MITTEILUNGEN DER ÄRZTEKAMMER FÜR NIEDERÖSTERREICH 69. JAHRGANG NR.

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1 CONSILIUM MITTEILUNGEN DER ÄRZTEKAMMER FÜR NIEDERÖSTERREICH 69. JAHRGANG NR. 09/14 DFP-Countdown 2016 Qualität statt Quantität im Turnus Ärztemangel das hausgemachte Problem

2 Meine eigene Ordination. Für uns zählt, was für Sie zählt. Sie haben klare Vorstellungen und Ziele. Deshalb unterstützen wir Sie und Ihre Ideen mit der passenden Finanzlösung. Besuchen Sie uns auf: facebook.com/erstebank.sparkasse

3 KURZ & BÜNDIG Kurz & bündig 18 neue Mitglieder in der NÖ Ärztekammer Seit mehr als fünf Jahren werden die Ärzteausweise nicht mehr wie bisher postalisch an die JungmedizinerInnen zugeschickt, sondern im Zuge einer Informationsveranstaltung persönlich übergeben. Seitens der Ärztekammer sind zahlreiche Spitzenfunktionäre bei den monatlich stattfindenden Ärzteausweisverleihungen anwesend. So wird den JungmedizinerInnen die Gelegenheit geboten, unter anderem den Präsidenten der Ärztekammer, Dr. Christoph Reisner, MSc, den Vizepräsidenten, Dr. Gerrit Loibl, MSc, den 2. Vizepräsidenten und Kurienobmann, Dr. Ronald Gallob, seinen Stellvertreter, Dr. Stefan Halper, und Dr. Karl Ischovitsch, aber auch Vertreter des Wohlfahrtsfonds und des Kammeramtes persönlich kennenzulernen. Da die Ärzteausweisverleihung monatlich stattfindet, haben die Gruppen eine perfekte Größe, um produktiv und zeitökonomisch zu arbeiten. Aufgrund des großen Interesses und der zahlreichen Anfragen im Laufe des Abends plant die Kurie nun Fortsetzungsveranstaltungen, in denen auf spezifische Themen ausführlich eingegangen werden kann. Bei der Ausweisverleihung am 30. Juli 2014 wurden Dr-medic Emilian-Ionut AIONESEI, Dr. Markus BARTMANN, Dr. Alf Dorian BINDER, MUDr. Jana CERNAKOVA, Drmedic Alexandra-Mirabela CHIVU, Dr-medic Diana-Laura DUMITRASCU, Dr. Josef FOGGENSTEINER, dr.med. Istvan OPOCZKI, Dr. Lisa Maria PTACEK und Dr. Rudolf Karl WOHLGEMUTH ihre Ausweise verliehen. Bei der Ausweisverleihung am 27. August 2014 wurden Dr. Cornelia DUSCHECK, Dr. Julia EBNER, Dr. Charlotte GLAWISCHNIG, Dr. Anja KOLDE-SONNEBORN, Dr. Martina LEHNER, Dr. Charlotte MAIER, Dr. Peter ROSNER und Dr. Christian SOMMER ihre Ausweise verliehen. Wir gratulieren recht herzlich! Wasserschaden und Bauarbeiten in der Ärztekammer NÖ Seit einigen Wochen wird im Gebäude in der Wipplingerstraße, in dem die Ärztekammer NÖ ihre Büroräumlichkeiten hat, von der Hypobank NÖ das Dach ausgebaut. Die erheblichen Regenfälle der letzten Tage in Kombination mit den Bauarbeiten am Dach haben zuletzt zu einem massiven Wasserschaden auch in den Räumlichkeiten der Ärztekammer NÖ geführt. Sollte es dadurch zu Verzögerungen bei der Bearbeitung von Unterlagen kommen, ersuchen wir Sie um Entschuldigung und Verständnis für die Unannehmlichkeiten. IMPRESSUM: Verleger, Medieninhaber und Herausgeber: Ärztekammer für Niederösterreich, Körperschaft Öffentlichen Rechts; 1010 Wien, Wipplingerstr. 2, Tel. 01/ , FAX: 01/ , Chefredaktion: Präs. OA Dr. Christoph Reisner, MSc, Dw. 241; Redaktionsleitung: Michael Dihlmann, Dw. 321, Mag. Birgit Jung, Dw. 623; Sekretariat, Layout, Produktion, Abonnements, Wortanzeigen: Daniela Kotouc, MA, Dw. 633, Die Redaktion behält sich vor, unaufgefordert eingesandte Beiträge teilweise oder gar nicht zu veröffentlichen. Alle mit Promotion gekennzeichnete Texte sind entgeltliche Einschaltungen. Alle namentlich gezeichneten Beiträge müssen nicht zwingend die Meinung des Herausgebers repräsentieren. Anzeigen: FIVe-NF GmbH, Kutschkergasse 26, Postfach 63, 1180 Wien, Tel. 0676/ , Grafisches Konzept: Kotschever Kommunikationshaus; Herstellung, Druck, Vertrieb: Colordruck La Linea GmbH., Kalkofenweg 6, 5400 Hallein/Gamp, Tel / , Abopreis: 55,- Euro/Jahr (10 Ausgaben) Gedruckt nach der Richtlinie Druckerzeugnisse des Österreichischen Umweltzeichens, Wallig Ennstaler Druckerei und Verlag GmbH, UW-Nr

4 INHALT Fotos: bilderbox Seite 12 Seite 18 Seite 25 Inhalt Service Kurz & bündig Seite 03 Impressum Seite 03 Editorial Präsident Seite 05 Editorial Vizepräsident Seite 06 Aufhebung des ELGA-Gesetzes Seite 07 Wert eines Menschenlebens Seite 08 Weg in die Mehrklassenmedizin Seite 10 Ärztemangel Seite 12 Presseinformationen Seite 14 Kurz & bündig Seite 15 Spitalswesen der Zukunft Seite 16 Fortbildungsveranstaltungen Seite 35 Anmeldeformular Seite 43 Termine Seite 45 FAM Seite 46 Offene Stellen Seite 49 Standesveränderungen Seite 54 Jubiläen Seite 55 Nachrufe Seite 58 Vertretungsärzte Seite 60 Punktewerte Seite 62 Kleininserate Seite 63 Qualität statt Quantität im Turnus Seite 18 Veranstaltungstipps Seite 20 Leserbriefe Seite 22 DFP-Überprüfung 2016 Seite 25 Ärztemangel und Zahlen(bei)spiele Seite 28 Psy-Lehrgang abgeschlossen Seite Jahre AAMP Seite Erfahrungsaustausch Seite 33 Liebe LeserInnen! Diese Ausgabe des NÖ Consilium ging am 18. September 2014 in den Versand. Sollten Sie das Heft nicht zeitgerecht im Briefkasten vorfinden, wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Postamt. REDAKTIONSSCHLUSS: Ausgabe 11/14: Mittwoch, 22. Oktober 2014, Uhr; Coverfoto: fotolia/trueffelpix 4

5 PRÄSIDENT Dr. Sabine Oberhauser folgt Alois Stöger Gesundheitsministerium wieder durch Medizinerin besetzt Foto: Bernhard Noll OA Dr. Christoph Reisner, MSc Im Zuge von Personalrochaden in der Bundesregierung wurden einige Ministerien im Sommer neu besetzt. Für uns Ärztinnen und Ärzte teilweise von Bedeutung ist der Wechsel von Dr. Hans Jörg Schelling vom Hauptverband zum Finanzministerium. Mit der Kinderärztin Dr. Sabine Oberhauser steht nun abermals eine Ärztin dem Gesundheitsministerium vor. Ich begrüße sie im Namen der NÖ Ärztekammer in ihrem Amt, freue mich auf eine gute Zusammenarbeit und vertraue auf ihre Ausbildung und Berufserfahrung als Ärztin bei der gemeinsamen Lösung der anstehenden Probleme im österreichischen Gesundheitssystem. Sie wird es jedoch nicht leicht haben. Ihr Vorgänger hat einige Großbaustellen begonnen und unvollendet hinterlassen: Das ELGA-Gesetz befindet sich in der Umsetzungsphase. ELGA in der derzeitig geplanten Form ist als Hilfsmittel bei der Behandlung von Patienten ungeeignet. ELGA in der jetzigen Form wird zusätzlich enorme Geldsummen verschlingen wird, die wir an anderer Stelle trotz bereits längst bestehendem Mangel einsparen müssen. Die ersten Aussagen zum Thema ELGA lassen hoffen, dass Dr. Oberhauser die ärztliche Sichtweise, die sie ja aus der eigenen Praxis kennt, berücksichtigen wird. Weiters steht ein Sparprogramm vor der Tür, mit einer aus demografischer Sicht vollkommen unrealistischen Vorgabe, dass sich der Kostenpfad nur in Anlehnung an das BIP (Bruttoinlandsprodukt) entwickeln darf. Das BIP kümmert sich jedoch weder um die Demografie der österreichischen Bevölkerung, noch um Entwicklungen in der Medizin, die zu einer Verbesserung der Behandlung führen, gleichzeitig aber zu einer Verteuerung. Gesundheitsminister Alois Stöger hat keinerlei Maßnahmen zur Stärkung der Landmedizin in die Wege geleitet. Der Altersschnitt der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitssystem ist derartig hoch, dass wir mit einer massiven Pensionierungswelle rechnen müssen. Die Arbeitsbedingungen sowie die Ausbildungsproblematik treiben unsere Ärztinnen und Ärzte in Scharen ins Ausland oder einfach nur weg vom öffentlichen Gesundheitssystem, obwohl in Österreich genug Nachwuchs ausgebildet würde. Die ÖÄK verhandelt sogar aus, die Ärzteausbildung speziell beim Sorgenkind Allgemeinmedizin (entgegen der gültigen Beschlusslage) sogar noch zu verlängern, was diesen Beruf noch unattraktiver machen wird. Und das in Zeiten wo die meisten Bundesländer noch unzureichend auf die Notwendigkeiten bei den Spitalsarbeitszeiten in Bezug auf die EU-Gesetzgebung vorbereitet sind. Niederösterreich hat in diesem Bereich mit dem neuen Spitalsärztegesetz seine Hausaufgaben bereits erledigt. Speziell bei den Landärzten ist der so genannte Ärztemangel bereits deutlich zu spüren. Und der alte Minister hat keinerlei Maßnahmen zur Stärkung der Landmedizin in die Wege geleitet. Großes Sorgenkind von uns allen ist jedoch die bevorstehende Gesundheitsreform. Die Zielsteuerungsverträge sind zwar unter Dach und Fach, jedoch darf man auf das Engagement der Vertragsparteien in Bezug auf die Umsetzung gespannt sein. Vor allem über die Richtung des notwendigen Ausgleichs der Finanzströme dürfte unterschiedliche Meinung herrschen. Während alle Gesundheitsökonomen dieser Welt und auch alle gesundheitspolitisch vorbildlichen Volkswirtschaften einen Abbau der Spitalsstrukturen und einen parallelen Aufbau der Versorgung im niedergelassenen Bereich forcieren, ist die Stärkung des Hausarztes und die Stärkung der niedergelassenen Ärzteschaft bisher nur in den Plänen vorhanden. Es wird höchste Zeit, diese Plänen endlich real umzusetzen. Jedenfalls ist die zukünftige Finanzierung des Systems nicht eindeutig geregelt nach wie vor fehlt die Finanzierung aus EINER Hand, hier kommt viel Arbeit auf unsere neue Ministerin zu. Wir werden sinnvolle Vorhaben und auch Veränderungen gerne mittragen. Ich wünsche Frau Dr. Oberhauser im Namen der gesamten Ärztekammer für Niederösterreich alles Gute für die Startphase im Gesundheitsministerium! OA DR. CHRISTOPH REISNER, MSC Präsident der Ärztekammer für Niederösterreich facebook.com/christoph.reisner 5

6 VIZE- PRÄSIDENT VP Dr. Gerrit Loibl, MSc Foto: Raimo Rumpler Schuld war eigentlich das Wetter, das ja im vergangenen Sommer viel zu wünschen übrig ließ. Die geplante Bergtour fiel einem der zahlreichen Wintereinbrüche zum Opfer (für eine Schitour lag dann aber doch zu wenig Schnee), mein Arbeitszimmer war annähernd aufgeräumt und so fasste ich den Entschluss, mich einmal in meinem DFP-Konto einzuloggen. Nachdem ich ja vor einiger Zeit das vorgegebene durch mein Universalpasswort für weniger sensible Daten ersetzt hatte (Datenschutzgurus mögen das besser überlesen, aber bisher konnte mir niemand schlüssig erklären, wie man sich wirklich ein eigenes Passwort für jeden online-account merken kann), war auch das Log-in kein Problem. Mein Punktestand war durchaus zufriedenstellend, nachdem ich aber immer noch nicht wusste, was ich an diesem Vormittag anfangen sollte, begab ich mich (virtuell) erstmals in den Bereich des e-learnings und wählte den Submenü- Punkt Literaturstudium. Hier fand sich nun eine Liste von über 200 wissenschaftlichen Artikeln verschiedenster Fachrichtungen (mit entsprechender Filterfunktion) und neugierig geworden wählte ich einmal einen Text meines Faches, also der Anästhesiologie und Intensivmedizin. Über das Thema wusste ich bereits einiges, und so dauerte das Durchlesen nicht besonders lange und auch die anschließende Beantwortung der 6 Fragen war im Nu erledigt. Und schon hatte sich die Zahl meiner Fortbildungspunkte am Konto um zwei erhöht. (Genauer gesagt erst nach einigen Stunden, bis die Punkte durch die Software endgültig gebucht waren). Nach zwei weiteren Artikeln samt den zugehörigen Fragen wechselte ich die Fachrichtung und arbeitete zwei Artikel aus dem Bereich Innere Medizin durch (erstens, weil einem als Anästhesist Kenntnisse in diesem Bereich keinesfalls schaden können, andererseits, um vielleicht meine Frau, eine sehr belesene Internistin, in ihrer Domäne ein wenig beeindrucken zu können...). Und plötzlich hatte ich 10 Punkte mehr auf meinem Konto! Diese Kolumne ist nicht lustig aber ich hoffe, sie wirkt. Ich weiß von meinen Kolleginnen und Kollegen, dass Fortbildung ein wichtiges Thema für sie ist und daher auch laufend stattfindet, dass aber gleichzeitig die gesetzeskonforme Dokumentation zur Erlangung des Fortbildungsdiploms offenbar einfach lästig ist. Deshalb verfügen wohl im Moment auch nur weniger als die Hälfte unserer Ärztinnen und Ärzte über ein gültiges Diplom. Die Besuche der meisten Fortbildungsveranstaltungen führen mittlerweile zu einer automatischen Buchung der erworbenen Punkte auf das Konto, aber das zweifellos auch stattfindende selbständige Literaturstudium in diversen (in Papierform vorliegenden) Papers und Journals steigert zwar das individuelle Wissen, schlägt sich aber nicht im Punktestand am DFP-Konto nieder. Das Online-Literaturstudium ist daher eine wirklich einfache und praktikable Lösung, um Artikel, die man vielleicht ohnehin auf Papier gelesen oder aber vielleicht gar nie gefunden hätte, durch die Beantwortung einiger Fragen zur Vermehrung der DFP-Punkte zu verwenden. Ich möchte daher wirklich allen empfehlen, sich einmal auf meindfp.at einzuloggen und einen Versuch zu starten, das macht sogar wirklich Spaß. Und jetzt muss ich zu einem Abschluss kommen, denn jetzt werde ich einmal nachsehen, was die Psychiater so in ihren Fachartikeln schreiben. Foto: bilderbox VP DR. GERRIT LOIBL, MSC 6

7 ELGA Aufhebung des ELGA-Gesetzes Eingabe beim Verfassungsgerichtshof am Laufen Ein Wiener Gynäkologe hat die Aufhebung des ELGA-Gesetzes beantragt. Begründung: Einige Teile seien nicht verfassungskonform. Consilium: Herr Dr. Pixner, wie begründen Sie diesen Schritt? Pixner: Es wurde bereits unter Präsident Dorner in einem Gutachten festgestellt, dass manche Teile des ELGA-Gesetzes nicht verfassungskonform sind. Ich habe mich daher entschieden, einen Antrag beim Verfassungsgerichtshof zur Aufhebung des ELGA Gesetzes einzubringen. Consilium: Um welche Teile handelt es sich? Pixner: Die für mich entscheidenden Passagen betreffen Datenschutz, Datensicherheit sowie den unzulässigen Eingriff ins Eigentumsrecht. Aus Sicht eines betroffenen Arztes bedeutet ELGA einen massiven Eingriff in die Arbeitswelt. Mein Eigentumsrecht wird verletzt, weil ich massive Investitionen, beispielsweise in Computer zu tätigen habe. Der enorme, zusätzlich durch ELGA entstehende Zeitaufwand bei der ärztlichen Tätigkeit, etwa durch Suchen in unsortierten Befunden, wird nicht finanziell abgegolten. Weiters ist die Verantwortlichkeit im Gesetz nicht geregelt, im Endeffekt bleibt alles beim Arzt hängen, auch Datenschutz und Datensicherheit. Consilium: Können Sie das näher erläutern? Pixner: Datensicherheit gibt es bei ELGA nicht. Ich als Arzt soll aber dafür verantwortlich sein. Für etwas was ich nicht beeinflussen kann. Wie soll das gehen? Gerade in diesem Bereich sind viele Ansätze fragwürdig. Der Patient hat das Recht, für ihn unangenehme Befunde herauszulöschen. Jetzt bringt der Patient Befunde, was der Arzt nicht sieht, ist nicht in seiner Verantwortung. Mit ELGA bleibt er auf der Verantwortung sitzen, auch wenn ein Patient Dinge mutwillig unsichtbar gemacht hat. Consilium: Wie läuft die Angelegenheit nun weiter? Pixner: Die Eingabe erfolgte Mitte des Jahres, das Verfassungsgericht hat sich der Sache schon angenommen und den Verfassungsdienst des Bundeskanzleramtes zu einer Stellungnahme aufgefordert. Und dafür gibt es nun eine Frist von acht Wochen. Mein Rechtsanwalt hat dann natürlich auch alle anderen Punkte neben meiner Kritik beanstandet, die er für verfassungsrechtlich bedenklich hält. In Summe sind das mehr als 80 Seiten. Dr. Alfred Pixner ist Gynäkologe mit Kassenvertrag im 20. Wiener Gemeindebezirk. Das Mitglied des ELGA-Referats in der Wiener Ärztekammer hat privat mit Unterstützung der Wiener Ärztekammer die Aufhebung des ELGA-Gesetzes wegen Verfassungswidrigkeit beim VfGH beantragt. Wir haben ihn zu den Hintergründen dieses Schritts befragt. Consilium: Um welche Punkte handelt es sich? Pixner: Der Rechtsanwalt hat beispielsweise auch die Verantwortlichkeit kritisiert. Es ist nicht klar, ob der Bund, die Länder oder der Hauptverband zuständig ist. Hat das Parlament überhaupt korrekt gehandelt? Ein weiterer Punkt: Die e-card soll der Schlüssel sein. Eine e-card ohne Foto ist aber nicht geeignet, die Identität eines Patienten zu verifizieren. Ich bezweifle auch massiv, dass die Bevölkerung diese ELGA will. Der Informationsstand über ELGA ist miserabel, nicht nur bei der Bevölkerung, sondern auch bei den Politikern. Ich war bei der Abstimmung im Parlament, es war erschreckend. Die wissen alle nicht, was da auf uns zurollt. Opting-Out bei einer völlig überforderten Abmeldestelle ist sicher auch kein geeigneter Weg. Consilium: Danke für das Gespräch! Foto: Stefan Seelig 7

8 ELGA Dr. Max Wudy Foto: Raimo Rumpler Wie viel ist ein Menschenleben wert? Eine philosophische Betrachtung am Beispiel unseres Gesundheitssystems Vor einigen Wochen wurde eine neue Therapie gegen chronische Hepatitis C vorgestellt, die erstmals praktisch nebenwirkungsfrei fast hundert Prozent Heilung in nur zwölf Wochen verspricht. Eine Sensation in der Behandlung dieser schweren Krankheit, die unbehandelt praktisch immer zur Zirrhose, zum Leberversagen, zum Leberzellkarzinom und zum Tod führt. In Behandlung statt in Bürokratie investieren NÖ Ärztekammer: Beispiel Hepatitis C zeigt, dass das Gesundheitssystem seiner Verpflichtung gegenüber den Patientinnen und Patienten immer weniger nachkommt Erst bei schweren Leberschäden werde die Behandlung von Hepatitis C mit den neuen zur Heilung führenden Medikamenten von der Krankenkasse übernommen, so der Wiener Hepatologe Peter Ferenci. Dies ist nur ein Beispiel, wo notwendige Leistungen vom öffentlichen Gesundheitssystem nicht oder zu spät übernommen werden. Diese Entwicklung erfüllt die NÖ Ärztekammer mit großer Sorge. Die Kosten für eine neue zwölfwöchige Behandlung die weitgehend ohne Nebenwirkung abläuft betragen derzeit Euro, die Erfolgschance liegt bei fast 100 Prozent. Mehrere 100 Millionen Euro wurden bereits in die Elektronische Gesundheitsakte ELGA investiert. Mehrere 100 Millionen Euro werden in den nächsten Jahren noch folgen. Das Präsidium der NÖ Ärztekammer fragt sich wohl zu Recht, warum Unsummen für die Administration von Gesundheitsdaten ausgegeben werden, gleichzeitig aber eine neu diagnostizierte Hepatitis C - also eine Leberentzündung erst einmal erfolglos mit herkömmlichen, extrem belastenden und auch nicht gerade billigen Medikamenten über bis zu 72 Wochen behandelt werden muss, bevor ein neues Medikament von den Krankenkassen bezahlt wird, so der Präsident der NÖ Ärztekammer Dr. Christoph Reisner, MSc. Wenn hier kein Umdenken erfolgt und die Priorisierung von Zahlung nicht endlich patientenorientiert wird, werden noch viele Menschen an den Folgen der Hepatitis C sterben an Leberversagen, Leberzirrhose oder Leberkarzinomen. Und es werden zahlreiche deutlich teurere Lebertransplantationen im öffentlichen Gesundheitssystem bezahlt werden, die durch eine frühe Behandlung vermieden werden könnten. Die Ärztekammer für Niederösterreich fordert die Verantwortlichen im Gesundheitssystem auf, nicht in die Verwaltung von Gesundheitsdaten zu investieren, sondern in die Behandlung des einzelnen Patienten in Österreich, so Präsident Reisner abschließend. Presseinformation vom 17. Juli 2014 Leider haben die jubelnden Wissenschaftler und die noch glücklicheren Patienten die Rechnung ohne die Gesundheitsökonomie gemacht. Die Therapiekosten von rund seien unfinanzierbar, gäbe es doch (je nach Studie) bis zu an chronischer Hepatitis C Leidende. Daher können die Sozialversicherungen die Kosten erst bei schwersten Leberschäden (dort wo die herkömmliche Therapie mit zu injizierendem Peg-Interferon alpha und Ribavirin, die zudem noch 24 bis 72 Wochen dauert, sehr belastend ist und bis zu 50 Prozent Therapieversager aufweist), also kontraindiziert ist, übernehmen. Eine ethische Katastrophe bezeichnet dies der Wiener Hepatologe Prof. Dr. Peter Ferenci. Eine ökonomische dazu, würde ich sagen. Es ist nämlich auch die herkömmliche Therapie mit Kosten verbunden, die summa summarum sogar höher sind als die der neuen Therapieform. Alleine bis sind für Peg-Interferon alpha zu veranschlagen, Ribavarin ist ebenfalls nicht gratis und der lange Krankenstand - kaum jemand ist während der herkömmlichen Therapie arbeitsfähig - ist volkswirtschaftlich ebenfalls nicht zu vernachlässigen. Darüber hinaus brechen gar nicht so wenige Patienten die Therapie eben wegen dieser Nebenwirkungen ab, für mich eine ethische und ökonomische Katastrophe. Zusätzlich ist der virustragende Patient immer ein Ansteckungsherd! , in Wirklichkeit sind es nur Bruchteile - wegen erfolgloser Vortherapien, vermeidbaren Lebertransplantationen, Krankenständen und Invaliditätspensionen, sind also zu viel für ein Menschenleben? Ebenfalls vor wenigen Wochen gab es das Drama um den verunglückten Höhlenforscher in der Riesendinghöhle. Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendwer gefordert hätte, die Rettungsaktion wegen zu hoher Kosten abzubrechen. Wie schaut es aber abseits des Gesundheitssystems aus? In der Schweiz werden Lawinenverbauten durchaus den virtuell Toten gegenübergestellt. Der für diese Risikoberechnung gewählte Wert liegt derzeit bei 5 Mio. CHF pro gerettetem Menschenleben. Ab 2018 müssen neue US-KFZ unter 4,5 Tonnen eine Rückfahrkamera haben. Pro gerettetem Menschenleben kostet das 16 bis 26 Millionen Dollar, also deutlich mehr als die 5 Millionen CHF der Schweiz. Ob man daraus aber schließen kann, dass die USA das Leben ihrer Bürger um so viel höher einschätzt als die Schweiz das der ihrigen, überlasse ich unter Berücksichtigung der Gesundheitssysteme der jeweiligen Länder gerne dem Leser. 8

9 ELGA Täglich begegnet uns in unseren Praxen der Kostenwahn: Das AuSgAbe AuguSt 2014 Präparat A darf erst bei nachweislichem Therapieversagen von Präparat B verordnet werden und ist zu dokumentieren, Das Medikament C darf nur bei einem Blutwert von X eingesetzt Datenmonster außer Kontrolle werden, darunter ist mit Medikamenten aus der grünen Box zu therapieren. Man wartet also heute bis etwas passiert, bis die Leber, die Gefäße, die Füße zerstört sind, erst dann darf suffiziente Therapie angewandt werden, ein doppelter ökonomischer Befundspeicherung Schwachsinn, von der Ethik gar nicht zu reden. Datenmonster kaum zu bändigen gesundheitsthema Wer übernimmt die Verantwortung? ELGA versinkt im Chaos Das haben sich weder Politiker noch Wissenschaftler so vorgestellt, die das Datenmonster im Labor geplant, entwickelt und gezüchtet haben: Sie haben trotz aller Warnungen nicht vorgesehen, eine Wachstumssperre einzubauen. Seit Beginn seines künstlichen Lebens wurden dem Monster unkontrolliert und unkoordiniert mehr als dreihunderttausend Datensätze pro Tag verfüttert. Die Entwicklung lässt sich Ganz unschuldig an dieser Situation - Ärzte nicht erstellen nur Befunde bei der Tag der Hepatitis Entlassung fertig Die Zahl derer, die sich sein. In der Realität dauert C Therapie - sind natürlich die Pharmariesen über die ELGA Verschiebung freuen, steigt von Befund von zwei Ärzten auch es nicht. oft Wochen, Der bis ein Preis wird künstlich hochgehalten, der Tag zu schnelle Tag. Auch in den Geldsegen kontrolliert, geschrieben der nicht mehr aufhalten: zusätzliche Monsterpfleger in Anspruch Krankenhäusern ist man und verschickt wird. Das Monster wächst und Aktionäre steht im Vordergrund. Nicht froh über gerade die zusätzliche zufällig Diese Arbeit haben wird auch wächst, frisst und frisst nehmen, wofür der Zeit, um an der Beschleunigung Befunderstelgramm oder ELGA ma- künftig kein EDV-Pro- immer ungehemmter Regierung das Geld mehrere US-Senatoren den Hersteller aufgefordert, den exorbitanten weiter. Das zuständige fehlt. Die Geschäftsführer der Monster-GmbH weise sollten Befunde am Menschen notwendig. lung zu arbeiten. Idealerchen können. Dafür sind Monsterpflegepersonal ist Preis längst nicht zu mehr begründen. leugnen zwar Die nach Antwort war simpel: Weil das in der Lage, die Situation zu kontrollieren, es Wert ist, alles andere kommt Wir lassen teurer. uns die Qualität Die in franzö- der wie vor hartnäckig das Medikament Problem, aus Sicht Medizin durch elga nicht kaputt machen geschweige denn zu bedrohten Bevölkerung sische stabilisieren. Gesundheitsministerin Erfahrene ist jedoch eindeutig Marisol zu Touraine hat gemeinsam Dr. Reisner Monsterexperten sprechen europäischen von einem Super- Staaten die Frage der Verantwor- eine Aktion angekündigt, die sich erkennen. Nun stellt sich mit 13 gau, der sich bereits im tung: Die Monsterpfleger des Problems Vorfeld angekündigt annehmen hat. sehen sich soll. nicht mehr in Alleine eine ordnungsgemäße Entsorgung der Stoffwechselprodukte der Lage, ohne massive Personalaufstockung das Datenmonster im Zaum Allerdings würde mehrere ist für tausend viele zu Projekte halten. wie ELGA, AVZs, PHC Projekte, Das eigentliche Drama von der Hypo Alpe Adria, dabei: Der ursprünglich Haftungsfrage ungeklärt der Kommunalkredit oder anderen geplante Zweck und Einsatzbereich Banken gar nicht zu reden, genügend des Monsters Klagsflut Geld vorhanden, sodass an kann längst nicht mehr befürchtet erfüllt werden. Statt der Gesundheit der Menschen nicht gespart werden darf. einen sinnvollen und koordinierten Datenzugriff Wenn jemand einen falschen Befund in ELGA stellt und sich Die ein Arzt Ärztekammer darauf verlässt, haftet er für zur Niederösterreich Verfügung zu haben, forderte daher bereits vor dennoch zunächst vor Gericht für den Fehler. ersticken die Monsterpfleger Verantwortlichen in Datenmüll. im Gesundheitssystem Das muss geändert einigen werden! Monaten die auf, nicht in die Verwaltung von Gesundheitsdaten zu investieren, sondern in die Behandlung des einzelnen Patienten in Österreich. ImPrESSum: Verleger, medieninhaber und Herausgeber: Ärztekammer für Niederösterreich, Körperschaft Öffentlichen Rechts; 1010 Wien, Wipplingerstraße 2, Tel. 01/ , FAX: 01/ , Chefredaktion: Präs. OA Dr. Christoph Reisner, MSc, DW 241; redaktionsleitung: Mag. Birgit Jung, DW 623, Grafisches Konzept und Layout: DENKEN HILFT! Agentur für durchdachte Kommunikation GmbH, 1070 Wien, Neubaugasse 12-14/2/18; Herstellung und Druck: Steinhauser Bildbearbeitung und Druck GmbH, 1100 Wien, Favoritner Gewerbering 32; Bildnachweis: NÖÄK, i-stock Ärztliche Befundung unterliegt Qualitätskriterien Wer ist schneller? Post oder ELGA? bitte warten! Beenden wir diese Ausführungen mit den Worten von Professor Dr. Fereci: Ich finde es persönlich eine ethische Katastrophe, wenn ich einem Patienten mit einer neu diagnostizierten Hepatitis C vor mir sitzen habe und sagen muss: Du musst erst noch zehn Jahre warten, bis ich dir die Therapie geben kann. Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. DR. MAX WUDY 2. Obmann-Stv. der Kurie der niedergelassenen Ärzte 6 St. Pölten 18 Gewitter neu im Fokus: Daten- Monster kaum zu bändigen Wer übernimmt Verantwortung? Bericht S. 3, 6 Sieg der Vernunft: Dr. Reisners Forderung nach Aufschub endlich erfüllt Kommentar S. 2 AuSgAbe AuguSt 2014 elga am Abstellgleis Minister Stögers Daten- Waterloo ELGA-Sanierung wird schwierig Bericht S. 2 notarzt-desaster gerade noch verhindert So konnten viele elga-opfer verhindert werden elga Morgen: Was wird jetzt aus elga werden? NO GO! Ende Juli wurde die erste Informationsschrift unserer ELGA-Informationskampagne an Politiker und Entscheidungsträger sowie an alle Ärztinnen und Ärzte in NÖ verschickt. Herzlichen Dank für die vielen überwiegend positiven Rückmeldungen und das enorme Interesse an weiteren Exemplaren und Nachbestellungen. Das zeigt uns ganz deutlich, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Nun setzen wir unsere Kampagne mit der Zeitungsparodie NÖSTER- REICH fort. Themenschwerpunkt in dieser Ausgabe: Das mangelnde Datenmanagement und der sich aufbauende Datendschungel. Ziel soll es auch diesmal sein, die bestehenden Probleme aus unserer Sicht möglichst einfach und plakativ darzustellen und somit zu deren Lösung beizutragen. Bitte helfen Sie auch diesmal wieder mit, diese Informationen so gut wie möglich im Patienten- und Bekanntenkreis zu verbreiten. Weitere Exemplare dieser Informationsschrift können per bei der Presseabteilung bestellt werden: elga BITTE WARTEN! 9

10 NIEDER- GELASSENE Foto: Raimo Rumpler MR Dr. Dietmar Baumgartner Ö sterreich hat eines der besten Gesundheitssysteme der Welt! Noch vor wenigen Jahren tönte diese Meldung aus den Mündern vieler Bundes- und LandespolitikerInnen. Mehr als ausreichend Krankenhausbetten und eine hervorragende Versorgung im niedergelassenen Bereich sowohl auf Ebene der AllgemeinmedizinerInnen als auch FachärztInnen der diversen Sonderfächer, die im System der sozialen Krankenversicherungen tätig sind, seien die Basis dafür. Darüber hinaus sei es eines der billigsten verglichen mit dem Großteil der OECD Länder. Doch seit einiger Zeit ist man nun nicht zuletzt durch die Aussagen so mancher Gesundheitsökonomen offensichtlich zur Ansicht gelangt, dass dies nun doch nicht ganz der Realität entspricht und vertritt ganz andere Ideen. Primary health care (PHC) ist der neue Stein der Weisen. Man hört nun Worte wie Österreichs Gesundheitssystem sei zu arztzentriert. Interdisziplinäre Zusammenarbeit auf Augenhöhe wird gefordert. Der Etablierung von Zentren für die Primärversorgung gehört die Zukunft! Gesundheitsreform: Wenn Finanzziele übererfüllt werden, muss sich auch Zugang zu ärztlichen Leistungen verbessern NÖ Ärztekammer: Bei den Kassen gespartes Geld im Sinne der Patienten verwenden Wenn durch Reformschritte im Gesundheitsbereich die definierten Finanzziele übererfüllt werden, dann muss sich auch im Bereich der medizinischen Leistungen etwas Positives für die Patientinnen und Patienten ergeben, so Dr. Gerrit Loibl, MSc, geschäftsführender Vizepräsident der NÖ Ärztekammer. Es werden noch immer viel zu viele medizinische Leistungen nicht vom Kassensystem übernommen, obwohl der Patient ein Anrecht darauf hätte, bestätigt MR Dr. Dietmar Baumgartner, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte der NÖ Ärztekammer. Hier könnte man einiges verbessern. Dr. Baumgartner spricht in diesem Zusammenhang die Praxis der Limitierung und Deckelung von ärztlichen Leistungen im Kassenbereich an, die dem Patienten viel zu häufig den raschen Zugang zu moderner Spitzenmedizin im niedergelassenen Bereich erschwert. Vizepräsident Dr. Loibl: Natürlich muss man dies alleine der Selbstverwaltung durch Kammer und Kasse überlassen. Die Sozialversicherungsträger müssen aber auch über die freigewordenen Mittel verfügen können, um positive Veränderungen im Sinne der Patientinnen und Patienten gemeinsam mit uns durchführen zu können. Österreichs direkter Weg in die Mehrklassenmedizin Presseinformation vom 13. August 2014 Was sind die Fakten? Das Sozialversicherungssystem in der jetzigen Form gehörte bereits seit Jahrzehnten verändert, den jeweiligen Anforderungen einer modernen medizinischen Versorgung angepasst! Leistungen wie Hibernation (wörtlich übersetzt Winterschlaf) müssen aus einem modernen Leistungskatalog eliminiert werden. Dafür muss das Spektrum entsprechend den wissenschaftlichen Erkenntnissen erweitert werden. Leider ist dies bisher unterblieben, was letztlich dazu geführt hat, dass von den Sozialversicherungen nicht honorierte Leistungen im Bereich der Privatmedizin angeboten werden müssen. Ein Beweis dafür ist die Tatsache, dass die Anzahl der privat tätigen WahlärztInnen die der KassenvertragsärztInnen in der Zwischenzeit um einiges übersteigt. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass Kassenverträge (vornehmlich jene mit den schlecht dotierten Gebietskrankenkassen) zurückgelegt werden. Zunehmende Schwierigkeiten bei der Nachbesetzung von Kassenplanstellen sollten den Verantwortlichen eigentlich zu denken geben. Die Zukunft wird wohl oder übel nicht besser werden. Weniger Studierende und die zunehmende Migration ins Ausland (bessere Ausbildungssituation bei gleichzeitig deutlich besserer Einkommenssituation) wird Hand in Hand mit der zu erwartenden Pensionierungswelle die Situation keinesfalls verbessern. In den niederösterreichischen Krankenanstalten werden nun vermehrt interdisziplinäre Aufnahmestationen mit einem anderen Terminus als Triageambulanzen bezeichnet eingerichtet. Wie kurz ist hier eigentlich noch der Weg zum Emergency room US-amerikanischer Krankenanstalten? Wollen das die österreichischen Bürgerinnen und Bürger? Die vermehrte Inanspruchnahme der Krankenhausambulanzen ist eine Tatsache, die niemand wegdiskutieren kann und will. Wirklich ernsthaft erkrankten Personen darf ein niederschwelliger Zugang zu diesen Einrichtungen nicht verwehrt werden, allerdings darf die Sinnhaftigkeit schon hinterfragt werden, wenn etwa wegen Halsschmerzen die Ambulanz der Universitätsklinik für HNO zu jeder Tages- und Nachtzeit aufgesucht wird. Eine entsprechende permanente Information an die Versicherten ist nach meinem Wissensstand bisher unterlassen worden. Meines Erachtens wird man ohne gewisse Zugangsbeschränkungen das Problem nur schwer lösen können. Was hören wir alle seit Jahren vor allem nach Neuwahlen als neues Programm der jeweiligen Regierungen? Die Verschiebung von stationären Leistungen in den niedergelassenen Bereich wird gebetsmühlenartig angekündigt. Es werden längere Öffnungszeiten von den in Ordinationen tätigen ÄrztInnen eingefordert. Dass vor allem AllgemeinmedizinerInnen häufig jetzt schon am absoluten Zeit- und Kapazitätslimit arbeiten, ist den Verantwortlichen selbstverständlich genauso bewusst wie die 10

11 NIEDER- GELASSENE Tatsache, dass in unserem Kassensystem für das reine, längere Offenhalten einer Ordination, also für eine Dienstbereitschaft keinerlei finanzieller Bonus existiert. Wenn sich das Honorar für die ambulante Vorstellung und Behandlung eines akut kranken Menschen in einer Höhe bewegt, die heutzutage als Trinkgeld nach einem guten Abendessen für vier Personen in einem besseren Lokal angemessen ist, ist wohl unschwer festzustellen, dass die Begeisterung für eine solche zusätzliche Bereitschaft endend sein wird. Entsprechend dem Gesamtvertrag ist jede Vertragsärztin, jeder Vertragsarzt dazu verpflichtet, seine Praxis zu den von ihnen gemeldeten Ordinationszeiten offen zu halten. Alles was darüber hinausgeht, muss wohl oder übel auch extra honoriert werden. Das ist eine conditio sine qua non. Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsdienstanbietern auf Augenhöhe dies wurde ja bisher mit Vehemenz und Erfolg verhindert. Wie heißt es im Gesamtvertrag? Die vertragsärztliche Behandlung der Anspruchsberechtigten obliegt dem Vertragsarzt nach den Bestimmungen dieses Gesamtvertrages und des Einzelvertrages. Diese ärztliche Tätigkeit ist grundsätzlich durch den Vertragsarzt selbst auszuüben. Warum werden etwa häufig notwendige Behandlungen wie Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie den Versicherten nicht oder nur unzureichend bezahlt? Hier wäre eine Eingliederung von TherapeutInnen in den Ordinationsbetrieb durchaus sinnvoll. Viele Spätfolgen von nicht durchgeführten weil kostspieligen Therapien könnten unterbleiben. Wohin steuern wir? Es ist zu befürchten, dass eine große Anzahl an Sozialversicherten für notwendige Behandlungen den Weg in die Triageambulanz (Emergency room?) antreten wird müssen. Die Zahl der Vertragsärztinnen sehe ich in der derzeitigen Situation weiter abnehmend. Für jene Personen, die zusätzlich Geld für ihre gesundheitliche Betreuung auszugeben bereit sind, wird es genügend privat tätige Kolleginnen und Kollegen geben. Die angesprochene Integration von dann akademisch gebildetem Pflegepersonal in die Erstversorgung wird keine revolutionäre Änderungen bringen, bleibt doch die Letztverantwortung in der Patientenbetreuung in ärztlicher Hand. Interessant ist dabei, dass alle diese Veränderungen unter einem bis auf ein kurzes Interregnum während der Schwarz-Blauen-Koalition von einem sozialdemokratisch geführten Gesundheitsministerium initiiert wurden. Quo vadis Austria? Primärversorgung in Niederösterreich Ein neues Konzept ohne Krankenkasse und Ärztevertretung? Mit großem Erstaunen reagiert Dr. Christoph Reisner, MSc, Präsident der NÖ Ärztekammer, auf den Vorstoß von Landeshauptmann-Stellevertreter Mag. Wolfgang Sobotka, die Primärversorgung im heimischen Gesundheitssystem weiterentwickeln zu wollen. Dieses Vorhaben ist zwar löblich, verwunderlich ist dabei allerdings, dass dies ohne die beiden Institutionen geschieht, die für die Primärversorgung zuständig sind: Nämlich die Gebietskrankenkasse und die Ärztekammer. Bei der heutigen Pressekonferenz war lediglich einer der mehr als Ärztinnen und Ärzte in Niederösterreich an der Seite von Mag. Sobotka, allerdings ohne irgendein offizielles Mandat. Ein ehemaliger Standespolitiker der Ärztekammer, der bei der letzten Kammerwahl abgewählt wurde und keinerlei Funktion mehr ausübt. Inhaltlich sind die Vorschläge von Mag. Sobotka nichts wirklich Neues: Mit üblichen Floskeln wie multiprofessioneller und interdisziplinärer Zusammenarbeit soll die bedarfsorientierte Versorgung gestärkt, die Spitalsambulanzen sollen entlastet und Parallelstrukturen im System verhindert werden. Dazu bedürfte es laut Präsident Dr. Reisner jedoch keiner Neukonzeption des Systems mit möglicherweise schwerfälligen Verwaltungseinheiten, sondern lediglich eines sinnvollen patientenbezogenen Managements der derzeit schon bestehenden Strukturen, die für ein ländliches Bundesland wie Niederösterreich sehr gut geeignet sind. Was uns jedoch bei der ganzen Diskussion vor allem fehlt sind konkrete Planungen, wie man sich die Primärversorgung der Zukunft wirklich vorstellt. Mit leeren Worthülsen kann niemand etwas anfangen. Präsident Dr. Reisner stellt klar: Wir waren und sind die offiziellen Vertreter der Ärzteschaft und werden das auch in Zukunft bleiben. Gebietskrankenkasse und Land haben den Auftrag den Landeszielsteuerungsvertrag umzusetzen, mit der Ärzteschaft als Vertragspartner. Verwunderlich ist, dass man uns nicht ins Boot holt und unsere Expertise sowie unsere Konzepte zumindest prüft. Dieses Verhalten ist sehr seltsam. Die Versorgung im niedergelassenen Bereich wird derzeit in Vertragspartnerschaft zwischen der NÖ Ärztekammer und der NÖ Gebietskrankenkasse geregelt. Mehr als Kassenärztinnen und Kassenärzte sowie etwa Wahlärztinnen und Wahlärzte in Niederösterreich erbringen mehr als 20 Millionen Behandlungen und Visiten pro Jahr. Presseinformation vom 8. Juli 2014 VP MR DR. DIETMAR BAUMGARTNER Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte 11

12 ÄRZTE- MANGEL Foto: Bernhard Noll Dr. in Martina Hasenhündl Ärztemangel das hausgemachte Problem In den vergangenen Monaten wurde zum Thema Ärztemangel viel Tinte vergossen und je nach Blickwinkel entweder Panikmache oder Weltuntergangsstimmung attestiert. Laut aktueller OECD-Statistik ist in Österreich die Ärztedichte so hoch wie in kaum einem anderen Land - 4,9 Ärzte kommen hierzulande auf Einwohner. Allerdings berücksichtigt die OECD-Statistik auch die Turnusärztinnen- und -ärzte, die noch nicht zur selbständigen Berufsausübung berechtigt sind, sowie auch versorgte Ärztinnen und Ärzte, die als ordentliche Kammermitglieder in der Ärzteliste eingetragen sind. Zudem gibt es keine Unterscheidung zwischen niedergelassenen und angestellten Ärzten und auch keine Differenzierung zwischen Kassen- und Wahlärzten. Die Statistik ist also vor diesem Hintergrund zu betrachten und daher gibt es auch keinen Grund, in das sofort von selbsternannten Experten angestimmte Triumphgeheul à la wir haben keinen Ärztemangel und die OECD hat das jetzt auch offiziell bestätigt einzustimmen. In vielen ländlichen Gebieten herrscht, Statistik hin oder her, bereits jetzt ein spürbarer Ärztemangel, mittlerweile sind aber auch die Ballungszentren zunehmend von diesem Phänomen betroffen. Allein in Wien sank die Zahl der Kassenärzte seit dem Jahr 2000 von 1668 auf aktuell In Niederösterreich stellt sich die Situation zurzeit noch nicht so dramatisch dar, von den 771 Kassenplanstellen für Allgemeinmedizin sind im Moment nur zwei nicht besetzt, bei den 480 Facharztplanstellen ist nur eine nicht besetzt. Im Vergleich zu 2004 ist die Anzahl der Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag mit 769 um 0,25 % gesunken, die Zahl der Fachärzte mit Kassenvertrag mit 3,2 % sogar leicht gestiegen. Im Vergleichszeitraum ist die Zahl der Wahlärzte förmlich explodiert. Die Zahl der Wahlärzte für Allgemeinmedizin ist um 26,5 %, die Zahl der wahlärztlich tätigen Fachärzte sogar um 47 % gestiegen. Der Anteil der Wahlärztinnen für Allgemeinmedizin beträgt 62,7 %, die Frauen stellen also beinahe zwei Drittel in diesem Bereich, ausschlaggebend für diesen weiblichen Überschuss ist nicht zuletzt die oft zitierte work-life-balance, die in einer Kassenordination mit deren hohem Arbeitsaufkommen und Zeitaufwand für Frauen mit familiären Betreuungspflichten kaum umsetzbar ist. Die Gründe für den massiven Anstieg der Wahlärztinnen und -ärzte sind vielfältig und reichen von fehlenden Anreizen im Honorierungssystem der Krankenkassen und den unverhältnismäßig gestiegenem administrativen Druck auf die ordinationsführenden Ärzte, über das hohe Arbeitsaufkommen in der traditionellen Landarztpraxis mit ihren vielen Wochenenddiensten und Hausbesuchen, bis hin zur mangelhaften Ausbildung und Vorbereitung auf die Tätigkeit als Allgemeinmediziner in Studium und Turnus. Dass der Honorarkatalog, wie seit langem immer wieder gefordert, dringend reformiert werden müsste, zeigt sich z.b. an der Position 19. Das ärztliches Gespräch, die wichtigste vertrauensbildende Maßnahme zwischen Arzt und Patient, ist im Honorarkatalog der NÖ GKK bei Allgemeinmedizinern, Fachärzten für Kinder- und Jugendheilkunde und Fachärzten für Innere Medizin mit 18 % der Fälle limitiert, bei den anderen Fachrichtungen mit 11 % der Fälle. Man darf hier ruhig einmal kritisch hinterfragen, ob der Rest der Patienten kein ärztliches Gespräch benötigt? Vor allem in Hinblick darauf, dass die Erwartungshaltung der Patientinnen und Patienten in den letzten Jahren gestiegen ist. Diese erwarten von ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten, dass sie sich einerseits ausreichend Zeit in Form eines ausführlichen diagnostischen Gesprächs nehmen, andererseits kommen immer mehr PatientInnen mit aus dem Web downgeloadeten Selbstdiagnosen in die Ordinationen und sehen den niedergelassenen Arzt zunehmend als Erfüllungsgehilfen von Netdoctor und Co. Überdies sind Kassenvertragsärzte zunehmend gezwungen, eine immer größere Anzahl an Patienten durchzuschleusen, um einerseits den gestiegenen Andrang zu bewältigen und andererseits ihre Ordinationen überhaupt wirtschaftlich führen zu können. Das Zeitmanagement wird zu einem immer größeren Thema in den Kassenvertragsordinationen. Diese Entwicklungen sind weder für die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, noch für die betroffenen Patientinnen und Patienten befriedigend und führen auf Dauer zu steigender Unzufriedenheit und in weiterer Folge zu erhöhter Burnout- Gefährdung bei den Ärzten und einer Zunahme der Patientenbeschwerden. Status Quo in Niederösterreich Im Moment stehen wir in Niederösterreich noch nicht so sehr vor dem Problem, dass Planstellen nicht besetzt sind als vielmehr, dass sich die Dauer bis eine vakante Planstelle besetzt werden kann teilweise signifikant erhöht hat. Vor allem in peripheren Gebieten hat sich dieses Phänomen in den letzten Jahren zunehmend verstärkt. Zu denken muss zudem geben, dass die Anzahl der Kassenplanstellen für Allgemeinmedizin seit 2004 zwar nicht gesunken, aber unverändert geblieben ist, 771 Kassenplanstellen gibt es nach wie vor. Allerdings ist in den letzten zehn Jahren die Bevölkerung Niederösterreichs um 4,40 % gestiegen und was noch viel wichtiger ist, auch die demographische Struktur hat sich seit 2004 stark verändert. Der Anteil der NÖ Bevölkerung ab 65 Jahren ist in den letzten zehn Jahren um 22 % gestiegen, 12

13 ÄRZTE- MANGEL der Anteil der Bevölkerung ab 75 Jahren um 17 %. Da zwar die Lebenserwartung der Menschen steigt, aber nicht die Anzahl an Jahren in Gesundheit, müssen ältere Menschen traditionell öfter medizinische Hilfe in Anspruch nehmen als jüngere. Die Folgen der älter werdenden Bevölkerung sind somit erhöhtes Patientenaufkommen für die vorhandenen Ordinationen und damit verbunden längere Wartezeiten bei Terminen im Facharztbereich. Nicht zu vergessen ist auch die Tatsache, dass in den nächsten Jahren eine Pensionierungswelle auf uns zurollt, die vor allem den Bereich der niedergelassenen Kassenvertragsärzte treffen wird. Laut aktueller ÖÄK-Statistik gehören 45 % der niedergelassenen Allgemeinmediziner in Österreich zur Altersgruppe 55plus, bei den Fachärzten gehören nach dieser Statistik sogar 64 % der Altersgruppe 55plus an. Das Problem ist also nur aufgeschoben und wird uns bei fehlenden Gegenmaßnahmen mit voller Härte treffen. Doch worin bestehen geeignete Gegenmaßnahmen? Erstens in einer seit Jahren geforderten aber bislang immer gescheiterten Anpassung des Honorarkatalogs an die modernen Gegebenheiten, um im 21. Jahrhundert als Kassenärztin/Kassenarzt überleben zu können. Ich als Allgemeinmedizinerin mit einer Wahlarztordination bin überzeugt davon, dass viele Kolleginnen, die derzeit eine Wahlarztordination für Allgemeinmedizin betreiben, in die Kassenordination wechseln würden, wenn dort die Rahmenbedingungen entsprechend wären und damit in diesem Bereich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen besser gegeben wäre. Zweitens muss die Ausbildung der angehenden MedizinerInnen dringend reformiert werden, um die Tätigkeit als AllgemeinmedizinerIn auch für künftige Ärztinnen und Ärzte wieder attraktiv zu machen und diese Reform muss bereits beim Medizinstudium beginnen. Schon während der universitären Ausbildung sollten die angehenden MedizinerInnen für die Arbeit als AllgemeinmedizinerIn motiviert werden, das funktioniert am besten über praxisnahe Lehrveranstaltungen und Famulaturen in allgemeinmedizinischen Ordinationen. Zu den heurigen Medizin-Aufnahmetests (MedAT-H) hatten sich Personen angemeldet ein neuer Rekord - angetreten sind schließlich Personen, Studierende wurden letztendlich aufgenommen. Wenn man einen Blick auf diese Zahlen Laut aktueller ÖÄK-Statistik gehören 45 Prozent der niedergelassenen Allgemeinmediziner zur Altersgruppe 55plus. wirft fällt auf, dass somit nicht einmal jeder sechste Bewerber um einen Studienplatz an den mittlerweile vier öffentlichen Medizinuniversitäten Österreichs auch tatsächlich einen solchen erhalten hat. Das Interesse an der Medizin ist also auch in der nächsten Generation ungebrochen groß und die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem: In Wien kamen Interessenten auf 740 Plätze, in Innsbruck auf 400 Plätze, in Graz auf 360 Plätze und in Linz 250 auf 60 Plätze. Hier ist die Politik gefordert Abhilfe zu schaffen. Eine intelligente und zukunftsorientierte Vorgangsweise wäre notwendig, weitreichende infrastrukturelle Investitionen mit entsprechendem Finanzbedarf dringend erforderlich - in wirtschaftlich angespannten Zeiten kein leichtes Unterfangen. Aber hier wird wie so oft auch ein Versäumnis der Vergangenheit evident. Das in Österreich über Jahre praktizierte und letztlich vom Europäischen Gerichtshof gekippte Herkunftslandprinzip wurde durch eine Quotenregelung ersetzt, um den Ansturm deutscher StudienbewerberInnen einzudämmen, mit dem paradoxen Ergebnis, dass österreichische MaturantInnen mit einem Notendurchschnitt von 1,0 in Deutschland studieren (müssen), da sie den heimischen Aufnahmetest nicht bestehen, während deutsche Numerus Clausus-Flüchtlinge an heimischen Universitäten Medizin studieren und nach Studienende in ihr Heimatland zurückkehren um dort zu praktizieren. Gleichzeitig wandern viele österreichische AbsolventInnen nach dem Studium ins benachbarte Ausland ab, wo der Turnus um vieles attraktiver gestaltet ist als hierzulande. Diejenigen, die nach dem Studium im Inland bleiben, klagen über mangelhafte Ausbildung und trauen sich nach Ausbildungsende immer seltener zu, eine Allgemeinmedizinordination zu übernehmen. Es braucht also nicht mehr und nicht weniger als das Engagement der politisch Verantwortlichen und keine halbherzigen Scheinlösungen, denn Wichtige Dinge nur halb zu tun, ist nahezu wertlos; denn meistens ist es die andere Hälfte die zählt. (Emil Oesch) DR. IN MARTINA HASENHÜNDL 1. Obmann-Stv. der Kurie der niedergelassenen Ärzte Quellen: ÖÄK Statistik Austria, DiePresse.com, , Kurier, , S. 9 13

14 PRESSE- INFOS Presseinformationen Eindrucksvolle zahlen, doch was steckt dahinter? NÖ Ärztekammer: Stimmt das Kosten-Nutzen-Verhältnis beim NÖ Ärztedienst? Mit Verwunderung reagiert Dr. Christoph Reisner, MSc, Präsident der NÖ Ärztekammer, auf die von Landeshauptmann- Stellvertreter Mag. Sobotka präsentierten Zahlen in Bezug auf den NÖ Ärztedienst. Man konnte Lobeshymnen lesen, die eindrucksvoll wirken sollen. Man könnte den Text aber auch so interpretieren: Es werden Unsummen dafür verwendet, um Pflichtversicherte unseres Landes vom Arztbesuch abzuhalten. In diesem Zusammenhang stellen sich für den Vizepräsidenten und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte der NÖ Ärztekammer, MR Dr. Dietmar Baumgartner, einige Fragen: Wie viele der durch den NÖ Ärztedienst triagierten Patientinnen und Patienten haben im Anschluss an die Telefontriage trotzdem eine Ambulanz oder einen Arzt aufgesucht? Wie viele Patientinnen und Patienten wurden in dieser Systematik falsch triagiert? Aus seiner Sicht stellt sich auch die Frage nach der Evidenz dieses Vorgehens und vor allem: Was erwartet sich die Bevölkerung von einem funktionierenden Gesundheitssystem? Den kolportierten Visiten und Beratungen durch den Ärztedienst in anderthalb Jahren stehen seitens der niedergelassenen Ärzteschaft rund Visiten und mehr als Beratungen gegenüber. Mehr als Ordinationsbesuche verzeichnet eine einzige Ordination in Niederösterreich allein durch Versicherte der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse. Diese Zahlen sprechen für die unglaubliche Leistungsfähigkeit unserer Ärztinnen und Ärzte, so Vizepräsident Dr. Baumgartner abschließend. Presseinformation vom 7. Juli 2014 NÖ Ärztekammer für neue Konzepte und Reformen bereit NÖ Ärztekammer fordert von Mag. Sobotka sachbezogenes Handeln anstatt politischem Getöse Mit Verwunderung reagiert der Vorstand der Niederösterreichischen Ärztekammer auf die letzten emotional geprägten Äußerungen von LH-Stv. Mag. Sobotka. Es gibt keinen Streit zwischen Land und Kammer stellt der Präsident der NÖ Ärztekammer Dr. Christoph Reisner, MSc klar. Medizinische Versorgung auf hohem Niveau benötigt vor allem Ärztinnen und Ärzte. Die Ärztekammer für Niederösterreich ist die einzige legitimierte Vertretung genau dieser Ärztinnen und Ärzte. Wenn also Veränderungen im Rahmen des Landeszielsteuerungsvertrages geplant sind, so werden sich wohl oder übel alle Beteiligten an einen Tisch setzen müssen. Dies sind die so genannten Zahler (die verantwortlichen Politiker dieses Landes und die Spitzen der Gebietskrankenkasse) - die eigentlich keine Zahler sondern Verwalter von Steuergeldern und Beiträgen der Staatsbürger sind - auf der einen Seite, und die Leistungserbringer - vertreten durch die Ärztekammer - auf der anderen Seite. Diese sollten gemeinsam sachlich und unaufgeregt Lösungen für die besonderen Anforderungen im flächenmäßig größten Bundesland Österreichs zu erarbeiten, von denen vor allem die zu versorgenden Patientinnen und Patienten profitieren können. Sowohl der Vorstand wie auch die Kurien der Angestellten und Niedergelassenen Ärzte sind für zielorientierte Gespräche jedenfalls bereit. Anzeige gegen Primar erfolgte nicht durch die NÖ Ärztekammer Unterlagen wurden lediglich weitergeleitet Presseinformation vom 11. Juli 2014 Das Präsidium der NÖ Ärztekammer stellt klar: Die Anzeige gegen Prim. Dr. Alfred Ungersböck wurde anonym an die NÖ Ärztekammer, die Österreichische Ärztekammer und die Staatsanwaltschaft Wr. Neustadt übermittelt. Weiters wurden diverse Unterlagen in diesem Zusammenhang von unbekannter Stelle an einen großen Personenkreis geschickt, welcher der Ärztekammer nicht im Detail bekannt ist, der sich jedoch aus den zugesandten Unterlagen ergibt. Weder Präsident Dr. Christoph Reisner noch die NÖ Ärztekammer haben Dr. Ungersböck angezeigt. Die Ärztekammer hat lediglich das gemacht, was im Falle schwerer Vorwürfe immer zu tun ist: Nach interner Beratung und Beschlussfassung wurden die benötigten Unterlagen an die entsprechenden, für die Prüfung solcher Angelegenheiten vorgesehenen Stellen weitergeleitet. Das war im Fall Ungersböck genauso wie beispielsweise im vor kurzem überprüften Fall des angeblichen Notarztes. Presseinformation vom 29. Juli

15 KURZ & BÜNDIG Kurz & bündig Änderung der Gesundschreibepraxis bei der Betriebskrankenkasse der Wiener Verkehrsbetriebe (BKK) Fotos: bilderbox Mit 1. Oktober 2014 wird die Gesundschreibung der bei der BKK der Wiener Verkehrsbetriebe versicherten Patientinnen und Patienten an die übliche Vorgehensweise der Gebietskrankenkasse angepasst. Ab diesem Stichtag erfolgt die Gesundschreibung nicht mehr durch die BKK sondern durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt. Bericht zur Kindergesundheit Im November 2011 wurden die in Niederösterreich tätigen Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin, für Kinder- und Jugendheilkunde sowie für Lungenkrankheiten im Auftrag des Landes Niederösterreich über ihre Einschätzung zum Gesundheitszustand beziehungsweise der Entwicklung bestimmter Gesundheitsprobleme bei niederösterreichischen Kindern befragt. Die Ergebnisse liegen nun als Endbericht vor, der unter www. arztnoe.at zum Download bereitsteht. Kinderrehabilitation für Österreich. Ein Meilenstein ist gesetzt! Krankenversicherungsträger und Bundesländer haben sich über die Finanzierung stationärer Rehabilitationseinrichtungen für Kinder und Jugendliche geeinigt und damit erstmals in Österreich eine geordnete Rehabilitation für Minderjährige und nicht Berufstätige ermöglicht. Damit werden Kinder und Jugendliche mit Erwachsenen im Anspruch auf Rehabilitation gleichgestellt, und es wird zukünftig für diese Altersgruppe eine Rehabilitation möglich werden, ohne zwischen angeborenen und erworbenen Krankheiten zu differenzieren. Damit steht der therapiebedürftige Kranke im Vordergrund und die notwendige Rehabilitation wird ohne aufwändige Behördenwege möglich. Eine langjährige Forderung wurde mit dieser Neuerung erfüllt. Österreichs rehabilitationsbedürftige Kinder und Jugendlichen werden von dieser Vereinbarung vielfach profitieren. 15

16 RECHTeinfach Ein praxisnaher Streifzug durch das Ärzterecht Samstag, 25. Oktober 2014, 9.00 s.t. bis ca Uhr Ärztekammer für Niederösterreich, A 1010 Wien Sem.-Nr.: 6507 Foto: bilderbox Spitalswesen der Zukunft Der Kurienobmann der Angestellten Ärzte der ÖÄK, Dr. Harald Mayer, fordert neue Strukturen im Spitalsbereich. Er wagt sich dabei aber auch in die extramuralen Strukturen. Ein Kommentar von Dr. Martina Hasenhündl, Obmann-Stellvertreterin der Kurie der niedergelassenen Ärzte der NÖ Ärztekammer: Referenten:: VP OA Dr. Ronald Gallob, Obmann der Kurie Angestellte Ärzte, VP MR Dr. Dietmar Baumgartner, Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte; KAD-Stv. Dr. Gottfried Zeller, LL.M. Inhalt: Das Seminar richtet sich an alle Ärztinnen und Ärzte, die praxisnahe Informationen zu rechtlichen Aspekten ihres Berufsfeldes wünschen. Die stetig wachsende (Über-)Regulierung des ärztlichen Berufes macht ein rechtlich abgesichertes Arbeiten in Krankenhaus und Ordination zunehmend schwieriger. Arbeitsrecht, Aufklärungspflichten, Arbeitszeit, Ausbildungsrecht, Verschwiegenheitspflicht was darf man, was nicht? Wer im ärztlichen Bereich tätig ist, sollte mittlerweile über ein Potpourri an rechtlichem Basis- Know-how verfügen. Das Seminar ist jedoch keine theoretische Abhandlung abstrakter Gesetze, sondern ein praxisnaher Streifzug durch die wichtigsten rechtlichen Bestimmungen mit vielen Hinweisen für die konkrete Umsetzung und Raum für Fragen und Diskussion. Behandelt werden unter anderem: Arbeitszeit Arbeitsruhezeit: Rufbereitschaft, Leitende Angestellte und Arbeitsruhegesetz, Vollzeit, Teilzeit Aufklärung und Dokumentation Vertragsrecht welche Arbeitsformen gibt es? Ausbildung und Recht was kommt danach? Dienstplangestaltung Amtsärzte, Impfungen, eigene Ordination: Vertretungsmöglichkeit, Nebenbeschäftigung im Krankenhaus Nicht-Ausstellen eines Rasterzeugnisses Verschwiegenheitsverpflichtung Grundlegendes zum Wohlfahrtsfonds Die Teilnahme ist kostenlos! Rasche Anmeldung erbeten! Anrechenbar für das DFP im Ausmaß von 6 sonstigen Fortbildungspunkten Anmeldung/Information: Ärztekammer für NÖ/ Fortbildungsakademie, Tel: 01/ , Fax: 01/ Bundeskurienobmann Dr. Mayer schlägt vor, Österreich zukünftig in Regionen neu zu organisieren und zu strukturieren, wobei in jeder Region ein Leitkrankenhaus an der Spitze stehen soll, in dem 24 Stunden pro Tag schwere Erkrankungen und intensivmedizinische Fälle behandelt werden sollen. Der Zugang zum Krankenhaus solle nur mit Zuweisung möglich sein, ohne dass jedoch ein Patient weggeschickt werde. Wie dieser Spagat in der Praxis abgewickelt werden soll wird im gegenständlichen Artikel nicht erläutert. Ebenso wenig sind die Regionen definiert, wobei keine Deckung mit den 32 Versorgungsregionen laut ÖSG bestehen muss. Stattdessen macht er sich Gedanken, wie er die Struktur im niedergelassenen Bereich sieht. Für Mayer ist es vollkommen klar, dass die Zukunft ärztlichen Gruppenpraxen und Ordinationszentren mit fixen Öffnungszeiten und 24-Stunden-Rufbereitschaft gehört. Lediglich in der Peripherie liegt aus seiner Sicht weiterhin die mögliche Zukunft in Einzelordinationen. Die regionale Steuerung dieser neuen Krankenhausstruktur solle von einem ärztlichen Generaldirektor im jeweiligen Leitkrankenhaus ausgehen. Die kollegiale Führung wäre laut seinem Konzept ein Auslaufmodell. Seltsam mutet die im Text enthaltene Grafik an. Dort ist von einem Fachärztepool die Rede. Im Text taucht dieser Begriff im Zusammenhang mit der regionalen Personalbesetzung der Krankenhäuser auf: In jeder Region soll es nur noch eine medizinisch-fachliche Einheit, etwa der Chirurgie geben. Jede Abteilung bespielt mit ihrem Facharzt-Pool die gesamte Region. Das würde einschließen, dass Ärzte zwischen den Abteilungen pendeln aber nicht mehr als notwendig und angemessen. Ich bin schon sehr gespannt, wie die Landeskurien der angestellten Ärzte der Ärztekammern auf diesen Vorschlag reagieren. Was mich als niedergelassene Ärztin stutzig macht, ist die Tatsache, dass in der Grafik dargestellt wird, dass auch ärztliche Gruppenpraxen also laut Kurienobmann Mayer die zukünftige Basis der Versorgung in niedergelassenen Bereich von diesem Fachärztepool gespeist werden. Ohne dies zunächst einmal inhaltlich werten zu wollen, muss ganz klar sein, dass solche Vorschläge im Zuständigkeitsbereich der Kurie der niedergelassenen Ärzte liegen und auch nur dort diskutiert und beschlossen werden müssen! 16

17 Foto: Bernhard Noll Dr. in Martina Hasenhündl Dieser Vorschlag der Bundeskurie wurde in den vergangenen Wochen eifrig in den Medien diskutiert. In diesem Zusammenhang war auch häufig die Rede davon, dass die Öffnungszeiten im niedergelassenen Bereich patientenfreundlicher gestaltet werden müssen. Auch dies wird als eine notwendige Maßnahme gesehen, die Ambulanzen zu entlasten. Aus meiner Sicht ist in dieser Angelegenheit eine Klarstellung aus Sicht einer niedergelassenen Ärztin erforderlich: 1. Der Kassenvertrag ist ein Gesamtwerk, der auf die Leistungsfähigkeit von Ärzten, die budgetären Voraussetzungen und die zu versorgende Bevölkerung abgestimmt ist. Durch das derzeitige System ist (gerade noch) gewährleistet, dass in schlanken, kostengünstigen Strukturen eine flächendeckende Versorgung durch Ärztinnen und Ärzte erfolgt. 2. Laut Vertrag sind 20 Wochenstunden offizielle Ordinationsöffnungszeit vorgesehen. Durch zusätzliche Tätigkeit darüber hinaus, Dienste und administrative Tätigkeiten liegt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit über 50 Stunden. 3. Eine vertragliche Ausweitung dieser Öffnungsstunden wäre möglich, dazu bedarf es aber eines neuen Honorarmodells sowie einer absoluten Flexibilisierung von Kooperations- bzw. Anstellungsmodellen. Dass das in Summe massiv teurer wird, dürfte jedem klar sein. 4. Niedergelassene Ärzte führen Wirtschaftsbetriebe und müssen dann aufsperren, wenn die Wirtschaftsgrundlage gegeben ist. Also wenn die Patientenmasse bereit ist, die Ordinationen zu besuchen. Im Laufe der Jahrzehnte hat das dazu geführt, dass eine flächendeckende Versorgung im niedergelassenen Bereich entstanden ist und dass die Ordinationen dann offen haben, wenn sie gebraucht werden. 5. Aus Sicht der überwältigenden Mehrheit der Patienten sind die Öffnungszeiten im niedergelassenen Bereich ausreichend. Die Bevölkerung zieht Wohnortnähe einer Ausweitung der Öffnungszeiten vor. 6. Geschlossene Ordinationen und unzureichende Öffnungszeiten sind bei weitem nicht die Hauptgründe, warum Patienten die Spitalsambulanz aufsuchen. 7. Wenn man die Kapazität im niedergelassenen Bereich erhöhen will, dann braucht man nicht mehr Reglementierungen, sondern mehr Freiheit. Und vor allem den politischen Willen und die Finanzierungsstruktur, Leistungen wirklich vom Spital in die Niederlassung zu verlagern. Und diesen Willen sehe ich trotz des neu eingeschlagenen Weges der so genannten Gesundheitsreform leider nicht. DR. IN MARTINA HASENHÜNDL 1. Obmann-Stv. der Kurie der niedergelassenen Ärzte Foto: bilderbox Niederlassungsseminar 15./ HYPO NOE Landesbank 3100 St. Pölten, Hypogasse 1 Der Wahlarzt als Unternehmer: Das Spannungsfeld zwischen Medizin, Patient und Abrechnung Der schwierige Patient : Aus der Praxis für die Praxis (Impulsreferat mit Patientenfragen) Von der Kassenordination zum Wahlarzt Honorargestaltung in der Wahlarztpraxis Honorarabrechnung für VertragsärztInnen Niederlassung, der Weg zum Kassenvertrag, Vertretung und Gruppenpraxis Das rechtliche Umfeld der Niederlassung Die maßgeschneiderte Finanzierung: Optimale Kreditgestaltung unter Berücksichtigung der individuellen Situation Versicherungen: Die betriebliche und persönliche Risikosituation des niedergelassenen Arztes Der Wohlfahrtsfonds: Lästige Verpflichtung oder finanzieller Vorteil Steuerliche Aspekte der Niederlassung: Grundlagen des Steuersystems, Pflichten und Fristen, Betriebseinnahmen und -ausgaben Die Rolle der Bank bei der Ordinationsgründung Betriebswirtschaft: Personal, Gewerbe und Verkauf, Kooperationsformen SEMINARBEITRAG: EUR 100,-- Der Seminarbeitrag inkludiert nachstehende Leistungen: Sämtliche Seminarunterlagen 3 x Kaffeepausen mit süßen bzw. pikanten Snacks 2 x Mittagsbuffet 1 x Abendbuffet Seminarbeitrag für Begleitperson: EUR 50,-- Anrechenbar für das DFP der ÖÄK im Ausmaß von 13 freien Fortbildungspunkten. ANMELDUNG Ärztekammer für NÖ, 1010 Wien, Wipplingerstr. 2-4 Tel.: 01/53 751/246 Fr. GRANER bzw. 225 Fr. EISENBARTH, FAX: 01/ /279, Mail: ZIMMERRESERVIERUNG Ein Zimmerkontingent für die Seminarteilnehmer ist unter NÖ Ärztekammer im Hotel Metropol, Schillerplatz 1, 3100 St. Pölten, vorreserviert. Bitte Reservierung direkt unter Tel: 02742/70700 oder 17

18 TURNUS Qualität statt Quantität im ärztlichen Turnus gefordert NÖ Ärztekammer: Die unterschiedliche Ausbildungsqualität ist mitverantwortlich für den Turnusärztemangel Dass sich zwischenzeitlich die Spitäler beim Kampf um Turnusärztinnen und -ärzte sehr einfallsreich zeigen macht klar, dass das Problem des schwindenden Ärztenachwuchses zumindest erkannt wurde, so Dr. Christoph Reisner, MSc, Präsident der NÖ Ärztekammer. Wir machen ja seit Jahren darauf aufmerksam, aber diesem Anliegen wurde bisher nie mit dem notwendigen Ernst begegnet. Die Ursache des Problems scheint den verantwortlichen Politikern jedoch nicht klar zu sein. Günstige Wohnungen, Fahrtpauschalen und sonstige Zuckerl klingen zwar reizvoll, eine der Ursachen des Turnusärztemangels liegt jedoch eindeutig in der unterschiedlichen und teilweise schlechten Qualität der Ausbildung. Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin beziehungsweise zum Allgemeinmediziner werden leider noch allzu oft als billige Hilfsarbeiter mit nichtärztlichen Tätigkeiten missbraucht, anstatt ordentlich ausgebildet zu werden. Altersteilzeit bitte warten? Im Gesund & Leben intern Ausgabe Nr. 3/14, dem Mitarbeitermagazin der NÖ Landeskliniken, findet sich ein interessanter Artikel über Altersteilzeit, in dem die Rahmenbedingungen sehr übersichtlich dargestellt werden. Gedacht ist das Modell für all jene, die die Folgen langjähriger körperlicher Belastungen spüren. Der Wermutstropfen daran ist, dass es sich um eine Kann -Bestimmung handelt und kein Rechtsanspruch darauf besteht. Unter den Berufsgruppen, die beispielhaft angeführt sind, findet sich jene der Ärztinnen und Ärzte nicht. Anders in der Steiermark. Wie im clinicum 1-2/14 zu lesen, hat die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft das Angebot der Altersteilzeit für alle KAGes-Bediensteten eingeführt. Zusätzlich wurde das Lebensphasenorientierte Arbeitszeitmodell für Ärztinnen und Ärzte geschaffen, das die ärztliche Tätigkeit im Spital grundlegend verbessern will, um hochqualifizierte Mitarbeiter für das Unternehmen zu gewinnen und an das Unternehmen binden zu können. Auch angesichts der Lebensarbeitszeit des ärztlichen Personals, die die Arbeitszeit anderer Angestellter ohne verlängerte Dienste und Überstunden in der Regel um ein Wesentliches übersteigt, wäre die Gewährung von Altersteilzeit für Ärztinnen und Ärzte eine logische Konsequenz. Vielleicht hat man uns bloß zu erwähnen vergessen. Dr. in Irene Nemeth Foto: Raimo Rumpler Die Funktionäre der NÖ Ärztekammer haben dieses Problem bereits seit langem erkannt und versuchen im Rahmen ihrer Möglichkeiten gegenzusteuern, wie zuletzt mit der Initiative Qualität statt Quantität, um eine Verlängerung der Turnusausbildung zu verhindern. Derzeit dauert der Turnus in der Allgemeinmedizin drei Jahre, einen Teil dieser Ausbildung in einer Lehrpraxis zu absolvieren ist derzeit möglich, aber nicht verpflichtend. Die Ziele der NÖ Ärztekammer lauten jedenfalls Qualitätsverbesserung und Strukturverbesserung, aber keinesfalls ausschließlich Verlängerung der Ausbildungszeit, so Präsident Dr. Reisner weiter. Daher ist es aus seiner Sicht begrüßenswert, dass sich die Vollversammlung der Österreichischen Ärztekammer als höchstes Entscheidungsgremium der österreichischen Ärzteschaft mit diesem wichtigen Thema befasst hat. In einem einstimmigen Beschluss wurde die Verlängerung der Turnusausbildung in der Sommervollversammlung in Loipersdorf abgelehnt. Diese Beschlusslage entspricht exakt dem Wunsch einer beeindruckenden Mehrheit der Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung. Wir wissen aus einer repräsentativen Umfrage mehrerer Ärztekammern, dass es aus Sicht der Betroffenen viel wichtiger wäre, die Qualität der Ausbildung innerhalb dieser drei Jahre zu optimieren anstatt einfach nur die Ausbildungszeit zu verlängern. Qualität statt Quantität im Sinne einer hochwertigen Ausbildung zur Sicherung der medizinischen Versorgung in der Zukunft ist das Gebot der Stunde. Wenn wir das schaffen, dann können wir die freien Turnusplätze wieder mit hochmotivierten, lernwilligen Ärztinnen und Ärzten besetzen. Foto: bilderbox Presseinformation vom 25. Juli

19 und feiern mit Steroid Connection die ROCKY HORROR PARTY Freitag, 31. Oktober 2014 um Uhr Ursulinenhof, Landstraße 31, 4020 Linz Karten 25,- bei y-doc und schöner reisen Der Reinerlös kommt dem Verein zugute!

20 VERAN- STALTUNGEN Veranstaltungstipps Niederlegungsseminar Gut vorbereitet in den Ruhestand , 09:00-17:00 Uhr HYPO NOE Landesbank 3100 St. Pölten, Hypogasse 1 Niederlegung des Kassenvertrages, Kündigungsmodalitäten, Übergabe und Gruppenpraxenmodelle Wohlfahrtsfonds und Pensionsregelung Gesetzliche Grundlagen und Verpflichtungen bei Ordinationsschließung Vermögensmanagement im Ruhestand Zeitliche, steuerliche und arbeitsrechtliche Aspekte der Ordinationsauflösung Anrechenbarkeit für das DFP im Ausmaß von 7 sonstigen Fortbildungspunkten. Seminarbeitrag 20,- Anmeldung aufgrund beschränkter Teilnehmerzahl unbedingt erforderlich: Ärztekammer für NÖ, 1010 Wien, Wipplingerstr. 2-4 Tel.: 01/53 751/246 Fr. GRANER bzw. 225 Fr. EISENBARTH, FAX: 01/ /279, Gesundheit für SIE 12. NÖ Frauengesundheitsenquete steht unter dem Motto Schönheit Schönheit: Wahn und Wirklichkeit lautet das Motto der 12. Frauengesundheitsenquete Gesundheit für SIE, die am 7. und 8. November 2014 im WIFI St. Pölten stattfindet. Gesundheits-Checks, Vorträge, Beratungen und eine Podiumsdiskussion warten auf die Besucherinnen. Am Samstag sorgt Uhr / Uhr Podiumsdiskussion, Vorträge, Kabarettist Gerry Seidl zum Abschluss mit Gesundheits-Checks, seinem aktuellen Beratungen, Programm für ein künstlerisches Highlight. Buffet, Eine kostenlose Info- Kinder und betreuung Ausstel- Gesundheits vorsorge, Ver losung, Samstag, 8.11., 18 Uhr: Kabarett lerzone, kostenlose Kinderbetreuung und die Verlosung toller GERY SEIDL Preise runden das Programm ab. Alle Details gibt es unter www. TOTAL SPEZIAL gesundheitfuersie.at. Initiatorin der erfolgreichen Frauenmesse ist KR WIFI Christa St. Pölten Bogath, Mariazeller Straße 97 Vorstandsmitglied der NÖ Gebietskrankenkasse (NÖGKK), Veranstalter und Kooperationspartner sind außerdem die E I N T R I T T F R E I Arbeiterkammer NÖ, Apothekerkammer NÖ, Ärztekammer NÖ, Wirtschaftskammer NÖ, Land NÖ und NÖGUS. Bogath: Jedes Zeitalter hat seine Schönheitsideale, die oft auf Kosten der Gesundheit - und des Geldbeutels - gehen. Doch eigentlich ist es die innere Schönheit, die das weibliche Geschlecht zum Leuchten bringt - ganz ohne Schönheits-OPs und Botox. Denn wer sich selbst akzeptiert und glücklich ist, strahlt das auch aus. Gesundheit für SIE Schönheit: Wahn und Wirklichkeit Wann: 7. November 2014, 14:00 20:00 Uhr 8. November 2014, 09:00 20:00 Uhr Wo: WIFI St. Pölten, Mariazeller Straße 97 Der Eintritt ist frei! Natürlich sind auch Männer herzlich willkommen. Bader, Medicus, Primar 23. November 2014 bis 18. Oktober 2015 Landesmuseum Niederösterreich Gesundheitswesen in Niederösterreich Heute betreuen die Niederösterreichischen Landeskliniken mit ihren knapp Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr als Patientinnen und Patienten stationär. Die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung durch Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen ist gesichert. Mit dem MedAustron wird in Wiener Neustadt eines der modernsten Zentren für Ionentherapie und Forschung in Europa errichtet. Wie aber stand es in der Vergangenheit mit der medizinischen Versorgung? Namen wie Bad- und Spitalgasse, Bürgerspitalstiftung und Landschaftsapotheke erinnern zwar heute noch an historische Einrichtungen, aber wie sah es dort aus? Seit wann gibt es niedergelassene Ärzte, wer konnte sie sich leisten und was machte der große Rest der Bevölkerung im Krankheitsfall? Wer half bei Zahnschmerzen, Armbrüchen und Seuchen? Die Ausstellung führt zurück in die Zeiten des Aderlasses und der Hausgeburten und schlägt einen Bogen zu den medizinischen Errungenschaften der Gegenwart. Kuratorin: Elisabeth Vavra Info: 20

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