Bern s Ritterschlag mit dem Fussverkehr

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1 Stadt Bern Direktion für Tiefbau Verkehr und Stadtgrün Bewerbungsdossier für den Flâneur d Or Fussverkehrspreis Infrastruktur 2011 Bern s Ritterschlag mit dem Fussverkehr Fussgänger- und behindertengerechte Verbindungen auf dem gesamten Gemeindegebiet Kurzbeschrieb Mit dem Projekt Fusswegverbindungen für alle wurden in der Stadt Bern unter der Federführung der Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün innerhalb von knapp zehn Jahren 1750 Trottoirabsenkungen realisiert. Diese fussgänger- und behindertengerechten Infrastrukturmassnahmen konnten durch einen vom Stadtrat bewilligten Kredit in der Höhe von Fr. 3,975 Millionen finanziert werden. Sie tragen nicht nur zur allgemeinen Erhöhung der Qualität und Attraktivität des Zufussgehens bei, sondern erleichtern insbesondere auch den schwachen Verkehrsteilnehmenden den Zugang und die Benutzung des öffentlichen Raumes. Die konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Stadt Bern und der Behindertenorganisation Region Bern und Umgebung schuf in der Öffentlichkeit wie auch in der Planung und Umsetzung von Bauvorhaben eine grosse Sensibilisierung für behindertengerechtes Bauen und erzeugte für alle folgenden Projekte eine Signalwirkung. Durch die gut organisierte Baukoordination in der Stadt Bern wurden viele Trottoirabsenkungen im Rahmen koordinierter Projekte umgesetzt. Diese Synergien führten zu einem effizienten Einsatz der finanziellen Mittel, so dass das Projekt mit Minderkosten abgeschlossen werden konnte. Die Stadt Bern, welche sich mit grossem Engagement für die Förderung des Langsamverkehrs einsetzt, wird das hindernisfreie Bauen weiterhin konsequent anwenden und künftige Projekte in enger Zusammenarbeit mit Behindertenorganisationen ausführen.

2 Bern s Ritterschlag mit dem Fussverkehr Seite 2/7 Ausgangslage Die Stadt Bern hat das Potential des Fussverkehrs schon vor vielen Jahren erkannt. Im Wissen darum, dass zu Fuss Gehende einen wesentlichen Beitrag zur Umwelt, zur Gesundheit und zur viel gerühmten Lebensqualität der Stadt Bern leisten, setzt sie sich mit unermüdlichem Einsatz für die konsequente Förderung des Fussverkehrs ein. Eine eigens geschaffene Fachstelle zur Förderung des Langsamverkehrs engagiert sich seit über zehn Jahren für die Anliegen der zu Fuss Gehenden. Im Zentrum steht die Umsetzung von sicheren, durchgehenden und direkten Langsamverkehrsverbindungen, attraktiven Umsteigebeziehungen sowie die Förderung der schwachen Verkehrsteilnehmenden (Fussgänger, Velofahrende, Kinder, Betagte, Behinderte). Die Förderung des Langsamverkehrs hat sich inzwischen voll und ganz etabliert und ist aus Bern nicht mehr wegzudenken. Gemäss der Strategie Bern 2020 und den Legislaturrichtlinien des Gemeinderats geniesst die Förderung des stadt- und umweltverträglichen Langsamverkehrs zusammen mit dem öffentlichen Verkehr Vorrang gegenüber dem motorisierten Individualverkehr. Der Langsamverkehr als integraler Bestandteil des Strassenverkehrs soll neben dem öffentlichen Verkehr als Hauptträger der Mobilität gestärkt werden. Projektbeschrieb Im Rahmen des Projekts Fusswegverbindungen für alle wurde im Jahr 2002 beschlossen, während den folgenden zehn Jahren Trottoirabsenkungen flächendeckend auf dem gesamten Gemeindegebiet von Bern zu realisieren. Das Projekt hatte zum Ziel, dass jedes Trottoir in der Stadt Bern über mindestens eine Stelle verfügen soll, die es Menschen im Rollstuhl oder mit einer Gehbehinderung erlaubt, den Gehbereich betreten, befahren und verlassen zu können. Solche fussgängerfreundlichen Infrastrukturmassnahmen sollen nicht nur die Qualität und Attraktivität des Zufussgehens erhöhen, sondern auch einen Beitrag zur Förderung der schwachen Verkehrsteilnehmenden leisten, indem ihnen die Benutzung des öffentlichen Raumes erleichtert wird. Organisation und Vorgehen An der Ausführung des Gesamtprojektes waren verschiedene Planer und Bauunternehmungen beteiligt. Die Bauherrschaft und Gesamtleitung lag bei der Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün, welche von Gemeinderätin Regula Rytz geführt und durch das Tiefbauamt vertreten war. Die Projekt- und Bauleitung übernahm die Ingenieurgemeinschaft Hager + Bettschen / Foppa sowie Guyer + Kiener AG.

3 Bern s Ritterschlag mit dem Fussverkehr Seite 3/7 Für die bauliche Umsetzung sorgten folgende Bauunternehmungen: Bautag Bern AG Friedli + Caprani AG Implenia AG Kästli AG Kocherhans AG Künzi AG Lehmann + Huldi AG Marti AG Spedibau AG Stucki AG Walo Bertschinger AG Weibel AG Weibel Muri AG Weiss + Appetito AG Batt AG Nach einem ersten Pilotversuch im Jahr 2000, bei welchem 30 Trottoirabsenkungen realisiert wurden, erfolgte eine flächendeckende Bestandesaufnahme auf dem gesamten Gemeindegebiet der Stadt Bern (Auszug s. Anhang 1). In minuziöser Arbeit wurde ermittelt, wo zusätzliche Trottoirabsenkungen notwendig waren. Nicht nur bestehende Fussgängerstreifen erhielten dabei eine besondere Aufmerksamkeit, sondern auch die Umgebung von Kindergärten, Schulhäusern, Altersheimen, Quartierzentren sowie Haltestellen des öffentlichen Verkehrs. Überall wurde geprüft, wo die Mobilität von Menschen mit Gehhilfen, Kinderwagen usw. verbessern werden konnte. Die gewonnenen Informationen flossen in ein Gesamtkonzept ein, welches die Grundlage für den Kreditantrag im Stadtrat war. Im Jahr 2002 wurde der Kredit bewilligt, so dass das Projekt definitiv gestartet werden konnte. Bei der Umsetzung wurde grossen Wert darauf gelegt, nicht nur auf allgemeine Wünsche aus der Bevölkerung einzugehen, sondern auch die Bedürfnisse und Anliegen von Menschen mit Behinderungen zu berücksichtigen. Aus diesem Grund wurde die gesamte Bauphase durch eine Arbeitsgruppe begleitet, in welcher neben dem Tiefbauamt und den planenden Ingenieuren auch die Behindertenorganisation Region Bern und Umgebung vertreten war. Diese enge Zusammenarbeit bewährte sich sehr, da laufend weitere Problemstellen eruiert, abgeklärt und entschärft werden konnten. Zudem wurde eine Sensibilisierung für behindertengerechtes Bauen geschaffen, denn die Arbeit zeigte eindrücklich auf, mit wie vielen Problemen behinderte Menschen sich tagtäglich im öffentlichen Raum bewegen müssen. Auch Aussenstehende (z.b. die Kantone Aargau, Zürich, Basel Stadt, St.Gallen) wurden auf das Projekt aufmerksam, weshalb eine gewisse Signalwirkung in der Arbeit für das behindertengerechte Bauen erzeugt werden konnte. Neben behindertengerechten Aspekten mussten auch denkmalpflegerische Anliegen berücksichtigt werden. Insbesondere für den Bereich der Innenstadt galt es diverse Kompromissvorschläge auszuhandeln.

4 Bern s Ritterschlag mit dem Fussverkehr Seite 4/7 Überhaupt brauchte es von Seiten aller Beteiligten grosse Flexibilität bei der Realisierung des Projektes. Bei grossen, übergeordneten Projekten verlängerte sich manchmal die Bauzeit, so dass mehrmals eine Änderung der Verkehrsführung resultierte, was wiederum die konzeptionelle Anordnung der Absenkungen beeinflusste. Wann immer möglich erfolgte die Planung und Realisierung der Massnahmen im Rahmen von Betriebs- und Unterhaltsarbeiten sowie koordinierten Projekten von allen im öffentlichen Raum tätigen Bauherrschaften. Dieses Vorgehen hat sich bestens bewährt und zu vielen Synergien und Kosteneinsparungen geführt. Durch diese Koordination konnte bei den verschiedenen Bauherrschaften auch das Verständnis für fussgängerfreundliche Anlagen geweckt und gefördert werden. Umsetzung Die Trottoirabsenkungen wurden immer nach dem gleichen Prinzip erstellt und basieren auf den Normalien des Tiefbauamtes der Stadt Bern, welche zusammen mit der Behindertenorganisation ausgearbeitet wurden und seit 2000 als verbindlich gelten. Die Absenkung des Randsteins erfolgt dabei immer auf eine Höhe von mindestens zwei und maximal drei Zentimeter (s. Gestaltungsrichtlinien und Normalien im Anhang 2 und 3, inkl. Quer- und Längsprofile). Konnten geplante Objekte aus technischen, rechtlichen, oder finanziellen Gründen nicht erstellt werden, erfolgten Abklärungen für Ersatzmassnahmen in unmittelbarer Nähe der geplanten Trottoirabsenkungen. Der Fokus lag dabei immer in einer hohen Gestaltungsqualität und praktischen Nutzung der Infrastruktur, um so attraktive, sichere und komfortable Fusswegverbindungen zu schaffen. Das vorgegebene Projektziel von zehn Jahren konnte bereits gut ein Jahr früher erreicht werden: Insgesamt wurden bis ins vergangene Jahr 1750 Trottoirabsenkungen auf dem gesamten Gemeindegebiet von Bern realisiert. Ein Auszug aus dem Gesamtplan der realisierten Massnahmen sowie aus den zahlreichen Fotodokumentationen ist dem Anhang 4 bzw. 5 zu entnehmen. Finanzierung Für das Gesamtprojekt war ein Kredit von Fr notwendig, welcher 2002 vom Stadtrat genehmigt wurde. Ursprünglich war mit weit höheren Kosten für das Projekt gerechnet worden. Dank dem im Jahr 2000 installierten Baukoordinations-Tool des Tiefbauamts der Stadt Bern konnten die Kosten aber massiv gesenkt werden. Dieses Tool erlaubt die Koordination der Projekte aller im öffentlichen Raum tätigen Bauherrschaften. Fast 70 Prozent der Absenkungen konnten so im Rahmen von Tiefbau- und Werkleitungsarbeiten realisiert werden. Die Kosten gingen jeweils zulasten der jeweiligen Objektkredite. Die Trottoirabsenkungen wurden nicht nur im Zuge von öffentlichen, sondern auch von privaten Bauvorhaben vollzogen: Die Bauherren erhielten die Auflage, Trottoirabsenkungen in ihre Arbeiten zu integrieren. Mehrkosten entstanden dadurch nicht, weil die Umgebung ohnehin wieder instand gestellt werden musste. Durch die koordinierten Arbeiten im Rahmen des Kostenvoranschlages konnte der Baukredit also gehalten werden, so da

5 Bern s Ritterschlag mit dem Fussverkehr Seite 5/7 ss sogar Minderkosten im Rahmen von ca. Fr resultierten. Die Bausumme konnte zudem ein Bauvolumen von Fr. 10' auslösen. Die im Kostenvoranschlag berechneten Durchschnittskosten von Fr. 5'000 pro Absenkung erwiesen sich als praxisnah und richtig. Preisunterschiede fielen im Allgemeinen sehr klein aus. Allerdings gab es einzelne Massnahmen, vor allem im heiklen Innenstadtbereich, die je nach Schwierigkeitsgrad bis zu Fr. 25'000 pro Absenkung kosteten. Die Kostensituation konnte laufend überprüft werden und ergab eine günstige Ausführung der gesamten Anlagen. Die flächendeckenden Submissionen mit jeweiligen Einladungsverfahren über ca. 25 Absenkungen erwirkten eine gleichbleibende Preisstruktur, die eine Teuerung über die Gesamtzeit nahezu ausschloss. Chronik-Übersicht 1998 Die Motion Fusswegverbindungen für alle wird erheblich erklärt 2000 Gründung einer Arbeitsgruppe, bestehend aus Verwaltung, Planenden und Behindertenorganisation Pilotversuch mit der Umsetzung der ersten 30 Trottoirabsenkungen Flächendeckende Bestandesaufnahme auf dem gesamten Gemeindegebiet Konzepterstellung 2002 Beschluss zur Umsetzung des Projektes Fusswegverbindungen für alle sowie Bewilligung für den dafür erforderlichen Kredit von Fr durch den Stadtrat Bern Umsetzung 2010 Feierlicher Projektabschluss anlässlich der Trottoirabsenkung Fazit Durch das Projekt konnte eine konstruktive und kooperative Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen internen und externen Stellen geschaffen und gefördert werden: Tiefbauamt, Verkehrsplanung, Fachstelle Fuss- und Veloverkehr, Fachstelle Gestaltung im öffentlichen Raum, Fachstelle Sicherheit im öffentlichen Raum, Denkmalpflege, Behindertenorganisation Region Bern und Umgebung sowie privaten Bauunternehmungen. Neben dem Engagement dieser Beteiligten erfolgte zudem die wichtige Sensibilisierung für fussgänger- und behindertenfreundlichen Infrastrukturen sowohl in der Öffentlichkeit wie auch für zukünftige Planungen. Für das behindertengerechte Bauen in der Stadt Bern konnte eine regelrechte Signalwirkung erzielt werden.

6 Bern s Ritterschlag mit dem Fussverkehr Seite 6/7 Das Projekt zeichnet sich auch dadurch aus, dass es einfach nachzuahmen ist und leicht auf andere Gemeinden zu übertragen ist. Mit Hilfe von Koordinationsinstrumenten (wie z.b. dem Baukoordinations-Tool des Tiefbauamtes der Stadt Bern), lassen sich bei anfallenden Sanierungs- und Planungsarbeiten ohne grossen Aufwand Trottoirabsenkungen realisieren. So können Synergien genutzt und die finanziellen Mittel effizient eingesetzt werden. Mit den ausgeführten 1750 Trottoirabsenkungen ist das Projekt Fusswegverbindungen für alle zwar abgeschlossen. Die Stadt Bern erachtet diesen Erfolg jedoch als Basis, auf welcher weiterhin aufgebaut und Optimierungen im öffentlichen Raum zur Förderung von fussgängerfreundlichen Infrastrukturen angestrebt werden. Auch in den aktuellen und zukünftigen Planungen und Sanierungsarbeiten werden laufend Trottoirabsenkungen vorgesehen, um den zu Fuss Gehenden attraktive, sichere und komfortable Fusswegverbindungen zur Verfügung stellen zu können. Die Stadt Bern wird das hindernisfreie Bauen weiterhin konsequent anwenden und künftige Projekte in enger Zusammenarbeit mit Behindertenorganisationen und in Anlehnung an die übergeordnete Gesetzgebung ausführen.

7 Bern s Ritterschlag mit dem Fussverkehr Seite 7/7 Anhang 1 Kleiner Planausschnitt aus der Bestandesaufnahme zu den geplanten Trottoirabsenkungen, Gestaltungsrichtlinie des Stadtplanungsamtes zu den Absenkungen bei Fussgängerübergängen 3 Normblatt 2-31 zu den Randsteinabsenkungen aus den Normalien des Tiefbauamtes 4 Auszug aus dem dreiteiligen Gesamtplan der realisierten Trottoirabsenkungen, Auszug aus den Fotodokumentationen: Vorher-Nachher-Aufnahmen

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