INDat-Report. Im Gespräch mit VorsRiBGH a.d. Dr. Gero Fischer Wir Bundesrichter sollten nicht im Elfenbeinturm sitzen

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1 Ausgabe 03_2008 INDat-Report Verwalter_Verfahren_Gerichte Wer kann kaufen? M&A-Beratung im Insolvenzverfahren Titel Nichts dem Zufall überlassen: Externe M&A-Berater unterstützen den Insolvenzverwalter bei der Suche nach passenden Käufern Im Gespräch mit VorsRiBGH a.d. Dr. Gero Fischer Wir Bundesrichter sollten nicht im Elfenbeinturm sitzen Verwalter & Kanzleien Christian Köhler-Ma (Leonhardt Westhelle & Partner) Report zur Anhörung im Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages Entschuldungsverfahren, GAVI und Verwalterbestellung

2 8 Ti t e l Wer kann kaufen? M&A-Beratung im Köln. Scheinbar hoffnungslose Fälle vermarkten und für diese den passenden Käufer finden, das gehört zu den Aufgaben externer M&A-Berater, auf die Insolvenzverwalter in größeren Verfahren immer häufiger zurückgreifen. Sie managen einen strukturierten Investorenprozess, der in vielen Fällen nachweislich zu höheren Verkaufspreisen für insolvente Unternehmen und zu höherer Gläubigerbefriedigung geführt hat. Wer auf einen taktischen und gestalteten Investorenprozess verzichtet, kann viel Geld zu Lasten der Masse auf dem Tisch liegen lassen. Foto: Franz Pfluegl / Fotolia I N D at - R e p o rt 0 3 _ Text: Peter Reuter

3 Sönke Schulz, Geschäftsführer der Sigma Corporate Finance GmbH:»Insolvenzverwalter erkennen zunehmend den Mehrwert eines professionell arbeitenden M&A-Beraters. Durch einen strukturierten Verkaufsprozess wird der Verwalter in aller Regel den Ausgang des Insolvenzverfahrens verbessern. Es lassen sich höhere Kaufpreise erzielen und die Zerschlagung insolventer Unternehmen verhindern.«9 Insolvenzverfahren Investorensuche hat begonnen Gespräche mit potenziellen Käufern laufen auf Hochtouren Investor gefunden. Meldungen, die im Zusammenhang mit insolventen Unternehmen immer wieder auftauchen, um nicht zuletzt eine Bewegung in der Sache zu dokumentieren. Letztere Formulierung kommt seltener, erstere naturgegeben am häufigsten vor. Die Investorensuche und die gezielte Ansprache potenzieller Käufer im Insolvenzverfahren haben sich in jüngster Zeit verändert. Wenn bei größeren Verfahren kurz nach der vorläufigen Bestellung externe Dienstleister eingeschaltet werden, dann sind es immer häufiger M&A-Berater, die eine aufwändige Käufersuche betreiben, die sich um den gesamten Globus erstrecken kann. Diese Spezialisten für Fusionen und Übernahmen agieren eher im Hintergrund, wenngleich ihr Kredo ein aggressives Verkaufen ist, das eine Wettbewerbsdynamik entfachen soll. Außerinsolvenzlich ist eine M&A-Begleitung selbstverständlich, im Insolvenzverfahren dagegen steckt sie noch in den Kinderschuhen. Größere Insolvenzverfahren, mit denen sich in der Regel externe M&A-Berater befassen, sind kriselnde Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Umsatz im Jahr oder mehr als 100 Mitarbeitern.»Eine stark wachsende Nachfrage«stellt Burkhard Jung fest, Vorstandsvorsitzender der CMS Societät für Unternehmensberatung AG, die seit über 30 Jahren im Markt ist und bundesweit Insolvenzverwalter berät.»aus unserer Sicht hängt es im Wesentlichen daran, dass Insolvenzverwalter zunehmend auch an der Qualität der Verwertung gemessen werden.«auch Sönke Schulz, Geschäftsführer der Sigma Corporate Finance GmbH, und Dr. Andreas Fröhlich, Geschäftsführer der perspektiv GmbH, sehen die zunehmende Nachfrage nach ihren Diensten vor dem Hintergrund der Qualitätsdiskussion in der Verwalterschaft. Die Investorensuche lasse sich mit professionellen M&A-Beratern für Gläubiger, Banken und Gerichte transparenter darstellen, stellt Rüdiger Brill fest, Director der Corporate Finance Partners MidCap GmbH (CFP), die Insolvenzverwalter Dr. Sven-Holger Undritz mit der Investorensuche bei der Schieder Möbel Gruppe beauftragt hatte. Im Verkaufsprozess der Schieder-Tochter IMS/SEH-Gruppe mit über 3500 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 250 Millionen Euro erhielt in dem von der CFP initiierten und durchgeführten Verkaufsprozess nach einem»spannenden Bietergefecht«die Berggruen Holdings Ltd. den Zuschlag. Über den zu Lasten der Masse vertretbaren Einsatz so mancher Dienstleister für Insolvenzverwalter lässt sich diskutieren, hingegen ist der Einsatz von M&A-Spezialisten, die wiederum größtenteils erfolgsabhängig honoriert werden, in besagten großen Verfahren nahezu unverzichtbar.»wenn der Verwalter einen laufenden Betrieb hat und sich um das operative Geschäft kümmern muss, braucht er professionelle Partner, die den parallel laufenden Investorenprozess steuern«, sagt Dr. Bruno M. Kübler, der zurzeit Verwalter der PIN-Gruppe und des Flugzeugmotorenbauers Thielert ist. Bei Thielert meldeten sich über Hans-Joachim Ziems, Seniorpartner der Unternehmensberatung Ziems & Partner:»Da das spezifische und oftmals auch branchenbezogene Know-How konzentrierter bei spezialisierten M&A-Beratern vorhanden ist, bedienen sich Insolvenzverwalter zunehmend dieser externer Dienstleister, um den potenziellen Verkaufserlös zu maximieren und den Verkaufszeitraum zu minimieren.«

4 Dr. Andreas Fröhlich, Geschäftsführer der perspektiv GmbH:»Einerseits führt der zunehmende Einfluss der institutionellen Gläubiger auf das Verfahrensmanagement zu erhöhten Anforderungen an den Investorenprozess. Andererseits fordern die Gerichte gleichzeitig in größeren Verfahren auch zunehmend eine transparente Darstellung der Aktivitäten des Verwalters zur Umsetzung einer Investorenlösung ein.«10 Titel 40 Interessenten in den ersten Tagen. Das könne man nur mit externen Profis bewältigen. Eine personell professionell aufgestellte und vernetzte M&A-Abteilung in großen Verwalterkanzleien zu unterhalten, wenn lediglich in wenigen Fällen im Jahr diese Dienste in der vollen Breite genutzt werden, ist nicht vermittelbar. Daher betrachten es die meisten großen Verwalterkanzleien im Sinne maximaler Gläubigerbefriedigung für geboten, auf diese Unterstützung von außen zu setzen. Man schätzt den Markt der speziell auf Insolvenzverwalter ausgerichteten Distressed Mergers & Acquisitions, die die insolvenzrechtlichen Besonderheiten kennen, auf etwa eine Handvoll Dienstleister. Als eine Art Anpassungsprozess betrachtet Hans-Joachim Ziems, Seniorpartner der Unternehmensberatung Ziems & Partner, diese Entwicklung hin zum M&A-Support. Ziems hat bei der Kirch Media GmbH & Co. KGaA den Verkaufsprozess in Zusammenarbeit mit UBS für rund 20 Tochtergesellschaften und Assets im Wert von 2,5 Milliarden Euro durchgeführt.»potenzielle Investoren professionalisieren sich zunehmend Regelmäßig mit der perspektiv GmbH arbeiten die Insolvenzverwalterkanzleien Jaffé, Klaas und Leonhardt & Westhelle zusammen. Als Startpunkt der Zusammenarbeit von Insolvenzverwaltern mit spezialisierten M&A-Beratern bei Verkäufen aus der Insolvenz kann sicherlich 1996 die Bremer Vulkan, eine der größten Firmenkonkurse der Nachkriegszeit, betrachtet werden.»hier war der Einsatz von M&A-Beratern bei Insolvenzen ein absolutes Novum«, sagt Dr. Adam Bolek.»Wir berieten damals Dr. Jobst Wellensiek beim Verkauf der Bremer Vulkan-Tochter STN Atlas an ein Konsortium aus British Aerospace und Rheinmetall sowie Friedrich Wilhelm Metzeler bei der Veräußerung der Dörries Scharmann Technologie, ebenfalls eine Bremer Vulkan-Tochter, an die Deutsche Beteiligungs AG.«Man habe in den vergangenen zehn Jahren bei über 20 Transaktionen aus der Insolvenz heraus beraten. In jüngster Zeit waren es für den Insolvenzverwalter Dr. Jobst Wellensiek der Verkauf der BBS Kraftfahrzeugtechnik AG und für Verwalter Thomas Oberle die Veräußerung der BBS Rüdiger Brill, Director der Corporate Finance Partners MidCap GmbH:»Die Zahl der professionellen Interessenten an Unternehmen in der Restrukturierung bzw. Insolvenz hat sich deutlich erhöht. Zusätzliche Mittel kommen aus neu aufgelegten Fonds und realisierten Unternehmensverkäufen nach erfolgreichen Turn-Arounds.«INDat-Report 03_2008 bei Unternehmenskäufen aus der Insolvenz. Dieser Umstand zwingt Insolvenzverwalter dazu, sich ebenfalls zu professionalisieren.«der Mehrwert für alle Beteiligten höhere Kaufpreise, höhere Gläubigerbefriedigung, keine Zerschlagung des insolventen Unternehmens, Erhalt von Arbeitsplätzen hat sich bis zu den Insolvenzgerichten herumgesprochen.»die Erkenntnis, dass auf Insolvenzsituationen spezialisierte Beratung den Gläubigern einen zusätzlichen Wert schafft und für die veräußernden Unternehmen oder Unternehmensteile in der Regel zu tragfähigen Zukunftslösungen führt, hat sich mittlerweile im Markt fest etabliert«, bestätigt Dr. Adam Bolek, Managing Director der Rothschild GmbH. Die Sigma Corporate Finance GmbH zählt den Verkaufsprozess der Strecker Getränke-Gruppe zu ihren Referenzen, für die sie Bernsau & Lautenbach Rechtsanwälte und Papst Lorenz + Partner Rechtsanwälte mit der Investorensuche beauftragt hatten. Für einen polnischen Hersteller von Elektronikkomponenten hat die CMS AG den M&A-Prozess im Auftrag von Insolvenzverwalter Dr. Wolfgang Schröder erfolgreich gesteuert. Motorsport & Engineering GmbH sowie für Verwalter Tobias Hoefer die ATS Automobilzuliefer-Gruppe. Beim ostdeutschen Werkzeugmaschinenbauer Heckert schaltete Dr. Bruno M. Kübler 1998 die M&A-Abteilung von Roland Berger ein, die monatelang den Verkaufsprozess begleitete. Die eigentlichen Verkaufsverhandlungen mit dem Schweizer Investor Starrag führte der Verwalter selbst, aber die Vorbereitung und Begleitung durch den M&A-Berater möchte er nicht missen. Bei der Veräußerung von Krisenunternehmen gelten erschwerte Besonderheiten, die nicht prozessual Investorenansprache und Due Diligence bedingt sind, sondern im eigentlichen Transaktionsprozess zu suchen seien, sagt Hans- Joachim Ziems. Zum einen sind das Interessenkonflikte zwischen den Stakeholdern des Unternehmens, die zu regeln seien. Zum anderen sei es der zeitliche Faktor, der eine schnelle Transaktion notwendig mache, um nicht wertvolle Assets, wie Kunden, Mitarbeiter und Image, zu verlieren. Der Zeitfaktor die schnelle Prüfung des Erwerbsinteresses ist das wertvollste Gut und unterscheide diesen Vorgang vom»normalen M&A-

5 Dr. Adam Bolek, Managing Director der Rothschild GmbH:»Es ist erstens die zentrale Aufgabe der insolvenzerfahrenen Investmentbank, trotz der insolvenzbedingten Vorurteile und Bedenken, mit den Entscheidungsträgern bei großen internationalen Unternehmen überhaupt Übernahmegespräche zu führen und zweitens, deren Bedenken und Vorurteile zu widerlegen sowie klar und verständlich die großen Vorteile eines Erwerbs aus der Insolvenz darzulegen.«11 Deal«, sagt Dr. Adam Bolek.»Wünschenswert«ist daher der Beginn des Investorenprozesses unmittelbar nach Antragstellung. Doch das gelingt nicht immer. Als bislang»hoffnungslosesten Fall«bezeichnet Sönke Schulz den Verkauf der Waechtersbacher Keramik, da der M&A-Prozess erst in Gang gesetzt worden sei, als sich das Unternehmen bereits ein halbes Jahr im eröffneten Verfahren befunden habe und die Produktion bereits seit Wochen eingestellt worden sei. Dennoch gab es eine»erfolgreiche Wendung«. An rund 30 inund ausländische Interessenten aus der Branche und 20 Finanzinvestoren verschickte man ein 30-seitiges Papier, das einen Asset Deal mit Übertragung von Marke, Geschäftsbetrieb und Mitarbeitern anbot sowie die Insolvenzgründe, Positionierung der Marke, Marktentwicklung und Stand der Restrukturierung darstellte. Aus diesen 50 Adressaten kristallisierten sich vier heraus, die einen Businessplan erhielten und im Unternehmen Gespräche führen konnten. Zuletzt blieben zwei strategische Investoren übrig. Zehn Wochen nach Aufnahme des M&A-Prozesses ist der Kaufvertrag mit Turpin Rosenthal unterschrieben und die Produktion wieder aufgenommen worden. Hier mag das Glück auch eine Rolle gespielt haben. Eine Mandatierung im ersten Monat nach Antragstellung biete die beste Voraussetzung, um erfolgreich als»sparringspartner«der Verwalter agieren zu können, sagt Dr. Andreas Fröhlich. Die Arbeitsteilung sollte dabei klar sein: Während der Insolvenzverwalter die für die Veräußerung wichtige operative Stabilisierung des Unternehmens vorantreibt, bringt der M&A- Berater bzw. eine insolvenzerfahrene Investmentbank den komplexen Verkaufsprozess ins Rollen. Das entlastet den Verwalter und hält ihm den Rücken frei. Die Kommunikation zwischen Verwalter, Management und M&A-Berater läuft währenddessen weiter. Der Verwalter schaltet sich erst wieder aktiv ein, wenn verbindliche Angebote vorliegen. Solange dient ihm der externe M&A-Berater als Puffer und Blitzableiter für diffuse Investorenanfragen. Gleichzeitig signalisiert der Verwalter an Insolvenzgericht und Gläubigerausschuss, dass alle Anstrengungen bei der Investorensuche unternommen werden.»gesteuert«,»strukturiert«und»gestaltet«sollte der M&A- Prozess ablaufen. Drei Vokabeln, die den Mehrwert der externen M&A-Leistungen für den Verwalter umschreiben. Das setzt erst einmal einen Alleinauftrag voraus, damit Interessenten nicht unkoordiniert von verschiedenen Seiten angesprochen werden, was letztlich einen unprofessionellen Eindruck hinterlasse. Rüdiger Brill bezeichnet die Steuerung durch mehrere Dienstleister als ein»no Go«. Einer muss alle Fäden in der Hand halten, denn ein unkoordinierter Auftritt schadet dem gesamten Prozess. Ein weiterer, unumstößlicher Faktor ist der feste Zeitplan.»Den Investoren ist nichts wichtiger als Verlässlichkeit«, sagt Burkhard Jung. Ein Abweichen vom Zeitplan sowie Angebote nach Ablauf von Fristen zuzulassen, seien nicht akzeptabel. Das Einhalten des Zeitplans mache eines der wichtigsten Erfolgskriterien aus, sagt Sönke Schulz. Sämtliche Wettbewerber und Kaufinteressenten aus verschiedensten Branchen und Kontinenten müssen innerhalb kürzester Zeit identifiziert werden, um eine breite und kontrollierte Investorenansprache zu starten. Obwohl sich eine Insolvenz schnell herumspricht, werden Wettbewerber der Branche selten von sich aktiv. Bis auf wenige pressewirksame Großverfahren können Verwalter zudem nicht davon ausgehen, dass alle in Frage kommenden Turnaround-Investoren von der Kaufgelegenheit erfahren. Ohne permanente Kontakte in die»investorenwelt«und schnell funktionierende Netzwerke kommt der Prozess nicht richtig in Gang. Nachdem man nun alle möglichen Investoren identifiziert hat, erhalten diese ein Kurzprofil des Unternehmens. Bei Interesse und nach einer abgegebenen Vertraulichkeitserklärung werden Insolvenzgründe und Restrukturierungspotenziale in einem Informationsmemorandum vertieft, gefolgt von Vorortterminen und -gesprächen sowie Managementpräsentationen. Wenn dann ernsthafte Angebote vorliegen, beginnen Due Diligence und konkrete Verkaufsverhandlungen. Jeder Schritt erfolgt in einem engen Zeitkorsett, begleitet von ständiger Kommunikation mit den Interessenten, aber auch mit dem Gläubigerausschuss, um Transparenz für alle zu gewährleisten. Bei jedem Schritt des Prozesses, der für insolvente Unternehmen zwei bis maximal sechs Monate betragen sollte in Sonderfällen auch nur wenige Wochen lichtet sich die Runde. Für Teile der BBS Automobilzuliefer-Gruppe und ATS Automobilzuliefer-Gruppe kontaktierte die Rothschild GmbH mehr als 100 potenzielle Käufer in den USA, Südamerika, Russland, der Ukraine, in Nahost, Indien, China und Japan.»Am Ende des Verkaufsprozesses lagen dem Verwalter jeweils mehrere notariell beurkundete Kaufverträge vor«, sagt Dr. Adam Bolek.»Die Kaufverträge hatten jeweils ein einseitiges Annahmerecht für den Gläubigerausschuss, sodass dieser schließlich einen Käufer auswählen konnte.«erfahrungsgemäß erziele man höhere Kaufpreise in einem Bieterprozess mit internationaler Investorenansprache als ausschließlich mit den Bietern, die sich»zufälligerweise«beim Verwalter melden, sagt Rüdiger Brill. Auch in den Fällen, bei denen sich bei Antragstellung Übernahmekandidaten präsentieren, rät Dr. Andreas Fröhlich zu einem parallelen Vorgehen.»Insiderlösungen«bergen die Gefahr, dass niedrige Preise durchgesetzt werden.»bei der passiven Investorensuche bleibt viel Geld auf dem Tisch liegen.«ein großer Fehler sei es auch, mit den vermeintlich besten Interessenten anzufangen und

6 Burkhard Jung, Vorstandsvorsitzender der CMS Societät für Unternehmensberatung AG:»Absolute No Go s sind Abweichungen von einem für alle Seiten vereinbarten und verpflichtenden Zeitplan. Den Investoren ist nichts wichtiger als Verlässlichkeit. Beispiele für falsches Verhalten sind, Angebote nach Ablauf von Fristen zuzulassen oder es an der erforderlichen Transparenz fehlen zu lassen.«12 Titel INDat-Report 03_2008 dann nacheinander die Interessentenliste abzuarbeiten, sagt Sönke Schulz. Eine»Exklusivität«müsse unbedingt vermieden werden, bestätigt auch Dr. Adam Bolek, da»dies einen preistreibenden Bieterwettbewerb und die Maximierung des Veräußerungserlöses unmöglich macht«.»wir suchen den Interessenten, der das Portfolio ergänzt und dem dieser Marktzugang fehlt«, sagt Dr. Fröhlich. Er nennt ihn»premiumkäufer«. Der Kernwettbewerber, der»in erster Linie auf der Matte steht«, führe zwangsläufig zum starken Abbau von Mitarbeitern und Produktionsstätten, weil er beides selbst vorhalte.»wir suchen jemand, der hier keine Produktionsstätte und keinen Marktzugang hat, der die Technologie nicht beherrscht.«wenn ein Stratege das Unternehmen oder Teile davon mit eigenen kombinieren will, interessieren ihn letztendlich Kundenliste, Marke und Vertriebskanäle. Finanzinvestoren seien eher interessiert, eigenständig fortzuführen, um es zu einem späteren Zeitpunkt gewinnbringend zu veräußern. Deren Basis der Kaufpreisberechnung sei der künftige Unternehmenswert. Andererseits seien es aber auch strategische Interessenten, die oft aufgrund des Know-Hows und der Synergiepotenziale höhere Bewertungen bieten als PE-Unternehmen und Hedge Fonds, sagt Dr. Adam Bolek. Der Markt der für strategische und der für Finanzinvestoren ist in kurzer Zeit sehr groß und fast unübersichtlich geworden. Die Zahl der professionellen Interessenten an Unternehmen in der Restrukturierung bzw. Insolvenz habe sich deutlich erhöht, stellt Rüdiger Brill fest. Zusätzliche Mittel kämen aus neu aufgelegten Fonds und realisierten Unternehmensverkäufen nach erfolgreichen Turn-Arounds.»Mittlerweile reicht die relevante Zielgruppe von Einzelkämpfern mit eigenem Vermögen bis zu weltweit agierenden Investoren mit Milliardenkapital.«Hier den Überblick zu behalten, ist Aufgabe des Beraters. Der Verwalter ist mit neuen Käufergruppen konfrontiert, deren Qualität und Seriosität es einzuschätzen gilt, um wie in einem Puzzle den Passenden zu finden. Wer letztendlich ein Rettertyp und wer ein Zerschlager ist das lässt sich oft vorher nicht eindeutig feststellen. Grundstein des Deals ist eine investorengerechte Ansprache und Aufbereitung der Informationen, um eine Investmentstory aufzuzeigen. Dafür muss man deren Informationsbedürfnisse kennen und vor allem Berührungsängste mit der Insolvenz abbauen sowie Vorurteile ausräumen. Das soll mit einer Ursachenanalyse und einem Konzept, das Restrukturierungsmaßnahmen aufzeigt, gelingen. Eine Analyse des Status Quo in der Insolvenz ist schwer, weil sich das relevante Umfeld, wie Kunden, Lieferanten und Bankbeziehungen, verändert hat und vorhandene Zahlen unvollständig, verzerrt, veraltet und falsch sein können. Hier setzt eine zukunftsgerechte Due Diligence ein, die auf einen belastbaren Business- und Finanzplan hinausläuft. Also weniger den Blick zurückwerfen, sondern mehr in die Zukunft richten.»beim Asset Deal ist die Komplexität stark verringert«, sagt Rüdiger Brill.»Dass hier die Due Diligence oft schlank und einfach durchgeführt werden kann, ist für manche Investoren erklärungsbedürftig.«weil es sich bei der übertragenden Sanierung in den meisten Fällen um einen Asset Deal geht und sich die Due Diligence auf einen Bruchteil des üblichen Umfangs reduziert, dürften die Berater der Käufer nicht Aspekte prüfen, die für einen normalen Unternehmenskauf relevant seien, aber im Rahmen einer Insolvenz keine Rolle spielten, sagt Dr. Adam Bolek.»Hier müssen wir verdeutlichen, was wichtig ist und was nicht.«manche Investoren wüssten nicht einmal, dass die Verbindlichkeiten des Unternehmens nicht auf einen Erwerber übertragen werden, sagt Schulz.»Ihnen muss klar gemacht werden, dass sie kein Unternehmen als Ganzes, sondern lediglich einen Geschäftsbetrieb übernehmen. Sie müssen sich ein Bild von der Rentabilität dieser zukünftigen Geschäftstätigkeit verschaffen«, sagt Burkhard Jung. Den Aufbau eines Unternehmens auf der»grünen Wiese«nennt das Dr. Andreas Fröhlich, frei von Altlasten, was in der Insolvenz mit Einschränkungen und mit Kreativität und Flexibilität des Verwalters möglich sei. Die Chancen für einen Kauf aus der Insolvenz das vermitteln M&A-Berater den Kaufaspiranten liegen im fairen Kaufpreis, den Restrukturierungsprivilegien des Verwalters, insolvenzbedingten Haftungsbeschränkungen und dem Abschneiden etwaiger Pensionslasten. Falsche Managemententscheidungen können zurückgenommen und Potenziale und Know-how aus einem gesunden Kern gewonnen werden. Allerdings dürfe man Probleme gegenüber den Interessenten nicht beschönigen oder verschweigen, rät Sönke Schulz, auch wenn man ihnen ein positives Bild malen möchte. Zu den unbenommenen Risiken zählen Unwägbarkeiten aus 613a BGB. Strategische Investoren empfänden das»unternehmerfeindliche Arbeitsrecht«abschreckend, stellt Dr. Bolek fest. Insolvenzverwalter, so Hans-Joachim Ziems, würden selten Garantien und Gewährleistungen im Rahmen der Kaufvertragsverhandlungen geben. Auswirkungen auf Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter und das Image durch die Insolvenz zählten genauso zu den Risiken wie unzureichende Daten im Rahmen der Due Diligence. Hier bestünde aber immer die Chance, resümiert Hans-Joachim Ziems, dieses Risiko einzupreisen und das Unternehmen»zu sehr günstigen Konditionen«zu erwerben. Risiken zulasten der Insolvenzmasse durch den Einsatz externer M&A-Berater sind stark limitiert. Seriöse Berater verbinden ihr Honorarmodell in einem hohen Maße mit einer erfolgreichen Umsetzung einer Fortführungslösung. Nur der Erfolg zahlt sich aus. «

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