Trauma und Paardynamik

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1 Trauma und Paardynamik Wenn Partner mitleiden Sekundäre Traumatisierung 1 Die Traumatische Zange Traumatischer Schock, existentielle Bedrohung Sympathikus Abgeschalteter Hippocampus Bindung Oxytocin Fragmentierte Speicherung von Bildern, Geräuschen, Gerüchen, Körperempfindungen, Emotionen, Kontexten Flucht Adrenalin Kampf Noradrenalin Keine Fluchtmöglichkeit, keine Kampfmöglichkeit Hilflosigkeit, Ohnmacht Verzweiflung Einfrieren (Freeze) Parasympathikus Unterwerfung Dissoziation Sekundäre Traumatisierung 2 1

2 Nach Hüther, modifiziert Korittko Sekundäre Traumatisierung 3 Die Posttraumatische Belastungsstörung Intrusionen (Wiedererleben) Flash-backs und Alpträume Panik-Attacken Zwanghaftes Grübeln Konstriktionen (Vermeidung) Vermeidung von Ereignis- Triggern Soziale Isolation Emotionale Empfindungslosigkeit (numbing) Alkohol- und MedikamentenMißbrauch Hyperaraousal (Übererregung) Übersteigerte Wachsamkeit Schlafstörungen Herzrasen, Atemnot, Beklemmungen Somatoforme Störungen Konzentrationsstörungen 4 und Starre-Empfinden Sekundäre Traumatisierung Taubheits- 2

3 Häufigkeit von PTSD bei Helfern Medizinischer Notfall- und Rettungsdienst: 3-7%; 9-12% Subsyndromale Belastungsstörung Polizei: 5-9%; 20-40% Polizeibeamte nach Einsätzen mit Schusswaffengebrauch: 46%; 75% mit Intrusionen Feuerwehr: 9%; 29% Feuerwehrleute mit höherem persönlichen Risiko: 16-22%; 56% mit Intrusionen Sekundäre Traumatisierung 5 Die verborgenen Narben des Krieges Vietnam-Krieg: 50% PTSD, aber erst Monate später US-Soldaten: Hohes PTBS-Risiko bei Irak- und Afghanistan-Einsätzen (15-20%) Das PTSD-Risiko steigt mit der Intensität, mit der Soldaten in Kampfhandlungen einbezogen werden. Bundeswehr: durchschnittlich 20 Ereignisse je Soldat (Kampf-, Verletzungs- und Todeskonfrontation). Bei Kampftruppen sind die "traumatischen Ereignisraten" dreifach, in Kundus 4-fach erhöht Bundeswehreinsatz in Afghanistan: 300 von pro Jahr, davon Dunkelziffer ca. 50%, (Wittchen, 2011) Sekundäre Traumatisierung 6 3

4 Keiner leidet alleine Ein Mensch, der traumatisiert ist und Schlimmes erlebt hat, leidet oftmals nicht alleine. Familie, Freunde, Kollegen und Bekannte leiden mit. Es tut weh, dem eigenen Vater, der Mutter, dem Bruder, der Schwester, seinem Partner nicht helfen zu können. Zusehen zu müssen, wie der Mensch, den wir lieben, leidet. Ihn nicht wieder zu erkennen, das von ihm Erlebte nicht zu verstehen ist besonders schlimm Sekundäre Traumatisierung 7 Nicht mehr der, der er war Die Ehefrau eines US-Soldaten (Irak-Veteran) Der größte Verlust ist der Verlust des Mannes, den ich geheiratet habe. An guten Tagen lebt er von uns abgetrennt, an schlechten Tagen wird er gewalttätig. Sein Körper ist hier, aber seine Gedanken sind nicht bei uns. Er ist nicht mehr der, der er war Sekundäre Traumatisierung 8 4

5 Auswirkungen von PTBS auf Interaktionen 1 Harkness & Zador, 2004 Intrusionen beeinflussen die Fähigkeit, des Individuums in der Gegenwart zu kommunizieren Emotionale Taubheit und Vermeidung beeinflussen die Fähigkeit des Individuums, Emotionen zu spüren, sie zu modulieren und sie adäquat auszudrücken Übererregung beeinflusst die Fähigkeit des Individuums, anderen gegenüber Sicherheit und Vertrauen zu entwickeln Sekundäre Traumatisierung 9 Auswirkungen von PTBS auf Interaktionen 2 Harkness & Zador, 2004 Schnelle Erregbarkeit führt zu Wutausbrüchen oder zu Rückzug und Isolation aus Angst davor Der Wunsch, andere vor sich zu schützen, führt zu unerfüllten Bedürfnissen nach Nähe, zu Scham, Problemen im Vertrauen, Einsamkeit und dem Gefühl von Wertlosigkeit Sekundäre Traumatisierung 10 5

6 Auswirkungen von PTBS auf Interaktionen 3 Harkness & Zador, 2004 Leben mit dem Eismann Von draußen nach drinnen gucken Leben mit Dr. Jekyll und Mr. Hyde Leben mit einem Geist Leben in zwei Zeitzonen Nicht mit uns, nicht ohne uns Sekundäre Traumatisierung 11 Herkunftsfamilie und Paardynamik bei sekundärer familiärer Traumatisierung Herkunftsfamilie Geringe Forschung Nicht der Gleiche, der er war. Kontaktvermeider oder Verantwortliche Schuldgefühle der Mütter, die in der Lage sein müssten, ihre Kinder emotional zu erreichen Vorher und Nachher -Bild des Traumatisierten Paardynamik Umfangreiche Forschung Eingeschränkte Intimität Die Überfunktion des Partners unterstützt die Unterfunktion beim Überlebenden Haushalt Kindererziehung Berufliche Entwicklung Leidenschaftsfalle: keine Kontrolle über die Symptomatik, aber Verantwortungsgefühl Sekundäre Traumatisierung 12 6

7 Interaktionsmuster bei sekundärer familiärer Traumatisierung Entfremdung des Traumatisierten von der Familie Grenze zwischen nicht traumatisiertem Elternteil und Kindern konfus, zwischen Traumatisiertem und Familie rigide Gefährdetes elterliches Subsystem Vietnam-Veteranen- Familien: o Losgelöst und entfremdet o Verstrickt wir gegen die anderen o Gewalttätiger Veteran, Krisen und Chaos Unerreichbarkeit der Väter bei allen drei Mustern bedeutsam Sekundäre Traumatisierung 13 Weiterleben ist kein Verrat an der Vergangenheit : Drei Behandlungselemente Diagnose PTSD-Symptomatik Familie: Stärken und pathogene Faktoren, incl. Herkunftsfamilie, Phase der Genesung Zerstörerische und selbstzerstörerische Aspekte: Gewalt, sexuelle Gewalt? Schusswaffen? Drogen, Alkohol? Suizidalität? Psychoedukation Symptome Auslöse-Reize Spezifische Auswirkungen Verantwortlichkeit Enthüllung Entgiftung des traumatischen Materials Was und wann? Wie viel davon? Komplett? Zu früh? Gegenüber allen? Ziel: Ansprechbarkeit Sekundäre Traumatisierung 14 7

8 Entgiftung des traumatischen Materials Was ist geschehen? Welche Mythen? Welche Trigger? Welche Fehlannahmen? Welche veränderte Weltsicht? Sekundäre Traumatisierung 15 Go away closer Das dialektische Dilemma Judith Lewis Herman, 1992 Passende Formen für die Auswirkungen des Trauma finden, ohne davon überwältigt zu werden Ausdruck für die Emotionen finden, zugleich vergessen wollen und gegen die Erinnerungen ankämpfen Schlüssel: Überlebende wollen Teil der Familie sein und die Familie will die traumatischen Erlebnisse verstehen Sekundäre Traumatisierung 16 8

9 Wir haben mit der Vergangenheit abgeschlossen, aber die Vergangenheit nicht mit uns. (aus Magnolia,Spielfilm 1999) Sekundäre Traumatisierung Seiten 8 Abbildungen Vorworte von Gerald Hüther und Wilhelm Rotthaus 29, Sekundäre Traumatisierung 18 9

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