Alt-Bundesrat Joseph Deiss an der SEC-GV

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1 Chambre de Commerce Suisse - Europe Centrale Chamber of Commerce Switzerland - Central Europe Handelskammer Schweiz - Mitteleuropa 1 / APRIL / 2012 Ungelöstes Problem «Korruption» in Mitteleuropa Holcim in Kroatien Alt-Bundesrat Joseph Deiss an der SEC-GV Albanien Bosnien & Herzegowina Bulgarien Estland Kosovo Kroatien Lettland Litauen Mazedonien Montenegro Polen Rumänien Serbien Slowakei Slowenien Tschechien Ungarn

2 editorial 1/2012 Mit Innovation und Offenheit durch die wirtschaftlich schwierigen Zeiten Die Schweizer Wirtschaft hat die Finanzkrise und die nachfolgende Rezession bislang vergleichsweise gut überstanden. Die hohe Innovationskraft die Schweiz belegt auch in der jüngsten Innovationsrangliste den Spitzenplatz in Europa, gesunde Staatsfinanzen und die Erschliessung neuer Märkte haben dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet. Doch auch in diesem Jahr werden unsere Unternehmen durch die fragile Konjunktur, die Verschuldungskrise und den überhöhten Frankenkurs stark gefordert. Vor allem in der Eurozone schlägt die hohe Staatsverschuldung zunehmend negativ auf die Konjunktur durch. Auch längerfristig dürfte die Wachstumsdynamik in den Euro-Ländern beeinträchtigt sein, insbesondere als Folge der notgedrungen restriktiven Finanzpolitik, der unflexiblen Arbeitsmärkte sowie der Abwehrreflexe gegenüber ausländischen Investoren. Da immer noch knapp 60% unserer Exporte in die EU gehen, hat die Schweiz ein grosses Interesse, dass die EU ihre strukturellen finanziellen Ungleichgewichte endlich in den Griff bekommt. Bemerkenswert ist, dass die mittelosteuropäischen Länder diesbezüglich den meisten «alten» EU-Mitgliedern als Vorbild dienen können: Gemäss Eurostat wurden Ende des Jahres 2010 die niedrigsten Verschuldungsquoten (öffentlicher Schuldenstand im Verhältnis zum BIP) in Estland (6,7%), Bulgarien (16,3%), Rumänien (31,0%) oder der Tschechischen Republik (37,6%) verzeichnet. In der EU27 beträgt die durchschnittliche Schuldenquote 80.2 Prozent. In Anbetracht des schwierigen weltwirtschaftlichen Umfelds sind nicht staatliche Interventionen, sondern eine nachhaltige Wachstumspolitik auf marktwirtschaftlicher Basis gefragt. Nur in einem solchen Umfeld kann sich ein dynamisches Unternehmertum, das seine Marktchancen auch im Ausland wahr nimmt und auf Innovationen setzt, entfalten. Per Ende 2010 haben Schweizer Unternehmen gut 16 Milliarden Franken in den neuen EU-Mitgliedstaaten investiert und mehr als Arbeitsplätze geschaffen. Verantwortlich sind neben international bekannten Konzernen auch zahlreiche KMU. Umgekehrt ist auch die Schweiz auf die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte auch aus Mittelosteuropa angewiesen. Obwohl unser Land bezüglich Bildungsqualität vergleichsweise sehr gut da steht, ist in den letzten Jahren ein Bedeutungsverlust der naturwissenschaftlichen Fächer festzustellen. Im Ingenieurbereich fehlen rund Fachkräfte, die im Ausland rekrutiert werden müssen. Die Personenfreizügigkeit mit der EU ist daher ein wichtiger Bestandteil der erfolgreichen Schweizer Wirtschaftspolitik. Auch wenn im Zusammenhang mit der Zuwanderung punktuell Fragen adressiert werden müssen, darf die strategisch richtige Politik nicht mutwillig aufs Spiel gesetzt werden. Die aktuellen Volksinitiativen, die eine Beschränkung der Zuwanderung fordern, stellen eine Gefahr dar. Die Wirtschaft lehnt sie klar ab. Sie sind nicht vereinbar mit der Personenfreizügigkeit und würden damit das gesamte bilaterale Vertragspaket gefährden und die Schweiz wirtschaftlich ins Abseits stellen. Gerold Bührer Präsident economiesuisse

3 inhalt 1/2012 Ungelöstes Problem «Korruption» in Mitteleuropa 6 Rudolf Hermann Die schweizerisch-ungarischen Wirtschaftsbeziehungen 8 haben viel Potenzial für Synergien Júlia Lipovecz, Emó ke Barabás Bundesrat Schneider-Ammann auf Wirtschaftsmission 11 in Polen Holcim in Kroatien 12 Die Potenziale des Kosovo als Standort für Outsourcing 14 Slowenien: Motor ist der Export 16 Regula Spalinger 13. SEC-Generalversammlung 18 «Alt Bundesrat Deiss ist wie ein guter Wein» Beat Schneebeli SEC Neue Mitglieder 20 SEC-Events 22 SEC-Aussenstellen, Team, Impressum 23 Titelbild: Ljubljana: modern und traditionell Handelskammer Schweiz-Mitteleuropa SEC Stauffacherstrasse 45 Postfach CH-8026 Zürich Tel Fax

4 Seite 14 Die Potenziale des Kosovo SEC-Info April 2012 Die Potenziale des Kosovo als Standort für Outsourcing Die Auslagerung der Geschäftsprozesse das sogenannte Business Process Outsourcing ist eine Wachstumsbranche, wofür nun auch der Kosovo die Aufmerksamkeit ausländischer Investoren vermehrt weckt. Mit der weltweiten Finanzkrise ist bei Unternehmen in Westeuropa die Notwendigkeit zur Kostenoptimierung in den Vordergrund getreten. Ein erhöhter Wettbewerb hat die Unternehmen dazu geführt, komplette Geschäftsprozesse an unternehmensexterne Dienstleister abzugeben. Outsourcing geht meist über das Auslagern der IT hinaus Aufgaben, die über das Kerngeschäft hinaus gehen, wie Personalbereich, Gehaltsabrechnung, die Zahlungssysteme sowie die Lagerhaltung gehören mittlerweile genauso dazu. Gleiches gilt für die Auslagerung komplexer Infrastruktur wie etwa des Netzwerks oder Helpdesks. Auch der Anteil der Unternehmen, die Softwareentwicklung und -tests an externe Dienstleister auslagern, steigt stetig. Vor allem die Transport-Sparte, IT-Unternehmen und Banken haben bislang vermehrt gelernt, die Outsourcing-Vorteile gut zu nutzen. Solche Unternehmen erhalten auf diese Weise Dienstleistungen, die optimal auf die eigenen Geschäftsziele ausgerichtet sind, und reduzieren darüber hinaus Kosten, weil externe Dienstleister die Leistungen günstiger und effizienter bereit stellen. Das Wachstum dieses Sektors ist beträchtlich. Die globale Wertschöpfungskette für Outsourcing-Dienstleistungen ist nach Angaben der OECD zwischen 2005 und 2008 um 25 Prozent gewachsen und erreichte in 2010 einen Marktwert von ca. 300 Mrd. US$. Die Republik Kosovo ist gut positioniert, um vom stetigen Wachstum dieser Sparte zu profitieren. Das Land verfügt über gut ausgebildete Arbeitskräfte, eine grosse Anzahl von Englisch- und Deutschsprechenden, niedrige Lohnkosten, nie- Prizren drige Steuern (10 Prozent Körperschaftsteuer, 10 Prozent persönliche Einkommensteuersatz), den Euro als Währung, ein stabiles makroökonomisches Umfeld und freien Zugang zu den EU- und US-Märkten für Produkte und Dienstleistungen. Zudem liegt der Kosovo in der mitteleuropäischen Zeitzone, und hat eine sowohl geographische als auch kulturelle Nähe zu den EU-Märkten. Die ersten kosovarischen Unternehmen, die Outsourcing- Dienstleistungen anbieten, wurden Anfang 2002 gegründet. Heute gibt es über 30 solche Unternehmen, wobei die überwältigende Mehrheit davon in den letzten drei Jahren gegründet wurde. In 2010 waren über 1000 Beschäftigte in diesem Bereich tätig eine Anzahl, die erwartungsgemäss im Zeitraum verdoppelt wird. Die meisten dieser Unternehmen sind im Raum Prishtina angesiedelt und bieten Dienstleistungen wie Softwareentwicklung, Telekommunikations-Dienstleistungen, Produkt-Support, Inbound- und Outbound-Dienstleistungen, Helpdesks und in letzter Zeit auch Gehaltsabrechnungen. Das grösste IT-Outsourcing Unternehmen im Kosovo ist 3CIS. Das Unternehmen wurde in 2009 gegründet und beschäftigt heute über 150 hochqualifizierte Arbeitskräfte. Zu den Kunden von 3CIS zählen AT&T Mobility, Sprint, Vodafone, British Telecom und Orange. Das Beispiel von RROTA, welche im Auftrag der österreichischen Firma Wertheim eine Software zur elektronischen Überwachung und biometrischen Steuerung von Schliessfächern entwickelt hat, ist das beste Zertifikat für die Fähigkeiten der jungen kosovarischen Programmierer. Nationales Museum, Prishtina Auch schweizerische Unternehmen gehören mittlerweile zu den Erfolgsgeschichten der Outsoursing-Sparte im Kosovo: die baruti GmbH ist ein Schweizer Unternehmen mit Sitz in St. Gallen und betreibt erfolgreich ein Contact Center in

5 SEC-Info April 2012 Die Potenziale des Kosovo Seite 15 Prishtina. Das Geschäftsmodell basiert darauf, dass durch die Auslagerung in den Kosovo in erheblichem Masse Lohnkosten eingespart werden ohne zugleich auf Qualität verzichten zu müssen. Die MitarbeiterInnen sind aus Deutschland und der Schweiz zurück gewanderte Kosovo-Albaner, wodurch das Unternehmen den Vorteil hat Dienstleistungen in deutscher Schriftsprache sowie auf Schweizerdeutsch kostengünstig anzubieten. Zu den Outsourcing-Dienstleistungen von baruti GmbH gehören Marktforschungs- und Inbound-Dienstleistungen. So werden telefonische Befragungen in Deutschland und in der Schweiz für deutsche und Schweizer Markt- und Meinungsforschungsinstitute durchgeführt. Das Telefonlabor, welches Deutsche und Schweizer Haushalte zu verschiedenen Themen im Namen der Partnerinstitute und Kunden befragt, operiert von Prishtina aus. Zu den von baruti GmbH angebotenen Inbound-Dienstleistungen gehören auch die Entgegennahme von Aufträgen (Auftragsmanagement) sowie die Beratung der Kunden (Beratungs- und Informationsmanagement) im Namen der deutschen/schweizer Partnerunternehmen. Das Callcenter in Prishtina ermöglicht firmeneigenen Partnerunternehmen den Telefonservice zu verbessern und gleichzeitig Kosten einzusparen. Outbound-Dienstleistungen wie Verkauf, Telesales, Telemarketing, Leadgenerierung, etc. werden jedoch nicht angeboten. seiner jungen, dynamischen, mehrsprachigen und gut ausgebildeten Bevölkerung vermehrt auf den Radarschirmen potenzieller Investoren aus Westeuropa und den USA. Mehr zum Thema: eciks Economic Initiative for Kosovo Nussdorfer Strasse 20/23, A-1090 Wien Mit dem vorhandenem Know-how, den kostengünstigen Arbeitskräften und den anderen Wettbewerbsvorteilen, die das Land anbietet, einschliesslich der freundlichen Geschäftsund Investitionsrahmenbedingungen, hat die Outsourcing- Sparte im Kosovo das Potenzial, auf den internationalen Märkten konkurrenzfähig zu werden. Während andere Länder Ost- und Südosteuropas aufgrund von gestiegenen Personalkosten zunehmend an Attraktivität als Outsourcing-Standorte verlieren, erscheint der Kosovo mit Prishtina Business-Forum Schweiz-Kosovo Prishtina, 16./17. Mai 2012 Handel, Investitionen, Fertigung/Beschaffung Programm und weitere Auskünfte über Beteiligungsmöglichkeiten: Handelskammer Schweiz-Mitteleuropa SEC Telefon ,

6 SEC-Info April 2012 Seite 23 über uns Aussenstellen Swiss-Baltic Chamber of Commerce SBCC Kiriku 2 EE Tallinn Tel Fax Handelskammer Schweiz-Tschechische Republik HST Jankovcova 1569/2c CZ Praha 7 Tel Fax Handelskammer Schweiz-Slowakische Republik Radnicne nám. 4 SK Bratislava Tel Fax Swisscham Hungary Büro, Postadresse: Bartók Béla V. HU-1114 Budapest Amtssitz: Lajos u. 32 HU-1023 Budapest Tel./Fax Patronat: Staatssekretariat für Wirtschaft SECO 3003 Bern Swiss-Baltic Chamber of Commerce in Lithuania Lvovo 25 LT Vilnius-Lithuania Tel Fax Handelskammer Schweiz-Rumänien 21, Plantelor Str., Entr. 2, Parter RO Bucharest (c/o Swiss House) Tel./Fax Polish-Swiss Chamber of Commerce Al. Niepodleglości 69 (piętro 9) PL Warszawa Tel Fax Bulgarian-Swiss Chamber of Commerce BSCC 3, Dunav Street BG-1000 Sofia Ent. B, Flr. 3, Apt 12 Fax Tel SCCL Swiss Chamber of Commerce in Latvia Krišjāńa Valdemāra iela 33-8b LV-1010 Rl ga Tel Fax SEC-Team Max Steiner Geschäftsführer Heidi Sprenger Redaktion, Sekretariat, Website Impressum SEC Info Redaktion Layout und Druck Handelskammer Schweiz-Mitteleuropa SEC Stauffacherstrasse 45, Postfach 1620, CH-8026 Zürich Tel Fax SEC-INFO ist für Mitglieder gratis, erscheint 3x pro Jahr Heidi Sprenger, Beat Schneebeli Druckerei Rüwo AG, 8910 Affoltern a.a.

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