Ausgabe 2015 Das Magazin des FRANKFURTER PRESSECLUBS SCHWERPUNKT. Qualitätsjournalismus

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1 Ausgabe 2015 Das Magazin des FRANKFURTER PRESSECLUBS SCHWERPUNKT Qualitätsjournalismus

2 Regional verankert. International agierend. Der Helaba-Konzern. Als europäische Regionalbank setzt sich der Helaba-Konzern nach haltig für die Entwicklung des Finanzplatzes Frankfurt und der Region ein. Dazu gehört auch die gezielte Förderung von Wirtschaft, Sport, Kultur, Bildung und Sozial wesen. Ein Engagement, das uns zu einem starken Partner macht. Banking auf dem Boden der Tatsachen.

3 1 Editorial Werner D Inka, Präsident des Frankfurter PresseClubs und Mitherausgeber der FAZ H a n d w e r k u n d P r o f e s s i o n a l i - t ä t Einen Pudding an die Wand zu nageln ist ganz einfach. Jedenfalls verglichen mit dem Versuch, Qualität im Journalismus zu definieren. Denn woher die Maßstäbe beziehen? Die Vorstellungen darüber gehen weit auseinander. Schnell fallen Begriffe wie Politische Willensbildung, Den Mächtigen auf die Finger sehen, Wahrheit, Wächteramt. Völlig zu Recht, aber so plausibel der Bezug auf demokratietheoretische Normen ist, so hat er doch so seine Tücken. Wer Qualität ausschließlich normativ begründet, kommt nämlich nicht um den Rekurs auf Prinzipien herum, die außerhalb des Journalismus liegen und die der empirischen Prüfung nicht ohne weiteres zugänglich sind. Und was ist zum Beispiel mit Neon? Oder mit 11 Freunde? Zur politischen Willensbildung oder zur Partizipation tragen diese Zeitschriften so gut wie nichts bei. Sind sie deshalb Schund? Natürlich nicht. Hier kommen die Publikumserwartungen ins Spiel. Vom Standpunkt ihrer Leser bieten Neon und 11 Freunde Qualitätsware, und dagegen ist gar nichts zu sagen. Taugt also der ganze normative Ansatz nichts? Zumindest hat er seine Grenzen, weil er von vornherein große Segmente aus der Qualitätsdebatte ausgrenzt. Müssen wir stattdessen also einen funktionalen Zugang wählen? Ungefähr so: Qualität ist, was die Erwartungen des Publikums erfüllt? Die streuen ganz erheblich, wie wir wissen. Genau darin liegt wiederum das Elend der funktionalen Sichtweise: Wenn alles Qualität sein kann, wenn es nur den Publikumsbedürfnissen entspricht, wird der Qualitätsbegriff letztlich entkernt. Dann ist im äußersten Fall alles irgendwie Qualität. Deshalb spricht alles für einen handwerklich-professionellen Zugang. So bekommen wir festen Boden unter die Füße. Denn über diese Kriterien lässt sich unter Kundigen Einvernehmen erzielen: gründliche Recherche, Faktenprüfung, Vielfalt der Themen, der Sichtweisen und der Darstellungsformen sowie das Bemühen, Entwicklungen in ihrem Zusammenhang verständlich zu machen um nur einige zu nennen. Kein Zweifel, im Journalismus kommt es zu Nachlässigkeiten, handwerklichen Fehlern und Fehleinschätzungen wie in anderen Berufen auch, zumal unter dem Zeitdruck des Tagesjournalismus. Deshalb ist eine gesunde Skepsis gegenüber dem, was täglich gedruckt, gesendet und online gestellt wird, durchaus angebracht. Wer allerdings von Lügenpresse und Systemmedien redet, müsste schon die Mühe aufbringen, anhand von nachprüfbaren Kriterien zu belegen, wann und wo gegen sie verstoßen wird. Doch das macht Arbeit. Auf einem Marktplatz Lügenpresse zu skandieren ist viel einfacher.

4 2 I n h a l t Das Club- Jahr 4 Mitgliederversammlung 20 Forum Highlights 24 Auch 2015 heißt es Come together im FPC. Ehrengast Bernhard Vogel genießt das Gespräch und ein kühles Bier Titel: Zackaria Bergadi, Samer Ghanem und hazelnut_2630 istock

5 3 Clubreise Baltikum 30 Schwerpunkt Qualitätsjournalismus 44 Die Seitenwechsler 80 Qualitäts- journalismus Im April reisten der FPC und die Mitglieder des Forums Deutscher PresseClubs durch die baltischen Staaten Während die einen den Qualitätsjournalismus verteidigen, bezichtigen andere die Branche als Lügenpresse. Die Medien kämpfen an vielen Fronten

6 4 Kommunikationsort Frankfurter PresseClub Fotos: Rainer Rüffer

7 D a s C l u b - J a h r Z w i s c h e n o r g a n i s i e r t e r K r i m i n a l i t ä t u n d d e m W a h r h e i t s g e h a l t v o n S o c i a l - M e d i a - Q u e l l e n Ein Abend mit FR-Chefredakteurin Bascha Mika rundet das Clubjahr 2014 ab

8 6 Kommunikationsort Frankfurter PresseClub Als der Frankfurter PresseClub 1980 gegründet wurde, startete er als Treffpunkt und Impulsgeber für die Menschen und Macher der Medienbranche. Man traf sich entspannt bei Wein und Wasser mit interessanten Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur, debattierte und ließ sich anregen ganz nach dem Vorbild eines englischen Clubs. Über 30 Jahre später haben sich die Medienlandschaft und das Arbeitsleben von Journalisten gravierend geändert. Das hat sich zuletzt auch im Clubleben bemerkbar gemacht, so dass sich der FPC 2013 zu einer Neupositionierung entschloss. Die Neuausrichtung hat das vergangene Clubjahr geprägt. Trotzdem gab es in dieser Umbruchphase ein kleines, fein ausgewähltes Programm, das spannende Gäste in den Club holte und einen Blick auf gesellschaftliche und medienrelevante Themen warf. Thomas Roth machte den Auftakt als Ehrengast des Neujahrsempfangs. Er erzählte über seine Zeit als ARD-Korrespondent in Südafrika, als Studioleiter in New York und seinen Job als Mister Tagesthemen. MENSCHEN IM KRIEGSGEBIET Berichtet Roth aus der Ferne alltäglich über das gegenwärtige, oft erschütternde Weltgeschehen, ist Rupert Neudeck die meiste Zeit seines Lebens dort vor Ort, wo Menschen in Not sind in Somalia, Vietnam oder wie zuletzt an der türkisch-syrischen Grenze. Der Philosoph, Journalist und Friedensaktivist war im April zu Gast im Club. Er sprach mit seinem Kollegen Christoph Maria Fröhder über Menschen, die vor Krieg und Elend flüchten, und die Pflicht, den Notleidenden zu helfen. Die beiden Journalisten kennen sich aus der Zeit, als sie in den 1970ern jeweils aus Vietnam berichteten: Neudeck für den Deutschlandfunk und Fröhder als Auslandskorrespondent für die ARD. In Vietnam nahm Neudecks tiefgreifendes Engagement für Menschen in Kriegsgebieten seinen Anfang. Die Missstände, die er dort sah, bewegten ihn sehr. Gemeinsam mit seiner Frau und einigen Freunden rief er deshalb die Initiative Cap Anamur ins Leben, die heute 35 Jahre später als gemeinnütziger Verein Cap Anamur Deutsche Not-Ärzte e.v. weiterhin weltweit Hilfe leistet. Damals beschloss Neudeck, einen Frachter, die Cap Anamur, zu chartern und die sogenannten Boat People im Chinesischen Meer zu retten, die vor dem brutalen Regime in Vietnam und den Folgen des chinesisch-vietnamesischen Krieges flohen. Das war Nicht überall stieß sein Engagement auf Zuneigung. Einige unterstellten ihm, dass sein Handeln Flüchtlinge nach Deutschland anziehe. Die Bundesregierung beschloss sogar im Juli 1982 einen Aufnahmestopp, der den Helfern die Hände fesselte, so dass sie ihre Arbeit vorübergehend einstellen mussten. Durch prominente Unterstützung aber, beispielsweise von Heinrich Böll, konnten kurz darauf wieder Rettungsaktionen durchgeführt werden. Der Brückenschlag zu aktuellen Krisengebieten war schnell gemacht, denn das erschütternde Leid der Menschen, die vor einem Krieg fliehen, bleibt stets dasselbe. Doch mit dem Bürgerkrieg in Syrien hat das damit verbundene Elend einen neuen Höhepunkt erreicht. Als Neudeck zu Gast im FPC war, stand der Terror der IS-Milizen noch nicht im Vordergrund. Zu diesem Zeitpunkt allerdings war die Not der Menschen in Syrien nicht mehr zu übertreffen. Neudeck berichtete, dass die Flüchtlingswelle so groß sei wie bei keinem der vergangenen Konflikte der letzten 20 Jahre. Acht Millionen Menschen seien seit 2013 auf der Flucht, die Hälfte der syrischen Bevölkerung. Wer mittellos sei oder keine reichen Verwandten im Ausland habe, strande in 38 Lagern entlang der türkisch-syrischen Grenze. Mit dem Publikum diskutierte er darüber, ob die internationale Politik nichts aus vorangegangenen Konflikten gelernt hätte. Und wie man mit einer Diktatur umgehen könne. Denn Fakt ist, dass unter Baschar al-assads Regime unterschiedliche Konfessionen zusammenleben konnten. Die Religionsvielfalt war geschützt. Es war von Anfang an klar, dass in der Opposition auch al-qaida-ableger aktiv waren. Jetzt aber sagen inzwischen immer mehr Menschen im Kriegsgebiet, dass das Überleben wichtiger sei als das, worauf sie vorher gesetzt hätten: Demokratie, Menschenrechte, Freiheit nach über fünfzig Jahren. DER EURO UND DIE KRISE Während viele Menschen in Teilen der Welt um ihr blankes Leben fürchten müssen, beschäftigt sich die Europäische Union mit der Krise um den Euro, die an ihren Grundfesten rüttelt. Seit der Einführung ist die gemeinsame Währung umstritten. Einige Länder sehen im Euro den Garanten für den Bestand der gesamten EU, andere beklagen sich über die volkswirtschaftlichen Belastungen, die ihnen der Euro und die Einhaltung der damit verbundenen Stabilitätskriterien aufbürde, so das Forum für Qualitätsjournalismus, das gemeinsam mit der Hessischen Zentrale für politische Bildung im April den FQJ.salon Der Euro in den Medien im FPC ausrichtete. Auf dem Podium diskutierten Michael Best von der Deutschen Bundesbank, Peter Ehrlich, Europäische Zentralbank, Dr. Rainer Hank, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, und Robert von Heusinger, DuMont Redaktionsgemeinschaft, über die Rolle der Medien in der Eurodiskussion. ORGANISIERTE KRIMINALITÄT Egbert Bülles schilderte ebenfalls im April, wie sich organisierte Kriminalität inmitten der Gesellschaft ausbreitet. Der ehemalige Oberstaatsanwalt hatte im Oktober 2013 sein Buch Deutschland, Verbrecherland? Mein Einsatz gegen die organisierte Kriminalität herausgebracht, in dem er Insidertipps aus der Unterwelt veröffentlichte. Über 30 Jahre hat Bülles in Köln gegen Mafia-

9 »Wir sparen lieber am Konservierungsmittel. Nicht an der Wirkung.«What is Precious to you? Das ist clariant: spezialchemie, Die Werte schafft Wahre Schönheit kommt von innen. Deshalb arbeiten wir daran, auch Kosmetik schonender zu machen. So auch Velsan SC: Der effiziente Wirkverstärker spart bis zu 50 % Konser vierungs mittel. Und besteht zu 100 % aus natürlichen Rohstoffen, wie Weizen oder Mais. Das ist uns wichtig. what is precious to you?

10 8 Kommunikationsort Frankfurter PresseClub Zu Gast im FPC: Hessens stellvertretender Ministerpräsident Tarek Al-Wazir banden, Rockergangs und Drogenkartelle gekämpft und ist auch jetzt, nach seiner Pensionierung, gegen das Verbrechen aktiv. Das Publikum lauschte gespannt seinen lebendigen Ausführungen über Enkeltrick, Einbruchserien oder den Frauenhandel. Prostitution, Menschen- und Drogenhandel sind auch in Frankfurt Themen, die unter anderem den Hells Angels zugeschrieben werden. HR-Info- Planungschefin und FPC-Vorstandsmitglied Anke Knafla, die als Moderatorin durch den Abend führte, hatte einen kurzen ARD- Einspieler zur organisierten Kriminalität der Rockergang vorbereitet. Bülles warnte in diesem Zusammenhang, dass die kriminellen Netzwerke längst grenzüberschreitend tätig und außerdem sehr erfindungsreich seien. Ermittlungsbehörden hätten im Gegenzug das Problem, dass sie mit dem Rücken zur Wand stehen. Unter den Gästen waren auch Mitglieder vom Bund der deutschen Kriminalbeamten, darunter Kriminalkommissare. Sie bestätigten Bülles Schilderungen und plauderten selbst aus ihrem Alltag. Der Abend wurde lang und endete lauschig im Garten von Herrn Franz. TAREK AL-WAZIR ÜBER DIE SCHWARZ-GRÜNE KOALITION Im September war dann Tarek Al-Wazir zu Gast im Club. Gerhard Kneier, FPC-Vizepräsident und freier Journalist, übernahm die Rolle des Gastgebers und sprach mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten über die schwarz-grüne Koalition. Vor der gemeinsamen Regierungsarbeit gab es heiße Kontroversen zwischen CDU und den Grünen. Jetzt zeigen beide Parteien, dass sie durchaus harmonieren können. Der Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung in Hessen sprach sehr offen über alle angesprochenen Themen, darunter die schwarz-grüne Zusammenarbeit, die ersten Monate seines Wirkens im neuen Regierungsamt, der Frankfurter Flughafen, die Verkehrspolitik in Hessen auf Schiene und Straße. Vieles aus dem eigenen Programm haben die Grünen durchsetzen können. In Sachen Energiewende und Förderung der erneuerbaren Energien streitet Al-Wazir gemeinsam mit CDU-Ministerprä-

11 9 Über Fakes in den Social-Media-Angeboten referiert der Multimediajournalist Konrad Weber sident Bouffier gegen SPD-Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Für die Verkehrswende in Hessen konnten die Weichen gestellt werden. Ziel sei es, eine umweltgerechte, klimaschonende Mobilität auszubauen und damit die Lebensqualität der Menschen zu verbessern sowie den CO 2 -Ausstoß im Verkehr zu senken. Mit Priska Hinz als Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Hessen werde der Ökolandbau stärker fokussiert. Ob es gelingen wird, den Fluglärm bei längerem Nachtflugverbot zu reduzieren, wird der Sommerflugplan 2015 zeigen. Bemerkenswert war, dass Al-Wazir im FPC bereits auf die Ergebnisse des Fraport-Gutachtens für den Bau des dritten Terminals auf dem Frankfurter Flughafen einging, obwohl diese von Fraport erst am nächsten Tag auf einer Pressekonferenz vorgestellt wurden. Prompt berichtete die Frankfurter Neue Presse in der Ausgabe des nächsten Tages. Es gibt also auch exklusive Vorabinfos im Frankfurter PresseClub. VOM WAHRHEITSGEHALT DER NACHRICHTEN IM NETZ Welche Tools für Journalisten im Alltag nützlich sind, um den Inhalt von Social-Media-Angeboten zu verifizeren, darüber gab im Oktober Konrad Weber Auskunft. Der Multimediajournalist arbeitet beim Schweizer Radio und Fernsehen und hat sich auf die Verbindung von neuen Medien mit vertrauten Formen der Berichterstattung spezialisiert hat das Branchenmagazin Schweizer Journalist Weber zum Newcomer des Jahres gekürt. Wie Falschnachrichten in den sozialen Netzwerken ihre Runden drehen, zeigt das Beispiel #GazaUnderAttack. Über diesen Hashtag waren in Twitter im Juli 2014 Fotos verbreitet worden, die angeblich die verheerenden Folgen israelischer Angriffe zeigten. BBC recherchierte, dass viele Fotos nicht nur vor dieser Zeit, sondern auch in anderen Ländern entstanden waren. Dass Social-Media-Quellen kritisch zu überprüfen sind, steht außer Frage. Weber zeigte in seinem Vortrag, wie es geht: Beispielswei-

12 10 Kommunikationsort Frankfurter PresseClub se gelte es zu klären, wer hinter einem Twitter- oder Facebook- Account steckt und ob die Profile authentisch sind. Anke Knafla, die in das Werkstattgespräch einführte, war überrascht, wie wenig Zuspruch dieses aktuelle Thema fand. Unter den wenigen Gästen waren es vor allem die Fotojournalisten, die sich bereits umfassender dem Sujet gewidmet hatten. ROBOTER ALS JOURNALISTEN Dass hinter einer Nachricht ein Mensch als Verfasser steht, ist in Amerika seit 2010 nicht mehr sicher. Damals erzeugten erste von Computerlinguisten programmierte Algorithmen auf Basis von Zahlen und Daten eine einfache Meldung über ein Baseballspiel. Mittlerweile etabliert sich Roboterjournalismus in den USA: Finanzberichte oder Meldungen zu Erdbeben werden automatisch generiert. Auch in Deutschland wird Roboterjournalismus Fuß fassen, das ist nur eine Frage der Zeit. Bereits jetzt sind zwei Unternehmen intensiv damit zugange, entsprechende Angebote auf dem deutschen Markt einzuführen. Eines davon ist text-on. Geschäftsführer Cord Dreyer war Ende Oktober zu Gast im Club und unterhielt sich mit HR-Multimediaredakteur Jan Eggers über Möglichkeiten des automatisierten Journalismus. Die Software von text-on wurde in einem Think Tank erdacht und gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Kommunikation entwickelt, da die amerikanischen Systeme nicht ohne Weiteres für den deutschen Markt adaptiert werden konnten. Cord Dreyer, früher Chefredakteur und Geschäftsführer der Nachrichtenagentur dpad, sagte, dass sich das System beispielsweise für einen Zahlenreport für Kliniken eigne. Die Algorithmen seien schneller in der Lage, Zahlen in einen lesbaren Text zu verwandeln. Bild oben: Jan Eggers, Multimediaredakteur HR Bild unten: Cord Dreyer, Geschäftsführer text-on

13 Zufriedenheit garantiert. Das kostenlose Girokonto jetzt mit Zufriedenheitsgarantie*. Mit Zufriedenheitsgarantie: + zum Start* bei Nichtgefallen* Jetzt in Ihrer Filiale oder unter * Kostenlos nur bei privater Nutzung und ab mind monatl. Geldeingang, sonst 9,90 je Monat. Startguthaben 50 erst nach 3-monatiger Kontonutzung (mind. 5 Buchungen über je 25 oder mehr) und nur, wenn seit 24 Monaten kein Zahlungsverkehrskonto bei der Commerzbank besteht. Zahlung 50 bei Nichtgefallen erst nach regelmäßiger Kontonutzung über mind. 1 Jahr (mind. 5 monatl. Buchungen über je 25 oder mehr) und nachfolgender Kontokündigung unter Angabe von Gründen binnen 15 Monaten nach Kontoeröffnung. Details und Voraussetzungen unter Angebotsänderungen vorbehalten. Stand: März 2015.

14 12 Kommunikationsort Frankfurter PresseClub FPC-Vorstandsmitglied Anke Knafla im Gespräch mit FR-Chefredakteurin Bascha Mika Wie immer, wenn es darum geht, dass Maschinen die Arbeit von Menschen übernehmen, wird das Interesse von ambivalenten Gefühlen begleitet. So war es auch an diesem Abend. Das Publikum war dem Thema gegenüber aufgeschlossen und trotzdem skeptisch. Cord Dreyer machte deutlich, dass Roboterjournalismus nicht den Biojournalismus ersetzen werde. Denn eines könne die Technik nicht: einen lesenswerten, überraschenden Text produzieren zumindest noch nicht. WEITER SO, FR Der Abend mit Bascha Mika im November schloss das Clubprogramm für 2014 ab. Zahlreiche Gäste hatten sich eingefunden, um die Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau zu sehen. Die langjährige taz -Chefredakteurin war im Frühjahr angetreten, um die FR wieder stärker sichtbar zu machen. Eine anspruchsvolle Aufgabe, denn die Frankfurter Rundschau musste bislang einige Krisen überstehen und landete nach der Insolvenz bei der FAZIT- Stiftung, unter deren Ägide auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Frankfurter Neue Presse erscheinen. Mika will beweisen, dass Qualitätsjournalismus eine Zukunft hat, und die Frankfurter Rundschau als traditionelle Zeitung und universelles Medium mit Angeboten aus allen gesellschaftsrelevanten Bereichen ausrichten. Und auch die vielen langjährigen Abonnenten, die an diesem Clubabend da waren, bestärkten sie darin, die FR als linksliberales Blatt mit überregionalem Anspruch und starkem regionalem Standbein weiterzuführen. S t e p h a n i e A u r e l i a R u n g e Freie Redakteurin für Public Relations.

15 Frankfurt spielt in der Champions League der Weltmessen. Weil wir Partner wie den Flughafen haben. Wolfgang Marzin Vorsitzender der Geschäftsführung, Messe Frankfurt GmbH Im vergangenen Jahr machten rund Aussteller und 2,2 Mio. Besucher Frankfurt zum weltweiten Marktplatz, von dem auch das Gastgewerbe, der Einzelhandel und viele andere profitieren. #jazufra

16 14 Kommunikationsort Frankfurter PresseClub E r i n n e r u n g a n e i n e f r i e d - l i c h e R e v o l u t i o n i s t e s e i n V i e r t e l j a h r - h u n d e r t h e r, d a s s s i c h d a s g e t e i l t e D e u t s c h l a n d w i e d e rv e r e i n t h a t. F ü r d e n F P C e i n g u t e r G r u n d, d a s d a m a l i g e E r e i g n i s i n d e n M i t t e l p u n k t d e s N e u j a h r s - e m p f a n g s z u s t e l l e n u n d e i n e n d e r h e r v o r - r a g e n d e n K ö p f e d i e s e r Z e i t a l s E h r e n g a s t e i n z u l a d e n : P r o f e s s o r D r. B e r n h a r d V o g e l h a t v o n b i s a l s M i n i s t e r p r ä s i d e n t d e s F r e i s t a a t e s T h ü r i n g e n a m p o l i t i s c h e n u n d w i r t s c h a f t l i c h e n U m - u n d A u s b a u m i t g e w i r k t. Wer die Vergangenheit nicht kennt Über die Wiedervereinigung zu sprechen, ohne auf die Geschichte davor und die demokratische Entwicklung in Deutschland einzugehen das ist kaum möglich. Und so näherte sich Vogel in seiner Ansprache dem Thema zunächst mit einem Zitat von Golo Mann: Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und wird die Zukunft nicht in den Griff bekommen. Er erinnerte an den Auslöser des Ersten Weltkriegs und das Bestreben, eine demokratische Verfassung zu schaffen. Aus Mangel an genügend Demokraten scheiterte die Bewegung, so Vogel, letztlich an Hitler, der anders als immer behauptet keinesfalls die Macht ergriffen habe, sondern vielmehr freiheitlich vom Volk gewählt wurde. Was dann kam, ist bekannt: Hitler wollte den Krieg und hat ihn mutwillig vom Zaun gebrochen, sagte Vogel. England und Frankreich, die die Entwicklung hätten erkennen können, haben zu lange gezögert. Dass es während der zerstörerischen Diktatur einen Freiheitswillen gegeben habe, habe der 20. Juli 1944 gezeigt. Gemeint war das missglückte Attentat von Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Das Ende des Nationalsozialismus erfolgte doch erst am 8. Mai 1945, dem Tag der totalen Niederlage es war aber auch ein Tag der Befreiung, wie es 1985 der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker im Bundestag ausdrückte. Freiheit vor Einheit Einheit in Freiheit Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs habe der Westen Deutschlands die zweite Chance genutz, sich mit Frankreich auszusöhnen und eine Demokratie aufzubauen. Diese Ziele seien zunächst wichtiger gewesen als die Wiedervereinigung mit Ostdeutschland. Vogel erinnerte an Konrad Adenauers Politik, die Freiheit vor Einheit stellte. Deren Bestätigung sei gewesen, dass letztlich durch die friedliche Revolution der ostdeutschen Bevölkerung die Einheit in Freiheit erreicht wurde. Damit sei auch Lenins These widerlegt worden, dass die Deutschen zur Revolution unfähig seien. Der sowjetische Revolutionsführer hatte behauptet, dass die Deutschen vor dem Sturm auf die Gleisanlagen erst eine Bahnsteigkarte lösen würden. Die Mauer fiel am 9. November 1989, und ein Jahr später konnte die Wiedervereinigung gefeiert werden. Möglich wurde dies nur, weil Michael Gorbatschow sein Militär zurückhielt, vervollständigte Vogel die geschichtlichen Ereignisse. Mit der deut-

17 15 Die Mehrheit des Volkes würde weiterhin positiv über die Wiedervereinigung denken: 77 Prozent der Menschen im Osten und 62 Prozent im Westen. 30 Prozent der heute erwachsenen Bevölkerung wurden nach 1980 geboren. Für sie sei die Wiedervereinigung lediglich ein Teil der Geschichte. 70 Prozent aber wurden von den unterschiedlichen Systemen geprägt. Die Menschen in der damaligen DDR haben versucht, unter der Regierung eines Unrechtsstaates rechtschaffen zu leben. Dafür muss man diesen Menschen Hochachtung zollen. Sie hätten darüber hinaus gelernt, dass Wohlstand hart erarbeitet sein will. Heute gebe es sie, die blühenden Landschen Vereinigung sei zudem die Grundlage für das heutige Europa geschaffen worden. Es war die Voraussetzung, dass nicht nur Nord-, West- und Südeuropa zusammengefunden haben, sondern auch Osteuropa sich anschließen konnte. Von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft Beide deutschen Teile zusammenzuführen, sei keine leichte Aufgabe gewesen: Es gab zwar ein Ministerium für gesamtdeutsche Fragen, ein Ministerium für gesamtdeutsche Antworten gab es nicht, scherzte Vogel. Ostdeutschland und seine Infrastruktur mussten aufgebaut werden. gründen wolle, genau beobachtet werden müsse. Eine Gründung sei zwar legitim, aber die Geschichte hat gezeigt, was passiert, wenn man sich nicht rechtzeitig zu wehren weiß. An dieser Stelle rief er die jüngere Generation auf, sich beherzter politisch zu engagieren. Er schloss mit einem Zitat von Johannes Rau: Die junge Generation ist nicht verantwortlich für die deutsche Vergangenheit, aber für das, was sie aus ihr macht. Nach diesem geschichtlichen Abriss des Politikers, der den Zweiten Weltkrieg als Kind erlebt und später die Geschichte Deutschlands wesentlich mitgeprägt hat, Fotos: Rainer Rüffer FPC-Geschäftsführerin Monica Weber-Nau und Clubpräsident Werner D Inka begrüßen Bernhard Vogel und den hessischen Regierungssprecher Michael Bußer. Bernhard Vogel beeindruckte die Gäste des Neujahrsempfangs mit seiner Rede zur Wiedervereinigung Deutschlands vor 25 Jahren Es galt, ein Gerichtssystem nach demokratischen Grundsätzen zu schaffen und das Bildungssystem zu ändern. Die Leute wollten Englisch lernen, aber es gab keine Lehrer. Und ostdeutsche Politiker hätten lernen müssen, die Bevölkerung demokratisch zu regieren. Anders als von Günter Grass prophezeit sei die Wiedervereinigung nicht gescheitert. Es sei gelungen, Industrielandschaften zu schaffen ein Verdienst der Treuhand, so betonte Vogel, auch wenn sie damals in die Kritik geraten sei. Selbstverständlich würden wir bei einer zweiten Vereinigung vieles besser machen. Fehler seien aber unvermeidbar gewesen, und er stehe zu ihnen. schaften, wenn auch nicht überall. Aber das sei auch im Westen so. Noch bis 2019 laufe der Solidarpakt II. Vogel plädierte für eine weitere Verlängerung, die aber beiden Teilen Deutschlands zukommen sollte. Beobachten und sich engagieren Am Ende seiner Rede ging der ehemalige thüringische Ministerpräsident auf die aktuellen politischen Ereignisse ein. Dass sich ausgerechnet in Dresden Pegida formiere, dort, wo es kaum Ausländer und noch viel weniger Muslime gebe, sei absurd. Ein ernsthaftes Gespräch mit den Rädelsführern käme bei ihren Parolen kaum infrage. Darüber hinaus mahnte Vogel, dass die Partei, die sich aus dieser Bewegung neu wartete feines Fingerfood am Buffet. Bei Wein, Bier und leckeren Spießchen hatten die Gäste Gelegenheit, mit dem Ehrengast persönlich zu sprechen oder mit anderen illustren Gästen wie dem hessischen Staatssekretär und Regierungssprecher Michael Bußer, der mit seiner Kollegin Elke Cezanne den Neujahrsempfang besuchte. Für den FPC bedeutete dieser Abend den Startschuss zur nächsten Clubsaison: mit neuem Programm, abwechslungsreichen Formaten und spannenden Gästen. S t e p h a n i e A u r e l i a R u n g e Freie Redakteurin für Public Relations,

18 16 Kommunikationsort Frankfurter PresseClub J e s u i s C h a r l i e o d e r l i e b e r n i c h t? Foto AdrianHancu istockphoto.com V e r a n s t a l t u n g i m F P C a m 2. F e b r u a r Anlass für die Debatte um Meinungsfreiheit und Pressefreiheit und ihre möglichen Grenzen war der mörderische Akt gegen die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris am 7. Januar 2015, durch den zwölf Menschen ums Leben kamen. Die satirischen Zeichnungen über den Propheten Mohammed gelten als Grund für den Terrorakt. Tausende waren daraufhin mit dem Ruf Je suis Charlie auf die Straßen von Paris und anderswo gegangen, um gegen den Anschlag auf die Redaktion und für Pressefreiheit zu demonstrieren. In der ersten Reihe der Pariser Demonstranten die internationale Politik. Auch in Deutschland war Alarmstimmung in den Redaktionen, vor allem nachdem auch noch kurz danach ein Brandanschlag auf die Berliner Morgenpost verübt worden war von wem auch immer. Doch was sind die Konsequenzen? Werden die Medien in Zukunft aus Angst vor Fanatikern aller Couleur die Griffel fallen lassen und nur noch Unverfängliches bringen? Und umgekehrt: Ist es nicht mal an der Zeit, darüber nachzudenken, dass Menschen verschiedener Religionen und Kulturen auch unterschiedliche Empfindungen haben? Sollte der Staat in Zukunft Gotteslästerung und die Beleidigung verschiedener Gruppen (Juden, Muslime, Behinderte, Homosexuelle, Frauen... ) unter Strafe stellen? Diese und weitere Fragen standen im Zentrum einer Veranstaltung, zu der wir die Karikaturisten Greser & Lenz sowie die Rechtanwältin der Satirezeitung Titanic, Gabriele Rittig, geladen hatten. Moderator war FPC-Präsident und FAZ-Mitherausgeber Werner D Inka. Sind Sie Charlie?, war seine Frage an Achim Greser, und der antwortete prompt: Ich bin Achim. Auch sein Partner Heribert Lenz verneinte und machte klar, dass sie den Charlie-Hype nicht mitgemacht hätten. Gabriele Rittig meinte, nun komme noch mehr Arbeit auf Rechtsanwälte zu, denn nun müsse jeder Witz noch gründlicher auf mögliche Missverständnisse abgeklopft werden. Die Angst, die aktuell bei einigen Kollegen herrsche, nannte Greser Hosenscheißertum. Gabriele Rittig wiederum machte deutlich, dass die Gesetze zum Schutz gegen Volkverhetzung und Beleidigung ausreichten und man keinen 166 StGB (Gotteslästerung) benötige. Das Publikum beteiligte sich mit großer Vehemenz an der Debatte. Man ging davon aus, dass der Anschlag auf das französische Satiremagazin keine Konsequenzen in den Redaktionen haben würde, sicher war man sich allerdings nicht. M O N I C A W E B E R - N A U Geschäftsführerin FPC.

19 WIR MACHEN NACHHALTIGKEIT ZU EINEM VERSPRECHEN. Nachhaltigkeit ist für uns ein elementarer Teil unseres Werteverständnisses und fester Bestandteil unseres Geschäfts zugleich. So sind wir beispielsweise zentraler Finanzierer der Energiewende, prüfen Kredite systematisch auf Nachhaltigkeit und bauen langfristige Bindungen zu unseren Kunden, Partnern und Mitarbeitern auf. Die Ratingagentur oekom research zeichnet dafür die gesamte DZ BANK Gruppe erneut mit dem oekom Prime Status, der höchsten Auszeichnung für nachhaltiges Engagement aus. Erfahren Sie mehr unter»

20 18 Kommunikationsort Frankfurter PresseClub W e r s c h o s s a u f M H 1 7? V e r a n s t a l t u n g i m F P C a m 1 2. M ä r z Am 17. Juli 2014 wurde über der Ostukraine der Malaysia-Airlines-Flug MH17 durch eine Luftabwehrrakete abgeschossen. 298 Menschen fanden dabei den Tod. Mehrere Monate trug das Berliner Recherchebüro Correctiv gemeinsam mit dem Spiegel und dem niederländischen Algemeen Dagblad Fakten zusammen und wertete Indizien aus. Maßgeblich daran beteiligt war Macus Bensmann, der die Recherchearbeit und das Ergebnis Anfang März 2014 im Frankfurter PresseClub vorstellte. Er sei ein unerschrockener Journalist, sagte Rouven Schellenberger zur Einführung. Bensmann gehe der Wahrheit auf den Grund und habe deshalb beinahe sein Leben eingebüßt. Das war 2008, als er in Kasachstan brutal zusammengeschlagen und ausgeraubt wurde. Wenige Jahre zuvor hatte er als einer von wenigen Augenzeugen das Massaker im usbekischen Andischan miterlebt, als Staatschef Islam Karimow Hunderte Menschen bei einer Demonstration erschießen ließ. Über 20 Jahre berichtete Bensmann aus Zentral asien: für die ARD, für Financial Times Deutschland und taz. Seit Juli 2014 war er für Correctiv unterwegs und hat mit neuen und alten Recherchemethoden die Wahrheit über den Abschuss der MH17 akribisch zutage befördert. Eigentlich hätten die spektakulären Ergebnisse im Januar die Titelstory für den Spiegel werden sollen. Dann aber kam Der Anschlag auf die Freiheit Charlie Hebdo dazwischen. Und so blieben die rekonstruierten Ereignisse in der Öffentlichkeit kaum bemerkt. Bensmann schilderte zunächst die Ausgangssituation, die das Rechercheteam vorfand: Der Westen und die Ukraine machten Russland und die Separatisten für den Abschuss verantwortlich und umgekehrt. Die Kriegsparteien hatten sich positioniert und gaben sich gegen- seitig die Schuld. Im Internet kursierten Bilder über den Abschuss und den möglichen Hergang, darunter unglaublich viele Fälschungen. Die Niederlande waren mit der Aufklärung beauftragt, doch der Bericht ließ keine Rückschlüsse zu, wer geschossen hatte und die Schuld für den Tod der Menschen trug. Der Weg durch die Indizienkette Dass es sich bei der Waffe um eine BUK- Rakete handelte, wurde bereits kurz nach der Katastrophe vermutet. BUK ist ein in der Sowjetunion entwickeltes mobiles Flugabwehrraketensystem, mit dem vor allem Panzer am Boden geschützt werden sollen. Sie zerstören Flugzeuge in großer Höhe, bevor diese die Bodentruppen angreifen können. Um sich Gewissheit zu verschaffen, suchte das Rechercheteam einen Militärexperten, der die Ursache für die Schäden an den Flugzeugtrümmern identifizierte. Danach waren Kampfflugzeuge ausgeschlossen, und es schien eindeutig, dass eine BUK-Rakete in fast Metern Höhe explodiert war und das Flugzeug gezwungen hatte, durch einen tödlichen Splitterhagel zu fliegen. Wo aber war die BUK-Rakete hergekommen? Im Gespräch: Marcus Bensmann und Rouven Schellenberger Hier kam die vorangegangene Recherche von Bellingcat zur Hilfe. Das internationale Investigativ-Team um den englischen Journalisten Eliot Higgins hatte durch zahlreiche Spuren im Internet und in sozialen Netzwerken einen Konvoi einer BUK-Einheit ausgemacht. Vor allem waren Fotos, Videos und Einträge interessant, die vor dem 17. Juli veröffentlicht wurden. Hier konnte Bensmann davon ausgehen, dass sie nicht manipuliert worden waren. Um aber eindeutig das Material zu verifizieren, war eine Vor-Ort-Recherche nötig. Zwölf Tage lang suchte Bensmann die Stellen auf, an der die BUK-Einheit vorbeigekommen war, verglich Bilder mit der Situation vor Ort und befragte Zeugen. Danach war der Konvoi in der westrussischen Stadt Kursk gestartet. Später war die BUK-Einheit von der ostukrainischen Stadt Donetzk über Zuhares und Tores nach Snizhne gefahren. Menschen aus einem Vorort der Stadt Snizhne gaben an, gehört zu haben, wie die tödliche Rakete aufstieg, ebenso einen lauten Knall in der Luft. Keiner der Zeugen wollte sich zu erkennen geben. Die Menschen seien sehr ängstlich. Tag für Tag würden sie mit russischer Propaganda beschallt, sagte Bensmann.

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