Folien zum Referat von Prof. Dr. Hans-Jürgen Kerner Direktor des Instituts für Kriminologie der Universität Tübingen

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1 Paulus-Akademie Zürich Fachtagung Strafe am Folien zum Referat von Prof. Dr. Hans-Jürgen Kerner Direktor des Instituts für Kriminologie der Universität Tübingen

2 Was hilft wirklich, Straftaten und Rückfälle zu vermeiden? Empirisch-kriminologische ii hk i i i h Befunde zur Kriminalitätsprävention Konzentriert auf strafende Reaktionen (Androhung, Verhängung, Verbüßung) Ferner konzentriert auf Befunde zu jungen Menschen

3 Die Skala möglicher Antworten t auf Straftaten Jugendlicher und Gedanken über deren mögliche Wirkungen Nichtreaktion Reaktion Sanktion Bestrafung

4 Bedeutung des ersten Teils der Überschrift der vorigen Folie: Es ist wichtig, eine breite Palette von in ihrer Intensität und Ausrichtung gestuften Antworten Antworten in den (forschenden) Blick zu nehmen, um sowohl differenzierte als auch haltbare und am Ende praxisrelevante Ergebnisse zu erhalten.

5 Bedeutung des zweiten Teils der Überschrift: Das doppelte möglich = mögliche Antworten t und mögliche Wirkungen: * Menschen als Individuen sowie *biographische Einflüsse und Verläufe sowie * sozialpsycho- logische und sozioökonomische i Einflüsse mit sozialem Wandel. sind alle schon einzeln komplex und in ihrer stets dynamischen Interaktion noch viel komplexer.

6 Folge dieser zentralen Gegebenheiten: * Verlässliche Ergebnisse sind schon an sich nur schwer zu erhalten. * Zeitliches bzw. Zeitbedingtes von Überdauerndem bzw. stabil Gültigem zu unterscheiden ist ebenfalls schwer. * Gutes Geld ld für gute und dd. h. vor allem langfristige i sowie wiederholte und repräsentative empirische Studien zu erhalten ist (in den meisten Ländern) außerordentlich schwer.

7 Wit Weitere Folge Fl eben bezüglich ülihvon Forschungsergebnissen: * Einzelbefunde sind wichtig (und durchaus wie durchweg als Herausforderung für Wiederholung bzw. Absicherung zu betrachten). *M Man darf sie aber nicht htüberbewerten b oder vorschnell verallgemeinern. * Internationale Vergleiche helfen bei der Einordnung auch für das eigene Land.

8 In ein Dichterwort gekleidet: Stets äußert sich der Weise leise, vorsichtig und bedingungsweise (Wilhelm Busch)

9 Näher zum Thema und zur Sache Beispiele der Möglichkeit und dem Sinn der Nichtreaktion : Beispiel Schule und Spicken : Der Lehrer, der das faktisch Gesehene je nach Situation offiziell sieht oder nicht sieht. Beispiel Eltern, die nur positives Verhalten ihres Kindes für das Kind merkbar wahrnehmen. Beispiel Polizei, die Streife geht oder fährt und gut sichtbar konkludent ankündigt, dass sie ggf. etwas von Amts wegen sehen könnte.

10 Verhaltensgeltung von Normen: Die meisten Menschen verhalten sich die meiste Zeit sozusagen von selbst normgerecht infolge gelungener g Sozialisation einschließlich Moralbildung = Verhaltensgeltung von Normen. Sektorale wie situative Abweichung ist stets möglich, kommt in Abständen auch faktisch vor, bleibt aber insgesamt eingehegt eingehegt. Jede Störung der Sozialisation / Moralbildung ist geeignet, das Zeitbudget in Richtung auf Abweichung zu verschieben, d. h. gefährdet die Betroffenen, Anreizen verstärkt zu erliegen. Verhaltensnormen sind von daher gesehen Regeln, die gesetzt werden, um in bestimmten t Lebensbereichen b dem ggf. unterschiedlich h starken und steten t Anreiz zur Abweichung plakativ ein symbolisches Verbotsschild entgegen zu setzen, also die Verhaltensgeltung zu stabilisieren.

11 Sanktionsgeltung von Normen Sanktionen sollen den Verboten (Geboten) Nachdruck verleihen, sie damit als weiterhin gültig und wichtig bestärken = Sanktionsgeltung. Dies impliziert nicht eine sofortige und vollständige Wirksamkeit qua Verhaltensänderung der Sanktionierten oder der Dritten, die davon erfahren. In Anlehnung an ein Diktum Niklas Luhmanns pointierend i dformuliert: (Sanktionierte) i )Normen sind kontrafaktisch stabilisierte Verhaltenserwartungen.

12 Lerntheoretisches zum Thema der Nichtreaktion Normen können durch zu häufige Betonung überstrapaziert und damit in ihrer Wirkung beeinträchtigt i werden: Gewöhnung/Abstumpfung Für strafende Sanktionen gilt das noch viel stärker: Wenn alles bestraft wird und alle bestraft werden, fühle ich mich wohl unter der Mehrheit der Meinesgleichen. Gefahr: Verstärkung des Negativen durch die selektive Belohnung mit Aufmerksamkeit. Ansonsten: Vermeidenlernen statt Verlernen durch Bestrafung des Negativen.

13 Sicheres Wissen bei Delinquenz? Wenig (lerntheoretisch fundierte) Forschung. Bei Hellfeldphänomenen ld im Strafrecht: Echte Nichtreaktion ist prinzipiell nicht möglich, es läuft schon immer ein Verfahren ab Anzeige oder Wahrnehmung von Amts wegen. Es bleibt die nächste Stufe: Reaktion als Sanktion (folgende Folie).

14 Rektion als Sanktion: Psychologisch- kriminologisch betrachtet Stichwort: Sanktion durch Verfahren. Insbesondere: Lerntheoretisch h relevante sinnliche Erfahrung bei dem/der Jugendlichen durch Reiz-Reaktionskette = Schnell nach der Tat einsetzende Vernehmung durch (vor allem) die Polizei oder/und ddiagnostische i /helfende Betreuung durch die Jugend(gerichts)hilfe.

15 Nichtstun nach Jugendkriminalität? Erlebbares Reagieren ist bereits Tun. Intensive persönlich zugewandte Ansprache Ansprache setzt Haken bei den jungen Menschen. Von dem Nutzen der generellen hintergründigen hintergründigen Einstellung der Geduld/Unaufgeregtheit gegenüber dem Massenphänomen kleinerer Kriminalität (auch) bei Jugendlichen einerseits, aber: Von der pädagogischen g Gefahr der Verharmlosung im Umgang mit individuellen Tätern andererseits.

16 Absehen von der Verfolgung bzw. Einstellung des Verfahrens bei nicht erheblichen Alltagstaten Vom Nutzen eines Absehens nach pädagogisch optimierter Belehrung bzw. Benachrichtigung gder Jugendlichen selbst oder ihrer Eltern. Von der Gefahr bürokratisch angeleiteter standardisierter Formschreiben. Realität bei der Polizei, der Jugendhilfe, der Staatsanwaltschaften und den Jugendgerichten? In Deutschland allgemein? Häuser des Jugendrechts? In der Schweiz?

17 Unbedingter Bedarf für Strafe zur Abhaltung oder Abschreckung bei erheblicheren Taten oder Erziehungsproblemen? Vom guten praktischen Sinn des 45 Absatz 2 D- JGG: Verzicht auf jugendkriminal-rechtliche Reaktion (ggf. selbst bei Verbrechen), wenn vorgängige vorgängige Instanzen hinreichend erzieherisch reagiert haben, und auch kein überschießender Bedarf nach Ahndung der Tat bestehen bleibt. Ergänzende Lehren aus der Perceptual-Deterrence - Forschung?

18 Jüngste wissenschaftliche Synthese aus bisherigen Studien / Ergebnissen: Meta-Evaluation der Effektivität von Abschreckung durch Strafe im Vergleich zu anderen Maßnahmen bzw. Faktoren, die nach Straftaten eine Rolle spielen (können). Rund 700 nach identischen Regeln ausgewertete empirische Studien aus vielen Staaten. Dölling / Entorf / Hermann / Rupp 2009

19 Rangfolge der Faktoren, die Einfluss auf das Unterlassen neuer Straftaten haben (in Auswahl): Surveys Rang 1: Erwartete Wahrscheinlichkeit, dass im engeren sozialen Umfeld informell negative Reaktionen/Sanktionen erfolgen werden. Rang 2: Erwartete Wahrscheinlichkeit, dass eine Sanktion durch die Justiz erfolgen wird. Rang 3: Erwartete t Entdeckungswahrscheinlichkeit h hk it durch (vor allem) die Polizei.

20 Fortsetzung der Rangfolge bei Surveys: Rang 4: Erwartete Schwere einer möglichen strafrechtlichen Sanktion. Rang 5: Erwartete Schwere einer möglichen informellen Sanktion im engeren Umfeld.

21 Das Ergebnis von experimentellen Studien: Rang 1: Entdeckungswahrscheinlichkeit - Variation bei Laborexperimenten. Rang 2: Strafschwere - Variation in Laborexperimenten. Rang 3: Entdeckungswahrscheinlichkeit Variation in Feldexperimenten. Rang 4: Strafschwere Variation in Feldexperimenten.

22 Betrachtung der Reaktionen der Justiz auf Delinquenz und Kriminalität in Deutschland Befunde aus den Geschäftsstatistiken bzw. der Strafverfolgungsstatistik. f t ti tik Entwicklung über die Zeit und g Querschnittsvergleiche.

23 Entwicklung der Diversion über die Zeit Diversion = Ableitung/Umleitung vom förmlichen Sanktionieren. Befunde nach dem Konstanzer Inventar zur Sanktionsforschung(KIS:Wolfgang Heinz).

24

25 Von der ungleichen Anwendung der Diversion in den Bundesländern Befunde nach dem Konstanzer Inventar

26 Diversionsraten im Jugendstrafrecht nach Ländern, 2006: 45 und 47 JGG bezogen auf alle informell und formell Sanktionierte Saarland Bayern Niedersachsen Nordrhein-Westfalen Rheinland-Pfalz Baden-Württemberg Hessen Schleswig-Holstein Sachsen Thüringen Berlin Brandenburg Mecklenburg-Vorpommern Hamburg Bremen (Quelle: KIS, Heinz) Prozentwerte (nach Rang-Anteilen durchweg, hier nicht ausgewiesen : 1= 45 I, II, 2 = 45 III, 3 = 47 JGG)

27 Wirken sich die Unterschiede aus? Ergebnisse einer empirischen Erhebung von Heinz und Mitarbeitern. Die Studie ist schon älter: Jedoch: Auch Ergebnisse aus der Schweiz (s. namentlich Storz zu Busse vs. kurzer Haft in den Kantonen) kommen zu strukturell identischen i Ergebnissen

28 Diversionsraten und Nachentscheidungsraten in den 11 alten Ländern Deutschlands Geburtskohorte 1961, BZR-Eintragungen, Delikt = Einf. Diebstahl Diversion 45,47 JGG Mind. 1 NE in 3 Jahren Prozentwerte RP BW NI NW BY HE SL SH BE HB HH

29 Der populäre Ruf nach harten Strafen, wenn schwere Taten begangen g worden sind (1) Standardreaktion in der Öffentlichkeit in vielen (allen?) Gesellschaften. (2) Verbunden damit: Standardreaktion der Einschätzung von der (allzugroßen) Milde der Justiz. (3) Für USA traditionell, für Europa neu: Dynamische Verstärkung (in/durch Politik und Medien) durch Populismus Populismus. Hier: Nur Blick auf die Wirkungsanalysen unterschiedlicher harter faktisch verhängter Strafen

30 Wirken schwerere Sanktion mehr? Zunächst: Erinnerung an die Lerntheorie. Sodann: Erinnerung an die gerade genannten Ergebnisse der neuesten Meta-Evaluation. Generalthese aus vielfältiger Empirie: Vergleichsweise wichtig ist, ob etwas etwas geschieht. Vergleichsweise unwichtig ist, wie hfi heftig das Geschehende h ausfällt (ceteris paribus)

31 Das Bild der deutschen Bundesrückfallstatistik Neue Einträge im BZR nach exakt individualisiertem id 4-jährigem Verlauf (Ausgangsmenge = rund Fälle!) (1) nach Verhängung einer Sanktion bzw. (2) nach dem Ende der Vollstreckung (Primäre Bewährungsstrafe sekundäre Bewährungsstrafe Vollverbüßung) (Jehle, Heinz, Sutterer u.a.)

32 90 Rückfall nach Sanktionen des Jugendstrafrechts innerhalb von individuell 4 Jahren Bundesrückfallstatistik 1994 Mind. 1 Folge-Entscheidung 80 77,9 FE JugStr/FrStr FE Bewährungsstrafe 70 FE Sonst. Form. Sanktionen 70 Diversion 60 59,6 55,2 Prozentwer rte ,1 40, ,7 14,8 20,8 17,7 27,3 17,3 15,9 24,5 30, ,1 12, JugStr o. Bewährung 0,3 4,1 Jugendarrest JugStr m. Bewährung 1,9 6,5 5,1 JugRi Maßnahmen 5,2 2,9 Diversion JGG

33 60 50 Rückfall nach Sanktionen des allgemeinen Strafrechts innerhalb von individuell 4 Jahren Bundesrückfallstatistik ,4 Mind. 1 Folge-Entscheidung FE JugStr/FrStrafe o.b. FE Bewährungsstrafe FE sonst. form. Sanktion 44,7 40 Prozentwerte e 30 29,4 30, ,1 14,8 12,9 13,5 16,4 19,9 10 7,6 2,7 0 FrStrafe o. Bewährung FrStrafe m. Bewährung Geldstrafe

34 Vorsicht bei der Interpretation: Methodisch nicht eigentlich neue Kriminalität, sondern neue registerpflichtige g Reaktion/Bestrafung. Negative Wirkung intensiver Strafen versus gute Selektionsleistung der Praktiker? Falls letzteres: Folgefrage = Verbleibender Mangel an Erziehungswirkung g bzw. Gleichwirkung der Sanktionen bei vergleichbaren Tätern? Im Übrigen: Auch sozialpädagogische g Zuwendung im Strafkontext verändert den strukturellen Befund nicht automatisch (Folgende Folie)

35 Rückfälligkeit in Abhängigkeit von Bewährung, Bewährungshilfe und Vollverbüßung (Bundesrückfallstatistik 1994 ff) ,6 51,8 36,8 25,6 60,9 61,1 38,9 38,6 33,2 25,6 14, Bew ewhi Jah ahre rungsstrafe mit Unbeding ngte Strafe bis 2 ungsstafe ohne Bew ewhi Bewähru Bewährun Bedingte Ent ntlassung ohne Bew ewhi Bedingte Entlassung mit Bew ewhi Vollverbüßung einer Freiheitsstr trafe Neue Folge-Entscheidung beliebiger Art Neue unbedingte Jugend- oder Freiheits Prozentwerte

36 Ergänzende Gesichtspunkte: Die Rückfallgesetze vor oder hinter der eigentlich spezifisch gedachten Sanktionswirkung: vor allem (1) Alter (2) Geschlecht (3) Vorbelastungen bzw. Vorstrafen. Wiederholte Forschungsergebnisse zu echtem (negativem) Verstärkereffekt harter harter Strafen (ceteris paribus). Stichworte u.a.: Defiance und Subkulturelle Werte einerseits, Stigmafolgen Stigmafolgen und Selbstbildänderung andererseits.

37 Die These: Im Zweifel weniger Element 1: Im Zweifel Unwissen über Details (v.a. Bagatellfälle) Mangelnde Aufklärbarkeit von Unterschieden oder deren Relevanz gerade für Rückfallgefahr Element 2: Weniger, (nur) wenn nicht andere Gründe eine gestufte Reaktion vorgeben Weniger an Eingriffen Weniger an sozialpädagogischen oder Jugendhilfeangeboten Andere Gründe = ggf. unabhängige Bedeutung von Gerechtigkeitsdiskurs, Sühnediskurs, Opferdiskurs, Sicherungsdiskurs im Feld der Kriminalsanktionen.

38 Spricht die Entwicklung der Jugendkriminalität für oder gegen g das Im Zweifel weniger? Hellfeld: ld Seit Jahren Rückgang oder Stagnation als Standardfall im Hellfeld (PKS) mit Ausnahme der Körperverletzungsdelikte und Jungtätern von KV-Delikten. Steigende Aufklärungsquote = relativ mehr Jungtäter. Steigende Anzeigequote? In diese Richtung zuletzt beispielsweise KFN-Ergebnisse 2009 (Selbstberichte von rund Schülerinnen/Schülern). Ergänzende Ergebnisse skandinavischer Jugendsurveys, auch zur in der Zeitschiene recht deutlich sinkenden Toleranz in der Einstellung gegenüber Gewalt gerade bei jungen Menschen.

39 Beispiel Schweden Hier nur 3 ausgewählte Jahre Self-Report Studien großer repräsentativer Stichproben (~ 7000 junge Befragte) Hier: Anstieg der Nichtttäter Auch Rückgang bei Mehrfachtätern Deliktsspezifischer Rückgang von Täterschaft

40 Beispiel Schweden Täterschaft allgemein

41 Selbstberichtete t Delinquenz bei schwedischen h Jugendlichen in den Jahren , repräsentative ti Stichproben (N ~ 7000) zentwerte Pro Keine Tat 1-5 Taten 6-15 Taten Taten Taten > 75 Taten

42 Beispiel Schweden Hier: Entwicklung bei ausgewählten Deliktsarten

43 Selbstberichtete t Delinquenz bei männlichen schwedischen h Jugendlichen, ausgewählte Delikte und Jahre bei repräsentativen Stichproben (N ~ 7000) ,9 Diebstahl ,3 Sachbeschädigung Pr rozentwerte ,7 26,8 Gewaltdelikte ,1 11,4 9 7,3 7,8 8, ,5 4, Gewaltdelikte ohne Messerführen Drogendelikte

44 Ein Sprung zur Frage der Entwicklung bei schweren / schwer sanktionierten Tätern Frage: Bessern sich auch junge Strafgefangene f nach der Entlassung? Insbesondere: Stimmt die Annahme, dass mit steigender (Neu-)Verurteilungsmenge die Resozialisierungschance sinkt? Das Beispiel der NRW-Studie (Kerner et al.)

45 Kumulierte Rückfälligkeit bei Entlassenen aus dem Jugendstrafvollzug (Quelle: NRW-Projekt Kerner/Janssen) , ,8 70,2 60,4 84,2 72,2 63,6 Prozentwe erte ,2 Neue Verurteilung(en) 30 Neue VU mit Freiheitsstrafe 20 Neue VU mit Strafverbüßung im Vollzug NUZ:1-5 Jahre 2. NUZ: 5-10 Jahre 3. NUZ: Jahre

46 Entlassene aus dem Jugendstrafvollzug: Entwicklungsverlauf der weiteren Karriere in 380 aboluten Zahlen (Quelle: NRW-Projekt Kerner/Janssen) Anzahl der Betroffenen Desister Entlassung NVU 2. NVU 3. NVU NVU 5. NVU NVU NVU NVU NVU 10. NVU 11. NVU NVU ff.

47 Entwicklungsverlauf nach Entlassung aus dem Jugendstrafvollzug: Erneut Verurteilte und Abbrecher im Vergleich (mit zusätzlich eingefügten Trendlinien) Prozentwerte Erneut Verurteilte Abbrecher Linear (Erneut Verurteilte) Linear (Abbrecher) Entlassung 1. NVU 2. NVU 3. NVU 4. NVU 5. NVU 6. NVU 7. NVU 8. NVU 9. NVU 10. NVU 11. NVU 12. NVU ff

48 Die Bedeutung soziobiographischer Belastungen hinter Mehrfachtäterschaft Befunde auch im Dunkelfeld ld in jüngeren Jahren Erneut: Das Beispiel der schwedischen Schülerbefragung

49 Biographische Korrelate von Gelegenheitstäterschaft Verbreitetes Ergebnis im Hellfeld: Gelegenheitstäter unterscheiden sich nicht von offiziellen Nicht-Tätern Wiederholungstäter unterscheiden sich durch verschiedene Dimensionen Sowohl von Gelegenheitstätern Als auch erst recht von Nicht-Tätern Hier Frage nach einer ähnlichen Verteilung im Dunkelfeld: Selbstberichtete Delinquenz bei schwedischen Jugendlichen (nationale Befragung)

50 Anteil von Befragten mit hohem Individualrisiko und hohem Lebensstilrisiko innerhalb verschiedener Gruppen von Deliktshäufigkeit Hohes individuelles Risiko Hohes Lebensstilrisiko Pro ozentwerte Kein Delikt 1-5 Delikte 6-15 Delikte Delikte > 35 Delikte

51 Die Relativierung der Befunde durch die Mengenverhältnisse Vielfachtäter ilf sind ideine kleine kli Gruppe. Daraus folgt, dass auch von den in der Gesellschaft allgemein Belasteten nicht die Mehrheit auffällig wird. Beleg durch die Neuauswertung (Kerner u.a.) der ersten Philadelphia-Studie (Wolfgang u.a., rund Probanden).

52 Junge Mehrfachtäter in Schweden nach Selbstberichten: Täteranteil und Tatenanteil bei der Teilgruppe von 49 % aller rund 7000 Befragten, die wenigstens 1 Delikt angegeben haben, (nur) Jahr Anteil an Tätergruppe Anteil an Straftaten der Tätergruppe 42 entwerte 40 Proz Taten 6-15 Taten Taten 36+ Taten

53 Selbstberichtete t Mehrfachtäterschaft htät h ft bei schwedischen h Jugendlichen nach Zahl der "Hintergrund"-Risikofaktoren ,3 Prozent twerte bei Taten ,1 5,8 4,7 17,8 18,2 13,8 15, ,9 10,8 8,7 0 Kein RF 1 RF 2 RF 3-4 RF (Unskilled/Blue Collar, Flat Housing, Immigrant Background, Broken Home)

54 ,4 Soziobiographisch h unterschiedlich h belastete t Gruppen und deren Polizeiauffälligkeit bis zum 18. Lebensjahr (Philadelphia Kohorte I) 80,1 68,8 54,8 Kein Verfahren 1Verfahren 2-4 Verfahren 5-10 Verfahren Verfahren Prozentwerte ,4 21,6 19,9 17, ,3 13, ,3 4,2 5,5 0,1 0,6 1, ,2 Nicht belastete Jungen Gering belastete Jungen Mäßig belastete Jungen 5,1 0,7 Stark belastete Jungen 36,8 6,8 Schwerst belastete Jungen

55 Abschließend: Die Bedeutung von Werten für Delinquenz Ergebnisse der Tübinger Schülerbefragung (N ~ 3500) Verschiedene Gruppen bzw. Schichten bzw. Milieus : gezielt geschichtete (daher nicht für Deutschland allgemein repräsentative) Studie. Teilbereich i der Studie: Prüfung der Hypothese, dass die Werthaltungen allgemein bei jungen Menschen / Dli Delinquenten bedeutsam bd sind. id

56 Ausgangspunkt (natürlich): Ungleiche Verteilung von Gewaltbereitschaft Ausmaß ßder Bejahung der Aussage bei verschiedenen Teilgruppen: Ich schlage mich häufig, ich kann andere zwingen zu tun, was ich will

57

58 Ausgewähltes Beispiel für negative Werte Zustimmung zur /Ablehnung der Aussage, dass es für einen selbst wichtig sei, Gesetz und Ordnung zu respektieren Zusammenhang mit selbst angegebener Gewaltbereitschaft.

59 Zusammenhang des Wertes "Gesetz und Ordnung respektieren" mit selbst bejahter Gewaltbereitschaft nach Schicht / Schulart 450 zienten mal Hundert fikante Korre elationskoeffi Junge Gefangene Ost Junge Gefangene West Hauptschüler Berufsschüler BVJ-Schüler Signi 50 Gymnasiasten 0 Korrelationsdichte Tübinger Schülerbefragung

60 Ausgewähltes Beispiel für positive Werte Zustimmung zur /Ablehnung der Aussage, dass es für einen selbst wichtig sei, Sich so zu verhalten, dass Mitmenschen nicht geschädigt werden. Zusammenhang mit selbst angegebener Gewaltbereitschaft

61 Zusammenhang des Wertes "Mitmenschen nicht schädigen" mit selbst bejahter Gewaltbereitschaft, nach Schicht / Schulart 450 ten mal Hunde ert ionskoeffizient Signifik kante Korrelati Junge Gefangene Ost Junge Gefangene West Hauptschüler Berufsschüler BVJ-Schüler Gymnasiasten 0 Korrelationskoeffizienten Tübinger Schülerbefragung

62 Am Ende: Alles spricht für eine Reaktion auf Jugendkriminalität mit Nachhaltigkeit, aber mit Geduld und Augenmaß. Wirkungen sind oft erst schleichend und über längere Fristen klar zu erkennen. Junge Menschen verarbeiten frühere Erfahrungen wirkmächtig selbst, sobald sie reifer und ruhiger werden: Soziale Nachreifung. Hilfreich dafür sind gerechte Reaktionen, nicht notwendigerweise nur milde Sanktionen.

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