Regelbasiertes Schreiben Sprachübergreifender Ansatz oder sprachabhängige Regelwerke. Ursula Reuther

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1 Regelbasiertes Schreiben Sprachübergreifender Ansatz oder sprachabhängige Regelwerke

2 Übersicht Überblick Regelwerke Zielsetzung Sprachen Inhalt und Aufbau Entwicklung neuer Regelwerke Methodik Regeltypologie Beispiele und Erfahrungen Umsetzung in Sprachprüfsoftware Ausblick und Fazit

3 Regelwerke Style Guide Redaktionshandbuch Redaktionsleitfaden Corporate Wording Anleitung zum Schreiben Lehrbuch für Redakteure Sprachregelungen Gestaltungsrichtlinie

4 Regelwerke - Zielsetzung Verständlichkeit Einhaltung von Normen und anderen Vorgaben Übersetzbarkeit Humanübersetzung / für TMs / für (bestimmte) MÜ-Systeme Stärkung der Corporate Identity Verknüpfung von Struktur und Inhalt Schaffung von Rechtssicherheit Instrument zur Erstellung von redaktionellen Vorgaben

5 Zielgruppen Industriesektoren und Branchen Softwarebranche, Luft- und Raumfahrtindustrie, Maschinenbau Muttersprachler vs. Nicht-Muttersprachler Einzelne Firmen, Konzerne, Unternehmen, Abteilungen SAP, IBM, Microsoft, GM, Siemens u.v.a. Exekutive vs. Legislative Berufsgruppen Journalisten, Technische Redakteure, Posteditoren

6 Sprachen (1) Englisch ASD STE 100 Chicago Manual of Style Global English Style Guide Firmenspezifische (Caterpillar Technical English, ) Französisch GIFAS Français rationalisé Règles de bonne pratique (Best-Practice-Regeln) für die technische Übersetzung (Ryan) Spanisch Simplified Technical Spanish STS (Ruiz/Sutcliffe)

7 Sprachen (2) Schwedisch Scania Swedish (LKW-Wartungsliteratur) Deutsch Siemens Dokumentationsdeutsch (für MÜ) Microsoft Style Guide (auf Englisch) Kontrolliertes Deutsch (Lehrndorfer) tekom-leitlinie Regelbasiertes Schreiben Nicht öffentlich zugängliche Regelwerke

8 Inhalt und Aufbau Orientierung an grammatischen und linguistischen Strukturen und Phänomenen Noun phrases, Verbs (ASD STE) Genitivkonstruktionen, Verwendung von Attributen, Hauptsatzkoordination (tekom-leitlinie) formalen und Lay-out-spezifischen Aspekten Überschriften, Tabellen, Listen, etc. strukturell-inhaltlichen Aspekten (z.b. Funktionsdesign) Warnhinweise, Bedienelemente Verweis auf weitere Normen und Standards Duden für Rechtschreibung und Grammatik DIN 5008 (Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung)

9 Inhalt und Aufbau IBM Style Guide vs. tekom-leitlinie Language and Grammar Punctuation Formatting and Organization Structure References Numbers and Measurement Computer Interfaces Writing für diverse audiences Glossaries Indexes Textregeln Überschriften Indexeinträge Querverweise Advance Organizer Glossare Satzregeln Mehrdeutige Konstruktionen Unvollständige Konstruktionen Komplexen Konstruktionen Wortstellung und Abfolge von Elementen Stilistische Regeln Wortregeln Benennungsbildung und Schreibweise Abkürzungen

10 Entwicklung neuer Regelwerke Methodik (1) Variante 1: Von Null an Spezifikationen Empirische Korpusarbeit Wissenschaftlichen Erkenntnisse (z.b. Kognitionswissenschaft) Praxiserfahrungen Vorteil: maßgeschneidert Nachteil: sehr zeit- und ressourcenaufwändig Ansatz des MULTILINT-Projekts

11 Entwicklung neuer Regelwerke Methodik (2) Variante 2: Übertragung eines bestehenden Regelwerks Spezifikationen Welches Ausgangs-Regelwerk? Anwendungsbereich Zielgruppe Sprachverwandtschaft Korpusarbeit zur Verifikation Entwicklung von GIFAS und STS Bewusste Entscheidung nach Abwägung von Vor- und Nachteilen

12 Vorgehensweise Verfahren am Beispiel von STS (Ruiz/Sutcliffe) STE-Regel auswählen STE-Regel für neue Sprache auf Basis des Korpus bewerten STE-Regel übernehmen oder ablehnen Weitere Sprachspezifika in zusätzlichen Regeln modellieren Übernommene Regel 2.3 When appropriate, use an article or a demonstrative adjective before a noun. Abgelehnte Regel 3.1A Do not use the -ing form of a verb. In STS gerund is allowed (La alarma acústica puede anularse, pulsando cualquiera de los interruptores.) Neue Regel Imperative tense is not allowed. Use the infintive instead.

13 Transfer-Ergebnisse für STS ASD-STE 100 STS 57 Regeln 39 Regeln 9 Unterkategorien 9 Unterkategorien plus eine zusätzliche Kategorie (PPs) 6 Unterkategorien sind gleich 6 Unterkategorien sind gleich 13 Wortregeln 4 übernommene Wortregeln 3 NP-Regeln 1 übernommene NP-Regel plus neue PP-Regeln 7 Verb-Regeln 3 übernommene Verbregeln plus neue Verb-Regeln

14 Faktoren der Übertragbarkeit Transfer-Quote hängt ab von Fachgebiet bzw. Anwendungsbereich Grad der Sprachverwandtschaft Granularität der Regeln Regeltyp

15 Regeltypologie Sprachunabhängige Regeln Meta-Regeln Sprachspezifische Regeln Mehrfachzuordnung möglich, je nach Beschreibungstiefe Präzise formulieren. Meta-Regel: So genannte Weichmacher vermeiden. Verwenden Sie nicht eventuell und wahrscheinlich In Handlungsanweisungen den Leser direkt ansprechen. Meta-Regel: Unpersönliche Formulierungen vermeiden. Verwenden Sie nicht sein + zu + Infinitiv

16 Regeltypologie - Beispiele Sprachunabhängige Regeln Komplexe Satzstrukturen vermeiden Ziel der Handlung vor der Handlung selbst nennen Meta-Regeln Unpersönliche Formulierungen vermeiden Passiv / man / reflexives Passiv mit se Mehrdeutigkeiten vermeiden to test vs. the test / das vs. die Fenster Sprachspezifische Regeln für Deutsch Elliptische Kompositakonstruktionen vermeiden (Ein- und Ausbau) Distanz zwischen Verb und abgetrenntem Präfix minimieren Substantivform ohne Schwa-Auslaut verwenden (Tür vs. Türe)

17 Regeltypologie - Beispiele Regelwerk Sprachunabhängige Regeln Meta-Regeln Meta-Regeln Sprach- Spezifische Regeln Sprach- Spezifische Regeln

18 Übertragbarkeit und Allgemeingültigkeit von Regeln Heterogene Verwendung der Regeltypen innerhalb eines Regelwerks Interaktion von Pragmatik, Semantik und Syntax Pragmatische und semantische Informationen werden durch syntaktische Formen realisiert Je allgemeiner die Regeln, umso sprachunabhängiger Einheitlich Satzmuster verwenden. Zeitliche und sachlogische Reihenfolge einhalten. Je spezifischer die Regeln, umso sprachabhängiger und umso weniger leicht übertragbar es als Platzhalter nicht verwenden.

19 Maschinelle Überprüfbarkeit Statistische Verfahren Stringbasierte Überprüfung von verwendeten Wörtern Überprüfung von Wort- und Satzlänge (zeichenbasiert) Statistische Lesbarkeitsformeln (wortbasiert) z.b. Flesch (Wörter/Satz und Silben/Wort) sprachunabhängig Linguistische Verfahren Morphologische Analyse Syntaktische und semantische Prüfverfahren Verständlichkeitsindex (über gewichtete Regelverstöße) sprachabhängig

20 Fazit Regelbasiertes Schreiben: Sprachübergreifender Ansatz oder sprachabhängige Regelwerke? Zielsetzung von regelbasiertem Schreiben ist sprachübergreifend Inhalte von regelbasiertem Schreiben sind zum Teil sprachübergreifend, zum Teil sprachabhängig je nach Regelausprägung

21 Fazit Man muss das Rad nicht jedes Mal neu erfinden. Sinnvolle Wiederverwendung von Regeln + entsprechende Anpassungen und Erweiterungen neues den spezifischen Anforderungen angepasstes Regelwerk

22 tekom-ag ReBaS EfdA Arbeitstitel: Englisch für deutschsprachige Autoren Ziel: Entwicklung einer Leitlinie analog zur tekom-leitlinie Regelbasiertes Schreiben für die englische Sprache Basis-Regelwerk ist die deutsche Leitlinie Erste Erfahrungen: Regeln, die 1:1 übernommen werden können (Pronominalbezüge) Regeln, die sich übertragen lassen (Passiv) Regeln, die für Englisch nicht relevant sind ( es ) Abdeckungslücken (Interpunktion) Aspekt der Nicht-Muttersprachler muss neu hinzu

23 Vielen Dank! Congree Language Technologies GmbH

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