Cologne Business School

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1 Köln Cologne Business School Geldanlage bei Inflationsrisiken und politischen Risiken Ruhe nach dem Sturm. Zeit für einen Neuanfang Betreuender Hochschullehrer: Prof. Dr. Harald Kundoch Studentische Teammitglieder: Marcell Fischer Elena Holzweiler Niclas Lahmer Christian Peters

2 Postbank Finance Award 2012 RUHE NACH DEM STURM ZEIT FÜR EINEN NEUANFANG Vorgelegt für den Postbank Finance Award 2012

3 Inhalt Einleitung... 3 Moody s, Fitch, Standard & Poors... 4 Einsatz von Sachwerten zum Inflationsschutz... 9 Die Gefahr einer neuen Immobilienblase Aussagekraft von Ratings und Rankings Spekulationsrisiko Aktien Suche nach der sicheren Währung Politische Risiken Emerging Markets Der Immobilienmarkt Beispiel Köln Internationale Märkte Der Richtlinienentwurf der EU Kommission und die anschließende Beratung im Europaparlament (Berichterstatter MdEP - Leonardo Domenici) Signal an die Märkte Problem Ratingangenturen Die Möglichkeiten einer privaten Finanzierung ERA an EZB andocken Swot Analyse und Benchmark Resümee und Ausblick Literaturverzeichnis... 29

4 Einleitung Da das gestellte Wettbewerbsthema sehr komplex ist und sich die politischen Rahmenbedingungen derzeit laufend ändern, haben wir, das Team der CBS, uns vorgenommen, einen New Deal vorzuschlagen. Ein weites Feld, das einer Vielzahl von Einflussfaktoren unterliegt, muss selbstverständlich kritisch begutachtet werden. Welche Anlagemöglichkeit ist in der heutigen Zeit sowohl wertstabil, als auch inflationsgesichert und dazu noch renditestark? Können alle diese Aspekte überhaupt gleichsam erfüllt werden? Die Frage nach der richtigen Anlagemöglichkeit kann nicht pauschal beantwortet werden. Wie und vor allem zu welchen Bedingungen ein Anleger sein Kapital anlegt, hängt von der persönlichen Risikobereitschaft ab. Je höher die Rendite, umso höher ist auch ein mögliches Ausfallrisiko. Je höher die Sicherheit, umso geringer ist die Rendite. Ein Kapitalanleger sollte also zunächst hier ansetzen und die Prioritäten festlegen. Dann stellt sich im nächsten Schritt die Frage nach dem Produkt: Immobilien, Aktien, Staatsanleihen, Rohstoffe, Emerging Markets oder Fremdwährungen? Das Angebot ist groß und die Vielfalt der Produkte nahezu unendlich. Das wichtigste Kriterium für die Entscheidung einer Anlageform muss die Transparenz des entsprechenden Produktes sein. Die selbständige kritische Begutachtung, sowie die eigene Abwägung von Chancen und Risiken, sollten für einen Anleger mittlerweile selbstverständlich sein. Denn das blinde Vertrauen in den Bankberater kann in einem Desaster enden. Ratings sind eine wichtige Grundlage für einen Anleger bei der Entscheidung für oder gegen die Investition in ein bestimmtes Finanzprodukt. Denn sie sollen die Sicherheit der Produkte bewerten. Das allerdings hat in der Vergangenheit nicht unbedingt funktioniert. Ratingagenturen spielen derzeit in der Europapolitik eine große Rolle und sind daher aktuell intensiv in den Medien präsent. Hier wirft sich eine besonders entscheidende Frage auf: Inwieweit können Ratingagenturen die Informationen für die Bewertung von Währungen oder Staaten überhaupt generieren? Denn sie scheinen nicht unbedingt mehr Informationen oder gar einen besseren Zugang zu den relevanten Daten zu haben, als der normale Anleger. Denn volkswirtschaftliche Größen wie etwa das BIP oder auch die Prognosen für wirtschaftliche Tendenzen sind öffentlich zugänglich. Wie ist also die Aussagekraft von Ratings und Rankings zu bewerten? Bei der Suche nach der Antwort auf diese Frage haben wir uns unter anderem der Rolle von Ratingagenturen im Zusammenhang mit dem Börsen- und Bankencrash 2008 gewidmet. Die Herabstufungen einzelner Länder innerhalb der EU, durch die Ratingagenturen Moody`s, Standard & Poor`s und Fitch, werden nicht nur in der

5 Europapolitik in Frage gestellt. Eines wird dann besonders deutlich: Die EU kommt um die Gründung einer eigenen Ratingagentur nicht umhin. Und diese Gründung sollte möglichst bald erfolgen. Wie das geschehen und vor allem auch finanziert werden könnte, werden wir in diesem Beitrag aufzeigen. Das Leitthema: Wie oder wo lege ich als potentieller Anleger mein Geld möglichst (inflations-)sicher und renditestark an? wird am Beispiel der Anlagemöglichkeiten auf dem Immobilienmarkt untersucht. Dabei wird vor allem die Preisund Nachfrageentwicklung der letzten 10 Jahre auf dem Kölner Immobilienmarkt betrachtet. Moody s, Standard & Poors & Fitch Welche Rolle spielten die Ratingagenturen beim großen Crash im Jahr 2008? Eines ist klar: In Zeiten verängstigter Anleger müssen neue Rahmenbedingungen entwickelt werden, die einen Margin Call in der Größenordnung des weltweiten Banken- und Börsencrashs aus dem Jahr 2008 in Zukunft unmöglich werden lassen. Wie können diese neuen Rahmenbedingungen aussehen und was war genau passiert? Der deutsche Durchschnittsbürger beantwortet diese Frage stets mit gierigen Bankern und gierigen Managern. Aus diesem Grunde wollen wir die Antwort auf diese Frage hier grob zusammen gefasst und allgemein verständlich Revue passieren lassen: Wenn eine Bank Geld verleiht, will sie sich sicher sein, dass sie ihr Geld auch vom Schuldner zurück erhält, am besten mit Gewinn in Form der Zinsen. Dafür wird ein potentieller Kreditnehmer von der Bank auf dessen Kreditwürdigkeit untersucht, so kennen wir das hier in Deutschland. Je höher ein mögliches Risiko, umso höher der Zinsaufschlag. Ist das Risiko für einen Ausfall zu hoch, lehnt die Bank die Kreditvergabe ab. Wie verhält sich das aber, wenn die Bank die Forderung weiterverkauft, also am Ende gar nicht mehr selbst der Gläubiger ist? In dem Moment, in dem die Bank die Forderung verkauft, ist sie im Investmentgeschäft tätig. Banken, die im klassischen Kreditgeschäft tätig sind, z.b. Baufinanzierungen vergeben, dürfen mit dem treuhänderisch anvertrauten Kapital kein riskantes Investmentgeschäft betreiben. In Deutschland ist das per Gesetz verboten, in den USA war es das bis zum Jahr 1982 die Deregulierung der Märkte wurde in dem Jahr dahingehend aufgehoben. Zwischenkäufer dieser Kredite sind vorwiegend Investmentbanken. Zwischen den Jahren machten die Investmentbanken mit den Krediten folgendes: sie vermischten die Forderungen aus den Hauskrediten mit anderen Kreditarten und fassten diese dann in

6 forderungsgesicherten Wertpapieren (CDO`s) zusammen. Für diese Kreditverbriefungen sind besonders Derivate geeignet. Zumindest aus der Sicht der Investmentbanken. Derivate gelten als hochspekulative Anlagen, mit denen man auf oder gegen so ziemlich alles auf dem Markt setzen kann. Eben weil Derivate hochspekulativ sind, war der Handel mit diesen Zertifikaten auch in den USA lange Zeit begrenzt. Aus gutem Grund, wie wir spätestens seit dem Jahr 2008 wissen. Nachdem im Jahr 1999 im Zuge der Liberalisierung der Märkte bereits das Trennbankengesetz aufgehoben worden war, wurde dann im Jahr 2000 der Derivatenhandel von der Regulierung freigestellt. Von diesem Zeitpunkt an explodierte der Handel mit den Derivaten. Da die Ratingagenturen diese Kreditverbriefungen dazu noch überwiegend mit dem bestmöglichen AAA Rating versahen, ließen sich diese hervorragend an Banken und Anleger in aller Welt verkaufen. Denn das AAA Rating gilt als besonders sicher gegen Forderungsausfall. Investmentbanken wie die Lehmann Brothers, Goldman Sachs oder Merrill Lynch erwirtschafteten mit dem Verkauf dieser Papiere Gewinne im dreistelligen Milliardenbereich pro Jahr. Auch die Ratingagenturen wollen für ihre Arbeit bezahlt werden, doch wer bezahlt sie und woran bemisst sich deren Vergütung? Bezahlt werden sie durch ihre Auftraggeber und die Höhe der Vergütung bemisst sich am Wert der entsprechenden Derivate und - je sicherer ein Derivat geratet ist, umso höher ist der Wert. Eins wird dadurch deutlich: Hier steht ein fataler Interessenkonflikt ins Haus. Die Investmentbanken dürfen sich ihre Schiedsrichter selbst aussuchen, denn sie haben freie Wahl bei der Entscheidung für oder gegen eine Ratingagentur. Und wer verliert schon gerne Aufträge in Milliardenhöhe, nur weil man nicht im Sinne seiner Auftraggeber handelt? Nur am Rande soll erwähnt werden, dass auch die Ratingagenturen zwischen 2000 und 2008 ihre Gewinne im Durchschnitt vervierfachten. Der Investor oder auch der Endverbraucher kann die Sicherheit des Endprodukts in aller Regel selbst nicht bewerten, er muss sich bei seinem Ankauf allein auf das Rating verlassen und auf dessen Basis seine Entscheidung treffen. Gutgläubige und unwissende Anleger haben diesen Ratings vertraut und massenhaft diese Derivate angekauft, denn neben dem Spitzenrating, versprachen diese dubiosen Anlagen traumhafte Renditen von zum Teil weit über 10%. Wenn wir diese verschlüsselten Derivate versuchen zu entschlüsseln, dass überwiegend dahinter Forderungen aus Baufinanzierungen bzw. Hauskrediten standen. Da die Banken ihre Forderungen sofort an Investmentbanken weiterverkauften, konnte es den Erstgenannten relativ egal sein, ob die Forderungen ausfallen oder nicht denn sie waren letzten Endes nicht mehr selbst die Gläubiger. Diese Handhabung führte zwischen den Jahren 2000 und 2003 zu einer Vervierfachung der Vergabe von Hauskrediten in den USA. Aufgrund der Konstruktion, waren die Gläubiger dieser Kredite am

7 langen Ende unter anderem kleine Normalbürger, die im Glauben waren, sichere und renditestarke Finanzanlagen erworben zu haben. Selbst konservative Rentenkassen investierten die Altersvorsorge ihrer Anleger in diese Derivate, da auch diese davon ausgingen, dass die Anlagen absolut sicher waren. Da sich die Derivate sofort mit sehr guten Margen weiterverkaufen ließen, vergaben die Banken von nun an Kredite am laufenden Band. Ein Großteil der Kreditnehmer wäre objektiv betrachtet absolut kreditunwürdig gewesen, aber genau diese Leute haben den Banken das große Geschäft mitunter ermöglicht: Denn aufgrund der schlechten Bonität konnten die Banken irrsinnige Risikozuschläge auf diese Kredite rechtfertigen, die dann als vermeintlich großartige Renditen in den mit AAA gerateten und somit sicher geglaubten Derivaten auftauchten. Aber diese ganze Sache zog dann weitaus größere Kreise und hatte nicht nur Einfluss auf den armen Kapitalanleger, der, wie wir alle heute wissen, am Ende in die Röhre gucken musste. Die Tatsache, dass Banken massenhaft unverantwortliche Kredite vergaben, führte dann auch zu einem enormen Anstieg der Nachfrage auf dem Immobilienmarkt. Und mit der Nachfrage stiegen auch die Preise. Bis zum großen Knall erlebte der US-Immobilienmarkt einen künstlich erzeugten Boom, den es zuvor in diesem Umfang nicht gegeben hatte. Und damit taucht ein Begriff auf, der ebenfalls eng im Zusammenhang mit den faulen Krediten steht: Die Immobilienblase, und zwar die größte aller Zeiten. Denn als nun die überwiegend unverantwortlich vergebenen Kredite reihenweise begannen zu platzen, platzte auch der maßlos künstlich aufgeblasene Immobilienmarkt. Die Folge war ein erheblicher Anstieg der Zwangsversteigerungen, die dann im Jahr 2008 vollkommen explodierten. Die Banken konnten nun ihre Kreditverbriefungen nicht mehr an die Investmentbanken verkaufen und die ersten Bankenpleiten waren die Folge. Und die Banken, die übrig geblieben waren, waren natürlich nun besonders vorsichtig bei der Kreditvergabe. Dadurch gab sank die Nachfrage auf dem Markt rapide und damit die Preise für Immobilien in weiten Teilen der USA. Zumal eine Vielzahl von Immobilien im Rahmen von Zwangsversteigerungen verramscht wurden. Neben dem finanziellen Schaden, waren auch zahlreiche persönliche, menschliche Schicksale an diese Ereignisse gekoppelt, die unseres Erachtens besonders schwer wiegen und nicht in Zahlen auszudrücken sind. Aber auch die Investmentbanken hielten unverkäufliche Giftpapiere in Milliardenhöhe im Bestand. Denn zwei Drittel der faulen Hauskredite waren in diesen Derivaten zusammengefasst. Und da die Börsenaufsicht im Jahr 2004 das zulässige Kreditvolumen für Investmentbanken erheblich erhöht hatte, hatte ein Teil der großen Investmentbanken im Jahr 2008 einen Verschuldungsgrad von zum Teil mehr als 30:1 vorzuweisen. Mit diesem Geld wurden umfangreiche der jetzt als Giftpapiere bekannte

8 Derivate angeschafft. Vorher wurden diese jedoch zig-fach im Wert von hunderten Milliarden auf den Markt geworfen. Lehmann Brothers war zwar nun insolvent, aber alle (bis auf den Endkunden) die am Handel mit diesen Derivaten beteiligt waren, hatten damit sehr viel Geld verdient. Aus verschiedensten Kreisen kamen Warnungen, denn für zahlreiche Ökonomen war das Ergebnis dieser Machenschaften bereits im Vorfeld absehbar, die amerikanischen Finanzbehörden und die amerikanische Notenbank erachteten es jedoch nicht als notwendig, hier einzuschreiten. So warnte der IWF Ökonom Rhaguram G. Rajan bereits im Jahr 2004 die amerikanische Regierung, das Finanzministerium und die Notenbank eindringlich vor einer Blase erfolglos wie wir heute wissen. Und er war nicht der Einzige. Obwohl alle in diesem Zeitraum veräußerten Immobilien zu insgesamt 99% aus Krediten finanziert wurden, hatte die Zentralbank die Vorfälle nicht überprüft und die Kreditvergabe nicht reguliert. Obwohl sie per Gesetz dazu legitimiert gewesen wäre. Da kommt die berechtigte Frage nach dem Warum auf. Denn nach objektiven Maßstäben sind diese Vorgänge für einen wirtschaftlich informierten und kritisch denkenden Menschen nicht nachvollziehbar. Diese Ereignisse wirken sich auch heute noch, vier Jahre später, negativ auf die gesamte Weltwirtschaft aus. Die Herabstufungen zahlreicher EU-Länder in den vergangenen Monaten durch US Ratingagenturen schlagen sich negativ auf Staatsanleihen nieder und führen zu einbrechenden Aktienkursen. Allein im Januar 2012 wurden neun Länder in Europa herabgestuft. Anleger sind weltweit verängstigt und zurückhaltend, wenn es um Investitionen, nicht nur auf dem Aktienmarkt geht. Selbst Experten finden kaum oder nur schwierig eine Antwort auf die Frage, welche Aktien ein potentieller Anleger relativ sicher und auch mit einer inflationsgesicherten Rendite ankaufen sollte. Denn die weltwirtschaftliche Situation kann sich derzeit schlagartig ändern und es brodelt wie selten zuvor. Allein Tatsachen wie die Pleite Griechenlands und das Fehlen einer Ratingagentur auf EU Ebene, machen es neben weiteren drohenden Herabstufungen einzelner Länder im EU Raum äußerst schwierig, genaue Prognosen für die Zukunft zu treffen. Ratingagenturen spielen also derzeit eine ganz entscheidende Rolle bei der Frage nach der richtigen Geldanlage bei Inflationsrisiken und bei politischen Risiken. Der gesamte EU Wirtschaftsraum ist von Ratingagenturen in einem sehr hohen Maße abhängig. Nur sind es ausschließlich US Ratingagenturen, die Einstufungen vornehmen und somit einen großen Teil der Musik im europäischen Wirtschaftsraum spielen. Wie wir an dem Beispiel aus dem Jahr 2008 erkennen konnten, gab es bereits hier schon offensichtliche Interessenskonflikte bei der Erstellung eines Ratings nach objektiven Maßstäben. Gibt es also kritisch betrachtet auch einen Interessenkonflikt bei der Vergabe von Ratings im EU Raum? Diese Frage muss eindeutig bejaht werden. Denn

9 niedrigere Ratings wirken sich am langen Ende auch negativ auf die Währung aus. In der europäischen Politik bewertet man diese Herabstufungen als Attacken auf den Euro (Michael Fuchs, MdB-CDU), beinahen Währungskrieg (Elmar Brok, MdEP-CDU) oder als einen gezielten Angriff auf die Stabilität des europäischen Rettungsschirms (Martin Schulz, MdEP-SPD). Die Tragweite der Herabstufungen ist enorm. Die ursprüngliche Kernaufgabe einer Ratingagentur sollte es sein, Krisen zu verhindern. Allerdings haben Ratingagenturen in der Vergangenheit Krisen durch falsche Ratings erst entstehen lassen, derzeit fördern sie bestehende Krisen durch teilweise nicht nachvollziehbare Herabstufungen. Und diese Agenturen aus den fernen USA entscheiden nun über die Kreditwürdigkeit einzelner Länder in Europa. Es werden Stimmen laut, dass Ratingagenturen Politik betreiben und hinter den Herabstufungen Interessen von Leuten stehen die an den Börsen sitzen und gegen den Euro spekulieren (Martin Schulz, MdEP-SPD). Weiterhin wird unterstellt, dass Ratingagenturen in Europa mit anderen und vor allem schärferen Maßstäben messen, als bei Ratings in den USA; vor allem versuche man den europäischen Markt zu fokussieren, um von den enormen Defiziten im US-amerikanischen Haushalt abzulenken. All diese kritischen Hinterfragungen nach den Herabstufungen, sind nach den heutigen Erkenntnissen mehr als gerechtfertigt. Auch die Zeitpunkte, zu denen einzelne Staaten herabgestuft worden sind, dürften mitunter einen Anlass zu kritischen Hinterfragungen geben. Warum wurde Italien in dem Moment in der Kreditwürdigkeit herabgesetzt, nachdem dort intensive Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung getroffen worden sind? Diese Frage kann von einem neutralen Standpunkt aus nicht beantwortet werden. Hier könnten ebenso wiederum Interessen von Dritten vermutet werden. Eines wird auch hier sehr deutlich klar: Des einen Freud ist des anderen Leid. Es müssen grundsätzlich alle für eine objektive Bewertung relevanten Maßstäbe kritisch begutachtet werden, um jeden möglichen Interessenskonflikt zu erkennen und zu verhindern. Eine objektive Begutachtung der Sicherheit einer Forderung oder auch der Kreditwürdigkeit ist unseres Erachtens nicht gewährleistet, wenn diese durch gewinnorientierte Unternehmen erfolgt, wie es zur Zeit der Fall ist. Zudem müssten die Bewertungsmodelle offen gelegt werden und durch sachverständige Dritte nachvollzogen werden können. Das ist aktuell allerdings nicht gegeben, ist aber zwingend erforderlich. Konkrete mathematische Berechnungen oder Bewertungsmodelle legen die Agenturen nicht offen. Bei einer entsprechenden Alternativinstitution müsste es sich um eine Non-Profit- Organisation handeln, die nach dem selben Muster funktioniert, wie z.b. der TÜV. Diese müsste entweder durch den Steuerzahler, durch die Bank oder durch den Endkunden getragen werden. Auf eine mögliche finanzielle Trägerschaft werden wir später eingehen. Eine andere

10 Frage stellt sich uns allerdings auch: Muss es unbedingt eine Ratingagentur sein? Die EU sollte unter Einbeziehung von Wirtschaftsbossen ein entsprechendes Reglement erstellen, unter welchen Grundsätzen eine objektive Bewertung von Schulden oder Anlageprodukten zu erfolgen hat. Man sollte weiterhin kritisch prüfen, ob die Bezeichnung Ratingagentur überhaupt für eine entsprechende europäische Behörde verwendet werden sollte, denn die Reputation dieser Bezeichnung darf mittlerweile aus guten Gründen in Frage gestellt werden. Eine weitere Möglichkeit zur Lösung des Problems Ratingagentur wäre zumindest eine machtbezogene Eingrenzung oder sogar die Entmachtung der derzeit vorherrschenden Ratingagenturen. Denn den aktuell vorherrschenden Ratingagenturen muss schnellstmöglich der Wind aus den Segeln genommen werden, und das im Sinne aller EU Bürger. Die Möglichkeiten sind vorhanden, sie müssen nur in die Tat umgesetzt werden. Die Stimmen diesbezüglich werden auch nicht erst seit gestern in der Europapolitik laut. Der italienische EP Abgeordnete Mario Domenici hat hierzu kürzlich einen Entwurf zur Diskussion im EU Parlament vorgelegt. Bevor nun im nächsten Schritt weiter auf die mögliche Lösung einer Ratingagentur eingegangen wird, sollen die vorgeschlagenen Themenbereiche im Folgenden kurz abgehandelt werden. Einsatz von Sachwerten zum Inflationsschutz Bei Sachwerten spielt nicht die Rendite, sondern die Sicherheit vor Inflation eine tragende Rolle. Der klassische Anleger, der auf Sachwerte setzt, ist mehr an Sicherheit, als an Rendite interessiert. Denn Sachanlagen werfen keine Renditen ab (außer Immobilien, aber die verstehen wir in diesem Kontext nicht als Sachanlage; hier beziehen wir uns auf Rohstoffe bzw. Antiquitäten). Die lassen sich ausschließlich bei Veräußerung erzielen. Immerhin ist die Wahrscheinlichkeit hier sehr gering, dass das Vermögen entwertet wird. Diesen Albtraum haben bereits viele Anleger in den vergangenen Jahren erlebt. Wer einen gesunden Mix aus Sicherheit und Rendite haben möchte, sollte 10-20% Sachwerte in seinem Portfolio in Betracht ziehen.

11 Die Gefahr einer neuen Immobilienblase Die Gefahr einer Immobilienblase ist grundsätzlich immer da. Eine Immobilienblase muss nicht immer so offensichtlich absehbar sein, wie die, die 2008 in den USA platzte. Es ist mitunter extrem schwierig, Blasen zu erkennen, da sie durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden. In den USA war es die übertriebene Geldschwemme, die dazu führte. Aber eine Blase kann auch durch Aufschwung entstehen, durch steigende Löhne und niedrige Zinsen. Wenn viele Menschen gleichzeitig Geld in Immobilien anlegen und die Preise exorbitant in die Höhe schnellen, kann es schnell zu Überhitzungen kommen. Kommen dann noch viele Neubauprojekte hinzu, die den Bedarf entgegen der Erwartungen übersteigen, kann die Blase platzen. Notenbanken können dem entgegen wirken, in dem sie die Übertreibungen mit Zinserhöhungen bekämpfen, aber das erhöht wiederum auch das Risiko für die Konjunktur, denn Unternehmen wiederum würden dann wahrscheinlich ihre Investitionen zurückfahren. Der Zeitraum bis eine Blase platzt, kann über mehrere Jahre, sogar über Jahrzehnte gehen. Karl Case, der Erfinder des US Immobilienpreisindex, hält es sogar für nahezu unmöglich, Überhitzungen zu verhindern. Extreme Preissteigerungen gibt es allerdings auch bereits auf dem deutschen Markt. So gab es Preissteigerungen auf dem Wohnungsmarkt in Großstädten wie Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf und Frankfurt von in der Spitze bis zu 57% innerhalb von zwei Jahren. Allerdings ist dies eher in vereinzelten Vierteln der Fall und zieht sich nicht durch gesamte großflächige Gebiete. Bei Betrachtung der demographischen Prognosen bzw. dem Zuwachs an Bewohnern in den Großstädten, dürfte diese Tatsache allerdings nicht zu Beunruhigungen führen. Insbesondere deutschen Boom - Towns gibt es vereinzelte Lagen, die als sehr stabil und sicher angesehen werden dürfen. Allerdings hat eine Investition hier auch ihren Preis: Ab /qm werden hier für neueren Wohnraum ab dem Jahr 2000 fällig. In Referenzobjekten, wie dem Bauprojekt am Kölner Rheinhafen, wurden teilweise bis zu /qm für privaten Wohnraum gezahlt. Im Fall Rheinhafen ist es allerdings fraglich, ob diese Beträge bei einem Wiederverkauf annähernd erzielt werden können. In Deutschland schätzen wir die Gefahr einer Blase aber eher als gering ein, zumal auch die Deutschen durch Fehlinvestitionen in Ost Immobilien und auch die Ereignisse aus 2008 mehr als gewarnt sein dürften. Grundsätzlich ist eine genaue Betrachtung und Analyse des Immobilienmarktes jedoch unerlässlich.

12 Aussagekraft von Ratings und Rankings Diese spielten und spielen auch zur Zeit noch eine große Rolle vor allem im EU - Raum. Eine zu große, wie wir finden. Eine Analyse des Ist Zustands sowie mögliche Alternativen, werden wir in unserer Arbeit aufzeigen. Hier muss zeitnah etwas geschehen. Die EU benötigt auf dieser Ebene ein neues Fundament. Denn kein Haus steht gut auf einem fehlerhaften Fundament. Daher machen wir diesen Ansatz zur Priorität unserer Arbeit. Spekulationsrisiko Aktien Aktien sind auf der großen, weiten Welt der Finanzmärkte die vielseitigsten, aber auch die komplexesten Finanzanlagen. Oberflächliche Kenntnisse über die Situation des Unternehmens oder des entsprechenden Marktes reichen nicht aus, um einen möglichen Verlauf des Aktienindex richtig einschätzen zu können. Hier sind tiefgreifende Kenntnisse und Informationen erforderlich, die der Anleger in der Regel nicht hat. Selbst Experten können keine absolut sicheren Empfehlungen geben. Der Aktienmarkt ist daher eine sehr spekulative Anlageform. Aber aufgrund der Vielfältigkeit gibt es hier auch zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten und das Risiko lässt sich somit relativ gut eingrenzen. Ein Anleger, der Wert auf eine gute Mischung legt, also einem gesunden Verhältnis zwischen Risiko und Rendite, der dürfte mit dem Multi-Asset-Ansatz gut bedient sein. Hierbei wird das Vermögen auf verschiedene Anlageklassen verteilt. Die breite Streuung in Immobilien, Fonds, Aktien und Rohstoffe etc. führt zu einem risikominimierten und renditeoptimierten Portfolio. Der Multi-Asset-Ansatz dürfte daher für die Mehrzahl der Anleger maßgeschneidert sein. Der Multi-Asset-Ansatz lässt sich auch auf reine Aktiengeschäfte anwenden. Eine breite Streuung der Firmenbeteiligungen führt zu einer Minimierung des Risikos. Zusätzlich kann man mit Optionsscheinen auf die Pleite eines der Unternehmen aus dem eigenen Portfolio setzen und hat damit eine wichtige Rückversicherung. Bei der Zusammenstellung des Portfolios gilt es zu beachten, dass die entsprechenden Unternehmen unterschiedlichen Markteinflüssen und auch unterschiedlichen politischen Einflüssen unterliegen sollten. Ansonsten macht der Multi- Asset-Ansatz keinen Sinn. Grundsätzlich sind Aktien aufgrund ihrer Vielfältigkeit eine sehr interessante Anlageform. Aufgrund der Vielseitigkeit wiederum auch sehr komplex und für

13 die meisten Anleger nicht transparent. Dazu kommt, dass der Aktienindex einer Vielzahl von Einflüssen unterliegt und diese bewusst gesteuert werden können, um die Interessen Dritter zu befriedigen. Das kann Investitionen in sicher eingeschätzte Unternehmensbeteiligungen zu einem unkalkulierbaren Risiko machen. Hier bleibt zu hoffen, dass globale Rahmenbedingungen geschaffen werden, die das Risiko der Manipulation zumindest eingrenzen. Geschieht das nicht, sind die Märkte schwierig einzuschätzen. Das sind sie ohnehin, denn politisch und ökonomisch ist derzeit vieles im Argen und somit ungewiss. Aber wer das schnelle Geld mit Aktien verdienen will und dazu risikobereit ist, der sollte jetzt investieren. Denn so verdienen Größen wie Warren Buffett ihr Geld, getreu dem Motto Kostolany s: Kaufen, wenn die Kanonen knallen. Suche nach der sicheren Währung Die Entwicklung von Währungen ist schwer einzuschätzen und die Einflüsse auf Währungen sind zahlreich. Derzeit üben amerikanische Ratingagenturen Einfluss auf den Euro aus. Als besonders stabil hat sich in den letzten Jahrzehnten der Schweizer Franken erwiesen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Schweiz über eine eigene Finanz- und Fiskalpolitik verfügt. Somit ist die Schweiz wie in vielen anderen Dingen auch, unabhängig und kann dazu in Krisen schneller reagieren. Unklar ist allerdings, ob und wie sich die außerpolitischen Einflüsse langfristig auf den Schweizer Franken auswirken. Denn eine 100 Prozent sichere Währung gibt es nicht. Politische Risiken Auch die Politik spielt bei der Geldanlage eine tragende Rolle. Von ihr können Sicherheiten, aber auch Bedrohungen ausgehen. Im besten Fall schafft sie gesetzliche Rahmenbedingungen, die das Geld der Anleger schützt. Im Falle der Griechenland Insolvenz zeigt sich nicht nur eine Gefahr für die Bevölkerung selber sondern auch für andere Länder und Unternehmen, die in Griechenland investieren. Für Unternehmen bedeutet dies zwingend umzudenken. Für die Bevölkerung selber stellen die politischen Rahmenbedingungen ein anderes Risiko dar. Während die Politik die Bevölkerung

14 auffordert ihr Kapital anzulegen, damit Banken das geliehene Geld wiederrum in die Wirtschaft investieren können, um letztlich ein Wirtschaftswachstum zu erreichen, steht für die Bevölkerung die Geldanlage für die eigene Existenz im Vordergrund. Allgemein gesagt, stellt sich insbesondere durch kurzfristige politische Änderungen und Entscheidungen ein Risiko für Geldanlagen dar. Die Anleger nämlich planen oft langfristig und werden durch die genannten politischen Beschlüsse vor Hindernisse gestellt, die als Konsequenz enorme Verluste bzw. ein Umdenken mit sich bringen. Eine politische Sicherheit bezüglich Geldanlagen ist anhand des Wahlsiegs von Wladimir Putin ein aktuelles Thema. Denn neben existierenden Risiken sollten Politiker der Bevölkerung durch ihre Entscheidungen vor allem Sicherheit geben. So ist es für Russlands Bevölkerung momentan von großer Bedeutung, dass die bestehende Gefahr von Korruption durch das Reformversprechen Putins effektiv bekämpft werden kann. Somit kann der Bevölkerung und speziell den Anlegern durch politische Rahmenbedingungen eine Sicherheit geboten werden. Emerging Markets Emerging Markets gibt es überwiegend in den sogenannten Zweite Welt Ländern. Typisch für diese Märkte ist ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum, was viele Investoren zu einer Geldanlage in diesen Staaten bewegt. Zudem ist die Bevölkerung in Staaten der Emerging Markets noch nicht in der Form mit Luxuskonsumgütern gesättigt, wie es in Ländern wie Deutschland oder den USA der Fall ist. Dadurch entscheiden sich viele Unternehmen, in die Emerging Markets zu expandieren. Dies liegt unter anderem auch daran, dass die durchschnittlichen Löhne in diesen Ländern deutlich niedriger sind. Zudem ist dort die Bevölkerung im Vergleich zu den G9 Ländern relativ jung. Neben diesen Chancen bergen die Emerging Markets aber auch einige Risiken für Investoren. Zum einen sind die Bilanzierungsrichtlinien dort teilweise sehr intransparent und inkompatibel, wodurch es für Investoren schwierig ist, die Risiken eines Forderungsausfalls kalkulieren zu können. Des Weiteren besteht bei diesen Ländern häufig das Risiko, dass die Landeswährung gegenüber dem Euro und dem US-Dollar stark an Wert verliert. Daher ist eine Anlage in Emerging Markets immer mit gewissen Risiken behaftet. Diese Umstände sind ein Grund dafür, dass in Emerging Markets oft schlechte Ratings von Ratingagenturen verteilt werden.

15 Insgesamt sind Investitionen in Emerging Markets zwar riskant, können aber durch hohe Gewinne belohnt werden. Der Immobilienmarkt Da das spekulative Risiko bei Investitionen insbesondere in Wertpapiere derzeit zum einen als verhältnismäßig hoch anzusehen und der Aktienmarkt oft nur für Menschen mit tiefgreifenden Kenntnissen transparent gestaltet ist, sehen wir diese Form der Anlage zum jetzigen Zeitpunkt immer noch mit einem großen Risiko verbunden. Die transparenteste und dadurch auch die risikoärmste Form der Anlage liegt unseres Erachtens im Immobilienmarkt abgesehen von den Immobilienfonds. Zwar haben deutsche Großanleger im Jahr 2009 verstärkt in geschlossene Immobilienfonds investiert, wodurch 2009 zahlreiche Fonds abgesetzt werden konnten. Allerdings wurden diese Investitionsobjekte zu einem knappen Gut, da die Nachfrage kurzfristig stark in die Höhe ging und damit ein starker Preisauftrieb verbunden war. Dazu sind die Objekte in den Top Lagen so teuer, dass die gewünschten Renditeerwartungen aufgrund der hohen Anschaffungskosten nicht erzielt werden können. Das macht es nun für Vermittler schwer, neue Anleger für diese Fonds zu finden. Es werden daher kaum neue geschlossene Fonds auf den Markt gebracht. Gleiches gilt für die offenen Immobilienfonds, denn in beiden Fällen ist auch eine schnelle Liquidität nicht gegeben. Bisher galten die offenen Fonds lange als sicher und liquide. Doch auch das hat sich spätestens seit 2008 geändert: Einige offene Fonds wurden gesperrt, weil einige Großinvestoren im Rahmen des Bankencrashs massiv Gelder abzogen, die sie lange Zeit als freie Mittel in den bis dato als sicher und liquide geltenden Fonds zwischengeparkt hatten. Das Geld vieler Anleger ist auf diese Art bis heute eingefroren. Ein neues Gesetz, dass 2013 in Kraft tritt, sieht eine 24 monatige Mindestanlagedauer und Kündigungsfrist vor, zudem können Anleger maximal aus den Fonds pro Halbjahr abziehen. Das soll auch in kritischen Zeiten die Liquidität der Fonds gewährleisten. In der Praxis könnte dieses Gesetz vielmehr zur Folge haben, dass bis auf minimale Ausnahmen kein Anleger mehr in Fonds investieren dürfte. Denn bei den derzeit unsicheren Rahmenbedingungen ist es nur schwierig vorstellbar, dass ein kritischer Anleger unter diesen Bedingungen sein Kapital lange Zeit in einen Fonds binden möchte. Die Fondsanlage bleibt nur für den, der sein Geld als Spielgeld einsetzen und längere Zeit darauf verzichten kann - ein wenig Risikobereitschaft vorausgesetzt. Denn im Hinblick auf eine schnelle Liquidität neben den auch hier schwierig

16 abzuschätzenden Bedingungen ist ein Investition in einen Fonds dem sicherheitsbewussten Anleger nicht zu empfehlen. Die Investition in Fonds geht daher zumindest in diesem Punkt in Richtung der Aktien: Sie ist als sehr intransparent zu beurteilen, denn auch hier ist der Anleger einer Reihe unkalkulierbarer Risiken ausgesetzt. Immobilienfonds beinhalten Beteiligungen an Großobjekten, die einer Vielzahl von Einflussfaktoren unterliegen und für Anleger oft nicht nachzuvollziehen sind. Das wohl prominenteste Negativbeispiel in Deutschland ist dafür der Immobilienfonds Grandhotel Heiligendamm. Spätestens hier wird deutlich, dass ein Hotelfonds nicht ansatzweise mit einem Bürofonds zu vergleichen ist. Der private Kleinanleger setzt nun vermehrt in Wohnimmobilien. Die Prognosen für die deutschen Top Lagen wie München, Hamburg, Frankfurt oder Köln sind durchweg positiv und können als relativ sicher erachtet werden. Hinzu sind Preisentwicklungen auf dem deutschen Immobilienmarkt transparent gestaltet und können von einem möglichen Anleger daher sehr gut analysiert werden. Die Zahlen der Verkäufe der vergangenen Jahre sind zum Teil sogar kostenfrei erhältlich und werden jedes Jahr vom Gutachterausschuss herausgegeben. So kann ein potentieller Eigenheimerwerber die Preisentwicklungen der vergangenen Jahre beobachten und auf dieser Basis die Entscheidung für die Höhe seiner Investition treffen. Aber auch auf dem Immobilienmarkt können falsche Entscheidungen getroffen werden, das hat die Vergangenheit auch in Deutschland bereits gezeigt. Insofern sind Geldanlagen jedweder Art vom Investor in jedem Fall einer eigenständigen, kritischen Analyse zu unterziehen. Der deutsche Immobilienmarkt ist hierfür jedoch aufgrund der vorgenannten Eigenschaften hervorragend geeignet. Zwar ist die Gefahr einer Blase grundsätzlich immer gegeben, da die Anleger seit 2008 verstärkt in das Betongold investieren, aber angesichts der hiesigen politischen Rahmenbedingungen und der weitestgehend kritischen Nüchternheit der deutschen Bevölkerung, erachten wir die Wahrscheinlichkeit hierfür in Deutschland als relativ gering. Die in der Einleitung angesprochenen Preissteigerungen beziehen sich nur auf kleine Teilmärkte, bedrohlich wird dies allerdings dann, wenn sich diese Preissteigerungen in der großen Breite bemerkbar machen würden. Doch in der großen Breite sind die Immobilienmärkte in Deutschland stabil. Zwar erfahren Sie in den guten Lagen stete Preissteigerungen, aber diese sind nicht als beunruhigend anzusehen.

17 Beispiel Köln Von der Anzahl der Kaufverträge kann man den Kölner Immobilienmarkt als stabil bezeichnen: Die Anzahl der Grundstückskaufverträge bewegt sich seit den letzten 10 Jahren kontinuierlich zwischen und Beurkundungen pro Jahr. Die Zahl der Verkäufe unbebauter Grundstücke bewegt sich hier ebenfalls seit 10 Jahren nahezu unverändert bei ca. 600 Stück (+/-10%) pro Jahr. Diese haben sich hier in den letzten Jahren sogar leicht rückläufig entwickelt. Das ist ein positiver Indikator dafür, dass zumindest keine Überhitzung des Marktes in Bezug auf Neubauvorhaben stattfindet. Die Preisentwicklung liegt vom Mittelwert zwischen den Jahren zwischen /qm für Eigentumswohnungen ab dem Baujahr Auch hier sind keine Tendenzen zu erkennen, die Hinweise auf eine Blase geben könnten. Im Maximum bei den Wohnungen ab Baujahr 2000, fallen in den Jahren 2007 und 2008 Verkäufe auf, die mit über /qm gegenüber den anderen Jahren weit nach oben ausreißen. Diese hohen Werte hängen allerdings mit dem hochpreisigen Bauprojekt am Kölner Rheinhafen zusammen. Ob derartige Spitzenpreise erneut zu erzielen sein werden, bleibt abzuwarten. Das derzeit geplante Projekt Gerling Quartier, in dem die ersten Wohnungen ab 2013 bezugsfertig sein sollen, möchte in der Spitze für die exklusiven Penthousewohnungen ebenfalls Quadratmeterpreise im fünfstelligen Bereich erzielen. Hier sollen auf insgesamt Quadratmetern Wohnungen, Büros und Gewerbeflächen entstehen. Ob hier alles nach den Vorstellungen der Projektentwickler realisiert werden kann, bleibt abzuwarten. Die Prognosen in Zusammenhang mit der demographischen Entwicklung im Hinblick auf den Standort Köln sind grundsätzlich positiv. In Köln stehen derzeit gerade einmal 1,7% aller Wohnungen im Innenstadtbereich leer (Stand: 06/2011, Capital 06). Die Leerstandsquote dürfte mittlerweile nicht nur durch die enorm angestiegene Anzahl von Studenten weiter gesunken sein. Aber da der Studentenboom nur ein vorübergehender Faktor und damit kein Stabilitätsgarant ist, werden wir hierauf nicht weiter eingehen. Köln ist also von verschiedenen Seiten betrachtet ein stabiler Immobilienmarkt. Zwar hatte die Bankenkrise überwiegend fatale Auswirkungen auf die Menschheit, so wirkt sie sich zumindest in einem Aspekt positiv auf den Immobilienmarkt aus: Die weiterhin attraktiven Zinsen für potentielle Immobilienerwerber, erhöhen deren mögliche Rendite. Es besteht bei Immobilien grundsätzlich immer ein Leerstandsrisiko, aber aufgrund der niedrigen Quote im Kölner Innenstadtbereich ist dieses nur sehr gering bzw. ein

18 möglicher Leerstand nur von kurzer Dauer. Renditen von 4-5,5% (nach Abzug der nicht umlagefähigen Betriebs- und Verwaltungskosten und abhängig vom Eigenkapitaleinsatz) dürften problemlos erzielt werden können. Somit erfüllt diese Art der Immobilie folgende, grundlegenden Kriterien: Markttransparenz für den Anleger, Wertstabilität, eine mittelgute, aber immerhin sichere Rendite, Inflationssicherheit (durch Mieterhöhungen bzw. mietvertraglich geregelte Vereinbarungen hinsichtl. der Anpassung des Mietzinses an den Index für Lebenshaltungkosten) und er hat dazu eine Sachanlage. Die Erfüllung dieser Komponenten machen für uns die Immobilie zum Gewinner der Frage: Wie lege ich mein Geld an? Aber auch der Immobilienerwerb ist grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen. Das ist im Übrigen jede Investition. Immobilien haben grundsätzlich die Eigenschaft, dass auch hier das Kapital langfristig gebunden sein sollte. Denn bei einem sehr vorzeitigen Verkauf, fallen Vorfälligkeitszinsen an und auch die Kaufnebenkosten können sich dann nicht amortisieren. Bei einer Kaufsumme von fallen in NRW inkl. Maklergebühren etwa Kaufnebenkosten an. Muss eine Immobilie aus Geldmangel kurzfristig verkauft werden, wirkt sich dies zum einen nachteilig auf einen möglichen Verkaufspreis aus und die anderen beiden Komponenten kommen ebenfalls negativ hinzu. Der finanzielle Schaden hier kann enorm sein und im schlimmsten Falle die Existenz kosten. Auch bei der Investition in Immobilien kann also einiges schief gehen. Wichtig ist auch hier, nicht das ganze Kapital zu binden. Es sollten immer noch Liquiditätsreserven bestehen, um Unvorhergesehenes finanziell bewältigen zu können. Aber wohl überlegt und gut kalkuliert, ist die hier beschriebene Form der Immobilienanlage, unseres Erachtens derzeit die sinnvollste. Internationale Märkte Die internationalen Märkte sind aufgrund ihrer Vielfalt und ihrer verschiedenen Entwicklungspotentiale für Anleger grundsätzlich interessant. Leider sind diese Märkte schwierig zu überschauen und vor allem von deutlich mehr Einflüssen abhängig, als beispielsweise der bundesdeutsche Immobilienmarkt. Die Probleme, die sich für Investoren innerhalb der EU durch die vorherrschenden Ratingagenturen darstellen, wurden bereits in der Einleitung beleuchtet. Denn die Kriterien, unter denen sie die Herabstufungen einzelner Länder in der EU vorgenommen haben, sind wie im bereits erwähnten Fall Italien - nach objektiven Maßstäben nicht unbedingt nachvollziehbar. Für Einige kamen die Herabstufungen sehr überraschend und unvorhersehbar. Das führt für Investoren innerhalb

19 der EU derzeit zu einem unkalkulierbaren Risiko. In der EU Kommission gibt es daher aus gutem Grund Überlegungen hinsichtlich einer machtbezogenen Eingrenzung der vorherrschenden Ratingagenturen. Der Richtlinienentwurf der EU Kommission und die anschließende Beratung im Europaparlament (Berichterstatter MdEP - Leonardo Domenici) Mit seiner diskret formulierten Radikallösung fordert der italienische Europaabgeordnete Leonardo Domenici die machtbezogene Eingrenzung von Ratingagenturen. Ratingagenturen soll es verboten werden, unbeauftragte Staatenratings zu veröffentlichen. Mitgliedsländer sollten die Erlaubnis dazu verweigern können, dass ihre Kreditwürdigkeit bewertet wird." 1 Über diesen Kerngedanken der Beschlussvorlage wird aktuell vor dem Europäischen Parlament diskutiert. Vor dem Hintergrund der Finanzkrise im Jahr 2008 und der aktuellen Krisensituation bezüglich des Europroblems in Griechenland, ist die diskrete Forderung Domenicis kein Einzelfall mehr. Sowohl EU Binnenmarktkommissar Michel Barnier als auch deutsche Politiker sprachen sich im Sinne einer machtbezogenen Eingrenzung der Ratingagenturen aus. Darüber hinaus fordert Domenici nicht nur die Revision der Ratingagenturen sondern die Einführung einer unabhängigen europäischen Institution, die bezüglich Domenicis Vorwürfen die vorherrschenden Ratingagenturen konkurrieren bzw. ersetzen soll. Es sei dazu vonnöten, eine unabhängige Institution zu schaffen, die für die Bewertung der Kreditwürdigkeit der EU- Mitgliedstaaten sorgt. Grund für diese Beschlussvorlage ist vor allem die kürzlich zu verzeichnende Herabstufung vieler europäischer Staaten. So hatten sowohl Standard & Poor s als auch Moody neun europäischen Ländern ein schlechteres Rating zugeteilt. Das diesbezügliche Unbehagen lässt sich weit gefächert verzeichnen. So erhob unter anderem Bundesaußenminister Guido Westerwelle den Vorwurf: Die Agenturen verschärfen damit willkürlich die Krise. Auch beim EU Krisengipfel in Brüssel sieht die Einschätzung dieses Themas ähnlich aus. Welche konkreten Verbesserungsvorschläge Domenici fordert, sind vor allem die bereits erwähnte Entmachtung der Ratingagenturen, eine mögliche Haftung für falsche Ratings und die Einführung einer 1 Artikel aus der Welt zur Beschlussvorlage von Leonardo Domenici

20 unabhängigen Institution, die gleichwohl den vorherrschenden Agenturen konkurrieren soll. Im Falle der Entmachtung der Ratingagenturen, befürwortet Domenici vor allem die Abschaffung der Veröffentlichung des sogenannten Ausblicks oder Watch, den die Agenturen ihren Bewertungen der einzelnen Länder beifügen. In diesem Punkt, so Domenici, bestünde ein Problem, das viele Länder willkürlich in die Krise treibe. Des Weiteren dürfe die Einschätzung von Staaten den Ratingagenturen nicht alleine überlassen werden. In diesem Punkt überschneidet sich die Forderung der Entmachtung mit der Einführung einer unabhängigen Institution. Ein weiterer Punkt, hinausgehend über die Entmachtung, ist die Haftbarkeit der Ratingagenturen. Denn nicht nur das Parlament sondern auch die Kommission möchte durch ihre Beschlussvorlage erreichen, dass Ratingagenturen haftbar gemacht werden können. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass Investoren enorme Schäden verzeichnen, da sie sich auf falsche Ratings verlassen haben. Genau in diesen Fällen solle juristisch gesehen den Ratingagenturen die Haftung zugeschrieben werden können. Genau diese angesprochene Meinungsfreiheit gibt den vorherrschenden Ratingagenturen ihre Macht. Durch die Einführung der unabhängigen Institution würde somit nicht nur die Macht der Ratingagenturen begrenzt, sondern man könnte gleichzeitig die Kreditwürdigkeit der EU Mitgliedstaaten intern bewerten und eine Expertise von außen wäre demnach nicht notwendig. Für die praktische Umsetzung dieser Institution liegen bereits erste Pläne bzw. Vorschläge vor, so dass die Umsetzung nicht mehr lange auf sich warten lassen dürfte. So würde vor allem die interne Situation der EU verbessert werden können. Finanziell gesehen gehen die Pläne bislang soweit, dass die Institution europäisch finanziert und betrieben werden soll. Gerade dadurch bestünde letztendlich die Unabhängigkeit dieser Europäischen Ratingagentur. Neben den Vorteilen, die hauptsächlich in der Unabhängigkeit und Abgrenzung der EU Mitgliedstaaten durch interne Bewertung liegen, wurden auch mögliche Nachteile der aktuell diskutierten Beschlussvorlage aufgeführt. Kritiker nämlich behaupten ein Verbot oder eine genannte Entmachtung der Ratingagenturen wäre ein zu großer und gewagter Eingriff in die Meinungsfreiheit der Agenturen. Schließlich stünde die Entscheidung des Umfangs der Ratings den Agenturen selbst zu. Die Frage, ob man objektiv betrachtet von Meinungsfreiheit reden kann, lässt sich bestreiten. Genau diesen Zwiespalt betreffend stellt Domenici eine weitere Forderung gegenüber dem Status Quo auf. Seiner Meinung nach sei das Veröffentlichen von Ratings keinesfalls ein Aspekt der Meinungsfreiheit. Er beschreibt es lediglich als Aktivität eines Informationsdienstes. Und durch diese Abstufung sei es letztendlich juristisch möglich die Ratingagenturen für falsche und schädigende Bewertungen haftbar zu machen. Aus Sicht der Ratingagenturen selber sieht

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