Beitrag zur Konferenz Perspektiven des Nordens im Nordstaat der IHK Flensburg und der Universität Flensburg 31. Mai-1.Juni 2007

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1 Der Norden von der Elbe aus gesehen Hinterland, Ballast oder Ergänzungsraum nzungsraum? Beitrag zur Konferenz Perspektiven des Nordens im Nordstaat der IHK Flensburg und der Universität Flensburg 31. Mai-1.Juni 2007 Konrad Lammers Europa-Kolleg Hamburg Institut für Integrationsforschung, Universität Hamburg

2 Perspektiven Vogelperspektive : Lohnt sich ein kleiner Nordstaat aus Hamburg und Schleswig-Holstein? Perspektive von der Elbe : Hinterland, Ballast, Ergänzungsraum? Konrad Lammers 2

3 Vogelperspektive Sind große Länder ökonomisch erfolgreicher? Nein! EU: kleine Länder haben höhere Wachstumsraten und weisen ein höheres Pro-Kopfeinkommen auf als große Länder Zu kleine Bundesländer in Deutschland? Eine Reihe von ökonomisch erfolgreichen EU-Ländern ist kleiner als Schleswig-Holstein! Konrad Lammers 3

4 Wohlstand, Entwicklungsdynamik und Ländergröße BIP-Pro-Kopf, 2004 Schaubild 1b: Zusammenhang zwischen Bevölkerungsgröße und Pro-Kopf-Einkommen in der EU LU BIP / Einwohner = 42472, ,35ln( Bevölkerung) IE DK FI AT PT SE BE NL GR Korrigiertes R²: 0,41. ES [ 0,00] [ 0,01] UK FR Bevölkerung in Millionen, 2004 Quelle: Eurostat (2006). Eigene Berechnungen. Konrad Lammers 4 IT DE

5 Vogelperspektive Gibt es Skaleneffekte? Nur begrenzt! Einsparpotential rein rechnerisch: rund 100 Mio. EURO auf der Ebene der politischen Führung und zentralen Verwaltung (0,5 vh der gesamten Ausgaben) rechnerisch ermitteltes Einsparpotential müsste politisch durchgesetzt werden ein Teil der Skaleneffekte lässt sich ohne Fusion realisieren spezieller Aspekt in Hamburg: ein beträchtlicher Teil des Personals im Bereich der politischen Führung und zentralen Verwaltung gehört zu den Bezirken Konrad Lammers 5

6 Vogelperspektive Ausgaben pro EW ( ) Schaubild 3a: Bereinigte Ausgaben der Länder im operativen Bereich je Einwohner, HB HH M-V SaarS-H S-A Bra Th Ber Sa R-P He Ausgaben pro Einwohner: Westdeutsche Flächenländer Trend: Westdeutsche Flächenländer Ausgaben pro Einwohner: Stadtstaaten Ausgaben pro Einwohner: Ostdeutsche Flächenländer N = 4424,33 55,59 ln( EW ) + 65,22 dummy _ ost ln( EW ) + 258,57 dummy _ stadt ln( EW ) R²: 0,90. [ 0,00] [ 0,53] [ 0,01] [ 0,00] Quelle: Statistisches Bundesamt (2006a). Eigene Berechnungen. Konrad Lammers 6 BW Einwohner (Tsd.) Ausgaben EW Ba N-W

7 Vogelperspektive Ausgaben pro EW ( ) Schaubild 3b: Bereinigte Ausgaben der Länder im Bereich politische Führung und zentrale Verwaltung, HB HH Saar S-H M-V S-A Bra Th Ber Sa R-P He Ausgaben pro Einwohner: Westdeutsche Flächenländer Trend: Westdeutsche Flächenländer Ausgaben pro Einwohner: Stadtstaaten Ausgaben pro Einwohner: Ostdeutsche Flächenländer N BW Ba N-W Einwohner (Tsd.) Ausgaben EW = 446,88 23,77 ln( EW ) + 6,45 dummy _ ost ln( EW ) + 3,85 dummy _ stadt ln( EW ) [ 0,00] [ 0,01] [ 0,00] [ 0,14] R²: 0,73. Quelle: Statistisches Bundesamt (2006a). Eigene Berechnungen. Konrad Lammers 7

8 Vogelperspektive Gibt es grenzüberschreitende Effekte? Ja, aber diese liefern nur ein Argument für eine Fusion von Hamburg mit seinem Umland, nicht mit ganz Schleswig-Holstein Allerdings: Bei einer Fusion wird eine räumliche Entwicklungspolitik möglich, die für das gemeinsame Bundesland ein insgesamt besseres wirtschaftliches Ergebnis erwarten lässt Bedingung hierfür: das fusionierte Land müsste unter den augenblicklichen und voraussichtlichen Entwicklungstendenzen insbesondere dem Agglomerationsraum Hamburg Beachtung schenken Konrad Lammers 8

9 Vogelperspektive Fazit: Das einzige tragfähige ökonomische Argument für einen kleinen Nordstaat liegt in den Verflechtungen im Agglomerationsraum Hamburg, der durch die Ländergrenze zerschnitten wird, und seinen voraussichtlichen Wachstumspotentialen begründet! Konrad Lammers 9

10 Perspektive von der Elbe Der Norden Schleswig-Holsteins ( jenseits des Kanals ) ist relativ weit weg von Hamburg Die Region wird kaum als bedeutsamer Wirtschaftspartner wahrgenommen, eher als Wochenendregion (Sylt, Segelreviere) Die Orientierung der Region auf Hamburg für überregionale Dienstleistungen wird als selbstverständlich betrachtet (weil tatsächlich oder vermeintlich ohne Alternative) Hamburg orientiert sich hauptsächlich an anderen Metropolregionen (Wettbewerb, Kooperationen), z. B. an der Öresundregion Die Region liegt nicht auf der Achse Hamburg- Kopenhagen/Malmö (HH - Kopenhagen über Flensburg: 6:10 h) (HH Kopenhagen über Puttgarden 4:40 h) Konrad Lammers 10

11 Fazit Der Norden von der Elbe aus gesehen Hinterland, Ballast oder Ergänzungsraum? Unter den gegenwärtigen Bedingungen: teils Hinterland, teils Ergänzungsraum Unter den Bedingungen eines kleinen Nordstaates: teils Hinterland, teils Ergänzungsraum. Ballast dann, wenn die Region sich als Verlierer in einem fusionierten Land generieren würde, um daraus (Finanz)ansprüche abzuleiten Konrad Lammers 11

12 Fazit Soll der Norden für oder gegen den Nordstaat sein? Wenn er für SH und HH insgesamt von Vorteil ist, sollte er im Interesse des gesamten Wirtschaftsraumes angestrebt werden. Ihn verhindern zu wollen, weil andere Landesteile davon mehr profitieren, wäre eine falsche, gefährliche Strategie! Ob der Nordstaat kommt oder nicht, hängt nicht unbedingt vom Willen des Nordens ab! Der Norden tut gut daran, eigene Stärken (weiter) zu entwickeln, unabhängig davon, ob der Nordstaat kommt oder nicht. Konrad Lammers 12

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