist Anti-Flüchtlingspolitik. Auch der Bundesinnenminister sollte sich davon lösen. Die alten bräsigen Formeln und die Abschreckungsarien sind ausgesungen und sinnlos Es gibt, es gäbe so viel Vernünftiges zu tun: Leerstehende Fabrikgebäude und Geschäftsräume müssen bewohnbar gemacht, und die Flüchtlinge müssen dort gut betreut werden. Die Kinder müssen in Hort und Schule, die Eltern zu Sprachkursen; und: Zur Integration gehört, dass die Leute bald arbeiten und in eigene Wohnungen dürfen. Die gesetzlichen Regelungen dafür sind noch immer ungenügend. Die Flüchtlinge aus den unsichersten Herkunftsstaaten sollten nicht durch lange Asylverfahren geschickt werden; sie brauchen schnell eine Aufenthaltserlaubnis. Und dann sollte das elende Asylbewerberleistungsgesetz, das eher ein Leistungsverweigerungsgesetz ist, abgeschafft und die Flüchtlinge in die Sozialhilfe und die gesetzliche Krankenversicherung eingegliedert werden. Das würde die Kommunen, die heute den größten Teil der finanziellen Lasten für Flüchtlinge tragen, erheblich entlasten. Und Privatleute, die Flüchtlinge aufnehmen oder für sie bürgen, sähen sich nicht mehr unabsehbaren Risiken ausgesetzt. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Das gilt auch für die Innenminister. sz-zeichnung: luis murschetz UKRAINE Transnistrien II von stefan kornelius Wer seinen Putin kennt und das sollten nach fast zwölf Monaten Ukraine-Krise ein paar Zeitgenossen, der darf nun nicht verwundert tun. Zum ersten Mal seit Beginn der heißen Phase dieser als Bürgerkrieg getarnten Intervention kommt der russische Präsident mit einer ganzen Phalanx westlicher Regierungschefs zusammen, um über die Ukraine zu sprechen. Vermessen anzunehmen, dass sich die Damen und Herren plötzlich die Hand geben und den Frieden ausrufen. Der Frieden in der Ostukraine wurde bereits verkündet am 5. September auf der Grundlage des sogenannten Memorandums von Minsk. Während die Ukraine ihren Teil zur Umsetzung beitrug, Sonderrechte für den Osten per Gesetz festlegte, eigene Wahlen im Donbass zugestand und immer wieder den Tausch von militärischen Stellungen anbot, bleibt die andere Seite ihren Anteil schuldig. Weder sind die schweren Waffen nachweislich abgezogen noch hat Russland seine Truppen von der Grenze weg beordert. Die OSZE kann die Grenze nicht kontrollieren, weil es noch keinen wirklichen Waffenstillstand gibt. Die Verhandlungen für einen Gaslieferungsvertrag gestalten sich zäh. Putin ignoriert all dies und kapriziert sich zumindest öffentlich darauf, die Deutungsgeschichte des Konflikts zu diskutieren: Was eigentlich geschah auf dem Maidan? Welche finsteren Absichten des Westens stecken hinter dem Assoziierungsabkommen? Wer ist der Aggressor in diesem Spiel? Auf die russische Verwicklung angesprochen gibt der Präsident die immer gleiche Antwort: Er habe keinen Einfluss auf die Separatisten. Das ist freilich eine freche Behauptung, die Putin selbst widerlegt, weil er ja hinter verschlossenen Türen über das Schicksal AKTUELLES LEXIKON Habicht Wenn bald der Winter kommt und das ewige graue Matschwetter, gibt es nicht mehr so viele Gründe, das Haus zu verlassen. Aber wer die kalte Jahreszeit auf dem Sofa verbringt, verpasst doch eins: den Balzflug der Habichte. Mit etwas Glück kann man die scheuen Jäger, erkennbar an der schwarz-weiß gestreiften Unterseite und dem langen Schwanz, im Winter und Frühjahr bei kunstvollen Sturzflügen und Wendungen beobachten. Schließlich ist der Habicht mit seinen kurzen, breiten Flügeln kein sehr schneller Flieger, aber ein Manövriermeister. Und beim Balzen geht es ums Ganze, Paare bleiben ein Leben lang zusammen. Gemeinsam bauen sie in ihrem Waldrevier oft mehrere, metergroße Horste, zwischen denen sie dann hin und her ziehen. Habichte wurden lange gejagt, weil sie Fasane, Brieftauben oder Kaninchen erbeuten, Tiere also, auf die auch mancher Jäger oder Züchter Anspruch erhebt. Seit 1979 steht der Vogel in Europa unter Schutz, mittlerweile haben sich die Bestände erholt. Selbst in Berlin leben etwa 100 Brutpaare. Indes werden Habichte weiter illegal geschossen, vergiftet, gefangen oder als Jungvögel aus dem Nest geholt, um in der Falknerei eingesetzt zu werden. Um darauf hinzuweisen, hat der Naturschutzbund (Nabu) den Habicht am Freitag zum Vogel des Jahres 2015 ernannt. weis der dann gar nicht mehr so selbständigen Separatisten verhandelt. Es ist Putin, der mit dem ukrainischen Präsidenten Poroschenko die Details von Minsk festgelegt hat; es ist Putin, der mit der deutschen Bundeskanzlerin Merkel nicht nur Geschichtsdebatten über die Ukraine führt. In Mailand wurde ernsthaft gerungen. Wer Putin also den Verhandlungswillen abspricht, der irrt. Aber der Präsident lebt und denkt in zwei Welten: Nach außen spielt er das bekannte Spiel und retourniert elegant die Vorwürfe, die ihm wie Volley-Schläge serviert werden. Putin der Aggressor? Nein, der Westen hat den Unfrieden gestiftet. Putin der Nationalist? Nein, die Rechtsextremen in der Ukraine sind das Übel. Das russische Bild des Konfliktes ist fertig gemalt. In der zweiten Welt ist der Realist Putin unterwegs, der hinter dem dicken Propaganda-Anstrich durchaus Gesichtsblässe zeigt. Natürlich schmerzen die Sanktionen und natürlich muss die russische Führung merken, dass sie durch ihr Verhalten die Ukrainer nur noch mehr in die Arme des Westens treibt. Die Wahlen am 26. Oktober werden es belegen. Die Investoren und auch die Regierungen in aller Welt haben ihr Urteil längst gesprochen. Russland bleibt isoliert. Der EU-Asien-Gipfel lieferte noch einmal den Beleg. Putin hat also allen Anlass, sich zu bewegen. Gewiss ist: Ohne die Sanktionen lässt sich das Abkommen von Minsk nicht durchsetzen. Gewiss ist aber auch dies: Das Abkommen bleibt in der letzten, ultimativen Konsequenz unscharf die Machtfrage im Donbass ist nicht entschieden. Bleibt die Region am Ende unter der Kontrolle Kiews oder wird Moskau ein weiteres Transnistrien in seiner Peripherie etablieren und nach Bedarf Unfrieden stiften können? Wer seinen Putin kennt, weiß auch darauf die Antwort. Der Präsident hat sie in Mailand indirekt gegeben. PROTESTBEWEGUNG Armes Attac von jan heidtmann Dass das Freihandelsabkommen TTIP verhindert werden muss, daran glauben viele Menschen. Genauso, wie viele der Meinung sind, die Finanzwirtschaft müsse stärker besteuert werden. Explizit lobte daher Bundespräsident Joachim Gauck kürzlich die Globalisierungskritiker von Attac für ihr Engagement in dieser Sache. Die Frage aber, die das Finanzamt Frankfurt zu klären hatte, war keine moralische, sondern eine steuerrechtliche: Dienen die Proteste von Attac auch der Allgemeinheit? Nein, sagte die Finanzbehörde und erkannte Attac den Status der Gemeinnützigkeit ab. Aktivisten und Sympathisanten sind verstört; das ist verständlich, hängt Attac doch zu einem großen Teil von Spenden ab. Wenn diese Gaben nicht mehr absetzbar sind, werden sie spärlicher fließen. Zudem ist die Gemeinnützigkeit von jeher ein Streitpunkt zwischen Finanzämtern und eher politisch motivierten Vereinigungen wie auch Stiftungen. Immer wieder müssen sie die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung genau so wie die Naturschutzorganisation BUND belegen, dass sie ihrem gemeinnützigen Bildungsauftrag umfassend nachkommen. So drastisch wie im Fall Attac haben die Steuerbehörden aber bisher nur selten reagiert. Deshalb zu vermuten, die Globalisierungskritiker sollen auf diesem Wege mundtot gemacht werden, ist überzogen. Nur weil einem die Proteste von Attac politisch nützig erscheinen, müssen sie nicht schon gemeinnützig sein. TÜRKEI Verpuffte Zone von christiane schlötzer Syrische Oppositionelle sollen in der Türkei nun das Schießen lernen, für den Krieg in ihrer Heimat. Darauf haben sich Washington und Ankara geeinigt. Es ist kaum zu erwarten, dass die Syrer dann nur gegen die IS-Extremisten kämpfen werden. Sie dürften auch die Truppen des Diktators Baschar al-assad angreifen, sollten sie dazu Gelegenheit finden. Damit wird aus der Anti-IS-Allianz noch kein Anti-Assad- Bündnis. Aber die Tür zu einer Ausweitung des Einsatzes ist aufgestoßen. Die Errichtung einer Pufferzone auf syrischem Gebiet, wie sie Ankara fordert, wäre dagegen ein Affront gegen Assad. Diese Zone müssten Kampfflugzeuge schützen. Der IS kämpft noch nicht mit Jets, auch wenn er angeblich bereits Piloten trainiert. Das Ganze würde sich also gegen Assad richten. Der hat dies verstanden und droht im Fall des Falles der Allianz schon mit Krieg. Deshalb wird die Zone eine Fata Morgana bleiben, solange die USA es nicht wagen, Assad aus dem Amt zu bomben. Das ist auch besser so, weil die Türkei in einer solchen Zone wohl mit den Kurden aneinandergeraten würde. Übrigens: Kurdische Kämpfer will Ankara nicht trainieren. Sie stehen in der Türkei noch unter Terrorverdacht, trotz aller Friedensgespräche. Ankaras Politik ist voller Widersprüche. Irgendwann, ist zu hoffen, ist der IS besiegt. Die Kurden aber werden bleiben. Ankara sollte sich dies klarmachen. Hilft die Türkei den Kurden, hilft sie sich selbst. PROFIL Sarah Wiener Medienbewusste Gastronomin, die nicht mehr für Gaucks Beamte kochen soll In Wien, der Stadt, in der Sarah Wiener groß geworden ist, gibt es das Wort einkochen. Es heißt so viel wie: jemanden mit Charme für sich gewinnen. Und eingekocht hat die 52-jährige Österreicherin in ihrem Leben viele. Erst Berlin, wo sie mehrere Restaurants hat. Dann die Zuschauer der Fernsehshows, in denen sie den Kochlöffel schwingt, oder die Leute, die sie bei Veranstaltungen über gesunde Ernährung aufklärt. Nicht zu vergessen die 180 Beschäftigten des Bundespräsidenten. Die Kantine im Bundespräsidialamt wird von Sarah Wiener betrieben. Doch an dieser Stelle hat es sich wohl ausgekocht. Das liegt nicht am Essen, auf dem Menüplan stehen Lauwarmer Couscous mit Kräuter-Dip oder Krustenbraten vom Schwein mit Schmorkohl und Semmelknödeln. Sondern am Geld. Dem Haushaltsausschuss des Bundestages liegt der Vertrag des Amtes mit der Sarah Wiener Berlin GmbH im Magen. Der sah zum Beispiel, weil die Kantine nicht wirtschaftlich zu betreiben sei, einen Gewinnzuschlag von 1500 Euro im Monat vor. Eine Subvention durch den Steuerzahler für Wieners Schnitzel gewissermaßen. Das dürfe nicht sein, Dezember 2015 wird der Auftrag neu ausgeschrieben. Sarah Wiener, die rührige Köchin, wird das nicht stören. Die Kantine macht nur einen winzigen Teil ihrer Geschäftstätigkeit aus. Die umfasst nicht nur Restaurants, in Berlin etwa das im Museum für Gegenwart im Hamburger Bahnhof. Sondern auch ein Cateringunternehmen, Kochkurse, Kochbücher und eine Stiftung, die sich dafür einsetzt, dass Kinder aus der Stadt zu Bauernhöfen fahren können. Töpfe, Schürzen, Saucen in Gläsern gibt es auch in Sarah Wieners Unternehmen, das 200 Mitarbeiter beschäftigt. In den Medien präsent zu sein gehört ebenfalls dazu. Sarah Wiener kochte an der Seite von Johannes B. Kerner fürs Fernsehen, in der Serie Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener reist sie durch verschiedene Regionen und lässt sich in deren Spezialitäten unterweisen. Der breiten Öffentlichkeit wurde sie vor zehn Jahren durch das Reality-Format Leben im Gutshaus bekannt. In der Serie lebten die Teilnehmer, als wäre es Sarah Wiener gab die resolute Mamsell, die versuchte, auf dem Feuer mehrgängige Menüs zu zaubern, Hühnchenschlachten inklusive. Den Sinn für Öffentlichkeit bekam sie in die Wiege gelegt. Ihr Vater ist der Künstler Oswald Wiener, einer der umtriebigsten Vertreter des Wiener Aktionismus, die mit ihren Happenings 1968 Aufsehen erregten. Später ging der Mann nach Berlin und eröffnete das dann legendäre Restaurant Exil in Kreuzberg. Dort schälte die Tochter Kartoffeln, zum Kochen kam sie eher zufällig. Sie begann, selbst gebackenen Kuchen an Cafés zu liefern und für Filmproduktionen Essen zuzubereiten. Ende der Neunzigerjahre eröffnete Sarah Wiener in Berlin ihr erstes Restaurant, danach folgten viele Partys, bei denen sie mit ihrem Häppchen-Varieté dabei war. Im kulinarischen Niemandsland, das die Hauptstadt sehr lange war, hatte sie es mit ihrer soliden Hausmannskost, in der sich Wiener Elemente wie Gulaschsuppe oder Topfenstrudel finden, allerdings auch nicht besonders schwer. Das hat sich geändert, vor allem im Catering- Geschäft wird die Konkurrenz immer härter; umsatzstarke Firmen wie Kofler oder Käfer dominieren den Markt. Während Sarah Wieners Ruf als Unternehmerin unbestritten sein dürfte, gehen die Meinungen über ihre Kochkünste auseinander. Die einen mögen die Gerichte, die man unprätentiös nennen kann. Die anderen halten ihr vor, dass sie gar keine Köchin sei. So bezeichnete die Frankfurter Allgemeine sie als Geschäftsfrau, die sich mit Essbarem befasst. Wiener selbst sagte in einem Interview dazu, kochen könne sie von allem, was ich nicht kann, noch am besten. Was ja schon wieder charmant ist. Die Deutschen werden sich vermutlich auch weiterhin von Sarah Wiener einkochen lassen. verena mayer HERAUSGEGEBEN VOM SÜDDEUTSCHEN VERLAG VERTRETEN DURCH DEN HERAUSGEBERRAT CHEFREDAKTEUR: Kurt Kister STELLVERTRETENDER CHEFREDAKTEUR: Wolfgang Krach MITGLIED DER CHEFREDAKTION, INNENPOLITIK: Dr. Heribert Prantl MITGLIED DER CHEFREDAKTION, DIGITALE PROJEKTE: Stefan Plöchinger AUSSENPOLITIK: Stefan Kornelius; INNENPOLITIK (STELLV.): Detlef Esslinger, Jan Heidtmann; SEITE DREI: AlexanderGorkow; INVESTIGATIVE RECHER- CHE: HansLeyendecker; KULTUR: Andrian Kreye; WIRT- SCHAFT: Dr. MarcBeise, Ulrich Schäfer; SPORT: KlausHoeltzenbein; WISSEN: Dr. Patrick Illinger; GESELLSCHAFT UND WOCHENENDE: Tanja Rest; Christian Mayer; MEDIEN: Claudia Fromme; MOBILES LEBEN: Jörg Reichle; BEILAGEN: WernerSchmidt; MÜNCHEN, REGION UND BAYERN: Nina Bovensiepen, Christian Krügel; Sebastian Beck, Peter Fahrenholz, Kassian Stroh ARTDIRECTOR: Christian Tönsmann; Stefan Dimitrov; BILD: Jörg Buschmann GESCHÄFTSFÜHRENDE REDAKTEURE: Marc Hoch, Dr. Hendrik Munsberg; CHEFS VOM DIENST: Dr.AlexandraBorchardt, Carsten Matthäus CHEFKORRESPONDENT: Stefan Klein LEITENDE REDAKTEURE: Prof.Dr. JoachimKaiser, Nikolaus Piper, Evelyn Roll. 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(07 11) /94 HERAUSGEBERRAT: Dr. Johannes Friedmann (Vorsitz); Albert Esslinger-Kiefer, Dr. Thomas Schaub, Dr. Christoph Schwingenstein GESCHÄFTSFÜHRER: Dr. Detlef Haaks, Dr. Karl Ulrich ANZEIGEN: JürgenMaukner (verantwortlich), Anzeigenaufnahme: Tel. (0 89) ANSCHRIFT DES VERLAGES: Süddeutsche Zeitung GmbH, Hultschiner Straße 8, München, Tel. (0 89) , DRUCK: Süddeutscher Verlag Zeitungsdruck GmbH, Zamdorfer Straße 40, München

5 DEFGH Nr. 240, Samstag/Sonntag, 18./19. Oktober 2014 HBG MEINUNG 5 Vielleicht sind wir am Leid der anderen weniger unbeteiligt, als es die Entfernung suggeriert Hüter, ist die Nacht bald hin?, in der Zeile aus dem Lobgesang von Mendelssohn Bartholdy, den alten Worten aus dem Buch Jesaja, klingt das furchtsame Unbehagen an, das mancher in diesen Tagen spürt: Hüter, ist die Nacht bald hin? möchten wir flüstern angesichts der Nöte und Krisen, deren Zeugen wir werden. Die simultane Dringlichkeit der Konflikte zwischen der Ukraine und Russland, in Syrien und im Irak, bis vor Kurzem zwischen Gaza und Israel, die atemberaubende Geschwindigkeit, mit der Heimaten vernichtet oder verschoben werden, und die unheimliche Entgrenzung der Gewalt, das verfolgen wir, von morgens bis nachts und möchten nurmehr, dass es heller werde. Wir schauen zu, wie türkische Soldaten dabei zuschauen, wie Kurden in Kobanê im Kampf gegen die IS-Miliz sterben, eben jene Kurden, die fast allein die staatliche Einheit des Irak verteidigen sollen, denen aber ein eigener Staat nicht zugestanden wird. Wir schauen zu, wie Zivilisten in der Ostukraine an der Bruchlinie Europas zerrieben werden. Wir schauen zu, wie junge Studenten in Hongkong bewusstlos geknüppelt werden, während sie für Bürgerechte demonstrieren, wir schauen zu, wie junge Journalisten, muslimische oder jüdische oder katholische, gefoltert und getötet werden. Wir schauen zu, wie Flüchtlinge, die an ein Europa der Menschenrechte noch glauben, sich an unseren Grenzzäunen den Leib aufreißen oder vor unseren Stränden ertrinken. Und unsere eigene passive Zeugenschaft wird fraglich. Wie lange wollen wir so zusehen? Wie lange können wir zusehen? Wer sind wir, die wir da jeden Tag, jeden Moment, gewissermaßen im Liveticker, Menschen im Wendekreis des Elends betrachten? Wer sind wir, die wir, unbewusst oder bewusst das Leid auch noch hierarchisieren, die wir unterscheiden und werten, je nach eigener religiöser Zugehörigkeit, kultureller oder ethnischer Prägung, je nach Hautfarbe oder Geschlecht, dann noch manche Gewalt erschütternder als andere empfinden. Weil uns die einen näher sind als die anderen. Die amerikanische Autorin Susan Sontag glaubte einst noch, dass das Betrachten des Leids der anderen die Zuschauer mitunter mit einer gewissen Erleichterung erfüllen könnte. Wie immer groß die Tele-Intimität aus Tod und Zerstörung (Sontag) auch sein mochte, Zuschauen bedeutete eben auch, nicht dort zu sein, nicht bedroht zu sein, nicht schutzlos zu Hinschauen Einst waren wir privilegiert. Jetzt leben wir in einer Welt der Bilder Krieg und Gewalt rücken uns auf den Leib. Manchmal fühlt sich das an wie eine Zumutung. Es ist eine, die wir aushalten müssen sein, bedeutete die Gnade, verschont zu sein von jenem Leid. In dieser Hinsicht konnte sich im Leid der anderen auch das eigene Glück spiegeln. Das ist vorbei. Auch uns, den Ungeprügelten, wie der österreichische Schriftsteller und Widerstandskämpfer Jean Améry es nannte, drängt sich der Eindruck der unbehaglichen, möglicherweise endlichen Privilegiertheit auf. Ich bin nicht sicher, woran das liegt. Vielleicht, weil wir an dem Leid der anderen VON CAROLIN EMCKE weniger unbeteiligt sind, als es die Entfernung suggeriert. Wer kann die Erzählungen der versklavten, vergewaltigten jungen Mädchen aus Syrien und dem Irak hören, ohne sich zu befragen, was der Aufstieg des IS mit der westlichen Intervention und all den verlogenen Versprechungen von nation building und Demokratie zu tun hat? Wer kann die Bilder von gefolterten Zivilisten in orangefarbener Kleidung anschauen, ohne sich zu befragen, was das mit Abu Ghraib und Guantanamo zu tun hat? Wer kann den Bericht von Amnesty International über die Verbrechen der irakischen Regierung oder ihrer Vertrauten an der sunnitischen Bevölkerung lesen (etwas, das bei dem Fokus auf den IS gern überlesen wird) und sich nicht fragen, wer diese sektiererische Gewalt zu lange geduldet hat? Schließlich: Es gibt keine Unschuld des Nicht-Wissens mehr. Wir können selten behaupten, von einer noch so entlegenen Krise nichts gewusst zu haben. Wir erfahren von Kriegsverbrechen oder Völkermord nicht nachträglich, sondern zeitgleich. Gewiss, es gibt nach wie vor Kontroversen um gültige Beweise, nach wie vor wird gelogen, um ein eindeutiges Urteil über Täter und Tat hinauszuzögern. Gewiss, auch abzüglich aller propagandistischen Manöver bleiben manche Situationen unübersichtlich und unentwirrbar. Gewiss, manche Konflikte beschädigen alle Seiten, lassen die Gegner mit der Zeit grausam ununterscheidbar wirken. Aber Krieg und Gewalt lassen sich nicht mehr auf Abstand halten. Sie rücken uns auf den Leib. Wir sind dauernd unbeteiligt beteiligt. Das ist der ethische Preis des politisch-medialen Versprechens der einen Welt. Manchmal fürchte ich, er ist zu hoch. Manchmal, wenn die Nacht noch lang ist, empfinde ich dieses unbeteiligt Beteiligtsein als eine moralische Zumutung. Weil es mich überfordert. Weil ich mich verantwortlich fühle, aber keine aktionistischen Antworten weiß. Auf keinen dieser Konflikte. Und dabei kenne ich einige dieser Regionen recht gut. Und dabei wünschte ich nichts lieber, als dass ich den Freundinnen dort, die mir lustige s schicken, um mich aufzuheitern, helfen könnte. Aber ich habe keine Handlungsanweisungen. Schon gar keine militärischen. Das Einzige, was ich weiß, ist, dass es fahrlässig wäre, aus reiner Verzagtheit jetzt die Fragen so abstrus zu formulieren, dass die Antworten falsche Alternativen aufmachen nur, damit wir uns kurzfristig besser fühlen. Aus einem politischen und moralischen Dilemma hilft keine Abkürzung des Denkens. Ein gutes Gewissen ist manchmal allein der voreilige Vorzug einer bequemen Position. Was tun? In Mendelssohns Lobgesang heißt es an anderer Stelle: Er zählet unsere Tränen in der Zeit der Not, nicht wegzuschauen, nicht aufzugeben, den Schmerz und Kummer jeder einzelnen zu zählen. Nichts zu nichtig, zu häufig, zu gering zu nehmen. Das klingt so tröstlich wie unmöglich, aber: Nur so kann es heller werden. Carolin Emcke ist Publizistin und Philosophin. Ihre Kolumne erscheint jeden Samstag an dieser Stelle. ausgewählt von christian zaschke So viel Deutschland war selten in London. Sigmar Polke in der Tate Modern, Anselm Kiefer in der Royal Academy, und in der Charlotte Street hat gerade die dritte Filiale des Schnellrestaurants Herman ze German aufgemacht, wo es zur Freude erstaunlich vieler Londoner eine schöne Currywurst mit Pommes gibt. Und dann ist da natürlich die große Ausstellung im Britischen Museum, die am Donnerstag eröffnet wurde und bis Mitte Januar zu sehen ist. Germany: Memories of a Nation heißt sie. Die Times merkt dazu an: Es ist vielleicht nicht ganz so, als würden sie ihre Panzer auf unserem Rasen parken und mit ihren Handtüchern die besten Plätze am Pool reservieren. Aber dennoch, als Zeichen teutonischer Entschlossenheit sucht es seinesgleichen: Direkt neben dem Eingang zum Lesesaal, mitten auf dem Great Court des Britischen Museums, steht ein schwarzer VW-Käfer von Bescheiden und unbedrohlich, aber zugleich höchst effizient und ungemein erfolgreich der Wagen steht als Sinnbild für die Wiedergeburt Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. MEINE PRESSESCHAU Die Ausstellung gibt anhand von 200 Objekten einen Überblick über 600 Jahre deutscher Geschichte. Während das den Boulevardblättern größtenteils zu viel der Differenzierung ist und sie das Thema deshalb weitgehend ignorieren, hat die seriöse britische Presse das Projekt mit großem Interesse begleitet. Insgesamt zeigt sie Wohlwollen für das Vorhaben von Museumsdirektor Neil MacGregor, der zusätzlich zur Ausstellung in einer 30-teiligen Serie im BBC Radio über die Exponate spricht und damit von Deutschland erzählt. Die Ausstellung bietet unzählige Gegengifte gegen all die Stereotypen, welche die Boulevardblätter über Europas mächtigste Nation verbreiten, findet die Times, kritisiert allerdings: Eine große Schwäche ist das Fehlen von Musik. Das liege zwar in der Natur der Sache, wenn man Geschichte anhand von Objekten erzähle, es sei aber problematisch, von deutscher Geschichte zu sprechen, ohne Bach, Beethoven oder Wagner zu erwähnen. Auch der Evening Standard ist nicht ganz vom Konzept der Ausstellung überzeugt: Im Radio und zweifellos auch in dem begleitenden Buch, das bald erscheint funktioniert die Idee hervorragend. Als Ausstellung funktioniert sie obwohl einige wirkliche Schmuckstücke dabei sind nicht so gut. Zudem sei im Radio der Holocaust als eine Art Phantom stets präsent und könne jederzeit angemessen dargestellt und in die Erzählung geflochten werden. In der Ausstellung ist dafür zu wenig Platz. Wie die Nazi-Zeit in die Ausstellung eingebaut wurde, hat die meisten Blätter interessiert. Während der Guardian sich einer Wertung enthält, ist der Daily Telegraph explizit unbeeindruckt. Die Ausstellung zeigt eine Nachbildung des Eingangstors zum Konzentrationslager Buchenwald. Dieses Tor stelle eine unlösbare Frage für Deutschland und die Welt dar, heißt es im Begleittext, und weiter: Es gibt kein Narrativ, das sie umfassen kann. Dazu schreibt der Telegraph: Wenn sie im Radio vorgelesen werden, mögen diese Worte ihre Wirkung erzielen. Wenn man sie auf einer nackten Wand liest, wirken sie auf erbärmliche Weise scheinheilig und sogar ein bisschen ungehörig. DieFinancial Times lobt hingegen das unheilvolle Heraufbeschwören der Nazi- Zeit und sieht den bemerkenswertesten Teil der Ausstellung im Versuch zu zeigen, wie die Nation mit dem Unsagbaren umgeht. Die Zeitung kommt zu dem Schluss: Vielleicht liegt hierin das wahre deutsche,wunder nach dem Zweiten Weltkrieg: wie das Land sich täglich dazu zwingt, sich zu erinnern. Science. Not fiction.

6 6 POLITIK HBG Samstag/Sonntag, 18./19. Oktober 2014, Nr. 240 DEFGH DEFGH Nr. 240, Samstag/Sonntag, 18./19. Oktober 2014 HBG POLITIK 7 Ich möchte für meine Eltern da sein Familienministerin Manuela Schwesig will die Altenpflege durch Angehörige erleichtern auch finanziell interview: nina von hardenberg Kleine Kinder, stressiger Job, und dann wird auch noch die Mutter krank. Für viele Menschen ist die Pflege ihrer Angehörigen kaum zu stemmen. Die Regierung will nun den Familien helfen, Pflege und Beruf besser zu verbinden. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) über die Änderungen und die Lasten für die Sandwich-Generation. SZ: Frau Schwesig, wie geht es Ihren Eltern? Schwesig: Meine Eltern sind einerseits noch jung, meine Mutter 60, mein Vater 62 Jahre alt. Allerdings kann mein Vater, der viele Jahre schwer auf Baustellen gearbeitet hat, kaum noch laufen. Da fragen wir uns schon, wie geht es weiter, wenn es meinem Vater noch schlechter geht. Käme es für Sie infrage, Ihre Eltern eines Tages zu pflegen? Ich möchte für meine Eltern da sein, erst recht, wenn es schwierig wird. Es geht da ja nicht nur um die medizinische Pflege, sondern auch um die Sorgearbeit. Dass man Zeit miteinander verbringt. Ich finde, ein Mix aus privater Pflege und professionellen Angeboten wie Tagespflege und ambulanten Pflegediensten wäre das Richtige. Sie sind eine typische Vertreterin der Sandwich-Generation. Kümmern sich jetzt um Ihr Kind, machen Karriere und in Gedanken ist man schon bei den Eltern! Spüren Sie diesen Druck von beiden Seiten? Ich erlebe persönlich, was die Sandwich- Generation erlebt. Dass man sich Kinder wünscht, dass beide Partner im Beruf gefordert sind, und sich aber gleichzeitig die Frage stellt, wie man sich um seine Eltern kümmern kann. Das trifft vor allem die Frauen. Mein Mann und ich teilen uns die Erziehung unseres Sohnes, schmeißen zusammen den Haushalt. Er ist derjenige, der die Arbeitszeit reduziert hat, damit ich das Ministeramt ausfüllen kann. Das ist nicht überall so üblich. Meist sind es die Frauen, die das bewältigen müssen. Für die Frauen ist das eine massive Doppelbelastung viele werden selbst krank aufgrund der hohen Anforderungen. Die Frauen und Männer der Sandwich-Generation sind Leistungsträger in unserer Gesellschaft, zahlen Steuern und leisten Sozialabgaben. Darum ist es wichtig, dass wir uns Gedanken machen, wie wir auch diese Generation entlasten können. Das trifft vor allem die Frauen. Für die Frauen ist das eine massive Doppelbelastung viele werden selbst krank aufgrund der hohen Anforderungen. Manuela Schwesig Familienministerin Manuela Schwesig. Mit einer Auszeit vom Job. Ist das denn der richtige Weg? Immer weniger Menschen können und wollen selbst ihre Eltern pflegen. Braucht es nicht eher Angebote, damit ich weiter arbeiten und trotzdem für meine Eltern da sein kann? Wir brauchen beides. Mit der Pflegereform wird ja gerade das Angebot von Kurzzeitpflege und Tagespflege ausgebaut. Das ist die Möglichkeit, dass die Eltern für eine Zeit in einer Einrichtung betreut werden, wenn man berufstätig ist. Die Familien brauchen aber noch weitere Unterstützung. Stellen Sie sich vor, der Vater hat einen Schlaganfall. Die Familie steht plötzlich vor der Frage: was nun? Künftig besteht für die Angehörigen die Möglichkeit, bis zu zehn Tage aus dem Job auszusteigen, um akut eine Lösung zu finden. Neu ist, dass diese zehn Tage finanziell unterstützt werden. Das ermöglicht allen unabhängig vom Einkommen sich zu kümmern. Das ist für mich eine Gerechtigkeitsfrage. Wir lassen die Familie nicht alleine. Das ist sicher hilfreich. Aber Sie ermöglichen auch, dass Arbeitnehmer über zwei Jahre ihre Arbeit auf 15 Stunden reduzieren und später wieder aufstocken dürfen. Ist das der richtige Anreiz? Wer Angehörige pflegt, wird häufiger krank und hat ein erhöhtes Armutsrisiko. Sinn und Zweck ist ja nicht, dass einer über FOTO: S. T. KROEGER/LAIF Jahre hundert Prozent aussteigt. Weil das eben bedeutet, raus aus dem Job, weniger Geld, weniger Rente. Die Unternehmen verlieren ihre Fachkräfte. Es geht darum, die überschaubaren Auszeiten zu unterstützen. Denn auf ein Arbeitsleben gerechnet sind es doch nur kurze Zeiten, die man mal mehr für seine Kinder braucht oder eben, um die Pflege der Eltern zu begleiten oder zu organisieren... Zehn Tage zur Pflege Der Bundestag hat am Freitag die erste Stufe der Pflegereform beschlossen, die Anfang 2015 wirksam werden soll. Darin sind höhere Leistungen vorgesehen: Sie steigen generell um vier Prozent, was zum Beispiel in vollstationärer Pflege bei Stufe eins 1064 Euro bringt. Das sind 41 Euro mehr. Um die zusätzlichen Ausgaben zu finanzieren steigt der Beitragssatz von 2,05 Prozent (Kinderlose: 2,3) um 0,3 Punkte. Demenzkranke erhalten erstmals Zugang zu allen ambulanten Leistungen. Künftig zahlt die Pflegeversicherung zudem einen Lohnersatz für zehn Tage Freistellung vom Beruf für Pflege. Zu Hause Gepflegte sollen leichter vorübergehend in einem Heim untergebracht oder von ambulanten Diensten betreut werden können. Tagesund Nachtpflege kann ungekürzt neben Geld- und Sachleistungen beansprucht werden. Der Anspruch auf Betreuung durch Helfer in der ambulanten Pflege wird ausgeweitet. Bis zu 40 Prozent der ambulanten Pflegesachleistung können künftig dafür eingesetzt werden. Die Zahl zusätzlicher Betreuungskräfte in Heimen soll von auf bis zu steigen. Außerdem sollen die Zuschüsse für behindertengerechte Umbauten zum Beispiel im Bad von bisher 2557 auf bis zu 4000 Euro pro Maßnahme steigen. Bei mehreren Betroffenen unter einem Dach können Euro fließen. Im Jahr 2015 startet zudem ein Vorsorge-Fonds bei der Bundesbank, gut 1,2 Milliarden Euro im Jahr fließen hinein. Vom Jahr 2035 an sollen damit die Beiträge stabilisiert werden, wenn die Zahl der Betroffenen stark steigt. sz Das kommt drauf an. Die Pflege kann auch mal sieben oder acht Jahre dauern. Durchschnittlich sind Menschen etwa 3,5 Jahre pflegebedürftig. Die Rückkehrgarantie in den Job gilt für zwei Jahre, sie soll eine Unterstützung sein. Es ist möglich, dass sich mehrere Familienmitglieder die Pflege teilen: dass ich als Tochter die Familienpflegezeit in Anspruch nehme, und danach mein Bruder. Auch, um längere Pflegephasen abzudecken, um für den Angehörigen da zu sein. Das ist die Antwort für die Frauen. Es kann nicht sein, dass die Tochter alleine sieben Jahre pflegt und damit wieder alles bei der Frau liegt. Schöne Idee, de facto sind es aber meistens die Frauen, die pflegen. Das Gesetz zielt jedenfalls darauf ab, dass mehrere Angehörige sich gemeinsam kümmern. Das müssen nicht nur die Kinder sein. Der Angehörigenbegriff ist weit wir haben nun weitere Lücken geschlossen: Künftig ist es möglich, eine Pflegeauszeit zu nehmen, wenn der Stiefvater oder die Stiefmutter, Schwager oder Schwägerin pflegebedürftig sind. Und: Die neuen Regelungen gelten auch für homosexuelle Paare, die nicht verheiratet sind. Ist es denn überhaupt noch zeitgemäß, die Pflege so stark auf Angehörigen abzuladen? Oder ist es vor allem billig für die Pflegeversicherung? Die Kassen haben ja deutlich geringere Kosten, wenn die Familie einspringt. Der Wunsch vieler Menschen ist es, möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Ich finde es deshalb wichtig, dass professionelle Pflege und Pflege durch die Familie unterstützt wird. Wem das Geld in der Pflegezeit knapp wird, der soll künftig ein zinsloses Darlehen beantragen können. Aber auch das muss man ja später wieder zurückzahlen. Ist das eine Regel für Besserverdiener? Nein, das Darlehen soll helfen, den Verdienstausfall abzupuffern. Das nutzt gerade denen, die sich einen kompletten Verdienstausfall nicht leisten können. Und für die Pflegenden kann es in dieser Zeit ja auch Pflegegeld geben. Haben Sie schon mal über eine Art Elterngeld für die Pflege nachgedacht, also einen Verdienstausgleich für eine längere Zeit? Ja. Die SPD hatte das in den Koalitionsverhandlungen vorgeschlagen. Aber das war nicht durchsetzbar. Wir haben uns dann mit der Union auf den Lohnersatz und das Darlehen geeinigt. Und künftig? Könnten Sie sich einen Lohnausgleich für pflegende Angehörige vorstellen? Mir liegt als Ministerin erst mal am Herzen, dass dieses Gesetz ankommt. Dann schauen wir uns an, wie es weiterentwickelt werden muss. Wichtig ist, dass wir endlich anfangen, die Familien besser zu unterstützen. von daniel brössler Zwei Welten, keine Einsicht In Mailand reden Russlands Präsident Putin und Europas Führung zwar gemeinsam über die Ukraine, aber zumeist aneinander vorbei. Der Kremlchef zeigt sich zu echten Zugeständnissen nicht bereit Nach stundenlanger Warterei doch noch an einem Tisch: Wladimir Putin und Angela Merkel. Mailand Es ist kurz nach elf Uhr abends, als Wladimir Putin es schließlich doch noch einrichten kann. Vier Stunden später als geplant beginnt im Mailänder Hotel Park Hyatt das Gespräch von Kremlchef zu Kanzlerin. Nicht zum ersten Mal muss Angela Merkel auf den russischen Präsidenten warten. Aufschlussreich ist die Verspätung trotzdem. Während Putin sich erst Stunden nach der Zeit von den serbischen Freunden und der 70-Jahr-Feier des sowjetischen Sieges in Belgrad trennen mag, wartet Europa, ob es in Mailand einen Durchbruch oder doch wenigstens einen Schritt in Richtung Frieden in der Ukraine geben kann. Der Europa-Asien- Gipfel bietet den Rahmen, der dafür gefüllt werden müsste. Als Putin während der Rede von EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy vom Flughafen kommend ins Gala-Abendessen platzt, wissen aber alle: Der Mann hat es nicht eilig. Unter diesem Vorzeichen steht dann auch das Treffen mit Merkel. Sie will Zusagen, er weicht aus. Im Kern geht es darum, ob die Ukraine, von der Krim abgesehen, in ihren Grenzen bestehen bleiben wird. Der im September in Minsk ausgehandelte Waffenstillstand ist keiner, und von den Separatisten in den von ihnen kontrollierten Gebieten für November angesetzte Lokalwahlen könnten die Teilung zementieren. Das wollen Merkel und die anderen Europäer verhindern. Als Minimalziel des Gipfels von Mailand haben sie sich ein Entgegenkommen Putins in diesem Punkt gesetzt: Die Wahlen sollen nach ukrainischem Recht stattfinden. Das wäre ein Zeichen, dass aus den Gebieten Donezk und Luhansk kein neues Transnistrien wird. Diese Region, die sich mit russischer Rückendeckung faktisch von der Republik Moldau abgespalten hat, ist zur Chiffre geworden für das, was ein eingefrorener Konflikt genannt wird ein Konflikt, in dem zwar nicht mehr geschossen wird, der aber auch nicht zu lösen ist. Beim Gespräch im Park Hyatt versichert Putin einmal mehr, dass er das nicht wolle und dass er die territoriale Unversehrtheit der Ukraine achte womit er freilich nicht die Krim meint. Zweieinhalb Stunden dauert das Gespräch mit Merkel. Zweieinhalb Stunden, in denen wieder einmal Welten aufeinandertreffen. Es ist so, dass wir über die Historie dieses Konfliktes sehr unterschiedliche Auffassungen haben, wird Merkel später sagen. Immer wieder rezitiert Putin in Mailand jene Darstellung, die er bereits in russische Geschichtsbücher hat schreiben lassen: Im Februar habe in Kiew ein Staatsstreich stattgefunden. Darin, nicht in Russland, sei die Ursache allen Übels zu finden. Vor dem Treffen mit Putin hat Merkel mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko gesprochen. Von ihm hat sie gehört, was sie ohnehin weiß: Das Abkommen von Minsk wird nicht umgesetzt. Insbesondere gelingt es nicht, entlang der vereinbarten Waffenstillstandslinie für Ruhe zu sorgen. Die Separatisten halten Stellungen, die sie verlassen müssten. Die ukrainische Armee ist deshalb nicht bereit, den Flughafen von Donezk aufzugeben. Das Ergebnis sind Tote, jeden Tag aufs Neue. Putin zieht sich gerne darauf zurück, dass er auf die Separatisten am Ort keinen Einfluss habe. In einer Detailfrage aber deutet er Entgegenkommen an beim Vorhaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), mithilfe deutscher und französischer Drohnen die Waffenruhe zu überwachen. Hier hat Russland eine Offenheit gezeigt und ist gegebenenfalls auch bereit, sich an solchen Missionen zu beteiligen, wird Merkel berichten. Soll heißen, dass auch Russland der OSZE Drohnen zur Verfügung stellen könnte. Dann müsste es allerdings auch akzeptieren, dass die Hoheit über die gewonnenen Daten bei der OSZE liegt. Wirklich wichtig ist Putin in Mailand offenkundig ein anderer Punkt. Ausführlich legt er, sogar mithilfe von Stift und Papier, Merkel die Gefahren für die Gasversorgung Europas im Winter dar, warnt davor, dass die Ukraine Transitgas anzapfen werde. Man werde, das hatte Putin auch schon in Belgrad gesagt, wie 2009 die Gaslieferungen konsequent um die jeweils gestohlene Menge kürzen. Am Rande wird in Mailand von Experten auch über die Gasfrage geredet, die am kommenden Dienstag Gegenstand einer neuerlichen Verhandlungsrunde unter der Ägide von EU-Energiekommissar Günther Oettinger ist. Gewisse Fortschritte wird schließlich der ukrainische Staatschef Poroschenko verkünden. FOTO: JESCO DENZEL/DPA Als der russische Präsident nur wenige Stunden nach dem Treffen mit Merkel und einer nächtlichen Visite bei seinem Freund Silvio Berlusconi um acht Uhr in der prächtigen Präfektur von Mailand den Mächtigen Europas sowie dem Ukrainer Poroschenko gegenübersitzt, geht es wieder um die Minsker Vereinbarung und wie sie befolgt werden kann. Von einem Schritt vorwärts spricht der italienische Gastgeber Matteo Renzi im Anschluss. Doch das ist Zweckoptimismus. Bei der Begegnung, an der auch Frankreichs Präsident François Hollande und der britische Premierminister David Cameron teilnehmen, gibt es eben keine nennenswerten Fortschritte. Am Freitagabend sitzen Putin und Poroschenko dann noch zu einem bilateralen Gespräch zusammen, um über den Konflikt zu beraten. Sie könne keinerlei Durchbruch bis jetzt erkennen, hatte Merkel vor der Presse zuvor zugegeben, lediglich in einigen Detailfragen durchaus Annäherungen. Die zentrale Frage aber sei, ob die territoriale Integrität der Ukraine wirklich geachtet wird. Zurück auf dem Boden Vieles spricht gegen deutschen Drohneneinsatz in der Ukraine Berlin Immer mehr Schwierigkeiten sprechen gegen einen möglichen Einsatz der Bundeswehr im Osten der Ukraine. Sowohl technische Probleme als auch rechtliche Bedenken machen es fraglich, ob deutsche Soldaten sich daran beteiligen können, die Grenze zu Russland mit Drohnen zu überwachen. Deutschland und Frankreich hatten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) einen solchen Einsatz angeboten. Die Absicht, zum Schutz der Mission bewaffnete Soldaten einzusetzen, wird bei der OSZE jedoch äußerst kritisch gesehen. Hinzu kommen weitere Probleme. So gibt es in der Bundesregierung offenbar Zweifel, ob sich ein solcher Einsatz überhaupt mit dem Grundgesetz vereinbaren ließe. In einem internen Dokument aus der Abteilung Strategie und Einsatz des Verteidigungsministeriums, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, heißt es dazu: Angesichts der Sicherheitslage ist von dem Erfordernis einer Mandatierung durch den Deutschen Bundestag bei einer Unterstützung mit bewaffneten deutschen Kräften auszugehen. Dabei stelle sich neben der formalen Frage der Mandatierung die Frage der materiellen verfassungsrechtlichen Grundlage des Tätigwerdens der Streitkräfte, heißt es in dem Dokument. Was das bedeutet, wird im nächsten Satz ausgeführt: Hierzu müsste das bisherige Verfassungsverständnis der Bundesregierung weiterentwickelt werden was einerseits gut begründbar sei, andererseits aber ein verfassungsrechtliches Risiko aufwirft. Hintergrund der Bedenken ist die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, nach der Auslandseinsätze der Bundeswehr nur möglich sind, wenn sich die Bundesrepublik, wie vom Grundgesetz vorgesehen, in ein System gegenseitiger kollektiver Sicherheit einordnet. Rechtlich ist aber umstritten, ob man die OSZE als ein solches System sehen kann, wie man es etwa mit der Nato tut. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte vor zwei Wochen den Verteidigungsfachleuten der Bundestagsfraktionen die Möglichkeit zweier neuer Auslandsmissionen der Bundeswehr in Aussicht gestellt: Neben der Möglichkeit einer Ausbildungsmission, mit der man den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat unterstützen könnte, kündigte die Ministerin auch eine potenzielle Mission in der Ostukraine an. Angesichts der Schwierigkeiten bei diesem Vorhaben kommt nun Kritik von den Grünen. Mit ihrem überhasteten und dilettantischen Vorgehen konterkariert Frau von der Leyen eine grundsätzlich sinnvolle Mission, sagt deren Verteidigungspolitikerin Agnieszka Brugger. Das sei blamabel. Ihre Parteifreundin Katja Keul geht noch weiter: Für mich ist offensichtlich, dass von der OSZE nie Bundeswehr-Personal angefragt war. Wir Parlamentarier fühlen uns hinters Licht geführt. Für mich ist offensichtlich, dass von der OSZE nie Bundeswehr-Personal angefragt war. Wir Parlamentarier fühlen uns hinters Licht geführt. Katja Keul, Die Grünen Zudem gibt es erhebliche technische Probleme: Das Verteidigungsministerium bestätigte am Freitag, dass die für den Einsatz vorgesehenen Drohnen vom Typ Luna nicht mehr sicher zu steuern sind, wenn es kälter als minus 19 Grad wird. Die Bild-Zeitung hatte das gemeldet und darauf verwiesen, dass es im ukrainischen Winter in Flughöhen von 3000 bis 5000 Metern deutlich kälter wird. Das Ministerium versuchte, die Auswirkung dieser Einschränkung auf den Einsatz zu relativieren: Es müsse im Einzelfall entschieden werden, ob die Drohnen fliegen könnten. Auch die Drohnen, die unsere Partner dort einsetzen würden, unterlägen vergleichbaren Einschränkungen, sagte ein Sprecher. Seit 2001 habe man die Luna in mehr als 5000 Flügen eingesetzt, etwa über Mazedonien, Kosovo und Afghanistan, im Winter, im Sommer, also unter unterschiedlichen Bedingungen. Der Russland-Beauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler, stellte indes wegen der vielen Probleme einen möglichen Einsatz in der Ostukraine infrage. Ich habe große Zweifel, ob es zu einem Drohneneinsatz kommt, sagte er im Deutschlandfunk. christoph hickmann Realität. Nicht Vision. Das neue Audi TTS Coupé. Mehr unter Kraftstoffverbrauch in l/100 km: kombiniert 7,4 6,9; CO 2 -Emissionen in g/km: kombiniert

7 8 POLITIK HF2 Samstag/Sonntag, 18./19. Oktober 2014, Nr. 240 DEFGH INLAND Bayern schiebt Salafisten ab München Bayern hat am Freitag einen 22-jährigen Salafisten in die Türkei abgeschoben, der sich in einem Interview mit drastischen Formulierungen zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt hatte. Mit der Abschiebung von Erhan A. aus Kempten sei eine erhebliche Gefahr für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland beseitigt, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitag in München. Jemand, der in aller Öffentlichkeit die Gräueltaten der Terrormiliz Islamischer Staat gutheißt, das Köpfen von Journalisten rechtfertigt und nicht davor zurückschreckt, seine eigene Familie zu töten, wenn sie sich nicht an die islamischen Gesetze hält, hat bei uns letztlich nichts verloren, betonte Herrmann. Erhan A. hatte dem Magazin der Süddeutschen Zeitung gesagt, er würde sogar seine eigene Familie umbringen, falls diese sich gegen den Islamischen Staat stellen sollte. afp 95 Prozent machen Spenden und Mitgliedsbeiträge an den Einnahmen der globalisierungskritischen Organisation Attac aus. Wie jetzt bekannt wurde, hat das Finanzamt Frankfurt der NGO den Status der Gemeinnützigkeit aberkannt. Die Behörde begründet ihren Schritt damit, dass Attac seinem Bildungsauftrag nicht ausreichend nachkomme und stattdessen zu sehr politisch agiere. Die Organisation sorgt sich nun um die Einnahmen, da Spenden nicht mehr von der Steuer abgesetzt werden können machten Spenden und Mitgliedsbeiträge gut 1,4 Millionen Euro aus. Attac hat Einspruch gegen die Aberkennung eingelegt. Die SPD in Hessen äußerte den Verdacht, der Spruch des Finanzamts sei politisch motiviert. jhd Seite 4 Mehr Geld für die Truppe München CSU-Chef Horst Seehofer verlangt mehr Geld für die Bundeswehr. Die Sparpolitik müsse korrigiert werden, sagte er der Süddeutschen Zeitung und erklärte auf die Frage, ob die Truppe finanziell besser ausgestattet werden müsse: mittelfristig ja. Der CSU-Chef sprach von eklatanten Schwachstellen bei der Ausrüstung. Er räumt eine Mitschuld der CSU an der Misere ein. Das war ein Weg, den wir alle gemeinsam gegangen sind. An diesem Samstag will Seehofer vor Parteikollegen in Nürnberg eine außen- und sicherheitspolitische Grundsatzrede halten. Nach dem schlechten Europa-Wahlergebnis hatte er angekündigt, die Außenpolitik zu einem Schwerpunkt machen zu wollen. fmue, msz Bayern Fonds für Behinderte Berlin Auch ehemalige Heimkinder aus Behindertenheimen sollen Zugang zu Entschädigungen erhalten. Wie ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums sagte, hat das Ministerium den Ländern und den Kirchen ein Konzept und einen Zeitplan für die Errichtung eines eigenständigen Fonds II für diese Betroffenen zur Entscheidung vorgelegt. Eine Einbeziehung in die bestehenden Heimkinderfonds sei nicht vorgesehen. Zur Begründung verwies der Sprecher darauf, dass das wegen der bereits abgelaufenen Anmeldefrist beim Fonds Heimerziehung DDR (30. September) und der in Kürze endenden Anmeldefrist beim Fonds West (31. Dezember) unmöglich sei. epd von jens schneider Berlin Weltstädte sind ein großes Versprechen, das macht sie so anziehend. Schwierig wird es, wenn man ihren Versprechen nicht mehr glaubt, oder sie sicherheitshalber gar keine mehr geben. Für den 11. Dezember hat Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit seinen Rücktritt angekündigt, nach 13 Jahren im Amt. Am Tag darauf sollte es eine gute Nachricht zu dem Bauprojekt geben, das dem Sozialdemokraten und der Stadt zur schweren Last wurde, weil nichts voran, aber viel schiefging. Für den Hauptstadtflughafen wollte Hartmut Mehdorn, Chef der Flughafengesellschaft, endlich einen Termin für die oft verschobene Eröffnung nennen. So kündigte er es im Sommer an. Freilich wollte er sich nur festlegen, wenn er den Termin halten könnte. Jetzt wurde das Versprechen abgesagt. Mehdorn wird keinen Termin nennen. Von einem Terminband ist die Rede, einer Art Korridor, in dem die Eröffnung stattfinden soll. Man hört, die Arbeiten an der Brandschutzanlage ziehen sich hin. Wir arbeiten die Themen Stück für Stück ab und kommen gut voran, sagt der Flughafen-Sprecher. Im Roten Rathaus, Wowereits Amtssitz, Finanzsenator Nußbaum kündigt schon jetzt seinen Rückzug an kommentierte man das gelassen. Es gehe darum, dass der Flughafen Fortschritte mache. Ein unverlässlicher Termin wäre kein Fortschritt, sagte der Senatssprecher. Man verspricht lieber nichts mehr. So wird für Wowereits Nachfolger der Flughafen die größte Hypothek sein. Eine Lösung hat keiner der drei Kandidaten. Wie auch? Nun wird diskutiert, ob weniger Politiker und dafür mehr technischer und planerischer Sachverstand in den Aufsichtsrat soll. Das könnte ein kleiner Neuanfang sein. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke hat Sympathie für die Idee. An diesem Samstag wird die Suche nach dem neuen Regierenden Bürgermeister vielleicht beendet, mindestens eine Vorentscheidung fallen. Manche Genossen erwarten, dass einer der drei Konkurrenten so klar vorn liegen wird, dass keine Stichwahl nötig ist. In einer Art Vorgriff erklärte am Freitag der parteilose Finanzsenator Ulrich Nußbaum, dass er für einen neuen Senat unter dem Nachfolger nicht zur Verfügung stehen wird, wer immer es wird. Nußbaum zeigte zuletzt Wertschätzung für den jüngsten Kandidaten Raed Saleh. Zugleich gilt sein Verhältnis zu Jan Stöß und Michael Müller als schwierig. Im Senat soll der selbstbewusste Finanzsenator Müller oft ausgebremst haben. Und die Erwartung geht in Richtung Müller. Der Stadtentwicklungssenator und Weggefährte von Wowereit galt noch vor Kurzem als abgemeldet hatte er in einer Kampfabstimmung nach acht Jahren an der Parteispitze den Vorsitz an Jan Stöß verloren. Schwer vorstellbar erschien, dass die SPD einen zum ersten Mann Berlins wählen würde, den sie nicht mal mehr als Vorsitzenden wollte. Von ihm seien zu wenig Impulse gekommen, wurde damals kritisiert, er sei nur treuer Gehilfe Wowereits gewesen. Jetzt gilt Müller als Favorit, bei Umfragen unter den Berlinern liegt er klar vorn. Wenn er Betriebe besuchte, begrüßten ihn Chefs schon als unseren künftigen Regierenden. Müllers Stellung als Favorit könnte mit Eigenschaften zu tun haben, die bisher als seine Makel galten: seine blassen Auftritte, die solide Bodenständigkeit, das Fehlen von Visionen. Sie sollen als Antwort auf ein weit verbreitetes Gefühl dienen das Gefühl, nicht gut regiert zu werden. Berlin erlebte in den vergangenen Jahren viel Spektakel, viel Wandel, Glanz und Glamour zogen ein. Dafür stand Wowereit. Er hat intern den Ruf eines harten Arbeiters. Dennoch wirkte es immer öfter, als ließe er die Stadt mit Problemen allein; vom Streit um Flüchtlingslager bis zur Wohnungsknappheit. Er war das drollige, inzwischen verschrammte Maskottchen Berlins geworden, schon immer und immer noch da, als Führungsfigur abhandengekommen. Immer öfter ist die Rede von einer Sehnsucht nach Zuverlässigkeit. Müller verspricht einen neuen Stil der Politik, der von Ernsthaftigkeit und Sachlichkeit geprägt ist. Er bekannte sich zu Wowereit, sprach von 13 guten Jahren, und setzte sich doch ab. Beim Glamour- Faktor gibt es bei mir noch Luft nach oben, erzählte er auf dem Mitgliederforum. Neulich sei er mal wieder mit dem Klaus, also Wowereit, unterwegs gewesen. Innerhalb von zehn Minuten habe der wieder alle Models geküsst. Würde ich doch auch gern machen, sagte Müller. Aber als dieser Klaus den Models dann gesagt habe: Das ist vielleicht der Nächste, den ihr küssen müsst, da seien die doch einigermaßen verzweifelt gewesen. Michael Müller, 49, betrieb eine Druckerei, bevor er Senator für Stadtentwicklung wurde. Der erfahrene Kandidat führte viele Jahre die SPD-Fraktion und die Partei, bis die ihn abwählte. Und es ist nicht gut so Viele Berliner haben das Gefühl, schlecht regiert zu werden, ihr Bürgermeister Klaus Wowereit ist als Führungsfigur abhandengekommen. An diesem Samstag könnte sich entscheiden, wer der Nachfolger wird. Doch was für einen Typen braucht die Stadt? Kraftraubender Wandel: Berlin unterliegt ständigen Veränderungen. Doch davon profitieren längst nicht alle. Raed Saleh, 37, wuchs als Sohn eines Einwanderers aus dem Westjordanland in Berlin auf. Der SPD-Fraktionschef arbeitete sich aus einfachen Verhältnissen hoch, gründete ein Unternehmen in Spandau. Da hatten die Genossen auch bei Müller mal was zu lachen. Es wurde geschrieben, dass er mit dem fehlenden Glamour kokettiere. Falsch, sagte Müller. Er habe einfach keinen Glamour. Es ist so. Die Botschaft dahinter ist, dass Berlin Glamour reichlich hat, und nun er für das andere und die anderen sorgen werde. Müller sagte: Genossinnen und Genossen, ihr kennt mich. Das erinnerte an den wichtigsten Satz aus dem letzten Wahlkampf von Angela Merkel: Sie kennen mich. Müller sprach davon, dass er 49 Jahre Berliner ist, also sein ganzes Leben, und die Sorgen derer kenne, die sich von den vielen Veränderungen überfordert fühlten. Gutes Regieren versprach er und reiht sich in die lange Riege der Politiker ein, die den sachlichen Auftritt zum Prinzip erklärt haben, von Olaf Scholz in Hamburg über Stephan Weil in Hannover bis zu Angela Merkel. Seine Kontrahenten haben versucht, Müller zu stellen. SPD-Fraktionschef Saleh mahnte, dass die SPD keine Wahlen gewinnen könne, wenn sie langweilig sei, und nur verwalte. Der Sohn eines Einwanderers aus dem Westjordanland hat viel Sympathie gewonnen. Seine Konkurrenten spürten, dass der Berliner Muslim die spannendste Geschichte zu erzählen hatte und international Aufmerksamkeit erweckte. Müller lobt, Saleh sei ein hervorragender Fraktionsvorsitzender. Das soll er auch möglichst lange bleiben. Tatsächlich hat Saleh die Zeit auf seiner Seite. Für den jüngsten Kandidaten wird es nicht die einzige Chance auf höhere Weihen sein. SPD-Chef Stöß drängte es oft danach, daran zu erinnern, dass Müller seit drei Jahren eines der größten Ressorts führt, als Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, zuvor zehn Jahre Fraktionschef war. War er nicht immer dabei, trägt er nicht Verantwortung für Versäumnisse? Spürbarer noch als der Pannen-Flughafen ist als Problem in der Stadt der Mangel Seit 2012 führt der Verwaltungsrichter Jan Stöß, 41, die Berliner SPD. Der linke Sozialdemokrat verspricht der Partei einen Neuanfang mit mehr Investitionen in Personal und Infrastruktur. FOTO: REGINA SCHMEKEN an bezahlbaren Wohnungen. Vorbei sind die Zeiten, in denen Berlin auch wegen günstiger Mieten attraktiv war. Wohnungen fallen in Müllers Ressort, er verteidigte sich, es entstünden viele neue Wohnungen. Stöß konterte: Das sind vor allem private Investoren, die meist viel zu teure Wohnungen bauen. Müller habe zu wenig für den sozialen Wohnungsbau getan. Der Senator kündigte an, sich für ein Umwandlungsverbot von Miet- in Eigentumswohnungen einzusetzen: Ich werde alles tun, das durchzusetzen. Immerhin, das kostet den Senat nichts. Die Bundeshauptstadt ist weiter hoch verschuldet, mit Euro je Einwohner. In den letzten Jahren unter Wowereit und dem parteilosen Finanzsenator Ulrich Nußbaum wurde streng gespart, man konnte Schulden tilgen, drei Jahre in Folge. Berlins Wirtschaft wächst, lag beim Bruttoinlandsprodukt im Ländervergleich vorn. Kann es sich deshalb mehr leisten? Stöß hat als einziger Bewerber ein Hundert-Tage-Programm vorgelegt und Investitionen versprochen in die marode Infrastruktur, für mehr Personal. Das würde 1,5 Milliarden Euro kosten, entgegnete Müller: Ich verspreche nicht allen alles. Auch Saleh warnte vor einer Abkehr vom Konsolidierungskurs. In solchen Momenten haben die drei auch mal gestritten. Ansonsten blieb es ein verdruckster Wettbewerb, ohne die leidenschaftliche Rivalität, die in Amerika die Primaries zu emotionalen Ereignissen werden lässt. Bei der Berliner SPD stießen schon kleine Versuche auf Irritation. Anhänger von Saleh kamen in roten T-Shirts, auf denen sie sich zu ihm bekannten. Schon das fanden manche Genossen zu viel, beinahe aggressiv. Vielleicht hätte mehr Zuspitzung der Berlin gutgetan, auch die Suche nach Ideen für die Stadt. Diese Woche erinnerte die Partei alle Genossen noch einmal, bitte abzustimmen. Bis Montag hatten sich erst 8402 beteiligt, weniger als die Hälfte. Nicht viel für die Zukunft einer Metropole mit 3,5 Millionen Einwohnern. München Der Zeuge sei windig, halbseiden, ein Krimineller, der mit mehreren Morden in Verbindung gebracht werde. Es brauchte keine hellseherischen Fähigkeiten, um aus dem, was die Verteidigerriege um den Strafrechtler Richard Beyer vor dem Prozess um den Mord an dem Exilkroaten Stjepan Đureković verlauten ließ, die Verteidigungslinie zu erschließen: den Hauptbelastungszeugen zu zerlegen im Kroatenmordprozess, der am Freitag vor dem Oberlandesgericht München begonnen hat. Die Aussagen jenes Zeugen hatten dazu geführt, dass sich die beiden ehemaligen kroatischen Geheimdienstchefs Josip Perković und Zdravko Mustač überhaupt verantworten müssen, wegen Beihilfe zum Mord an Đureković im Juli 1983 in Wolfratshausen. Verhandelt wird nicht nur dessen gewaltsamer Tod, sondern viel mehr: die längste ungeklärte Mordserie auf deutschem Boden, bei der in den Sechziger- bis Achtzigerjahren etwa 30 Exilkroaten getötet wurden mutmaßlich mit Wissen und Hilfe damaliger jugoslawischer Staatsmänner und Geheimdienste. Perković und Mustač sind die ersten Drahtzieher, die in der Mordserie vor Gericht stehen, obwohl Jahrzehnte vergangen sind. Schweigsame Hintermänner Ehemalige kroatische Geheimdienstchefs stehen wegen Beihilfe zum Mord in München vor Gericht Bis heute haben sie mächtige Unterstützer. Perkovićs Sohn berät den derzeitigen kroatischen Präsidenten in Sicherheitsfragen. Erst nach dem Beitritt Kroatiens zur EU waren die beiden Angeklagten nach Deutschland ausgeliefert worden, nach massivem politischen Druck. Den wichtigsten Zeugen zu demontieren könnte ihren Verteidigern bereits am Der damalige Geheimdienst-General Josip Perković soll den Mord in Deutschland angeordnet haben. FOTO: DPA ersten Prozesstag gelungen sein: Denn der Mann, der unter dem Decknamen Mišo für den kroatischen Geheimdienst arbeitete, soll vom Bundesnachrichtendienst (BND), dem deutschen Auslandsgeheimdienst, beeinflusst worden sein. Ihm liege ein Papier des kroatischen Geheimdienstes vor, trug Verteidiger Beyer dem Gericht vor. Aus diesem gehe hervor, dass der BND einem wichtigen Zeugen geldwerte Vorteile in Aussicht gestellt habe, wenn er aussage. Das Dokument sei von diesem Zeugen unterschrieben. Nach SZ-Informationen handelt es bei diesem Zeugen ausgerechnet um Mišo. Mišo erzählte den deutschen Ermittlern 2008 die Geschichte, die sich hinter dem Mord in einer Wolfratshauser Garage, die als Druckerei genutzt wurde, verbergen soll. Das spätere Opfer Đureković soll als Marketingmanager der Erdölfirma INA in schmutzige Geldgeschäfte verwickelt gewesen sein, ebenso der Sohn eines damaligen Politikers von höchstem Range. Der Politiker habe sich des Zeugen Đureković entledigen wollen und ein Komplott geschmiedet, um diesen erst ins Ausland zu treiben und ihn dann dort ermorden zu lassen. Im Frühjahr 1983 habe Geheimdienstchef Mustač seinem Abteilungsleiter für feindliche Emigration, Percović, den Mordauftrag erteilt. Letzterer habe die Fäden gezogen und seinen in Deutschland lebenden Agenten Krunoslav P. mit der Organisation betraut. P. wurde 2008 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, ebenfalls in München. P. verschaffte den drei Mördern Zugang zur Garage und lockte das Opfer an den Ort, an dem ihn die Mörder schon erwarteten. Auch deren Namen hat der Zeuge Mišo den deutschen Behörden geliefert. Zwei von ihnen sind tot, der eine wurde erschossen, der andere kam unter mysteriösen Umständen ums Lebens. Und der dritte lebt unbehelligt in Schweden. Mišo hatte ihn 2008 entführt, in ein Auto gepackt und an einer bayerischen Autobahnraststätte der Polizei übergeben. In Schweden ist der Mord verjährt, Mišo bekam in Deutschland eine Bewährungsstrafe. Dessen Aussagen hält die Bundesanwaltschaft dennoch für authentisch und werthaltig, heißt es in Ermittlerkreisen. So werthaltig, dass darauf die Anklage gegen die beiden Ex-Geheimdienstchefs fußt. Beide haben in früheren Aussagen bestritten, mit diesem oder anderen Morden in Verbindung zu stehen. Vor Gericht werden sie schweigen. katja riedel Schnellere Verfahren Innenminister: Flüchtlingspolitik ist eine nationale Aufgabe Berlin Die Innenminister von Bund und Ländern haben sich darauf verständigt, die Asylverfahren zu beschleunigen, um so für eine erste Entlastung insbesondere in den Erst-Aufnahmestellen zu sorgen. Außerdem unterstrichen sie, dass die drastisch steigenden Asyl- und Flüchtlingszahlen eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bund, Ländern und Gemeinden nötig machten. Über eine gerechtere Lastenverteilung soll in der kommenden Woche bei einem Treffen von Kanzleramtschef Peter Altmaier mit den Chefs der Staatskanzleien entschieden werden. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sprach nach dem Treffen von sehr konstruktiven Gesprächen. Sein Kollege Ralf Jäger (SPD) aus Nordrhein-Westfalen lobte den Schulterschluss. Geht es nach den Innenministern, dann sollen die Aufnahmeverfahren, durchgeführt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), an zwei Stellen besonders beschleunigt werden: Bei den Antragstellern, die mit sehr großer Wahrscheinlichkeit mit ihrem Antrag nicht durchkommen, weil sie aus sogenannten sicheren Herkunftsländern kommen. Über ihre Anträge soll möglichst schnell entschieden und ihre Rückführung entsprechend bald und koordiniert organisiert werden. Gleichzeitig sollen die Anerkennungsverfahren bei jenen, die sehr wahrscheinlich als Flüchtlinge oder Asylbewerber anerkannt werden, massiv verkürzt werden. Wenn möglich, soll dies in beiden Fällen schon in den Erstaufnahmestellen geschehen. Das würde die Zahl derer, die für längere Zeit untergebracht werden müssen, verringern und allen Beteiligten früher Gewissheit über ihre Zukunft geben. Bislang dauern Verfahren im Durchschnitt sieben Monate. Um dies zu erreichen, soll unter anderem die Zahl der Mitarbeiter im BAMF weiter erhöht werden. Schon im Haushalt 2014 wurden 300 zusätzliche Stellen bewilligt. Mindestens ebenso viele sollen 2015 noch einmal dazukommen. Außerdem haben die Innenminister angekündigt, die Jugendämter zu entlasten, die bislang für alle unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge verantwortlich sind. Auch ihre Zahl ist zuletzt massiv gestiegen. Die Länder wollen sich damit aber nicht begnügen. Sie forderten den Bund bei ihrem Treffen am Freitag in Potsdam auf, er müsse künftig die Kosten für Asylverfahren komplett übernehmen, die länger als drei Monate dauern. steb, msz

8 DEFGH Nr. 240, Samstag/Sonntag, 18./19. Oktober 2014 HBG POLITIK 9 Prof. Dr. Datenschutz Spiros Simitis wird 80: Der Mann neben den Computern Die weltweite Geschichte des Datenschutzes begann in Hessen, und sie begann mit Spiros Simitis; das war Das Hessische Datenschutzgesetz war damals global das erste seiner Art; es war ein Leuchtturm-Gesetz. Simitis, junger deutschgriechischer Rechtsprofessor in Frankfurt, hat diesen Leuchtturm betrieben und gewartet. Er ließ sich zu diesem Zweck zum hessischen Datenschutzbeauftragten ernennen, war der erste Datenschutzbeauftragte in Deutschland, blieb das 15 Jahre und wurde zum Pfadfinder für den Datenschutz weltweit. Das alles begann zu einer Zeit, als die Computer noch riesige Kästen waren und mit Lochstreifen programmiert und befehligt wurden. Simitis hat die Entwicklung von den Großrechnern bis zum Cloud Computing begleitet und sie einzuhegen versucht; er hat, weltläufig und vielsprachig wie er ist, die deutschen Behörden beraten und die EU-Kommission, die Regierungen in den USA und Kanada (er tut das immer noch). Ihm war schnell klar, dass Datenschutz nicht nur Privatsphäre schützt, sondern zugleich die Demokratie. Die Vermittlung dieser Erkenntnis an Regierungen ist freilich auch ihm bis heute nicht recht geglückt. Der bewusste Verzicht auf zugängliche Informationen sei, so sagt er, eine Grundvoraussetzung demokratischer Gesellschaften. Mr. Datenschutz war ein juristisches Wunderkind: Der in Athen geborene Sohn eines Anwalts kam mit 17, nach griechischem Abitur, zum Jura-Studium nach Marburg, promovierte mit 22, habilitierte sich mit 29, wurde Rechtsprofessor erst in Gießen, dann in Frankfurt, wo er bis vor Kurzem die Universitäts-Forschungsstelle für Datenschutz leitete. Wenn man den Namen einer Maßeinheit für Datenschutz sucht: Sie müsste Simitis heißen. Er hat ihn weltweit entwickelt und geprägt. FOTO: IMAGO Aus dem Wunderstudenten wurde ein Wunderprofessor. Er gehört in drei sehr verschiedenen Rechtsgebieten zu den internationalen Koryphäen: im Arbeitsrecht, im Datenschutzrecht und im Familienrecht. Im Arbeitsrecht hat er die Unternehmens-Mitbestimmung geformt; das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil zur Mitbestimmung 1979 wesentliche Teile eines Simitis-Gutachtens übernommen. Im Datenschutz: siehe oben. Im Familienrecht hat Simitis schon vor vierzig Jahren die Bedeutung des Kindeswohls erkannt; vielleicht hatte das auch mit häuslichen Gesprächen zu tun: Seine Frau, Psychoanalytikerin, hat zusammen mit Anna Freud gearbeitet. Simitis gehört zu den wenigen Professoren, die Diskussionen beeinflussen, indem sie diese auslösen. Er ist ein politischer Professor, der sich aber parteipolitisch nie hat vereinnahmen lassen. Er hat in so vielen Gremien und Beraterstäben mitgearbeitet, dass man ihn sich als gehetzten Menschen vorstellt; das Gegenteil ist richtig. Er ist ein geduldiger Moderator und einer, der sich fürsorglich um seine wissenschaftlichen Schüler kümmert dazu ein herzlicher Charmeur. Simitistisch nennen seine Mitarbeiter die Art, etwas Kritisches durch die Blume zu sagen. Aber auch so einer hat Grenzen: als Vorsitzender des Nationalen Ethikrates scheiterte er, als es galt, eine gemeinsame Bioethik zu formulieren und Konsens beim Forschungsklonen und der Präimplantationsdiagnostik zu finden. Wenn man den Namen einer Maßeinheit für Datenschutz sucht: sie müsste Simitis heißen. Genauso begeistert wie über Datenschutz kann Simitis übrigens über die Qualität griechischen Olivenöls reden. Darauf lässt er so wenig kommen wie auf seinen Bruder Konstantin, der bis 2004 griechischer Ministerpräsident war. Am Sonntag feiert der große Europäer Spiros Simitis seinen achtzigsten Geburtstag. heribert prantl Ausschuss zu NSU kommt Stuttgart Im baden-württembergischen Landtag soll ein Untersuchungsausschuss die Morde der Neonazi-Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) aufarbeiten. SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel sagte am Freitag in Stuttgart, seine Fraktion werde ein solches Gremium beantragen. Der grüne Koalitionspartner hatte ohnehin einen Ausschuss befürwortet, war aber auf Widerstand der SPD gestoßen. Schmiedel begründete das Umschwenken damit, dass die Enquetekommission, die sich im Landtag mit den NSU-Morden beschäftigt, in keiner guten Verfassung sei und eine Pause brauche. Die Kommission hatte sich in Streitereien verstrickt. dpa Wie werden Deutschlands Alte gepflegt? Mehr Haus- als Heimarbeit 29,7 % in Pflegeheimen 23,0 % mithilfe von Pflegediensten Merkel trifft Putin Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich am 17. Oktober mit Russlands Präsident Wladimir Putin zu Gesprächen über eine Lösung des Konflikts in der Ukraine getroffen. Die Treffen fanden am Rande des Europa-Asien-Gipfels in Mailand statt. Kernpunkt der Gespräche war die Achtung der territorialen Integrität der Ukraine. Prorussische Separatisten planen, eigene Wahlen in den von ihnen kontrollierten Gebieten in der Ostukraine abzuhalten. Am 11. Oktober hatte Putin angekündigt, Soldaten von der ukrainischen Grenze abzuziehen. Die Ankündigung stieß bei der ukrainischen Regierung auf Skepsis. Bereits im Mai hatte Russland trotz einer vergleichbaren Ankündigung seine Truppen nicht zurückgezogen. 2,5 Millionen Pflegebedürftige Ebola-Todesfall in Deutschland Ein mit Ebola infizierter UN-Mitarbeiter ist am 14. Oktober in einem Leipziger Krankenhaus gestorben. Der Mann hatte sich in Liberia mit dem Virus infiziert und war zur Behandlung nach Deutschland geflogen worden. Es war der erste Ebola-Todesfall in Deutschland. In den USA schürte ein zweiter Ebola-Fall die Furcht vor der Ausbreitung der Seuche. Am 15.Oktober wurde bekannt, dass sich eine Krankenschwester in Texas mit dem Virus infiziert hat. Laut Weltgesundheitsorganisation sind in Westafrika mindestens 8914 Menschen an dem Erreger erkrankt und 4474 von ihnen gestorben. Um die Seuche zu bekämpfen, stellte die Bundesregierung am 17. Oktober weitere 84,7 Millionen Euro bereit. Deutsche Geiseln frei Philippinische Entführer wollen Lösegeld erhalten haben Manila Die von Islamisten auf den Philippinen entführten Deutschen sind frei. Dies bestätigte das Auswärtige Amt am Freitagabend in Berlin. Zuvor hatte bereits ein Sprecher der Gruppe Abu Sayyaf einem Radiosender am Freitag gesagt, dass die Geiseln auf freiem Fuß seien. Die Entführer hatten behauptet, sie hätten zumindest einen Teil des Lösegeldes erhalten. Wie viel von den geforderten 4,3 Millionen Euro gezahlt wurde, wollte ein Sprecher der Extremisten nicht sagen auch 4,3 Millionen Euro Lösegeld hat die philippinische Extremistengruppe Abu Sayyaf für zwei Deutsche gefordert, die im April bei einem Segeltörn von einer Yacht verschleppt wurden. nicht, wer das Geld zur Verfügung stellte. In philippinischen Regierungskreisen hieß es, umgerechnet 1,04 Millionen Euro seien bereits gezahlt worden. Der Rest des Geldes sollte nach weiteren Verhandlungen fließen. Die Extremisten hatten damit gedroht, einen der Gefangenen hinzurichten. Das Auswärtige Amt hatte den Diplomaten Rüdiger König als Krisenbeauftragten auf die Philippinen entsandt. Medienberichten zufolge sollte er Gespräche zur Freilassung der Geiseln führen. Zu der Lösegeldforderung von Abu Sayyaf wollte das AA sich nicht äußern. Die Extremisten hatten im April einen 72 Jahre alten Arzt und eine 55-jährige Frau aus Deutschland entführt. Die beiden waren mit einer Yacht unterwegs gewesen. Die Extremisten forderten neben dem Lösegeld, dass Deutschland seine Unterstützung für die von den USA geführte Militärkampagne gegen die radikale Miliz Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien beende. Abu Sayyaf hatte im Jahr 2000 die Göttinger Familie Wallert verschleppt. Die Gruppe soll über 300 bewaffnete Kämpfer verfügen, sie kämpft im muslimischen Süden der sonst überwiegend katholischen Philippinen für einen eigenen Staat. dpa, epd, reuters Eine Debatte von gestern Politik rügt den Vorstoß der Rektoren für Studiengebühren WOCHENCHRONIK VOM 11. BIS 17. OKTOBER München In der Debatte um die Neuauflage von Studiengebühren zeichnet sich ein Konflikt zwischen Hochschulen und Politik ab. Nach Ansicht von Fachleuten, darunter der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, ist die aktuelle Gebührenfreiheit eine Momentaufnahme. Das Thema sei garantiert nicht erledigt, sagte Hippler. Er verwies auf die Idee nachgelagerter Gebühren, die später bei gutem Verdienst der Absolventen zu entrichten wären. Aus Union wie SPD gab es Widerspruch. Wir haben eine gesamtgesellschaftliche Debatte geführt, am Ende stand das Ergebnis, dass die Allgemeinheit und nicht einzelne Familien das Studium bezahlen, sagte Bayerns Bildungsminister Ludwig Spaenle (CSU) der Süddeutschen Zeitung. Seine nordrhein-westfälische Kollegin Svenja Schulze (SPD) sieht einen Versuch, ein erledigtes Thema aufzuwärmen. Mit dem Ende der Gebühren habe der Staat wieder die Verantwortung übernommen, das Land investiere seitdem Zusatzmittel für eine bessere Lehre. Sieben Bundesländer hatten von 2005 an Gebühren von Studenten verlangt. Später entfielen die Beiträge von meist 500 Euro im Semester wieder, zuletzt in Bayern und Niedersachsen. Der Chef der niedersächsischen Rektoren, Jürgen Hesselbach, sagte kürzlich, schon im nächsten Wahlkampf wird das Thema wieder auftauchen. Hippler hatte auf die Kassenlage der Länder verwiesen, und auf Prinzipien: Grundsätzlich ist es nicht verständlich, dass ein junger Mensch, der später in der Regel stark von seiner Bildung profitiert, nicht auch moderat in diese investiert. Ein bundesweites verlässliches Modell sei ideal. Ein verlässliches Konzept zur Finanzierung von Bildung gebe es bereits, konterte der studentische Dachverband fzs nämlich das Steuersystem. Die Gesellschaft habe sich eindeutig gegen Gebühren positioniert, die Debatte nun sei von gestern. Die SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi nannte Gebühren sozial ungerecht, eine Wiedereinführung wäre Irrsinn. Wie das Thema Wissenschaft und Politik spaltet, hatte schon 2013 ein interner Streit gezeigt. Da hatte der Wissenschaftsrat, das mit Experten von Unis und Ministerien besetzte Gremium, ein Leitbild für die nächsten zehn Jahre verfasst. Im vertraulichen Entwurf standen noch Überlegungen, die private Beteiligung an der Finanzierung des Wissenschaftssystems zu intensivieren, beispielsweise über Studienbeiträge. Diesen Vorstoß blockten die Vertreter der Politik aber ab, in der finalen Fassung des Gutachtens tauchten Gebühren nicht mehr auf. johann osel 47,0 % durch Angehörige zu Hause 70,3 % SZ-Grafik: Hosse, Kraus Recherche: Ines Alwardt Quelle: Statistisches Bundesamt, Bundesministerium für Gesundheit Weniger Wachstum Unterschiede nach Bundesländern Pflegebedürftige insgesamt Zahl der Pflegebedürftigen Angaben in Millionen Die Bundesregierung hat am 14. Oktober die Wachstumsprognosen für das laufende und das kommende Jahr gesenkt. In der Herbstprognose, die Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel vorstellte, geht Berlin für dieses Jahr nur noch von einem Wachstum von 1,2 Prozent und einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent für 2015 aus. Noch im Februar hatte die Regierung einen Zuwachs von 1,8 Prozent für 2014 und für 2015 von 2 Prozent prognostiziert. Als einen Grund für das geringere Wachstum nannte Gabriel die internationalen Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten. Zuvor hatten schon die führenden Wirtschaftsinstitute ihre Prognosen am 9. Oktober nach unten korrigiert. Angaben in Prozent Pflege zu Hause Kurden drängen IS zurück Heim Brandenburg ,20 22,80 Hessen ,31 23,69 Berlin ,20 24,80 Mecklenburg-Vorp ,38 26,62 Thüringen ,34 26,66 Bremen ,75 27,25 Rheinland-Pfalz ,08 27,93 Nordrhein-Westfalen ,65 28,35 Saarland ,03 29,98 Sachsen-Anhalt ,99 30,01 Niedersachsen ,13 30,87 Hamburg ,03 30,98 Baden-Württemberg ,0 31,00 Bayern ,80 31,19 Sachsen ,49 32,51 Schleswig-Holstein ,06 39, , ,4 2,9 3, ,9 4,5 Kurdische Kämpfer haben mithilfe der internationalen Luftangriffe die Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in der seit Wochen umkämpften nordsyrischen Grenzstadt Kobanê weiter zurückgedrängt. Dies teilte der Vize- Sprecher für auswärtige Angelegenheitenin Kobanê, Idris Nassen, am 17. Oktober mit. Zuletzt waren die Kämpfer immer weiter in die Stadt vorgerückt. Durch die Einnahme der Stadt würde sich der IS ein großes Gebiet entlang der türkischen Grenze sichern. Die USA und die Verbündeten fliegen seit Wochen Luftangriffe in Syrien und im Irak. In den vergangenen Wochen flohen etwa Syrer aus der Stadt in die Türkei. Die EU stellt für sie 3,9 Millionen Euro zur Verfügung. dit RÄTSEL DER WOCHE Warum überfordern Flüchtlinge Deutschland? Deutschland hat 81 Millionen Einwohner und etwa leer stehende Wohnungen, die kurzfristig vermietet werden könnten. Warum scheitern die Behörden trotzdem daran, die für 2014 erwarteten Flüchtlinge vernünftig unterzubringen? Nicht alle freien Wohnungen sind geeignet und sie sind auch nicht gleichmäßig über Deutschland verteilt. In Städten wie Hamburg und München stehen sehr viel weniger Wohnungen leer (weniger als ein Prozent) als beispielsweise in Ostdeutschland. Die Flüchtlinge werden nicht nach den bundesweit verfügbaren Unterkünften verteilt, sondern nach dem Königsteiner Schlüssel : Der Anteil, den ein Bundesland zu tragen hat, richtet sich nach der Einwohnerzahl und dem Steueraufkommen. Zuständig für die Unterbringung sind neben den Ländern die Kommunen. Die Länder kümmern sich in der Regel in den ersten Monaten nach der Ankunft eines Flüchtlings um einen Platz, dann stehen Städte, Gemeinden und Kreise in der Pflicht. Die Planung neuer Plätze hat sich als fehlerhaft erwiesen: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gibt eine Prognose der Flüchtlingszahlen an die Länder heraus, die diese an die Kommunen weiterleiten sollen. Dennoch werden viele Kommunen überrascht durch Verpflichtungen, Flüchtlinge aufzunehmen. Sie erhalten dann zum Beispiel die Aufforderung, in wenigen Wochen 200 zusätzliche Asylbewerber aufzunehmen. Der starke Anstieg der Zahlen betrifft mittlerweile alle. Im Oktober 2013 hatte das Bundesamt für 2014 noch Flüchtlinge geschätzt, erst im Mai dieses Jahres war von die Rede. Da dämmerte es einigen, welche Aufgaben auf sie zukommen. Einige Heime waren längst abgebaut, denn 2007 hatte es lediglich Asylbewerber gegeben. Die Politiker reagierten auf die Weltlage zu langsam, für den Bau neuer Unterkünfte wurde die Zeit zu knapp. roland preuss

9 10 POLITIK Samstag/Sonntag, 18./19. Oktober 2014, Nr. 240 DEFGH HF2 Hauptsache Außenseiter gress dafür stimmte, die gesetzliche Obergrenze für Staatsschulden anzuheben. Hätten Cantor und ein paar andere Republikaner dies nicht getan, wäre die US-Regierung zahlungsunfähig und die Weltwirtschaft einer Katastrophe nahe gewesen. Aus Sicht der Tea Party aber war dies ein Verrat: Sie hätte lieber den Bankrott hingenommen, denn er hätte den Staat endlich gezwungen, weniger Geld auszugeben. Ein vielleicht noch größerer Missstand in Washington ist nach Meinung des Ethiklehrers Brat die Nähe führender Republikaner zum Big Business, den Großspendern, den Lobbyisten und den Investmentbankern, die Brat am liebsten alle ins Gefängnis geschickt hätte als Verursacher der Finanzkrise. Brat hat die Vorwahl auch deswegen gewonnen, weil er Cantor zum Symbol erhoben hat für Washingtons politisch-industriellen Filz, für die Korrumpierung des Parlaments durch das große Geld. Die Republikanische Partei, sagt Brat oft, kümmert sich zu viel um Wall Street und zu wenig um die Main Street, die Hauptstraße. Neuling David Brat punktet vor der US-Kongresswahl, weil er sagt, was Konservative hören wollen von nicolas richter Ashland David Brat ist ein Amateur, deswegen sieht es hier aus wie bei Amateuren. Gleich steht sein Auftritt bevor, aber noch immer versuchen drei seiner Helfer, eine US-Flagge aufzuhängen. Hinter der Bühne steht Brats Finanzchefin, nicht am Telefon, sondern am Bügelbrett, wo sie die Kleider der Wahlkämpfer noch schnell in Form bringt. Als dann die Nationalhymne gesungen ist, kündigt eine blonde Frau den Hauptredner Brat an. Sie trägt einen weißen Kittel und Cowboystiefel, wie sich herausstellt, ist sie Brats Nachbarin und gerade aus ihrer Augenarztpraxis herbeigeeilt. Washington wird bald wieder von uns hören, ruft sie in den vollen Saal wenn wir Dave Brat wählen! Noch ist Brat als Wirtschaftsprofessor an der Universität in Ashland tätig, einem Ort mit gut 7000 Menschen, der so zentral im Staat Virginia liegt, dass er sich Mitte des Universums nennt. Am 4. November nun wählt Amerika den Kongress neu, dann könnte der politische Neuling Brat einen Sitz im Abgeordnetenhaus erringen. Sein neuer Wohnort Washington hätte mit Ashland gemeinsam, dass man sich auch dort für die Mitte des Universums hält, sogar für die absolute Mitte. Die Amerikaner sind so enttäuscht von der Politik wie noch nie. Präsident Barack Obama ist sehr unbeliebt und der Kongress sogar so unbeliebt, dass er immer neue Unbeliebtheitsrekorde aufstellt. Zu- Barack Obama ist so unbeliebt, dass es für viele Parlamentskandidaten der Demokraten gefährlich wäre, sich in seiner Nähe zu zeigen. Der Präsident tritt oft vor Spendern auf und sammelt Geld für seine Parteifreunde; auf den Wahlkampfbühnen fehlt er aber meist. Als wäre er der Vater von Teenagern: Papa zahlt die Party, soll sich dort aber nicht sehen lassen. nir FOTO: DPA letzt erklärten gerade noch sieben Prozent der Amerikaner, ihrem Parlament etwas zuzutrauen; nie hat eine US-Institution so miserabel abgeschnitten. Für jene, die den Kongress verkörpern, kann es böse enden: Als sich Eric Cantor, der Fraktionschef der Republikaner im Abgeordnetenhaus, im Juni der Vorwahl stellte, hatten die eigenen Parteifreunde genug von ihm: Er verlor deutlich gegen einen mittellosen Amateur gegen David Brat. Es war eine Sensation: Cantor war einer der mächtigsten Männer Washingtons gewesen, nie zuvor hatte ein Fraktionschef der Mehrheitspartei eine Vorwahl verloren. Brats Budget lag bei Dollar, das war so viel, wie Cantors Team damals allein für Spesen in Steakhäusern verbrannte. Aber jetzt ist Brat eben dieser Kerl, der Cantor abgesetzt hat: Er verkörpert die Abneigung gegen Obama und gegen die etablierten Republikaner, also den Unmut über Washington insgesamt. Brat, 50, tritt auf die Bühne, er ist groß und besser gekleidet als die meisten seiner Zuhörer. Er sieht gut aus, hebt aber lieber die intellektuellen Stärken hervor. Sollte ich gewinnen, sagt er, wäre ich der einzige Wirtschaftswissenschaftler im Abgeordnetenhaus. Wir brauchen mehr davon. Brat ist ein geübter Redner, der im Wahlkampf aus seinen eigenen Vorlesungen zitiert: Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit können China und Indien ihre 2,5 Milliarden Einwohner aus eigener Kraft ernähren. Warum? Weil sie freie Märkte haben. Und was tun wir? Wir wenden uns davon ab. Brat sagt, er würde im Kongress gegen Obamas staatlich geregelte Krankenversicherung stimmen, gegen hohe Steuern, Staatsausgaben, Schulden. Es ist die reine Tea-Party-Lehre, und ihr Versprechen verführt die Basis noch immer: Wenn sich der Staat nur mäßigt, blüht Amerika auf. Brats Helfer tragen blaue T-Shirts, darauf steht Brat Pack, eine Anspielung auf das Rat Pack, die trinkfreudige Clique Frank Sinatras. Brats Helfer Doug Powell aber zecht sich nicht durch die Nacht, sondern verteilt 16 Stunden pro Woche ehrenamtlich Aufkleber und hängt Plakate auf. Powell war einst Aufseher in einem Kraftwerk, jetzt ist er 63 und Frührentner. Ihm wird bang, wenn er an die Milliarden Dollar Staatsschulden denkt. Seine Kinder, sagt er, werden leiden unter dieser unmoralischen Last, und er sei selbst mit daran schuld, weil er zu wenig dagegen getan habe. Immerhin hilft er jetzt Brat, der sei kompetent und integer und volksnah also all das, was Washington aus Sicht der meisten nicht ist. Brat ist der Außenseitertyp, der Underdog, auch wenn der Underdog in diesem Fall, eher untypisch, eine randlose Brille trägt. Republikaner im Kongress sind gefährdet, wenn jemand sie im Wahlkreis rechts überholt Pure Tea Party: David Brat (unten) aus Virginia gibt der schwächelnden Bewegung bei den Republikanern neue Kraft, weil er sich als Alternative zum Polit-Establishment im Kapitol präsentiert. FOTO: STEVE HELBER/AP Die Mehrzweckhalle, in der Brat spricht, war einst eine Kirche, was zu ihm passt: Brat ist nicht nur Wirtschaftsweiser, sondern hat auch einen Abschluss in Theologie. Seinen Sieg in der Vorwahl nannte er ein Wunder von Gott. In schweren Zeiten habe er immer an diesen Satz aus der Bibel gedacht: Was bei Menschen unmöglich ist, ist möglich bei Gott. Jetzt verspricht Brat, er werde Wirtschaft und Werte verbinden, und die Zuhörer antworten wie die Gläubigen in manchen Baptistenkirchen: Manche jubeln, manche johlen, manche rufen Yeah oder murmeln Jawohl, so ist es. Als Fachmann für Wirtschaft und Ethik hat Brat seinem Vorgänger Eric Cantor etliche Sünden vorgeworfen dass er im Kon- Deswegen stemmt sich Brat auch gegen eine mögliche Einwanderungsreform, die Millionen Illegalen die Staatsbürgerschaft verheißen würde. Warum will Big Business mehr Einwanderer?, fragte Brat einmal. Weil es billige Arbeitskräfte will. Was folgt daraus für die Amerikaner? Niedrigere Löhne und höhere Arbeitslosigkeit. Es ist also ein gutes Geschäft für Big Business, aber ein schlechtes Geschäft für das Volk. Die Tea Party hat in diesem Jahr so viele Vorwahlen verloren, dass ihre besten Zeiten schon vorbei sein könnten. Aber der Sieg Brats gegen Cantor beweist einmal mehr, dass die meisten Republikaner im Kongress allein dann gefährdet sind, wenn jemand sie daheim im Wahlkreis rechts überholt. Cantor hat einst selbst den Hardliner gespielt, den Prinzipientreuen, den Verfechter freier Märkte und Gegner fauler Kompromisse. Aber sein vorsichtiges Ja zu Schulden und Einwanderung, seine Nähe zum großen Geld haben ihn von den Wählern entfremdet. Brats Anhänger sagen über Cantor, den sie einst selbst wählten, er sei abgestanden, nicht mehr auf Linie oder dabei gewesen, sich auf Obamas Seite zu schlagen. Am 4. November muss Brat noch den Demokraten Jack Trammell schlagen, es ist ein Kollege, der ebenfalls an der örtlichen Universität in Ashland lehrt. Die Studenten dort sehen sich schon jetzt als Sieger, weil auf jeden Fall einer ihrer Professoren gewinnen wird, auf jeden Fall ein Außenseiter, auf jeden Fall eine neue Hoffnung, dass sich Washington doch noch ändern kann. Ändern aber wird sich kurzfristig nichts. Obama bleibt im Amt, die Republikaner werden die Mehrheit im Abgeordnetenhaus behalten und vielleicht die Mehrheit im Senat erobern. So oder so werden sich Präsident und Parlament weiter gegenseitig lähmen. Professor Brat weiß das natürlich. Aber er ist jetzt Politiker und sagt den Leuten eben, was sie hören möchten: Amerika kann wieder großartig sein. Wir haben unsere besten Zeiten noch vor uns. Virus unter Aufsicht Obama will Gesundheitsbehörden nach Pannen besser kontrollieren Washington Angesichts der wachsenden öffentlichen Sorge über die Verbreitung des Ebola-Virus stellt die US-Regierung Behörden und Krankenhäuser im ganzen Land unter strengere Aufsicht. Präsident Barack Obama ernannte am Freitag einen Ebola-Beauftragten, der die staatliche Antwort koordinieren soll. Es handelt sich um Ron Klain, einen früheren Stabschef von Vizepräsident Joe Biden. Klain gilt als hervorragender Manager. Wenige Wochen vor der Parlamentswahl trüben die Furcht vor Ebola und die schlechten Aussichten für die Weltwirtschaft die ohnehin pessimistische Stimmung im Land. Obamas Regierung hat nicht immer den Eindruck erweckt, Herrin der Lage zu sein. Der Präsident hatte es zunächst abgelehnt, einen Ebola-Beauftragten zu ernennen. Die staatliche Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) hat immer wieder vor Panik gewarnt und beteuert, die Krankheit im Griff zu haben. Allerdings haben sich in den vergangenen Wochen die Pannen gehäuft. Zwei Krankenschwestern, die sich in Dallas um den mittlerweile gestorbenen Ebola-Patienten Thomas Eric Duncan gekümmert haben, sind inzwischen erkrankt. Offenbar haben sie sich beim Ausziehen der Schutzkleidung angesteckt. Eine der beiden Frauen ist zudem am vergangenen Wochenende von Dallas nach Cleveland geflogen und zurück. Die Behörden versuchen nun, alle Passagiere dieser beiden Flüge zu finden, um sie zu warnen und anschließend zu beobachten. Das Personal beider Flüge wurde beurlaubt, diverse Bekannte der Krankenschwester begaben sich freiwillig in Quarantäne. Insgesamt haben sich in Dallas bis zu hundert Mitarbeiter um den Patienten Duncan gekümmert, sie alle stehen nun unter Beobachtung. In Westafrika wütet Ebola seit Monaten. Fast 4500 Menschen sind dort bereits an der Viruserkrankung gestorben. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Staatengemeinschaft zu einem wesentlich stärkeren Einsatz gegen die Epidemie auf. Wir müssen Versprechen zu Taten machen. Wir brauchen mehr Ärzte, Pfleger, Ausrüstung, Behandlungszentren und Evakuierungskapazitäten, sagte er in New York. Nach dem UN-Aufruf zu Spenden von einer Milliarde Dollar (790 Millionen Euro) sind knapp 40 Prozent der Summe eingegangen, teilte ein Sprecher des UN-Nothilfekoordinators (Ocha) mit. Weitere 217 Millionen Dollar seien zugesagt, aber noch nicht überwiesen. Die Bundesregierung stellt weitere 84,7 Millionen Euro für den Kampf gegen Ebola bereit. Damit steigt der zugesagte deutsche Beitrag auf 102 Millionen Euro. Mit dem Geld sollen eigene Maßnahmen sowie internationale Organisationen unterstützt werden. nir, afp, kna Anzeigenannahme Telefon 0 89 / Kunst und Antiquitäten Schmuckexpertentage Vorbesichtigung in München 5./6. 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10 DEFGH Nr. 240, Samstag/Sonntag, 18./19. Oktober 2014 HBG POLITIK 11 AUSLAND Waffenruhe mit Boko Haram München Die Islamistengruppe Boko Haram hat nach Angaben der nigerianischen Führung eine Waffenruhe und die Freilassung der vor einem halben Jahr entführten Schülerinnen zugesagt. Zwischen der Regierung und Boko Haram sei ein Waffenstillstand vereinbart worden, sagte der nigerianische Generalstabschef Alex Badeh am Freitag. Mehrere Quellen aus dem Vertrautenkreis von Präsident Goodluck Jonathan bestätigten das Abkommen und die Zusage von Boko Haram, die 219 Mädchen freizulassen, die im April von der Terrormiliz aus dem Ort Chibok verschleppt worden waren. Hassan Tukur, ein Berater des Präsidenten, sagte der BBC, dass das Abkommen nach einem Monat Verhandlungen zustande gekommen sei, vermittelt von der Regierung des Nachbarlandes Tschad. Er sei vorsichtig optimistisch, so Tukur. Die Einzelheiten zur Freilassung würden nächste Woche in Tschads Hauptstadt N Djamena verhandelt. Beobachter äußern jedoch Zweifel an der Substanz des Abkommens. Hintergrund ist der Zeitpunkt: Präsident Jonathan will in Kürze seine Kandidatur bei den Wahlen im Februar 2015 bekannt geben. Da sei die Ankündigung der Freilassung der Schülerinnen eine willkommene Nachricht. Jonathans Regierung musste sich in den vergangenen Monaten für den erfolglosen Kampf gegen Boko Haram ebenso rechtfertigen wie für das Vorgehen der Armee: Menschenrechtsorganisationen werfen den Regierungssoldaten vor, bei ihrer Offensive gegen die Islamisten Verdächtige zu misshandeln und zu töten. Boko Haram kontrolliert große Teile des nordöstlichen Bundesstaats Borno. iff Mit Kokain erwischt Washington Der Sohn von US-Vizepräsident Joe Biden ist wegen Drogenmissbrauchs als Marine-Reservist entlassen worden. Hunter Biden sei positiv auf Kokain getestet worden, bestätigte ein US-Regierungsvertreter am Donnerstag. Der 44-Jährige war in der Basis Norfolk im Bundesstaat Virginia in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Biden junior erklärte, sein Dienst in der Marine sei die Ehre seines Lebens gewesen, er sei beschämt. Sein Vater äußerte sich zunächst nicht. Hunters Bruder Beau ist Justizminister im Bundesstaat Delaware, wo er für den Gouverneursposten kandidiert. afp Pakistan In dem Land nehmen die Fälle von Kinderlähmung wieder zu, weil Terroristen Schutzimpfungen verhindern. Polizei räumt Protestlager Hongkong Die Räumung eines Hauptprotestlagers in Hongkong durch die Polizei hat den Konflikt zwischen Regierung und Demonstranten weiter geschürt. Nur Stunden nach seinem Gesprächsangebot habe Hongkongs Regierungschef Leung Chun-ying die Polizei nach Mong Kok geschickt, kritisierten Mitglieder der Occupy-Bewegung. Das lässt an der Ernsthaftigkeit des Angebots zum Dialog zweifeln. Ein Ende der bislang schwersten Krise seit mehr als zehn Jahren in Hongkong ist damit nicht in Sicht. Rund 200 Demonstranten organisierten zwischenzeitlich einen Sitzstreik. Radikalere Demonstranten kündigten neue Besetzungen in der Innenstadt der Millionenstadt für die kommenden Tage an. An den anderen Protestorten campierten weiter Hunderte Anhänger der prodemokratischen Bewegung. Die Räumung war der dritte morgendliche Polizeieinsatz, um Absperrungen zu beseitigen. dpa von silke bigalke Lappeenranta Luda Berezknowa kramt eine russische Zeitschrift aus ihrer Handtasche und hält sie in den Nieselregen. Ein Artikel darin handelt von Nordic Walking. Liebevoll drückt Berezknowa ihre neuen, rosafarbenen Nordic-Walking-Stöcke an die Wange. So erklärt sie, warum sie und ihre vier Freundinnen hier sind, auf einem grauen finnischen Supermarktparkplatz und nicht daheim in Russland: um einzukaufen. Außer den Stöcken laden sie Schokokuchen, Küchenrollen und Konserven in den Kofferraum. Vom Parkplatz in Lappeenranta bis zur russischen Grenze sind es 27 Kilometer. Täglich kommen mehr als 4000 Russen herüber, um in Lappeenranta steuerfrei einzukaufen. Zumindest waren es früher so viele vor der Krise, vor den Sanktionen. Lappeenranta hat sich auf die russischen Besucher eingestellt. Acht Einkaufszentren gibt es hier, ein weiteres wird gerade renoviert und erweitert Menschen leben in der Stadt, die Läden können mehr als doppelt so viele versorgen. Reiseveranstalter bringen die Russen busweise über die Grenze. Doch seit die Sanktionen, die EU und USA wegen der Ukraine-Krise verhängt haben, die russische Wirtschaft schwächen und der Rubel fällt, kommen weniger Besucher nach Lappeenranta; zehn Prozent weniger bis jetzt. Und die, die noch kommen, können sich weniger leisten als zuvor. Das hat Folgen: Drei Läden mussten schließen, andere haben ihre Öffnungszeiten gekürzt, erzählt Mirka Rahman, die für die Stadt arbeitet. Ihre Aufgabe ist es, Lappeenranta zu vermarkten, vor allem in Russland. Doch den Russen den Hafen, die Altstadt und die Burg näherzubringen, hat Rahman aufgegeben. Stattdessen hat sie mit Putin-Käse gelockt. Der war bereits russisch etikettiert, musste dann aber wegen der russischen Gegensanktionen in Finnland bleiben. 500 Millionen Euro haben die Russen 2013 für Kleider und Lebensmittel ausgegeben Im Einkaufszentrum Galleria trifft Rahman die Managerin Sari Mustapää zur Besprechung. In den Boutiquen hier ist alles etwas schicker, bunter, glitzernder, als es den meisten Finninnen gefällt. Die Zielgruppe ist eine andere: 2013 haben russische Kunden 200 Millionen Euro allein für Kleidung in Lappeenranta gelassen, knapp 300 Millionen Euro für Lebensmittel. Deswegen haben die Läden ihre Lager auch dieses Jahr gut gefüllt zu gut, klagt Mustapää. Es wäre ein Wunder, wenn es nicht mit einem Minus enden würde. Als es die Sowjetunion noch gab, lebte die Grenzstadt Lappeenranta von der Holzindustrie. Damals kamen keine Besucher aus dem Osten. Während große Teile des Landes nun unter dem Niedergang der finnischen Papierindustrie leiden, hat Lappeenranta Glück gehabt. Wichtigster Wirtschaftszweig sind heute die Russen und der Tourismus. Es wird kräftig investiert, in neue Geschäfte, neue Hotels, ein neues Theater. Während die Finnen aus anderen abgelegenen Städten flüchten, sind die Einwohnerzahlen hier stabil. Manchmal allerdings fühlt es sich so an, als sei die Stadt bereits besetzt worden. Viele Finnen gehen nur noch einkaufen, wenn die Russen wieder weg sind. Es irritiert sie, wenn sie in einer Warteschlange den in Finnland üblichen Abstand zum Vordermann einhalten, und sich ein Russe in die Lücke drängt. Die Internetseite Die Russen kommen In Lappeenranta ist das keine Drohung, sondern ein Glück: Die finnische Grenzstadt lebt gut von den östlichen Nachbarn, die viel Geld mitbringen. Doch die Ukraine-Krise stört die Geschäfte empfindlich njetparkering.blogspot.com beschäftigt sich ausschließlich mit russischen Parksünden in Lappeenranta. Kurz nach Ende der Sowjetunion hingen Schilder in den Eingängen der Läden. Zutritt für höchstens drei Russen gleichzeitig, stand sinngemäß darauf. Mehr könnte man nicht im Zaum halten, fürchteten die Verkäufer. Das ist nicht mehr so. Heute erzählen sich die Finnen andere Geschichten, so wie Mustapää über ihre 73-jährige Mutter. Die habe ein Angebot von einem Russen erhalten: Euro, wenn sie ihn heiratet. Sie wollen so sehr raus aus Russland, sagt die Managerin. Finnland hatte schon immer eine besondere Beziehung zu Russland. Kein europäischer Staat teilt eine längere Grenze mit den Russen, keiner hat eine vergleichbare gemeinsame Geschichte. Bis zur Unabhängigkeit 1917 war Finnland ein russisches Großfürstentum. Im Zweiten Weltkrieg unterlag es den Sowjets, wurde jedoch nicht besetzt. Stattdessen bekam Finnland einen Sonderstatus zwischen Ost und West Finnlandisierung lautet der Begriff dafür. Heute ist Finnland EU- Mitglied, doch die wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland sind noch eng. Entsprechend hart treffen die Ukraine-Sanktionen das nordische Land. Der Nato ist Finnland bis heute nicht beigetreten. Die meisten Bürger 58 Prozent nach der jüngsten Umfrage lehnen dies immer noch ab, nur 26 Prozent befürworten den Beitritt. Gleichzeitig fühlen sich aber mehr als die Hälfte der Finnen durch Russland bedroht. Das ist ein neues Russland, sagt Teija Tiilikainen, Direktorin am Finnischen Institut für Internationale Beziehungen in Helsinki. Die russische Aggression in der Ukraine habe viele Finnen überrascht. Nun ist die Frage Russische Bürger warten nahe Lappeenranta auf die Einreise nach Finnland. Mehr als 4000 Russen überqueren dort die Grenze in die EU täglich. FOTO: HEIKKI SAUKKOMAA/DPA nach Russlands Zukunft offener als je zuvor, so Tiilikainen. Der Trend der vergangenen Jahre verheiße nichts Gutes für Russlands Nachbarn. All das macht das Leben hier in der hintersten Ecke Europas komplizierter. Tiilikainen rechnet damit, dass der Nato-Beitritt Finnlands ein wichtiges Wahlkampfthema im nächsten Frühjahr werden wird. Für Mirka Rahman in Lappeenranta ist die Sache klar: Finnland sollte der Nato nicht beitreten. Man sehe es ja schon an den EU-Sanktionen, dass es uns als Erstes und am härtesten trifft. Die Älteren erinnern sich noch an den Krieg und daran, was es heißt, die Heimat zu verlieren. Die Stadt Wyborg, damals die zweitgrößte SCHWEDEN Bottnischer Mee rbusen Ostsee 100 km SZ-Karte Helsinki FINNLAND Lappeenranta ESTLAND Wyborg RUSSLAND St. Petersburg Finnlands und kaum eine Stunde von Lappeenranta entfernt, ist heute russisch. Rahman war dort und hat das Haus besucht, das ihre Großmutter verlassen musste. Ein nettes russisches Paar wohnt nun dort und hat sie reingelassen. Nach dem Krieg wurde auch jene 1300 Kilometer lange Grenze gezogen, die so oft erwähnt wird, wenn es um Finnlands Reaktion auf die Ukraine-Krise geht. Pasi Nikku von der Grenzwache hat viele Zahlen vorbereitet: Bis zu Mal am Tag wird sein Grenzübergang passiert, neun von zehn Passanten sind Russen. Grundsätzlich sei alles harmlos, sagt Nikku, höchstens ein wenig Tabakschmuggel. Es ist ein ruhiger Tag, vielleicht liegt es am Regen. Eine kurze Autoschlange steht auf der finnischen Seite, Rückreiseverkehr. Man arbeite gut mit den russischen Kollegen zusammen, sagt Nikku. Die finnischen Beamten könnten besser gefälschte Dokumente entlarven. Dafür seien die Russen gut darin, Leute abzufangen, die illegal über die Grenze wollen. Auf finnischer Seite machen höchstens Touristen Ärger, die ein Selfie vor dem Grenzzaun schießen wollen ein Andenken vom Rand Europas. Zurück in Lappeenranta, ist die größte Sorge von Bürgermeister Kimmo Jarva, dass Russland diese Grenze wieder dichtmachen könnte. Bisher betreffen die EU- Sanktionen nur hohe Politiker. Auf kommunaler Ebene versuchen Jarva und seine Kollegen in Wyborg und Sankt Petersburg die Dinge normal weiterlaufen zu lassen. Über Politik spricht Jarva mit den Russen nicht, sie dächten einfach zu unterschiedlich über die Situation in der Ukraine. Politik ist schlecht fürs Geschäft. Und Lappeenranta lebt von den Russen. Demnächst bekommt es eine Ikea-Filiale. 900 Kilometer Pufferzone Die Türkei will Flüchtlinge an der Grenze zu Syrien schützen Istanbul Geht es nach der Türkei, dann sollte sich fast ihre gesamte 900 Kilometer lange Grenze zu Syrien in eine Pufferzone verwandeln und zwar auf syrischem Gebiet. Premier Ahmet Davutoğlu hat in einem Interview mit dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera nun erstmals die Orte genannt, die sich in der Zone befinden könnten. Türkische Medien haben dies am Freitag mit Grafiken illustriert. Demnach reicht das Gebiet vom Mittelmeer bis ins türkisch-irakisch-syrische Grenzdreieck. Davutoğlu sprach von einer humanitären Sicherheitszone unter militärischem Schutz. Mit diesem Vorschlag steht die Türkei bislang so gut wie allein. Nur Frankreichs Staatspräsident François Hollande signalisierte öffentlich Zustimmung. Die syrischen Kurden lehnen die Idee ab. Sie würden türkische Soldaten als Besatzer betrachten, ließen sie wissen. Für Syriens Präsident Baschar al-assad gilt dies nicht minder. Syrien werde alles tun, um seine nationale Souveränität und territoriale Integrität zu wahren, ließ der Diktator aus Damaskus wissen. Assad droht also mit dem eigenen Militär. Einen Krieg gegen Assad aber will Washington derzeit nicht führen. Und allein, so hat Davutoğlu klargemacht, werde dies die Türkei auch nicht wagen. Begründet hat die Türkei die Pufferzonen-Idee vor allem mit der immer noch wachsenden Zahl der syrischen Flüchtlinge. Von den circa 1,5 Millionen Syrern, die sich bereits in der Türkei befinden, sollten möglichst viele in ihr Heimatland zurückkehren, sagt die Regierung in Ankara. Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat gar vorgeschlagen, in der sicheren Zone könnten für sie neue Städte entstehen. Bislang wird das fragliche Gebiet allerdings teils von Kurden, teils von der syrischen Opposition, von syrischen Regierungstruppen, der islamistischen Al-Nusra und auch von den Extremisten des IS beherrscht. Wie vor allem Letztere vertrieben werden könnten, lässt die Türkei LIBANON Kobanê Aleppo Hama Homs SYRIEN Damaskus JORDANIEN TÜRKEI Flugverbotszone Euphrat IRAK 100 km SZ-Karte offen. Sie gehört inzwischen der Anti-IS- Allianz zwar an, aber militärisch unterstützt sie das Bündnis westlicher und arabischer Staaten bislang nicht, mit Ausnahme des Trainings von gemäßigten syrischen Rebellen. Dies soll nun rasch beginnen. Kurdische Kämpfer haben mithilfe verstärkter internationaler Luftangriffe inzwischen die IS-Terrormiliz im umkämpften Kobanê weiter zurückgedrängt. Der IS verfügt nach Angaben syrischer Oppositioneller mittlerweile allerdings über drei eroberte Kampfflugzeuge. Die Piloten würden von ehemaligen irakischen Offizieren trainiert, die noch unter dem früheren Machthaber Saddam Hussein in der Armee gedient hätten, sagte der Chef der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. c. schlötzer Seite 4 Bischöfe bremsen München Die in Rom versammelten Bischöfe der katholischen Kirche ringen auf ihrer Synode bis zum Schluss um die Formulierungen eines Dokuments über Ehe, Familie und Sexualität, das zum Ende ihrer Beratungen am diesem Samstag veröffentlicht werden soll. Offenbar wird es stärker den Wert der katholischen Lehre herausstellen als der am Montag vorgestellte Zwischenbericht, der sich positiv über Homosexualität und Lebensgemeinschaften außerhalb der Ehe geäußert hatte. Konservativen Bischöfen ging das zu weit. Es gebe mehr als hundert Änderungsvorschläge, sagte der irische Erzbischof Diarmuid Martin der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA); sie bezögen sich vor allem auf die Passagen zur Homosexualität und auf den Vorschlag, nicht eheliche Gemeinschaften für graduell sittlich wertvoll zu halten. Uneins sind sich die 250 Synodenmitglieder auch, wie die Kirche mit Geschiedenen umgehen soll, die wieder geheiratet haben. Beobachter rechnen aber nicht damit, dass der Tenor des Zwischenberichts, den der ungarische Kardinal Péter Erdö verfasst hat, komplett verändert wird. mad Von: Robert Beck An: E.ON Betreff: Zuverlässige grüne Energie Sonnen- und Windenergie auf Knopfdruck. Habt Ihr dafür auch ne Lösung? Hallo Herr Beck, die haben wir: intelligente Steuerungs- und Speichersysteme. Die natürlichen Schwankungen von Sonnen- und Windenergie sind eine der größten Herausforderungen für unsere Energiezukunft. Doch wir haben bereits eine Lösung: intelligente Steuerungs- und Speichersysteme. Auf Pellworm können wir damit Erneuerbare Energie so intelligent erzeugen, speichern und verteilen, dass immer genug für alle da ist. Und wir bauen diese Technik in Deutschland weiter aus. Damit Energie sicher, umweltfreundlich und bezahlbar bleibt.

11 12 PANORAMA HBG Samstag/Sonntag, 18./19. Oktober 2014, Nr. 240 DEFGH LEUTE Charlie Sheen, 49, US-amerikanischer Schauspieler, will seine Verlobte Brett Rossi, 25, nun doch nicht heiraten. Sie ist ein tolles Mädel, aber wir haben beschlossen, unsere eigenen Wege zu gehen und nicht den Rest unseres Lebens zusammen zu verbringen, schrieb Sheen in einem Statement an das Portal Radar Online. Der frühere Star der Comedyserie Two and a Half Man hatte der ehemaligen Pornodarstellerin im Februar auf Hawaii einen Heiratsantrag gemacht. Es wäre seine vierte Ehe gewesen. Ich habe entschieden, dass meine Kinder mein Hauptaugenmerk momentan mehr verdient haben als eine Beziehung, zitierte das Portal den fünffachen Vater. Er habe aber ein tolles Jahr mit Rossi gehabt. Juan Jesus, 23, brasilianischer Verteidiger beim Fußballklub Inter Mailand, hat einem Fan spontan angeboten, mit ihm zu tauschen. Auf Twitter entwickelte sich ein Streit zwischen Jesus und dem wegen der aktuellen Niederlagenserie des Klubs enttäuschten Anhänger, an dessen Ende Jesus vorschlug, der Fan möge doch über einen gewissen Zeitraum sein Leben führen, um zu verstehen, dass ein Fußballprofi es nicht immer leicht hat. Der Fan ruderte allerdings sofort zurück und entschuldigte sich. Bono, 54, Sänger der irischen Band U2, hat nun erklärt, weshalb er so häufig bunte Sonnenbrillen trägt: Paul Hewson, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, leidet seit 20 Jahren an Grünem Star. Die Augen reagieren dabei empfindlich auf Licht. FOTO: DPA Sheri Emerson, 22, Engländerin, hat von der Handynummer ihrer verstorbenen Großmutter eine SMS bekommen. Die Oma war bereits im Juni 2011 an Darmkrebs gestorben. Die Enkelin schickte in ihrer Trauer trotzdem weiter Nachrichten an die Nummer der Großmutter bis sie eine Antwort erhielt: Ich wache über euch, und alles wird besser werden. Haltet durch, hieß es in der überraschenden SMS-Nachricht. Emerson sagte britischen Medien, sie sei schockiert gewesen. Der Telefonanbieter O2 habe der Familie versprochen, die Nummer nicht wieder zu nutzen. Inzwischen hat der Konzern O2 den mysteriösen Fall geklärt: Die Telefongesellschaft habe die Nummer versehentlich neu vergeben. Auch der Absender der SMS entschuldigte sich. Er habe die SMS-Nachrichten von Emerson für einen Spaß seiner Freunde gehalten, sagte der Mann. Götz George, 76, Schauspieler, will sich weitgehend aus dem Filmgeschäft zurückziehen. Ich möchte gerne nach 65 arbeitsreichen Jahren Feierabend machen, sagt er der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Der Stress werde ihm zu viel. Auf der Bühne, wie es bei Schauspielern immer heißt, will ich sicher nicht sterben. Eine Einschränkung machte der als Duisburger Kommissar Schimanski legendär gewordene George aber: Er könne sich vorstellen, zumindest von Zeit zu Zeit wieder auf die Piste zu gehen. Erykah Badu, 43, US-amerikanischer Soul-Star, hatte als Straßensängerin in New York recht wenig Erfolg. Im Internet veröffentlichte sie ein kurzes Video, in dem sie unerkannt am Times Square singt und mit einem Hut um Münzen bittet. Nach knapp einer Stunde kamen dabei gerade einmal 3,60 Dollar (ungefähr 2,80 Euro) zusammen. In einem improvisierten Ständchen singt die Soulsängerin unter anderem: Bitte gib mir ein wenig Geld. Ich habe seit zwei Jahren keine Platte mehr verkauft. In dem Video stellte sie klar, dass sie mit ihrem künstlerischen Experiment keinesfalls Straßenmusiker beleidigen wolle. von thomas hahn Christa Thorein weiß noch, wie sie im Juni bei der Stadt anrief und berichtete, dass bei ihr hinterm Haus, an der Peter-Timm-Straße in Hamburg- Schnelsen, der Wachtelkönig Quartier bezogen habe. Genau an jenem Grundstück, für das die Behörde für Umwelt und Stadtentwicklung den Bebauungsplan-Entwurf Schnelsen 89 aufgelegt hat. Die Stadt wollte das erst gar nicht glauben. Der scheue Wachtelkönig? Auf diesem kleinen Stück Land zwischen Bahntrasse und Häusern? Unmöglich, da müssen Sie sich verhört haben. Christa Thorein hatte sich nicht verhört, auch die anderen aus der Schnelsener Bürgerinitiative Erhalt den Wald hatten sich nicht verhört. Aber natürlich wusste Christa Thorein, warum die Stadt das nicht wahrhaben wollte. Der Wachtelkönig aus der Familie der Rallenvögel, knapp 30 Zentimeter groß, kann nämlich eine echte Bedrohung sein für eine Stadt mit Bauplänen. Das Tier als Politikum ist ein Symptom der wachsenden Stadtgesellschaft. Der Platz wird knapp, die wenigen freien Flächen wecken Begehrlichkeiten, auch sonst fordert der Fortschritt seinen Raum. So groß sind diese Begehrlichkeiten, dass man sie immer wieder einfangen muss, damit die Natur nicht vollends zugebaut und angepasst wird. Die EU-Richtlinien zum Artenschutz sind in dieser Hinsicht ein wichtiges Werkzeug, und Naturschützer wenden sie immer wieder gerne an. Wegen der Kleinen Hufeisennase, einer geschützten Fledermausart, gab es einst einen Baustopp an der umstrittenen Waldschlösschenbrücke von Dresden. Vor Jahren hatte die Stadt Göttingen Stress durch jene Episode, die als Göttinger Feldhamster-Story in die Geschichte des niedersächsischen Naturschutzes eingegangen ist; das Vorkommen des Feldhamsters brachte damals ausgerechnet die Pläne für das neue Biologie-Zentrum der Universität in Gefahr. Immer wieder werden Kammmolche, Rotmilane oder Löffelenten zu Hauptdarstellern im Kampf gegen Autobahnen, Windräder oder Flussvertiefungen. Gerade der Wachtelkönig ist ein Monster für Bauplaner, weil er zwar auf der Roten Liste der Internationalen Naturschutz-Union IUCN steht aber immer noch häufig genug vorkommt, um neue Projekte immer wieder infrage zu stellen. Jetzt ist der Wachtelkönig also die Hoffnung der Schnelsener Bürgerinitiative. Er ist das Wunder, auf das wir lange gewartet haben, sagt Sprecher Peter Marahrens. Es geht ja nicht nur um den Lebensraum des Wachtelkönigs, sondern auch um den der Schnelsener. Christa Thorein und Peter Marahrens leben seit 2009 im Hamburger Stadtteil Schnelsen. Sie sind hierhergezogen, weil sie ins Grüne wollten. Das Mietshaus mit dem großen Garten, der damals noch direkt in eine Landschaft aus Feuchtwiesen und alten Bäumen überging, war für sie der perfekte Kompromiss zwischen der Nähe zur Stadt und dem Frieden der Natur. Aber im März 2010 fuhren Männer mit Sägen vor im Idyll. Die Schnelsener mussten Flughafen Brüssel, Ankunft aus Monrovia, Epizentrum der Ebola-Krise in Afrika. In Europa grassiert die Panik, seit eine spanische Krankenschwester sich infiziert hat; Tierrechtler haben dagegen protestiert, dass der Hund der Pflegerin eingeschläfert wird. Werden uns die Europäer überhaupt reinlassen? Temperaturchecks, Verhöre? Nichts davon, man wird durchgewunken. Dann aber, bei der Handgepäck-Kontrolle vor dem Weiterflug: das Sterilium-Fläschchen, der ständige Wegbegleiter zum Desinfizieren der Hände verboten, sagt der Security-Mensch. Der Hinweis, man habe es wegen der Ebola-Gefahr dabei, interessiert ihn nicht: Tragen Sie Handschuhe, das ist eh besser. Unbewaffnet zieht man weiter zum Anschlussflug. Gut zu wissen, dass Europa die wahren Bedrohungen im Griff hat. tobias zick feststellen, dass der 1996 aufgesetzte Plan, das Biotop in ein Gewerbegebiet zu verwandeln, nun doch zum Vollzug kam. Protest rührte sich rund ums Wäldchen, die Bürgerinitiative entstand. Die Empörten sammelten vor ihrer Haustür Argumente gegen die Zerstörung und fanden Fledermäuse, Libellen, Eidechsen. Sie demonstrierten mit Plakaten, machten Eingaben bei der Stadt, gingen an die Presse. Eine geplante Druckerei kam nicht. Trotzdem fiel der Wald, Baum um Baum. Peter Marahrens und Christa Thorein stehen hinter dem grasbewachsenen Wall, der ihren Garten neuerdings von der wilden Wiese dahinter trennt. Sie blicken hinüber zu dem mächtigen Betonklotz, in dem seit diesem Sommer eine Anlagenfirma ihre Geschäfte verrichtet und für den die Männer mit den Sägen ein regelrechtes Der Aperol Spritz kostet in dieser Saison umgerechnet zehn Euro, der Apfelstrudel 15 Euro, und jetzt haben die Zermatter eine tolle Idee gehabt, wie bei den Ferienwohnungsbewohnern noch mehr zu holen ist. Es ist nur mehr eine Sorte Müllbeutel zugelassen, sagt die Frau im Supermarkt, und die müssen Sie bitte bei uns kaufen. Denkste, denke ich. In der Wohnung stopfe ich den Müll in die Supermarkttüte und laufe zu einem der vollautomatischen Müllentsorgungscontainer, die aussehen wie Castoren, nur ohne Polizeischutz. Dafür steht nebendran ein Schild: Videoüberwachung. Wenn irgendwo auf der Welt ein Büro denkbar ist, in dem ein Mann via Bildschirm das Müllentsorgungsverhalten der Touristen kontrolliert, dann in Zermatt. Ich bin dann noch mal in den Supermarkt. tanja rest Monster Tiere wie der Wachtelkönig werden immer wieder zu Hauptdarstellern im Kampf gegen Autobahnen oder Gewerbegebiete. Ein Besuch im Hamburger Stadtteil Schnelsen Ein scheues Tier mit großer Macht: Hat der Wachtelkönig erst einmal Quartier bezogen, dann wird Bauland plötzlich zum Naturschutzgebiet. MITTEN IN... Brandenburgs Landjugend kennt man vor allem aus Filmen wie Deutschboden. Darin sieht man junge Männer mit Tattoos, wie sie an der Tanke abhängen und Bier trinken, Seltsames über Frauen absondern oder sich mit rechtem Gedankengut zulabern. Die Jugendlichen, die im Regionalzug nach Rathenow sitzen, sehen schon mal aus wie im Film: männlich, tätowiert, raumgreifend. Sie alle spielen zusammen etwas, das sich bei genauem Hinhören als Stadt, Land, Fluss entpuppt. Gerade ist F dran, die Gruppe gleicht ihre Einträge ab. Land? Frankreich, Finnland. Stadt? Frankfurt (Oder). Dann kommt Hobby mit F. Fische fangen, sagt der eine. Früh aufstehen, der Nächste. Frieden stiften!, ruft der Dritte. Die Brandenburger Landjugend ist um so vieles besser als ihr Ruf. verena mayer Baum-Massaker veranstalteten. Das war ein richtiger Terror, sagt Christa Thorein. Und Peter Marahrens sagt: Das ist schlimm, wenn Sie Bäume lieben und sehen, wie ein Baum stirbt und mit Ächzen umfällt. Kerngesunde Bäume. Jetzt kämpft die Initiative um das, was übrig ist von der Natur in der Nachbarschaft, ein Wäldchen von 6800 Quadratmetern Größe. Die Schnelsener haben Plakate an den Bäumen angebracht, die nahe an der Straße stehen. Aus dem Geäst schimmert matt das Wörtchen Genug wie eine stille, entschlossene Protestnote. Aber Peter Marahrens wusste schon früh, was es noch brauchte: einen Star von der Roten Liste. Ein Tier vom Format des Wachtelkönigs. Tatsächlich hörte Marahrens eines Nachts im Frühsommer ein heiseres wiederholtes Krächzen, das klang wie der lateinische Name des Wachtelkönigs: Crex Crex. Die Hoffnung war eingeflogen. Es gibt Tonaufnahmen vom Schnelsener Wachtelkönig, Videos, Fotos auf einem soll sogar noch ein zweiter zu sehen sein. Der Naturschutzbund hat bestätigt, dass er da war, auch die Stadt zweifelt nicht mehr daran. Und Marahrens klingt richtig ehrfürchtig, wenn er vom Wachtelkönig spricht. Als habe eine Hoheit der Hamburger Niederung die Ehre erwiesen. Aber ob dieser Besuch Erfolg bringt? Der Wachtelkönig ist ein Zugvogel, er war womöglich nur auf Durchreise da in einem Sommer, der in Hamburg wärmer und trockener war als in anderen Teilen Europas. Ob er wiederkommt, ist ungewiss. Er war kurz da, jetzt ist er wieder weg, so sieht es Volker Dumann, Sprecher der Hamburger Brüssel Zermatt Wustermark Maria Laach FOTOS: GETTY, IMAGO, DPA Vortrag in der Benediktinerabtei Maria Laach, das Thema ist Psychische Widerstandskraft. Danach erzählt eine Zuhörerin im Plenum, wie sie mit unangenehmen Zeitgenossen umgeht: Idiot, Idiot, Idiot!, schimpfe sie laut, sobald sie wieder allein sei. Das helfe sehr. So könne sie keinen kränken. Eine weitere Vortragsbesucherin nutzt hingegen eine dem klösterlichen Umfeld angemessenere Strategie: Sie gebe aggressiven, nörgelnden Mitmenschen einfach ein Friede sei mit dir! mit auf den Weg. Großes Gelächter im Saal. Diese schöne, als christliche Nächstenliebe getarnte Mischung aus Arroganz und Loslassen amüsiert auch die versammelten Mönche. Nach der Veranstaltung verabschiedet sich einer von ihnen: Ich sage jetzt nicht,friede sei mit dir. So fromm sind wir hier nicht. christina berndt FOTO: VARIO IMAGES Umweltbehörde, dieser Fall ist erledigt. Mit Bedauern muss auch Dieter Siebeneicher vom Naturschutzbund zugeben, dass das Gastspiel des Wachtelkönigs ein Bauvorhaben eher nicht stoppt. Es ist nicht so einfach, eine Bebauung auf einem Gebiet zu verhindern, für das ein Baurecht besteht, sagt er. Und Hamburgs SPD-Regierung hat sich nun mal 6000 neue Wohnungen pro Jahr in den Kopf gesetzt. Peter Marahrens kennt die Haltung der Stadt, er findet sie ein bisschen traurig, er schaut in die verwundete Landschaft hinein und sagt: Wir wollen es nicht hinnehmen, dass hier so ein wunderschönes Stück Natur plattgemacht wird. Er glaubt an die Sache, für die sie kämpfen als Bürger, die sich nicht alles vorsetzen lassen wollen. Und, auch das: Er glaubt noch immer an die Kraft des Wachtelkönigs. Facebook fragt: Geht es dir gut? Berlin Facebook führt einen Sicherheitscheck ein. Das hat das weltgrößte Online-Netzwerk nun bekannt gegeben. Die Funktion soll Mitgliedern angezeigt werden, die das Unternehmen in einem Katastrophen- oder Krisengebiet vermutet. In der Bekanntgabe des Angebots lautet die Beispielnachricht: Geht es dir gut? Es sieht so aus, als ob du dich in der Gegend des Menlo-Park-Erdbebens befindest. Lass deine Freunde wissen, ob du in Sicherheit bist. Wer die Schaltfläche mit der Aufschrift Ich bin in Sicherheit anklicke, könne anderen Nutzern mitteilen, dass es ihm gut geht. Falls die Ortung falsch oder nicht genau genug war, könne man die Schaltfläche Ich befinde mich nicht in dem Gebiet anklicken. Der Sicherheitscheck folgt dem Beispiel des 2013 gestarteten Krisenwarnsystems des Kurznachrichtendienstes Twitter. Darüber können Hilfsorganisationen Nutzern Informationen zukommen lassen. Online-Netzwerke sind in Krisenfällen oft die ersten Anlaufstellen für Betroffene und deren Angehörige. sz Die Rubrik Mitten in..., in der die SZ-Redaktion kleine Erlebnisse aus verschiedenen Orten der Welt schildert, wird künftig freitags erscheinen. Deutsche Asset & Wealth Management Das Leben ist zu kurz, um noch länger auf steigende Zinsen zu warten. Lassen Sie Ihr Geld nicht mehr rumliegen. Handeln Sie jetzt und fragen Sie Ihren Berater z.b. nach unseren Qualitäts-Mischfonds. DWS Concept Kaldemorgen DWS Multi Opportunities DWS Stiftungsfonds» *Die DWS/DB AWM Gruppe ist nach verwaltetem Fondsvermögen der größte deutsche Anbieter von Wertpapier-Publikumsfonds. Quelle: BVI. Stand: Ende Juni Die Verkaufsprospekte mit Risikohinweisen und die wesentlichen Anlegerinformationen sowie weitere Informationen erhalten Sie kostenlos bei der Deutsche Asset & Wealth Management Investment GmbH, Frankfurt am Main. Laufende Kosten p.a.: DWS Concept Kaldemorgen LC (Stand ): 1,61% zzgl. erfolgsbez. Vergütung 1,03%. DWS Multi Opportunities LD (Stand: ): 1,55%. DWS Stiftungsfonds (Stand: ): 1,06% zzgl. 0,03% erfolgsbez. Vergütung aus Wertpapierleihe-Erträgen. Die Sondervermögen weisen aufgrund ihrer Zusammensetzung / der vom Fondsmanagement verwendeten Techniken eine erhöhte Volatilität auf, d.h., die Anteilspreise können auch innerhalb kurzer Zeiträume stärkeren Schwankungen nach unten oder nach oben unterworfen sein.

12 DEFGH Nr. 240, Samstag/Sonntag, 18./19. Oktober BUCH ZWEI TERROR-RAPPER Der Berliner Rapper Denis Cuspert nannte sich Deso Dogg und posierte vor dicken Autos (links). Dann ging Cuspert nach Syrien zur Terrorgruppe Islamischer Staat. Er zeigt sich in Videos (oben), in denen er und seine Kameraden zum Schlachten fahren. Und er ruft zu Anschlägen im Westen auf, in der Menge, in der U-Bahn. Fotos: DPA (2), DDP, Video-Screenshots ATTENTAT Er hatte eine Kalaschnikow dabei, und damit eröffnete er im Jüdischen Museum in Brüssel das Feuer (oben links). Mitten in einem belebten Viertel der EU-Hauptstadt tötete ein Franzose mit algerischen Wurzeln im Mai vier Menschen. Der Attentäter war ein Rückkehrer aus dem Dschihad in Syrien, wo er sich ein Jahr zuvor dem Islamischen Staat angeschlossen hatte. Solche Rückkehrer fürchten deutsche Sicherheitskreise. Fotos: AFP(2), Corbis MESSERATTACKE Ein Obstmesser, 22 Zentimeter lang, geriffelt. Der Salafist Murat K. (unten) ging damit vor zwei Jahren in Bonn auf zwei Polizisten los (links). Er bereut nichts. Vor Gericht sagt er, Deutschland müsse mit Anschlägen rechnen. Fotos: KTU-Bonn, Spiegel TV (2), DPA Die Spur der Bomben Seit Jahren versuchen Islamisten, in Deutschland Attentate zu verüben. Jetzt tritt eine neue Generation von Dschihadisten auf. Sie ist so gefährlich wie keine zuvor von georg mascolo und annette ramelsberger Die Jungs sind richtig gut drauf. Sie rattern in ihrem Jeep über die steinige Piste, der Wüstenwind weht ihnen die Haare ins Gesicht, hinter ihnen sitzt ein Kämpfer, er hat sein Maschinengewehr aufgepflanzt. Zwischendurch Gewehrsalven. Das ist ihr Sound, das befeuert sie. Es redet Farid Saal, ein junger Mann aus Bonn, neben ihm sitzt Denis Cuspert. Der Berliner war einmal Gangsta-Rapper und poste vor dicken Autos mit dicken Ringen am Finger. Deso Dogg nannte er sich da. Jetzt nennt ihn sein Freund Farid al Almani der aus Deutschland kommt. Sie fahren gemeinsam in den Dschihad. Sie haben sich IS angeschlossen, der Terrorgruppe Islamischer Staat. Sie haben ein Video von sich gedreht, es soll die Brüder in der Heimat ermuntern. Wir essen Basmatireis, wir trinken Pepsi, wir trinken Quellwasser. Wir leben mit Geschwistern zusammen, die dieselben Absichten haben: Das Wort Allahs zu verbreiten, in die Schlachten zu ziehen, die Feinde Allahs zu vernichten. Und dann lachen sie. Ein fröhliches, ein hoffnungsvolles, ein aufgekratztes Lachen. Als ob ihnen die Welt gehört. Der Mann, der mal Deso Dogg war, ist nur einer der Kämpfer, vor denen die deutschen Geheimdienste warnen. Die Bundesregierung hat beantragt, ihn auf die Terrorliste der Vereinten Nationen zu setzen. Er gehört zu jenen etwa 450 Deutschen, die in den Irak und nach Syrien gezogen sind, um sich dem Kalifat anzuschließen. Es wirkt so, als ob sich aus Kleinstädten ganze Jugendgruppen aufmachen. Die meisten wurden hier groß, sind deutsche Staatsbürger, manche Schulabbrecher, andere Hochschulabsolventen. Jetzt schlagen sie Köpfe ab, töten Wehrlose, schänden Gräber und fühlen sich dabei als aufrechte Gläubige, als bessere Menschen. Sie haben ein Ziel: die Scharia und das Kalifat auszudehnen. Ihr Mittel: der Dschihad. Wenn es nach Männern wie Denis Cuspert alias Deso Dogg geht, findet der Dschihad demnächst auch in Deutschland statt. Vor einem Jahr reiste Cuspert nach Syrien, ein paar Monate später schrieb er ein Kampflied für seine Brüder. Es heißt Al-Jannah, al-jannah ( Das Paradies, das Paradies ). Es geht so: Ich wünsch mir den Tod und kann ihn nicht erwarten, bewaffnet mit Bomben und Granaten, in die Kasernen der Kreuzzügler, drück auf den Knopf, al-jannah, al-jannah, ich zünd die Bombe inmitten der Menge, drück auf den Knopf, al-jannah, al-jannah, mitten im Zentrum oder in der U-Bahn, drück auf den Knopf, mit einem Lächeln direkt zu meinem Schöpfer, drück auf den Knopf, al-jannah, denk an deine Pflichten und fürchte Allah, drück auf den Knopf, al-jannah. Mit solchen Drohungen haben es Polizei und Geheimdienste in Deutschland seit Langem zu tun. Doch nun ist der Dschihad zu einem Massenphänomen geworden. 130 der 450 Kriegsfreiwilligen sind schon wieder zurück in Deutschland. Allein in der vergangenen Woche wurden drei Rückkehrer festgenommen, darunter ein Paar aus München, weil sie sich in Syrien Terrorgruppen angeschlossen haben sollen. Insgesamt haben an die 30 Rückkehrer Kampferfahrung. Sie haben die Lieder von Deso Dogg gehört und Blut gerochen. Die Sicherheitsbehörden halten es für wahrscheinlich, dass sie Deso Doggs Aufforderungen in Deutschland in die Tat umsetzen oder es zumindest versuchen. In der U-Bahn. Auf der Straße. In der Menge. Für diese Männer liegt das Kampfgebiet nicht nur im Irak, sondern oft vor der Haustür. In Bonn, in Berlin, in Düsseldorf. Der Dschihad ist längst in Deutschland angekommen. Das kann man in den Gerichtssälen der Republik besichtigen. Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf. Stacheldraht, drei Sicherheitsschleusen, Panzerglas vor den Angeklagten. Marco G. wird mit Fußfesseln hereingeführt, er reckt die Faust zum Him- Fortsetzung nächste Seite»Michael Kleebergs lebenskluger Roman weiß alles über den MANN in den besten Jahren.«Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Peter Körte Gebunden 512 Seiten C 24,99 (D) ISBN Auch als ebook erhältlich.

13 14/15 BUCH ZWEI HF2 Samstag/Sonntag, 18./19. Oktober 2014, Nr. 240 DEFGH VORBEREITUNG EINES ANSCHLAGS Es sind ikonenhafte Bilder: Die Vorführung der Mitglieder der Sauerlandzelle in Karlsruhe. Drei junge Männer aus gutem Haus, zwei davon Konvertiten. Sie brauten im Herbst 2007 in einem Ferienhaus im Sauerland Sprengstoff zusammen. Die drei wurden zu langen Haftstrafen verurteilt. Zumindest Daniel S. (Mitte) hat Aussicht, bald Freigang zu bekommen. Er studiert im Gefängnis. Fotos: DPA (3) Attentate und Versuche seit 2006 Hochburgen der Islamisten VERSUCHTER ANSCHLAG Der Kofferbomber von Köln trug die 13 auf dem T-Shirt. Jene 13, die bei der Fußball-WM 2006 Michael Ballack trug. Videos vom Bahnsteig 2/3 des Kölner Hauptbahnhofs überführten ihn schließlich. Sein Komplize war in den Libanon geflohen. Wären die Kofferbomben explodiert, wären an die 100 Menschen gestorben, errechneten die Ermittler. Vor Gericht zeigte der Angeklagte den ausgestreckten Mittelfinger (rechts). Er bekam lebenslänglich. Fotos: Getty Images (3) VERSUCHTER ANSCHLAG In dieser Sporttasche (rechts) steckte die Bombe, die im Dezember 2012 auf dem Bonner Hauptbahnhof deponiert wurde. Kinder entdeckten sie und traten dagegen. Polizisten suchten im Gleisbett nach dem Zünder (Mitte). Der Täter hatte die Bombe aus Gaskartuschen und einem Stahlrohr zusammengebaut (oben). Dort fand sich eine DNA-Spur. Sie gehörte dem Sohn des mutmaßlichen Täters. Fotos: DPA (4), OH ATTENTAT Arid Uka wartete, bis die amerikanischen Soldaten am Frankfurter Flughafen in den Bus eingestiegen waren (links). Dann wurde der Bus zur Falle. Uka (unten) eröffnete das Feuer, zwei Soldaten starben, zwei wurden schwerst verletzt. Es war das erste tödliche Attentat eines Islamisten auf deutschem Boden. Uka, erst 21, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Fotos: DPA (3) COLLAGE: HASSÂN AL MOHTASIB; BILDRECHERCHE: CLAUDIA EGGL ATTENTATE Deutschland ist gewarnt: Immer wieder finden islamistische Attentäter ihre Ziele. Schon 2002 ging eine Synagoge in Djerba in Flammen auf 14 Deutsche starben dabei (oben) traf es London, 52 Tote (links) waren es Vorortzüge in Madrid (unten). Dabei starben 191 Menschen. Fotos: Reuters, DPA, AFP Fortsetzung von Seite 13 mel, er ruft Allahu Akbar, Gott ist groß. Um den Kopf hat er einen schwarzen Schal gewickelt, ähnlich den Kämpfern des Islamischen Staats im Irak. So begrüßt Marco G., 27, den Richter. Er ist angeklagt, genau das versucht zu haben, was sein Bruder Deso Dogg fordert: G. soll eine scharfe Bombe auf den Bahnsteig 1 des Bonner Hauptbahnhofs gelegt haben. Am 10. Dezember 2012, kurz vor ein Uhr mittags. Hätte die Polizei den Sprengsatz nicht entschärft, hätte die Bombe alle Menschen im Umkreis von drei Metern getötet. Ob zwei oder 20, kann niemand wissen. Marco G. ist Konvertit, er stammt aus Oldenburg. Seine Frau trägt Vollschleier und Handschuhe. Auch seine Mutter hat er dazu überredet, zum Islam zu konvertieren. Der Mann erhebt sich nicht, wenn die Richter eintreten. Er nimmt seine Kopfbedeckung nicht ab. Tag für Tag bekommt er dafür Ordnungsstrafen aufgebrummt. Er nimmt sie in Kauf. Er wirkt stolz darauf. Montags und dienstags wird gegen Marco G. und seine Mitangeklagten verhandelt. Mittwochs und donnerstags sind dann vier weitere Islamisten in diesem Gerichtssaal. Sie hatten in Düsseldorf Sprengstoff zusammengekocht. Auch sie wollten die Ungläubigen in Deutschland töten. Vor ihnen wurde hier gegen die Mitglieder der Sauerlandzelle verhandelt, wiederum davor gegen Anhänger von Abu Musab al-sarkawi, den Gründer des Islamischen Staats. Alles Männer, die in den vergangenen Jahren in Deutschland bomben wollten. Es werden immer mehr Salafisten zählt der Verfassungsschutz mittlerweile in Deutschland. Selten aber hört man den O-Ton des Terrors so unverblümt wie im freundlichen hellen Gerichtssaal des Landgerichts Bonn. Dort stand vor einer Weile Murat K. vor Gericht. 26 Jahre alt, geboren und aufgewachsen in Deutschland, seine Eltern kamen aus der Türkei. Als Jugendlicher mochte er Alkohol, Drogen, Schlägereien. Nun liebt er Allah und den Dschihad. Murat K. hat im Mai 2012 zwei Polizisten mit seinem Messer schwer verletzt. Er bereut nichts. Ist das Ihr Messer?, fragt der Richter. Ein Haushaltsmesser, 22 Zentimeter lang, schwarzer Griff, Wellenschliff. Ja, sagt Murat K. Er habe so ein Messer immer dabei, zum Karottenschälen, zum Apfelschneiden. Diesmal nutzte er es, um Polizisten in die Beine zu stechen. Die Polizisten hatten auf einer Demo in Bonn die Demonstranten beschützt, die die umstrittenen Mohammed-Karikaturen zeigten. Eure Werte erlauben es, den Propheten zu beleidigen, sagt Murat K. Im Islam gilt die Todesstrafe dafür. Ihr habt eure Meinungsfreiheit, aber als gläubiger Muslim muss der Islam meine Meinung sein. Sie müssen mit Gewalt die Werte des Islam durchsetzen?, fragt der Richter. Ja, natürlich, sagt Murat K. Er trägt ein schwarzes Tuch um den Kopf, genau wie Marco G. in Düsseldorf. Und auch einen langen braunen Bart. Er hat mit voller Wucht zugestochen, selbst auf eine Polizistin. Die Muslime haben dem deutschen Staat den Krieg erklärt, sagt er. Ihr müsst doch wissen, dass darauf Konsequenzen folgen. Ihr habt doch Orientalisten. Er ruft: Deutschland muss in Zukunft mit Anschlägen rechnen. Ich entziehe Ihnen das Wort, sagt der Richter. Jetzt ist Schluss. Doch offensichtlich fängt es erst an. Gerade hat ein anderer Islamist seinen Brüdern in Deutschland geschrieben, was sie hier tun sollen. Silvio K., geboren in Sachsen, ist auch ein Fan von Deso Dogg. Sein Aufruf klingt noch etwas härter als der des Berliner Rappers: Tut, was immer ihnen schadet und je mehr sie dabei leiden, desto besser: Lasst Züge entgleisen Verteilt Autoreifen oder andere Hindernisse auf der Autobahn Werft große Steine oder andere schwere Gegenstände von Brücken auf Fahrzeuge und/oder Fußgänger Steckt brandempfindliche Fabriken in Brand Tötet von den Ungläubigen wen immer ihr wollt (Männer, Frauen, Greise und Kinder), wie immer ihr wollt (erschießen, erstechen, todkitzeln, erdrosseln, erwürgen, ertränken, vergiften, vergasen, hinabwerfen, herunterstoßen, erschlagen...), wo immer ihr wollt (in Bussen, Zügen, Taxis, Schiffen, Bahnhöfen, Stadien, Museen, Klöstern, Kirchen, Synagogen, Tempeln, Schwimmbädern, Diskotheken, Spielotheken, Bordellen, Kinos, Restaurants, Präsidien, Rathäusern, Ämtern, Stützpunkten, Kasernen, Parkplätzen, Schulen, Kindergärten, Theatern...) im Verborgenen, geschützt vom Dunkel der Nacht und leise oder ganz offen bei helllichtem Tag und vor den Augen und Ohren der Menschenmassen. Aber tut was und hört auf zu schlafen. Wenn man in diesen Tagen die Menschen trifft, denen die Sicherheit Deutschlands anvertraut ist, schaut man in besorgte Gesichter. Seit dem 11. September 2001 wissen deutsche Polizisten und Geheimdienstler, dass hier Menschen leben, die Attentate vorbereiten können, ohne aufzufallen. Die nicht einmal bei Rot über die Straße gehen, aber planen, wie man mit einem Flugzeug in die Türme des World Trade Centers fliegt. So wie Mohammed Atta und seine Freunde aus Hamburg. Die Al-Qaida- Zelle aus Hamburg hat den größten Terroranschlag der Geschichte verübt vorbereitet von deutschem Boden aus. Damals haben die deutschen Geheimdienste erfahren müssen, dass auch dieses Land nicht gefeit ist gegen Terror. Anschläge gab es auf die U-Bahn von London, auf die Vorortzüge von Madrid, mit Hunderten Toten. Auch in Deutschland haben radikal-islamische Dschihadisten sechs, sieben Mal versucht zuzuschlagen. Immer wieder kam ihnen die Polizei zuvor auch mithilfe von Hinweisen der amerikanischen Geheimdienste. Das ist der Vorteil, den die Deutschen aus den Abhörpraktiken der NSA ziehen. Daher ist die Regierung so zögerlich, mit den USA zu streiten. Einen Anschlag aber konnten die Behörden nicht verhindern: Als ein junger Mann aus dem Kosovo im März 2011 mitten auf dem Flughafen Frankfurt zwei GIs erschoss. Er rief dabei: Allahu Akbar, Gott ist groß. Alle wissen: Deutschland hat bisher einfach Glück gehabt. Und das könnte sich sehr schnell ändern. Die langjährige Chefin des britischen Geheimdienstes MI5, Eliza Manningham-Buller, hat den Satz geprägt: Es ist nicht mehr die Frage, ob ein Anschlag geschieht, sondern nur noch, wann er geschieht. Viele Staatsschützer fürchten, dass dieser Satz auch für die Bundesrepublik gilt. So wie für andere westliche Staaten. Gerade erst hat Australien Dutzende von Islamisten festgenommen, die dort Anschläge planten. Ein Gespräch mit Thomas de Maizière, der sich mit terroristischen Bedrohungen auskennt. Er war Innenminister in Sachsen, Kanzleramtsminister und damit zuständig für die Geheimdienste, ist jetzt zum zweiten Mal Bundesinnenminister. Und doch ringt er um Worte, um die heutige Situation zu erklären: Dass viele junge Menschen, die in Europa und Deutschland sozialisiert worden sind, die etwas von Menschenwürde und von Achtung und Respekt gelernt haben sollten, sich so schnell radikalisieren und dann das Leben anderer und ihr eigenes Leben wegwerfen, das ist eine unvorstellbare Aktion. Die sind mit jemandem zusammen groß geworden, haben mit jemandem zusammen Fußball gespielt und dann rutscht dieser Jugendliche oder junge Mann so weg und ist ein Jahr später tot und auch noch stolz darauf. Grauenhaft. De Maizière denkt an einen wie Philip B. Der Junge hat sich in einer Hinterhof-Moschee radikalisiert. Er war Pizzabote in Dinslaken, konvertierte zum Islam und nannte sich Abu Osama. Am Ende war er Anführer einer Truppe, die im Internet regelmäßig über ihre Erlebnisse in Syrien berichtete. Einer seiner Männer posierte mit abgeschlagenen Köpfen. Philip B. war zum Morden und Sterben entschlossen, das Jenseits ist für die Gläubigen die wahre Wohnstätte, schrieb er auf Facebook. Er bekam, was er wollte. Im Kampf für den Islamischen Staat traf ihn eine Kugel in den Hals. Unfähig, weiter zu kämpfen, so berichten es Freunde, habe er sich für einen Selbstmordanschlag entschieden. Er tötete sich im Namen Allahs so wie mittlerweile wohl ein halbes Dutzend andere Deutsche. Sieben Mal, sagt die Bundesregierung, haben sich aus Deutschland stammende Dschihadisten als Selbstmordattentäter geopfert. Bei zwei Deutschen besteht der Verdacht, dass sie als lebende Bomben endeten. Insgesamt gelten 40 Deutsche, die in den Irak oder nach Syrien gingen, als tot. Wirklich erstaunt muss man darüber nicht sein. Der deutsche Dschihad hat sich lange angekündigt und wurde jahrelang verdrängt. Schon im Jahr 2000 bereiteten Islamisten in Frankfurt einen Sprengstoffanschlag auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg vor einen Tag vorher griff die Polizei zu. Im Jahr 2003 plante eine Gruppe, die in direktem Kontakt zum Gründer des Islamischen Staates stand, Anschläge auf die Gaststätte Oberbayern in Düsseldorf sie wurde entdeckt. Für das tödliche Attentat auf eine deutsche Touristengruppe auf Djerba kam der Segen von einem Islamisten aus Deutschland 21 Menschen starben, darunter 14 Deutsche. Dann gab es die Kofferbomber von Köln, die Sauerlandgruppe, die Düsseldorfer Zelle. Und einen Mann, der in Berlin Gleichgesinnte für ein Attentat suchte. Es waren Vorboten. Schnell vergessen. Obwohl die Männer sich doch recht eindeutig verhielten. So wie ein Kurde aus Berlin, der im Jahr 2008 in Stuttgart-Stammheim wegen Anschlagsplänen vor Gericht stand. Und weil er Geld für Selbstmordanschläge im Irak gesammelt hatte. Der Staatsanwältin rief er zu: Du Arschloch, du bist eine Frau. Die Richterin beschimpfte er als billiges, kleines Flittchen. Und dem Wachtmeister versetzte er mitten im Gericht einen Kopfstoß. Damals nahm man das noch als skurril hin. Der Mann bekam dafür nicht einmal Ordnungsstrafen. Der Frankfurter Arid Uka, ein blasser, schmaler Junge, gerade 21, tat vor Gericht nur eines: schweigend auf den Tisch starren. Als Vierjähriger war er mit seinen Eltern aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen, er wuchs hier auf, ging zur Schule, galt als bestens integriert. Bei einem Besuch seiner Schulklasse im Kanzleramt stand er neben dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder. Die Klasse wurde für ein Anti-Gewalt-Projekt geehrt. Später radikalisierte sich Arid Uka innerhalb weniger Monate. Auf dem Flughafen Frankfurt ging er 2011 sehr gezielt vor. Er bat ein paar GIs um eine Zigarette, fragte sie, ob sie nach Afghanistan fliegen, dann ließ er sie in einen Bus einsteigen wie in eine Falle. Arid Uka lud seine Pistole und schoss. Zwei Soldaten starben sofort, zwei wurden schwerst verletzt, einer überlebte nur, weil die Pistole klemmte. Als dieser Überlebende vor Gericht gefragt wurde, wie es ihm geht, sagte er: I m fine. Die Ärzte sagen, dass es anders ist. Arid Uka schwieg. So weiß man nicht, wie alles kam. Plötzlich hatte er auf Facebook seine Freunde durch Menschen mit islamischen Namen ersetzt. Wahllos. Er hatte nur noch Hosen getragen, die über dem Knöchel enden. Auf seinem ipod fanden sich 229 Dschihad-Gesänge, er hörte sie noch in der S-Bahn zum Tatort. Auch Deso Dogg hörte er. Als er schoss, war er ganz allein, ohne Gruppe, ohne Hintermänner. Wie will man so einem Einzeltäter auf die Spur kommen? Abu Khalid al-suri, der bisweilen als Clausewitz der Terrororganisation al Qaida bezeichnet wird, hat die Strategie des Einsamen Wolfs in einem 1600-seitigen Internet-Manifest beschrieben. Zu Hause bleiben, nicht auffallen und dann zuschlagen. Wie kann man solche Leute aufspüren? Die ehrliche Antwort: Gar nicht. Nur wenn Verschwörer miteinander kommunizieren, besteht eine Chance, etwas davon mitzubekommen. Wenn sie Bestandteile für Sprengstoff besorgen, Zünder beschaffen, Pläne besprechen müssen. Wenn einer einfach nur abdrückt, gibt es kaum eine Chance, ihn aufzuhalten. Aber was dann? Kann man sie wenigstens verstehen? Sie dadurch erkennen und stoppen? Es ist die Frage aller Fragen: Warum werden diese Menschen so? Sind sie krank? Verrückt? Der Essener Psychiater Norbert Leygraf hat mittlerweile 29 Islamisten begutachtet, auch Arid Uka. Er kann an ihnen grundsätzlich nichts Krankhaftes finden. Glaube ist keine Krankheit, sagt er. Auch dann nicht, wenn seine Anhänger ihn weltweit verbreiten oder dafür in den Heiligen Krieg ziehen. Man werde den Dschihadisten nicht gerecht, wenn man sie schlicht unter dem Aspekt einer psychischen Abnormität betrachtet, so Leygraf in einem aktuellen Aufsatz. Bei der ersten Terrorgeneration, die Anfang der 2000er-Jahre gefasst wurde, war auffällig, dass die Männer es zu nichts gebracht hatten und sich in einer Sackgasse des Lebens fühlten aus der sie der Dschihad vermeintlich wunderbarerweise herausholte. So war zum Beispiel einer der Kölner Kofferbomber von seiner Familie im Libanon auserkoren, Ingenieur zu werden. Er schaffte es nicht, spielte aber seiner Familie den erfolgreichen Studenten vor als ein Bruder ihn in Deutschland besuchen wollte und die Lüge aufzufliegen drohte, wollte er zumindest mit einem Attentat Ehre einlegen. Psychiater Leygraf beurteilt das so: Der Attentäter habe sich aus dem beschämenden Eingeständnis des eigenen Versagens durch eine Flucht nach vorn in die Rolle des glorreichen Gotteskämpfers befreit. Doch bei den jungen, in Deutschland aufgewachsenen Islamisten greift diese Erklärung nicht mehr. Leygraf sieht vermehrt egozentrische, impulsive, wenig leistungsbereite junge Männer den fundamentalistischen Islam dazu nutzen, ihr überhöhtes Selbstwertgefühl zu präsentieren und ihre aggressiven Impulse scheinbar moralisch legitimiert auszuleben. So wie Murat K., der Messerstecher von Bonn. Oder vielleicht auch Marco G., der mutmaßliche Bombenleger von Bonn. Das ist nicht beruhigend. Noch beunruhigender ist, was Leygraf folgert. Oft reiche den Jungen allein die Faszination, zu einer scheinbar elitären Gruppe zu gehören und für ethisch hochstehende Ziele in den Kampf ziehen zu können. Der Dschihad sei nur eine weitere, wenn auch besonders schicksalsträchtige Möglichkeit, sich im Prozess des Erwachsenwerdens auf dem Weg ins rechte Leben zu verirren. Man könnte es auch so sagen: Wer früher Scientology auf den Leim ging oder politischer Extremist wurde, der zieht heute in den Dschihad. Selbst Irrwege unterliegen Moden. Mit diesen Irrwegen, mit diesen Bedrohungen gehen die deutschen Behörden schon lange um. Der Islamische Staat und seine Faszination allerdings ist neu, unbekannt und schon deshalb noch schwerer einzuschätzen. Jedes Video, jede Erklärung, jeder Facebook-Eintrag des Islamischen Staates und seiner Anhänger wird analysiert. Dazu kommen Abhörmaßnahmen, aber die Anhänger des IS wissen, dass sie überwacht werden. Neuerdings tauschen sie sich immer häufiger über Instagram oder russische Server aus. So übermittelten sie die Aufforderung an ihre Brüder, vor dem Berliner Fernsehturm mit IS- Symbolen zu posieren. Die Art der Gefahr hat sich in den letzten Jahren verändert. Die neuen Dschihadisten gehen radikaler, bedingungsloser, erbarmungsloser vor auch was sie selbst betrifft. Die Attentäter von Köln, die 2006 zwei scharfe Bomben in Regionalzüge nach Koblenz und Dortmund stellten, machten sich rechtzeitig aus dem Staub und merkten deshalb nicht, dass ihre Bomben nicht zündeten. Auch die Männer der Sauerlandzelle wollten sich nicht unbedingt selbst opfern, ihnen war es wichtig, möglichst viele amerikanische Schlampen in Diskotheken zu töten. Die Leute aber, die jetzt aus dem Irak zurückkehren, sind anders. Früher waren viele ernüchtert, die meisten hatten den Krieg gar nicht gesehen, sie waren froh, wieder daheim zu sein. Heute, sagt der Verfassungsschutz, gingen viele bereits mit dem Ziel zu töten zu IS. Auch nach ihrer Rückkehr nach Deutschland gebe es keine Einsicht, viele bewegten sich in den gleichen salafistischen Gemeinden, rekrutierten neue Kämpfer. Verfassungsschutz und Polizei kämpfen einen verzweifelten Kampf, um die Ausreise über die Türkei nach Syrien zu verhindern. Sie entziehen Pässe, doch für die Reise in die Türkei reicht ein Personalausweis. Dann ist es nicht mehr weit nach Syrien. Deswegen haben sich die Innenminister von Bund und Ländern am Freitag zu einer Sondersitzung getroffen, um schnell Abhilfe zu schaffen. Islamisten, die in den Dschihad ziehen wollen, soll auch der Personalausweis entzogen werden. Damit sie nicht mehr reisen können. Doch sie werden bald ein neues Schlupfloch finden. Denn die Dschihadisten werden immer professioneller. Bei der Sauerlandzelle konnte die Polizei noch unbemerkt das Sprengstoffgemisch gegen harmlose Brühe austauschen. Viele der Gruppen, die 2003, 2004 im Blickpunkt der Ermittler standen, kommunizierten noch fröhlich über Telefon. Bei den Kofferbombern von Köln aber war der Bombenaufbau professionell, es funktionierte nur eine Kleinigkeit nicht sonst wären die Sprengsätze in voll besetzten Regionalzügen explodiert. Und für das, was Silvio K., der Deso-Dogg-Fan aus Sachsen, seinen Brüdern an Attentatsmöglichkeiten empfiehlt, ist gar nicht viel Wissen und Vorbereitung nötig: für Schüsse in Schwimmbädern, Kinos und Schulen. Die Behörden sehen mit Sorge auf Brüssel, wo im Sommer ein Dschihad-Rückkehrer im Jüdischen Museum auf eine Besuchergruppe schoss. Vier Menschen starben. Viel wahrscheinlicher als ein großer Bombenanschlag, sagt ein hoher deutscher Sicherheitsbeamter, sei eine Einzelaktion viel wahrscheinlicher und auch viel schlechter zu verhindern. Nach dem 11. September 2001 machte man sich Gedanken über Anthrax-Verseuchung. In Berlin wurden schon Pocken-Reihen-Impfungen geübt, aus Angst vor Osama bin Ladens Biologen. Es war eine grandiose Fehleinschätzung. Heute weiß man: Das ist alles viel zu schwierig. Wir haben es bei den deutschen Dschihadisten mit Leuten zu tun, die schon im Chemie- Grundkurs durchgefallen sind, sagt ein Sicherheitsmann. Ganz einfache Aktionen wie der Anschlag im Jüdischen Museum in Brüssel können viel wirkungsvoller sein. Dennoch ist der Ton vorsichtig, in dem darüber gesprochen wird, was sein könnte. Es ist der Ton von Innenminister Thomas de Maizière, der gar nichts davon hält, die Menschen nervös zu machen, solange es keinen Hinweis auf einen konkreten Täter, eine konkrete Tat gibt. Und den gibt es nicht. Am weitesten wagt sich noch Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen vor: Wir tun alles, was möglich ist, um einen Anschlag zu verhindern. Denn ein Anschlag ist nicht nur ein Anschlag auf das Leben von Menschen, sondern auch auf das Lebensgefühl hier. Das Gefühl, in einer freien, demokratischen, offenen Gesellschaft zu leben, in der nicht jede Regung von Sicherheitsbedenken eingeengt werden darf; in der ein Oktoberfest stattfinden kann, obwohl es das ideale Anschlagsziel für Islamisten ist mit Tausenden betrunkenen, halbnackten Ungläubigen. Trotzdem wird dort gefeiert. Aber es herrscht ein stiller, ein permanenter Alarmzustand. Verfassungsschutz und Polizei konzentrieren sich auf die Rückkehrer aus Syrien und dem Irak. Diese Operation hat in diesen Tagen riesige Ausmaße angenommen. Bei jeder Wiedereinreise eines Dschihadisten beginnt das gleiche Procedere. Gibt es harte Beweise, übernehmen Polizei und Staatsanwaltschaft. Gründe für eine Festnahme aber gibt es in den meisten Fällen nicht, es fehlt an Belegen, was die einzelnen IS-Anhänger im Kriegsgebiet wirklich getan haben. Wer vor einer Fahne des inzwischen verbotenen IS posierte oder gar mit einem abgeschlagenen Kopf in der Hand, macht es der Strafverfolgung leicht, aber das sind die wenigsten. Mindestens acht Rückkehrer hat die Polizei bisher festgenommen. Wo nur ein Verdacht besteht, übernimmt der Verfassungsschutz. Er kontrolliert die Kommunikation der Rückkehrer, die sozialen Medien und Telefone. Die Polizei hilft bei der Observation, denn das ist ein aufwendiges Geschäft, acht Mann pro Schicht braucht es. Gefährlich können die Heimkehrer werden, aber die Staatsschützer fürchten sich auch vor denen, die gar nicht erst fahren durften. Lückenlose Überwachung gibt es nur im Kino. Es sind einfach zu viele Verdächtige. Dazu kommt die offene Ansprache durch die Polizei, oft bereits direkt bei der Wiedereinreise. Dann kommt der Verfassungsschutz ins Haus, die Botschaft lautet stets: Alles, was du machst, wird beobachtet. Immerhin 20 Prozent der Heimkehrer erklärten sich laut einer internen Verfassungsschutz-Statistik zur Kooperation bereit. Garantiert dieser riesige Aufwand also Sicherheit? Niemand im deutschen Sicherheitsapparat würde das behaupten. Bei aller Akribie, bei aller Mühe, Lücken werden bleiben: Islamisten, die man nicht kennt, Treffen, die man nicht beobachtet, Telefongespräche, die man nicht abhört. Es wird immer auch ein bisschen Glück dazukommen müssen, damit Deutschland weiter von Anschlägen verschont bleibt. Eben jenes Glück, das dieses Land bisher hatte. Ob es hält, ist nicht gewiss. Deso Dogg und die Seinen arbeiten daran, dass es nicht so bleibt hat Deso Dogg eine CD aufgenommen. Das Cover zeigt das Brandenburger Tor, über dem die schwarze Fahne der Dschihadisten weht. Deso Dogg nennt Berlin, seine Heimatstadt, nun die Kuffar Metropole. Kuffar ist der abfällige Name für Ungläubige. Musikklubs sind für ihn inzwischen sündig, Frauen, die ohne männliche Begleitung aus dem Haus gehen, Huren, und Nicht- Muslime die dreckigen Diener des Shaytan, des Satans. Auch das passende Lied hat Deso Dogg schon geschrieben. Er gilt mittlerweile als bekanntester Dschihadist Deutschlands. Das Lied geht so: Wir kämpfen für den Sieg, versprochen, dass es ihn gibt, egal, wohin wir geh n, wird uns re Flagge weh n. Mitarbeit: Tomas Avenarius, Frederik Obermaier

14 16 FORUM & LESERBRIEFE Samstag/Sonntag, 18./19. Oktober 2014, Nr. 240 DEFGH SPRACHLABOR Werner Bartens zog in seinem Leitartikel Wenn Mäuse lügen vom 7. Oktober die Preiswürdigkeit der Forscher, die den Medizin-Nobelpreis 2014 bekamen, in Zweifel. Dazu gab es Pro und Contra: MEDIZIN-NOBELPREIS Von Mäusen und Menschen SZ-WERKSTATT NATÜRLICH KANN DIE unbedachte Verwendung der Konjunktion um zu große Albernheiten bewirken. Etwa: Karl ging in die Stadt, um dort überfahren zu werden. Dass Karl nichts weniger wollte, als überfahren zu werden, ist anzunehmen. Einen vergleichbaren Nichtwillen unterstellt Leser St. den Fußballern von Manchester City, von denen er erfuhr, dass sie das Achtelfinale erreichten, um dort am FC Barcelona zu scheitern. Angesichts dessen, dass dieser Finalsatz jegliche Absicht vermissen lässt, fragt Herr St., ob er die Zeitung lese, um sich zu ärgern. Da sei Gott vor! Indessen ist auch dieses Sprachsegment nicht frei von Untiefen. Der Regel, dass mit um zu eine Absicht ausgedrückt werden soll (Karl fastete, um abzunehmen), steht die Freiheit gegenüber, auch unbeabsichtigte Folgen so anzuzeigen. Walter Jungs Grammatik belegt das mit dem Satz: Er verschwand, um nicht wieder gesehen zu werden, rät aber zum vorsichtigen Gebrauch dieses Stilmittels. Die Dudengrammatik (1959) findet, dass so ein Anschluss besondere Ausdruckskraft besitze, wenn eine Schicksalsbestimmung ausgedrückt werden soll. Sie stützt sich dabei auf Goethes Eintrag über sein letztes Treffen mit Schiller:... so schieden wir vor seiner Haustüre, um uns niemals wiederzusehen. (Damit soll keineswegs angedeutet werden, dass auch im Fall Manchester vs. Barcelona das Schicksal mitgespielt hätte.) Harald Weinrich handelt den Komplex auf hoher Ebene, aber mit ähnlichem Ergebnis ab. Sein Beispielsatz: Sie kam nach Hause, um festzustellen, dass ihr Mann sie verlassen hatte. Die Erläuterung: Ein Ziel braucht also nicht unbedingt vom Handelnden intendiert zu sein. Es kann mit um zu auch ein,ende angezeigt werden, das nicht als,zweck intendiert ist. Dieses Ende muss ja nicht unbedingt ein dickes sein, wie ein Zitat aus Hauptmanns Bahnwärter Thiel beweist: Die Sonne, welche soeben unter dem Rande mächtiger Wolken herabhing, um in das schwarzgrüne Wipfelmeer zu versinken, goss Ströme von Purpur über den Forst. hermann unterstöger Abonnement: Die Süddeutsche Zeitung wird als gedruckte Zeitung auf Papier und über die SZ-App digital vertrieben. Sie erscheint werktäglich, freitags mit SZ Magazin. Monatsbezugspreise inkl. Umsatzsteuer: Zeitung bei Zustellung frei Haus: in Bayern 51,40 Euro, außerhalb Bayerns 54,40 Euro, für Studierende 25,90 Euro (nach Vorlage einer Bescheinigung). Weitere Preise (z.b. im Ausland) und Bestellung online. SZ Digital (inkl. SZ E-Paper): 29,99 Euro, Vorzugspreis für tägliche Abonnenten 7,50 Euro. Bankkonto: Deutsche Bank (IBAN: DE , BIC: DEUTDEMMXXX). Das Abonnement kann schriftlich mit einer Frist von vier Wochen zum Monatsende bzw. zum Ende eines vorausberechneten Bezugszeitraumes gekündigt werden. Abonnenten- und Leserservice: Telefon (089) , Fax (089) , und (Bestellung, Information, Service) SUEDDEUTSCHE ZEITUNG (USPS No ) is published daily exceptsunday andholidaysbysueddeutschezeitung GmbH.SubscriptionpriceforUSAis $970per annum.k.o.p.:germanlanguage Pub.,153 S Dean St, Englewood, NJ Periodicals postage is paid at Englewood, NJ and additional mailing offices. Postmaster: Send address changes to: SUEDDEUTSCHE ZEITUNG, GLP, POBox 9868, Englewood, NJ Bewegung ist alles Wo liegt das Navigationssystem im Gehirn und wie funktioniert es? Für die grundlagenwissenschaftliche Erforschung dieser Fragen wurde dieses Jahr der Medizinnobelpreis an Forscher aus Norwegen und England verliehen. Werner Bartens fragt, ob dieses Thema Alfred Nobels Anspruch an Arbeiten von größtem Nutzen für die Menschheit erfülle, da es fern von praktischer Anwendbarkeit am Patienten sei. Die klare Antwort darauf ist: Ja! Auch Ärzte und klinische Forscher haben zunehmend erkannt, dass räumliche Orientierungsstörungen bei Volkserkrankungen wie Demenz oder altersbedingten Störungen der Sinnes-Systeme zu den zentralen Leitsymptomen gehören und für die Lebensqualität und Funktionalität der Patienten eine entscheidende Rolle spielen. Mehrere Millionen Patienten sind in Deutschland davon betroffen. Die Grundlagenforschung zum Thema ist längst am Krankenbett angekommen. Einem Forscherteam aus dem Klinikum Großhadern gelang 2005 erstmals der Beweis, dass eine Störung der Gleichgewichtsorgane im Innenohr zu einer deutlichen Schrumpfung der zentralen Schaltstelle des Navigationssystems im Gehirn, dem sogenannten Hippocampus, führt verbunden mit einer Störung der Orientierungsfähigkeit betroffener Patienten. Die klinische Forschung am Hippocampus zeigt die große Anpassungsfähigkeit dieser Hirnregion und die zentrale Rolle geistiger und körperlicher Betätigung für die Erhaltung von dessen Funktion. In den vergangenen Jahren konnten durch bildgebende und neuropsychologische Untersuchungen am Menschen erstaunliche Parallelen zu den Ergebnissen der Untersuchungen bei Ratten gefunden werden. Dies liegt daran, dass es sich bei der räumlichen Orientierung um ein seit Urzeiten im Gehirn eingeprägtes Verhaltensmuster handelt. Welche Konsequenz kann also das Verständnis der neurobiologischen Grundlagen der räumlichen Orientierung für die Alltagsmedizin haben? Klinische Tests zur Raumorientierung können einfach und kostengünstig zur Früherkennung demenzieller Erkrankungen eingesetzt werden. Trainingsprogramme zur gezielten Förderung von Gedächtnis- und Raumorientierungsfunktionen können möglicherweise auch beim Menschen im begrenzten Maße den geistigen Leistungsabfall durch Alterungsvorgänge verlangsamen. Bei Ratten wurde im Hippocampus eine Nervenzellneubildung allein durch vermehrte Bewegung und Orientierungsaufgaben gefunden. Es müssen also nicht immer aufwendig entwickelte apparative Tests und Medikamente sein. Gerade dieser Nobelpreis zeigt, dass Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung manchmal auch zu einfachen Behandlungsstrategien mit hoher praktischer Relevanz und großem Nutzen für die Patienten führen. Dr. Andreas Zwergal und Kollegen Deutsches Schwindel- und Gleichgewichtszentrum, Klinikum Großhadern, München Basisarbeit zahlt sich aus Ja, es ist mühsam, neue innovative Medikamente zu finden und sie bis zur Zulassungsreife zu führen. Ein grundlegendes Verständnis dieser Prozesse stellt die Voraussetzung für neue therapeutische Ansätze dar und fließt seit Jahren auch in die Praxis ein. Wir ernten heute die Früchte dieser 30 Jahre zurückliegenden Basisarbeit. Ich denke dabei an die therapeutischen Ansätze der vergangenen Jahre zur Therapie der Multiplen Sklerose und die Behandlung von verschiedenen Krebserkrankungen. Auch die komplexen neurorehabilitativen Maßnahmen nach einem Schlaganfall gehören dazu. Vielleicht hilft dem Autor ein Besuch in einer neurologischen Rehabilitationsklinik, um zu ermessen, wie wichtig das Verständnis der Raumorientierung ist und was zu tun ist, wenn jemandem dieser Sinn verloren geht. Abkürzen funktioniert nicht in der Medizin. Deshalb ist es ein Glück für unsere künftigen Patienten, dass es Menschen gibt, die sich mit den grundlegenden Mechanismen unseres Körpers befassen und dafür ihr Berufsleben in einem Labor verbringen. Danke John O Keefe und May-Britt und Edvard Moser für ihre geduldige Arbeit. Danke für die Anerkennung ihrer Arbeit. Dr. Katrin Schulte, Düsseldorf Das Leiden der Tiere Bartens trifft den Nagel auf den Kopf: Biomedizinische Grundlagenforschung, wie die der frisch mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichneten Wissenschaftler, ist eben keine direkte Vorstufe zur medizinischen Anwendbarkeit. Während Forscher zur Beschaffung von Fördergeldern und für die Genehmigung von immer neuen Tierversuchen ungeniert Therapieansätze für Alzheimer, Krebs oder Parkinson in Aussicht stellen, rückt bei ihrer eigentlichen Arbeit der Patient immer weiter in den Hintergrund. Gelingt es dann beispielsweise, einen Gendefekt in Mäusen zu erzeugen, bejubeln Wissenschaftsjournalisten den vermeintlichen Durchbruch. Dabei ist der Weg vom sogenannten Tiermodell zur erfolgreichen Therapie am Menschen nicht nur extrem weit, sondern er existiert oft gar nicht. Wie Bartens richtig sagt: Mice tell lies. So werden für noch so abgehobene Experimente der Grundlagenforschung Gelder und Preise ausgeschüttet wie am Fließband, und Abermillionen Tiere weltweit leiden unter tödlichen Experimenten, deren Ergebnisse nur in den seltensten Fällen klinisch anwendbar sind. Umso erfreulicher, dass die SZ einen so klugen Beitrag zum Thema veröffentlicht. Christine Janssen Akademie für Tierschutz, Neubiberg Fragwürdiger Nutzen Auch unserer Einschätzung nach ist beim diesjährigen Nobelpreis für Medizin der Nutzen für die Menschheit sehr fragwürdig. Dahingegen ist durch den Nobelpreis für Chemie an die drei Forscher Stefan Hell, Eric Betzig und William Moerner (Fluoreszenzmikroskopie an lebenden Zellen) ein großer Nutzen abzusehen. Durch diese neue Methode kann man erstmalig in lebenden Zellen kleinste Arbeitseinheiten der Zellen in ihrer Funktion beobachten. Dieses führt zu einem enormen Erkenntnisgewinn über menschliche Zellen und ermöglicht die Vermeidung tierexperimenteller Forschung. Zum Beispiel lassen sich toxikologische Wirkungen an den kleinsten Strukturen lebender Menschenzellen (also für uns interessanter Zellen) beobachten. Dadurch lassen sich toxikologische und pharmakologische Aussagen treffen, für die heute noch sehr viele Tiere SZ-ZEICHNUNG: KARIN MIHM leiden und sterben. Da die Alzheimer-Erkrankung eine systemische Erkrankung des gesamten Gehirns mit Ablagerung von Proteinpolymeraten (sog. Alzheimer Fibrillen) darstellt, ist bezüglich ihrer Behandlung nichts durch die Entdeckung von Orientierungszellen in Rattenhirnen gewonnen, selbst wenn die Frühsymptome einer Alzheimer-Erkrankung im Verlust des Kurzzeitgedächtnisses und dann der räumlichen Orientierung bestehen. Im Gegensatz dazu könnte man sich vorstellen, dass man mittels der Fluoreszenzmikroskopie sehen kann, wie sich die Hirnzellen auf molekularer Ebene stufenweise verändern, entsprechend den Stadien dieser Erkrankung. Dr. Karen Gellner und Bernhard Bruch, Aachen KORREKTUREN In Von der Schule in den Kampf auf Seite 5 vom 15. Oktober war der erste Satz missverständlich formuliert. Es hätte heißen müssen: Knapp zwei Drittel (61 Prozent) der Muslime aus Deutschland, die für die Terrormiliz IS in Syrien und im Irak kämpfen, wurden hier auch geboren. Die beiden Wörter aus Deutschland fehlten leider. In der Grafik Die Weltkarte des Öls auf Seite 21 vom 16. Oktober ist die weltweite Ölfördermenge pro Tag mit Millionen Barrel angegeben. Das ist nicht korrekt. Tatsächlich liegt die weltweite Fördermenge bei Tausend Barrel pro Tag. Außerdem müssten die als Kreise visualisierten Fördermengen und Reserven in Lateinamerika größer dargestellt werden, die Reserven in Afrika größer und die dortige Fördermenge kleiner. Den Mann zu finden, der vor 25 Jahren Jahren Rumäniens damaligen Diktator Nicolae Ceauşescu erschießen musste, ist das eine ihm aber auch so nahe zu kommen, dass er seine Leidensgeschichte erzählt, gelingt nicht jedem. SZ-Chefkorrespondent Stefan Klein hatte dieses Glück für seine Seite-Drei-Reportage Das Leben nach dem Tod, die am 14. Oktober erschienen ist. Hier sein Werkstattbericht dazu: Es war so nicht geplant. Ich bin ja eigentlich mehr der Asien- und Afrika-Reisende, aber jetzt stelle ich plötzlich fest: Ich war dieses Jahr vier Mal in Rumänien. Merkwürdig. Und auch wieder nicht. Jeder Reporter ist ja immer nur so gut wie der sogenannte Fixer vor Ort, der ihm zuarbeitet, der die Kontakte macht, der Reisen vorbereitet und übersetzt. Mein Fixer in Rumänien heißt Calin. Er ist beängstigend dürr und hager, er lacht nur, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt, und wenn es spannend wird im Interview, muss er garantiert gerade mal verschwinden. Aber was viel wichtiger ist: Calin weiß alles, findet alles, kennt alle. Er hat einen Freund, der ist Fotograf von Beruf, und den Chauffeur macht er auch. Vor allem aber: Calin hat Ideen. Beim vorletzten Besuch sagte er: Übrigens, vor 25 Jahren Und ich sagte: Kommt man an die ran, die Männer vom Exekutionskommando? Klar, sagte Calin, und wenn Calin klar sagt, dann ist die Sache klar. Das blutige Ende des Tyrannen Nicolae Ceauşescu, kein wirklich heiteres Thema. Aber natürlich ein Thema. Calin hat dann noch etwas gemurmelt von Vampiren, geöffneten Gräbern und der Asche von Menschenherzen, er wüsste da einen Ort in den Karpaten So ist das, wenn man das Glück hat, mit einem erstklassigen Fixer zu arbeiten, die Themen gehen nicht aus. Stefan Klein, 64, war Afrika- und Südostasienkorrespondent der Süddeutschen Zeitung. Dann ging er nach London, um über das Großbritannien Tony Blairs zu berichten. Seit 2004 ist er Chefkorrespondent der SZ. FOTO: JÖRG BUSCHMANN Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion. Wir behalten uns vor, die Texte zu kürzen. Außerdem behalten wir uns vor, Leserbriefe auch in der digitalen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung und bei Süddeutsche.de zu veröffentlichen. Es können nur Zuschriften veröffentlicht werden, die sich auf benannte Artikel der Süddeutschen Zeitung beziehen. Zuschriften ohne Angabe des vollen Namens und der vollständigen Adresse können wir leider nicht bearbeiten. Bitte geben Sie für Rückfragen auch immer Ihre Telefonnummer an. Fax: 089/ ANZEIGE Boutique: 14th Street. Schuhladen: 5th Avenue. Anprobe: über den Wolken. Die neue Premium Economy Class: mehr Platz, mehr Gepäck und vieles mehr DAS WETTER Gebietsweise freundlich Südwind 30 km/h Genf Köln Münster Zürich Hamburg Frankfurt Stuttgart Kiel München Innsbruck Rostock Dresden Berlin Südostwind 20 km/h Salzburg über bis bis bis bis 15 5 bis 10 0 bis 5-5 bis 0-10 bis -5 unter -10 Wien Quelle: Wetterlage Ein kräftiges Sturmtief über dem Atlantik lenkt sehr warme Luft aus Südwesten nach Mitteleuropa. So steigen die Temperaturen wieder verbreitet über die 20-Grad-Marke. Warm ist es auch in Frankreich, in Benelux und im Alpenraum. Aussichten Der Tag startet gebietsweise mit zähem Nebel. Dann ist es überwiegend freundlich. Nur im Nordwesten und Norden sind die Wolken zahlreicher, und es kann ein wenig regnen oder nieseln. Später steigt auch im nördlichen Mecklenburg- Vorpommern die Regenwahrscheinlichkeit an. 17 bis 23 Grad werden erreicht. In Nebelgebieten bleibt es kühler. Der Wind weht schwach bis mäßig, im Norden mäßig bis frisch. Sonntag Montag Dienstag Sonne und Mond (Angaben für München) 07:37 18:19 01:57 15:51 Wetterhistorie München Maximum 1954: 22,2 C / Minimum 1931: -3,8 C Nullgradgrenze: m Deutschland Berlin Bremen Brocken Dortmund Dresden Düsseldorf Erfurt Essen Feldberg Feldberg/Ts. Frankfurt Freiburg Freudenstadt Garmisch Hamburg Hannover Ingolstadt Karlsruhe Kassel Kiel Koblenz Köln Konstanz Leipzig Lindau List/Sylt Lübeck Magdeburg Mannheim München Nürnberg Oberstdorf Osnabrück Passau Rostock Saarbrücken Schleswig Schwerin Stuttgart Trier Wiesbaden Zugspitze wolkig 18 Schauer 19 heiter 12 wolkig 20 wolkig 18 wolkig 22 wolkig 19 wolkig 20 heiter 13 wolkig 16 wolkig 20 wolkig 23 heiter 19 heiter 21 Schauer 18 wolkig 19 wolkig 19 wolkig 22 wolkig 19 Schauer 17 wolkig 21 wolkig 22 wolkig 20 wolkig 19 wolkig 19 Schauer 16 Schauer 17 wolkig 19 wolkig 22 wolkig 19 wolkig 19 heiter 21 wolkig 22 wolkig 18 Schauer 17 wolkig 20 Schauer 16 Schauer 18 wolkig 21 wolkig 21 wolkig 19 heiter 5 Europa Kanaren Nordamerika Vancouver Denver Los Angeles Madrid Chicago London Houston Paris München Rom Tunis Toronto New York Washington Miami Havanna Stockholm Berlin Asien Wien Chengdu Athen Hanoi Bangkok Warschau Helsinki Belgrad Peking Singapur H T Hoch Tief Kiew Shanghai Moskau Istanbul Hongkong Warmfront Kaltfront Mischfront Kaltluft Warmluft Manila Tokio Europa Amsterdam Athen Barcelona Belgrad Brüssel Bukarest Dublin Dubrovnik Helsinki Innsbruck Istanbul Kiew Lissabon London Madrid Mailand Moskau Nizza Paris Prag Rom Salzburg Sofia Stockholm Venedig Warschau Wien Zürich wolkig 21 sonnig 28 wolkig 27 sonnig 19 wolkig 22 Schauer 21 wolkig 18 heiter 25 sonnig 3 heiter 21 Schauer 21 sonnig 7 Schauer 23 Schauer 19 heiter 26 Schauer 25 Schn.sch. -1 sonnig 25 heiter 23 wolkig 17 heiter 24 heiter 20 heiter 20 wolkig 9 wolkig 24 wolkig 15 sonnig 18 heiter 21 Urlaubsorte Luft Wasser Helgoland Rügen Sylt Agadir Antalya Heraklion Malaga Palermo Rimini Tunis Las Palmas Cypern Mallorca Weltwetter Abu Dhabi Bangkok Bogota Boston Buenos Aires Chicago Darwin Denver Dom. Republik Hongkong Houston Jakarta Jerusalem Johannesburg Kabul Kairo Kuwait La Paz/Bol. Lima Los Angeles Malediven Manila Mekka Mexico City Miami Montreal Mumbai Nairobi New Delhi New York Panama Peking Perth Riad Rio de Janeiro San Francisco Singapur Sydney Teheran Tel Aviv Tokio Vancouver Washington Uhr UTC sonnig 35 wolkig 34 Schauer 12 Schauer 21 wolkig 25 wolkig 10 wolkig 37 wolkig 20 wolkig 31 heiter 27 heiter 30 Schauer 31 sonnig 23 heiter 21 wolkig 16 sonnig 32 Schauer 33 Schauer 15 wolkig 20 sonnig 25 Gewitter 29 wolkig 32 sonnig 38 Gewitter 20 heiter 28 Schauer 14 heiter 38 Schauer 23 sonnig 32 wolkig 20 Gewitter 31 wolkig 24 Gewitter 22 sonnig 33 wolkig 35 wolkig 26 Schauer 34 sonnig 22 sonnig 23 sonnig 30 wolkig 19 Schauer 17 wolkig 18

15 DEFGH Nr. 240, Samstag/Sonntag, 18./19. Oktober 2014 HF2 17 FEUILLETON Gerettet Der Schriftsteller John Burnside über die Schrecken der Jugend und seine wilden Jahre Seite 20 KOMMENTAR Die Botschaft von Rio Der Pianist Aiham Ahmed hat Klavier studiert. Er spielte Mozart und Rachmaninoff. Jetzt lebt er in einem syrischen Lager für palästinensische Flüchtlinge. Dort tritt er auch auf. Mitten auf der Straße selbst wenn ihm keiner zuhört von andrian kreye ANZEIGE Zeit für Musik br-klassik.de Es gibt eine Unwucht im Zeitgeist der Kontinente. Seit dem Beginn der Aufklärung waren Europa und Amerika vom historischen Urvertrauen geprägt, dass sich die Dinge zum Besseren entwickeln. Durchaus nachvollziehbar: Freiheit, Wohlstand und politischer Einfluss der Bürger sind heute keine Privilegien mehr, sondern Rechte. Die ersten Risse in diesem Urvertrauen zeigten sich während der letzten vier Jahre. Mit der Ballung der Krisen und Katastrophen ist der Optimismus der Aufklärung aus dem Nordwesten in den Südosten abgewandert, nach Afrika, Asien und Lateinamerika. Damit ist es an der Zeit, die Welt nicht mehr nur mit dem Weltbild der Europäer und der Amerikaner zu betrachten. Es sind schließlich Menschen in den Schwellen- und Entwicklungsländern, die heute für Veränderung und Fortschritt kämpfen, während die Bürger in den nordatlantischen Kontinenten auf die Straßen gehen, damit alles so bleiben kann wie bisher. Es war kein Zufall, dass das Ideenfestival Ted Conference in diesem Herbst erstmals auf der südlichen Halbkugel stattfand, in Rio de Janeiro. Und es waren dann auch die Redner aus Afrika, Asien und Südamerika, die dort über Chancen sprachen, nicht über Krisen. Die panafrikanische Wirtschaftswissenschaftlerin Sipho Moyo zum Beispiel, die Afrika nicht nur als Abbauhalde für Rohstoffe, sondern als Motor der Weltwirtschaft betrachtet. Oder der Universitätsgründer Fred Swaniker, der mit einem Hochschulnetz verhindern will, dass die Klügsten und Besten seines Kontinents auswandern. Südamerikanische und afrikanische Aktivisten, die im Internet kein Instrument der Kontrollgesellschaft, sondern einen Hebel der Befreiung sehen. Oder die Schriftstellerin Taiye Selasi, die sich vom westlichen Prinzip der Nationalität als Identitätsstifter befreit hat. Zum Optimismus des Südostens gehört auch ein neues Selbstbewusstsein, mit dem sich diese Intellektuellen von den Idealen und auch vom Pessimismus der nordatlantischen Kulturkontinente lösen wollen. Diese Woche erklärte der indische Literaturkritiker Pankaj Mishra im Guardian ausführlich, warum das Weltbild und die moralische Hoheit des Westens an ihre Grenzen geraten sind. Nicht jede Abkehr vom Zeitalter der westlichen Aufklärung formuliert sich so radikal. Doch es wird ein Kraftakt sein zu verhindern, dass aus der Unwucht im Zeitgeist kein Polsprung wird. Erste Versuche gibt es. Das European Center for Constitutional and Human Rights wird im November Menschenrechtsanwälte aus aller Welt nach Berlin einladen. Dort werden sie auch darüber reden, dass sich die Länder des Südens und des Ostens immer weniger auf die völkerrechtlichen und humanitären Interventionen des Nordens und des Westens verlassen. Die erste Aufgabe der Intellektuellen beider Welten wird deswegen sein, nicht nur einen globalen Zeitgeist zu finden, sondern auch den Solidaritätsgedanken neu zu definieren. Ohne die Rollen der Gönner und der Opfer. Ein großes Glück: Der Film über den Musiker, Dichter, schwarzen Dandy Nick Cave. Seite 18 Sturmgedanken von sonja zekri Es dauert zwei Monate, bis Aiham ans Telefon geht, Wochen, in denen er Mitteilungen auf Facebook streut, Mittelsmänner prüft oder einfach schweigt. Manchmal gibt es in Jarmuk keinen Strom. Schließlich aber ist die Leitung in die Hölle erstaunlich klar. Aiham Ahmed ist lange nicht mehr aufgetreten, vier Tage schon, denn eine neue Bedrohung ist aufgetaucht, mehr sagt er nicht. Jedenfalls: Morgen will er es wieder versuchen, auf den Straßen des einstigen Vorzeige-Flüchtlingslagers und jetzigen Trümmerhaufens Jarmuk sein Klavier auf einen Pick-up laden, irgendwohin fahren. Und spielen. Im Repertoire hat er Lieder wie Es gibt kein Wasser oder Der UN-Lebensmittelkarton, Skizzen aus einem furchtbaren Alltag mit matt funkelnder Zuversicht: Ganz gleich, wie lang die Nacht auch dauert, die Sonne scheint allein für uns. Folgende für politische arabische Musik unverzichtbare Elemente fehlen: Blut, Kalaschnikow, Märtyrerschwulst. Aiham Ahmed ist Pianist, außerdem Palästinenser, vor 28 Jahren geboren in Jarmuk in der Nähe eines Hähnchenstandes. Und er hasst Phrasen. Das Flüchtlingslager Jarmuk ist ein Stadtteil im Süden von Damaskus und ein Ort am Rande der Menschheit. Früher wog Aiham70 Kilo, heute wiegt er 52. Manche Menschen in Jarmuk verloren in den letzten zwei Jahren zwei Drittel ihres Körpergewichts, 150 verhungerten. Deshalb rechnet Aiham im Moment nicht mit großem Publikum. Manche halten ihn ohnehin für durchgedreht. Da kommt der Verrückte, sagen sie, wenn er mit seinem Klavier anrollt. Und als es ganz schlimm war, als die Menschen Tierfutter und Gras aßen, haben einige ihn verflucht: Wir sterben, und du machst Musik. Dabei empfindet er das Gegenteil: Er trotzt dem Tod ein paar Takte Leben ab, der Enge die Verheißung von Freiheit: Ich kann alles ausdrücken, was mich quält oder was mir Kraft gibt, Wut, auch Liebe. Und natürlich ist es eine Flucht aus Jarmuk. Jahrzehnte nach der Vertreibung durch Israel sind palästinensische Flüchtlingslager keine Zeltstädte mehr, sondern Vororte mit Internetcafés und Nagelstudios. Mit Palästinensern war Jarmuk einst das größte Lager in Syrien, steingewordener Beweis für die syrische Loyalität zu den palästinensischen Brüdern. Bis vor drei Jahren der Bürgerkrieg ausbrach. Die Syrer waren den Palästinensern großzügige Gastgeber, wenn auch aus politischen Gründen. Nun werden sie in einer grausamen historischen Volte selbst millionenfach vertrieben. Und der Krieg zerreißt nicht nur die syrische Gesellschaft. Palästinenser kämpften für und gegen Präsident Assad und auch miteinander. Jarmuk wurde zerbombt, von der syrischen Armee abgeriegelt, schließlich zum Symbol für eine neue Taktik des Regimes: Hunger als Waffe. Inzwischen darf die UN wieder Lebensmittel verteilen, nur gibt es kein Wasser, keine Ärzte, kein Benzin Menschen sind noch übrig, darunter Aiham Ahmed, der über die knisternde Telefonleitung kichert und summt und gute Wünsche schickt, ein sanfter, entrückter Faun, der sich der Logik des Krieges verweigert. Kein Opfer, kein Irrer. Ein Musiker. Alle Musiker wünschen sich Erfahrung und Ruhm. Ich auch. Manche Menschen lassen sich von ihm entführen, vor allem die Kinder. Eines der Videos, die er ins Netz gestellt hat, zeigt Sarah, sieben Jahre. Sie hüpft wie ein Gummiball, und beim Refrain zerreißt es sie vor Eifer: Bruder, du bist so lange weg. Du bist in Beirut, in der Türkei. Wir vermissen dich in Jarmuk. Auf frühen Clips sieht man einen Greis mit Geige und dunkler Brille, das ist Aihams Vater, einst Geiger und Leiter einer Kapelle. Er spielte noch mit seinem Sohn in Jarmuk, als er schon blind war, aber dann schwächte ihn der Hunger, sein Rheuma wurde schlimmer und beendete sein Spiel. Ohnehin kommen Monat für Monat weniger Menschen, um Aiham zu hören. Verhungernde singen nicht, sagt er. FOTOS: OH, DPA Gedankenturm Der Architekt Wolf D. Brix verrät, wie er die Europäische Zentralbank entworfen hat. Seite 24 Dem Tod ein paar Takte Leben abtrotzen: Erst kam der Hunger über Jarmuk, jetzt wimmelt es vor Dschihadisten. Nach Europa kann Aiham Ahmed nicht flüchten aber in die Musik. FOTO: AFP/RAMI AL-SAYED Marijan Murat»Raulff ist ein Mann von stupender Belesenheit und er erzählt vor allem großartig.«stephan Speicher, Süddeutsche Zeitung Mit Witz und Charme besichtigt Ulrich Raulff, ehemaliger Leitender Redakteur der SZ und seit zehn Jahren Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach, die Epoche der 70er-Jahre und gewinnt diesem theoriebesessenen und anarchielustigen Jahrzehnt Erkenntnisse ab, die es freiwillig nicht preisgeben wollte: ein kleines Porträt der»generation Theorie«. Von Bagdad bis Benghasi geben sich Hunderttausende dem Blutrausch hin, einem Fetisch der Gewalt. So sind die Menschen, heißt es, so sind sie vor allem im Nahen Osten. Aiham Ahmed beweist: Sie sind es nicht. Wie Dmitri Schostakowitsch, der seine 7. Sinfonie im belagerten Leningrad komponierte, wie Władiysław Szpilman, Vorbild für Roman Polanskis Holocaust-Film Der Pianist, wie die Konzertbesucher im Warschauer Ghetto und die Komponisten im KZ Theresienstadt, folgt er dem anderen, ebenso mächtigen menschlichen Trieb: dem Drang nach schöpferischem Ausdruck, nach Schönheit, nach Kunst. Er hätte gern am Moskauer Tschaikowski-Konservatorium studiert, er ist erst 28, er müsste noch viel lernen. Gewiss, er hat das Konservatorium in Damaskus besucht, auf dem Kassiun-Berg, neben dem Präsidentenpalast und Diplomatenvillen. Jeden Tag fuhr er als Kind aus dem Lager in die Glitzerwelt und wieder zurück. Ich habe sieben Stunden täglich geübt, Rachmaninoff, Mozart, Chopin. Es war wie beim Rauchen, ich brauchte es. Später besuchte er die Musikalische Fakultät in Homs, als einer von 270 Studenten: Wir waren die Besten der Besten. Es gab bittere Momente, wenn syrische Kommilitonen zum Studium nach Frankreich und Deutschland zogen und er, der Flüchtling, in Syrien blieb, ohne Papiere wie Millionen andere Palästinenser. Alle Musiker wünschen sich Erfahrung und Ruhm. Ich auch, sagt Aiham. Verglichen mit der Gegenwart waren es goldene Zeiten. Heute verkauft er Falafel, um Frau und Kind zu ernähren, und ist unter den Verlorenen von Jarmuk vielleicht der einsamste. Klassik und Jazz, die Musik, die er liebt, gilt vielen Menschen hier als fremd, als Kulturimperialismus oder kolonialer Überrest. Dabei ist es doch so leicht, diese Welten zusammenzubringen, findet Aiham, und das beweist er jetzt mal. Er trällert Für Elise, perlend, schwerelos, klar, schließlich hat er auch Gesang studiert: Sehen Sie. So klingt Beethoven bei Ihnen. Und dann eine arabische Variante, dieselbe Melodie, aber unschärfer, gleitend, ohne die westliche Eindeutigkeit, sondern irgendwie verhandelbar: Das wird bei uns daraus. Aber es ist nicht die Zeit für Kompromisse. Die arabische Musikgeschichte ist voller Propagandawerke, manche sind künstlerisch wertvoll und gehören zum kulturellen Erbe der Region wie die Hymnen der ägyptischen Diva Omm Kalthoum für Präsident Nasser. Alle glühen vor Eifer für die Nation, die Revolution, den Sieg. Heute, im Jahr vier des Kampfes um die arabische Seele, erleben die Nachtigallen der Agitation einen neuen Frühling. Syrische Aufständische und libysche Milizen, manche irakische Dschihadis und ägyptische Patrioten schätzen Musik zur Stärkung der Moral. Aiham nicht: Mir steht das Heldentum bis hier. Unser Leben ist nicht heroisch, sondern erbärmlich. Musikalisch ist er, vorsichtig ausgedrückt, unterfordert. Er vertont Texte von Freunden und will sein schwindendes Publikum nicht verschrecken. Für Elise zum Beispiel wäre viel zu melancholisch. Deshalb beschränkt er sich auf wenige Akkorde, ein paar schmissige Refrains, alles in allem eher ein Geschrummel. So sehr es ihn freut, dass er den Menschen etwas geben kann, so sehr verletzen ihn seine Auftritte. Ich habe doch nicht 20 Jahre lang studiert, um so etwas Simples zu spielen, sagt er. Die Hölle ist für ihn kein Grund, den künstlerischen Anspruch aufzugeben. Morgen wird er wieder hinausziehen mit seinem Klavier, einem eher unarabischen Instrument. Es ist ein schlichter Kasten, den er vor 20 Jahren einer Libanesin abkaufte, die ihn ihrerseits schon 20 Jahre besessen hatte, den er selbst stimmt, wenn sich die Saiten durch das Geruckel über den aufgerissenen Asphalt gelockert haben. Er wird die Hauptstraßen meiden, die Moscheen, überhaupt alle belebteren Plätze. Denn neuerdings wimmelt Jarmuk vor Dschihadisten. Sie wurden aus den umliegenden Orten vertrieben und fielen in Jarmuk ein, und sie verbieten Musik. Aiham wird trotzdem spielen, er wird einen Weg finden. Vielleicht wird er ein Lied über sie komponieren. hinreissendes Buch«Manfred Papst, NZZ am Sonntag Ulrich Raulff Wiedersehen mit den Siebzigern Die wilden Jahre des Lesens 170 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 17,95 (D)

16 18 FEUILLETON HBG Samstag/Sonntag, 18./19. Oktober 2014, Nr. 240 DEFGH DIE GESTALTEN Unterwegs zur Weisheit Wie man mit den Mitteln des Kinos einen Song über das eigene Leben schreibt: Der Film Days On Earth ist weit mehr als eine Dokumentation über den Musiker, Dichter und düsteren Dandy Nick Cave Schlüssel des Panamera: Ist das ein Porsche in deiner Hose? FOTO: PORSCHE Der Autoschlüssel Die Techno-Futuristen im Silicon Valley kann man manchmal darüber klagen hören, dass sie noch immer Haustür- und Autoschlüssel mit sich herumschleppen müssen, wo man sich im Prinzip längst Chips implantieren lassen könnte, die von intelligenten Schließsystemen geortet werden. Der Mensch als Eigenhaut- Handtasche ist eine Vision, die womöglich auch dadurch befeuert wird, dass sich echte Schlüssel in Hand- und Hosentaschen immer schwieriger unterbringen lassen. Das heißt, Haustürschlüssel mit gezacktem Bart und flachem Griff sind nicht das Problem. Das Problem ist, dass Autoschlüssel noch vor dreißig Jahren auch mal so aussahen, und dann aber einer bösen Adipositas anheimgefallen sind. Erst wurden die Plastiküberzüge der Griffe immer voluminöser, dann wurde der Bart eingeklappt und schließlich durch Druckknöpfchen für den Funksender ersetzt, heute erkennen die meisten Autos den Schlüssel automatisch, er muss also nicht mal mehr aus der Tasche geholt werden, in die er wie gesagt nicht passt. Um das auch wirklich sicherzustellen, binden manche Autovermieter beide Schlüssel eines Mietwagens zusätzlich noch mit einem Stahlkabel zusammen; sie überreichen dem Kunden praktisch ein paar Kastagnetten. Warum ist das so? These: Autofahrer sollen gezwungen werden, den Schlüssel als besitzanzeigende Abbreviatur ihres Autos herumzuzeigen. Der vom Porsche Panamera sieht aus wie ein sehr kleiner Porsche Panamera, der vom BMW i8 wie ein Spielzeug-i8, am anderen Ende der Sozialsphäre kann man den Schlüssel zum Fiat 500 in Wagenfarbe haben, und dass der Schlüssel zum Renault Mégane im Kreditkartenformat kommt und am besten gleich im Portemonnaie bleibt, ist auch nur scheinbar etwas völlig anderes, in Wirklichkeit aber genauso ein Shortcut. In diesem Fall von einem sogenannten Vernunftauto, das nicht zum Herumprahlen gestaltet wurde. Seit allerdings dauernd behauptet wird, die sogenannte Jugend interessiere sich gar nicht mehr für Autos, sondern nur noch für Smartphones, sehen Autoschlüssel auch oft aus wie Smartphones. Das ist erstens Technologie-Mimikry, also Anzeichen für Panik. Zweitens aber vielleicht auch nur konsequent, weil die Autos sich ja ebenfalls zu fremdgesteuerten Datensammelmaschinen wandeln. Gut ist das vor allem für den Gebrauchtwagenmarkt. Die Faustregel: Je mehr der Autoschlüssel einem Haustürschlüssel gleicht, desto Achtziger das Auto, desto unbeschwerter fährt es sich, und in der Regel sieht es auch noch besser aus. peter richter von jens-christian rabe Man kann sein Glück immer mal wieder kaum fassen, wenn man diesen Film sieht. Dann beugt man sich ungläubig nach vorne, als könne man ihn besser verstehen, genauer sehen, wenn man nur nahe genug dran ist. Zunächst ist Days On Earth, inszeniert von den beiden britischen Filmemachern Iain Forsyth und Jane Pollard, eine Dokumentation über den 1957 geborenen australischen Musiker Nick Cave. Also den Sänger, Songwriter, Dichter, Schriftsteller, Ex-Junkie und Ex-Punk, den man den Bob Dylan der Achtziger nannte und der lange einer der sagenumwobenen lebenden Toten des Rock n Roll war. Später als er die harten Drogen hinter sich hatte wurde er dann schwarzer Dandy, Mörderballadier, schließlich hochverehrter schwermütiger Schmerzensmann des Pop und endlich einer der großen Weisen dieser Kunst. Ja, man muss das jetzt doch genau so sagen, denn spätestens nach Days On Earth kann es daran keinen Zweifel mehr geben. Aber vielleicht erst mal eins nach dem anderen und zum Schluss noch ein Wort zur Weisheit. Für seine Fans, die mindestens in den vorderen Reihen selbstverständlich Jünger sind, besteht über die Unvergleichlichkeit Nick Caves natürlich schon lange Einigkeit. Unter den begnadeten Rampensäuen des Pop ist er ja der Publikumsbeschwörer. In einer langen Konzertszene im Film wird das eindrucksvoll gezeigt. Die EIN LIEBLINGSSTÜCK quasi-religiöse Verzückung, die er da zu erwecken vermag, ist ein großes Schauspiel. Die Frau im Publikum, zu der er sich herunterbeugt und deren linke Hand er zu der mantrahaft wiederholten, heiser geflüsterten Songzeile Can you feel my heart beat über das weit aufgeknöpfte goldene Glitzer-Hemd an sein Herz führt, nickt wie in Trance. Ein Wunder, dass sie nicht in Ohnmacht fällt, als er ihr am Ende auch noch ganz leicht mit dem Handballen auf die Stirn tippt. Der Cave-Segen. Aber das war, wenn man so will, der Stand der Dinge. Und alle, die sich nicht zur Gemeinde zählen, befremdet dieser Pathos-Irrsinn gelegentlich, mit dem Nicholas Edward Cave er heißt wirklich Cave mit Nachnamen, Herr Höhle da vor aller Augen und Ohren durch die tiefsten Tiefen seiner Seelenhöhlen taumelt Days On Earth ist ganz in diesem Sinne auch eine große Inszenierung geworden, aber eben doch keine orthodoxe Dokumentation. Weniger wahrhaftig nämlich, dafür wahrer. Und klüger, lustiger, kompletter, gültiger. Cave ist nicht nur Gegenstand und Erzähler des Films, er wird hier auch als Co- Autor des Drehbuchs geführt. Bei den meisten Szenen ist die Kamera eindeutig nicht nur dabei gewesen die Szenen wurden unübersehbar für sie konzipiert. Die Ästhetik der Bilder ist wohl am ehesten mit der der Filme von David Lynch zu vergleichen. Also immer etwas schattig, düster, minimalistisch, nüchtern, rätselhaft bedrohlich. Aber Nick Cave selbst könnte ja auch sehr gut eine Figur aus einem David-Lynch-Film sein. Dieser Wille zu Kunst und Stilisierung hätte sehr leicht ins Nirgendwo führen können, aber das Gegenteil ist der Fall. Der Effekt ist eher eine Art Befreiung von den Konventionen des Musik-Dokumentarfilms und damit dem elenden Zwang zur Selbst-Identität, der die Protagonisten dieser Filme gerne auffrisst. Hier nicht. Wir erleben vielmehr einen erfundenen Tag im Leben Nick Caves im englischen Seebad Brighton. Er wacht um sieben Uhr neben seiner Frau auf, spricht mit seinem Psychotherapeuten über seine frühesten Wer kennt schon seine eigene Geschichte? Sie ergibt gewiss keinen Sinn, während wir sie erleben. Es wird erst eine Geschichte, wenn wir sie uns wieder und wieder erzählen. Nick Cave in Days on Earth. FOTO: RAPIDEYE erotischen Erfahrungen, kommentiert im Nick-Cave-Archiv alte Fotos und plaudert, während er in seinem Rolls durch die Gegend fährt, mit Weggefährten wie Blixa Bargeld, Ray Winstone oder Kylie Minogue. Über die Frage, wohin es führt, wenn man unbedingt jemand anderes sein möchte, darüber, was man mit einem Pop- Song überhaupt sagen kann oder darüber, wie weit das Charisma eines Stars eigentlich wirkt bis zum letzten Zuschauer oder doch nur bis in die erste Reihe. Von den Sätzen, die dabei dann plötzlich in der Welt sind, ist einer schöner als der andere: Who knows their own story? Certainly it makes no sense when we are living in the midst of it. It s all just clamor and confusion. It only becomes a story when we tell it, and retell it. Wer kennt schon seine eigene Geschichte? Sie ergibt gewiss keinen Sinn, während wir sie erleben. Da ist nur Chaos und Geschrei. Es wird erst eine Geschichte, wenn wir sie uns wieder und wieder erzählen. Das Genre des Musik-Dokumentarfilms ist in den vergangenen Jahrzehnten oft geschändet worden. Viel zu oft. Zufall ist das nicht. Die Versuchung scheint zu groß zu sein, einen Star einfach nur zu beobachten, also auf den geprüften Zauber der Aura zu setzen und das Ganze mit ein paar spektakulären Bildern aus der ruhmreichen Vergangenheit und ein paar Aufnahmen aus dem privaten Leben zu garnieren. Den Rest erledigt der von Ruhm, Neugier und Verehrung geblendete Fan dann schon selbst. Und so sind sogar die ambitionierteren Musik-Dokumentationen bestenfalls geschickte Montagen von ein paar guten Momenten und alten Geschichten (wie Malik Bendjellouls Searching For Sugar Man ), schlimmstenfalls aber einfallslos aufgemotzte Konzertmitschnitte (wie Martin Scorseses Rolling-Stones-Doku Shine A Light ). Der Magie des jeweiligen Künstlers ist man besser schon vorher verfallen. Und zwar idealerweise schon seit Jahrzehnten denn dann verhelfen einem auch noch die verklärten Erinnerungen an die eigene Jugend zu einem wohligen kleinen Nostalgieschauer. Der Mann kann einem durch den Kopf direkt ins Herz fassen Bei diesem Film ist das alles ausnahmsweise nicht nötig. Es könnte eher passieren, dass man Nick Cave hinterher verfallen ist. Diesem Sänger, der einem durch den Kopf direkt ins Herz fassen kann. Oder umgekehrt. Und dann ist natürlich doch alles, was einmal zwischen einem selbst und seinen Songs stand, völlig egal. Dann kann der Mann so pathetisch sein, wie er will. Also beinahe wenigstens. Oder vielmehr: Das Pathos ist nicht mehr dasselbe. Womit wir bei der Weisheit wären. Die Weisheit der Popkultur hat ja generell einen schweren Stand. Der Schriftsteller Will Self etwa hat im New Statesman kürzlich eine zornige Kolumne geschrieben, in der er seine Generation (der auch Nick Cave angehört, Self ist nur unwesentlich jünger) wortgewaltig für die herrschende Bullshit-Kultur verantwortlich machte: Wir Mittfünfziger sind schuld. Wir sind die tattooten, gepiercten, kurze Hosen tragenden, Joints rauchenden, neurotischen Deppen, die die kommerzielle Ausbeutung der Gegenkultur angeführt haben. Wir haben uns die Avantgarde geschnappt und sie zu einer Hilfseinheit des kapitalistischen Blitzkriegs gemacht. Wir sind die Vollidioten, die behaupteten, dass es keinen Unterschied gebe zwischen Hoch- und Populärkultur und dass Werbung Kunst sei. Nun, Werbung meistens vielleicht wirklich nicht. Aber wenn man bei Nick Cave ganz genau hinhört, dann scheint es, als ob er es geschafft hat, seine inneren Dämonen zu bändigen, indem er sie davon überzeugt hat, lieber erst mal nach ihren eigenen Dämonen zu suchen. Er ist nicht auf der Suche nach den bösen Geistern, um sie mit großer Geste auszutreiben. Er sucht sie, um mit ihnen so lange zu tanzen, bis sie sich auch vor ihm fürchten. Ein kleines bisschen wenigstens. Gerade so viel, dass es reicht für das merkwürdige Gleichgewicht des inneren Schreckens, das dieser Mann ausstrahlt.... UND WEITERE FAVORITEN DER WOCHE Robert Duvall Stefan Aust & Thomas Amman Cecilia Bartoli Sarah Silverman Die größte Herausforderung für einen Schauspieler ist es, gleichzeitig die Fassade zu spielen, die ein Charakter aufrechtzuerhalten versucht, und die Brüche, die dahinterliegen. Der Richter Joseph Palmer, den Robert Duvall spielt in David Dobkins Film, ist so eine Rolle: ganz alte Schule, ein Mann, der hart zu sein scheint, als Vater, als Richter, als Verfechter eherner Prinzipien. Er war aber, das spürt man bald, immer nur so hart, wie er sein musste. Nun entgleiten ihm die Dinge, physisch und emotional FOTO: WARNER BROTHERS er wird sterben und muss vorher reinen Tisch machen mit seinem verlorenen Sohn. Wie Duvall das zeigt, kann einen zu Tränen rühren er hätte einen zweiten Oscar dafür verdient. susan vahabzadeh Die Enthüllungen von Edward Snowden zur Datenspionage durch amerikanische Geheimdienste, aber auch die Kooperation von US-Konzernen mit staatlichen Diensten offenbarten Datenmissbrauch in ungekannten Ausmaßen. Man glaubt, eine nicht mehr zu bändigende Paranoia, ein überbordender Verfolgungswahn habe sich das ausgedacht: Das Utah Data Center etwa, am Rande der Ortschaft Bluffdale gelegen, 35 Kilometer von Salt Lake City entfernt, verfügt über eine Speicherkapazität in der Größenordnung von Yottabytes (1024 Bytes) eine Einheit, die noch nie für eine technische Beschreibung gebraucht wurde. Ins irgendwie Fassbare übersetzt, bedeutet diese Zahl, dass man eine Quadrillion Textseiten oder das Fünfmillionenfache aller seit Johannes Gutenberg gedruckten Buchseiten dort speichern kann. Wozu wurde diese Kapazität aufgebaut? Um die gesamte weltweite elektronische Kommunikation für einen Zeitraum von etwa 100 Jahren aufzeichnen und speichern zu können. Von Edward Snowden stammt der Satz: Jeder Analytiker der Geheimdienste kann jeden ins Visier nehmen, jederzeit. Nicht nur in Bluffdale befinden sich dazu die Datensilos: Für eine generationenübergreifende, totale Überwachung der gesamten Menschheit. Mit Digitale Diktatur von Stefan Aust und Thomas Ammann (Econ, 19,99 Euro) liegt endlich das Buch vor, das die Ungeheuerlichkeiten dieser Generalattacken auf die Privatsphäre jedes einzelnen Menschen durch den militärisch-industriellen Komplex dokumentiert und veranschaulicht. Hier kommt der frühere technische Direktor der NSA, William Binney, zu Wort, von dem die Angaben zum Speichervermögen in Bluffdale stammen. Von ihm ist auch der Satz: Die Bürgerrechte spielen keine Rolle mehr, die Verantwortlichen haben alle ihren Eid auf die Verfassung gebrochen. Die Lektüre des Buches macht frösteln. Man fragt sich, warum es immer noch so ruhig ist in den bespitzelten Ländern dieser Erde. bernd graff Die Stimme schwebt betörend dunkel und voller Sehnsucht, sie träumt einem verlorenen Glück hinterher, verliert sich in einer Koloratur, einem endlosen Triller. Aber auf einmal besinnt sie sich wieder auf das Hier und Jetzt, und mit einem hart attackierten Vokal, mit einem gurrend gerollten Rrrrr rast sie, plötzlich ganz Daseinsfreude, auf und davon. Diese Stimme gehört Cecilia Bartoli. Früher hat sich Bartoli als glatzköpfiger Priester getarnt, oder als Marmorstatue, oder als Wiedergängerin der legendären Maria Malibran. Nun gibt sie die Zarin, deren weiße Pelzjacke samt zugehöriger Kappe die Tierschützer in Alarmbereitschaft versetzen müsste. Wenn das alles ernst gemeint und eben nicht nur großes Theater wäre. Denn Cecilia Bartoli ist durch und durch ein Bühnentier, das selbst ein Arienalbum zur ganz großen Bühnenshow ausbauen muss. Ihre neue CD heißt St. Petersburg (Decca), und sie begibt sich darauf auf Spurensuche nach der ersten Hinwendung Russlands zur klassischen Musik im 18. Jahrhundert. Schon mal etwas von Francesco Araia gehört? Der Neapolitaner wird 1736 der überhaupt erste russische Hofkomponist, seine Nachfolger heißen Hermann Friedrich Raupach und Vincenzo Manfredini. Sie komponieren für die Zarinnen Anna, Elisabeth und die angeblich unmusikalische Katharina (die Große). Und ihre Musik würde nach wie vor kein Mensch mehr kennen, wenn die Bartoli sie jetzt nicht aufgenommen hätte. Da überwältigen große packende Arien, zwei sogar in Russisch, die zunehmend die emotionale Einseitigkeit des Barock aufgeben und sich einem alle Gefühle umfassenden klassischen Stil zuwenden. Hier reihen sich Überraschung an Überraschung und Glück an Glück. Die Bartoli ist zudem brillant in Form. Natürlich stellt sie Gefühle wie gehabt im Riesenformat aus. Aber sie versucht nicht (wie so oft), sie bis zum Äußersten auszureizen. Bartoli weiß, dass sie die absolute Koloraturenkönigin ist, aber endlich einmal muss sie es nicht mehr jedem beweisen. Daraus resultieren eine betörende Gelassenheit und eine magische Ruhe, die diese Platte zu eine der besten in Bartolis Diskografie machen. Ganz abgesehen davon, dass sie hier eine schöne neue Welt entdeckt. reinhard j. brembeck Amerikanische Komiker waren in Europa immer Exoten ohne Lobby und Vertrieb. Bis die kulturelle Beschleunigungsmaschine Internet so viel Fahrt aufgenommen hatte, dass neben amerikanischer Literatur und New-Yorker-Essays eben auch Serien aus dem Kabelfernsehen, plattenvertraglose Folkrockgruppen aus Georgia und die Stars der Stand-up-Comedy zur hiesigen Allgemeinbildung gehörten. Larry David zum Beispiel, Louis C.K., Tina Fey und Sarah Silverman. Die steht in der Tradition der Komiker, die mit der Überzeichnung von rassistischen und sexuellen Klischees die Tabuzonen der Diskriminierung aufreißen. Und weil Sarah Silverman als Tochter einer jüdischen Einwandererfamilie immer wieder mit ihrer Biografie spielt, hat sie da in Amerika so einigen Freiraum. Auf ihrem neuen Album We are Miracles (in Deutschland über Cargo Records) erzählt sie zum Beispiel: Ich bin in New Hampshire aufgewachsen, da gab es nicht so viele Juden. Ich habe eigentlich nie gemerkt, dass ich anders bin, bis mir meine Mitschüler so in der dritten Klasse Vorwürfe machten, meine Leute hätten Jesus umgebracht. Und ich habe mir nur gedacht gern geschehen. Wenn wir ihn nicht umgebracht hätten, wäre er ja nie berühmt geworden. Auf derselben Platte erklärt sie, warum Vergewaltigungswitze die wahren Kleinode der Comedy sind, FOTO: ROBYN VON SWANK macht sich über den rassistischen Kern ihrer Obama-Begeisterung und über Intimpflege lustig. Es ist in Europa gar nicht so leicht zu vermitteln, warum das in Amerika alles gar nicht empörend, sondern sehr lustig ist. Allerdings braucht Sarah Silverman immer neue Tabugrenzen, wie ein Extrembergsteiger den nächsten Gipfel. Jetzt veröffentlichte sie einen Werbespot für Lohngerechtigkeit (http://ow.ly/cutbz). Da geht sie zum Arzt, um sich zum Kerl umbauen zu lassen. Was anderes helfe ja nicht. Und während sie Penisprothesen prüft, erklärt sie das geschlechterspezifische Lohngefälle zur Vagina-Steuer. Transgendergruppen und Konservative laufen Sturm. Und genau das war der Plan. andrian kreye

17 DEFGH Nr. 240, Samstag/Sonntag, 18./19. Oktober 2014 FEUILLETON 19 von cathrin kahlweit Schon kurz nach dem Aufstand auf dem Maidan zeigte das Nationale Kunstmuseum in Kiew eine Ausstellung, die Empörung hervorrief. Ein ernsthaftes Museum sei nicht dazu da, hieß es, neben Kunst auch Kitsch, Krempel und Devotionalien zu zeigen. Aber den Kuratoren ging es in der Umbruchzeit dieses Frühjahrs ohnehin nicht um Ästhetik. Es ging um Politik. 560 Exponate waren zu sehen: antike Standuhren, an denen noch die Preiszettel hingen, Ikonen, Ölgemälde aus dem 19. Jahrhundert, ein Service von Hermès, Kristallvasen von Lalique, aber auch billige Porträts und teure Schuhe. Kodex Meschyhirja hieß die Schau, benannt nach dem Ort, an dem die Schätze entdeckt worden waren: dem knapp 140 Hektar großen Besitz des geflüchteten Staatschefs Viktor Janukowitsch in Nowi Petriwzi vor den Toren der Hauptstadt. Die Kiewer gingen schockiert durch die Hallen mit den Kunstschätzen, die teilweise aus Staatsbesitz stammten darunter das erste in der Ukraine gedruckte Buch, das sich Janukowitsch nach Hause hatte liefern lassen. In der Ukraine sei in 25 Jahren nicht ein einziges Kunstwerk für ein staatliches Museum angekauft worden, sagte der Kurator der Schau, Alexander Roitburd; deshalb zeige man nun, wo das Geld hingeflossen sei, das der Ex-Präsident dem Volk gestohlen habe. Janukowitsch habe leider nie verstanden, dass exzessiver Luxus ein Zeichen für schlechten Geschmack sei. Heute kann man diesen schlechten Geschmack für 20 Hrywna (ca 1,20 Euro) Eintrittsgeld besichtigen. Meschyhirja wurde nach der Absetzung des Präsidenten in den Chaostagen des Februar von der Justiz beschlagnahmt, offiziell ist es in Staatsbesitz. Aber der Staat kümmert sich nicht um die Luxus-Immobilie; stattdessen schwelt ein Dauerstreit darüber, wer hier eigentlich das Sagen hat. Derzeit verwalten Maidan-Aktivisten das Gelände, die der rechtsnationalen Swoboda-Partei nahestehen. Sie organisieren Führungen, bezahlen Putzfrauen und Gärtner, haben 120 Flüchtlinge aus dem Osten am Rand der Gartenanlage einquartiert. Es ist eine kuriose Sache: Das Privatgut war einst als Datscha zur Erholung für Minister und Staatsgäste gedacht wurde es von Janukowitsch unter dubiosen Umständen gekauft und für Hunderte Millionen Dollar ausgebaut. Nach dem Umbruch sollte es eigentlich ein Volksgut werden, ein Erholungspark für die Kiewer. ANZEIGE Oder ein Korruptionsmuseum. Nicht nur wegen des immensen Reichtums, der hier zur Schau gestellt wurde und der, was allen Ukrainern klar war, nicht auf legalem Wege zustande gekommen sein konnte. Sondern weil sich in Meschyhirja für diese Korruption einen Tag nach der Flucht von Janukowitsch echte, papierene Belege fanden. Journalisten waren auf das verlassene Gut geeilt, nachdem am Morgen des 22. Februar die Nachricht die Runde machte, der verhasste Staatschef habe sich nach Osten abgesetzt und seine Residenz unbewacht zurückgelassen. Im riesigen See auf dem Gutsgelände sahen sie Akten treiben, Hunderte, Tausende. Das Material wurde geborgen, getrocknet und ausgewertet. Aus den Dokumenten, die Janukowitschs Sicherheitsleute nur notdürftig entsorgen konnten, entstand: JanukowitschLeaks, ein für ukrainische Verhältnisse revolutionäres Projekt. Es dokumentiert Korruption an einem konkreten Beispiel. Das Gut ist also eine Metapher, ein Monument. Trophäe der Revolution nennt es die New York Times. Aber: Der Kampf gegen die Korruption ist auch in der neuen Ukraine mühsam. Erst nach massivem Druck des Präsidenten beschloss das Parlament vor wenigen Tagen ein Antikorruptionsgesetz. Kritikern geht es nicht weit genug. Der Journalist Serhij Leschenko, der seit Jahren über Janukowitschs Privatbesitz recherchiert, hat sein jüngstes Buch auch deshalb Das Meschyhirja-Syndrom genannt als Zeichen dafür, dass schon wieder etwas schiefläuft. Am Tor der Anlage empfängt Denis Tarachkotelik, im strömenden Regen fährt er in einer Art Golfcart vor. Der bullige Mann hat sich ein Ganzkörper-Plastikcape übergezogen, was etwas lächerlich aussieht, aber Tarachkotelik ist nicht zum Lachen zumute. Er nennt sich der Kommandant von Meschyhirja und er ist sauer. Alle bezeichneten ihn und seine Leute als Faschisten, sagt er. Dabei hielten sie hier Ordnung, pflegten die Anlage, könnten Rechenschaft ablegen über jede Kopeke der Einnahmen. Damals, als Janukowitsch mit dem Helikopter das Gut verließ, hätten seine Leute Plünderer und Diebe davon abzuhalten versucht, mitgehen zu lassen, was dem Volk gehört. Und dann seien Was bleibt Wie aus der Villa des ukrainischen Autokraten Viktor Janukowitsch ein Museum der Dekadenz wurde Massagesessel im Kinosaal: Zwei junge Touristen (das Bild ist vom Mai) lassen es sich gut gehen im ehemaligen Anwesen von Janukowitsch. Es wird von schlecht gelaunten Maidan-Aktivisten instand gehalten. FOTO: DANIEL BISKUP/LAIF sie eben geblieben. Um zu verhindern, dass die neuen Herren im Staat da weitermachen, wo die alten aufgehört haben. Da hat sich doch gar nichts geändert, sagt Tarachkotelik. Vor Wochen versuchte die Regierung, einen eigenen Verwalter einzusetzen erfolglos. Tarachkotelik weigerte sich zu weichen. Mit Macht durchsetzen wollte das zuständige Ministerium den Wachwechsel lieber nicht. Denn der Kommandant und seine Truppe sind Vertreter des legendären Automaidan und damit Helden des Aufstands. Der Kleinunternehmer, er hat eine Transportfirma, war einer der Aktivisten der Gruppe. Sie fuhren im vergangenen Winter mit ihren Privatwagen zu den Residenzen der Supermächtigen und blockierten sie als Zeichen des Protestes. Nun wollen sie Meschyhirja nicht hergeben. Der Kommandant sagt, er beschäftige 164 Leute und finanziere sogar noch Ausrüstung für die Soldaten im Osten. Etwa 2500 Besucher kämen täglich auf das Gelände, am Wochenende seien es bis zu Tatsächlich sieht alles perfekt gepflegt aus: die riesigen Parkanlagen, der Zoo mit den Straußen und Antilopen, der See, ein gigantisches Frischwasserreservoir mit einer Galeere darauf, Gästehäuser und Grillstationen, Tennisplatz und Haupthaus. Unser Einsatz, sagt Denis Tarachkotelik, ist der beste Beweis für die Fähigkeit der Gesellschaft zur Selbstorganisation. Wir erhalten und finanzieren die Anlage, ohne dass dafür staatliche Mittel nötig sind. A prima vista kann man ihm kaum widersprechen. Der Chef muss gehen, er ist im Verwaltungsstress und übergibt an ein Faktotum. Petja, gewandet in die schwarz-rote Flagge der Ultranationalisten und in eine Kosakenhose, hat drei Monate lang auf dem Maidan gelebt, dann ist er, keiner weiß so recht wie, auf dem Gut des Ex-Präsidenten aufgetaucht, gleich am ersten Tag nach dessen Flucht. Seither bewacht er das Haupthaus. Die Privatführung (sie kostet einen Aufpreis von umgerechnet zwölf Euro), dauert drei Stunden. Petja kennt sich aus, er führt, als ginge es durch seine Privatresidenz. Jeder Knopf, jede Schublade ist es wert, voller Stolz hergezeigt zu werden und nicht immer ist klar, ob da Besitzerstolz die Wut über die obszöne Gier des Ex-Besitzers überlagert. Unverschämt hatte Museumskurator Alexander Roitburd den Protz von Meschyhirja genannt. Schätzungen über das Vermögen des Ex- Präsidenten, der unter anderem ein gigantisches Jagdrevier und einen Palast auf der Krim besaß, reichten lange von 200 Millionen Dollar bis zu einer Milliarde; Dmytro Gnap von JanukowitschLeaks sagt, mittlerweile gebe es Hinweise auf 15 Milliarden Dollar, unter anderem versteckt in der Türkei. Sohn Olexander soll es auf 500 Millionen gebracht haben. Heute ist der (bekannte) Teil des Geldes, das im westlichen Ausland liegt, eingefroren. Aber es dürfte nur die Spitze des Eisbergs sein; Ermittler vermuten, dass große Vermögensanteile auch nach Russland verlagert wurden. Meschyhirja bei Kiew: eine Metapher für ewige Korruption. FOTO: DPA/ DMITRY ZABASH Janukowitsch, der in Meschyhirja mit seiner Geliebten und deren Sohn auf 2600 Quadratmetern Wohnfläche in fünf Stockwerken lebte, hatte sich ein Königreich aus vergoldeten Kloschüsseln, goldenen Mülleimern und goldenen Wasserleitungen geleistet, ein Domizil aus levantinischer Kiefer, mit Bernstein besetzten Wänden und 30 handgefertigten Lüstern. Das weiße Klavier im Salon ist eines von 25 Steinway-Exemplaren mit dem Signet von John Lennon. Im Spielzimmer steht eine historische Drehorgel, die Pflanzentöpfe sind aus Emuhaut und Krokodilleder. Im Privatkino stehen für jeden Zuschauer kippbare Massagesessel bereit. Wie viele Mächtige muss auch dieser Mann, der zweimal Premier war und es nach einem wegen Wahlfälschung verhinderten Anlauf beim zweiten Mal zum Staatschef schaffte, das Ende seiner Amtszeit panisch gefürchtet haben, die Vergänglichkeit im Leben wie in der Politik. Er, der in einer Armensiedlung in der Ostukraine bei seiner Großmutter aufwuchs, der wegen kleinerer Delikte und Körperverletzung verurteilt wurde, dessen Grammatik fehlerhaft war und der von Parteigenossen und Parteigängern verachtet wurde, er kämpfte gegen Alter und Endlichkeit. Das beweist das Untergeschoss, das jeder Schönheitsklinik mit perfekter Westtechnik den Rang ablaufen würde. Es gibt hier Liegen für eine Sauerstoffkur und einen Kosmetiksalon, eine Sauna und eine Kältekabine. Ein Solarium, neben dem ein Gerät zur Bestimmung des Hauttyps angebracht ist, einen Friseursalon, einen Jacuzzi und eine Salzgrotte, einen Fitnessraum und einen Boxring, eine Indoor-Tennishalle und Dutzende Toiletten alles ausgemalt mit Fresken und geschmückt mit Mosaiken. Übelkeit stellt sich ein. Aber Petja steigert sie noch. Die neuen Machthaber seien auch nicht besser als die alten, sagt Petja, einer so korrupt wie der andere. Am besten, man spieße sie alle auf und stelle ihre Köpfe auf dem Maidan zur Schau: Leonid Kutschma, Leonid Krawtschuk, Viktor Juschtschenko, Viktor Janukowitsch, und ja, auch den neuen Präsidenten, Petro Poroschenko. Nur dann hätten die anderen Angst, und ein zweites Meschyhirja wäre nicht mehr möglich. Journalist Serhij Leschenko, Spezialist für die Vermögensverhältnisse des Ex-Präsidenten, weiß, wie es damals war, als sich Janukowitsch die 140 Hektar unter den Nagel riss. Die Residenz, die Janukowitsch für einen Spottpreis gemietet hatte, sei ohne Ausschreibung an eine Firma verkauft worden, hinter der wiederum Viktor Janukowitsch stand. Diese Firma habe umgehend an eine andere verkauft, die einem Mitarbeiter Janukowitschs sowie einer österreichischen Briefkastenfirma gehörte, die wiederum an einer britischen Briefkastenfirma beteiligt war und die ihrerseits im Besitz eines Trusts in Liechtenstein. Vertreter all dieser Gesellschaften: ein Österreicher, der darauf spezialisiert ist, über verschachtelte Systeme Besitzverhältnisse zu verschleiern soll Meshyhirja an einen Vertrauten von Janukowitsch weiterverkauft worden sein. Sicherheitshalber? Levantinische Kiefer, vergoldete Kloschüsseln, ein Steinway mit John Lennons Signet Als die Staatsanwaltschaft im Frühjahr begann, gegen Janukowitsch wegen Massenmordes und später auch wegen Korruption zu ermitteln, übergab Leschenko den Strafverfolgern Dutzende Ordner mit Dokumenten. Er sei froh, sagt er, dass das FBI den ukrainischen Behörden bei der Suche nach dem Geld helfe, das der Ex-Präsident außer Landes schaffte. Wie der Mann, der offiziell ein paar Tausend im Monat verdiente, das Haus über die Jahre in einen Palast und eine Festung mit fünf Metern hohem Zaun und Überflugverbot ausbauen ließ, das recherchierten nach dem 21. Februar andere. Katja Gorchinskaja von der Kyiv Post war dabei, als an jenem chaotischen Morgen das Projekt JanukowitschLeaks aus den tropfnassen Akten entstand. Auch sie schreibt mit Kollegen derzeit an einem Buch. Es war schnell klar, dass da ein Schatz lag, sagt sie: Papiere, die Unterschlagung, Erpressung und Bestechung durch den Ex- Präsidenten, seinen inneren Kreis bewiesen. Da sei zum Beispiel ein Beleg gewesen, dass ein anonymer Geldgeber Janukowitsch zwölf Millionen Dollar in bar übergab. Ein anderer zeigte eine Einzahlung über Euro auf die Bank seines Sohnes. Man habe einen Vertrag mit einer deutschen Firma gefunden über Möbel für den Billardraum, Kosten: 1,6 Millionen Euro Euro habe eine Wanddekoration mit einem rennenden Bären gekostet. Geldwäsche über Wohlfahrtsorganisationen, astronomische Summen für erfundene Dienstleistungen, Millionen-Einzahlungen auf geheime Bankkonten, der Kauf von Wohnungen und Gewerbeimmobilien, Bauland und Firmen auf seinen Namen JanukowitschLeaks, so Gorchinskaya, zeige, dass die Nation geführt wurde von einem gierigen, korrupten, egoistischen und gefährlichen Mann. Und nun? Janukowitsch lebt wohl in Moskau. Die Journalisten haben sich neuen Skandalen in der Nach-Maidan-Ukraine zugewandt. Petja und sein Chef, Denis Tarachkotelik, fürchten, dass der nächste Präsident sich ein anderes Meschyhirja bauen könnte. Anfang Oktober meldete die Ukrainskaja Prawda, der stellvertretende Generalstaatsanwalt der Ukraine nenne eine Datscha aus ehemaligem Staatsbesitz sein Eigen. Größe: 140 Hektar. In der Ausstellung Komplex Meschyhirja hing ein Blatt Papier an der Wand, man konnte es leicht übersehen. Darauf hatten Kurator Roitburd und seine Mitstreiter aufgeschrieben, was sie sich wünschten: In einem normalen Staat ist Macht keine unkontrollierte Quelle der Bereicherung, sondern bedeutet den verantwortungsvollen Dienst am Land und seinen Menschen. Es ist diese Gesellschaft, für die Menschen auf dem Maidan gestanden haben und gestorben sind. Das Mädchen, das für das Recht auf Bildung kämpft. Friedensnobelpreis 2014 für Malala Yousafzai Jetzt als Taschenbuch!»Ein Preis für alle Kinder, die nicht gehört werden.«malala Yousafzai 432 Seiten [D] 9,99

18 20 FEUILLETON LITERATUR HF2 Samstag/Sonntag, 18./19. Oktober 2014, Nr. 240 DEFGH Trost mit Rouladen Hape Kerkelings bewegendes Buch über den Tod seiner Mutter Die Kindheit des Hape Kerkeling endet an einem Ferientag im Sommer Er ist acht Jahre alt und allein mit seiner Mutter zu Hause. Im Fernsehen läuft Klimbim, später eine Krimiwiederholung. Und irgendwann steht die Mutter im Türrahmen und sagt nur leise, sie lege sich jetzt schlafen, er dürfe heute so lange fernsehen, wie er will. Es werden ihre letzten Worte sein. Der kleine Hape spürt, dass etwas nicht stimmt, dennoch harrt er tapfer vor dem Bildschirm aus. Erst nach Sendeschluss schlüpft er statt in sein Kinderzimmer zu seiner Mama ins Bett. Stunden später entdeckt er das verschmierte Glas Holundersaft, in dem sie die Schlaftabletten aufgelöst hat. Der Selbstmord der Mutter und die Ohnmacht des Kindes gegenüber diesem Tod, es ist das Lebenstrauma des großen Komikers und Entertainers Hape Kerkeling, ein Trauma, das er sich nun von der Seele geschrieben hat. Der Junge muss an die frische Luft, heißt sein zutiefst bewegendes Buch, ursprünglich geplant als unterhaltsamer Rückblick eines schillernden Showstars auf dem Höhepunkt seines Erfolgs. Doch: Es musste vielleicht einfach alles mal gesagt werden, schreibt Kerkeling. Die Scheu, von dieser Wunde zu erzählen, und wie er sie überwindet, das ist selbst eingegangen in seine Autobiografie. Und ein Grund, der sie so lesenswert macht. Langsam, in weiten Schleifen nähert sich Kerkeling dem Punkt, von dem aller Schmerz ausstrahlt. Es beginnt aufgekratzt, anekdotisch-verquasselt, wenn er seine idyllische Ruhrpott-Kindheit heraufbeschwört, als verhätschelter Wonneproppen der Familie, der sich früh schon für die männlichen Unterwäsche-Models aus dem Versandhauskatalog interessiert und im Karneval als Prinzessin geht. Ihr Enkel werde Junggeselle bleiben, so lautet die Sprachregelung der Großmutter für dessen Homosexualität. Omas Lebensmittelladen ist eine Schule der Menschenbeobachtung, die den jungen Hape zum Parodisten werden lässt. Aber was perfektes Timing heißt, das hat er trainiert jedes Mal, wenn es ihm mit Faxen und einem Kochlöffel als Mikrofon gelang, seine Mutter für Momente aufzuheitern. Heute würde man ihr Leiden als Depression bezeichnen, aber damals war es eine peinliche Blöße, die man mit allen Mitteln verbarg. Kerkelings Geschichte hat nichts gemein mit dem Klischee vom traurigen Clown. Wer das Handwerk des Komikers erlernt bei dem vergeblichen Versuch, einen Menschen dem Tod zu entreißen, und im Wissen, nur eine misslungene Pointe trennt sie beide vom Abgrund, für den ist Unterhaltungskunst zweierlei: Mysterium und angewandter Optimismus, wie ihn die Großmutter vorgelebt hat. Als sie nach dem Tod der Mutter gefragt wird, ob sie die Erziehung des Jungen übernehmen kann, zögert sie keine Sekunde. Sie sagt nur: Morgen könnte ich vielleicht Rouladen machen? Denn die isst er doch so gerne. Seine Mutter hat Hape Kerkeling nicht retten können, aber wenn es stimmt, dass seine Gags beim Publikum oft wie ein Abwehrzauber gegen das Böse funktionieren, dann beschützt er mit jedem seiner Auftritte ein paar Menschen. Und einer dieser Menschen ist nicht zuletzt er selbst. christopher schmidt Hape Kerkeling: Der Junge muss an die frische Luft. Meine Kindheit und ich. Piper Verlag, München Seiten. 19,99 Euro. E-Book 16,99 Euro. interview: christian mayer John Burnside, geboren 1955 im schottischen Dunfermline, zählt zu den renommiertesten Prosa-Autoren und Lyrikern Großbritanniens. Gerade ist sein erster Roman auf Deutsch erschienen: Haus der Stummen, die verstörende Geschichte eines verblendeten Pseudo-Wissenschaftlers, der den Ursprung der menschlichen Sprache erkunden will. Beim Interview in einem Berliner Restaurant spricht Burnside mit größter Offenheit und viel Humor über seine schwierige Jugend, seine Alkohol- und Drogenjahre und seine Befreiung durch die Literatur. Burnside steht an diesem Wochenende auch im Zentrum der Internationalen Autorentage in Schwalenberg. SZ: Ist es nicht seltsam, dass Ihr erster Roman von 1997, Das Haus der Stummen, erst jetzt auf Deutsch erscheint? John Burnside: Oh ja, es ist merkwürdig. In Frankreich ist gerade mein Roman In hellen Sommernächten erschienen und in Deutschland mein Erstling. Das ist wie eine Zeitreise, wenn ich in Paris und in Berlin über zwei völlig andere Bücher sprechen muss. Haus der Stummen ist tatsächlich ein schreckliches, teilweise peinigendes Buch. Ich habe das kürzlich selber gespürt, bei einer Lesung in Deutschland, bei der mein Übersetzer Bernhard Robben die Szene auf Deutsch las, in der die Hauptfigur, Luke, dem heranwachsenden Sohn seiner Geliebten zufällig in der Küche begegnet, und der Junge hat ein Messer in der Hand. Eine typische Burnside-Szene, bedrohlich und rätselhaft... Die abgesonderten Kinder waren stumm. Es war, als hätte man ihnen die Seele geraubt. Als Luke dem Jungen den ersten Finger bricht der Beginn einer sich steigernden Grausamkeit, da konnte ich gar nicht mehr den Blick von den Zuhörern wenden. Die Leute hielten kollektiv den Atem an! Hinterher kam eine Leserin auf mich zu: Ich habe Ihre Romane immer sehr gemocht. Aber ich weiß wirklich nicht, warum ich dieses Buch kaufe es ist so schrecklich, aber so schön geschrieben. Haus der Stummen ist die Geschichte eines Experiments, bei dem der Erzähler seine neugeborenen Zwillinge gefangen hält, ohne je mit ihnen zu sprechen weil er von der uralten Frage besessen ist, ob Sprache angeboren oder erlernt ist. Wie kam es zu dieser Idee? Merkwürdigerweise stellen mir die Leser immer wieder diese eine Frage: Würden Sie das Buch heute noch genauso drastisch schreiben? Ich habe jetzt drei Kinder. Und wenn man eigene Kinder hat, verändert sich das Leben. Mich hat damals die Geschichte des muslimischen Moguls Akbar des Großen fasziniert, der in seinem Palast ein Sprachexperiment mit Neugeborenen machte. Alle Kinder, die von der Außenwelt und ihren Eltern abgeschirmt wurden, waren stumm. Es war, als hätte man ihnen die Seele geraubt. Ist das ein Lebensthema von Ihnen: die Suche nach dem Sitz der Seele? Dieses Thema fasziniert mich seit jeher. Ich glaube nicht, dass es eine wissenschaftliche Frage ist. Wir wissen aus der Geschichte, dass schon die alten Griechen darüber spekuliert haben, wo die Seele zu finden ist, in der Lunge oder im Gehirn. Deshalb wogen sie die Menschen auf dem Sterbebett, um sie nach dem Tod noch einmal zu wiegen aus der Differenz leitete man das Gewicht der Seele ab, die den Körper verlässt. Meine Hauptfigur im Haus der Stummen folgt diesen frühen Versuchen; er ist ein Pseudowissenschaftler, der äußerst krude Methoden anwendet und keinerlei moralische Skrupel hat. So wie manche sogenannten Wissenschaftler, die bedenkenlos Tierversuche machen, nur um neue Produkte zu entwickeln, ein Schuppen-Shampoo oder solche Sachen. Sogar Menschen, die sich für grün und fortschrittlich halten, verhalten sich oft komplett widersprüchlich. Wer Biogasanlagen Aufgewachsen als Arbeiterkind im Schottland der Fünfziger- und Sechzigerjahre, entdeckte John Burnside die Schönheit im Zauber der gewaltigen Flammen, die aus den Türmen der Stahlwerke in den Nachthimmel schossen. FOTO: REGINA SCHMEKEN baut oder Monokulturen aufbaut und immer mehr wilde Flächen dafür verbraucht, zerstört unsere Landschaft. Das Gleiche gilt für Windturbinen da betreibt Deutschland, ein Land, das ich für seine grüne Politik eigentlich bewundere, eine herablassende und unsinnige Politik. Und Schottland, Ihre Heimat, in der auch Ihre Romane spielen? Schottland macht riesige Fehler. Es gibt beispielsweise ein ökologisch wichtiges Gebiet auf den Shetland-Inseln, ein Refugium für viele Vögel und Wildtiere. Eine naturbelassene Landschaft, es gab keine Industrie. Dort will das Unternehmen Viking Energy 103 Windturbinen errichten, gegen den Widerstand der Anwohner, aber mit Unterstützung der Regierung. In Ihrem Roman Glister geht es ja genau darum: Eine kleine Machtelite zerstört das Gemeinwesen, eine monströse Industriefabrik vergiftet den Boden, die Menschen werden krank und böse. Prügelknaben John Burnside über die Schrecken der Jugend, seine wilden Jahre und darüber, wie ihn die Literatur gerettet hat Das stimmt, es ist ein Lehrstück über die Umweltzerstörung. Als Kind wuchs ich in Cowdenbeath auf, einer Bergarbeiterstadt in Schottland; mit zehn zogen wir ins englische Corby, eine Stahlarbeiterstadt. In gewisser Weise habe ich diese Fabriken schon immer geliebt. Das hat einen eigenen Zauber, wenn man beispielsweise zur Nachtschicht kommt, und aus den Türmen schießen gewaltige Flammen in den schwarzen Himmel. Es ist ein erschreckendes Buch, in dem junge Männer auf mysteriöse Weise verschwinden oder gewalttätig werden ausgespuckt von der Gesellschaft. Warum schildern Sie immer wieder physische Gewalt? Ich wollte das erst gar nicht so schreiben, aber es musste sein. Ich beschreibe die Gewalt, die ich schon als Kind gesehen habe bei uns auf der Straße, als ich aufwuchs. Für mich ist es absurd, wenn in Filmen Menschen einfach tot umfallen. Das hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Ich hing mit fünf oder sechs ziemlich schweren Jungs herum, Ende der Sechzigerjahre. Ich arbeitete in einer Autozulieferer-Fabrik an einer Maschine, um spezielle Teile von Hand zuzuschneiden, ein ziemlich gefährlicher Job. Meine Kumpels aus der Fabrik waren regelrechte Straßenkämpfer. Ich mochte sie sehr: Es waren gute, großzügige, lebenshungrige und übermütige Jungs. Mich hielten sie für einen Intellektuellen, weil ich Bücher las. Und sie nannten mich Lennon, nach John Lennon weil ich so links war. So wie Sie die schottischen Männer in Ihren Büchern beschreiben, hat man das Gefühl: Sie hatten vielleicht so etwas wie Ehrgefühl, aber keine sehr hohe Lebenserwartung, oder? Mein Vater ist immerhin 62 geworden. Ein starker Bursche, er starb nach seinem vierten Herzinfarkt, was schon ein Wunder war, wenn man bedenkt, dass er sein ganzes Leben lang schwer getrunken und viel geraucht hat. Auch er zählte zu den Männern, die sich auf der Straße prügelten, die gerne zockten und niemals zu einer Einladung gekommen wären, bei der kein Alkohol auf dem Tisch stand. Ihrem Erinnerungsbuch Lügen über meinen Vater zufolge war Ihr Vater in den Augen der Saufkumpane ein freiheitsliebender Held, einer dieser männlichen Männer. Für Sie aber war er ein Lügner, ein Trinker, der die Familie tyrannisierte. Blieb dieser Zwiespalt stets unbemerkt? Das verwundert mich bis heute. Alle seine Freunde glaubten ihm jedes Wort. Er konnte großartige Geschichten erzählen, während er trank, mit leichten Ungereimtheiten, die in der Kneipe keinem auffielen, schließlich tranken die meisten der Industriearbeiter, weil die Arbeit so langweilig und so hart, so schmutzig und so gefährlich war. Und weil sie wussten, dass sie in diesem System nur die Befehlsempfänger waren, die nützlichen Idioten der Chefs und Vorgesetzten. War das bei Ihrem Vater besonders stark ausgeprägt? Mein Vater wusste nicht, wer seine Eltern waren, deshalb musste er sich eine Lebensgeschichte selbst ausdenken. Auf der anderen Seite konnte er sehr großzügig sein, in den seltenen Momenten, wenn er mal Geld hatte. Ich erinnere mich, wie er manchmal leicht angetrunken vom Pub nach Hause kam, am Samstag nach dem Mein Vater gehörte zu einer Generation, die gar nicht glücklich werden konnte. Mittagessen. Mit etwas Geld in der Tasche. Der Eisverkäufer mit seinem Wagen machte seine Runde, und mein Vater gab ihm fünf Pfund und rief die Kinder, die auf dem Platz herumtollten alle sollten ein Eis bekommen, das war ein Ritual der Väter. Außer mir und meiner Schwester weil er sauer auf meine Mutter war. Half Ihnen das Schreiben, um doch noch Frieden mit ihm zu schließen? Nun, ich war ja schon nicht mehr wütend, als ich 2001 viele Jahre nach seinem Tod mit diesem Erinnerungsbuch begann. In meinem neuen Buch I Put a Spell on You versuche ich, ihn besser zu verstehen, in seiner ganzen Einsamkeit und Verlassenheit, auch als Teil einer Generation, die gar nicht glücklich werden konnte, weil die ganze Gesellschaft so verklemmt war und die Ehe ein weiteres Zwangssystem zur Disziplinierung darstellte. Ja, ich habe Frieden geschlossen mit ihm. I Put a Spell on You ist ein Liebeslied von Nina Simone. Dient es Ihnen als Leitmotiv und Leidmotiv zugleich? Ja, wir wuchsen mit solchen sentimentalen Liedern auf, in den Sechzigern, meine Mutter hörte sie stundenlang im Radio. Sie hatten selber eine Phase, in der Sie viel getrunken haben. Ja, es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich niemals auf einer Party erschien ohne feste Absicht, mich zu betrinken, high zu werden oder eine Frau abzuschleppen. Lange Zeit kombinierte ich den Alkohol mit Drogen wie Speed oder Kokain, was dann dazu führte, dass ich fast verrückt wurde ich endete in der Klinik. Dann versuchte ich eine Weile lang, ein ganz normales Leben zu führen diese Phase beschreibe ich im zweiten Teil meiner Erinnerungen Waking Up in Toytown. Ich wollte das alles auf einmal überwinden: den Rausch, die Drogen, die ewige Party. Und, wie war es, dieses ganz normale Leben? Höllisch langweilig. Das sogenannte normale Leben in den Vororten der großen Städte ist eine Qual, es sei denn, man geht fremd. Das Fremdgehen war die einzige Möglichkeit, der unsäglichen Langeweile zu entgehen und den Begegnungen mit den anderen Ehemännern, mit denen ich keinen vernünftigen Satz wechseln konnte weil ich mich nicht für Autos und andere Konsumgüter interessierte. Ich glaube, ich habe nur deshalb mit dem Schreiben angefangen, um dem allen zu entkommen. Es war die Rettung. TOP-NEUHEITEN LANG LANG DAS MOZART ALBUM Lang Lang und die Wiener Philharmoniker unter Nikolaus Harnoncourt sind ein Traum- Team für die wunderbaren Klavierkonzerte von Mozart. Und Lang Lang glänzt auf der zweiten CD mit berühmten Solo-Werken wie dem Rondo alla Turca u.a. PLÁCIDO DOMINGO MEDITERRANEAN SONGS Plácido Domingo singt stimmungsvolle Lieder von der Liebe und dem Meer aus den Ländern rund um das Mittelmeer eine CD, die den Sommer zurückbringt. SOL GABETTA PRAYER Star-Cellistin Sol Gabetta spielt besinnliche Werke von Bloch, Schostakowitsch und Casals. Eine CD, die berührt. Jetzt bestellen unter

19 DEFGH Nr. 240, Samstag/Sonntag, 18./19. Oktober 2014 HBG KUNSTMARKT FEUILLETON 21 RADAR Schönheit vs. Torheit Mit grimmigem Humor und skurriler Fabulierlust hat der Maler Frans Verbeeck die groteske Szenerie Der Narrenhandel ins Bild gesetzt. Das Gemälde, eine Allegorie menschlicher Torheit, ist das Top-Los der Altmeisterauktion im Wiener Dorotheum am 21. Oktober ( bis 1,2 Millionen Euro). Weitere flämische Gemälde kommen etwa mit Pieter Brueghels Der Hochzeitstanz und einer Küstenlandschaft von Jan Brueghel zum Aufruf (je ). Bei den Italienern gelten einer reizvollen Vanitas-Schönheit von Paris Bordone (ABB.: DOROTHEUM) und einem David mit dem Haupt Goliaths von Giuseppe Vermiglio die größten Erwartungen. Das 19. Jahrhundert (23. Oktober) ist vor allem landschaftlich gut besetzt, so mit einer bäuerlichen Szene aus dem Salzburgischen, einem Waldstück von Friedrich Gauermann oder südlichem Treiben am Golf von Neapel, wie es Franz Richard Unterberger genrehaft festgehalten hat. Einmalig im Antiquitätenangebot ist ein Kaffee- und Teeservice im originalen Reisekoffer der kaiserlichen Manufaktur in Wien aus dem späten 18. Jahrhundert ( Euro). Eine Privatsammlung mit Schwerpunkt Glas bietet am 8. November Dr. Fischer in Heilbronn. Unter den knapp 700 Losen besticht eine hervorragende Gruppe von Steinglas- und Lithyalinglas-Bechern der Zeit um 1830 mit Taxen von 2000 bis 9000 Euro. Frühes Studioglas des tschechischen Künstlerpaares Libenský/ Brychtová wäre mit der Plastik Head I Tall Head von 1957/58 zu erwerben ( Euro). Ein Miniaturporträt des 21-jährigen Mozart versteigert Sotheby s am 20. November in London. Die vier Zentimeter große Zimelie war ein Geschenk des anonymen Künstlers an Maria Anna Thekla Mozart. Es wurde von Nachfahren der Familie eingeliefert, die dafür mindestens Pfund erwarten. dorothea baumer Teutonische Zeiten Deutsche Kunst triumphiert in diesem Herbst auf der Messe Frieze in London von catrin lorch In der deutschen Lyrik endet der Sommer mit der Feststellung, dass, wer jetzt kein Haus hat, sich auch keins mehr bauen wird. Eine stille Zeile, so muss man feststellen, die in der globalen Welt keine Bedeutung mehr hat. Wenn in London die Herbst-Saison beginnt, helfen chinesische Studentinnen in den Büros der Makler aus und auf Vernissagen vergleichen arabische Scheichtöchter die Stadtviertel. Die Deutsche im Bus auf dem Weg zur Frieze Art Fair ist zwar skeptisch in Bezug auf die Nebenkosten, aber das Geld liegt doch sowieso herum, warum also nicht Pfund im Jahr einkalkulieren für die Drittwohnung an der Themse? Zwanzig Prozent Wertsteigerung per annum und wir können die Sachen gleich hier lassen. Welche Sachen? Na die Kunst, der zweitliebste Claim des internationalen Geldes. Nicht einmal Michael Ballack fällt den Fotografen auf dieser Messe auf Das ist das Umfeld der Kunstmessen Frieze Art Fair und Frieze Masters, die in diesem Jahr erneut zwei Zelte im Londoner Regent s Park aufgeschlagen hat. Man hatte genügend Humor, solchen Kalkulationen direkt entgegen zu kommen: Noch vor der Garderobe und dem VIP-Desk werben rot leuchtende Tafeln für Investitionen in Betongold, Shanzhai Biennal No. 3: 100 Hamilton Terrace ist ein Kunstprojekt, das sich im Londoner Immobilienmarkt eine Nische gesucht hat. Es geht darum, 32 Millionen Pfund einzusammeln, in der Sprache der Makler und Developer. Es ist ein kalter Glamour. Und wer sich dafür interessiert, wer an dem Tag, der der trubeligen Vernissage noch einmal vorausgeht, Zugang zur Kunst hat, wer also zu den besten Sammlern gehört, der wird erstaunt sein: Sammlerinnen in schlichten Hosenanzügen, deren Begleiter sich auch nicht viel Gedanken machen, welchen Blazer sie aus dem Schrank ziehen. Um dann in aller Ruhe die atelierfrische Leinwand von Georg Baselitz zu taxieren, die am Stand von Thaddaeus Ropac für Euro sofort verkauft wird. Suzie Menkes, legendäre Mode-Reporterin, klappt frustriert ihr Laptop zu, mit den schwarzen Silhouetten von Yves Saint Laurent bekommt man den Blog nicht voll, den in gedeckten Farben gekleideten Michael Ballack übersieht nicht nur sie, auch alle anderen auf Celebrity fokussierten Fotografen bemerken ihn nicht. Dabei ist sein Auftritt charakteristisch für eine Saison, deren liebstes Label Made in Germany ist. Ganz vorne, Synonym für deutsche Superlative, bleibt Gerhard Richter. Ein Abstraktes Bild (1987) soll am Stand von Dominique Levy fünf Millionen Pfund kosten, während seine aktuellen Streifenbilder gerade die Vernissagen-Partys in der frisch eröffneten europäischen Dependance der New Yorkerin Marian Goodman rahmen. Und während die Tate Modern Gallery Sigmar Polke mit einer Retrospektive feiert, erzielen fünf seiner Leinwände auf der Auktion der Essl- Collection bei Christie s insgesamt 20 Millionen. Eine Leinwand von Georg Baselitz wurde für 1,8 Millionen Pfund zugeschlagen wird. Die britischen Medien apostrophieren das Phänomen als Teutonic Shift und rechnen für die anstehenden New Yorker Versteigerungen auch mit Rekordzuschlägen für Albert Oehlen und Martin Kippenberger immerhin, auf der Außenseite der Koje der Galerie Capitain hängen noch dessen historische Plakat- Entwürfe für 500 Euro das Stück. Doch während niemand ein Problem hat, sich mit ein paar Poster-Rollen unter dem Arm ablichten zu lassen, ist man bei Millionengeschäften lieber ungestört, und Martin Kippenberger: Sand in der Vaseline, Ausstellungsplakat (1986, oben); Martin Creed: Work No (2011, unten, im Angebot für Euro). ABB.: GALERIE GISELA CAPITAIN; GALERIE RÜDIGER SCHÖTTLE Vor dem 50 Millionen Euro teuren Gemälde von Rembrandt wird ein Wachmann postiert auch die Frieze setzt zunehmend auf Distinktion und Diskretion. Dabei war man populär geworden, weil sich das polyglotte, kritische London mit diesem Event identifizieren konnte. Die Messe war mit der Behauptung groß geworden, dass intelligente, zeitgenössische Kunst ein lohnender Claim sei: das gleichnamige Magazin Frieze gab Nachhilfe in zeitgenössischer Kunst, die Messe versah das Angebot mit Preisschildchen was in der Londoner City auch deswegen gut ankam, weil sich Finanzmakler nicht so recht mit gediegenen Antiquitäten und Seestücken britischer Maler anfreunden mochten. Doch aus dieser Schule des Geschmacks tauchte ein Markt auf, den die smarten Frieze-Macher offensichtlich schon lange nicht mehr lenken. Kunst sollte nicht länger Dynastien definieren? Inzwischen werden Werte zwischen dem Ende der Art Dubai und der nächsten Auktionsrunde in China verhandelt. Das Markt-Monster jettet um die Welt, lässt sich aber immer noch gerne von London anfüttern von Superlativen. Die Frieze-Macher haben auch darauf reagiert, und vor drei Jahren die Frieze Masters erfunden, wo, in einem zweiten Zelt, alte Kunst verkauft wird. Keine Antiquitäten aber ein 7000 Jahre altes neolithisches Idol (bei Rupert Wace für Pfund) und der knapp fünfzig Millionen Dollar teure Rembrandt, vor dem am Stand des New Yorkers Otto Naumann ein eigener Wachmann postiert wurde. Doch die Frieze ist nur noch ein Spielort im Londoner Kunstherbst. Es gibt gut ein halbes Dutzend weitere Messen. Und Sotheby s fliegt zur Ansicht Mark Rothkos auf 30 Millionen Pfund taxiertes Gemälde Red Brown Black and Orange ein, das im November in New York versteigert werden soll. Und die Galerie Gagosian in Clerkenwell reißt ihre Außenwände ein, weil die gewaltigen Bögen und Blöcke und Platten von Richard Serra durch kein Tor passen: 230 Tonnen Stahl insgesamt. Und Angela Bulloch, Young British Artist der ersten Stunde, ziert sich nicht, ihre bunt glimmenden Lichtkisten im Showroom von Rolls Royce aufzubauen. Kurz vor Beginn der jüngsten Ausgabe kündigten die Erfinder der Frieze, Matthew Slotover und Amanda Sharp, an, sich zurückzuziehen, neue Direktorin ist Victoria Siddall, bislang zuständig für die Frieze Masters. Von ihr wird es abhängen, ob die Messe mit den Entwicklungen Schritt halten kann, deren Mittelpunkt sie einst war. Exklusive Meisterwerke für Ihr Zuhause. Jetzt unter sz-shop.de in Kooperation mit ars mundi. Zum Beispiel das Gemälde von Paul Klee Häuser am Meer als exklusiver Druck in limitierter Auflage für nur 310. Format gerahmt: 38 x 50 cm. Nur erhältlich im SZ-Shop! Jetzt bestellen! Unter sz-shop.de oder unter Tel.: 089 / Ein Angebot der Süddeutsche Zeitung GmbH, Hultschiner Str. 8, München

20 Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Rechte mich halten. (Psalm 139,9.10b) Nach einem ausgefüllten Leben ist mein geliebter Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder und Schwager in unserer Mitte friedlich eingeschlafen. Prof. Dr. jur. Dr. h. c. Klaus Murmann Wir denken voller Liebe an ihn und sind ihm dankbar für seine Großherzigkeit und seinen Familiensinn. Dr. Hannelore Murmann, geb. Zoellner Nicola Keim, geb. Murmann und Dr. Christoph Keim mit Anna-Cara, Caroline, Anselm, Isabel und Benedict Dr. Ulrike Murmann und Joachim Knuth mit Esther, Hannah und Jonas Anja Murmann mit Pauline, Anouk und Josephina Jan Murmann und Tim Danker Dr. Sven Murmann und Dr. Stefanie Murmann mit Mats Nina Venus-Murmann mit Lucas, Lilly und Casimir Marion Fickett, geb. Murmann mit Familie Dr. Horst und Marlisa Murmann mit Familie Dr. Rolf und Monica Murmann mit Familie Dr. Dieter und Dagmar Murmann mit Familie Claus und Anke Zoellner mit Familie Der Trauergottesdienst findet am Freitag, dem 24. Oktober 2014, um Uhr in der Kirche zu Dänischenhagen, Kirchenstraße 5, Dänischenhagen, statt. Die Beisetzung erfolgt im engsten Familienkreis. Anstelle von Blumen und Kränzen erbitten wir eine Spende zugunsten der Stiftung Bildung macht stark bei der Förde Sparkasse, IBAN DE , BIC NOLADE21KIE, Verwendungszweck. Schulspeisung. Traueranschrift: Büro Familie Murmann, Frau Brigitte Gartmann, Sauer Holding GmbH, Krokamp 35, Neumünster. Wir trauern um unseren Ehrenpräsidenten Prof. Dr. Klaus Murmann * 3. Januar Oktober 2014 Klaus Murmann war uns als Präsident und Ehrenpräsident über viele Jahrzehnte eng verbunden. Er war eine außergewöhnliche, inspirierende und zupackende Unternehmerpersönlichkeit, der wir viel zu verdanken haben. Klaus Murmann stand von 1986 bis 1996 an der Spitze der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Er setzte in seiner Amtszeit auf den offenen Austausch mit allen gesellschaftlichen Gruppen sowie eine starke Sozialpartnerschaft. Zugleich trug er die Interessen der deutschen Arbeitgeber engagiert und deutlich in die Öffentlichkeit. Sein Name ist untrennbar mit der Forderung nach mehr Eigeninitiative der Gesellschaft und Gestaltungsfreiheit für die Unternehmen verbunden. Sein besonderes Engagement galt der Bildungspolitik und dem Erfolg der von ihm initiierten Stiftung der Deutschen Wirtschaft. In das von ihm gegründete Studienförderwerk Klaus Murmann hat er wesentliche Teile seines Vermögens eingebracht. Klaus Murmann war immer ein Unternehmer mit hoher wirtschafts- und gesellschaftspolitischer Verpflichtung. Jahrzehntelang hat er vorgelebt, dass Freiheit und Verantwortung zusammengehören wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Wir verlieren mit Klaus Murmann eine außergewöhnliche Unternehmerpersönlichkeit; sein Wirken ist uns Verpflichtung. Wir werden ihm ein dankbares und ehrendes Andenken bewahren. Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände e.v. Ingo Kramer Dr. Reinhard Göhner Präsident Hauptgeschäftsführer Anstelle freundlich zugedachter Kränze und Blumen ist eine Spende zugunsten der Stiftung Bildung macht stark (Förde Sparkasse, IBAN DE , BIC NOLADE21KIE, Verwendungszweck: Schulspeisung) im Sinne des Verstorbenen. Wir trauern um unseren geschätzten Kollegen, Freund und Mentor Dr. Peter Thomas der im September 2014 völlig unerwartet aus dem Leben gerissen wurde. Er hinterlässt eine große Lücke in unserem Unternehmen und in der gesamten Broadcast Branche. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt seiner Familie. Die Geschäftsführung und Mitarbeiter der AVID DEVELOPMENT GMBH und AVID TECHNOLOGY GMBH Die DSQ Deutsche Stiftung Querschnittlähmung trauert um ihr Kuratoriumsmitglied Prof. Dr. Udo Reiter Die Stiftung war ihm ein Anliegen. Mit seinem Tod verliert die DSQ Deutsche Stiftung Querschnittlähmung einen Fürsprecher, Förderer und eine Persönlichkeit. Wir gedenken ihm in tiefer Trauer. PD Dr. Rainer Abel Vorsitzender des Vorstandes Prof. Dr. Hans Jürgen Gerner Vorsitzender des Stiftungsrates Im Oktober 2014 DSQ Deutsche Stiftung Querschnittlähmung München Der Arbeiter-Samariter-Bund Regionalverband München/Oberbayern e. V. trauert um ein langjähriges, aktives und sehr engagiertes Mitglied. Jörg Ackermann Jörg hatte die Werte des ASB beispielhaft verinnerlicht und setzte sich kompetent und mit Herz für die Menschen in ihren unterschiedlichsten Notlagen ein. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Angehörigen und Freunden. Wir sind sehr traurig und vermissen Dich! Vorstand, Geschäftsführung und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ASB München In Liebe und Dankbarkeit nehmen wir Abschied von Astrid v. Buttlar geb. Hartmann * 13. September 1922 in Swinemünde 16. Oktober 2014 in Starnberg Elisabeth v. Buttlar und Alfred Hetzenegger Dietrich und Dorothea v. Buttlar Janna und Florian Kohlert mit Eleni und Tilda Philipp und Felicia Rieber mit Aurel Marie-Louise, Marie Thérèse und Leopold v. Buttlar Die Trauerfeier findet am Freitag, dem 24. Oktober 2014, um Uhr auf Schloss Elberberg, Naumburg 2 Ortsteil Elbenberg/Hessen statt; anschließend Beisetzung auf dem Familienfriedhof. Mein innig geliebter Mann Rupert Adlhoch * 2. April Oktober 2014 ist mir in den ewigen Frieden vorausgegangen. Wer ihn kannte, weiß, welch warmherziger und hilfsbereiter Mensch er war. In großer Dankbarkeit für die wunderbare gemeinsame Zeit. Wir vermissen Dich! Christina Adlhoch Lissy und Ludwig Fleischmann mit Familie Susanne Esterl Lisbeth und Ernst Fischer mit Familie Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung am Donnerstag, dem 30. Oktober 2014, um Uhr im Friedhof am Perlacher Forst, Stadelheimer Straße 24, München. Von Beileidsbekundungen am Grab bitten wir Abstand zu nehmen. Ihr glücklichen Augen, was je ihr gesehn, es sei, wie es wolle, es war doch so schön! Johann Wolfgang von Goethe Dr. Günter Passavant * 4. April Oktober 2014 In liebevollem Gedenken Nadine Passavant Oliver und Elisabeth Passavant Toffi und Assi Passavant mit Elena und Valerie Trauerfeier am Mittwoch, , um Uhr in der Aussegnungshalle des Krematoriums, St.-Martin-Straße 41, München. Die Urnenbeisetzung findet zu einem späteren Zeitpunkt im engsten Familienkreis statt. München Wir nehmen Abschied von Prof. Dr. Udo Reiter Udo Reiter hat als Mitbegründer und Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks die deutsche Fernsehlandschaft entscheidend geprägt. Die Bavaria Film hat er über viele Jahre als Aufsichtsrat und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender begleitet. Wir haben ihm in dieser Zeit viele wertvolle Impulse zu verdanken. Die Gründung der Saxonia Media und das Engagement der Bavaria Film im Sendegebiet des MDR gingen auf seine Initiative zurück. Für seine klugen und weitsichtigen Entscheidungen gebührt ihm unser großer Respekt. Wir verlieren mit Udo Reiter einen verlässlichen Berater und guten Freund. Für die Bavaria Film GmbH und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Dr. Christian Franckenstein Achim Rohnke Plötzlich und unerwartet starb meine geliebte Mutter, Schwiegermutter und Oma Helga Hadersbeck * 29. Mai Oktober 2014 Die Trauerfeier fand in aller Stille statt. In tiefer Trauer: Thomas Hadersbeck mit Familie

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