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1 versicherungs rundschau Zeitschrift für das Versicherungswesen Dezember Risikofaktor Alter in der Versichertengemeinschaft magazin Editorial Die Oberösterreichische setzt neue Maßstäbe bei der Vorsorge gegen Katastrophenschäden VVO-Mitgliederversammlung Meldungen International altersvorsorge Überlegungen zur Lebenserwartung und zukünftige Langlebigkeitsszenarien gesundheitsvorsorge Eine realistische Aussicht auf eine tatsächliche Reform des österreichischen Gesundheitswesens wissenschaft Mag. Christoph Wagner, P LL.M., Mag. Roland Probsdorfer: Umsatzsteuer bei Versicherungsunternehmen Förderpreis 2012 der Gesellschaft für Versicherungsfachwissen 20 Jahre akademisch geprüfte Versicherungskaufleute Graz

2 inhalt ABOSERVICE Online-Ausgabe mit Archiv ab 1993: magazin Redaktion: Editorial 03 TITEL ALTERS-/GESUNDHEITSVORSORGE Alter und andere unentbehrliche Risikofaktoren Die Notwendigkeit des Risikofaktors Alter 04 Die Oberösterreichische setzt neue Maßstäbe bei der Vorsorge gegen Katastrophenschäden Interview mit GD Dr. Josef Stockinger, Oberösterreichische Versicherung AG 08 VVO-Mitgliederversammlung Das jährliche Stelldichein der Versicherungsbranche 12 Meldungen Hohe Auszeichnung für Generali-CEO und VVO-Präsident Luciano Cirinà Jahrestagung Kleine Versicherungsvereine a.g. Brandgefährliche Weihnachtszeit 15 International Europathemen 2013 Die Versicherungsmärkte Osteuropas altersvorsorge Redaktion: Überlegungen zur Lebenserwartung und zukünftige Langlebigkeitsszenarien Überblick über mögliche Ursachen der steigenden Lebenserwartung und ihre Auswirkungen 22 gesundheitsvorsorge Redaktion: Eine realistische Aussicht auf eine tatsächliche Reform des österreichischen Gesundheitswesens Einigung von Bundesländern und Sozialversicherung hinsichtlich einer gemeinsamen Vorgangsweise 26 wissenschaft Redaktion: Wagner, Probsdorfer: Umsatzsteuer bei Versicherungsunternehmen Umsatzsteuerliche Regelungen für Versicherungsunternehmen inklusive aktueller gesetzlicher Änderungen und Judikatur 30 Wissenschaft und Praxis ziehen an einem Strang Förderpreis 2012 der Gesellschaft für Versicherungsfachwissen Jahre akademisch geprüfte Versicherungskaufleute Graz 38 Für Sie gelesen 39 Impressum 39 02

3 editorial GD DR. LUCIANO CIRINÀ 2013 ein neues Jahr mit neuen Chancen 2012 war ein herausforderndes Jahr auch für die österreichische Versicherungswirtschaft. Unsere Branche hat erneut Stabilität bewiesen, obwohl uns das politische Umfeld dabei nicht immer unterstützt hat. Doch gerade in jüngster Zeit nehmen wir wichtige Signale wahr, dass die Politik gemeinsam mit der Versicherungswirtschaft Lösungen für bereits lange anstehende Probleme erarbeiten will. Der Versicherungsverband hat dafür wertvolle Vorarbeiten geleistet, damit ein konstruktiver Gesprächsprozess in Gang kommen konnte. Ein besonders wichtiges Anliegen ist uns die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge. Das vor fast zehn Jahren von der damaligen Bundesregierung propagierte Modell konnte die Erwartungen der Konsumenten nicht erfüllen zu eng war das Korsett an Bedingungen, die mit diesem an sich sinnvollen Instrument der privaten Pensionsvorsorge verknüpft waren. Ein vorgeschriebener Mindestaktienanteil von 30 Prozent und eine sehr enge Vorgabe auszuwählender Börsen konnten keine zweckmäßige Basis für eine nachhaltigen Ertrag versprechende Kapitalveranlagung bieten. Mit der Kürzung der staatlichen Prämienförderung im Zuge des jüngsten Sparpaketes der Bundesregierung verlor die Zukunftsvorsorge weiter an Attraktivität und war für weite Bevölkerungskreise, die für ihre Pension vorsorgen wollen, ein falsches Signal. Umso erfreulicher ist die Tatsache, dass nun auch Finanzministerin Dr. Maria Fekter wie sogar einem Zeitungsbericht zu entnehmen war Handlungsbedarf sieht und sich für eine Lockerung des Korsetts ausspricht, um optimal zu investieren und für unsere Kunden gute Renditen erwirtschaften zu können. Eine Erhöhung der derzeitigen Förderung schließt sie ebenfalls nicht aus. Wir befinden uns also auf einem guten Weg, auch wenn das Ziel noch keinesfalls erreicht ist. Aber die diesbezüglichen Gespräche mit der Politik sind in Gang gekommen, so dass wir für 2013 ein stärkeres Bekenntnis zur privaten Vorsorge erwarten dürfen. Auch auf dem Weg zu einer Versicherungslösung für Naturkatastrophen konnten wir heuer einen Teilerfolg erzielen. Mit diesem Thema beschäftigt sich die österreichische Versicherungsbranche im Interesse der immer wieder leidvoll betroffenen Bevölkerung ja bereits seit Jahren. Ende Oktober hat der Ministerrat den seit dem Sommer vorliegenden Entwurf der Österreichischen Strategie zur Anpassung an den Klimawandel verabschiedet. Das Strategiepapier und der angeschlossene Aktionsplan erarbeitet unter intensiver Mitarbeit des VVO peilen unter anderem die Einführung einer kombinierten Feuer- und Naturgefahrenversicherung zur breiteren Risikostreuung an. Der angesprochene Aktionsplan enthält die wesentlichen Punkte der von der österreichischen Versicherungswirtschaft erarbeiteten Versicherungslösung. Auch hinsichtlich dieses Themas hoffen wir, im neuen Jahr einer konstruktiven Lösung deutlich näher zu kommen. Als Präsident des österreichischen Versicherungsverbandes will ich nicht verabsäumen, mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Verbandes, aber auch bei den Kolleginnen und Kollegen der Versicherungswirtschaft sowie bei den Vertriebspartnern sehr herzlich für die exzellente Arbeit zu bedanken, die im nun zu Ende gehenden Jahr geleistet wurde. Bedanken möchte ich mich insbesondere bei den Kundinnen und Kunden für das Vertrauen, das sie den Versicherungsunternehmen entgegen bringen. Ich wünsche Ihnen allen für das neue Jahr Gesundheit und viel Erfolg! Ihr Luciano Cirinà 03

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5 alters-/gesundheitsvorsorge aktuell TEXT Stefan Proksch Stefan Proksch, APA Alter und andere unentbehrliche Risikofaktoren Eine neue Studie belegt die Notwendigkeit bestimmter Risikofaktoren für die Versicherungswirtschaft. Seit 21. Dezember 2012 darf der Risikofaktor Geschlecht nicht mehr für die Bemessung von Prämien und Leistungen herangezogen werden. Die Verwendung von Risikofaktoren ist aber für die Assekuranz ein unentbehrlicher Bestandteil ihrer Tarifkalkulationen. Dass sie dabei zu Recht auch auf Kriterien wie Alter und auf mit Behinderungen allenfalls verbundene Krankheiten zurückgreifen, belegt jetzt eine international angelegte Studie des britisch-belgischen Forschungsinstituts Oxera. Eine risikobezogene Tarifierung ermöglicht den Unternehmen ein besseres Risikomanagement, lässt aber auch die Versicherungsnehmer von kompetitiven Produkten und umfangreicheren Deckungen profitieren. Beim Verzicht auf den Gebrauch solcher Faktoren droht bei bestimmten Produkten eine sogenannte negative Auslese mit der Gefahr höherer Durchschnittsprämien oder reduzierter Deckungsumfänge für alle Kunden. 1 Unter die Lupe genommen hat Oxera verschiedene Bereiche wie die Lebens- und Krankenversicherung, aber auch Berufsunfähigkeits- und Pflegeversicherung sowie die Kfz-Versicherung in UK, Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Tschechien. 2 Wichtigstes Kriterium der Versicherungs-Kalkulation ist das Alter, bestätigt die Oxera-Studie. Es ist die grundlegende Bestimmungsgröße für das Mortalitätsrisiko maßgeblich etwa für Rentenversicherungen aber auch für die Wahrscheinlichkeit des Auftretens bestimmter Krankheiten, entscheidend für die private Krankenversicherung. Selbst in der Kfz-Haftpflicht korrelieren Schadenshäufigkeiten stark mit dem Alter so haben unter 25-Jährige, aber auch Menschen über 70 häufiger Verkehrsunfälle und lösen damit höhere Schadensansprüche aus. 3 Der Gebrauch von Informationen über Alter und körperliche Beeinträchtigungen sind fundamental für die Risikobewertung, ist die Kernaussage der Studie. 4 Dadurch können unerwünschte Auswirkungen einer negativen Auslese verhindert werden, die die Verfügbarkeit oder den Umfang von Versicherungen einschränken würden. Zudem wird der Wettbewerb zwischen Versicherungen durch das Anwenden solcher Kriterien gefördert zum Vorteil der Verbraucher, die von niedrigeren Prämien und höheren Deckungen profitieren könnten. 5 Verzichten Versicherungen auf solche Risikoinformationen, könnte der Umfang und die Verfügbarkeit bestimmter Produkte eingeschränkt werden oder sie könnten im Extremfall gar nicht mehr angeboten werden, warnt die Expertise, die im Auftrag von Insurance Europe, dem Dachverband der europäischen Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen erstellt wurde. Es bestehe die Gefahr, dass die Durchschnittsprämien für bestimmte Risken ansteigen oder Deckungsumfänge für alle verringert würden, warnt Oxera denn schließlich müssten bei Unkenntnis solcher Faktoren die zusätzlichen Kosten dennoch mitkalkuliert werden. 6 1 Oxera: Why the use of age and disability matters to consumers and insurers. Oxford/Brussels October (Im Internet: Publications/why-the-use-of-age-and-disability-matters.pdf ) Hier: p. 58 (Conclusions). 2 op. cit., p (Appendix) und über den Text verteilt 3 op. cit., p ii (Summary) 4 op. cit., p i (Summary) 5 ibid; siehe allgemein: 6 ibid 05

6 alters-/gesundheitsvorsorge aktuell ALTER UND ANDERE UNENTBEHRLICHE RISIKOFAKTOREN IN DER PERSONENVERSICHERUNG Einschränkungen risikobasierter Preise könnten jedoch die Gefahr eines moral hazard heraufbeschwören, indem Versicherungsnehmer ermutigt würden, ein riskanteres Verhalten an den Tag zu legen, sofern sie das nicht mehr an Prämie kostet. Zu diesem Sachverhalt verweist Oxera auf eine bereits 1976 erschienene Arbeit, an der der prominente US-Ökonom Joseph Stiglitz mitgewirkt hat. 11 Ähnliches wie für das Alter gilt der Studie zufolge auch für Informationen über körperliche Behinderungen, sofern diese die Lebenserwartung verkürzen können. Als Beispiel wird dazu die Paraplegie genannt, eine vollständige Lähmung der unteren oder oberen Extremitäten, wie sie nach Verkehrs-, Sport- oder Arbeitsunfällen auftreten kann, aber auch als Folge von Tumoren oder Entzündungen. Zwar sollen Polizzen ja eine Vorsorge für unwahrscheinliche, jedoch signifikante Ereignisse bieten, einige Anbieter könnten freilich die Absicherung für ernsthaftere körperliche Beeinträchtigungen ablehnen, da ihnen das Risiko etwa einer Arbeitsunfähigkeit, zu hoch scheint. Tragen Versicherer hier nicht der Gefahr einer negativen Auslese Rechnung, könnte sich das gegen sie selbst oder ihren bestehenden Kundenstock richten. 7 Mit negativer Auslese ist die Tatsache gemeint, dass sich bei gleichen Prämien Hochrisiko-Konsumenten ermutigt fühlen, eher eine bestimmte Versicherung abzuschließen als Verbraucher mit geringem Risiko. Doch sei die Gefahr, eine einseitige Auslese im eigenen Portefeuille zu haben, den Versicherern wohl bewusst und der Wettbewerb in der Branche zwinge sie ohnedies zu risikoorientierten Preisen, so die Studie. 8 Ohne risikobezogene Tarifierung der Polizzen, etwa wenn das Alter oder andere risikobezogene Faktoren nicht mehr angewendet werden könnten - droht nicht nur eine einseitige Ausrichtung des Portfolios (mit einem Überhang an hochriskanten Versicherungsnehmern, die sich durch inadäquat niedrige Prämien angezogen fühlen könnten), sondern letztlich drohe bestimmten Versicherungsprodukten im Extremfall überhaupt das Aus, warnt die Studie wiederholt. Schlagen sich Risikofaktoren nicht ausreichend in den Prämien nieder, so droht ein moral hazard : Polizzeninhaber würden nicht mehr danach trachten, das Eintreten bestimmter Risken zu verhindern, da sie ohnedies versichert seien. 9 Versicherung dient als Mittel zum Risikotransfer. Es kommt also zu einem Risikoausgleich, zu einer Aufteilung des Risikos auf eine größere Gruppe, eine Solidargemeinschaft. Damit die Prämieneinnahmen aber die Schadenszahlungen und Kosten decken können, müssen die Versicherer die auf sie zukommenden Lasten auch kalkulieren können. 10 Gemäß den ökonomischen Theorien fördern Preise, die auf den faktischen Kosten beruhen, eine optimale Verteilung der Ressourcen vorausgesetzt es wird risikobezogen tarifiert und auch die Kosten finden sich in den Prämien wieder; dazu gebe es umfangreiche Literatur, so die Studie. Versicherern droht nämlich das Problem einer umgekehrten Selektion, wenn sie über die Risiken ihres Polizzenhalters schlechter informiert sind als dieser selbst. 12 Wissenschaftlich sei der Teufelskreis einer negativen Auslese gut dokumentiert sie könne zu eingeschränkten Deckungen, restriktiven Bedingungen, dem Ausschluss bestimmter Ereignisse aus Polizzen sowie grundsätzlich einer nur eingeschränkten Verfügbarkeit gewisser Versicherungsprodukte führen; dies alles habe erhebliche negative Auswirkungen auf die Kunden, lautet die Warnung. 13 Um sicherzustellen, dass jede versicherte Person eine faire Prämie zahlt, wenden Versicherer eine Reihe von Tarifmerkmalen an, um die Höhe des Risikos eines potenziellen Konsumenten abzuschätzen. Generell lässt sich sagen, dass mit wachsendem Risiko auch die Prämien zunehmen. Dazu müssen Versicherer aber über entsprechendes statistisches und auch medizinisches Datenmaterial verfügen, denkt man etwa an die Lebens- und die Krankenversicherung. 14 Solche Informationen sind die Grundlage etwa für die Prämienhöhe und den Deckungsumfang. Dabei müssen die Anbieter sicherstellen, dass die von ihnen verlangten Prämien bestmöglich mit den versicherten Risiken im Einklang stehen. Laut Oxera verwenden die Gesellschaften ein risikobezogenes Pricing nicht dazu, um Menschen zu diskriminieren oder zu bestrafen, vielmehr solle dadurch den Konsumenten eine faire und angemessene Behandlung durch einen funktionierenden Versicherungsmarkt ermöglicht werden. 15 Die Verwendung zusätzlicher Tarifmerkmale, etwa Erkenntnisse aus einer verbesserten medizinischen Diagnose, kann der Assekuranz helfen, bestimmte Risiken zu übernehmen, die bis dahin als unversicherbar gegolten haben. Als echte Hochrisiko-Verbraucher lehne die Mehrheit der Versicherer faktisch nur sehr wenige Menschen ab und diese Zahl könne durch zusätzliche risikobezogene Faktoren noch vermindert werden, da es Anbietern auch helfe, die Gefahr einer Negativauslese zu senken. 16 Auch die kommenden Solvency II -Eigenmittel-Regeln machen die Verknüpfung von Risiko und Kosten deutlich, betont Oxera, da Versicherer entsprechend ihrer Risikoexposition bestimmte liquide Mittel vorhalten müssen. Dies legt ebenfalls eine risikoadäquate Tarifierung nahe. 17 Das Alter eines Versicherten ist der zentrale Risikofaktor, da das Lebensalter eine wichtige Bestimmungsgröße für das Sterblichkeits- und das Erkrankungsrisiko darstellt, betonen die Autoren. 18 In der Studie wird der Gebrauch des Merkmals Alter für sechs ausgewählte Produkte in sechs 7 op. cit., p iii (Summary) 8 op. cit., p iv (Summary) 9 zb op. cit., p 4 (Risk-based pricing in insurance); siehe allgemein: 10 op. cit., p Rothschild, Michael, and Stiglitz, Joseph, Equilibrium in Competitive Insurance Markets: An Essay on the Economics of Imperfect Information, Quarterly Journal of Economics, vol. 90, pp (Im Internet vollständig als TinyURL -Link: ) 12 op. cit., p 6 13 op. cit., pp op. cit., p op. cit., p op. cit., p op. cit., p op. cit., p

7 alters-/gesundheitsvorsorge aktuell TEXT Stefan Proksch Ländern im Detail untersucht, doch würde es den Rahmen sprengen, hier näher darauf einzugehen. Stattdessen im Folgenden ein kurzer Abriss: In der Ablebensversicherung stellt das Sterblichkeitsrisiko den zentralen Risikofaktor schlechthin dar, den Gesellschaften durch Alter, medizinische Untersuchungsergebnisse sowie Informationen über den Lebensstil (z. B. Raucher/Nichtraucher) abzuschätzen versuchen. Müssten Versicherer die Tarife ohne Berücksichtigung des Alters vornehmen, wäre es laut Oxera schwer vorstellbar, wie diese Sparte noch weiter bestehen könnte. 19 Für die Rentenversicherung ist der Schlüsselfaktor das sogenannte Langlebigkeitsrisiko, das genaue Gegenteil des Sterblichkeitsrisikos. Erwartungsgemäß, so die Studie, stehen Lebensalter und das Risiko der Langlebigkeit sowie die Auszahlungen eines Rentenvertrags zueinander in Beziehung. Deshalb ist die Nutzung von Informationen über das Alter unerlässlich für das Funktionieren des Versicherungsmarktes in diesem Bereich. 20 In der privaten Krankenversicherung schließlich, dem sechsten Produkt, das auf sechs EU-Märkten exemplarisch näher untersucht wurde, sind trotz der von Land zu Land unterschiedlich konstruierten Produkte, Alter und das Vorliegen körperlicher Beeinträchtigungen weitverbreitete Risikofaktoren. Blieben solche Merkmale unberücksichtigt, so droht laut Studie das Problem einer Negativauslese, da Verbraucher mit geringem Risiko von einer derartigen Versicherung Abstand nehmen würden. Sowohl Alter als auch mit Behinderungen verbundene Krankheiten stehen laut Oxera in direktem Zusammenhang mit der Wahrscheinlichkeit einer beim Versicherungsnehmer notwendigen medizinischen Behandlung. Einschränkungen des Gebrauchs solcher Kriterien würden solche Krankenzusatzversicherungsangebote überhaupt gefährden. 24 In der Kfz-Haftpflicht hat zwar auch die Fahrpraxis eines Fahrzeughalters einen wichtigen Stellenwert, doch bleibt hier ebenfalls das Alter der eminente Risikofaktor. Denn so haben etwa 35-jährige Fahranfänger viel weniger Unfälle als etwa 18-Jährige Auto-Neulinge, betont Oxera: Ein Verbot der Berücksichtigung des Alters würde zu einer Neuverteilung der Prämien führen mit dem Ergebnis, dass risikoärmere Fahrer mehr zahlen müssten. 21 Für die Berufsunfähigkeitsversicherung ist ebenfalls das Alter ein wichtiger Risikofaktor, da die Gefahr einer Arbeitsunfähigkeit als Ergebnis einer Erkrankung, Verletzung oder einer Invalidität mit steigendem Alter zunimmt. Auch bereits bestehende Beeinträchtigungen haben einen direkten und erheblichen Einfluss auf das Auftreten eines Versicherungsfalls. Risikobasierte Preise könnten die gerade in diesem Bereich drohende Kombination einer Negativauslese mit einem moral hazard begrenzen; ansonsten könnten nämlich Hochrisiko-Verbraucher unversicherbar sein, selbst wenn sie momentan noch arbeitsfähig sind. 22 Bei der Pflegeversicherung ist erwartungsgemäß das Alter ein wichtiger Risikofaktor, da die Häufigkeit solcher Versicherungsfälle mit wachsendem Lebensalter scharf ansteigt. Ein körperliches Handicap kann dabei ein Indikator für das Risiko eines solchen versicherten Ereignisses sein oder bereits für das Vorhandensein eines solchen. Sollten Versicherer ihre Prämien ohne Rücksicht auf Alter und Behinderungen vornehmen müssen, so könnten private Anbieter Probleme haben, überhaupt Pflegeversicherungen anzubieten, warnt die Studie op. cit., p op. cit., p op. cit., p op. cit., p op. cit., p op. cit., p. 52 Foto: Fotolia 07

8 DIE OBERÖSTERREICHISCHE SETZT NEUE MASSSTÄBE BEI KATASTROPHENVORSORGE Die Oberösterreichische setzt neue Maßstäbe bei der Vorsorge gegen Katastrophenschäden Herr Dr. Stockinger, Sie waren lange und erfolgreich in der Politik und leiten nun die Oberösterreichische Versicherung, wie haben Sie den Wechsel erlebt? Als neue Herausforderung, weil ich bei einem Regionalversicherer alle Erfahrungen aus der Politik einsetzen und einbringen kann. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Regionalversicherer gerade jetzt sehr große Chancen haben. Wir versuchen mit diesem Heimvorteil in einer komplizierter, schwieriger werdenden Finanzund Wirtschaftssituation zu punkten. Dass dies gelingt, zeigt sich etwa bei Vorsorgeprodukten, wo wir weit über der Branche liegen und noch Zuwächse haben. Das hängt mit unserem guten Mix und unserer guten strategischen Aufstellung zusammen. Und wir haben als Unternehmen die Liga erreicht, in der wir eigentlich bleiben wollen. Wir sind der stärkste Regionalversicherer und haben keine Ambitionen, große internationale Abenteuer zu wagen, aber auch nicht in die nationale Liga aufzusteigen. Wir fühlen uns dort, wo wir jetzt sind, sehr wohl. Die Zusammenarbeit mit Raiffeisen stützt das Wachstum In vielen Sparten wird der Versicherungsmarkt als gesättigt bezeichnet, wie kommt es zum stärkeren Wachstum des Oberösterreichischen? Eine entscheidende Rolle spielt unsere Partnerschaft mit der Raiffeisen Landesbank. Die Verbindung des stärksten, regionalen Versicherers mit dem stärksten, regionalen Kreditinstitut hat sich bewährt. Um erfolgreich zu sein, braucht ein großer regionaler Versicherer heute einen Multi-Channel-Vertrieb, und dazu gehört neben dem eigenen, angestellten Außendienst im Besonderen der Verkauf über den Bankschalter. Dabei arbeiten wir nicht nur mit den Raiffeisenkassen zusammen. Wir vertreiben die Produkte auch über die Hypo Oberösterreich und die Hypo Salzburg. Mit Raiffeisen besteht eine Kapitalverschränkung, die Landesbank hält 15 Prozent unserer Aktien und wir haben Partizipationskapital der RLB gezeichnet. Mit der RLB gemeinsam haben wir uns auch bei den beiden Hypo-Banken engagiert. 15 Prozent der Hypo-Holding gehören der Oberösterreichischen Versicherung. Inwiefern spielt der Bankenvertrieb eine besondere Rolle? Wir sind eines der Häuser, das am stärksten gewachsen ist in den letzten zehn Jahren, weil wir über den Bankenvertrieb Kundenschichten ansprechen, die wir mit einem eigenen, angestellten Außendienst nicht erreicht hätten. Dies gilt für die Lebensversicherung, mittlerweile aber auch für die Sachsparten. Die niedrigen Zinsspannen und in der Folge geringeren Erträge der Banken haben das Interesse für die Provisionen aus dem Versicherungsgeschäft gestärkt. Besonders der Bereich der Schadenversicherung war bei Bankern nicht sehr beliebt, weil man Probleme bei der Schadensabwicklung fürchtete. Das hat sich geändert, jetzt sorgen die Bankpartner für die stärksten Zuwächse in der Schadenversicherung. Die Schadenabwicklung ist aber doch ein heikles Thema? Nein, weil die Oberösterreichische gemeinsam mit dem Raiffeisen-Versicherungsdienst die Schadenabwicklung erledigt und die Bankstellen nicht belastet sind. Die Zusammenarbeit klappt bestens, das zeigt sich übrigens auch an den Polizzen, die beide Logos haben. Die Oberösterreichische bekennt sich zur Regionalität Sie betonen stark die Regionalität. Wie verträgt sich diese Ausrichtung mit der allgemeinen Tendenz zur Internationalisierung? Die regionale Karte sticht derzeit. Es ist einfach für viele wichtig, bei wem sie versichert sind. Die Qualität der Schadensabwicklung, die Schnelligkeit, die Nähe, das greifbar Sein, ein persönlicher Versicherungsberater, all das zählt in Österreich nach wie vor. Das ist ein Vertrauensverhältnis, das Internet-Plattformen und ähnliche Dinge nicht bieten können. In die enge Beziehung zu den Kunden investieren wir. Ich verstehe mich durchaus als der erste Verkäufer des Hauses, ich bin viel unterwegs und kann diese Handschlagqualität des Hauses vielen Unternehmern auch persönlich überbringen. Und es ist für den Kunden auch wichtig zu vermitteln, dass er nicht nur dann interessant ist, wenn es darum geht, ein Geschäft anzubah- 08

9 INTERVIEW Ronald Barazon Fotos: Elise Madl Ronald Barazon nen, sondern dass wir uns im Schadensfall um eine gute Lösung vor Ort bemühen, in Linz und nicht in Düsseldorf, Triest oder sonst irgendwo. Wie definieren Sie die Region, Sie haben auch die Hypo Salzburg erwähnt? Unser primäres regionales Ziel ist Oberösterreich, darüber hinaus die Steiermark, wo wir einen eigenen Außendienst haben und Salzburg, wo wir über die Hypo-Schiene und über Maklerverbindungen den Markt bearbeiten. Wir haben ein klares Konzept: Das Breitengeschäft betreuen der eigene Außendienst und die Banken, im Gewerbe und in der Industrie arbeiten wir eng mit Maklern zusammen, und wo wir keinen eigenen Außendienst haben, wie in Salzburg, setzen wir auf Makler auch im Breitengeschäft. Wird sich im Gefolge der geplanten, neuen Vermittlerrichtlinie die Rolle der Makler ändern? Das glaube ich nicht, zumindest nicht für unser Haus. Wir arbeiten mit den Maklern, wie gesagt, vor allem bei der Betreuung der Gewerbe- und Industriekunden zusammen. In diesen Kundenbeziehungen herrscht eine hohe Professionalität. Die Makler sind wertgeschätzte Berater. Die Offenlegung der Provisionen oder auch die Verrechnung von Honoraren sollte da keine Probleme verursachen. Man muss aber schon festhalten, dass die Vermittlerrichtlinie, wenn sie kommt, einen Gesamtumbau der Vertriebssysteme auslösen könnte. Gut auf Solvency II vorbereitet Zu den meist diskutierten Themen der Versicherungswirtschaft gehört Solvency II. Wir sind gut auf Solvency II vorbereitet, wir haben das Thema im Griff. Diese Antwort überrascht, allgemein wird in der Branche sehr geklagt. Weil Solvency von den Erfindern und noch vor der Krise als Marktbereinigungsinstrument angedacht war, um die Kleinen an die Wand zu drücken. Dass sich das jetzt völlig in das Gegenteil gedreht hat, ist ein Treppenwitz der Geschichte. Heute haben die Großen Probleme und die Kleinen schaffen, wenn sie sich rechtzeitig vorbereiten, die erforderliche Eigenkapitalausstattung und das neue Risikomanagement. Jedenfalls für unser Haus kann ich sagen, dass wir solvency-fit sind. Solvency sorgt doch für eine enorme Belastung der Organisation der Häuser. Die technischen Fragen sind natürlich für alle eine enorme Herausforderung. Die Bürokratie, die mit Solvency verbunden ist, und die unseligen Geister, die da gerufen wurden und nicht mehr wegzubringen sind, dass das die Branche belastet, die Kostensätze in die Höhe treiben wird, die Produkte verteuern wird, das steht außer Frage. Wobei wir bei den Kostensätzen durchaus als Kostenführer mit 23 Prozent Verwaltung und Vertriebskosten in Österreich auch gut dastehen. Diskutiert wird auch sehr heftig die Notwendigkeit, hohe Eigenmittel zur Unterlegung der Veranlagungen vorzuhalten. Die Oberösterreichische hat, wie gesagt, eine sehr gute Eigenmittelausstattung. Die entscheidende Frage ist das Risiko haben wir aus der Krise gelernt und rasch die Konsequenzen gezogen. Wir haben auch frühzeitig auf die Staatsschuldenkrise reagiert und bei den Krisenstaaten nur homöopathische Dosen in den Büchern. Wir haben uns sehr modern mit zwei Master-Fonds, gemeinsam mit der Kepler KAG, aufgestellt. Auch gehen wir jetzt stärker in Immobilien und haben dort, wo wir Aktien und Beteiligungen haben, auf die regionale Karte gesetzt. Bei der Voest, bei der Energie-AG, bei der WAG, bei der AMAG. Das sind solide Beteiligungen, die uns zudem Glaubwürdigkeit beim Heimvorteil bringen, weil wir unseren Kunden sagen können, wenn Du bei der Oberösterreichischen versichert bist, bist Du erstens bei einem guten Unternehmen, das auch in der Abwicklung rasch und zuverlässig ist, und Du hast zweitens den Zusatznutzen, dass wir das Geld im oberösterreichischen Wirtschaftskreislauf lassen, dass wir also Ar- 09

10 DIE OBERÖSTERREICHISCHE SETZT NEUE MASSSTÄBE BEI KATASTROPHENVORSORGE beitsplätze und Wirtschaftskraft stärken. Das war ja auch eine der Grundüberlegungen bei der Kooperation mit der Raiffeisen-Landesbank. Wir schicken nicht das Geld aus Lebensversicherungen, Vorsorgeprodukten Richtung Wien, sondern schauen, dass die Mittel im oberösterreichischen, im regionalen Wirtschaftskreislauf bleiben. Die niedrigen Zinsen belasten die Vermögensverwaltung, die Ertragskraft hängt derzeit vom Ergebnis des versicherungstechnischen Geschäfts ab. Wir verdienen im technischen Geschäft und sind somit nicht von den Kapitalerträgen abhängig. Die combined ratio, die Summe aus Leistungen, Rückstellungen und Kosten in Relation zum Prämienaufkommen lag 2011 bei 91 Prozent, für 2012 rechnen wir mit etwa 94 Prozent. Diese guten Ergebnisse sind das Resultat der besseren Risikoselektion, der Sanierung verlustbringender Verträge und einer optimalen Rückversicherungstechnik. Wir spüren aber als regionaler Versicherer in besonderer Weise die Naturkatastrophen und sind daher besonders engagiert um hier durch eine bessere Aufklärung eine Verringerung der Schäden zu erreichen. Schon kleine Korrekturen an den Häusern helfen bei Hagel und Sturm Wie sieht das im Detail aus, ist man nicht mehr oder minder machtlos im Katastrophenfall? Die Frage ist Was kann ich persönlich als Hauseigentümer tun, um meine Risken im Sturm, im Hagelfall zu senken? Und da zeigt sich, dass eine Reihe einfacher Maßnahmen, die kaum Kosten verursachen, eine enorme Verringerung der Schäden bewirken. Ein Beispiel: Viele Dachziegel werden nur gelegt. Dachziegel, die mit einer Klammer auf der Lattung festgenagelt oder sonst wie befestigt werden, kann der Sturm kaum wegreißen. Das Gleiche gilt für den Dachstuhl, eine solide Verankerung ist eine optimale Vorsorge. Oder: Ich muss bei den Kellerfenstern nur 10 Zentimeter Überhöhung haben, dann rinnt das Wasser bei den immer öfter auftretenden Starkregen nicht in das Haus. Früher stand die Feuerversicherung im Mittelpunkt, wurde das Feuer von Sturm und Hagel abgelöst? Das größte Risiko ist heute nicht mehr der Brand. Im Vordergrund stehen die Naturkatastrophen, Sturm, Hagel, Starkregen, Überschwemmungen, Lawinen. Auf die Brandseuchen in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hat man mit entsprechenden Baunormen und mit der Einrichtung der Brandverhütungsstellen reagiert. Jetzt gilt es wieder mit Bauvorschriften dafür zu sorgen, dass die Häuser den Naturkatastrophen besser widerstehen können, die Bevölkerung aufzuklären und Vorsorge zu betreiben. Die Oberösterreichische macht jetzt gemeinsam mit einer Tochterfirma der Brandverhütungsstelle Baustoffprüfungen, die österreichweit, europaweit Furore machen. Haben Sie schon konkrete Ergebnisse? Ja, zahlreiche. Wir hatten zum Beispiel in der Testung einen Tondachziegel. Ziegel werden bisher nur auf Schneedruck zertifiziert und das betreffende Produkt hatte auch die erforderliche Bestätigung. Bei der Analyse stellte sich heraus, dass der Erzeuger gegenüber früheren Produkten eine Querrippe eingespart hatte um die Kosten zu senken. Für den Schneedruck war die Querrippe nicht erforderlich. Genau dieses Element verbessert aber die Widerstandsfähigkeit gegen Hagel enorm. Der Erzeuger baut nun die Rippe wieder ein. Oder: Neue Vollwärmeschutzfassaden. Styropor wird an der Mauer angebracht, auf das Styropor kommt ein Netz und auf das Netz wird der Verputz aufgetragen. Konventionelle Netze werden schon bei 3 Zentimeter großen Hagelkörnern zerstört und die Fassade sieht in der Folge aus wie nach einem Beschuss durch ein Maschinengewehr. Moderne, flexible Netze, die nur um 2 Prozent mehr kosten, halten Hagelkörnern bis zu einer Größe von 5 Zentimetern Stand. Animieren Sie die Versicherten mit Prämiennachlässen zu entsprechenden Maßnahmen? Wir gehen in Etappen vor. Wir haben mit den Testungen begonnen und verfügen jetzt über einen Katalog von Ergebnissen, der laufend erweitert wird. Gemeinsam mit Partnern in Bayern, in der Schweiz und in Österreich betreiben wir im Internet ein Hagelregister, in dem die Testergebnisse veröffentlicht werden, ohne Werbung, ohne Einflussnahme der Firmen. In einem weiteren Schritt wollen wir erreichen, dass die Baunormen entsprechend angepasst und dass die sich aus den Tests ergebenden Maßnahmen zur Bedingung für eine öffentliche Förderung insbesondere im Wohnbau gemacht werden. Bei der Feuerbeschau sollten künftig auch Aspekte der Naturkatastrophensicherheit beachtet werden. Wir entwickeln eine Art Katastrophen-Check und bei Häusern, die diesen Check bestehen, wird es in Zukunft geringere Versicherungsprämien geben können. Die Versicherungswirtschaft bemüht sich seit Jahren um eine umfassende Katastrophenversicherung in Partnerschaft mit dem Staat. Die leider bisher nicht zustande gekommen ist. Dabei geht es um eine umfassende Katastrophenversicherung, die alle einschließt und somit einen Risikoausgleich zwischen Lawinen, 10

11 INTERVIEW Ronald Barazon Hochwasser, Sturm, Hagel und Starkregen ermöglicht, der wiederum für vertretbare Prämien in allen Bereichen sorgt. Nur für Extremfälle soll der Staat herangezogen werden. Das ist der eine Teil und der zweite ist ein rein technischer Teil, der einfache Maßnahmen vorsieht, die wenig kosten, relativ leicht umzusetzen sind und enorme Vorsorge-Effekte haben. Für einen Relaunch der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge Die Nachfrage nach Lebensversicherung ist derzeit generell schwach. Die Entwicklung bei der Oberösterreichischen ist, wie schon erwähnt, besser als im Branchendurchschnitt. Man muss aber zur Kenntnis nehmen, dass derzeit die Lebensversicherung wegen der niedrigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt in einer schwierigen Lage ist. Der Kunde will eine ordentliche Performance, die aber in der aktuellen Situation nicht zu erzielen ist. Außerdem haben wir in der Lebensversicherung zu hohe Vertriebskosten und das wird man zur Kenntnis nehmen und diskutieren müssen. Die Kürzung der Prämie für die geförderte Zukunftsvorsorge ist da sicher auch nicht hilfreich. Die Konstruktion der PZV war zum Zeitpunkt der Einführung richtig. Das mit dem Produkt kombinierte Element, über den Mindestaktienanteil zur Belebung der Wiener Börse beizutragen, hat sich in den letzten Jahren als Bumerang erwiesen. Notwendig ist ein Relaunch in der Form, dass man den Aktienanteil flexibilisiert. Der Versicherer braucht diese Flexibilität, um bei der Veranlagung auf die jeweilige Entwicklung des Kapitalmarkts kundengerecht reagieren zu können. Im nächsten Jahr laufen die ersten Verträge ab und ich bin zuversichtlich, dass bis zum Frühjahr die PZV auf eine neue Grundlage gestellt werden kann. Die letzten Aussagen der Frau Finanzministerin stimmen uns in dieser Richtung sehr zuversichtlich. Es gibt aber auch eine starke Strömung gegen die private Vorsorge. Für jemanden, der eins und eins zusammenzählen kann, steht wohl außer Zweifel, dass private Vorsorge als Ergänzung der Sozialversicherungspension unverzichtbar ist. Die derzeit zu beobachtenden ideologischen Attacken, die die private Vorsorge schlecht machen und behaupten, dass die Sozialversicherung allein die Altersvorsorge bewältigen könne, sind für mich als ehemaligen Politiker vorbereitende Beiträge zu den Wahlkämpfen im kommenden Jahr. Das Thema muss auf einer sachlichen Grundlage von Fachleuten behandelt werden und ich bin überzeugt, dass dies letztlich auch gelingen wird. Private Pflegevorsorge wird durch das System bestraft Angesichts des steigenden Bedarfs an Pflege erscheint eine private Pflegevorsorge dringend geboten. Die Nachfrage nach privaten Pflegeversicherungen ist aber sehr schwach. Das Problem der privaten Pflegeversicherung ist nach wie vor, dass unsere öffentlichen Systeme derzeit noch so aufgestellt sind, dass der, der für Pflege vorsorgt, der Dumme ist. In einem öffentlichen Pflegeheim müssen 80 Prozent der Pension des Pfleglings abgeliefert werden, das 13. und 14. Gehalt wird nicht angerührt. Außerdem geht das Pflegegeld des Staates an das Heim, abzüglich eines Taschengelds. Die über diese beiden Beträge hinaus anfallenden Kosten werden von der Sozialhilfe übernommen. Besteht eine private Pflegeversicherung, so wird auch diese herangezogen, ist dies nicht der Fall, so zahlt die Sozialhilfe den gesamten Fehlbetrag. Unter diesen Umständen ist eine Pflegeversicherung nicht interessant, außer man will in der Pflegesituation tatsächlich seine Versorgung unabhängig vom Staat gestalten können. Ist nicht eine private Pflegevorsorge auch wichtig, um Rückgriffe auf das Vermögen zu verhindern? Theoretisch ja, aber die Praxis sieht anders aus. In der Regel werden die Vermögenswerte frühzeitig an die Kinder übergeben, so dass bei Eintritt des Pflegebedarfs keine Werte mehr vorhanden sind. In den Pflegeheimen sind nur diejenigen Selbstzahler, die das Pech hatten über Nacht zum Pflegefall zu werden und nicht rechtzeitig agieren konnten. Das Vermögen der Kinder und der anderen Verwandten wird nicht angegriffen, jedenfalls nicht in Oberösterreich. Dies hat, nebenbei gesagt, den Nachteil, dass man nicht das tun kann, was ein Sozialforscher einmal strategisch vererben genannt hat, dass man die Kinder begünstigt, die sich um die Alten kümmern. Die Prognosen zeigen, dass die öffentlichen Haushalte durch die Pflegekosten überfordert werden. Wir wissen, dass wir uns das bestehende System auf Dauer nicht mehr leisten können. Eine Diskussion über eine sinnvolle Aufteilung zwischen staatlicher Leistung und privatem Beitrag ist aber bisher nicht möglich gewesen. In der Bevölkerung wird zwischen Krankheit und Pflegebedarf nicht unterschieden, man steht auf dem Standpunkt, dass der Staat zu zahlen hat, wenn man krank ist. Hier ist ein Problem besonders zu spüren, das in allen Bereichen der Sozialpolitik Lösungen erschwert: Man hat den Bürgern vermittelt, dass die öffentliche Hand eine Vollversorgung in der Kranken- und Altersvorsorge bietet und jetzt ist es schwer zu korrigieren und zu sagen, dass nur eine Kombination von Staat und Privat funktioniert. 11

12 VVO-MITGLIEDERVERSAMMLUNG VVO-Mitgliederversammlung Das stilvolle Ambiente des Palais Niederösterreich diente auch heuer wieder als Rahmen für das jährliche Zusammentreffen der VVO-Mitglieder. Die Versicherungsrundschau war am 5. Dezember mit dabei und präsentiert Ihnen einen Auszug der anwesenden Vertreter der Versicherungsunternehmen. GD Dr. Andreas Brandstetter (UNIQA Versicherungen AG), GD Dr. Günter Geyer (WIENER STAEDTISCHE WECHSELSEITIGER Versicherungsverein Vermögensverwaltung Vienna Insurance Group), GD Dr. Luciano Cirinà (VVO-Präsident, Generali), Dr. Franz Rudorfer (GF WKO-Bundessparte Bank und Versicherung), GD Dr. Wolfram Littich (Allianz-Elementar Versicherungs- Aktiengesellschaft), GD Mag. Dr. Othmar Ederer (Grazer Wechselseitige Versicherung Aktiengesellschaft), Dr. Louis Norman- Audenhove (VVO-Generalsekretär) GD Dr. Luciano Cirinà (VVO-Präsident, Generali), Dir. Dr. Louis Norman-Audenhove (VVO-Generalsekretär) GD Dr. Günter Geyer (WIENER STAEDTI- SCHE WECHSELSEITIGER Versicherungsverein Vermögensverwaltung Vienna Insurance Group), GD Mag. Dr. Othmar Ederer (Grazer Wechselseitige Versicherung Aktiengesellschaft) Prof. DDr. Peter Hauser (Collegialität Versicherungsverein Privatstiftung) Dir. Hartwig Löger (UNIQA Österreich Versicherungen AG) Dir. Kurt Molterer (NÜRNBERGER Versicherung Aktiengesellschaft und GARANTA), Jakob Wachter (Continentale Lebensversicherung AG), Dr. Franz Rudorfer (GF WKO-Bundessparte Bank und Versicherung) Dir. Elisabeth Stadler (ERGO Austria International AG), Dir. Dr. Martin Sturzlbaum (Europäische Reiseversicherung Aktiengesellschaft) 12

13 FOTOS Kurt Patzak magazin TEXT Mag. (FH) Isabella Eltner GD DI Dr. Kurt Weinberger (Österreichische Hagelversicherung Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit), Dir. Dr. Martin Sturzlbaum (Europäische Reiseversicherung Aktiengesellschaft), Dir. Dr. Harald Weiser (Austria Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit Privatstiftung) Mag. Edith Wuntschek (VAV Versicherungs- Aktiengesellschaft), Sergey Sukharev (Schwarzmeer und Ostsee Versicherungs-Aktiengesellschaft SOVAG) Dir. Robert Bilek (BÖV, WIENER STÄDTISCHE Versicherung AG Vienna Insurance Group), Dir. Mag. Robert Haider (Donau Versicherung AG) Dir. Georg Krenkel (Helvetia Schweizerische Versicherungsgesellschaft AG), Dkfm. Dr. Martin Beste (R+V Allgemeine Versicherung AG) Dir. Dr. Josef Schmid (Österreichische Hagelversicherung Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit) Dir. Robert Sturn (Vorarlberger Landes-Versicherung V.a.G.), Dir. Mag. Gerhard Schöffmann (Kärntner Landesversicherung auf Gegenseitigkeit) Walter Lentsch (ACE European Group Limited), Mag. Leopold Schallengruber (Chartis Europe S.A.) GD Alois Sundl (Merkur Versicherung AG) Dir. Dr. Klaus Pekarek (Raiffeisen Versicherung AG) Dr. Franz Rudorfer (GF WKO-Bundessparte Bank und Versicherung), Dir. Dr. Louis Norman-Audenhove (VVO-Generalsekretär), GD Dr. Luciano Cirinà (VVO-Präsident, Generali) GD Dr. Gerhard Matschnig (Zürich Versicherungs-Aktiengesellschaft), Vst.-Dir. Mag. Erwin Hammerbacher (Sparkassen Versicherung AG Vienna Insurance Group) 13

14 VVO-MITGLIEDERVERSAMMLUNG Franz Heidlmair (Kleine Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit) Mag. (FH) Isabella Eltner (VVO) Mag. Karl Ferdinand Blanckenstein (CURA Treuhand- u. Revisionsgesellschaft m.b.h.) Stefan Puhwein (VVO), Dr. Franz Kronsteiner (Österreichische Gesellschaft für Versicherungsfachwissen) Ing. Thomas Lackner (HDI Versicherung AG), Helga Plöch (VVO) Mag. Christian Eltner (VVO), Dir. Mag. Helene Kanta (WIENER STÄDTISCHE Versicherung AG) Dir. Dr. Klaus Pekarek (Raiffeisen Versicherung AG), GD Dr. Josef Stockinger (OBERÖSTERREI- CHISCHE Versicherung Aktiengesellschaft) Dr. Ulrike Braumüller (VVO), GD Dr. Gerhard Matschnig (Zürich Versicherungs-Aktiengesellschaft), Dir. Manfred Baumgartl (Allianz Elementar Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft) Dipl. Kulturwirtin Christina Wührer (VVO), Dr. Franz Rudorfer (GF WKO-Bundessparte Bank und Versicherung) Dir. Mag. Josef Trawöger (Österreichische Beamtenversicherung VVaG), GD Dr. Gerhard Matschnig (Zürich Versicherungs-Aktiengesellschaft), Dr. Ulrike Braumüller (VVO), Dir. Manfred Baumgartl (Allianz Elementar Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft), GD Mag. Josef Adelmann (Bank Austria Creditanstalt Versicherung AG), GD Dr. Josef Stockinger (OBERÖSTERREICHISCHE Versicherung Aktiengesellschaft), GD DI Dr. Kurt Weinberger (Österreichische Hagelversicherung VVaG), GD Dr. Hubert Schultes (Niederösterreichische Versicherung AG) Mag. Christian Eltner (VVO), Mag. Dagmar Hauser (VVO), Dir. Dr. Othmar Thann (KFV) Ing. Walter Rüf (Wälderversicherung VVaG), Dir. Kurt Molterer (Nürnberger Versicherung Aktiengesellschaft Österreich und GARANTA), Franz Heidlmair (Kleine Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit), Dir. Dr. Josef Schmid (Österreichische Hagelversicherung Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit) 14

15 MELDUNGEN TEXT Mag. (FH) Isabella Eltner Hohe Auszeichnung für Generali-CEO und VVO-Präsident Luciano Cirinà Finanz-Staatssekretär Andreas Schieder überreichte dem Generali-Vorstandschef und VVO-Präsident Luciano Cirinà das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Eine hohe Auszeichnung wurde jetzt dem Vorstandschef der Generali Gruppe Österreich, Luciano Cirinà, zuteil: Der Bundespräsident verlieh dem Spitzenrepräsentanten der österreichischen Versicherungswirtschaft das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Die Überreichung erfolgte am 27. November 2012 durch Staatssekretär Andreas Schieder im Rahmen eines Festaktes im Finanzministerium. Schieder würdigte beim Festakt insbesondere die Bedeutung der Generali Gruppe auf dem österreichischen Markt, wobei er vor allem den hohen Marktanteil der Gruppe bei Kfz-Versicherungen von rund 20 Prozent und bei Reiseversicherungen von rund 60 Prozent hervorhob. Schieder erwähnte ausdrücklich auch die Unterstützung der Europäischen Reiseversicherung bei der Tsunamikatastrophe. Als wichtige Begründung für die hohe Auszeichnung nannte der Staatssekretär das starke Engagement Cirinàs als Präsident des österreichischen Versicherungsverbandes VVO. Foto: BMF In seinen Dankesworten betonte Luciano Cirinà, er sehe diese Auszeichnung als Zeichen der besonderen Wertschätzung für die Versicherungswirtschaft. Diese sei mit ihrer hohen Servicequalität, die über dem Niveau der meisten EU-Länder liege, aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Die wirtschaftliche Entwicklung des Landes ist eng mit Versicherungsunternehmen verknüpft, denn sie zählen zu den größten Investoren, Arbeitgebern und auch Steuerzahlern. Das kann nur erreicht werden, wenn das Vertrauen unserer Kunden voll erhalten bleibt, so Cirinà. Dazu bedarf es auch der Unterstützung von Seiten der Politik durch stabile Rahmenbedingungen, mit denen wir unseren Kunden langfristig Zuverlässigkeit und Sicherheit bieten können. MELDUNGEN TEXT Mag. Karin Kobald Jahrestagung Kleine Versicherungsvereine a.g. In diesem Jahr stand die Jahrestagung der Kleinen Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit ganz im Zeichen des VersRÄG Diese Novelle war auch ausschlaggebend für die Überarbeitung der unverbindlichen Allgemeinen Bedingungen für die Sachversicherung (ABS) des Verbandes der Versicherungsunternehmen Österreichs VVO. Nach der Information über das VersRÄG 2012 und seinen Auswirkungen wurden neue versicherungsrelevante EU-Initiativen und eine Vorschau auf die möglichen Änderungen im VAG präsentiert. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) informierte über das Meldewesen NEU. Derzeit erfolgen die Meldungen an die FMA noch in Papierform. In Zukunft wird es den Kleinen Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit möglich sein, ihre Daten auf elektronischem Wege zu übermitteln. Foto: Zillertaler Versicherungsverein a. G. Präsentiert wurden im Zuge dieser Tagung auch die Statistikzahlen der Kleinen Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit. Diese zeigen, wie schon in den vergangenen Jahren, einen stetigen Trend nach oben. Franz Heidlmair. Vorsitzender des VVO-Ausschusses Kleine Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit 15

16 MELDUNGEN TEXT Mag. (FH) Isabella Eltner Brandgefährliche Weihnachtszeit Die VVO-Pressekonferenz über den Advent als feuergefährlichste Zeit im Jahr. Bilder: Hautzinger/VVO Die Möglichkeiten der Brandentstehung sind vielfältig. Besonders tückisch sind Schwelbrände, die sich stundenlang an versteckten Stellen entwickeln und erst erkannt werden, wenn es schon fast zu spät ist. Nicht richtig gewartete, unbeaufsichtigte oder defekte technische Geräte gelten als Brandauslöser Nummer Eins. Offenes Licht und Feuer (zum Beispiel brennende Kerzen) sind die zweithäufigste Brandursache in Wohnungen. Vor allem im Dezember gibt es durchschnittlich fast viermal so viele Brände durch offenes Licht und Feuer als in den übrigen Monaten des Jahres", erklärt Dr. Othmar Thann, Direktor des KFV. Dr. Louis Norman-Audenhove, Dr. Luciano Ciriná, der Brandschutzexperte Ing. Wolfgang Fiala BSc und Dr. Othmar Thann. Am 3. Dezember fand im österreichischen Versicherungsverband VVO gemeinsam mit dem KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) eine viel beachtete und von Medienvertretern sehr gut besuchte Pressekonferenz zum Thema Brand in Privathaushalten statt. Eine aktuelle Studie des KFV zeigt, dass die Brandgefahr in den eigenen vier Wänden generell stark unterschätzt wird. Rund 500 Wohnungsbrände ereignen sich jährlich in der Weihnachtszeit. Neben erheblichen Sachschäden werden hierbei auch immer Menschen verletzt oder getötet. Die Studie des KFV zeigt, dass rund 86 Prozent der ÖsterreicherInnen einen Brand in ihrem eigenen Haushalt für unwahrscheinlich halten. Bei der Notrufnummer der Feuerwehr sind rund 25 Prozent der befragten Personen nicht sattelfest, aber immerhin 83 Prozent haben einen Feuerlöscher im Wohngebäude oder der Garage. Mehr als Brände das ist mehr als die Hälfte aller Brände in Österreich ereigneten sich im Jahr 2011 im privaten Bereich. Gerade in der gewohnten Umgebung sind viele Menschen unaufmerksam und unvorsichtig. Fast immer ist Unkenntnis, Leichtsinn oder sogar Fahrlässigkeit die eigentliche Ursache der Feuer. Die meisten Unglücksfälle sind durch vorbeugende Maßnahmen vermeidbar", erläutert Dr. Luciano Cirinà, Präsident des Verbandes der Versicherungsunternehmen Österreichs VVO. 16

17 MELDUNGEN magazin TEXT Mag. (FH) Isabella Eltner Lebensretter sind Rauchwarnmelder und Feuerlöscher Rauchwarnmelder und griffbereite Feuerlöscher können Leben retten und sollten daher in keinem Haushalt fehlen. Doch der beste Schutz ist es, Brände erst gar nicht entstehen zu lassen. Daher sollten Anzeichen, die auf technische Defekte von Geräten hinweisen, ernst genommen und Heiz- sowie Elektrogeräte regelmäßig vom Fachmann überprüft werden. Gerade zur Weihnachtszeit erhöht sich das Brandrisiko erheblich. Ein ausgetrockneter Christbaum oder Adventskranz steht blitzartig in Flammen. Kerzen, egal ob elektrisch oder aus Wachs, sollten nie unbeaufsichtigt brennen. BRANDSCHUTZ- UND GEBÄUDESICHERHEITS- TAGE 2013 LINZ Der Brandschutzexperte Ing. Fiala demonstrierte eindrucksvoll, wie schnell ein Feuer in der Wohnung entstehen kann und welche Maßnahmen dann im Notfall helfen. IBS INSTITUT FÜR BRANDSCHUTZTECHNIK UND SICHERHEITSFORSCHUNG GES.M.B.H. 17

18 INTERNATIONAL TEXT Mag. Dieter Pscheidl Europathemen 2013 Was erwartet die Versicherungswirtschaft im neuen Jahr aus Brüssel? Die Dichte neuer EU-Regulierungsvorschläge bleibt auch im kommenden Jahr unverändert hoch. Im Folgenden finden Sie einen Überblick der wesentlichsten EU-Initiativen im Versicherungsbereich: Solvency II Nach wie vor sind einige wichtige Punkte von Solvency II offen. Hervorzuheben sind hier insbesondere die quantitativen Bestimmungen zu langfristigen Garantien: Nach den aktuellen Entwürfen müsste ein Versicherungsunternehmen die künftigen Erträge aus einem Lebensversicherungsvertrag im Vorhinein abschätzen. Dies würde voraussetzen, dass man die Entwicklung der Zinsen in den kommenden Jahrzehnten vorhersagen kann. Für einige Jahre ist die Zinskurve in etwa abschätzbar, über längere Zeiträume ist das völlig unmöglich. In der klassischen Lebensversicherung geht es aber um zwanzig, dreißig und mehr Jahre. Aus dieser unmöglichen Prognose soll sich aber ableiten, wie viel Kapital ein Versicherungsunternehmen vorhalten muss. Basisinformationsblätter: Anstatt sich in Papierbergen zu verirren, soll der Kunde künftig auf wenigen Seiten die wesentlichen Produktinformationen finden. Fotos: European Union, 2012 Die klassische Lebensversicherung hat sich seit mehr als hundert Jahren bewährt und bildet vor allem in Österreich und Deutschland eine wesentliche Säule des Versicherungsmarktes. Insofern ist eine nachhaltige Lösung für langfristige Garantien dringend geboten. Weichenstellung im Versicherungsvertrieb: 2013 entscheiden Parlament und Rat u.a. über Provisionsverbote, Provisionsoffenlegungen, Querverkäufe sowie Qualifikation von Vermittlern und angestelltem Außendienst. Versicherungsvermittlung Das europäische Gesetzgebungsverfahren zur Versicherungsvermittlungsrichtlinie ist im Herbst 2012 angelaufen. Sollten sich Parlament und Rat 2013 einigen, wären die neuen Vertriebsregeln bis 2015 in Österreich umzusetzen und danach anzuwenden. Der Richtlinienvorschlag der EU-Kommission sieht ein Provisionsverbot für die unabhängige Beratung von noch näher zu definierenden Versicherungsanlageprodukten (PRIPs) vor. Die übrigen Vertriebswege sollen in der Lebensversicherung einer automatischen Offenlegung von Provisionen unterliegen, in der Nichtlebensversicherung auf Anfrage und nach fünf Jahren ebenfalls automatisch. Sowohl Provisionsverbot als auch Provisionsoffenlegung sind heftig umstritten: eine Studie der Europäischen Kommission 1 bezeichnet die Provisionsoffenlegungen als überflüssig und für den Kunden verwirrend. Das Parlament warnt in einem Arbeitsdokument sogar vor einer möglichen Unterversorgung der Bevölkerung mit Versicherungsschutz im Fall eines reinen Honorarsystems und verweist auf negative Erfahrungen in nordischen EU-Mitgliedstaaten, die vor wenigen Jahren ein Provisionsverbot eingeführt haben. Weitere kontroverse Punkte sind die Regulierung von Querverkäufen sowie die Qualifikation von Vermittlern und angestelltem Außendienst. Basisinformationsblätter Ein europaweit einheitliches, nicht-personalisiertes Basisinformationsblatt soll Kunden den Vergleich von Anlageprodukten erleichtern. Informationselemente wie etwa Produktname, Produkttyp, Name des Anbieters, Risiken, Leistungen, Kosten, Vertragslaufzeit sowie Folgen eines frühzeitigen Vertragsrücktritts sollen in der Form eines einheitlichen Kurzprospektes dargestellt werden. 1 PwC Luxembourg: Study on the impact of the revision of the Insurance Mediation Directive (ETD/2007/IM/B2/51) Final Report,

19 INTERNATIONAL magazin TEXT Mag. Dieter Pscheidl Der gerade laufende EU-Gesetzgebungsprozess zum Verordnungsvorschlag für dieses Basisinformationsblatt könnte 2013 zum Abschluss kommen und damit die Verordnung im Jahr 2015 anzuwenden sein. Zuvor gilt es aber noch einige wesentliche Verbesserungen im Verordnungstext vorzunehmen wie beispielsweise die Darstellung des biometrischen Risikos oder die sofortige Anwendung auf Investmentfonds. Fotos: Fotolia Datenschutz Gegenwärtig befindet sich der Vorschlag für eine Datenschutz-Grundverordnung im europäischen Gesetzgebungsverfahren. Die direkt anzuwendende Grundverordnung würde das österreichische Datenschutzgesetz (DSG) weitestgehend verdrängen. Da der Verordnungstext branchenneutral abgefasst wurde, wird er den Bedürfnissen der Versicherungswirtschaft teilweise nicht gerecht bzw. gefährdet möglicherweise den durchgängigen Versicherungsbetrieb. Problematisch gesehen werden u.a die Definition sowie die Verwendung von Gesundheitsdaten, die verpflichtende Löschung von Datensätzen sowie das Verbot der automatisierten Risikoprofilbildung. Mehr Sicherheit im Ruhestand: Die EU-Kommission arbeitet weiter an der Modernisierung der sog. Pensionsfondsrichtlinie. Das Vorbild dafür ist Solvency II. Fotos: Fotolia Aufgrund der Betroffenheit aller Wirtschaftssektoren und des erheblichen Eingriffs in nationale Rechtsordnungen ist bestenfalls Ende 2013 mit einem Abschluss des europäischen Gesetzgebungsverfahrens zu rechnen. Die teilweise neuen Bestimmungen wären dann frühestens Ende 2015 anzuwenden. Naturkatastrophen Wie können sich Bevölkerung und Unternehmen besser vor Naturkatastrophen schützen? Im ersten Quartal 2013 wird die EU-Kommission ein Strategiepapier ( Grünbuch ) zu Naturkatastrophen vorlegen. Darin werden ökonomische, ökologische, volkswirtschaftliche aber auch steuerliche Aspekte von Naturkatastrophen aufzeigt. Ebenso sollen Möglichkeiten der Prävention sowie der Versicherung von Naturgefahren geprüft werden. Später ist auch eine legislative Initiative in der Form einer Richtlinie nicht ausgeschlossen, um Versicherungslösungen für Naturkatastrophen in allen EU- Mitgliedstaaten verpflichtend einzuführen. Bezieher kapitalgedeckter Betriebspensionen von Pensionsfonds sollen künftig besser vor Verlusten geschützt werden. Darum überarbeitet die EU-Kommission gerade die sog. Pensionsfondsrichtlinie 2 aus dem Jahr Frühestens im Sommer 2013 ist mit dem Vorschlag für eine Neufassung der Richtlinie zu rechnen. Ziel der Neufassung ist vor allem eine Modernisierung der qualitativen und quantitativen Aufsichtsregeln. Gegenwärtig werden durch die EU-Kommission Elemente der qualitativen Bestimmungen von Solvency II (Governance und internes Risikomanagement) in die Richtlinie eingearbeitet. Im Bereich der quantitativen Bestimmungen soll die neue Pensionsfondsrichtlinie ähnlich zu Solvency II alle Risiken einbeziehen, d.h. auch Marktrisiko, Kreditrisiko, operationelles Risiko usw. Prävention und Intervention: Ein EU-Strategiepapier zu Naturkatastrophen wird Möglichkeiten der Prävention und Versicherung analysieren. Pensionen EIOPA-Vorsitzender Gabriel Bernardino räumte allerdings die mögliche Notwendigkeit weiterer quantitativer Wirkungsstudien (QIS) ein, wodurch sich die Vorlage der neuen Pensionsfonds-Richtlinie ins Jahr 2014 verschieben würde. 2 Vgl. Richtlinie 2003/41/EG über die Tätigkeiten und die Beaufsichtigung von Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung 19

20 INTERNATIONAL TEXT Dipl.-Kulturwirtin Christina Wührer Die Versicherungsmärkte Osteuropas 2012 Obwohl die osteuropäischen Länder stark von den wirtschaftlichen Entwicklungen in Westeuropa abhängen, konnten osteuropäische Versicherer 2011 deutliche Prämienzuwächse erzielen. Während das Prämienvolumen in Westeuropa insgesamt um 5,8 Prozent zurückging, wurde in der Region Osteuropa ein Prämienzuwachs von 5,3 Prozent verzeichnet 1. Ein Wachstumsmotor in Osteuropa ist häufig die Lebensversicherung, die in vielen Ländern der Region noch unterwickelt ist und daher ein besonders hohes Wachstumspotential bietet. So wurden beispielsweise in Südosteuropa 2011 in allen Ländern hohe Wachstumsraten von bis zu 40 Prozent erreicht. Aber auch in Märkten, in denen die Lebensversicherung bereits etablierter ist wie etwa in der Slowakei oder in der Tschechischen Republik wird die Lebensversicherung immer mehr nachgefragt und das Prämienvolumen steigt trotz schwieriger Rahmenbedingungen weiter an. In diesen beiden Ländern werden in etwa 50 Prozent des Gesamtprämienvolumens im Segment Leben erwirtschaftet. Polen 10% Tschechien 35% Slowakei 41% Ungarn 12% Slowenien 4% Rumänien 33% Kroatien 18% Serbien 21% Bosnien-Herzegowina 24% Montenegro 22% Bulgarien 21% Kosovo 34% Mazedonien 19% Albanien 64% Kollektive Marktanteile österreichischer Versicherer in CESEE 3 Betrachtet man die Quartalszahlen der einzelnen Länder Süd- und Osteuropas sind auch für das Jahr 2012 die Entwicklungen auf den Lebensversicherungsmärkten vielversprechend. Bis auf wenige Ausnahmen werden die Wachstumsraten im hohen einstelligen bzw. oftmals sogar deutlich im zweistelligen Prozentbereich liegen. Aber auch in der Sachversicherung erholen sich die Märkte der Region zunehmend und es wird 2012 weitere Zuwächse geben. Die österreichischen Versicherer sind in CESEE stark aufgestellt und in allen Ländern mit zahlreichen Tochterunternehmen und mit Zweigniederlassungen vertreten. Sie sind dort langfristige Investoren und erzielen Wachstumsraten, die deutlich über dem Marktwachstum liegen. Ihre kollektiven Gesamtmarktanteile liegen in manchen Märkten bei bis zu 40 Prozent, in Albanien sogar bei über 60 Prozent erwirtschafteten die österreichischen Versicherer in Osteuropa ein Prämienvolumen von 6,4 Mrd. Euro. Somit wurden bereits 34 Prozent des Gesamtprämienvolumens der 1 Vgl. Swiss Re Sigma Nr. 3/2012, Statistischer Anhang. 2 Vgl. Jahresbericht 2011 der Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA). 3 Exklusive Dienstleistungsfreiheit nach 10a und Niederlassungsfreiheit nach 16 VAG, oberstes Mutterunternehmen in AT, Stand: Ende Quellen: Aufsichtsbehörden und Verbände der CESEE Staaten. 20

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