HELIOS Kliniken Schwerin. Fallbeispiele. Potentiell inadäquate Medikation im Alter. Lutz M. Drach. HELIOS Kliniken GmbH

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1 HELIOS Kliniken Schwerin Fallbeispiele Potentiell inadäquate Medikation im Alter Lutz M. Drach

2 Frau M. T. 83J. Anamnese: Alleine lebende Patientin, versorgte sich selbst, bisher keine kognitiven oder andere psychiatrische Auffälligkeiten. Erlitt vor einer Woche Stolpersturz in der Häuslichkeit mit vorderer Beckenringfraktur. Zur Schmerzbehandlung für die Mobilisierung erhält sie zunächst 4x800mg Ibuprofen/die und wegen unzureichender Schmerzlinderung seit drei Tagen ein Fentanyl 50µg/h Pflaster. Seit dem Vortag ist Frau T. delirant. Digitoxin-Spiegel 17.8 (bis 25). Dauerdiagnosen: Hypertonie Diabetes mellitus Typ II, diätetisch Absolute Arrhythmie Herzinsuffizienz NYHA II Niereninsuffizienz Hyperlipidämie Glaukom Übrige Medikamente seit Jahren gleich: Digitoxin 0,07mg Tbl (WEP) Verapamil 80mg Tbl Torasemid 10mg Tbl Simvastatin 40mg Tbl ASS 300mg Tbl Omeprazol 20mg Tbl Zopiclon 7,5mg Tbl. z.n. Timoptol Augentropfen Wegen einer hartnäckigen Erkältung seit 14 Tagen: Zink 50mg Drg

3 Frau M. T. 83J. Anamnese: Alleine lebende Patientin, versorgte sich selbst, bisher keine kognitiven oder andere psychiatrische Auffälligkeiten. Erlitt vor einer Woche Stolpersturz in der Häuslichkeit mit vorderer Beckenringfraktur. Zur Schmerzbehandlung für die Mobilisierung erhält sie zuletzt 4x800mg Ibuprofen/die und wegen unzureichender Schmerzlinderung seit drei Tagen ein Fentanyl 50µg/h Pflaster. Seit dem Vortag ist Frau T. delirant. Digitoxin-Spiegel 17.8 (bis 25). Dauerdiagnosen: Hypertonie Diabetes mellitus Typ II, diätetisch Absolute Arrhythmie Herzinsuffizienz NYHA II Niereninsuffizienz Hyperlipidämie Glaukom Welche problematischen Medikationen sehen Sie? Dauermedikation seit Jahren gleich: Digitoxin 0,07mg Tbl (WEP) Verapamil 80mg Tbl Torasemid 10mg Tbl Simvastatin 40mg Tbl ASS 300mg Tbl Omeprazol 20mg Tbl Zopiclon 7,5mg Tbl. z.n. Timoptol Augentropfen Wegen einer hartnäckigen Erkältung seit 14 Tagen: Zink 50mg Drg

4 Frau M. T. 83J. Auflösung Aktuelle Medikationen: Ibuprofen: Analgetische Wirkung wird von Zink gemindert. Hohe TD von mg bei Niereninsuffizienz problematisch, da überwiegend renale Elimination. Fentanyl: Alle Opiate prinzipiell delirogen Dosis entscheidet. Omeprazol verdrängt Fentanyl aus der Plasmaeiweißbindung, die bei 90% liegt. Dadurch höherer Fentanyl-Spiegel.

5 Frau M. T. 83J. Auflösung Aktuelle Medikationen: Ibuprofen: Analgetische Wirkung wird von Zink gemindert. Hohe TD von mg bei Niereninsuffizienz problematisch, da überwiegend renale Elimination. Fentanyl: Alle Opiate prinzipiell delirogen Dosis entscheidet. Omeprazol verdrängt Fentanyl aus der Plasmaeiweißbindung, die bei 90% liegt. Dadurch höherer Fentanyl-Spiegel. Dauermedikation: Omeprazol: s.o. besser Pantoprazol Zopiclon: Dosis von 7,5mg im Alter zu hoch, maximal 3,75mg. Möglicherweise mit ursächlich für den Sturz. Verapamil: Zusammen mit Simvastatin ist das Risiko für Rhabdomyolyse erhöht. Simvastatin-Dosis sollte reduziert werden. Hohe unretardierte Verapamil-Dosis könnte über orthostatische Hypotonie oder Bradykardie mit ursächlich für Sturz sein.

6 Frau A. Sch. 78J. Anamnese: Alleine lebende Patientin, die mehrfach, zuletzt vor 25 Jahren wegen einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis stationär psychiatrisch behandelt wurde. Seit mehr als 15 Jahren mit Risperidon + Carbamazepin psychisch stabil geblieben. Seit einer Woche plötzlich Beeinträchtigungsideen gegenüber den Nachbarn im Haus, Angst, fürchtet sich vor Männern in der Wohnung, zunehmend schwindelig und gangunsicher. Mehrfach gestürzt, nur Prellungen. Einweisung nach PsychKG, da Eigengefährdung. Serum-Natrium bei Aufnahme 111mmol/l. Dauerdiagnosen: Schizophrenie Hypertonie Cor hypertonicum Globale Herzinsuffizienz NYHA II Niereninsuffizienz Stadium 3 Lumbago Coxarthrose bds. Übrige Medikamente seit Jahren gleich, werden von Pflegedienst gegeben: Risperidon 1mg Tbl Carbamazepin 400mg retard Furosemid 20mg Tbl Ramipril 10mg Tbl Amlodipin 5mg Tbl. ½-0-0-½ Diclofenac 50mg Drg. b.b. Wegen zunehmenden Beinödemen hatte die Patientin vor zwei Wochen zusätzlich 25mg Hydrochlorothiazid + 50mg Spironolacton erhalten.

7 Frau A. Sch. 78J. Anamnese: Alleine lebende Patientin, die mehrfach, zuletzt vor 25 Jahren wegen einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis stationär psychiatrisch behandelt wurde. Seit mehr als 15 Jahren mit Risperidon + Carbamazepin psychisch stabil geblieben. Seit einer Woche plötzlich Welche Beeinträchtigungsideen Medikamente haben gegenüber zu den Nachbarn im Haus, Angst, fürchtet sich vor Männern der schweren in der Hyponatriämie Wohnung, zunehmend schwindelig und gangunsicher. Mehrfach gestürzt, beigetragen? nur Prellungen. Einweisung nach PsychKG, da Eigengefährdung. Serum-Natrium bei Aufnahme 111mmol/l. Dauerdiagnosen: Schizophrenie Hypertonie Cor hypertonicum Globale Herzinsuffizienz NYHA II Niereninsuffizienz Stadium 3 Lumbago Coxarthrose bds. Übrige Medikamente seit Jahren gleich, werden von Pflegedienst gegeben: Risperidon 1mg Tbl Carbamazepin 400mg retard Furosemid 20mg Tbl Ramipril 10mg Tbl Amlodipin 5mg Tbl. ½-0-0-½ Diclofenac 50mg Drg. b.b. Wegen zunehmenden Beinödemen hatte die Patientin vor zwei Wochen zusätzlich 25mg Hydrochlorothiazid + 50mg Spironolacton erhalten.

8 Frau A. Sch. 78J. Auflösung: Auslöser war die neue Medikation mit Hydrochlorothiazid + Spironolacton, die beide Hyponatriämien verursachen können

9 Frau A. Sch. 78J. Auflösung: Auslöser war die neue Medikation mit Hydrochlorothiazid + Spironolacton, die beide Hyponatriämien verursachen können Zusätzlich könnten: Carbamazepin Ramipril Diclofenac zur Hyponatriämie beitragen. Furosemid kann in hohen Dosen delirogen sein, aber eher nicht bei 20mg/die.

10 Frau A. Sch. 78J. Auflösung: Auslöser war die neue Medikation mit Hydrochlorothiazid + Spironolacton, die beide Hyponatriämien verursachen können Zusätzlich könnten: Carbamazepin Ramipril Diclofenac zur Hyponatriämie beitragen. Furosemid kann in hohen Dosen delirogen sein, aber eher nicht bei 20mg/die. Keines der genannten Medikamente steht in der PRISCUS-Liste!

11 Frau E. O. 88 J. Anamnese: Bis Sommer 2004 selbständig alleine gelebt, kein Hinweis auf Demenz. 09/2004 stationär in Innerer Klinik eines peripheren Krankenhauses wegen HOPS bei Exsikkose und Dyselektrolytämie. Besserung unter Furosemid und Infusionsbehandlung. Eine Hyperkalzämie wurde damals nicht weiter abgeklärt. Patientin lebte wieder zu hause, sie entwickelte 12/2004 zunehmende Verfolgungsideen, geisterte im Dorf umher, am Vortag Aufnahme im Pflegeheim, dort tätlich gegen Mitbewohner und Personal. Schwerhörig, nur zur Person orientiert, Auffassung, Konzentration und Gedächtnis gestört, Denken inkohärent, Verfolgungsideen, Misstrauen, Antrieb gesteigert, suizidale Äußerungen. Labor bei Aufnahme (SI-Einheiten) u. a.: Creatinin 187, Kalzium 3,07 (2,20-2,65) Welche Laborwerte führen weiter?

12 Frau E. O. 88 J. Anamnese: Bis Sommer 2004 selbständig alleine gelebt, kein Hinweis auf Demenz. 09/2004 stationär in Innerer Klinik eines peripheren Krankenhauses wegen HOPS bei Exsikkose und Dyselektrolytämie. Besserung unter Furosemid und Infusionsbehandlung. Eine Hyperkalzämie wurde damals nicht weiter abgeklärt. Patientin lebte wieder zu hause, sie entwickelte 12/2004 zunehmende Verfolgungsideen, geisterte im Dorf umher, am Vortag Aufnahme im Pflegeheim, dort tätlich gegen Mitbewohner und Personal. Schwerhörig, nur zur Person orientiert, Auffassung, Konzentration und Gedächtnis gestört, Denken inkohärent, Verfolgungsideen, Misstrauen, Antrieb gesteigert, suizidale Äußerungen. Labor bei Aufnahme (SI-Einheiten) u. a.: Creatinin 187, Kalzium 3,07 (2,20-2,65) Welche Laborwerte führen weiter? Parathormon intakt i.p. 288 (10-75 ng/l) Serum-Phosphat 0,75 (0,84-1,45)

13 Frau E. O. 88 J. Medikation: Wegen Knochenschmerzen und nachgewiesener Osteopenie in der Osteodensitometrie erhielt die Patientin seit 11/2004 neu 500mg Kalzium i.e. Vitamin D3 als Kombinationspräparat (Ideos-KT.). Dauermedikation: Ramipril 10mg Tbl Amlodipin 5mg Tbl. ½ Furosemid 40mg Tbl Zopiclon 7,5mg Tbl ½ Timolol AT

14 Frau E. O. 88 J. Verlauf: Exzessive autonome Überproduktion von Parathormon, Ursache zu 99% benignes neoplastisches Wachstum eines einzelnen Epithelkörperchens (Adenom). Blut: Ca P0 4 normal oder Urin: Ca P0 4 Primärer Hyperparathyreoidimus

15 Frau E. O. 88 J. Verlauf: Exzessive autonome Überproduktion von Parathormon, Ursache zu 99% benignes neoplastisches Wachstum eines einzelnen Epithelkörperchens (Adenom). Blut: Ca P0 4 normal oder Urin: Ca P0 4 Primärer Hyperparathyreoidimus

16 Frau E. O. 88 J. Verlauf: Exzessive autonome Überproduktion von Parathormon, Ursache zu 99% benignes neoplastisches Wachstum eines einzelnen Epithelkörperchens (Adenom). Blut: Ca P0 4 normal oder Urin: Ca P0 4 Zusätzliche Kalzium-Aufnahme führte zum Anstieg des Kalzium-Spiegels Primärer Hyperparathyreoidimus

17 Frau E. O. 88 J. Verlauf: Exzessive autonome Überproduktion von Parathormon, Ursache zu 99% benignes neoplastisches Wachstum eines einzelnen Epithelkörperchens (Adenom). Blut: Ca P0 4 normal oder Urin: Ca P0 4 Weiterer Verlauf: Besserung des Verfolgungswahns und des Delirs unter Furosemid in NaCl- Infusionen und dem Bisphosphonat Ibandronat (Bonviva) i.v. Keine Einsicht der Patientin und ihrer Bevollmächtigten in Notwendigkeit weiterer Diagnostik und Therapie (z.b. OP). Entlassung gegen ärztlichen Rat, verstorben 01/2005. Zusätzliche Kalzium-Aufnahme führte zum Anstieg des Kalzium-Spiegels Primärer Hyperparathyreoidimus

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