Kaum hat man die Allianz PrivatRente, tut man alles, um länger zu leben.

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Saale Coburg Rehau Zwiesel Tiefenbach Region Passau Bad Kissingen Ebersdorf Maßbach Stadtsteinach Burgkunstadt Hofheim i.ufr. Kulmbach Bad Staffelstein Ebensfeld Alzenau Bad Berneck Sailauf Partenstein Schweinfurt Johannesberg Hösbach Gemünden Haßfut Rattelsdorf Goldkronach Laufach Hohes Fichtelgebirge a. Main Zapfendorf Stockstadt Goldbach Lohr a.main Aschaffenburg Haibach Eußenheim Bayreuth Hummelgau Bessenbach Karlstadt Werneck Breitengüßbach Neualbenreuth Eckersdorf Neusorg-Pullenreuth Wolsdorf/ Stegaurach Bamberg Hollfeld Mistelgau Speichersdorf Marktheidenfeld Volkach Strullendorf Erbendorf Ahorntal / Kemnath Würzburg Waischenfeld Hirschaid Creußen Bärnau Pressath Kreuzwertheim Buttenheim Pottenstein Ebermannstadt Pegnitz Plößberg Geiselwind Eggolsheim Bürgstadt Kitzingen Gößweinstein Miltenberg Reichenberg Eibelstadt Forchheim Beiersdorf Pretzfeld Altenstadt/WN Gosberg Hilpoltstein Betzenstein Weiden Eckental Neuhaus Pleystein Neunkirchen am Brand Velden Vilseck Vohenstrauß Simmelsdorf Schwabachtal Edelsfeld Erlangen Luhe-Wildenau Moosbach Schnaittach Pommelsbrunn Schnaitten- Aurachtal/ Neukirchen Heroldsberg Oberreichenbach Neunkirchen a.s. Sulzbacher b. SR Hirschau bach Wernberg-Köblitz Pfreimd Schönsee Langenzenn Fürth Amberg Freudenberg Oberviechtach Nürnberg Happurg Land Ammerndorf Zirndorf Leinburg Kümmersbruck Nabburg Großhabersdorf Ebermannsdorf Fensterbach Rothenburg Oberasbach ob der Tauber Roßtal Winkelhaid Schwarzenfeld Neunburg Flachslanden Wendelstein Unteres Vilstal vorm Wald Heilsbronn Wackersdorf Petersaurach Berg Neuendettelsau Pyrbaum Bodenwöhr Aurach Windsbach Allersberg Teublitz Bruck Cham Burgoberbach Hohenfels Schnelldorf Herrieden Freystadt Bechhofen Georgensgmünd Nittenau Parsberg Heideck Arnbruck Berching Regenstauf Schopfloch Bergen Pettendorf Lappersdorf Bernhardswald Drachselsried Greding BDS/DGV-Ortsverbände Dinkelsbühl Breitenbrunn Wenzenbach in Bayern Wassertrüdingen Laaber Zeitlarn Wilburgstetten Weißenburg Beilngries Nittendorf Dietfurt Wörth a.d. 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3 Jahresbericht 2004/2005 Bund der Selbständigen Deutscher Gewerbeverband Landesverband Bayern e.v. Berichtszeitraum April 2004 März 2005 Schwanthalerstraße München Postfach München Telefon: 089/ Telefax: 089/ Internet: München, im März 2005 Prof. Dr. Fritz Wickenhäuser, Präsident Markus Droth, Hauptgeschäftsführer

4 Inhalt Jahresmotto 2005: Innovative Familienbetriebe gemeinsame Verantwortung für die Zukunft 6 von BDS/DGV-Präsident Prof. Dr. Fritz Wickenhäuser und Hauptgeschäftsführer Markus Droth Interessen vertreten Meinungen transportieren 9 Der Verband bewegt sich erfolgreich auf verschiedenen Feldern Keine Bagatellen: Griffe in die Unternehmerkasse 10 Erbschaftssteuer auf Betriebsvermögen gefährdet Bestand vieler Unternehmen 12 Die Suche nach neuen Instrumenten am Ausbildungsmarkt 14 Wettbewerb im Handel: Eine UWG-Novellierung wirft neue Probleme auf 16 Ursachen ins Visier nehmen: Unzureichende Maßnahmen gegen die Schwarzarbeit 18 Bedrohliche Zunahme der Insolvenzen und die Gründe dafür 20 Gutes Miteinander von Wirtschaft und Kommunen 22 Mit der Politik im Gespräch: Meinungsbildung im Dialog die Verbandsmitglieder in den Parlamenten 24 Medienpräsenz: Im Licht der Öffentlichkeit 30 Veranstaltungen und Events: Öffentliches Interesse erzeugen 33 Netzwerke bilden Kooperationen fördern 37 Aktivitäten vor Ort und weit über Bayern hinaus Strategische Allianzen: Zusammenarbeit zahlt sich aus 38 Jahresberichte aus den Bezirksverbänden München: Positives Fazit auf allen Ebenen 40 Oberbayern-Ost: Gewachsene Strukturen effizient ausgebaut 42 Oberbayern-West: Breites Leistungsspektrum überzeugt 45 Oberpfalz: Weiterbildung und individuelle Hilfe zur Selbsthilfe 48 4

5 Niederbayern: Geldwerte Vorteile bringen viel neue Mitglieder 49 Oberfranken: In neun Regionen neu gegliedert 51 Mittelfranken: Mit Schwung zu stattlichem Wachstum 54 Unterfranken: Messen und Gewerbeschauen als regionales Zugpferd 56 Schwaben: In der Fläche und in den Medien präsent 58 Neugründungen und Reaktivierungen: Die Jungunternehmer werden miteingebunden 60 Alle Ortsverbände und Gewerbevereine mit ihren Vorsitzenden 62 Wettbewerbsfähigkeit steigern Kosten senken 66 Hoher Gegenwert für den Mitgliedsbeitrag Vorsprung durch Wissen: Vernetzte Information 68 Vorsprung durch Schutz und Beratung Juristischer Service: Wichtige Hilfe bei Problemen 73 Betriebswirtschaft: Wo gibt es Fördermittel und Problemhilfe? 77 Schutzverband: Grenzen kennen - Freiräume nutzen 78 Vorsprung durch Einkaufsvorteile: Verbandsmitgliedschaft senkt unternehmerische Kosten 82 Praxisorientiertes Standort-Marketing: Zuerst die Analyse, dann die Reaktion 86 Das Dach der Selbständigen effizient organisiert 89 Mitgliederentwicklung: Gut geschwommen gegen den Strom 90 Finanzen: Erfreuliche Entwicklung 92 Das Präsidium 94 Der Landesausschuss 96 Organigramm, Geschäftsstellen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 97 Impressum 102 Übersichtskarte der Ortsverbände/Gewerbevereine 103 Wir danken unseren Partnern, die uns mit ihrer Anzeigenplatzierung bei der Erstellung des Jahresberichts unterstützt haben. Ihre Anzeigen finden Sie auf den Seiten 2: DKV, 29: Hausbank, 36: N-ergie, 67: T-Com, 75: Toyota, 79: LEW, 83: Mannheimer, 86: Nissan, 105: Allianz 5

6 Vorwort Innovative Familienbetriebe F gemeinsame Verantwortung für die Zukunft 99,8% aller Unternehmen in Deutschland sind laut EU-Definition dem Mittelstand zuzuordnen. 80% davon sind keine Kapitalgesellschaften. Von dieser Gruppe der Einzelfirmen und Personengesellschaften sind 80% laut einer BDS/DGV-Untersuchung familiär geführte Unternehmen. Damit wird deutlich, dass sich mit der Zukunft der Familienbetriebe die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland entscheidet. Hinzu kommt, dass kleine und mittlere Unternehmen über 85% der Ausbildungsund 78,5% aller Arbeitsplätze stellen. Auch mit ihren Forschungsleistungen können sich die KMU sehen lassen. Denn: 80% der Patente werden von ihnen angemeldet. Also: Familienbetriebe, Selbstständige, kleine und Prof. Dr. Fritz Wickenhäuser mittlere Unternehmen brauchen sich nicht zu verstecken. Sie dürfen sich nicht verstecken, im eigenen Interesse und in ihrer Verantwortung für Unternehmen, Arbeitsplätze und Standort. Im Begriff»Familienbetrieb«stecken zwei wesentliche Merkmale: Familien als Lebensform sind die Voraussetzung für die demographische Zukunft unseres Landes. Ein Land ohne Kinder wird ein Land ohne Menschen, und Kinder ohne Familien sind für die Zukunft schlecht gerüstet. Familien sind die generationsübergreifende Form des Zusammenlebens. Gefährdet sind sie gleich mehrfach: Durch die finanziellen Rahmenbedingungen, die durch unser derzeitiges Steuersystem noch verstärkt werden. So wollen laut einer Umfrage junge Frauen im Durchschnitt 2,1 Kinder, aber nur, wenn es die finanzielle und berufliche Situation ohne Probleme zulässt. Dies ist genau die Kinderzahl, um die Gesellschaft zu erhalten. Unter den heutigen finanziellen Rahmenbedingungen wollen sie jedoch nur 1,1 Kinder (in Frankreich 1,9, in Deutschland bei Migranten immerhin auch 1,9). Durch die beruflichen Rahmenbedingungen: Hier sind Lösungen dringend erforderlich, bei denen Kinder und Karriere keine sich gegenseitig ausschließende Alternative sind. Durch die familiären Rahmenbedingungen: Generationenübergreifendes Zusammenleben bedingt gegenseitiges Miteinander. Nicht ins Bild passen Senioren, die ihre Aktivitäten nur im Urlaub und nicht bei der familiären Unterstützung ihrer Kinder entfalten. Betriebe erfordern Bestandspflege und Existenzgründungsförderung, wie wir im geplanten Mittelstandsförderungsgesetz in der neuen Fassung lesen können. Der Erhalt bestehender Betriebe sichert weitaus mehr Arbeitsplätze als durch Neugründungen geschaffen werden können. Bereitschaft zur Selbstständigkeit. Sie 6

7 Vorwort ist gekennzeichnet durch Übernahme von Verantwortung, Leistungsorientierung und Risikobereitschaft. Letztere finden wir jedoch häufig nur bei der Buchung von Abenteuerreisen und der Ausübung von Gefahrensportarten sowie beim Schwarzarbeiter, der in der Freizeit auf eigenes Risiko tätig ist. Diese Branche boomt. Aus der aktuellen Situation ergeben sich folgende Forderungen: Sicherung des Generationswechsels durch ein entsprechendes Erbschaftssteuermodell für Betriebsübergaben: Wir brauchen schnellstens eine Regelung, bei der im Erbfall ein Unternehmen nicht zwangsläufig auf Grund der zu zahlenden Erbschaftssteuer zum Insolvenzfall wird. Eine Lösung wäre die Stundung bei Betriebsfortführung und jedes Jahr eine Reduzierung um 10%. Nach zehn Jahren ist keine Erbschaftssteuer mehr zu zahlen. Dies sichert Arbeitsplätze, Wertschöpfung und bringt dem Finanzminister weitaus mehr Steuern als die einmalig eingetriebene Erbschaftssteuer, die zum Zeitpunkt der Betriebsübergabe der Nachfolger unmöglich aufbringen kann. Die Innovations- und Forschungsförderung für kleine und mittlere Unternehmen ist stärker zu öffnen. Innovation und Forschung erfolgt auch in kleinen und mittleren Unternehmen ohne eigene Forschungsabteilung mit Spezialisten für Förderanträge. Kleine und mittlere Unternehmen weisen dennoch oft ein hohes Maß an Innovation und Kreativität selbst in traditionellen Wirtschaftszweigen aus, allerdings zumeist im Verborgenen. Sie praktizieren Innovation und Kreativität in der Verwirklichung der Kundenwünsche. Wertebindung der kleinen und mittleren Unternehmen: Diese Wertebindung ist nicht am Shareholder-Value orientiert, sondern am Kundenwert und am menschlichen Miteinander von Mitarbeiter, Kunde und Unternehmer, die alle zusammen zur»unternehmensfamilie«zählen. Diese Wertebindung ist die wirksamste Sicherung von Arbeitsplätzen. Sie soll am»tag des Kunden«, am 16. September 2005, bayernweit durch unsere Mitglieder der Bevölkerung deutlich gemacht werden. Familienbetriebe pflegen Standorttreue aus Kundenbindung und Tradition. Sie sichern den hohen kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Wert unserer Innenstädte wenn die kommunalen Rahmenbedingungen dies nicht verhindern. Kundenbetreuung vor Ort hat Zukunft: Der Kunde ist bereit, in die tägliche Lebensqualität vor Ort zu investieren. Und dazu zählt die konsumentenorientierte Nahversorgung, der Einkauf als Erlebnis. Familienbindung der kleinen und mittleren Unternehmen: Markus Droth Familienbetriebe führen aus Eigeninteresse und Wertorientierung zu familiengerechten Arbeitswelten. Familienbetriebe sind kein Auslaufmodell, sondern ein unverzichtbarer Stabilitätsfaktor in Gesellschaft und Wirtschaft. Das wird nicht überall erkannt. Eine neue Broschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend berichtet über die»familienfreundliche Arbeitswelt und Unternehmenskultur«. Familienbetriebe, deren Leistungen und Bedeutung, werden darin nicht einmal erwähnt. Unternehmensfinanzierung und Eigenkapitalbildung: Der Dialog mit den Finanzierungspartnern muss offen, transparent und auf gleicher Augenhöhe erfol- 7

8 Vorwort gen. Folgende Punkte sind dabei besonders zu beachten: Das Eigenkapital schmilzt durch Umsatzrückgang und Verluste. Die Eigenkapitalquote bei KMU beträgt lediglich 7%. Fremdkapital steht nur mehr begrenzt zur Verfügung und setzt eine Eigenkapitalbasis voraus (Basel II). Deshalb sollten einbehaltene Gewinne erst bei der Entnahme versteuert werden. Mittelstandsförderprogramme sind oft nicht transparent und durch das Hausbankprinzip an das Wohlwollen der Hausbank gebunden. Deshalb ist eine Verbesserung des Hausbankprinzips für diese Programme notwendig. Die BaFIN (Bankenaufsicht) darf mit ihrer Bürokratie nicht zum Wettbewerbsbremsinstrument der Banken verkommen. Netzwerke sind in Zeiten der Globalisierung Grundvoraussetzung für eine langfristige Entwicklung. Es ist die wichtigste Aufgabe des BDS/DGV, ein solches Netzwerk zur Verfügung zu stellen. Die Aussage»gemeinsame Verantwortung für die Zukunft«soll die enorme Bedeutung der Gemeinsamkeit unterstreichen. Großbetriebe gestalten diese intern durch disziplinarische und organisatorische Maßnahmen. Manager entscheiden nach den Erfordernissen der Quartalsberichte über die Qualität und Ausprägung der Verantwortung - nicht selten verantwortungslos. In unserer Verantwortung liegt es daher, die Kultur der Selbstständigkeit gemeinsam mit Inhalten und Leben zu erfüllen, im Miteinander von Mitarbeitern, Kunden und Partnern. Netzwerke vor Ort und überregional sind dringend erforderlich. Einzelkämpfer haben keine Zukunftschance. Netzwerk ist nur ein anderer Ausdruck für Kooperation aus Überzeugung in dreifacher Hinsicht: Übergreifend aktiv: Generationenübergreifend: Das Miteinander der Generationen sichern. Branchenübergreifend: Der Kunde sucht nicht in Kategorien von Branchen, sondern nach Lösungen. Unternehmensübergreifend: Gemeinsame Lösungen zur Steigerung der Attraktivität des Standortes, beispielsweise in Form von regionalen Messen und Leistungsschauen. Hoffnung und Perspektive werden geprägt von den Rahmenbedingungen und deren Berechenbarkeit. Sind diese unberechenbar, wird die Besitzstandswahrung zum Handlungsmotiv. Folge: kein Konsum, keine Investition, keine Innovation. Handlungsbedarf gibt es unter anderem bei folgenden Punkten: Abbau von Bürokratiebelastungen: Großbetriebe mit ihren Stabsabteilungen können das nebenbei bewältigen, bei den Selbstständigen werden sie zu einer teuren Bremse der Aktivitäten. Erhalt der Flexibilität der Kleinen (Kleinbetriebsklausel für Betriebe mit weniger als 20 Mitarbeitern) Rechtliche Rahmenbedingungen sind mittelstandsgerecht zu gestalten. Wir engagieren uns derzeit an folgenden juristischen»baustellen«: Antidiskrimierungsgesetz, EU-Dienstleistungsrichtlinie, Ein- Euro-GmbH, Ich-AG, Einnahmenüberschussrechnungsformular, Versteuerung bei MWST, VOB,... Eine Kultur der Selbstständigkeit, wie sie unser Land dringend braucht, eine»revitalisierung«und Weiterentwicklung, ist ohne den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ethischen Beitrag der Familienbetriebe nicht darstellbar. Prof. Dr. Fritz Wickenhäuser Präsident Markus Droth Hauptgeschäftsführer 8

9 Interessenvertretung Interessen essen vertreten eten Meinungen transportier ansportierenen Der Verband hat vielseitige Aufgaben, die weit über eine reine Mitgliederbetreuung hinaus gehen (obwohl diese ebenfalls von elementarer Bedeutung ist). Und er hat als branchenübergreifende Institution in zahlreichen Bereichen Aktivitäten zu entfalten, weil es gilt, unterschiedlichste Interessen zu vertreten, deren Meinungen zu ergründen, die Probleme von Handel, Handwerk und Gewerbe sowie sonstigen Selbstständigen zu begreifen und dann die erfassten Extrakte bekannt zu machen. Auf den Feldern, auf denen sich der BDS/DGV in Bayern bewegt, sind immer wieder Stolpersteine zu beseitigen, Hürden zu überwinden und Schluchten zu überqueren. Beharrlichkeit und Geduld sind oft notwendig, ebenso eine erhöhte Leistungsbereitschaft, weil Unternehmer vertreten werden, die selbst viel leisten. Und bei allen Aktivitäten gilt es, sachlich und seriös zu bleiben, um als Informant und Gesprächspartner volle Akzeptanz zu haben. Das ist vor allem im Kontakt mit der Politik von großer Bedeutung, ebenso aber im Verhältnis und der Zusammenarbeit mit den Medien. Die Mitglieder sind dabei eine wesentliche Hilfe. Das Instrument der Meinungsforschung wird gezielt angewandt. Bei Umfragen zu bestimmten Themen werden auch die im Verband organisierten Selbstständigen immer wieder»angezapft«. Zu den Problemen der Unternehmensnachfolge, der Betriebserhaltung und den Folgen von Insolvenzen sowie der Berufsausbildung wurden beispielsweise die Mitglieder befragt. Die Resultate flossen dann in Positionspapiere ein, die für die Kontakte mit maßgeblichen Politikern ebenso genutzt werden konnten wie für Pressemitteilungen und Gespräche mit Journalisten. Wichtig war erneut der Kampf gegen die Schwarzarbeit. Diese machte erst kürzlich Schlagzeilen, als bei einer Großbaustelle in München zahlreiche Rumänen entdeckt wurden, die hier für einen Hungerlohn arbeiteten. Wieder einmal wurde deutlich, dass die geltende Praxis, das billigste Angebot anzunehmen, im Widerspruch zu den Erfahrungen in dieser Branche steht... Meinungen transportieren, das bedeutet in der Politik, nicht nur mit denen zu reden und zu diskutieren, zu denen ohnehin ein gutes Verhältnis besteht - wie im Fall des Verbandes zur Bayerischen Staatsregierung und den für den Mittelstand relevanten Ressorts. Auch andere Parteien oder die Gewerkschaften können und sollen wichtige Partner sein, mit denen man sich austauscht. Und letztlich muss der Verband gelegentlich in der Öffentlichkeit»auf die Pauke hauen«, um Aufmerksamkeit zu erregen. Mittlerweile wird dabei eine beachtliche Klangstärke erreicht. 9

10 Gebührenlast Keine Bagatellen: Griffe in die Unternehmerkasse Wenn es um Steuererhöhungen geht, ist nicht nur der Bund erfindungsreich. Die Steuerspirale dreht sich auch auf anderen Ebenen, für die breite Öffentlichkeit oft unmerklich, aber gerade für mittelständische Unternehmer in einem gefährlichen Umfang. Es gibt eine Reihe von Versuchen und Absichten, den Betrieben zusätzlich in die Kasse zu greifen. Aktuell wird in Bayern in eine Mottenkiste gegriffen, in der schon vor langer Zeit (1989) die Bagatellsteuern abgelegt wurden. Die kommunalen Spitzenverbände setzen sich dafür ein, sie zur»verbesserung ihrer Finanzsituation«wieder einzuführen. Schützenhilfe bekamen sie dabei im Frühjahr 2004 durch den CSU-Fraktionsvorstand, der sich dafür aussprach, das Verbot von kommunalen Bagatellsteuern abzuschaffen. Vom Verband gab es energische Proteste. Er erinnerte an die Erkenntnisse der bayerischen Deregulierungskommission, die im Jahr 2003 in ihrem mit»entbürokratisieren, deregulieren, flexibilisieren Vorfahrt für Unternehmen und Arbeit«überschriebenen Abschlussbericht festgestellt hatte, dass das Steuerrecht einer der Bereiche für den Abbau von Deregulierungen ist. Er verwies darauf, dass man zwar das Defizit der kommunalen Haushalte mit Sorge sehe und der standorttreue selbstständige Mittelstand unter dem Investitionsstau der Städte und Gemeinden besonders leide. Aber dieses Problem über die Bagatellsteuern zu lösen, sei der denkbar falsche Weg. Nötig sei vielmehr eine echte, nachhaltige Gemeindefinanzreform, die sich nicht nur auf die Gewerbesteuer beschränken darf. Die Kommunen müssten von Ausgaben entlastet, bzw. sämtliche Kosteneinsparungspotenziale genutzt werden. Sie müssten damit eine ge- sicherte finanzielle Basis bekommen. Darüber hinaus gab es einen Schulterschluss unter anderem mit dem Bund der Steuerzahler, der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, dem Bayerischen Industrieund Handelskammertag und dem Bayerischen Handwerkstag in Form einer gemeinsamen Resolution. Eine Wiedereinführung von Bagatellsteuern wurde strikt abgelehnt. Es wurde darauf verwiesen, dass es vor 15 Jahren das Ziel der Bayerischen Staatsregierung gewesen sei, die steuerliche Belastung der Bürger zu begrenzen und auch auf dem Gebiet der kommunalen Abgaben ein einfaches und gerechtes, volkswirtschaftlich vertretbares Steuersystem zu schaffen. Ein weiteres Beispiel, wie versucht wird, durch die Hintertüre Unternehmer zur Kasse zu bitten, ist die Einführung von Rundfunkgebühren für PC s in Betrieben. Fixiert ist das im achten Rundfunkänderungsstaatsvertrag, der von den Länderparlamenten bereits verabschiedet wurde. Fällig sind für jeden Computer, der zum Empfang bereit gehalten wird, pro Grundstück 17,01 Euro pro Monat. Das macht nach einer Rechnung des Verbandes pro Jahr 120 Mio. Euro, die Unternehmen zur Finanzierung von Funk und Fernsehen garantiert beitragen sollen. Der Verband argumentierte in einer Presseerklärung, dass die moderate Erhöhung der Rundfunkgebühren für die 10

11 Gebührenlast Bürger auf Kosten der mittelständischen Wirtschaft geht. Es werde völlig ignoriert, dass fast alle betrieblich genutzten PCs überhaupt nicht für den Empfang von Funk und Fernsehen vorgesehen sind. Appelliert wurde leider ohne Erfolg an die Parlamente der Länder, den Vertrag in der derzeit vorliegenden Form nicht zu verabschieden. Denn:»Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wird nicht nur durch die hohe Steuerlast, sondern ebenfalls in ganz entscheidendem Umfang durch Gebühren, Abgaben und Bürokratie belastet. Die Entscheidung der Ministerpräsidenten leistet dieser Entwicklung Vorschub.«Ein weiterer Punkt, der dem Mittelstand auf den Nägeln brennt, ist die Parkplatzablöse. Die Bayerische Bauordnung verpflichtet die Bauherren von Geschäftshäusern zur Bereitstellung von Stellplätzen in ausreichender Zahl und Größe in geeigneter Beschaffenheit. Der Grundsatz wird gesetzlich revidiert, weil die Gemeinden mittels Stellplatzbeschränkung das Recht haben, die Bereitstellung zu untersagen, aber dafür von den Unternehmen einen Obolus für nicht errichtete Stellplätze kassieren. Diese Regelung ist nach Einschätzung des Verbandes nicht nur absolut unverständlich und bürokratisch, sie treibt außerdem die Kosten von bauwilligen Betrieben in die Höhe. Das hat mittlerweile das Bayerische Innenministerium erkannt. Es ist geplant, die Verpflichtung zur Bereitstellung von Stellplätzen gänzlich abzuschaffen. Dagegen laufen viele Gemeinden Sturm, weil sie befürchten, dass ihnen eine Einnahmequelle versiegt, der jede Logik abgeht, die sie aber für die Finanzierung des Öffentlichen Personennahverkehrs dringend brauchen. Der Verband verwies in einer Presseerklärung darauf, dass man die Bedenken der Kommunen nicht auf die leichte Schulter nehme. Aber das ändere nichts an der Tatsache, dass diese Form der Finanzierung des Personennahverkehrs falsch ist, da sie nur die Unternehmen belastet, aber die Allgemeinheit davon profitiert. Im Erfinden von Steuerarten waren Bund und Länder immer schon sehr erfindungsreich. So wurde die Schaumweinsteuer einst zur Finanzierung der kaiserlichen Flotte eingeführt. 11

12 Bestandssicherung Erbschaftssteuer auf Betriebsvermögen gefährdet Bestand vieler Unternehmen Das Thema wird seit Jahren diskutiert und hat nichts von seiner Brisanz verloren: Die Erbschaftssteuer auf Betriebsvermögen ist mehr als ein Ärgernis, sie geht in der bisherigen Form bei vielen Unternehmen an die Substanz und gefährdet ihren Bestand. Der BDS/DGV ist dabei am Ball und hält das Thema»am Kochen«. Wie notwendig das ist, machte eine Umfrage unter den Mitgliedern deutlich. 87 Prozent der Chefs, die ihre Firma in den nächsten zehn Jahren an einen Nachfolger übergeben wollen, sehen die Zukunft des Betriebes durch die Erbschaftssteuer gefährdet; 86 Prozent dieser Unternehmer sprechen von einer»erheblichen bis bedrohlichen Gefährdung«. Besonders kritisch wird es mit dem Tod des Inhabers. Es fehlt dann dem Unternehmen nicht nur der erfahrene Kopf, die fällige Erbschaftssteuer kann es finanziell ausbluten lassen. Sind nicht genügend Mittel vorhanden, muss das Lebenswerk einer Familie verkauft werden - mit der Folge, dass es oft zerschlagen wird und dabei Arbeitsplätze verloren gehen. Im Bund plädiert der Sachverständigenrat mit wenig Sachverstand dennoch für eine Beibehaltung des bisherigen Steuersatzes. Die Union und damit auch Bayern haben dagegen inzwischen klare Vorstellungen, wie ein korrigierendes Gesetz aussehen soll. Kernpunkte sind eine Schonung des»begünstigten Betriebsvermögens«und hier eine Stundung der Erbschaftssteuer, die letztlich nach zehn Jahren zu einem vollständigen Erlass wird, wenn das Unternehmen dauerhaft fort geführt wird. Ein Entwurf des bayerischen Finanzministeriums entspricht vielen Anregungen des Verbandes. Zum Teil erfolgten sie über die Mitgliedschaft in der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), in deren Stellungnahme weite Teile der BDS/DGV-Argumentation eingeflossen sind. Darüber hinaus hat der Verband eigenständig Staatsminister Dr. Kurt Faltlhauser im Juli 2004 schriftlich über die Vorstellungen des selbstständigen Mittelstandes unterrichtet. Zuletzt wurden wichtige Instanzen des Finanzministeriums noch ausführlich über die Hätten Sie s gewusst? Nur 0,3 Prozent der deutschen Unternehmen werden nicht zum Mittelstand gerechnet. 12

13 Bestandssicherung aktuelle Situation und die Notwendigkeiten gesetzlicher Korrekturen im Detail informiert. Der Verband begrüßte dabei, dass die Reform der Erbschaftssteuer auf Betriebsvermögen umgehend und isoliert zu anderen (ebenfalls notwendigen) Reformen der Unternehmensbesteuerung angegangen werden soll. Er verwies auch darauf, dass die Gegenfinanzierung indirekt gesichert ist, wenn berücksichtigt wird, dass die öffentliche Hand für den Verlust eines Arbeitsplatzes durch den Wegfall der Lohnsteuer und der Sozialversicherungsbeiträge mit durchschnittlich Euro Kosten rechnen muss. Hoch bewertet wurde die im Gesetzentwurf vorgesehene Eindämmung der Normenflut. Externe Erhebungen haben nach Information des BDS/DGV schon seit langem gezeigt, dass die Bürokratie-Belastung mit sinkender Unternehmensgröße kontinuierlich steigt. Erfreut wurde registriert, dass es im Entwurf ausdrücklich einheitliche Vermögensbesteuerungsgrundsätze unabhängig von der Rechtsform gibt. Als Fortschritt sei es ebenfalls anzusehen, dass der Verwandtschaftsgrad des Übernehmers zum Übergeber entgegen der bisherigen Regelungen im Entwurf keine Rolle mehr spielt. Darüber hinaus befasste sich der Verband mit vielen Details im Gesetzentwurf und deren möglichen»nebenwirkungen«. Nachbesserungsbedarf bestehe durchaus noch. Ein Beispiel ist der Hinweis auf eine geplante Einschränkung, wonach die Steuer fällig wird, wenn»entnahmen getätigt oder Ausschüttungen vorgenommen werden, die die Summe der Einlagen des Zuwendungsempfängers und der ihm zuzurechnenden Gewinne oder Gewinnanteile um mehr als Euro übersteigen.«der Verband wies darauf hin, dass oft mit der Übergabe des Unternehmens die Auszahlung von weiteren Erben verbunden ist. Dies mache im Regelfall höhere Entnahmen aus dem Betriebsvermögen erforderlich (mangels privatem Vermögen des Übernehmers). Diesem außerordentlichen Vorgang müsse in ausreichendem Umfang Rechnung getragen werden. Genauer definiert werden müsse außerdem, was alles zum Betriebsvermögen gerechnet gehört. So können beispielsweise Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten gerade für innovative Unternehmen von hoher Bedeutung sein, wenn sie sich auf den Forschungsund Entwicklungsbereich fokussiert haben. Ein Vermögen dieser Art könne eine dringend notwendige Voraussetzung für künftige Investitionen sein, die im Falle einer Übergabe einen wichtige Rolle spielen. Es sei daher anzuraten, sie unter Umständen separat zu behandeln, je nachdem, in welchem Verhältnis dieses Vermögen zu Forschungs- und Entwicklungsausgaben des Unternehmens steht. Im Prinzip begrüßte der Verband den Gesetzentwurf als»schritt in die richtige Richtung«. Freilich müsse er durch weitere Maßnahmen flankiert werden, die primär auf die Bereiche»individuelle Unternehmensberatung«und»öffentliche Fördermittel«(auch für Beratungen) konzentriert werden sollten. Neben den Kontakten mit der Politik wird jede sich bietende Gelegenheit genutzt, die breite Öffentlichkeit auf das Problem aufmerksam zu machen, zuletzt bei einem Redaktionsbesuch in der»mittelbayerischen Zeitung«in Regensburg. Bei diesem Anlass wurde auch auf die Bedeutung der Familienbetriebe aufmerksam gemacht, die mehr als Konzerne die Wirtschaft stabilisieren und für Wachstum sorgen. Aber gerade sie sind bedroht... 13

14 Lehrstellenproblem Die Suche nach neuen Instrumenten am Ausbildungsmarkt Geraume Zeit hing sie wie ein Damoklesschwert über den deutschen Unternehmen. Es gab viele Fürsprecher für eine Ausbildungsplatzabgabe. Das konstruktive Miteinander von Politik, Schulen, Bewerbern und der Wirtschaft festgehalten im nationalen Ausbildungspakt hat die Einführung dieser neuen, vor allem für den selbstständigen Mittelstand ungerechten Sondersteuer verhindert. Es kam zu einer Kooperation statt der befürchteten Konfrontation. Der Verband hatte in einer Stellungnahme deutlich gemacht, dass Ausbildungsplätze in Unternehmen und nicht durch staatliche Drohgebärden entstehen. Obwohl sich alle Seiten redlich bemühten, war Ende 2004 klar, dass es wieder einmal nicht gelang, allen Bewerbern einen Ausbildungsplatz anzubieten. Ursachenforschung ist angesagt und wird weiter betrieben werden müssen. Der Verband tat das noch im November im Rahmen einer öffentlichen Podiumsdiskussion in Augsburg, bei der nach»neuen Instrumenten am Ausbildungsmarkt«gesucht wurde. Darüber hinaus wurde mehrfach im vergangenen Jahr untersucht, woran es liegt, dass zwischen Nachfrage und Angebot eine Lücke klafft - und dabei sogar festgestellt, dass es Angebote von Lehrstellen gibt, aber diese nicht angenommen werden. Eine Umfrage bei Mitgliedsbetrieben, deren Ergebnis im August 2004 bekannt gemacht wurde, ergab, dass viele Unternehmen ihre Zahl an Ausbildungsplätzen deutlich erhöht haben (Plus 22 Prozent!), es aber bei den Firmen, die sich an der Umfrage beteiligt hatten (knapp 560, im Durchschnitt 30 Mitarbeiter, überwiegend Inhaber-geführt), rund 100 unbesetzte Stellen gibt. Daraus folgt, dass es allein in Bayern zu diesem Zeitpunkt, hochgerechnet, etliche tausend offene Lehrstellen gegeben haben muss. Ermittelt wurde, dass es selbst für willigste Unternehmen oft schwer ist, neue Auszubildende zu finden (45 Prozent der Befragten äußerten das). Kritisiert wurde die unzureichende Qualifikation der Kandidaten (84 Prozent) sowie deren schlechtes Auftreten oder Erscheinungsbild (40 Prozent). Das deckt sich zumindest indirekt mit den Erkenntnissen der ersten PISA-Studie, in der festgestellt wurde, dass bis zu einem Viertel der Schulabgänger»nicht ausbildungsreif«sind. Es gab bei der Verbandsumfrage auf der einen Seite ein klares Bekenntnis zur betrieblichen Ausbildung, aber ebenso reichlich Hinweise auf weitere Problemstellen. Dazu gehören insbesondere die zu hohen Kosten (60 Prozent gaben dies an), die zu geringe Präsenz am Arbeitsplatz (52 Prozent), zu viel bürokratischer, bzw. administrativer Aufwand (35 Prozent) und praxisferne Ausbildungsinhalte an den Berufsschulen (30 Prozent). Bayern ging in Sachen Ausbildung eigene Wege. Im Mai 2004 rief der Bayerische Ministerrat gemeinsam mit den Organisationen der bayerischen Wirtschaft und den Agenturen für Arbeit die Kampagne»fit for work«ins Leben. Ergänzend zu bisherigen Schritten wie Mobilitätshilfe, Grenzlandförderung, LfA-Fördermittel wurde in einer Kabinettssitzung im August 2004 ein Bündel weiterer Maßnahmen be- 14

15 Lehrstellenproblem Welche Gründe gibt es, dass Sie nicht ausbilden? zu hohe Kosten 60 zu wenig Präsenz am Arbeitsplatz 52 zuviel Bürokratie / administrativer Aufwand 36 praxisferne Ausbildungsinhalte an Berufsschulen schlechte Erfahrungen mit früheren Azubis finde keine geeigneten Lehrlinge 26 Alle Angaben in Prozent, Mehrfachnennungen möglich schlossen. Dazu gehören die Mobilisierung von Mitteln des Europäischen Sozialfonds für Ausbildungsplätze in ganz Bayern und die Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze durch den Freistaat. Trotz solcher Fortschritte konnte die Lehrstellenlücke nicht geschlossen werden. Neben der kritischen wirtschaftlichen Gesamtsituation mit zahlreichen Insolvenzen (die oft einen Verlust an Ausbildungsplätzen bedeuten) und der schwachen Binnenkonjunktur, unter der vor allem der selbstständige Mittelstand leidet, wurde das Problem verstärkt, weil in 2004 zudem die Zahl der gemeldeten Bewerber anstieg (um 8 Prozent). Weitere Schritte sind notwendig. Es gibt einige Ansatzpunkte, die kurzfristig realisierbar sind: Mittels öffentlicher Fördermittel oder Zuschüsse lässt sich der Kostendruck reduzieren. Die Präsenz am Ausbildungsplatz kann erhöht werden. Der bürokratische Aufwand muss weiter verringert werden. Die Vermittlung von ausbildungswilligen Bewerbern muss optimiert werden, wobei jedoch dem Engagement der Bewerber eine entscheidende Rolle zukommt. Hier muss in den Schulen und bei den Eltern ein neues Bewusstsein entstehen. Die bisherigen Maßnahmen, bzw. ihre Inhalte haben die Ausbildungsbetriebe noch nicht in nötigem Umfang erreicht. Der vorhandene Informationsbedarf ist weiter hoch. Das Potenzial vorhandener und bislang nicht öffentlich erfasster Ausbildungsplätze muss konsequent ausgeschöpft werden. Neue Diskussionen über eine Ausbildungsplatzabgabe sind grundsätzlich zu vermeiden. Denn durch die Ankündigung Anfang 2004 wurde viel Vertrauen und Kooperationsbereitschaft zerstört. Grundvoraussetzung ist, dass die Politik die Leistungsbereitschaft aller Akteure anerkennt. 15

16 Rechtsstreit Wettbewerb im Handel: Eine UWG- Novellierung wirft neue Probleme auf Der mittelständische Einzelhandel hat längst nicht mehr nur mit den»klassischen«verbrauchermärkten auf der grünen Wiese zu kämpfen. Es gibt inzwischen noch andere Konkurrenz, die Ärger bereitet und dazu beiträgt, dass immer mehr Händler das Handtuch werfen. In diesem Zusammenhang sprach das Landgericht Köln im vergangenen Jahr ein Urteil»im Namen des Volkes«über einen Fall im oberbayerischen Fürstenfeldbruck. Man darf a) bezweifeln, ob das sog. Volk langfristig damit glücklich werden wird und b) ob die Richter im fernen Köln auch richtig beurteilen konnten, welche Auswirkungen ihr Spruch haben wird. Konkret ging es um den zum Rewe- Konzern gehörenden Toom-Bau- und Gartenmarkt in Fürstenfeldbruck, der in seinem Sortiment Waren führt, die eigentlich nichts in einem derartigen Markt verloren haben: Wein, Haushaltswaren, Kühlschränke, Fahrräder, Fernseher, Filme, Zigaretten, Bücher, Erfrischungsgetränke und Süßwaren konnten unter anderem aufgelistet werden. Bisheriger Grundsatz war, dass die Festlegung von Einzelhandelssortimenten ein zentrales Instrument zur Steuerung der Versorgungsplanung ist. Dieses wird sowohl von den Kommunen direkt als auch auf Veranlassung der Regionalplanung in den Bebauungsplänen verwendet. Dabei geht es darum, die Innenstädte überlebensfähig zu halten und eine wohnortnahe Versorgung zu gewährleisten. In zunehmenden Maße war in den letzten Jahren zu beobachten, dass es in Bayern zu immer größeren Überschreitungen der ursprünglichen Festsetzungen in Bebauungsplänen durch die großen Handelskonzerne kommt. Deshalb entschied sich der BDS/DGV, dagegen vorzugehen. Über den Schutzverband gegen Unwesen in der Wirtschaft e.v. wurde auf Basis des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) Unterlassungsklage gegen eindeutige Verstöße des Toom Bau- und Gartenmarkt Fürstenfeldbruck eingereicht. Der verschanzte sich hinter Angaben wie»auslistung wäre eine Bevormundung der Kunden«,»bieten Mehrwert, um uns von konkurrierenden Baumärkten abzuheben«,»sind ein Wirtschaftsfaktor für den Standort, der Arbeitsplätze sichert und Kaufkraft anzieht.«das war dann aber nicht das eigentliche Thema vor dem Landgericht Köln (zuständig durch den Firmensitz der Toom- Zentrale in der Stadt am Rhein). Der Richter drang gar nicht erst zum Kern der Sache vor, sondern argumentierte, dass es sich bei der Festsetzung im Bebauungsplan um eine sog. Marktzutrittsregelung handelt. Verstöße dagegen würden nicht vom UWG und auch nicht über eine Generalklausel des 3 UWG erfasst. Für den BDS/DGV Bayern war es nicht nachvollziehbar, warum das UWG, ein wichtiges Selbsthilfeinstrument der Wirtschaft, bei offensichtlichen Rechtsbrüchen nicht gelten soll. Aber Richterspruch ist Richterspruch doch daraus gilt es Konsequenzen zu ziehen. Indirekt war das Kölner Urteil sogar wertvoll, weil dadurch deutlich gemacht wurde, dass der Gesetzgeber gefordert ist und Handlungs- 16

17 bedarf besteht. Wenn es hier keine klaren Korrekturen gibt, dann sind Raumordnungsverfahren und weitere Diskussionen in Gemeinde- und Stadträten oder Bekenntnisse zum Schutz der Innenstädte künftig ad absurdum geführt. Die Forderung lautet: Das UWG muss neu formuliert bzw. ergänzt werden. In der Neufassung vom 8. Juli 2004 wurden beispielhaft Nennungen von Fallgruppen von unlauterem Wettbewerb aufgeführt. Die damit im Zusammenhang stehende explizite Nennung des Marktzutritts wurde durch den Bundestag heraus genommen. Verbandspräsident Prof. Fritz Wickenhäuser argumentierte in einer Pressekonferenz:»Die Streichung des Marktzutritts bei der Novellierung des UWG war ein Fehler, der umgehend zu korrigieren ist, sonst werden aus lebendigen Innenstädten Geisterstädte. Der Erhalt mittelständischer Einzelhandelsstrukturen und damit die Nahversorgung der Menschen in ganz Deutschland steht auf dem Spiel.«Die Kommunen sind künftig ebenfalls besonders gefordert und müssen sich neu orientieren, wenn sie es gut mit ihrem Einzelhandel meinen. Als Konsequenz aus dem Urteil ergibt sich, dass die Landratsämter, die kreisfreien Städte und die großen Kreisstädte die Kontrollorgane sind. Dabei bleibt für jede Behörde ein Ermessensspielraum, der die Aussichten auf Erfolg stark einschränkt. Hinzu kommt, dass ein Vorgehen über eine Behörde und der damit verbundene Verwaltungsgerichtsweg langwierig ist, während eine einstweilige Verfügung in einem Zivilverfahren (z.b. Wettbewerbsrecht) kurzfristig, in der Regel innerhalb weniger Tage, zu erhalten ist. Weil die Festsetzung von Sortimenten nach diesem Richterspruch und der daraus resultierenden Tendenz zum stumpfen Schwert geworden ist, muss über die sog. städtebaulichen Verträge Vorbeugung betrieben werden. Diese werden mit einem Vorhabenträger geschlossen, wenn ein sog. vorhabenbezogener Bebauungsplan beschlossen werden soll. In diesen städtebaulichen Verträgen müssen künftig die einzelnen Sortimente zwingend detailliert aufgeführt werden. Ein Verstoß ist mit einer Vertragsstrafe zu ahnden. Kommt es zu Verstößen, dann gibt es einen festen, detaillierten Rahmen für eine mögliche Klage. 17

18 Schattenwirtschaft Ursachen ins Visier nehmen: Unzureichende Maßnahmen gegen die Schwarzarbeit Im August 2004 wurden neue gesetzliche Maßnahmen für die Bekämpfung der Schwarzarbeit Gesetz. Im Mittelpunkt steht dabei nicht der private, sondern der gewerbliche Bereich. Die Kontrolle wurde in den Händen der Zollverwaltung gebündelt. Die neuen Regelungen sind eine Fortsetzung verschiedener Initiativen der Bundesregierung in den Jahren 1998 bis 2002, die trotz erheblichen Aufwands von Seiten der Verwaltung, aber ebenso der Unternehmer (Beispiel Bauabzugssteuer), nicht von Erfolg gekrönt waren. Das ist bislang bei den Aktivitäten des Zolls offenbar anders. Wie im Februar 2005 bekannt wurde, entdeckten die Fahnder - meist auf Baustellen -, dass 474,4 Millionen Euro an Steuern und Sozialabgaben hinterzogen werden sollten, ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der eingeleiteten Strafver- fahren hat sich mit sogar versiebenfacht. Zugleich stellten das Institut für angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Tübingen und der Linzer Ökonomieprofessor Friedrich Schneider beim geschätzten Umfang der Schwarzarbeit nach Jahren eines Wachstums von durchschnittlich 5 Prozent (!) einen Rückgang fest: Von 370 Milliarden Euro im Jahr 2003 auf 364 Milliarden im Jahr Das steht aber nicht im Zusammenhang mit den zunehmenden Kontrollen oder der Angst davor. Ursache ist laut Prof. Schneider die Zunahme der Minijobs. Trotz dieser jüngsten Entwicklung bleibt die Schwarzarbeit ein Problem. Denn ihre Dimension ist gewaltig, auch wenn man berücksichtigt, dass in den Zahlen des Instituts und von Prof. Schneider (Messinstrument ist die Bargeldnachfrage) Straftaten wie Schmuggel oder Betrug mit erfasst sind. 16,7 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung (das sog. Brutto- Die Zunahme der Mini-Jobs hat zu einem leichten Rückgang der Schwarzarbeit geführt. Aber das Problem ist nach wie vor gravierend. 18

19 Schattenwirtschaft inlandsprodukt) wurden im vergangenen Jahr»schwarz«erwirtschaftet. Nach Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts gingen dem Staat damit allein 17 Milliarden Euro Mehrwertsteuer verloren. Wie der bayerische Landesverband in einer Vergleichsrechnung publik machte, entspricht dies wiederum einem Umsatzverlust von 106 Milliarden Euro. Bei einer Umsatzrendite von nur drei Prozent bedeutet das ein Gewinn-Minus von 3,2 Milliarden Euro. Wenn man runde 40 Prozent Ertragssteuer abzieht, fehlt den seriösen Unternehmen ein Reingewinn von annähernd 2 Milliarden Euro eine Summe, mit der beispielsweise über zusätzliche Ausbildungsplätze zu finanzieren gewesen wären (auf Basis der jährlichen Durchschnittsaufwendungen von Euro pro Lehrstelle). In einer Stellungnahme des BDS/DGV zur Schwarzarbeit wurde festgestellt, dass die jüngsten gesetzgeberischen Aktivitäten grundsätzlich zu begrüßen sind, dass sie aber einige Haken enthalten. Dazu gehören die umfangreichen Rechte der Kontrollbehörden, ebenso aber die Maßgabe, dass bereits vor Durchführung eines Straf- oder Bußgeldverfahrens der Ausschluss eines Unternehmens von öffentlichen Aufträgen möglich ist, also vor einer ja nicht garantierten Verurteilung. Hinzu kommt noch, dass die Fahndungsbemühungen des Zolls einen erheblichen Kostenaufwand mit sich bringen. Vermisst wird vom Verband, dass die Ursachen für die Schwarzarbeit nicht angegangen werden. Da sie vor allem in arbeitsintensiven Branchen auftritt, muss die Entlastung des Faktors Arbeit im Mittelpunkt der Bemühungen stehen. Die Lohnnebenkosten, bei denen die Bundesrepublik im internationalen Vergleich eine Spitzenposition einnimmt, sind noch mehr als die Steuerlast ein Nährboden. Zwischen den Kosten des Auftraggebers und dem Nettoeinkommen des Ausführenden gibt es eine viel zu große Differenz. Hinzu kommt noch die Belastung der Produkte und Dienstleistungen mit Mehrwertsteuer. Zu den weiteren Gründen für die Schwarzarbeit gehören: Die Beiträge in die Sozialversicherung werden angesichts sinkender Leistungen dieser Systeme als ungerecht empfunden. Daher sinkt die Bereitschaft zur Beitragsleistung. Das deutsche Steuerrecht ist zu kompliziert. Unverständliche Regelungen werden für viele nicht als moralisch bindend angesehen. Trotz der Änderung im Bereich der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse (400-Euro-Jobs) ist der Arbeitsmarkt für einfache und gering qualifizierte Tätigkeiten noch nicht in ausreichendem Umfang geöffnet. Die Regulierungsdichte des Arbeitsmarktes ist nach wie vor ein wesentliches Hindernis zur Schaffung regulärer Arbeitsverhältnisse und damit zur Verhinderung von Schwarzarbeit. Maßnahmen gegen diese Punkte sind dringend notwendig. Sie müssen aber, wie der BDS/DGV in seiner Stellungnahme feststellte, mit einer Initiative gekoppelt werden, bei der die Schwarzarbeit aus der Ecke der Kavaliersdelikte heraus geholt wird. Das Unrechtsbewusstsein der Bürger und Unternehmen muss verstärkt werden. Dies ist allerdings nur dann zumindest annähernd zu erreichen, wenn alle Beteiligten die Aktivitäten der öffentlichen Hand als gerecht, transparent und nachvollziehbar bewerten. 19

20 Pleitewelle Bedrohliche Zunahme der Insolvenzen und die Gründe dafür Was ist der Unterschied zwischen einem Arbeitnehmer, der entlassen wird, und einem Unternehmer, dessen Betrieb Insolvenz anmelden muss? Ganz einfach. Der vormalige Angestellte oder Arbeiter bekommt Arbeitslosengeld, der Chef eines Unternehmens erhält keinen Cent Unterstützung und fällt oft in ein tiefes Loch. Dass er vielleicht früher mal, als er noch nicht selbstständig war, reichlich in die Arbeitslosenversicherung einzahlte, spielt keine Rolle mehr. Dieses Geld ist längst dem Staat zugefallen... Die Zahl der Insolvenzen hat in den letzten Jahren analog zur wirtschaftlichen Entwicklung deutlich zugenommen Unternehmen, fast ebenso viele wie in 2003, mussten im vergangenen Jahr aufgeben (in Bayern waren es etwa Betriebe). Besonders betroffen waren kleine Einzelunternehmen; hier gab es sogar ein trauriges Wachstum von 8 Prozent. Einen Grund für die anhaltend negative Entwicklung macht der BDS/DGV in den Ich-AGs aus. 17 Prozent von ihnen sind, trotz staatlicher Förderung, bereits wieder vom Markt verschwunden. Kritisiert wird, dass es trotz der Mahnungen der Wirtschaft geraume Zeit nicht erforderlich war, ein Unternehmenskonzept als zwingende Voraussetzung für die Anmeldung einer Ich-AG zu erstellen. Verbandspräsident Prof. Fritz Wickenhäuser in einer Presseerklärung:»Dieses Versäumnis lässt sich nachträglich nicht mehr beheben.«was die Insolvenzen betrifft, so gab es hier am 1. Januar 1999 eine Neuordnung, die knapp drei Jahre später novelliert wurde. Primäres Ziel des Bundesgesetzgebers war es, bereits im Vorfeld einer drohenden Pleite, also vor Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung, Schritte und Maßnahmen zu ermöglichen, die zur Fortführung eines Unternehmens und damit zur Rettung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen führen können. In einer Stellungnahme des Verbandes an das bayerische Wirtschaftsministerium im Zusammenhang mit einem Gesetzentwurf zur Änderung der Insolvenzordnung, des Kreditwesens und anderer Gesetze ist festgehalten: Das Ziel des Bundesgesetzgebers wurde eindeutig verfehlt. Bei den knapp Unternehmensinsolvenzen waren die Gläubiger in lediglich 185 Fällen (also in nicht mal 0,5 Prozent) bereit, dem Unternehmen weiter zu vertrauen und die Geschäfte weiter führen zu lassen. Der Verband listete eine Reihe von Gründen auf. Kritisch befasste er sich mit dem Gebaren der Banken, für die häufig und ausschließlich die schnelle Einbringung ihrer Kredite im Vordergrund steht und nicht der Fortbestand eines Betriebes. Es werde in die Geschäftsführung eingegriffen und massiver Druck auf Inhaber ausgeübt. Das aktuelle Insolvenzrecht bietet nach Einschätzung des BDS/DGV für die Banken keinerlei Anreiz, um von dieser Geschäfts- und Kreditpolitik Abstand zu nehmen. Ein weiterer Kritikpunkt sind die Insolvenzverwalter, denen eine entscheidende Position zukommt. Trotzdem müssen sie ihre Fähigkeiten und Qualifikatio- 20

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