Kardiovaskuläre Risikofaktoren und deren therapeutische Beeinflussung

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1 Kardiovaskuläre Risikofaktoren und deren therapeutische Beeinflussung C.A. Schneider. Hierarchie der kardiovaskulären Risikofaktoren.. Scoresysteme zur Abschätzung des kardiovaskulären Risikos..2 Klassifikation der Risikofaktoren 2.2 Klasse-I-Risikofaktoren 2.2. Nikotinkonsum Arterielle Hypertonie Hypercholesterinämie/»Low-density-lipoprotein«- Erhöhung 3.3 Klasse-II-Risikofaktoren 4.3. Diabetes mellitus Linksventrikuläre Hypertrophie bei arterieller Hypertonie Pathologische Glukosetoleranz, pathologischer Nüchternblutzucker Erniedrigtes»High-density-lipoprotein«- Cholesterin Körperliche Inaktivität Adipositas 7.4 Klasse-III-Risikofaktoren 8.4. Hypertriglyzeridämie Alkoholabstinenz oder geringer Alkoholkonsum Homocystein C-reaktives Protein Depression.4.6 Lipoprotein (a).5 Klasse-IV-Risikofaktoren.5. Alter und Geschlecht.5.2 Hormonsubstitution der postmenopausalen Frau.5.3 Familiäre Disposition Literatur ) ) Aktuelle Daten des Gesundheitsberichtes für Deutschland weisen Folgeerkrankungen der Atherosklerose wie z. B. Herzinfarkt und Schlaganfall als die führenden Todesursachen in Deutschland aus. In Anbetracht der alternden Gesellschaft wird das Potenzial präventivmedizinischer Maßnahmen unmittelbar sichtbar. Um dieses Potenzial auszuschöpfen und die limitierten Ressourcen mit maximaler Effizienz einzusetzen, ist es notwendig, die Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen hierarchisch und in ihrer Interaktion zu verstehen.. Hierarchie der kardiovaskulären Risikofaktoren Eine nahe liegende Hierarchie der Risikofaktoren umfasst als erste Komponente die Stärke des Risikofaktors für die Induktion atherosklerotischer Veränderungen und als zweite Komponente die Effizienz der Beeinflussung des Risikofaktors. Präventivmedizinische Bemühungen sollten sich zunächst auf die stärksten Risikofaktoren konzentrieren, deren Beeinflussung zu einer eindeutigen Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse führt. Zu diesen klassischen, modifizierbaren Risikofaktoren, deren Beeinflussung prognostisch relevant ist, gehören: 4 arterielle Hypertonie, 4 Rauchen und 4 pathologisch erhöhte Cholesterinwerte. > Kardiovaskuläre Risikofaktoren existieren nicht unabhängig voneinander, sondern verstärken sich synergistisch und erhöhen das kardiovaskuläre Risiko kontinuierlich und ohne erkennbaren Schwelleneffekt. Zur Bestimmung eines individuellen kardiovaskulären Risikos müssen Methoden angewandt werden, die der Vielzahl der Risikofaktoren Rechnung tragen und die das Risiko als kontinuierliche Größe quantifizieren. Dazu sind sogenannte Scoresysteme geeignet... Scoresysteme zur Abschätzung des kardiovaskulären Risikos Scoresysteme errechnen ein individuelles Gesamtrisiko für kardiovaskuläre Ereignisse aus klassischen Risikofaktoren. Scoresysteme quantifizieren nicht nur das individuelle Risiko, sondern sie bieten Entscheidungshilfe bei der Frage einer medikamentösen und stellen eine anschauliche Aufklärungshilfe für Patienten dar. > Im Idealfall sollten Scoresysteme verwandt werden, die im betreffenden Land entwickelt und validiert wurden. Da es landesspezifische Unterschiede im Risikoprofil gibt, empfiehlt es sich nationale Scoresysteme einzusetzen. Für Deutschland existiert der Prospective Cardiovascular Münster (PROCAM-)Score (. Tab..; Assmann et al. 22; chd-taskforce.de). Zu beachten ist, dass der PROCAM-Score entwickelt wurde, um das kardiovaskuläre Risiko von Männern zu berechnen, bei denen eine KHK noch nicht bekannt ist. Da nur wenige kardiovaskuläre Ereignisse bei Frauen dokumentiert wurden, ist die Übertragbarkeit des Scores auf Frauen nur eingeschränkt möglich. Für Frauen nach den Wechseljahren (Alter Jahre) beträgt das Risiko ein Viertel des Risikos eines gleichaltrigen Mannes.

2 2 Kapitel Kardiovaskuläre Risikofaktoren und deren therapeutische Beeinflussung. Tab... PROCAM-Score. (Nach Assmann et al. 22) Risikopunktesystem..2 Klassifikation der Risikofaktoren Risikoberechnung Risiko Punkte Punkte Herzinfarktrisiko [% in Jahren] Alter [Jahre] Positive Familienanamnese Zigaretten rauchen Diabetes Systolischer Blutdruck [mmhg] HDL-Cholesterin [mmol/l] LDL-Cholesterin [mg/dl] Triglyzeride [mg/dl] Ja Nein Ja Nein Ja Nein < >6 <,9,9,5,6,4 >,4 < >89 < > >58 <,5,5,7,8 4, 4,2 7, 7,4 5,5 6,8 28 >28 Die Vielzahl bekannter Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen macht es nötig, ein einfaches Klassifikationsschema zu verwenden. Es ist daher sinnvoll, Risikofaktoren in verschiedene Klassen einzuteilen. Klasse I: Risikofaktoren, deren therapeutische Beeinflussung zu einer prognostischen Verbesserung führt oder die für die epidemiologischen Untersuchungen wiederholt einen kausalen Zusammenhang gezeigt haben (Nikotinkonsum, arterielle Hypertonie, Hypercholesterinämie). Klasse II: Risikofaktoren, deren Behandlung mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse führt (z. B. Diabetes mellitus, niedrige HDL-Cholesterin-Werte, erhöhte Triglyzeridwerte und mangelnde körperliche Bewegung). Klasse III: Risikofaktoren, deren Modifikation möglich ist, für die jedoch kein prognoseverbessernder Effekt dokumentiert ist [z. B. Homocystein- und Lp(a)-Erhöhung]. Klasse IV: Risikofaktoren, die entweder nicht beeinflussbar sind (Alter/Geschlecht) oder deren Behandlung schädlich ist (z. B. postmenopausale Hormonsubstitution). Dieses Klassifikationssystem spiegelt die Hierarchie der Risikofaktoren wider und stellt eine klare evidenzbasierte Grundlage für individuelle entscheidungen dar..2 Klasse-I-Risikofaktoren Eine Beeinflussung der Klasse-I-Risikofaktoren vermindert das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen eindeutig..2. Nikotinkonsum Rauchen erhöht nicht nur das Risiko für den kardialen Tod um das 2- bis 4-Fache und vermindert die mittlere Lebenserwartung um ca. 6 Jahre; Rauchen gilt auch als führender Risikofaktor für eine Vielzahl von Krebs- und Lungenerkrankungen. Auch Passivrauchen ist schädlich; es erhöht nämlich das Risiko für Krebsund kardiovaskuläre Erkrankungen um ca. 25%. Zigarren rauchen ist ähnlich schädlich wie Zigaretten rauchen. Der Rauchverzicht führt zu einer Verbesserung der Prognose und wird von allen Leitlinien empfohlen. Das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse halbiert sich innerhalb der ersten 2 4 Jahre, nachdem mit dem Rauchen aufgehört wurde. Insgesamt ist jedoch das Risiko für die nächsten 2 Jahre höher als bei Menschen, die nie geraucht haben. Eine Nikotinersatztherapie erhöht die Wahrscheinlichkeit, Nichtraucher zu werden (de Backer et al. 23); die Wahrscheinlichkeit des dauerhaften Rauchverzichtes gegenüber Placebo verdoppelt sich. Vergleichsstudien der verschiedenen Nikotinersatztherapien untereinander konnten keinen eindeutigen Vorteil für eine der möglichen Nikotinersatztherapien ergeben. Eine Nikotinersatztherapie kann auch bei Patienten mit bekannter KHK eingesetzt werden. Eine Kombination verschiedener Nikotinersatztherapien (z. B. Nikotinpflaster und Nikotinkaugummi) erhöht die Wahrscheinlichkeit der Rauchabstinenz im Vergleich mit einer Monotherapie, allerdings auch die Wahrscheinlichkeit einer Nikotinüberdosierung. Eine Bupropiontherapie ist, neben Nikotinersatzpräparaten, für den primären Nikotinentzug zugelassen. Randomisierte, placebokontrollierte Studien haben gezeigt, dass die mit Bupropion (2-mal 5 mg/tag) die Wahrscheinlichkeit der Rauchabstinenz gegenüber Placebo verdoppelt. Auch Vareniclin, ein partieller Agonist des Nikotinrezeptors α4/β2, ist seit 27 für den Nikotinentzug zugelassen. Langzeitdaten liegen jedoch bislang nicht vor. Leitlinienorientierte Zusammenfassung. Jedem Patienten sollte ein Rauchverzicht empfohlen werden (de Backer et al. 23). Nikotinersatzpäparate (Evidenzgrad IA; Silagy et al. 22), Bupropion oder Vareniclin (Evidenzgrad IB) sind beim Rauchentzug unterstützend wirksam..2.2 Arterielle Hypertonie In Deutschland leiden ca. 2% der Bevölkerung unter einer arteriellen Hypertonie. Mit zunehmendem Alter nimmt die Präva

3 .2 Klasse-I-Risikofaktoren 3. Abb... Kardiovaskuläre Sterblichkeit in Abhängigkeit von Alter und Blutdruck. Für jede Altersdekade findet sich eine hochsignifikante Korrelation von (a) systolischem und (b) diastolischem Blutdruck mit dem kardiovaskulärem Risiko; CI Konfidenzintervall, KHK koronare Herzkrankheit. (Nach Lewington et al. 22) lenz der arteriellen Hypertonie zu. Es wird geschätzt, dass ca. 7% der über 7-Jährigen Hypertoniker sind. Die arterielle Hypertonie erhöht das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Dabei besteht für jede Lebensdekade eine enge, kontinuierliche positive Korrelation zwischen der Höhe des Blutdrucks und dem Entstehen atherosklerotischer Erkrankungen wie z. B. dem Myokardinfarkt (. Abb.. a,b; Lewington et al. 22). Für eine detaillierte Darstellung wird auf das 7 Kap. 7»Arterielle Hypertonie«verwiesen..2.3 Hypercholesterinämie/»Low-densitylipoprotein«-Erhöhung Erhöhte Cholesterinwerte werden als Gesamtcholesterinwerte von >24 mg/dl und LDL-Cholesterin-Werte von >6 mg/dl definiert (. Abb..2; Stamler et al. 986). Epidemiologische Untersuchungen und prospektive Interventionsstudien belegen den Zusammenhang zwischen der Höhe des Gesamtcholesterins/ LDL-Cholesterins und kardiovaskulären Erkrankungen eindeutig. Ein um % höheres Serumcholesterin führt zu einer Erhöhung des Risikos für eine kardiovaskuläre Erkrankungen um 2 3%. Die empfehlungen für die Behandlung einer Hypercholesterinämie sind in. Tab..2 zusammengefasst (http://www. nhlbi.nih.gov/guidelines/cholesterol/index.htm). Dieses Schema systematisiert die Behandlung der Hypercholesterinämie, indem es zusätzlich zu den Cholesterinwerten weitere Begleiterkrankungen und Risikofaktoren analysiert. Patienten mit bekannter KHK oder mit Erkrankungen, die als KHK-Äquivalente angesehen werden (Diabetes mellitus, periphere arterielle Verschluss. Tab..2. der»low-density-lipoprotein«- (LDL-)Cholesterin-Erhöhung in Abhängigkeit von Risikofaktoren. (Expert Panel on Detection, Evaluation, and Treatment of High Blood Cholesterol in Adults 2) Risikokategorie LDL-Cholesterin-Werte Beginn der Lebensstiländerung Erwägung einer medikamentösen KHK oder KHK-Risikoäquivalente mg/dl 3 mg/dl ( 2 mg/dl: medikamentöse optional) 2 Risikofaktoren 3 mg/dl -Jahres-Risiko 2%: 3 mg/dl -Jahres-Risiko <%: 6 mg/dl. Abb..2. Cholesterin und kardiovaskuläre Ereignisse. Es findet sich eine kontinuierliche Zunahme des kardiovaskulären Risikos in Abhängigkeit vom Gesamtcholesterinspiegel. (Nach Stamler et al. 986) Risikofaktoren 6 mg/dl 9 mg/dl (6 89 mg/dl: LDL-Cholesterin-senkende optional)

4 4 Kapitel Kardiovaskuläre Risikofaktoren und deren therapeutische Beeinflussung krankheit, Bauchaortenaneurysma, symptomatische Karotisstenosen) haben mit 2% pro Jahr das höchste kardiovaskuläre Risiko. Dementsprechend niedrig sind die Cholesterinwerte, ab denen eine Lebensstiländerung oder eine medikamentöse begonnen werden soll. Für diese Patienten gilt ein LDL- Zielwert von unter mg/dl. Für Patienten ohne KHK oder KHK-Äquivalente ergeben sich in Abhängigkeit von vorhandenen Risikofaktoren (Zigaretten rauchen, arterielle Hypertonie, HDL-Cholesterin < mmol/l, positive Familienanamnese, Alter 45 Jahre für Männer, 55 Jahre für Frauen) andere konzepte. Die Behandlung der Hypercholesterinämie umfasst die Änderung des Lebensstils und ggf. eine medikamentöse. Eine Lebensstiländerung kann die Cholesterinwerte um ca. 5 % reduzieren. Sollten sie durch diese Maßnahmen nicht unter die Zielwerte sinken, ist eine medikamentöse mit dem Patienten zu diskutieren. Motivierend für eine intensive, lipidsenkende sind die Ergebnisse einer Metaanalyse von 38 Studien zur Primär- und Sekundärprävention (Gould et al. 998). Diese Analyse zeigt, dass bei einer Cholesterinsenkung um je % das kardiovaskuläre Sterblichkeitsrisiko um je 5% und das Gesamtsterblichkeitsrisiko um je % sinken. Medikamentöse Patienten mit koronarer Herzerkrankung oder KHK äquivalenten Erkrankungen Patienten dieser Gruppe haben ein Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen (Tod oder Myokardinfarkt) von mehr als 2% pro Jahr. Eine Vielzahl randomisierter Studien hat gezeigt, dass eine cholesterinsenkende mit Simvastatin oder Pravastatin die Prognose dieser Patienten verbessert (Gould et al. 998). Die Prognoseverbesserung wird über das gesamte Spektrum der initialen Cholesterinwerte gesehen. So wurde z. B. in der Heart Protection Study (Heart Protection Collaborative Group 22) gezeigt, dass die Prognose von Hochrisikopatienten durch eine Simvastatintherapie sogar dann verbessert wird, wenn der initiale LDL-Cholesterin-Wert niedrig war (<6 mg/dl). In dieser Studie konnte auch gezeigt werden, dass Typ-2-Diabetiker von einer. Tab..3. Vergleich verschiedener Präventionsstudien mit Statinen Studie Statin Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse der Placebogruppe [%] ARR RRR NNT/5 a 4 S Simvastatin 28 8, CARE Pravastatin 3 3, LIPID Pravastatin 5,9 3, HPS Simvastatin 26 5, WOSCOPS Pravastatin 7,5 2, AFCAPS Lovastatin 5,5 2, 37 5 ARR Absolute Risikoreduktion, RRR relative Riskoreduktion; NNT/5 a»number needed to treat«für 5 Jahre. Simvastatintherapie eindeutig profitierten (absolute Risikoreduktion 5,%;. Abb..3). Patienten ohne koronare Herzerkrankung oder KHK äquivalente Erkrankungen Daten der WOSCOPS-Studie mit Pravastatin und der AFCAPS/ TexCAPS-Studie mit Lovastatin zeigen, dass die Statintherapie zu einer signifikanten Senkung kardialer Ereignisse in der Primärprävention führt. Wenngleich die relative Risikoreduktion von Hoch- und Niedrigrisikopatienten ähnlich ist, unterscheiden sich die absolute Risikoreduktion und damit die»number needed to treat«(nnt) erheblich. So wird in der HPS-Studie eine NNT von 8/5 Jahre erreicht, in der WOSCOPS-Studie jedoch 46/5 Jahre (. Tab..3). Cholesterinabsorptionshemmer. Ezetimib ist die erste Substanz einer neuen Substanzklasse, die die Resorption von Cholesterin im Bereich des Darmbürstensaums vermindert. Die Resorption von Triglyzeriden oder fettlöslichen Vitaminen wird nicht behindert. Ezetimib ( mg) reduziert den LDL-Cholesterin-Spiegel um ca. 7%, ein Effekt, der zusätzlich erhalten bleibt, wenn mit Statinen kombiniert wird. Das bedeutet, dass mit niedrigeren Statindosen eine gleiche LDL-Senkung erreicht werden kann oder dass bei einer volldosierten Statintherapie ein zusätzlicher Effekt zu erreichen ist. Daten zur Beeinflussung kardiovaskulärer Ereignisse liegen für Ezetimib bislang nicht vor. Leitlinienorientierte Zusammenfassung. Eine Vielzahl von Studien belegt eindeutig den Zusammenhang zwischen einer Erhöhung des Gesamtcholesterins/LDL-Cholesterins und dem kardiovaskulären Risiko (Evidenzgrad IA; Collins et al. 23). Eine Reihe von Interventionsstudien weist darüber hinaus die Effizienz einer lipidsenkenden nach (Evidenzgrad IA). Zusätzlich zu Allgemeinmaßnahmen ist insbesondere für eine Statintherapie eine Prognoseverbesserung nachgewiesen worden (Evidenzgrad IA; Law et al. 23).. Abb..3. Heart Protection Study mit Diabetikern. Unter Simvastatintherapie kommt es zu einer signifikanten Abnahme kardiovaskulärer Ereignisse. (Collins et al. 23).3 Klasse-II-Risikofaktoren Eine Beeinflussung der Klasse-II-Risikofaktoren vermindert das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen sehr wahrscheinlich.

5 .3 Klasse-II-Risikofaktoren 5.3. Diabetes mellitus In Deutschland haben ca. 6 8% der Bevölkerung einen Diabetes mellitus, von denen nur ca. 6% um ihre Diagnose wissen. Die Bedeutung des Diabetes mellitus als Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse ist seit Jahren etabliert, selbst wenn eine KHK nicht bekannt ist (Schramm et al. 28) (. Abb..4). Zusätzlich haben Diabetiker häufiger Komplikationen nach Herzinfarkt (Postinfarktangina und Herzinsuffizienz); Frauen mit Diabetes mellitus haben eine besonders schlechte Prognose. Dieses hohe Risiko rechtfertigt die Einstufung des Diabetes mellitus als KHK-Äquivalent und macht eine intensive, risikomodifizierende notwendig. Die Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse bei Diabetikern erfordert eine umfassende aller vorhandenen Risikofaktoren (arterielle Hypertonie, Dyslipidämien etc.). Ein Teilaspekt dieses umfassenden Konzeptes ist die der Hyperglykämie. Daten der United Kingdom Prospective Diabetes Study (UKPDS) zeigen, dass eine intensive Blutzuckertherapie mit oralen blutzuckersenkenden Medikamenten oder Insulin (mittlerer HbA c 7%) v. a. die Inzidenz mikrovaskulärer Komplikationen im Vergleich zu einer Standardtherapie (mittlerer HbA c 7,9%) vermindert. Der Effekt wurde jedoch erst nach ca. 9 Jahren eindeutig nachweisbar. Eine Reduktion des HbA c um % war mit einer signifikanten Reduktion mikrovaskulärer Ereignisse um 35%, einer reduzierten Herzinfarktinzidenz (ca. 8%) und einer reduzierten Gesamtsterblichkeit (ca. 7%) assoziiert. Die optimale blutzuckersenkende für Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus zur Verhinderung kardiovaskulärer Ereignisse ist nicht klar charakterisiert. Neben den Sulfonylharnstoffen stehen u. a. Metformin, Glinide, Glitazone, Acarbose, Gliptine und Insulin zur zur Verfügung. Nach Ausschöpfen von Allgemeinmaßnahmen wird mit einer Monotherapie begonnen und bei Ineffektivität eine Kombinationstherapie angestrebt. In einer weiteren UKPDS mit 7 übergewichtigen Diabetikern wurde die intensivierte mit Metformin (n=342) mit einer Sulfonylharnstoff- oder Insulintherapie (n=95) verglichen. Es zeigte sich, dass im Vergleich zur konventionellen die Metformintherapie zu signifikant weniger Diabeteskomplikationen ( 32%, p=,2) und einer niedrigeren Gesamtsterblichkeit ( 36%, p=,) führte. Zur oralen blutzuckersenkenden Behandlung steht außerdem Acarbose zur Verfügung. Eine Metaanalyse von Acarbosestudien bei Typ-2-Diabetikern beschreibt eine Reduktion kardiovaskulärer Todesfälle im Vergleich zu Placebogruppen. Die Proactive- Studie mit Pioglitazon zeigt eine Reduktion kardiovaskulärer Endpunkte. Aktuelle Daten einer prospektiven Beobachtungsstudie (Tzoulaki et al. 29) belegen diesen Effekt. Die Sterblichkeit unter Pioglitazon und Metformin war im Vergleich zu Metformin verringert. Im Vergleich mit Pioglitazon wiese Rosiglitazon einer erhöhtes Risiko kardiovaskulärer Ereignisse auf. > Ein pragmatischer Ansatz zur Vermeidung kardiovaskulärer Ereignisse bei Diabetikern ist eine intensive, integrative aller Risikofaktoren. Insbesondere die von Lipidabnormalitäten, die strikte einer arteriellen Hypertonie und die niedrig dosierte Acetylsalicylsäuretherapie sind wichtige Bausteine einer solchen. Ein integrativer Ansatz reduziert kardiovaskuläre Ereignisse nachhaltig (STENO-Studie). Ein solcher multimodaler ansatz reduzierte nach ca. 8 Jahren signifikant das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse absolut um 2%. Leitlinienorientierte Zusammenfassung. Diabetiker haben ein hohes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (Evidenzgrad III; Haffner et al. 998). Obwohl die Inzidenz mikrovaskulärer Ereignisse unter einer intensiv blutzuckersenkenden nied a. Abb..4a, b. Kardiovaskuläre Sterblichkeit für a Männer und b Frauen. Diabetiker mit glukosesenkender und Nicht-Diabetiker mit Myokard-Infarkt haben dasselbe kardiovaskuläre Risiko b eine populationsbasierte mit 3,3 Millionen Personen. DM = Diabetes mellitus (Aus Schramm et al. 28)

6 Kapitel Kardiovaskuläre Risikofaktoren und deren therapeutische Beeinflussung riger ist (Evidenzgrad IB), sind die optimale blutzuckersenkende und der optimale HbA c -Wert zur Verhütung kardiovaskulärer Ereignisse nicht eindeutig definiert..3.2 Linksventrikuläre Hypertrophie bei arterieller Hypertonie Wenngleich das EKG für die Diagnose einer LVH relativ insensitiv ist, hat der elektrokardiographische Nachweis einer LVH prognostische Bedeutung, insbesondere wenn Schädigungszeichen im EKG nachweisbar sind. > Da die Sensitivität und die Spezifität von elektrokardiographischen Parametern nicht sehr gut sind, sollte eine Echokardiographie zum Nachweis einer Myokardhypertrophie durchgeführt werden. Echokardiographisch konnte eine LVH in der Treatment of Mild Hypertension Study bei 3% der Männer und bei 2% der Frauen mit arterieller Hypertonie nachgewiesen werden, obwohl elektrokardiographisch bei keinem dieser Patienten eine Hypertrophie diagnostiziert wurde. In Abhängigkeit von den echokardiographischen Grenzwerten für eine Myokardhypertrophie variiert die Prävalenz der Myokardhypertrophie bei Hypertonikern zwischen ca. 5 und 4%. Auch nach Korrektur für andere kardiovaskuläre Risikofaktoren erhöht die Myokardhypertrophie das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse (Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Gesamtsterblichkeit, plötzlicher Herztod oder Schlaganfall) um das 2- bis 3-Fache. In einer kürzlich veröffentlichten Metaanalyse (Klingbeil et al. 23) wurde gezeigt, dass eine mit ACE-Hemmern, AT -Rezeptorantagonisten und Kalziumantagonisten eher zu einer Regression der Myokardhypertrophie führt als mit Diuretika und β-blockern. Die Regression der Myokardhypertrophie kann Jahre beanspruchen, kann aber letztlich zu einer Normalisierung der linksatrialen Dilatation oder der diastolischen Relaxationsstörung führen. Die Überlegenheit einer antihypertensiven mit einem AT -Rezeptorantagonisten gegenüber einer β-blocker- bei Patienten mit Myokardhypertrophie hat die LIFE- Studie gezeigt (Dahlof et al. 22). In diese Studie wurden 993 Patienten mit einer arteriellen Hypertonie und einer Myokardhypertrophie eingeschlossen und doppelblind, randomisiert mit Atenolol oder Losartan behandelt. Bei vergleichbarer Blutdrucksenkung kam es unter Losartan häufiger zu einer Regression der Myokardhypertrophie als unter Atenolol und einer Reduktion der Schlaganfallinzidenz. Insgesamt scheint daher die Rückbildung der Myokardhypertrophie zu einer Verbesserung der Prognose zu führen. Leitlinienorientierte Zusammenfassung. Die Myokardhypertrophie stellt einen eigenständigen kardiovaskulären Risikofaktor bei Patienten mit arterieller Hypertonie dar (Evidenzgrad III; European Society of Hypertension-European Society of Cardiology Guidelines Committee 23). Bei diesen Patienten empfiehlt sich eine antihypertensive, die zu einer Reduktion der Myokardhypertrophie führt. Etabliert sind dafür ACE-Hemmer, Kalziumantagonisten und AT -Rezeptorantagonisten (Evidenzgrad IA)..3.3 Pathologische Glukosetoleranz, pathologischer Nüchternblutzucker Die pathologische Glukosetoleranz gilt als Vorläuferstadium des Diabetes mellitus und eigenständiger kardiovaskulärer Risikofaktor. Sie wird als ein Blutzuckerwert zwischen 26 und 2 mg/dl in der zweiten Stunde nach einer oralen Gabe von 75 g Glukose definiert. In Hochrisikogruppen findet sich eine Prävalenz dieses Risikofaktors von bis zu 25%; in der Allgemeinbevölkerung wird eine Prävalenz von ca. 8% angenommen. Übergewichtige Menschen haben häufiger eine pathologische Glukosetoleranz. Eine aktuelle Metaanalyse von 7 prospektiven Studien (Nachbeobachtungszeitraum 6 3 Jahre) zeigt, dass das relative Risiko eines kardialen Todes ca. 4% höher ist, wenn Patienten einen pathologischen Glukosetoleranztest aufweisen als bei Nichtvorliegen dieses Faktors. Die Rate, Diabetes mellitus zu entwickeln, beträgt für diese Risikogruppe zwischen 36 und 87 pro Personenjahre (Gerstein 22). Als Alternative zum oralen Glukosetoleranztest wird die Analyse des HbA c -Wertes oder des Nüchternblutzuckers diskutiert. Eine Metaanalyse von 8 Studien mit über. Probanden fand heraus, dass ein HbA c -Wert >7% in der Regel bei Diabetikern zu finden war (Peters et al. 996). Ein Wert zwischen 6 und 7% fand sich häufig bei Patienten mit einem pathologischen Glukosetoleranztest. Nüchternblutzuckerwerte zwischen und 25 mg/dl gelten als pathologisch. Sie haben einen, wenn auch geringen, prädiktiven Wert für kardiovaskuläre Ereignisse. Da der orale Glukosetoleranztest dem Nüchternblutzuckerwert in der Prädiktion kardiovaskulärer Ereignisse überlegen ist, sollte dieser nach Möglichkeit vorgezogen werden. Die Behandlung der pathologischen Glukosetoleranz ist zurzeit noch nicht Gegenstand von Leitlinienempfehlungen. Die von Patienten mit pathologischer Glukosetoleranz hat zwei Ziele: 4 das Verhindern der Entwicklung von Diabetes mellitus und 4 das Vermeiden kardiovaskulärer Ereignisse. > Das Fortschreiten einer pathologischen Glukosetoleranz zum Diabetes mellitus lässt sich durch unterschiedliche Maßnahmen verlangsamen. Gewichtsreduktion und vermehrte körperliche Aktivität reduzieren signifikant die Wahrscheinlichkeit, einen Diabetes mellitus zu entwickeln. Ein kombinierter Ansatz (7% Gewichtsverlust, 5 min Sport/ Woche) reduzierte die Inzidenz des Diabetes mellitus in einer randomisierten Studie. Auch eine medikamentöse mit Metformin oder Orlistat vermindert die Inzidenz des Diabetes mellitus bei Patienten mit pathologischer Glukosetoleranz. Eine Reduktion kardialer Ereignisse ist für diese n nicht beschrieben. In kardiovaskulären Hochrisikogruppen verringert die mit ACE-Hemmern oder AT -Rezeptorantagonisten die Inzidenz des Diabetes mellitus in retrospektiven Analysen randomisierter Studien. In der prospektiven DREAM Studie verringerte Ramipril jedoch nicht die Inzidenz des Diabetes mellitus Typ 2. Acarbose vermindert nicht nur die Inzidenz des Diabetes mellitus, sondern reduziert signifikant auch die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse in dieser Patientengruppe (Chiasson et al. 23). Hypertrophie, linksventrikuläre

7 .3 Klasse-II-Risikofaktoren Leitlinienorientierte Zusammenfassung. Der Nachweis einer pathologischen Glukosetoleranz erhöht das kardiovaskuläre Risiko signifikant (Evidenzgrad III). Unter den möglichen alternativen ist bislang nur für die mit Acarbose eine Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse nachgewiesen (Evidenzgrad IB; Chiasson et al. 23)..3.4 Erniedrigtes»High-density-lipoprotein«- Cholesterin Das nationale Cholesterinerziehungsprogramm (Collins et al. 23) definiert ein HDL-Cholesterin < mmol/l als kardiovaskulären Risikofaktor. HDL-Cholesterin ist ein unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse, der mit der Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse negativ korreliert. Daten der Framingham- Studie zeigen, dass eine Abnahme des HDL-Cholesterins um je,3 mmol/l mit einer Zunahme der Infarktinzidenz von je 25% assoziiert ist. Bei der isolierten Erniedrigung des HDL-Cholesterins sollten zunächst Allgemeinmaßnahmen empfohlen werden (Gewichtsnormalisierung, vermehrte körperliche Betätigung). Eine Erhöhung des HDL-Cholesterins von,26 mmol/l wird durch eine Gewichtsreduktion um 3,5 kg oder eine Ausdauerbelastung von ca. 5 km/woche erreicht. Andere Maßnahmen umfassen Nikotinabstinenz oder moderaten Alkoholkonsum. Ein Alkoholkonsum von 2 Glas Wein pro Tag erhöht das HDL-Cholesterin um ca. 5 %. Beim Fehlen von positiven Endpunktstudien kann die medikamentöse (Gemfibrozil, Nikotinsäure) zur Erhöhung von HDL-Werten zurzeit nicht generell empfohlen werden. Eine Statintherapie erhöht das HDL-Cholesterin um ca. 5 %. Daten der LIPID- und CARE-Studien zeigen, dass eine Zunahme des HDL-Cholesterin-Wertes um,26 mmol/l das kardiovaskuläre Risiko um 29% senkt. Leitlinienorientierte Zusammenfassung. Niedrige HDL-Werte stellen einen kardiovaskulären Risikofaktor dar (Evidenzgrad III; Collins et al. 23). Die wird sich primär auf die begleitenden Lipidabnormalitäten konzentrieren. Neben Allgemeinmaßnahmen erhöhen eine Statintherapie, eine mit Gemfibrozil oder Nikotinsäure die HDL-Werte (Evidenzgrad IB; Collins et al. 23)..3.5 Körperliche Inaktivität Nach Angaben des Bundesgesundheitssurveys von 998 sind ca. 5% der deutschen Bevölkerung weniger als h/woche sportlich aktiv. Nur ca. 5% der Männer und % der Frauen belasten sich mehr als 3 min an den meisten Tagen der Woche. Die Anzahl der Inaktiven nimmt mit dem Alter signifikant zu. So betätigen sich nur noch ca. 2% der Männern und Frauen, die älter als 7 Jahre sind, mehr als h/woche sportlich. Eine Vielzahl internationaler epidemiologischer Untersuchungen hat dokumentiert, dass körperliche Inaktivität mit einer Vielzahl von Erkrankungen assoziiert ist (z. B. Diabetes mellitus, Hypertonie). So ist körperliche Inaktivität selbst nach Korrektur für traditionelle Risikofaktoren mit einem doppelt so hohen Risiko kardiovaskulärer Ereignisse assoziiert. Eine große Anzahl epidemiologischer Untersuchungen zeigt, dass regelmäßige körperliche Aktivität das Risiko für eine Reihe von Erkrankungen signifikant senkt und die Prognose verbessert (7 Übersicht.). Auch für Patienten mit KHK verbessert sich die Gesamtsterblichkeit mit Zunahme der körperlichen Aktivität in der Freizeit. Dabei wird eine regelmäßige körperliche Aktivität von ca. 3 min an den meisten Tagen der Woche empfohlen. Es ist keine spezielle Belastungsart als überlegen dokumentiert, auch Gartenarbeit oder rasches Spazierengehen wirken z. B. protektiv. Insgesamt scheinen der zusätzliche Kalorienverbrauch und das Ausmaß der körperlichen Fitness die entscheidenden Faktoren für die Prognoseverbesserung zu sein: Ein zusätzlicher Verbrauch von ca. kcal/woche senkt die Sterblichkeit um ca. 2%.. Übersicht.. Günstige Effekte eines regelmäßigen körperlichen Trainings 4 Verminderung des Risikos eines frühen Herztodes an koronarer Herzerkrankung zu versterben Diabetes mellitus zu entwickeln eine arterielle Hypertonie zu entwickeln 4 Reduzierung des Blutdruck bei hypertonen Patienten des Risikos von Brust- und Darmkrebs von Fibromyalgiebeschwerden, Depression und Ängstlichkeit der Wahrscheinlichkeit, übergewichtig zu werden 4 Unterstützung der Gewichtsabnahme 4 Verminderung der Sturzgefahr bei älteren Menschen Leitlinienorientierte Zusammenfassung. Bewegungsarmut erhöht das Risiko für eine Vielzahl von Erkrankungen (Evidenzgrad III; Blair et al. 2). Grundsätzlich ist daher eine regelmäßige körperliche Aktivität für Patienten ohne und mit bekannten kardiovaskulären Erkrankungen zu empfehlen (3 min an den meisten Tagen der Woche; Evidenzgrad IB; Thompson et al. 23)..3.6 Adipositas In den letzten 2 Jahren haben Inzidenz und Prävalenz des Übergewichts in allen industrialisierten Ländern signifikant zugenommen. Nach Angaben des Gesundheitssurveys von 998 findet sich in Westdeutschland ein Übergewicht (BMI kg/m 2 ) bei 52% der Frauen und bei 67% der Männer. Starkes Übergewicht oder Adipositas (BMI 3 kg/m 2 ) findet sich bei ca. 2% der Bevölkerung. Mit steigendem Alter nimmt die Prävalenz des Übergewichts kontinuierlich zu. Der höchste mittlere BMI wurde in der Altersgruppe der 6- bis 69-Jährigen gefunden. In dieser Altersgruppe beträgt der mittlere BMI für Männer 28, kg/m 2 und für Frauen 29, kg/m 2. Aber auch in jüngeren Altersklassen findet sich eine relevante Prävalenz der Adipositas. So sind ca. % der 8- bis 39-Jährigen adipös und weisen einen BMI von 3 kg/m 2 auf.

8 8 Kapitel Kardiovaskuläre Risikofaktoren und deren therapeutische Beeinflussung Gewichtsreduktion. Prospektive Studien haben gezeigt, dass eine bewusste Gewichtsabnahme eine Vielzahl von Parametern günstig beeinflusst (Blutdruck, HDL-Cholesterin, Blutzucker). In epidemiologischen Studien wurde auch eine verbesserte Prognose dieser Patienten festgestellt. Es fehlen jedoch prospektiv randomisierte Studien, die zeigen, dass eine dauerhafte Gewichtsreduktion adipöser Menschen nicht nur möglich ist, sondern auch tatsächlich zu einer Verminderung der Sterblichkeit führt. Die gewichtsreduzierende adipöser Patienten ist eine lebenslange Aufgabe. Ziele der Gewichtsreduktionstherapie sollten sein: 4 Verhindern weiterer Gewichtszunahme, 4 Identifikation mit einem realistischen Ziel für die Gewichtsreduktion (die Reduktion soll 5 5% des initialen Gewichts betragen), 4 ein Ziel-BMI von ca. 25 kg/m 2. In der Regel müssen kombinierte ansätze zum Einsatz kommen. Diese Ansätze umfassen eine Reduktion der täglichen Kalorienzufuhr und eine Zunahme der körperlichen Bewegung (zusätzlicher Verbrauch von ca. 5 kcal/woche) und werden mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen verknüpft. Eine bariatrische OP sollte für Patienten mit einem BMI von >35 kg/m² und Folgeerkrankungen der Adipositas oder einem BMI >4 kg/ m² erwogen werden. In nicht randomisierten Studien wird Morbidität und Mortalität verbessert. Medikamentöse. Eine aktuelle Metaanalyse (Rucker et al. 27) zeigt, dass Orlistat das Körpergewicht im Mittel um 2,9 kg, Sibutramin um 4,2 kg und Rimonabant um 4,7 kg reduziert. Ob die Prognose der Patienten günstig beeinflusst wird, ist unbekannt. Indiziert ist die medikamentöse für übergewichtige Patienten (BMI >27 kg/m 2 ), bei denen gleichzeitig schwere Begleiterkrankungen (KHK, Diabetes mellitus) bestehen, oder für solche, die sehr stark übergewichtig sind (BMI >3 kg/m 2 ) und die trotz diätetischer und sportlicher Maßnahmen kein Gewicht verlieren. Leitlinienorientierte Zusammenfassung. Übergewicht und Adipositas begünstigen die Entstehung einer Vielzahl von Erkrankungen (Evidenzgrad III). Eine gewichtsreduzierende umfasst eine kalorienreduzierte Diät sowie vermehrte Bewegung (Evidenzgrad IA; Expert Panel 998). In Einzelfällen kann diese durch Medikamente und Verhaltenstherapie unterstützt werden (Evidenzgrad IB; Hauner et al. 22)..4 Klasse-III-Risikofaktoren Unter Klasse-III-Risikofaktoren versteht man beeinflussbare Risikofaktoren ohne sicheren Effizienznachweis..4. Hypertriglyzeridämie Die isolierte Erhöhung von Triglyzeriden als alleiniger Risikofaktor ist selten. In der Regel finden sich erhöhte Triglyzeridwerte in der Kombination mit anderen Risikofaktoren wie z. B. Diabetes mellitus und Übergewicht. Neuere Analysen zeigen, dass erhöhte Triglyzeridspiegel mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert sind. In einer Metaanalyse von 7 prospektiven Studien mit einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 8,4 Jahren bei Männern und,4 Jahren bei Frauen wurde dokumentiert, dass ein Anstieg der Triglyzeride im Nüchternblut um 88,5 mg/dl signifikant mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko von 4 resp. 37% (Männer resp. Frauen) assoziiert war (Hokanson u. Austin 996). Im Vordergrund steht zunächst die der evtl. vorliegenden sekundären Ursache einer Hypertriglyzeridämie wie diätetische Ursachen, Diabetes mellitus, medikamenteninduziert (Kortikosteroide, β-blocker, synthetische Östrogene etc.). Darüber hinaus umfasst die eine Reduktion des Körpergewichts, vermehrte körperliche Aktivität, Verminderung des Alkoholkonsums und die Vermeidung von kohlenhydratreichen Mahlzeiten. Die spezifisch medikamentöse hängt von der Höhe der Triglyzeridspiegel ab. Dafür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung (. Tab..4). Patienten mit Triglyzeridwerten zwischen 5 und 99 mg/dl werden in der Regel nicht spezifisch medikamentös behandelt. Bei Patienten mit erhöhten Triglyzeridwerten (2 49 mg/dl) sollte zunächst das LDL-Cholesterin normalisiert werden. Bei Patienten mit sehr hohen Triglyzeridwerten (>5 mg/dl) sollten zunächst die sekundären Ursachen (Hyperglykämie) ausgeschlossen und ggf. behandelt werden. Liegen die Triglyzeridwerte deutlich über mg/dl sollte eine Niedrigfettdiät (<5% der Kalorien in Form von Fett) begonnen werden, um die Chylomikronenkonzentration zu reduzieren. Fibrate oder Nikotinsäuren werden bei diesen Patienten eingesetzt und verhindern häufig eine triglyzeridinduzierte Pankreatitis.. Tab..4. Mittlere Effekte verschiedener lipidsenkender n auf Blutfette Medikamentenklasse Serum-LDL-Cholesterin [%] Serum-HDL-Cholesterin [%] Serumtriglyzeride [%] Gallensäureresorptionshemmer 5 bis 3 Keine oder geringe Zunahme Keine Änderung Nikotinsäure bis bis bis 3 HMG-CoA-Reduktase-Hemmer 2 bis 4 +5 bis + bis 3 Gallensäureresorptionshemmer 5 bis 3 +5 Keine Änderung Gemfibrozil bis 5 +5 bis bis 5 Cholesterolresorptionshemmer 7 Keine Änderung Keine Änderung Probucol bis 5 2 bis 25 Keine Änderung Neomycin 2 bis 25 Keine Änderung Keine Änderung Fenofibrate 6 bis 2 +8 bis bis 53

9 .4 Klasse-III-Risikofaktoren Leitlinienorientierte Zusammenfassung. Erhöhte Triglyzeridwerte begleiten häufig andere Lipidabnormalitäten oder Störungen des Glukosestoffwechsels. Eine wird sich primär gegen diese anderen Störungen richten (Evidenzgrad III; Collins et al. 23). Zur spezifisch medikamentösen stehen Statine, Fibrate oder Nikotinsäure zur Verfügung (Evidenzgrad IB; Collins et al. 23). Eine Verbesserung der Prognose durch einen Senkung der Triglyzeride ist jedoch umstritten..4.2 Alkoholabstinenz oder geringer Alkoholkonsum Unter den Genussmitteln nimmt Alkohol einen besonderen Stellenwert ein, da er sowohl gesundheitsfördernde als auch gesundheitsschädliche Effekte hat. Dies wurde in einer 49. Personen umfassenden Studie demonstriert, die zeigte, dass Menschen, die mehr als ein alkoholisches Getränk/Tag zu sich nehmen, ein um ca. 4% niedrigeres kardiales Risiko haben. Das relative Risiko zu versterben ist bei einem täglichen Alkoholkonsum zwischen und 55 g/tag am niedrigsten. Dabei findet sich eine typische J-förmige Korrelation: das Risiko zu versterben ist bei Menschen, die nie Alkohol trinken, und bei Menschen, die mehr als 55 g Alkohol pro Tag trinken, höher als bei Menschen mit geringem Alkoholkonsum. > Während Alkohol bei Männern koronarprotektiv wirkt, sind die Daten für Frauen widersprüchlich. Dies kann durch drei Faktoren erklärt werden: Die Prävalenz für KHK und die Schwelle für alkoholinduzierte Lebererkrankungen sind bei Frauen niedriger; andrerseits ist die Inzidenz von Brustkrebs bei Frauen, die Alkohol trinken, höher. Diese Faktoren können einen sterblichkeitssenkenden Effekt des Alkohols bei Frauen maskieren. Bei postmenopausalen Frauen findet sich eine Reduktion des Gesamtsterblichkeitsrisikos bei einem Alkoholkonsum zwischen, und 2,9 g/tag. Der protektive Effekt von Alkohol findet sich insbesondere bei Frauen mit erhöhtem kardiovaskulären Risiko wie z. B. bei Diabetikerinnen. Leitlinien empfehlen nicht den Genuss des Alkohols, um das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen zu senken. Es ergibt sich jedoch aus den oben genannten Daten, dass ein moderater Alkoholkonsum bei Männern und bei postmenopausalen Frauen (3 5 Portionen Alkohol/Woche) das kardiovaskuläre Risiko erniedrigt. Prospektiv randomisierte Studien zu diesem Thema liegen nicht vor. Zusätzlich muss das individuelle Risiko des Patienten für ungünstige Effekte des Alkohols mitberücksichtigt werden. Zu diesen Patienten gehören naturgemäß alkoholkranke Patienten oder solche, die von einer Alkoholkrankheit gefährdet sind, schwangere Patienten und Patienten, die Verkehrsmittel führen. Leitlinienorientierte Zusammenfassung. Eine Alkoholabstinenz ist in epidemiologischen Untersuchungen besonders bei Männern mit einer erhöhten Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse vergesellschaftet (Evidenzgrad III). Ein sehr moderater Alkoholgenuss scheint kardioprotektiv zu sein (Evidenzgrad III; Collins et al. 23)..4.3 Homocystein Beobachtungsstudien haben einen Zusammenhang zwischen Homocysteinspiegeln und dem vaskulären Risiko sowohl in der Allgemeinbevölkerung als auch bei Patienten mit bekannten kardiovaskulären Erkrankungen beschrieben. Eine Metaanalyse von Daten aus 3 prospektiven und retrospektiven Studien untersuchte den Zusammenhang zwischen Homocystein und dem Risiko für Schlaganfall und KHK (Homocysteine Studies Collaboration 22). In dieser Metaanalyse konnte gezeigt werden, dass eine 25% niedrigere Homocysteinkonzentration (ca. 3 μmol/l) mit einem um ca. % niedrigerem KHK-Risiko und ca. 9% niedrigerem Schlaganfallrisiko einherging. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine weitere Metaanalyse, die u. a. nachwies, dass Patienten mit einem speziellen Polymorphismus der thermolabilen MTHFR-TT nicht nur höhere Homocysteinspiegel hatten, sie hatten auch ein ca. 4 6% höheres Risiko für eine KHK oder einen Schlaganfall pro 5-μmol- Homocysteinerhöhung. Eine mit Vitamin B 6 ( mg/tag), B 2 (,4 mg/tag) und Folsäure ( mg/tag) vermindert die Homocysteinspiegel signifikant. Eine aktulle Cochrane-Analyse von 24.2 behandelten Patienten (Marti-Carvajal et al. 29) kommt jedoch zum Ergebnis, dass dieser Effekt auf den Surrogat-Parameter Homocystein nicht zu einer Verminderung von Myokardinfarkt, Tod oder Schlaganfall führt. Leitlinienorientierte Zusammenfassung. Homocystein spielt eine Rolle in der Atherogenese (Homocysteine Studies Collaboration 22). Für eine allgemeine Behandlungsempfehlung besteht zurzeit keine ausreichende Datengrundlage..4.4 C-reaktives Protein Serumkonzentrationen von C-reaktivem Protein (CRP) haben einen guten prädiktiven Wert für das Risiko eines Myokardinfarkts. Das Risiko eines Myokardinfarkts steigt konzentrationsabhängig um das bis zu 2,5-Fache. Dieser Zusammenhang bleibt auch nach Korrektur für Alter, Rauchen, Blutlipidspiegel, Blutdruck und Diabetes erhalten. Unter Frauen findet sich eine konzentrationsabhängige Zunahme des Risikos einer KHK. Daten der Women s Health Study zeigten, dass das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse in der höchsten Quartile 5,6-fach höher war als in der niedrigsten Quartile. Unter Frauen war der prädiktive Wert des CRP sogar stärker als der des LDL-Cholesterins. Die Analyse von CRP-Werten hat, insbesondere in den unteren Quintilen, eine bessere Trennschärfe für das kardiovaskuläre Risiko als die LDL-Werte (Ridker et al. 22;. Abb..5 a,b). Leitlinien empfehlen zurzeit keine CRP vermindernde. Eine Statintherapie vermindert sowohl in der Primär- als auch in der Sekundärprävention CRP-Spiegel signifikant. In der JUPITER Studie (Ridker et al. 28) wurden Patienten mit niedrigem LDL-Cholesterin und erhöhtem CRP-Spiegel placebokontrolliert mit Rosuvastatin behandelt. Diese reduzierte das absolute Risiko kardiovaskulärer Ereignisse um,59% in,9 Jahren.

10 Kapitel Kardiovaskuläre Risikofaktoren und deren therapeutische Beeinflussung. Abb..5. Prädiktion kardiovaskulärer Sterblichkeit durch (a) C-reaktives-Protein- (CRP-) und (b)»lowdensity-lipoprotein«- (LDL-)Spiegel. CRP bietet in den beiden untersten Quintilen eine bessere Analysekraft als der LDL-Cholesterin-Spiegel. (Nach Ridker et al. 22) Leitlinienorientierte Zusammenfassung. Erhöhte CRP-Spiegel sind mit atherosklerotischen Erkrankungen assoziiert (Evidenzgrad III). Für eine allgemeine Behandlungsempfehlung besteht zurzeit jedoch keine ausreichende Datengrundlage (Evidenzgrad IV). Lp(a) ist ein Plasma Lipoprotein, das LDL reich ist und aus Apolipoprotein B- und Apolipoprotein A besteht. Epidemiologische Daten belegen eine unabhängige Erhöhung des Risikos kardiovaskulärer Ereignisse bei Spiegeln oberhalb von 5 mg/dl. Wenngleich Nikotinsäure die Lp(a)-Spiegel senken kann, ist der prognostische Nutzen einer solchen bislang unbekannt..4.5 Depression Der ursächliche Zusammenhang zwischen Depression und kardiovaskulären Ereignissen wird widersprüchlich diskutiert. So konnte z. B. die Cardiovascular Health Study mit 4493 älteren Patienten zeigen, dass die Zunahme einer Depressionskala um 5 Einheiten das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und die Gesamtsterblichkeit um 5% erhöht. Patienten mit der schwersten Depression hatten ein ca. 6% erhöhtes Risiko für eine KHK (Ariyo et al. 2). Eine interessante Beobachtung wurde im Kollektiv der SHEP-Studie gemacht. In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass eine Zunahme des Depressionsscores unmittelbar vor Myokardinfarkt, Schlaganfall oder Tod zu verzeichnen war. Auch scheint das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse unmittelbar nach Beginn einer Depression deutlich erhöht zu sein. In der internationalen INTERHEART-Studie (Rosengren 24), eine Fall-Kontroll-Studie, wurde bei Patienten mit Myokardinfarkt häufiger die Begleitdiagnose Depression gestellt als in der Vergleichsgruppe (24 vs. 8%). Leitlinienorientierte Zusammenfassung. Eine kausale Ursache von Depression für kardiovaskuläre Ereignisse wird kontrovers diskutiert (Evidenzgrad III). Für eine allgemeine Behandlungsempfehlung der Depression zur Verminderung kardiovaskulärer Ereignisse besteht zurzeit jedoch keine ausreichende Datengrundlage (Evidenzgrad IV)..4.6 Lipoprotein (a).5 Klasse-IV-Risikofaktoren Unter Klasse-IV-Risikofaktoren versteht man Risikofaktoren, die nicht beeinflusst werden können, oder deren Beeinflussung schädlich sein könnte..5. Alter und Geschlecht Das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen nimmt mit dem Alter signifikant zu. Epidemiologische Untersuchungen zeigen, dass prämenopausale Frauen im Vergleich zu gleich alten Männern ein niedrigeres KHK-Risiko haben. Postmenopausal steigt das Risiko jedoch steil an. Zwischen dem 5. und 6. Lebensjahr die Grenze zwischen dem späten perimenopausalen und dem frühen postmenopausalen Zeitraum ist die Inzidenz der KHK bei Männern und Frauen ähnlich. Im späteren Zeitraum nimmt sie bei Frauen rasch zu und übertrifft dann sogar die der Männer. Berücksichtigt man zusätzlich die höhere Lebenserwartung von Frauen, so übersteigt die Prävalenz der KHK von älteren Frauen die der älteren Männer. Leitlinienorientierte Zusammenfassung. Höheres Lebensalter, männliches Geschlecht sowie postmenopausaler Lebensabschnitt sind Risikofaktoren für kardiovaskuläre Ereignisse..5.2 Hormonsubstitution der postmenopausalen Frau Die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse nimmt bei Frauen nach der Menopause zu. Große randomisierte Studien der letzten Jahre zeigen jedoch, dass eine Hormonersatztherapie nicht die Progno

11 Literatur se von postmenopausalen Frauen verbessert. Der WHI-Studienkomplex untersuchte die Frage, ob die Hormonsubstitution (Östrogen/Gestagen) für postmenopausale Frauen zwischen 5 und 79 Jahren kardiovaskulärer Ereignisse reduziert. Eine dieser Studien mit insgesamt 6. Frauen wurde frühzeitig abgebrochen, da sich unter einer Hormontherapie das Risiko für Brustkrebs, Schlaganfall, KHK und tiefe Beinvenenthrombosen erhöhte. Obwohl es signifikante Verbesserungen gab (Risikoreduktion von Frakturen und Darmkrebs), überwog die Einschätzung, dass eine kombinierte Östrogen-/Gestagengabe mehr schadet als nutzt. Auch in Sekundärpräventionsarbeiten konnte kein günstiger Effekt einer Hormontherapie gefunden werden. In der HERS-I- Studie (Heart and Östrogen/Progestin Replacement Study) wurden randomisiert doppelblind placebokontrolliert 2763 postmenopausale Frauen mit einer bekannten KHK mit,625 mg Östrogen und 2,5 mg Mitroxiprogesteron behandelt. Es fand sich kein signifikanter Unterschied bezüglich der Prognose zwischen aktiver und Placebo, obwohl es zu einer Reduktion des LDL-Cholesterins um % und einer Zunahme des HDL-Cholesterins um % kam. Auch in der Nachfolgeuntersuchung (HERS-II-Studie) wurden ebenfalls keine günstigen Effekte über einen längeren Nachbeobachtungsraum dokumentiert. Eine Metaanalyse bestätigt diese negativen Ergebnisse: Eine Hormontherapie postmenopausaler Frauen mit Östrogen- /Gestagenpräparaten beeinflusst weder in der Primär- noch in der Sekundärprävention die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse (Humphrey et al. 22). Sie scheint jedoch für Frauen zwischen 5 und 59 Jahren und für Frauen, die eine solche innerhalb der letzten Jahre nach Beginn der Menopause initiieren, sicher zu sein. Leitlinienorientierte Zusammenfassung. Obwohl der postmenopausale Lebensabschnitt mit einer höheren Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse assoziiert ist, verringert eine Hormonsubstitution diese Inzidenz nicht (Evidenzgrad IA). Zur Behandlung peri- oder postmenopausaler Beschwerden sollte eine Hormonersatz- möglichst kurz und möglichst niedrig dosiert sein. Nach Schlaganfall oder Herzinfarkt sollte keine Hormonersatz- verordnet werden..5.3 Familiäre Disposition Kardiovaskuläre Erkrankungen in der eigenen Familiengeschichte sind ein Risikofaktor für die KHK. Prospektiv wurde die Familienanamnese in der Physician s Health Study und in der Women s Health Study untersucht. Im Vergleich zu einer unauffälligen Familienanamnese war ein mütterlicher Herzinfarkt, ein väterlicher Herzinfarkt oder Infarkte auf beiden Seiten der Eltern mit einer Risikoerhöhung um 4 85% für Männer und um 5% für Frauen assoziiert. Insbesondere wenn der Vater einen Infarkt vor dem 6. Lebensjahr erlitten hatte, war das Risiko stärker erhöht als bei einem Infarkt in einem späteren Lebensalter. Bei der Familienanamnese eines mütterlichen Infarkts spielte das Alter der Mutter zum Zeitpunkt des Infarkts keine Rolle. Diese Daten werden von einer italienischen Fallkontrollstudie unterstützt, in der gezeigt wurde, dass das Risiko bis zu 2-fach erhöht ist, wenn zwei oder mehr Verwandte vor dem 55. Lebensjahr einen Infarkt erlitten hatten. Die Ursache dieser familiären Häufung ist unklar. Es konnte jedoch gezeigt werden, dass sogar asymptomatische Personen, deren Eltern oder Geschwister eine KHK hatten, Perfusionsauffälligkeiten in der Dipyridamolszintigraphie hatten. Offensichtlich wird die Disposition nicht nur für arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus oder Hypercholesterinämie, sondern auch für die endotheliale Dysfunktion weiter vererbt. Diese Daten begründen die Suche nach spezifischen Genloci zur optimalen Prädiktion kardiovaskulärer Ereignisse. Die Effizienz eines solchen Screeningkonzeptes lässt sich zurzeit nicht abschließend beurteilen. Leitlinienorientierte Zusammenfassung. Eine familiäre Disposition ist ein wesentlicher kardiovaskulärer Risikofaktor (Evidenzgrad III). Bei einer positiven Familienanamnese empfiehlt sich eine intensive Risikoabklärung. Literatur Ariyo AA, Haan M, Tangen CM et al. (2) Depressive symptoms and risks of coronary heart disease and mortality in elderly Americans. Cardiovascular Health Study Collaborative Research Group. Circulation 2: Assmann G, Cullen P, Schulte H (22) Simple scoring scheme for calculating the risk of acute coronary events based on the -year follow-up of the prospective cardiovascular Munster (PROCAM) study. Circulation 5: 3 35 Backer G de, Ambrosioni E, Borch-Johnsen K et al. (23) European guidelines on cardiovascular disease prevention in clinical practice. Third Joint Task Force of European and Other Societies on Cardiovascular Disease Prevention in Clinical Practice. 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Gesehen 27 Jan 28 Heart Protection Study Collaborative Group (22) MRC/BHF Heart Protection Study of cholesterol lowering with simvastatin in 2,536 high-risk individuals: a randomised placebo-controlled trial. Lancet 36: 7 22

12 2 Kapitel Kardiovaskuläre Risikofaktoren und deren therapeutische Beeinflussung Hokanson JE, Austin MA (996) Plasma triglyceride level is a risk factor for cardiovascular disease independent of high-density lipoprotein cholesterol level: a meta-analysis of population-based prospective studies. J Cardiovasc Risk 3: Homocysteine Studies Collaboration (22) Homocysteine and risk of ischemic heart disease and stroke: a meta-analysis. JAMA 288: Humphrey LL, Chan BK, Sox HC (22) Postmenopausal hormone replacement therapy and the primary prevention of cardiovascular disease. Ann Intern Med 37: Klingbeil AU, Schneider M, Martus P et al. (23) A meta-analysis of the effects of treatment on left ventricular mass in essential hypertension. Am J Med 5:4 46 Law MR, Wald NJ, Rudnicka AR (23) Quantifying effect of statins on low density lipoprotein cholesterol, ischaemic heart disease, and stroke: systematic review and meta-analysis. BMJ 326: Lewington S, Clarke R, Qizilbash N et al. (22) Age-specific relevance of usual blood pressure to vascular mortality: a meta-analysis of individual data for one million adults in 6 prospective studies. Lancet 36: Martí-Carvajal AJ, Solà I, Lathyris D, Salanti G (29) Homocysteine-Lowering interventions for preventing cardiovascular events. Cochrane Database Syst Rev 29; Oct 7(4): CD662. DOI:.2/ CD662.pub2 Peters AL, Davidson MB, Schriger DL, Hasselblad VA (996) A clinical approach for the diagnosis of diabetes mellitus: an analysis using glycosylated hemoglobin levels. Meta-analysis Research Group on the Diagnosis of Diabetes Using Glycated Hemoglobin Levels. JAMA 276: Ridker PM, Rifai N, Rose L, et al. (22) Comparison of C-reactive protein and low-density lipoprotein cholesterol levels in the prediction of first cardiovascular events. N Engl J Med 347: Ridker PM, Danielson E, Fonseca FAH et al. (29) Rosuvastatin to prevent vascular events in men and women with elevated c-reactive protein. N Engl J Med 359: Rifai N, Buring JE, Lee IM et al. (22) Is C-reactive protein specific for vascular disease in women? Ann Intern Med 36: Rosengren A, Hawken S, Ounpuu S et al. (24) Association of psychosocial risk factors with risk of acute myocardial infarction in 9 cases and 3648 controls from 52 countries (the INTERHEART study). Lancet 364: Rucker D, Padwal R, Li SK et al (27) Long term pharmacotherapy for obesity and overweight: updated meta-analysis. BMJ 335: Schramm TK, Gislason GH, Køber L et al. (28) Diabetes patients requiring glucose-lowering therapy and non-diabetics with a prior myocardial infarction carry the same cardiovascular risk. Circulation 7: Silagy C, Lancaster T, Stead L et al. (22) Nicotine replacement therapy for smoking cessation. Cochrane Database Syst Rev 4:CD46 Stamler J, Wentworth D, Neaton JD (986) Is relationship between serum cholesterol and risk of premature death from coronary heart disease continuous and graded? Findings in 356,222 primary screenees of the Multiple Risk Factor Intervention Trial (MRFIT). JAMA 256: Thompson PD, Buchner D, Pina IL et al. (23) Exercise and physical activity in the prevention and treatment of atherosclerotic cardiovascular disease: a statement from the Council on Clinical Cardiology (Subcommittee on Exercise, Rehabilitation, and Prevention) and the Council on Nutrition, Physical Activity, and Metabolism (Subcommittee on Physical Activity). Circulation 7: Tzoulaki I, Molokhia M, Curcin V et al. (29) Risk of cardiovascular disease and all cause mortality among patients with type 2 diabetes prescribed oral antidiabetes drugs:retrospective cohort study using UK general practice research database. Br Med J 339: b473. DOI:.36/ bmj.b473

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