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1 2 M&A China/Deutschland Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter: ma-dialogue.com Plattform M&A China/Deutschland by Unternehmeredition Mai ,80 EUR M&A China/Deutschland Starker Renminbi heizt Outbound-M&A an Technologie gesichert Wisco gewinnt Vorsprung mit Tailored Blanks Seite 16 Kontrolle gewonnen Grammer übernimmt Joint-Venture-Anteile Seite 34 Neuen Weg beschritten Outbound-M&A-Summit in Shanghai Seite 52

2 RESULTS YOU CAN RELY ON AMSTERDAM BEIJING CHICAGO FRANKFURT LONDON LOS ANGELES MADRID MILAN MOSCOW MUMBAI NEW YORK PARIS SÃO PAULO TOKYO VIENNA ZURICH UNSER ÜBERRAGENDES GESCHÄFTSMODELL Als global aufgestelltes, integriertes M&A-Beratungshaus für mittelgroße Trans aktionen haben wir im Geschäftsjahr 2014 erneut unter Beweis gestellt, dass wir für die uns anvertrauten Verkaufsmandate attraktive industrielle Käufer sowie namhafte Finanz investoren aus der ganzen Welt begeistern können. ERFOLGREICHE JAHRESBILANZ 2014 (ausgewählte Deals) Verkauf Verkauf Verkauf Verkauf Verkauf Cassidian Belgium (B) von Airbus Group (NL) an Parter Capital Group (D) alfi (D) von WMF (D) an Thermos (J) Amoena (D) von Granville / Baird Capital an Halder (D) UMS US (US) von UMS AG (D) an New State Capital Partn. (US) 34%-Anteil von UTA (D) an Edenred (F) Dezember 2014 (Signing) November 2014 November 2014 November 2014 Oktober 2014 (Signing) Verkauf Verkauf Verkauf Verkauf Verkauf CleanCar (D) von VR Equitypartner (D), SüdBG (D) und Privatpersonen an Holler-Stiftung (D) National Diversified Sales (US) von Graham Partners (US) an Norma Group (D) J.H. Ziegler (D) von Gesellschaftern (D) an DPE Dt. Private Equity (D) IHLE Holding (D) von Gründerfamilie (D) an Michelin (F) Rademacher (D) von NORD Holding (D) an Cross Equity Partners (CH) und Pinova Capital (D) Oktober 2014 Oktober 2014 Oktober 2014 September 2014 September 2014 Verkauf Verkauf Verkauf Verkauf Verkauf TimePartner (D) an Auctus Capital Partners (D) und das Management Garpa (D) von Gesellschaftern (D) an Diethelm Keller Group (CH) J&S Automotive Technology (D) von Finatem (D) an Brockhaus Private Equity (D) Waggonbau Niesky (D) von Deutsche Bahn (D) an Quantum Kapital (D) Universum Inkasso (D) von Valovis Bank (D) und Merkur (D) an BBU (D) September 2014 August 2014 August 2014 Juli 2014 Mai 2014 Verkauf Verkauf Verkauf Verkauf Verkauf Solarpark Bronkow (D) von EMMVEE (IND) an RheinEnergie (D) Railpool (D) von HSH Nordbank (D) und KfW IPEX-Bank (D) an Oaktree Capital Mgmt. (US) Schaltex Systems (D) von Haspa BGM (D) an Scanfil (FIN) entelios (D) von Gesellschaftern (D) an EnerNOC (US) WERU (D) von Triton (D) an H.I.G. European Capital (D) Mai 2014 Mai 2014 März 2014 Februar 2014 Januar 2014 Lincoln International AG Ulmenstraße Frankfurt am Main Germany Phone: +49 (69) Fax: +49 (69)

3 Editorial Anzeige Stefan Gätzner Redakteur Plattform M&A China/Deutschland Der lange Marsch der Outbound-Investments Liebe Leserinnen und Leser, in Riesenschritten geht es auf dem chinesischen M&A-Markt voran. Während vor zehn Jahren sich die Outbound-Investitionen noch an zwei Händen abzählen ließen, entwickelt sich das Geschäft mittlerweile stürmisch. Chinesische Investoren gaben laut dem Datenanbieter dealogic 2014 über 24 Mrd. USD für Übernahmen und Beteiligungen an europäischen Unternehmen aus. Im ersten Quartal dieses Jahres waren es mehr als 12 Mrd. USD also bereits die Hälfte des Vorjahresvolumens. Doch chinesische Investoren haben bei der Etablierung professioneller M&A- Prozesse noch Aufholbedarf. Unternehmensbewertung, Due Diligence, Vertragsgestaltung dies sind alles Bereiche, für die bei grenzüberschreitenden Investitionen Beratung durch Experten unabdingbar ist. Das Bewusstsein, dass hier noch ein höherer Grad der Professionalisierung erreicht werden muss, ist in China mittlerweile vorhanden. Dies wurde auf dem zweiten Cross-Border Investment und M&A-Summit Mitte April in Shanghai deutlich. Der M&A-Informationsdienstleister Morning Whistle hatte hochkarätige Experten eingeladen. In persönlichen Erfahrungsberichten aus der Outbound-Praxis und in teils kontrovers geführten Diskussionen zeigte sich, dass nur derjenige wirklich einen langfristigen Erfolg bei seinen Übernahmen verbuchen wird, der wirklich zielgerichtet und professionell vorgeht. Wir waren für Sie vor Ort und berichten auf S. 50 von den wichtigsten Ergebnissen. Ein großes Thema, das derzeit von Investoren und M&A-Beratern in China und Deutschland heiß diskutiert wird, ist die Euroschwäche. Vor einem Jahr gab es noch mehr als 8,60 Yuan für einen Euro. Im April dieses Jahres waren es mehr als zwei Yuan weniger eine Abwertung des Euro um rund ein Viertel. Auch hier gilt: Des einen Freud ist des anderen Leid. Für die chinesischen Exportunternehmen erhöht der starke Renminbi zusätzlich zu den steigenden Lohnkosten den Druck. Für Investoren aus dem Reich der Mitte werden die Targets dagegen günstiger. Doch welche Rolle spielt dieser Faktor tatsächlich bei deutsch-chinesischen Übernahmen? Dieser Frage gehen wir in unserer Titelstory (S. 12) nach. Für deutsche Investoren verteuern sich natürlich auch potenzielle Beteiligungen in China durch den niedrigen Euro. Dennoch gibt es zumindest an der Joint-Venture- Front einiges an Bewegung zu vermelden: In jüngster Zeit haben einige Unternehmen wie beispielsweise der Autozulieferer Grammer vollständig die Anteile ihres chinesischen Partners übernommen. Das Motiv liegt auf der Hand: höhere Flexibilität und kürzere Entscheidungswege. Wir beleuchten hierzu die Hintergründe (S. 34) für Sie und bieten Ihnen darüber hinaus natürlich wieder zahlreiche Fallstudien, Interviews und Expertenbeiträge. Eine spannende und informative Lektüre wünscht Ihnen das Team der Plattform M&A China/Deutschland. Stefan Gätzner M&A China/Deutschland 2/2015 Unternehmeredition 3

4 Inhaltsverzeichnis Investor schiebt an CHTC nimmt Autefa unter die Fittiche Seite 22 Renminbi hebt ab Starker Yuan beflügelt Outbound-Investments Seite 12 TITEL 12 Starker Renminbi heizt Outbound-M&A an Euroschwäche beflügelt Übernahmephantasien PRAXIS 16 Wisco Tailored Blanks nahtlos zusammengeschweißt Case Study: Stahlkonzern aus Wuhan sichert sich Schlüsseltechnologie 18 China ist bereits Nettokapitalexportland Interview mit Zhang Kun, China Investment Promotion Agency 22 Autefa mit chinesischem Investor auf Expansionskurs Case Study: Erfahrungen nach der Übernahme durch CHTC 26 Goldin übernimmt Gigaset eine Fallanalyse Hongkonger Konzern kauft börsennotierten Telefonanbieter Johannes H. Lucas, Dr. Junyang Shao 30 Deutsche Qualität und chinesische Schnelligkeit Interview mit Dr. Lu Chuan, Astronergy TRENDS 34 Günstige Gelegenheit genutzt Case Study: Grammer übernimmt Joint Venture, Chemetall zieht mit 36 Die Freundlichkeit der Menschen hier macht die Faszination aus Interview mit Titus von dem Bongart, AHK Shanghai 38 Industrie 4.0 Treiber für chinesische M&A-Aktivitäten in Deutschland NEU: Die Morning Whistle-Kolumne Frederick Wang 40 M&A-Partnersuche leicht gemacht GTAI unterstützt chinesiche Investoren bei Target-Suche Markus Hempel 42 Private Equity in China neue Chancen nutzen Sentiment: Neue Player auf dem globalen Beteiligungsmarkt 4 Unternehmeredition M&A China/Deutschland 2/2015

5 Berovid exped ese cus earchillor sequi diostin vellabo ratiustius. Seite xx Berovid exped ese cus earchillor sequi diostin vellabo ratiustius. Seite xx Weitere Information zum Thema finden Sie unter: Berovid exped ese cus earchillor sequi diostin vellabo ratiustius. Seite xx Juni ,80 Euro Inhaltsverzeichnis Solarhersteller greift zu Dr. Lu Chuan von Astronergy zur Übernahme von Conergy Seite 30 Mittelstand lockt an Chinas Blick auf Targets in Deutschland Seite 38 M&A-MANAGEMENT 44 M&A und Bewertung Anforderungen chinesischer Behörden Bewertungsverfahren als Stolperstein bei Übernahmen Dirk Nawe, Moritz Jacobs 46 Lange Leine statt Bevormundung Mitarbeiter im Zentrum der Post-Merger-Integration Michael Güttes 48 Das Patentportfolio im Blick Die richtige Bewertung von Schutzrechten bei Übernahmen Mathias Karlhuber 50 Financial Due Diligence bei Investitionsvorhaben in China Rechnungsbelege unter der Lupe Maximilian Meyer zu Schwabedissen, Bo Gao NETZWERK 52 Der Weg zur Profibranche: Cross-Border Investment- und M&A-Summit in Shanghai Morning Whistle organisiert hochkarätige Konferenz 54 China Convention auf der CeBIT Hannover im Zeichen der Big Player aus China 54 Bank of China mit neuer Niederlassung in München Chinas Traditionsbank weitet Präsenz aus 58 Events & Impressionen Einblicke in die Cross-Border-M&A-Community 60 Plattform M&A China/Deutschland Wir über uns! 61 Plattformpartner im Porträt 64 Netzwerk-Events und Mediapartnerschaften SERVICE 3 Editorial 6 Märkte & Daten 66 Inserentenverzeichnis/ Impressum 3 Restrukturierung Know-how für den Mittelstand Restrukturierung Omnimaiores Omnimaiores Omnimaiores Im Rahmen der Unternehmeredition erscheint am 17. Juni auch die Ausgabe 3/2015 mit dem Schwerpunkt Restrukturierung. M&A CHINA/DEUTSCHLAND ONLINE Liebe Leser, dieses Symbol weist Sie auf zusätzlichen Inhalt im Internet hin. Das komplette Heft ist als E-Magazin online zu lesen: M&A China/Deutschland 2/2015 Unternehmeredition 5

6 Märkte & Daten Konjunktur & Investition Chinas Investitionen in Europa erreichen Rekordvolumen Top-5-Zielländer für chinesische Investitionen in Europa 2014 (in Mrd. USD) Top-5-Zielländer für chinesische Investitionen in Europa (in Mrd. USD) Vereinigtes Königreich 5,1 Vereinigtes Königreich 16,0 Italien 3,5 Deutschland 8,4 Niederlande 2,3 Frankreich 8,0 Portugal 2,0 Portugal 6,7 Deutschland 1,6 Italien 5,6 Quelle: Baker & McKenzie, CICC / Rhodium Group Quelle: Baker & McKenzie, CICC / Rhodium Group 2014 erreichten die chinesischen Investitionen in Europa mit insgesamt 18 Mrd. USD einen neuen Rekord. Im Vergleich zum relativ schwachen Jahr 2013 war dies eine Verdoppelung des Volumens. Zu diesem Resultat kommt die Studie Reaching New Heights der Wirtschaftskanzlei Baker & McKenzie und der Investment Bank CICC, die auf Daten des Analysehauses Rhodium basiert. Dabei wurden 153 M&A-Trans- aktionen und Greenfield-Investments chinesischer Investoren im Jahr 2014 erfasst und ausgewertet. Das Vereinigte Königreich lag mit 5,1 Mrd. USD an der Spitze, gefolgt von Italien und den Niederlanden. Deutschland landete mit 1,6 Mrd. USD hinter Portugal auf Rang fünf. In der gesamten erfassten Periode seit der Jahrtausendwende steht Deutschland mit 8,4 Mrd. USD auf dem zweiten Platz hinter dem Vereinigten Königreich Deutscher Mittelstand mit neuer Niederlassungs strategie in China mit 16 Mrd. USD. Übernahmen machten in den vergangenen zehn Jahren 89% des gesamten Investitionsvolumens chinesischer Unternehmen in Europa aus. Ein wichtiger Faktor dabei ist der stabil steigende Trend bei den kleineren (unter 100 Mio. USD) und mittleren (zwischen 100 Mio. USD und 1 Mrd. USD) M&A-Transaktionen, auf die 2014 zusammen rund 7 Mrd. USD zurückgehen. Deutsche Unternehmen wollen ihr China-Geschäft weiter verstärken: 35% der bereits im Reich der Mitte tätigen Firmen planen innerhalb der kommenden drei Jahre neue Niederlassungen vor Ort. 32% sind unentschieden und 33% haben keine entsprechenden Pläne. Dabei bevorzugen insbesondere Produktions- und Einkaufsniederlassungen im Gegensatz zu früher zunehmend kleinere Orte im Umfeld von Metropolen wie Shanghai, Beijing oder Guangzhou. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des German Centre Shanghai und des Chinaforums Bayern unter mehr als 180 zumeist mittelständischen Unternehmen. 92% der Befragten bevorzugen für ihre produzierenden Niederlassungen mittlerweile kleinere Städte in der Nähe von Metropolen, nur noch 12% wollen künftig direkt in den Megacitys neue Werke eröffnen. Für Vertrieb Welche Regionen sind attraktiv für Ansiedlungen im Bereich Produktion, Einkauf und Vertrieb/Service? 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% 12% 47% 95% Tier-1-Städte (z.b. Shanghai, Beijing, Guangzhou) 68% 60% 57% Tier-2-Städte (z.b. große aufstrebende Provinzstädte) Quelle: Chinaforum Bayern / German Centre Shanghai und Service stehen aber die Megacitys nach wie vor im Zentrum ihrer Strategie: 95% der in diesen Bereichen tätigen 92% 42% Produk on Einkauf Vertrieb/Service 18% Kleinere Städte im Umfeld der großen Metropolen 54% 52% 51% Sonderwirtscha s- und Freihandelszonen Unternehmen wollen sich dort auch in den kommenden Jahren neu ansiedeln. 6 Unternehmeredition M&A China/Deutschland 2/2015

7 PLATTFORM- PARTNER* Plattform M&A China/Deutschland by Unternehmeredition *) Die ausführlichen Profile der Partner finden Sie auf den Seiten 61 bis 63.

8 Märkte & Daten M&A-Markt Chinas Privatunternehmen legen bei Outbound-Deals zu Der Anteil, den Privatunternehmen an chinesischen Outbound Investments einnehmen, ist laut der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in den vergangenen fünf Jahren stark gestiegen machte das Volumen der Outbound-M&A-Deals von Privatunternehmen bereits 41% aus, während sie 2010 noch bei 10% gelegen hatten. Dementsprechend fiel der Anteil der Staatsbetriebe von 90% auf 59%. Die Ursache für die erhöhte Aktivität der Unternehmen in Privatbesitz sieht KPMG vor allem in den Herausforderungen auf dem wettbewerbsintensiven, aber nicht mehr so wachstumsstarken Heimatmarkt. KPMG beobachtet dabei einen Trend hin zu größeren M&A-Transaktionen durch Chinesische Outbound-M&A-Transaktionen nach Volumen, % 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% Quelle: KPMG 10% 90% 18% 21% 82% 79% 31% 69% 41% 59% Staatsunternehmen Privatunternehmen scher Auslandsinvestitionen in den vergangenen Jahren bleibt der Anteil zeitnah umgesetzter Outbound-M&A- Transaktionen im internationalen Vergleich niedrig. Während chinesische Investoren nur in 67% der Fälle eine Transaktion tatsächlich innerhalb eines Jahres nach der Ankündigung einen Deal zu Ende bringen, sind es bei westeuropäischen Unternehmen 84% und bei US-Investoren sogar 85%. Dies ist ein Ergebnis einer Umfrage der Boston Consulting Group unter chinesischen Unternehmen. Als besondere Herausforderungen für Chinas Auslandsinvestoren identifiziert die Beragangenen Jahr fünf auf das Konto von Privatunternehmen. Jeder zehnte CEO in China plant Cross-Border-M&A Für 2015 planen 10% der chinesischen Unternehmensführer grenzüberschreitende M&A-Transaktionen. Ein noch größerer Teil, nämlich 28%, streben auf dem heimischen Markt eine Fusion oder Akquisition an. Dies ergab eine Umfrage von PwC unter 136 chinesischen CEOs. Die neue Normalität ist demnach auch bei Chinas Wirtschaftsführern angekommen. Neben klassischen Maßnahmen wie Kostenreduktion und Outsourcing fassen die CEOs angesichts der gestiegenen Herausforderungen verstärkt strategische Allianzen oder Joint Ventures ins Auge. Hier möchten 60% der Geschäftsführer in diesem Jahr aktiv werden ein Plus von 18 Prozentpunkten gegenüber Chinesische Outbound-Investoren hinken bei Durchführung und Post-Merger-Integration hinterher Gründe, eine Post-Merger-Integration (PMI) nicht umzusetzen 16% 24% 4% 4% Unterschiede in Kultur und Management 28% Zielunternehmen hat überlegene Managementfähigkeiten 24% Quelle: Boston Consulting Group Fehlendes PMI-Team und Mangel an Ressourcen Mangel an PMI-Erfahrung Zielunternehmen lehnt PMI ab Andere Gründe Trotz des rasanten Wachstums der Anzahl und des Volumens chinesi- Privatunternehmen. Demnach gingen von den zehn größten Outbound-M&A Deals chinesischer Investoren im ver- tungsgesellschaft eine häufig unklare M&A-Strategie, Schwächen bei der Due Diligence und Probleme bei der Post Merger Integration (PMI). Die chinesischen Unternehmen selbst gaben als Grund dafür, eine PMI nach einer Akquisition nicht durchzuführen, vor allem fehlende eigene Ressourcen zur Integration (24% der Befragten) und mangelnde Erfahrung (16%) an. Kulturelle Differenzen bzw. Unterschiede in der Managementphilosophie waren der wichtigste einzelne Faktor (28%), der eine erfolgreiche Integration aus ihrer Sicht verhinderte. 8 Unternehmeredition M&A China/Deutschland 2/2015

9 Deals Märkte & Daten Wanda sorgt für Wirbel auf Europas Sportmarkt Die Dalian Wanda Group mischt den europäischen Sportmarkt auf. Ende März meldete der chinesische Mischkonzern den erfolgreichen Einstieg bei Atlético Madrid. Über die Tochter Wanda Madrid Investment erwarb die in Peking ansässige Gruppe für 45 Mio. EUR einen 20%-Anteil am spanischen Fußballmeister. Konzernchef Wang Jianlin, ein bekennender Fußballfan, plant nach eigenen Angaben, auf die Ausbildungserfahrung für Nachwuchsspieler bei Atlético Madrid zurückzugreifen und in Spanien chinesische Fußballtalente trainieren zu lassen. Vor dem Abschluss des Atlético-Deals hatte Wanda bereits die Übernahme des Schweizer Sportmarketing-Unternehmens Infront Sports & Media AG von der europäischen Private-Equity-Gesellschaft Bridgepoint für 1,05 Mrd. EUR bekanntgegeben. Damit beabsichtigt die Unternehmensgruppe ihre Position im chinesischen Sportsektor zu stärken und gleichzeitig die Aussichten Chinas bei der Bewerbung um internationale Großveranstaltungen zu verbessern. Das von Philippe Blatter, einem Neffen des FIFA-Chefs Joseph Blatter, geführte Unternehmen ist in China vor allem beim Aufbau der Basketballliga engagiert. Auch nach der Transaktion wird Blatter CEO von Infront bleiben. Die Schweizer befinden sich in einer führenden Position im globalen Sportmarketing und unterhalten Partnerschaften mit 160 Rechtehaltern in über 25 Sportarten sowie mit hunderten Sponsoren und Medienunternehmen. So ist Infront beispielsweise Partner der FIFA und des DFB hat die Gruppe einen Umsatz von über 800 Mio. EUR erwirtschaftet. Die Dalian Wanda Group wurde 1988 gegründet und ist in vier Kerngeschäftsfeldern tätig: Gewerbeimmobilien, Kultur und Tourismus, E-Commerce sowie Finanzdienstleistungen erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 242,5 Mrd. RMB (36,2 Mrd. EUR). Private-Equity-Fonds Xio kauft Compo Expert Die chinesische Xio Group hat den Spezialdüngemittelhersteller Compo Expert gekauft. Es handelt es sich um eine Sparte des Unternehmens Compo, das zum Portfolio des Frankfurter Private-Equity-Investors Triton gehört. Die Privatkundensparte Compo Consumer bleibt weiterhin im Besitz von Triton. Die Beteiligungsgesellschaft hatte Compo 2011 von dem im DAX notierten Rohstoffkonzern K+S übernommen. Zum Kaufpreis machten die Beteiligten keine Angaben. Für Xio ist es das erste Investment in Europa. Das Management von Compo hatte nach der Übernahme durch Triton zahlreiche Maßnahmen zum Ausbau der Marktposition des Segments Spezialdüngemittel durchgeführt. Neben dem Markteintritt in Lateinamerika zählt dazu auch die Eröffnung eigener Standorte in Hongkong und Shanghai sowie die Erweiterung des Produktportfolios. Laut Angaben der Xio Group plant der Neueigentümer, die Entwicklung des Münsteraner Unternehmens weiter voranzutreiben. Derzeit beschäftigt Compo Expert weltweit rund 500 Mitarbeiter. Die chinesische Private-Equity-Gesellschaft Xio Group ist nach eigenen Verlautbarungen ein globales Unternehmen für alternative Investments mit Büros in London, Shanghai und Hongkong. Das Unternehmen verfügt demnach über Investitionskapital in Milliardenhöhe, das weltweit für Transaktionen eingesetzt wird. Foto: Thinkstock/iStock/AmmentorpDK Zhongding übernimmt Wegu für 95 Mio. EUR Der chinesische Automobilzulieferer Anhui Zhongding Sealing Parts hat Mitte April die Übernahme des deutschen Kunststoffverarbeiters Wegu Holding abgeschlossen. Der Vertrag war im Januar unterzeichnet worden und das Bundeskartellamt hat die Transaktion zwischenzeitlich freigegeben. Das an der Börse Shenzhen notierte Unternehmen übernimmt 100% der Wegu-Anteile für einen Preis von 95 Mio. EUR von den Investmentgesellschaften DMB 1. Invest (90%) und Equitrust Beteiligungen (5%) sowie dem Geschäftsführer von Wegu, Horst Zimmermann (5%). Die im hessischen Kassel ansässige Wegu Holding verarbeitet polymere und elastomere Werkstoffe zu Komponenten für die Automobilindustrie wie Innenraumverkleidungen, Kotflügel und Schmutzfänger. Das Unternehmen beschäftigt rund 260 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2013 ein EBITDA von 9,8 Mio. EUR bei einem Umsatz von 48,5 Mio. EUR. An- hui Zhongding Sealing Parts ist Teil der Anhui Zhongding Holding mit Sitz in Ningguo in der südost chinesischen Provinz Anhui. Mit einem Jahresumsatz von 10,4 Mrd. RMB (1,6 Mrd. EUR) gehört der Konzern zu den führenden Automobilzulieferern in China. Zu den Kunden gehören u.a. Volkswagen, BMW, Ford und Toyota. In Deutschland hat Zhongding bereits 2009 den Hydraulikleitungshersteller Schmitter und 2014 den Dichtungsspezialisten Kaco übernommen. M&A China/Deutschland 2/2015 Unternehmeredition 9

10 Märkte & Daten Deals Transaktionen im Überblick M&A-Transaktionen chinesischer Unternehmen in Deutschland 2015 (Outbound) Datum Volumen in Mio. EUR Zielunternehmen Branche Käufer 30. Apr 15 nicht veröffentlicht Jobspotting GmbH (Finanzinvestition: Seed-Investment, sechstelliger Betrag) Internet Horizons Ventures 28. Apr 15 nicht veröffentlicht Metz-Werke GmbH & Co KG (TV-Geräte-Sparte) Konsumgüter Skyworth Digital Holdings Ltd. 20. Apr 15 nicht veröffentlicht KSL-Kuttler Automatisation Systems GmbH (Tochter der Suntech Power) Maschinenbau Suzhou Fountain Group 30. Mär 15 6 Alno AG (9.09%) Konsumgüter Nature Home Holding Co. Ltd. 27. Mär Kion Group AG (Erhöhung um 4,95% auf 38,25%) Maschinenbau Weichai Power Co. Ltd. 19. Mär 15 nicht veröffentlicht Compo Expert GmbH Chemie Xio Group 03. Feb Wegu Holding GmbH (100%) Automobil Anhui Zhongding Holding (Group) Co. Ltd. 30. Jan 15 nicht veröffentlicht HT Hauser Trucks GmbH Verkehr & Transport Hainan Traffic Control Holding Co Ltd 12. Jan 15 nicht veröffentlicht Beltco Systems BV Konsumgüter Shanghai Yongli Belting Co. Ltd. Quelle: dealogic, eigene Recherche M&A-Transaktionen deutscher Unternehmen in China 2015 (Inbound) Datum Volumen in Mio. EUR Zielunternehmen Branche Käufer 16. Feb 15 nicht veröffentlicht Shanghai Chemetall (chinesische Joint-Venture Anteile) Grammer Seating (Jiangsu) Co. Ltd. (Joint Venture-Anteile von Jiangsu Yuhua) Chemie Chemetall GmbH 15. Jan 15 nicht veröffentlicht Quelle: dealogic, eigene Recherche Automobil Grammer AG Weichai stockt Anteile an Kion weiter auf Der chinesische Dieselmotorhersteller Weichai Power hat einen zusätzlichen Anteil von 4,95% an Kion gekauft. Der Zukauf kostete die Chinesen 186,94 Mio. EUR. Damit liegt der chinesische Anteil an dem im MDAX notierten deutschen Gabelstaplerhersteller nunmehr bei 38,25%. Laut Angabe des Unternehmens aus Shandong wurde der Anteil an der Kion Group AG von der Kohlberg Kravis Roberts und der zu Goldman Sachs gehörenden Investmentholding Superlift erworben. Der Zukauf werde die strategische Allianz mit Kion stärken, sag- te ein Sprecher von Weichai Power. Im September 2012 war Weichai Power bei Kion mit einem Anteil von zunächst 25% eingestiegen. Gleichzeitig übernahm Weichai mit einer Mehrheitsbeteiligung von 70% die Hydrauliksparte Kions, die seitdem unter dem Namen Linde Hydraulics geführt wird. Seit dem Einstieg stockte Weichai nach und nach seine Anteile an Kion auf, zuletzt Anfang 2014 mit einem Zukauf von weiteren 3,3%. Weichai Power Co. Ltd. wurde im Jahr 2002 als Tochterunternehmen des Staatskonzerns Shandong Heavy (heute Weichai Holding Group) gegründet. Mit seinen rund Mitarbeitern erzielte das Unternehmen 2013 einen Ertrag von 4,3 Mrd. RMB (638 Mio. EUR) bei einem Umsatz von 60,8 Mrd. RMB (9 Mrd. EUR). Kion hat seinen Sitz in Wiesbaden und ist einer der weltgrößten Hersteller von Gabelstaplern. Mit ca Beschäftigten produziert Kion jährlich Stapler. Das Unternehmen weist eine Marktkapitalisierung von 4,1 Mrd. EUR auf. Es erzielte 2014 einen Ertrag vor Steuern von 280 Mio. EUR bei einem Umsatz von 4,7 Mrd. EUR. ChemChina übernimmt Pirelli Die China National Chemical Corporation (ChemChina) übernimmt Pirelli für insgesamt 7,1 Mrd. EUR. Im ersten Schritt hat sich ChemChina von der Holding Camfin 26,2% der Anteile am fünftgrößten Reifenhersteller der Welt für knapp 1,9 Mrd. EUR gesichert. Camfin gehört mehrheitlich dem russischen Ölkonzern Rosneft und einer Holding des Pirelli-Chefs Marco Tronchetti Provera. Mit der Übernahme erhält ChemChina Zugang zur Technologie für die Herstellung von Premium- Reifen. Der Vorsitzende Ren Jianxin verlautbarte, einen weltweiten Marktführer in der Reifenindustrie schaffen zu wollen. Der italienische Reifenhersteller dagegen soll von einer strategisch besseren Positionierung am chinesischen Wachstumsmarkt profitieren. Geplant ist nun ein Delisting von der Mailänder Börse, um sich auf die Restrukturierung zu fokussieren. Pirelli will sein Geschäft mit Lkw-Reifen ausgliedern und mit dem chinesischen Hersteller Aeolus fusionieren, einer ChemChina-Tochter. Der Staatskonzern ChemChina wurde 2004 in Beijing gegründet und ist weltweit in 140 Ländern aktiv meldete das Unternehmen Verkaufserlöse und einen Umsatz in Höhe von 244 Mrd. RMB (36 Mrd. EUR). 10 Unternehmeredition M&A China/Deutschland 2/2015

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12 Titel Renminbi und M&A Starker Renminbi heizt Outbound-M&A an China durchläuft eine Phase gebremsten Wachstums. Doch dies wird das deutsch-chinesische M&A-Geschäft nicht stoppen, denn Peking drängt die Unternehmen, immer massiver im Ausland zu investieren. Gleichzeitig heizt der schwache Euro Übernahmephantasien chinesischer Investoren an. Auch in Deutschland. VON MARK FEHR UND STEFAN GÄTZNER Foto: Thinkstock/iStock/chuyu 12 Unternehmeredition M&A China/Deutschland 2/2015

13 Renminbi und M&A Titel Der jüngste Balanceakt der chinesischen Regierung wirkt sich auf das Wirtschaftswachstum aus. Peking versucht einerseits, den Aufbau von Überkapazitäten in der Industrie und Fehlentwicklungen im Immobilienmarkt einzudämmen. Andererseits will die Regierung nicht nur einzelne Industriezweige, sondern die gesamte Struktur der Wirtschaft modernisieren: Der heimische Konsum- und Servicesektor soll gestärkt werden. Doch diese Veränderungen brauchen Zeit. Hinzu kommt die intensive Korruptionsbekämpfung, die Entscheider offensichtlich vorsichtig werden lässt. Die Folgen bleiben nicht aus. Um nur 7,0% legte das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2015 zu, was wenig ist für chinesische Verhältnisse. Im Vorquartal waren es noch 7,3% gewesen ganz zu schweigen von den zweistelligen Wachstumsraten in den Jahren davor. Gleichzeitig aber forciert die Regierung ihre Going-Out-Strategie: Chinesische Unternehmen sollen im Ausland investieren und dort neue Märkte erschließen. In diesem Zusammenhang stehen auch die Intensivierung der Zusammenarbeit mit den asiatischen Nachbarn bei überregionalen Infrastrukturprojekten unter dem Schlagwort neue Seidenstraße sowie die Gründung der Asiatischen Infrastruktur Investitionsbank (AIIB). Gute Rahmenbedingungen also für chinesische Outbound-Investitionen. Insbesondere, da auch Peking die Wechselkurs EUR/CNY CNY 9,5000 9,0000 8,5000 8,0000 7,5000 7,0000 6,5000 LOG Quelle: Taipan entsprechenden Regularien im vergangenen Jahr deutlich vereinfacht hat. So wurde 2014 auch zu einem Rekordjahr, in dem zum ersten Mal über 100 Mrd. USD an Direktinvestitionen ins Ausland flossen. Für Unternehmen aus China, die in Europa auf der Suche nach Übernahmekandidaten sind, kommt derzeit ein Sonderfaktor hinzu: der günstige Eurokurs. Vor einem Jahr lag die Notierung des Euro noch bei über 8,65 Yuan Renminbi, im April dieses Jahres lag der Kurs zeitweise unter 6,60 Yuan. Deutsche Investitionen in China leiden natürlich hierunter. Jedoch eröffnet die forcierte Entwicklung des Binnenmarkts auch langfristig Chancen jenseits der tradierten Investitionen in billige, auf Export getrimmte, chinesische Produktionsstätten. (c) Tai-Pan Kurs:6, Kurse Günstige Gelegenheiten, langfristige Ziele Der Wirtschaftswissenschaftler Klaus Meyer, Professor an der China European International Business School (CEIBS) in Shanghai, erwartet deutliche Auswirkungen des schwachen Euro auf das Engagement von Investoren aus China in Deutschland. Meyer führt den Effekt dabei vor allem auf das langfristige Denken hinter den Investments chinesischer Unternehmen zurück. Chinesen investieren typischerweise in Technologie und wollen von den Deutschen lernen, erklärt Meyer. Da der langfristige Wert der Investition unverändert bleibt, ist es attraktiver, jetzt die Möglichkeit zu nutzen und zu einem günstigen Wechselkurs einzusteigen. Darin unterscheide sich die Motivation der Chinesen von anderen internationalen Investoren etwa aus den USA, die stattdessen vor allem auf die Umsatzentwicklung von Übernahmezielen schauten. Auf eine Unternehmensbewertung anhand der Umsätze habe der Wechselkurs dagegen keinen Einfluss. Denn mit einem fallenden Euro sinke nicht nur der Übernahmepreis, sondern gleichzeitig auch Chinesen investieren typischerweise in Technologie. PROFESSOR KLAUS MEYER CEIBS, Shanghai Den größten Einfluss hat zurzeit die Stärke des Renminbi. MICHAEL FLORIAN RANFT Leiter China Group, Taylor Wessing M&A China/Deutschland 2/2015 Unternehmeredition 13

14 Titel Renminbi und M&A Chinesische Outbound-Investitionen in Europa (in Mio. USD) der Wert der Umsatzerlöse des Zielunternehmens in Europa. Meyer führt die Übernahme des italienischen Autoreifenherstellers Pirelli durch ChemChina im März dieses Jahres als Beispiel für das langfristige Denken chinesischer Investoren an: Aufgrund dieser Motivation sehen die Chinesen den günstigen Euro als Sonderangebot. Seine Schwäche mache die Akquisition von Technologie und anderen Kompetenzen günstiger, die chinesische Unternehmen in Deutschland und Europa langfristig erwerben wollen. Neue Branchen im Visier Stimmen aus der Praxis bestätigen die Argumente des CEIBS-Wissenschaftlers. Den größten Einfluss auf das M&A-Geschäft hat zurzeit die Stärke des Renminbi, sagt Michael-Florian Ranft, Leiter der China Group bei der Q1/12 Q2/12 Q3/12 Q4/12 Q1/13 Q2/13 Q3/13 Q4/13 Q1/14 Q2/14 Q3/14 Q4/14 Q1/15 Deutschland Quelle: dealogic Andere europäische Länder Im Vergleich zu vor einem Jahr ist in Renminbi gerechnet alles billiger. HENRY CHOW Member of the European Advisory Board, Bridgepoint internationalen Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing. Es ist damit zu rechnen, dass die chinesische Industrie die Stärke des Yuan nutzen wird, um sich im Ausland stärker zu engagieren. Man erkenne bei chinesischen Mandanten eine starke Entschlossenheit, in Deutschland und Westeuropa mehr zu akquirieren. Allerdings gibt Ranft zu bedenken, dass die deutsche Wirtschaftsstruktur mit ihren vielen kleinen und mittleren Unternehmen die Partnersuche erschwere. Einen positiven Einfluss des Wechselkurses sieht auch Henry Chow aus dem Shanghaier Büro des internationalen Private- Equity-Unternehmens Bridgepoint. Im Vergleich zu vor einem Jahr ist in Renminbi gerechnet alles billiger, sagt Chow. Der M&A-Profi ist ein Urgestein der Branche und war unter anderem bei dem bahnbrechenden Verkauf der Laptop-Sparte des US-Elektronikriesen IBM an den chinesischen Computerhersteller Lenovo beteiligt. Den schwachen Euro sieht Chow nun als Treiber chinesischer Auslandsinvestitionen. Wir sehen definitiv einen Trend, dass chinesische Investoren der Idee von Übernahmen in Europa offener gegenüberstehen. Neben dem technologiestarken deutschen Mittelstand mit seinen Maschinenbauern und Automobilzulieferern erscheinen dabei weitere Branchen als interessante Ziele. Ranft erwartet aufgrund der chinesischen Wirtschaftsplanung auch Beteiligungen im deutschen Gesundheitssektor und der Umwelttechnologiebranche. Angesichts der chinesischen Alterspyramide und medizinischen Unterversorgung müsse die Regierung das Gesundheitswesen verbessern und modernisieren. Auch Luft- und Wasserverschmutzung sowie Abfallbeseitigung erforderten Investitionen in den Umweltschutz. Dafür bedarf China des Zugangs zum Sachverstand, zur Erfahrung und zur Entwicklung des Westens, sagt Ranft. Privatunternehmen auf dem Vormarsch Chinas Staatsunternehmen sind bisher eine Stütze des deutsch-chinesischen M&A-Geschäfts. So schlug der Pekinger Rüstungs- und Flugzeugkonzern Avic gleich mehrmals im deutschen Mittelstand zu. Bereits 2010 stieg das Unternehmen bei dem Zementmaschinenspezialisten KHD Humboldt Wedag ein. Zuletzt übernahm Avic im vergangenen Sommer den ostdeutschen Automobilzulieferer Koki Technik Transmission Systems. Die Antikorruptionskampagne der neuen chinesischen Regierung aber bremst nach Einschätzung einiger Experten die Übernahmeaktivitäten staatlicher Unternehmen. Chinas Staatsunternehmen dürften erstmal eine Pause bei den Auslandsakquisitionen einlegen, erwartet Carsten Klante von Plumbohm & Co. Corporate Finance Consulting. Angesichts der Transparenzoffensive der Regierung vermeiden viele Manager demnach alles, was Aufmerksamkeit erregen könnte. Dennoch gibt es nach wie vor einzelne spektakuläre Deals von staatlichen Gesellschaften, wie gerade auch die Übernahme von Pirelli durch den Staatskonzern ChemChina für über Bei Inbound- Deals sind die Anfragen aktuell um circa 30% gesunken. ULRICH PLUMBOHM Chairman, Plumbohm & Co. 14 Unternehmeredition M&A China/Deutschland 2/2015

15 Renminbi und M&A Titel Die europäischen Unternehmen werden durch den Euro Gegenwind verspüren. JONATHAN ZHOU Director Shanghai Office, Bridgepoint 7 Mrd. EUR belegt. Insgesamt aber sind die Privatunternehmen im M&A- Markt auf dem Vormarsch. Laut einer Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG legte der Anteil der chinesischen Privatunternehmen am globalen Volumen chinesischer Outbound-Transaktionen innerhalb von fünf Jahren von 10% auf über 40% zu. Nicht zuletzt, weil sich die privaten Investoren auch an immer größere Deals heranwagen. Hinzu kommen in den letzten Jahren auch Private-Equity- Investoren wie Fosun. Für Wirbel sorgte die Gesellschaft mit der Übernahme des portugiesischen Versicherungsriesen Fidelidade für 1 Mrd. EUR Anfang Fosun ist auch schon auf dem deutschen Markt aktiv. Letztes Jahr erwarb die Beteiligungsgesellschaft für 87 Mio. EUR einen Anteil von 23% am Modehaus Tom Tailor, an der BHF- Bank beteiligte man sich mit 19%. Deutsche Unternehmen bei Inbound- Übernahmen zurückhaltend Während das Währungsgefälle zwischen Euro und Renminbi chinesische Übernahmen in Deutschland beflügelt, bremst es die M&A-Aktivitäten deutscher Unternehmen in China. Die Wechselkursentwicklung ist aber nicht der Hauptgrund, warum sich deutsche Unternehmenskäufer im Reich der Mitte zurückhalten. Dennoch wirken diese Effekte als Bremse. Bei Inbound-Deals nach China sind die Anfragen aktuell um circa 30% gesunken, berichtet Ulrich Plumbohm, Chairman von Plumbohm & Co. in Shanghai. Das aktuelle Wechselkursverhältnis sollte sich nach Einschätzung von Plumbohm aber in sechs bis zwölf Monaten wieder auf ein vernünftiges Niveau einpendeln, da sich die wirtschaft liche Erholung im Euroraum fortsetzen werde und China einen drastischen Rückgang seiner Exporte nach Europa nicht langfristig zulassen könne. Bis dahin ist die Auswirkung aber deutlich zu sehen. Die Schwäche des Euro hat die Preise für Übernahmen in China aus deutscher Sicht um 20% bis 25% in die Höhe getrieben, sagt Plumbohms Managing Partner Carsten Klante. Zwar sei der Währungskurs nicht das einzige Argument bei strategischen Deals, er zügele aber erstmal die Phantasie. Das bestätigt auch Jonathan Zhou, der in Shanghai die Niederlassung des Private-Equity-Hauses Bridgepoint leitet: In Bezug auf die Inbound-Investments in China werden die europäischen Unternehmen durch den schwächer werdenden Euro Gegenwind verspüren. Chinas Binnenmarkt wird attraktiver Betroffen von der Kursbremse sind generell deutsche Unternehmen, die mit ihren China-Investments aus China heraus exportieren wollen. Wer dagegen auf den chinesischen Binnenmarkt abzielt, kann das Währungsthema gelassen sehen. Denn der starke Renminbi verteuert nicht nur die Übernahmepreise und Betriebskosten, sondern wertet auch die mit chinesischen Kunden erzielbaren Umsätze auf. Die Konzentration auf Chinas boomenden Binnenmarkt ist nicht nur währungstechnisch opportun, sondern liegt auch aus handfesten strukturellen Gründen auf der Hand. China will den Binnenkonsum stärken, gleichzeitig wächst die Kauflust der chinesischen Verbraucher, sagt Horst Löchel, Professor für Volkswirtschaft an der Frankfurt School of Finance & Management. Löchel hat lange in China gelehrt und geforscht. Der Nachholbedarf der Konsumenten dort sei immer noch riesig. Wer als Konsumgüterhersteller von der enormen Nachfrage in China profitieren wolle, muss aus Sicht von Löchel vor Ort sein. Die Erschließung des Marktes über eine eigene Niederlassung und der Aufbau von Vertriebsnetzen sind dabei oft sehr langwierig. Nach Löchels Ansicht sollten Unternehmen sich in Form einer Übernahme den Marktzugang verschaffen. Das gehe schneller als der mühsame Aufbau neuer Kapazitäten. China will den Binnenkonsum stärken. PROFESSOR HORST LÖCHEL Frankfurt School of Finance & Management FAZIT Der günstige Wechselkurs des Euro ist derzeit ein treibender Faktor für die Übernahmeaktivitäten chinesischer Unternehmen in Deutschland und Europa. Viel grundlegender aber ist, dass die deutschen Mittelständler mit ihren spezialisierten Technologien, ihren Fachkräften und Know-how sowie ihrem Marktzugang für die Investoren aus dem Reich der Mitte auch auf lange Sicht attraktiv sind. Hinzu kommt die massive staatliche Unterstützung für Outbound- Investments. Beides zusammen bestimmt letztendlich den Wachstums trend der chinesischen M&A-Aktivitäten, die 2014 mit 331 Übernahmen im Ausland, darunter 36 in Deutschland, einen neuen Rekord erreichten. Begrenzend wirkt hierzulande lediglich die Schwierigkeit für chinesische Investoren, das passende Angebot an Zielunternehmen zu finden. M&A China/Deutschland 2/2015 Unternehmeredition 15

16 Praxis Case Study Wisco Tailored Blanks nahtlos zusammengeschweißt ThyssenKrupp gilt als Pionier der Tailored-Blanks-Technologie zur Herstellung maßgefertigter Blechplatinen für die Automobilindustrie. Doch 2011 beschloss der deutsche Konzern den Verkauf des Geschäftsbereichs. Mit der Wuhan Iron and Steel Corporation fand sich ein zukunftsorientierter Interessent, aber auch ein zäher Verhandlungs partner. VON NORBERT HOFMANN Schon der Name weist darauf hin, dass es um Maßarbeit geht. Tailored Blanks wurden ab Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts von ThyssenKrupp entwickelt, um maßgeschneiderte Blechplatinen aus Werkstoffen unterschiedlichster Beschaffenheit herzustellen. Durch das Zusammenschweißen mittels Laserstrahlen entstehen dabei breitere Bleche, als sie die früher üblichen Schweißverfahren erzeugen konnten. Neben den breiten Blechplatinen gehört heute auch das Zusammenschweißen aus schmaleren Stahlbändern abgerollter und zu neuen Werkstoffen zusammengeschweißter Bleche zu den Kernprodukten. Zielgruppe ist die Automobilindustrie, die diese Produkte für KURZPROFIL Wisco Tailored Blanks Hauptsitz: Duisburg Niederlassungen: 16 Standorte in sieben Ländern (Europa, Asien und Amerika) Mitarbeiter: rd. 900, davon ca. 290 in Deutschland Ursprungsjahr: 1985 (erste geschweißte Stahlblechplatine) Zahlen und Fakten zum Zeitpunkt der Transaktion: Umsatz global : 729 Mio. EUR Umsatz nach Regionen: Europa: 318 Mio. EUR Nafta-Staaten: 253 Mio. EUR China: 158 Mio. EUR den Karosserie- und Fahrzeugbau nutzt und dabei aufgrund der maßgeschneiderten Formung der Bleche von Gewichts- und Kosteneinsparungen profitiert. Wir bieten Leichtbaulösungen aus unterschiedlichen Werkstoffen an, wobei der Schwerpunkt auf Stahl liegt und unsere Zielkundschaft die Automobilindustrie ist. Von daher sehen wir uns nicht als klassische Stahlverarbeiter, sondern als Automobilzulieferer, sagt Dirk Aikes, Geschäftsführer der Wisco Tailored Blanks Gruppe. Strategische Neuausrichtung des Alteigentümers Weil das so ist, wurde Tailored Blanks vor vier Jahren vom damaligen Mutterkonzern ThyssenKrupp nicht mehr als Kerngeschäft identifiziert und im Rahmen eines großen Desinvestitionsprogramms zum Verkauf gestellt. An Interesse mangelte es nicht: In Frage kamen strategische Investoren ebenso wie Finanzinvestoren. Nach einer ersten Marktsondierung waren in den vom M&A-Bereich des ThyssenKrupp- Konzerns initiierten Auktionsprozess schließlich mehrere Unternehmen involviert. Europäische Hauptwettbewerber wie die Stahlkonzerne ArcelorMittal, Salzgitter und Voestalpine kamen aus strategischer Sicht allerdings nicht in Frage. Russische und US-amerikanische Stahlunternehmen wiederum waren zu dieser Zeit mit der Stabilisierung ihres Stammgeschäfts beschäftigt und sahen Europa zudem nicht als Kernmarkt. In die engere Wahl fiel deshalb der Verkauf an ein chinesisches Unternehmen. Einer der potenziellen Kandi- daten wäre laut Aikes das Joint Venture Tagal von ThyssenKrupp mit der chinesischen Angang Steel gewesen. Das Joint Venture, das mit der Herstellung von hochwertigen feuerverzinkten Feinblechen in einem verwandten Produktionsbereich tätig ist, hatte jedoch nicht rechtzeitig die Genehmigung der chinesischen Behörden für die Teilnahme am Auktionsprozess eingeholt. Wisco greift zu Schneller als Tagal war die Wuhan Iron and Steel Corporation (Wisco). Die 1958 gegründete Wisco gehört mit mehr als Mitarbeitern und einem Umsatz 89,6 Mrd. RMB (13,1 Mrd. EUR) im Jahr 2013 zu den traditionsreichsten Stahlproduzenten in China und auch zu den Wisco war ein zuverlässsiger Verhandlungspartner. DIRK AIKES Geschäftsführer, Wisco Tailored Blanks 16 Unternehmeredition M&A China/Deutschland 2/2015

17 Case Study Praxis Foto: ThyssenKrupp AG Komplexe Bleche: Wisco produziert maßgeschneiderte Autoteile. weltweit größten Stahlherstellern. Als großes Staatsunternehmen, das direkt der zentralen State-owned Assets Supervision and Administration Comission (SASAC) untersteht, hatte Wisco die Rückendeckung der chinesischen Regierung. Ein wichtiges Motiv für den Wuhaner Konzern war die Diversifizierung in höherwertige Geschäftsfelder. Denn im Bereich der normalen Eisenund Stahlproduktion boten sich angesichts eines schon damals bestehenden Überangebots auf dem chinesischen Markt keine attraktiven Perspektiven mehr. Im Laufe des Auktionsprozesses hat sich unter Berücksichtigung aller Aspekte der Verkauf an Wisco als beste Lösung herauskristallisiert, sagt Aikes. Bedürfnis nach Absicherung Die rund ein Jahr währende Zeitspanne bis zur Vertragsunterzeichnung war von intensiven und komplexen Gesprächen geprägt, in denen eine ganze Reihe besonderer Herausforderungen zu bewältigen war. Viele Details und Formalien, die bei westlichen Transaktionen zum Standard gehören, müssen bei Verträgen mit in solchen Akquisitionen nicht erfahrenen chinesischen Investoren erst verhandelt werden, sagt Dr. Michael Krömker, Partner bei der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft, der über große Erfahrung bei M&A-Verhandlungen zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen verfügt. Er verweist zudem darauf, dass bei deutschen Verkäufern oftmals Unsicherheiten bezüglich des Einhaltens der im Kaufvertrag fixierten Bedingungen bestehen. Es werden deshalb häufig umfangreiche Schutzmechanismen vereinbart, u.a. auch Garantien, die bei den beteiligten Banken beispielsweise im Fall einer nicht eingehenden Zahlung realisiert werden können. Auch beim Verkäufer ThyssenKrupp Steel Europe gab es ein starkes Bedürfnis, Vorkehrungen zur Absicherung zu treffen. Verkauf mit Standortgarantie Viele Vorurteile haben sich nicht bewahrheitet. Wisco war zwar ein herausfordernder, aber letztendlich auch ein zuverlässiger Verhandlungspartner, resümiert Geschäftsführer Aikes. Insbesondere mit Blick auf den Erhalt von Standort und Arbeitsplätzen hat die chinesische Seite sogar große Zugeständnisse gemacht. In einem Best- Owner-Agreement wurde ausdrücklich vereinbart, dass es innerhalb einer Zeitspanne von fünf Jahren keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird und der Standort in Deutschland in dieser Zeit erhalten bleibt. In der Regel werden solche Jobgarantien allenfalls für einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren gegeben. Chinesische Käufer aber lassen sich stärker auf diese Themen ein, weil sie langfristig orientiert sind und zudem als Investor um Vertrauen werben wollen, sagt Rechtsanwalt Krömker. Umgekehrt musste auch die deutsche Seite auf bestimmte Vorstellungen Rücksicht nehmen. So wird bei M&A-Transaktionen üblicherweise im Land des Targets verhandelt. Da aber Investoren aus China viel Wert auf Augenhöhe zwischen den Verhandlungspartnern legen, fanden die Gespräche zur Tailored-Blanks-Transaktion abwechselnd in beiden Ländern statt. Das macht das Ganze dann aber auch viel aufwendiger, sagt Krömker. Integration in den Mutterkonzern Nach dem im August 2013 erfolgten Closing der Transaktion hat nun die neue Zukunft für Wisco Tailored Blanks begonnen. Dazu gehört es, in der Kommunikation immer wieder einmal sprachliche Hürden zu bewältigen und sich an die Eigenheiten eines chinesischen Konzerns zu gewöhnen. Aktuell beispielsweise erstellt das Unternehmen einen Fünfjahresplan, der bei westlichen Firmen absolut unüblich ist. Wir werden andererseits aber auch langsam und behutsam in den Konzern eingebunden, betont Aikes die positiven Seiten der Anpassung. Zu dieser Einbindung wird es auch gehören, dass neben den jetzt noch vorwiegenden Zulieferungen von ThyssenKrupp künftig verstärkt Stahl vom neuen Mutterkonzern bezogen werden soll. Ausblick Wisco Tailored Blanks will die Marktposition in China stark aufbauen und gleichzeitig das Geschäft in Europa stabilisieren. Der neue Eigentümer hat zudem eine große Investition in die Produktion genehmigt, die unter dem Dach von ThyssenKrupp so nicht zustande gekommen wäre, sagt Aikes. Auch Befürchtungen hinsichtlich einer möglicherweise ablehnenden Haltung der Kunden haben sich nicht bestätigt. Im Gegenteil: Die deutschen Automobilhersteller freuen sich darüber, dass nun ein chinesisches Unternehmen für mehr Wettbewerb sorgt, der ihnen entgegenkommt. Chinesische Käufer wollen als Investor um Vertrauen werben. DR. MICHAEL KRÖMKER Partner, Luther Rechtsanwaltsgesellschaft M&A China/Deutschland 2/2015 Unternehmeredition 17

18 Praxis China ist bereits ein Nettokapitalexportland Im vergangenen Herbst eröffnete das chinesische Handelsministerium in Frankfurt das zweite europäische Büro der China Investment Promotion Agency (CIPA). Direktor Zhang Kun erläutert, was deutsche und chinesische Unternehmen bei Cross-Border- M&A-Transaktionen noch verbessern können. INTERVIEW STEFAN GÄTZNER Unternehmeredition: Welche chinesischen Unternehmen unterstützt die CIPA bei Investments in Deutschland vornehmlich? ZUR PERSON ZHANG Kun ist Europa-Chefrepräsentant der CIPA und leitet die China International Investment Promotion Agency (Germany) in Frankfurt. Die CIPA untersteht direkt dem Ministry of Commerce (MofCom) und unterhält neben der deutschen Vertretung noch eine Niederlassung in Ungarn. Die Agentur unterstützt chinesische und einheimische Investoren mit Informationsaustausch und Kontaktanbahnung. Dabei baut sie auf ihr umfassendes Netzwerk. Darüber hinaus bietet die CIPA den Unternehmen logistische und organisatorische Hilfe bei internationalen Messen und Events. Chinesischen Firmen steht sie zudem bei der Wahrung ihrer Rechte zur Seite. Zhang Kun: Unsere Aufgaben beziehen sich auf beide Richtungen. Wir entwickeln Services für das Going Out der chinesischen Unternehmen und unterstützen gleichfalls deutsche Unternehmen bei der Erschließung des chinesischen Marktes und der Suche nach Kooperationspartnern. Die Services richten sich auf der einen Seite an Groß- und Staatsunternehmen und auf der anderen Seite gleichzeitig an die vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und an Privatbetriebe. In der nächsten Zeit wird ein Schwerpunkt unserer Arbeit auf dem Aspekt des Matchmaking zwischen KMU beider Länder liegen. Welche Unternehmen aus China sind hier besonders aktiv? Alle chinesischen Unternehmen mit einer starken Position ob es nun Unternehmen im staatlichen oder im privaten Besitz sind sind bereits im Ausland und loten dort die Möglichkeiten aus. In ihren Plänen für die nähere Zukunft stellen grenzübergreifende Investitionen eine Hauptentwicklungsrichtung dar. Im Zusammenhang mit dem raschen Anstieg der chinesischen Auslandinvestitionen in den letzten Jahren erregte speziell die stürmische Entwicklung der Outbound-Investitionen der Privatunternehmen große Aufmerksamkeit. Insbesondere im Jahr 2014 explodierte das Wachstum der Overseas-Investments durch chinesische Privatbetriebe geradezu. In welchen konkreten Bereichen benötigen diese chinesischen Unternehmen die Services von CIPA? Mit der sich weiter intensivierenden Globalisierung wird die Notwendigkeit zu grenzüberschreitendem Handelsaustausch und Investitionspartnerschaften immer dringlicher. Jedoch stehen chinesische Unternehmen beim Markteintritt in Deutschland vor bedeutenden Problemen: Ihre Verbindungen ins Ausland sind begrenzt und sie verfügen über nicht genügend Informationen über den effektiven Bedarf an Investition. Sie sind nicht in der Lage, direkt mit potenziellen deutschen Kooperationspartnern insbesondere mit der großen Zahl an mittelständischen Unternehmen effektiv in Kontakt zu treten. Für die Agentur in Deutschland besteht die Hauptaufgabe darin, unter Berücksichtigung der hiesigen Strukturen aktiv auf Branchenverbände, Handelskammern, Indus trieparks und Betriebe zuzugehen und Kontakte zu knüpfen. Insbesondere gilt es, den Kontakt zu den zahlreichen Hidden Champions in den einzelnen Branchen, den mit- 18 Unternehmeredition M&A China/Deutschland 2/2015

19 Praxis Ein Schwerpunkt unserer Arbeit wird auf dem Matchmaking zwischen KMU beider Länder liegen. telständischen Unternehmen, zu verstärken. Wir wollen ihnen helfen, den Kooperationsbedarf der chinesischen Unternehmen zu verstehen und somit den chinesischen Unternehmen einen Weg zur Zusammenarbeit bei Investitionen ebnen. Welche Unterstützung können chinesische Unternehmen noch erwarten? Beim Markteintritt chinesischer Unternehmen in Deutschland schaffen wir Zugang zu Dienstleistungen in Bereichen wie der Pre-Investment- Analyse, der Standortwahl, der Partnersuche, der Projektbegleitung bis hin zur Vertragsunterschrift oder den Finanzierungswegen. Wir bieten die ganze Palette von Beratungsleistungen an. Darüber hinaus empfehlen wir den Unternehmen Investitionsberater für die entsprechenden Branchen. Wir veröffentlichen regelmäßig Studien zur Investitionsförderung in verschiedenen Branchen und unterstützen chinesische Unternehmen dabei, mit den betreffenden deutschen Branchenverbänden und Experten in Kontakt zu kommen. Wir bieten also den Unternehmen aus China, die nach Deutschland kommen und investieren wollen, branchenspezifische Informationen und Beratung, technische Gutachten und den Aufbau von Kontakten innerhalb der eigenen Branche. Anzeige Mergers & Acquisitions Wir sichern Ihren Integrationserfolg Wer sich zusammenschließt, will wachsen und erfolgreich sein. Die neue Größe soll wirtschaftliche Kraft entfalten. Doch nur die passenden Persönlichkeiten sichern den Integrations- und Akquisitionserfolg. Mercuri Urval gehört als organisch gewachsenes und unabhängiges Unternehmen mit fast Mitarbeitern in über 25 Ländern auf 5 Kontinenten zu den weltweit führenden Human Resources Management Beratungen. Seit 2006 sind wir mit zwei Niederlassungen in Peking und Shanghai aktiv. Ihr Ziel: Aus zwei Kulturen eine funktionierende Struktur schaffen, die erfolgreich ist. Unsere Kompetenz: Die Absicherung von internationalen Investitionsentscheidungen, indem wir die richtigen Persönlichkeiten für Ihren Unternehmenserfolg fi nden, auswählen, platzieren, integrieren und entwickeln. Unsere Mitarbeiter in China und Europa unterstützen Sie gerne. Sprechen Sie mit uns darüber, wie Ihr Zusammenschluss gelingt: Michael Güttes, Vice President Tel.: Unsere Leistungen: Board & Executive Search Human Resources Due Diligence Post Merger Integration Talent Management Business Transformation Executive Onboarding AUSTRALIA AUSTRIA BELGIUM BRAZIL CHINA DENMARK ESTONIA FINLAND FRANCE GERMANY INDIA ITALY LATVIA LITHUANIA LUXEMBOURG NETHERLANDS NORWAY POLAND PORTUGAL SINGAPORE SPAIN SWEDEN SWITZERLAND UNITED KINGDOM USA

20 Praxis China befindet sich mit seinen ODI insgesamt noch am Anfang. Die Outbound Direct Investments (ODI) sind dabei, die ausländischen Direktinvestitionen in China zu überholen. Wie beurteilen Sie die derzeitige Situation? Im vergangenen Jahr lagen Chinas ODI über alle Branchen hinweg bei 116 Mrd. USD. Wenn man noch Reinvestitionen aus Drittgebieten berücksichtigt, dann sollte sich das ODI-Volumen 2014 auf etwa 140 Mrd. USD belaufen. Das sind ungefähr 20 Mrd. USD mehr als das von China genutzte Auslandskapital. Dies macht deutlich, dass Chinas reale ODI im Jahr 2014 schon den Umfang des genutzten Kapitals aus dem Ausland übertrafen. Damit ist China bereits zu einem Nettokapitalexportland geworden. Bis die Outbound-Investitionen das Volumen des Zuflusses an ausländischem Kapital übertreffen würden, war nur eine Frage der Zeit. Wie sehen Sie die künftige Entwicklung der ODI? China ist in einer Phase der Kapitalakkumulation nach 30 Jahren Entwicklung weit vorangekommen. Die Unternehmen erlangen immer mehr die Fähigkeiten zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb. Gleichzeitig haben sich die Faktoren bei den verschiedensten Ressourcen in China verändert. Dies alles zusammen bedingt, dass China nunmehr bereits bei einer Phase des Kapitalexports angelangt ist. Ich schätze, das mit der beschleunigten Umsetzung und Implementierung der Going Out - und der One Belt one Road -Strategie das Wachstum der Auslandsinvestitionen noch an Geschwindigkeit zulegen wird. Allerdings ist China mit seinen ODI relativ spät dran und befindet sich insgesamt gesehen noch am Anfang. Das Gesamtvolumen der chinesischen Auslandsinvestitionen ist im Vergleich zu entwickelten Ländern wie den USA, der EU und Japan noch relativ gering. Das macht deutlich, dass wir im Bereich der Führung und Förderung der chinesischen Unternehmen zur Entwicklung einer noch besseren Zusammenarbeit bei Investitionen im Ausland noch viel zu tun haben. Wo sehen Sie noch Raum für Verbesserungen bei M&A-Transaktionen zwischen chinesischen und deutschen Unternehmen? Was die chinesischen Unternehmen betrifft, so sollten sie vor allem auf die Due Diligence im Vorfeld der Investitionen mehr Wert legen und diese intensivieren. Es ist empfehlenswert, spezialisierte Anwaltskanzleien, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer heranzuziehen, um sich einen vollständigen Überblick über das Target zu verschaffen. Sie sollten Wert auf den Rat, die Meinung und die Hilfe von Corporate-Finance- Spezialisten und Investmentbanken legen und mit einer internationalen Sichtweise Overseas-Investments planen und umsetzen. Demgegenüber sollten auch die deutschen Unternehmen im M&A-Prozess die Einstellung des chinesischen Investors und die spezifische chinesische Kultur ausreichend verstehen, um Hindernisse kommunikativer und kultureller Art abzubauen. Insbesondere sollten sie den aus der Vergangenheit stammenden Blick auf chinesische Unternehmen und Unternehmer sowie die bestehende Einstellung als Alteingesessene ändern, sodass beide Seiten auf der Grundlage von Gleichberechtigung und Vertrauen gemeinsam die Zusammenarbeit voranbringen können. Mit welchen deutschen Institutionen, Verbänden und Organisationen arbeiten Sie hier vor Ort zusammen? Vor uns liegt eine Periode voller goldener Gelegenheiten in der deutschchinesischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Politik, Wirtschaft und der strategischen Entwicklung. Um diese Gelegenheiten beim Schopf zu packen und gemeinsam den Unternehmen der beiden Länder zu dienen, wollen wir den Kontakt angefangen vom Bund über die Länder bis hin zu den Gemeinden zu Regierungsinstitutionen, Investmentagenturen, Industrie- und Handelskammern, Branchenverbänden und Industrieparks weiter intensivieren, dies umfasst auch die Germany Trade and Invest und den Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Was werden Sie konkret tun? Wir werden regelmäßig mit den verschiedenen Organisationen gemeinsame Investitionsförderungskonferenzen abhalten und eine hocheffiziente High-End-Plattform für einen zielführenden Austausch und das Matchmaking aufbauen. Wir werden dazu die bilateralen Kanäle und unser professionelles Netzwerk einsetzen und integrieren. In erster Linie werden wir eine gemeinsame Konferenz abhalten und eine Reihe von Schwerpunktprojekten durchführen sowie eine Branchenstudie veröffentlichen. Zudem werden wir ausgewählte positive Resultate der Zusammenarbeit in den Mittelpunkt stellen. Wir werden die Entwicklung von Investitionen, Übernahmen und Beteiligungen in beiden Richtungen zwischen Deutschland und China unterstützen und voranbringen. Wir bieten Services für deutsch-chinesische Industrieparks und die internationale Zusammenarbeit von KMU. 20 Unternehmeredition M&A China/Deutschland 2/2015

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