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1 nd en bu rg.d e um -in -b ra w w w.s tu di Fachlich fit fürs Studium Erfolgreich studieren in Brandenburg! Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg Referat 28, Studentische Angelegenheiten Dortustraße Potsdam Telefon (0331) Fax (0331) Tagung zur Steigerung der Studierneigung in Brandenburg 26. Januar 2009

2 Audiotranskript der 3. Tagung zur Steigerung der Studierneigung in Brandenburg

3 Grußwort der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg Sehr geehrte Damen und Herren, wir stehen im Land Brandenburg vor einer paradoxen Situation: Überdurchschnittlich viele junge Menschen erwerben die Hochschulreife, aber ein nur unterdurchschnittlicher Anteil entscheidet sich auch für ein Studium. Wollen wir diesen Zustand ändern und die vorhandenen Potentiale besser nutzen, so gilt es, den Übergang von der Schule in die Hochschule zu optimieren. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur hat ein umfangreiches Maßnahmenpaket verabschiedet, das genau dieses Ziel verfolgt. Die Tagungsreihe zur Steigerung der Studierneigung ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Maßnahmen. Durch die Veranstaltung sollen Akteure aus dem Schul- und Hochschulbereich sowie aus der Berufsberatung zusammengebracht und zu einem stärkeren gegenseitigen Austausch angeregt werden. Während sich die 1. Tagung ganz allgemein mit dem Thema Steigerung der Studierneigung beschäftigte, stand bei der 2. Tagung die Passgenauigkeit von überfachlicher schulischer Ausbildung und hochschulischen Anforderungen im Mittelpunkt. Die 3. Tagung setzt diese Auseinandersetzung kon- - Ich würde mich freuen, Sie auf der 4. Tagung begrüßen zu dürfen und wünsche Ihnen bis dahin eine anregende Lektüre. Prof. Dr. Johanna Wanka 1

4 26. Januar 2009 Technische Fachhochschule Wildau Bahnhofstraße Wildau Programm Seite Uhr Beginn Begrüßung durch Herrn Prof. Dr. Dr. h. c. László Ungvári Präsident der Technischen Fachhochschule Wildau 5 Grußworte des Staatssekretärs im Ministerium für Wissenschaft, Forschung u. Kultur, Dr. Johann Komusiewicz 7 und des Ministers für Bildung, Jugend und Sport, Holger Rupprecht Uhr Impulsreferate Studienwahl Lebenswissenschaften Zwischen Berufsfeldphantasie und Leistungsrealität 13 Vorstandsvorsitzender der Charité Universitätsmedizin Berlin, langjähriger Vorsitzender des Wissenschaftsrates Umwelt- u. Geowissenschaften Leitwissenschaften der kommenden Dekaden 19 Prof. Dr. Onno Oncken Direktor am Deutschen GeoForschungsZentrum Potsdam, Professor an der Freien Universität Berlin Uhr Kaffeepause Uhr Impulsreferate MINT stärkt Ingenieurkompetenzen 28 Prof. Dr. Asta Richter, Technische Fachhochschule Wildau Geistes- u. Sozialwissenschaften 39 Prof. Dr. Thomas Risse, Freie Universität Berlin, Direktor der Außenstelle Transnationale Beziehungen, Außen- u. Sicherheitspolitik am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaften der FUB Uhr Mittagspause Möglichkeit der Standortbesichtigung/Führung 2

5 13.30 Uhr parallele Workshops Die Workshops werden gemeinsam von Vertretern der Hochschulen, Schulen und der Bundesagentur für Arbeit geleitet Uhr Kaffeepause Uhr Plenum Berichte aus den Workshops und Abschlussdiskussion Uhr Ende der Veranstaltung 3

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7 Begrüßung Prof. Dr. Dr. h.c. László Ungvári Präsident der Technischen Fachhochschule Wildau - - Prognosen, es sind echte Zahlen, da die Bewerber, die möglicherweise auf die Hochschulen zukom- ab 2013 ist Besorgnis erregend. Wir müssen also eine Menge tun, um für den Hochschulstandort Brandenburg und auch für jeden einzelnen Hochschulstandort des Landes Brandenburg zu werben. Für uns in Wildau besteht kein Grund zur Sorge, wenn ich mir die Zahlen der letzten Semester vor Augen halte. Wir haben einen Zuwachs von 23 % an Studienbewerbern und wie Sie gesehen haben, stattgefunden. Dieser Zuwachs an Studienbewerbern ist sehr erfreulich, wir sind aber sicher, dass diese Zahl sich nicht ewig aufrecht erhalten lässt, wenn wir hierfür nichts tun. dere aber auch für den Hochschulstandort Wildau sprechen. Kurz zwei Gedanken dazu: Die Technische Fachhochschule Wildau wird noch in diesem ersten Halbjahr 2009 damit werben, dass sie als familienfreundliche Hochschule eingestuft worden ist. Dies ist für Bewerber mit Familie ein sehr mester feststellten, dass etwa 35 % der Bewerber aufgrund von Mundpropaganda zu uns gekommen sind, also aufgrund unseres guten Rufes. Weitere 33 % sind gekommen aufgrund des Internet- Rufes und des Images der Hochschule sich für unsere Hochschule entschieden haben. Das sind die beiden Aspekte, die wir in den nächsten Monaten noch weiter entwickeln werden, und wir erwarten daher auch zukünftig ein hinreichendes Bewerberaufkommen. lerinnen und Schüler von der Schule in die Hochschule erhöht werden kann. Hierzu wird es heute noch einige Beiträge geben. wir vor fünf Jahren 1,9 % Ausländer, jetzt liegt der Wert bei 5,1 %, was für eine Fachhochschule eine nicht so schlechte Größenordnung ist. Der Ausländeranteil in Brandenburg insgesamt liegt im Durchschnitt bei 4 %, das ist eine Zahl, mit der wir noch nicht so großartig auftreten können, aber wir arbeiten daran, und wir möchten in einigen Jahren die 10 % -Marke erreichen. 5

8 Ich darf Sie in diesem Sinne herzlich hier in Wildau begrüßen und wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt, anregende Gespräche und ich möchte Sie auch bitten, die Pausen zu nutzen, um sich unseren Campus anzuschauen. Laufen Sie ein wenig herum, schauen Sie sich die wunderschönen architektonischen Lösungen an, die wir für Gebäude und Räume gefunden haben. Ich wünsche Ihnen ganz einfach einen angenehmen Tag. 6

9 Grußwort Dr. Johann Komusiewicz, Staatssekretär im Minis terium für Wissen schaft, Forschung und Kultur Sehr geehrter Herr Prof. Ungvári, vielen Dank für die freundliche Begrüßung. Sehr geehrter Herr Minister Rupprecht, verehrte Damen und Herren Referenten, meine sehr geehrten Damen und Herren. Ich freue mich, heute gemeinsam mit Ihnen die dritte Tagung zur Steigerung der Studierneigung in Brandenburg eröffnen zu können. Leider ist Frau Ministerin Prof. Wanka heute verhindert, ich darf Ihnen aber ganz herzliche Grüße und ihre guten Wünsche für eine erfolgreiche positive Tagung ausrichten. Tagung soll sich mit der Frage beschäftigen, wie gut schulische Ausbildung und hochschulische Anforderungen aufeinander abgestimmt werden können. Dem Thema Passgenauigkeit hatte sich versität-viadrina durchführen konnten, gewidmet. Damals bezog sich Passgenauigkeit auf die über- und Fähigkeiten legen. Wir knüpfen damit direkt an die Diskussionen der vorherigen Tagung an und widmen uns einem wichtigen Spezialgebiet, dem Thema der Ausbildung. Warum dieses Thema so wichtig ist, liegt auf der Hand. Nur wenn die Anforderungen von Schule und Hochschule übereinstimmen, kann es einen reibungslosen Übergang zwischen diesen beiden Ausbildungsphasen geben. Das, was Schule auf der einen Seite bereitstellt, und das, was Hochschule auf der anderen Seite erwartet, muss zusammenpassen. Deswegen ist es gut, hier einen Abgleich vorzunehmen, der den Hochschulen die Informationen darüber vermittelt, was den Schülern in der Schule beigebracht worden ist. Viele Schüler sind oft verunsichert und fragen sich, ob sie beispielsweise mit ihren Mathematikkenntnissen ein naturwissenschaftliches Studium erfolgreich bestreiten können. Diese Zweifel halten sie dann möglicherweise von einem Studium ab. Umgekehrt führt es auch zu Frustrationen oder sogar zum Studienabbruch, wenn ein Studierender im ersten Semester feststellen muss, dass er mit seinen schulischen Vorkenntnissen dem Studium an der Hochschule nicht folgen kann. Solche Probleme müssen wir nach Möglichkeit verhindern. Deshalb wollen wir die Kommunikation zwischen Schule und Hochschule weiter verbessern. Lehrerinnen und Lehrer an Schulen sollen sich darüber informieren, welche fachlichen Anforderungen die Studiengänge an ihre Studenten stellen. Damit sollen sie die Möglichkeit erhalten, ihre Schüler und Schülerinnen optimal auf ein Studium vorzubereiten. Umgekehrt sollen die Lehrenden an den Hochschulen darüber unterrichtet werden, welche zu verbessern, ist überall vorhanden. Das haben bereits die beiden letzten Tagungen gezeigt. Ich 7

10 freue mich deshalb auch sehr, dass Sie heute wieder so zahlreich an dieser Veranstaltung teilnehmen. Ich denke, gemeinsam werden wir hier weitere wichtige Vorschläge zur Verbesserung des Übergangs von Schule zu den Hochschulen erarbeiten. Meine Damen und Herren, gerade für Brandenburg ist das Thema des Übergangs von der Schule zur Hochschule besonders wichtig. Denn wir haben hier eine paradoxe Situation. Anders als in Bayern beispielsweise, das ja immer als Bildungsland gerühmt wird, haben wir in Brandenburg überdurchschnittlich viele junge Menschen, die eine Hochschulreife erlangen. Aber nur ein unterdurchschnittlicher Anteil dieser Hochschulzugangsberechtigten entscheidet sich dann für ein Studium. Diesen Zustand wollen und müssen wir ändern. Auf der einen Seite, weil junge Brandenburgerinnen und Brandenburger nach einem Studium deutlich bessere Berufsaussichten haben als ohne Studienabschluss. Auf der anderen Seite, weil das Land Brandenburg angesichts des auch schon von - bin zuversichtlich, dass wir sie gemeinsam bewältigen werden. Die beiden vergangenen Tagungen haben uns bereits ein gutes Stück vorangebracht und auch heute werden wir diesen Prozess konsequent fortsetzen. Ich denke, wir werden auch heute wie- ferate der Fächergruppen Lebenswissenschaften, Umwelt- und Geowissenschaften, Ingenieurwissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften. Im Anschluss daran bieten Workshops die Möglichkeit, in Diskussionen einzutreten und das zu vertiefen, was hier durch diese Impulse an Anregungen vermittelt worden ist. Für die Referate konnten mit Frau Prof. Richter von der Technischen Fachhochschule Wildau, dann Prof. Risse vom Otto-Suhr-Institut der Freien Universität in Berlin und - in Vertretung von Herrn Prof. Herr Prof. Oncken vertritt heute Herrn Prof. Hüttl, weil dieser in Potsdam gemeinsam mit Frau Wanka an der Gründung des Potsdam Research Network mitwirkt. Dieses Netzwerk soll die stabile Kooperation zwischen Universität und einer ganzen Reihe außeruniversitärer Forschungseinrich- Prof. Oncken wird, wenn ich es richtig gelesen habe, in seinem Referat die These aufstellen, dass Umwelt- und Geowissenschaften Leitwissenschaften für kommende Dekaden sind. Das ist eine gewagte These, aber angesichts der Diskussion über Klima, Ressourcen und Nachhaltigkeit sicher eine These, die von vielen geteilt wird. Ich habe als Beispiel für einen exzellenten Hochschul- und Wissenschaftsstandort Potsdam erwähnt, aber natürlich haben sämtliche Hochschulen und Forschungseinrichtungen Brandenburgs ihren Anteil daran, dass dieses Land interessant ist für Wissenschaftler und Studierende. Deswegen freue ich mich, dass nicht nur von der Technischen Fachhochschule Wildau, sondern auch von den anderen Hochschulen viele Repräsentanten, Präsidenten, Vizepräsidenten, Hochschullehrer usw. hier vertreten sind und zuhören wollen, aber auch mit dazu beitragen wollen, Impulse zu setzen für diese wichtige Aufgabe. 8

11 Herr Präsident Ungvári, diese Veranstaltung ist nicht die erste Auszeichnung für diese Hochschule, ders hervorheben möchte ich die Kooperationsnetzwerke, die entstanden sind und die bis zum Tech- viele Großunternehmen, aber auch kleinere und mittlere innovative Unternehmen darauf nicht mehr verzichten wollen. Hier erfolgt die Ausbildung praxisnah, die Studierenden haben früh die Möglichkeit, Kontakte zur Arbeitswelt zu knüpfen. Dies hat sich auch weitgehend herumgesprochen. Sie ha- Jahr, besonders erfolgreich. Wenn sich jedes Jahr mehr Studienbewerber einschreiben, dann ist das ein beredtes Zeugnis auch dafür, dass die Fachhochschule hier in Wildau inzwischen bundesweit einen Spitzenplatz einnimmt. Deswegen kann ich Ihnen nur empfehlen, an der Führung hier auf dem Campus teilzunehmen. Sie werden viel Interessantes erleben, ich genieße es auch immer wieder, wenn ich einmal die Möglichkeit habe, mir diese schöne Architektur anzuschauen. Danken möchte ich natürlich auch den Impulsreferenten und Workshop-Moderatoren sowie allen, sonderer Dank gilt natürlich Herrn Minister Rupprecht, weil sein Ressort Wesentliches in die Vorbereitung dieser Tagung eingebracht hat. Bevor ich nun an Herrn Minister Rupprecht übergebe, gestatten Sie mir vielleicht noch einen Aus- Thema Berufsbilder haben. Wir haben dieses Thema gewählt, weil viele junge Menschen mit den Studiengängen und gerade mit den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen keine konkreten be- dium zuzuwenden. Ich denke, es ist wichtig, bei der nächsten Tagung hier anzusetzen und sich der diengängen verbunden sind und wie man diese Informationen Schülern vermitteln kann. Letztendlich ist es ganz wichtig, die Motivation der Schülerinnen und Schüler zu wecken und das erreichen Bis zur nächsten Tagung wird das Wissenschaftsministerium gemeinsam mit den Hochschulen die mit dem zuständigen Bundesministerium versuchen, weitere Mittel zur Verbesserung der Studierneigung einzusetzen. Ich wünsche Ihnen eine fruchtbare und erfolgreiche Tagung und einen schönen Tag hier in Wildau. Vielen Dank. 9

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13 Grußwort Holger Rupprecht Minister für Bildung, Jugend und Sport Sehr geehrter Herr Staatssekretär, sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Professoren, Ich bin gebeten worden, ein Grußwort zu halten, und ich werde dieses so kurz wie möglich machen, da wir im Zeitplan schon sehr weit fortgeschritten sind. Herzlich willkommen auch von mir zur dritten Tagung zu diesem ganz wichtigen Thema. Die Steigerung der Studierneigung ist ein ressortübergreifendes Thema, das sehen Sie auch an der Anwe- Johanna Wanka, dass uns dieses Thema sehr am Herzen liegt. Denn es gibt Fragen, die dringend beantwortet werden müssen und die auch von Ihnen hier im Auditorium aufgegriffen werden sollten. der Überschrift zukünftiger Fachkräftemangel zusammenfassen will. Fachkräftemangel nicht nur im Bereich der Facharbeiterinnen und Facharbeiter, sondern eben auch im Bereich der akademischen Berufe. Der Präsident dieser Hochschule hat in seiner Begrüßung darauf hingewiesen - und ich kann das nur bestätigen -, dass die bloße Themennennung Förderung der Studierneigung zu geringwertig darum, dass wir bei den Schülern eine Neigung für das Studium entfachen müssen, sondern es geht darum, dass wir eine Leidenschaft, eine Begeisterung für das Studium entfachen müssen, so dass es möglichst selten passiert, dass Schüler mit Abitur eine Lehre beginnen und nicht ein Studium. Ich habe meine Schüler und Schülerinnen immer nach Abschluss der Ausbildung im Gymnasi- ein Studium, aber schauen wir mal. Ich war dann manchmal ziemlich enttäuscht, denn ich hatte ja diese Schülerinnen und Schüler nach der 10. Klasse ausgesucht und bis zum Abitur geführt, nicht damit sie letztendlich den Schülerinnen und Schülern, die die Schule mit der 10. Klasse verlassen, eine Lehrstelle wegnehmen. Meine Intention war immer, dass die Schüler, die ein ordentliches Abi- Schüler eines Jahrgangs, deren Studierneigung offensichtlich gering war, sondern es waren teil- ken. Dabei spielen die Kollegen und Kolleginnen eine entscheidende Rolle. Ich erwarte nicht nur, dass in den berufsbildenden Schulen alle Lehrerinnen und Lehrer eigentlich potenzielle Berufsberater sind, ich erwarte auch bei den Schulen, die zum Abitur führen, dass alle Kolleginnen und Kollegen Studienberater sind. Nicht jeder ist für jedes Fach Spezialist und kann jedem Schüler eine Be- 11

14 ratung für alle möglichen Studiengänge mit auf den Weg geben. Aber ich glaube, wir haben eine lerinnen und Schüler nun einmal darstellen, auch erschliessen. Dies ist ganz wichtig bei dem Thema, zukünftige Akademiker zum Studium zu motivieren. Die allgemeine Frage der Motivation und Studierneigung war das Thema der ersten Tagung. Im Oktober 2007 haben sich zum ersten Mal Vertreter von Schulen und von Berufsschulen zusammenge- Schülerinnen diskutiert, es ging um die Anforderungen, die die Hochschule erwartet, damit Studierende den Anforderungen eines Studiums gerecht werden können. Heute geht es um das The- Schülerinnen und Schüler möglichst auch ein Studium erfolgreich absolvieren können. Wir müssen ist nach Möglichkeit einzuschränken. Dazu ist es ganz wichtig, den Dialog zwischen Schulen und ragende Beispiele für gute Kooperation zwischen Schulen und Hochschulen, aber ich denke, was man gut macht, kann man noch besser machen. Deshalb mein Appell an beide Seiten: Gehen Sie aufeinander zu, einseitige Schuldzuweisungen nützen uns überhaupt nichts. Man hört immer wieder, manch mal ganz sachlich, manchmal auch überzogen, diese massive Kritik: Die Schülerinnen und Schüler, die unsere brandenburgischen Schulen verlassen, sind überhaupt nicht auf das vorbereitet, was danach auf sie zukommt. Diese Kritik äußern sowohl die Handwerkskammern, aber auch die Vertreter der Hochschulen. Ich möchte einfach darum bitten: Hören wir auf mit diesen Schuldzuweisungen, sondern reden wir miteinander und dies ist jetzt mein Appell an die Hochschulen: Bitte die Kolleginnen und Kollegen an den Schulen auch wissen, was Sie von Ihnen und natürlich von unseren Schülerinnen und Schülern erwarten. Ich denke, dass Sie alle, die hier heute zusammengekommen sind, schon allein der Beweis dafür sind, dass wir auf dem guten Weg sind, denn Sie sind bereit zu diesem Dialog. Sie werden hoffentlich alle diese Technische Fachhochschule Wildau verlassen mit etwas Gutem im Gepäck, mit guten Ideen, mit guten Anregungen, wie man diese Probleme zukünftig angehen kann. Ich danke Ihnen, dass Sie hergekommen sind und wünsche der Tagung einen erfolgreichen Verlauf. Ich danke ganz besonders den vielen hochrangigen Vertretern unserer Hochschulen, vielen Dank, und ich hoffe, dass eine Reihe von Anregungen formuliert werden. 12

15 Impulsreferate Prof. Dr. med. Karl Max Einhäupl Vorstandsvorsitzender der Charité Universitätsmedizin Berlin Studienwahl Lebenswissenschaften Zwischen Berufsfeldphantasie und Leistungsrealität Herr Minister Rupprecht, Herr Komusiewicz, Herr Ungvári, Ich möchte mich zunächst bei Ihnen ganz herzlich bedanken, dass Sie die Idee hatten, mich hier zu dieser Veranstaltung einzuladen. Ich bin gern gekommen und ich muss sagen, wenn man sich so Gedanken darüber macht, was man zu diesem Thema sagen kann, dann hat mich das auch selber ein Stück weitergebracht. Ich habe mir darüber Gedanken gemacht, was wir eigentlich tun können und was ich Ihnen zu diesem Thema zu sagen habe. Was wollen wir? Wir wollen mehr Studenten, wir wollen bessere Studenten und wir wollen die Stu- wicklung, bei dem wir insbesondere in den neuen Bundesländern zukünftig ein Problem sehen, da es hier sehr viel weniger junge Menschen geben wird als heute. Dies ist ein Motiv, uns noch mehr anzustrengen. Hier sehen wir auch Berlin in der Verantwortung, mehr gemeinsame Anstrengungen zusammen mit Brandenburg zu unternehmen. rologe, sozusagen als Neuro-Wissenschaftler jemand, der Anforderungen formuliert, die die jungen Studenten zu erfüllen haben. Sie werden in der Charité in einem komplizierten Auswahlgespräch ausgewählt, 60 % der Studienplätze werden durch Auswahlgespräche vergeben, so dass wir eine Verantwortung gegenüber den von uns selbst ausgewählten Studierenden haben. Ich bin zweitens seren hohen Standard halten können, den wir als ausgezeichnete Hochschule haben. Ich bin drit- selbst meine eigenen Kinder in ihrer Berufsentscheidung beraten und weiß, wie schwierig es ist, und er weiß bis heute nicht, was er eigentlich machen soll. Ich glaube, wir müssen uns darüber im Klaren werden, dass wir alle in der Regel in Zukunft im Leben nicht nur einen Beruf ausüben werden, viele von uns werden zwei Berufe haben, manche drei oder vielleicht sogar vier Berufe. Dies wirft natürlich die Frage auf, wie wir die Kinder auf diese Berufe vorbereiten sollen. Noch eine Anmerkung möchte ich vorweg stellen. Ich glaube, wir diskutieren das ganze Thema in einem Klima der Larmoyanz. Die Universitäten, Sie haben das bereits auch gesagt, Herr Minister, regen sich darüber auf, dass die Schüler wenig ausgebildet sind und die Fachgesellschaften regen sich darüber auf, dass die Universitäten nicht genug ausbilden. Wir sollten uns von diesem affektiven Thema und der Diskussion in dieser Form verabschieden. 13

16 Wie ist die Situation: Wir haben einen kleinen Fortschritt gemacht, von 1997 bis heute haben wir immerhin die Abbrecherquote von 22 auf 21 Prozent reduziert. Das ist zwar nicht viel, aber das sollte man nicht unterschätzen, das ist etwas, was auch volkswirtschaftlich nötig ist. Wir sollten allerdings nicht verhehlen, dass wir an den Fachhochschulen noch ein klein wenig mehr Studierende haben, die ihr Studium abbrechen, nämlich 22 Prozent, während die Abbruchquote an den Universitäten 20 Prozent beträgt. Diese Werte stellen sicherlich noch eine Herausforderung dar. Wir haben in den Staatsexamensfächern Medizin, Pharmazie, Juristerei und Lehramt geringere Probleme als in den Nicht-Staatsexamensfächern. Wir können Ihnen einige Zahlen ganz kurz benennen, um hier den Rahmen abzustecken: In der Mathematik haben wir 45 % Studienabbrecher, in den Ingenieurwissenschaften 42 %. Ich glaube Letzteres ist besonders tragisch für das Land, denn das Studium der Ingenieurwissenschaften ist ein sehr teures Studium, wo ein Abbrecher die Volkswirtschaft sehr viel Geld gekostet hat. In Biologie haben wir 32 % Abbrecher; das ist viel zu viel, in der Pharmazie brechen nur 11 % und in der Medizin nur 10 % ihr Studium ab. Dabei habe ich jetzt einen kleinen Fehler gemacht, indem ich von Abbrechern gesprochen habe. Diese Werte beschreiben die Schwundquoten. Unter den Abbrechern gibt es auch solche, die ein anderes Studium aufnehmen, und sofern dies zum vorhergehenden Studium fachnah ist, kann man sagen, da waren die ersten zwei/drei Semester in dem ursprünglichen Studium auch nicht verloren und es hat sich gelohnt, dass sie dieses erste Studium studiert haben. In der Medizin haben wir 5 % Abbrecher und 5 % Fachwechsler. Wir haben aber auch 8 % Zugänge, das heißt, es gibt viele, die wollen Medizin studieren und haben zunächst ein anderes Fach begonnen, weil sie vielleicht ihren Medizinstudienplatz nicht erhalten haben. Dies ist eher ein politi sches diskutieren sollen. Was nützt es, wenn wir dafür werben, dass wir mehr Studenten an die Universitäten bringen, aber uns mit der Abbruchquote nicht auseinandersetzen? Dies ist jedoch auch ein Thema, bei dem wir nur beschränkte Möglichkeiten haben, etwas zu verändern. zugekommen sind und bei denen Sie als Lehrer die Möglichkeit haben einzugreifen. Ich fange ein- dung zu treffen hat, welcher weiterführende Schulzweig besucht werden soll. Dabei geht es nicht nur um Hauptschule, Realschule oder Gymnasium, sondern es geht beispielsweise auch um die Ausrichtung des Gymnasiums. Ich habe als Neurologe - und meine Frau ist ebenfalls Ärztin - trotzdem entschieden, meine Kinder auf ein musisches Gymnasium zu schicken, weil ich denke, dass die sekundären Tugenden wie immer wir sie bezeichnen mindestens für ihr Leben genauso wichtig sind, wie die fachlichen Voraussetzungen, die sie erwerben müssen. Ich gebe aber zu, dass das dazu geführt hat, dass einer meiner Söhne, der Medizin studiert, dies nur im Ausland tun kann, nämlich in Salzburg, weil der Numerus Clausus für Medizin von ihm nicht erreicht wurde. So etwas kann sich nicht jeder leisten, aber das ist die Realität. der Wahl oder Abwahl von Leistungsfächern. Hier haben wir ein Problem, das die Schule zu lösen hat, nämlich das Problem, dass das Abwählen von Fächern, das Wählen von Leistungsfächern auf Dies ist ein Problem, das wir angehen müssen, das zu diskutieren ist. 14

17 stehen, welches Studium soll ich wählen. Bei der Wahl des Studiums sind sie meist 19 bis 20 Jahre alt, da wissen sie nicht genug darüber, was sie in den verschiedenen Berufszweigen erwartet. Selbst wenn sie das Studium dann mit 25/26 Jahren abgeschlossen haben und in den Beruf eintreten, haben sie oft nur vage Vorstellungen von dem, was sie eigentlich in diesem Beruf erwartet. Lassen ber durch Auswahlgespräche bezüglich der Frage, nach welchen Kriterien sollen wir eigentlich auswählen. Ich will hier ganz offen bekennen, ich halte diese Auswahlgespräche für eine Farce, denn es gibt ca Auswahlkommissionen und in jeder Auswahlkommission wird anders entschieden. sen. Im anderen Fall: der Bewerber hat nicht gewusst, was eine bestimmte mathematische Formel bedeutet, er wird nicht zugelassen. Das sind zufällige Instrumente, die wir anwenden, dies hat überhaupt nichts zu tun mit dem, was später im Beruf an Aufgaben anfällt. besten interpretiert, ein guter Arzt kann aber auch derjenige sein, der die beste mathematisch-naturwissenschaftliche Vorstellungskraft hat und damit die beste Voraussetzung, einmal selbst Wissenschaftler zu werden. Das Fach Psychologie gibt mir Gelegenheit, einmal über die Vorstellung und Phantasien von Studierenden zu sprechen, die dieses Fach gewählt haben. Warum studieren viele junge Menschen Psychologie? Weil sie glauben, dass sie damit Menschen verstehen lernen, weil sie glauben, dass sie damit ein Stück sich selbst besser verstehen. Dies zeigt ganz deutlich auch die Tatsache, dass ein großer Teil derer, die im Rahmen des Medizinstudiums psychologische oder psychosomatische Fachrichtungen studieren, mit sich selbst Probleme haben. Dies gilt nicht generell für die Psychiater, aber dies gilt in dem einen oder anderen Fall. Dahinter steht der Wunsch, den ewigen Schleier des Wissens um den Menschen etwas anheben zu können, Menschen sofort zu erkennen. - wahrscheinlich als Biologe genauso gut beantworten kann wie als Psychologe. In der Medizin gibt es ein ähnliches Phänomen: das Helfen. Helfen zu können macht Spaß und ver- - einen bestimmten Berufsweg einzuschlagen. Ich glaube, dass diese Motivlagen sehr viel stärker die - Aber Studienbewerber werden auch abgeschreckt davon, den Arztberuf zu ergreifen, sie haben selbst Angst vor Tod und Krankheit und möchten sich nicht täglich damit auseinandersetzen müs- chen Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Ich komme nun zu der Frage: Was können wir von Ihnen als Lehrerinnen und Lehrer erwarten? 15

18 Ich will diese Frage an Hand des Arztberufes und des Berufsbildes des Mediziners beantworten; meine Antworten sind aber auch auf andere Berufe übertragbar. Der Arztberuf ist a priori ein wissenschaftsbasierter Beruf. Wenn die Studierenden mit etwa 26 Jahren die Universität verlassen, dann werden sie 40 Jahre als Arzt tätig sein. Sie werden wöchentlich von fünf oder sechs Pharmavertretern besucht, die Ihnen sagen, dass ihr Präparat das absolut beste sei. Wenn Sie nicht gelernt haben, wissenschaftliche Methoden anzuwenden, um solche Fragestellungen selbst zu beantworten, dann sind Sie diesen Ratschlägen ausgeliefert. Mit anderen Worten, Medizin ist ein wissenschaftsbasierter Beruf und genau dieser wissenschaftliche Aspekt muss im Studium vermittelt werden. Das ist auch der Punkt, warum das Medizinstudium in Deutschland eine Regelstudienzeit von sechs Jahren hat. Deshalb ist auch in der Medizin in Deutschland allgemein anerkannt, dass der wissenschaftliche As- die Halbwertzeit des Wissens, die immer kürzer wird, will ich hier gar nicht reden. Lassen Sie mich aber nun kurz auf die konkreten naturwissenschaftlichen Fächer kommen, es sind dies die Fächer Chemie, Physik und Biologie. Aber auch Griechisch und Latein können wichtig sein. Wer beide Sprachen gut kann, hat bezüglich des Medizinstudiums auch schon einen Vorteil. Das, was wir als Mediziner immer wieder feststellen, ist, dass viele Studierende in der Lage sind, abstrakt ein physikalisches oder chemisches Problem aufzugreifen und zu lösen, dass sie aber versagen, wenn dieses Problem nicht als ein abstraktes gestellt wird, sondern wenn eine konkrete Anwendung gefordert wird. Sie sind nicht in der Lage, ihr physikalisches oder chemisches Wissen so anzuwenden, dass ein Problem gelöst wird. Ich habe mit dem Sohn, der ein anderes Fach stu diert Male irgendetwas berechnen musste und dass es im Stoff immer weiter voranging, aber nur in Be- im Studium, wo er in die Lage versetzt werden muss, diese Dinge ganz konkret anzuwenden, da Lernen lernen. In der Schule hat er dieses Lernen lernen gelernt, aber bei vielen unserer Studierender vermissen wir als universitäre Lehrer diese wesentliche Voraussetzung für ein Studium: dass sie das Lernen gelernt haben. Wie kann man Lernen lernen? Der Wissenschaftsrat hat hierzu geäußert - und ich unterstütze diese haben, wie man erklärt, sind unsere erfolgreichen Studenten. Dies ist etwas, was man wirklich in der eigenes neues Verständnis. Das, was ich zum Beispiel in meinen Kursen der Neurologie mache, ist, dass ich die Studierenden zwinge, uns oder anderen Studierenden einen Sachverhalt zu erklären oder einen bestimmten Mechanismus auseinanderzusetzen. auf sie zukommt, in sehr viel kürzerer Zeit ein größeres Volumen an Wissen lernen zu müssen als während ihrer schulischen Ausbildung. Zusammengefasst: Ich glaube, dass die schwierigen Fächer Chemie, Physik und Biologie von großen Vorteilen für ein zukünftiges Studium sind, wenn sie bis zum Abitur belegt werden. Zurzeit ist es so, 16

19 dass zwei Leistungskurse gefordert sind, so dass schon eines dieser drei Fächer abgewählt werden muss. Wie können wir sicherstellen, dass die Abwahl eines Faches nicht unter Notengesichtspunkten oder unter zulassungstaktischen Gesichtspunkten erfolgt, sondern dass vielmehr Fächer beibehalten werden, die für das zukünftige Studium und den zukünftigen Beruf als Voraussetzung notwendig sind. Dazu möchte ich zwei Beispiele nennen: Studierende sind im Fach Chemie in der Regel nicht in der Lage, die chemische Fragestellung eines Säure-Base-Haushalts abzuleiten. Das Gleiche trifft im Fach Physik auf das Thema Osmose zu. Sie sind zumeist so schlecht vorbereitet, dass vorhandenes theoretisches Wissen nicht auf die konkrete Fragestellung übertragen werden kann. In Biologie ist beispielsweise das Verständnis vom Menschen ein sehr globales Verständnis des Organismus: Der Zusammenhang von der Molekularbiologie und anderen naturwissenschaftlichen Fächern bis hin zum System Mensch wird von Studierenden zunächst überhaupt nicht verstanden. Was kann man tun, was sollte man tun? Ich bin fest davon überzeugt und das habe ich schon seinerzeit, als ich Mitglied im Wissenschaftsrat war, als eine wesentliche Forderung formuliert: Wir brauchen ein Fach Berufskunde für jeden Schüler, der einmal studieren möchte, zumindest in den letzten zwei Jahren der Schullaufbahn, in dem auf die Vielfalt von Berufen vorbereitet wird. Aus meiner Sicht ist eine Investition in ein derartiges Fach sehr viel sinnvoller als eine Investition in Studierende, die letztendlich ihr Studium abbrechen. Sie werden heute Nachmittag auch diskutieren, inwieweit ein derartiges neues Schulfach in die Lehrpläne eingepasst werden kann. Wenn ich jetzt darauf verzichte, Ihnen einen konkreten Lehrplan für die Medizin vorzuschlagen, dene Bereiche in der Medizin, für die wir als Mediziner verantwortlich Studierende vorbereiten müssen. Ihre Aufgabe ist es, eine Basis hierfür bei den Schülern zu schaffen. Das immer neu hinzukommende moderne Wissen, das wir brauchen, müssen wir uns erwerben können, mit dem, was tor ist der, dass Sie als Lehrer es schaffen müssen, Ihre Schüler für Ihr Fach zu motivieren. Dies hängt sehr stark von Ihrer eigenen Persönlichkeit ab. Meine Söhne haben mir hier für die heutige Diskussion gestern eine kleine Liste aufgestellt, welche Lehrer ihnen Spaß an ihrem Fach beigebracht und welche Lehrer es ihnen versaut haben. Was an ihrem Fach haben die Lehrer vermittelt, 17

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