Strukturierte Finanzierung Wie Mittelständler mehr Sicherheit und Flexibilität bei der Kreditversorgung schaffen

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1 Das Unternehmer-Magazin der Deutschen Bank Start-ups Deutschland, deine Gründer Geldanlage Unternehmer ticken anders Großbritannien Industrie gesucht Strukturierte Finanzierung Wie Mittelständler mehr Sicherheit und Flexibilität bei der Kreditversorgung schaffen

2 MEHR UNTER deutsche-bank.de/borntobe Jeder Mensch hat besondere Begabungen. Aber Talente brauchen Unterstützung, um sich voll zu entfalten. In Deutschland hängt das Bildungsniveau noch immer stark von der sozialen Herkunft ab. Hier setzen die zahlreichen Bildungsinitiativen der Deutschen Bank und ihrer Stiftungen an, die sie jetzt unter dem Leitgedanken Born to Be bündeln. Gemeinsam mit unseren Projektpartnern und engagierten Mitarbeitern unterstützen wir junge Menschen dabei, ihre Potenziale zu entfalten, mehr Selbstvertrauen zu gewinnen, und ebnen ihnen so den Weg in eine aussichtsreichere Zukunft.

3 Deutsche Bank_results Editorial_Wilhelm von Haller 3 Die hohe Kunst der Finanzierung FOTO: THORSTEN JANSEN Wilhelm von Haller ist Co-Leiter des Bereiches Deutsche Bank Privatund Firmenkunden DAS LEBEN JEDES UNTERNEHMENS BEGINNT MIT EINER IDEE: Ein Markt soll verändert, eine neue Zielgruppe erschlossen, ein Produkt verbessert werden. Unser Beitrag über die Gründerszene ab Seite 10 zeigt, mit wie viel Optimismus auch in Deutschland Firmen entstehen: Die meisten jungen Unternehmer sind überzeugt, dass ihre Idee die Welt verändern wird. Wer aber mit Leidenschaft eine Idee verfolgt, lernt auch bald, was die nächsten Ziele sein müssen: Mitarbeiter gewinnen, ein Management aufbauen und vor allem: für beides ausreichend Geldgeber finden. Ein professionelles Finanzmanagement diese Erfahrung macht jeder Gründer ganz am Anfang hilft dabei, dass aus kreativen Menschen echte Unternehmer werden können. Mit dem Erfolg des neuen Unternehmens entstehen dann neue Ideen und damit neuer Finanzierungsbedarf. Und statt einer sitzen irgendwann mehrere Banken mit am Tisch. Das wirft neue Fragen auf: Wie beherrsche ich die Komplexität meiner Finanzierung? Wie sorge ich dafür, dass alle an einem Strang ziehen, wie sichere ich mich nicht nur für die nächste Zeit, sondern auf lange Sicht ab, wie bleibe ich trotzdem flexibel? Einige Antworten auf diese Fragen bietet unser Titelbeitrag ab Seite 18. Das ist die hohe Kunst der Finanzierung: dafür zu sorgen, dass ein Unternehmen mit der gleichen Regelmäßigkeit, mit der es Ideen und Innovationen entwickelt, auch für Liquidität zur Verwirklichung dieser Ideen sorgt. Wenn das klappt, zählt irgendwann nur noch die Idee selbst so, wie es auch ganz am Anfang einmal war. PS: Viel ist in der vergangenen Zeit über eine vermeintliche Investitionslücke in Deutschland geschrieben worden. Eine neue Studie von Deutsche Bank Research hat jetzt die Lage einzelner Branchen miteinander verglichen und kommt zu sehr differenzierten Ergebnissen. Lesen Sie unseren Beitrag auf Seite 6.

4 4 Inhalt 1_2015 Deutsche Bank_results 6 Investitionen im Branchenvergleich Deutschlands Investitionen zählen zu den niedrigsten aller Industrieländer. Bremst das das Wachstum? Eine neue Studie gibt differenzierte Antworten 10 Gründerkultur in Deutschland Berlin gibt das Tempo vor, aber auch in anderen Regionen Deutschlands entstehen erfolgreiche Unternehmen. Was macht die Gründer aus? Das Unternehmer-Magazin der Deutschen Bank Research 6 Investitionslücke oder nicht? Eine Studie von Deutsche Bank Research untersucht, in welchen Branchen Unternehmen in die Zukunft investieren 8 Perspektiven für Anleger Das globale Umfeld stützt DAX & Co. 8 Interview Gefährdet oder stützt der niedrige Ölpreis die Wirtschaft? Beides, sagt Lars Slomka von Deutsche Bank Research Management 10 Start-ups Wird man zum Gründer geboren? Aktuelle Studien beleuchten die Start-up-Szene in Deutschland und ihre Protagonisten 15 Interview Christoph Westerburg vom Team der Deutschen Bank über seine Erfahrungen mit Gründern 16 Literatur Neue Managementbücher Finanzierung 18 TITELTHEMA Strukturierte Finanzierung Wenn Mittelständler mit allen Banken gemeinsam verhandeln, gibt ihnen das mehr Sicherheit bei der Finanzplanung 21 Interview Finanzierungsexperte Steffen Rapp über die Vorteile der Kreditvergabe durch Bankenteams 24 Interview: Geldanlage Warum Unternehmenschefs dem privaten Vermögen mehr Aufmerksamkeit widmen sollten und es dennoch oft nicht tun ein Gespräch mit Michael Ost, verantwortlich für die Portfolioberatung der Deutschen Bank

5 Deutsche Bank_results Inhalt 1_ Länderreport Großbritannien Großbritannien wächst und bietet deutschen Mittelständlern mit seinem großen Binnenmarkt zahlreiche Chancen. Aber was würde bei einem Austritt aus der EU passieren? 34 Initiative für Chancengleichheit Kinder aus Nichtakademiker-Familien studieren immer noch besonders selten. Die Deutsche Bank Stiftung engagiert sich für den STUDIENKOMPASS, um das zu ändern FOTOS: BERND ARNOLD/VISUM, LAURA FLUGGE, DAVID ARKY/GETTY IMAGES(2), STUDIENKOMPASS/ROLF SCHULTEN; MONTAGE: PICFOUR/ANJA GIESE; TITELFOTO: DAVID ARKY/GETTY IMAGES Märkte 2 8 Länderreport Großbritannien Wie deutsche Mittelständler und Wirtschaftsexperten den britischen Markt und seine Zukunft in Zeiten zunehmender Unabhängigkeitsbestrebungen von der EU beurteilen 30 Interview Barbara Böttcher, Expertin für Europapolitik, sieht die Brexit -Diskussion als Chance für Verbesserungen 33 Agenda Termine für Unternehmer; Impressum Perspektiven 34 Bildung für alle Wie der STUDIENKOMPASS begabte Schüler bei ihrer Entscheidung für ein Studium unterstützt 38 Fragebogen Van-Laack-Eigentümer Christian von Daniels über Mode, Prägung durch die Eltern und Morgenrituale 18 TITELTHEMA Strukturierte Finanzierung Alle Kredite in ein Paket zu schnüren war bislang nur wenigen Unternehmen möglich. Nun kommt auch der breitere Mittelstand zum Zug

6 6 Research_Investitionen Deutsche Bank_results Leben wir von der Substanz? Deutschlands Investitionen zählen zu den niedrigsten aller Industrieländer. Bremst das das Wachstum? Eine neue Studie gibt differenzierte Antworten Gewebeherstellung im Ruhrgebiet: Die Textilbranche investiert weniger am Standort Deutschland FOTO: BERND ARNOLD/VISUM, INFOGRAFIKEN: PICFOUR Eine wachsende Wirtschaft braucht Büros, Maschinen und Software. Doch Deutschlands Unternehmen halten sich mit solchen Investitionen zurück. Wirtschaftsexperten warnen bereits vor einer Investitionslücke. Eine solche Lücke besagt, dass wir deutlich mehr Produktivität, bessere Löhne und mehr Wachstum hätten, wenn investiert würde. Während in der Diskussion meist nur die Gesamtentwicklung beleuchtet wird, nimmt eine Studie von Deutsche Bank Research jetzt die einzelnen Branchen unter die Lupe. Autor Eric Heymann versteht die Besorgnis: Es ist schon erstaunlich, dass die deutsche Industrie in ihrer Heimat den Kapitalstock im langfristigen Vergleich nicht nur nicht ausgebaut, sondern sogar leicht verringert hat. Heymanns Untersuchung ergibt aber ein differenziertes Bild. Der Branchenvergleich illustriert grundsätzliche Verschiebungen in der Wirtschaft. Branchen mit langfristig schlechten Aussichten am Standort investieren weniger als Erfolgsbranchen wie die Automobilindustrie. Und Dienstleistungsbranchen stehen insgesamt besser da Indiz für deren steigende Bedeutung in der Zukunft. Eine Investitionslücke privater Unternehmen gibt es deshalb (noch) nicht, glaubt der Analyst sondern bisher nur ein Warnzeichen an die Politiker: Wären die politischen Rahmenbedingungen besser, würde die Privatwirtschaft mehr investieren. DIE STUDIE Deutsche Bank Research: Investitionen in Deutschland auf Branchenebene, kostenlos downloadbar unter Veränderung des realen Nettoanlagevermögens in Industrie- und Dienstleistungszweigen 2012 gegenüber 1995, Angaben in Prozent Textil-, Bekleidungsindustrie, Leder, Lederwaren, Schuhe 57,7 % Baustoffindustrie 40,1 % Papierindustrie 25,1 % Metallerzeugung/ -bearbeitung 18,1 % Chemieindustrie 4,8 % Verarbeitendes Gewerbe 1,6 % Information, Kommunikation 2,1 % Metallerzeugnisse 2,4 % Möbelindustrie, sonstige Waren 3,4 % Dienstleister bauen aus Der Vergleich der Branchen zeigt: Dienstleistungsunternehmen (blau) steigern ihr Anlagevermögen deutlich, die Industrie baut dagegen ab. Ohne die Pharma- und Automobilindustrie wäre die Durchschnittsentwicklung des verarbeitenden Gewerbes sogar noch deutlich schlechter.

7 Maschinen und Software statt Steine und Beton Deutsche Bank_results 7 Kapitalstock wird auf Verschleiß gefahren Das Anlagevermögen entwickelt sich in vielen Branchen schlechter als die Produktion ein gefährlicher Zustand. Veränderung 2012 gegenüber 1995 Angaben in % Baustoffindustrie Die Gesamtzahlen geben nur ein ungenaues Bild: Es wird durchaus investiert, nur nicht in Gebäude. Kein einziger industrieller Wirtschaftszweig hat den realen Wert seines Gebäudebestands erhöht. Rechnet man das heraus, sind die Zahlen deutlich positiver. Verarbeitendes Gewerbe: Reales Nettoanlagevermögen in Deutschland Index 1995 = QUELLE: STATISTISCHES BUNDESAMT Papierindustrie Metallerzeugung/ -bearbeitung Chemieindustrie Verarbeitendes Gewerbe Nettoanlagevermögen, real Inländische Produktion, real Dienstleistungsbereiche: Reales Nettoanlagevermögen in Deutschland Index 1995 = QUELLE: STATISTISCHES BUNDESAMT, DEUTSCHE BANK RESEARCH Wachstum ohne Kraft Die Ausrüstungsinvestitionen in Deutschland haben das Vorkrisenniveau von 2008 auch heute noch nicht wieder erreicht. Reale Ausrüstungsinvestitionen in Deutschland Index: 2010 = QUELLE: STATISTISCHES BUNDESAMT Ausrüstungen, sonstige Anlagen Verkehr und Lagerei 58,2 % gesamt Automobilindustrie 66,6 % Bauten Unternehmensdienstleister 87,7 % Großhandel 10,1 % Maschinenbau 10,5 % DV-Geräte, elektronische, optische Erzeugnisse 11,1 % Einzelhandel 24,0 % Pharmaindustrie 26,9 % Dienstleistungsbereiche 27,9 % Industrie Dienstleister

8 8 Research_Konjunktur Deutsche Bank_results Globales Umfeld stützt DAX & Co. Deutsche Aktien scheinen nach wie vor fair bewertet Trotz der politischen Herausforderungen senden Europas Aktienmärkte derzeit positive Signale die aktuelle B erichtssaison lässt ebenfalls hoffen, berichtet das Deutsche Bank Investment-Journal Perspektiven in seiner aktuellen Ausgabe. Besonders ermutigend: Der positive Trend am Aktienmarkt wird mittlerweile nicht mehr nur von der lockeren Geldpolitik getrieben, sondern zunehmend auch von den Unternehmen selbst. Für das Jahr 2015 rechnet die Deutsche Bank zum Beispiel für den europaweit sehr breit aufgestellten Aktienindex Stoxx 600 mit einem Gewinnwachstum von rund acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit dem vierten Quartal 2014 wirken zwei Trends zugunsten der Unternehmen: der niedrige Ölpreis und die zunehmende Euroschwäche. Davon profitiert aus Sicht der Deutschen Bank vor allem der deutsche Aktienmarkt mit seiner hohen Ausrichtung auf den Export und dem relativ niedrigen Anteil an Unternehmen aus der Rohstoffbranche. PERSPEKTIVEN IM NETZ Das Investment-Journal der Deutschen Bank Gewinnerwartungen der Unternehmen: DAX- Werte hängen internationale Wettbewerber ab I/B/E/S-Konsensus, Index 2006 = DAX S&P 500 MSCI EMU ex Germany QUELLE: DEUTSCHE BANK 2015 FOTO: MARTIN JOPPEN Nettoeffekt ist positiv Gefährdet oder stützt der sinkende Ölpreis die Wirtschaft? Beides, sagt Lars Slomka von Deutsche Bank Research Herr Slomka, seit seinem letzten Höchststand im Juni 2014 hat sich der Ölpreis zeitweise halbiert. Was hat den Preisverfall verursacht? Hier sind mehrere Entwicklun gen zusammengekommen: Auf der Nachfrageseite fällt das Wachstum in China schwächer aus als noch vor Jahren erwartet; auch Europa erholt sich nur langsam. Die Dynamik des Welthandels ist immer noch gering. Auf der Angebotsseite hat der schnelle Anstieg der Fördermenge in den USA die Erwartungen von vielen Marktteilnehmern übertroffen. Zugleich bleibt die OPEC, angeführt von Saudi-Ar abien, bei ihren hohen Produktionsniveaus, wobei geopolitische Überlegungen dabei wahrscheinlich eine Rolle spielen dürften. Die niedrigeren Ölpreise sollten doch eigentlich eine gute Nachricht für deutsche Unternehmen sein. Sind sie auch ein Grund für die Rekordwerte beim DAX? Wichtiger für die hohen Notierungen des DAX dürfte aktuell die expansive Geldpolitik der EZB sein, die zudem auf den Wechselkurs des Euro drückt und damit deutsche Exporte verbilligt. Aber natürlich wirkt auch der niedrigere Ölpreis wie ein Konjunkturprogramm für ölimportierende Länder oder Regionen, nicht zuletzt für Deutschland. Länder wie Venezuela oder Russland, deren Wirtschaft einseitig von Ölexporten abhängt, leiden hingegen stark unter der Entwicklung. Somit wirkt der Ölpreisverfall regional und sektoral sehr unterschiedlich.

9 Deutsche Bank_results Research_Konjunktur 9 Weitere Studien Sinkende Ausgaben für Rohstoffe müssten also erdölimportierenden Ländern Auftrieb geben. Im Prinzip ist das auch so. In den erdölimportierenden Ländern wie Deutschland steht mehr Geld für andere Ausgaben zur Verfügung, gleichzeitig schlägt sich der Einkommensverlust in den ölexportierenden Staaten nur allmählich in geringeren Ausgaben nieder. Insgesamt betrachtet, führen die sinkenden Ölpreise global zu mehr Wachstum. Auch deshalb haben wir unsere Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr auf 3,4 Prozent angehoben, was eine Beschleunigung gegenüber 2014 bedeutet. Das sind doch gute Nachrichten. Ja, aber in der Realität ist es komplizierter, da greifen ganz verschiedene Entwicklungen ineinander, und die Risiken steigen in bestimmten Sektoren. Ölunternehmen, deren Wachstumsfinanzierung aufgrund ihrer Förderkosten davon abhängt, dass der Ölpreis über 90 US-Dollar liegt, können sich bei 45 US-Dollar schwerer refinanzieren. Hier steigt somit das Risiko von Insolvenzen. Sinkende Ölpreise drücken auch auf die Inflationsrate in Europa. Sie dienen also als weiteres Argument für die expansive Geldpolitik der EZB, die bestrebt ist, eine Deflation in der Eurozone abzuwenden. Außerdem kann die Schwäche eines Rohstoffexporteurs wie Russland auch auf die eigentlich begünstigten Länder zurückschlagen, wenn beispielsweise Investitionen zurückgefahren werden; kein W under also, dass derzeit Länder wie Deutschland sich aus industriepolitischen Erwägungen heraus Sorgen machen. Ölpreis sucht Boden Der Dollarpreis für die Ölsorte Brent hat sich seit dem vergangenen Juni zeitweise halbiert das freut Konsumenten weltweit. Ölpreisentwicklung (Brent) Angaben in US-Dollar 2014 Feb Apr Jun Aug Okt Dez QUELLE: FINANZEN.NET 2014 Für die USA rechnen Experten mit einer Befeuerung des privaten Konsums. Lässt sich das auch auf Deutschland übertragen? Ja, wir erleben einen Stimulus sowohl für die deutsche Binnenkonjunktur als auch für wichtige Exportmärkte, da diese überwiegend Ölimporteure sind: Hier stehen den privaten Haushalten dank sinkender Mobilitäts- und Energiekosten mehr finanzielle Mittel für den Konsum anderer Erzeugnisse zur Verfügung. Einzelhandel, Textil und Bekleidung, Tourismus oder das Gastgewerbe sollten unmittelbar profitieren. Über den privaten Konsum hinaus bedeuten niedrige Preise eine Kostenentlastung für Sektoren, in denen Öl als Rohstoff im Produktionsprozess eingesetzt wird (zum Beispiel Chemie- und Kunststoffindustrie). Auch der Verkehrssektor (Luftverkehr, Logistik, Schifffahrt) wird direkt profi tieren. Insgesamt vergrößern sich für deutsche Unternehmen die Spielräume, die eigenen Investitionen zu steigern. Natürlich ist der niedrige Ölpreis nicht für alle Branchen positiv: So dürften jene Unternehmen, die zum Beispiel Maschinen und Anlagen für die Exploration neuer Ölfelder herstellen, in den kommenden Monaten weniger Aufträge registrieren. Wir glauben, der Nettoeffekt für die deutsche Industrie ist jedoch positiv. Was ist Ihre Einschätzung hinsichtlich der weiteren Entwicklung des Ölpreises? Wir sehen auf der Angebotsseite bereits erste Reaktionen. In den USA wird die Zahl der Fr a- cking-bohranlagen reduziert. Die Erschließung neuer, unkonventioneller Quellen wird zeitlich verschoben. Da die Angebotsstruktur in den USA sehr kleinteilig ist, sind solche schnellen Reaktionen nicht überraschend. Aber auch in anderen Regionen dürften die Investitionen in die Öl- und Gasförderung vorerst sinken. In der mittleren Frist wird dies das Wachstum des Ölangebots bremsen und wieder preissteigernd wirken. Gleichzeitig dürfte die Nachfrage nach Öl weiter leicht wachsen. Das alles spricht für mittelfristig wieder steigende Notierungen. Wie schnell das passiert und auf welches Niveau die Preise wieder steigen, ist nur schwer zu prognostizieren. Nicht zuletzt wegen der angekündigten hohen F örderung der OPEC-Staaten wird der Ölpreis auch bis Jahresende 2015 nicht wieder das Durchschnittsniveau der letzten Jahre erreichen. Wir rechnen derzeit für die Ölsorte Brent mit einem Jahresendpreis von gut 62 US-Dollar. Zahlreiche Studien und Kom mentare von Deutsche Bank Research gibt es (teilweise auch als Audiodatei) im Internet: Mehr Infrastrukturinvestitionen trotz fragwürdiger,lückenanalyse Der öffentliche Kapitalstock der hauptsächlich aus öffentlicher Infrastruktur besteht ist seit 2002 geschrumpft. Daraus eine generelle Investitionslücke abzuleiten und in Milliarden Euro zu beziffern, ist allerdings nahezu unmöglich. Höhere deutsche Inflation: Mission impossible? Warum reagieren die deutschen Löhne und Preise so wenig auf die expansive Geldpolitik der EZB? Wichtige Gründe sind kulturelle Faktoren und sogar individuelle Charaktereigenschaften. Neue Wachstumschancen für den deutschen Maschinenbau Mittelfristig müssen sich Maschinenbauer auf vier Trends einstellen: 1.) entsteht mit den USA und China gerade eine neue Maschinenbauabsatzwelt, 2.) wandelt sich der Produktfokus hin zu kundenspezifischen Systemlösungen, 3.) gewinnen nichtpreisliche Wettbewerbsfaktoren an Bedeutung, 4.) ist die klassische Zweiteilung in Produzentenländer mit Schwerpunkt Serienmaschinen und andere mit Fokus Spezialmaschinen nicht länger aufrechtzuerhalten.

10 10 Thesen IT-Boom: Das Internet beflügelt das Gründer - fieber in Deutschland Gestalten und Expandieren werden im Netz kosteneffizient. Bodenständigkeit: Das Gründungsgeschehen geht weit über die medienwirksame Berliner Start-up-Szene hinaus Gründer kommen aus allen Berufszweigen. Unterstützung: Die Regierung setzt auf Unterstützung, um neue Perspektiven für Wachstum und Beschäftigung zu realisieren. Arm, aber sexy. Mit diesem Spruch prägte Berlins damaliger Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit 2003 das Image der Hauptstadt. Lange Jahre hielt Berlin W ort: als coole Kultur metropole gut zu gebr auchen, aber wirtschaftlich auf dem Abstellgleis. Nun kommt Optimism us auf in der Kreativzentrale. Denn die gefühlte Attraktivität der Stadt könnte sich über kurz oder lang bezahlt machen, in Umsätzen und neuen Jobs. Nirgendwo anders in der Republik wird so eifrig neues Geschäft angeschoben: Berlin ist mit Abstand Start-up-Hauptstadt und Mekka der deutschen Internet szene. Der jüngste Gründungsmonitor der F örderbank KfW zeigt es: Auf 100 Einwohner zwischen 18 und 64 Jahren kommen in Berlin fast 2,6 Gründer da-

11 Management_Startups 11 Lebe deinen Traum! Immer mehr Jungunternehmer suchen in Deutschland ihr Glück. Berlin gibt dabei das Tempo vor doch auch im Rest Deutschlands regt sich viel Gründergeist, zeigen mehrere aktuelle Studien FOTO: LAURA FLUGGE/GETTY IMAGES mit toppt die Stadt den Bundesschnitt von zuletzt 1,7 um Längen. Der Traum vom großen Geld, von der zündenden und möglichst skalierbaren Idee in Berlin wird er gelebt. Die Metropole entwickelt Sogwirkung für eine prosperierende Szene von T ech-unternehmern. Auch der US-Konzern Google engagiert sich im Gründercampus Factory direkt am ehemaligen Mauerstreifen, in dem Innovatoren in der Frühphase gepäppelt und in Austausch gebr acht werden. Es geht um Tempo. Das Internet wird zum Katalysator, Expansion und Internationalisierung lassen sich immerhin theoretisch per Mausklick realisieren. Entsprechend hoch ist die Hipsterquote. In Berlin gebe es mehr Bartträger als in der griechischen Mythologie, freuen sich die Macher von Oakbeardcare ebenfalls ein Berliner Start-up. Es vertreibt im Netz eigene Bio-Bartpflegeöle aus Mandeln, Brokkolisamen und Sanddornkernen. Das V ersprechen: noch geschmeidigere Bärte. Die neue W ertschöpfung: Digital verdientes Geld wird in Öl investiert. Der Gründer das unbekannte Wesen: Ist er Chancensucher oder Verzweiflungstäter, Träumer oder Pragmatiker? In jedem Fall ist er ein beliebtes Forschungsobjekt. Zahlreiche Studienautoren trachten, ihm auf die Spur zu kommen, seine Motive und Stärken, aber auch seine typischen F ehler zu identifizieren. Denn jede dritte Gründung in Deutschland überstehe nicht die ersten drei Jahre, berichtet Georg Metzger. Der Autor des KfW- Gründungsmonitors beobachtet seit Jahren das Gründungsgeschehen in Deutschland. Er stellt klar: W er an Gründer denkt, sollte nicht nur über jene Programmierer und Designer in der Digitalwirtschaft reden, die am Fließband Internet-Start-ups aufsetzen und mit geplantem Turbowachstum die Investoren beeindrucken. Die KfW-Statistiken umfassen auch klassische Handwerksbetriebe, und selbst jede Firmenübernahme der alten Schule wird hier als Gründung verzeichnet. Volkswirtschaftlich wäre es sinnvoll, mehr Bestehendes zu übernehmen und auf existierende Stärken zurückzugreifen, sagt Metzger. Oft ist aber der Wunsch, etwas Eigenes aufzuziehen, größer, als eine Nachfolge anzutreten, so seine Beobachtung. Auf die Frage, ob Deutschland immerhin doch

12 Wo in Deutschland neue Unternehmen entstehen Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg bieten besten Nährboden für gute Ideen. Doch auch Hessen lockt Vollerwerbsgründer. Deutsche Bank_results Anteil der Vollerwerbsgründer an der Bevölkerung im Alter von 18 bis 64 Jahren von 2011 bis 2013 Schleswig-Holstein 0,73 % Bremen 0,47 % Hamburg 0,84 % Mecklenburg- Vorpommern 0,56 % Berlin 1,16 % 873,3 Berlin Saarland 0,33 % Nordrhein- Westfalen 0,63 % Rheinland- Pfalz 0,72 % Die besten Geldsammler Eingesetztes Venture Capital in Mio. Euro 429,5 229,1 Bayern Baden-Württem berg Niedersachsen 0,64 % Hessen 0,74 % Sachsen- Anhalt 0,41 % Thüringen 0,47 % Baden-Württemberg 0,55 % Brandenburg 0,59 % Sachsen 0,64 % Bayern 0,62 % QUELLEN: KFW-GRÜNDUNGSMONITOR 2014; VENTURE CAPITAL: HANDELSBLATT/UNI MÜNSTER 2014 Ideen? Wichtig! Immer mehr Gründer starten nicht mangels anderer Alternativen, sondern sind angetrieben von einer konkreten Geschäftsidee die sogenanntencha ncengründer gab es mehr von ihnen als noch Gründer mit expliziter Geschäftsidee Angaben in Tausend QUELLE: KFW 2014 an mit einer expliziten Geschäftsidee fast mehr als im Vorjahr. Unter diesen Chancengründern zeigten sich vor allem die Nebenerwerbsgründer ideenreich, sagt Metzger. Motto: Ein Standbein im Trockenen, das Spielbein wagt sich vor. Dass sich immer wieder kreative Frauen und Männer auf den risikoreichen Drahtseilakt einlassen, sich selbständig zu machen, ist bewundernswert, lobt Bundeskanzlerin Angela Merkel im Startup-Monitor Auch wenn laut KfW-Statistik der Beschäftigungseffekt im Gründungsjahr 2013 mit vollzeitäquivalenten Stellen überschaubar bleibt: Ohne Neuanfänge und technische Innovationen erlahmt eine Volkswirtschaft. Gründer sorgen für den nötigen Wettbewerbsdruck auch auf die eta blierten Anbieter, sagt Metzger. Kanzlerin Merkel setzt bedas Land der Ideen denn auch ein gutes Gründerland sei, zögert Metzger ein wenig. Ja, die Qualität ist da, sagt er. Aber die vorhandene breite mittelständische Basis bietet eben auch gute Jobs. Und genau darin liegt die Crux: Aus diesem Grund sind die Opportunitätskosten hoch, selbst ins Risiko zu gehen. Aktuell kommt hinzu: Die gute Lage am Arbeitsmarkt so paradox es klingt ist gleichermaßen Gift für das Gründerklima in Deutschland. Die Gründungstätigkeit im Vollerwerb ist 2013 auch deshalb auf ein historisches Tief gefallen, weil der Arbeitsmarkt so gut lief, sagt Metzger. Da aber zuletzt immer mehr Gründer probiert haben, im Nebenerwerb ihre eigene Geschäftsidee zu verwirklichen, kletterte die Gesamtzahl der Gründer auf Ein positives Signal: von ihnen traten

13 Deutsche Bank_results Management_Startups 13 Software schlägt E-Commerce Die IT-Branche gibt bei Unternehmensgründungen den Takt vor: Die Digitalisierung schafft Perspektiven durch geringe Markteintrittsbarrieren und Internationalität, auch getrieben durch Trends wie Cloud-Computing und Social Media als Multiplikator. Consumer Mobile/ Web-App 10,5 % Medien- und Kreativwirtschaft 8,7 % Online-Marktplatz 7,1 % Online-Service-Portal 6,5 % INFOGRAFIKEN: PICFOUR/ANJA GIESE QUELLE: DEUTSCHER STARTUP-MONITOR 2014 E-Commerce 12,3 % Software als Service 21,1 % andere: sonstige 2,0 % Bildung 0,8 % Nahrungsmittel 0,9 % stationärer Handel 1,4 % grüne Technologie 2,4 % Finanzen/Finanztechnologie 2,5 % Games 2,8 % IT/Softwareentwicklung 2,9 % Offline-Dienstleistungen 2,9 % Bio-, Nano- und Medizintechnologie 3,1 % sonders auf Impulse aus der digitalen Wirtschaft und deren Wachstumsdynamik: Für Deutschland ergeben sich dadurch großartige Chancen, klassische Industriestärken mit modernen Informationsund Kommunikationstechnologien zu verbinden. 430 Millionen für Start-ups Wachstums- Start-ups nach Kategorie Um auch international relevante Wertschöpfungsfelder zu erschließen, will die Regierung Anschubhilfe leisten. Auf dem Nationalen IT-Gipfel im Herbst 2014 gab Wirtschaftsminister Gabriel die Zusage, bis 2018 den Start-ups der Digitalwirtschaft 430 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Auch ein mögliches neues Börsensegment für kapitalhungrige junge Unternehmen brachte Gabriel ins Spiel. Doch sind die Deutschen wirklich zum Gründen geboren? Beratungsunternehmen, Agentur 6,1 % Industrielle Technologie und Hardware 5,9 % andere 21,7 % Zweifel nährt eine internationale V ergleichsstudie, der Amway Global Entrepreneurship Report Im Herzen sei der Deutsche ein Angestellter. Eine positive Einstellung zur Selbständigkeit äußerten in Deutschland nur 56 Prozent der Befragten der vorletzte Platz unter 38 Ländern. Nur 25 Prozent könnten sich vorstellen, sich selbständig zu machen. In China lag der Wert bei 62 Prozent. Dabei gehen die Deutschen sehr abgeklärt an die Frage heran, was einen zum Unternehmer qualifiziere: 75 Prozent sagen, das Metier sei durchaus erlernbar, nur 21 Prozent denken, ein Unternehmer-Gen müsse angeboren sein. In Deutschland nimmt das Thema,Entrepreneurial Education an Bedeutung zu, es Geld? Unwichtig! Die Finanzierung stemmen viele Gründer zunächst selbst. Nur ein Fünftel moniert hier Probleme. Doch gerade die schnell wachsenden Hightech-Schmieden sind auf Risikokapital angewiesen. Und oft erweist sich die eigene Kalku lation als blauäugig gerade, wenn Jobs geschaffen werden. Anteil Gründer mit Finanzierungsschwierigkeiten (eigene Einschätzung) 25 % 15 % 5 % QUELLE: KFW-GRÜNDUNGSMONITOR 2014

14 14 Management_Startups Deutsche Bank_results Setzen, sechs! Die temporeichen Gründer gehen hart mit den deutschen Rahmenbedingungen ins Gericht besonders an Entrepreneurial Education mangelt es, zeigt eine Umfrage. Welche Schulnote gibst du 1 gut schlecht der Bundesregierung im Hinblick auf die Förderung des Gründerstandortes Deutschland? der Landesregierung im Hinblick auf die Förderung deines Bundeslandes als Gründerstandort? QUELLE: DEUTSCHER STARTUP-MONITOR 2014 Jeder Zweite will die Welt revolutionieren An Selbstbewusstsein mangelt es deutschen Start-up-Chefs kaum: Eine Weltneuheit ist nach eigenem Bekunden fast die Regel. Marktneuheit des Angebots weltweite Marktneuheit europaweite Marktneuheit Geborene Gründer? Was macht den Unternehmer zum Unternehmer? Die Antworten auf die Frage sind in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich. QUELLE: AMWAY GLOBAL ENTREPRENEURSHIP REPORT 2014, LOKALE ERGEBNISSE DEUTSCHLAND 4 % 47,3 % 16,1 % 18,9 % deutschlandweite Marktneuheit 2 % QUELLE: DEUTSCHER STARTUP-MONITOR der Politik im Verstehen der speziellen Belange von Start-ups? dem deutschen Schulsystem im Hinblick auf die Förderung und Vermittlung von unternehmerischem Denken und Handeln? der deutschen Old Economy im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit Start-ups? 21 % Deutsche glauben: Unternehmertum ist vor allem eine Frage der Bildung 75 % 58 % Unternehmertum kann gelehrt/gelernt werden weiß nicht/keine Angabe Japaner glauben: Unternehmertum ist vor allem eine Frage des Charakters 40 % Unternehmer sind geboren gibt gut 200 entsprechende Lehrstühle, sagt Gründungs experte Metzger. Jedoch sollte man bei der Vermittlung unternehmerischen Denkens schon in der Schule ansetzen und die Mehrzahl der Startup-Unternehmer erkennt hier Defizite. Einer, der es geschafft hat, stets groß zu denken, ist der deutsch-amerikanische IT-Unternehmer Peter Thiel, Mitgründer des Bezahlsystems PayPal. Der in den USA sozialisierte Unternehmer spöttelt über die deutsche Verzagtheit: Viele sprechen von der Angst vor dem Versagen. In Deutschland herrscht eher eine Angst vor dem Erfolg. Thiel propagiert, man solle unbeirrt in Bereich en gründen, in denen sich die eigenen Ideen nicht leicht kopieren lassen, wo also wenig Wettbewerb herrscht. Gesagt, getan: An Selbstbewusstsein mangelt es immerhin nicht jenem Gründertypus, den der Bundesverband Deutsche Startups (BVDS) vertritt: Er strebt schon per Definition signifikantes Wachstum an und ist hochinnovativ. Fast die Hälfte dieser Entrepreneure nimmt an, sie habe eine Weltneuheit an Bord. Von 4000 bis 5000 solcher Unternehmen in Deutschland geht der BVDS derzeit aus, sie vereinten einen Wagniskapitalbedarf von rund 650 Millionen Euro pro Jahr. Warum vielen Gründern dann doch die Luft ausgeht? Nach den KfW-Zahlen berichteten nur 17 Prozent der Gründer im Jahr 2013 von Finanzierungsschwierigkeiten. Und das, obwohl für Bankkredite in der Regel die Sich erheiten fehlen und gerade bei ganz neuen, erklärungsbedürftigen Geschäfts modellen der Erfolgsnachweis fehlt. Ein klassisches Henne-Ei-Problem. Auch der Fachkräfte-

15 Deutsche Bank_results Management_Startups 15 Interview: Die Szene befruchtet sich INFOGRAFIKEN: PICFOUR/ANJA GIESE; FOTO: IMAGO/COMMONLENS Gründen in Serie: Institutionen wie der Co- Working-Space Betahaus in Berlin bieten jungen Kreativen ein preiswertes Arbeitsumfeld mangel und Konkurrenzprobleme stehen in der Sorgenliste oben. Fest steht aber auch, dass viele Gründer den Finanzbedarf unterschätzen. Durch Liquiditätsengpässe können junge Unternehmen sehr schnell in Existenznöte geraten, so die KfW- Experten. Gründer sollten immer ein W achstumsszenario einplanen. Und dabei mit den Kosten zusätzlicher Mitarbeiter kalkulieren. Ohne Geld das ist wohl die verbindende Erfahrung aller Gründer wird aus dem Traum kein echtes Unternehmen. STEFAN MERX WEITERE INFORMATIONEN Start-up-Team der Deutschen Bank in Berlin: Herr Westerburg, mal angenommen, Sie hätten eine riesige Geschäftsidee. Würde es Sie damit auch nach Berlin ziehen? Gut möglich! Jedenfalls gibt es etliche Gründe für internationale Innovatoren, hier ihr Business aufzubauen: viele Hochschulen und wissenschaftliche Ein richtungen und damit sehr gut ausgebildete junge Leute sowie immer noch günstige Lebenshaltungskosten und eine hohe Lebensqualität, verglichen mit anderen europäischen Metropolen. Sie treten mit einem kleinen Team von Bankspezialisten an, um in der Community der Berliner Start-ups mitzumischen. Wie genau funktioniert das? Unser Team heißt und es agiert auch wie eines. Wir stehen als agile Serviceeinheit den schnell wachsenden Unternehmen zur Verfügung und gehen exakt auf deren Bedürfnisse ein. Praktisch eine sehr nahbare One-Stop- Agency innerhalb des Global Players Deutsche Bank speziell für innovative Gründer. Auch unsere Kunden haben vielfach vom Start weg einen internationalen Anspruch. Ihre Ziele sind hochgesteckt, Tempo ist wichtig, Expansion über Grenzen hinweg immer im Blick. Das passt also zusammen und ist stets auf eine vertrauensvolle, langfristige Beziehung ausgelegt. Wie haben Sie Ihr Team zusammengestellt, und wobei stehen Sie zur Seite? Unsere Mannschaft sitzt in der Zentrale Unter den Linden und umfasst ein Dutzend Spezialisten mit ganz unterschiedlichen Kompetenzen. Einzige Bedingung: Sie müssen mindestens fünf Jahre mit innovativen Unternehmern zusammengearbeitet haben, verhandlungssicheres Englisch ist selbstverständlich. Wichtig ist, dass wir die Sprache der Gründer sprechen und ihnen unkompliziert den Rücken freihalten für das schnelle Vorankommen. Unsere Lösungen kommen aus einer Hand: von der Kreditkarte für den Selfmade- Unternehmer bis hin zum Liquiditätsmanagement im Ausland. Aber die Bedürfnisse im Lebenszyklus eines Start-ups ändern sich, werden komplexer. Wie werden Sie dem gerecht? Das ist ja das gemeinsame Ziel: ein Hineinwachsen in größere Strukturen. Vom ersten Treffen an, bei dem wir als Banker den Businessplan kennenlernen, geht es um vertrauensvolle Begleitung auch in späteren Phasen. Die Beziehung mag münden in einem Börsengang, begleitet von unseren Investmentspezialisten, oder einem Verkauf des Unternehmens, wo wir als Bank den Entrepreneur bei künftigen Investmentstrategien begleiten. Christoph Westerburg ist Marktgebietsleiter und führt operativ das Start-up- Geschäft der Deutschen Bank Berlin FOTO: DEUTSCHE BANK

16 16 Management_Literatur Deutsche Bank_results Deutsche Durchstarter Zwei Autoren erzählen die Erfolgsgeschichten der Start- up-szene Am Anfang war die Vision: Es müsste eine Cola geben, die reich an Koffein, aber arm an Zucker ist. Oder: Warum eigentlich gibt es keine Handy-App, mit der ich sofort das nächstliegende Taxi rufen kann? Wer immer in den vergangenen Jahren den Sprung ins junge Unternehmertum gewagt hat, der war angetrieben von zukunftsorientierten Fragen, neuen Ideen und einer gesunden P ortion Ehrgeiz. Doch auf innovative Impulse folgten oft erste Probleme, immense Herausforderungen und schier unüberwindbare Hindernisse. Erst diese Ups und Downs machen den Spirit der jungen Start-up-Szene aus. Es sind Geschichten über das Träumen und Kämpfen, über das Zweifeln und W eitermachen. Die Autoren Christoph Warmer und Sören Weber haben sie selbst durchlebt. Noch während ihres Studiums haben sie selbst einige Start-ups zu gründen versucht mal mit Erfolg, mal als lehrreiche Bruchlandung. Ihre Versuche aber haben sie immer tiefer in die deutsche Gründerszene einsteigen lassen. Jetzt haben die beiden aus all diesen Erfahrungen und Begeg- Grau ist alle Theorie, der unternehmerische Alltag aber ist bunt und reich an Handlungsoptionen. Denn Unternehmer müssen sich immer wieder neu entscheiden. Gerade Gründern jedoch fällt dieser Prozess schwer. Erfolg oder Innovativität ihrer Unternehmen sind längst noch nicht absehbar. Oft gibt es im Kopf zwar viel angelesenes Wissen, doch es fehlt die praktische Erfahrung. Ein Handicap, das besonders am Anfang schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen kann. Der Wirtschaftswissenschaftler Tobias Frese, lange Jahre am Lehrstuhl für Marketing der FU Berlin tätig, hat daher grundnungen ein Buch gemacht: Mission: Startup eine Reise zu den mutigen Entrepreneuren von Köln bis Berlin. In 21 Interviews haben sich W armer und Weber die Geschichten rund um ihre Unternehmensgründungen erzählen lassen vom Online-Unternehmen mytaxi bis zum Getränkeherstellern fritz-kola. Es sind Geschichten wie die vom bayerischen Schreinermeister Willi Bruckbauer. Mitte der 2000er Jahre kam der auf die ungewöhnliche Idee, Dunstabzugsanlagen in der Küche nicht mehr von oben, sondern von unten betreiben zu lassen. Täglich hörte ich von Kunden: Ich brauche einen Dunstabzug, aber keine sperrige, laute Abzugshaube, erzählt der erfolgreiche Neugründer im Interview mit Weber und Warmer. Da es derlei auf dem Markt noch nicht gab, fi ng Bruckbauer selbst an herumzutüfteln schließlich gründete er Bora Lüftungstechnik, 2010 erhielt er mit Bora den Deutschen Gründerpreis. Fast fünfzig Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen heute. Seine Serviceleistungen gibt es inzwischen von Finnland bis nach Australien. Wenn Bruckbauer über die ersten großen Herausforderungen spricht über Teambildungsprozesse, Internationalisierungsstrategien und Liquiditätsengpässe, dann ist das nicht nur spannend zu lesen; jeder Gründer und Unternehmensführer kann aus diesen Erfahrungen Hinweise und Tipps für sich selbst herauslesen. Und so verhält es sich mit nahezu allen Interviews dieses Buchs. Es ist der ideale Türöffner in eine Szene, die von Mythen, Mut und Machern geprägt wird und die am Ende von einer großen Frage angetrieben wird: Wie verleihe ich meiner Vision Flügel? Christoph Warmer/ Sören Weber: Mission: Startup. Springer Gabler, ISBN , 298 Seiten, 19,99 Euro Wie sollen wir handeln? Ein Berliner Wirtschaftswissenschaftler untersucht die Struktur von Entscheidungsprozessen Tobias Frese: Entscheidungsfindung in jungen Unternehmen. Springer Gabler, ISBN , 212 Seiten, 49,99 Euro legende Muster bei der Entscheidungsfindung junger Unternehmer zusammengestellt und analysiert. Zwei Modelle stellt Frese vor: die Effectuatio-Logik und die Causatio-Logik. Entscheidungsprinzipien, die entweder zieloder ursachenbasiert sind. Anhand von Interviews mit jungen Gründern untersucht er dabei beide Logiken auf ihren pr aktischen Nutzen hin. Aus dem Befund formuliert er Konsequenzen für den Alltag. Dabei ist sein Buch auch für wissenschaftliche Leser interessant. Neben Handreichungen gegen das Bauchgefühl liefert es gutes Dat enmaterial für die künftige Enterpreneurship-Forschung.

17 Controlling und Management_Literatur 17 Neu erschienen FOTOS: HANS-GÜNTHER OED/ACTION PRESS, PR (6) Frankfurter Bankenviertel: Die Zusammenarbeit mit Unternehmen wird vielschichtiger und geht weit über den klassischen Kredit hinaus Jenseits von Basel Ein juristisches Autorenteam erklärt wesentliche Finanzierungsmöglichkeite n für den Mittelstand Susanne Löffler: Identitätskonstruktionen von Unternehmens familien Familienunternehmen schaffen ein besonders Wir-Gefühl. Als Mitglied einer Unternehmerfamilie gehört man verschiedenen Welten an. Man ist eingebunden in besondere soziale wie ökonomische Zusammenhänge. Wie sehr ein generationsübergreifendes Unternehmen dabei die Identität der einzelnen Familienmitglieder prägt, wie es Abgrenzungen und Bezugnahmen schafft, das ist Untersuchungsthema dieser lesenswerten Dissertation. Verlag Dr. Kovac, ISBN , 236 Seiten, 88,90 Euro Michael Reiß u. a.: Clever statt blauäugig Über Jahrhunderte hinweg war es unter Kaufleuten und Unternehmern reine Routine: Wer Geld brauchte, verhandelte einen Bankkredit. Regulatorische Veränderungen bei der Umsetzung der Richtlinien von Basel II und dem bevorstehenden Basel III aber haben in jüngster Zeit zu einer V erschlechterung der Fremdfinanzierungskonditionen bei den Kreditinstituten geführt. Die Suche nach Finanzierungsalternativen wird daher auch in Zukunft immer wichtiger werden. Ein Autorenteam rund um den Frankfurter Wirtschaftsanwalt Michael Schlitt hat das verstanden. Auf der Suche nach kreativen Finanzierungsstrategien hat Schlitt einen juristisch fundierten Reader für den Mittelstand herausgegeben. In sieben Kapiteln stellen Praktiker und Wissenschaftler attraktive Formen der Kapitalbeschaffung vor von der klassischen Kreditfinanzierung über derivative Instrumente bis zur Kapitalerhöhung. Nun sind nicht alle Modelle dieses Buchs für jeglichen Unternehmenstyp geeignet. Besonders die umfangreichen Kapitel zum Thema Börsengang und Private Equity werden für die meisten Unternehmer wohl Zukunftsmusik bleiben. Doch auch das Bodenständige hat in dem Buch seinen Platz. So gibt etwa ein Autoren quartett aus den Reihen der Rechtsanwaltskanzlei Hogan Lovells International Einblicke in die Grund lagen von Factoring und Verbriefung eine Finanzierungsstrategie, bei der die namhaften Factoring-Institute allein für das Jahr 2011 Umsatzzuwächse von fast 20 Prozent verzeichnen konnten. Detailliert und kenntnisreich schildern die Autoren, welche Chancen und Risiken der Ankauf von Forderungen gegen Debitoren mit sich bringt, geben vertiefende Einblicke in das deutsche Insolvenzrecht und prüfen die Vorteile des Factoring vor dem Hintergrund der aktuellen Steuergesetzgebung. Mit einer ausführlichen Literaturliste am Ende eines jeden Kapitels machen die Autoren deutlich, dass dieses Buch letztlich nur für den ersten Überblick gedacht ist. Dieser aber ist profund und äußerst lesenswert. Michael Schlitt (Hg.): Finanzierungsstrategien im Mittelstand. Springer Gabler, ISBN , 207 Seiten, 44,99 Euro Aus Schaden wird man klug. Das ist zumindest die Hoffnung, die den Autor zu diesem Ratgeber veranlasst hat. Der Unternehmensberater Michael Reiß hat die Fehler jener Unternehmen analysiert, die in den vergangenen Jahren Insolvenz anmelden mussten. Aus deren Misserfolg hat er Lerneinheiten für junge Gründer formuliert ein Buch, das dabei helfen kann, im Notfall Zeit, Geld und Nerven zu sparen. Conceptem, ISBN , 200 Seiten, 24,95 Euro Finanzierungsverhalten im Familienunternehmen Eine empirische Analyse von Unternehmen in Deutschland Herbert Neubauer: Controlling und Fi nan zierungsverhalten in Familienunternehmen Publikationen zu Controlling und Finanzmanagement gibt es reichlich. Diese aber ist speziell auf die Gegebenheiten von inhabergeführten Unternehmen und deren besondere Managementprozesse zugeschnitten. In aller Knappheit gibt der Autor praxisnahe Finanzierungstipps vor dem Hintergrund der aktuellen Gesamtsituation. Epubli, ISBN , 68 Seiten, 35,50 Euro

18 18 Finanzierung_Strukturierte Finanzierung Deutsche Bank_results Mehrfach abgesichert Alle Kredite in ein Paket zu schnüren war bislang nur großen Unternehmen möglich. Nun aber öffnen immer mehr Banken strukturierte Finanzierungen auch dem Mittelstand. Wir zeigen an drei Beispielen, wie so etwas funktioniert Manche der schönsten Produkterlebnisse rund ums Auto bekommt der Fahrer gar nicht so wirklich mit. Etwa dieses: einsteigen, Fenster runter, Lehne verstellen, los geht s. Bis zu 200 Elektromotoren sorgen in aktuellen Fahrzeugen inzwischen dafür, dass Funktionen wie diese reibungslos klappen. Ohne die vielen kleinen Helfer wäre Autofahren heute deutlich mühsamer. Elektromotoren sind klassische Zulieferprodukte. Einer dieser Zulieferer, die Eckerle Gruppe aus dem badischen Ottersweier, hat es als Liefer ant weit gebracht. Denn Eckerle montiert Baugruppen für Elektromotoren in Kraftfahrzeugen. Die Kunden sind die großen Namen der Zulieferindustrie, etwa Bosch oder Continental. Eckerle behauptet sich im harten Konkurrenzkampf der Autozulieferer: In den vergangenen Jahren haben die Badener zwei Wettbewerber übernommen. Europaweit gehört das 1968 von einem vormaligen Bosch-Mitarbeiter gegründete Unternehmen bereits zu den Top 3 im Markt, und

19 Deutsche Bank_results Finanzierung_Strukturierte Finanzierung 19 FOTO: DAVID ARKY/GETTY IMAGES diese Position, sagt Jürgen Sturhahn, Mitglied der Geschäftsleitung, wollen wir auch global erreichen. Eckerle, so scheint es, hat ein paar Dinge besser gemacht als andere. Dazu gehört, dass das Unternehmen schon kurz nach dem Mauerfall in Osteuropa produzierte, seinen Kunden immer weltweit folgte, ein striktes Bekenntnis zu maximaler Qualität abgab und eine tief verankerte mittelständische Wertekultur verfolgte. Das Ergebnis ist heute ein gesundes Unternehmen, das sich, so formuliert es Sturhahn, eigentlich keinen Kopf machen muss, ob es einen Kredit bekommt oder nicht. Er hat sich selbst doch einen Kopf gemacht, wie sich Eckerle in Zukunft finanzieren will. Und dann im Sommer 2014 eine Menge verändert: Sturhahn packte rund 80 Prozent der gesamten Fremdfinanzierung unter das Dach eines Konsortialkredits. Seitdem haben sich drei Banken unter Führung der Deutschen Bank da r- auf festgelegt, dem Unternehmen über drei Jahre unter den vereinbarten Bedingungen die Kredite zur Verfügung zu stellen, zum Teil auch auf Ebene der Tochtergesellschaften im Ausland. Und wenn es sein muss, auch mal mehr: Im Herbst 2014 übernimmt Eckerle einen Wettbewerber in Thüringen, das erst wenige Monate zuvor vereinbarte V olumen wird von den Banken kurzfristig um ein Drittel angehoben. Für den zukünftigen Wachstumskurs von Eckerle war diese reibungslose Finanzierung der Übernahme entscheidend. Ich kann das alles nur empfehlen, sagt Sturhahn. Denn: So einfach hätten wir in der alten Kreditwelt die Übernahme nicht gestemmt. Den Dominoeffekt ausschalten Die alte Welt das hieß viele Einzelgespräche mit verschiedenen Banken, Vergleich von Konditionen, Laufzeiten und geforderten Sicherheiten. Vergessen, vorbei. Bei einem Konsortialkredit tr agen mehrere Banken unter Führung der Konsortialbank Kreditlast und Risiko gemeinsam. Kreditsumme, Konditionen und Sicherheiten sind quotal Thesen Bankenteam: Strukturierte Finanzierungen kommen im Mittelstand an. Dabei schließen sich verschiedene Banken zusammen und finanzieren ein Unternehmen gemeinsam. Bürokratie: Dank kürzerer Verträge und vereinfachter Regeln ist ein Konsortialkredit heute mit weniger Aufwand verbunden als früher. Sicherheit: Unternehmen bekommen so die Möglichkeit, ihre Finanzierung über den Tag hinaus zu sichern, und behalten gleichzeitig Flexibilität für unvorhergesehene Entwicklungen. Video

20 20 Finanzierung_Strukturierte Finanzierung Deutsche Bank_results Bihler: Langfristig gesichert Der Allgäuer Sondermaschinenbauer ist ein gesundes Unternehmen. Und muss sich eigentlich wenig Sorgen machen, ob und wie er den nächsten Kredit bekommt. Doch wie alle Maschinenbauer ist auch Otto Bihler starken Zyklen ausgesetzt. Für Manfred Grundner, oberster Kaufmann im Hause Bihler, Anlass genug, die gesamte Finanzierungsstrategie zu hinterfragen. Die war bislang recht kurzfristig. Grundner entschied sich für einen strategischen Ansatz und eine langfristige Lösung. Planbarkeit und Sicherheit sind für ihn bei einer konsortialen Finanzierung die zentralen Argumente. FOTOS: BIHLER Verglichen mit früher sind wir entlastet verteilt, jede Bank ist entsprechend ihrem vereinbarten prozentualen Anteil mit dabei. Und das über Jahre. Gerade für Autozulieferer, ewige Beifahrer im Zyklus der PS-Branche, ist diese neue finanzielle Planungssicherheit zentral. Auch wenn es mal nicht so gut läuft, sagt Sturhahn, wollen wir keine nervösen Banken. Und das heißt: in Treue fest. Denn anders als früher können bei Eckerle die Banken nicht mehr die Kredite kündigen. Oder nur mit großen Schwierigkeiten. Haben sich einmal alle wichtigen Geld geber zu einem Konsortium zusammengetan, so ist eine Kündigung nur gemeinsam möglich. Und damit weniger wahrscheinlich: Würden alle Banken zeitgleich kündigen, der gefürchtete Dominoeffekt, wäre ein Unternehmen akut gefährdet. Daran aber hat keine Bank Interesse. Der Weg zum Abschluss des Konsortialvertrags muss aber erst einmal gegangen werden. Wir haben ein Jahr gebr aucht bis zur Unterschrift, berichtet Eckerle-Geschäftsführer Sturhahn und empfiehlt, Geduld, Ausdauer und V erständnis mitzubringen. Bei mehreren Banken bestehe nun mal ein hoher Abstimmungsbedarf mit vielen Gesprächen. Rund 50 Seiten umfasste letztlich der Konsortialvertrag für Eckerle, auch das keine Lektüre, die man unter Zeitdruck machen sollte. Als arbeitsintensiv und anstrengend beschreibt auch Manfred Grundner, kaufmännischer Geschäftsführer beim Allgäuer Maschinenbauer Otto Bihler, die Phase bis zum Vertragsabschluss. Doch Grundner würde heute nichts anders machen. Früher musste er über zehn Kreditverträge mit drei Banken ausbalancieren, heute nur noch einen. Am Ende lohnt die Mühe, sagt Eckerle-Geschäftsführer Sturhahn, und Bihler-Chefkaufmann Grundner sieht es genauso: Verglichen mit früher sind wir sehr entlastet. Natürlich kann man ein Unternehmen auch anders finanzieren, so, wie es bis heute vielfach üblich ist. Mit einer Vielzahl zumeist kurzfristiger Kredite jonglieren, für jedes neue Projekt ein neuer Antrag, alles verteilt auf viele Banken, immer auf der Jagd nach dem günstigsten Anbieter mit dem günstigsten Zins. Es ist ein anstrengendes Geschäft und ein riskantes dazu. Denn eine der Erfahrungen aus der Finanzkrise geht so: Stabilität und Berechenbarkeit, sagt Steffen Rapp, einer der Experten für strukturierte Finanzierungen bei der Deutschen Bank, ist gerade für den Mittelstand das Wich tigste beim Thema Finanzierung (siehe Interview rechts). Mittelstand? Strukturierte Finanzierungen waren in der Vergangenheit normalerweise den Konzernen vorbehalten und haben sich seit der Jahrtausendwende auch bei großen mittelständischen Unternehmen etabliert. Die hatten damit die Möglichkeit, ihre zahlreichen Kreditlinien bei verschiedenen Banken unter ein gemeinsames Dach zu stellen. Oftmals sind die Verträge sehr umfangreich und orientiert an internationalen Vertragsstandards. Dies erfordert zeit intensive Vertragsverhandlungen und in der Regel eine Begleitung FOTO: DAVID ARKY/GETTY IMAGES

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