STERNSTUNDEN IM ADVENT

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1 STERNSTUNDEN IM ADVENT Meine Reise nach Betlehem Aufbruch 07. Dezember 2015 Ein grünes Tuch am Anfang des Weges - Bilder der Heimat, des Zuhauses. Ein braunes Tuch als Weg endend vor der Schwärze einer Wand im Ungewissen. Musik erklingt in der Kirche und stimmt in den Abend ein. Eine Stimme spricht: Wir begrüßen Sie alle ganz herzlich zur zweiten Sternstunde im Advent und freuen uns, dass sie heute den Weg hierher gefunden haben. Gemeinsam wollen wir in dieser Adventszeit eine Reise nach Bethlehem wagen, wie Maria und Josef sie gewagt haben. Eine Reise, die die Beiden nicht freiwillig angetreten haben, die sie machen mussten, mit einem Ziel: Bethlehem, und sie wussten nicht, was sie auf dem Weg erwartet. Vielleicht so wie die Menschen, die heute auf der Flucht sind, die meist auch nicht wirklich freiwillig auf dem Weg sind, die gezwungen werden durch Krieg, Terror und Armut ihre Heimat zu verlassen, die hier bei uns ankommen, an einem Ziel, dass sie nicht kennen, von dem sie aber viel erhoffen.

2 Auch wir sind auf einer Reise, einer Reise durch den Advent. Wir laden Sie nun ein mit uns jede Woche ein Stück weiter auf das Ziel unserer Reise im Advent zuzugehen. Einem Ziel, das wir kennen? Oder einem Ziel, dass wir immer wieder neu kennenlernen, neu entdecken dürfen? Musik füllt den Kirchenraum. Eine Stimme liest das Weihnachtsevangelium Lk 2, 1-5 In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum ersten Mal; damals als Quirinius Statthalter von Syrien war. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Eine Stimme erhebt Kritische Anmerkungen: Wenn Maria vorher zum Arzt gegangen wäre, dann gäbe es keine Weihnachtsgeschichte. Keinen Stall, keine Krippe. Keine Tiere. Keine Hirten. Denn der Arzt hätte gesagt: "Viel zu gefährlich!" Schließlich war Maria schwanger. Und wie! Ihr Bauch war dick. Beim Gehen kam sie sofort aus der Puste. In ein paar Wochen sollte sie ihr Kind bekommen. Da konnte sie doch jetzt nicht mehr aus ihrem Heimatdorf Nazareth bis nach Bethlehem laufen! Das waren 130 Kilometer. In Galiläa und Judäa, wo Maria und ihr Verlobter Josef wohnten, kamen auch noch Berge dazu.

3 Aber Maria ging nicht zum Arzt. Wie auch? Vor 2000 Jahren gab es gar keinen Arzt in ihrem kleinen Dorf Nazareth. Und selbst wenn es einen gegeben hätte: Maria hätte nicht auf ihn gehört. Denn sie musste nach Bethlehem. Befehl vom Kaiser Augustus. Sie hatte nicht die Wahl, sie musste sich auf den Weg machen, ob sie wollte oder nicht. Es gab zwingende Gründe für diese Wanderung für diesen Aufbruch ins Unbekannte. Ein gemeinsames Lied: Hoffen wider alle Hoffnung (GL 829) Eine Stimme liest Marias Gedanken: Welche Gedanken hat sich Maria wohl gemacht, als der Befehl kam? Als klar wurde, sie musste gehen, egal ob sie wollte oder nicht. Welche Gedanken würden wir uns machen? kurze Stille Was muss ich einpacken, was ist wichtig? Wie viel kann ich mitnehmen? Ob es für das Nötigste reicht? Ich muss mich entscheiden, ein Ersatzgewand, meine Papiere, Decken, Kissen, das wird zuviel! Das Nötigste für das Kind muss ja auch noch mit, wie viel brauche ich da, wo wird es wohl geboren? Windeln, Decken, Kleidung, ich schaff das nicht. Essen und Trinken auch noch, wie lange sind wir wohl unterwegs Wie soll ich das alles tragen? Wann werden wir wieder Zuhause sein?

4 Eine Stimme liest Gedanken eines Flüchtlings: Welche Gedanken hat wohl ein Mensch, der sich heute auf die Flucht begibt? Der weiß, ich komme vielleicht nie mehr zurück, ich fliehe vor Gewalt, Krieg, Tod oder Hunger. Was muss ich einpacken, was ist wichtig? Wie viel kann ich mitnehmen? Ob es für das nötigste reicht? Ich muss mich entscheiden, einmal Ersatzkleidung, meine Papiere, Decken, Kissen, das wird zuviel! Kann ich überhaupt mehr mitnehmen als Papiere und mein Geld? Habe ich Zeit, das einzupacken oder muss ich sofort fliehen? Essen, Trinken, was kann ich einpacken, wie lange bin ich unterwegs, wie lange wird es reichen? Wie viel kann ich tragen? Wer kann alles mit mir gehen? Oder muss ich allein gehen? Was wird aus meiner Familie, meinen Angehörigen? Werde ich sie jemals wiedersehen? Werde ich jemals zurückkommen? Musik erklingt und rahmt diese Gedanken. Ein meditativer Text lädt zum Aufbruch ein: Aufbrechen trotz aller Bedenken trotz aller Schwierigkeiten trotz aller Barrieren trotz aller Drohungen trotz aller Gefahren Trotz allem den Weg gehen, miteinander planen, füreinander da sein

5 glauben, dass Neues möglich ist. Den Weg suchen, jeden Tag von neuem mit allen Möglichkeiten trotz aller Schwierigkeiten Den Weg akzeptieren, auch wenn andere es leichter haben auch wenn er extrem fordernd ist, auch wenn manches auf dem Weg nicht zu verstehen ist. Den Weg gehen, auch wenn er steil und steinig ist, auch wenn Hindernisse ihn erschweren auch wenn man sich alleine fühlt Auf dem Weg bleiben, trotz aller Versuchungen, sich selber treu bleiben und so das Ziel erreichen. Eine Stimme deutet das Gehörte: Auf diesem Weg waren damals Maria und Josef, sind aufgebrochen und haben den Weg gewagt. Auf diesem Weg gehen heute die Flüchtlinge, brechen auf und gehen ins Ungewisse und hoffen auf eine bessere Zukunft. Auf diesen Weg sollen auch wir uns machen, auf den Weg durch diesen Advent. Auf den Weg hin zum Weihnachtsfest. Auch für uns kann dieser Weg beschwerlich sein, vielleicht nicht körperlich, aber dann, wenn ich mich wirklich auf Jesus einlassen will, mich selber in Frage stelle und mich neu finde, mir Zeit nehme für Gott und mein Handeln und Denken überprüfe, dabei ehrlich bin mit mir selber,

6 ist auch das eine Herausforderung die ich annehmen kann und muss. Ich soll mich aufmachen, losgehen, aufbrechen, hin zu mehr Menschlichkeit, mehr Frieden, mehr Miteinander, hin zur Krippe, zur Geburt Jesu, der uns immer wieder ein Hoffnungszeichen ist. Musik klingt in die Stille hinein. Der Abend endet mit dem Schlusssegen: Der Herr segne dich und behüte dich. Er schaffe dir Rat und Schutz in allen Ängsten. Er gebe dir den Mut, aufzubrechen und die Kraft, neue Wege zu gehen. Er schenke dir Gewissheit, heimzukommen. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei dir gnädig. Gott sei Licht auf deinem Wege. Er sei bei Dir, wenn du Umwege und Irrwege gehst. Er nehme dich bei der Hand und gebe dir viele Zeichen seiner Nähe. Er erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden: Ganzsein von Seele und Leib. Das Bewusstsein der Geborgenheit. Ein Vertrauen, das immer größer wird und sich nicht beirren lässt. So segne dich Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen Auf der Basis des Konzepts zur zweiten Sternstunde 2015 von Heike Wegmann. Redaktionell bearbeitet von Jesaja Michael Wiegard

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