Umgang mit Betroffenen

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1 Umgang mit Betroffenen Gesprächsführung mit Eltern

2 Gespräch mit den Eltern Allgemeine Bemerkungen zum Thema Sprechen über Gewalt gegen Kinder Gewalt gegen Kinder ist ein hilfloser und sprachloser Versuch, Konflikte zwischen Erwachsenen und Kindern zu bewältigen. Die Aufgabe der HelferInnen ist es, dieser Sprachlosigkeit Möglichkeiten des verbalen Ausdrucks gegenüber zu stellen und damit ein Beispiel zu geben, dass es möglich ist, auch über so Unsagbares wie Gewalt zu sprechen. Aufgrund der gesellschaftlichen Tabuisierung, aufgrund von Schuld- und Schamgefühlen sowie von Angst ist von KlientInnen nicht zu erwarten, dass sie den ersten Schritt machen.

3 Einbeziehung der Eltern wozu? Da Kinder ihre Lebenssituation nicht allein gestalten und verändern können, ist die Kooperation mit den Eltern erforderlich. Unbedingt und möglichst zeitnahe, außer die Information der Eltern würde eine unmittelbare Gefährdung des Kindes /Jugendlichen bedeuten. Oberstes Ziel ist der Schutz und die Sicherheit des Kindes/Jugendlichen. Wenn die Eltern nicht frühzeitig einbezogen werden, besteht die Gefahr, dass sie sich hintergangen und in ihrer Rolle nicht wertgeschätzt fühlen, was die Kooperation mit ihnen erschweren kann.

4 Nach: Fertsch-Röver, J.: Zur Gesprächsführung mit Eltern bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung (durch Eltern) In: Zeitschrift für Kindschaftsrecht und Jugendhilfe, 3/2010 Interesse Wertschätzung Respekt Empathie Beharrlichkeit Fachkraft Eltern

5 Gespräch mit den Eltern - Vorbereitung Reflexion von diversen Informationen, Diagnose, (Einschätzung, ob Misshandlung / Missbrauch oder nicht) Gespräch mit dem Kind: Kind soll vorher informiert werden, dass die Eltern auf das Thema Gewalt angesprochen werden. Kind soll nicht dabei sein.

6 Gespräch mit den Eltern - Vorbereitung Wer spricht mit den Eltern? Wie betroffen bin ich durch die vermutete Gewaltgeschichte? Impulse? Was traue ich mir zu? Ängste? Reflexion bzgl. der Anzahl und Rolle der Gesprächspartner, welche den Eltern gegenüber sitzen. Ziel des Gesprächs: Was will ich erreichen? Es geht nicht um ein Geständnis, sondern darum, mit den Eltern über die dahinterliegenden Konflikte ins Gespräch zu kommen. Rahmen: Wo findet das Gespräch statt? Ruhige, vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre schaffen; störende Einflüsse beseitigen;

7 Gespräch mit den Eltern - Ablauf Sich vorstellen - Grund des Gesprächs ansprechen Informationen / Wahrnehmungen bzgl. d. Kindes, welche Sorgen machen Auffälligkeiten, Verletzungen und Auswirkungen beschreiben Eltern Zeit geben zum Reagieren Event.: Ansprechen, dass diese Verletzungen nicht durch Unfall oder Zufall entstanden sein können. Nicht mit den Eltern über die Ursachen der Verletzung streiten.

8 Gespräch mit den Eltern - Ablauf Mögliche Ängste, Scham- und Schuldgefühle etc. auf Seiten der Eltern ansprechen, wenn diese ev. Abwehrverhalten der Eltern verursachen (Verleugnung; Aggression; Mitleid heischen;...) Ansprechen, dass das vielen Eltern passiert Beziehung zwischen Eltern und Kind und eventuelle Schwierigkeiten ansprechen Hilfsmöglichkeiten für Eltern und Kind aufzeigen

9 Verleugnungs- und Widerstandsformen (nach P. Hutz): Massives Leugnen, Anbieten von häufig wechselnden Erklärungen über die Entstehung der Verletzung: Eltern verwickeln einen in ein Ringen um ein Geständnis (Streiten ist sicherer als sich einlassen) Spaltungsangebot: z. B. Mutter signalisiert, der Vater, von dem sie sich ohnehin trennen will, könnte das Kind misshandelt haben. Sie vermeidet damit die Auseinandersetzung mit ihrem Anteil am Geschehen, löst beim Berater ev. den Impuls aus, sie vor dem gewalttätigen Mann zu schützen. Schnelles Geständnis: ich habe es ohnehin schon zugegeben, was wollen sie noch von mir

10 Verleugnungs- und Widerstandsformen (nach P. Hutz): Angebot der Selbstanzeige: Eltern setzen sich lieber der Polizei aus als sich mit den Hintergründen der Misshandlung zu beschäftigen. Vorwürfe: projektive Abwehr von Schuldgefühlen, Eltern drücken ihre Angst aus, wegen der Misshandlung des Kindes vom Berater schlecht behandelt zu werden. Übertriebene Sorge und Fürsorge für das Kind: Versuch, sich als Super-Eltern zu präsentieren, meinen, sich keinen Fehler leisten zu können. Gegenangriff gegen die HelferInnen, die Institution: Angriff ist die beste Verteidigung, Kämpfen ist sicherer als sich mit eigenen Fahlern/Schwächen beschäftigen

11 Verleugnungs- und Widerstandsformen (nach P. Hutz) Wichtig: nicht gegen den Widerstand oder die Verleugnung anrennen, sondern die Funktion thematisieren. Eltern z.b. anbieten, dass es ja sehr unvorsichtig wäre, mit mir über die wirklichen Geschehnisse zu sprechen, wenn man sich noch nicht gut kennt und nicht einschätzen kann, was die HelferInnen dann tun.

12 Abwehrformen (HelferInnen) Bemuttern/Bevatern: wenn nicht ergänzt durch konfrontativen Anteil, Reduktion der Eltern auf ihren defizitären Teil, sie werden nicht als erwachsen und Träger von Verantwortung wahrgenommen. Aggressiver Anteil der Klienten wird abgespalten. Auseinandersetzung mit dem Misshandlungsgeschehen wird vermieden. Aber: Nachbeelterung ist ein wesentlicher Bestandteil des Beratungsprozesses. Überversorgen, Überschütten mit Hilfsangeboten: aggressiver Anteil des Klienten wird abgespalten. Gleichzeitig Entwertung der Eltern: man traut ihnen nicht zu, selbst irgendwas allein zu schaffen.

13 Abwehrformen (HelferInnen) Abwehrbündnis: sich gemeinsam mit dem Klienten nicht auf die Tragweite der Misshandlung einlassen (Bagatellisieren, Verbrüderung mit dem misshandelnden Elternteil, nur mehr den bedürftigen, aber nicht den aggressiven und potentiell für das Kind gefährlichen Anteil des Klienten wahrnehmen). Bessere-Eltern-Sein-Wollen, Konkurrenz mit dem Klienten: einerseits Modell anbieten, gleichzeitig Entwertung der Eltern, Rettungsimpuls für das Kind schlägt durch. Besser: Rolle des Coach oder Großelternrolle (Eltern unterstützen, damit sie ihre Kinder besser unterstützen können).

14 Widerstand Aus: Fertsch-Röver, J.: Zur Gesprächsführung mit Eltern bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung (durch Eltern) In: Zeitschrift für Kindschaftsrecht und Jugendhilfe, 3/2010 Haben Angst Fühlen sich angegriffen Handlungsdruck Fachkraft Eltern Fühlen sich selbst benachteiligt Fühlen sich in ihrem Selbstbild als gute Eltern beschädigt Wollen ihr schädigendes Verhalten verbergen

15 Gespräch mit den Eltern - Ablauf Eltern über weitere Schritte informieren Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit des Kindes Überweisungen begleiten

16 Hilfreiche Strategien: Bei sehr belastenden oder sehr tabuisierten Themen: beschreiben. z. B Sie haben Ihr Kind geschlagen und es hatte danach einen gebrochenen Arm. Nicht: Sie haben Ihr Kind misshandelt. Bewertungen vermeiden Sorgenmetapher : Symptome, Verletzungen, Verhaltensauffälligkeiten des Kindes machen mir Sorgen, teilen die Eltern diese Sorge?

17 Hilfreiche Strategien: Unterstellen, dass die Eltern das Beste für Ihr Kind wollen, dass es aber nicht immer gelungen ist. Sorge um die Eltern ansprechen: Ich möchte nicht, dass Sie in die Situation kommen, Dinge zu tun, die Ihnen danach leidtun, Ihrem Kind schaden, strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen,..

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