Arbeitskreis der musikpädagogischen Fachbereiche an den österreichischen Musikuniversitäten. Juli, 2010

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1 Arbeitskreis der musikpädagogischen Fachbereiche an den österreichischen Musikuniversitäten Ansprechperson Univ. Prof. Mag. Dr. Monika Oebelsberger Leiterin der Abteilung für Musikpädagogik Universität Mozarteum Mirabellplatz Salzburg Tel Juli, 2010 An Stellungnahme aus Sicht der Institute bzw. Abteilungen für Musikpädagogik an österreichischen Musikuniversitäten zu LehrerInnenbildung Neu. Die Zukunft der pädagogischen Berufe. vom April 2010 I. Vorbemerkungen: Die Musikuniversitäten haben traditionellerweise eine den künstlerischen Ausbildungen entsprechende Struktur ihrer Lehramtsstudien. Da die spezifischen Erfordernisse dieser Lehramtsstudien der künstlerischen Fächer bisher in LehrerInnenbildung Neu noch nicht berücksichtigt werden konnten, verstehen wir unser Papier als eine wichtige Ergänzung zu den Überlegungen der ExpertInnenkommission. Wir begrüßen daher ausdrücklich die im Papier der Uniko 1 formulierte Forderung, ab nun die Stakeholder der Musikuniversitäten 2 in den Diskussions- und Reformprozess um LehrerInnenbildung Neu einzubinden. Wir unterstützen die Betonung eines simultanen Modells (alle Ausbildungsbereiche auf BA- und MA-Ebene) allerdings unter Berücksichtigung einer für den künstlerischen Bereich erforderlichen 5. Säule (künstlerische Ausbildung). 1 Stellungnahme der Österreichischen Universitätenkonferenz zum ExpertInnenbericht LehrerInnenbildung Neu. Die Zukunft der pädagogischen Berufe 2 Damit sind im Besonderen gemeint: Musikpädagogische Abteilungen/Institute und musikpädagogische Studiendekanate.

2 Musikpädagogik als forschungsgeleitete Fachwissenschaft ist an allen Musikuniversitäten installiert und stellt somit ein bereits etabliertes Modell zur Förderung berufsrelevanter Forschungsarbeit dar. Im Folgenden werden zunächst die Spezifika der aktuellen Studienorganisation des Studiums Unterrichtsfach Musikerziehung hervorgehoben, die besonders relevant für die geplante Ausbildungsreform sind. In der Formulierung der anschließenden 8 Thesen bekennen wir uns grundsätzlich dazu, dass eine Ausbildungsreform der LehrerInnen nur gleichzeitig mit einer Schulreform gedacht werden kann. Status quo der MusiklehrerInnenbildung an den vier österreichischen universitären Standorten Graz, Innsbruck, Salzburg und Wien Musikpädagogik ist entsprechend ihrer spezifischen Anforderungen als Fachdisziplin etabliert und organisiert. Auf universitärer Ebene wird dies im Bereich Musik an der Differenzierung in Musikwissenschaft und Musikpädagogik deutlich. In den nachfolgenden Punkten werden die Spezifika des Lehramtsstudiums im Fach Musik zusammengefasst: 1. Integration der unterschiedlichen Ausbildungsteile Kunst, Pädagogik, Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Schulpraxis in enger Vernetzung: Die einzelnen Bereiche des MusiklehrerInnenstudiums stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern sind notwendiger Weise aufeinander bezogen. Sie werden von den Musikuniversitäten zentral koordiniert. Den Anforderungen des späteren Berufsfeldes ist unabdingbar durch ein gezieltes Zusammenspiel der Ausbildungsteile nachzukommen. So entsteht eine spezifische Ausbildungskultur, in der die vielfältigen, geforderten Kompetenzen vermittelt werden können. 2. Zulassungsprüfung Die Zulassungsprüfung beinhaltet neben der Überprüfung der künstlerischen Eignung auch einen pädagogischen Teil, bei dem kreativ-kommunikative Kompetenzen sowie die Fähigkeit zur Selbstreflexion gefordert sind. Auf diese Weise signalisiert bereits die Zulassungsprüfung, dass das Lehramtsstudium als ein Ineinandergreifen von künstlerischen, wissenschaftlichen und pädagogischen Anteilen betrachtet wird. 3. Künstlerische Entwicklung Eine künstlerische Ausbildung braucht Zeit und Kontinuität. Der Erwerb technischer Fertigkeiten am Instrument, Hand in Hand mit künstlerischer Entwicklung, ermöglicht vielfältige Begegnungen mit Musik. Dabei ist die Reflexion auf intra- und interpersonaler Ebene über einen längeren Zeitraum eine notwendige Voraussetzung für künstlerische Entfaltungs- und Entwicklungsprozesse. Dies bildet die Basis für einen fundierten Musikunterricht. 4. Künstlerisch-pädagogische Abschlussprüfung

3 Die curricular seit einigen Jahren an allen Musikuniversitäten verankerte Form der Abschlussprüfung fordert und fördert individuelle Schwerpunktsetzungen, künstlerische Fokussierung sowie fächerübergreifendes und interdisziplinäres Denken und Arbeiten zeichnete der Deutsche Musikrat die Abschlussprüfung am Universitätsstandort Graz mit dem INVENTIO in der Kategorie Innovative musikpädagogische Ausbildung aus. Eine Studie aus dem Jahr bestätigt, dass diese Form des Studienabschlusses und die damit verbundene Studienstruktur angehende MusikpädagogInnen bestmöglich auf die breit gefächerten Anforderungen des künstlerischen Unterrichtsfaches Musik vorbereitet. 5. Berufsfeldorientierung Die Begegnung mit dem späteren Berufsfeld setzt im Lehramtsstudium (Unterrichtsfach Musikerziehung) besonders frühzeitig durch Lehrveranstaltungen wie Lehrpraktische Übungen und Praktika ein. Diese werden von UniversitätslehrerInnen, die in Schulen tätig sind, betreut. Über die gesamte Studiendauer hinweg wird so eine intensive, individuelle und praxisbezogene Vorbereitung auf den späteren Tätigkeitsbereich ermöglicht. 8 Thesen zur MusiklehrerInnenbildung an den vier österreichischen universitären Standorten Graz, Innsbruck, Salzburg und Wien These 1: 5-Säulenmodell Das Lehramtsstudium (Unterrichtsfach Musikerziehung) basiert im Unterschied zu anderen Lehramtsstudien auf einem 5-Säulenmodell in engem Bezug von Fachwissenschaft und Pädagogik: Künstlerische Ausbildung, Pädagogik, Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Schulpraxis These 2: Studiendauer von Bachelor und Master Diese beiden Bereiche müssen im Laufe des Studiums fundamental verbunden sein und erfordern im Sinne einer wirksamen künstlerischen Sozialisierung ausreichende Zeiträume. Deshalb plädieren wir für eine Studiendauer von 4+2 Jahren: 4 Jahre BA/ 2 Jahre MA. These 3: Induktionsphase und Masterstudiengang Das 4-semestrige Masterstudium soll im 1. Jahr ohne Anstellung im Beruf zur künstlerischen Vertiefung als Grundlage für die berufsrelevante Nutzung der allgemein musikpädagogischen Kompetenzen dienen. Das 2. Jahr sollte berufsbegleitet mit integrierter Induktionsphase an Stelle des angedachten Turnus organisiert sein und mit einer berufsrelevanten, musikpädagogischen Masterarbeit abschließen. Die Betreuung der Lehrtätigkeit an der Schule ist in Kooperation von Schule mit Universität zu leisten. 3 Vgl. und [ ]

4 These 4: Zulassungsprüfung und Eignung für den Lehrberuf Bei Erhalt der Zulassungsprüfung im bisherigen gesetzlichen Rahmen für die künstlerischen Unterrichtsfächer begrüßen wir die Überprüfung der Eignung zum Lehrberuf nach der Studieneingangsphase. These 5: Weiterbildung Wir bekennen uns zu einer verpflichtenden Weiterbildung im Sinne der Idee des Lebenslangen Lernens. These 6: Doktoratsstudien Nach erfolgtem BA- und MA-Studium muss es die Möglichkeit geben, ein Doktoratsstudium anzuschließen. Unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklungen im Bereich der PHD- Programme an den österreichischen Universitäten sind zwei Wege für LehrerInnen denkbar: Professional Doctorate berufsbegleitet oder forschungsintensives PHD-Studium als Vollzeitstudierende. These 7: Interdependenz zwischen MusikpädagogInnen und AllgemeinpädagogInnen Die derzeitigen Curricula decken die im ExpertInnenpapier genannten allgemeinpädagogischen Kernbereiche Kommunikation, Lernen & Lehren und Persönlichkeit/pädagogische Profession ab. (Vgl. S. 37) Die übrigen genannten Bereiche sollten in enger Abstimmung mit den Musikuniversitäten entwickelt und konkretisiert werden. These 8: Kombinationsstudium Wir bekennen uns zu einem Kombinationsstudium, wobei ein Einsatz in beiden Unterrichtsfächern sicherzustellen ist. Monofach AbsolventInnen sind laut Studien besonders BurnOut gefährdet. 4 Für den Arbeitskreis der musikpädagogischen Fachbereiche an der Kunstuniversität, Graz (Institut für Musikpädagogik) Universität Mozarteum, Salzburg/ Innsbruck (Abteilung für Musikpädagogik Salzburg, Abteilung für Musikpädagogik Innsbruck) Universität für Musik und Darstellende Kunst, Wien (Institut für Musikpädagogik) Ansprechperson: Univ. Prof. Mag. Dr. Monika Oebelsberger Leiterin der Abteilung für Musikpädagogik 4 Vgl: Schaarschmidt,U./Fischer,A.W (2000): Bewältigungsmuster im Beruf. Persönlichkeitsunterschiede in der Auseinandersetzung mit der Arbeitsbelastung. Göttingen. Bailer, Noraldine (Hg.) (2009). Musikerziehung im Berufsverlauf. Eine empirische Studie über Musiklehrerinnen und Musiklehrer. Wien.

5 Universität Mozarteum Salzburg Mirabellplatz Salzburg

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