Gesellschaft auf eine stets höhere Ebene katapultiert und immer undurchsichtiger

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1 Die Kundenzeitung der Freien Gemeinschaftsbank Genossenschaft Nr. 64 Juli 2012 Editorial Inhalt Seite Fragen statt schnelle Antworten Wir sind eine Gesellschaft geworden, die permanent die richtigen Lösungen anstatt die richtigen Fragen sucht. Für die Suche nach den richtigen Fragestellungen fehlt uns offensichtlich die Zeit. Die investieren wir lieber in die Suche nach sogenannten Experten, die uns den Schritt der Fragestellung überspringen helfen, denn sie wissen die Lösung schon, bevor wir gefragt haben. Ganz offensichtlich wird dies in der sogenannten Finanzkrise. Wir erhalten fortlaufend Lösungen vorgesetzt, die jedes Mal als die ultimative Lösung präsentiert werden. Nur stellen wir mit Erstaunen fest, dass ihre Halbwertszeit stetig abnimmt und heute bereits nur noch wenige Tage beträgt. Wenn die Experten versagen, kommt folgerichtig der Ruf nach dem Staat. Der soll es richten aber darüber, was denn gerichtet werden soll, bestehen bereits unterschiedliche Bilder. In der Realität sind es auch beim Staat Menschen, die die Entscheidungen treffen, und zwar aufgrund intensiver Befragung der schon erwähnten Experten. Und wenn dann auch noch der Staat an Glaubwürdigkeit verliert, kommt der Ruf nach den sogenannten neutralen supranationalen Institutionen, die das richten sollen, was alle anderen schon versucht und worin sie versagt haben. Auch dort sind es wiederum Menschen, die die entsprechenden Entscheidungen treffen natürlich vollkommen unabhängige, neutrale Experten, die nur das Wohl des Volkes im Sinn haben. Begreifen wir nicht, dass auf diese Weise all unsere Probleme in unserem Umfeld, unserem Kanton, unserer Nation und unserer ganzen «Die erste Frage wäre doch, in welch einer Krise wir uns überhaupt befinden: Ist das jetzt eine Finanzkrise oder eine Sozialkrise?» Gesellschaft auf eine stets höhere Ebene katapultiert und immer undurchsichtiger werden? Dadurch entsteht eine stets grössere Anonymisierung der Entscheidungsinstanzen, die zudem immer weniger demokratisch legitimiert sind. Der Mensch wird so fortwährend entmündigt zum Wohle des Volkes! Analogien lassen sich in allen Lebensbereichen finden. Wie verhält es sich mit unserer Medizin, wie mit unserem Rechtswesen? Wenn ich so in die Welt schaue, stelle ich eine schleichende, sich immer mehr beschleunigende Abschaffungsbewegung der Demokratie fest, möglich geworden durch die scheinbar logische Begründung, dass immer weniger Probleme im Kleinen gelöst werden können, sondern nur mehr global durch Experten versteht sich. Nehmen wir das Beispiel Rechtsstaat: Findet da nicht gerade jetzt eine Auflösung der Gewaltentrennung statt? Entscheidet die Politik nicht über alles? Werden nicht Abmachungen und Verträge willkürlich ausser Kraft gesetzt und durch neue Bestimmungen ersetzt, die noch nicht einmal auf demokratische Weise entstanden sind? Wenn ich wieder die Finanzkrise als Beispiel nehme, muss ich mich fragen, ob die globalen Lösungen qualitativ besser sind als mögliche Editorial 1 Dank der Bank 2 Aus der Bank 6 Kontrapunkt 12 Aus der Finanzwelt 13 Zitate 15 Stiftung Freie Gemeinschaftsbank 15 Personelles 17 Mitteilungen 18 Lösungen im Kleinen. Sollten wir nicht anstatt permanent Lösungen zu fordern und schnell zu finden erst einmal die grundsätzlichen, beleuchtenden Fragestellungen suchen? Die erste Frage wäre doch, in welch einer Krise wir uns überhaupt befinden: Ist das jetzt eine Finanzkrise oder eine Sozialkrise? Ich bin überzeugt, dass die Antworten bei einer Umfrage in den verschiedenen Ländern höchst unterschiedlich ausfallen würden. Und müssten wir nicht erst einmal ein Bild entwickeln, das die verschiedenen Krisen veranschaulicht? Laut Rudolf Steiner sind die Finanzkrisen eine Folge der Sozialkrisen und nicht umgekehrt. Was heisst das konkret? Es heisst, dass im Sozialen etwas in Schieflage ist, was der Auslöser für die Finanzkrisen sein muss. Vielleicht ist es die unstillbare Gier der Menschen nach Macht und Reichtum, vielleicht der Egoismus, vielleicht die Verselbständigung der Seelenkräfte von Denken (Intellektualisierung), Fühlen (Emotionalisierung) und Wollen (unerklärbare Gewaltexzesse), vielleicht die stetig wachsende Isolierung des Einzelnen, vielleicht die fehlenden Lebensstrukturen, vielleicht der steigende tägliche Druck zum Funktionieren, zum Immer-wiederentscheiden-Müssen, vielleicht die

2 Nr. 64 Juli 2012 Überflutung durch Informationen vielleicht auch das alles zusammen. Wären das nicht Fragen, die gestellt werden müssten? In der Freien Gemeinschaftsbank versuchen wir Zeit zu schaffen Zeit, um die richtigen Fragen zu stellen, bevor wir überhaupt an Lösungen denken. Das Formulieren von Fragen bewirkt ein Sich-bewusst-Werden in der Realität des Lebens und führt zur Wahrnehmung des Lebendigen. Wir bemühen uns auf der einen Seite täglich um einen anderen Umgang mit Geld. Wir versuchen in unserer Gemeinschaft, bestehend aus unseren Genossenschafterinnen und Genossenschaftern, Mitarbeitenden und allen Kundinnen und Kunden, den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen, indem wir aus dem Lebendigen heraus Fragen formulieren. Auf der anderen Seite sind wir eine Bank, die den Anforderungen der ständig zunehmenden Regulierungsbestimmungen genügen muss. Es wird uns vermehrt Zeit gestohlen, die uns auf der menschlichen Seite fehlen könnte. Eigenmittel- Bestimmungen werden gesetzt, die uns als Genossenschaft mit Anteilscheinen ohne Rendite mächtig unter Druck setzen. Wie können wir unser Genossenschaftskapital zügig erhöhen, ohne unserer Philosophie und unseren Überzeugungen untreu zu werden? Doch wir sind gewiss, dass wir unseren geschaffenen Freiraum erhalten können mit Hilfe aller Beteiligten an unserer Gemeinschaft. Wir sind zurzeit mit zwei Grossprojekten beschäftigt, die einen grossen äusserlichen und innerlichen Entwicklungsschritt für die Bank bedeuten. Zum einen ist das die Umstellung unserer Bankensoftware, die für uns eine gewaltige Investition bedeutet und von den Mitarbeitenden grossen zusätzlichen Einsatz und Flexibilität verlangt. Diese Umstellung ist per 30. Juni erfolgt. Zum anderen stehen wir vor der grossen Aufgabe, ein eigenes Gebäude für die Bank bauen zu lassen, das der Erfüllung unserer zukünftigen Aufgabestellungen dienen soll. Wir haben die Gewissheit, dass wir diese Projekte gemeinsam mit Ihrer Hilfe realisieren werden können. Für Ihr Vertrauen und Ihre Treue zu unserer Bank bedanke ich mich. Felix Staub Dank der Bank Portapila Ort für erneuerbare Lebensfreude Was benötigt die Innenwelt was die Aussenwelt? Mit dieser Fragestellung machten wir Reinhard und Brigitte Külling uns vor sieben Jahren auf den Weg. Wir hatten unser Wechsel-Alter erreicht, was wir als Neuanfang interpretierten. Unsere drei Kinder waren erwachsen und eigenständig, die Berufung als Mutter und Hausfrau verlangte für Brigitte nach Veränderung. Bei mir zeigten sich Ermüdungserscheinungen nach einer langjährigen Tätigkeit im Sozialbereich. Am herkömmlichen Ort waren keine Veränderungs- oder Entwicklungsmöglichkeiten auszumachen deutliche Signale also für eine grundlegende Kursänderung. Ich sah keine andere Möglichkeit, als meine Stelle zu kündigen ohne jegliche Gewissheiten für die Zukunft. Wir konnten uns nicht einfach in neue Jobs stürzen. Wir wollten unsere Zügel selber in die Hände nehmen. Ich ergriff die Chance, Dinge zu tun, die ich schon lange einmal Foto: Reinhard Külling Die Kundenzeitung der Freien Gemeinschaftsbank Genossenschaft

3 Nr. 64 Juli 2012 transparenz tun wollte. Darf man das, so fragten wir uns: Sich an einen entfernten Ort begeben, eine Zeit lang einmal nichts tun, stundenlang dem offenen Feuer lauschen und den eigenen Puls fühlen? Tief durchatmen auf ausgedehnten Wanderungen? Der Hektik und Gewohnheit des Alltags den Rücken kehren, um seine persönlichen Visionen aufzuspüren? Eine Wintersaison lang in einer SAC Hütte als Co-Hüttenwart verbringen und dadurch finanziell ins Schwimmen geraten? In herkömmlichen Wirtschaftsbetrieben als Schreiner arbeiten? Ein Praktikum beim Ofenbauer machen? Spezielle Selbsterfahrungen erleben im Umgang mit der Einschränkung von Nahrung? Und schliesslich den Schritt in die Selbständigkeit wagen? Die reichhaltigen Erlebnisse gaben uns die Antwort: Ja, man darf oder soll sogar! Hinter uns lagen die Erfahrungen meiner Frau als Religions- und Handarbeitslehrerin, meine eigenen als Schreiner, Werklehrer und Kunsttherapeut und die gemeinsamen als engagierte Eltern von eigenen und Pflege-Kindern an Steinerschulen. Hinzu kamen unsere neuen Erfahrungen, so dass sich ein reicher Erfahrungsschatz bildete für das still heranreifende neue Projekt: Portapila. Wir erkannten, dass auch wir Kinder der Zeit waren und dass wir nicht allein waren mit unseren Sinnfragen. Aus solchen Einsichten heraus erwuchs immer stärker das Bedürfnis, auch für andere Menschen einen Raum des persönlichen Ankommens zu schaffen, den man als Ausgangsort für Wanderungen zu sich selbst und in die Natur nutzen konnte einen Ort der (Wieder-)Entdeckung seines kreativen Potenzials, Foto: Reinhard Külling eine Insel, die einem das Eins-Sein mit der Natur ermöglichte. Im Tessiner Ort Pila, oberhalb Intragna und nahe Locarno, fanden wir einen kleinen Weiler, der sich zur Realisation unserer Vision eignete: ruhig, autofrei, ganzjährig besonnt, mitten in der Natur und doch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Unser Haus Portapila weist eine über zweihundertjährige Bausubstanz auf, die wir behutsam zu drei Wohnungen umgestalteten und mit einem Atelier-Neubau ergänzten. Glücklicherweise konnten wir ein angrenzendes Grundstück mit einem Freiluftatelier erwerben, auf dem unsere Bienenvölker einen festen Wohnsitz gefunden haben. So freuen wir uns, nach insgesamt siebenjähriger Vorbereitungs-, Reife- und Ausführungszeit unseren Gästen ganzjährig zwei Wohnungen mit je drei bis fünf Betten, ein Textilund Web-Atelier sowie ein Freiluftatelier in einem grossen Garten mit zahlreichen Seins-Plätzen zur Verfügung stellen zu können und dies inmitten der kräftigen Tessiner Natur. Ein Schwerpunkt unseres Hauses ist, dass wir je nach individueller Gegebenheit und entsprechendem Bedarf unsere Begleitung in den Ateliers oder in Form einer Teilnahme an Fotos: Reinhard Külling unserer Tagesstruktur anbieten. Wir verzichten bewusst auf ein vorgegebenes Programm, denn wir gehen davon aus, dass dieses nur aus dem individuellen, jeweiligen Jetzt entwickelt werden kann. Bis jetzt haben sich beispielsweise von unserem Angebot angesprochen gefühlt: Menschen, die einfach einmal weg wollten Menschen, die ihre Ferien hier verbrachten und sich am grossen Garten und dem breiten Wanderwegnetz gleich vor der Haustür freuten Manager oder Studenten, die sich ungestört auf ihre Arbeit konzentrierten, auch in kleineren Teams in Vollpension Menschen, die ihre Ferien mit Weben oder Steinhauen bereicherten und daran selbständig arbeiteten oder individuell begleitet wurden Menschen, die in Rekonvaleszenz waren, nicht in eine Klinik passten, Die Kundenzeitung der Freien Gemeinschaftsbank Genossenschaft

4 Nr. sich zu Hause überfordert fühlten und unsere Handreichungen schätzten Menschen im Umbruch, die gemeinsam mit uns ihre individuelle Tagesstruktur entwickelten und unsere begleitende Präsenz schätzten Sie alle wohnten in eigenen Räumen unter Rücksichtnahme auf andere Gäste am Ort. In der Regel verpflegten sie sich eigenständig. Auf eigenen Wunsch nahmen sie teilweise an der Zubereitung der Mahlzeiten teil oder liessen sich diese von uns zubereiten. Wer soll das bezahlen? PORTA PILA.ch basiert auf privater Trägerschaft, die sich auch ausschliesslich so finanziert. Zweites Standbein ist die von mir als Einzelfirma betriebene UMFORM.ch, die sich zur Aufgabe gesetzt hat, Veränderungen handwerklicher Art zu gestalten. Beide Zweige arbeiten jeweils partnerschaftlich mit anderen Unternehmungen zusammen. Es ist für uns nicht selbstverständlich, dass die Freie Gemeinschaftsbank die Bereitschaft aufbrachte, uns und den Ort persönlich kennen 64 Juli 2012 zu lernen, um uns wohlwollend, vermittelnd und unterstützend durch die ganzen Prozesse zu begleiten. An dieser Stelle möchten wir uns nochmals ganz herzlich dafür bedanken! Reinhard Külling Reinhard und Brigitte Külling, Portapila, 6655 Intragna, Tel.: , ACACIA: Demeter-Dattelprojekt in Hazoua ACACIA begleitet das Demeter-Dattelprojekt in Hazoua, Tunesien, seit seiner Gründung. Nach einer persönlichen Begegnung mit einem Dattelbauern entstand bei Karl Keller der Impuls, den Dattelbauern in Hazoua bei der Qualitätsverbesserung und der Vermarktung in Europa zur Seite zu stehen. Aus diesem Engagement ist ein Fair-Trade-Unternehmen entstanden, das in Tunesien als Pilotprojekt gilt und grosse Anerkennung geniesst. Seit der Begegnung mit Sadok Saïdi aus dem Nomadenvolk der Beni Ghreb anlässlich einer Ferienreise in Tunesien im Jahre 1995 engagiert sich Unternehmer und ACACIA-Vorstand Karl Keller für das Demeter-Dattelprojekt in Hazoua. Anfänglich ging es um die Frage, wie der Wurmbefall von Bio-Datteln verhindert werden konnte, die sich aus diesem Grunde nicht in Europa vermarkten liessen. Jede Rispe wird von Hand geschnitten Durch die Einführung der biologischdynamischen Anbauweise und den Bau einer eigenen Station zur sauberen und schonenden Verarbeitung der Datteln direkt neben den Oasen sowie mit Hilfe von Schutznetzen für die heranreifenden Datteln konnte dieses Problem weitgehend beseitigt werden. «Es macht die Wüste schön, dass sie irgendwo einen Brunnen birgt.» Antoine de Saint-Exupéry Die eigene Verarbeitungsstation verschaffte auch vielen jungen Frauen und Männern aus dem Dorf Arbeit und Einkommen. Hazoua gilt heute in Tunesien als Vorzeigedorf und hat die Revolution unbeschädigt überstanden, indem die Menschen gemeinsam hinter der Demeter-Initiative standen und die Idee der sozialen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit gegen Angriffe von aussen schützten. Heute werden über 200 Tonnen fair gehandelter Datteln in Demeter- Qualität in ganz Europa vermarktet mit steigender Tendenz und trotz grosser Preiskonkurrenz. Der gerechte Handel bietet Vorteile für alle: Bauern, Händler und Konsumenten. So darf Qualität und Fairness in der Landwirtschaft auch etwas mehr kosten. Die grösste Herausforderung neben der kontinuierlichen Qualität der Datteln ist dabei die Vorfinanzierung der Bauern, die in der Regel erst ein halbes Jahr später ihre Bezahlung für die Datteln erhalten: Bei steigender Produktion und Vermarktung wächst auch die aufzubringende Summe für die Vorfinan Die Kundenzeitung der Freien Gemeinschaftsbank Genossenschaft

5 Nr. 64 Juli 2012 transparenz zierung. Kredite ohne Sicherheiten aber sind nicht leicht zu bekommen und so bedarf es eines grossen Geschicks, dabei den Fair-Trade-Gedanken aufrecht zu halten. Drei neue innovative Projekte Die erste Bauphase einer Ökopension ist bald abgeschlossen. Das Gästehaus in traditioneller Bauweise aus lokal hergestelltem, kühlendem Ton für ein gutes Wohnklima soll ein Zentrum für Dorfbewohner und Besucher aus aller Welt werden. Neben der Tonbauweise trägt auch der ressourcenschonende Wasserumgang zu einer nachhaltigen Kultur bei. Das Gästehaus wird jungen Menschen aus der Region einen Arbeitsplatz bieten. Wassersparen bei der Bewässerung Die Oasenbauern sind seit je her Wasserspezialisten. Seit Jahrhunderten werden die Kenntnisse in filigraner Wasserbaukunst weitergegeben, um das Wasser möglichst verlustfrei vom Brunnen zu den Palmen, Obstbäumen und Gemüsegärten weiterzuleiten. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die Hazoua-Bauern sich mit den Einsparungsmöglichkeiten neuer Bewässerungstechnologien auseinandersetzen. Die moderne Tropfbewässerung kommt in Hazoua jedoch nicht in Betracht, weil das Grundwasser zu salzig ist. Durch Verdunstung entstünde damit in kurzer Zeit ein versalzener Boden, der keine Kulturpflanzen mehr hervorbringen könnte. Sadok SaÏdi beim neuen Bewässerungssystem Pilot Earth-Dom Im Bewässerungsprojekt ist mit Hilfe der eigenen, jungen Ingenieure ein neues System entwickelt worden, um den bestehenden Problemen und dem drohenden Wassermangel entgegenzutreten, denn in den letzten 35 Jahren sind die bis zu 45 Grad heissen Tagestemperaturen durchschnittlich um 1,5 bis 2 Grad angestiegen. In Zusammenarbeit mit rund einem Dutzend Bauern soll das neue System auf seine Vor- und Nachteile hin geprüft werden. Kühlung in der Wüste Um das ganze Jahr über Datteln von höchster Qualität für den europäischen Markt bereit zu halten, braucht es in der Wüste Kühlhäuser. Konventionelle Kühlanlagen haben jedoch einen ausserordentlichen Energieverbrauch. Tunesien hat ein geringes Ölvorkommen, das nur unter grossen Energieverlusten in Strom umgewandelt werden kann. Zudem ist Strom für die Bauern verhältnismässig teurer als in Europa und hat eine negative Ökobilanz. Die Earth-Dome-Technik kann hier Abhilfe schaffen. Earth-Domes sind superisolierte Kühlhallen, die mit den traditionellen, alten Felsenkellern vergleichbar sind. Auf dem Fotos: ACACIA Foto kann man die 1,2 Meter dicken Ton-Sand-Wände gut erkennen. Darin lassen sich Datteln auch im Sommer mit einem Minimum an Energie kühl lagern. Für die Erzeugung der Kälte wird ein solares oder geothermales Kühlmodul verwendet. Mit Hilfe von kleinen Kapillarnetzen wird ständig mit geringem Aufwand kühles Wasser durch das Kühlhaus gepumpt und so die Datteln permanent auf 12 bis 14 Grad gekühlt. Der Earth-Dome- Musterbau wird gerade fertiggestellt. Dieses Projekt verbindet neueste Ingenieurtechnologie mit altbewährten Lokalkenntnissen. Das Demeter Dattelprojekt hat noch viele Entwicklungsmöglichkeiten in eine neue, andere Zukunft! Jules Ackermann Kontakt: Karl Keller, Dr. Reto Ingold, Oekologie & Innovation, Dornach, Spenden unter: Freie Gemeinschaftsbank Basel, IBAN CH Vermerk: Demeter Datteln Tunesien Die Kundenzeitung der Freien Gemeinschaftsbank Genossenschaft

6 Nr. 64 Juli 2012 Aus der Bank Geld braucht Bewegung, wie der Kuhmist Generalversammlung der Freien Gemeinschaftsbank 2012 Ende April trafen sich die Genossenschafterinnen und Genossenschafter der Freien Gemeinschaftsbank zur Generalversammlung im thurgauischen Siblingen. Im Zentrum stand die biologisch-dynamische Landwirtschaft und der Besuch einer Demeter-Hofgemeinschaft. In seinem Einführungsreferat wies Verwaltungsratspräsident Felix Staub auf die heutige Situation im Finanzmarkt hin: Experten referieren in den Medien im Wochenrhythmus über ihre Lösungen zur Dauerkrise. Wenn wir genauer hinschauen, stellt sich jedoch die Frage, was sich in den letzten Jahren überhaupt zum Positiven verändert hat. Auf politischem Felde werde vor allem mittels Regelungen versucht, Probleme aus der Welt zu schaffen. Dies geschehe sowohl im Finanzbereich als auch in der Landwirtschaft. Hohe Subventionen ermöglichten heute landwirtschaftlichen Betrieben das Überleben. Sie seien nötig, weil die Preise für Agrarprodukte im Verkauf viel zu niedrig seien, denn sie entstünden ohne Bezug zu den Produzierenden auf dem sogenannten freien Markt und im Grundsatz gelte, dass alles möglichst billig sein solle. Felix Staub ergänzte: Ob arm oder reich ich beute andere aus, wenn ich Dinge erwerbe, die nicht ausreichend bezahlt werden. Eine zunehmende Beziehungslosigkeit zwischen Beteiligten, die einander nicht mehr auf Augenhöhe begegnen könnten, und parallel dazu eine wachsende Regelungsdichte seien in allen Lebensbereichen feststellbar, betonte Felix Staub. Im Gegensatz zur fortschreitenden Anonymisierung stehe das Bemühen der Freien Gemeinschaftsbank, die Menschen, die in der Bank um Rat nachsuchen, freilassend zu beraten und sie darin zu unterstützen, ein Bewusstsein für ihre Beziehung zum Geld und zur Bank zu entwickeln eine weit aufwändigere Aufgabe als die zielgerichtete Beratung auf einen schnellen Abschluss hin. Die lang anhaltende Tiefzinsphase verlange von der Freien Gemeinschaftsbank besondere Aufmerksamkeit, denn die Marge, welche für die Arbeit an einem anthroposophisch erweiterten Bankwesen zur Verfügung stehe, werde kleiner. Herman Lutke Schipholt begrüsste im Namen der Hofgemeinschaft Randenhof die Anwesenden und beschrieb das Generationenprojekt der Randenhöfe. Zwei Höfe im gleichen Dorf werden als Gemeinschaft geführt, um die Arbeiten und Prozesse sinnvoll miteinander zu verbinden. Er erzählte, wie die Familie Lutke Schipholt mit Hilfe zahlreiche Menschen, die sich für das Projekt begeistern konnten, innert kürzester Frist die nötigen Mittel auftreiben konnte. Eine der vielen Überraschungen, die mit der Geldsuche verbunden waren, erlebte die Familie kurz vor Weihnachten 2010: Eine Person, die Geld zugesagt hatte, meldete sich, sie wolle über die Höhe neu verhandeln. Die erste Befürchtung war, sie würde drastisch kürzen. Dann geschah das Unerwartete: Es stellte sich heraus, dass sie ihren Betrag verdoppeln wollte! Die Zusammenarbeit mit der Freien Gemeinschaftsbank war für Herman Lutke Schipholt manchmal schwierig. Wenn sich ein Bauer entscheiden muss, ob er eine Wiese mähen soll, bevor der Regen einsetzt, oder ob er das Budget für das von der Bank geforderte Betriebskonzept fertigstellen soll, ist nachvollziehbar, dass er sich für das erstere entscheidet. Der Bank aber müssen die Zahlen vorliegen, bevor Entscheide gefällt werden können. Trotz allem, so meinte er, sei der Prozess sehr lehrreich gewesen. Seine auch in diesem Prozess gewonnenen Einsichten in den Geldkreislauf fasste Herman Lutke Schipholt frei nach Rudolf Steiner Foto: H. J. Heer Die Kundenzeitung der Freien Gemeinschaftsbank Genossenschaft

7 Nr. 64 Juli 2012 transparenz so zusammen: Geld fängt an zu stinken, wenn es nicht bewegt wird genau wie der Mist. Produktion Qualität Handel in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft war Thema des Referats von Christian Butscher, seit Januar 2012 Geschäftsführer von Demeter Schweiz. Christian Butscher legte dar, dass die Demeter-Qualität aus den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen Rudolf Steiners über kosmisch-geistige Wirkungen und Zusammenhänge in landwirtschaftlicher Anbauweise und Ernährung resultiert. Die wichtigsten Pfeiler dieser Landbaumethode sind: die Einbeziehung der kosmischen Kräfte von Sonne, Mond und Planeten sowie Wärme und Kälte, die Düngung und die Verwendung von Präparaten, zur Verlebendigung des Bodens, eine wesensgemässe Tierhaltung und die Entwicklung einer Hofindividualität, in der neben den Stoffkreisläufen auch die Prozesskreisläufe betrachtet und gestaltet werden. Er erklärte die verschiedenen Funktionen des Vereins für biologischdynamische Landwirtschaft und des Demeter-Verbands. Der Verein umfasst 212 Landwirtschafts- und sieben Weinbaubetriebe sowie 30 Gärtnereien als Mitglieder und bietet ihnen Einführungskurse, Beratung und Weiterbildung an, unterstützt den Austausch unter den Landwirten sowie von den Landwirten mit der Forschung und ist verantwortlich für die eidgenössisch anerkannte Fachausbildung (tertiäre Stufe). Die Mitgliedschaft im Verein ist offen für alle, die diese Arbeit unterstützen wollen. Der Demeter-Verband ist ein Zusammenschluss von Produzierenden, Konsumierenden, Handels- und Verarbeitungsbetrieben, der sich vor allem um den Markenschutz und die Entwicklung der Demeter-Qualität kümmert Rudolf Schnuderl und Andrej Schindler gaben unter dem Titel Gesichtspunkte aus der Bankarbeit zu Landwirtschaft einen Einblick in ihre Arbeit als Kreditberater und berichteten insbesondere über ihre Zusammenarbeit mit Herman Lutke Schipholt als Kreditnehmer. Rudolf Schnuderl beschrieb, wie ein Besuch auf einem Demeter-Hof stets einen lang nachwirkenden Eindruck bei ihm hinterlässt: Es ist wunderbar zu erleben, wie das grosse Engagement seine Wirkung zeigt. Für ihn stelle sich im Verhältnis zu den Kunden immer wieder die Frage: Was kann die Bank beitragen zum guten Gelingen, welchen Nutzen hat die Kundschaft? «Geld fängt an zu stinken, wenn es nicht bewegt wird genau wie der Mist.» Andrej Schindler hat den Prozess mit der Familie Lutke Schipholt begleitet und sorgte für Schmunzeln im Saal, als er darauf hinwies, dass die Zusammenarbeit mit den ausgeprägten Individualitäten in der Demeter-Landwirtschaft eine besondere Herausforderung darstelle. Er betonte: Wir brauchen viel Kreativität und Risikobereitschaft, um im gesetzlichen Rahmen das Bestmögliche zu machen und das Gegenüber zu verstehen, eine gemeinsame Sprache zu finden. Paolo Wegmüller, Leiter der Geschäftsstelle der Stiftung Freie Gemeinschaftsbank, kommentierte kurz den Jahresbericht der Stiftung. Einen Schwerpunkt bildete auch dort die Förderung von Projekten in der biologischdynamischen Landwirtschaft, unter anderem die Erforschung des Einsatzes von Präparaten im radioaktiv verseuchten Gebiet um Tschernobyl und die Einrichtung des Fonds Biologisch-Dynamisch zur Förderung des biologisch-dynamischen Landbaus. Andere wichtige Projekte im Jahr 2011 waren die künstlerischen Projekte Mysteriendramen hautnah und Jantarbühne in beiden Fällen von entlassenen Schauspielern und Eurythmisten des Goetheanum initiiert sowie die Unterstützung der Initiative für die Kreditgenossenschaft EthicCapital in Georgien (s. Bericht S ). Der Catering-Betrieb Lukulla, eine Elterninitiative der Rudolf Steiner «In allen Beiträgen kam zum Ausdruck, dass der persönlichen Begegnung in der Freien Gemeinschaftsbank grosse Bedeutung zugemessen und täglich praktiziert wird.» Schule Schaffhausen, erfreute die Anwesenden mit einem feinen Mittagessen. Hanspeter Kissling von Lukulla hatte in seinem vorausgegangenen Redebeitrag erklärt, dass an der Rudolf Steiner Schule Schaffhausen, wann immer möglich, Demeter- Produkte eingekauft werden. Die Qualität lässt sich über den Geschmack direkt erfahren und Milchprodukte z. B. sind viel länger haltbar als diejenigen aus der konventionellen Landwirtschaft, betonte er. Nach der Mittagspause wies Markus Jermann, Geschäftsleiter, auf drei Schwerpunkte im Berichtsjahr hin: Mit dem Team haben wir gute Schritte gemacht und Vertrauen aufgebaut. Es gab in letzter Zeit ein vielfältiges Medien-Echo auf die Freie Gemeinschaftsbank mit fundierten Artikeln in diversen Medien. Ein grosses Projekt der Bank ist zurzeit die Planung eines Neubaus an günstiger Lage in der Meret Oppenheim-Strasse, wenige Gehminuten vom Bahnhof Basel SBB entfernt. Als besonders erfreulich erwähnte er die Etablierung einer Bankleitung mit drei Persönlichkeiten, die sich nach seiner kurzen Einführung selber vorstellten. Nathalie Pedrocchi ist Personalverantwortliche, Mitglied der Bankleitung und leitet den Kundenservice. Im Moment steht die Umstellung auf eine neue Bankensoftware im Vordergrund. Wir setzen viel Zeit für die Schulung ein, damit der Wechsel möglichst reibungslos verläuft, erklärte sie und freute sich sichtlich, die Einführung einer Maestro-Karte und des Online-Bankings anzukündigen. Max Ruhri, Leiter Anlageberatung und Mitglied der Bankleitung, wies darauf hin, dass mit jedem Kunde, jeder Kundin nicht nur Geld zur Bank komme, sondern auch eine damit verbundene Geschichte: Für uns ist es darum sehr wichtig, gemeinsam einen Weg zu suchen, wie das Geld so angelegt werden kann, dass es den Intentionen der Anleger und Die Kundenzeitung der Freien Gemeinschaftsbank Genossenschaft

8 Nr. Anlegerinnen entspricht. Im Berichtsjahr sei das Einlagevolumen gestiegen, einige Neukunden hätten von anderen Banken zur Freien Gemeinschaftsbank gewechselt mit dem Wunsch nach mehr Sicherheit, andere seien auf der Suche nach einem bewussten Umgang mit Geld zur Bank gestossen. Jean-Marc Decressonnière, Leiter Kredite und Mitglied der Bankleitung, stellte dar, dass den 400 Kreditnehmenden Einleger und Einlegerinnen gegenüber stehen. 80 landwirtschaftliche Projekte, davon die Hälfte im biologisch-dynamischen Landbau, zählen zu den Kreditnehmenden ist dieser Bereich um CHF 2.6 Millionen gewachsen und auf insgesamt CHF 15 Millionen angestiegen. Kreditkunden und Anleger haben in der Regel unterschiedliche Bedürfnisse: die ersteren wollen langfristige Festhypotheken mit niedrigen Zinsen, die letzteren kurzfristige Anlagen mit hohen Zinssätzen. Für eine Bank, so Decressonnière, ist eine solche Situation nicht ganz einfach. Neue Kreditprojekte sind willkommen. In allen Beiträgen kam zum Ausdruck, dass der persönlichen Begegnung zwischen Beratenden und Kunden und Kundinnen in der Freien Gemeinschaftsbank grosse Bedeutung zugemessen und täglich praktiziert wird. 64 Juli 2012 In den folgenden Abstimmungen wurden alle Anträge des Verwaltungsrates einschliesslich der Anträge auf Annahme der Jahresrechnung und des Geschäftsberichts ohne Gegenstimmen angenommen. Die bisherigen Verwaltungsratsmitglieder wurden in globo wieder gewählt. Felix Staub stellte sich als Präsident des Verwaltungsrates zur Wiederwahl und wurde erneut gewählt. Mit Dank verabschiedet wurde Rainer Menzel, der sich nach vier Jahren wegen Überlastung nicht mehr zur Wahl stellte. Nach den statutarischen Geschäften machten sich die Anwesenden bei herrlichem Frühlingswetter auf den Weg zu den Hofbesuchen, wo sie im wahrsten Sinne des Wortes lebendige Einblicke in die biologischdynamische Landwirtschaft erhielten und auch die verschiedenen Produkte der Randenhöfe kennenlernten eine eindrückliche Abrundung des gelungenen Tages. Margrit Bühler Die Freie Gemeinschaftsbank bekommt eine neue Bankensoftware Wie in transparenz Nr. 63 berichtet, hat sich die Freie Gemeinschaftsbank im Herbst 2011 entschieden, eine neue Bankensoftware einzusetzen. Es gab eine Zeit und viele von uns haben diese Zeit noch miterlebt in der alle wichtigen Informationen einer Bank in grossen Büchern festgehalten wurden: Guthaben von Sparkunden, Schulden von Kreditkunden, Adressen, Zahlungsvorgänge und vieles mehr. Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden erste elektronische Hilfsmittel, die nach und nach diese Bücher ersetzten. Mittlerweile sind solche Bücher nur noch in Archiven zu finden und die Informationen, die früher in diesen Büchern standen, werden in Tabellen gespeichert, die in Datenbanken abgelegt sind. Diese Tabellen und Datenbanken werden durch eine Bankensoftware verwaltet. Mitarbeitende einer Bank greifen laufend auf diese Software zu, ändern Adressen, geben Zahlungsaufträge ein, erfassen neue Kunden oder eröffnen Konten. Die Freie Gemeinschaftsbank hatte während der letzten 20 Jahre eine sehr stabil funktionierende Bankensoftware im Einsatz. Sie wurde von der Firma Ascami kompetent und zuverlässig gewartet und betreut. An dieser Stelle möchten wir uns bei der Firma Ascami für die gute Zusammenarbeit herzlich bedanken. Umstellung zum 1. Juli 2012 Die Umstellung auf eine neue Bankensoftware ist für den 30. Juni 2012 geplant und wir freuen uns, sie wie geplant durchführen zu können. Die dazu notwendigen Arbeiten waren sehr umfangreich und forderten von allen Mitarbeitenden viel Zeit und Energie. Für diesen Einsatz möchten wir uns bei allen herzlich bedanken. Ein neuer Partner für die Freie Gemeinschafsbank Betreiber der neuen Bankensoftware ist die Hypothekarbank Lenzburg, die die Software selbst entwickelt hat und ständig weiterentwickelt. In der Hypothekarbank Lenzburg hat die Freie Gemeinschaftsbank einen Partner gefunden, der mit den regulatorischen Anforderungen an eine Bankensoftware aus eigener Erfahrung bestens vertraut ist. Dieser Partner ermöglicht es auch, die Besonderheiten der Freien Gemeinschaftsbank zu berücksichtigen und bei Bedarf individuelle Anpassungen vorzunehmen. Vorteile für die Freie Gemeinschaftsbank Anpassungen an gesetzliche Vorgaben werden durch den Betreiber der Software vorgenommen. Damit sinken die rechtlichen Risiken. Durch die bessere Anbindung an das Bankennetz ergeben sich Erleichterungen im Zahlungsverkehr. Viele Arbeiten können einfacher und schneller durchgeführt werden. Neue Angebote wie Maestro Karte und E-Banking können leichter eingeführt werden. Belege können monatlich versandt werden. Dadurch kann der Versandaufwand reduziert werden. Max Ruhri Die Kundenzeitung der Freien Gemeinschaftsbank Genossenschaft

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