Standards zur individuellen Eingewöhnung von Kindern in Tageseinrichtungen der Stadt Reutlingen. Sozialamt - Tagesbetreuung für Kinder

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1 Standards zur individuellen Eingewöhnung von Kindern in Tageseinrichtungen der Stadt Reutlingen Sozialamt - Tagesbetreuung für Kinder

2 Inhaltsverzeichnis Einleitung Neu sein, neugierig sein...2 Neu sein der Anfang in einer Tageseinrichtung, eine Herausforderung für das Kind, die Eltern, die sozialpädagogischen Fachkräfte und die Gruppe...3 Hauptteil Die Eingewöhnungsphase, die bewusste Gestaltung des Übergangs...7 Die Phasen der Eingewöhnung für Kleinkinder, Kindergarten- und Hortkinder...8 Wichtige Aspekte der Eingewöhnungsphase im Überblick...16 Grundsätze zur Organisation der Eingewöhnungsphase in Tageseinrichtungen der Stadt Reutlingen...26 Materialien Instrumente und Arbeitshilfen Zur Bindungstheorie...44 Informationen für Eltern Zum Weiterlesen...61 Impressum

3 Neu sein, neugierig sein Spannendes entdecken, aber auch Verunsicherung spüren, sich fremd fühlen das sind die Momente, die den ersten Tag in einer Tageseinrichtung für ein Kind und seine Eltern füllen. Es ist inzwischen unumstritten, wie wichtig ein guter Start für Kinder, Eltern und sozialpädagogische Fachkräfte in Tageseinrichtungen für Kinder ist. Wissenschaftliche Erkenntnisse haben gezeigt, dass die bewusste und sorgfältige Ausgestaltung dieses Starts, die sogenannte Eingewöhnungsphase, entscheidende Auswirkungen auf die weitere Entwicklung eines Kindes hat. Die Leiterinnen der drei städtischen Tageseinrichtungen Planie 32, Emilienkrippe und Gmindersdorf haben zusammen mit ihren Teams diese Erkenntnisse für die Praxis bearbeitet, Best-practice-Beispiele aus Projekten und Tageseinrichtungen anderer Träger ausgewertet und Eingewöhnungsmodelle in den eigenen Tageseinrichtungen erprobt. Mit den Standards zur individuellen Eingewöhnung ist eine sowohl an den Entwicklungsbedürfnissen der Kinder wie dem Alltag in der Tageseinrichtung orientierte Arbeitshilfe entstanden. Herzlichen Dank! Mit dem Kindergartenjahr 2006/2007 werden die Standards verbindlich in allen Tageseinrichtungen der Stadt Reutlingen eingeführt und ein weiterer Schritt im Prozess der Qualitätsentwicklung vollzogen. Robert Hahn Bürgermeister 2

4 Neu sein der Anfang in einer Tageseinrichtung, eine Herausforderung für das Kind, die Eltern, die sozialpädagogischen Fachkräfte und die Gruppe Neu sein, Vertrautes verlassen, sich auf eine neue Situation einstellen, neue Beziehungen eingehen, sind Momente, die uns als Erwachsene herausfordern. Für ein Kind stellt die Aufnahme in eine Tageseinrichtung eine vergleichbare Situation dar. Das Kind wird neue, eigene Wege gehen, neue Beziehungen zu Erwachsenen aufbauen, Kinder verschiedenen Alters kennen lernen. Das Kind wird sich in einen ihm unbekannten Tagesablauf einfinden, neue Gewohnheiten entwickeln, sich viel Neues erschließen und damit für sich Vertrautheit herstellen. Für diesen Prozess benötigt ein Kind Zeit und Raum sich einzugewöhnen. Für Eltern bedeutet die Aufnahme ihres Kindes in eine Tageseinrichtung ebenso eine Veränderung. Häufig ist es der erste Lebensabschnitt, der nicht mehr ausschließlich gemeinsam zwischen Kind und Eltern gestaltet wird. Das Kind wird selbständiger. Sozialpädagogische Fachkräfte werden zu wichtigen, neuen Bindungs- und Bezugspersonen. Für sozialpädagogische Fachkräfte ist die Aufnahme eines Kindes und seiner Eltern in die Tageseinrichtung bei jedem Kind eine neue Aufgabe. Es gilt, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, dabei die Eltern mit ihren Werten in der Erziehung ihres Kindes kennen zu lernen und gemeinsam die Basis für die Erziehungspartnerschaft zu gründen. Es geht darum, ein Kind mit seiner kleinen persönlichen Geschichte, seinen Vorlieben und Ängsten behutsam kennen zu lernen und ihm Orientierung und Sicherheit in der Tageseinrichtung zu vermitteln. Für die Kindergruppe ist die Aufnahme eines neuen Kindes spannend. Neue Freundschaften entstehen, ein neues Mitglied in der Gruppe verändert die Rollen und Spielpartnerschaften. Das neue Kind bringt Kompetenzen, Interessen und Ideen mit, die alle anregen, vielleicht auch eine andere Sprache und eine andere Kultur. 3

5 Die Fragen des Anfangs 1 Kind zu Mutter/Vater Wirst du mich in dieser Fremde allein lassen? Wirst du meine Angst verstehen, weil alles für mich fremd ist? Wirst du so lange bei mir bleiben, bis ich hier vertraut bin? Wirst du auch meine Neugier verstehen und mich ausprobieren lassen? Bist du einverstanden, dass ich gerne hier bin, wenn ich mich nicht mehr so fremd fühle? Magst du meine Erzieherin? Mutter/Vater zu Kind Wirst du ohne mich zurechtkommen? Wirst du mich vermissen? Wirst du die Erzieherin lieber mögen? Wird es dir hier gut gehen? 1 Vgl. Laewen/Andres Ohne Eltern geht es nicht, Luchterhand 2000, S. 22 ff. Ziesche, Ulrike Werkstatthandbuch zur Qualitätsentwicklung in Kindertagesstätten, Luchterhand 1999, S. 51 4

6 Die Fragen des Anfangs 2 Kind zu Erzieherin Wirst du mir Zeit lassen, dich kennen zu lernen? Wirst du mich beschützen und unterstützen? Wirst du mich trösten, wenn ich traurig bin? Wirst du meine Mutter/meinen Vater mögen? Erzieherin zu Kind Wirst du leicht Zugang zu mir finden? Werde ich deine Signale verstehen und herausfinden können, was ganz besonders du brauchst? Wirst du mit den anderen Kindern zurechtkommen? Wirst du dich hier gut einfinden? 2 Vgl. Laewen/Andres Ohne Eltern geht es nicht, Luchterhand 2000, S. 22 ff. Ziesche, Ulrike Werkstatthandbuch zur Qualitätsentwicklung in Kindertagesstätten, Luchterhand 1999, S. 51 5

7 Die Fragen des Anfangs 3 Erzieherin zu Mutter/Vater Wird sie mich als Erzieherin ihres Kindes akzeptieren? Wird sie offen sein für Gespräche mit mir? Empfindet sie mich als Konkurrentin oder Partnerin? Wie bewertet sie meine Art zu arbeiten? Mutter/Vater zu Erzieherin Wird sie mein Kind mögen und verstehen? Kann ich von meinen Ängsten und Zweifeln sprechen? Kann ich vielleicht gar von meinem Misstrauen sprechen? Wird sie mein Kind an sich reißen? Wird sie in Konkurrenz zu mir treten? 3 Vgl. Laewen/Andres Ohne Eltern geht es nicht, Luchterhand 2000, S. 22 ff. Ziesche, Ulrike Werkstatthandbuch zur Qualitätsentwicklung in Kindertagesstätten, Luchterhand 1999, S. 51 6

8 Die Eingewöhnungsphase, die bewusste Gestaltung des Übergangs Die Eingewöhnung eines Kindes in einer Tageseinrichtung stellt also für alle Beteiligten eine besondere Situation dar. Die Veränderungen, die mit dem Übergang in die Tageseinrichtung für das kleine Kind entstehen, fordern diesem hohe Lern- und Anpassungsleistungen 4 ab, die auch für ältere Kinder mit erheblichem Stress verbunden sind. Die aktive Beteiligung eines Elternteils bzw. einer engen vertrauten Person, die sogenannte Bindungsperson, am Eingewöhnungsprozess stellt daher eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen dar. Sie begleitet das Kind, bis es eine tragfähige, eigenständige Beziehung zur Erzieherin aufgebaut hat. Allen Beteiligten ist bewusst, dass es im individuellen Eingewöhnungsprozess immer wieder zu Veränderungen kommen kann. Das einzelne Kind bestimmt mit seinem Verhalten, seinen Aktionen und Reaktionen in der Tageseinrichtung die konkrete Situation seiner Eingewöhnung. Die Dauer der Eingewöhnungszeit hängt vom Alter des Kindes, seinem Entwicklungsstand und seinen Vorerfahrungen ab, die es mit anderen Menschen und mit bisherigen Trennungssituationen gemacht hat. Im Alter von 0 bis 3 Jahren beträgt sie erfahrungsgemäß drei, bei 3- bis 6-Jährigen zwei Wochen und bei Schulkindern, die in den Hort wechseln, 2 bis 4 Tage. Manchmal können unvorhersehbare Situationen eintreten, die eine Verlängerung der Eingewöhnungszeit erfordern, z. B. aufgrund der Erkrankung des Kindes. 4 Vgl. Laewen/Andres Ohne Eltern geht es nicht, Luchterhand 2000, S. 22 ff. 7

9 Für Kinder mit Migrationshintergrund ist die Situation der sogenannten doppelten Fremdheit in der Eingewöhnung zu berücksichtigen. Neben den eingangs beschriebenen Momenten des Sich-fremd- Fühlens erleben diese Kinder eine fremde sprachliche Umgebung, ggf andere Gerüche, Speisen, eine andere Kultur. Hieraus kann eine Potenzierung von Unbekanntem entstehen, die beim individuellen Eingewöhnungsverlauf berücksichtigt werden muss. Bei der Eingewöhnung von Kindern mit Behinderung ist die fachliche Unterstützung der interdisziplinären Frühförderstelle bzw. des Fachdienstes für Beratung und Inklusion (FABI) hinzuzuziehen. Die Phasen der Eingewöhnung für Kleinkinder, Kindergarten- und Hortkinder In Anlehnung an das sogenannte INFANS-Modell für eine kindgerechte Gestaltung der Eingewöhnungsphase 5 und den Qualitätsstandards zur Eingewöhnung von Ulrike Ziesche 6 wurden in den drei Teams die folgenden Phasen der Eingewöhnung für die drei größeren Entwicklungsstufen erarbeitet und erprobt. Als konkrete Hilfestellung für sozialpädagogische Fachkräfte und Eltern sind die Zielsetzungen und Merkmale der einzelnen Phasen konkret beschrieben. 5 vgl. Laewen/Andres 6 vgl. Ziesche in Werkstatthandbuch zur Qualitätsentwicklung in Kindertagesstätten, Luchterhand 1999, S. 65 ff. 8

10 Die Fragen des Anfangs 7 Kind zur Gruppe der anderen Kinder Werdet ihr mir Zeit lassen, um euch kennen zu lernen? Lasst ihr mich mitspielen und teilhaben an euren Spielen? Werdet ihr mir helfen, in der Gruppe zurechtzukommen? Werde ich in der Gruppe Freunde finden? Werdet ihr mit mir teilen? Gruppe zum neuen Kind Willst du uns kennen lernen? Wirst du dich bei uns wohlfühlen und uns mögen? Wirst du unser Spiel achten und nichts kaputtmachen? 7 C. Blankenhorn-Scholz, Kita Gmindersdorf, in Anlehnung an Ziesche, Laewen/Andres, Reutlingen

11 0,5-3 Jahre 3 + Jahre 6 + Jahre Dauer der Eingewöhnung 15 Tage (3 Wochen) 1. Tag Grundphase: 2. Tag (in der Regel) Eltern begleiten das Kind Kennenlernen der päd. Fachkraft Kennenlernen der Spielräume Konzentration auf das Kind Annäherungsphase ans Kind Beobachtung des Kindes (Zeit: ca. 1,5 Std.) Näheres Kennenlernen der päd. Fachkraft Die päd. Fachkraft bietet sich behutsam dem Eingewöhnungskind an Interessen des Kindes werden aufgenommen, vorbereitete Umgebung Intensivierung des Kontakts (Zeit: 1-2 Std.) 3. Tag Bindungsperson tritt immer mehr in den Hintergrund Kind wird aktiver Päd. Fachkraft wird aktiver (Zeit: 2-2,5 Std.) 10 Tage (2 Wochen) Grundphase: Siehe 0,5-3 Jahre 2 Tage Gegenseitiges Kennenlernen von Kind und päd. Fachkraft Kind wird mit allen Örtlichkeiten, Regeln, Tagesstruktur... vertraut gemacht. Vorlieben des Kindes werden aufgegriffen Empfehlung: Kinder übernehmen Patenschaften für neues Kind Siehe 0,5-3 Jahre Intensives Kennenlernen Siehe 0,5-3 Jahre Aktives Einleben in die Kindergruppe Eingewöhnung in der Regel abgeschlossen 10

12 0,5-3 Jahre 3 + Jahre 6 + Jahre 4. bis 10. Tag (in der Regel) 10. bis 15. Tag (in der Regel) Stabilisierungsphase: Steigerung der Anwesenheitszeit Erste Trennung (Bindungsperson ist in unmittelbarer Nähe, doch für das Kind nicht sichtbar) Richtwert: max. 0,5 Std. Verhalten des Kindes bei der Trennung bestimmt weitere Vorgehensweisen Schlussphase: Bindungsperson ist erreichbar Stand der Bindung des Kindes zur päd. Fachkraft und Einrichtung Heranführung an die Besonderheiten eines Kita-Alltags, z. B. Frühdienst, Frühstück Langsame Heranführung an die tatsächlich gebuchte Buchungszeit Einbeziehung einer zweiten pädagogischen Fachkraft (Tandem) Stabilisierungsphase: Bindungsperson entfernt sich für kurze Zeit Verlängerung der Trennung bis zum 8. Tag Langsame Annäherung an die Öffnungszeiten der Einrichtung 11

13 Grundphase Die behutsame, gemeinsame Annäherung wird ermöglicht. In Anwesenheit der Mutter intensiviert sich der Kontakt zwischen päd. Fachkraft und Kind. 12

14 Stabilisierungsphase Die erste kurze Trennung von der Mutter kann erfolgen. Die Mutter zieht sich in der Tageseinrichtung zurück; ist bei Bedarf sofort da. 13

15 Schlussphase Alle Abschnitte des Alltags werden Schritt für Schritt eingeführt. Die Grundbedürfnisse des Kindes werden beachtet. 14

16 Ich lasse mich von meiner Bezugsperson trösten die Eingewöhnung ist erfolgreich verlaufen. Das bewusste Abschiednehmen gehört jeden Tag verbindlich dazu. 15

17 Wichtige Aspekte der Eingewöhnungsphase im Überblick 0,5 3 Jahre 3 + Jahre 6 + Jahre Wickeln Nach dem Berliner Modell Sauberkeitserziehung Einbeziehung einer zweiten päd. Fachkraft Essen 1. Mahlzeit ab dem 4./5. Tag Rituale und Übergangsobjekte Päd. Fachkraft isst mit dem Kind in der Gruppe Fester Sitzplatz Übergangsobjekt (Schnulli, Kuscheltier, Kissen/Zipfel, Auto...) von zu Hause Abschiedsrituale z. B. Winken am Fenster... Tagesstruktur Trennungsobjekt Berliner Modell Abhängig vom Stand der Sauberkeitserziehung Toiletten kennen lernen Begleitung durch päd. Fachkraft Wechselwäsche Siehe 0,5-3 Jahre Empfehlung: Separates Jungen- und Mädchen-Klo Ab dem 1. Tag Siehe 0,5-3 Jahre Bekanntmachen mit Ritualen der Gruppe Übergangsobjekt 16

18 0,5 3 Jahre 3 + Jahre 6 + Jahre Schlafen Begleitung durch päd. Fachkraft Bindungsperson ist in der Einrichtung erreichbar Das Eingewöhnungskind hat ein eigenes Bett und einen festen Schlafplatz Die Bindungsperson empfängt das Kind beim Aufwachen Elternarbeit Erstinformation (Infos und kurzes Kennenlernen der Tageseinrichtung) Eingewöhnungsgespräch (Leitfaden für Aufnahmegespräche) Rolle der Eltern in der Eingewöhnung, Begleitung durch päd. Fachkraft Tür- und Angelgespräche (regelmäßiger Austausch über das Kind und Befinden der Eltern) Abschlussgespräch (nach 4 Wochen) Eingewöhnungstagebuch Siehe 0,5-3 Jahre Ruhen: je nach Alter des Kindes und Verweildauer in der Einrichtung Siehe 0,5 3 Jahre Eingewöhnungsgespräch Tür- und Angelgespräche Abschlussgespräch Empfehlung: Informationsnachmittag für neue Kinder und Eltern 17

19 Ein Übergangsobjekt......begleitet hilfreich den täglichen Start. Eine Puppe, der Schnuller, ein Tuch, ein besonderes Bilderbuch, das Lieblingsauto... 18

20 Empfangen werden......jeden Tag in vergleichbarer Weise gibt Sicherheit für das Abschiednehmen vom Vater / von der Mutter. Ein Abschiedsritual, wie das Winken vom Arm der Bezugserzieherin ist das verlässliche Zeichen nun bleibe ich da und mein Vater/ meine Mutter geht. 19

21 Wickeln in der Eingewöhnung Die Mutter / der Vater wickelt das Kind in Anwesenheit der Bezugserzieherin. Gewohnheiten können vermittelt werden. Die Bezugserzieherin wickelt das Kind in Anwesenheit der Mutter. Das Kind bekommt von seiner Mutter / seinem Vater vermittelt, es ist o.k., dass du von ihr versorgt wirst. 20

22 Das Schlafen in der Eingewöhnung wird von der Mutter unterstützt. Das Kind hat einen festen Schlafplatz und vertraute Gegenstände. Es wird von der Bezugserzieherin und der Mutter ausgeschlafen begrüßt. Die Erziehungspartnerschaft entwickelt sich mit dem Aufnahmegespräch, der gemeinsam gestalteten Eingewöhnungszeit und der Abschlussreflexion der Eingewöhnung. 21

23 Die Erziehungspartnerschaft drückt sich auch im täglichen Tür-Angel-Kontakt aus. 22

24 Essen in der Eingewöhnung Die Mutter führt die Erzieherin in die Gewohnheiten des Kindes ein. Das Kind lernt behutsam die Essenssituation in der Tageseinrichtung kennen. 23

25 Ein gut strukturierter Tagesablauf mit überschaubaren Zeiteinheiten und Ritualen als Zeichen des Übergangs von Tagesabschnitt zu Tagesabschnitt geben Orientierung und damit Sicherheit in der Eingewöhnung. 24

26 Die ersten eigenen Geh- und Spielversuche in der Gruppe erfolgen in dem vom Kind gewählten Funktionsbereich. Hier fühlt es sich sicher. 25

27 Grundsätze zur Organisation der Eingewöhnungsphase in Tageseinrichtungen der Stadt Reutlingen Vor der Aufnahme in die Tageseinrichtung steht ein ausführliches Aufnahmegespräch, in dem die Eltern mit Hilfe des Leitfadens der zukünftigen Bezugserzieherin/dem zukünftigen Bezugserzieher ihres Kindes umfassend Auskunft über das Kind, seine Vorlieben, Eigenschaften, über Krankheiten und andere Besonderheiten berichten. Die Eltern werden in diesem Gespräch alternativ in einem besonderen Elternabend bzw. durch eine spezifische Informationsveranstaltung über die Grundsätze der Eingewöhnung informiert. Die Kinder werden gestaffelt aufgenommen, um die Aufmerksamkeit der sozialpädagogischen Fachkräfte auf das neue Kind/die neuen Kinder zu konzentrieren (vgl. Aufnahmeplanung). Es wird darauf geachtet, dass eine Bezugserzieherin/ein Bezugserzieher nie mehrere Kinder gleichzeitig eingewöhnt. Der Eingewöhnungsprozess erfordert eine organisatorische Vorbereitung, an deren Erfordernissen insbesondere der Dienstplan der sozialpädagogischen Fachkraft sorgfältig auszurichten ist. Die Bezugserzieherin/Der Bezugserzieher, die/der das Kind im Eingewöhnungsprozess begleitet, sollte während der ganzen Aufenthaltsdauer des Kindes anwesend sein. Urlaub und Fortbildung kann in dieser Phase nicht genehmigt werden. Es ist zu empfehlen, eine zweite sozialpädagogische Fachkraft im Tandem nach einigen Tagen mit in den Eingewöhnungsprozess einzubinden, um bei Ausfall der Bezugserzieherin/des Bezugserziehers besser einspringen zu können. Der Wechsel der Bezugserzieherin/des Bezugserziehers sollte jedoch nur in Ausnahmefällen in Betracht gezogen werden. Hierzu gehört zum Beispiel, wenn deutlich wird, dass das Kind keinen Draht zur ausgewählten Bezugserzieherin/zum ausgewählten Bezugserzieher findet. Die Eingewöhnung sollte nicht direkt vor Aufnahme der Berufstätigkeit der Eltern stattfinden. Es empfiehlt sich, dass die Aufnahme der Berufstätigkeit dann erfolgt, wenn die Eingewöhnung erfolgreich verlaufen und sich die neue Lebenssituation konsolidiert hat. Die Lebenssituation der Familie muss damit in der o. a. Aufnahmeplanung Berücksichtigung finden. Im Eingewöhnungsprozess kann es immer wieder zu Veränderungen kommen, wie Krankheit des Kindes usw. In diesem Falle sollte mit der Leitung ein neuer Eingewöhnungsplan vereinbart werden. 26

28 Ein Eingewöhnungsprozess sollte nicht kurz vor Schließzeiten (Ferien in der Einrichtung) begonnen werden. Der erste Trennungsversuch darf nie an einem Montag stattfinden (das Kind benötigt eine gewisse Anlaufzeit nach dem Wochenende). Regelmäßige Schnuppertage mit den Eltern an ausgesuchten Tagen (z. B. am Nachmittag) vor dem Eingewöhnungsprozess ermöglichen ein Kennenlernen der Räumlichkeiten und der sozialpädagogischen Fachkräfte. Für die Eltern besteht die Möglichkeit, sich zu informieren. Eltern wird der Aufenthalt in der Tageseinrichtung u. U. erleichtert, wenn sie in den Tagesablauf mit einbezogen werden und auch kleine Aufgaben für die Gruppe übernehmen. Bei der Raumgestaltung wird darauf geachtet, dass es Bereiche zum Aufenthalt der Eltern gibt. Die Eltern können im Vorfeld in Form eines Elternabends/-treffs über die Phasen der Eingewöhnung informiert werden; dies kann auch das Aufnahmegespräch inhaltlich entlasten. Die Bezugserzieherin/Der Bezugserzieher führt über jedes Kind ein sogenanntes Eingewöhnungstagesbuch 8, in dem der individuelle Eingewöhnungsverlauf dokumentiert wird. Zum Abschluss der Eingewöhnungsphase, bei Kleinkindern spätestens nach 6 Wochen (bei älteren Kindern entsprechend früher), findet ein Reflexionsgespräch statt, auf das sich beide Gesprächspartner/-innen mit den entsprechenden Reflexionsbögen vorbereiten. 8 alle hier erwähnten Materialien und Schritte vgl. aus Kercher, Höhn in Arbeitshilfe 2 plus, KVJS Ba.-Wü

29 Die Fragen des Anfangs 9 Die Eltern an den Träger Werden Sie dafür Sorge tragen, dass mein/unser Kind eine sichere und anregungsreiche Umgebung in der Tageseinrichtung vorfindet? Bereiten Sie Ihr Fachpersonal auf die wichtigen Aufgaben gut vor und unterstützen Sie es bei fachlich schwierigen Situationen? Schaffen Sie Rahmenbedingungen, die die Kontinuität der Beziehung zwischen Kind und Erzieherin ermöglichen? Der Träger an die Eltern Werden Sie sich in unserer Tageseinrichtung wohlfühlen, sie als Lebensort auf Zeit für ihr Kind und sich verstehen? Werden Sie unsere Grundsätze zur Eingewöhnung schätzen und diese mitgestalten? Werden Sie den Eingewöhnungsrhythmus Ihres Kindes mitbegleiten können? 9 K. Höhn, Sozialamt Reutlingen, in Anlehnung an Ziesche, Laewen/Andres, Reutlingen

30 Folgende Instrumente und Arbeitshilfen werden vom pädagogischen Personal eingesetzt: vor, während und nach dem Eingewöhnungsprozess Beim ersten Gespräch dient als Arbeitshilfe der Leitfaden Aufnahmegespräch 10 Während des Eingewöhnungsprozesses führen die sozialpädagogischen Fachkräfte ein Eingewöhnungstagebuch Am Ende der Eingewöhnung dienen als Arbeitshilfe und als Basis für das Reflexionsgespräch mit den Eltern die Materialien zur Reflexion der Eingewöhnung. Die sozialpädagogischen Fachkräfte nutzen den Bogen zur Aufnahmeplanung für die internen Organisationsprozesse zur unterjährigen Aufnahme. 10 vgl. alle angegebenen Materialien aus Kercher, Höhn Arbeitshilfe 2 plus, KVJS Ba.-Wü

31 Impressum Stadt Reutlingen Sozialamt Abt. Tagesbetreuung für Kinder Marktplatz Reutlingen Arbeitsgruppe: Martina Albert, Leiterin Kita Emilienkrippe Cornelia Blankenhorn-Scholz, stellv. Leiterin Kita Gmindersdorf Carina Wester, Leiterin Burkhardt Kinderhaus Planie 32 unter Mitwirkung von: Marijana Adamovic, Burkhardt Kinderhaus Planie 32 Anja Erthel, Kita Gmindersdorf Stefanie Fuchs, Kita Emilienkrippe Birgit Furkert Burkhardt-Kinderhaus Planie 32 Kurt Nikelski, Kita Gmindersdorf Carola Schwerttner, Kindergarten Laura-Schradin Weg Jasmin Staneker, Kita Emilienkrippe Linda Werz, KiTa Gmindersdorf Wir danken den Familien: Lenweder Andler Kretzschmar Texte: Cornelia Blankenhorn-Scholz, stellv. Leiterin Kita Gmindersdorf Kariane Höhn, Abteilungsleiterin Tagesbetreuung für Kinder Carina Wester, Leiterin Burkhardt-Kinderhaus Planie 32 Redaktionelle Bearbeitung: Kariane Höhn Mareike Ziegler Mit Begleitung von: Christine Hemmerich, Konzeption und Gestaltung Tübingen. Fotos: Gudrun de Maddalena, Tübingen. Druck: Sautter Repro und Druck GmbH Röntgenstr Reutlingen Reutlingen Mai 2006

32 Literaturverzeichnis Karl-Heinz Birsch / Klaus E. Grossmann / Karin Gross Mann / Lotte Köhler (Herausgeber): Bindung und seelische Entwicklungswege Grundlagen, Prävention und klinische Praxis. Stuttgart Lothar Grappmann: Bindungsforschung und Kinder- und Jugendhilfe Was haben sie einander zu bieten?. In: neue Praxis Heft 4, Elisabeth C. Gründler: Eine sichere Basis bilden Eingewöhnung in der Krippe. In: Klein & Groß, Heft 4, Eva Hedervari: Klinische Relevanz der Bindungstheorie in der therapeutischen Arbeit mit Kleinkindern und deren Eltern. In: Praxis der Kinderpsychologie und psychiatrie, So geht s mit Krippenkindern. In: Sonderheft Kindergarten heute. Herder-Verlag. Freiburg. Vom Säugling zum Schulkind. In: Sonderheft Kindergarten heute. Herder-Verlag. Freiburg. Jeremy Holmes: John Bowlby und die Bindungstheorie. München/Basel Anni Kraft: Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen Praxisbericht aus dem Kinderhaus Wirbelwind Sandhausen. In: TPS, Heft 2, H.J. Laewen / Beate Andres / Eva Hedervari: Die ersten Tage - Ein Modell zur Eingewöhnung in Krippe und Tagespflege. Neuwied/Berlin, 4. erweiterte Auflage, H.J. Laewen / Beate Andres / Eva Hedervari: Ohne Eltern geht es nicht - Die Eingewöhnung von Kindern in Krippen und Tagespflegestellen. Neuwied/Berlin, 4.Auflage, Renate Niesl / Wilfried Griebel: Start in den Kindergarten Grundlagen und Hilfen zum Übergang von der Familie in die Kindertagesstätte. München Ursula Nuber: Der lange Schatten der Kindheit. In: Psychologie Heute, Heft 1, Gisela Petersen: Warum ist ein geschützter Wickelplatz mit angenehmer Atmosphäre wichtig? In: Kinder unter 3 Jahren in Tageseinrichtungen Grundfragen der pädagogischen Arbeit in altersgemischten Gruppen. SPI, Band 1, 2. Auflage, Gottfried Spangler / Petra Zimmermann (Herausgeber): Die Bindungstheorie Grundlagen, Forschung und Anwendung. Stuttgart, 4. Auflage, Katharina Zimmer: Gute Bindungen machen selbständig. In: ZEIT, Heft Nr. 40, Petra Völkl: Die Erzieherin als Brückenbauerin das Eingewöhnungmodell Die ersten Tage in der Krippe. In: Welt des Kindes, Heft 6, Instrumente: Kariane Höhn / Angelika Kercher: Kindergarten 2 plus - Arbeitshilfe für Teams zur Betreuung, Bildung und Erziehung von zweijährigen Kindern im Kindergarten. Stuttgart 2003.

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