SAS Opinion & Facts: Versicherungsbetrug Volksport oder systematisch überschätzt?

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1 LANGFASSUNG SAS Opinion & Facts: Versicherungsbetrug Volksport oder systematisch überschätzt? Modernen Mythen auf den Zahn gefühlt Versicherungsbetrug geht alle an: Die Betrüger profitieren die Ehrlichen zahlen erhöhte Prämien 452 Millionen Versicherungsverträge gab es 2010 in Deutschland über alle Versicherungssparten hinweg, für private und gewerbliche Kunden, für freiwillig Versicherte (zum Beispiel private Unfallversicherung) und gesetzlich vorgeschriebene Versicherungen (zum Beispiel Kfz Haftplicht). Allein die Deckblätter der zugehörigen Policen reichen aus, um fast das gesamte Bundesland Brandenburg zu bedecken. In der Schaden und Unfallversicherung stehen 55 Milliarden Euro Beitragseinnahmen insgesamt 43 Milliarden Euro Versicherungsleistungen gegenüber (2010). Wie viel davon werden aber aufgrund von Betrug ausgezahlt? SAS Institute stellt im Rahmen des neuen Informationsprojekts Opinion & Facts erfragte Meinungsbilder recherchierbaren Fakten gegenüber. "OPINION" Wie ehrlich ist Deutschland gegenüber seinen Versicherern? Im Auftrag vom SAS Institute befragte TNS EMNID im September 2012 über Verbraucher in Deutschland über Schaden und Schuldige bei Versicherungsbetrug. Sie sollten schätzen, ob der jährliche Schaden durch Versicherungsbetrug bei 100 Millionen Euro oder zehn Milliarden Euro oder irgendwo dazwischen liegt. Dabei würde die untere Grenze bedeuten, dass im Durchschnitt jeder der knapp 82 Millionen Einwohner in Deutschland die Versicherungswirtschaft um etwas mehr als einen Euro betrügen würde; bei der oberen Grenze sind es immerhin schon über 120 Euro pro Einwohner und Jahr. Für die vorgegebene Obergrenze der Unehrlichkeit entscheiden sich nur 4 Prozent der Befragten. Etwa 16 Prozent der Befragten stufen den Schaden mit ungefähr 100 Millionen Euro an der unteren Grenze ein. Die Mehrheit von knapp 60 Prozent schätzt den durch Versicherungsbetrug entstehenden Schaden in der Größenordnung zwischen einer halben und einer Milliarde Euro. Seite 1 von 6

2 Lediglich etwa 13 Prozent quantifizieren den Schaden bei circa 5 Milliarden (!) Euro (Grafik 1). Diese recht kleine Gruppe kommt mit ihrer Einschätzung der von der Versicherungswirtschaft veröffentlichten Höhe der Betrugsschäden recht nahe. 10 Mrd. 4% 5 Mrd. 13% 1,0 Mrd. 31% 0,5 Mrd. 28% 0,1 Mrd. 16% k. A. 7% 0% 10% 20% 30% 40% 50% Angaben in Prozent Grafik 1: Geschätzter Schaden durch Versicherungsbetrug in Deutschland. Antworten in Prozent. Waagerechte Achse mit tatsächlichen Abständen zwischen den Schätzalternativen Quelle: TNS EMNID, SAS Institute, September 2012 Wer betrügt öfter? Unternehmer oder Privathaushalte? Das durchschnittliche Votum der Befragten ist hier nahezu salomonisch gerecht: Für jeden die Hälfte! Privathaushalten und Unternehmern wird in etwa der gleiche Anteil an den Fällen von Versicherungsbetrug unterstellt. Hierbei gibt es auch keine nennenswerten Abweichungen zwischen West oder Ost, männlich oder weiblich, nach Alter, Schulbildung oder nach Wohnort. Nicht jeder Betrug ist gleich einfach und oft macht die Gelegenheit den Betrüger Schadenwahrscheinlichkeiten und die Anzahl der möglichen Schadenfälle sind dramatisch unterschiedlich. Der kleine, aber häufig vorkommende Hausratschaden ermuntert manchen zu falschen Angaben. Die doch in der Relation recht bescheidenen Entschädigungen nach der Gliedertaxe der privaten Unfallversicherung lassen aber die meisten vom absichtlichen Verlust von Fingern oder Gliedmaßen zurückschrecken. Die Möglichkeiten zum Versicherungsbetrug sind je nach Sparte ganz verschieden. Seite 2 von 6

3 Außerdem schätzten die Befragten auch, bei welchen Versicherungsarten es ihrer Meinung nach am häufigsten zu Betrugsfällen kommt. Ganz klare Spitzenreiter sind hierbei die Haftpflichtversicherung (33%), die Autoversicherung (26%) und die Hausratversicherung (21%). Die anderen angebotenen Versicherungsalternativen wie Unfall, Gebäude oder Krankenversicherung spielen nur eine untergeordnete Rolle (in Summe 14%). "FACTS Ein Versicherungsbetrüger schadet letztlich weniger dem Versicherungsunternehmen als vielmehr seinen Mitversicherten. Dies hatte ein knappes Drittel der Teilnehmer einer Umfrage des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft nicht verstehen wollen und ein entsprechend geringes Unrechtsbewusstsein. Eine Einzeluntersuchung der Versicherungswirtschaft wies beispielsweise bei gemeldeten Haftpflichtschäden mit Laptops in 36 Prozent der Fälle Betrug nach. Wie hoch aber sind die Schäden durch Versicherungsbetrug insgesamt? Harte Fakten einmal ganz weich Zunächst einmal die wichtigste Einschränkung: Naturgemäß gibt es zum Sachverhalt Betrug keine harten Zahlen. Es gibt Angaben über nachgewiesenen Betrug, und es gibt wohlbegründete Vermutungen über Betrug oder versuchten Betrug, zum Beispiel, wenn ein Versicherter seinen Schadenanspruch angesichts einer Nachprüfung nicht mehr aufrechterhält. Darüber hinaus gibt es jedoch eine unquantifizierbare Grauzone, was genau Versicherungsbetrug eigentlich ist und wie viel davon entdeckt wird. Denn Möglichkeiten gibt es viele. Ohne ein Glossar für potenzielle Versicherungsbetrüger auszubreiten, sollen doch einige typische Beispiele erwähnt werden. Die Spannbreite mag erklären, warum es in Einzelfällen an Unrechtsbewusstsein fehlt: Es beginnt bei der Neudefinition von nicht versicherten Schäden, die damit zum Versicherungsfall gemacht werden. Es setzt sich fort mit der Manipulation beziehungsweise Falschangabe der Schadenhöhe. Eine Variante ist die Fingierung von tatsächlichen Schäden als Versicherungsschaden; der klassische Fall ist der Sengschaden auf dem Sofa, der nicht mehr durch den Hausherren, sondern angeblich durch die Gäste verursacht und durch deren Haftpflichtversicherung beglichen wird. Hierzu gehört auch die Verschlimmerung tatsächlich eingetretener Schäden, ob auf Papier durch falsche Angaben der Schadensummen oder manuell durch weitere Zerstörung der versicherten Sache. Typische Einsatzgebiete hierbei sind Teilkasko, Haftpflicht und Wohngebäudeversicherungen. Vorsätzlich herbeigeführte Schäden gibt es zum Beispiel in der Kraftfahrzeug Haftpflicht und Kaskoversicherung durch die oft in der Presse genannten kriminellen so genannten Autobumser, mit in einigen Fällen erheblichem Schadenaufkommen. Seite 3 von 6

4 Zu diesem bunten Strauß an Möglichkeiten, die jedem gewöhnlichen Versicherungsnehmer ohne Weiteres offen stehen, kommen noch einige weitere Gattungen von Betrug, die die kriminelle Energie von mehreren Funktionen im Gesamtsystem Versicherung erfordern. Aber solche Missbräuche, wie Prämienumleitungen, Provisionsmissbrauch oder direkter Diebstahl von Versicherungseigentum, sollen hier nicht weiter behandelt werden. Immerhin führt dieses gesamte Spektrum an Möglichkeiten das Federal Bureau of Investigation (FBI) zu der Schätzung, dass in den Vereinigten Staaten pro Jahr mehr als 40 Milliarden US Dollar Kosten durch Betrug im Versicherungswesen entstehen (ohne Krankenversicherung). Dies bedeutet, dass die durchschnittliche amerikanische Familie pro Jahr zwischen 400 und 700 US Dollar höhere Prämien zahlen muss. In der Summe: Milliardenschaden durch Versicherungsbetrug in Deutschland Die meisten Zahlen sind weich einige jedoch nicht. Die polizeiliche Kriminalstatistik weist für 2011 etwas mehr als Fälle von Betrug zum Nachteil von Versicherungen und Versicherungsmissbrauch aus also nur etwa 54 Beschuldigte pro 1 Million Einwohner. Diesen drohen nach dem Strafgesetzbuch Geldstrafen und Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren. Die Versicherungen sehen Fallzahlen und Schäden dramatischer, ohne jedochwirklich harte Fakten hierzu veröffentlicht zu haben. Seit Jahren allerdings wird ein Betrag von jährlich insgesamt etwa 4 Milliarden Euro an unberechtigten Schadenzahlungen aufgrund betrügerischen Verhaltens der Versicherten kolportiert. Dies entspräche in der Sachversicherung je nach Berechnung einem Anteil von 4 bis 6 Prozent der Versicherungsprämien. Jeder zehnte Schadenfall in der Kfz Haftpflichtversicherung wird nach solchen Schätzungen in der Schadenhöhe manipuliert oder als unversicherter Fall zum Versicherungsfall gemacht. Diese Werte sind allerdings nicht mehr ganz aktuell und stammen aus einer Zeit vor 2003 unter Verweis auf repräsentative Umfragen zum Versicherungsbetrug und nicht weiter erläuterte Hochrechnungen. Jedoch geht der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) auch ganz aktuell relativ präzise von etwa 1,5 Milliarden Euro Schaden pro Jahr durch Versicherungsbetrug allein in der Sparte Kraftfahrt aus. Andere Länder ähnliche Sitten Ähnlich sind die Befunde in benachbarten Ländern. Auch der Schweizerische Versicherungsverband verfügt über keine Statistiken zum Ausmaß des Betruges, schätzt aber in Übereinstimmung mit seinen Mitgliedsunternehmen, dass rund 10 Prozent der Schadenzahlungen auf betrügerischen Forderungen beruhen. Andere Quellen beziffern Versicherungsbetrugsschäden für die Schweiz auf circa 1 Milliarde Schweizer Franken, in Österreich auf etwa eine halbe Milliarde Euro und für den britischen Markt auf etwa 1 Milliarde britischer Pfund. Seite 4 von 6

5 Fazit Wie ist nun die Schlussfolgerung aus diesen Umfrageergebnissen, Schätzungen und Annahmen? Zunächst einmal: Der Schaden, den der Versicherungswirtschaft jedes Jahr durch Betrug entsteht ist hoch. Die Schadenshöhe ist aber auch höher als die meisten der Befragten erwartet haben. Zudem ist das Unrechtsbewusstsein nicht ausreichend stark ausgeprägt, wie aus vielen Erhebungen bekannt ist. Falsche Angaben gegenüber Versicherungen werden oft als Kavaliersdelikt eingestuft. Insgesamt führen diese Kavaliersdelikte, oft zusammen mit nicht unerheblicher krimineller Energie, zu massiven Schäden, die der Gemeinschaft der Versicherten zur Last fallen. Und die Skizze der Bandbreite von manipulativen und betrügerischen Maßnahmen zeigt, dass fehlendes Unrechtsbewusstsein schnell in bewussten Betrug abgleiten kann. Über Opinion & Facts Opinion & Facts ist eine mehrmals jährlich erscheinende Publikation, herausgegeben von SAS Deutschland. SAS ist einer der weltweit größten Software Hersteller und der größte unabhängige Anbieter von Business Analytics Lösungen. Opinion & Facts hinterfragt moderne Mythen der öffentlichen Meinung durch Rückgriff auf valide Statistiken und repräsentative Erhebungen. Über SAS SAS ist mit 2,725 Milliarden US Dollar Umsatz einer der größten Softwarehersteller der Welt. Im Business Intelligence Markt ist der unabhängige Anbieter von Business Analytics Software führend. Die SAS Lösungen für eine integrierte Unternehmenssteuerung helfen Unternehmen an weltweit mehr als Standorten dabei, aus ihren vielfältigen Geschäftsdaten konkrete Informationen für strategische Entscheidungen zu gewinnen und damit ihre Leistungsfähigkeit zu steigern. Mit den Softwarelösungen von SAS entwickeln Unternehmen Strategien und setzen diese um, messen den eigenen Erfolg, gestalten ihre Kunden und Lieferantenbeziehungen profitabel, steuern die gesamte Organisation und erfüllen regulatorische Vorgaben. 96 der Top 100 der Fortune 500 Unternehmen vertrauen auf SAS. Firmensitz der 1976 gegründeten US amerikanischen Muttergesellschaft ist Cary, North Carolina. SAS Deutschland hat seine Zentrale in Heidelberg und weitere Niederlassungen in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln und München. Weitere Informationen unter SAS Institute GmbH In der Neckarhelle Heidelberg Seite 5 von 6

6 Ansprechpartner Opinions & Facts: Thomas Maier, Manager Corporate Communications Tel.: Seite 6 von 6

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