Microsoft SharePoint 2010

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1 Ulrich B. Boddenberg Microsoft SharePoint 2010 Publishing, Customizing & Design

2 Auf einen Blick Auf einen Blick 1 SharePoint als Publishing-Plattform SharePoint Basis (Technik) Werkzeuge Das Erscheinungsbild von SharePoint anpassen Inhalte organisieren und bereitstellen Smart Client Authoring Mehrsprachigkeit Menü und Navigation Identität, Authentifizierung und anonymer Zugriff Berechtigungskonzept Performance und Verfügbarkeit in Publishing-Szenarien Anbindung an das Internet Anmerkungen zur Oberflächenentwicklung Lizenzierung

3 Inhalt Inhalt ORATIO, QUA L. CATILINAM EMISIT IN SENATU HABITA Zielgruppe und Aufbau des Buchs SharePoint als Publishing-Plattform Warum SharePoint? Die prozessorientierte Sicht Die informationsorientierte Sicht Editionen und Publishing Die Veröffentlichungsinfrastruktur (Publishing Feature) Webanwendung, Websitesammlung und Vorlagen Das Publishing Feature im Schnelldurchlauf SharePoint Basis (Technik) Webanwendung, Websitesammlung & Co Website vs. Webseite Webanwendung Website und Websitesammlung SharePoint-Webservices Neue Webanwendung und Websitesammlung anlegen Exkurs: IP-Adressen, Ports und Hostheader Exkurs: Anwendungspools Anlegen der Webanwendung und Websitesammlung Blick auf den Webserver Allgemeines Basisverzeichnis Die Datei»web.config« Blick auf den SQL Server Wo wird was administriert? Zentraladministration Administration von Websitesammlung und Websites Dienstanwendungen

4 Inhalt 2.7 Zeitgeberaufträge (Timerjobs) Features Limitierungen Grenzen der Webanwendungen Webserver- und Applikationsservergrenzen Grenzen für Inhaltsdatenbanken Grenzen für Websitesammlungen Listen- und Bibliotheksgrenzen Spaltengrenzen Seitengrenzen Sicherheitsgrenzen Werkzeuge SharePoint Designer Erste Schritte Die wichtigsten Funktionen IE-Entwicklertools Firebug Das Erscheinungsbild von SharePoint anpassen Farben Designvorlagen nutzen Design (Theme) erstellen CSS und SharePoint Wo kommen die CSS-Styles her? »corev4.css«anpassen Eine neue CSS-Datei anlegen und Styles überschreiben Gedanken zur Vorgehensweise Masterseiten bzw. Gestaltungsvorlagen Wie funktionieren Masterseiten? Masterseiten in SharePoint und SharePoint Designer Masterseiten und Platzhalter Neue Masterseite erstellen Einchecken und Genehmigen

5 Inhalt 5 Inhalte organisieren und bereitstellen Seiten Speicherort und Inhaltstyp Neue Seite erzeugen und Seiten bearbeiten Seiten anzeigen Wo werden die Inhalte gespeichert? Genehmigen, Workflows etc Seitenvorlagen und Seitenlayouts Kurzüberblick über die Anwendung Blick in den Code der Seite Bearbeiten der Seitenvorlagen Neue Seitenvorlage erstellen und anwenden Verfügbare Seitenlayouts bestimmen Neue Seitenvorlage nebst Inhaltstypen erstellen (Beispiel) Publishing automatisieren Smart Client Authoring Dienste aktivieren Dokumentkonvertierung für Webanwendungen aktivieren Seiten aus einem Word-Dokument erstellen (Anwendungsbeispiel) Konfiguration des Konverters (ein wenig Troubleshooting) Aktualisieren Konvertierungsvorgang mit anderen Inhaltstypen Seitenlayout erstellen Alles rund um die Quelldokumente vorbereiten Testen Was fehlt? Was könnte besser sein? Bilder Automatisieren Splitten Konvertieren mit Dritthersteller-Komponenten Und mit SharePoint Foundation?

6 Inhalt 7 Mehrsprachigkeit Möglichkeiten Sprachpakete installieren und anwenden Beschaffen und herunterladen Installieren Sprache wechseln Website-Vorlagen Variationen Idee und Funktionsweise Basiseinstellungen Variationsbezeichnungen Kleiner Test Navigation anpassen Websites in der Quellvariation anlegen Seiten anlegen Variationsprotokolle Anmerkungen des Autors Menü und Navigation Erste Bestandsaufnahme Konfiguration per Browser Globale Navigation konfigurieren Lokale Navigation konfigurieren Vererbung Konfiguration mit SharePoint Designer (und ein wenig Hintergrundwissen) Globale Navigation Aktuelle Navigation Fazit Eigene Menüs entwickeln und einbinden Die SiteMapProvider Ein eigenes Menücontrol für die globale Navigation entwickeln und implementieren Dropdown-Menü mit großen»dropdown-flächen«(mega-drop) Ein vertikales Menü (aktuelle Navigation)

7 Inhalt 9 Identität, Authentifizierung und anonymer Zugriff Authentifizierung vs. Autorisierung Authentifizierung in SharePoint (Schnellüberblick) Anonymen Zugriff realisieren Konfiguration Testen und Troubleshooting ActiveX-Control abschalten Formularbasierte Authentifizierung Funktionsweise und Szenarien Authentication Provider die Basics Einen Authentication Provider entwickeln Authentication Provider implementieren, Teil I Webanwendung für Formular-Authentifizierung anlegen Authentication Provider implementieren, Teil II Authentication Provider testen Hybride bauen Variante I Variante II Konsequenzen für die (Benutzer-)Administration Berechtigungskonzept Konzeptionelles SharePoint-Gruppen vs. AD-Gruppen Vererbung SharePoint-Gruppen SharePoint-Gruppen konfigurieren und anlegen Benutzer/AD-Gruppe einer SharePoint-Gruppe hinzufügen Rechte zuweisen Wo sind die Menüpunkte? Vererbung aktivieren bzw. deaktivieren Benutzer oder Gruppe berechtigen Berechtigungsstufen Berechtigungen prüfen

8 Inhalt 11 Performance und Verfügbarkeit in Publishing-Szenarien Skalierung Problemfall Datenbank Maßnahmen für den SQL Server Maßnahmen im Netz Verwendung des Dateisystems und Caching als Lösung Dimensionierung mit Tools Dateisystem und SharePoint Caching Cacheprofile Einstellungen für den Ausgabecache Einstellungen für den Objektcache Cache-Einstellungen auf Ebene von Site und Seitenlayout Limitierungen Verfügbarkeit Webfrontend-Server SharePoint-Dienstanwendungen Datenbank Anbindung an das Internet Allgemeine Überlegungen Microsoft Threat Management Gateway 2010 () Hinweise zur Umsetzung Anmerkungen zur Oberflächenentwicklung Schnelldurchlauf zum Thema»Webpart entwickeln« Visuelles Webpart mit dem Assistenten entwickeln Usercontrol in visuellen Webparts Bereitstellen und testen Debuggen bin-verzeichnis oder Global Assembly Cache?

9 Inhalt 13.2 ASP.NET-Entwicklung mit Bibliotheken (Webparts) Telerik RadControls for ASP.NET AJAX Infragistics NetAdvantage Syncfusion Fazit jquery und SharePoint Lizenzierung Überblick Externe und interne Benutzer Windows SharePoint Foundation Szenarien Beispiel 1: Nur interne Benutzer greifen auf SharePoint zu Beispiel 2: Zusätzlich greifen externe Benutzer zu Beispiel 3: Eine zusätzliche Extranet-Farm wird eingerichtet Beispiel 4: Ein öffentlicher Internet-Auftritt wird realisiert A Browser-Kompatibilität 483 A.1 Internet Explorer 7, 8 und 9 in der 32-Bit-Version A.2 Internet Explorer 8 und 9 in der 64-Bit-Version A.3 Internet Explorer 7 in 64-Bit-Versioin A.4 Safari auf der Mac-Plattform A.5 Firefox auf Windows-Plattformen A.6 Firefox auf Nicht-Windows-Plattformen Index

10 ORATIO, QUA L. CATILINAM EMISIT IN SENATU HABITA Quo usque tandem abutere, Catilina, patientia nostra? (Marcus Tullius Cicero, Erste Catilinarische Rede, gehalten am 8. November 63 v. Chr. im Tempel des Iupiter Stator) Marcus Tullius Cicero (* 3. Januar 106 v. Chr. in Arpinum, + 7. Dezember 43 v. Chr. bei Formiae) gilt als der berühmteste Redner des antiken Roms. Er hat ein umfangreiches schriftliches Werk hinterlassen und war das ist wichtig, um die Kurve in dieser kurzen Abhandlung zu bekommen ein bedeutender Politiker und Anwalt. Er war also ein Mensch, zu dessen Beruf umfangreiche Kommunikation gehörte. Wenn man im antiken Rom seine Meinung zu Fragen der Politik publik machen wollte, gab es nichts Besseres als einen Besuch auf dem Forum. Drehen wir das Rad der Zeit ungefähr 2075 Jahre nach vorn, und nehmen wir als Beispiel wieder die Politik. Wer heute seine Meinung der interessierten Öffentlichkeit kundtun will, der publiziert seine Ansichten im Internet. Die allabendlich in der Tagesschau übertragenen zwanzig Sekunden aus dem Parlament sind dagegen eher eine folkloristische Darbietung; die Sacharbeit findet woanders statt und eben auch die ernsthafte Kommunikation geschieht heute im und über das Internet. Würde Cicero heute leben, würde er mit Sicherheit seine Ansichten über seine Website, beispielsweise publizieren. Ein potenzielles Milliardenpublikum hätte er so erreichen können so weit, so gut. Die Frage stellt sich, welche Plattform für das Veröffentlichen der Inhalte verwendet wird und hier kommt SharePoint ins Spiel. SharePoint besitzt seit Version 2007 ziemlich gute Fähigkeiten als Web-Content- Management-(WCM-)System. Das Veröffentlichen von Informationen betrifft einerseits natürlich Internet-Szenarien; mindestens genauso intensiv findet sich diese Aufgabe aber auch in Extranet- und Intranet-Anwendungen. Häufig wird zwar der Aspekt des professionellen Veröffentlichens gerade in den beiden letztgenannten Szenarien vernachlässigt bzw. nicht angemessen umgesetzt. Das ist aber kein Problem, das man SharePoint anlasten könnte. Vielmehr ist das Web Content Management mit SharePoint eine irgendwie»weniger bemerkte«disziplin. Stellt man einer Gruppe von SharePoint-Enthusiasten die Frage, wozu sich SharePoint denn beson- 13

11 ORATIO, QUA L. CATILINAM EMISIT IN SENATU HABITA ders eignet, kommen die Antworten»Collaboration«,»Workflows«,»BI-Frontend«,»Dokumentenmanagement«, aber nur selten hört man»publishing«. Und da soll dieses Buch etwas bewegen mal etwas pathetisch ausgedrückt. Über mich Ich bin freiberuflicher Berater, Softwarearchitekt und Entwickler. Folglich kann ich Ihnen helfen, wenn Sie Aufgabenstellungen rund um SharePoint (und auch andere Microsoft-Technologien) haben. Ich bin in Projekten einerseits Berater, andererseits aber auch»macher«. Wenn Sie mit mir in Kontakt treten möchten, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Sie besuchen meine Website: https://www.boddenberg.de Sie schreiben eine an: Des Weiteren möchte ich Sie gern auf mein Angebot an (SharePoint-)Seminaren aufmerksam machen. Sie finden es unter https://www.boddenberg.de/seminare. Ich möchte Ihnen nun viel Freude mit diesem Buch wünschen und natürlich nicht versäumen, mich bei all denen zu bedanken, die direkt oder indirekt zum Entstehen beigetragen haben. Insbesondere sind dies natürlich meine Frau und unsere Amy gewesen. Vielen Dank für Liebe, Ansporn und Zuversicht! Ulrich B. Boddenberg, 30. April

12 0 Zielgruppe und Aufbau des Buchs quam diu etiam furor iste tuus nos eludet? Wie Sie vielleicht wissen, gibt es von mir ein»allgemeines«sharepoint-buch, das tief in die Technik einsteigt (http://www.galileocomputing.de/2445). Es richtet sich an SharePoint-Architekten, Admins und Entwickler. Wozu also noch ein spezielles Buch zum Thema Publishing, Design und Customizing? Am besten lässt sich das erklären, wenn man die Zielgruppen betrachtet, für die ich dieses Buch geschrieben habe: Ich habe in den letzten Jahren viele Menschen kennengelernt, die sich mit Share- Point beschäftigen möchten oder müssen, die aber nicht die»klassischen«admins sind, sondern eher aus dem Web Content Management kommen. Diese stehen mehr oder weniger plötzlich vor der Herausforderung, dass der Kunde SharePoint nicht»nur«für interne Collaboration-Anwendungen einsetzen möchte, sondern dass er die Plattform für sein Intranet, Extranet und den Internet-Auftritt positioniert. Das macht natürlich Sinn, denn je weniger unterschiedliche Plattformen zu pflegen sind, desto besser. Für die Kollegen Webentwickler, die bisher auf Typo3 und anderen Plattformen zu Hause waren, stellt sich nun die Frage, wie man sich Share- Point am besten nähert. Ein Admin-Buch, das tief in das System (inklusive Active Directory, Betriebssystem & Co.) schaut, ist da vermutlich nicht das Optimum. Dieses Buch konzentriert sich eben auf Konzepte, Vorgehensweisen und Lösungen beim Publishing, ohne zu viel allgemeine SharePoint-Technik zu servieren. Die zweite Gruppe von Menschen, die beim Schreiben des Buchs vor meinem geistigen Auge auftauchte, sind die Mitarbeiter von Unternehmen, die sich informieren möchten, wie man die bereits vorhandene oder in Einführung befindliche SharePoint-Plattform auch als Vehikel für Intranet, Extranet und/oder Internet verwenden kann. Dies können sowohl Entscheider als auch Admins oder Entwickler sein. Die dritte Gruppe sind Berater und Entwickler, die ihre Kunden bei der Aufgabenstellung»Publishing mit SharePoint«mit Rat und Tat unterstützen. Dieses Buch setzt voraus, dass die Leserinnen und Leser eine»gewisse Grundvorstellung«von SharePoint haben. Diese kann man sich relativ leicht aneignen, indem man SharePoint einfach installiert und ein wenig»herumspielt«. Wenn Sie sich dann 15

13 Zielgruppe und Aufbau des Buchs die Frage stellen, wie man denn nun Publishing macht, die Optik anpasst, mehrsprachige Szenarien aufbaut und dergleichen mehr, nimmt das Buch Sie an die Hand. Beim Publishing sind viele Aspekte zu beachten, beispielsweise: optische Gestaltung Management der Inhalte Mehrsprachigkeit Authentifizierung (insbesondere dann, wenn es Extranet-Szenarien betrifft) Performance und Skalierbarkeit der Plattform Veröffentlichen von Informationen, die als Word-Dokument vorliegen und auch weiterhin gepflegt werden sollen übersichtliche Navigation Entwicklung von Controls All diese Aspekte werden in diesem Buch behandelt. Zu allgemeinen Fragen der Installation, der Sicherung, der Suche, der Integration in die Active Directory-Umgebung und dergleichen möchte ich auf mein eingangs erwähntes allgemeines SharePoint-Buch verweisen. Übrigens Wenn Sie mein umfassendes Handbuch zu SharePoint gelesen haben, dann werden Ihnen hier in diesem Buch einige Inhalte begegnen, die Sie bereits dort kennengelernt haben. Diese Inhalte, die z.b. technische Grundlagen betreffen, sind allerdings für diejenigen unentbehrlich, die mit der Administration von SharePoint nur selten oder gar nicht in Berührung kommen und für die sich die Anschaffung des allgemeinen SharePoint-Buches deshalb nicht lohnt. Um diesen Lesern ein eigenständiges Buch an die Hand zu geben, mit dem sie sofort loslegen und bei Bedarf auch grundlegende Techniken erlernen können, konnte ich auf Dopplungen mit dem umfassenden Handbuch nicht komplett verzichten. Nur Mut: Die Inhalte, die Sie bereits kennen, können Sie einfach überspringen und direkt in die Inhalte einsteigen, die sich im engen Sinne mit den Themen Publishing, Customizing und Design beschäftigen. 16

14 1 SharePoint Kapitel 1 als Publishing-Plattform 1 quem ad finem sese effrenata iactabit audacia? Dieses Buch beschäftigt sich mit SharePoint als Publishing-Plattform. Zu Beginn erscheint es mir also ganz sinnvoll, einerseits nach dem»warum?«zu fragen; andererseits möchte ich Ihren Blick auf einige Grundlagen lenken. 1.1 Warum SharePoint? Der erste Grund ist natürlich, dass SharePoint nebst der gesamten dahinterstehenden Plattform-Technologie (IIS, Betriebssystem, SQL Server etc.) eine innovative und stabile Plattform ist. Das ist ein gewichtiges Argument, allerdings sind andere Web- Content-Management-Plattformen auch nicht gänzlich ungeeignet oder total rückständig. Daher möchte ich auf zwei Aspekte hinweisen, die ein Alleinstellungsmerkmal der SharePoint-Plattform darstellen zumindest dann, wenn Ihr Unternehmen bzw. Ihre Organisation ohnehin SharePoint für das interne Informations- und Prozessmanagement einsetzt Die prozessorientierte Sicht In der Regel verhält es sich mit dem Weg der Information von der Erstellung bis zur Veröffentlichung so, wie in Abbildung 1.1 gezeigt: Eine Information wird nach dem Erstellen auf dem Dateiserver gespeichert. Ich möchte jetzt gar nicht darüber diskutieren, dass ein Dateiserver die denkbar schlechteste (oder zumindest eine der schlechtesten) Möglichkeiten ist, um Informationen abzulegen (Chaos mit Dateinamen, keine Metadaten, keine Versionierung etc.). Die zu veröffentlichende Information wird dann per einem Genehmiger vorgelegt, der formlos die Anfrage bearbeitet. Als Nächstes gelangt die Information zu dem»veröffentlichungs-beauftragten«, der die Information in das Intranet/Extranet/Internet einstellen soll. Dass dieser»prozess«vorsichtig formuliert ungünstig ist, steht außer Frage. Selbst wenn der Fileserver und das -System durch SharePoint ersetzt würden, bliebe der Medien- und Systembruch zu einem Publishing-System wie etwa Typo3. 17

15 1 SharePoint als Publishing-Plattform Dokument wird erstellt. Dokument wird einem Genehmiger vorgelegt. Fileserver -System Der Internet/Extranet/Intranet-Beauftragte stellt die Information ein. Webserver Abbildung 1.1 Klassischerweise läuft es so Beim Einsatz von SharePoint könnte der Gesamtprozess so wie auf Abbildung 1.2 gezeigt aussehen: Das Bild sollte ohne weitere Erklärung verständlich sein alles läuft innerhalb des SharePoint-Systems. Auch wenn mehrere SharePoint-Farmen (z.b. eine für die interne und eine für die externe Anwendung) eingesetzt werden, ändert das an der grundlegenden Prozessharmonisierung nichts. Erarbeiten des Inhalts Collaboration Genehmigung des Inhalts Workflows SharePoint Enterprise Content Management Publishing Abbildung 1.2 Mit SharePoint gäbe es diesen integrierten Ansatz. 18

16 1.1 Warum SharePoint? Der Prozess kann, wie auf Abbildung 1.3 gezeigt, noch eine weitere Komponente enthalten: Je nachdem, was veröffentlicht wird, könnte es erforderlich sein, dass ein weiterer Workflow läuft, der die veröffentlichten Informationen einer regelmäßigen Prüfung unterzieht. Informationen könnten ein Ablaufdatum enthalten, und der Pate muss die Information neu genehmigen oder aber anpassen und genehmigen. 1 Erarbeiten des Inhalts Collaboration Genehmigung des Inhalts Workflows SharePoint Enterprise Content Management Publishing Workflow zur Überprüfung des Inhalts Abbildung 1.3 Wenn Inhalte regelmäßig überprüft werden müssen, lässt sich das auch bewerkstelligen. Man sollte nicht verschweigen, dass auch mit SharePoint ein wenig Customizing- Arbeit erforderlich ist, bis ein Prozess wie der zuvor skizzierte fertig implementiert ist. Aber: Es geht und bringt die Informationsverarbeitung und -veröffentlichung deutlich voran Die informationsorientierte Sicht Das viel zitierte Unternehmenswissen oder auch die Gesamtheit der Informationen des Unternehmens ist in der heutigen Zeit das eigentliche Kapital eines Unternehmens. Nun ist es aber so, dass die Unternehmen sich im Allgemeinen nicht völlig abschotten, sondern ein Teil des Wissens und der Informationen Externen zugänglich machen. Einige Beispiele: Mit Kunden und Zulieferern werden Daten über Produkte und Technologien ausgetauscht. Partner erhalten Service-Informationen. 19

17 1 SharePoint als Publishing-Plattform Aktionäre werden regelmäßig über die geschäftliche Lage informiert. Die (Fach-)Presse wird regelmäßig mit Pressemitteilungen versorgt. Interessenten sollen sich über Innovationen informieren können. Bewerber erhalten einen Überblick über Karrieremöglichkeiten im Unternehmen. Sie stehen also vor zwei Aufgaben: Sie müssen dafür sorgen, dass das Wissen des Unternehmens aufgeschrieben wird und abrufbar ist. Sie müssen dafür sorgen, dass Partner und die Öffentlichkeit Ausschnitte des Wissens einsehen können. Teilweise tragen diese externen Menschen sogar zur Erweiterung des Unternehmenswissens bei, indem sie Daten bereitstellen, Wissen über Ihre Produkte in Online-Foren stellen und dergleichen mehr. Ich bin der Auffassung, dass man die Begriffe Intranet, Extranet und Internet nicht an der räumlichen Position eines Clients festmachen sollte. Abbildung 1.4 zeigt meinen Ansatz zur Erklärung dieser Begriffe: Im Intranet ist sämtliches Wissen des Unternehmens gespeichert. Nur einem Mitarbeiter wird man Zugriff auf das Intranet gewähren. Da diese Person ja auch Mitarbeiter der Firma ist, wenn sie in einer Kneipe in Casablanca sitzt und mit ihrem Smartphone auf Informationen zugreifen möchte, muss sie Intranetzugriff haben, egal wo sie sich gerade befindet. Selbstverständlich wird eine Person nicht auf das ganze Unternehmenswissen zugreifen können es sei denn, es handelt sich zufällig um den Geschäftsführer. Das Extranet enthält nur einen Teil des Unternehmenswissens, und zwar denjenigen, den Sie mit Ihren Partnern teilen möchten. Das Extranet enthält eine spezielle»untermenge«des gesamten Unternehmenswissens, daher ist es auf der Zeichnung inmitten des viel umfassenderen Intranet-Wissens gezeichnet. Ein Mitarbeiter des Unternehmens (also ein Intranet-Benutzer) mit bestimmten Rechten wird auf die Informationen zugreifen können, die im Extranet vorhanden sind die Darstellung passt also. Ein Benutzer, der auf das Extranet zugreift, wird authentifiziert anonyme Zugriffe auf das Extranet wird es nicht geben. Der öffentliche und für anonyme Benutzer sichtbare Teil des Unternehmenswissens findet sich im Internet. Hier greifen nicht-authentifizierte Benutzer auf ausgewählte Daten zu. Da ein Extranet-Benutzer sich diese öffentlich zugänglichen Dateien auch beschaffen könnte, ist das im Internet verfügbare Wissen eine Untermenge des Extranet-Wissens. 20

18 1.1 Warum SharePoint? Internet: Ein Teil der Informationen wird im Internet öffentlich zugänglich gemacht. Intranet: Gesamtmenge aller Informationen und des gesamten Wissens des Unternehmens 1 Extranet: Dieser Teil der Informationen und des Wissens steht auch für Partner zur Verfügung. Abbildung 1.4 Auch wenn Informationen für unterschiedliche Szenarien benötigt werden, ist die Quelle dennoch die Gesamtheit des Unternehmenswissens. Meine Definition von Intranet, Extranet und Internet ist vielleicht ein wenig ungewohnt. Man kann so aber die Anforderungen, die abgedeckt werden müssen, perfekt erklären: Sie müssen eine Plattform bereitstellen, die es internen Benutzern ermöglicht, Wissen bereitzustellen und Informationen zu finden: Intranet Weiterhin müssen Sie dafür sorgen, dass Partner bestimmte Bereiche Ihres Wissens erhalten und eigenes Wissen beisteuern können: Extranet Anonyme Benutzer (z.b. Interessenten) sollen etwas über Ihr Unternehmen und dessen Leistungsfähigkeit erfahren. Dazu geben Sie ebenfalls einen kleinen Teil Ihres Wissens Preis: Internet Es ist an dieser Stelle wahrscheinlich überflüssig zu erwähnen, dass Sie SharePoint in allen drei Szenarien einsetzen können. In den meisten bestehenden Umgebungen finden sich drei völlig getrennte Plattformen, sodass auch für interne Benutzer kein konsistenter Zugriff auf das Unternehmenswissen möglich ist. Zudem ergibt sich natürlich ein erhöhter Aufwand, wenn drei Systemwelten gepflegt werden müssen. Ich behaupte nicht, dass Sie mit SharePoint diese»wissenspartitionierung«ohne Einrichtungsaufwand realisieren können. SharePoint bietet Ihnen aber die Chance, 21

19 1 SharePoint als Publishing-Plattform ein System aufzubauen, mit dem die Wissensbereitstellung und das Wissensmanagement durchgängig und konsistent erfolgen können egal für welches Szenario. Hinweis zur Erstellung und Veröffentlichung von Informationen Diese Überlegungen haben eine ganz immense Bedeutung für die Auswahl der Publishing-Plattform: Im Grunde genommen bedeutet das, dass es absoluter Irrsinn ist, die Veröffentlichung von Informationen, egal ob im Intranet, Extranet oder Internet, von der Erstellung der Informationen zu trennen. 1.2 Editionen und Publishing SharePoint liegt bekanntlich in mehreren Editionen vor: SharePoint Foundation: Das Nutzungsrecht ist in der Betriebssystemlizenz enthalten, bietet aber»nur«basis-funktionalität. SharePoint Server Standard SharePoint Server Enterprise: Die Enterprise Edition verfügt gegenüber der Standard-Edition über einige zusätzliche Dienstanwendungen. Für ein professionelles Publishing steht ab SharePoint Server die SharePoint Server Veröffentlichungsinfrastruktur, umgangssprachlich auch Publishing Feature genannt, zur Verfügung. In diesem Feature sind letztendlich die benötigten Funktionen enthalten. Anders gesagt: Die SharePoint Foundation-Edition verfügt nicht über das Publishing Feature. Es wäre etwas zu viel gesagt, daraus zu schließen, dass ein vernünftiges Veröffentlichen von Informationen mit der Foundation-Edition nicht möglich wäre. Aber: Wenn es um ein Web Content Management geht, das professionellen Ansprüchen genügen soll, kommen Sie um das Publishing Feature nicht herum. Und damit sprechen wir von der Ausprägung SharePoint Server. 1.3 Die Veröffentlichungsinfrastruktur (Publishing Feature) Seit der SharePoint-Version 2007 hat die Serverversion (also nicht die Foundation) zwei Wurzeln: SharePoint Portal Server 2003 Content Management Server 2002 SharePoint 2003 steuerte in dieser»beziehung«die Wurzeln für den Bereich Zusammenarbeit bei, und vom Content Management Server stammt das Web Content Management, das im Folgenden als WCM bezeichnet wird. 22

20 1.3 Die Veröffentlichungsinfrastruktur (Publishing Feature) Die SharePoint-Kernkomponente für das Web Content Management ist die Veröffentlichungsinfrastruktur. Sie wird in den englischen Versionen als SharePoint Server Publishing Infrastructure bezeichnet kurz und umgangssprachlich Publishing Feature. Dieses Feature steht nicht in der Foundation, sondern erst ab der SharePoint Server Standard-Edition zur Verfügung Webanwendung, Websitesammlung und Vorlagen Wenn Sie die Veröffentlichungsinfrastruktur verwenden möchten, muss zunächst eine Websitesammlung erstellt werden, in der dieses Feature aktiviert ist. Für die Websitesammlung brauchen Sie, sofern nicht schon eine vorhanden ist, zunächst eine Webanwendung. Wie eine solche angelegt wird, ist recht ausführlich nebst einigen Hintergründen in Abschnitt 2.1.2,»Webanwendung«, beschrieben. In die Webanwendung wird dann eine Websitesammlung installiert, die auf einer Vorlage basieren sollte, die bereits das Publishing Feature verwendet. Abbildung 1.5 Anlegen einer Websitesammlung. Auf die Vorlage kommt es an. 23

21 1 SharePoint als Publishing-Plattform Beispiele für solche Vorlagen sind (siehe Abbildung 1.5): Unternehmenswiki: Diese Vorlage ist primär für unternehmensinterne Anwendungen gedacht. Veröffentlichungsportal: Wie der Name sagt, ist diese Vorlage für Veröffentlichungsszenarien gedacht, in denen Collaboration eher eine untergeordnete Rolle spielt. Im Grunde genommen ist die Auswahl der Vorlage kein irreversibler Vorgang. Man kann mit mehr oder weniger großem Aufwand eine Vorlage so»umbauen«, dass sie optisch und funktional einer anderen entspricht. Da niemand sich unnötig viel Arbeit machen möchte/sollte, bietet es sich natürlich an, direkt die am besten passende Vorlage auszuwählen Das Publishing Feature im Schnelldurchlauf Ich möchte Ihnen nun die Erweiterungen vorstellen, die das Publishing Feature mitbringt. Zunächst wäre anzumerken, dass das Publishing Feature ein auf Ebene der Websitesammlung aktivierbares Feature ist. Abbildung 1.6 zeigt einen Auszug aus der Dialogseite Websitesammlungsfeatures. Abbildung 1.6 Das Publishing Feature ist, wie der Name schon sagt, ein Feature, das auf Ebene der Websitesammlung aktiviert wird. Wenn das Publishing Feature aktiviert ist, sind die auf Abbildung 1.7 markierten Dialoge zusätzlich vorhanden. Dies sind insbesondere: Navigation Dialogseiten wie Inhalt und Struktur, die das Management deutlich erleichtern Variationen (für die Mehrsprachigkeit) Neben diesen»offensichtlichen«dialogseiten gibt es diverse weitere Elemente, die durch das Publishing Feature bereitgestellt werden. Auf diese werfen wir nun einen kurzen Blick. 24

22 1.3 Die Veröffentlichungsinfrastruktur (Publishing Feature) 1 Abbildung 1.7 Die Websiteeinstellungen bei aktiviertem Publishing Feature Speicherort für Seiten Inhalte werden auf Seiten bereitgestellt. Diese Seiten müssen natürlich gespeichert werden. Zu diesem Zweck sind in Websites mit aktiviertem Publishing Feature diverse Dokumentbibliotheken vorhanden (siehe Abbildung 1.8): Seiten: Dies ist die Dokumentbibliothek, in der die Seiten bereitgestellt werden. Diese Dokumentbibliothek ist übrigens mehr, als nur eine beliebige Bibliothek, die zufällig Seiten heißt. Das SharePoint-Objektmodell, genauer gesagt der Name- 25

23 1 SharePoint als Publishing-Plattform space Microsoft.SharePoint.Publishing, enthält diverse Klassen, die genau auf diese durch das Publishing Feature angelegte Bibliothek wirken. Bilder: Wie unschwer zu erraten ist, werden hier Bilder gespeichert, die veröffentlicht werden sollen. Dokumente: Hier können Dokumente, beispielsweise für das Smart Client Authoring (siehe das gleichnamige Kapitel 6) gespeichert werden. Einige Bibliotheken sind nur einmal pro Websitesammlung vorhanden, nämlich in der obersten Website der Sammlung. Sie dienen sozusagen als zentraler Speicherort: Dokumente der Websitesammlung Bilder der Websitesammlung Sie können Informationen und Dokumente natürlich auch trotz Publishing Feature in selbst angelegten Dokumentbibliotheken speichern. Wichtig ist nur, dass Seiten in die Seitenbibliothek gehören. Abbildung 1.8 Vorhandene Dokumentbibliotheken mit aktivierter Veröffentlichungsinfrastruktur Zum Vergleich zeigt Abbildung 1.9 eine Website ohne aktiviertes Publishing Feature. Auch hier werden Seiten in einer Dokumentbibliothek gespeichert, diese heißt allerdings Websiteseiten. Neben diesem kleinen Namensunterschied ist die große Dif- 26

24 1.3 Die Veröffentlichungsinfrastruktur (Publishing Feature) ferenz, dass die Websiteseiten-Bibliothek nicht durch die Funktionen des Namespaces Microsoft.SharePoint.Publishing»angereichert«ist. 1 Abbildung 1.9 Ist die Veröffentlichungsinfrastruktur nicht aktiviert, werden die Seiten in dieser Dokumentbibliothek gespeichert. Inhaltstypen und Websitespalten Das Publishing Feature fügt des Weiteren diverse Websitespalten und Inhaltstypen hinzu. Diese werden benötigt, um die Veröffentlichungsprozesse zu steuern. Sie werden im weiteren Verlauf des Buchs hinreichend oft mit den Inhaltstypen konfrontiert werden. (Das soll keine Drohung sein.) Abbildung 1.10 zeigt die hinzugefügten Websitespalten. Abbildung 1.10 Die Websitespalten der Veröffentlichungsinfrastruktur 27

25 1 SharePoint als Publishing-Plattform Bei den Spalten gibt es jetzt nicht allzu viel zu erklären behalten Sie einfach im Hinterkopf, dass es sie gibt. Die hinzugefügten Inhaltstypen sehen Sie in Abbildung Mit diesen werden Sie im weiteren Verlauf aktiv zu tun haben. Bei intensiver Publishing-Arbeit werden Sie nach und nach eigene Inhaltstypen erstellen, die Ihre Publishing-Umgebung verwalten. Ein Anwendungsszenario finden Sie beispielsweise in Abschnitt 5.2.6,»Neue Seitenvorlage nebst Inhaltstypen erstellen (Beispiel)«. Abbildung 1.11 Die Inhaltstypen der Veröffentlichungsinfrastruktur Genehmigen und Veröffentlichen Je nach verwendeter Vorlage sind die Seitenbibliothek und andere Bibliotheken so konfiguriert, wie in Abbildung 1.12 gezeigt: In den Versionierungseinstellungen ist festgelegt, dass mit Haupt- und Nebenversionen gearbeitet wird und dass eine Inhaltsgenehmigung erforderlich ist. Im Klartext bedeutet das, dass jedes neu angelegte Element und jede Änderung an einem Element genehmigt werden muss, bevor sie für alle Benutzer sichtbar ist. Ich werde im Verlauf des Buchs darauf noch häufig hinweisen. Es handelt sich hierbei nicht um eine spezielle Funktion des Publishing Features, sondern»nur«um eine Einstellung. Sie stellt dem unerfahrenen SharePoint-Publishing-Administrator und -Redakteur hin und wieder eine kleine»falle«, weil ein Benutzer mit hohen Rechten alle Anpassungen sieht, während»normale«benutzer eben nur die alten Versionsstände sehen oder aber gar nichts, falls es noch keine veröffentlichte Version eines Elements gibt. Wie gesagt: Eigentlich ist das nichts Publishing-Spezifisches, es gibt aber hin und wieder»irritationen«. 28

26 1.3 Die Veröffentlichungsinfrastruktur (Publishing Feature) 1 Abbildung 1.12 Je nach Vorlage ist die Seitenbibliothek so konfiguriert (Versionierungseinstellungen). 29

27 4 Das Kapitel 4 Erscheinungsbild von SharePoint anpassen 4 Quid proxima, quid superiore nocte egeris, ubi fueris, quos convocaveris, quid consili ceperis, quem nostrum ignorare arbitraries In diesem Kapitel geht es darum, wie man SharePoint so anpasst, dass es eben nicht so aussieht wie SharePoint. In vielen Szenarien, in denen SharePoint ausschließlich für interne Zwecke verwendet wird, genügt es, wenn das Logo des Unternehmens erscheint und die Farben des Unternehmens hier und da dezent auftauchen. Ich habe durchaus auch Kunden, bei denen die optische Anpassung überhaupt keine Rolle spielt und SharePoint vom Erscheinungsbild her so bleibt wie es ist. Gegenteilige Kundensituationen, in denen SharePoint auch bei ausschließlich interner Nutzung bis ins Detail den Design-Standard des Unternehmens umsetzen muss, gibt es natürlich auch. Spätestens in Extranet- und Internet-Szenarien, also wenn unternehmensfremde Menschen auf das System zugreifen, spielt die Umsetzung des Unternehmensdesigns eine große Rolle das ist ja auch verständlich. Da ist es dann mit Logo-Einfügen und einigen Farbanpassungen nicht mehr getan, sondern das gesamte Layout muss umgekrempelt werden. Grundsätzlich ist das auch kein Problem, ein wenig Zeit und Know-how sind aber schon erforderlich. Auf der Dialogseite Websiteeinstellungen findet sich eine Rubrik Aussehen und Verhalten das hört sich ja gar nicht so ganz verkehrt hat: Abbildung 4.1 zeigt die Optionen, die in einer Websitesammlung mit aktivierter Publishing-Infrastruktur zur Verfügung stehen. Da es das Publishing-Feature nur auf dem SharePoint Server gibt, kann es so niemals in einer Websitesammlung aussehen, die auf SharePoint Federation läuft. Einen Screenshot von einer SharePoint Federation-Websitesammlung sehen Sie in Abbildung 4.2. Ähnlich, aber im Detail anders. 105

28 4 Das Erscheinungsbild von SharePoint anpassen Abbildung 4.1 Die Rubrik»Aussehen und Verhalten«der Websiteeinstellungen auf einem SharePoint Server mit aktivierter Publishing-Infrastruktur Abbildung 4.2 Die Rubrik in der SharePoint Foundation ähnlich, aber nicht gleich. Die auf den ersten Blick ersichtlichen Unterschiede zwischen Server (mit aktiviertem Publishing-Feature) und Federation sind: Auf dem Server gibt es die Einstellmöglichkeit einer Willkommensseite. Dies ist die Seite, die gezeigt wird, wenn die Website ohne Angabe einer speziellen Seite aufgerufen wird. Bei der Foundation wird immer dieselbe Seite aufgerufen. Im SharePoint Server kann eine Gestaltungsvorlage ausgewählt werden. Im Klartext geht es um das Festlegen der zu verwendeten Masterseite. Die SharePoint Foundation verwendet immer die default.master, folglich ist ein Konfigurationsdialog nicht erforderlich. Anstatt des Menüpunkts Navigation gibt es in der Federation die Optionen Schnellstart (konfiguriert die aktuelle Navigation, also das Menü auf der linken Seite) und Leiste für häufig verwendete Hyperlinks (das ist das globale Menü, das oberhalb des Inhalts horizontal angeordnet wird). Das hört sich zunächst eher kosmetisch an, allerdings bietet SharePoint Server deutlich umfangreichere Möglichkeiten bei der automatischen Ermittlung der Struktur. Das ist recht ausführlich in Kapitel 8,»Menü und Navigation«, beschrieben. In den Dialogen selbst gibt es durchaus auch noch Unterschiede: So gibt es beispielsweise in der Konfiguration des Websitedesigns (insbesondere bei der Konfiguration von Farben) bei der SharePoint Foundation nicht die Möglichkeit, die Vererbung zwischen über- und untergeordneter Website zu konfigurieren. Die Foundation kennt bei der Gestaltung schlicht und ergreifend keinerlei Vererbung. Die Gestaltung mit Farben und Formen (also Layouts) ist in der SharePoint Foundation genauso möglich wie auf dem Server, sodass es bei der eigentlichen optischen 106

29 4.1 Farben Umsetzung keine signifikanten Unterschiede gibt. In der Handhabung macht das auf dem SharePoint Server vorhandene Publishing-Feature dann aber schon einen Unterschied, sodass für professionelles Publishing die»große Version«Pflicht ist. Wenn Sie Ihre auf SharePoint Foundation basierende hausinterne Zusammenarbeitsplattform der CI des Unternehmens angleichen möchten, ist das natürlich möglich Farben Die einfachste Möglichkeit der Anpassung von SharePoint an das Unternehmensdesign ist die Anpassung des farblichen Erscheinungsbilds. Es gibt dafür eine Dialogseite, die Sie über den Menüpunkt Websitedesign finden (siehe Abbildung 4.1 und Abbildung 4.2) Designvorlagen nutzen Abbildung 4.3 zeigt den Dialog zur Auswahl des Websitedesigns auf SharePoint Server mit aktiviertem Publishing-Feature. Im Mittelpunkt steht die Auswahl eines Designs; ungefähr zwanzig sind standardmäßig vorhanden. Über die Schaltfläche Vorschau kann man ein Fenster öffnen, das die jeweilige Homepage der Website in dem gewählten Design zeigt. Einige Designs sind von der Farbwahl her durchaus geschmackvoll. Bei der Mehrheit der Designs kommt aber der Verdacht auf, dass der zuständige Programmierer vollkommen farbenblind ist oder gerade mit seiner fünfjährigen Tochter einen Prinzessin-Lillifee-Filmabend (dort ist alles rosa) hinter sich gebracht hat. Wahrscheinlich aus Mitleid hat man die Möglichkeit eingebaut, eine Farbe auswählen zu können. So kann für zwölf Kategorien eine Farbe ausgewählt werden. Der Auswahldialog ist in Abbildung 4.4 gezeigt. Dort können Sie auch direkt einen Farbcode eintragen. Mit diesen zwölf Auswahlmöglichkeiten bekommt man bei Weitem nicht jedes Detail richtig eingefärbt für eine erste grobe Annäherung an die Farbwelt des Unternehmens genügt es aber. Da man auch eine Schriftart auswählen kann, ist das alles schon gar nicht so schlecht. Nicht vorhandene Schriftarten werden im Browser ggf. ersetzt Falls Sie damit rechnen müssen, dass Benutzer mit älteren Windows-Maschinen oder Fremdbetriebssystemen (wie MacOS, ios, Android-Tablets und dergleichen) auf die zu gestaltende SharePoint-Website zugreifen, müssen Sie bedenken, dass dort vermutlich nicht alle Schriften vorhanden sind, die eine aktuelle Windows-Version enthält. In so einem Fall wählt der Browser seine Standardschrift und das Ergebnis sieht im schlimmsten Fall bescheiden, im besten Fall anders aus. 107

30 4 Das Erscheinungsbild von SharePoint anpassen Wenn die Standardschrift Ihres Unternehmens ein»exot«ist, wird im Design- Manual vermutlich eine gängige Alternativschrift verzeichnet sein, die dann hoffentlich auf allen Plattformen vorhanden ist. Ein durchaus interessanter Aspekt sind die Vererbungen: Man kann einstellen, dass die Website das Design von der übergeordneten Website übernimmt (Design erben, 1). Weiterhin kann festgelegt werden, dass dieses Design auch auf untergeordnete Websites angewendet wird (Design anwenden, 2). Abbildung 4.3 Sie können ein Design auswählen und auch anpassen. Weiterhin können Sie die Vererbung festlegen. 108

31 4.1 Farben 4 Abbildung 4.4 Farben können mit diesem Dialog ausgewählt werden. Wenn Sie mit dem, was Sie in Abbildung 4.3 gesehen haben, eigentlich glücklich werden könnten, aber die SharePoint Foundation einsetzen, gibt es schlechte Neuigkeiten: Wie Abbildung 4.5 zeigt, ist der Dialog in der Foundation deutlich reduziert: Es ist keine individuelle Festlegung von Farben möglich. Es ist keine Festlegung von Schriftarten möglich. Es gibt keine Vererbung. Im Klartext bedeutet das, dass Sie ein Problem haben, wenn Ihr Unternehmen nicht zufällig mit der Graf-Dracula- oder Prinzessin-Lillifee-Optik der vorhandenen Designs glücklich wird. Abbildung 4.5 Die Dialogseite ist bei der SharePoint Foundation deutlich reduziert. 109

32 4 Das Erscheinungsbild von SharePoint anpassen Design (Theme) erstellen Es gehört nicht viel Fantasie dazu, vorauszusagen, dass Sie sich bald mit der Frage befassen werden, wie ein eigenes Design entwickelt wird. Falls Sie sich bereits mit Visual Studio gegen XML-Dokumente kämpfen sehen, können Sie sich entspannt zurücklehnen: Es geht nämlich sehr komfortabel und zwar mit PowerPoint. In diesem Fall ist PowerPoint 2010 das Werkzeug der Wahl. Das Programm ist in der Lage, die erforderlichen.thmx-dateien zu erzeugen. Die Vorgehensweise ist geradezu verblüffend simpel: 1. Erstellen Sie eine neue PowerPoint-Präsentation. 2. Wechseln Sie zur Ribbon-Registerkarte Entwurf. 3. Hinter dem Eintrag Farben verbirgt sich ein Dropdown-Menü mit diversen fertigen Farbdesigns. Sie können eines davon auswählen oder aber mit dem Entwurf eines neuen beginnen (siehe Neue Designfarben erstellen in Abbildung 4.6). 4. Der Dialog zum Erstellen eines neuen Designs ist in Abbildung 4.7 zu sehen. Bei genauem Beobachten wird Ihnen auffallen, dass die Kategorien, denen eine Farbe zugewiesen wird, dieselben wie in SharePoint Server sind (siehe Abbildung 4.3). Abbildung 4.6 In PowerPoint sind diverse Designs vorhanden. Hier ist auch Ihr Ausgangspunkt für das Erstellen eines neuen Designs. 110

33 4.1 Farben 4 Abbildung 4.7 So wird ein neues Design erstellt. Wenn Sie Ihr Design fertiggestellt haben, können Sie es speichern. Sie wählen dazu ganz normal die Speichern-Option von PowerPoint und entscheiden sich für den Typ Office-Design es entsteht eine.thmx-datei (siehe Abbildung 4.8). Abbildung 4.8 Speichern Sie das Design als».thmx«-datei. 111

34 4 Das Erscheinungsbild von SharePoint anpassen Das THMX-Dateiformat ist, genauso wie die übrigen neuen Dateiformate, im Grunde genommen ein ZIP-Archiv, in dem diverse XML-Dateien liegen. Wer sich mit dem Office Open XML-Format beschäftigt hat, der wird sich einigermaßen heimisch fühlen. Anzumerken wäre, dass Sie neben der Farbgebung auch den Schrifttyp wechseln können. Nun stellt sich noch die Frage, wie man das Design in das SharePoint-System bekommt. Sie navigieren dazu in die Websiteeinstellungen und wählen dort die Galerie Designs (siehe Abbildung 4.9). Abbildung 4.9 In den Websiteeinstellungen geht es hier zum Katalog der Designs. Da die Galerien im Grunde genommen auch»nur«dokumentbibliotheken sind, hält die Design-Galerie keine Überraschungen bereit. Es ist eben eine Dokumentbibliothek, in der ein ganzes Bündel.thmx-Dateien liegt (siehe Abbildung 4.9). Um nun das neu erstellte Design hinzuzufügen, wählen Sie den entsprechenden Link (Pfeil), laden die Datei hoch und sind fertig! Sie werden es kaum für möglich halten, aber mehr ist nicht zu tun (siehe Abbildung 4.10). Zeit für einen kleinen Test: Im Dialog zur Auswahl des Websitedesigns taucht das frisch hinzugefügte Design auf und kann ausgewählt werden. Abbildung 4.11 zeigt Ihnen übrigens den Dialog aus der SharePoint Foundation. Diese ist ja mit Gestaltungsmöglichkeiten per Weboberfläche eher sparsam (sprich: da geht gar nichts), aber das ohne viel Mühe erstellte Design wird akzeptiert. Somit können Sie also auch für eine Foundation-Installation einfach eine an den Firmenstandard angelehnte Farbgebung erzeugen. 112

35 4.1 Farben 4 Abbildung 4.10 Der Designkatalog Abbildung 4.11 Das neue Design kann ausgewählt werden hier in der SharePoint Foundation. 113

36 4 Das Erscheinungsbild von SharePoint anpassen 4.2 CSS und SharePoint SharePoint verwendet, wie eigentlich nicht anders zu erwarten, CSS für das Styling der Oberfläche. Wenn Sie mehr anpassen möchten, als mit den eher»grob gestrickten«designs aus dem vorherigen Abschnitt möglich ist, müssen oder können Sie (je nach Sichtweise) mittels CSS wirklich alles verändern. Die Kehrseite der Medaille ist, dass CSS in SharePoint durchaus ein umfangreiches Thema ist Wo kommen die CSS-Styles her? Die Frage»Wo kommen die CSS-Styles her?«kann, wie in jeder Website, recht einfach mit einem Blick in das an den Browser ausgelieferte Dokument beantwortet werden: Abbildung 4.12 zeigt die Situation beim Unternehmens-Wiki des SharePoint Servers. Fünf CSS-Dateien werden hier geladen. In Abbildung 4.13 sehen Sie zum Vergleich den Quelltext, den die SharePoint Foundation ausliefert. Offenkundig kommt die Foundation mit zwei CSS-Dateien aus. Abbildung 4.12 Die geladenen CSS-Dateien bei einem SharePoint Server-Unternehmenswiki Abbildung 4.13 SharePoint Foundation lädt diese zwei Dateien. Sowohl in der Foundation als auch beim Server wird die corev4.css geladen. Dies ist ein guter Moment, um sich diese Datei ein wenig genauer anzuschauen. Die aufgerufene Datei liegt im Dateisystem des SharePoint Servers, genauer gesagt im Verzeichnis C:\Program Files\Common Files\Microsoft Shared\Web Server Extensions\14\TEMPLATE\ LAYOUTS\1031\STYLES\Themable. Die corev4.css-dateien im Verzeichnis \Themable und diejenigen, die eine Ebene höher liegen, sind übrigens identisch. Im Grunde genommen ist die corev4.css eine normale CSS-Datei. Was sie ein wenig speziell und besonders macht, ist ihr Umfang: Zeilen sind für eine CSS-Datei schon ganz ordentlich (siehe Abbildung 4.14). Bei der Beschäftigung mit der Datei wird Ihnen auffallen, dass Microsoft diesmal auch komplexere Selektoren verwendet (im Vergleich zur core.css in SharePoint 3.0/2007). Die corev4.css ist und das kann man mit Bestimmtheit sagen die»haupt-css- Datei«, was aber nicht bedeutet, dass es erstens nicht auch standardmäßig andere 114

37 4.2 CSS und SharePoint CSS-Dateien gibt (siehe Abbildung 4.12) und dass man zweitens nicht auch beliebig viele eigene CSS-Files einbinden kann. Fazit: Trotz einer gewissen Sonderstellung ist alles wie auch bei»normalen«websites. 4 Abbildung 4.14 Die corev4.css ist mit Zeilen eine der komplexeren CSS-Dateien dieser Welt 4.2.2»corev4.css«anpassen Da die meisten Anpassungen Eigenschaften in der corev4.css betreffen dürften, könnte man versucht sein, Einstellungen direkt in dieser Datei zu ändern. Würden Sie mit einem Texteditor die corev4.css im Dateisystem öffnen und anpassen, würde das natürlich funktionieren. Trotzdem wird jeder SharePoint-Experte Ihnen dringend davon abraten. Einige Gründe: Wenn Sie die corev4.css im Dateisystem ändern würden, betreffen diese Anpassungen sämtliche Websitecollections. Gut, das muss nicht zwingend ein Nachteil sein, es muss aber zumindest bedacht werden. Falls Microsoft an der corev4.css etwas ändert, beispielsweise im Rahmen eines Service Packs die Datei überschreibt, würden Ihre Änderungen überschrieben. Es gilt als Grundregel, nicht die Standarddateien zu überschreiben. Wenn Sie in diesem Buch geblättert haben, wird Ihnen aufgefallen sein, dass ich auch nie die v4.master oder andere Standarddateien modifiziere, sondern sie brav kopiere. SharePoint 2010 und SharePoint Designer bieten ein ziemlich bequemes Feature, das ich Ihnen gern vorführen möchte. Ein Blick in die an den Browser ausgelieferten Seiten zeigt, dass die corev4.css-datei für den Browser unter dieser URL zu finden ist: /_layouts/1031/styles/themable/ corev4.css. Das ist in Abbildung 4.12 und Abbildung 4.13 zu sehen. 115

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