Jedes Kind ist wichtig Armutsprävention auf kommunaler Ebene

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1 Jedes Kind ist wichtig Armutsprävention auf kommunaler Ebene 20. April 2010, Kulturbahnhof, Kassel Dokumentation

2 Jedes Kind ist wichtig Armutsprävention auf kommunaler Ebene Seite 2 Dokumentation Begrüßung und Eröffnung Dr. Sven-Olaf Obst, Referatsleiter im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 3 Grußwort Petra Müller-Klepper, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit 5 Handlungsstrategien und mögliche Handlungsansätze für Armutsprävention auf kommunaler Ebene Michael Löher, Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.v., Berlin Input von Kindern und Jugendlichen Arbeitsgruppe 1: Das habe ich nicht gewusst Kinder- und Jugendarmut nicht übersehen Arbeitsgruppe 2: Manche brauchen mehr Alleinerziehende nicht allein lassen 27 Arbeitsgruppe 3: Schule geht auch anders Konzepte zur Armutsprävention 50 Arbeitsgruppe 4: Ideen haben wir genug nachhaltige Maßnahmen kommunaler Armutsprävention 53 Armutsprävention durch Förderung von Resilienz Handlungskonzepte für Familien, Bildungsinstitutionen und Sozialraum Prof. Dr. Margherita Zander, Fachhochschule Münster 60 Verabschiedung Dr. Sven-Olaf Obst, Referatsleiter im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 67 Inhalt

3 Seite 3 Begrüßung und Eröffnung Dr. Sven-Olaf Obst Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Jugendliche, ich begrüße Sie alle ganz herzlich zur Themenveranstaltung Jedes Kind ist wichtig Armutsprävention auf kommunaler Ebene im Kasseler Kulturbahnhof. Ich möchte auch alle aus der Vorbereitungsgruppe begrüßen, die mit ihren Erfahrungen für diese Tagung den Input gegeben haben. Sie haben intensiv an dem Thema der Entwicklung eines angemessenen Lebensstandards für alle Kinder gearbeitet, einem der zentralen Handlungsfelder des Nationalen Aktionsplans Für ein kindergerechtes Deutschland (NAP). Wir haben mit dem NAP einen Auftrag: Beim Weltkindergipfel 2002 wurden die Mitgliedsstaaten aufgefordert, die Beschlüsse der Vereinten Nationen zu Kinderrechten umzusetzen und entsprechende Aktionspläne zu starten. Seit 2005 arbeiten wir in Deutschland unter dem Dach des Nationalen Aktionsplans Für ein kindergerechtes Deutschland und können den NAP in diesem Jahr auf die Zielgerade bringen. Parallel geht dieser Tage die Vorlage des 3./4. Staatenberichts zur Umsetzung der Kinderrechtskonventionen der Vereinten Nationen ins Kabinett. Morgen wird der Staatenbericht verabschiedet, in den viele Ergebnisse aus dem bisherigen NAP-Prozess eingeflossen sind. Kindergerechtigkeit im Hinblick auf die Prävention von Kinder- und Jugendarmut steht heute im Mittelpunkt unserer Tagung. Die Frage der Kindergerechtigkeit stellt sich in allen Aufgabenbereichen, die das Leben von Kindern und Jugendlichen berühren. Fachkräfte, Entscheidungsträger, Institutionen sind angesprochen, und natürlich die Kinder und Jugendlichen selbst. Denn es geht schließlich um ihre Interessen, sie müssen uns sagen, was passt, was geht, und wo es hingehen soll. Daher entwickeln wir alle Veranstaltungen, die im Rahmen des NAP stattfinden, immer gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen. Und ich freue mich sehr, dass Ihr trotz Schulzeit heute hier seid und Euch mit eigenen Beiträgen einbringt. Dr. Sven-Olaf Obst Referatsleiter im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Die heutige Veranstaltung zur Kinderarmut ist Teil eines Tagungs- oder Themenmarathons, denn 2010 ist das Europäische Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung. Kinderarmut hat viele Gesichter. Sie wissen, dass sich die Wissenschaft darüber streitet, was genau Armut ist, was Armutsrisiken und Risikofaktoren sind. Jede Gesellschaft beantwortet diese Frage anders. Dieser Aushandlungsprozess begleitet auch die Bundesrepublik Deutschland über die Jahrzehnte hinweg und es gibt immer wieder neue Antworten. Eines ist jedoch unstrittig: Armut ist nicht nur ein Mangel an Geld. Viele reden zwar immer über Geld, aber Geld allein wie es ein schöner, bereits etwas abgeklapperter Spruch sagt macht nicht glücklich. Geld ist allerdings eine wichtige Voraussetzung. Es gibt einen nachweislichen Zusammenhang zwischen geringen Einkommen und erhöhtem Risiko, in den Lebensbereichen Wohnen, Ernährung, Gesundheit, soziale Kontakte, Freizeit, Kultur und Bildung benachteiligt zu werden. Dabei geht es auch um unterschiedliche Empfindungen: Der eine findet Markenklamotten wichtig, die andere eher unwichtig. Andererseits ist es für viele sicherlich nicht einfach, wenn die Eltern es sich drei Mal überlegen müssen, ob das Kind an einer Klassenfahrt teilnehmen kann oder nicht. Armut ist deshalb auch im Zusammenhang mit Teilhabe zu betrachten. Kinder haben zwar nicht zwangsläufig deshalb schlechte Zukunftschancen, weil wenig Geld in der Familie vorhanden ist. Aber Einkommensarmut ist ein zentraler Risikofaktor, wenn es um die Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern geht.

4 Seite 4 Begrüßung und Eröffnung Dr. Sven-Olaf Obst Im internationalen Vergleich können wir feststellen, dass es Deutschland recht gut gelingt, Kinderarmut zu bekämpfen: Deutschland hat, verglichen mit den anderen europäischen Staaten, eine sehr niedrige Armutsrisikoquote. Armut ist in Deutschland auch weniger beharrend als in anderen Ländern. Nur knapp zwei Prozent der deutschen leben in zwei aufeinander folgenden Jahren in Armut halb so viele wie im europäischen Durchschnitt. Das bedeutet jedoch nicht, in Euphorie zu verfallen: Denn gleichzeitig steigt in Deutschland die Anzahl der Kinder in denjenigen Gruppen, die durch ein geringes Einkommen oder ein hohes soziales Ausgrenzungsrisiko gekennzeichnet sind: Kinder von Alleinerziehenden, aus kinderreichen Familien oder aus Familien mit einem Migrationshintergrund. Besonders hoch ist die Armutsrisikoquote von Kindern dann, wenn kein Elternteil einer Erwerbsarbeit nachgeht. Wenn beide Elternteile arbeiten, sinkt sie auf ein geringes Niveau. Was heißt das für die Politik? Gezielte finanzielle Hilfen, gute Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und frühe Bildung sind das A und O, um aus Armutssituationen herauszufinden. Die eine Antwort gibt es dabei nicht. Vielmehr müssen wir einen ganzen Mix von Antworten finden und dabei über Geld, Infrastruktur und Zeit sprechen, also über passgenaue staatliche Transfers und weitere Formen der Unterstützung von Familien, etwa durch die Schaffung von Betreuungsmöglichkeiten schon ab dem ersten Lebensjahr. Gute Bildung ist ein weiterer wichtiger Indikator. Mit der Qualifizierungsinitiative, die ich eingangs erwähnte, wollen Kommunen, Länder und der Bund Bildungschancen für alle stärken: beginnend mit der frühen Bildung im Kindergarten, über verbesserte Schulangebote und Studienmöglichkeiten und natürlich auch im Berufsausbildungsbereich. Bildung wichtig ist, ihnen nicht auch ein gesundes Essen kochen können. Es gibt vielmehr viele gute Beispiele dafür, dass sich auch Eltern in Familien mit geringerem Einkommen aus voller Kraft für die Zukunft ihrer Kinder einsetzen. Diese Themen werden auch heute in den Diskussionen während der Workshops oder in den nachfolgenden Grußworten eine Rolle spielen. Wichtig ist für mich die Botschaft: Jedes Kind ist wichtig! Wir müssen versuchen, jedes Kind mitzunehmen und es aus schwierigen sozialen Bedingungen herauszuführen. Dazu sind Leistungen des Bundes notwendig, zum einen auf der materiellen Ebene, zum anderen zur strukturellen Unterstützung. Dabei ist es sehr wichtig, dass es gerade im kommunalen Umfeld, dort, wo Kinder groß werden, eine Vielzahl von finanziell niedrigschwelligen Angeboten gibt. Gefordert ist also ein abgestimmtes Zusammenwirken aller gesellschaftlich relevanten Kräfte, auf der regionalen und auf der lokalen Ebene unter dem Schirm des Bundes. Ich bin davon überzeugt: Wenn jeder seinen Teil der Verantwortung trägt und darauf achtet, dass die Kinder und die Jugendlichen in diesen Prozess miteingebunden sind, dann haben wir eine echte Chance, denjenigen einen positiven Blick auf ihr Leben zu ermöglichen, die heute noch am Rande der Gesellschaft stehen. Ich wünsche uns allen eine spannende und erlebnisreiche Tagung und hoffe, dass wir heute Nachmittag die Veranstaltung mit neuem Mut und frischen Ideen verlassen. Vielen Dank! Wir dürfen dabei aber nicht aus dem Blick verlieren, dass nicht nur Staat und Gesellschaft Verantwortung tragen, sondern auch die Eltern. Geringe Einkommen in der Familie bedeuten nicht zwangsläufig, dass Eltern nicht etwas für ihre Kinder tun können, ihnen nicht Lebensmut mitgeben können, ihnen nicht sagen können, dass

5 Seite 5 Grußwort Petra Müller-Klepper Sehr geehrte Damen und Herren, Kinder haben Rechte. Jedes Kind ist vom Beginn seiner Existenz an ein eigenständiges, einzigartiges Individuum mit der unantastbaren Würde, die in Artikel 1 unseres Grundgesetzes niedergelegt ist und allen weiteren sich hieraus ergebenen Rechten. Dass sie gewahrt und beachtet werden, ist von eminenter Bedeutung, ja Schicksal entscheidend. Denn die Kindheit legt das Fundament fürs Leben und entscheidet maßgeblich über die Startbedingungen ins Erwachsenendasein. Kinderrechte umsetzen heißt Chancengerechtigkeit schaffen. Die Initiative Für ein kindergerechtes Deutschland rückt dies ins öffentliche Bewusstsein. Sie zeigt: Positive Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu schaffen, ist nicht nur eine Aufgabe der Eltern, sondern auch von Staat und Gesellschaft. Die Aufgabe, Kindergerechtigkeit zu gewährleisten, stellt sich heute vor dem Hintergrund neuer Herausforderungen, insbesondere von Kinderarmut und einem weiter bestehenden Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungschancen. Es ist gut und richtig, dass das Bundesfamilienministerium im Rahmen der Initiative Für ein kindergerechtes Deutschland dieses wichtige Thema mit der Veranstaltung hier und heute in der Nordhessen-Metropole Kassel, zu der ich Sie im Namen der Landesregierung sehr herzlich begrüße, auf die Tagesordnung setzt. Es ist gut und richtig, dass mit ihr die kommunale Ebene in den Blick genommen wird. Gerade dies kann für die Erarbeitung und Umsetzung von wirksamen Präventionsstrategien besonders hilfreich sein. Denn die Kommunen kennen die Lebenslagen und konkreten Problemstellungen der armutsgefährdeten Personenkreise am besten und haben vielerorts bereits wirksame und nachahmenswerte Initiativen umgesetzt. In der Armutsproblematik sind Kinder das schwächste Glied in der Kette. Sie sind unverschuldet in diese Situation geraten und haben selbst keine Handhabe, um aus ihr herauszukommen. Armut in Kindertagen verschließt vielfach Bil- Petra Müller-Klepper Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit dungschancen und Teilhabemöglichkeiten, verschlechtert die Zukunftschancen. So wird sie zu einem Schicksal mit der Gefahr, sich auf Dauer zu verfestigen. Denn Armut in Kindertagen ist ein Zukunftskiller. Die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise verschärft diese Problematik. Umso mehr ist die Beschäftigung mit diesem Thema notwendig und neben den politischen Weichenstellungen zur finanziellen Unterstützung sowie zur Verhinderung und zum Abbau von Benachteiligungen die konkrete Hilfestellung durch die Gesellschaft selbst gefragt. Kinderarmut hat viele Gesichter. Als arm gilt nach allgemeinem Verständnis, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung zur Verfügung hat. Der Blick auf die Einkommensverhältnisse offenbart einen wichtigen Aspekt der Problematik, spiegelt die tatsächliche Problemlage aber nicht umfassend wieder. Denn: Armut meint mehr als Besitzlosigkeit. Armut heißt: nicht haben, nicht sein, nicht können, nicht dürfen, so Dom Erwin, römisch-katholischer Bischof und Prälat von Xingu, der größten Diözese Brasiliens. Dem trägt eine andere Definition von Armut Rechnung. Sie geht über den auf die finanzielle Situation gerichteten Blick hinaus und versteht Armut als eine individuelle Lebenslage, die sich neben der relativen Einkommensarmut vor allem durch eine defizitäre Lebenslage im Hinblick auf Grundversorgung, Gesundheit, Bildung und Soziales

6 Seite 6 Grußwort Petra Müller-Klepper auszeichnet, und mit eingeschränkten Zukunftschancen verbunden ist. Dieser Ansatz verweist bei der Definition von Armut auch auf die eingeschränkte Teilnahme am sozialen Austausch sowie an der aktiven Beteiligung und Mitgestaltung an gesellschaftlichen Prozessen. Die Bekämpfung der Kinderarmut ist eine der zentralen politischen Herausforderungen unserer Zeit. Dabei geht es nicht alleine um die Frage, wie man mit staatlichen Hilfen für sozial benachteiligte Kinder den materiellen Mangel abmildern kann. Sehr häufig ist der materielle Mangel mit einer drohenden sozialen und kulturellen Unterversorgung verbunden. Viele Kinder, die von Armut betroffen sind, bewegen sich weniger, ernähren sich ungesünder, bleiben in bestimmten Stadtvierteln unter sich, besuchen keine weiterführenden Schulen und haben keine ausreichenden Chancen auf dem Ausbildungsmarkt. Viel zu oft führt materielle Armut zu Bildungsarmut. So gehen Entwicklungschancen verloren, Potenziale und Begabungen, die in jedem Kind angelegt sind, bleiben verschüttet und ungenutzt. Die Armut droht sich über Generationen hinweg zu verfestigen. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, müssen wir bei den betroffenen Kindern und ihren Familien die materielle Armut mildern, Bildungschancen eröffnen und gesellschaftliche Teilhabe sicherstellen. Kinder sind vor allem dann von einem erhöhten Armutsrisiko betroffen, wenn sie in Alleinerziehenden-Haushalten oder in Haushalten mit geringer Erwerbsbeteiligung oder mit Migrationshintergrund aufwachsen. Kinder aus Familien in Einkommensarmut haben im Vergleich zu Gleichaltrigen aus finanziell gesicherten Verhältnissen ein rund doppelt so hohes Risiko, in ihrer sprachlichen, sozialen und gesundheitlichen Entwicklung beeinträchtigt zu sein. Da Kinderarmut ein multidimensionales Problem ist, darf sich deren Bekämpfung nicht nur auf die Beseitigung materieller Benachteiligungen beschränken, sondern muss ein Bündel aktivierender Maßnahmen für Familien und Kinder mit dem Ziel der Armutsprävention umfassen. Es gibt nicht nur ein einziges Erfolgsrezept, sondern es kommt auf einen klugen Mix von Maßnahmen an. Wichtig ist dabei, nicht nur die Kinder im Blick zu haben, sondern auch die Situation der Eltern zu berücksichtigen. Für die Landesregierung ist die Armutsbekämpfung eine vordringliche Querschnittsaufgabe der Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik. Ziel ist es hierbei, insbesondere Armutsrisiken bei Kindern und Jugendlichen präventiv entgegenzuwirken, indem diesen unabhängig vom sozio-ökonomischen familiären Hintergrund gute Chancen auf Schul- und Bildungserfolg ermöglicht werden. Die Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern sollen von der sozialen Herkunft entkoppelt werden, damit nicht über mehrere Generationen hinaus die Armut vererbt wird. Was den Bereich der materiellen Versorgung angeht, weist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Arbeitslosengeld II in die richtige Richtung. Das Bundesverfassungsgericht hat dem Gesetzgeber aufgegeben, die Berechnungsgrundlage für die Regelleistungen im Arbeitslosengeld II neu zu fassen. Insbesondere für die Lebenssituation von Familien mit Kindern sind die Sätze derzeit nicht individuell genug berechnet. So wird die Höhe der Regelleistung für Kinder vom Regelsatz für Erwachsene abgeleitet. Kinderspezifische Bedarfe wie etwa der Bildungsbedarf werden dabei zu wenig berücksichtigt. Das Bundesverfassungsgericht hat den Gesetzgeber verpflichtet, die Regelleistungen bis Anfang 2011 neu festzusetzen. Die hessische Landesregierung wird im Gesetzgebungsverfahren darauf hinwirken, dass es im Ergebnis zu einer umfassenderen gesellschaftlichen Teilhabe von Hartz-IV-Leistungsempfängern mit Kindern kommt. Bereits jetzt ist die hessische Landesregierung aktiv, um offensichtliche Mängel bei der Erfassung des Bedarfs von Kindern im ALG II-Bezug auszugleichen. So unterstützt das Land beispielsweise mit dem Härtefonds zur Mittagsversorgung bedürftige Kinder, die eine Schule mit regelmäßiger Mittagessenversorgung besuchen. Der Fonds wird im Haushaltsjahr 2010 mit 3,5 Millionen Euro gefördert. Über 1,7 Millionen Mittagessen wurden bisher bezuschusst.

7 Seite 7 Grußwort Petra Müller-Klepper Eine verantwortungsvolle Sozialpolitik darf sich allerdings nicht darauf beschränken, erst bei konkretem Hilfebedarf tätig zu werden. Sie sollte, wo immer möglich, bereits so frühzeitig ansetzen, dass ein solcher Hilfebedarf gar nicht erst eintritt. Weitsichtige Prävention ist sinnvoller als nachträgliche Kompensation. Ein Beispiel: Wenn es gelingt, die Sprachschwierigkeiten von Kindern bereits vor der Einschulung zu beheben, sinkt später die Zahl der Schulabbrecher, was wiederum dazu beiträgt, dass das durchschnittliche Qualifikationsniveau steigt und die Langzeitarbeitslosigkeit abnimmt. Frühkindliche Bildungspolitik ist elementarer Bestandteil präventiver Sozialpolitik. Denn Gerechtigkeit bei den Startchancen bedeutet Maximierung von Lebenschancen. Kinderarmut ist oftmals mit Bildungsarmut der Eltern verbunden, wodurch sich zahlreichen empirischen Untersuchungen zufolge für die betroffenen Kinder schlechtere Chancen auf eine erfolgreiche eigene Bildungs- und Berufslaufbahn ergeben. Jedes Kind verfügt über besondere Fähigkeiten und Talente. Und jedes Kind sollte die Möglichkeit haben, seine Potenziale bestmöglich zu entfalten. Dabei kommt Eltern und Familien eine entscheidende Bedeutung zu. Auch deshalb hat sich die hessische Landesregierung zum Ziel gesetzt, die Rahmenbedingungen für Familien spürbar zu verbessern und Familienfreundlichkeit zu einem Markenzeichen der Landespolitik zu machen. Mit dem Ausbau einer qualitativ hochwertigen Kinderbetreuung haben wir auf diesem Feld Maßstäbe gesetzt. Ein wesentlicher Bestandteil der Strategie der hessischen Landesregierung zur Armutsbekämpfung sind insbesondere Maßnahmen zur Erwerbsintegration und zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Besondere Bedeutung hat hierbei der Ausbau einer die Familien und Kinder unterstützenden Infrastruktur für Bildung und Betreuung. Deshalb bauen wir die Kindertagesbetreuung aus. In Sachen Kinderbetreuung ist Hessen klarer Vorreiter. Bereits im August 2009 haben wir in der Betreuung von Kindern unter 3 Jahren einen Versorgungsgrad von 20 Prozent erreicht. Der Bund hat diese Zielmarke erst für Oktober 2010 festgeschrieben. Dieser Erfolg darf allerdings kein Grund sein, sich selbstzufrieden zurückzulehnen. Die Landesregierung wird ihre Anstrengungen im Bereich der Kinderbetreuung fortsetzen. Ziel ist es, den vom Bund für 2013 vorgeschriebenen Versorgungsgrad von 35 Prozent ebenfalls vorzeitig zu erreichen. Dafür werden wir unter anderem ein Bonussystem einführen, das die zügige Schaffung von Betreuungsplätzen belohnt. Mit der hohen Verfügbarkeit von Betreuungsplätzen schaffen wir ein wirksames Mittel gegen Kinderarmut. Denn wenn Eltern einer Erwerbstätigkeit nachgehen können, nimmt der Wohlstand der Familie zu. Auch die Beitragsfreistellung des letzten Kindergartenjahres durch die Landesregierung erleichtert den Zugang zu den Kindertageseinrichtungen und ist damit ein wichtiger Baustein zur Umsetzung des Rechts auf Bildung unabhängig von der sozialen Herkunft und ein wichtiges Glied bei der Prävention von Kinderarmut. Kindertagesstätten sind für uns nicht nur Betreuungseinrichtung, sondern auch Bildungsort. Das Land Hessen unternimmt große Anstrengungen, um flächendeckend ein qualitativ hochwertiges Bildungsangebot zu gewährleisten. Eine zentrale Rolle spielt die frühkindliche Bildung. Sie verbessert die Teilhabechancen insbesondere von Kindern aus einkommensschwachen, bildungsfernen und ausländischen Familien. Hessen hat einen Bildungs- und Erziehungsplann entwickelt, um Bildung von Anfang an zu etablieren. Gerade für Kinder aus benachteiligten Familien ist der Zugang zu dieser Förderung die beste Prävention gegen Armut, die Chance, aus der Armut herauszukommen. Auch im Bereich der frühkindlichen Bildung werden derzeit hohe Investitionen getätigt. Für die Entwicklung des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplans für Kinder von null bis zehn Jahren und seine Implementierung in die Praxis der Kindertageseinrichtungen hat die Hessische Landesregierung zwischen 2004 und 2009 Mittel in Höhe von knapp neun Millionen Euro zur Verfügung gestellt. In den folgenden Jahren sind auch für die Qualifizierung der Fachkräfte weitere erhebliche Mittel vorgesehen. Mit dem Bildungs- und Erziehungsplan haben wir einen Orientierungsrahmen für gemeinsame Bildungsziele und Bildungsin-

8 Seite 8 Grußwort Petra Müller-Klepper halte aller Bildungs- und Lernorte für Kinder von der Geburt bis zum zehnten Lebensjahr geschaffen. Der Bildungs- und Erziehungsplan legt damit das Fundament für eine Verzahnung aller Bildungsorte wie Familie, Tagespflegeeltern, Familienbildungsstätten, Kindertageseinrichtungen, Grundschulen, Bibliotheken und Vereine. Der Familie als dem ersten und bedeutendsten Lernort kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Voraussetzung für einen erfolgreichen Bildungsweg ist bei vielen Kindern eine rechtzeitige und wirksame Sprachförderung. Wer bei der Einschulung noch mit Sprachschwierigkeiten kämpft, hat schlechtere Chancen auf fachlichen Lernfortschritt und soziale Integration. Die Landesregierung unterstützt die frühe Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen. Dies ist wichtig. Denn wie verschiedene Untersuchungen zeigen, sind insbesondere viele Kinder mit Migrationshintergrund von Kinderarmut und sozialer Benachteiligung betroffen sind. In Hessen haben rund 42 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund. Um den individuellen Förderbedarf möglichst frühzeitig erkennen und vor der Einschulung beheben zu können, hat sich die hessische Landesregierung dafür entschieden, bei allen vier- bis viereinhalbjährigen Kindern in den Kindertagesstätten ein Kindersprachscreening (KiSS) durchzuführen. Derzeit wird KiSS in den hessischen Kindertagesstätten flächendeckend eingeführt. Die pädagogischen Fachkräfte der Kindertagesstätten werden durch die Sprachexperten der Gesundheitsämter zur Durchführung von KiSS sowie in den Grundlagen des kindlichen Spracherwerbs nach einem hessenweit einheitlichen Curriculum geschult und zertifiziert. Bisher wurden etwa 750 Erzieherinnen und Erzieher in rund 500 Kindertagesstätten geschult und zertifiziert. Bei Kindern mit sprachpädagogischem Förderbedarf ergeben sich aus dem Sprachscreening individuelle Förderziele, die nach den Grundsätzen des hessischen Bildungs- und Erziehungsplanes umgesetzt werden. Zur Überprüfung des Fördererfolgs wird derzeit die ärztliche Schuleingangsuntersuchung so modifiziert, dass die Ergebnisse aus KiSS mit denen der Schuleingangsuntersuchung abgeglichen werden können. Die Weichen für die künftige Entwicklung von Kindern werden ganz wesentlich in den Familien gestellt. Wesentlich ist es also, zum einen die individuellen Ressourcen von Familien zu fördern, um Kinderarmut entgegenzuwirken, also schulische und berufliche Qualifikation sowie Alltags-, Haushalts- und Familienkompetenzen. Zum anderen steht für die Landesregierung im Vordergrund, die strukturellen Ressourcen von Familien durch berufliche Qualifizierung und Beschäftigungsförderung, Betreuung und Information zu stärken. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern, die sich überfordert fühlen oder aus anderen Gründen Hilfe benötigen, bei ihren Erziehungsaufgaben so weit wie möglich unterstützt werden. Zu diesem Zweck fördert die Landesregierung beispielsweise die Fortbildung von Hebammen zu Familienhebammen. Familienhebammen betreuen schwangere Frauen, Mütter und ihre Kinder bis zum vollendeten ersten Lebensjahr, die besonderen gesundheitlichen, medizinisch-sozialen oder psychosozialen Risiken ausgesetzt sind. Als Lotsinnen in der Umbruchsituation von Schwangerschaft, Geburt und erstem Lebensjahr können die Familienhebammen oftmals gerade solche Familien erreichen, die von sich aus keine Hilfe in Anspruch nehmen. Ihr Einsatz in Risikofamilien hat präventiven Charakter und dient dem Schutz der Kinder. Seit dem Start im Jahr 2007 haben bislang 160 Hebammen die Fortbildung zur Familienhebamme durchlaufen. Um dem wachsenden Bedarf der Familien an Unterstützung und Dienstleistung gerecht zu werden und auch Problemfamilien leichter zu erreichen, werden wir in ganz Hessen Kindergärten zu Familienzentren weiterentwickeln. Diese bieten konkrete Hilfen für Familien durch Beratungs-, Informations- und Bildungsmöglichkeiten unter einem Dach. So entsteht ein neues, niedrigschwelliges Angebot mit direktem Zugang, das Familien frühzeitig erreicht. Die Alltagsnähe der Kitas wird genutzt, um Familien zielgenauer zu fördern, unmittelbarer zu helfen und wirkungsvoller vorbeugend zu schützen. Sie sehen: Das Thema Armutsprävention spielt in der Politik der hessischen Landesregierung

9 Seite 9 Grußwort Petra Müller-Klepper eine zentrale Rolle. Unsere Maßnahmen können aber nur dann erfolgreich und nachhaltig wirken, wenn kompetente und engagierte Partner die Umsetzung vor Ort unterstützen. Daher freue ich mich ganz besonders, dass heute so viele Menschen zusammengekommen sind, um sich dem Thema Kinderarmut zu widmen. Ich bin mir sicher: Die heutige Veranstaltung schafft eine Plattform des gegenseitigen Austauschs, die dazu beitragen wird, viele neue Impulse und Ideen in die Regionen zu tragen. Ich wünsche der Veranstaltung ein gutes Gelingen.

10 Seite 10 Handlungsstrategien und mögliche Handlungsansätze für Armutsprävention auf kommunaler Ebene Michael Löher Der Volksmund sagt: Über Geld spricht man nicht, man hat es, oder man hat es nicht. Hieraus könnte geschlussfolgert werden: Über Armut spricht man nicht! Lange war dies auch so. Doch die Kinderarmut ist zum Glück von einem Randthema fast in den Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung gerückt. So wie Familie schon lange nicht mehr Gedöns ist, so ist Kinderarmut kein Tabuthema mehr. Und das ist gut, das ist wichtig! Gerade den Verbänden mit ihren Kampagnen ist es zu verdanken, dass das Thema eine gesteigerte Aufmerksamkeit erhalten hat. Der Kinderschutzbund hat beispielsweise zu den Weltkindertagen von 2006 bis 2008 in 120 deutschen Städten 2,5 Millionen blaue Fähnchen in die Erde gesteckt: ein blaues Fähnchen für jedes arme Kind in Deutschland. Dabei haben auch Aktive hier in Kassel Fähnchen um Fähnchen in den Boden gereiht steckten im Kasseler Boden Fähnchen, 2007 waren es Würde der Kinderschutzbund auch in diesem Jahr, im Jahr 2010, für jedes arme Kind ein Fähnchen stecken er bräuchte leider nicht weniger Wimpel als in den Vorjahren. Die Not ist nach wie vor groß! Deshalb ist es gut und wichtig, dass Politik und Politik beratende Institutionen, Verbände und Organisationen das Problem der Kinderarmut weiterhin auf die Agenda setzen und z. B. in Veranstaltungen wie der heutigen beleuchten und diskutieren: mit Kindern und Jugendlichen also den Betroffenen. Wissenschaftliche Debatten haben wir oft genug. Wir wollen heute daher nicht hochabstrakt und wissenschaftlich daher kommen. Wir wollen anpacken, wo wir handeln können und auch die zu Wort kommen lassen, die wir schützen und vor Armut bewahren wollen. Daher freue ich mich über die heutige Veranstaltung der Initiative Für ein kindergerechtes Deutschland. Und ich freue mich natürlich, über Armutsprävention gerade auf kommunaler Ebene sprechen zu können. Zu Beginn natürlich der Werbeblock in eigener Sache: Den Deutschen Verein beschäftigt das Thema Armut mit seinen vielen Facetten seit über 130 Michael Löher Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.v., Berlin Jahren. Jüngst erst waren wir Sachverständige im Verfahren des Bundesverfassungsgerichts zu den Regelsätzen für Kinder. Wir sind das bundesweite Forum der sozialen Arbeit, des Sozialrechts, der Sozialpolitik. Wir, das sind Landkreise, Städte und Gemeinden, also die Kommunen, das sind die sechs großen Wohlfahrtsverbände, vom Roten Kreuz bis zum Caritasverband. Wir begleiten und gestalten seit 130 Jahren u. a. die Entwicklungen in der Kinder-, Jugend- und Familienpolitik, der Sozial- und Altenhilfe, der Grundsicherungssysteme sowie der Pflege und Rehabilitation. Der Deutsche Verein versteht sich als Ort der Auseinandersetzung mit sozialen Fragen, mit Entwicklungen und Reformvorhaben. Leider haben auch wir das Problem der Armut in den 130 Jahren unserer Existenz nicht gelöst. Aber wir arbeiten daran. So hat der Deutsche Verein bei der Erarbeitung des Nationalen Aktionsplans für ein kindgerechtes Deutschland tatkräftig an der Arbeitsgruppe Sicherung eines angemessenen Lebensstandards für alle Kinder mitgewirkt. Und das, was wir 2004 in dieser Arbeitsgruppe zum NAP festgehalten haben, gilt auch heute noch: Die Armut von Kindern folgt überwiegend der Armut ihrer Eltern. Armut entsteht meistens aus dem Zusammenspiel mehrerer Bedingungen: Den Eltern fehlt die Möglichkeit, ausreichend Geld zu verdienen, sie verfügen über keine gute Ausbildung oder sie sprechen nicht gut Deutsch. Trennungen und Scheidungen von Eltern erhöhen das Armutsrisiko. Besonders alleinerzie-

11 Seite 11 Handlungsstrategien und mögliche Handlungsansätze für Armutsprävention auf kommunaler Ebene Michael Löher henden Frauen fällt es schwer, ihren Lebensunterhalt und den der Kinder eigenständig durch Arbeit zu sichern. Eine fachlich gute Kinderbetreuung und natürlich eine ausreichende Anzahl von Plätzen sind unverzichtbare Voraussetzungen für die Berufstätigkeit. Klar ist: Menschen mit fehlender oder schlechter Ausbildung haben kaum berufliche Aussichten in unserer Wissens- und Informationsgesellschaft. Sie und ihre Kinder sind besonders von Armut bedroht. Versteht man unter Armut nur ein zu geringes Einkommen der Familie, dann hat die Debatte um Kinderarmut bislang wenig gebracht. Geringe Einkommen gibt es noch immer, wird es wohl immer geben, Mindestlohn hin oder her. Und ob das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Regelleistungen für Kinder zu einer Erhöhung führt, das ist auch heute noch unklar. Aus dem Urteil ergibt sich dies jedenfalls nicht. Oberflächlich betrachtet erscheinen uns daher die Möglichkeiten der Kommunen doch eigentlich sehr beschränkt: Kommunen haben keinen Einfluss auf die globalen wirtschaftlichen Entwicklungen, die Menschen eine eigenständige Sicherung des Lebensunterhalts ermöglichen und andere hiervon zeitweise oder dauerhaft ausschließen. Kommunen können nicht verhindern, dass Eltern sich trennen und später als Alleinerziehende hilfebedürftig werden. Kommunen können letztlich nicht beeinflussen, ob durch eine höhere Regelleistung mehr Geld für bedürftige Kinder zur Verfügung steht. Zudem: Die Armutsbekämpfung ist keine gesetzliche Pflichtaufgabe der Kommune. Jetzt ließe sich einwenden, dass Kommunen dann ja wohl gar nichts mit Armutsprävention zu tun hätten. Ein solcher Zwischenruf hätte seine Berechtigung, wenn Armut ausschließlich auf ein unzureichendes Einkommen zu reduzieren wäre. Wenn wir von Armutsprävention auf kommunaler Ebene sprechen, müssen wir uns zunächst darüber im Klaren sein, dass es dabei nicht da- rum gehen kann, wie die Einkommensarmut von Eltern und ihren Kindern zu verhindern ist. Denn das hieße, auf Neu-Deutsch, einen eindimensionalen Begriff von Armut zu haben. Einem solch eingeschränkten Verständnis von Armut könnte ich nicht zustimmen. Ich folge einem Verständnis von Kinderarmut, der einer Begriffsbestimmung der EU-Kommission folgt: Kinder gelten in Deutschland als arm, wenn sie über so geringe materielle, kulturelle und soziale Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise und damit den Sozialisationsbedingungen ausgeschlossen sind, die hier als Minimum angesehen werden. Auf Deutsch und unwissenschaftlich: Arm ist, wer zu wenig Geld hat, nicht ins Theater oder Kino, nicht in den Sportverein oder das Schwimmbad, nicht zum Konzert oder auf Klassenfahrt gehen kann, sich kein Buch kauft und vor der Glotze oder der Play-Station hockt, statt mit anderen Kindern zu spielen unter anderem. Diese Definition von Kinderarmut wurde auch in den Nationalen Aktionsplan aufgenommen. Und so wird Armut mittlerweile von allen verstanden. Wir können festhalten, dass arme Kinder neben rein materiellen Problemen in ihrer sozialen, gesundheitlichen und kulturellen Lebenslage betroffen sind. Das heißt: Arme Kinder haben weniger soziale Kontakte, arme Kinder haben schlechtere Zähne, arme Kinder haben schlechtere Noten. Sicherlich nicht in 100 Prozent der Fälle, aber leider in den allermeisten. Und: Armut wird vererbt, arme Eltern, arme Kinder, arme Enkel, darin sind sich Wissenschaft und Politik einig. Selbstverständlich sind Angebote für die materielle Grundversorgung armer Familien eine bedeutsame Leistung. Wer Hunger hat, kann schlecht lernen oder spielen. Wer keine Winterschuhe hat, kann nicht mit anderen im Schnee toben. Dennoch klammere ich Maßnahmen zur Verbesserung der materiellen Lebenslage wie kommunale Kleiderkammern oder auch die Tafeln heute aus meinem Vortrag aus.

12 Seite 12 Handlungsstrategien und mögliche Handlungsansätze für Armutsprävention auf kommunaler Ebene Michael Löher Wenn wir vor diesem Hintergrund von Armutsprävention sprechen, dann geht es auf der kommunalen Ebene nicht vorrangig um direkte materielle Leistungen. Kommunale Maßnahmen sind eindeutig Leistungen in den Bereichen Soziales, Gesundheit, Bildung. Das soll keinesfalls heißen, dass dies die Kommunen nichts kostet, im Gegenteil! Ich möchte dabei keine falschen Erwartungen wecken: Es werden innerhalb einer Kommune aufgrund noch so guter Armutsprävention nicht weniger arme Kinder leben. Der Begriff Prävention darf hier nicht als Vermeiden von materieller Armut verstanden werden. Was aber gemacht werden kann, ist die Folgen zu geringer Geldmittel zu bekämpfen. Es gibt dabei kein Patentrezept im Sinne man nehme, vernetze und biete an. Konkret: Es gibt kommunale Maßnahmen zur Armutsprävention, die eine gesetzliche Grundlage haben. Dies sind zum einen die kommunalen Eingliederungsleistungen nach 16 a SGB II und zum anderen die Kosten für Unterkunft und Heizung, kurz KdU. Zu den kommunalen Eingliederungsleistungen gehören die Sucht- und die Schuldnerberatung. Durch zielgerichtete Hilfen soll es den Eltern ermöglicht werden, wieder zu arbeiten und ihren Lebensunterhalt selbstständig zu sichern. Ein solcher Erfolg kommt schlussendlich den Kindern zu gute. Die Kommunen haben nach dem Gesetz die sogenannten angemessenen Kosten der Unterkunft zu übernehmen, angemessen deshalb, weil mit Steuergeldern natürlich keine teuren oder überteuerten Wohnung bezahlt werden sollen. Die Kommunen stellen daher Richtlinien auf, aus denen zu erkennen ist, was unter den jeweiligen örtlichen Bedingungen des Wohnungsmarkts als eine angemessene Unterkunft gelten kann. Nun sind aber teure und preisgünstigere Wohnungen häufig räumlich geballt. Die Erfahrung zeigt, dass in den Vierteln mit preisgünstigen Wohnungen konzentriert einkommensschwache Familien und Haushalte mit vielfältigen Problemen leben. Es besteht das Risiko, dass diese Viertel stigmatisiert werden. Folge ist oft, dass Kinder, die dort leben, in der Schule ausgegrenzt werden und später besondere Probleme haben, z. B. einen Ausbildungsplatz zu finden. Richtlinien zu angemessenen Mieten dürfen also nicht dazu beitragen, dass arme und besser bestellte Familien in getrennten Welten wohnen. Denn eine gute soziale Durchmischung ist für das gesamte Gemeinwesen förderlich. Daher hat sich der Deutsche Verein jüngst auch erst gegen eine Pauschalierung der Kosten der Unterkunft ausgesprochen. Ich weiß, das ist gerade hier in Kassel ein heikles Thema. Kommunen verfügen in der Regel über eine breit gefächerte Infrastruktur. Es gibt öffentliche Bibliotheken, Jugendhäuser, Bäder, Museen, Theater, Volkshochschulen und vieles mehr. Diese Einrichtungen stehen grundsätzlich allen offen. Niemand ist ausgeschlossen es sei denn, er kann die Eintrittspreise oder die Nutzungsgebühren nicht bezahlen. Damit auch einkommensarme Kinder die Angebote in ihren Kommunen nutzen können, gibt es in vielen Kommunen Sonderegelungen. So können mancherorts Kinder im Hartz IV- oder Sozialhilfebezug bestimmte Angebote kostenlos in Anspruch nehmen. In anderen Kommunen zahlen sie ein stark vermindertes Entgelt. Aber es reicht nicht, kostenlose Angebote vorzuhalten. Nur wenige Kinder und Jugendliche, vor allem aus sogenannten bildungsfernen Milieus, dürften von alleine auf die Idee kommen, ins Museum zu gehen. Museumspädagogik sowie die Einbeziehung der Kitas, der Schulen oder von Jugendprojekten sind hier nötig. Viele Projekte widmen sich dem Sport als gesundheitsfördernde Maßnahme. Die Stadt Nürnberg zum Beispiel eröffnet mit dem über Spendengelder und Sponsoren finanzierten Projekt Jedes Kind darf schwimmen lernen Kindern aus sozial schwachen Familien die Möglichkeit, an einem vergünstigten Schwimmkurs teilzunehmen. Hier werden direkt mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen, um den Folgen von Armut und Ausgrenzung zu begegnen: sportliche Betätigung allgemein, Verbesserung der Koordinations- und Bewegungsfähigkeit, Verringerung der Unfallgefahren, positive Auswirkungen für die geistige Entwicklung und nicht zu vergessen das Gemeinschaftserleben und das Selbstwertgefühl der Kinder, wenn sie am Ende des Kurses mit dem Seepferdchen nach Hause kommen.

13 Seite 13 Handlungsstrategien und mögliche Handlungsansätze für Armutsprävention auf kommunaler Ebene Michael Löher Andere Projekte widmen sich der Bildung. Bildung ist einerseits ein Schlüssel zur Teilhabe, andererseits zur Armutsreduzierung. Hier in Kassel gibt es das Projekt Kleine Krachmacher. Dieses Projekt unterstützt Kinder der vierten Grundschulklasse, die fast von Anfang an Schwierigkeiten dabei haben, ihre Schullaufbahn erfolgreich zu meistern. In Projekten wie diesen sehe ich einen wichtigen Ansatzpunkt: Das Projekt richtet sich nicht explizit an die Zielgruppe arme Kinder. Es ist also nicht stigmatisierend und gut geeignet, den Teufelskreis von Herkunft aus Armut Zukunft in Armut zu durchbrechen. Interessant an dem Projekt finde ich auch, dass es aus einer Kooperation von Jugendhilfe und Schule entstand. Der Deutsche Verein setzt mit seinem Konzept der Kommunalen Bildungslandschaften, das inzwischen bundesweit diskutiert wird, auf dieses Zusammenwirken. In dem Projekt Kleine Krachmacher finde ich diesen Ansatz in der Praxis umgesetzt wieder. Ein weiterer Punkt ist die Mobilität. Denn soziale Teilhabe setzt voraus: Man muss zu den Orten kommen können, an denen etwas los ist. Besonders in größeren Städten oder ländlichen Regionen sind diese Orte nicht immer zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen. Es fallen Kosten für den öffentlichen Nahverkehr an, die arme Familien nicht tragen können. Viele Kommunen haben daher Regelungen, die bedürftigen Kindern kostengünstige Fahrten ermöglichen und damit weitere Chancen für soziale Teilhabe eröffnen. Ich kann hier und heute natürlich nur einige Beispiele kommunaler Möglichkeiten nennen, arme Kinder zu unterstützen. Alles aufzuführen und auch noch zu systematisieren ist im Rahmen eines Vortrags nicht leistbar. Das muss also einem Best- Practice-Buchband vorbehalten bleiben. Die unterschiedlichen Leistungen innerhalb einer einzelnen Kommune sind oft auch unabhängig voneinander und nebeneinander entstanden und oftmals selbst nicht systematisiert oder in eine Gesamtplanung eingebunden. Und doch: Projekte wie MoKi, also Monheim für Kinder als das Para- debeispiel einer Präventionskette, verfolgen eine strukturierte Strategie. Interdisziplinäre, übergreifende Netzwerke sind Teil davon. Auch Kommunen wie Göttingen mit einem Masterplan oder auch die Stadt Hannover, in der das Jugendund Sozialdezernat eine Strategieentwicklung gegen Kinderarmut initiiert hat, weisen gebündeltes kommunales Vorgehen auf. Betrachtet man Deutschland insgesamt, kann man allerdings das Manko beklagen, dass all diese kommunalen Möglichkeiten nicht überall genutzt bzw. angeboten werden. Das hat aber zur Folge, dass Kinder ungleich von den Folgen der Einkommensarmut ihrer Eltern geschützt sind, je nachdem, wo sie zufällig wohnen. Dazu kommt, dass die meisten dieser Maßnahmen und Projekte sogenannte freiwillige Leistungen sind. Diese Projekte sind richtig und wichtig und die Kommunen haben sicherlich Interesse daran, dass die Folgen der Einkommensarmut der Eltern für die Kinder so gering wie möglich sind. Für sie besteht aber keine gesetzliche Pflicht. Es ist also eine Frage des Bewusstseins der Verantwortlichen vor Ort, der Finanzmittel und der Prioritätensetzung. Es bleibt zu hoffen, dass die Haushaltslage der Kommunen auch zukünftig solche Leistungen ermöglicht. Aus der heutigen katastrophalen Entwicklung der kommunalen Einnahmen erwächst jedoch konkret das Risiko, dass selbst die Kommunen, die bisher diese wichtigen Aufgaben im Rahmen örtlicher Armutsprävention wahrgenommen haben, diese nicht mehr im bisherigen Umfang durchführen können. Andere haben erst gar nicht begonnen oder beginnen können. Sie dann dazu zu ermuntern, ihre Maßnahmen auszudehnen, überhaupt zu ergreifen und dann noch zu systematisieren, ist verständlicherweise schwer. Zudem zeigen sich auch in einem Bereich, der für die Kommunen Pflichtaufgabe ist, Probleme. Ich meine den Ausbau der Kindertagesbetreuung. Spätestens seit Januar diesen Jahres machen die kommunalen Spitzenverbände deutlich, dass sie die Einlösung des Rechtsanspruchs für unter Dreijährige, der ab dem 1. Juli 2013 besteht, nicht garantieren können. Die Diskussion ist bekannt, und ich möchte an dieser Stelle nicht in die Tiefe

14 Seite 14 Handlungsstrategien und mögliche Handlungsansätze für Armutsprävention auf kommunaler Ebene Michael Löher gehen. Aber ich erlaube mir dennoch darauf hinzuweisen, dass dringend eine Lösung zwischen Bund, Ländern und den Kommunen gefunden werden muss. Denn aus dem breiten Spektrum an Aktivitäten im Rahmen der kommunalen Armutsprävention ragt der Beitrag der Kommunen bei der Kindertagesbetreuung heraus, sowohl finanziell als auch in seiner qualitativen Bedeutung. In den Kindertageseinrichtungen werden große Leistungen für die kindliche Bildung und den Erwerb sozialer und kultureller Kompetenzen erbracht. Sie kommen insbesondere den Kindern aus sozial benachteiligten Haushalten zu Gute. Denn gerade für sie fehlen alternative Orte des Lernens. Zudem: Erwerbstätigkeit der Eltern ist immer noch das beste Mittel, um Kinder vor Einkommensarmut zu schützen. Die Untersuchungen im Zusammenhang mit der Armuts- und Reichtumsberichterstattung des Bundes zeigen dies eindrucksvoll. Ohne eine öffentliche Kinderbetreuung aber ist Erwerbstätigkeit im erforderlichen Umfang nicht möglich. Die soziale Staffelung der Kita-Gebühren bis hin zur Beitragsbefreiung aus kommunalen Mitteln ist neben den Programmen der Länder, den Kindergarten ab einem bestimmtem Kindergartenjahr gebührenfrei anzubieten ein weiterer möglicher Beitrag der Kommunen, den Auswirkungen der Kinderarmut entgegenzuwirken und Familien zu unterstützen. Aber auch hier gilt: Regionale Unterschiede bestimmen das Bild. Diese werden dadurch verstärkt, dass viele Maßnahmen zur Armutsprävention von freien Trägern ausgeführt werden und nicht von der Kommune. Und je aktiver die freien Träger oder die Verbände sind, umso aktiver gestalten sich die Projekte. Eine Kommune ist auf die Zusammenarbeit mit den freien Trägern angewiesen. Sie braucht Zugänge, Multiplikatoren und Menschen, die sich einsetzen und Projekte anstoßen und auch durchführen. Umso aktiver ein Lehrer ist, um so eher werden beispielsweise aus Grundschülern Lesepaten für Kindergärten. Umso aktiver ein Klassenverband ist, umso mehr Spenden werden für ein bestimmtes Projekt eingeworben. Die Kommune muss diese Aktivitäten insgesamt kennen, wert- schätzen und bündeln, dann besteht eine viel größere Chance, dass aus einer guten Idee eine gute Sache wird. Ob Runder Tisch, ob Bürgerstiftung, die sich vor Ort gründet, ob kommunale Kleiderkammer, ob Oppositionsantrag des kommunalen Parlaments, ob eine neuartige Vernetzung innerhalb der Kommune: All dies sind Ansatzpunkte, um das Thema Kinderarmut vor Ort zur Sprache zu bringen. Dazu möchte ich eines zu bedenken geben: Diejenigen, die sich mit Hartz IV eingerichtet haben und in Boulevard-Blättern stolz den Titel faulster Arbeitsloser tragen, sind wenige und werden zu Recht kritisiert. Studien zeigen aber deutlich: Auch arme Eltern wollen das Beste für ihre Kinder und sparen an erster Stelle an sich selbst. Nur: Was ist das Beste? Wie können sozial benachteiligte, bildungsferne Familien, lernen oder erleben, was für ihre Kinder wichtiger ist, als ein Nintendo? Wie können Eltern, die selbst lange kein Buch mehr zur Hand genommen haben, für ihre Kinder und mit ihren Kindern ihren Horizont erweitern? Hier muss bei den Eltern angesetzt werden - und dies möglichst frühzeitig. Angebote der Familienbildung oder auch der Elternbildung ermöglichen niedrigschwellige präventive Unterstützung und auch Beratung. Die Familienbildung nach 16 SGB VIII, also dem Kinder- und Jugendhilfegesetz, ist eine Leistung, die die öffentliche Jugendhilfe anbieten soll. Das SGB VIII gibt das Leitziel aus, allen Kindern und Jugendlichen ein Aufwachsen in Wohlergehen zu ermöglichen. Ich kann nur an die öffentlichen Träger der Jugendhilfe appellieren, diesen Auftrag ernst zu nehmen. Wenn also Eltern in der Regel das Beste für ihre Kinder wollen, dann müssen wir sie dabei, so sie es nicht alleine schaffen, unterstützen. Eltern schämen sich, wenn sie arm sind. Dieses Schamgefühl vergrößert die Ausgrenzung, die arme Kinder erfahren. Eltern müssen aussprechen können Wir sind arm und können nicht alles bezahlen oder bei allem mithalten. Es gehören immer zwei Seiten dazu, um Ausgrenzung und fehlende Teilhabe aufrecht zu erhalten.

15 Seite 15 Handlungsstrategien und mögliche Handlungsansätze für Armutsprävention auf kommunaler Ebene Michael Löher Die Masterarbeit einer Lehramtsabsolventin über die Bewertung der Vornamen von Grundschulkindern brachte zu Tage, dass Kevin kein Name, sondern eine Diagnose ist. Die Studien von Professor Wilfried Bos von der TU Dortmund machen deutlich, dass die Schullaufbahnempfehlung nach der Grundschulzeit unmittelbar mit dem sozialen Status der Eltern zusammenhängt unabhängig vom IQ der Schülerinnen und Schüler. Das muss uns doch umtreiben! Und dabei muss sich jeder und jede selbst an die eigene Nase fassen. Denn Spiel nicht mit den Schmuddelkindern wer kennt seinen Franz Josef Degenhard denn nicht? Hier kann das Klima in der Gesellschaft noch einiges an Veränderung vertragen. Hiermit kann in der Kommune, im eigenen Kiez, vor der eigenen Haustüre, begonnen werden.

16 Arbeitsgruppe 1 Seite 16 Das habe ich nicht gewusst Kinder- und Jugendarmut nicht übersehen Fachinput Ingo Loeding Deutscher Kinderschutzbund, Kreisverband Stormarn e.v. Armut aus dem Verborgenen geholt Armut aus dem Verborgenen geholt Ingo Loeding April 2010

17 Arbeitsgruppe 1 Seite 17 Das habe ich nicht gewusst Kinder- und Jugendarmut nicht übersehen Öffentlichkeit bilden Warum müssen wir handeln? Über 2,5 Mio. Kinder leben von Sozialgeld. Mindestens ebenso viele leben in Familien mit geringem Einkommen. Jedes 4. Kind in Deutschland ist damit von Armut betroffen. Armut aus dem Verborgenen geholt Ingo Loeding April 2010 Handlungsschritte Aufmerksamkeit schaffen durch Informationen Handlungsmöglichkeiten aufzeigen Armut aus dem Verborgenen geholt Ingo Loeding April 2010

18 Arbeitsgruppe 1 Seite 18 Das habe ich nicht gewusst Kinder- und Jugendarmut nicht übersehen Aufmerksamkeit Die Fähnchenaktion. Blanke Zahlen greifbar machen. Für jedes Kind das von Sozialgeld lebt, wird in zentraler Lage ein Fähnchen gesteckt für den Kreis Stormarn Fähnchen für Hannover Fähnchen für Hamburg Fähnchen für Berlin Armut aus dem Verborgenen geholt Ingo Loeding April 2010 Aufmerksamkeit Die Fähnchenaktion. Entwicklungen aufzeigen : : Kinder Kinder und seit 2007 über Kinder Armut aus dem Verborgenen geholt Ingo Loeding April 2010

19 Arbeitsgruppe 1 Seite 19 Das habe ich nicht gewusst Kinder- und Jugendarmut nicht übersehen Aufmerksamkeit Die Fähnchenaktion weiter regionalisiert. Armut aus dem Verborgenen geholt Ingo Loeding April 2010 Information Der Armutsatlas. Als Heft fasst der Atlas die wichtigsten Informationen zum Thema Kinderarmut zusammen. Die kartographische Darstellung schafft den Bezug zum eigenen Sozialraum. Armut aus dem Verborgenen geholt Ingo Loeding April 2010

20 Arbeitsgruppe 1 Seite 20 Das habe ich nicht gewusst Kinder- und Jugendarmut nicht übersehen Information Regelsätze aufschlüsseln Wie viel braucht ein Kind zum Aufwachsen? Armut aus dem Verborgenen geholt Ingo Loeding April 2010 Information Die Kinderrechte-Zeitung Armut aus dem Verborgenen geholt Ingo Loeding April 2010

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