Bevölkerungsdynamik und Entwicklungszusammenarbeit

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1 Bevölkerungsdynamik und Entwicklungszusammenarbeit Chancen der demografischen Entwicklung nutzen

2 Bevölkerungsdynamik: Aktuelle demografische Trends Die Weltbevölkerung wächst Zurzeit leben mehr als sieben Milliarden Menschen auf der Erde, 2050 werden es voraussichtlich 9,6 Milliarden sein. So wie schon in den vergangenen Jahrzehnten wird auch in Zukunft fast ausschließlich die Bevölkerung in den Entwicklungsländern wachsen, besonders in Afrika. Dort wird sich die Einwohnerzahl bis 2050 wahrscheinlich mehr als verdoppeln. Die Menschen ziehen vom Land in die Stadt Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte wohnt heute die Mehrheit der Weltbevölkerung in Städten mit steigender Tendenz: 2050 werden dort 66 Prozent aller Menschen leben. Der Trend, aus ländlichen Gebieten in Städte abzuwandern, ist weltweit zu beobachten, besonders deutlich in Entwicklungsländern. Etwa 216 Millionen Menschen weltweit leben zudem heute nicht mehr in dem Land, in dem sie geboren wurden. Enger Zusammenhang: Hohe Geburtenraten und Armut Historisch hat sich gezeigt, dass politische Stabilität und steigender Wohlstand eines Landes stets mit einem Rückgang der Geburtenrate verbunden ist. Familien mit vielen Kindern fällt es oft schwerer, die Armut zu überwinden. Ein hohes Bevölkerungswachstum kann die Entwicklung eines Landes hemmen, wenn es nicht gelingt, den wachsenden Bedarf an Schulen, Gesundheitseinrichtungen und anderer Infrastruktur zu decken und Nahrungsmittel für alle zu Verfügung zu stellen. Weltweit haben noch immer 222 Millionen Frauen keinen Zugang zu Verhütungsmitteln und reproduktiven Gesundheitsdiensten, um eigenständig zu entscheiden, wann und wie viele Kinder sie bekommen möchten. Eine starke junge Generation Noch nie gab es so viele Kinder und Jugendliche wie heute: Sie stellen 42 Prozent der Weltbevölkerung (Erwartung 2015). Die junge Generation besitzt ein enormes Potenzial, ihre Heimatländer nachhaltig voranzubringen: wirtschaftlich, politisch und sozial. Wo aber Bildungsangebote und Arbeitsplätze fehlen, geht das Potenzial der Jugendlichen verloren und die betroffenen Länder können keinen Nutzen daraus ziehen.

3 Die Zahl alter Menschen nimmt zu 2050 wird es weltweit mehr als zwei Milliarden Menschen geben, die älter als 60 Jahre sind (im Jahr 2015 werden es bereits mehr als 895 Millionen sein). Vor allem in Schwellenländern wie China und Indien nimmt ihre Zahl rasant zu. Dies stellt die Gesundheits- und Sozialsysteme dieser Länder vor große Herausforderungen. Natürliche Ressourcen werden knapp Wo die Zahl der Menschen wächst, wird die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern wie Wasser und Nahrungsmitteln oder Holz und Ackerland immer schwieriger. Wo die natürlichen Ressourcen begrenzt sind, kann es zu ernsten Konflikten um ihre Verteilung kommen. Demografie und Bevölkerungsdynamik was ist der Unterschied? Die Demografie oder Bevölkerungswissenschaft befasst sich statistisch und theoretisch mit der Entwicklung von Bevölkerungen und mit ihren Strukturen. Sie untersucht dazu vor allem die Geburten- und Sterbezahlen und befasst sich zum Beispiel auch mit der Alterung der Bevölkerung und mit Aus- und Einwanderung (Migration). Bevölkerungsdynamik hingegen ist keine Wissenschaft, sondern nur ein im Bereich der Entwicklungspolitik international verwendeter Begriff. Er beschreibt, wie sich die Größe, Zusammensetzung und räumliche Verteilung einer Bevölkerung im Laufe der Zeit verändert.

4 Beispiel: Bevölkerungsentwick lung in Uganda schnelles Bevölkerungs wachstum durch hohe Geburtenraten Alter Männer Frauen 6,0 4,0 2,0 0 2,0 4,0 6,0 Millionen Einwohner Uganda 2010 (34 Millionen Einwohner) Alter Etwa jeder zweite Mensch ist in Uganda jünger als 15 Jahre. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist mit rund 55 Jahren sehr niedrig. Eine ugandische Frau bekommt in ihrem Leben im Durchschnitt fast sechs Kinder. Alter Männer Frauen Alter ,0 4,0 2,0 0 2,0 4,0 6,0 Millionen Einwohner Uganda 2050 (104 Millionen Einwohner, geschätzt) Gemäß der Vereinten Nationen werden die Wachstumsraten der ugandischen Bevölkerung zwar allmählich sinken. Trotzdem wird sich die Bevölkerung bis 2035 auf knapp 73 Millionen fast verdoppelt haben bis 2050 sogar auf über 104 Millionen Menschen verdreifachen. Quelle: Alle Daten stammen von UN DESA (2013) World Population Prospects, The 2012 Revision.

5 Das deutsche Engagement Nachhaltige Entwicklungserfolge können nur erreicht werden, wenn die weltweiten demografischen Veränderungen berücksichtigt werden. Besonders ihre Chancen müssen zukünftig noch stärker genutzt werden. Das BMZ wird sich darum langfristig und themenübergreifend im Bereich Bevölkerungsdynamik engagieren. Wir setzen Bevölkerungsdynamik auf die internationale Agenda Veränderungen in der Größe, Struktur und Verteilung der Bevölkerung haben großen Einfluss auf Entwicklungsprozesse. Themen wie Bevölkerungswachstum, Alterung, Urbanisierung und Migration müssen darum im internationalen Politikdialog stärker berücksichtigt werden. Das BMZ setzt sich intensiv und erfolgreich dafür ein zurzeit besonders im Rahmen der weltweiten Diskussion über die zukünftigen Entwicklungsziele, die sich die Weltgemeinschaft nach Ablauf der Millenniumsentwicklungsziele im Jahr 2015 setzen will. Deutschland orientiert sich dabei am Leitbild einer nachhaltigen, menschenrechtsbasierten und geschlechtergerechten Politik, die das Prinzip der Selbstbestimmung beachtet auch in allen Bereichen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit.

6 Pote Me umfass und Wir richten Entwicklungszusammenarbeit auf die demo gra fische Entwicklung in den Kooperationsländern aus Weitsichtiges politisches Handeln ist nur möglich, wenn verlässliche Daten und Trendanalysen über die Bevölkerungsentwicklung eines Landes vorliegen. Darum unterstützen wir unsere Kooperationsländer dabei, Daten zu ihrer demografischen Entwicklung zu erheben und auszuwerten. Dadurch entsteht die Planungsgrundlage für politische Strategien, die demografische Risiken abfedern und demografische Chancen nutzen können zum Beispiel in den Sektoren Gesundheit, Bildung, Arbeitsmarkt oder Ressourcenschutz. Auf dem Weg zur demografischen Geburtenrate sinkt weiter, demografische Dividende wird nutzbar

7 Wir richten den Fokus auf die Zielgruppe der Jugendlichen Je engagierter Regierungen in schulische und berufliche Bildung investieren und Rahmenbedingungen für die Entstehung von Arbeitsplätzen schaffen, desto mehr junge Menschen können ein eigenes Einkommen erzielen. Wir unterstützen unsere Kooperationsländer bei diesen wichtigen Investitionen. Denn nur eine gut ausgebildete junge Bevölkerung kann zum Motor für wirtschaftliches Wachstum und Entwicklung werden. Unser Engagement in diesem Bereich umfasst zudem die Förderung der Gesundheit junger Menschen. Wir setzen uns dafür ein, dass sie gut über ihre sexuellen und reproduktiven Rechte Dividende nzial der nschen end fördern nutzen Unter demographischer Dividen de versteht man in der Ent wicklungspolitik den möglichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen, der sich durch die Veränderung der Altersstruktur eines Landes erzielen lässt. Die Erfahrungen vieler Entwicklungsländer zeigen, dass für einen solchen positiven Effekt vielfältige Veränderungen auf unterschiedlichen Ebenen notwendig sind, die dann gemeinsam zu einem Entwicklungsschub führen können. Das Schema zeigt einige dieser Ansatzpunkte und ihre Wechselwirkungen.

8 informiert sind und Zugang zu Verhütungsmitteln haben. Junge Familien, die eine wirtschaftliche Perspektive haben und im Bereich der Familienplanung gut informiert sind, können selbstbestimmt entscheiden, wann sie Kinder haben möchten und wie viele sie sich wünschen. In den kommenden Jahren wird die deutsche Entwicklungszusammenarbeit auch weitere Themen aus dem Bereich Bevölkerungsdynamik stärker aufgreifen als bisher. Dazu gehören Migration, Urbanisierung und ländliche Entwicklung, das Wechselspiel zwischen Bevölkerungsdynamik, nachhaltiger wirtschaftlicher und demokratischer Entwicklung, Umwelt und Klimawandel sowie die Vorbereitung auf die zunehmende Alterung vieler Gesellschaften. Weitere Information unter: Kontakt in allen Fragen zu Bevölkerungsdynamik und Entwicklungspolitik: Referat Gesundheit, Bevölkerungspolitik Impressum Herausgeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Referat Öffentlichkeitsarbeit, digitale Kommunikation und Besucherdienst Redaktion: BMZ, Referat Gesundheit; Bevölkerungspolitik Gestaltung: BlockDesign Kommunikation & Medien, Berlin Druck: Bonifatius Druck und Verlag, Paderborn. Das Original wurde auf FSC-zertifiziertem Papier gedruckt. Bildnachweis: Titel: GIZ/Ursula Meissner, S. 3: GIZ/Markus Kirchgessner, S. 5: GIZ/Dirk Ostermeier Stand: September 2014 Internet:

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