Panik überkam sie erneut. Was, wenn jemand im Haus war und sie nackt in der Badewanne fand. Vorsichtig stieg sie aus der Wanne, tastete nach ihrem

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2 Panik überkam sie erneut. Was, wenn jemand im Haus war und sie nackt in der Badewanne fand. Vorsichtig stieg sie aus der Wanne, tastete nach ihrem Badetuch und wickelte sich so gut es ging darin ein. Dann hob sie die Kerze auf, griff nach der schweren Sektflasche und öffnete leise die Badezimmertür. Langsam schob sie ihren Kopf durch den Türspalt und lugte zur Haustür. Ganz deutlich konnte sie jetzt sehen, dass dort jemand an der Tür stand. Sie hörte wie die Haustür aufgeschlossen wurde. Anna fiel ein, dass sie ja die Sicherheitskette vorgelegt hatte. Die Tür sprang auf, wurde aber durch die Kette aufgehalten. So dachte Anna jedenfalls. Ein kräftiger Ruck und die Kette war aus der Zarge gerissen.

3 Schnell zog Anna ihren Kopf zurück ins Bad, wobei sie sich diesen schmerzhaft an dem Türrahmen anschlug. Einen Moment wurde ihr ganz heiß. Zur Schmerzlinderung nahm sie den letzten Schluck Sekt aus der Flasche. Denn, sollte sie diese zur Verteidigung benutzen müssen, wäre es schade, den Rest an den Eindringling zu verschwenden, dachte sie. Schritte kamen näher. Sie hörte das Knarren des Dielenbodens, das Öffnen und Schließen von Türen und dann wurde die Türklinge des Badezimmers heruntergedrückt. Anna, die sich hinter der Tür versteckt hatte, sah zuerst die Taschenlampe gefolgt von einer Männerhand. Ohne zu überlegen schlug sie mit der Sektflasche nach der Hand. Ein schmerzerfüllter Schrei folgte und die Taschenlampe fiel auf den Boden. Anna

4 schlug mit der Flasche erneut zu. Diesmal traf sie den Kopf des Eindringlings. Im spärlichen Lichtschein der Kerze konnte Anna sehen, dass er sich den Kopf hielt und sich vor Schmerz nach vorne beugte. Ohne zu zögern schlug sie ihn ein weiteres Mal mit der Flasche. Benommen und taumelnd stolperte der Eindringling rückwärts und blieb dabei am Kabel der Stromheizung hängen. Er versuchte sich noch irgendwo festzuhalten, fiel dann aber rücklings in die Badewanne. Anna nahm die Taschenlampe und sah sich vorsichtig die ganze Bescherung, samt Eindringling, an. Das kleine Badezimmer ihrer Großmutter stand unter Wasser. Im Licht der Taschenlampe musterte sie den Mann. Er musste mindestens eins neunzig groß sein. Die Beine passten nicht in die

5 Wanne und baumelten über den Rand. Anerkennend betrachtete sie seinen muskulösen Körper, der sich unter der nassen Kleidung deutlich abzeichnete. Dunkle Haare, markante Gesichtszüge. Er sieht sogar richtig gut aus. Für einen Einbrecher eigentlich schon zu gut, fand Anna. Besorgt darüber, vielleicht zu fest zugeschlagen zu haben, untersuchte sie ihn. Aber sein Puls war kräftig und auch der Brustkorb hob und senkte sich. Nur, ob er nicht vielleicht doch gefährlich war, das konnte sie natürlich nicht wissen. Sie musste ihn, solange er noch ohnmächtig war, fesseln, beschloss sie. Zuerst öffnete sie vorsichtig die Schnürsenkel seiner Trekkingschuhe und verknotete sie so kurz wie möglich miteinander. Damit kann er schon mal keine großen Sprünge machen, lachte Anna in sich

6 hinein. Und die Hände, was mache ich damit? Sie nahm sich ihren Haartrockner und umwickelte mit dem Kabel seine Handgelenke so gut es eben ging. Als das Licht plötzlich wieder anging, war Anna kurz geblendet. Ihre Augen gewöhnten sich schnell an die Helligkeit und sie sah, dass ihr Gefangener langsam die Augen öffnete. Ziemlich verdutzt blickte der Mann erst Anna, dann seine verschnürten Hände und Schuhe an, und noch verwunderter schaute er, als er feststellte, dass er patschnass in einer Badewanne lag. Sein Kopf schmerzte. Er griff mit den gefesselten Händen an seinen Hinterkopf und rieb sich die schmerzende Beule. Wer sind Sie? Was machen Sie hier und verflucht, wie komme ich in die Badewanne?, fuhr der Mann Anna an.

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