Branchenbuch 2012 / 13. Mit Magazin- und Serviceteil. Frauen Unternehmen. Branchen & Netzwerke Berlin Umland

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1 Branchenbuch 2012 / 13 Mit Magazin- und Serviceteil Frauen Unternehmen Branchen & Netzwerke Berlin Umland

2 Aus Eins mach Fünf hoch X Fotolia.com Ihr Einsatz + unser Hexeneinmaleins = Mehr Mikrokredite für Frauen! Infos: Tagungs(t)räume in Berlin-Mitte Infos:

3 1 Branchenbuch FrauenUNTERNEHMEN 2012 / 13 Redaktioneller Teil Ulrike Röhr Eine nachhaltigere Welt wäre eine glücklichere Welt! 5 Interview Wirtschaften Frauen verantwortlicher? 11 Vorstellung Projekte zum Thema 21 Weiterlesen Bücher zum Thema 24 Aktuelles Thema Mehr Mikrokredite für Frauen 26 Anzeigenteil Branchen A-Z 29 Anzeigen Inserentinnen A-Z 40 Serviceadressen Existenzgründungsberatung und -unterstützung 42 Unternehmerinnen-Netzwerke und -verbände 42 Berufliche Orientierung und Fortbildung 43 Fach- und Berufsverbände 44 Frauenzentren, Treffpunkte und Kultur 45 Notrufe 46 Gesundheit und Sport 46 Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte 47 Anhang Impressum 48

4 2 Foto: Katja von Helldorff Projekt Postmarks : eine internationale Vernetzung von KünstlerInnen aus Italien, Spanien, Großbritannien und Deutschland, gefördert durch das EU-Programm Grundtvig-Lebenslanges Lernen. Künstlerische Leitung für Berlin: Katja von Helldorff, Koordination: Anna Chrusciel

5 3 Editorial Liebe Leserin, lieber Leser, es ist für Frauen zunehmend attraktiv, die eigene Chefin zu sein und familien- und lebensfreundliche Arbeitsbedingungen mit sich selbst auszuhandeln. So machen sich immer mehr Berlinerinnen selbständig. Dennoch: Ein Zuckerschlecken ist die Existenzgründung meist nicht. Frauen haben auch als Selbständige unverschämt viel weniger Einkommen als Männer und sollten die volle Unterstützung von Kundinnen und Kunden bekommen, die mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Wirtschaft schätzen. Bei diesem Ansinnen soll Ihnen das Branchenbuch eine Hilfe sein! Also wie jetzt? Weniger Wachstum insgesamt? Aber mehr Wachstum von Frauenunternehmen? Verzicht? Oder Teilhabe am Reichtum? Wie sollen wir uns als KonsumentInnen oder als Unternehmerinnen in diesem Szenario eigentlich verhalten? Weshalb ist der erforderliche Umbau unserer Wirtschaft auch ein Genderthema? Diesen Fragen spüren wir im redaktionellen Teil nach. Ihnen wünschen wir eine spannende Lektüre und interessante Kontakte zu den selbständigen Frauen, die in diesem Branchenbuch inseriert haben. Aber wie passt unsere Forderung nach mehr Teilhabe von Frauen am Wirtschaftsleben eigentlich mit der Forderung nach mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft zusammen? Wir leben in der westlichen Welt maßlos über unsere Verhältnisse. Muss wirtschaftliches Wachstum nicht eigentlich eher begrenzt werden? Muss die Botschaft nicht heißen: viel weniger und viel klügerer Konsum, viel weniger Wachstum, ja, und auch Verzicht! Dr. Katja von der Bey Vorstandsmitglied und Geschäftsführerin der WeiberWirtschaft eg Online finden Sie das Branchenbuch unter

6 4 Monika-Flamm.de Psychotherapie (HP) Coaching Mediation Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben. Cicely Saunders +49(0)

7 5 Ulrike Röhr Foto: Enrico Verworner Ulrike Röhr Eine nachhaltigere Welt wäre eine glücklichere Welt! Finanzkrise, Klimakrise, Ernährungskrise Krisen bestimmen die Nachrichten und Diskussionen. Dass alle Krisen irgendwie zusammenhängen und miteinander verknüpft sind, darüber wird weniger berichtet. Wie wir diesen multiplen Krisen begegnen können, dafür stehen oftmals allzu einfache Lösungen parat: Wir brauchen weiterhin Wachstum, aber auf der Basis einer nachhaltigeren, einer grünen Ökonomie, lautet die Forderung der einen (quer durch alle politischen Lager). Dies war auch einer der wesentlichen Schwerpunkte bei der Konferenz der Vereinten Nationen zu nachhaltiger Entwicklung, die im Juni 2012 in Rio de Janeiro stattfand. Aber da gibt es auch die anderen Stimmen, die eine Veränderung unserer Konsumund Lebensstile fordern, vor allem eine Veränderung unserer Produktionsweise und De-Growth, also Schrumpfung statt Wachstum. Was denn nun, wachsen oder schrumpfen? Beides, lautet die ehrliche Antwort. Schrumpfen müssen die Wirtschaftsbereiche, die mit hohem Verbrauch unserer natürlichen Ressourcen einhergehen und die Güter produzieren, die wir nicht wirklich brauchen. Billigprodukte, die in anderen

8 6 Weltregionen durch Menschen hergestellt werden, denen weder Arbeitsrechte noch eine angemessene Bezahlung zugestanden werden in hohem Ausmaß Frauen übrigens. Produkte, die dort bei der Herstellung und hier nach Ablauf ihrer kurzen Lebensdauer die Umwelt verschmutzen. Die mit unseren Ressourcen umgehen, als ob sie unendlich zur Verfügung stünden. Die dadurch zur Ungerechtigkeit weltweit beitragen, weil das, was wir hier und jetzt verbrauchen, Menschen in anderen Regionen der Welt fehlt. Zum Beispiel die in Deutschland hergestellten Luxuskarossen und SUVs, die mit hohem Benzinverbrauch und entsprechenden CO 2 -Emissionen zum Klimawandel beitragen. Wollten alle Menschen auf der Erde so leben wie wir, dann bräuchten wir drei oder sogar fünf Planeten, rechnen Umweltorganisationen uns immer wieder vor. Wachsen muss dagegen die Bildung, das Wissen, die Umsetzung unserer Erkenntnisse in Handeln, der gesellschaftliche Zusammenhalt. Um ein nachhaltiges Leben zu führen, brauchen wir mehr kluge Dienstleistungen. Wachsen muss in unserer schrumpfenden und alternden Gesellschaft mit Sicherheit die Sorge und Fürsorge für Alte und Kranke. Aber auch die Beteiligung der Bevölkerung an politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen: Wohin fließen die Subventionen? Welche Regeln sollen für die Herstellung gelten? Welche Güter sollen (weiter)entwickelt werden? KonsumentInnen dürfen zwar ganz am Schluss entscheiden, ob und welches Produkt sie kaufen, nicht aber darüber, ob überhaupt, wo und wie dieses Produkt hergestellt wird. Was wachsen muss, sind Diskussionen darüber, was wir für ein gutes Leben wirklich brauchen: jedes Jahr ein neues Smartphone? Oder soziale persönliche Netzwerke, Gespräche und Freizeitaktivitäten mit Menschen, die uns etwas bedeuten?

9 7 Fotowettbewerb WeiberWirtschaft 2010, Beitrag von Antje Ripking Wie soll das alles gehen? Wer soll das bezahlen? Das sei eine Diskussion und Vorschläge, die nur für die reiche Bevölkerung gelten, wird an dieser Stelle regelmäßig eingewendet. Eine HartzIV-Empfängerin oder eine Gründerin könnten sich umwelt- und gesundheitsschonend und sozial gerecht hergestellte Produkte nicht leisten. also auch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit statt einen multinationalen Konzern zu unterstützen. Gleichzeitig müssen wir einen weiteren Teufelskreis durchbrechen: wir arbeiten, um zu konsumieren, je mehr wir arbeiten, desto mehr konsumieren wir und haben dann keine Zeit mehr, das Gekaufte wirklich zu gebrauchen, schmeißen es allzu oft unbenutzt weg. Die Zahlen Nein? Genau darum geht es, sich zu fragen, ob wir uns die vielen (billigen) Produkte leisten können, ob wir sie wirklich brauchen, oder ob nicht weniger, hochwertige und langlebigere Produkte, gebrauchte, geliehene oder gemeinschaftlich genutzte Produkte sinnvoller sind. Finanziell ist das meist ein Nullsummenspiel. Und viele Gründerinnen und Unternehmerinnen stellen genau diese Produkte her und bieten sinnvolle Dienstleistungen in diesem BU Bereich an. Deren KundInnen leisten damit

10 8 über Lebensmittel, die auf der Müllhalde landen, sprechen da eine klare Sprache. Aber auch der Anstieg der von Burn-out und Depressionen Betroffenen, der ursächlich mit zu viel, aber umgekehrt auch zu wenig gesellschaftlich anerkannter Arbeit zu tun hat. Die Lösung: Weniger ist mehr, das alte Motto gilt auch hier. Weniger, aber hochwertigere Produkte kaufen; weniger Erwerbsarbeitszeit, aber gerechtere Aufteilung aller gesellschaftlich notwendigen Arbeiten. Brauchen wir das Wachstum für unseren Wohlstand und damit für unser Glück? Aber die Arbeitsplätze, kommt dann sofort das nächste Totschlagargument. Wachstum verspricht Arbeitsplätze, Arbeitsplätze versprechen Wohlstand und Wohlstand resultiert in Glück. So die landläufige Meinung. Mitnichten! Es besteht kein ursächlicher Zusammenhang zwischen ökonomischem Wachstum und Wachstum an Arbeitsplätzen. Was wächst, ist der Wohlstand des reichsten Zehntels der Bevölkerung, das heute das achtfache dessen zur Verfügung hat, was das ärmste Zehntel hat. Anfang der 90er Jahre betrug der Faktor noch sechs. Und ebenso ist auch der Zusammenhang zwischen Wohlstand und Glück widerlegt. Lebensqualität, Glück, Zufriedenheit sind ab einem relativ niedrigen Niveau der finanziellen Existenzsicherung nicht mehr vom Einkommen abhängig. Im Gegenteil, höherer Wohlstand führt dann schnell zu Konkurrenz, Fairness und Gerechtigkeit bleiben auf der Strecke. Am glücklichsten aber sind die Menschen in Gesellschaften, in denen es gerecht zugeht. Und damit sind wir beim Thema Gerechtigkeit und der gerechten Verteilung der unbezahlten und bezahlten Arbeit. Die der bezahlten ebenso wie der unbezahlten Versorgungsarbeit zugrunde liegenden Prinzipien sind eine Grundvoraussetzung für ein zukunftsorientiertes, nachhaltiges, ressourcenarmes Wirtschaften. Was wir brauchen ist Vor- und Fürsorge statt Sorglosigkeit für Mensch und Natur. Das heißt, was wirklich angestrebt wird, ist nicht mehr und nicht weniger als eine gesellschaftliche Transformation, die eine höhere Wertschätzung der Versorgungsarbeit und der lokalen ressourcenschonenden Ökonomie beinhaltet. Ein grundlegender Wandel, der uns alle betrifft: als BürgerInnen und KonsumentInnen, als UnternehmerInnen, als ErzieherInnen oder als Sorgende für künftige Generationen. Die klugen Entscheidungen Einzelner werden es nicht allein richten können, aber sie sind neben den notwendigen Forderungen an die Politik und die Wirtschaft ein wichtiger Baustein, mit dem wir Frauen etwas bewegen können. Ulrike Röhr ist eine der Mitbegründerinnen von LIFE Bildung Umwelt Chancengleichheit e.v. Von Hause aus Bauingenieurin und Dipl. Soziologin bearbeitet sie schwerpunktmäßig die Genderaspekte in Energie und Klimaschutz und unterstützt die Umsetzung des Gender Mainstreaming in Organisationen und Institutionen, die im Umwelt- und Nachhaltigkeitsbereich tätig sind. Aktuell leitet sie auch das Projekt Green Economy: Geschlechter_gerecht. Kontakt:

11 9 kunst grab stein konscha schostak T i s c h l e r e i Beratung, Entwurf, Fertigung. Küchenmöbel, Badmöbel, Möbel als Einzelstücke. Tresen, Innenausbau, Objekteinrichtungen. Lackoberflächen, Natürliche Oberflächen. Möbel für Allergiker. abitare Tischlerei GmbH Adalbertstraße Berlin Tel Fax Tischlermeisterin Orsine Mieland

12 10 Foto: Katja von Helldorff Eine Künstlerin der Berliner Gruppe Postmarks knüpft und webt mit Stoffresten an einem Raumteiler für die Ausstellung im Raum29.

13 11 Foto: Material Mafia Was hat Design mit Menschenrechten zu tun? : Katja von Helldorff stellt die Material Mafia auf der Internationalen Design Messe Berlin 2012 mit einer interaktiven Recherche zu globalen Zusammenhängen und sozialen Fragen bei der Gewinnung von Rohstoffen vor. Interview Wirtschaften Frauen verantwortlicher? Antje Ripking, Projektleiterin der Gründerinnenzentrale, und Katja von der Bey, Geschäftsführerin der WeiberWirtschaft eg, befragten für das Branchenbuch Frauen- UNTERNEHMEN (BB) drei Unternehmerinnen zum Thema Nachhaltigkeit: Kaska Hass ist Modedesignerin. Ihr neuestes Projekt ist eine Eco-Couture-Linie aus High-Tech-Stoffen, deren kompletter Herstellungsprozess zertifiziert ist. Gotelind Alber ist selbständige Klimaberaterin. Ihr Büro Sustainable Energy and Climate Policy arbeitet international im Bereich Forschung und Beratung. Katja von Helldorff ist die Inhaberin der Material-Mafia. Es handelt sich um eine Vermittlungsbörse von Recyclingmaterial für KünstlerInnen und Kreative. Außerdem bietet sie Workshops im Bereich Umwelterziehung und Kunstkurse an, in denen es praktisch und theoretisch um Upcycling und Experimentieren geht.

14 12 BB: Bei Euch allen spielt die Nachhaltigkeit eine große Rolle bei der Unternehmensidee. War dieser Aspekt gründungsentscheidend? von Helldorff: Ich musste als Künstlerin immer jobben und habe nach einem Konzept gesucht, mit dem ich mich erweitern kann und das sich finanziell lohnt. Dann bin ich auf ein Unternehmen in Australien gestoßen, das in riesigem Umfang mit gebrauchten Materialien für Künstler arbeitet. Das passte zu meinem künstlerischen Konzept, weil ich viel mit gefundenen Sachen arbeite, und so entstand die Material-Mafia. Es war für mich einfach ein schlüssiger Baustein, mit dem meine Selbständigkeit rund wurde. Gotelind: Für mich ist es inzwischen Teil der eigenen Identität. Im Physikstudium habe ich genug über Atomenergie gehört um zu wissen: das möchte ich nicht haben. Seither beschäftige ich mich mit den erneuerbaren Energien. Damals war das noch gar nicht so klar, dass man in diesem Bereich bezahlte Jobs kriegen kann. Deshalb bin ich eher dankbar, dass heutzutage jemand Geld dafür zahlt. Hass: Die High Eco Couture-Linie ist für mich etwas Neues, eine zweite Schiene zusätzlich zur Hochzeitsmode. Als Designerin habe ich eine große Liebe zum Material, zur Kunsthandwerklichkeit der Couture- Stoffe. Als ich auf Schweizer Firmen stieß, die Stoffe produzieren, deren ganze Produktionskette transparent und ökologisch ist, war ich begeistert. Man bekommt einen Bezug zum Material und weiß, wie das überhaupt alles gemacht wird. Damit kann man auch den Kunden sensibilisieren. Man kann sich bewusst werden, was hinter dieser ganzen Textilwirtschaft steckt. Auch mein Thema sind die Erneuerbaren Energien. Die erste Kollektion war zu Vent Vert, also Windenergie, gerade ist die Wasserkraft WavePower dran, das nächste ist Solarenergie. Da gibt es wahnsinnig tolle Stoffe, zwar auf Polyesterbasis, aber mit der höchsten Umweltzertifizierung. Tageslicht wird in Fäden gespeichert, die abends dann dezent zu leuchten beginnen: Irre! Da geht es eben auch um die sinnlich-ästhetische Umsetzung der Themen. BB: Führt dieser sinnliche Aspekt dazu, dass die Akzeptanz bei den Kunden für die Ökothemen größer ist? Hass: Leider nicht so. Bisher gibt es im ökologischen Textilbereich eigentlich nur Basics, das ist Kleidung und nicht Mode. Vielleicht bin ich mit meiner Idee etwas zu früh oder eben zu modisch. Denn ich will ja weiterhin Mode machen und sie nicht etwa abschaffen, damit widerspreche ich auf eine Weise dem Gedanken der Nachhaltigkeit. Es geht ja immer um etwas Neues. von Helldorff: Aber den meisten ist doch inzwischen klar, dass Nachhaltigkeit in jedem Bereich erwünscht ist, auch in der Mode.

15 13 Foto: Sven Hagolani Eco - Mantel Wavepower von KASKA HASS Couture

16 14 Foto: Martin Schnaus Gotelind Alber erklärt erneuerbare Energietechnologien auf der Messe Renewtech 2010 in Pune / Indien Alber: Ja, sicher ist das den meisten Leuten theoretisch klar, aber die Praxis ist noch nicht so. Ob sie dann ein T-Shirt bei dem Abkürzungshaus für 5 Euro kaufen oder beim ökologischen Versandhandel für 25 Euro, ist nicht nur eine Frage des Vermögens, sondern auch der Priorität. BB: Wenn ich die Firmen hier in der WeiberWirtschaft sehe, meine ich, dass Frauen besonders großen Wert auf Nachhaltigkeit in ihren Unternehmen legen. Wenn man aber einen Artikel zum Thema liest, kommen die Frauen meistens nicht vor. Verkaufen wir uns zu schlecht? Alber: Wir geben uns Mühe, nachhaltige Betriebe zu gründen, die auch funktionieren. Oft hört man von Start-ups, die erst Unternehmenspreise gewinnen, nach zwei Jahren aber wieder dicht sind, weil sie nicht tragfähig sind. Frauenunternehmen legen Wert darauf, dass ihr Business auch funktioniert, es geht nicht nur ums Selbstpromoten. Hass: In der Modebranche gibt es viele junge Designerinnen, die im Thema Nachhaltigkeit eine Nische sehen und eine Chance, sich besser zu kommunizieren. Das sind eigentlich mehr Frauen. von Helldorff: Ich habe nicht den Eindruck, dass es einen Genderunterscheid gibt. Weder bei der Nachfrage nach Produkten der Material-Mafia noch im Bereich Möbeloder Produktdesign. Aber die Sichtbarkeit ist doch ein uraltes Problem, es ist überall

17 15 Foto: Katja von Helldorff Postmarks : Die Gruppen aus Birmingham, Castello, Bologna und Berlin trafen sich alle im Juli 2012 im Raum29 und vernetzten sich wortwörtlich mit einer kollektiven Wolle-Installation. so, dass Männer in der Öffentlichkeit mehr präsentiert sind als Frauen, warum sollte es bei nachhaltigen Projekten anders sein? BB: Die Idee von Wirtschaft basiert auf fortwährendem Wachstum und gleichzeitig wissen wir, dass das keine Zukunft hat. Frauen gründen kleinere Unternehmen, die langsamer wachsen. Spielt dabei eventuell ein Misstrauen gegenüber der Idee von wirtschaftlichem Wachstum eine Rolle? Habt ihr je darüber nachgedacht? von Helldorff: Ich auf jeden Fall, aber es ist tatsächlich kompliziert. Es gibt das Problem der Überproduktion. Das Recycling steht erst ganz am Ende des Kreislaufs. Es wäre natürlich viel sinnvoller, schon viel früher in der Produktionskette einzugreifen, damit gar nicht erst so viel Müll produziert wird. Recycling verhindert Müll ja nicht. Alber: Wenn Du davon ausgehst, dass genauso viel konsumiert wird, aber der Anteil der recycelten Produkte steigt, dann muss doch der Anteil von neuem Material im Verhältnis kleiner werden. Also verhindert Recycling die Neuproduktion. von Helldorff: Der Anteil von recyceltem Material ist insgesamt so gering, dass es nicht den Bedarf und die Nachfrage nach Produktion beeinflusst. BB: Das spricht ja dafür, einen Recycling- Konzern zu gründen! Alber: Aus Umweltsicht geht es erst ein-

18 16 mal darum, Müll zu reduzieren, z. B. diesen ganzen Verpackungsmüll. Das andere ist die Frage nach der Langlebigkeit der Produkte. Einige Drucker haben z. B. Zähler eingebaut, damit das Gerät nach einer bestimmten Anzahl von Druckvorgängen aufhört zu arbeiten. Man soll dann einen neuen kaufen. von Helldorff: Wir brauchen andere Kreisläufe, z. B. nach dem cradle to cradle- Modell, das sind geschlossene Kreisläufe ohne Wertverlust. Dazu brauchen wir neue Materialien und neue Produkte, die heute vielleicht noch total teuer sind. Aber billig kann ja nicht das entscheidende Argument sein. Man ist längst in der Lage Produkte zu bauen, die langlebig sind. Hass: Ich würde mit meinem Unternehmen gerne wachsen. Ich möchte zeitlose Mode machen, die man immer wieder neu kombinieren kann und die lange hält. Es geht auch dabei um neue Produktionsentwicklungen wie bei der zertifizierten Baumwolle, man geht dabei bewusst mit Ressourcen um. BB: Ihr seid Spezialistinnen. Was empfehlt ihr anderen Unternehmerinnen? von Helldorff: Man sollte nicht denken: Ich bin doch nur ein Sandkorn. Vielleicht kann man doch eine Veränderung erreichen, wenn immer mehr Projekte gegründet werden, die sich anders verhalten. Und man muss keine Angst haben, damit nicht marktfähig zu sein. Alber: Wenn man ein neues Unternehmen gründet, sollte man sich die Idee unter Nachhaltigkeitsthemen anzusehen und klären, ob es vertretbar ist. Wenn nicht, ist es wahrscheinlich auch nicht zukunftsfähig. Die Kosten für Energie und Rohstoffe werden steigen, Produkte und Dienstleistungen, die nicht verträglich sind, werden es sehr schwer haben.

19 17 Und dann gibt es Branchen, da kann man nicht viel falsch machen, z. B. wenn ich nur ein Büro brauche und viel mit Menschen zu tun habe. Im Sinne von Nachhaltigkeit müssen solche Bereiche wie etwa Beratung oder Therapie mehr werden. Denn die Frage ist ja, was machen die Menschen künftig mit dem eingesparten Geld, wenn sie nicht mehr so viel für Energie und neue Produkte ausgeben? Fahren sie mehr Auto? Haben sie eine größere Wohnung? Oder stecken sie ihr Geld in andere Sachen wie z. B. die persönliche Entwicklung. In diese Richtung muss es gehen, es geht um qualitatives oder qualifiziertes Wachstum. Das ist für mich grüne Ökonomie. von Helldorff: Wie gibt man sinnvoll sein Geld aus? Statt sich Schuhe zu kaufen könnte man doch ein Projekt unterstützen. Das macht man nur nicht, weil man es nicht gewohnt ist. BB: Die Frage ist radikal und attraktiv, wie man eine post-konsum-gesellschaft mit den Lüsten versorgen kann, die der Konsum offenbar schafft? Was würde das für eine Welt sein, in der man weniger Geld braucht, weniger verdienen muss, weniger arbeitet? von Helldorff: Das Stichwort dazu ist Entschleunigung. Die Produktion muss an den tatsächlichen Verbrauch angepasst werden. Es wird extrem viel verschwendet, denkt an die Berge von Verpackung oder Lebensmitteln, die überflüssig sind. Hass: Sicherlich findet immer mehr ein Umdenken statt, dass man Wohlstand mit mehr Sinnhaftigkeit vereint. Mit anderen Worten: Konsumenten auch mit nicht nur überdurchschnittlichem Einkommen achten auf Qualität sowie ökologisch und ethisch einwandfreie Herkunft ihrer Produkte. Sobald man weiß, wie produziert wird gerade in der Textilwirtschaft wird

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21 19 man sich fragen, wie begehrlich dieses Produkt für einen ist. BB: Gleichzeitig wünschen sich Gründerinnenzentrale und WeiberWirtschaft Wachstum der Frauenunternehmen. Wir möchten, dass Frauen mehr am gesellschaftlichen Wohlstand teilhaben, dass es mehr frauengeführte Unternehmen gibt und dass sie besser verdienen. Es ist von Grund auf falsch, dass Unternehmerinnen 34 % weniger verdienen als Unternehmer und dass Frauen 60 % weniger Rente haben. von Helldorff: Entschleunigung heißt nicht, dass sich da Frauen opfern müssen, weil sie ohnehin weniger verdienen. Die Gesellschaft muss auf jeden Fall daran arbeiten egalitärer zu werden. Alber: Es geht darum, WAS gegründet wird. Ressourcenverbrauch und Wachstum müssen nicht gemeinsam einher gehen, wenn es sich um Branchen handelt, die weder material- noch energieintensiv sind. Wobei ja die Maßeinheiten für Wachstum so widersinnig sind in unserem System, dass sogar die ganzen Schäden wachstumsfördernd sind. Jeder Autounfall steigert das Wirtschaftswachstum, denn das Auto muss ja repariert oder ersetzt werden. von Helldorff: Man sollte dafür kämpfen, dass Frauen mehr Unternehmen gründen, die anders funktionieren, soziale Unternehmen! Damit kann man vielleicht das ganze System in eine andere Richtung drücken. BB: Vielen Dank für das Gespräch!

22 20 Foto: Katja von Helldorff Der Kurs für Tiefdrucktechniken und Material-Experimente findet in der Werkstatt für Experimente der Material Mafia statt (Kuglerstraße 61).

23 21 Vorstellung Projekte zum Thema GenderCC Women for Climate Justice e.v. Life e.v. Bildung, Umwelt, Chancengleichheit GenderCC ist ein internationales Netzwerk von Organisationen, ExpertInnen und AktivistInnen, die sich zusammengeschlossen haben, um eine geschlechtergerechte Klimapolitik durchzusetzen. Die Auswirkungen des Klimawandels, der Umgang damit als auch die Lösungsansätze zu seiner Eindämmung sind geschlechterspezifisch unterschiedlich. Ziel von GenderCC ist es, das Bewusstsein für den Zusammenhang von Geschlechterverhältnissen und Klimawandel zu stärken und gendersensible Lösungsansätze zu erarbeiten. Zudem führt GenderCC weltweit Pilotprojekte zur geschlechtergerechten Klimapolitik durch. GenderCC Women for Climate Justice e.v. bietet eine ausführliche englischsprachige Website sowie einen Newsletter an. Interessierte sind herzlich eingeladen, im Netzwerk aktiv zu werden oder unsere Arbeit mit einer Fördermitgliedschaft zu unterstützen. GenderCC Women for Climate Justice e.v. Anklamer Straße Berlin Tel. (030) LIFE e.v. ist eine unabhängige, gemeinnützige Organisation, die seit 1988 vielfältige Dienstleistungen in den Bereichen Bildung, Umwelt und Chancengleichheit anbietet. Wir setzen uns dafür ein, dass der Anteil von Frauen in Naturwissenschaft, Technik und Handwerk vergrößert und die Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt verbessert wird. Wir verfolgen das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung durch Bildungsangebote und Kampagnen und integrieren die Themen Umwelt- und Klimaschutz in unsere Aktivitäten. Durch den Einsatz und die Weiterentwicklung neuer Lernmethoden tragen wir zu einer Verbesserung der Qualität der Bildung und des lebenslangen Lernens bei. Durch Forschung zu Genderaspekten erheben wir die Grundlagen für eine geschlechtergerechte Energie- und Klimapolitik. In Projekten mit Frauen und Frauenorganisationen werden diese Aspekte diskutiert, weiterentwickelt und verbreitet. Ein Netzwerk von Wissenschaftlerinnen und Fachexpertinnen begleitet unsere Arbeit. und

24 22 Windfang eg Erste deutsche FrauenEnergie- Gemeinschaft Windfang eg ist die erste FrauenEnergie- Gemeinschaft in Deutschland. Hier haben sich seit 1992 Frauen zusammengeschlossen, um sich aktiv für eine Energiewende einzusetzen. Wir wollen regenerative Energien wie Wind, Wasser, Sonne, aber auch die sparsame Energienutzung wie z.b. Blockheizkraftwerke tatkräftig durch eigene Aktivitäten unterstützen. Und dafür brauchen wir Euch. Je mehr Frauen diese Ideen finanziell und ideell tragen und aktiv mithelfen, der Energie-Wende Beine zu machen, desto besser können wir unsere Ziele auch in die Realität umsetzen. Die FrauenEnergieGemeinschaft wird bald eine weitere Windkraftanlage bauen - also eine gute Gelegenheit, jetzt einzusteigen. Ein Anteil kostet 1.500,-. Informationen über Windfang gibt es unter Unter dem Punkt Genossinnenschaft ist auch die Satzung zu finden. Wenn Sie weitere Informationen brauchen und / oder Anteile erwerben wollen, schicken Sie bitte eine oder rufen Sie uns an. Tel. (0441)

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26 24 Weiterlesen Bücher zum Thema Sally Helgesen, Julie Johnson: Die bessere Hälfte. Warum nur Frauen die Wirtschaft nach vorn bringen. Campus Verlag 2012, ISBN ; 17,99 EUR Die zentrale Frage des Buches aus den USA ist: Wie können es die Konzerne schaffen, hoch qualifizierte Frauen in den Unternehmen zu halten? Wie wohltuend, dass hier einmal nicht die Ungerechtigkeit gegenüber den Frauen diskutiert wird, sondern die selbstbewusste Frage, wie sich die Wirtschaftskultur verändern muss, damit die Frauen bereit sind, ihre Talente beitragen. Auch in den USA wird nämlich beobachtet, dass gut ausgebildete und hoch qualifizierte Frauen gute Jobs in der Unternehmensführung an den Nagel hängen. Sie verzichten auf eine Menge Einkommen, um ihr Know-How neuen Arbeitsbereichen zu widmen, die sie für sinnhafter halten: der Gründung eigener kleiner Unternehmen oder Jobs im sozialen Bereich. Die Unternehmen müssen sich also verändern. Aber auch den Frauen wird geraten, Strategien zu entwickeln, um ihre Pläne zu verteidigen. Eine interessante Lektüre über das, was uns vermutlich auch hier noch bevor steht. Iris Pufé: Nachhaltigkeitsmanagement. Pocket Power. Hanser Verlag 2012, ISBN ; 9,90 EUR Kann man das komplexe Thema Nachhaltigkeitsmanagement auf 119 kleinen Seiten verhandeln? Wenn man ganz kleine Schrift verwendet und Handlungsanweisungen bei einem Satz wie Erstellen Sie einen Aktivitätenkatalog mit Projekten, Einsatzplänen und -orten, Terminen und Tätigkeiten ohne ein Kapitelchen Erläuterung belässt, kann es klappen! Inhaltlich reicht das Büchlein vom historischen Überblick seit den Tagen des berühmten Club of Rome-Berichts von 1972 bis hin zu Beispielen aus der unternehmerischen Praxis: Man erfährt, wie Nachhaltigkeitsmanagement bei BMW oder beim Bayer-Konzern aussehen. Dass beide nicht gerade zu den glaubwürdigsten Kandidaten zum Thema gehören - geschenkt! Die Hoffnung, dass ein kleines Buch auch Lösungen für kleine Unternehmen oder Soloselbständige bereit hält, erfüllt sich leider nicht. Und wer tatsächlich verschiedene Abteilungen auf ihre Nachhaltigkeit hin durchleuchten will, der braucht wahrscheinlich ein größeres Buch.

27 25 Foto: Regina Geisler Güllü Tör, Frisörmeisterin in der WeiberWirtschaft Friederike Habermann: Halbinseln gegen den Strom. Anders leben und wirtschaften im Alltag. Ulrike Helmer Verlag, 2009, ISBN ; 19,90 EUR Auf über 200 Seiten bietet das Buch einen Überblick über eine breite Palette von Freiraumprojekten in Deutschland: gelebte Alternativen zu Kapitalismus, Geld und Tauschlogik. Ein komplexes Unterfangen, dessen sich die Autorin bewusst ist.»es gibt keine Inseln im Falschen«, frei nach Adorno Es gibt kein richtiges Leben im Falschen. So beginnt ihr Buch. Dann folgt eine leider sehr kurzgehaltene Einführung in den theoretischen Überbau, in marxistische und queere Ökonomiekritik ebenso wie in die subjektfundierte Hegemonietheorie die die Autorin in Der homo oeconomicus und das Andere entwickelt hat. Im Hauptteil kommen die AkteurInnen von nahezu hundert Projekten zu Wort. Unterteilt in die Themen Nahrungsmittel, Kleidung, Wohnen, Bildung, Gesundheit, Kommunikation, Mobilität und Fun ist die Fülle des Vorgestellten beeindruckend. Für die einzelnen Projekte bleibt nicht viel Platz. Wer mehr über die konkreten Methoden alternativen Wirtschaftens erfahren möchte, findet durch die unter jedem Kapitel stehenden Links Hilfe bei der Recherche.

28 26 Foto: Fotosearch.com Ihr Einsatz + unser Hexeneinmaleins = Mehr Mikrokredite für Frauen! Gründungsideen im Regen Wer gründen will, braucht Startkapital. Wer das nicht hat, muss es sich leihen. Und wer nur wenig braucht, geht meistens leer aus, denn Aufwand und Nutzen stehen für Banken in keinem attraktiven Verhältnis. Der Mikrokreditfonds der Bundesregierung soll da helfen. Leider nur profitieren Frauen noch zu selten davon. Wie dumm, denn der Bedarf ist hier besonders groß. Immer häufiger sind es Frauen, die sich auf den Weg in die Selbständigkeit machen. Und gerade ihnen mangelt es immer noch besonders stark an eigenen Ressourcen. Mehr Mikrokredite für Frauen! Wir sind als Genossenschaft WeiberWirtschaft bisher bekannt für unser großes Gründerinnenzentrum in Berlin-Mitte. Jetzt möchten wir auch dafür sorgen, dass mehr Geld aus dem Mikrokreditfonds Frauen zugutekommt. Wir spannen unseren eigenen Rettungsschirm für ihre Gründungsideen! Dafür brauchen wir Sie. Und Dich. Unser Hexeneinmaleins Aus Eins mach Fünf, wenn Sie einen Geschäftsanteil an der Genossenschaft WeiberWirtschaft zeichnen. Denn wir stellen

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