SPäckDrumELF. Bauboom in Zürich-Affoltern. Gestern und heute

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1 SPäckDrumELF Gestern und heute Bauboom in Zürich-Affoltern Affoltern erlebt derzeit einen eigentlichen Bauboom. Dies nicht zum ersten Mal in seiner jüngeren Geschichte wurde Affoltern in die Stadt Zürich eingemeindet und gehörte fortan zum neu geschaffenen Kreis 11. In den Jahren zuvor hatte sich Affoltern deutlich langsamer entwickelt als seine Nachbarn Seebach und Oerlikon. Dies war vor allem darin begründet, dass Affoltern verkehrsmässig schlecht erschlossen war. Oerlikon wurde 1855/1856 an die Nordostbahnlinie Zürich-Romanshorn angeschlossen und 1897 wurde die Tramlinie Zürich (Central) Oerlikon Seebach in Betrieb genommen, was den Dörfern jenseits des Milchbucks zu einem Entwicklungsschub verhalf. Affoltern erhielt zwar auch bereits im Jahr 1877 einen Bahnhof. Da aber die Nationalbahn, welche den Bahnhof erbaut hatte vier Monate nach der Bahnhofseinweihung bankrott ging, wurde die Furttallinie bis zu ihrer Übernahme durch die SBB 1902 praktisch stillgelegt richtete die Stadt Zürich dann einen Busbetrieb zum Zehntenhausplatz ein, auf den Anschluss ans städtische Tramnetz warten die Affoltermer und Affoltermerinnen aber bis heute. Gerade weil Affoltern weniger entwickelt war als Oerlikon oder Seebach, dürften die Wohnungs- und Grundstückpreise deutlich niedriger gewesen sein, was zu einer Zuwanderung von einkommensschwachen Schichten führte. Dies wiederum belastete die Gemeindekasse so stark, dass man als Ausweg nur noch die Integration in Oerlikon oder in die Stadt Zürich sah. So kam es 1934 zur Eingemeindung von Affoltern. 1942, also mitten im zweiten Weltkrieg, begann in der Stadt Zürich eine zweite grosse Welle des genossenschaftlichen Wohnungsbaus, die 1948 mit über 2000 neuen Wohnungen ihren Höhepunkt erreichte. Davon profitierte auch Affoltern. Bis 1950 entstanden insgesamt 14 grössere und kleinere «Kolonien», die das Siedlungsbild von Affoltern bis heute prägen. In den 60er Jahren wurden in Affoltern schliesslich die ersten Hochhäuser gebaut, welche das Dorfbild stark veränderten. Zwischen 1941 und 1970 entwickelte sich Affoltern so rasant, dass sich die Wohnbevölkerung in dieser Zeit mehr als verfünffacht, nämlich von 3300 Einwohnern und Einwohnerinnen auf im Jahr 1970! Angesichts der hohen Geburtenrate der meist jungen Bevölkerung wurde der Bau neuer Schulhäuser notwendig. So erbaute die Stadt Zürich zwischen 1948 und 1959 nicht weniger als fünf neue Schulanlagen im Quartier. Während die Gesamtbevölkerung der Stadt stetig abgenommen hat, ist sie in Affoltern seit 1970 stabil geblieben. Im Jahr 2000 wurden Einwohner und Einwohnerinnen gezählt. Nun steht also ein weiterer Entwicklungsschub an. Affoltern verfügt über riesige Baulandreserven: Insgesamt sind Kapazitäten für 3500 Wohnungen vorhanden, was einer Kleinstadt mit Einwohnern entspricht. Die Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner wird im Verlauf der nächsten Jahre voraussichtlich um etwa 4800 Personen zunehmen. Dann werden in Affoltern um die Menschen wohnen. Allein im Ruggächern sind auf dem m 2 grossen Areal zwischen der Eisenbahnlinie und Mühlackerstrasse der Bau von rund 1300 Editorial Neu-Oerlikon, Zürich-West und Sihlcity sind allgemein bekannt. Viele verfolgen deren Entwicklung und staunen, wie sich diese ehemaligen Industrieareale verändern. Gleichzeitig nimmt kaum jemand zur Kenntnis, dass in Affoltern im Moment am meisten Wohnungen gebaut werden. Dieses SPäckDrumELF widmen wir deshalb dem Quartier Affoltern, um unsere Mitglieder über die Veränderungen zu informieren und sie zu ermuntern, die neuen Entwicklungsgebiete bei einem Quartierrundgang kennen zu lernen. Gleichzeitig überreichen wir den neuen Bewohnerinnen und Bewohner unsere Sektionszeitung und möchten sie damit im Kreis 11 willkommen heissen. Die SP11 begrüsst die Entwicklung in Affoltern und wir freuen uns auf die neuen BewohnerInnen. Wir sehen den Wandel als Chance und Bereicherung. Neue BewohnerInnen bringen neue Ideen und Impulse ins Quartier. Dabei sind wir uns bewusst, dass dieser Wandel auch eine grosse Herausforderung ist. Die Infrastruktur muss frühzeitig für die wachsende Bevölkerung ausgebaut werden, wie beispielsweise der öffentliche Verkehr oder genügend Schulraum. Wir von der SP11 werden die Entwicklung aufmerksam beobachten und uns dafür einsetzen, dass auch in den neuen Quartieren in Affoltern die Rahmenbedingungen für Zürichs hohe Lebensqualität geschaffen werden. ew/ms SPäckDrumELF September 2007 Postfach, 8050 Zürich, Postkonto

2 2 SPäckDrumELF September 2007 Wohnungen samt Schule und Parkanlagen vorgesehen. Die Bautätigkeit wird im Rahmen des gesetzlich vorgeschriebenen Quartierplanverfahrens vom Amt für Städtebau der Stadt Zürich begleitet. So wird eine Balance zwischen den wirtschaftlichen Interessen, den gesellschaftlichen Anliegen und der Schonung der Umwelt gewährleistet und dafür gesorgt, dass die rasante Entwicklung nicht auf Kosten der Lebensqualität der Einwohner und Einwohnerinnen von Affoltern geschieht. Die ersten Erfahrungen stimmen zuversichtlich, dass die Entwicklung positiv verlaufen wird und auf dem ehemaligen Industrieareal, aber auch in den übrigen Baugebieten in Affoltern lebendige Quartiere mit vielen Freiflächen und hoher Wohnqualität entstehen. ms Impressum Redaktion: Heidi Egger (he) Lucia Tozzi (lt) Patrick Zanolla (pz) Marie Schurr (ms) Esther Weibel (ew) Herausgeberin: SP11, Postfach, 8050 Zürich, / Inserate: Affoltern: Verkehr bewegt! Praktische Lösungen gewünscht «Verkehr in Affoltern» hat am 18. Januar dieses Jahres mehr als 350 Affoltemer und Affoltermerinnen in den Kronenhof gelockt. Der Bauboom in Affoltern wird von den einen begrüsst und von den anderen mit Unsicherheit verfolgt. Die einen befürchten noch mehr Verkehr im Quartier und insbesondere auf der Wehntalerstrasse. Es wird auch befürchtet, dass die Busse im zunehmenden Verkehr noch langsamer vorwärts kommen. Wegen übervollen Bussen werden ein noch engerer Takt und der Einsatz von Doppelgelenkbussen auf der Linie 32 verlangt. Der 15 Minuten Takt auf der S-Bahn-Linie wird sehnlichst gewünscht. Leider muss man sich noch mindestens bis 2013 gedulden, wenn die neue Durchmesserlinie die nötigen Kapazitäten zwischen Oerlikon und dem Hauptbahnhof bringt. Für das Neubau-Quartier auf der anderen Seite der Bahnlinie interessierte vor allem was die VBZ zu bieten hat. Die Angaben waren eher diffus und wenig ausgegoren. Die VBZ will vor allem zuerst einmal zuwarten. Ausserdem soll der Bus 62 neu in die Mühlackerstrasse verlegt werden, ohne klare Perspektiven als Ersatz für den Bereich Unteraffoltern. Dies hat im Nachgang zu einer Petition von Betroffen für die Beibehaltung der bisherigen Linienführung geführt. Eine Verbesserung der Verbindung der beiden Quartiere Affoltern und Seebach mit dem öffentlichen Verkehr wird ebenfalls gewünscht. Die Idee der VBZ den Bus 29 von der Glaubten über die Fronwaldstrasse nach Unteraffoltern zu verlängern scheitert vorerst wegen der zu häufig und zu lange geschlossenen Bahnschranke. Eine Busbrücke ähnlich der Himmeribrücke in Seebach, die auch für Fussgänger und Radfahrer offen ist, ist angedacht. Ein nicht unwesentlicher Teil der Ver- Erscheint 2x jährlich: Februar und September. Auflage 1500 Stück. Layout und Satz: Heidi Egger Druck:

3 SPäckDrumELF September Inseratepreise Preise für zweimaliges Erscheinen im Februar und Oktober. 190 x 254,00 mm Fr x 124,50 mm Fr x 59,75 mm Fr x 254,00 mm Fr x 124,50 mm Fr x 59,75 mm Fr x 254,00 mm Fr x 124,50 mm Fr x 59,75 mm Fr. 30. sammlungsteilnehmer bemängelten die häufig geschlossenen Bahnschranken. Die Staus für den Individualverkehr sind scheinbar für viele unerträglich. In Zukunft werden wegen dem zunehmenden Bahnverkehr noch längere Staus und Wartezeiten befürchtet. Dass Unter- oder Überführungen nicht nur Vorteile haben, da diese mehr Individualverkehr und vor allem Schleichverkehr verursachen, wurde richtigerweise auch festgestellt. Martin Waser hat eine Studie versprochen über dieses Problem und allfällige Lösungsansätze. Der Quartierverein bleibt mit dem Thema Verkehr und den anderen Fragen am Ball und hat eine Diskussionsplattform «Wir-in-Affoltern» geschaffen. Eine stattliche Gruppe von engagierten Vertretern aus dem Quartier hat im Juni die Verkehrsdiskussion vertieft. Einhellig wird die Verbesserung des öffentlichen Verkehrs gefordert. Alle neuen Quartierteile sollen mit der VBZ gut erschlossen werden. Dem Vernehmen nach will die VBZ im Herbst ein neues Buskonzept vorstellen. Für mich eher überraschend wurden zwar die Staus an den Bahnschranken bemängelt da sie auch die Busse behindern aber niemand verlangte den Bau einer Unter- oder Überführung! Wohl in weiser Einsicht vor der drohenden Verkehrslawine. Für weitere lange Diskussionen ist gesorgt, aber hoffentlich mit guten Ergebnissen. Hans Jörg Käppeli, Gemeinderat Verein Kulturbahnhof Affoltern Vom Bahnhof nach KuBaA KuBaA steht seit dem 16. März 2003 für die Idee in der kulturellen Wüste Zürich-Affolterns eine möglichst vielseitige und abwechslungsreiche Oase zu erschaffen. Ein Ort also, an dem sich junge und jetzt auch junggebliebene AffoltemerInnen zum Zwecke des kulturellen Austausches treffen. Eineinhalb Jahre nach unserem Entschluss und der damit zusammenhängenden Vereinsgründung konnte der «Alte Bahnhof Affoltern» von der SBB im Rahmen einer Zwischennutzung übernommen werden. Ein Jahrzehnt nach seiner Schliessung war das denkmalgeschützte Gebäude in einem zweifelhaften Zustand und es stand fest, dass bevor an eine Aufnahme des Betriebes gedacht werden konnte, einiges in Umbauarbeiten investiert werden musste. Handwerker zu engagieren konnten wir uns nicht leisten und die einzige Alternative dazu bestand darin, selber Hand anzulegen. So wurde die Wartehalle zur Vereinsbar umgebaut und aus der Schalterhalle entstand ein Konzertraum mit einer kleinen Bühne. Am 16. Oktober 2004 war es dann soweit und die Pforten zum KuBaA Kultur Bahnhof Affoltern konnten zum ersten Mal geöffnet werden. Seither fanden Konzerte statt, Lesungen wurden gehalten, die EM, respektive die WM übertragen, Jassund Jöggeliturniere ausgetragen und der Umbau immer wieder vorangetrieben. Nebst diesen zahlreichen Events, dürfen wir mittlerweile auch auf regelmässige Anlässe verweisen, von denen die meisten monatlich stattfinden. So Briefschaften Broschüren Bücher Kataloge Plakate Prospekte Bereit für anspruchsvolle Druckaufträge treffen sich in der «Oldiesbar» am letzten Donnerstag jedes Monates die älteren Semester von Affoltern zur allmonatlichen Jungkur. Die Brett- und Kartenspielfanatiker gastieren dementsprechend jeweils am letzten Samstag. Eine Ausnahme dazu stellt die KuBar dar, welche jeden Dienstag geöffnet hat. Grundsätzlich sind solche Anlässe jedem zugänglich und wir freuen uns stets über neue Gesichter. Unser Ziel ist es jedoch nicht bloss die Möglichkeit zu schaffen sich gemeinsam am Gebotenen zu erfreuen, sondern wir verstehen uns ebenso als Plattform, welche den Raum bietet, eigene Ideen umzusetzen. Damit sind ebenso Vorschläge für Anlässe, wie die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung gemeint. Wir freuen uns über Personen mit Ideen jedwelcher Natur und sind gerne bereit, unerfahrene oder jüngere Personen in der Umsetzung zu unterstützen. Ausserdem verfügt das KuBaA über ein Obergeschoss, dass in Ateliers aufgeteilt, von verschiedenen Künstler für ihre Arbeiten genutzt wird. Aktuell befinden wir uns erneut in einer Umbauphase. Diese wurde einerseits deshalb nötig, damit das Gebäude auch offiziell umgenutzt werden kann und andererseits damit wir unseren Betrieb weiterhin optimiert können. Auch gewisse Kleingeister dürfen getrost als Initiatoren dieses Umbaus genannt werden. Im 2004 wurde dem KuBaA ausserdem der Young-Caritas-Award verliehen (www.youngcaritas.ch). Weitere Infos finden Sie auf KuBaA die Druckerei Flurstrasse Zürich Fon

4 4 SPäckDrumELF September 2007 Entstehungsgeschichte der Genossenschaftsbewegung und der ABZ Bau- und Wohngenossenschaften in Zürich 1893 wurden 12 Vororte eingemeindet und die Stadt wuchs damit wesentlich über die mittelalterliche Kernstadt hinaus ins Umland. Im gleichen Zeitraum wurden die ersten Fabriken in Zürich gebaut. Diese beiden Ereignisse führten zu einem starken Zustrom der Bevölkerung. Im Jahr 1900 zählte die Stadt schon EinwohnerInnen, zehn Jahre später gegen Die Hochkonjunktur löste eine rege Bautätigkeit aus, verbunden mit einer wilden Bodenspekulation. Es wurden in dieser Zeit zwar viele Wohnungen gebaut. Die Mieten waren jedoch so teuer, dass sich die Arbeiterinnen und Arbeiter diese nicht leisten konnten. Die ärmeren Leute lebten unter beengten und hygienisch untragbaren Verhältnissen. Sie litten daher oft an Tuberkulose oder anderen schweren Krankheiten. In dieser Zeit tauchte die Wohnfrage zum ersten Mal als soziale Frage auf. Es waren vor allem Eisenbahner, die zu Pionieren der Bau- und Wohngenossenschaftsbewegung wurden. Da sie aus beruflichen Gründen öfters umziehen mussten, hatten sie unter der Wohnungsnot besonders zu leiden. Geschichte der ABZ Die ABZ wurde am 30. Juli 1916, mitten im ersten Weltkrieg, gegründet. Die 15 Gründungsmitglieder, davon eine Frau, stammten ebenfalls aus dem Eisenbahnermilieu. Die ABZ war aber die erste Genossenschaft, die Wohnraum für alle Menschen zur Verfügung stellen wollte und nicht nur für eine bestimmte Berufsgruppe. Deshalb der Name «Allgemeine Baugenossenschaft Zürich». Die erste und lange Zeit einzige Frau im Vorstand der ABZ hiess Dora Staudinger. Sie war eine Ideologin, die ihr Engagement nicht auf die Erstellung von günstigem Wohnraum beschränkte. Der folgende Satz veranschaulicht ihre Einstellung: «Die Genossenschaft baut nicht nur Wohnungen, sie baut mit an einer neuen, besseren Menschengemeinschaft, in der einer den anderen nicht bekämpfen und übervorteilen muss, sondern hilft und fördert.» Das Gründungskapital betrug 375 Franken. Mit einem Beitrag von Fr. 25. konnte man Mitglied bei der ABZ werden. Da viele nicht über so viel Geld verfügten, konnte das Darlehen in monatlichen Beiträgen von zwanzig Rappen abgestottert werden. Deshalb nannte man die ABZ damals auch den Zwänzgerli-Verein. Bereits 1919 zählte die ABZ 1900 Mitglieder, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt noch keine Wohnsiedlung realisiert hatte. Dies zeigt, wie viele Leute sich mit dieser Bewegung solidarisch und mit der Idee verbunden fühlten. Obwohl es klar war, dass für so viele Menschen in absehbarer Zeit nicht genügen günstiger Wohnraum zur Verfügung gestellt werden konnte. Zwischen 1921 und 1936 erstellte die ABZ 1557 Wohnungen in 29 Siedlungen. Die ABZ ist wie die meisten in dieser Zeit entstandenen Genossenschaften mit der Arbeiterbewegung verbunden. Sie ist jedoch politisch neutral. Lange Zeit war es aber ein ungeschriebenes Gesetz, dass für eine Wohnungszusage ein Engagement in der Arbeiterbewegung (Partei, Gewerkschaften, Genossenschaften) vorausgesetzt wurde. Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich Ohne das Engagement der Stadt Zürich wäre die Entwicklung der Baugenossenschaften nicht in diesem Ausmass möglich gewesen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Baugenossenschaften und der Stadt Zürich feiert dieses Jahr das 100jährige Jubiläum beschlossen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger den Bau der ersten städtischen Wohnsiedlung an der Limmatstrasse verfasste die Stadt Zürich die «Grundsätze betreffend der Unterstützung gemeinnütziger Baugenossenschaften». Darin sah die Stadt folgende Punkte vor: Verkauf von Baugelände oder Bestellung von Baurechten Gewährung von Darlehen auf die zweite Hypothek zu mässigem Zinsfuss Übernahme von Anteilscheinen und Genossenschaftskapital

5 SPäckDrumELF September Diese Richtlinien erwiesen sich als zu wenig griffig und wurden im Jahre 1924 erweitert. Der gemeinnützige Wohnungsbau spielte im Zürich der Zwischenkriegszeit, nicht zuletzt unter dem Einfluss einer sozialdemokratischen Mehrheit in der Stadtregierung (rotes Zürich), eine zentrale Rolle. Heute zählt jede vierte Wohnung zum genossenschaftlichen oder kommunalen Wohnungsbau oder sie gehört einer Stiftung. Zirka Menschen profitieren dadurch von günstigen Mieten. Bei diesen Wohnungen werden nur die effektiven Kosten verrechnet (Kostenmiete). Sie sind daher zirka ein Fünftel günstiger als auf dem freien Wohnungsmarkt. Dadurch ist es auch Menschen mit kleinem Einkommen möglich, in der Stadt Zürich zu wohnen. Dies ist ein unschätzbarer Wert für die Stadt und ihre BewohnerInnen, dem wir auch in Zukunft Sorge tragen und möglichst noch ausbauen müssen. Die ABZ heute Die ABZ ist mit zirka 4200 Wohnungen die grösste Baugenossenschaft in der Schweiz. Neu kommen nun die beiden Siedlungen Ruggächern mit 278 und Wolfswinkel mit 179 Wohnungen in Affoltern dazu. Mit der modernen Architektur beweist die ABZ, dass sie sich auch in diesem Bereich weiterentwickelt und Neues wagt. Beide Siedlungen sind im Minergie-Standard gebaut und entsprechen den neusten ökologischen Kriterien. Die abwechslungsreiche Gestaltung der Aussenräume und die sorgfältige Auswahl der Mieterschaft sind wichtige Voraussetzungen für ein gutes, nachbarschaftliches Zusammenleben. ew Leopold Bachmann Stiftung 515 Wohnungen auf dem CeCe Areal Neben der Siedlung Ruggächern der ABZ wurde eine zweite Überbauung bereits ihren Mietern und Mieterinnen übergeben. Auf dem m 2 grossen Areal der ehemaligen Cece-Graphitwerke sind 515 Wohnungen entstanden. Investoren sind jeweils der Rüschliker Bauunternehmer Leopold Bachmann und die Leopold Bachmann Stiftung, welche verschiedene Hilfsprojekte vor allem für Kinder unterstützt. Leopold Bachmann erstellt seit Jahren günstigen Wohnraum, wobei er in Zürich Nord kein unbekannter ist. So hat er 63 Wohnungen im Eichrain, 100 Wohnungen in der Auwiesen, 140 Wohnungen an der Neunbrunnenstrasse und 110 Wohnungen am Bahnhof Seebach erstellt. Sehr bekannt sind die bunten «Sugus-Häuser» auf dem Röntgenareal beim Zürcher Hauptbahnhof, welche ebenfalls von Leopold Bachmann und seiner Stiftung erbaut wurden. Gelegentlich wird aber auch Kritik laut: Er baue viel zu schnell und folglich qualitativ schlecht. Schnell gebaut wurde auch in Zürich-Affoltern: Von der Grundsteinlegung bis zum Bezug der drei neungeschossigen Bauten dauerte es gerade mal ein Jahr. Offensichtlich entsprechen die Wohnungen auf dem CeCe-Areal auch einem Bedürfnis, denn 80% der Wohnungen waren innert kürzester Zeit vermietet, wobei vor allem die sehr grossen und die kleinen Wohnungen schnell Abnehmer fanden. Anders als bei den Wohnungen der Genossenschaft ABZ liegt der Anteil der Familienwohnungen mit 30% relativ tief. Das Bauprojekt hatte beim Baugesuch im Jahr 2004 für einige Aufregung gesorgt. Dies deshalb, weil die drei langen Gebäude je neun Stockwerke hoch sind und befürchtet wurde, es entstehe ein Ghetto. Tatsächlich sind die neungeschossigen Gebäuderiegel etwas gewöhnungsbedürftig. Die Gebäudeanordnung sorgt aber dafür, dass zwischen den Gebäuden trotz der Bahnlinie und der stark befahrenen Wehntalerstrasse ein weiter, abgeschirmter Raum entstanden ist, wo die Bewohner und Bewohnerinnen verweilen können und verschiedene Spielplätze für die Kinder eingerichtet wurden. Da gemäss Bericht der Fachstelle Stadtentwicklung ausserdem auf eine gute Durchmischung von Nationalitäten und sozialen Schichten geachtet wurde, dürften die Ängste vor einer «Ghettoisierung» unbegründet sein. ms

6 6 SPäckDrumELF September 2007 Siedlung Ruggächern Nicht nur für junge Familien Bereits im März 2007 sind die ersten neuen BewohnerInnen in Affoltern eingezogen und zwar in die Siedlung Ruggächern (Gauger-Areal). Diese gehört, wie die Siedlung Wolfswinkel, der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich (ABZ). Bis im September 2007 werden alle Wohnungen bezogen sein. Trotz der Höhe und der städtischen Dichte der Häuser wirkt die Siedlung luftig und grosszügig. Dies wird auch durch die ansprechende und abwechslungsreiche Gestaltung des Aussenraumes gefördert. Die städtische Gestaltung ist vielleicht der Grund, dass auffällig viele junge, urbane Menschen in die Siedlung einziehen. Schon heute wirkt die Siedlung mit den vielen Kindern und der buntgemischten Mieterschaft einladend und lebendig. Die beiden Siedlungsplätze mit den Gemeinschaftsräumen und dem Petanque-Platz laden die BewohnerInnen zum Verweilen ein. Die Waschsalons ohne Waschplan funktionieren gut und fördern ebenfalls die Begegnungen zwischen den BewohnerInnen. Es wohnen hier viele junge Familien, die sich Berufstätigkeit und Haushalt teilen. Die eingemietete Krippe in der Siedlung entspricht daher einem grossen Bedürfnis und die siedlungsinterne Nachfrage ist dementsprechend gross. Von den neuen BewohnerInnen gibt es viel Lob für die Siedlung und die Wohnungen. Die Häuser sind nach Minergie-Standard gebaut und sehr gut isoliert. Wenn die Fenster geschlossen sind, hört man die Güterzüge kaum. Auch im Haus wirkt die Isolation sehr gut, so dass sich die Nachbarn gegenseitig nicht stören. Damit ist ein häufiger Konfliktpunkt in bisherigen Siedlungen, der Lärm, wesentlich entschärft. Lob und Anregungen der neuen BewohnerInnen In Gesprächen mit bisherigen BewohnerInnen wurde die gute Verkehrsanbindung gelobt. Ebenso wird das Naherholungsgebiet mit den beiden Katzenseen sehr geschätzt. Positiv erwähnt wird auch die gute Durchmischung der Bewohnerschaft. In der Siedlung leben Menschen mit unterschiedlichem sozialem und kulturellem Hintergrund und mehrere Generationen zusammen. Dies bedingt gegenseitiges Verständnis und einen respektvollen und toleranten Umgang miteinander. Wenn das Zusammenleben auf dieser Grundlage gelingt, wird es für alle Beteiligten zu einer grossen Bereicherung. Eine Mieterin würde es begrüssen, wenn die Migros am Abend länger geöffnet wäre, damit auch die vielen Berufstätigen noch genügend Zeit für ihren Einkauf haben. Gerne würde sie auch gewisse Produkte direkt bei den ansässigen Bauern kaufen. Mehrere BewohnerInnen wünschen sich in Affoltern einen Ort, wo man sich unkompliziert treffen kann. Es wäre schön, wenn in Affoltern in den nächsten Jahren neben dem Kulturbahnhof Affoltern (KuBaA) noch weitere Treffpunkte entstünden. Es gibt bereits eine Gruppe von Affolterinnen und Affoltern, die verschiedene Ideen zum Zehntenhaus entwickelt haben. Dies wäre ein guter Ort für kulturelle Aktivitäten und unkomplizierte Begegnungen. Wir von der SP11 sind gespannt wie sich Affoltern in den nächsten Jahren auch in diesem Bereich entwickeln wird und werden hier gerne auch unseren Beitrag leisten. ew

7 SPäckDrumELF September retro SPektive was vor 60 Jahren im Kreis 11 schon aktuell war. Zukunft...

8 8 SPäckDrumELF September 2007 Das Neumitglied Anna Stahel Liebe Anna. Seit kurzem wohnst du in Affoltern. Von welchem Stadtteil bist du weggezogen und weshalb? Wir haben in Wipkingen gewohnt in einer eher kleinen Dreizimmer-Wohnung. Mein Mann und ich suchten eine grössere Wohnung. Mein Mann ist Inder und wenn seine Familie zu Besuch ist, ist es schön, mehr Platz zu haben. Ebenfalls für unser Baby, das im September zur Welt kommen wird. Grössere Wohnungen sind im Stadtzentrum meistens zu teuer. So haben wir uns mit dem Gedanken an den Stadtrand zu ziehen befasst und uns für Affoltern entschieden. Und fühlt ihr euch wohl? Nun, ich bin in Oerlikon aufgewachsen, habe hier die Kanti gemacht. Es gefällt mir, wieder hier zu sein. Wir haben uns erstaunlich schnell an unser neues Quartier gewöhnt und empfinden keine Nachtrauer. Dies liegt wohl auch daran, dass unsere Wohnqualität hoch ist. Die ABZ Genossenschaftswohnungen sind sehr gut gebaut, man merkt auch, dass der ABZ das Wohlbefinden der BewohnerInnen wichtig ist. Dies kommt auch bspw. in der Umgebungsgestaltung zur Geltung. Was sind die Hauptunterschiede zu Wipkingen? Wipkingen ist sehr zentral aber auch viel lärmiger als Affoltern. Von Affoltern ist man sehr schnell in der Natur und im Naherholungsgebiet. Ausserdem ist das Stadtzentrum mit der S- Bahn gut und schnell erreichbar. Mit dem Bus ist es allerdings eher etwas mühsam. Was machst du beruflich, Anna? Ich bin Primarlehrerin in Zürich Oberstrass und unterrichte zurzeit eine 6. Klasse. Und seit wann bist du SP-Mitglied? In die SP eingetreten bin ich im Januar Ich habe schon längere Zeit über einen Beitritt nachgedacht; der konkrete Auslöser war aber die Abstimmung zum Asyl- und Ausländergesetz im September Nachdem das Gesetz angenommen wurde, habe ich meinen Entscheid gefällt. Da mein Mann Ausländer ist, fühlte ich mich sehr betroffen. Wo hast du deinen Mann kennen gelernt? In Zürich, damals war er Doktorand an der ETH. Wie stehst du zum Thema Integration? Integration geschieht sicherlich in erster Linie über die Sprache und die Arbeit. Mein Mann hat Deutsch gelernt. Auch war es für ihn klar, so schnell wie möglich eine Arbeit zu finden. Hätte das nicht geklappt, wäre er nicht in der Schweiz geblieben. Was hast du für Erwartungen an die SP11? Ich finde die SP11 sollte sich für Anliegen im Quartier einsetzen. Das heisst, die Bedürfnisse der QuartierbewohnerInnen abholen, und so die Bevölkerung einbinden. Die SP11 soll auch sicherstellen, dass die verkehrsruhige Situation im Quartier beibehalten wird. Weiter sollte die Sektion der Link zur Kantonal Partei und zur SP Schweiz sein und an den MV auch nationale Themen aufgreifen und behandeln. Interview lt 3-SP-Treffen 9. November 2007 Im Rahmen der Jubiläumsfeier 100 Jahre SP Rümlang Einladung folgt Wirkungsvolle Kommunikation spart Zeit und Nerven Entdecken Sie die Methode der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg, und entwickeln Sie Wege... Synergien in der Arbeitswelt und im Privaten zu nutzen... Ihre Kommunikation effektiv und konstruktiv zu gestalten... mit Ärger und Konflikten konstruktiv umzugehen Nächstes Einführungsseminar: 15. und 16. November 2007 Nächster Aufbaukurs «Konflikte meistern, Systeme gestalten»: 6. und 7. Dezember 2007 Weitere Informationen und Anmeldung: Franklinstrasse 7, 8050 Zürich, T , F

9 SPäckDrumELF September Die grösste Ofenhalle der CeCe-Graphitwerke wird saniert Treffpunkt für QuartierbewohnerInnen Nicht alles ist neu im Ruggächern. Eine der Ofenhallen der ehemaligen CeceGraphit Fabrik wurde unter Denkmalschutz gestellt und wird derzeit saniert. Die CeCe Graphit-Werke AG produzierte wie bereits der Name sagt von 1917 bis 1990 künstlichen Graphit, welcher unter anderem für Bleistiftminen verwendet wurde. Bei der Halle, welche derzeit in Stand gestellt wird, handelt es sich um die grösste der ehemaligen Fabrikationshallen, welche 1944 erbaut worden war. Währen der langen Zeit des Leerstandes wurde die Halle zum beliebten Treffpunkt für Sprayer, was ihr in den Reihen der Graphitikünstler einige Berühmtheit weit über die Grenzen von Zürich hinaus einbrachte. Im Quartier selbst wurde der Leerstand und der damit einhergehende Zerfall mit zunehmender Besorgnis beobachtet. Die Denkmalpflege setzte sich für den Erhalt der Halle ein, weil sie nicht nur ein wichtiger Zeuge der industriellen Vergangenheit Affolterns ist, sondern auch der schweizerischen Industriegeschichte. Die neue Eigentümerschaft verpflichtete sich die Halle, welche eine Fläche von 4500 m 2 aufweist, zu erhalten und zu sanieren. Die übrigen Bauwerke mussten der neuen Wohnsiedlung weichen. Mit der Sanierung wird der alte Hallenzustand wiederhergestellt. Da sich die Halle in einem schlechten Zustand befand, müsste jedoch wohl eher von einem Wiederaufbau gesprochen werden. Vor allem die Dachkonstruktion hatte in den Jahren des Leerstandes gelitten und musste aus Holz komplett neu erstellt werden. Die jetzige Konstruktion entspricht dabei genau der ursprünglichen. Auch vom Gesamtbild wird die Halle weitestgehend den Originalplänen des Zürcher Architekten Otto Gschwind entsprechen. Die Kosten für die Instandstellung müssen die neuen Eigentümer also Leopold Bachmann und die Leopold Bachmann Stiftung tragen. Allerdings unterstützt die Stadt die fachgerechte Instandstellung der denkmalpflegerisch wichtigen Teile mit Subventionen. Aus der Sicht des Quartiers lohnt sich die Instandstellung der Halle auf jeden Fall. Es entsteht dort eine so genannte «Haus-im-Haus» Nutzung, was bedeutet, dass verschiedene Nutzer in abgeschlossene Boxen innerhalb der renovierten Ofenhalle einziehen werden. Als Mieter bereits bekannt sind ein Lebensmittelgeschäft, das Zentrum Elch und die Arche. Ausserdem sollen siedlungsinterne Nutzungen ihren Platz in der Halle finden. Sicher ist, dass der Erhalt der Halle als Zeugin der Quartiervergangenheit sich nicht nur aus architektonischer und städtebaulicher Sicht lohnt, sondern auch einen grossen Gewinn für das Quartierleben mit sich bringen wird. ms Annamarie Elmer Gemeinderätin SP 11 S Passt. S Passt nöd. S Passt: Am Morgen ohne Wecker aufstehen; ein gemütliches Frühstück am Sonntagmorgen; Zeitung lesen; Wanderungen mit Peter; Sitzungen die pünktlich beginnen; spannende Debatten im Gemeinderat; ein «Schieber» mit Freunden; lange Reisen in ferne Länder; ein schöner Grillabend; ein positiver Steuerbescheid; Feuerwerk am Züri Fäscht; Sommerferien; Schwimmen im Katzensee; Leben in Affoltern; Sonntagsspaziergänge über die Waid. S Passt nöd: Am Morgen früh aufstehen; ein schlecht gelaunter Chef; Samstagseinkauf bei dem alle drängeln; Hungersnot in der Welt; Kinderarbeit für billige Produkte; mediengeile Politiker; überfüllte Busse am Abend; Fernsehsendungen mit zu viel Werbung dazwischen; ein muffiger Kühlschrank; geizige Leute.

10 10 SPäckDrumELF September 2007 Strassennamen im Gebiet Ruggächern Wer ist Nettie Sutro? Im Jahr 2001 gelangte der Quartierverein Zürich-Affoltern mit dem Begehren an die Strassenbenennungskommission, in der geplanten Überbauung Ruggächer zwei verdiente Persönlichkeiten aus dem Quartier bei der Vergabe von Strassennamen zu berücksichtigen, und zwar Hans Rudolf Weidmann und Emil Spillmann. Auch die Allgemeine Baugenossenschaft (ABZ), welche auf dem Areal 280 Genossenschaftswohnungen erstellt, bat darum, Dora Staudinger mit einem Strassennamen zu ehren. Der Strassenbenennungskommission war es ausserdem ein Anliegen, im Quartier Affoltern, das seit mehr als 150 Jahren sehr stark von Migrationsbewegungen geprägt ist, dass Thema Zu- und Auswanderung sowie Pionierleistungen in den Strassennamen aufzugreifen. Dora Staudinger Gemeinsam mit dem Quartierverein Zürich-Affoltern und der ABZ wurde ein Benennungskonzept erarbeitet. In der Folge beschloss der Stadtrat von Zürich folgende Persönlichkeiten mit einem Strassennamen zu ehren: «Emil-Spillmann-Weg» Emil Spillmann ( ) war von 1947 bis 1978 Pfarrer in der reformierten Kirchgemeinde Zürich-Affoltern. Er war initiativer und kreativer Leiter der Sonntagsschule Zürich- Affoltern sowie Autor und Herausgeber der Ortsgeschichte «Zürich-Affoltern. Seine Geschichte.» (1951, 1979). Er leistete aktive Mitarbeit in den Ortsvereinen. Der Emil Spillmann ist ein Fussweg entlang der Bahnlinie. Strassen zwischen der Mühlackerstrasse (bestehend) und dem Emil- Spillmann-Weg (von Ost nach West): «Dora-Staudinger-Strasse» Dora Staudinger ( ) nahm in den 1920er Jahren als erste Frau im Vorstand der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich (ABZ) Einsitz und setzte sich stark für das Genossenschaftswesen, für den sozialen Wohnungsbau sowie für Frauenfragen ein. Sie war auch publizistisch tätig und Mitglied der Partei der Arbeit (PdA). «Nettie-Sutro-Strasse» Nettie Sutro ( ) war Philosophin und Soziologin. Sie erlangte an der Universität Bern den Doktortitel in Geschichte. Sie war Mitbegründerin des 1933 gegründeten Schweizer Hilfswerks für Emigrantenkinder (SHEK), welches sie von 1935 bis 1947 leitete. Mitglied der Sachverständigenkommission für Flüchtlingsfragen des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements. «Weidmannstrasse» Die Familie Weidmann aus Affoltern, nämlich Hans Ulrich und Dorothea Weidmann und drei Kinder, wanderte am 11. Februar 1847 nach Nordamerika (Virginia) aus. Hans Rudolf Weidmann ( ). Reallehrer und Pädagoge. Von 1964 bis 1981 Präsident des Quartiervereins Zürich-Affoltern. Initiator und aktiver Förderer verschiedener Institutionen im Quartier wie Alterssiedlung, Gemeinschaftszentrum u.a., Gemeinderat von 1965 bis «Heinrich-Wolff-Strasse» Heinrich Wolff ( ). Von 1815 bis 1854 Pfarrer in Affoltern. Bezirksschulpfleger, aktiver Förderer der Schulpflicht. Dekan Verfasser einer Beschreibung der Gemeinde Affoltern im Jahr Heinrich Wolff gelang es, nach vielen konfliktreichen Jahren wieder Ruhe ins kirchliche Leben Affolterns zu bringen. «Michael-Maggi-Strasse» Michael Maggi ( ) war von Beruf Müller. Er wanderte 1828 von Monza (Lombardei) in die Schweiz ein und liess sich in Affoltern nieder und wurde als Neubürger aufgenommen. Er erwarb 1839 das Bürgerrecht von Frauenfeld. Er übernahm 1861 die Mühle von Kemptthal, welche von durch seinen Sohn Julius zum Fabrikkomplex der Firma Maggi erweitert wurde. «Cäsar-Ritz-Strasse» Cäsar Ritz ( ). Hotelier. In Niederwald, Kanton Wallis, geborener Sohn einer Bergbauernfamilie. Ein beruflich ungemein erfolgreicher Schweizer Auswanderer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zog mit 17 Jahren nach Paris, wo er als Kellnerlehrling seine Laufbahn im Gastgewerbe begann. Leitete als Direktor des Hotels «National» in Luzern erstmals ein Luxushotel Kauf zweier Nobelhotels in Baden-Baden. Gekrönte Häupter wurden seine Gäste. Weitere grosse Hotels wurden ihm zur Leitung angeboten: «Savoy» in London, «Grand-Hôtel» in Rom u.v.a. Bau und Eröffnung des «Ritz» in Paris (1897/98) waren der Höhepunkt seiner Karriere. Nach zwei psychischen Zusammenbrüchen in den Jahren 1902 und 1903 lebte Ritz während zwölf Jahren in Heilanstalten und starb 1918 in Küssnacht a. R. Quelle: Medienmitteilung des Stadtrates vom 5. Oktober 2005 ms/ew

11 SPäckDrumELF September Die neuen BewohnerInnen in Affoltern Umfrage zur Vermietung Anfang Jahr hat die Stadt Zürich bei den Vermietern von vier Wohnsiedlungen, die im Laufe dieses Jahres ganz oder teilweise bezogen werden, eine Umfrage* gemacht. Es betrifft dies die Siedlungen Aspholz-Nord, Ruggächern Gauger-Areal, Ruggächern Cece-Areal und Wolfswinkel. Nachfolgend können Sie einige interessante Erkenntnisse daraus entnehmen. In diesen vier erwähnten Siedlungen stehen insgesamt 1105 Wohnungen zur Verfügung. Zwei Drittel der neuen BewohnerInnen sind aus der Stadt Zürich zugezogen. Zirka die Hälfte davon wohnte vorher schon in den Kreisen 11 und 12. Drei der vier Siedlungen bieten vor allem grosse Familienwohnungen an. Ausnahme ist Leopold Bachmann mit der Siedlung Cece-Areal, wo es nur zirka 30% Wohnungen mit mindestens 4 1 /2-Zimmer hat. Entgegen dem Wohnungsmix wurden aber in allen Siedlungen die kleinen Wohnungen schneller vermietet als die grossen. Die Mietzinse gehen weit auseinander. So kostet eine 4 1 /2-Zimmerwohnung in der Siedlung Wolfswinkel durchschnittlich Fr und in der Siedlung Aspholz Fr Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Siedlung Wolfswinkel der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich (ABZ) gehört. Wie alle gemeinnützigen Bauträger berechnet die ABZ den Mietzins aufgrund der Kosten, die für die Erstellung und Erhaltung der Wohnungen aufgewendet werden. Man spricht daher auch von Kostenmiete. Mit der Vermietung der Wohnungen wird kein Gewinn angestrebt. Deshalb sind die Mietzinse bei den gemeinnützigen Bauträgern (Genossenschaften, Stiftungen, städtische Liegenschaften) durchschnittlich um einen Viertel günstiger als auf dem freien Wohnungsmarkt. Alle Vermieter achten bei der Vermietung auf eine ausgewogene soziale und Nationalitäten-Durchmischung bei der Bewohnerschaft. Trotzdem gehört offenbar die Mieterschaft in der günstigsten Siedlung Wolfswinkel zu den besser Verdienenden und in der teuersten Siedlung Aspholz ziehen eher Leute mit kleinem Portemonnaie ein. Das Mobilitätsverhalten der zukünftigen Mieterschaft wurde ebenfalls befragt. So wird es in der Siedlung Wolfswinkel am meisten «autofreie» Haushalte geben. Die Siedlung Aspholz präsentiert sich dagegen als ideale Autosiedlung mit fast direktem Autobahnanschluss und zieht entsprechend «auto-orientierte» BewohnerInnen an. *Neubausiedlungen in Affoltern, Befragung zur Vermietung bei 2007 fertig erstellten Siedlungen. Herausgeberin: Stadtentwicklung Zürich ew Führung durch die Baugebiete im Herbst 2006

12 12 SPäckDrumELF September 2007 Krimi-Tipp Kalteis Der Fall des arischen Triebtäters Es war die Krimisensation des letzten Jahres: Andrea Maria Schenkels Krimierstling «Tannöd» wurde von Kritik und Publikum gefeiert und mit Preisen unter anderem dem Deutschen Krimipreis 2007 überhäuft. Nun legt die Autorin ihren zweiten Roman vor, in dem sie wiederum einen historisch belegten Fall aufrollt. Der Bahnangestellte und Familienvater Johann Eichhorn brachte zwischen 1934 und 1939 in den Wäldern um München vier oder sogar fünf? Frauen auf bestialische Weise um. Eichhorn wurde 1939 hingerichtet, und da es keine «arischen Triebtäter» geben durfte, hielt man seinen Fall streng geheim. Obwohl man den Mörder, dem die Autorin den Namen Kalteis gibt, von Anfang an kennt, kreist sie ihn und seinen Taten in einem raffinierten Kaleidoskop von Stimmen und Berichten ein, fügt in knapper, mitleidsloser, mit viel Lokalkolorit angehauchter Sprache ein Puzzleteil ans nächste. Daneben zeichnet sie mit Figur der jungen Kathie, die in der Hoffnung, Arbeit zu finden, nach München zieht auch ein beklemmendes Bild von Armut und Hoffnungslosigkeit in den frühen Dreissigerjahren. «Kalteis» knarrt zwar etwas in der Konstruktion und reicht deshalb nicht ganz an Schenkels ersten Roman heran, trotzdem ist ihr auch diesmal ein ungewöhnlicher und packender Krimi gelungen. Andrea Maria Schenkel, KALTEIS, Edition Nautilus, Seiten, Fr Daniel Schnurrenberger Wichtige Adressen der SP 11 Vorstand Marie Schurr Neunbrunnenstrasse Zürich Präsidium Lucia Tozzi Rousseaustrasse Zürich Kasse Otto Hänseler Affolternstrasse Zürich Protokoll Heidi Egger alte Mühlackerstrasse Zürich Gustav Hintsch Köschenrütistrasse Zürich Peter Schädelin Azurstrasse Zürich Anita Ulrich Asternweg Zürich Michel Urben Neudorfstrasse Zürich Esther Weibel Horensteinstrasse Zürich Emanuel Wyler Friedheimstrasse Zürich Kantonsrat Hartmuth Attenhofer Katzenbachweg Zürich Silvia Seiz-Gut Kügeliloostrasse Zürich Gemeinderat Marianne Dubs Früh Wannenholzstrasse Zürich Annamarie Elmer Lück Horensteinstrasse Zürich Hans Jörg Käppeli Birchstrasse Zürich Kyriakos Papageorgiou Regensbergstrasse Zürich Peter Stähli-Barth Kirchenackerweg Zürich Esther Weibel Horensteinstrasse Zürich Schulpflege Rosemarie Binggeli Immenweg Zürich Evelyne Angermeier Anton-Higistrasse Zürich

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