GIS/SIT 2010 Nachlese

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1 Schweizerische Organisation für Geo-Information Organisation Suisse pour l'information Géographique Organizzazione Svizzera per l'informazione Geografica Swiss Organisation for Geographic Information GIS/SIT 2010 Nachlese Juni 2010, Universität Zürich-Irchel Bericht im Auftrag der SOGI-Fachgruppe GIS-Technologie Oktober 2010 Autoren: Sarina Halblützel* (sh.), Mylène Jacquemart* (mj.), Carole Jobin* (cj.), Dr. Patrick Laube* (pl.), Dr. Andreas Neumann** (an.), Felix Ortner* (fo.), Irene Vontobel* (jv.) * Geografisches Institut der Universität Zürich ** GIS-Kompetenzzentrum der Stadt Uster

2 Einleitung...3 GIS/SIT 2010 Workshops...3 Fachreferate...4 Donnerstag, 17. Juni Eröffnung...4 Neue Koordinaten für die Schweiz...4 3D GIS und Visualisierung...5 SIA 405 Überarbeitung zur Nutzensteigerung...8 Geodienste: Architekturen, Lösungen, Nutzen...9 GIS in Raumplanung, Umwelt und Risikomanagement...11 GIS in Ausbildung und Forschung...12 Praktische Erfahrungen und Tipps bei der Anwendung des Abwasser/GEP Datenmodells VSA-DSS...14 Freitag, 18. Juni Plenarveranstaltung NGDI...16 Kataster ÖREB...17 Verkehrsinfrastruktur und Telematik...18 GIS für EW, Gas, Wasser, Abwasser...18 Gemeinde- und Städte-GIS Geodateninfrastrukturen...22 GIS im Sicherheits- und Katastrophenmanagement...24 Galileo und Navigationssysteme...25 Gemeinde- und Städte-GIS Hersteller-Befragungen...29 Trends...29 Wirtschaftliche Entwicklung...30 Gesamtfazit...31 Bericht im Auftrag der SOGI-Fachgruppe GIS-Technologie 2

3 Einleitung Die Fachgruppe Technologie der SOGI möchte mit dem vorliegenden Nachlesebericht die Trends und Hauptthemen der GIS-SIT 2010 dokumentieren und zugänglich machen, vor allem auch für Interessierte die nicht an der Konferenz teilnehmen konnten. Der Bericht wurde von Studentinnen und Studenten des Geographischen Instituts der Universität Zürich unter der Leitung von Dr. Patrick Laube und Dr. Andreas Neumann verfasst. Neben dem Besuch der Vorträge wurde auch eine Herstellerbefragung an der Firmenausstellung durchgeführt. Die Konferenz fand vom Juni 2010 an der Universität Zürich-Irchel unter dem Motto GIS WE CAN! jederzeit und überall statt. Im Programm waren 4 Workshops, 80 Präsentationen, davon 2 Keynote-Präsentationen, sowie eine Ausstellung mit 41 Firmenpräsentationen beteiligt. An der Konferenz nahmen 530 Personen teil. Als Rahmenprogramm gab es einen Apéro sowie eine GIS Party am Donnerstag Abend im Restaurant Lake Side in Zürich. GIS/SIT 2010 Workshops Am ersten Tag der Konferenz fanden 4 Workshops statt: Status Quo GDI in der Schweiz wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Was ist noch zu tun? (SOGI-Fachgruppe GIS-Technologie (FG4)) Praxis Darstellungsmodelle (SOGI-Fachgruppe Normen und Standards (FG5)) 3D-Geoinformation: 3D-Landschaftsmodelle & 3D-Stadtmodelle Modellierung, Erfassung, Visualisierung, Standardisierung (FHNW (Fachhochschule Nordwestschweiz) und SGPBF (Schweizerische Gesellschaft für Photogrammetrie, Bildanalyse und Fernerkundung)) Geobasisdaten-Harmonisierung: Erfahrungen und Fragen (HSR (Hochschule für Technik Rapperswil)) GIS/SIT 2010 Nachlese 3

4 Fachreferate Donnerstag, 17. Juni 2010 Eröffnung jv. Unter dem Motto - GIS WE CAN! jederzeit und überall eröffnen Erich Gubler, Präsident SOGI, und Dani Laube, Präsident GIS/SIT OK, die GIS/SIT Sie heissen die Teilnehmer, Aussteller und Referenten, welche der GIS/SIT beiwohnen werden, willkommen und wünschen eine erfolgreiche Veranstaltung. Danach wird die GIS/SIT 2010 mit einer Keynote von Herbert Bolliger, Präsident der Generaldirektion des Migros- Genossenschafts-Bundes, eröffnet. Neben einer ausführlichen Firmenpräsentation, zeigt Herr Bolliger den Einsatz von GIS in der Migros anhand von anschaulichen Karten und wagt einen Ausblick, wie GIS bei der Migros in Zukunft ein Thema sein könnte. Er erwähnt dabei Anwendungen zur Standortsuche, die es Kunden erlauben nach dem Standort mit den günstigsten Produkten suchen zu können. Ein anderes Anwendungsszenario ist das Angebot von virtuellen Migros-Rundgängen mit Innenansichten der Filialen. Teil der Ausstellung im Lichthof der Universität Zürich Irchel, Foto: Th. Glatthard Neue Koordinaten für die Schweiz jv. Bis 2016 müssen alle Referenzdaten der amtlichen Vermessung vom alten (LV03) in den neuen Bezugsrahmen (LV95) transformiert werden. Bis 2020 müssen auch die übrigen Geobasisdaten in LV95 überführt und darin verwaltet werden. Der Wechsel ist im vollen Gang und betrifft sowohl Geodatenproduzenten, Software-Entwickler als auch Endbenutzer auf allen Ebenen. Bericht im Auftrag der SOGI-Fachgruppe GIS-Technologie 4

5 Im ersten Vortrag stellt Urs Marti, swisstopo, die Strategie und das Vorgehen beim Bezugsrahmenwechsel vor und geht näher auf die Methoden der Transformation und die Werkzeuge und Dienste ein. Je nach benötigter Datengenauigkeit empfiehlt sich entweder eine affine Transformation oder genügt eine Gitterinterpolation oder eine einfache Rasterdaten-Translation. Swisstopo übernimmt eine führende Rolle bei der Umstellung nach LV95 und unterstützt die Geodatenproduzenten, Software-Entwickler und Endbenutzer durch Software (z.b. REFRAME) und Geodienste. Die Entwicklung von Tools für eine lokale Transformation und Entzerrung wird in Zukunft ein Thema sein. Markus Scherrer, swisstopo, informiert im zweiten Vortrag über den Arbeitsstand der Kantone bezüglich Bezugsrahmenwechsel. Die Konzepte und Strategien der Kantone sind zum Teil sehr verschieden und auf unterschiedlichem Stand, vor allem kleine Kantone nehmen eine Vorreiterrolle ein. Viele Kantone tendieren dazu, den Wechsel hinauszuschieben, einzig der Kanton Wallis hat den Bezugsrahmenwechsel formal bereits vollzogen. Im Allgemeinen konnte bei der Befragung der Kantone festgestellt werden, dass es eine starke Erwartungshaltung an swisstopo gibt bezüglich Information und Unterstützung. Raymond Durussel, Durussel & Estoppey, betont als dritter Redner, dass nicht jeder Kanton die gleichen Voraussetzungen bezüglich der Datenqualität hat und dass für eine lokal bessere Qualität die Datengrundlage in einigen Kantonen verbessert werden muss. Interessant sind auch die Ausführungen von François Mumenthaler, Departement du territoire Genève, über die Vorgehensweise und den Arbeitsstand im Kanton Genf bezüglich Bezugsrahmenwechsel. Er präsentiert als vierter Redner ihre Lösung mit automatischer Transformation auf einem SDE Server, welche von Topomat Technologie SA für sie entwickelt wurde. Fazit: Alle Redner sind sich einig, dass eine gute Organisation, eine detaillierte Planung sowie die adäquate Information und Kommunikation wichtig sind für einen erfolgreichen Bezugsrahmenwechsel. 3D GIS und Visualisierung mj. 3D das Zauberwort in aller Munde. Experten aus verschiedenen Fachbereichen zeigen konkrete Anwendungen von 3D Applikationen in GIS. Sie machen aber auch auf Schwachstellen und Entwicklungsmöglichkeiten aufmerksam. Gleich als erstes präsentiert Xavier Dupasquier von IETI Consultants eine umfassende Sicht auf die Tendenzen, Fragen und Perspektiven einer Integration der dritten Dimension in GIS. Als Hauptproblem identifiziert er die Tatsache, dass zur Zeit noch keine gemeinsame Datenbasis der 3D Modelle (z.b. 3D Max) und 3D Anwendungen in GIS gegeben ist. Kurzfristig soll über den rein kommunikativen Charakter von 3D Anwendungen hinaus gegangen werden und vermehrt auch Datenerhebung, Datenerwaltung und Datenauswertung in 3D ermöglicht werden. Es müsse ein langfristiges Ziel sein, den Workflow von 2D und 3D Daten besser zu organisieren: Daten sollen aus verschiedenen Quellen einfach in einem 3D GIS integriert werden können, wobei die unterschiedlichen Normen und Standards (CityGML, IFC) eine entscheidende Rolle spielen. Um diese Ziele zu erreichen, müsse auf allen Ebenen zusammengearbeitet werden. So könnte z.b. eine Interessengruppe Organisation 3D die Zusammenarbeit und den Informationsfluss zwischen Dienstleistern und Arbeitspartnern vereinfachen. Anschliessend an dieses einleitende Referat präsentieren Laurent Niggeler und Adrien Vieira de Melle vom Kanton Genf und Jean-Louis Marguier von IGO Paris das Genfer 3D GIS/SIT 2010 Nachlese 5

6 GIS, welches zur Zeit erarbeitet wird. Das Système d Information du Territoire Genevois (SITG) vereint alle involvierten Verwaltungseinheiten mit dem Ziel, die räumlichen Daten des Kantons Genf zentral zu verwalten, zu koordinieren und den entsprechend berechtigten Institutionen und Personen zur Verfügung zu stellen. Damit ist der Kanton Genf dem kommenden Geoinformationsgesetz heute schon etwas voraus. Das Modell basiert, einem klassischen GIS-Ansatz folgend, auf verschiedenen Ebenen: Geländemodell, Gebäude etc. Die Gebäude-Ebene (Format: ESRI Multipatch 3D) wird noch etwas genauer erläutert. Auf Textur der Gebäude wird bewusst verzichtet, die korrekte Geometrie steht im Vordergrund. Der Topologie der Gebäude wird vor allem für AnalyseFunktionalitäten in 3D GIS eine grosse Bedeutung zugeschrieben. Die Topologie fehlerfrei zu implementieren, ist aber mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Kunden und Institutionen können über das Guichet 3D des SITG die gewünschten Daten in verschiedensten Formaten bestellen. Stadtmodell von Genf (Niggeler et al, Kanton Genf, hepia) Im dritten Vortrag stellt Dr. Peter Jordan, Böhringer AG, die Möglichkeiten von 3D GIS in der Visualisierung und Analyse geologischer Fragestellungen vor. Er illustriert dies am Beispiel eines geologischen Modells der Nordwestschweiz. Das Ziel dieser Modellierung war dabei nicht nur eine plausible Veranschaulichung von Sachverhalten sondern es sollte auch möglich sein, in der dritten Dimension präzis zu rechnen und zu messen. Als Datenbasis dienten klassische Seismik-Daten, Bohrungen und Schichtgrenzen an der Oberfläche sowie auch bestehende geologische Interpretationen und Datenmodelle aus eigens für dieses Projekt erhobenen Daten. Ein grosses Problem der Geologie besteht darin, dass nicht mit Interpolationen gearbeitet werden kann. Im Zuge der Erarbeitung des Modells wurde neben ESRI Software auch professionelle Geologie-Software aus der Minenund Erdölbranche mit einbezogen. In seinen Schlussfolgerungen betont der Referent, dass mit ArcGIS 3D-Analyst von ESRI mit einem gewissen Aufwand auch komplexe Modellierungen und Analysen möglich sind, dies vor allem bei stark verfalteten und steil ge- Bericht im Auftrag der SOGI-Fachgruppe GIS-Technologie 6

7 stellten Schichten aber an seine Grenzen stösst. Die spezialisierte Geologie-Software ist jener von ESRI bei der Modellierung von komplexen Tiefenstrukturen wohl überlegen, spielt preislich aber in einer deutlich höheren Liga. Des Weiteren ist das ESRI Produkt für Oberflächenmodellierung deutlich besser geeignet. Dreidimensionale Erdwärmesondenkarte (P. Jordan, Böhringer AG) In einem letzten Vortrag stellen Peter Bitter, Leiter GIS, Flughafen Zürich, und Eveline Leu, Studentin Geomatik und Planung, ETH, am Beispiel von Hindernisbegrenzungsflächen die Anwendung von 3D GIS in der Aviatik vor. Hindernisbegrenzungsflächen haben die Wirkung von Baulinien in der Luft, sie dienen dem planerischen Schutz von Flugwegen vor allem auch für Notausgänge, die auch Flugzeugen mit verminderter Triebwerkleistung noch sichere Flugbewegungen ermöglichen und müssen dementsprechend hindernisfrei sein. Bereits die Konstruktion und Erfassung der Flächen stellt eine Herausforderung dar, zumal die Konstruktionstools in GIS meist auf 2D ausgelegt sind. In Bezug auf eine voll integrierte Bearbeitung von z-koordinaten, der Bearbeitung von Volumenkörpern und einer automatisierten Konstruktion von 3D Objekten identifiziert Peter Bitter noch grosse Entwicklungspotentiale. Auch für Datenerhaltung und -analyse sind die heutigen Systeme noch nicht zufriedenstellend (3D-Topologien, Schnittflächen im Raum etc.). Einzig für die Visualisierung vergibt Bitter gute Noten. Zuletzt bleibt auch noch die Frage der Qualitätssicherung offen, zumal Anwendungen in der Aviatik ausnahmslos sicherheitsrele- GIS/SIT 2010 Nachlese 7

8 vant sind. Inputs bezüglich Zertifizierung und Qualitätssicherung seien seitens der Hersteller aber noch keine vorhanden. Fazit: Die dritte Dimension vollumfänglich in GIS integriert eine Vorstellung die für verschiedenste Anwendungen spannend sein dürfte. Dies zeigen auch die zum Teil doch sehr unterschiedlichen Anwendungsbereiche der verschiedenen Referenten. Auf jeden Fall müssen aber noch einige Hürden genommen werden, um 3D Applikationen in GIS für ein breites Anwendungsfeld alltagstauglich zu machen. SIA 405 Überarbeitung zur Nutzensteigerung sh, an. SIA 405 steht für die Norm Geoinformationen zu unterirdischen Leitungen. Diese aus dem Jahr 1997 stammende Norm soll überarbeitet und an die dazugehörigen Merkblätter angepasst werden. Zu Beginn des Überarbeitungsprozesses wurde festgestellt, dass es sinnvoll ist, auch die Merkblätter zu aktualisieren. Die Kommission zur Überarbeitung der Norm und der Merkblätter besteht unter anderem aus Vertretern von SIA, KOGIS, SBB, Swisscom und Swisscable. Im ersten Referat präsentiert Robert Baumann, Bau & GIS Engineering GmbH, Mitglied der Kommission GEO 405, die grundlegenden Überlegungen der Kommission zur Revision der Norm und der Merkblätter. Die Norm soll neu Norm für Geoinformationen zu Verund Entsorgungsleitungen heissen, damit zukünftig auch die oberirdischen Leitungen im Namen berücksichtigt sind. Gründe für eine Revision sind unter anderem eine inkonsistente Terminologie und die Tatsache, dass aufgrund der verschiedenen medienspezifischen Modellierungsansätze die Norm im Bereich des Leitungskatasters (LK) nicht konsequent angewendet wird. Die neue Norm wird sich deshalb vor allem auf grundsätzliche Festlegungen beschränken und sich auf die bisherigen Datenmodelle der Fachverbände (Fachmodelle), welche nicht verändert werden, abstützen. Wichtig ist zudem auch die Trennung von Werkinformation (WI) und Leitungskataster (LK). Der LK soll eine Untermenge der WI sein und aus dieser ableitbar sein. Für die WI-Daten sind die Fachorganisationen zuständig. Nur mit diesen Daten nicht jedoch mit denen aus dem LK kann gebaut werden. Näher auf die LK-Map geht Stefan Burckhardt (VSA, Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute, Mitglied der Kommission) in seinem Referat über den Leitungskataster als Auskunftssystem ein. Die LK-Map ist ein Darstellungswerkzeug für alle Medien in 2D, also für alle belegten Flächen. In Zukunft könnte auch eine 3D-Darstellung für den Raum möglich sein. Die Karte soll bei Bautätigkeiten vor Leitungen im Untergrund warnen, für detailiertere Informationen zu bestimmten Werkleitungen ist jedoch weiterhin der Werkplan hinzuzuziehen. Bestandteil der LK-Map werden die sieben Medien (Wasser, Abwasser, Gas, Elektrizität, Telekommunikation, Kabelkommunikation und Fernwärme) und die sieben Werkinformationsfachmodelle sowie eine zusätzliche Kategorie für weitere Medien (z.b. spezielle Leitungen auf Industriegelände) sein. Neben den beiden Merkblättern zur Erfassung und Darstellung von Daten (SIA 2015) sowie für den Austausch von Daten zwischen Werken (SIA 2016) soll ein drittes Merkblatt (SIA 2045) zu den Geowebdiensten entstehen. Der Leitungskataster als WMS-Dienst ist Thema des dritten Referates von Andreas Häsler, Swisscom AG, Mitglied der Kommission). Das Ziel des Merkblattes ist es in erster Linie, gemeinsame Regeln zu definieren, nach denen LK-Maps mittels OpenGIS WMS erstellt werden können. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Interoperabilität. Für Webdienste werden im Allgemeinen die Sprache, die Koordinatensysteme und die Authority und im Speziellen bei den WMS die Rückgabeformate und -struktur sowie die Layer normiert. Bericht im Auftrag der SOGI-Fachgruppe GIS-Technologie 8

9 Fazit: Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Revisionsprozess komplex und lang andauernd ist und dass sehr viele unterschiedliche Interessen berücksichtigt werden müssen. Geodienste: Architekturen, Lösungen, Nutzen fo. Der Block Geodienste: Architekturen, Lösungen, Nutzen umfasst acht Fachreferate. Es sei darauf hingewiesen, dass die Beiträge thematisch eher breit gestreut sind. Der als Titel verwendete Begriff Geodienste ist entsprechend grosszügig zu interpretieren. Im ersten Referat mit dem Titel Bringen Sie Ordnung in Ihre Geodaten kommt Luzius Ammann, Intergraph (Schweiz) AG, zu Wort. Ammann zufolge hat der Austausch von Geodaten zugenommen und wird wohl auch weiterhin an Bedeutung gewinnen. Eine umso wichtigere Rolle wird den oft vernachlässigten Metadaten zugeschrieben. Im Rahmen einer Geodateninfrastruktur dienen Metadaten dem Dokumentieren und Auffinden von Geodaten und Geo-Webdiensten. Entsprechend bedeutsam ist der Einsatz geeigneter Metadatensysteme. Metadaten werden in der Schweiz mit dem genau definierten Metadatenmodell GM03 1 beschrieben. Metadaten umfassen neben Kontaktinformationen auch Angaben zu Koordinatensystem, Datenformat, Verfügbarkeit, Aktualität und Datenqualität. Als Büchsenöffner für den Zugang zu Geodateninfrastrukturen werden Geoportale eingesetzt. Diese bieten eine benutzerfreundliche und zeitgemässe Oberfläche für den Umgang mit Geodaten und Metadaten. Mit dem GeoMedia SDI Portal stellt Ammann eine skalierbare, individuell anpassbare und auf internationale Standards ausgerichtete Geoportal-Lösung von Intergraph vor. Claude Philipona, Camptocamp SA, beschreibt den Einsatz von Cloud Computing in der Web-Kartografie. Die Cloud versteht sich als Software oder Infrastruktur (Hardware), die über das Internet dem Bedarf entsprechend gemietet werden kann (Software as a Service: SaaS; Infrastructure as a Service: IaaS). Bezahlt wird beispielsweise in Abhängigkeit von Zeit, Traffic, Speicherbelegung oder Zugriffsanzahl. Der Bezug von Software und Infrastruktur als Service bringt verschiedene Vorteile mit sich: Investitionen fallen weg, Infrastruktur steht per sofort zur Verfügung und Ressourcen werden effizienter genutzt. Als Beispiele für die Verwendung von Cloud Computing in der Web-Kartografie führt Philipona SchweizMobil.ch und map.geo.admin.ch an: Zwei hochverfügbare Applikationen, die unter Anwendung des Cloud Computing-Systems von Amazon bei tiefen Infrastrukturkosten realisiert werden konnten. Ausgangspunkt für die Ausführungen von Peter Jäger, GEOCOM Informatik AG, ist die Frage, ob serviceorientierte Architekturen (SOA) die bisherigen Lösungskonzepte und Architekturen auf den Kopf stellen. Wiederum steht der Begriff Cloud Computing im Zentrum der Diskussion. Cloud Computing lässt sich als Resultat weiterentwickelter SOA- Technologien interpretieren. Angesichts der zahlreichen Medienbeiträge stellt Jäger die Frage, ob Cloud Computing nur ein Hype sei oder doch ein ernstzunehmender Megatrend. Der Hype-Zyklus des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Gartner beschreibt die Veränderungen der öffentlichen Aufmerksamkeit neuer Technologien im Laufe der Zeit: Nach dem technologischen Auslöser steigt die Aufmerksamkeit innert kurzer Zeit auf den Gipfel der überzogenen Erwartungen, fällt dann steil ins Tal der Enttäuschungen, erholt sich wieder auf dem Pfad der Erleuchtung und stabilisiert sich schliesslich auf dem Plateau der Produktivität. Laut einer Gartner-Prognose von 2009 befinden sich service- 1 GIS/SIT 2010 Nachlese 9

10 orientierte Architekturen in diesem Modell kurz vor dem Plateau der Produktivität. Cloud Computing hingegen sonnt sich gemäss Gartner auf dem Gipfel der überzogenen Erwartungen und befindet sich somit kurz vor der Phase der Ernüchterung. Die Vorteile des Cloud Computing sieht Jäger insbesondere auf der Kostenseite. Als bremsende Faktoren zieht er unter anderem unreife Technologien, nur mit Schwierigkeiten umsetzbare sequentielle Prozesse oder fehlendes Vertrauen in Betracht. Der Referent folgert, dass Cloud Computing das GIS-Leben zwar tangieren und teilweise vereinfachen, aber nicht auf den Kopf stellen dürfte. In einem weiteren Fachreferat stellen Michel Deriaz und David Beni von arx it SA eine 3D-Geokollaborationslösung für Mobiltelefone vor. Sie ermöglicht Touristen der Stadt Genf unter anderem das Erfassen und Kommentieren von Points of Interest per Mobiltelefon. Während sich nicht-kollaborative Systeme durch Qualität und Einheitlichkeit auszeichnen, aber eher kostspielig sind, beschreiben die Referenten kollaborative Systeme als weniger vertrauenswürdig, aber kostengünstig. Um die Vorteile beider Methoden zu kombinieren und dem Problem der Subjektivität einzelner Beiträge beizukommen, werden verschiedene Mechanismen wie beispielsweise die Möglichkeit, fremde Beiträge zu kommentieren oder zu evaluieren, eingesetzt. Der Ansatz wurde von arx it SA in der Applikation GeTag umgesetzt. André Schneider, swisstopo, erläutert die Geodienste in der Online-Metadatenapplikation geocat.ch. Diese gilt als wichtige Basis für das Nationale Geoportal und dient dazu, Geodaten und Geodienste zu suchen und zu finden. Das Erfassen der Metadaten in der zentralen Metadatenbank von geocat.ch erfolgt entweder direkt oder über das regelmässige und automatisierte Abfragen von Partner-Datenbanken (sog. harvesting). Zu den implementierten internationalen Standards gehören CSW (Catalogue Services for the Web), ISO19115, ISO19139 und ISO Den Nutzern ist es freigestellt, die auf zur Verfügung gestellte Schnittstelle zu nutzen oder mit einer beliebigen anderen Applikation über den bereitgestellten Such- oder Katalogdienst auf die zentrale Metadatenbank zuzugreifen. Eine wachsende Bedeutung misst Schneider der Verlinkung von Daten-Metadaten und Service-Metadaten bei. Moritz Neun von ESRI Schweiz AG zeigt anhand des swisstopo-projekts OPTINA-LK, wie das Carto Process-Framework von ESRI die GIS-basierte Kartenproduktion unterstützt. Anstatt die Landschaftsmodelle (VECTOR25, VECTOR200) ausgehend von den Landeskarten zu erstellen, will swisstopo künftig das Topographisches Landschaftsmodell (TLM) direkt auf der Grundlage der topographischen Datenerfassung erstellen. Im Rahmen des Projekts OPTINA dienen Digitale Kartografische Modelle (DKM) dazu, die TLM-Daten in kartographische Endprodukte zu überführen. Somit können vielfältige Produkte aus nur einem GIS-Datensatz erstellt werden. Um den GIS-gestützten Kartenproduktionsprozess zu automatisieren und ein effizientes kartografisches Editieren zu ermöglichen, hat ESRI Schweiz ein modulares Software-Framework entwickelt. Dieses umfasst Tools für manuelles und halbautomatisches Editieren, automatische Datenprozessierung, Qualitätssicherung (z.b. Überlappungstests) und Workflow-Unterstützung. Swiss Poster Research Plus AG (SPR+) ist mit Urs Hofmann vertreten. Das Unternehmen betreibt im Auftrag von Aussenwerbefirmen Mobilitätsforschung. Der Aussenwerbemarkt umfasst in der Schweiz bei einem Umsatz von 680 Millionen Franken einen Werbemarktanteil von rund 15 Prozent. Um die Werbeflächen verkaufen zu können, sind die Aussenwerbefirmen auf verlässliche Kontaktzahlen angewiesen. Zur Untersuchung diverser Plakatformate und Plakatstellen stattet SPR+ Personen mit GPS-Geräten aus. Die erfassten Bericht im Auftrag der SOGI-Fachgruppe GIS-Technologie 10

11 Punkte werden anhand VECTOR25 (Umstellung auf Navteq geplant) auf die Strassen gematched (sog. map matching). Um einen Bezug zwischen den Wegpfaden und Plakaten herzustellen, werden für die Plakate Betrachtungsräume mit Öffnungswinkel 150 und Radius 40m festgelegt. Die Gewichtung eines Kontakts erfolgt in Abhängigkeit von Faktoren wie Sichtdistanz, Winkel oder Fortbewegungsgeschwindigkeit. Die erhobenen Daten erlauben beispielsweise das Bestimmen der optimalen Grösse von Kampagnen. Mit dem Plakat-Planungstool SPR+ Expert haben Kunden von SPR+ unter anderem die Möglichkeit, die Verteilung einer Kampagne auf einer Karte anzeigen zu lassen. Juri Weiss von der Staatskanzlei des Kantons Basel-Stadt stellt die georeferenzierte Bilder-Datenbank des Kantons Basel-Stadt vor. Zu den Zielen der über zugänglichen Datenbank gehört es, bereits vorhandenes Bildmaterial zugänglich zu machen und mit anderen Informationsangeboten zu verknüpfen (vernetztes e-government). Die Sammlung umfasst derzeit rund 15'000 Bilder, die in über 1000 Kategorien organisiert sind. Interne und externe Stellen, Touristen und weitere interessierte Nutzer können auf die mit bis zu 20 Arten von Metadaten versehenen Bilder über Suchbegriffe, einen Kategorienbaum oder den Stadtplan zugreifen. Auf die Frage aus dem Publikum, weshalb der Öffentlichkeit der Upload eigener Bilder untersagt bleibt, antwortet Weiss, dass bewusst darauf verzichtet wird, um sich über Qualität und Metadaten- Konsistenz von anderen Angeboten abheben zu können. Für die Zukunft schliesst er einen Rückgriff auf Crowdsourcing-Strategien aber nicht kategorisch aus. Fazit: Die Beiträge zum Block Geodienste können als vielfältig und durchwegs spannend charakterisiert werden. Zu den mehrfach angesprochenen Themen gehören die Metadaten, die durch den Aufbau von Geodateninfrastrukturen und den hierdurch geförderten Datenaustausch an Bedeutung gewinnen, der Einsatz von Cloud Computing und die nach wie vor kontrovers diskutierte Geokollaboration. GIS in Raumplanung, Umwelt und Risikomanagement cj. Im Risikomanagement gewinnen die Visualisierung von Versicherungsinformationen, die Risikoabschätzung und die Risikobeurteilung an Bedeutung. Im Umweltbereich wird die Verwendung von GIS in der Auswertung und Visualisierung von Raumbeobachtungsdaten thematisiert. Christina Schlenther, Swiss Reinsurance Company, und Christoph Spörri, GEOCOM Informatik AG, stellen CRESTA, eine webbasierte Kartenapplikation zur Visualisierung von Versicherungsinformationen vor. CRESTA steht für Catastrophe Risk Evaluating and Standardizing Target Accumulations. Die neue Webseite mit einer interaktiven Kartenapplikation löst eine alte, nicht interaktive, ab. Der Nutzer hat die Möglichkeit CRESTA Zonen mit verschiedenen Google Maps Hintergrundinformationen zu kombinieren. Es ist ausserdem möglich, Excel-Files mit Versicherungsdaten hochzuladen und in der Karte zu visualisieren und zu analysieren. Das Ziel der neuen Webseite ist unter anderem, einen Anreiz zu schaffen, den neuen Reporting Standard zu nutzen und somit eine Standardisierung des Datenaustausches in der Versicherungswirtschaft zu ermöglichen. Besonders wichtig sind dabei eine flexible und benutzerfreundliche Applikation, aber auch die Datensicherheit ist ein wichtiges Anliegen. Dr. Thomas Damoiseaux und Sowmya Gopal von der Intermap Technologies GmbH präsentieren das Risikomanagement mit NEXTMap Daten. Mit Hilfe der InSAR Technologie können aktuelle, länderübergreifend homogene und genaue Höhendaten für grossflächige Gebiete (Europa und USA) erfasst werden. NEXTMap Höhendaten ermöglichen eine effi- GIS/SIT 2010 Nachlese 11

12 ziente und präzise Modellierung von Hochwasserrisiken (Überschwemmung, Starkregen, Sturmflut). Für die Risikoabschätzung sind detaillierte, länderübergreifende Geländemodelle wichtig, da Flüsse an den Grenzen nicht enden. Das Risk Assessment Portal erlaubt die Integration der modellierten Risikozonen und Hintergrundinformationen in eine webbasierte Risikomanagement-Anwendung. Eine Versicherung kann zum Beispiel ihr ganzes Portfolio laden und die Risiken visualisieren. Modellierung von Hochwasserrisiken (Th. Damoiseaux, S. Gopal, Intermap Technologies) Markus Hostmann und Raoul Kern stellen in ihrem Vortrag das GIS der Mobiliar (MobiGIS) vor. Schadensfälle infolge von Unwetterereignissen haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Mit MobiGIS sollen die Risikobeurteilung, die Prävention, die Unterstützung bei der Einsatzplanung im Schadensfall und die Höchstschadenschätzungen ermöglicht oder vereinfacht werden. MobiGIS ist das erste System in der Schweiz in dem die Gefahrenkarten der Kantone zusammengeführt werden und in dem Versicherungsdaten mit Naturgefahrendaten verknüpft werden. Manuel Lehner, ZHAW, und Bernhard Künzler, ARG (Amt für Gemeinden und Raumordnung), Kt. Bern, referieren über die Raumbeobachtung mit GINES (Georeferenzierte Informations- und Entscheidungssysteme) im Kanton Bern. Durch den Raumplanungsbericht ergibt sich ein Bedürfnis nach Raumbeobachtung, daher entschied sich der Kanton Bern als Pilotkanton mitzuwirken. Das Projekt zielt darauf, ein internetbasiertes Tool für die Auswertung und Visualisierung der Raumbeobachtungsdaten in Zusammenarbeit mit der ZHAW zu realisieren und somit eine standardisierte Berichterstattung zu ermöglichen. Dabei werden Open Source Produkte eingesetzt. Sowohl räumliche Analysen als auch statistische Analysen sind möglich und Berichte können generiert werden. GINES wird zukünftig auch im Kanton Uri als Monitoring-Plattform für Nachhaltigkeit eingesetzt. Das Tool wird laufend weiterentwickelt. Fazit: Die vorgestellten Lösungen illustrieren die wichtige Funktion von Austausch und der Visualisierung von Rauminformation in Raumplanung, Umwelt- und Risikomanagement. Ebenfalls zentral ist die Verknüpfung von Versicherungsdaten mit Hintergrundinformation und Daten aus anderen Bereichen. GIS in Ausbildung und Forschung mj. Die Möglichkeiten GIS in der Ausbildung und Forschung zu nutzen sind heute sehr vielfältig. Die vier Fachvorträge des Themenblockes GIS in Ausbildung und Forschung spiegeln diese Vielfalt und thematische Breite wider. Den (möglichen) Einfluss von GIS in der Mittelschulausbildung illustrieren Carmen Treuhardt Bieri vom Verein Schweizerischer Geographielehrpersonen und Prof. Hans-Jörg Stark vom Institut für Vermessung und Geoinformation der FH Nordwestschweiz am ProBericht im Auftrag der SOGI-Fachgruppe GIS-Technologie 12

13 jekt Map Your World, welches Carmen Treuhardt Bieri mit ihrer eigenen Klasse in der Kantonsschule Luzern durchgeführt hat. Mit dem Ziel, Geographie im Unterricht nicht nur zu konsumieren, sondern selber zu gestalten und zu erleben, waren die Schüler aufgefordert, Geodaten für OpenStreetMap und OpenAddresses selber zu erfassen und daraus Touristenführer für die Stadt Luzern zu erarbeiten. Die FH Nordwestschweiz stellte neben der nötigen Hardware auch das erforderliche Coaching und Knowhow zur Verfügung. Neben attraktiven Schulstunden für die Schüler wollte das Projekt auch eine Sensibilisierung kommender Generationen für Geo-Anwendungen erreichen. Beide Referenten bedauern aber, dass seitens der Lehrkräfte noch eine grosse Innovationsresistenz besteht, die angesichts der umfassenden Betreuung durch die FH Nordwestschweiz nicht nachvollziehbar ist. Die Forschungsarbeiten zur 3D Innenraummodellierung mit CityGML der ETH Zürich und der TU München werden im zweiten Referat von Andreas Donaubauer vorgestellt. CityGML erlaubt die Modellierung von Innenräumen inklusive dem ganzen Mobiliar, Treppen, Türen etc. Die Darstellung ist auf sichtbare Gebäudebestandteile respektive deren Grenzflächen beschränkt. In Bezug auf das Anwendungsbeispiel Schutz und Rettung ist CityGML dann auch entsprechend an Grenzen gestossen. Einerseits sind für einen Rettungseinsatz nicht nur sichtbare Elemente von Interesse (z.b. Balken in einer Decke für die Feuerwehr), andererseits stellen auch die fehlenden topologischen Beziehungen zwischen Räumen ohne Verbindungstür und die fehlenden thematischen Attribute für Türen, Fenster und Wände ein Problem dar. Abschliessend bleibt festzustellen, dass sich CityGML gut für anwendungsneutrale Basisdaten eignet, spezielle Anwendungsbereiche aber noch anwendungsspezifische Erweiterungen brauchen werden. Am Institut für Kartographie wird zur Zeit an einer e-learning Plattform zum Thema Raumdaten und Geoinformation getüftelt, die auch Nicht-Experten Zugriff auf typisch grosse Raumdatensätze ermöglichen soll (Geovisualisation and Interactive Training Environment, GeoVITe). Olaf Schnabel präsentiert die Umsetzung dieser neuen Geodateninfrastruktur, die in erster Linie multiplen Bedürfnissen gerecht werden muss und auch in der Bedienung im Vergleich mit dem alten System erhebliche Vorteile aufweist. Verschiedenste Datensätze (Reliefs, Pixelkarten, Satelliten- und Luftbilder, etc.), die von der Swisstopo in regelmässigen Abständen an die ETH Zürich geliefert werden und deren Bezug unter dem alten System höchst kompliziert war, sind zu speichern und verwalten. So sollen Daten jederzeit in verschiedenen Formaten gespeichert werden können, sowohl als Rasterals auch Vektordaten. Die heruntergeladenen Daten müssen exakt den Originaldaten entsprechen, sowie stets aktuell und blattschnittfrei erhältlich sein. Der geplante hierarchische Three-Tier Aufbau von GeoVITe ist zur Zeit noch nicht realisiert, soll aber in Zukunft noch aufgebaut werden. Im Zentrum steht auch die Modularität des Systemaufbaus, sodass die jetzt noch genutzten Betriebssysteme (Windows Server 2003) und Datenbanken (DB2 + Spatial Extender) mittelfristig abgelöst werden können (Windows Server 2008 resp. PostGreSQL + PostGIS Extension). Von berechtigten Nutzern sind die Daten sehr einfach über ein Geodatenportal zu beziehen. Neben dem weiteren Ausbau des Server-Clusters soll in nächster Zukunft vor allem der komplette Wechsel der Datenbank erfolgen und die kontinuierliche Aktualisierung aller Datensätze. Nach Möglichkeit sollen auch ältere Datensätze noch mit einbezogen werden. In einem letzten Referat informiert Séverine Bilgot von Geolep der EPFL über ein Projekt, welches das Potential von GIS zur Verwaltung und zum Schutz von Grundwasserreserven im Kanton Waadt ermitteln soll. Ausgangslage waren die bereits erfassten geologischen und geophysikalischen Daten, die in einem 2D Modell erfasst wurden. In einem zweiten GIS/SIT 2010 Nachlese 13

14 Schritt wurde das Modell in die dritte Dimension erweitert. Auch hier stellte die Tatsache, dass sich geologische Daten schlecht interpolieren lassen, ein Problem dar. In einem weiteren Schritt soll das 3D Modell, welches das geothermische Potential und die Grundwasserschutzzonen vorerst auf der Ebene einer Testgemeinde ermittelt hat, auch kantonal implementiert werden. Eine Zusammenarbeit mit Swisstopo habe bislang nur am Rande stattgefunden, meint Séverine Bilgot. Dies sei wohl, weil die Arbeiten in diesem Bereich noch am Anfang stünden, die Workflows noch nicht definiert sind. Für die Zukunft solcher Projekte sei eine schweizweite Zusammenarbeit hingegen von grosser Bedeutung. Fazit: Die vier Fachrefereate zeigen klar, wie breit das Einsatzgebiet von GIS in Ausbildung und Forschung ist. Auf Mittelschulstufenniveau besteht nach wie vor viel Potential, GIS erstmalig einzusetzen und die Schüler damit in Kontakt zu bringen. Auf Universitätsoder Fachhochschulniveau sind der Forschung mit GIS als auch der Forschung über GIS keine Grenzen gesetzt. Praktische Erfahrungen und Tipps bei der Anwendung des Abwasser/GEP Datenmodells VSA-DSS an. Nachdem der SIA Geo405 Block vor allem die aktuellen Bemühungen rund um die Normierung von Leitungskatasterdaten behandelte, widmet sich dieser Block ausschliesslich der Verwaltung von Abwasser- und GEP-Daten gemäss den VSA-DSS Normen. Ein Beitrag des Raumdatenpools Luzern über das GEP Schongau berichtete über die ersten Erfahrungen und Herausforderungen beim Austausch von GEP-Daten über eine gemeinsame Austausch- und Visualisierungsplattform. Der Datenaustausch findet über Interlis (mit Modellprüfung) statt, Zugänge bestehen über einen Basisviewer, einen Expertenviewer und eine Download-Plattform. Die Datenmodelle stützen sich auf die etablierten SIA- und VSA-Normen über den Leitungskataster, den Werkplan und die GEP- Erweiterungen im VSA-DSS Modell. Für den zukunftssicheren Austausch über verschiedene Systeme und Datenbanken hinweg ist die Einführung von stabilen und eindeutigen Objekt-IDs, wie es etwa über die Interlis 2 OIDs möglich ist, zwingend. Für hydraulische Analysen und Netzverfolgungen ist neben den normalen Attributierungen zudem eine korrekte Netztopologie sowie die Zuordnung von Höhen- und Gefälleinformationen essentiell. Aus organisatorischer Sicht müssen vor allem die Zuständigkeiten für die einzelnen Themenbereiche, sowie deren zugehöriger Attribute, klargestellt werden. Da die GEP-Daten in aller Regel von unterschiedlichen Softwarepaketen bearbeitet werden, müssen diese über die Datendrehscheibe aus- und eingecheckt und bei Bedarf gegenseitig abgeglichen werden. Jürg Möckli, Kanalfernsehfirma Mökah, berichtet über die Umsetzung der neuen VSA- Richtlinie Schadencodierung und Datentransfer (VSA-KEK). Diese VSA-Richtlinie ist kompatibel zum normativen Teil der entsprechenden EU-Norm Kodiersystem für die optische Inspektion. Sie basiert auf XML (Interlis 2) und stellt Codierungen und Langtexte für die Erfassung von Schäden in Haltungen und Schächten zur Verfügung. Wenn vorhanden wird auf bestehende VSA-Basisdaten zurückgegriffen. In der VSA-KEK werden neben den Metadaten der Untersuchung auch Grundlageinformationen aktualisiert und verfeinert, sowie Daten zum baulichen und betrieblichen Zustand gesammelt. Für die Einführung der neuen Codierung wird eine Übergangsfrist von 36 Monaten eingeräumt. In dieser Zeit muss die Erfassungssoftware angepasst werden und es müssen die Operateure geschult werden. Bericht im Auftrag der SOGI-Fachgruppe GIS-Technologie 14

15 Urs Kaufmann, Spring Ingenieure, zeigt die historische Entwicklung der Kanal- und GEP- Daten in der Stadt Thun auf. Seit 11 Jahren wird dort konsequent auf die VSA-DSS Datenstruktur gesetzt, in den Kerngebieten mit detaillierterer Aufnahme, in kleineren benachbarten Gemeinden zum Teil in geringerer Detaillierung (Schachtmittelpunkt = Deckelmittelpunkt). Wie auch in anderen Beiträgen wird erneut auf die Hilfestellungen des VSA- Attributierungshandbuches hingewiesen, insbesondere auch für die Schacht- und Haltungsbezeichnungen. In der Praxis fehlt es leider oft noch an Konsistenz- und Datenqualitätsprüfungen. Daten werden oft nur über DXF statt über das wesentlich mächtigere und komplettere Interlis 2 Format ausgetauscht. Für die Aktualisierung älterer Datenbestände auf das aktuelle VSA-DSS-Modell ist Fachwissen aus den Bereichen Abwasser, GEP, Datenmodellierung und Informatik vonnöten. Den Abschluss des Blockes bildet Stefan Burckhardt, Kommission VSA-DSS, mit einer Zusammenfassung der Praxishilfen in der GEP-Nachführung, wie die aktuellen Datenmodelle, Gelb- und Blaudrucke (für Geschichte und zukünftige Anpassungen), Glossar (Terminologie), Attributierungshandbuch, GEP-Musterpflichtenheft und das Diskussionsforum. Zudem gibt es frühe Initiativen einer VSA-konformen GEP-Datenhaltung aus den Kantonen Luzern, Thurgau, Jura, sowie dem Liechtenstein. Diese stellen ihre Erfahrungen gerne für Interessierte zur Verfügung. Fazit: Dieser Block zeigt auf wie komplex die Themen Abwasser und GEP, sowie die zugehörigen Datenmodelle sind. Umso wichtiger ist es, im Sinne der Austauschbarkeit, der Zusammenarbeit über Grenzen und Regionen hinaus, und der Investitionssicherheit, auf Standards des VSA und der SIA zu setzen. Wenngleich einige Gemeinden und Regionen bei der Umsetzung der VSA-DSS Modells Vorreiter sind, bleibt eine vollständigere, landesweite Umsetzung jedoch eine Herausforderung für die kommenden Jahre. Behörden, Firmen und der VSA-Verband sind dabei gefordert. GIS/SIT 2010 Nachlese 15

16 Freitag, 18. Juni 2010 Plenarveranstaltung NGDI sh. Thema der Plenarveranstaltung am Freitag ist der aktuelle Stand der Nationalen Geodaten-Infrastruktur (NGDI). Zur Versinnbildlichung des Standes der NGDI in der Schweiz verwendet Jean-Philippe Amstein, Direktor Bundesamt für Landestopografie (swisstopo), zu Beginn seines Referats das Bild eines halb vollen resp. halb leeren Glases. Halb voll weil Geodaten überall verwendet werden und viele Resultate in den letzten 10 Jahren erzielt wurden halb leer weil noch viele Hürden zu nehmen sind und die NGDI noch nicht wirklich realisiert ist. Nach einer kurzen Darstellung der grossen Vielfalt an Verwendungsmöglichkeiten von Geodaten bewertet Amstein den Stand der NGDI anhand der Zielsetzung der Charta e-geo.ch. Negativ stuft er dabei die Erhebung und Nachführung der Geobasisdaten auf der Grundlage abgestimmter Datenmodelle, die Einführung einer gemeinsamen Tarifierungs- und Vertriebsstrategie mit transparenten und kostengünstigen Preisen und den Abbau von Hemmnissen bei der Mehrfachnutzung von Geoinformationen ein. Andere Aspekte beurteilt er jedoch bereits sehr positiv, wie beispielsweise den verstärkten Einbezug von Geodaten bei der Informationsarbeit in der Verwaltung oder die Anpassung der rechtlichen Grundlagen. René Sonney, Geschäftsstelle e-geo.ch, als zweiter Referent teilt nicht alle Ansichten von Amstein. Sonney ist beispielsweise der Ansicht, dass der Stand der Geobasisdaten bereits als positiv zu bewerten sei, da der Zeitplan für die Erstellung der minimalen Geodatenmodelle bereits verabschiedet wurde und viele Fachinformations-Gemeinschaften mit der Modellierung begonnen haben. Hingegen bewertet Sonney die technische Infrastruktur noch eher negativ, während Amstein der Ansicht ist, dass der Aufbau dieser schon weit fortgeschritten ist und die Technik grundsätzlich nie ein Problem sei. Einig sind sich die beiden Referenten bei der negativen Beurteilung der Entwicklung einer gemeinsamen Tarifierungs- und Vertriebsstrategie und bei der positiven Beurteilung der rechtlichen Grundlagen, da das GeoIG und etliche Verordnungen geschaffen oder überarbeitet wurden. Christine Giger als Vertreterin der Schweiz bei INSPIRE (EU-Richtlinie zum Aufbau einer Europäischen Geodateninfrastruktur) vergleicht in ihrem Ko-Referat die Situation mit derjenigen in der EU. Sie stellt fest, dass es vielen in der Schweiz zu langsam vorwärts gehe, betont jedoch auch, dass die Schweiz mit dem Geoinformationsgesetz und beim Aufbau einer GDI im Gegensatz zur EU schon recht weit fortgeschritten sei. In der EU sei das Problem, dass die Zuständigkeit der Daten meist nicht geklärt sei. Die EU würde bezüglich des Problems der Mehrsprachigkeit und der Kommunikation zwischen verschiedenen Ebenen oft einen Blick auf die Schweiz werfen und habe auch bei der Entwicklung von Standards die Ansätze der Schweiz betrachtet. Im zweiten Ko-Referat ermahnt Sigi Heggli, ehemaliger Präsident der SOGI (heute Sigi Heggli GeoDL), das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Dieses sei es, Geodaten den Behörden sowie der Wirtschaft, der Gesellschaft und der Wissenschaft in erforderlicher Qualität und zu angemessenen Kosten zur Verfügung zu stellen. Aus Sicht der Endbenutzer seien erst minimale Fortschritte sichtbar. Amstein antwortet darauf, dass diese oftmals nicht sehen würden, was im Hintergrund getan werde und betont zudem, dass ein starkes Steuerungsorgan mit einer klaren Strategie wichtig sei. Die swisstopo sei im Gegenzug für die Umsetzungsprojekte zuständig. Bericht im Auftrag der SOGI-Fachgruppe GIS-Technologie 16

17 Kataster ÖREB sh. Das Grundeigentum wird in der Schweiz durch das Grundbuch und die amtliche Vermessung (AV) gesichert und durch öffentlich-rechtliche Eigentumsbeschränkungen (ÖREB) eingeschränkt. Während das Grundbuch öffentlich zugänglich ist, trifft dies auf die ÖREB nicht zu. Diese Lücke soll in Zukunft der ÖREB-Kataster schliessen. Eine allgemeine Übersicht über den ÖREB-Kataster präsentiert Marc Nicodet, Bundesamt für Landestopografie (swisstopo), in einem ersten Referat. Der Zweck des Katasters ist es, zuverlässige Informationen über die wichtigsten ÖREB zugänglich zu machen. Da eine grosse Anzahl an ÖREB existieren, hat man sich auf der Ebene Bund für die wichtigsten 17 ÖREB entschieden. Während man die Informationen früher bei verschiedenen Amtsstellen einholen musste, soll neu der Kataster dazu dienen, alle Angaben zu einer Parzelle zur Verfügung zu stellen. Gemäss Nicodet soll der Kataster für die ganze Schweiz einheitlich sein. Auf eine Frage aus dem Publikum, wie viel Spielraum den Kantonen bleiben werde, entgegnet er, dass das Rahmenmodell für die Daten schweizweit einheitlich sei und minimale Vorgaben bezüglich der Struktur gemacht würden, so dass den Kantonen viel Spielraum beim Aufbau der Organisation gelassen werde. Ziel sei es in erster Linie, dass ein Auszug des Katasters in jedem Kanton ungefähr gleich aussehen solle. In den ÖREB-Kataster involvierte Stellen werden zum einen die Entscheidungsträger auf Ebene Bund, Kanton und Gemeinde sein, welche für die Inkraftsetzung von neuen ÖREB zuständig sind, und zum anderen die kantonalen Katasterstellen. Die Einführung des ÖREB- Katasters wird in zwei Etappen stattfinden, wobei bei der ersten nur einige wenige Pilotkantone involviert sein werden. Zur technischen Umsetzung des Katasters referiert Claude Eisenhut, Eisenhut Informatik AG, welcher bei der Entwicklung des Rahmenmodells selber stark involviert war. Ziel des Katasters ist es, dass ein Benutzer die Grundstücksnummer eingeben kann und daraufhin den dazugehörigen Katasterauszug mit der Liste der ÖREB und einer Karte erhält. Herausforderungen sind gemäss Eisenhut vor allem die dezentrale Organisation, die vielen involvierten Stellen sowie die Generierung einheitlicher Auszüge. Die technische Anforderung besteht darin, rund um die kantonalen Katasterstellen Schnittstellen zu definieren, um die gesetzlichen Grundlagen von Bund, Kanton und Gemeinden, die Basisdaten und die Informationen zu den Liegenschaften zugänglich zu machen. Alle diese Informationen werden dann gebündelt in einem Katasterauszug wiedergegeben. Das Rahmenmodell des ÖREB-Katasters besteht aus mehreren Teilmodellen. Das Teilmodell zur Grundstruktur definiert die interne Datenstruktur für die zuständige Stelle für die Geobasisdaten. Ein weiteres Teilmodell zur Transferstruktur behandelt die Schnittstelle zwischen der zuständigen Stelle für die Geobasisdaten und der kantonalen Katasterstelle. Gemäss Eisenhut besteht die grösste Herausforderung nicht im technischen Modell sondern in der Organisation. Der Kanton Zürich hat sich bereits Gedanken darüber gemacht, wie die Vorgaben des Bundes zum ÖREB-Kataster konkret umgesetzt werden könnten. Othmar Hiestand, Amt für Raumentwicklung des Kantons Zürich, betont in seinem Referat, dass in seinem Kanton bereits eine gute Grundlage vorhanden sei. Für den Kanton Zürich liegen die AV- Daten flächendeckend vor und die wichtigsten ÖREB-Daten sind bereits heute erfasst. Auch die Ausarbeitung der gesetzlichen Grundlagen ist weit fortgeschritten. Die Nachfrage nach genauen Daten schätzt er als sehr hoch ein und sieht deshalb einen grossen Nutzen im ÖREB-Kataster. Dieser werde die Informationsgewinnung und die Rechtssicherheit über ein bestimmtes Grundstück entscheidend verbessern. Sowohl Grundeigentümer als auch Banken und Behörden werden mit dem Kataster Zeit und Geld sparen. Hiestand ist GIS/SIT 2010 Nachlese 17

18 sich bewusst, dass aus Nutzersicht möglichst alle ÖREB im Kataster erfasst werden sollten und nicht nur die vorgesehenen knapp 20 der rund 150 ÖREB. Er verweist in seinem Vortrag jedoch auf den GIS-Browser des Kantons, welcher mit dem ÖREB-Kataster verlinkt werden soll. Der Unterschied zum Kataster sei jedoch, dass die Daten ohne Gewähr und zum Teil unvollständig erfasst sind. Eine neue Entwicklung, welche das Grundbuch betrifft, präsentiert Werner Möckli, SIX Management AG, mit dem Grundstückinformationsystem egris. Als eine Dienstleistung für Grundbuchämter, Notariate und Banken soll egris als zentrales, elektronisches und kantonsübergreifendes System Auskunft über die Grundbuchdaten geben. Dabei ist als Zusatzinformation auch ein Grundbuchplan von swisstopo geplant. Die grösste Herausforderung des Projekts sind die fünf verschiedenen Grundbuchsysteme, welche in der Schweiz existieren und nicht deckungsgleich sind. Verkehrsinfrastruktur und Telematik jv. GIS kann einen wichtigen Beitrag zur optimalen Nutzung von vorhandener Verkehrs- Infrastruktur und zur effizienten Abwicklung des Verkehrsgeschehens leisten. Jean-Luc Miserez, INSER SA, und Rainer Koch, Rosenthaler+Partner AG, sprechen im ersten Vortrag über die Zusammenführung von verschiedenen Strassennetzdaten zur optimierten Nutzung. Sie präsentieren zuerst das Konzept der Transformationsstrecken, welches bereits in den Projekten MISTRA (ASTRA) und DISTRA (Kt. St. Gallen) zum Einsatz kommt und informieren nachher über ihr jetziges Projekt, welches auf eine bundesweite Strassennetzgrundlage (Bund-/Länder-Projekt in Deutschland) abzielt. Sie sind der Überzeugung, dass eine Zusammenführung der verschiedenen Modelle der Datenquellen (MISTRA, GDF, OSM, TLM, AV) möglich ist und, dass eine koordinierte Nutzung und Nachführung den Nachführungsaufwand erheblich reduzieren würde. Der zweite Redner Arnaud Deshogues, EPFL, referiert über das Potential von OpenStreetMap für die Strassenverkehrstelematik. Ein Vergleich der OSM Strassendaten und TeleAtlas Daten im Raum Genf mit den offiziellen Strassendatensatz des Kantons Genf zeigt, wie es um die Qualität der OSM-Daten in verschiedenen räumlichen Zonen steht. Die semantische Präzision und Vollständigkeit der OSM Daten könnte vor allem in Wohnzonen noch verbessert werden. Arnaud Deshogues bilanziert, dass OSM-Daten ein grosses Potential besitzen, jedoch für Projekte, welche auf komplette Datensätze angewiesen sind, noch nicht geeignet sind. Zuletzt informieren Mattias Pfund, Basler & Hofmann, und Dominic Moser, SBB, über das Projekt RailGeoSystem der SBB und dessen Realisierungsprozess. Ziele von RGS sind u.a. die Unterstützung der Haupt-, Management und Supportprozesse und ein Web GIS für alle Mitarbeitenden der SBB. Fazit: Abschliessend kann gesagt werden, dass die verschiedenen Datenquellen für die Strassennetzgrundlage ein wichtiges Thema sind. Das Zusammenführen der verschiedenen Daten und Datenmodelle und ihre gemeinsame Verarbeitung wird auch in Zukunft ein grosses Anliegen bleiben. GIS für EW, Gas, Wasser, Abwasser pl. Netzwerkdokumentation ist die klassische Hauptaufgabe von GIS in den Bereichen EW, Gas, Wasser und Abwasser. Seit der Strommarktliberalisierung vor zwei Jahren ist die Branche im Umbruch, neben der klassischen Dokumentation ergeben sich für die GI- Bericht im Auftrag der SOGI-Fachgruppe GIS-Technologie 18

19 Technologie neue Chancen, die Netzwerkbetreiber mit flexiblen Werkzeugen im dynamischen Markt zu unterstützen. Im ersten Vortrag diskutiert Charles Girardier, der lange in der GIS-Branche gearbeitet hat und jetzt für Energie Pool Schweiz AG, Zürich, tätig ist, Herausforderungen und Chancen für die Geoinformatik nach der Liberalisierung im Strommarkt. Girardier beschreibt eine angespannte Grosswetterlage im Strommarkt: Seit zwei Jahren ist der Regulator aktiv (Eidg. Elektrizitätskommission ElCom, unabhängige staatliche Regulierungsbehörde im Elektrizitätsbereich, und ist schnell zu einem der wichtigsten Kunden der Verteilnetzbetreiber aufgestiegen. Trotz Liberalisierung sind die Preise nicht gesunken und entscheidende rechtliche Grundlagen sind nach wie vor ungeklärt. Ein anreizregulierter Strommarkt erfordert von den Verteilnetzbetreibern mehr Kostentransparenz, Flexibilität und das Angebot von strukturierten Produkten. Während im Strombereich GIS traditionellerweise im IT-Bereich ausschliesslich der Netzwerkdokumentation diente, sieht Girardier GIS vermehrt mit einer strategischen Funktion, indem die technischen (bisher) und finanziellen (neu) Eigenschaften des Netzwerkes gekoppelt betrachtet werden: GIS als Fundament der Anlagebuchhaltung; GIS zur Unterstützung der Investitionsplanung (testen von Investitionsstrategien); GIS als Werkzeug um neue Anforderungen an die Dokumentation zu erfüllen (sachgerechte Zuordnung der Baukosten zwischen den Medien Glasfaser, Erdgas, Strom, Wasser, Abwasser), GIS für das Monitoring von Netzkennzahlen; GIS im Vertrieb (Korrelation zwischen Netz, Absatzprofil und Kundendaten). Abschliessend hält Girardier fest, dass GIS weit mehr ist als bloss ein Werkzeug zur Netzdokumentation und dass sich gerade nach der Liberalisierung deshalb viele Chancen für die GIS Technologie im Strommarkt aufgetan haben. Der zweite Redner, Johannes Brinkmann, BTC Schweiz AG, Glattbrugg, diskutiert Möglichkeiten für GIS im Geomarketing für Energiewirtschaft und Telcos. Brinkmann nennt ähnliche Herausforderungen für die Energiewirtschaft und den Telekommunikationsbereich wie Girardier: Kostendruck durch Anreizregulierung, kurze Produktzyklen für neue Dienste und Produkte, zunehmender Wettbewerb im liberalisierten Markt und den Wettbewerb um Kunden in einem Verdrängungsmarkt. Geomarketing soll eingesetzt werden zum Aufzeigen von Wachstumspotenzialen, zur Planungsunterstützung (Erschliessungsgebiete, Vertriebsgebiete), für klassische Marketing-Aktionen und zur Visualisierung und Kommunikation von Ereignissen. Brinkmann fordert, dass Geomarketing (und damit GIS) nicht nur konventionell die Bereiche Marketing und Vertrieb unterstützt, sondern vermehrt auch in einer übergreifenden Betrachtung in den Bereichen Technik, Planung und Kundenmanagement eingesetzt werden soll. Dazu muss die GIS Technologie in die Geschäftsprozesse und die IT-Infrastruktur der Unternehmung integriert und durch einfache Handhabung (auch für nicht Spezialisten) leicht zugänglich gemacht werden. Im dritten Referat kommt nach zwei Beratern mit Burkhard Kilcher, Regionalwerke AG Baden, ein GIS-Praktiker zu Wort. Kilcher berichtet über den Aufbau und erste Erfahrungen des Betriebs (1 Jahr) der Webplattform geoproregio für vernetzte regionale Geodienste im Kanton Aargau. Kilcher positioniert die Werke als klassische Querverbundsunternehmungen (Energieversorger, Wasserlieferant, Kraftwerkbetreiber, Kabelnetzbetreiber, Energieberater, Ingenieurdienstleister), betont aber ihre zunehmende Bedeutung als eigenständige und erfolgreiche GI-Dienstleister. Motiviert durch das Bundesgesetz über Geoinformation (GeoIG) zielt geoproregio auf die Vernetzung bestehender GI-Strukturen (Vision Datenpool Aargau). Kircher betont v.a. die Bedeutung der S&W Werbeagentur AG Baden im Konsortium und damit die kommunikativ-soziale Funktion eines Geodienstes. Im zweiten Block diskutiert Kilcher, inwieweit geoproregio den Forderungen des GeoIG GIS/SIT 2010 Nachlese 19

20 nachkommt und Geodaten für eine breite Nutzung, nachhaltig, aktuell, rasch, einfach, in der erforderlichen Qualität und zu angemessenen Kosten zur Verfügung stellt. Pointierte Anmerkungen macht Kilcher v.a. zum Öffentlichkeitsprinzip ( Uneinigkeit darüber, was öffentlich sein darf und was nicht ) und zum Spannungsfeld Qualität vs. Kosten ( Qualität hat seinen Preis ). Kilchers Fazit: Der Aufwand hat sich gelohnt, Fachwissen bleibt in der Unternehmung, geoproregio leistet einen Beitrag zur NDGI, die Bedürfnisse des Werkes und der Kunden wurden mehrheitlich erfüllt und die Zusammenarbeit mit Partnern verlief sehr erfreulich, namentlich mit der swisstopo. Den Abschluss bildet Eric Straalman, NIS AG, Emmenbrücke. In seiner Eröffnung nimmt Straalman Bezug auf seine Vorredner und erklärt, dass bei NIS AG Lösungen der vorher unisono geforderte GIS Einsatz zu mehr als nur Netzdokumentation bereits realisiert würde. Neben Produkten und Dienstleistungen für die klassischen GIS/NIS-Spezialisten (Nachführen, Modellieren, Visualisieren, Analysieren), betont Straalman die Notwendigkeit, mit massgeschneiderten, einfachen Werkzeugen breitere Nutzerkreise anzusprechen. Integrierte GIS/NIS Lösungen sollen nicht nur der Dokumentationsabteilung nützen, sondern zu nutzbringenden Datenlieferanten werden, zum Beispiel für Instandhalter, Projektleiter und Planer, oder Anlagebauer, und zur Störungsdokumentation. Modulare Produkte und der gezielte Einsatz von verbreiteten Webtechnologien (wie z.b. Google Maps) sollen diesen breiten Einsatz erleichtern. Straalman untermauert seine Argumentation durch ein Beispiel aus eigenem Hause: Integrierte NIS Instandhaltung CKW (zentralschweizerische Kraftwerke AG), das NIS-IH. Besonders zu betonen sei hier die Synchronisierung der integrierten GIS/NIS Instandhaltung, die es erlaube, in der jeweilig vertrauten Umgebung Daten zu erfassen und zu manipulieren, ohne dass ungewünschte Redundanzen auftreten würden, was zu höherer Effizienz, höherer Datenqualität und tieferen Kosten führen würde. Fazit: Abschliessend bleibt festzuhalten, dass alle Redner den Einsatz von GI- Technologie zu mehr als nur zur Netzwerkdokumentation thematisieren. Einigkeit herrscht auch darüber, dass dies vor allem erreicht werden kann, wenn räumlichen Information und Werkzeuge über die Verwendung einfacher und modularer Webinterfaces auch für Nicht- GIS-Spezialisten zugänglich gemacht werden. Gemeinde- und Städte-GIS 1 cj. Die Vorträge zum Thema Gemeinde- und Städte-GIS decken ganz unterschiedliche Bereiche ab. Es geht unter anderem um die Ablösung der alten GIS-Infrastruktur in Bern, wie der Kanton Basel tagesaktuelle Informationen zur Verfügung stellt und die Möglichkeiten, welche 3D-Stadtmodellen oder Solarkataster bieten. Christoph Hess vom Vermessungsamt der Stadt Bern stellt das Projekt GREINA (GIS Renovation Innovation) vor. Im Vordergrund steht dabei die Ablösung und Erneuerung der städtischen GIS-Infrastruktur, damit das GIS die Geschäftsprozesse optimal unterstützen kann. Dabei werden neue Fachanwendungen aufgebaut, Schnittstellen reduziert, aber auch organisatorische Massnahmen umgesetzt. Im Vorfeld wurden die GIS-Bedürfnisse in Themenworkshops abgeklärt und in einem Pflichtenheft zusammengefasst. Insgesamt sind 41 GIS/GEO Systeme von der Umstellung betroffen. Herr Hess geht auch näher auf den Projektablauf ein und betont dort den enormen Aufwand für technische Pilotprojekte. Es werden dabei die geschäftskritischen Prozesse geprüft, wodurch ein guter Eindruck entsteht, welche Möglichkeiten die Systeme der unterschiedlichen Anbieter bieten. Wichtig seien bei einem solchen Projekt die Projektkommunikation und der Informationsaustausch, Bericht im Auftrag der SOGI-Fachgruppe GIS-Technologie 20

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