Atomausstieg 2015 und regionale Versorgungssicherheit. Atomkraft, Lastmanagement, Stromnetze, Versorgungssicherheit, Systemtransformation April 2011

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1 Atomausstieg 2015 und regionale Versorgungssicherheit Herausgeber/Institute: ZNES (Uni Flensburg) Autoren: Olav Hohmeyer et al. Datum: Themenbereiche: Schlagwörter: Atomkraft, Lastmanagement, Stromnetze, Versorgungssicherheit, Systemtransformation April 2011 Auftraggeber/Förderer: Seitenzahl: DUH 34 Zielsetzung und Fragestellung Das Kurzgutachten befasst sich damit, wie schnell ein Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland technisch und ökonomisch möglich ist. Es untersucht die Möglichkeit eines potenziellen Kernenergieausstiegs bis 2015 und die Folgen für die Versorgungssicherheit in verschiedenen Regionen Deutschlands. In Bezug auf den Klimaschutz wird der Frage

2 nachgegangen, wie trotz eines Kernenergieausstiegs bis 2015 die CO 2 -Emissionen der deutschen Stromerzeugung möglichst schnell auf Null reduziert werden können. Daneben werden die Auswirkungen der Abschaltung von sechs Kernkraftwerken im März 2011 auf den Börsenstrompreis und Stromimporte aus Tschechien analysiert. Zentrale Ergebnisse Atomausstieg ist bis 2015 möglich Einem frühzeitigen Ende der Kernenergienutzung in Deutschland bereits zum Ende des Jahres 2014 stehen keine gravierenden technischen oder volkswirtschaftlichen Gründe entgegen. Sowohl die Kraftwerkskapazitäten als auch die Netzkapazitäten sind ausreichend. Die Versorgungssicherheit bleibt gewährleistet Die Kapazität der konventionellen Kraftwerke reicht aus, um die Stromversorgung bereits ab 2015 auch ohne Kernkraftwerke zu jedem Zeitpunkt und in jeder Region Deutschlands sicherzustellen. Der Betrieb der älteren Kohle- und Gaskraftwerke muss dafür gegenüber einer angenommenen durchschnittlichen Lebensdauer von 35 Jahren um maximal 11 auf 46 Jahre verlängert werden. Das liegt im Bereich der normalen technischen Lebensdauer dieser Kraftwerke. Auch zum Zeitpunkt der Jahreshöchstlast stehen mindestens Megawatt Kraftwerksleistung für Systemdienstleistungen, ungeplante Kraftwerksausfälle und Wartungsarbeiten zur Verfügung. Zusätzliche Versorgungssicherheit kommt durch die Einbindung in den europäischen Strommarkt.

3 Potenziale Erneuerbarer Energien und Klimaschutz Der Ausbau regenerativer Energiequellen muss entschieden weitergetrieben werden, um klimaverträglich aus der Kernenergie auszusteigen. Eine 100 Prozent regenerative Stromversorgung ist in Deutschland bei forciertem Netzausbau und entsprechendem Ausbau von Speicherkapazitäten oder der Anbindung der bereits bestehenden sehr großen Speichermöglichkeiten in Norwegen bereits bis zum Jahr 2030 möglich. Die durch den beschleunigten Ausstieg aus der Atomenergie vorübergehend verursachten zusätzlichen CO2-Emissionen können später um ca. das Fünffache überkompensiert werden, wenn der Ausbau der regenerativen Stromerzeugung entsprechend den gegebenen Möglichkeiten beschleunigt wird. Internationaler Stromaustausch Im Rahmen des europäischen Strommarktes wird in Zeiten hoher Nachfrage und geringer Solar- und Windstromerzeugung Strom nach Deutschland importiert. In Zeiten hoher Wind- und Solarstromeinspeisung wird Deutschland auch zukünftig trotz der Abschaltung aller Kernkraftwerke als Exporteur am europäischen Strommarkt auftreten. In der zweiten Märzhälfte 2011 war Deutschland in der Tendenz zum Nettoimporteur geworden. Dies liegt allerdings nicht an mangelnden Erzeugungskapazitäten im Inland, sondern daran, dass in den Stunden des Stromimports der Strompreis in den Nachbarländern niedriger war. Die Analyse des Stromhandels mit Tschechien ab dem zeigt, dass bereits vor der Abschaltung der Kernkraftwerke in Deutschland in erheblichem Umfang Strom aus Tschechien importiert wurde. Ein deutlicher Anstieg der Importe aus Tschechien durch die Abschaltung der deutschen

4 Kernkraftwerke im März 2011 ist dagegen nicht festzustellen. Strompreise und Kosten Die Strompreisentwicklung im ersten Quartal 2011 zeigt keinen gravierenden Einfluss der Abschaltung von sechs deutschen Atomkraftwerken nach dem 15. März, sondern eine gleichbleibende Tendenz. Die Kosten für einen Übergang von der derzeitigen Stromversorgung auf eine 100 Prozent regenerative Stromversorgung beziffert der SRU im teuersten Jahr auf Zusatzkosten von 3,7 Cent pro Kilowattstunde oder ca. 150 Euro pro Jahr für einen Haushalt mit ca Kilowattstunden Jahresverbrauch. Zentrale Annahmen und Thesen Eine durch die Außerbetriebnahme des letzten deutschen Kernkraftwerks bis Ende 2014 vorübergehend entstehende Versorgungslücke kann durch vorhandene ältere Kohle- und Gaskraftwerke geschlossen werden. Ab dem Jahr 2022 ist keines dieser älteren Kraftwerke mehr erforderlich. Bereits im Jahr 2030 kann eine 100 Prozent regenerative Stromversorgung in Deutschland sichergestellt werden. Dies lässt sich aus dem Szenario des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU) ableiten. Im SRU-Szenario wird die vollständig regenerative Stromversorgung zwar erst kurz vor dem Jahr 2050 erreicht, was aber lediglich daran liegt, dass auch den heute noch im Bau befindlichen konventionellen Kraftwerken eine Betriebsdauer von 35 Jahren zugestanden wird.

5 Deswegen geht der SRU in seinem Szenario ab 2023 von einem gegenüber dem Zeitraum 2016 bis 2022 deutlich verlangsamten Ausbau der erneuerbaren Energien aus. Wenn das Ausbautempo dagegen beibehalten wird, sind 100 Prozent Strom aus Erneuerbaren Energien bereits 2030 möglich. Methodik Dem Kurzgutachten liegen die Studien des Sachverständigenrats für Umweltfragen von 2010 und 2011 für einen Übergang zu einer 100 Prozent regenerativen Stromversorgung zugrunde. Auf der Basis des SRU-Szenarios zur Entwicklung des Kraftwerksparks werden die Möglichkeiten und Implikationen eines auf 2015 vorgezogenen Atomausstiegs analysiert.

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