Die Landeshauptstadt Hannover ist zum Höhepunkt der Friedensbewegung im Jahr 1983 Mitglied von Mayors for Peace geworden.

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1 Grußwort Bundesweite Planungs- und Aktionskonferenz 70 Jahre Hiroshima/Nagasaki von Oberbürgermeister Stefan Schostok, es gilt das gesprochene Wort - Begrüßung, herzlich willkommen im Neuen Rathaus. Ich begrüße Sie ganz herzlich als einer der acht Vize-Präsidenten von Mayors for Peace zu Ihrer bundesweiten Planungs- und Aktionskonferenz 70 Jahre Hiroshima/Nagasaki. Mayors for Peace vertritt heute über Städte weltweit in über 150 Ländern mit der Vision einer atomwaffenfreien Welt. Heute koordinieren wir in Hannover über 400 deutsche Mitgliedsstädte, die Mayors for Peace beigetreten sind. Die Landeshauptstadt Hannover ist zum Höhepunkt der Friedensbewegung im Jahr 1983 Mitglied von Mayors for Peace geworden. Der Hintergrund für unser Engagement für eine atomwaffenfreie Zukunft ist die lange Freundschaft und Städtepartnerschaft mit der japanischen Stadt Hiroshima. Seit drei Jahrzehnten pflegen wir diese Städtepartnerschaft. Geopolitisch liegen 32 bewegte Jahre hinter uns. Mit dem Fall der Mauer brach eine neue Zeit der Verständigung von Ost und West an. Viele von uns hegten die Hoffnung auf eine vollständige atomare Abrüstung. Das Gegenteil ist leider der Fall. Weltweit gibt es immer noch etwa Atomwaffen im Besitz von neun Ländern: USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea. 1

2 Viele dieser Atomwaffen sind nicht sachgemäß gelagert. Die Abrüstungsverpflichtung des Atomwaffensperrvertrags ist bisher kraftlos geblieben. Von den Atomwaffenstaaten ist bekannt, dass sie ihren Bestand sogar noch modernisieren wollen. Das gilt 2015 besonders für die US-Atombomben, die in Deutschland bei Büchel in der Eifel stationiert sind. Besonders alarmierend sind die aktuellen politischen Entwicklungen, die mit der Ukraine-Krise zusammen hängen. Viele sprechen von einer neuen Eiszeit zwischen den ehemaligen Machtblöcken. Andere fürchten gar einen dritten Weltkrieg. Auch eine der großen Tageszeitungen in Hannover, die Neue Presse, widmete der atomaren Bedrohung vor genau einer Woche eine Titelseite. Hinter der Schlagzeile Atomakte Hannover standen zwar nur historische Recherchen zu den 50ger Jahren. Aber dass mit Atomwaffen wieder Schlagzeilen zu machen sind, sagt viel über die neue Sensibilität zu diesem Thema. So wundert es dann auch kaum, wenn Spiegelonline vor wenigen Tagen berichtete, dass die US-Regierung angesichts der Spannungen mit Russland die Wiedereinrichtung eines roten Telefons zwischen beiden Weltmächten vorgeschlagen hat. All dies zeigt, dass der Einsatz für Frieden und Abrüstung und die Arbeit von Mayors for Peace nach wie vor wichtig ist. Wir werden also weiterhin versuchen, Entscheidungsträger der Welt davon zu überzeugen, dass Atomwaffen nicht nur die Zukunft der Städte, sondern auch der ganzen Menschheit bedrohen. Anrede, die Initiative zu einer Planungs- und Aktionskonferenz anlässlich des 70. Jahrestages des Atombombenabwurfes begrüße ich. Die Stadt Hannover wird sich, wie übrigens jedes Jahr, mit verschiedenen Aktivitäten beteiligen. 2

3 Jedes Jahr veranstalten wir als Stadt verschiedene Gedenkveranstaltungen mit den japanischen Freundschaftsvereinen und Friedensgruppen. Auch städteplanerisch haben wir mit einem Hiroshima-Hain in der Südstadt deutliche Akzente in unserer Stadt gesetzt. Der Hain enthält eine Gedenkstätte mit 110 Kirschbäumen zum Gedenken an die Japaner, die während des Atombombenabwurfs am 6. August 1945 in Hiroshima ums Leben kamen. Im Rahmen von Mayors for Peace zeigen wir als Kommune vor allem Flagge für weltweite Abrüstung: Jedes Jahr organisieren wir am 8. Juli einen bundesweiten Flaggentag. Der Flaggentag erinnert an das Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs vom 8. Juli 1996 zustande gekommen im Auftrag der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Danach verstößt der Einsatz von Atomwaffen bereits die Androhung des Einsatzes gegen grundsätzliche Prinzipien des humanitären Völkerrechts. Im letzten Jahr haben sich 140 Gemeinden und Städte beteiligt und mit der Flagge der "Bürgermeister für den Frieden" ein sichtbares Zeichen für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen gesetzt. Ein besonderes Highlight im letzten Jahre war der Besuch einer Delegation der Mayors for Peace und weiterer Friedensorganisationen im Auswärtigen Amt. Unser Bürgermeister Thomas Hermann hat daran teilgenommen. Die Delegation wurde von der Beauftragten der Bundesregierung für Fragen der Abrüstung und Rüstungskontrolle, Botschafterin Antje Leendertse, empfang und hat - so wurde mir berichtet intensiv miteinander diskutiert. 3

4 Im Mittelpunkt der Gespräche standen die aktuellen Pläne der USA für die Modernisierung von Atomwaffen sowie die Klage der Marshall Inseln vor dem Internationalen Gerichtshof. Mit folgenden Aktivitäten wollen wir uns in Hannover an dem Gedenkjahr beteiligen: Der Flaggentag am 8. Juli von Mayors for Peace ist der Auftakt zu mehrwöchigen Aktivitäten in Hannover. Wir werden unsere Mitgliedsstädte bitten, sich ebenfalls stark am Flaggentag zu beteiligen. Im Zeitraum vom 8. Juli bis zum 6. August sollen verschiedene Veranstaltungen auf die Auswirkungen des Einsatzes von Atomwaffen hinweisen. Sicher werden auch aktuelle friedenspolitische Fragen auf der Tagesordnung stehen. Im Sommer erwartet der CVJM allein 46 Jugendliche aus Hiroshima für ein großes internationales Sommerlager in der Region Hannover. Auch Gruppen aus Russland und den USA werden teilnehmen. Wir werden den Jugendverband bei der Unterbringung der jungen Menschen unterstützen. Lassen Sie mich abschließend noch mit einem persönlichen Kommentar schließen. Auch wenn sich Mayors for Peace vor allem für atomare Abrüstung einsetzt, umfasst meines Erachtens Friedenspolitik für Städte viel mehr Bereiche unseres Lebens: wirtschaftliche und soziale Sicherheit, nachbarschaftliches Miteinander, demokratische Teilhabe sind nur einige Stichworte. In dieser Hinsicht stehen wir derzeit vor zwei zentralen Herausforderungen: Wir wollen den Flüchtlingen, die aus den vielen Krisengebieten der Welt zu uns kommen, eine menschenwürdige Zuflucht bieten. Als 4

5 Friedensstadt Hannover engagieren wir uns daher besonders für eine Willkommenskultur in der Nachbarschaft und in den Stadtteilen. Wir wenden Hasspredigern den Rücken zu. Vor zwei Wochen sind Menschen in Hannover für Toleranz und Vielfalt auf die Straße gegangen. Die breite gesellschaftliche Allianz gegen Pegida und den Ableger Hagida zeigt, wie stark der Friedensgedanke in Hannover verwurzelt ist. In diesem Sinne tagt die Aktionskonferenz an dem richtigen Ort: in Hannover. Viel Erfolg bei ihren Planungen. 5

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