ALLES VERBAUT UND WAS DANN? Flächensparendes Bauen als Zukunftsaufgabe

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1 ALLES VERBAUT UND WAS DANN? Flächensparendes Bauen als Zukunftsaufgabe

2 ALLES VERBAUT WAS DANN? Vorwort So ist die Lage Inhalt Das sind die Folgen Das Ziel: 30 Hektar pro Tag Flächen sparen so geht s Flächen sparen mit Individualität Dichte schont das Portemonnaie Dichte großzügig gestalten Dichte im Einklang mit der Natur Behutsam Flächen sparen Tipps und Regeln für alle Beteiligten Standort Checkliste Impressum Vorwort Der Lenkungsausschuss der Metropolregion Hamburg hat eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die Lösungen für das Problem des Flächenverbrauchs in der Metropolregion Hamburg entwickeln soll. Bei der Suche nach Lösungen wurde besonderer Wert darauf gelegt, dass ein sparsamerer Umgang mit Flächen nicht von oben herab verordnet wird weil dies in aller Regel wenig Erfolg bringt. Der Schwerpunkt, den sich die Arbeitsgruppe selbst gesetzt hat, liegt darauf, mit guten Beispielen zu überzeugen. Das Thema Flächenverbrauch ist nicht völlig neu. Es gibt bereits viele Beispiele, die zeigen, wie auch auf kleiner Fläche attraktives Wohnen möglich ist und dass diese Wohnformen äußerst beliebt sind. Aus der Erfahrung mit diesen Beispielen hat die Arbeitsgruppe Flächenverbrauch Rückschlüsse gezogen und Kriterien entwickelt, die festlegen, wodurch sich flächensparendes Bauen auszeichnet. Außerdem zeigen die Ergebnisse der Arbeitsgruppe, wie auch durch Verdichtung im schon bebautenbauten Innenbereich nnenbereich Kosten eingespart werden können. Diese Broschüre möchte mit guten Beispielen Mut machen und dabei Politik, Finanzwirtschaft und private Bauträger gleichermaßen die Möglichkeiten eines sparsamen Flächenverbrauchs offensiv nahebringen.

3 So ist die Lage. ALLES VERBAUT WAS DANN? Die Zunahme des Flächenverbrauchs ist ein wirtschaftliches Problem. Wir verlieren unsere produktivsten Agrarflächen.... ist ein ökologische Problem. Wir verlieren einen unserer effizientesten Schadstofffilter.... ist ein soziales Problem. Wir verlieren den Zugang zu Freiraumflächen in hoch verdichteten Räumen. 40 Fußballfelder. So viel Fläche wird in Deutschland pro Tag verbraucht. Das ist ein Problem. Aktuell werden in Deutschland täglich zwischen 105 und 130 Hektar Fläche für neue Siedlungs- und Verkehrsflächen ausgewiesen, so viel wie 40 Fußballfel der. Dieser Flächenverbrauch bedeutet nicht nur eine ökologische Belastung, er führt auch zu erhebli chen zusätzlichen Kostenbelastungen für die öffentliche Hand und die privaten Haushalte. Während der Flächenverbrauch in den vergangenen Jahr zehnten immer weiter gestiegen ist, ging das Be völkerungswachstum immer weiter zurück. Das heißt: Pro Einwohner wird immer mehr Fläche verbraucht. Viele Forscher prognostizieren, dass das Bevölkerungs wachstum zukünftig weiter zurückgeht. Können wir es uns angesichts immer knapperer Ressourcen eigentlich leisten, so viel Fläche zu verbrauchen? Sollte sich der Anstieg des Flächenverbrauchs weiter fortsetzen, stehen wir in Zukunft vor erheblichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemen. Auch in Hamburg. Die Metropolregion Hamburg zählt zu den am stärksten wachsenden Regionen Deutschlands oder gar Europas. Was zunächst positiv klingt, nach wirtschaftlichem Wachs tum und metropolitaner Attraktivität, hat auch eine Kehr seite: den Flächenverbrauch. Beobachtet man die flächenmäßige Entwicklung der Re gion im Laufe der letzten 50 Jahre, wird schnell deut lich, wie viel Fläche in diesem Zeitraum für Siedlungs entwicklung verbraucht wurde. Da die Fläche der Region aber nicht beliebig vermehrbar ist und wir unverbaute Fläche auch für ein gesundes Leben brauchen und auch für die Attraktivität der Region müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie wir sparsamer mit Fläche umgehen können Wir verbrauchen immer mehr Fläche und gleichzeitig verlangsamt sich das Bevölkerungswachstum. Flächeninanspruchnahme der Stadt Pinneberg im Nordwesten der Metropolregion Hamburg

4 ALLES VERBAUT WAS DANN? Das sind die Folgen. Flächenverbrauch zerstört die Natur, verschärft soziale Gegensätze und belastet die öffentlichen Kassen. Wie lange wollen wir uns das leisten? Mehr Flächenverbrauch erhöht die Umweltprobleme. Wenn immer mehr Fläche im Umland der Gemeinden und Städte bebaut wird, nimmt auch der Verkehr zu. Denn oft wird zwar vor den Toren der Stadt gewohnt, aber weiter im Stadtzentrum eingekauft oder gearbeitet, denn die Neubaugebiete bieten kaum die Vielfalt der Zentren. Und mehr Verkehr bedeutet mehr Energieverbrauch, mehr Umweltverschmutzung und Lärm. Aber nicht nur der Verkehr ist ein Problem: Durch bedenkenlosen Flächenverbrauch werden immer mehr ökologisch wertvolle Bodenflächen versiegelt. Ganz zu schweigen von den Folgen der Zersiedelung für das Landschaftsbild. Aber auch für den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft ist es bedenklich, wenn immer neue Flächen für Neubaugebiete erschlossen werden. Denn oft sind es die wohlhabenderen Teile der Bevölkerung, die sich ein Haus im Grünen leisten können. Wenn immer mehr Wohlhabende an den Stadtrand ziehen, ballen sich die sozialen Probleme in den bestehenden Siedlungen, statt dass sich die Einkommensgruppen mischen. Bedeutet mehr Fläche nicht auch mehr Einnahmen für die Kommunen? Nein. Flächenverbrauch verursacht mehr Kosten. Die Kostenbilanz des Flächenverbrauchs: Ein Nullsummenspiel Zusätzliche Einnahmen Finanzausgleich Einkommenssteuer Grundsteuer Zusätzliche Ausgaben Baulandbereitstellung Kommunale Leistungen Kommunale Umlagen Kreisfreie Stadt Einheitsgemeinde Mitgliedsgemeinde An die Neuausweisung von Bauland ist nicht selten die Hoffnung geknüpft, zusätzliche Steuereinnahmen für die Gemeindekasse zu schaffen. Meistens ist aber das Gegenteil der Fall: Mehr bebaute Fläche bedeutet neue Kosten. Unter dem Strich ist neues Bauland für die Kommunen oft ein Nullsummenspiel. Hintergrund Jeder Quadratmeter Siedlungs- und Verkehrsfläche bindet Kapital und kostet Instandhaltung. Je dichter die Nutzung ist, desto mehr Nutzer können von der Infrastruktur profiteren, was die Kosten senkt. Außerdem entscheidet die Lage einer Fläche darüber, wie viel Kosten entstehen, wenn sie bebaut wird. Liegt ein Grundstück beispielsweise außerhalb der Stadt, sind die Kosten für Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur in der Regel höher als in gut erschlossenen innerstädtischen Gebieten. Flächenverbrauch verursacht Kosten, die sich ökologisch sozial und fiskalisch auswirken können. Bei dem prognostizierten rückläufigen Bevölkerungswachstum stellt sich die Frage, wie lang wir uns diese Kosten noch leisten können.

5 ALLES VERBAUT WAS DANN? Das Ziel: 30 Hektar pro Tag. Die Effizienz einer Region und ihrer Siedlungsstruktur steigt, wenn wenig Fläche verbraucht wird. Es müssen Methoden und Beispiele aufgezeigt werden, wie flächen- und ressourcensparend gebaut werden kann. Schreibt man den heutigen Flächenverbrauch in der Metropolregion Hamburg fort, muss bis 2020 mit einer Zunahme der Siedlung- und Verkehrsfläche um fast 19 Prozent gerechnet werden. Möchte man die Probleme, die mit diesem Flächenverbrauch verbunden sind, vermeiden, gilt es, das flächensparende Bauen zu fördern. Das heißt, die Entwicklung von innerstädtischen Standorten mit einer guten Infrastrukturausstattung muss Priorität vor der Neuausweisung von Bauland auf der grünen Wiese haben. Aber auch durch andere Maßnahmen kann eine kostengünstigere Siedlungsplanung erreicht werden.» Baulandstrategien müssen auf ihre mittel- und langfristigen Folgekosten überprüft werden.» Geplanter Einwohnerzuwachs muss daraufhin geprüft werden, ob er mit dem derzeitigen Angebot an Einrichtungen und Leistungen bewältigt werden kann oder weitere Investitionen nach sich zieht.» Es müssen Standort- und Entwurfsvarianten und ihre Kosten verglichen werden, um die optimale Baulandstrategie zu ermitteln. Lebensräume zu gestalten bedeutet, das Gleichgewicht zwischen der ökonomischen, der sozialen und der ökologischen Dimension zu finden und mit Ressourcen schonend umzugehen. Deshalb müssen wir den Flächenverbrauch reduzieren und gleichzeitig Qualitäten erhalten und fördern. Die Bundesregierung hat als Ziel festgelegt, die tägliche Flächeninanspruchnahme von heute 130 Hektar auf 30 Hektar zu reduzieren. Aber selbst wenn dieses Ziel erreicht wird, werden die Kosten für den Flächenverbrauch bis 2020 um elf Prozent steigen während die Bevölkerung nur um 0,3 Prozent wächst. Dies beunruhigt umso mehr, als aufgrund der Alterung der Gesellschaft der Anteil der steuer- und einkommensgenerierenden Bevölkerung in Zukunft wesentlich kleiner als heute sein wird. Zusammengefasst bedeutet dies, dass in Zukunft weniger Menschen für höhere Kosten der Flächeninanspruchnahme aufkommen müssen. Damit gibt es ein erhebliches gemeinsames Interesse an einer kosteneffizienten Siedlungsentwicklung in der Metropolregion Hamburg. Die folgenden Beispiele zeigen, dass eine flächensparende und nachhaltige Siedlungentwicklung machbar ist. Es wird deutlich: Flächensparendes Bauen schont die Natur und die Finanzen und erhöht die Lebensqualität.

6 ALLES VERBAUT WAS DANN? Individuell und flächensparend: Das Speicherviertel Am Fischteich in Elmshorn Fläche sparen im Einklang mit der Natur: Ökologischer Wohnpark in Bad Oldesloe Modern und flächensparend: Drei Höfe in Hamburg-Poppenbüttel Fläche sparen so geht s Preisgünstig und flächensparend: Siedlung an der Osdorfer Landstraße in Hamburg-Groß-Flottbek Fläche sparen im Bestand: Nachverdichtung Am Moor in Geesthacht 10 11

7 ALLES VERBAUT WAS DANN? Zum Beispiel, wenn Dichte sich mit Individualität verbindet. Das Speicherviertel ist ein Erfolg, weil es trotz der hohen Dichte Individualität bietet.... Höfe und Quartiere die Identifikation der Bewohner fördern.... sich das Projekt gut in den Umgebungsbestand einpasst.... das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Individuell und flächensparend: Das Speicherviertel Am Fischteich in Elmshorn. Haustyp: Reihenhäuser Lage: Innenstadtrand eines Mittelzentrums Dichte: 40 Wohneinheiten pro Hektar Fertigstellung: 1998 Architekt: A. Siemonsen, Hamburg Bauträger: Langeloh Bau GmbH Man muss schon genau hinsehen, um hinter den individuellen Fassaden des Speicherviertels Reihenhäuser zu erkennen. Insgesamt sind es 63 individuelle Stadthäuser, die der Hamburger Architekt A. Siemonsen in Zusammenarbeit mit der Langelohe Bau GmbH auf einem früheren Gärtnereigelände am Stadtrand von Elmshorn entworfen hat. Der Clou: Trotz der hohen Dichte ist durch die individuelle Architektur der Häuser ein Ensemble entstanden, das wie ein gewachsenes Quartier aussieht. Dabei konnten die Bewohner die Farbe Ihrer Häuser sogar selbst bestimmen. Die Häuser sind zu Hausgruppen zusammengefasst, gruppiert um ruhige Wohnhöfe, die von Wasserläufen durchzogen sind. Dabei wurde viel Wert auf den öffentlichen Straßenraum, die Anlage von Wasserflächen im Gebiet selbst und die Erhaltung von innerstädtischen Grünräumen gelegt. Auch die Infrastrukturausstattung ist dank der zentralen Lage optimal: Das Grundstück liegt in der Nähe einer Schule und eines Kindergartens. Trotz der Qualitäten des Projekts ist es gelungen, die Häuser zu einem für Elmshorn sehr günstigen Kaufpreis anzubieten. Dabei hatte jeder Eigentümer die Möglichkeit, das Gesicht des Hauses selbst zu bestimmen. Man spürt es an vielen Details: Dies sind keine Reihenhausbewohner, sondern Traumhausbesitzer

8 ALLES VERBAUT WAS DANN? Zum Beispiel, wenn Dichte das Portemonnaie schont. Preisgünstig und flächensparend: Siedlung an der Osdorfer Landstraße in Hamburg-Groß-Flottbek Haustyp: 150 Reihenhäuser mit drei Haustypen Lage: Zehn Kilometer westlich der Hamburger Innenstadt Dichte: 52 Wohneinheiten pro Hektar Fertigstellung: 2001 Architekt: Venneberg und Zech Architekten, Hannover Bauträger: Gesa Bau Die Siedlung an der Osdorfer Landstraße ist ein Erfolg, weil sie ermöglicht, zugleich innenstadtnah und grün zu wohnen.... sie in direkter Nachbarschaft zu einem Einkaufszentrum liegt.... sie trotz der Lage an einer großen Ausfallstraße gut vom Lärm abgeschirmt ist.... sie günstigen Wohnraum in der Stadt bietet. Flächensparend bauen heißt auch, die noch freien innenstadtnahen Flächen in den Städten bes ser zu nutzen. Von diesen Flächen gibt es viele: brachgefallene Industriegebiete, Gleisanlagen, locker bebaute Sied lungen, aber auch Bundes wehrstandorte, von denen viele heute nicht mehr genutzt wer den. Wie gut diese innerstädtischen Flächenreserven für flächenspa rendes Bauen geeignet sind, zeigt das Beispiel der Siedlung an der Osdorfer Landstraße im Hamburger Westen. Das knapp vier Hektar große Gelände liegt am zweiten grünen Ring Ham burgs zwischen Elbe und Volks park, nur wenige Kilometer von der Hamburger Innenstadt ent fernt und in direkter Nachbar schaft des Elbe-Einkaufszen trums mit seinen über 120 Ge schäften. 14 Das Projektbeispiel zeigt: Innen stadtnahes Wohnen muss nicht teuer sein. Auf dem Grundstück wurden 150 Wohnungen in soge nannten Starterhäusern spezi ell für junge Familien errichtet. Die Wohnungen erstrecken sich über zwei bis drei Geschosse und bieten unterschiedliche Woh nungsgrößen von 92 bis 135 Qua dratmeter. Ein Highlight ist die S-förmige Wohnzeile, ebenfalls mit Maisonettwohnungen. Städtische Dichte wie in diesem Beispiel kann nur funktionieren, wenn ein gewisses Maß an Intimi tät gewahrt bleibt. Ein geschlos sener Riegel aus Dienstleistungs betrieben hält den Verkehrslärm außen vor für Sichtschutz zu den Gärten hin sorgen die Stell platzanlagen im Souterrain der Häuser. Der Zusatznutzen dieser innovativen Lösung: Es wurden ausreichend Stellplätze geschaf fen, ohne dass zusätzliche Flä che verbraucht wurde. 15

9 ALLES VERBAUT WAS DANN? Zum Beispiel, wenn Dichte großzügig gestaltet wird. Großzügig und flächensparend: Quartier der drei Höfe in Hamburg Projektdaten: 130 Wohneinheiten als Maisonettes und Apartments Lage: Am Rand des Alstertals in HamburgPoppenbüttel Dichte: 68 Wohneinheiten pro Hektar Fertigstellung: 2001 Architekt: Spengler und Wiescholek, Hamburg Bauträger: PEKAO motana. Consulting GmbH Die Drei Höfe sind ein Erfolg, weil die Bebauung trotz der hohen Dichte sehr klar und großzügig angeordnet ist.... das stimmige Farbkonzept individuelle Bereiche definiert.... die sorgfältig geplanten Grünanlagen Geschlossenheit und Großzügigkeit vermitteln.... kein Autoverkehr die Ruhe im Innenbereich des Quartiers stört. Flächen sparen durch dichte Bebauung? Besonders, wer es gerne luftig, klar und hell mag, wird hier dankend abwinken. Dabei kann Dichte durchaus groß zügiges und modernes Woh nen bedeuten, wenn der Entwurf stimmt wie beim Quartier der drei Höfe in Hamburg-Poppenbüttel. Der Entwurf der Hamburger Archi tekten Spengler und Wiescholek schafft es, bei höchster Dichte 68 Wohneinheiten pro Hektar ein Gefühl von Exklusivität und Großzügigkeit zu erzeugen. 130 Wohneinheiten verteilen sich auf dem verkehrsgünstig gelege nen Gelände am Rand des Alster tals in Hamburgs vornehmem Stadt teil Poppenbüttel, eingebettet in einen Außenraum, der ebenso anspruchsvoll und mo 16 dern gestaltet wurde wie die Ar chitektur. Klare Kubaturen, eine spannungs reiche Anordnung der Gebäude um kleine, intime Höfe mit Was serbecken und das rhythmische Fassadenspiel der zumeist bo denhohen Fenster ergeben ein ruhiges und zugleich vielgestal tiges Bild, unterstützt durch das fein abgestimmte Farbkonzept. Dabei werden unterschiedlichste Wohnungstypen angeboten, vom Apartment über Maisonettewoh nungen bis zum Mehrgenera tionenhaus. Eine Tiefgarage bie tet ausreichend Platz für Stell plätze. Dichte muss nicht Enge heißen das Quartier der drei Höfe zeigt, dass flächensparendes Bauen auch höchsten Designansprüchen genügen kann. 17

10 ALLES VERBAUT WAS DANN? Zum Beispiel, wenn Dichte im Einklang mit der Natur steht. Der Ökologische Wohnpark ist ein Erfolg, weil er einen guten Mix von unterschiedlichen Gebäuden bietet.... es trotz der hohen Dichte viele private Freiflächen gibt.... die Freiflächen und Gebäude nach ökologischen Aspekten gestaltet wurden.... er kinderfreundlich ist. Naturnah und flächensparend: Ökologischer Wohnpark Bad Oldesloe Haustyp: Doppelhäuser und Hausgruppen mit 65 Wohneinheiten Lage: Am Rand des Baugebiets Oldesloe West Dichte: 28 Wohneinheiten pro Hektar Fertigstellung: 1994 Architekt: Prof. Dr. Ing Detlef Glücklich Bei dichter Bebauung denkt so mancher an das Häusermeer der Großstadt. Dass Flächen sparen gerade auch Bauen im Einklang mit der Natur heißen kann, zeigt der ökologische Wohnpark in Bad Oldesloe. Das Baugebiet mit seinen 65 Wohneinheiten, die in Doppelhäusern und Dreier-Hausgruppen angeordnet sind, liegt am Rand des größeren Neubaugebiets Oldesloe-West, nur wenige Fußwegminuten vom Zentrum der Kreisstadt und in direkter Nachbarschaft zu mehreren Gemeinbedarfeinrichtungen. Sogar einen Stadtteilmarkt bietet das Neubaugebiet. Gerade Umlandgemeinden wie Bad Oldesloe müssen versuchen, die ihnen eigenen Standortqualitäten die Nähe zur Natur und geringe Belastung durch Lärm und Verkehr zu erhalten, wenn es um die Ausweisung von Neubaugebieten geht. Nur so können sie ihre Funktion als Wohnstandort auch für Pendler nach Hamburg bewahren. Neues Bauen darf nicht heißen, die Natur zu beeinträchtigen. Allein schon deshalb war die flächensparende Bauweise des ökologischen Wohnparks Oldesloe- West das gebotene Mittel. Auch bei der Ausgestaltung der Siedlung wurde auf den Einklang mit der Natur geachtet, auf viele naturnahe Freiflächen und energiesparende Bauweisen, bis hin zum spektakulären Ökohaus in Holzbauweise. So wurde die Nähe zur Natur trotz der dichten Bebauung erhalten

11 ALLES VERBAUT WAS DANN? Zum Beispiel, wenn Dichte sich behutsam einfügt. Gut eingefügt und flächensparend: Nachverdichtung Am Moor in Geesthacht Projekt: Nachverdichtung durch Aufstockung des Bestands und Neubau von 4 Häusern Lage: Im Westen von Geesthacht Dichte: 60 Wohneinheiten pro Hektar Fertigstellung: 1998 Architekt: Kurt und Jürgen Schmidt Bad Segeberg Bauträger: Versorgungseinrichtung der Architektenkammer Diese Nachverdichtungsmaßnahme ist ein Erfolg, weil die neue Bebauung den Bestand nicht stört.... der Baumbestand und damit die Wohnqualität erhalten wurde.... die Fassaden der neuen und alten Gebäude gut zueinander passen.... der Bestand mit relativ geringen Mitteln aufgewertet wurde. Weniger Fläche zu verbrauchen heißt auch, die vorhandenen Flä chen besser auszunutzen. Nachverdichtung heißt das Zauberwort. Gerade in den Siedlungen der fünfziger Jahre gibt es sehr weitläufige Zwischenräume, die sich gut dafür eignen, zusätz liche Gebäude zu einzufügen. Oft schrecken Anwohner und Po litiker jedoch vor dem Thema Nachverdichtung zurück, weil sie befürchten, dass die neuen Ge bäude den Bestand beeinträch tigen. Dabei ist diese Sorge un begründet, wenn die Planung sich gut einfügt und die Qualität des Bestands verbessert. Ein gutes Beispiel für eine ge lungene Nachverdichtung ist die Siedlung Am Moor in Geest hacht, eine typische locker be baute Zeilenbau-Siedlung der 20 Nach kriegszeit. Zentrumsnah im Westen von Geesthacht gelegen und infrastrukturell gut erschlos sen, war das Grundstück mit sei nen zehn Mehrfamilienhäusern ein idealer Ort für eine Nachver dichtung. Vier neue Häuser wurden zwi schen den bestehenden Gebäu den errichtet. Dabei konnte der alte Baumbestand mit seinem park artigen Charakter erhalten wer den. Zusätzlich wurden die be stehenden Gebäude um ein Geschoss aufgestockt. Um einen homogenen Eindruck entstehen zu lassen, wurden die Fassaden des Bestands den Fassaden der neuen Gebäude angeglichen. Heu te ist die Siedlung attrak tiver als früher und bietet mehr Platz zum Wohnen auf der glei chen Fläche. 21

12 ALLES VERBAUT WAS DANN? Tipps und Regeln für alle Beteiligten. Wer kann wie mithelfen, Flächen zu sparen? Architekten können... Flächenspar-Potenziale aufspüren und in die Diskussion einbringen. in Wettbewerben konsequent nach flächensparenden Lösungen suchen. Die vorangegangenen Beispiele haben gezeigt: Flächen sparen ist machbar. Dabei müssen Vorzüge wie Individualität, Ökologie, gute Gestaltung oder Lebensqualität nicht verloren gehen. Im Gegenteil: Gut gemachtes flächensparendes Bauen stärkt die Lebensqualität. Es sind Beispiele, die zur Nachahmung reizen. Aber lässt sich der Erfolg der gezeigten Projekte auf andere Projekte übertragen? Wir meinen ja. Deshalb haben wir für Sie im Folgenden die Erfolgsrezepte der Projekte zusammengefasst als Leitfaden zum Flächensparen. Egal, ob als Politiker, Architekt oder privater Bauherr: Machen Sie mit. Nur wenn alle an der Planung Beteiligten vom Sinn und den Erfolgsaussichten des Flächensparens überzeugt sind, können wir das Ziel, den Flächenverbrauch zu reduzieren, auch tatsächlich erreichen. Die Länder können... finanzielle Anreize für das Bauen im Bestand geben. Siedlungsentwicklung gemeindeübergreifend abstimmen, um Flächen- und Preiskonkurrenz zu vermeiden. das Baurecht so anpassen, dass noch mehr Flächen gespart werden können. Die Bürger können... Lösungen entwickeln, um an ihre Häuser anzubauen. Teilgrundstücke für flächensparendes Bauen verkaufen. Die Gemeinden können... einen Baulückenkataster und einen Flächenpool erstellen, um so das Nachverdichtungspotential von Gebieten zu identifizieren. Baurecht in bebauten Gebieten flexibler gestalten. Stadtentwicklungs- und Baulandstrategien auf Folgekosten überprüfen. bei der Baulandausweisung Standort- und Entwurfsvariationen durchspielen. langfristige Strategien für eine Nutzungsoptimierung bestehender Infrastruktur entwickeln

13 ALLES VERBAUT WAS DANN? Die StandortCheckliste Nicht jeder Standort ist für flächensparendes Bauen geeignet. Insbesondere für die Nachverdichtung das nachträgliche Verdichten einer bestehenden Bebauung durch Aufstocken oder Neubau von Gebäuden sind nur bestimmte Gebiete geeignet. Als Hilfe für die Entscheidung, ob sich ein Grundstück oder ein Wohngebiet für die Nachverdichtung eignet, haben wir eine Checkliste zusammengestellt. Wenn alle Frage mit ja beantwortet werden können, gibt es keine Bedenken, eine Nachverdichtung zu ver suchen. Die günstige Lage zählt. Bestehen gute Verkehrsverbindungen auch mit dem ÖPNV? Liegt der Standort in der Nähe von Einkaufsmöglichkeiten und sozialen Einrichtungen? Ist Erholungsgrün fußläufig erreichbar? Der Standort muss belastbar sein. Ist gute und werterhaltende Bausubstanz mit hoher Wohnnutzfläche vorhanden? Ist die Architektur ansprechend? Lässt das Wohnquartier Individualität zu? Gibt es individuelle Rückzugsflächen? Kann das Störpotenzial reduziert werden? Ist das Wohngebiet kinder- und familiengerecht? Gibt es öffentliche Kommunikationsräume? Sind die Stellplätze sicher und wohnungsnah? Ist das Preis-Leistungs-Verhältnis der Immobilie günstig? 24 25

14 ALLES VERBAUT WAS DANN? Ohne Trommeln geht es nicht. Ansprechpartner Arbeitsgruppe Flächenverbrauch Metropolregion Hamburg Als zentrale Anlaufstelle für Informationen steht der Internet-Auftritt der Metropolregion Hamburg unter zur Verfügung. Gute Beispiele und Checklisten alleine reichen nicht, um flächensparendes Bauen zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen. Wie überall ist lautes Trommeln gefragt. Denn keine gute Idee kommt ohne Marketing aus. Die Beispiele zeigen, dass es Alternativen zum viel beschworenen Trend zum Einfamilienhaus gibt. Flächensparendes Bauen kann selbst einen Trend setzen. Dies war auch das Ziel der ersten Zukunftswerkstatt in Lauenburg. Über 150 Mitwirkende kamen zusammen, um sich dem Thema Flächenverbrauch zu widmen mit Zeichenstift, Papier und begleitet von vielen Informationen und Diskussionen. Viele Vorurteile über dichte Bebauung konnten dabei ausgeräumt werden so konnte zum Beispiel gezeigt werden, dass es Möglichkeiten gibt, Gebäude so zu arrangieren, dass sich die Bewohner kennen lernen können, aber sich nicht durch ständige Zwangskontakte auf die Nerven gehen müssen, nur weil verdichtet gebaut wird. Das Ziel, sich dem Flächenverbrauch in Zeiten knapper öffentlicher Kassen stärker zu widmen, ist allen Beteiligten deutlich vor Augen geführt worden. Grund genug, sich jährlich zu einem Workshop zu treffen und eine Ausstellung zum Thema zusammenzutragen. Die Ausstellung war der Anfang einer kontinuierlichen Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Flächenverbrauch, zu dem auch die vorliegende Broschüre ihren Teil beitragen soll. Nun ist es an Ihnen. Werben Sie für das flächensparende Bauen! Daher steht am Schlusspunkt der Ausstellung auch ein Ausblick der drei beteiligten Architektenkammern von Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen. Die Kammern haben dabei das Einfamilienhaus, in dem nach und nach der Garten ungeordnet zugebaut wird und der zu kleine Garten immer wieder Nachbarschaftsprobleme schafft, der geordneten Struktur einer verdichteten Bebauung gegenübergestellt, wo auf viel kleinerer Fläche mehr Freiheit und Individualität entstehen kann. Gleichermaßen kommen beim verdichteten Bauen aber auch die Vorteile eines gemeinsamen Wohnens etwa bei der Kinderbetreuung zum Zuge. Impressum Herausgeber: Metroploregion Hamburg, vertreten durch den Kreis Segeberg, Bad Segeberg, 2007 V.i.S.d.P.: Landrat des Kreises Segeberg Georg Gorissen Leiter der AG Bewusstseinsbildung im Flächenverbrauch der Metropolregion Hamburg Redaktion - Grafik - Layout: urbanista Hamburg Text- und Grafikbeiträge: Kreis Pinneberg: A Thaler, T. Kuckuck Landkreis Harburg: C. Peters Landkreis Lüneburg: B. Kalliefe Freie und Hansestadt Hamburg: G. Sempell, N. Manthei Architektenkammer Schleswig-Holstein: M. Baum Architektenkammer Niedersachsen: L. Tabery Architektenkammer Hamburg: A. Siemonsen Tu-Hamburg-Harburg: Dr. J. M. Gutsche Bildnachweise: Titelbild: Wentorf, Aufwind-Luftbilder.de Seite 2 3: Datschas, Aufwind-Luftbilder.de Seite 4 5: Reinbek, Aufwind-Luftbilder.de Seite 6 7: Schönningstedt, Aufwind-Luftbilder.de Seite 8 9: Bergedorf, Aufwind-Luftbilder. de Seite 10: Poppenbüttler Berg, Stern, BSU Hamburg Seite 11: siehe Projektteil Seite 12 13: Am Fischteich, Stern, BSU Hamburg, Peters-LK Harburg Seite 14 15: Osdorfer Straße, Stern, BSU Hamburg, Peters-LK Harburg Seite 16 17: Poppenbüttler Berg, Stern, BSU Hamburg Seite 18 19: Bad Oldesloe, Stern, BSU Hamburg Seite 20 21: Am Moor, Stern, BSU Hamburg, Peters, LK Harburg Seite 22 23: Bullenhausen, Aufwind-Luftbilder.de Seite 24 25: Tostedt, Aufwind-Luftbilder.de Seite 26 27: Library, urbanista 26

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