Klassenwiederholung in Baden-Württemberg und Finnland

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1 Landtag von Baden-Württemberg 15. Wahlperiode Drucksache 15 / Antrag der Abg. Georg Wacker u. a. CDU und Stellungnahme des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Klassenwiederholung in Baden-Württemberg und Finnland Antrag Der Landtag wolle beschließen, die Landesregierung zu ersuchen zu berichten, 1. wie die Wiederholung von Klassen in Baden-Württemberg (Primar- und Sekundarstufen) konkret geregelt ist, insbesondere in wie vielen bzw. in welchen Fächern nicht ausreichende Leistungen einer Versetzung nicht im Wege stehen und wer über die Nicht-Versetzung entscheidet; 2. wie sich die Wiederholerzahlen in Baden-Württemberg an den verschiedenen Schularten darstellen; 3. inwiefern ihr bekannt ist, wie die Wiederholerzahlen in Baden-Württemberg im Vergleich zu den anderen Ländern bzw. im bundesweiten Durchschnitt einzuordnen sind; 4. ob sie plant, die Möglichkeit zur Klassenwiederholung in den jeweiligen differenzierten Schularten abzuschaffen bzw. an der Gemeinschaftsschule gar nicht erst einzuführen; 5. wie sie die Versetzung auf Probe als Möglichkeit zur Vermeidung von Klassenwiederholungen wertet und diese Maßnahme in Baden-Württemberg bisher erfolgreich praktiziert; 6. wie sie an der Gemeinschaftsschule sicherstellen will, dass Schülerinnen und Schüler, die nicht über die notwendige Kompetenz für die nächsthöhere Jahrgangsstufe auf mindestens Haupt- bzw. Werkrealschulniveau verfügen, nicht nach Klasse 10 ohne Abschluss abgehen müssen; Eingegangen: / Ausgegeben: Drucksachen und Plenarprotokolle sind im Internet abrufbar unter: Der Landtag druckt auf Recyclingpapier, ausgezeichnet mit dem Umweltzeichen Der Blaue Engel. 1

2 7. inwiefern ihr bekannt ist, wie und in welchen Gesetzen und Verordnungen die Klassenwiederholung an den Einheitsschulen (peruskoulu) in Finnland konkret geregelt ist, insbesondere in wie vielen Fächern nicht ausreichende Leis - tungen einer Versetzung nicht im Wege stehen und wer über die Nicht-Versetzung entscheidet; 8. wie sich nach ihrer Kenntnis die Wiederholerzahlen in Finnland in den vergangenen zehn Jahren entwickelt haben; 9. welche Maßnahmen in Finnland im Rahmen der individuellen Förderung ergriffen werden, um Klassenwiederholungen zu verhindern; 10. inwiefern ihr bekannt ist, ob diese Maßnahmen in Finnland erfolgreich zur Vermeidung von Klassenwiederholungen eingesetzt werden Wacker, Traub, Dr. Stolz, Müller, Kurtz CDU Begründung In verschiedenen Bundesländern wird das Wiederholen von Klassen derzeit abgeschafft. Auch die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg hat sich immer wieder negativ über das Sitzenbleiben geäußert und hat an anderer Stelle (Abschaffung bestehender Notenhürden für die Versetzung in Klasse 10 der Werk - realschule oder die Aufnahme in die zweijährige Berufsfachschule bzw. Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung) gezeigt, dass sie der Leistungs - beurteilung eine geringere Wertigkeit beimisst, als dies bei vergangenen Landesregierungen der Fall war. Kultusminister Stoch sprach sich zuletzt klar für die Abschaffung der Klassenwiederholung aus: Die Angst vor dem Sitzenbleiben ist keine sinnvolle Lernmotivation für die Schülerinnen und Schüler. Diese Äußerung ist dem bildungspolitischen wie pädagogischen Populismus geschuldet. In verschiedenen Verlautbarungen des Kultusministeriums und seiner Amtsspitze wird in dieser Frage immer wieder auf den PISA-Sieger Finnland verwiesen. Unter anderem wird fälschlicherweise behauptet, dass es in Finnland keine Klassenwiederholung gebe. Zwar ist es in Finnland erklärtes Ziel, Klassenwieder - holungen zu vermeiden dennoch sind diese eindeutig in den gesetzlichen Grundlagen für die Schulen vorgesehen und werden auch praktiziert. Aus Berichten ist bekannt, dass gegen Schuljahresende ein erheblicher Druck entsteht, wenn Schülerleistungen nicht dem Klassenziel entsprechen. Und es werden trotz umfangreicher Fördermaßnahmen für Finnland Wiederholerquoten von rund 3 % genannt, was die baden-württembergische Quote deutlich überschreiten würde. Aus Sicht der CDU-Landtagsfraktion hat sich das bisherige Modell der Klassenwiederholung mit der Möglichkeit der Versetzung auf Probe bewährt, was auch die Wiederholerzahlen im bundesweiten Vergleich aber eben auch im Vergleich zu Finnland zeigen. Schülerinnen und Schüler erhalten durch das sogenannte Sitzenbleiben die Möglichkeit, durch das Wiederholen und Vertiefen des Unterrichtsstoffs einen Lernfortschritt zu erzielen und transportieren den Rückstand nicht von Jahr zu Jahr weiter, was zu einer permanenten Überforderung und Demotivation führen würde. Dies würde nicht nur die Qualität unseres Schul - wesens, sondern in allererster Linie die Chancen der betroffenen Schülerinnen und Schüler auf ihren individuellen Bildungserfolg gefährden. 2

3 Stellungnahme Mit Schreiben vom 2. April 2013 Nr /240/1 nimmt das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport zu dem Antrag wie folgt Stellung: Der Landtag wolle beschließen, die Landesregierung zu ersuchen zu berichten, 1. wie die Wiederholung von Klassen in Baden-Württemberg (Primar- und Sekundarstufen) konkret geregelt ist, insbesondere in wie vielen bzw. in welchen Fächern nicht ausreichende Leistungen einer Versetzung nicht im Wege stehen und wer über die Nicht-Versetzung entscheidet; Im Einzelnen ist dies den Versetzungsordnungen zu entnehmen. Allgemein lassen sich die Regelungen wie folgt zusammenfassen. Die Länge der Bildungsgänge ist jeweils pauschal vorgegeben. Diese Pauschalität wird aber nicht jedem Einzelfall gerecht. Daher gibt es die Möglichkeit des freiwilligen Überspringens einer Klasse ebenso wie die freiwillige Wiederholung und die (ggf. unfreiwillige) Nichtversetzung. Eine Versetzung in die nächsthöhere Klasse setzt voraus, dass ein Schüler den Leistungsanforderungen in den für eine Versetzung maßgebenden Fächern im laufenden Schuljahr im Ganzen entsprochen hat und deshalb erwartet werden kann, dass er den Anforderungen der nächst höheren Klasse gewachsen sein wird. Die Entscheidung von den nachfolgend genannten Sonderformen einer Versetzung abgesehen knüpft an ein bestimmtes Notenbild an. Dabei besteht die Möglichkeit, Schwächen in dem einen Fach durch gute oder befriedigende Noten in einem anderen Fach auszugleichen. Ein Schüler, der im Jahreszeugnis nach den Versetzungsregelungen ein hin - reichendes Notenbild aufweist, hat einen Anspruch auf Versetzung. Weist er ein solches Notenbild nicht auf, entscheidet die Klassenkonferenz, die in folgenden Fällen trotz des mangelnden Notenbildes eine Versetzung ermöglichen kann: In der Grundschule steigt ein Schüler ohne Versetzungsentscheidung von Klasse 1 nach Klasse 2 auf. Im Übrigen gibt es auch dort die Möglichkeiten des Aussetzens einer Versetzungsentscheidung, des Überspringens einer Klasse sowie der freiwilligen Wiederholung einer Klasse. Versetzung mit 2/3 Mehrheit der Klassenkonferenz (untypischer Leistungsabfall) Ausnahmsweise kann die Klassenkonferenz einen Schüler, der nach den Noten nicht zu versetzen wäre, mit Zweidrittelmehrheit versetzen, wenn sie zu der Auffassung gelangt, dass seine Leistungen nur vorübergehend nicht für die Versetzung ausreichen und dass er nach einer Übergangszeit den Anforderungen der nächsthöheren Klasse voraussichtlich gewachsen sein wird. Diese Bestimmung darf nicht zwei Schuljahre hintereinander angewendet werden. Aufnahme nichtversetzter Schüler auf Probe in die nächsthöhere Klasse Die Klassenkonferenz kann im Einvernehmen mit dem Schulleiter nicht versetzten Schülern, welche die Klasse wiederholen können, für einen Zeitraum von etwa vier Wochen die Aufnahme auf Probe in die nächsthöhere Klasse gestatten, wenn sie zu der Auffassung gelangt, dass die Schüler die Mängel in den unter ausreichend bewerteten Fächern oder Fächerverbünden in absehbarer Zeit beheben werden. Aussetzung der Versetzungsentscheidung Wenn der Schüler an sich das schulartgemäße Leistungspotenzial mitbringt, aber durch besondere Umstände, insbesondere Krankheit, in seinem Leistungsvermögen beeinträchtigt war, besteht die Möglichkeit die Versetzungsentscheidung für längstens ein halbes Schuljahr auszusetzen. Der Schüler nimmt in dieser Zeit am Unterricht der nächsthöheren Klasse teil. 3

4 Übergang in die nächsthöhere Klasse nach der Multilateralen Versetzungsordnung (MVO) Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein nichtversetzter Schüler vom Gymnasium in die nächsthöhe Klasse der Realschule und von der Realschule in die nächsthöhere Klasse der Werkrealschule/Hauptschule wechseln. So kann die Klassenkonferenz in den Klassen 5 und 6 der Gymnasien eine für die Realschule verbindliche Empfehlung für die nächsthöhere Klasse aussprechen, auch in den Klassen 7 und 8 muss die Realschule den Schüler in die nächsthöhere Klasse aufnehmen, wenn er ein entsprechendes Notenbild mitbringt. Genügen die Noten nicht, so kann die Realschule ihn nach pflichtgemäßem Ermessen in die nächst - höhere Klasse aufnehmen. Allerdings können die Eltern stattdessen auch auf eine Wiederholung der Klasse in der bisherigen Schule votieren. 2. wie sich die Wiederholerzahlen in Baden-Württemberg an den verschiedenen Schularten darstellen; Die Wiederholerzahlen an den allgemein bildenden Schulen in Baden-Württemberg im Schuljahr 2011/2012 und die entsprechenden Quoten sind in der folgenden Tabelle dargestellt: Schulart Wiederholerzahl 1) 1) 2) Quote Grundschule ,6 % Werkreal-/Hauptschule ,0 % Realschule ,9 % Gymnasium ,5 % (G8) / 1,0 % (G9; nur noch Jahrgangsstufe 2) Schule besonderer Art 92 2,2 % Insgesamt ,2 % 1) In der Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes werden für die Klassenstufen 1 und 2 generell keine Wiederholer ausgewiesen. 2) Anteil an den jeweiligen Schülern. Quelle: Statistisches Bundesamt; Fachserie 11, Reihe / inwiefern ihr bekannt ist, wie die Wiederholerzahlen in Baden-Württemberg im Vergleich zu den anderen Ländern bzw. im bundesweiten Durchschnitt einzuordnen sind; Im Vergleich aller Länder in Deutschland lag Baden-Württemberg im Schuljahr 2011/2012 mit einer Wiederholerquote von insgesamt 1,2 % gemeinsam mit Schleswig-Holstein auf dem zweiten Platz hinter Brandenburg mit einer Wiederholerquote von 1,1 %; die bundesweite Quote lag bei 1,9 %. Entsprechende Vergleichszahlen zum Schuljahr 2012/2013 liegen noch nicht vor. 4. ob sie plant, die Möglichkeit zur Klassenwiederholung in den jeweiligen differenzierten Schularten abzuschaffen bzw. an der Gemeinschaftsschule gar nicht erst einzuführen; Die Möglichkeit, Klassenwiederholungen im gegliederten Schulwesen abzuschaffen, würde eine Änderung des Schulgesetzes voraussetzen. Es ist seitens der Landesregierung nicht geplant, einen entsprechenden Entwurf in den Landtag einzubringen. Für die Gemeinschaftsschule ist die Rechtslage in der Verordnung des Kultus - ministeriums über die Sekundarstufe I der Gemeinschaftsschule vom 22. Juni 2012 geklärt. Der Bildungsgang an der Gemeinschaftsschule dauert nach Maß - gabe von 8 a Absatz 4 SchG fünf oder sechs Schuljahre. Im Gegensatz zum gegliederten Schulwesen kann die Gemeinschaftsschule sehr viel stärker auf die 4

5 Individualität des Schülers eingehen, so dass dort während des Bildungsganges Wiederholungen gegen den Willen der Betroffenen ausgeschlossen sind. Allerdings bleibt im Abschlussjahrgang der Sekundarstufe I die Wiederholung möglich, wenn der jeweilige Abschluss nicht erreicht wurde. Auch kann in Ausnahmefällen der Bildungsgang auf Beschluss der Lerngruppenkonferenz und im Einverständnis mit den Erziehungsberechtigten um ein Jahr verkürzt oder verlängert werden. In der Oberstufe der Gemeinschaftsschule gelten die allgemeinen Regelungen des Gymnasiums. Durch kontinuierliche und differenzierte Leistungsrückmeldung an der Gemeinschaftsschule sowie durch die enge Kooperation mit den Eltern (vgl. die Ausführungen zu Ziffer 6.) ist eine Klassenwiederholung an der Gemeinschaftsschule nicht vorgesehen. 5. wie sie die Versetzung auf Probe als Möglichkeit zur Vermeidung von Klassenwiederholungen wertet und diese Maßnahme in Baden-Württemberg bisher erfolgreich praktiziert; Im Februar 2004 wurden erstmals die Versetzungsordnungen der Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien um die Möglichkeit einer Versetzung auf Probe erweitert. In der Folge wurde diese Regelung auch für die Werkrealschulen übernommen. Nicht versetzte Schüler können demnach für etwa vier Wochen die nächsthöhere Klasse probeweise besuchen, wenn sie die bisher besuchte Klasse wiederholen könnten und die Klassenkonferenz eine probeweise Versetzung im Einvernehmen mit dem Schulleiter gestattet. Die Möglichkeit zur probeweisen Versetzung wird in unterschiedlicher Ausprägung in den verschiedenen Schularten praktiziert. Im Rahmen der amtlichen Schulstatistik werden die Schülerinnen und Schüler, die am Ende des vorangegangenen Schuljahres das Klassenziel nicht erreicht haben, erhoben sowie als Darunter-Position die auf Probe aufgenommenen Schülerinnen und Schüler. Von den in den Schuljahren 2007/2008 bis 2011/2012 auf Probe Aufgenommenen lag der Anteil bezogen auf die Schülerinnen und Schüler, die am Ende des jeweiligen Vorjahres das Klassenziel nicht erreicht hatten, an den Werkreal- und Hauptschulen bei rund 5 bis 8 %, an den Realschulen bei rund 4 bis 6 % sowie an den Gymnasien bei rund 5 bis 9 %. Nicht im Rahmen der amtlichen Schulstatistik gesondert erhoben wird die Zahl der auf Probe aufgenommenen Schülerinnen und Schüler, welche entsprechend der jeweiligen Kriterien erfolgreich in die nächsthöhere Klasse übergehen. Die Schulleitungen der Werkrealschule/Hauptschule begrüßen durchweg das gefundene Instrumentarium. Es hat sich gezeigt, dass die Chance zur Überprüfung einzelner unzureichender schulischer Leistungen genutzt und als Motivations - instrumentarium für die betroffene Schülergruppe gesehen wird. In der Realschule ist der Anteil der Nichtversetzten höher, der Anteil der auf Probe Aufgenommenen meist geringer als in den Werkreal-/Hauptschulen und Gymnasien. Daher wird die Maßnahme überwiegend auch von Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern sowie von den betroffenen Eltern positiv beurteilt. Auch in den Gymnasien wird die Möglichkeit einer Versetzung auf Probe, wie sie in der Versetzungsordnung der Schularten geregelt ist, nach wie vor für eine sinnvolle pädagogische Maßnahme gehalten, die zur Vermeidung einer Wiederholung einzelner Klassenstufen beitragen kann. Mit Ausnahme der Schule für Geistigbehinderte hier gibt es eigene Vorgaben zur Schulzeitverlängerung orientieren sich die Sonderschulen an den allgemeinen Schulen vergleichbaren Vorgaben zu Versetzungsentscheiden. Zahlen zur Versetzung auf Probe an Sonderschulen liegen dem Ministerium nicht vor. Nachdem das Thema der probeweisen Versetzung an Sonderschulen noch nie Gegenstand der Erörterung war, wird davon ausgegangen, dass vor Ort zwischen den Beteiligten im Einzelfall einvernehmliche Lösungen erreicht werden. 5

6 Eine Nichtversetzung in der Grundschule wird generell äußerst selten praktiziert. Die Versetzung auf Probe ist ein probates zusätzliches Instrument, um Nichtversetzungen zu vermeiden. 6. wie sie an der Gemeinschaftsschule sicherstellen will, dass Schülerinnen und Schüler, die nicht über die notwendige Kompetenz für die nächsthöhere Jahrgangsstufe auf mindestens Haupt- bzw. Werkrealschulniveau verfügen, nicht nach Klasse 10 ohne Abschluss abgehen müssen; An den Gemeinschaftsschulen erfolgen regelmäßige differenzierte Beurteilungen über den individuellen Entwicklungs- und Leistungsstand. Dazu werden regelmäßig schriftliche, mündliche oder praktische Leistungserhebungen durchgeführt. Zum Schulhalbjahr und am Ende des Schuljahres erhalten die Schüler eine schriftliche Information über ihre Leistungen in den einzelnen Fächern und Fächerverbünden. Dabei wird kenntlich gemacht, auf welcher Anforderungsebene die Leistungen erbracht wurden. Auf Wunsch der Erziehungsberechtigten sind dabei zusätzliche Noten oder Notentendenzen auszubringen. Die Gemeinschaftsschule kann auf die individuelle Situation des Schülers ein - gehen. Die Schüler an der Gemeinschaftsschule erwerben je nach ihren individuellen Leistungsmöglichkeiten im fünften oder sechsten Schuljahr der Sekundarstufe I den Hauptschulabschluss oder im sechsten Schuljahr den Realschulabschluss oder einen dem Realschulabschluss gleichwertigen Bildungsstand durch die Versetzung in die Eingangsklasse der gymnasialen Oberstufe. Zusätzlich besteht die Möglichkeit der freiwilligen Wiederholung und der Wiederholung des Abschlussjahres, wenn die Prüfung nicht bestanden wurde. Im Abschlussjahr wird der einzelne Schüler in allen Fächern und Fächerverbünden nach den Bildungsstandards des angestrebten Bildungsabschlusses unterrichtet. Die Schule berät die einzelnen Erziehungsberechtigten und Schüler am Ende des vorausgehenden Schuljahres, für die Erreichung welchen Bildungsabschlusses sie den einzelnen Schüler geeignet hält, und gibt eine entsprechende Empfehlung ab. Im Abschlussjahr gelten je nach den zugrunde liegenden Bildungsstandards die Abschlussprüfungsordnungen für die Realschule oder die Regelungen für den Hauptschulabschluss oder die für den Bildungsabschluss maßgeblichen Regelungen der Versetzungsordnung Gymnasien sowie die Notenbildungsverordnung. Durch die kontinuierliche und differenzierende Leistungsrückmeldung an der Gemeinschaftsschule sowie durch die enge Kooperation mit den Eltern wird gewährleistet, dass die Schülerinnen und Schüler auf den für sie optimalen Bildungsabschluss vorbereitet werden. Für junge Menschen, für die das Staatliche Schulamt den Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot im Sinne der Förderschule oder der Schule für Geistigbehinderte förmlich festgestellt hat, besteht die Möglichkeit, den ihren Voraussetzungen entsprechenden Bildungsabschluss zu erlangen. Im Übrigen gibt es den Werkrealschulabschluss an der Gemeinschaftsschule nicht. 6

7 7. inwiefern ihr bekannt ist, wie und in welchen Gesetzen und Verordnungen die Klassenwiederholung an den Einheitsschulen (peruskoulu) in Finnland konkret geregelt ist, insbesondere in wie vielen Fächern nicht ausreichende Leis - tungen einer Versetzung nicht im Wege stehen und wer über die Nicht-Versetzung entscheidet; 8. wie sich nach ihrer Kenntnis die Wiederholerzahlen in Finnland in den vergangenen zehn Jahren entwickelt haben; 9. welche Maßnahmen in Finnland im Rahmen der individuellen Förderung ergriffen werden, um Klassenwiederholungen zu verhindern; 10. inwiefern ihr bekannt ist, ob diese Maßnahmen in Finnland erfolgreich zur Vermeidung von Klassenwiederholungen eingesetzt werden. Das Kultusministerium hat sich zur Beantwortung der Fragen 7. bis 10. an die Botschaft von Finnland gewandt, um sicherzustellen, dass die entsprechenden Informationen valide und belastbar sind. Sobald die Antwort der Botschaft dem Kultusministerium vorliegt, wird es diese Informationen umgehend nachreichen. In Vertretung Dr. Ruep Ministerialdirektorin 7

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