Die Wirtschaft. Standortfaktor Breitband. zwischen Alb und Bodensee. Neues Gesetz Erleichterungen für den Mittelstand

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1 Mai 2013 Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee Neues Gesetz Erleichterungen für den Mittelstand Seite 52 Highway to Help Charity-Aktion der Wirtschaftsjunioren Seite 44 Kritik an Straßenbau Vernachlässigung der B 312 Seite 50 INTERNET Standortfaktor Breitband Seite 17

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3 Editorial Digitale Revolution ohne den Ländlichen Raum? Schnelles Internet ist derzeit der wichtigste Standortfaktor für Unternehmen dies zeigte die jüngste IHK-Standortumfrage in unserer Region. Bis 2018 soll laut Bundesregierung die flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet sichergestellt sein. Viel zu spät, denn schon heute können Länder wie Litauen mit einer Glasfaserversorgung für ein Drittel aller Haushalte aufwarten. Die Datenautobahn darf an der Region nicht vorbeilaufen Dr. Peter Jany, Eins steht fest: Bei der aktuellen Ausbaugeschwindigkeit findet die digitale Revolution hierzulande Hauptgeschäftsführer IHK Bodensee-Oberschwaben ohne den Ländlichen Raum statt. Deshalb müssen Synergien besser genutzt und die Bedeutung des Themas noch stärker transportiert werden. Mit der Breitbandförderung hat das Land wichtige Impulse gegeben. Breitband- und Infrastrukturatlas auf Bundesebene stellen wichtige Werkzeuge bei der Synergienutzung dar. Durch persönlichen Einsatz vieler Treiber in Unternehmen, Kommunen und Kammern konnten zahlreiche Ausbauprojekte umgesetzt werden. Doch dabei darf es nicht bleiben: Aufgrund unserer starken Wirtschaft und de facto Vollbeschäftigung stellt die Bewältigung des Fachkräftemangels eine besondere Herausforderung dar. Mögliche Lösungsansätze etwa Effizienzsteigerung durch IT oder flexible Arbeitszeitmodelle im Homeoffice mit Breitbandanschluss verkommen aber zur Theorie, wenn die Datenautobahn am Firmenstandort oder am Wohnort des Mitarbeiters vorbeiläuft. Wirtschaft braucht schnelles Internet Die Unternehmen beschäftigen sich bereits sehr intensiv mit alternativen Anbietern oder Diensten für schnelles Internet. Die Breitbandförderung in der heutigen Form wird nur noch in Einzelfällen Versorgungslücken schließen können. Die Netzbetreiber befinden sich in intensivem Wettbewerb um diejenigen weißen Flecken, die wirtschaftlich mit Breitband versorgt werden können. Diesen Wettbewerb gilt es zu fördern: Unternehmen können schon heute den Breitbandanbieter frei wählen oder über lokale Netzwerke die Nachfragebündelung forcieren. Die IHKs Bodensee-Oberschwaben und Ulm bieten rund um das schnelle Internet Informationen, Veranstaltungen und persönliche Beratung. Kommen Sie auf uns zu! Dr. Peter Jany, Hauptgeschäftsführer IHK Bodensee-Oberschwaben Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

4 Titelthema Standortfaktor Breitband: Lebensader schnelles Internet Seite 17 Trends & Hintergründe Studie Onlinehandel: Kundenservice im Internet Seite 54 3 Editorial Panorama 6 Infrastruktur IHKs kritisieren Straßenfinanzierung 7 Modellprojekt Fördermittel für die Kreativwirtschaft 8 Hidden Champions Columbus Verlag Paul Oestergard: Global Player 10 Weiterbildung Aus Skepsis wird großer Nutzen 11 Wachstumsmärkte Brücke in das Türkei-Geschäft 12 Jugend forscht Jungforscher siegen beim Landeswettbewerb 14 TV-Tipps Wirtschaft zum Anschauen Titelthema Standortfaktor Breitband 17 Wirtschaft und Breitband Lebensader schnelles Internet 21 Teledata Politik muss Impulse für den Ausbau geben 23 Soft-consult Häge Mangel an Kapazitäten im ländlichen Raum 24 Long Term Evolution Mit Hochgeschwindigkeit ins Internet Neues aus den Unternehmen 27 Hymer Erwin Hymer ist verstorben 28 Ravensburger Spieleland Neue Angebote im Spieleland 28 Volksbank Tettnang Erfreuliche Bilanz 29 Schlösser / Dow MF Produktions / IST e.k. Ideen für sicheres Arbeiten ausgezeichnet 30 Bekleidungshaus Bredl Neuer Young-Fashion-Store 30 Sparkasse Bodensee Stabiles Ergebnis 32 Rud. Roth Grafik, Satz und Druck 125 Jahre Rudolf Roth 32 Raiffeisenbank Bad Saulgau Gutes Ergebnis 33 Saint-Gobain Oberland Geschäftsentwicklung uneinheitlich 34 Max Weishaupt Brennerhersteller steigert Umsatz 34 Evobus Neuer Bus geht in Serie 35 Move it Einstieg in Markt für Elektro-Nutzfahrzeuge 35 Müller Großhandel Spende für Ultraschall-Forschung 36 Georg Schlegel Erfolg mit Befehlsgeräten 37 Kreissparkasse Biberach Kreditvolumen steigt 37 Hypovereinsbank Ulm Geschäft mit Firmen wächst 38 Tu Ego Schmuckproduktion per CNC 38 Raats + Gnam Mediengestalter punktet mit Übersetzungen 39 Britax Römer Spitze bei Produktion von Kindersitzen 40 Wieland-Werke Trotz Umsatzrückgang Ergebnis gesteigert 40 Räuchle Riesenpresse geht in Betrieb 41 Kaechele Austattung für höchstes Hotel Region Bodensee-Oberschwaben 42 Ein Plädoyer für die Region Standortkampagne der IHK Bodensee-Oberschwaben 44 Highway to Help Charity-Aktion der Wirtschaftsjunioren 45 Breitband-Kongress in Weingarten Schnelles Internet für die Region 46 IHK-Kongress für betrieblich Beauftragte Arbeitssicherheit, Umweltschutz und Energie Region Ulm 47 Familienunternehmertag Zukunft der Familienunternehmen 48 Nachwuchsmangel Azubis finden auf der Bildungsmesse 49 Fachkräftemangel Fahrzeugindustrie in Schwaben fehlt der Nachwuchs 50 Bundesverkehrswegeplan Kritik an Vorschlagsliste des Landes 51 Kooperation Mentoren aus der Wirtschaft für Studierende in Ulm gesucht Fotos: mauritius images/a.collectionrf/amanaimages; goodluz/fotolia.com; IHK/Derek Schuh; Ingo Bartussek/Fotolia.com 4 Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

5 Region Bodensee-Oberschwaben Standortkampagne Bodensee-Oberschwaben: Ein Plädoyer für die Region Seite 42 Region Ulm Cluster Nutzfahrzeuge Schwaben (CNS): Fachkräftemangel in der Fahrzeugindustrie Seite 49 Trends & Hintergründe Handelsregister 52 Neues Gesetz entlastet Kleinstkapitalgesellschaften Erleichterungen für den Mittelstand 53 Aktuelle Wettbewerbe 54 Studie Onlinehandel Kundenservice im Internet 56 D Sichere E-Alternative zur Papierpost 58 Recht in Kürze 59 Neues aus Berlin und Brüssel IHK Service Aus dem Bezirk der IHK Bodensee-Oberschwaben 81 Bodenseekreis 84 Kreis Ravensburg 88 Kreis Sigmaringen Aus dem Bezirk der IHK Ulm 88 Alb-Donau-Kreis 91 Kreis Biberach 94 Kreis Ulm 98 Kultur & Freizeit Bodensee-Oberschwaben 60 Erfinder- und Patentberatung / Finanzierungssprechtage / RKW-Sprechtage / Reklamationsbearbeitung mit der 8D- Methode / Innovationskultur und Managementmethode 61 Technische Zeichnungen lesen / Neue Mitarbeiter erfolgreich einarbeiten und führen 100 Vorschau Impressum Ulm 62 Pflichten für Finanzanlagenvermittler / Zertifikatslehrgang Office-Basics IHK / Besichtigungen von Unternehmen für Frauen / Infobörse 2013: Wiedereinstieg für Frauen / RKW- Sprechtage Diese Ausgabe enthält das Verlagsspecial Im Blickpunkt Wirtschaftsregion Ulm/Neu-Ulm. Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

6 Panorama INFRASTRUKTUR IHKs kritisieren Straßenfinanzierung Die IHKs in Baden-Württemberg stellten erstmals ein Gutachten Optionen zur Finanzierung der Bundesfernstraßen vor. Zur Deckung der chronischen Finanzierungslücke würde zum Beispiel eine PKW-Vignette ausreichen, wenn die Einnahmen zweckgebunden verwendet werden. Die Mittel für den Bundesfernstraßenbau reichen bei weitem nicht aus für Erhalt und Betrieb sowie für den notwendigen Aus- und Neubau der Straßen. Diese Unterfinanzierung beeinträchtigt nicht nur Mobilität und Erreichbarkeit, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit und die Wachstumschancen der deutschen Wirtschaft, sagte der Präsident des Baden- Württembergischen Industrie- und Handelskammertags BWIHK, Peter Kulitz, bei der Vorstellung eines Gutachtens, das Optionen zur Finanzierung der Bundesfernstraßen untersucht. Vignette gegen Unterfinanzierung Nach dem BWIHK-Gutachten fehlen pro Jahr bis zu 5,6 Milliarden Euro, um den Bedarf für Ausbau, Neubau, Erhaltung und Betrieb der Bundesfernstraßen zu decken. Deshalb tritt der BWIHK-Präsident für eine PKW-Vignette ein, um die Finanzierungslücke zu decken, vorausgesetzt dieses Mittelaufkommen dient ausschließlich dem Straßenbau und es erfolgt keinerlei Kürzung der bisherigen Zuweisungen, so Kulitz. Die IHK Bodensee-Oberschwaben fordert den Bund auf, endlich seiner Verantwortung nachzukommen und im Haushalt ausreichend Mittel für die Bundesfernstraßen zur Verfügung zu stellen. Bisher Foto: Thorsten Nieder/Fotolia.com Staus, kaputter Asphalt, mangelndes Geld für Aus- und Neubau: Diese Situation ist im Südwesten seit Jahren ein Dauerthema. Die IHKs haben jetzt Lösungsvorschläge aufgezeigt. kassiert der Bund allein aus dem Straßenverkehr Mineralölsteuer, KFZ-Steuer und LKW-Maut pro Jahr rund 50 Milliarden Euro, von denen jedoch nur etwa 20 Milliarden Euro für Verkehrszwecke zurückfließen. Es darf nicht sein, dass der Verkehr so viele Steuermittel aufbringt und dabei selbst auf der Strecke bleibt, kritisiert Heinrich Grieshaber, Präsident der IHK Bodensee-Oberschwaben. Vernachlässigung der B 312 Nach der Vorschlagsliste des Landes für den Bundesverkehrswegeplan 2015 wird die Realisierung der Ortsumgehungen von Ringschnait, Ochsenhausen, Erlenmoos und Edenbachen entlang der B 312 nicht unter den 160 Straßenbauprojekten gelistet, die zur Fortschreibung des Plans 2015 angemeldet werden sollen. Vergessene Achse Der neue Bundesverkehrswegeplan wird ein Plan gegen den Ländlichen Raum. Es muss dringend mehr Geld ins System, das nur für den Straßenbau verwendet werden darf. Der Ausbau der B 312 zwischen Biberach und Memmingen würde sonst in weite Ferne rücken, begründet Otto Sälzle, Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm, die Forderung nach zusätzlichen Mitteln für den Straßenbau. Insbesondere die B 31 zwischen Überlingen und Lindau hat quasi keine Fortschritte gemacht und ist die große vergessene Achse in der Region Bodensee-Oberschwaben. Grund ist die völlig unzureichende Ausstattung des Verkehrshaushalts mit Haushaltsmitteln. Das ist ein Armutszeugnis für die Bundesverkehrspolitik. Hier muss dringend umgesteuert werden, fordert Peter Jany, Hauptgeschäftsführer der IHK Bodensee-Oberschwaben, mit Blick auf die Bundestagswahl im Herbst. Zweckbindung der Mittel entscheidend Zentrales Ergebnis des Gutachtens ist, dass alle untersuchten Modelle machbar sind. Absoluter Dreh- und Angelpunkt dabei ist eine verlässliche Zweckbindung der Mittel, die in den verschiedenen Modellen jeweils generiert werden, betont Jany. Das heißt, der Bund muss gesetzlich sicherstellen, dass sie ausschließlich für die Bundesfernstraßen verwendet werden. WAB Das BWIHK-Gutachten Optionen zur Finanzierung der Bundesfernstraßen finden Sie im Internet: O Dokument-Nr O Dokument-Nr Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

7 Die Ausbildungsbotschafter Jennifer Subke ist Ausbildungsbotschafterin: Sie besucht Schulklassen und informiert dort über ihren Ausbildungsberuf. Die 18-Jährige lernt im dritten Lehrjahr Bankkauffrau bei der Volksbank Ulm-Biberach in Ulm. Für ihren Einsatz wurde sie in einem Kurs der IHK Ulm qualifiziert. Warum sind Sie Ausbildungsbotschafterin? Viele Schülerinnen und Schüler bekommen leider oft ein falsches Bild von den Ausbildungsberufen vermittelt oder sind durch die Vielzahl an Ausbildungsmöglichkeiten mit der Wahl ihrer Ausbildung überfordert. Als Ausbildungsbotschafterin will ich den Schülern meinen Beruf näher bringen. Wie kommen Sie als Ausbildungsbotschafterin bei den Schülern an? Bisher habe ich nur positive Erfahrungen gemacht. Die Schüler sind interessiert und freuen sich über unseren Besuch. Würden Sie wieder Ausbildungsbotschafterin werden? Auf jeden Fall. Als Ausbildungsbotschafterin kann man wirklich Etwas bewegen und die Schüler ermutigen, ihre Interessen und Stärken herauszufinden. Foto: Armin Buhl Interessieren sich Ihre Azubis auch für den Einsatz als Ausbildungsbotschafter? Die Infos dazu gibt s bei Ihrer IHK. O Info: IHK Bodensee- Oberschwaben, Sabine Angerer, Tel / , O IHK Ulm, Suzan Ulucer, Tel / , MODELLPROJEKT Fördermittel für die Kreativwirtschaft Das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft fördert Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft mit einem neuen Innovationsgutschein. Der Innovationsgutschein C für die Kreativwirtschaft ergänzt die erfolgreich etablierten, technisch orientierten Innovationsgutscheine A, B und B High-Tech. Mit einem Förderbetrag von bis zu Euro sollen Kleinstunternehmen und Freiberuflern der Branche der Markteintritt erleichtert und innovative Produkte oder Dienstleistungen befördert werden. Förderfähig sind etwa Ausgaben für Messeauftritte, Teilnahmegebühren für Kultur- und Kreativwettbewerbe, Honorare und Gebühren für den Schutz von Marken und Geschmacksmustern oder die Erstellung von Werbematerial, Katalogen oder Bedienungsanleitungen. Der Innovationsgutschein C hat eine Förderhöhe von bis zu Euro und deckt maximal 50 Prozent der Ausgaben ab, die dem Unternehmen in Rechnung gestellt werden. Beantragen können den Innovationsgutschein Kleinstunternehmen und Freiberufler der Kultur- und Kreativwirtschaft aus Baden-Württemberg mit bis zu neun Beschäftigten und höchstens zwei Millionen Euro Umsatz beziehungsweise Bilanzsumme. WAB O Infos und Antragsunterlagen: Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

8 Panorama Hidden Champions COLUMBUS VERLAG PAUL OESTERGAARD GMBH, KRAUCHENWIES Global Player Columbus ist die weltweit älteste Globusmanufaktur. Torsten Oestergaard führt das Unternehmen, 1909 von Urgroßvater Paul in Berlin gegründet, in vierter Generation. In unserer Serie Hidden Champions stellen wir Ihnen die heimlichen Weltmarktführer aus der Region zwischen Alb und Bodensee vor diesmal die Columbus Verlag Paul Oestergaard GmbH aus Krauchenwies. Heute produziert Columbus mit rund 60 Mitarbeitern jährlich bis zu hochwertige Globen aus mundgeblasenem Kristallglas und Acrylglas unterschiedlicher Größe und Ausführungen, zudem Sonderanfertigungen sowie etwa maschinell gefertigte Globen für Kunden in aller Welt. Auch Weltkarten vor allem für Schulen sind im Angebot. Lothar Späth und auch Erwin Teufel werden sich noch gut an Torsten Oestergaard erinnern. Fast fünf Jahre stand der gelernte Hotel- und Restaurantfachmann als persönlicher Serviceleiter in Diensten der ehemaligen Ministerpräsidenten. Jetzt sitzt er entspannt auf dem weißen Ledersofa im Showroom des Columbus Verlags in Krauchenwies und erklärt die Welt. Gewissermaßen. Bewegte Geschichte Mein Urgroßvater trat an mit dem Anspruch, einen Globus in jedes Heim zu bringen, erzählt der 47-Jährige. Der Firmengründer setzt auf hochwertige Kartografie in großen Stückzahlen, zu erschwinglichen Preisen. Das Konzept geht auf, bald produziert das Unternehmen Globen in 24 Sprachen. Nach dem Krieg zieht Columbus unter der Leitung von Paul Oestergaard jun. um nach Stuttgart. Sein Sohn Peter, eigentlich Maschinenbauingenieur, übernimmt Herr der Welten: Torsten Oestergaard stellt in Krauchenwies hochwertige Globen her. das Ruder Die Wiedervereinigung Deutschlands 1989 ist eine Zäsur; die Branche kann mit dem Tempo der geopolitischen Verschiebungen in Ost und West kaum mithalten, die Umsätze brechen ein. Von heute auf morgen waren unsere Globen und Karten praktisch wertlos, erinnert sich Oestergaard. Columbus steht kurz vor der Insolvenz und übersiedelt nach Krauchenwies. Hier sitzen wichtige Zulieferer, die so enger in die Produktionsabläufe eingebunden werden können. Der Neustart gelingt, Torsten Oestergaard übernimmt 1994 die Geschäftsleitung. Globen sind heute wieder in Mode, stellt er fest. 2009, zum hundertjährigen Jubiläum des Unternehmens, schaut Bundeskanzlerin Angela Merkel in Foto: Rolf Schultes/Drumlin Photos Krauchenwies vorbei. Und im vergangenen Jahr zeichnet Außenminister Guido Westerwelle Columbus als eine der schönsten Manufakturen Deutschlands aus. Erfolgsfaktor Innovation Den Erfolg seines Unternehmens begründet Oestergaard mit einer Mischung aus Erfahrung, Exklusivität und großer Fertigungstiefe. Wichtige Faktoren seien auch die Produktvielfalt und natürlich die Qualität von Kartografie und Handarbeit. Es gebe nur noch ein paar wenige Globusfabrikanten, in den USA, in China, Indien und Italien. Aber keiner liefert in der Qualität, die wir bieten, konstatiert Oestergaard. Zudem habe Columbus mit innovativen Ideen schon immer Trends gesetzt. Der Duo-Globus aus den 1950er Jahren, der zugleich eine physische und politische Karte darstellen kann, ist wegweisend. Der Duplex-Globus von 1965 markiert einen Meilenstein in der automatisierten Herstellung der Kunststoffweltkugeln stellt das Unternehmen einen Globus vor, der in einem Magnetfeld frei schwebt, sowie die Magnum-Globen mit einem Durchmesser von bis zu zwei Metern. Schließlich verknüpft Columbus die analoge und digitale Welt: Der Audiostift Ting von 2011 bringt die Globen quasi zum Sprechen. Einen Kinder- Globus von Columbus samt Ting-Stift gibt es vom Tessloff- Verlag, und auch der Tiptoi- Globus von Ravensburger wird in Krauchenwies hergestellt. Nur ein Jahr später zeigt Columbus seine 4D-Globus-App für Smartphones und Tablets, die die geografischen Informationen etwa um aktuelle Wetterdaten der Metropolen ergänzt. Seinen Teil zur Entwicklung von Ting und 4D-App beigetragen hat Oestergaards Sohn Niklas mit gerade mal 15 Jahren. Der heute 18-Jährige will jetzt erst einmal Informatik studieren. Und dann wer weiß in die Fußstapfen des Vaters treten. Damit sich die Welt von Columbus weiterdreht. René Kius O 8 Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

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10 Panorama WEITERBILDUNG Aus Skepsis wird großer Nutzen Der Weiterbildungsabschluss eines Fachwirts ist auf dem Meisterniveau angesiedelt und erfreut sich in den letzten Jahren steigender Nachfrage. Die IHK Bodensee-Oberschwaben bietet seit 2011 auch einen Fachwirte-Kombilehrgang an. Julia Ibele und Thomas Meschenmoser sind begeistert von den Fachwirte-Kombilehrgängen. Fotos: Rolf Schultes/Drumlin Photos Der erfolgreiche Abschluss der Weiterbildung zur Fachwirtin oder zum Fachkaufmann berechtigt dazu, auch ohne Abitur oder Fachhochschulreife ein Studium zu ergreifen. In den Fachwirte-Kombilehrgängen werden unterschiedliche Branchen, wie etwa Sozial- und Gesundheitswesen, Industrie und die allgemeine Wirtschaft zusammengefasst. Anfänglich war ich skeptisch gegenüber dieser Lehrgangsform. Inzwischen schätze ich aber die Erfahrungen, die ich aus den verschiedenen Branchen kennenlernen durfte und konnte daraus großen Nutzen ziehen, so Julia Ibele, Geprüfte Wirtschaftsfachwirtin. Auch Thomas Meschenmoser, Fachwirt im Sozial- und Gesundheitswesen IHK, bestätigt dies: Der Austausch mit den anderen Teilnehmern, die aus den verschiedensten Betrieben und Fachrichtungen stammen, ermöglichen es, dass man weit über den Tellerrand hinausschauen kann. Beide haben ihre Weiterbildung im Frühjahr 2013 sehr erfolgreich abgeschlossen. Ich habe mich für die Fachwirte-Weiterbildung aufgrund einer Empfehlung aus dem Bekanntenkreis entschieden, so Meschenmoser. Man sagte mir, das wäre der Grundstein für meine beruflichen Möglichkeiten. Es öffnet mir vor allem die Türen, um noch gesteigerte Weiterbildungen zu machen, zum Beispiel den Bachelor. Ein weiterer Nutzen ist das gestiegene Ansehen im Betrieb durch den erfolgreichen Abschluss, was mir betriebsintern und gegebenenfalls auch extern bei Versetzungen und Bewerbungen Vorteile bieten kann. Julia Ibele nutzt die erfolgreich abgeschlossene Weiterbildung bewusst als Alternative zur Fachhochschulreife und will sich um einen Studienplatz bewerben. Die Weiterbildung bei der IHK kann ich jedem empfehlen ich würde es wieder tun! Im Herbst starten verschiedene Vorbereitungslehrgänge auf Weiterbildungsprüfungen im Fachwirtebereich, die teilweise auch im Kombi-Format durchgeführt werden. Jürgen Schatz O Weitere Informationen erhalten Sie bei Sandra Gindele, Tel / zum Geprüften Wirtschaftsfachwirt; bei Janine Iraki, Tel / zum Energiefachwirt IHK, Geprüften Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen und Geprüften Industriefachwirt; bei Marion Pollini, Tel / zum Geprüften Handelsfachwirt und zum Geprüften Wirtschaftsfachwirt; bei Claudia Tiso, Tel / zum Geprüften Technischen Fachwirt oder über 10 Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

11 Panorama WACHSTUMSMÄRKTE Brücke in das Türkei-Geschäft Bei einer Unternehmerreise in die Türkei hat der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag BWIHK Marktchancen für kleine und mittlere Betriebe ausgelotet und neue Kontakte aufgebaut. Bei wachsendem Wohlstand in der Türkei ist die Qualität deutscher Produkte zunehmend gefragt. Aus diesem Anlass organisierte die IHK Ulm, federführend für die badenwürttembergischen Industrie- und Handelskammern, eine Unternehmerreise in die Türkei. Begleitet wurde sie von einer politischen Delegation unter Leitung des badenwürttembergischen Finanzund Wirtschaftsministers Nils Schmid. Die Delegationsreise, an der 20 Südwest-Firmen teilnahmen, sollte gezielt als Türöffner auf dem türkischen Markt dienen und über die Vermittlung von Gesprächspartnern erste Einstiegsmöglichkeiten für das Türkei-Geschäft ermöglichen. Zum Abschluss der Türkei- Reise zog BWIHK-Präsident Peter Kulitz eine positive Bilanz: Mit dieser Reise haben wir eine Brücke für die Südwest-Wirtschaft gebaut. Die Reise mit Wirtschaftsminister Nils Schmid hat uns darin bestärkt, dass die Türkei für unsere Unternehmen große Marktchancen bietet. Das Inte resse deutscher Firmen steigt rasant, größere Unternehmen sind schon seit vielen Jahren dort aktiv. Nun geht es vor allem darum, die Marktchancen für kleinere und mittlere Betriebe anzukurbeln. Die Türkei bietet einen attraktiven Binnenmarkt und ist auch eine wichtige Drehscheibe für internationale Wachstumsmärkte. WAB Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

12 Panorama Personalia JUGEND FORSCHT Jungforscher siegen beim Landeswettbewerb Für den 48. Bundeswettbewerb von Jugend forscht haben sich zwölf junge Wissenschaftler aus Baden- Württemberg qualifiziert darunter auch vier aus der Region zwischen Alb und Bodensee. Neuer Geschäftsführer bei der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH Die Gesellschafter der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH (IBT) haben über die Nachfolge der ausscheidenden Geschäftsführerin Daniela Pahl-Humbert entschieden. Mit Wirkung zum 1. Mai dieses Jahres übernahm Jürgen Ammann diese Aufgabe bei der IBT. Damit folgte die Gesellschafterversammlung dem Vorschlag des neu konstituierten Aufsichtsrats mit dessen neuem Vorsitzenden Christoph Tobler aus Arbon. Ammann, der zuletzt selbstständig und davor viele Jahre bei der Flughafen Friedrichshafen GmbH tätig war, war bei der IBT zuletzt für das Projekt Incoming Workshop Bodensee tätig. Als Vertreter des Flughafens war er auch am kürzlich abgeschlossenen Positionierungsprojekt Internationaler Bodensee aktiv beteiligt. Foto: IBT Jürgen Ammann löst Daniela Pahl-Humbert als Geschäftsführer der IBT ab. David Bubeck erforscht die Voraussetzung für die Entstehung von Leben im Universum. Beim diesjährigen Landeswettbewerb, der von der Robert Bosch GmbH ausgerichtet wurde, waren 105 Teilnehmer mit insgesamt 55 Forschungsarbeiten angetreten. Zu den Siegern gehörten auch drei Teilnehmer aus der Innovationsregion Ulm und einer aus der Region Südwürttemberg. Pflanzliche Abfallstoffe energetisch möglichst effizient zu verwerten, war das Ziel des Forschungsprojekts von Kira Behm (17) und René Wurst (17) vom Kreisgymnasium Riedlingen. Es gelang ihnen, über mehrere Abbaustufen aus Rübenschnitzeln oder Maissilage elektrische und chemische Energie zu gewinnen. Die beiden 17-Jährigen siegten im Fachgebiet Chemie. Wenn Computerprogramme unterschiedliche Einheiten verwenden, kann dies schwerwiegende Folgen haben. Niklas Haas (19) von der Robert-Bosch-Schule in Ulm verankerte daher Einheiten und Umrechnungsfaktoren in der Datentypendefinition einer Programmiersprache, damit bereits vor der Programmausführung geprüft wird, ob die Werte in Berechnungen kompatibel sind. Er siegte in Mathematik/Informatik. David Bubeck (20) von der Claude-Dornier-Schule in Friedrichshafen überzeugte die Jury im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften. Er beschäftigte sich mit den Naturkonstanten, die die Voraussetzung für die Entstehung von Leben im Universum bilden, und ging der Frage nach, was geschieht, wenn sich diese Rahmenbedingungen geringfügig verändern. Das 48. Bundesfinale von Jugend forscht findet vom 30. Mai bis 2. Juni 2013 in Leverkusen statt gemeinsam ausgerichtet von der Stiftung Jugend forscht e. V. und der Bayer AG als Bundespatenunternehmen. WAB O Kira Behm und René Wurst erzeugen Energie aus Rübenschnitzeln und Maissilage. Fotos: Jugend forscht Niklas Haas beschäftigt sich mit der Kompatibilität unterschiedlicher Einheiten in Computerprogrammen. 12 Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

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14 Panorama IHK-Zufriedenheitsumfrage TV-TIPPS Wirtschaft zum Anschauen Das müssen Sie sehen: interessante Wirtschaftssendungen der nächsten Wochen. Sonntag, 12. Mai Textilien der Zukunft Stoffe werden zu Alleskönnern. Sie schützen Smartphone-Lautsprecher vor Schmutz und wandeln als durchsichtige Gewebe Licht in Strom um. Überhaupt beflügeln Leuchttextilien Forscher und Textilindustrie: Gewebe erleuchten Wege, Textilfasern fluoreszieren oder lassen Betonfassaden farbig erstrahlen. Dank licht- und stromleitender Garne lindern LEDs auf Textilien sogar Schmerzen. Die Carbon-Karosserien von Formel-1-Rennwagen aus Gewebe benötigen zwar noch viel Handarbeit, doch der Einsatz von Robotern könnte diese Technik auch für die Massenproduktion von Autos interessant machen. Autokarosserien und Elektroden für Batterien werden neuerdings auch gestickt. 3sat, 19:10 Uhr Donnerstag, 16. Mai Europaforum 2013: Zukunft Europa! Im Mittelpunkt des 16. Internationalen WDR Europaforums in Berlin stehen die Perspektiven der Europäischen Union mit aktuellen Fragen zur Eurokrise und zur Gestalt Europas: Wie Sagen Sie uns Ihre Meinung! Ab Mitte Mai ist es wieder soweit: Ihre Meinung ist gefragt. Unter Federführung des DIHK führen die IHKs eine repräsentative Umfrage bei Inhabern und Geschäftsführern durch. Damit wollen die IHKs herausfinden, wie ihre Leistungen bei den Mitgliedern ankommen. Sind Ihnen die IHK-Aufgaben bekannt? Nutzt die Wirtschaft die IHK-Dienstleistungen? Wie zufrieden sind die Unternehmer mit der Arbeit ihrer IHK? Die anschließende Analyse der Bewertungen fließt ein in einen ständigen Verbesserungs- und Optimierungsprozess. Ziel ist es, die Mitgliederbindung zwischen IHK und Unternehmen zu verfestigen und zu erhöhen. Die IHKs haben TNS Emnid beauftragt, von 3,6 Millionen Mitgliedsunternehmen per Telefoninterview bundesweit Betriebe zu befragen. Firmen aus allen Regionen, Branchen und Betriebsgrößengruppen sind dabei repräsentativ vertreten. Unsere Bitte an alle Unternehmer, Inhaber und Geschäftsführer: Sollten Sie zu den Ausgewählten gehören, die um ein Interview gebeten werden, nehmen Sie bitte Ihr demokratisches Recht wahr. Geben Sie Ihre Beurteilung ab. Ihre Meinung ist uns wichtig. Vielen Dank! Welche Rolle spielt Deutschland im Europa der Zukunft? Darum geht es am 16. Mai im WDR Fernsehen. Foto: Fotogestöber/Fotolia.com wird die Union künftig aussehen und welche Aufgabe übernimmt Deutschland darin? Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU- Kommissionspräsident José Manuel Barroso, Europaparlamentspräsident Martin Schulz, Premierminister Jean-Claude Juncker, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und anderen. WDR Fernsehen, 14:15 Uhr Freitag, 17. Mai Makro: Guten Morgen, Vietnam! Von Ho Chi Minh zur Marktwirtschaft: In den Fußstapfen Chinas praktiziert Vietnam erfolgreich die wirtschaftliche Öffnung des Landes bei politischem Alleinherrschaftsanspruch der Kommunistischen Partei. Zwar bietet Vietnam nicht den Milliarden-Menschen-Markt Chinas. Es ist auch nicht so entwickelt wie asiatische Tigerstaaten in der Nachbarschaft. Aber es besitzt eine ungewöhnlich junge, fleißige und erfolgshungrige Bevölkerung. Zunehmend entdecken auch deutsche Unternehmen Vietnam als Produktionsstätte. 3sat, 21 Uhr Dienstag, 4. Juni Future by Starck Wie sieht die Zukunft aus? Was wird sich verändern? In welchem Zustand wird der blaue Planet in 20, in 50 Jahren sein? Welche Produkte wird es geben? Der französische Designer Philippe Starck reist einmal um den Erdball, um Visionäre zu treffen, die wie er überzeugt sind, dass sich der Mensch der Zukunft verändern muss. 14 Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

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16 Titelthema Standortfaktor Breitband Die Verfügbarkeit einer gut funktionierenden und leistungsstarken Breitbandversorgung ist laut einer IHK-Umfrage der wichtigste Standortfaktor für Unternehmen. Gleichzeitig zeigten sich rund 40 Prozent der Betriebe zwischen Alb und Bodensee mit der aktuellen Situation unzufrieden. Was muss passieren, damit die Region hier technologisch nicht abgehängt wird? Und welche Wahlmöglichkeiten haben Unternehmen? Darüber berichten wir in unserem Titelthema. Foto: mauritius images/a.collectionrf/amanaimages 16 Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

17 Titelthema Standortfaktor Breitband WIRTSCHAFT UND BREITBAND Lebensader schnelles Internet Karin Boukaboub* war gestern, heute sollen im Unternehmensalltag Video-Konferenzen störungsfrei laufen, Cloud-Dienste genutzt werden und das Homeoffice Arbeit und Familie vereinbaren helfen. Immer anspruchsvollere berufliche Anwendungen erfordern hohe Datenkapazitäten. Um Kosten zu sparen und wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht die Wirtschaft schnelles Internet über Breitbandanschlüsse. Und zwar nicht nur in den Ballungszentren, sondern auch da, wo viele Betriebe zuhause sind: auf dem flachen Land. Die Medica Medizintechnik GmbH aus Hochdorf bei Biberach ist ein schnell expandierendes Unternehmen: In den letzten Jahren wuchs die Zahl der Mitarbeiter auf über hundert an. Schön wäre es, wenn Geschäftsführer Peter Kopf von einer überzeugenden digitalen Infrastruktur unterstützt würde: Homeoffice-Lösungen, die Auslagerung und Verwaltung interner Prozesse und der Zugriff von Außendienstlern auf unsere Systeme das sind die Voraussetzungen für weitere Expansion, erklärt Kopf. Hierfür müsste aber erst einmal die DSL- Infrastruktur ausgebaut werden, denn aktuell ist die Situation für das Unternehmen absolut unbefriedigend. Bei wichtigen Projekten werden wir ausgebremst. Wir brauchen in naher Zukunft zwingend einen deutlich schnelleren Zugang. Die Medica Medizintechnik GmbH steht mit diesem Problem nicht alleine da schnelles Internet ist laut einer IHK- Umfrage inzwischen der wichtigste Standortfaktor. Aber diese Studie sagt auch: Rund 40 Prozent der Betriebe in der Region sind mit der aktuellen Versorgungslage unzufrieden. Das ist eine alarmierende Zahl. Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee Foto: Rolf Schultes/Drumlin Photos Peter Kopf, Geschäftsführer der Medica Medizintechnik GmbH, sieht im DSL-Ausbau eine Voraussetzung für weiteres Wachstum. Weg vom Schmalband Was genau versteht man denn unter schnellem Internet? Wer mit einem Analog- oder ISDN-Modem ins Internet geht, ist mit Schmalband und damit langsam unterwegs. Hier sind Übertragungsraten von 64 Kbit/s Standard; mit dieser Geschwindigkeit macht schon der Einkaufsbummel im Netz keinen Spaß mehr. Für schnelle Internetzugänge mit einer hohen Datenübertragungsrate ist Breitband der Sammelbegriff, dabei gibt es auch hier verschiedene Geschwindigkeiten. Mit dem DSL 6000-Anschluss surft man beispielsweise 90-mal schneller als mit ISDN durchs Web; immer öfter werden Anschlüsse mit 100 Mbit/s angeboten. Dabei laufen die Daten vorzugsweise über Glasfaserkabel, die ausreichende Kapazitäten für die Zukunft bieten. Lediglich die letzten Meter zum Nutzer werden meist noch durch Kupferkabel überbrückt, deren Leistungsfähigkeit mit zunehmender Distanz zum Verteiler aber stark abnimmt. Langfristiges Ziel ist die Versorgung der einzelnen Gebäude mit Glasfaseranschlüssen (Fibre To The Home, kurz FTTH). Wo diese Infrastruktur noch nicht verfügbar ist, können Alternativtechnologien über Funk helfen, die Wartezeit zu überbrücken. Ländliche Regionen haben das Nachsehen Trotz einer im Ländervergleich guten Ausbauquote innerhalb Baden-Württembergs haben viele Bewohner ländlicher Regionen noch immer keine Auffahrt auf die Datenautobahn, sie schleichen über die digitale Schotterpiste. Zwar 17

18 Titelthema Standortfaktor Breitband Wir können uns keine Ausfallzeiten erlauben, sagt Bernhard Fischer, IT-Manager beim Ingenieurbüro Fischer aus Warthausen. steht landesweit schon heute für 76 Prozent der Haushalte ein Zugang mit bis zu 100 Mbit/s im Download zur Verfügung, an Zugängen mit vergleichsweise hoher Geschwindigkeit in beiden Übertragungsrichtungen fehlt es aber noch weitgehend. Und gerade in ländlichen Gebieten sind Übertragungsraten von 50 oder gar 100 Mbit/s oft nur ein schöner Traum. Denn Deutschland ist von unsichtbaren Grenzen durchzogen: Die Ballungszentren sind im digitalen Highspeed-Zeitalter angekommen, ländliche Gebiete sind oft noch Entwicklungsland und stöhnen über viel zu langsames Internet. Bis 2014 sollen 75 Prozent der deutschen Haushalte über Internetanschlüsse mit mindestens 50 Mbit/s verfügen, so plant es die Bundesregierung. Warum aber tun sich die Netzbetreiber so schwer, Breitband in die Fläche zu bringen? Der Netzbetrieb muss zunächst wirtschaftlich sein, denn der Ausbau ist teuer und lohnt sich nur, wenn anschließend möglichst viele Nutzer ihre Daten über die Kabel laufen lassen. Einzelne Weiler, abgelegene Gewerbegebiete sind da wirtschaftlich uninteressant. Abhilfe soll die Breitbandinitiative II in Baden- Württemberg schaffen: Bis Ende 2013 sollen die restlichen weißen Flecken, in denen die Übertragungsrate langsamer als 2 Mbit/s ist, verschwinden. Die Kommunen werden bei der Kabelverlegung unterstützt, denn es sind die Erdarbeiten, die die Ausbaukosten in die Höhe treiben. Foto: Rolf Schultes/Drumlin Photos Standortfaktor Glasfaser Wofür brauchen die Unternehmen nun so dringend schnelles Internet mit synchronen Übertragungsraten? Wir arbeiten direkt auf den Systemen unserer Kunden und sind Teil des Ganzen, so Bernhard Fischer, IT-Manager der Ing. Büro Fischer GmbH aus Warthausen. Das Ingenieurbüro bearbeitet technisch anspruchsvolle Entwicklungs- und Konstruktionsaufgaben aus den verschiedensten Bereichen des Maschinenbaus. Dafür brauchen wir eine permanent verfügbare Internetanbindung mit sehr guten Antwortzeiten. Wir haben Glasfaseranschluss, aber leider nicht alle unserer Kunden, so Fischer. Für die Wahl des aktuellen Bürostandorts war diese Verfügbarkeit Bedingung: Für uns ist das Glasfaserkabel die Lebensader, die unternehmenskritische Komponente. Wir können uns keine Ausfallzeiten erlauben. Denn die Kunden sollen im Alltag möglichst gar nicht merken, dass der Ingenieur mit den frischen Ideen nicht im Büro nebenan, sondern viele Kilometer weit weg sitzt. Deshalb machen Kooperationen nur Sinn, wenn die Anbindung stimmt. Und wie soll die konkret aussehen? Ich brauche Bandbreite, egal wie sie technisch heißt, so Fischer. Aber es liegt schon am Einzelnen, wie stark er das einfordert. Man muss auch mal Geld in die Hand nehmen und Kommunen müssen in Vorleistung gehen. Die Welt wird nicht nur ein bisschen kleiner via Internet die schnellen Anschlüsse machen die Nachteile eines Standorts weitab der Ballungszentren wett. An unserem Standort mitten in Ravensburg können wir von der Anbindung her zufrieden sein, schlechter sieht es für unsere freien Mitarbeiter aus, die außer- Breitbandinitiative soll Abhilfe schaffen Foto: Felix Kästle Lutz Mende, Geschäftsführer der Inquant GmbH, Ravensburg, beklagt die schlechte Breitband-Anbindung auf dem Land. 18 Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

19 Titelthema Standortfaktor Breitband Notstromaggregat. Bei Daten-Totalausfall haben wir im Rechenzentrum das Back-up, das gibt Sicherheit, so Spitzig. Natürlich gilt auch für dieses Angebot: Die digitale Anbindung der Kunden muss stimmen. Ohne schnellen Breitbandanschluss geht bei uns gar nichts, sagt Uwe Spitzig, Vertriebsleiter der Technidata IT-Service GmbH, Markdorf. halb wohnen. Die haben oft Probleme, so Lutz Mende, Geschäftsführer der Inquant GmbH, Ravensburg. Und erzählt kopfschüttelnd von seinem erst kürzlich erworbenen Grundstück im Allgäu: Ich war völlig überrascht, dass voll erschlossen nicht auch die Versorgung mit schnellem Internet beinhaltet. Das ist doch heute genauso wichtig wie alle anderen Anschlüsse, wundert sich der Softwaremanager noch jetzt. Wir arbeiten im Produktdatenmanagement und tauschen oft riesige Datenmengen. Da muss die Leitung passen. Am Ravensburger Standort sei die Verfügbarkeit von Glasfaser kein Problem hier könnten die Anwender meist sogar zwischen verschiedenen Anbietern wählen, so Mende. Für mich liegt hier das Problem: Wir wünschen uns faire Partner. Aber der Umgang mit den Providern ist oft schwierig und leider nicht sehr kundenfreundlich. Da kann sich noch vieles zum Positiven entwickeln. Cloud-Lösungen brauchen schnelles Internet Viele Unternehmen wollen auch externe Services wie Cloud-Dienste nutzen. Bei der Technidata IT-Service GmbH in Markdorf kann man Speicherressourcen nach Bedarf kaufen. Das hilft, Kosten zu sparen und Sicherheitsfragen an Spezialisten auszulagern. Voraussetzung ist auch hier ein symmetrisches, stabiles Internetangebot. Ohne einen schnellen Breitbandanschluss geht in unserer Branche gar nichts, erklärt Uwe Spitzig, Vertriebsleiter der Technidata IT-Service GmbH. Gerade mit Cloud-Lösungen beschäftigen sich alle Unternehmen, sie spüren den Kostendruck und suchen alternative Wege der Datenverwaltung. Spitzig hat viel mit großen Friedrichshafener Firmen zu tun, die über optimale Anbindungen verfügen. Aber auch die kleineren Betriebe haben aufgeholt und akzeptieren Cloud-Lösungen immer mehr. Gerne nutzen sie die Cloud als eine Art digitales Foto: Felix Kästle Breitband als Daseinsvorsorge Die Bürgermeister der Landgemeinden haben diese Entwicklungen aufmerksam verfolgt. Und da sie ihr Ohr nah am Bürger und am regionalen Unternehmer haben, werden sie aktiv. Ihre Gemeinde soll nicht länger ein Weißer Fleck auf der Breitband-Landkarte sein. Natürlich gab es im Gemeinderat heiße Diskussionen über die Frage: Ist es wirklich unsere Aufgabe, für schnelles Internet zu sorgen?, erinnert sich Bodneggs Bürgermeister Christof Frick. Wir haben entschieden: Ja, aus unserer Sicht ist das ein Stück Daseinsvorsorge. Dabei hatten wir vor allem unsere Gewerbegebiete im Auge, denn wir wollen unsere Betriebe möglichst gut versorgt wissen. Bodnegg bei Ravensburg hat ordentlich Geld in die Hand genommen, um seinen Bürgern Highspeed-Internet zu bieten: Innerhalb der vergangenen drei Jahre betrug der Aufwand für die Breitbandverkabelung insgesamt Euro, das Land gab Euro als Zuschuss. In wenigen Wochen werden die ersten Betriebe im Gewerbegebiet vom Hochgeschwindigkeitsinternet profitieren. Der Bürger- Foto: Felix Kästle Bodneggs Bürgermeister Christof Frick setzt sich dafür ein, dass die Gewerbetreibenden in seiner Gemeinde digital gut versorgt sind. Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

20 Titelthema Standortfaktor Breitband In Kürze Breitbandverfügbarkeit in Gewerbegebieten Im IHK-Standortinformationssystem SIS können Sie recherchieren, welche Gewerbegebiete in Baden-Württemberg über Breitbandanschluss verfügen. Franz und Regine Frauenhoffer aus Ostrach haben eine Stiftung gegründet, um den Aufbau von Leitungsnetzen finanziell zu unterstützen. meister ist sich sicher: Ohne den Zweckverband Breitbandversorgung, in dem wir Mitglied sind, hätten wir das niemals in so kurzer Zeit realisiert. Gemeinsam in Richtung Highspeed-Internet Dieser Verband ist ein Zusammenschluss einiger Kommunen des Landkreises Ravensburg, die gemeinsam Leitungsnetze ausbauen. Fibre To The City so haben sie ihr Ziel definiert. Sie alle waren Gemeinden ohne ausreichende Internetanbindung. Und das wollten sie ändern und gründeten kurzerhand ihren eigenen Zweckverband. Den Verwaltungsaufwand, den der Ausbau eines Leitungsnetzes mit sich bringt, hätte eine Gemeinde allein nur schwer bewältigen können. So konnten sie gemeinsam Ingenieurbüros und Rechtsanwälte beauftragen und die Ausschreibungen formulieren. Das gemeinsame Leitungsnetz macht uns für Anbieter interessant. Die sind jetzt aufgewacht und merken: Das könnte was werden, so Frick. Unterm Strich muss sich der Ausbau aber auch für die Gemeinden rechnen, aber wir haben mehr Zeit als die kommerziellen Anbieter, die streben meist eine Amortisation schon nach wenigen Jahren an uns reichen 20 Jahre. Private Spenden für den Leitungsnetzaufbau Es gibt aber auch private Initiativen, um den Entwicklungsrückstand im ländlichen Raum möglichst rasch zu überbrücken. So wie die Franz und Regine Frauen hoffer Stiftung aus Ostrach. Der ehemalige IT-Manager Frauenhoffer sammelt Spenden von Privatleuten, Gewerbetreibenden und Vereinen digital unterversorgter Gemeinden. Denn die kommerziellen Anbieter verlangen Geld, um für sie ansonsten unrentable Netze zu betreiben. Wenn wir mithilfe privater Spender ein Leitungsnetz aufbauen können, findet sich auch ein Betreiber. Und da private Initiativen nicht an das EU-Wettbewerbsrecht gebunden sind, holen wir auch den wirklich besten Anbieter ins Boot. Auch beim Thema Breitband gilt: nicht das billigste Angebot ist automatisch das beste, Serviceleistungen und Zukunftsfähigkeit sind wichtige Kriterien. Sehr gerne arbeitet Frauenhoffer mit der Deutschen Telekom und mit der Neckarcom zusammen, einer 100-prozentigen EnBW-Tochter. Diese könne die EnBW-Glasfaserkabel nutzen, die entlang des Freileitungsnetzes laufen. Der Vorteil sei, dass diese Trassen auch an kleinere Ortschaften heranführen und einen vergleichsweise günstigen weiteren Ausbau der Netze ermöglichen. Die Entwicklung hat in den letzten Monaten an Fahrt aufgenommen: Wir merken aktuell sehr deutlich, dass auch kleinere Gemeinden über Fördermittel des Landes versuchen, Deckungslücken zu schließen, so Michael Preiß, Geschäftsführer der Neckarcom. Foto: Christian Schwarz Weitere Infos zum Thema Breitband Hier finden Sie weitere Informationen rund um die Themen Breitband-Versorgung und schnelles Internet für Unternehmen: Dokument-Nr Ihre Ansprechpartner bei den IHKs Bodensee-Oberschwaben und Ulm Für Fragen zum Thema Breitband stehen Ihnen die Technologiereferenten der IHKs Bodensee-Oberschwaben und Ulm gern zur Verfügung. O IHK Bodensee-Oberschwaben, Sönke Voss, Tel / , O IHK Ulm, Nikolaus Hertle, Tel / , Schnelles Internet bringt die Welt zusammen, es eröffnet Chancen, gerade auch dem ländlichen Raum. Arbeitsplätze können gehalten werden oder neu entstehen, bisher ungenutzte Potenziale werden erschlossen. Die moderne Telekommunikation wird zu Recht als Meilenstein ähnlich der Erfindung des Buchdrucks gesehen. Wir nutzen sie täglich, meist ohne uns ihrer Bedeutung bewusst zu sein. Wo diese Möglichkeiten fehlen, fallen Regionen viele Entwicklungsschritte zurück. Der wirklich flächendeckende Ausbau der Breitband-Infrastruktur bis in die einzelnen Gebäude muss Priorität haben; andere Länder wie Litauen oder Norwegen sind Deutschland hier voraus. Denn viele Regierungen haben erkannt, dass schnelle Internetverbindungen heute mindestens genau so wichtig sind wie Straßen oder Stromnetze. * Karin Boukaboub arbeitet als freie Journalistin in Ravensburg 20 Die Wirtschaft zwischen Alb und Bodensee

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