Verwendung von Quality Function Deployment (QFD) für die kundenorientierte Gestaltung von CASE-Tools

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1 Seite 1 Georg Herzwurm, Werner Mellis, Dirk Stelzer * Verwendung von Quality Function Deployment (QFD) für die kundenorientierte Gestaltung von CASE-Tools Inhaltsverzeichnis 1. Kundenorientierung der CASE-Tool Hersteller in der Praxis 2 2. Grundprinzipien der CASE-Tool Produktplanung 2 3. QFD als Instrument zur Verbesserung der Kundenorientierung 4 4. Möglichkeiten und Grenzen der QFD-Anwendung in der Herstellung von CASE-Tools 5 5. Vermeidbare Probleme bei der Einführung von QFD 8 6. Schlußfolgerungen für den Einsatz von QFD in der Software-Herstellung 9 Literatur 10 Kurzfassung Software-Produkte entsprechen häufig nicht den Erwartungen der Kunden. Die Japaner haben mit Hilfe des sogenannten Simultaneous Engineering infolge der hierdurch verbesserten Kundenorientierung bedeutende Marktvorteile erlangt. Beim Simultaneous Engineering werden, ausgehend von den Kundenwünschen, über eine interdisziplinäre Gemeinschaftsarbeit im Unternehmen Produktgestaltung und Herstellungsprozeß synchron gestaltet. QFD ist das Rückgrat der simultanen Produktplanung. Der Beitrag berichtet über ein Projekt zur Planung eines CASE- Tools, mit dem geprüft werden sollte, inwiefern das für die Fertigungsindustrie entwickelte QFD- Verfahren auch für Software-Produkte eingesetzt werden kann. * Dr. Georg Herzwurm, Prof. Dr. Werner Mellis, Dr. Dirk Stelzer, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Systementwicklung der Universität zu Köln, Prof. Dr. Werner Mellis veröffentlicht in: QZ, Nr.3/1995, Seiten

2 Verwendung von Quality Function Deployment (QFD) für die kundenorientierte Gestaltung von CASE-Tools Seite 2 1. Kundenorientierung der CASE-Tool Hersteller in der Praxis Laut Studien der Gartner-Group befinden sich unter den 100 umsatzstärksten Software-Häusern der Welt zur Zeit nur 10 europäische Unternehmen. Auch im CASE-Tool Markt dominieren amerikanische Hersteller. Über die Ursache für die Dominanz außereuropäischer Hersteller gibt es zwar keine wissenschaftlich abgesicherten Erkenntnisse, als Grund führt aber z. B. das irische Software Department mangelhaftes Marketing und fehlende Kundenorientierung in Europa an. Untersuchungen der Universität zu Köln belegen, daß CASE-Tool Hersteller bei der Planung neuer Tools oder Releases i. d. R. bestrebt sind, die neuesten Technologien anzubieten, während die Kunden eher nicht-funktionale Forderungen wie Benutzerfreundlichkeit oder Anpassbarkeit erheben.[1] Vielfach ist bei CASE-Tool Herstellern der Versuch zu beobachten, die Kunden zu missionieren : So wurden in einem konkreten Fall, Kundenforderungen nach einer Verteilungsmöglichkeit des Entity-Relationship Diagramms auf mehrere DIN A4 Seiten von den betroffenen CASE-Tool Hersteller mit dem Argument zurückgewiesen, ein gutes Diagramm passe auf eine Seite, weshalb diese Forderung unsinnig sei. Wie diese Beispiele zeigen, liegt die Ursache für die bestehenden Diskrepanzen zwischen Kundenforderung und Produkteigenschaften in der mangelnden Fokussierung der CASE-Tool Hersteller auf die tatsächlichen Belange der Kunden. Häufig erfolgen keine systematischen Analysen über Kundenbedürfnisse und Kundenzufriedenheit oder die bekannten Kundenwünsche werden nicht korrekt in Produktmerkmale umgesetzt. 2. Grundprinzipien der CASE-Tool Produktplanung Letztlich entscheidet aber der Kunde über den Erfolg eines Produktes - hier: des CASE-Tools. Ausschlaggebend für die Kaufentscheidung ist dabei der Nutzen, den das Produkt für den Kunden stiftet, d. h. in diesem Fall die Qualität des CASE-Tools. In Abb. 1 ist der Kundennutzen als Wertefunktion dargestellt: Wert (%) Funktionalitätsforderung Kleinanwender an CASE-Tools Funktionalitätsforderung Großanwender an CASE-Tools Untererfüllung hart bestraft Übererfüllung kärglich belohnt CASE- Tool A CASE- Tool B Funktionalität Abb. 1: Wertefunktion eines CASE-Tool Qualitätsmerkmals [2]

3 Verwendung von Quality Function Deployment (QFD) für die kundenorientierte Gestaltung von CASE-Tools Seite 3 Auf der Abszisse befindet sich die Ausprägung eines Produktmerkmales (hier: Funktionalität eines CASE-Tools). Die Ordinate beschreibt den Wert, den ein potentieller Käufer einer bestimmten Ausprägung dieses Merkmales in einem normierten Maßstab zuordnet. Kurve A zeigt z. B. ein klassisches PC-CASE Tool speziell für die frühen Phasen der Systementwicklung. Kurve B beschreibt ein Client-Server CASE-Tool mit umfangreichen Querschnittsfunktionen und breiter Generierungspalette. In beiden Fällen ist eine zu geringe Funktionalität mit der Wertvorstellung 0 verbunden. Den vollen Wert erreichen beide Produkte bei durchaus unterschiedlicher Funktionalität. Durch das unterschiedliche Anforderungsniveau sind somit verschiedene Arten von CASE-Tools und nicht unterschiedliche Qualitäten im Sinne von Güten gekennzeichnet. Der Wert des CASE- Tools für einen bestimmten Kunden ist daher abhängig von seinen speziellen Anforderungen. Bei der Evaluierung von CASE-Tools hat die Universität zu Köln deshalb stets auf die Aufstellung einer Rangfolge unter den CASE-Tools verzichtet. Damit wird allerdings gleichzeitig deutlich, daß die systematische Kundenorientierung einen kritischen Erfolgsfaktor für einen CASE-Tool Hersteller darstellt. Wird die Forderung des Kunden nicht erfüllt, so kauft er das Produkt nicht oder nur zu einem erheblich niedrigeren Preis (harte Bestrafung der Untererfüllung); es erfolgt ein schnelles Absinken der Wertefunktion unterhalb von 100%. Eine Übererfüllung der Forderungen bedeutet für den Kunden keinen adäquaten Wertzuwachs: mittelständische Unternehmen wären beispielsweise nicht bereit, für die Funktionalität eines komplexen CASE-Tools einen höheren Preis zu zahlen. Zumindest stellt sich für den CASE-Tool Hersteller die Frage, ob sich die Entwicklungskosten amortisieren; in jedem Fall ist diese falsch verstandene "positive" Qualität mit einem erhöhten Risiko verbunden. Die Übererfüllung von Kundenanforderungen macht nur in Ausnahmefällen Sinn, z. B. wenn alle Kundenwünsche bereits erfüllt sind oder wenn man sich durch Innovationen von der Konkurrenz absetzen möchte. Ziel der Produktplanung muß es somit sein, die Kundenwünsche möglichst exakt zu treffen. Hier kann QFD eine wertvolle Hilfestellung leisten. [3] Die Produktplanung eines CASE-Tools besitzt gegenüber anderen Software-Produkten wie z.b. Textverarbeitung einige Besonderheiten, die beim QFD-Einsatz berücksichtigt werden müssen: Komplexität des Produktes Aufgrund der hohen Komplexität von CASE-Tools ist der Kunde bei der Formulierung und zuverlässigen Priorisierung von Anforderungen und Wünschen häufig überfordert. Außerdem führt die Komplexität von CASE-Tools zu einem erschwerten Abstimmungsprozeß zwischen Marketing und Produktentwicklung. Anwendungskomplexität des Produktes Die Anwendung eines CASE-Tools ist ein schwieriger Prozeß, weil er in der Automatisierung des komplexen und nur unzureichend verstandenen Prozesses der Softwareentwicklung besteht. Der erfolgreiche Einsatz des Werkzeuges hängt von einer Vielzahl von Faktoren und unbekannten Bedingungen ab. Als Folge dieser Situation basieren viele Kundenanforderungen auf Vermutungen, die von Software Engineering-Spezialisten in Frage gestellt werden.

4 Verwendung von Quality Function Deployment (QFD) für die kundenorientierte Gestaltung von CASE-Tools Seite 4 externe Einflußfaktoren Technologische Entwicklungen (z. B. Objektorientierung, Client-Server Architekturen) und Managementtrends (z. B. Total Quality Management) bedingen i. d. R. neue Anforderungen an CASE-Tools. Diese Entwicklungen stellen jedoch weder vom Kunden noch vom Hersteller steuerbare bzw. vorhersagbare Einflußfaktoren auf das Produkt dar. Qualität versus Innovation Ein weiteres typisches Problem, das die Kundenorientierung der CASE-Hersteller behindert, ist die unterschiedliche Bewertung von Qualitätsanforderungen und Innovationen durch Entwickler und Kunden bzw. kundennahen Bereichen eines Herstellers. Während die Kunden und häufig auch die kundennahen Bereiche den Qualitätsanforderungen eine hohe Bedeutung zuordnen, schätzen Entwickler den Wert von innovativen Merkmalen höher ein. Softwareentwickler sehen sich häufig als Erfinder grundsätzlich neuer Technologien und nicht primär als Entwickler nützlicher Hilfsmittel für den Kunden. So ergibt sich oft eine Konkurrenz von Qualität und Innovation, in der die Qualität unterliegt, weil die Promoter der Qualität zu schwach sind. Der natürliche Promotor ist der Kunde, der selbst in dieser Auseinandersetzung meist nicht vertreten ist. Der Einsatz des Werkzeuges QFD hat daher einen doppelten Effekt: Er unterstützt die Produktplanung auf der Grundlage der customer s voice durch schrittweise Analyse und Umsetzung der Kundenanforderungen. Er unterstützt eine Verbesserung der Kommunikation zwischen allen an der Produktentwicklung beteiligten Personen. Eine Steuerung und Vorhersage von Kundenanforderungen bzw. Trends kann allerdings auch QFD nicht leisten. 3. QFD als Instrument zur Verbesserung der Kundenorientierung Japanische Unternehmen haben mit Hilfe des sogenannten Simultaneous Engineering, bei dem ausgehend von den Kundenwünschen über eine interdisziplinäre Gemeinschaftsarbeit im Unternehmen Produktgestaltung und Herstellungsprozeß synchron gestaltet wird, bedeutende Marktvorteile erlangt. QFD ist das Rückgrat der simultanen Produktplanung. [4] Aus expliziten, vorausgesetzten oder latenten Anforderungen und Wünschen der Kunden an das neue bzw. zu verbessernde Produkt werden schrittweise die Produkteigenschaften entwickelt. In der ersten Phase Qualitätsplanung werden die Kundenanforderungen in technische Merkmale des Produktes übersetzt. Aus den Qualitätsmerkmalen des Produktes werden anschließend in mehreren Stufen in der Phase Teileplanung die entsprechenden Merkmale der Produktkomponenten (z. B. Module) entwickelt. Diese Merkmale bilden in der Phase Prozeßplanung wichtige Kriterien für die Festlegung kritischer Produkt- und Prozeßparameter (z. B. Prüfobjekte und -zeitpunkte), die in der

5 Verwendung von Quality Function Deployment (QFD) für die kundenorientierte Gestaltung von CASE-Tools Seite 5 letzten Phase Fertigungsplanung die Ausgangsbasis für die detaillierte Festlegung des Entwicklungsprozesses sind. Die Festlegung aller wichtigen technischen, wirtschaftlichen und marktstrategischen Eckdaten erfolgt durch ein abteilungsübergreifendes Expertenteam aus Marketing, Produktplanung, Produktentwicklung, Qualitätsmanagement etc. Alle Planungsschritte werden in QFD- Planungsmatrizen zusammengestellt, die somit eine Art Übersichtsplan des Projektes ergeben. Für den QFD-Einsatz in der Software-Herstellung ergeben sich v. a. folgende Nutzeffekte bei der Neu- oder Weiterentwicklung von Software-Produkten: Fokussierung der Entwicklung auf der Basis von Kundenanforderungen Übersicht über kritische Punkte und Zielkonflikte bei der Entwicklung Bereitstellung rationaler und transparenter Entscheidungsgrundlagen Entwicklung klarer Vorgaben für die Software-Prozeßgestaltung 4. Möglichkeiten und Grenzen der QFD-Anwendung in der Herstellung von CASE- Tools Das Potential von QFD bei der Planung eines CASE-Tools wird im folgenden anhand eines konkreten Projekts erläutert. In der ersten Phase, der Qualitätsplanung, werden zunächst Kundenanforderungen ermittelt. Traditionell unterscheidet man funktionale und nicht-funktionale Anforderungen, wobei wie bereits eingangs erwähnt in der Praxis der Entwickler die nicht-funktionalen ein Schattendasein führen. In der Regel vernachlässigt der Hersteller unter den nicht-funktionalen Anforderungen gerade die Qualitätsanforderungen, die in Umfragen von Anwendern als die wichtigsten genannt werden. [5] QFD kann sowohl für die Umsetzung der funktionalen Anforderungen als auch für die Umsetzung der nicht-funktionalen Anforderungen genutzt werden. Da die Unzufriedenheit von Kunden mit CASE-Werkzeugen in empirischen Untersuchungen nicht in erster Linie mit funktionalen Mängeln begründet wird, sehen wir den Verbesserungsbedarf in erster Linie bei den nicht-funktionalen Anforderungen. Kundenanforderungen müssen hinreichend präzise und detailliert formuliert sein, um klare Hinweise für Entscheidungen über technische Produktmerkmale zu geben. Wie schon in Abschnitt 2 erläutert wurde, sind aber insbesondere bei CASE-Werkzeugen Kunden häufig mit der Formulierung angemessener Anforderungen und Wünsche sowohl hinsichtlich des Detaillierungsgrades als auch hinsichtlich der Präzision überfordert. Dies zeigt sich z. B. auch an der großen Resonanz unter den potentiellen CASE-Toolanwendern auf einen umfangreichen vom Lehrstuhl entwickelten Kriterienkatalog für die Auswahl von CASE-Produkten. [6] Für den CASE- Toolanwender sind hier potentielle Anforderungen in systematischer und präziser Form zusammengetragen. In einem ersten Schritt müssen daher die Kundenanforderungen präzisiert, detailliert und systematisiert werden. Dies sollte in Zusammenarbeit mit Kunden geschehen, die

6 Verwendung von Quality Function Deployment (QFD) für die kundenorientierte Gestaltung von CASE-Tools Seite 6 ohnehin die präzisierten und detaillierten Anforderungen aus ihrer Sicht mit Gewichtungen versehen müssen. Bei Neuentwicklungen von Software wird die vorherrschende Entwicklungsrichtung der Kundenanforderungen die Detaillierung sein. Bei Weiterentwicklungen werden die Kundenanforderungen eher speziell und detailliert sein und müssen aggregiert und systematisiert werden. Bei der Detaillierung kann man zunächst verfahren wie bei der traditionellen Entwicklung eines Qualitätsmodells. Die Qualitätsanforderungen wie z. B. Benutzerfreundlichkeit werden in einzelne Aspekte (sekundäre Anforderungen) zerlegt wie leichte Bedienung, schnelle Erlernung, individuelle Anpaßbarkeit (Abb. 2). primär sekundär tertiär quartiär Benutzerfreundlichkeit Bereitstellung Beschreibungsmittel Rechnerunterstützung bei der Software- Entwicklung Methodenunterstützung Automatisierung Entwicklungsschritte leichte Bedienung schnelle Erlernung individuelle Anpassbarkeit Abb. 2: Typische Kundenforderungen an ein CASE-Tool Falls es erforderlich ist, ließe sich leichte Bedienbarkeit z. B. wiederum unterteilen in leichtes Auffinden des richtigen Arbeitskontextes, leichte Auswahl der gewünschten Funktion, leichte Eingabe der notwendigen Daten für die ausgewählte Funktion, leichte Bestimmung des aktuellen Arbeitskontextes etc. Dabei ist es wichtig, daß die Zerlegung in Aspekte lösungsneutral bleibt. Der Detaillierungsgrad muß pragmatisch festgelegt werden. Er ist richtig gewählt, wenn ein diagrammtechnisch handhabbares System von Anforderungen entsteht, das einen differenzierten Vergleich mit der Qualität der Konkurrenzprodukte gestattet und das leicht auf die Komponenten der geplanten Software abgebildet werden kann. Die Zufriedenheit der Kunden mit dem jeweiligen Produkt bzw. die vergleichende Beurteilung mit Konkurrenzprodukten durch den Kunden auf Basis der Kundenanforderungen ist eine weitere wichtige Information der ersten QFD-Matrix. Aus den Kundenanforderungen müssen im nächsten Schritt vom Hersteller Qualitätsmerkmale aus der Sicht des Produktes abgeleitet werden. Dabei müssen sie so präzisiert werden, daß der Spielraum für Interpretationen minimiert ist. Im Idealfall entstehen dabei operationalisierte Qualitätsmerkmale. Diese Qualitätsmerkmale stehen in aller Regel nicht in einem einfachen

7 Zielgröße Schwierigkeitsgrad Konkurrenz besser schlechter Bedeutung Konkurrenz schlechter besser Qualitätsmerkmale Gewicht Korrelationsmatrix Variationsrichtung Verwendung von Quality Function Deployment (QFD) für die kundenorientierte Gestaltung von CASE-Tools Seite 7 Verhältnis zu den Kundenanforderungen. Daher bietet sich die Analyse des Zusammenhangs in Form eines typischen QFD-Diagramms an. Bei einer großen Anzahl von Qualitätsmerkmalen kann es sinnvoll sein, die Qualitätsmerkmale zu aggregieren. Im Beispiel werden der Anforderung einfache Bedienung die operationalen Qualitätsmerkmale tägliche Anzahl von Bedienfehlern, Anzahl der Schritte für typische Aufgaben, Zeitbedarf für typische Aufgaben, Lernzeit unerfahrener Benutzer etc. zugeordnet. Die in Abbildung 3 dargestellten Zielgrößen der Qualitätsmerkmale sind als Durchschnittswerte zu verstehen und stellen gleichzeitig auch Entwicklungsziele dar. Die Zielgrößen sowie der vermutete Schwierigkeitsgrad (von 1 = leicht bis 3 = schwierig) und die Bedeutung der einzelnen Qualitätsmerkmale für die Umsetzung der Kundenforderungen (9 = stark, 3 = mittel, 1 = schwach) sind subjektiv eingeschätzt. Im Dach des sogenannten House of Quality sind die positiven oder negativen Korrelationen zwischen Qualitätsmerkmalen aufgezeigt (Abb. 3). Konkurrent A Konkurrent B <16h <80h <3 <2 Gute Hilfestellung Schnell erlernbar Einfache Bedienung AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA AAAA Kundenanforderungen Lernzeit erfahrener Benutzer Lernzeit unerfahrener Benutzer Tägliche Anzahl Bedienungsfehler Anzahl Schritte für typische Aufgabe +_ Abb. 3: QFD Qualitätsplanung für ein CASE-Tool [7] Diese erste QFD - Matrix ist auf das CASE-Produkt allgemein bezogen, in der zweiten und dritten Ebene wird auf die einzelnen Komponenten und die konkreten Maßnahmen zur Verbesserung abgestellt. Schwerpunkte der weiteren Betrachtung könnten im Beispiel der unerfahrene Benutzer und die durchschnittlich benötigten Bearbeitungsschritte zur Erfüllung einer typischen Aufgabe sein. In der Komponentenplanung wird mit den gleichen Darstellungstechniken ermittelt, welche Produktkomponenten (Abb. 4) zur Erfüllung der im ersten Schritt als wichtig identifizierten Qualitätsmerkmale beitragen. Im Software-Bereich muß hierfür i. d. R. stärker gegliedert werden als

8 Verwendung von Quality Function Deployment (QFD) für die kundenorientierte Gestaltung von CASE-Tools Seite 8 im industriellen Bereich. Außerdem sind Software-Produkte häufig nicht wie industrielle Produkte hierarchisch in Baugruppen aufteilbar. Utilities Benutzerschnittstelle Hilfe Editoren Dialoge Parameterisierung methodenspezifisch SA ERM Software Werkzeuge OMT Projektmanagement methodenübergreifend Konfigurationsmanagement Qualitätsmanagement Entwicklungsdatenbank Dokumentation Abb. 4: Komponenten eines CASE-Tools Für den Entity-Relationship Diagramm Editor könnten dann z. B. die Funktionen Anlegen, Löschen, Modifizieren oder die Menüs in bezug auf ihren Beitrag zur Erfüllung der Qualitätsforderungen betrachtet werden. Aufgabe in der Prozeß- und Produktionsplanung ist dann die Vorbereitung konkreter Designentscheidungen wie Tiefe des Menübaums, Anteil der Mausoperationen etc. 5. Vermeidbare Probleme bei der Einführung von QFD QFD wurde in Japan von Akao entwickelt und zunächst von Toyota bei der Automobilproduktion eingesetzt. [8] Obwohl die Fertigungsindustrie immer noch das größte Einsatzgebiet von QFD ist, beschäftigt sich auch die japanische Software-Industrie zunehmend mit dieser Planungstechnik. [9] Capers Jones will herausgefunden haben, daß die führenden Unternehmen der Informationstechnologie in den USA (Motorola, HP, AT&T) Messprogramme und Techniken wie Formale Inspektionen und QFD einsetzen. [10] Dennoch sind in der Praxis viele QFD-Einführungen gescheitert. [11] Dies lag zumeist daran, daß die erforderlichen Voraussetzungen für den QFD-Einsatz nicht vorlagen. Hierzu gehören insbesondere die Veränderung der Unternehmenskultur zu mehr Kundenorientierung (TQM) und das Vorhandensein geeigneter Meßdaten (Kundenbedürfnisse, Kundenzufriedenheit, quantifizierte Qualitätsmerkmale und Zielgrößen etc.). Gerade bei europäischen Anwendern war mangelnde abteilungsübergreifende Zusammenarbeit ein Grund für den fehlenden Erfolg von QFD. Aufgrund der nicht zu unterschätzenden Komplexität von QFD sollte ein Pilotprojekt nicht zu umfangreich gewählt werden. Die Praxis lehrt, daß für die jeweiligen QFD-Sitzungen, in denen die Matrizen

9 Verwendung von Quality Function Deployment (QFD) für die kundenorientierte Gestaltung von CASE-Tools Seite 9 erarbeitet werden, zwei bis drei Tage mit fünf bis sieben Personen veranschlagt werden müssen. Die Beschaffung der erforderlichen Input-Informationen kann jedoch je nach Datenlage im Unternehmen ein Vielfaches dieses Aufwands bedeuten. 6. Schlußfolgerungen für den Einsatz von QFD in der Software-Herstellung Die Ausführungen belegen die prinzipielle Anwendbarkeit von QFD für die Planung von Standardsoftwareprodukten. Es ist evident, daß eine ähnliche Vorgehensweise auch für Individualsoftware-Herstellung möglich ist. Die QFD-Anwendung wird sogar erleichtert, da ein intensiverer Kontakt mit dem Kunden gepflegt werden kann. Der Schwerpunkt liegt im Falle der Individualsoftware daher eher im Bereich der Softwareprozeßmodellierung mit QFD (Fachabteilungsforderungen wie Mitspracherecht bei der Entwicklung oder schnelle Verfügbarkeit ). Bei der Software-Herstellung können im Gegensatz zur Fertigungsindustrie die Prozeßparameter und die Qualitäts- bzw. Produktmerkmale nicht einfach in Maße wie Gewicht und Größe angegeben werden. Vielmehr bedarf es noch intensiver Bemühungen von Forschung und Praxis, um eine meßbare Software-Herstellung zu ermöglichen.

10 Verwendung von Quality Function Deployment (QFD) für die kundenorientierte Gestaltung von CASE-Tools Seite 10 Literatur [1] Georg Herzwurm (Hrsg.): CASE-Technologie in Deutschland. Orientierungshilfe und Marktüberblick für Anbieter und Anwender. Köln 1994 [2] In Anlehnung an Walter Masing: Handbuch Qualitätsmanagement, 3. Auflage, München-Wien 1994 [3] Richard E. Zultner: Quality Function Deployment (QFD): Structured Requirements Exploration. In: G. Gordon Schulmeyer, James I. McManus (Hrsg.): Total Quality Management for Software. New York, London, 1992, S [4] Lawrence R. Guinta, Nancy C. Praizler: The QFD Book - The Team Approach to Solving Problems and Satisfying Customers Through Quality Function Deployment. New York 1993 [5] U. Bittner, J. Schnath, W. Hesse: Werkzeugeinsatz bei der Entwicklung von Software- Systemen. In: Softwaretechnik-Trends. Nr. 1, 1993, S [6] Georg Herzwurm, Uwe Müller: Kriterienkatalog zur Unterstützung der Auswahl von CASE- Tools. Köln 1993 [7] Das grafische Layout der QFD-Matritzen ist angelehnt an Tilo Pfeifer: Qualitätsmanagement. München-Wien 1993 [8] Yoji Akao: QFD - Quality Function Deployment - Wie die Japaner Kundenwünsche in Qualität umsetzen. Landsberg/Lech 1992 [9] Tadashi Yoshizawa u. a.: Recent Aspects of QFD in the Japanese Software Industry. In: Quality Egineering, Nr. 3, 1993, S [10] Capers Jones: Software quality tools, methods used by industry leaders. In: Computer. April, 1994, S. 12 [11] Berthold Curtius, Ümit Ertürk: QFD-Einsatz in Deutschland - Status und Praxisbericht. In: QZ - Qualität und Zuverlässigkeit. Zeitschrift für industrielles Qualitätsmanagement. Nr. 4, 1994, S

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